Wissensmanagement im (Promotions-)Studium: ein Werkzeugkasten
Abstract
Bei dieser Handreichung handelt es sich um eine kurze Darstellung, inwiefern Fertigkeiten, Methoden und Werkzeuge des Wissensmanagements im und für das (Promotions-)Studium nützlich sein können. Beispielsweise werden Tipps gegeben für eine effiziente Verwaltung eigener Literaturangaben, Notizen oder auch Methoden für eine strategische Lernorganisation. Die Handreichung ist modular aufgebaut, sodass du auch nur die für dich relevanten Teile lesen kannst.
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Wissensmanagement im (Promotions-)Studium: ein Werkzeugkasten November 2025 (V3.0) too long, didn’t read Bei dieser Handreichung handelt es sich um eine kurze Darstellung, inwiefern Fertigkeiten, Methoden und Werkzeuge des Wissensmanagements im und für das (Promotions-)Studium nützlich sein können. Beispielsweise werden Tipps gegeben für eine effiziente Verwaltung eigener Literaturangaben, Notizen oder auch Methoden für eine strategische Lernorganisation. Die Handreichung ist modular aufgebaut, sodass du auch nur die für dich relevanten Teile lesen kannst. Auf einen Blick Strategische Lernorganisation: Ziele, Kompetenzen, Wissen Notizverwaltung Literaturverwaltung Ideenfindung Recherchieren Lernen aus Erfahrungen Wissensarbeit in der Gruppe Textproduktion Seite 1
Was ist Wissensmanagement und was hat das mit mir zu tun? Wissensmanagement ist der systematische Prozess, Wissen innerhalb einer Organisation zu erfassen, zu organisieren, zu teilen und effektiv zu nutzen, um die Leistungsfähigkeit zu steigern und Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Es umfasst Strategien und Technologien zur Identifikation, Speicherung und Verbreitung von sowohl explizitem (z. B. Dokumente und Datenbanken) als auch implizitem Wissen (z. B. Erfahrungen und Fertigkeiten). Ziel ist es, dieses Wissen effizient zugänglich zu machen, Innovationen zu fördern und das Lernen innerhalb der Organisation zu unterstützen. Aber auch auf persönlicher Ebene ist Wissensmanagement von zentraler Bedeutung für die Selbstorganisation. Dementsprechend helfen dir die Techniken aus dem persönlichen Wissensmanagement auch dabei, effizient und erfolgreich zu studieren und gut vorbereitet in das Berufsleben zu starten. Mithilfe der im Folgenden skizzierten Werkzeuge und Methoden wirst du dabei unterstützt, Wissen und Informationen im Rahmen deines Studiums strukturiert zu erfassen, zu organisieren und gezielt abzurufen. Du verstehst, wie du dein Wissen besser vernetzen und langfristig behalten kannst, was dir effektiv Zeit erspart. Wer steckt hinter der Handreichung? Die Handreichung wurde von uns, der Fachgruppe “Wissensund Innovationsmanagement in der Wissenschaft” der Gesellschaft für Wissensmanagement e.V. (gfwm), erarbeitet. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, Werkzeuge und Methoden des Wissensmanagements für die Arbeit im wissenschaftlichen Umfeld fruchtbar zu machen. Wir ermitteln den Status quo des Wissensund Innovationsmanagements in der Wissenschaft, fördern Sensibilität für die Thematik, adaptieren verfügbare Wissensund Innovationsmanagement-Methoden und -Werkzeuge aus Industrie und Wirtschaft soweit möglich und sinnvoll und passen diese gegebenenfalls an die wissenschaftlichen Kontexte an. Insgesamt verstehen wir uns als Plattform des Austauschs, der Diskussion und Vernetzung. Seite 2
An der Handreichung haben mitgewirkt (alph.): ● Jonathan D. Geiger ● Nicola Gude ● Eva Hörner ● David Lohner ● Edith Salz Des Weiteren bedanken wir uns sehr herzlich bei allen, die durch ihr Feedback zu dieser Handreichung einen wesentlichen Beitrag zu ihrer Weiterentwicklung geleistet haben! Trotz sorgfältiger Bearbeitungsprozesse sind Handreichungen wie diese nie fehlerfrei oder vollständig. Wir freuen uns daher nach wie vor über euer Feedback und haben durch die Versionierung der Handreichung die Möglichkeit, aktualisierte Versionen zu veröffentlichen. Für Fragen und Feedback zur Handreichung aber auch zur Fachgruppe allgemein kannst du gerne Jonathan D. Geiger ([email protected]) oder Edith Salz ([email protected]) anschreiben. Weitere Informationen zur Fachgruppe findest du hier: https://www.gfwm.de/wimwi/. Literatur und Weiterführendes Bastian, J., & Groß-Mlynek, L. (2019): Lernen und Wissen. Der richtige Umgang mit Information im Studium (3. Aufl.). München: UTB. CEN Information Society Standardization System [CEN/ISSS] (2004): Europäischer Leitfaden zur guten Praxis im Wissensmanagement. https://www.projektassistenz-blog.de/wp-content/uploads/2020/01/20200127_Europa eischer_Leitfaden_WM.pdf (zuletzt zugegriffen am 15.11.2025). Seite 3
Strategische Lernorganisation November 2025 (V1.1), Nicola Gude Bevor es an die konkrete Umsetzung von Projekten oder Lernvorhaben und das Anfertigen von schriftlichen (Promotions-)Arbeiten geht, ist es sinnvoll, sich mit der eigenen Lernorganisation zu beschäftigen, d. h. Ziele zu formulieren, die eigenen Kompetenzen einzuschätzen und bei Bedarf zu erweitern und das vorhandene Wissen zu organisieren. Auf dieser Grundlage kannst du dein anstehendes Projekt effizienter und selbstbewusster angehen und deine Erfolgschancen erhöhen. Um einerseits den Umfang der Handreichung nicht zu sprengen, dir aber auch andererseits die Möglichkeit zu geben, selbstständig zu entscheiden, an welcher Stelle du Beispiele und ausführlichere Informationen benötigst, haben wir zu den einzelnen Methoden und Werkzeugen weiterführende Links ergänzt. Außerdem findest du vor Beginn des ersten Moduls zwei kurze Hinweise dazu, an welchen Stellen dir der Einsatz von KI-Anwendungen deine Arbeit erleichtern kann. Strategische Lernorganisation und KI-Anwendungen Schon bevor du mit deiner Arbeit beginnst, solltest du dir überlegen, inwiefern du Künstliche Intelligenz in deinen Arbeitsprozess einbinden möchtest. Dabei sind zum einen die Vorgaben und Hinweise deiner Hochschule maßgeblich. Zum anderen kannst du dir den Arbeitsprozess leichter gestalten, indem du dir vorab überlegst, an welchen Stellen der Einsatz von KI-Anwendungen strategisch sinnvoll ist und auf welche Anwendungen du zurückgreifen möchtest. Dabei handelt es sich bei den genannten Tools nur um Beispiele (Stand: 11/2025), die angesichts der rasanten Entwicklungen im KI-Bereich schnell an Relevanz verlieren können. Anwendungsbeispiel Einsatz von KI im (akademischen) Arbeitsprozess: In ihrem beliebten Video, „My 17 Minute AI Workflow To Stand Out At Work“ erläutert Vicky Zhao verständlich und anwendungsbezogen, wie sie mit Hilfe von drei KI-Tools (Elicit, Notebook LM, Claude) akademische Fachliteratur und aktuelle Forschungsergebnisse in ihre Wissensarbeit integriert, um auf dieser Grundlage Seite 4
hochwertige Ergebnisse zu produzieren: https://www.youtube.com/watch?v=yqq_U2fxd2U (zuletzt zugegriffen am 15.11.2025). Übersicht KI-Tools für das wissenschaftliche Arbeiten: Die österreichische Professorin und Spezialistin für E-Learning, Wissensmanagement und Künstliche Intelligenz, Barbara Geyer, hat eine Auswahl an KI-Tools für verschiedene Bereiche des wissenschaftlichen Arbeitens (z. B. Literaturrecherche und Schreibprozess) übersichtlich und systematisch zusammengestellt, auf die du im Rahmen deiner Lernorganisation immer wieder zurückgreifen kannst: https://padlet.com/barbarageyer/ki-tools-f-r-wissenschaftliches-arbeiten-jrgdcpc7xajs 66nx (zuletzt zugegriffen am 15.11.2025). Seite 5
Strategische Lernorganisation: Zielentwicklung November 2025 (V1.2), Nicola Gude Verschiedene Methoden und Werkzeuge aus dem persönlichen Wissensmanagement unterstützen dich nicht nur in konkreten Lernsituationen im Studium und während der Promotion, sondern auch im späteren Berufsleben und bei der persönlichen Entwicklung – etwa was das lebenslange Lernen und das Erreichen persönlicher Ziele angeht. Das folgende Modul befasst sich mit der strategischen Zielentwicklung, ausgehend von der Frage: “Wie definiere, priorisiere und terminiere ich meine persönlichen (Lern-)Ziele?”. Im Rahmen von Studium und Promotion können Lernziele etwa den Erwerb von Fachwissen, von fachübergreifenden Schlüsselkompetenzen (z. B. Vorträge halten, wissenschaftlich fundiert diskutieren, Inhalte kritisch hinterfragen) und Techniken wissenschaftlichen Arbeitens oder das Erreichen von Zwischenetappen bei deinem Dissertationsprojekt betreffen. Indem du deine Ziele konkret formulierst und priorisierst und dir selbst Meilensteine und eine abschließende Deadline setzt, arbeitest du schneller, effizienter und erhöhst deine Erfolgsaussichten erheblich. Dabei können dir die Methoden aus dem persönlichen Wissensmanagement und Projektmanagement helfen. Ziele Du lernst, deinen Lernprozess zielorientiert zu gestalten, indem du … ● Methoden und Hilfsmittel zur Definition, Kategorisierung und Priorisierung von Zielen kennenlernst; ● das für dich in deiner aktuellen Lernsituation passende Hilfsmittel bzw. die passende Methode auswählst; ● auf der Grundlage der hier dargestellten Methoden und Hilfsmittel deine gegenwärtigen Ziele formulierst, priorisierst und terminierst. Seite 6
Fertigkeiten In diesem Modul steht die Erweiterung deiner persönlichen Kompetenzen im Vordergrund. So trainierst du deine strategischen Fertigkeiten im Wissensmanagement, indem du lernst, in Bezug auf dein eigenes Wissen Relevantes von Irrelevantem zu trennen und deine persönlichen Lernund Wissensziele zu formulieren. Methoden und Werkzeuge ● Zielhierarchie: Eine Zielhierarchisierung umfasst die Formulierung und Priorisierung der Ziele durch ihre Unterteilung in Muss-, Sollund Kann-Ziele in Bezug auf den vorher festgelegten Realisierungszeitraum. Dies ist insbesondere dann hilfreich, wenn es zeitlich knapp wird und du überlegen musst, welche Aufgaben oder Arbeitspakete zuerst erledigt werden müssen. Dafür werden die Ziele in drei Gruppen kategorisiert: Muss-Ziele: Welche Ziele müssen erreicht werden, damit das Projekt nicht scheitert? Soll-Ziele: Welche Ziele müssen erreicht werden, um mit dem Ergebnis vollständig zufrieden zu sein? Kann-Ziele: Welche Ziele sind „nice to have“, wenn alle Mussund Soll-Ziele erreicht sind und noch Zeit übrig ist? ○ Beschreibung und Beispiel: https://projekte-leicht-gemacht.de/blog/methoden/projektziele/ziele-prio risieren/ (zuletzt zugegriffen am 01.09.2025), https://peggyjacob.de/das-abc-der-ziel-priorisierung/ (zuletzt zugegriffen am 01.09.2025). ● Anforderungsraster Persönliches Wissensmanagement (PWM) (von Reinmann & Eppler): Kategorisierung der Ziele in operative und strategische Ziele sowie in Effizienzund Innovationsziele, um die richtige Herangehensweise zu wählen. Dabei werden vier Arten von Zielen unterschieden: Bei operativen Zielen geht es um die Lösung eines konkreten Problems; Seite 7
bei strategischen Zielen sollen langfristig Fachoder Schlüsselkompetenzen aufgebaut werden; Effizienzziele konzentrieren sich auf definierbare und eingrenzbare Aufgaben zur Effizienzsteigerung und bedürfen Fachkompetenzen (die ggf. noch aufgebaut werden müssen); Innovationsziele erfordern eine kreative, offene Herangehensweise, um innovative Lösungen zu finden, was allgemeine Schlüsselkompetenzen erforderlich macht (Reinmann & Eppler 2008, S. 52–56). Abbildung: Anforderungsraster fü persönliches Wissensmanagement, Quelle: https://www.pedocs.de/volltexte/2015/10917/pdf/Reinmann_Hartung_2013_E_Portfolios_und _persoenliches_Wissensmanagement.pdf, S. 51 (zuletzt zugegriffen am 01.09.2025). Dort gibt es auch eine kurze Erklärung des Modells durch die Autor*innen. Beispiele: Problem: unklares Forschungsdesign → operatives Ziel: Ich konkretisiere mein Forschungsdesign, indem ich bis nächsten Freitag drei relevante methodische Ansätze vergleiche, das Ergebnis mit meinem Betreuer bespreche und dann eine begründete Vorauswahl treffe. Seite 8
Problem: Fehlen einer Gesamtstrategie → strategisches Ziel: Ich entwickle bis zum Ende des Monats eine klare Gesamtstrategie für meine Promotion, indem ich zentrale Meilensteine, methodische Schritte und Prioritäten in einem strukturierten Projektplan festlege. Problem: ineffiziente Literaturverwaltung → Effizienzziel: Ich organisiere bis Ende des Monats die relevante Literatur in einem digitalen Literaturverwaltungsprogramm, so dass ich sie schnell finden kann und meine Arbeitszeit reduziere. Problem: hoher Zeitverlust durch manuelles Zusammenführen und Aufbereiten von Daten → Innovationsziel: Ich erstelle bis zum Ende des Monats eine automatisierte Datenpipeline, die Daten zusammenführt und bereinigt, um manuelle Wiederholungsarbeit zu vermeiden und effizienter zu forschen. ● SWOT-Analyse (Stärken-Schwächen-Analyse): Das Akronym steht für die Begriffe Strengths – Weaknesses – Opportunities – Threats (Stärken – Schwächen – Chancen – Risiken). Mit diesem Werkzeug können aktuelle Stärken und Schwächen von dir oder einer Gruppe sowie mögliche zukünftige Chancen und Risiken herausgearbeitet werden. Das Ergebnis dient anschließend als Grundlage für strategische Fragen, die formuliert werden, um mit Schwächen umzugehen und Stärken zu nutzen. Mögliche Leitfragen (Beispiele): Stärken: Was läuft gut? Schwächen: Was ist schwierig? Was behindert mich? Chancen: Welche Chancen sehe ich für die Zukunft? Was kann ich aus meinem Umfeld nutzen? Risiken: Welche Schwierigkeiten kommen auf mich zu? Aus den herausgearbeiteten Aspekten werden dann die Punkte ausgewählt, an denen als nächstes gearbeitet werden soll, und als offene Fragen formuliert. Zuletzt werden Lösungen für diese Fragen gesammelt. ○ Ausführliche Beschreibung und Beispiel: https://www.creaffective.de/2025/03/serie-kreativitaetstechniken-swot-a nalyse/ (zuletzt zugegriffen am 03.08.2025). Seite 9
○ Vordruck Kompetenzrad: https://wissensmanagement.open-academy.com/wp-content/uploads/2 016/09/07-Kompetenzrad.pdf (zuletzt zugegriffen am 02.09.2025). ○ Erläuterung: https://wissensmanagement.open-academy.com/kompetenzrad/ (zuletzt zugegriffen am 02.09.2025) ○ Erläuterung und Beispiel von Klaus North, dem Entwickler dieser Methode: https://www.yumpu.com/de/document/read/9186338/pdf-download-ihk-l ahn-dill (zuletzt zugegriffen am 02.09.2025). ● KI-Kompetenzen erweitern: An dieser Stelle folgt noch einmal der bereits in der Einleitung angegebene Link zur Übersicht der aktuell (Stand 11/2025) gängigen KI-Tools für wissenschaftliches Arbeiten von der Wissensmanagementund KI-Expertin Barbara Geyer: https://padlet.com/barbarageyer/ki-tools-f-r-wissenschaftliches-arbeiten-jrgdcp c7xajs66nx (zuletzt zugegriffen am 15.11.2025). ● Kritischer Umgang mit KI: Von Geyer stammt auch das PRÜFE-Framework für einen reflektierten Umgang mit KI-Ergebnissen: Seite 16
Abbildung: Das PRÜFE-Framework, Quelle: B. Geyer (2025): Nicht alles glauben, was KI sagt. Das PRÜFE-Framework für kritische KI-Bewertung. https://substack.com/@barbarageyer/p-174842805 (zuletzt zugegriffen am 20.11.2025). Zusammenfassung In dem vorliegenden Modul hast du das Kompetenzrad kennengelernt, mit dessen Hilfe du deine vorhandenen ebenso wie die für ein Vorhaben benötigten Kompetenzen einstufen kannst, um auf dieser Basis deine nächsten Entwicklungsziele festzulegen. Seite 17
Literatur und Weiterführendes Bastian, J., & Groß-Mlynek, L. (2019): Lernen und Wissen. Der richtige Umgang mit Information im Studium (3. Aufl.). München: UTB. Geyer, B. (2024): KI Tools für wissenschaftliches Arbeiten: https://padlet.com/barbarageyer/ki-tools-f-r-wissenschaftliches-arbeiten-jrgdcpc7xajs 66nx (zuletzt zugegriffen am 15.11.2025). Geyer, B. (2025): Nicht alles glauben, was KI sagt. Das PRÜFE-Framework für kritische KI-Bewertung. https://substack.com/@barbarageyer/p-174842805 (zuletzt zugegriffen am 20.11.2025). Mittelmann, A. (2019): Wissensmanagement wird digital. Norderstedt: Books on Demand. North, K. (o. D.): Das Kompetenzrad: https://www.yumpu.com/de/document/read/9186338/pdf-download-ihklahn-dill (zuletzt zugegriffen am 02.09.2025). Reinmann, G., & Eppler, M. (2008): Wissenswege. Methoden für das persönliche Wissensmanagement. Bern: Hube. Vollmar, G. (2024): Einfach erklärt – Persönliches Wissensmanagement. https://m.youtube.com/watch?v=z4t0VSgKtII&pp=ygUeR2FicmllbGUgdm9sbG1hciB wZXJzw7ZubGljaGVz (zuletzt zugegriffen am 16.09.2025). Wissensmanagement Open Academy: https://wissensmanagement.open-academy.com (zuletzt zugegriffen am 15.09.2025). Zum Thema “Kompetenzrad”: https://wissensmanagement.open-academy.com/kompetenzrad/ (zuletzt zugegriffen am 02.09.2025) Seite 18
Strategische Lernorganisation: Wissensentwicklung November 2025 (V1.2), Nicola Gude Im folgenden Modul geht es um die strategische Wissensund Lernentwicklung entlang der Frage: “Wie organisiere ich systematisch mein persönliches Wissen?”. Ziele Du lernst verschiedene Methoden und Hilfsmittel kennen, die dir dabei helfen, ● dein vorhandenes Wissen zu identifizieren, zu strukturieren und zu vernetzen; ● dein Wissen zu kommunizieren; ● dein Wissen für den eigenen zukünftigen Gebrauch sowie für die Zusammenarbeit mit anderen strukturiert festzuhalten. Fertigkeiten In diesem Modul stellen wir dir verschiedene Methoden und Hilfsmittel vor, mit denen du deine persönlichen Kompetenzen in den Bereichen Lernkompetenz und Wissensorientierung erweitern kannst. Sie fördern die Fertigkeiten, Lerninhalte, Wissen und Erfahrungen für den zukünftigen Gebrauch in passender Form aufzubereiten und zu vernetzen, das eigene Wissen in aufgearbeiteter Form zu teilen, sich mit anderen dazu austauschen und gemeinsam das vorhandene Wissen zu erweitern. Methoden und Werkzeuge ● Mindmapping: Mindmapping ist dir bestimmt schon aus der Schulzeit bekannt. Die Methode hilft dir dabei, vorhandenes Wissen zu identifizieren, zu strukturieren und Zusammenhänge darzustellen. Dabei wird zunächst das zentrale Thema in die Mitte geschrieben. Dann werden Unterthemen in Form von Ästen hinzugefügt, die wiederum durch Schlagworte, Bilder, Farben etc. ergänzt werden können. Das Ergebnis ist eine visuelle Struktur. Seite 19
○ Beispiele und für Einzelpersonen kostenlose Software: https://www.mindmeister.com/de (zuletzt zugegriffen am 08.09.2025). ● Wissenslandkarte: Die Wissenslandkarte ist ein effektives Tool im persönlichen Wissensmanagement. Sie hilft dir dabei, dein Wissen strukturiert darzustellen und Bezüge zwischen den Themen auszuweisen. Dein Wissen wird dabei in einer grafischen Übersicht – ähnlich einer Mindmap – aufbereitet. Die Wissenslandkarte zeigt dir, welche Themengebiete vorhanden sind, wie sie miteinander verknüpft sind und wo eventuell noch Lücken bestehen. Durch die Visualisierung wird es leichter, den Überblick über das eigene Wissen zu behalten, gezielt neues Wissen zu integrieren und Lernprozesse bewusst zu steuern. Die Wissenslandkarte hilft dir nicht nur beim Brainstorming, sondern auch bei der Planung und Weiterentwicklung deiner Kompetenzen. ○ Für Beispiele und ein ausführliches Erklärungsvideo siehe: https://wissensmanagement.open-academy.com/category/methoden/wi ssen-identifizieren/wissenslandkarten/ (zuletzt zugegriffen am 23.09.2025). ● Mikroartikel: Mithilfe von Mikroartikeln kannst du dein vorhandenes Wissen festhalten, kommunizieren und für die Zukunft nutzbar machen. In einem Mikroartikel hältst du in möglichst kurzer Form (ca. 1 DIN A4 Seite) kontextbezogenes Wissen aus einer persönlichen Lernerfahrung fest. Der folgende Aufbau hat sich dabei bewährt: 1. Thema, 2. Geschichte, 3. Einsichten, ggf. 4. Folgerungen und 5. weiterführende Fragen. ○ Weitere Erläuterungen, Anwendungsfälle und Mikroartikel als Lessons Learned (s. o.): https://wissensmanagement.open-academy.com/category/methoden/wi ssen-dokumentieren/mikroartikel/ (zuletzt zugegriffen am 09.09.2025). ● Lernen mit KI-Anwendungen: Large Language Models (LLM) können dich bei Lernprozessen effektiv unterstützen, etwa bei der Aneignung und Wiederholung, beim Verknüpfen und Reflektieren von Wissen. Erfahrungen und praktische Hinweise dazu findest du in dem Blogartikel der Spezialistin Seite 20
für E-Learning, Wissensmanagement und Künstliche Intelligenz, Barbara Geyer: https://barbarageyer.substack.com/p/von-zetteln-zu-prompts (zuletzt zugegriffen am 18.11.2025). ● KI-Tools für Persönliches Wissensmanagement: Aktuell (Stand: 11/2025) sind Notion, Obsidian und Readwise bei Wissensarbeitenden sehr beliebt. ● Lessons Learned: Lessons Learned stellen eine beliebte Form von Mikroartikeln dar. Hier hältst du nach einem Projekt oder einer Aufgabe kurz fest, was gut gelaufen ist und was du beim nächsten Mal anders machen könntest. Du kannst die Struktur eines Mikroartikels übernehmen und durch Leitfragen ergänzen: 1. Überschrift (Thema und zentrale Schlagwörter); 2. Geschichte (Was ist passiert? Warum? Mit welchen positiven und negativen Konsequenzen?); 3. Lesson (Was habe ich daraus gelernt? Welche konkrete Empfehlung ergibt sich daraus für die Zukunft? Was nützt es mir, diese Empfehlung zu berücksichtigen)? ○ Ausführliche Erklärung: https://wissensmanagement.open-academy.com/lessons-learned-proje ct-debriefing-scrum/ (zuletzt zugegriffen am 10.09.2025). Video von G. Vollmar: https://m.youtube.com/watch?v=oOuZ_bqhVfY (zuletzt zugegriffen am 10.09.2025). ● Wikis: Als “Wikis” bezeichnet man eine (halb)private digitale Sammlung, in der das eigene Wissen mithilfe untereinander verlinkter Webseiten festgehalten, strukturiert, verknüpft, nachgelesen, bearbeitet und mit anderen Personen geteilt werden kann. Wie bei “Wikipedia” zielen Wikis oft darauf ab, Wissen und Erfahrungen als Gemeinschaft zu sammeln und zur Verfügung zu stellen. Diese Methode wird auch in Unternehmen genutzt. In Wikis kannst du nicht nur Texte, sondern auch Bilder, Links und Medien einfügen, Inhalte nach Kategorien ordnen und durch interne Verweise schnell zwischen Themen springen und Zusammenhänge generieren. Dabei helfen dir Tags, Verlinkungen und Suchfunktionen dabei, dein Wissen effizient zu organisieren und zu nutzen. Mögliche Tools zur Erstellung von Wikis sind z. B. Notion, Obsidian, TiddlyWiki, Dokuwiki, ein Cloud-Dokument mit Wiki-Funktion oder die KI-basierte Anwendung Storm der Universität Stanford. Seite 21
○ Ausführliche Informationen zu Wikis: https://wissensmanagement.openacademy.com/wiki/ (zuletzt zugegriffen am 11.09.2025). ● Community of Practice und Expert*innennetzwerk: Eine Community of Practice (CoP) ist eine Gruppe von Menschen, die ein gemeinsames Interesse oder Fachgebiet teilen und sich regelmäßig austauschen, um voneinander zu lernen und ihr Wissen weiterzuentwickeln. Im Vordergrund steht dabei der informelle und praxisnahe Austausch. Mitglieder einer CoP teilen Erfahrungen, bewährte Methoden und Herausforderungen aus ihrem Alltag, wodurch kollektives Lernen gefördert wird. Solche Gemeinschaften entstehen oft spontan, können aber auch gezielt als Gruppenarbeit organisiert werden. ○ Weitere Informationen und ein Erklärvideo von G. Vollmar: https://wissensmanagement.open-academy.com/category/methoden/wi ssen-erlangen/cop_experten-netzwerke/ (zuletzt zugegriffen am 23.09.2025). Zusammenfassung In diesem Modul hast du verschiedene Methoden und Werkzeuge kennengelernt, mit denen du dein Wissen strukturiert und effizient darstellen kannst, um es auch in Zukunft selbst oder in der Zusammenarbeit mit anderen verwenden, vernetzen und erweitern zu können. Literatur und Weiterführendes Bastian, J., & Groß-Mlynek, L. (2019): Lernen und Wissen. Der richtige Umgang mit Information im Studium (3. Aufl.). München: UTB. Geyer, B. (2025): Von Zetteln zu Prompts. Warum mein Zettelkasten scheiterte – und wie KI mein Lernen revolutionierte. https://barbarageyer.substack.com/p/von-zetteln-zu-prompts (zuletzt zugegriffen am 18.11.2025). Seite 22
Mindmeister: https://www.mindmeister.com/de (zuletzt zugegriffen am 08.09.2025). Mittelmann, A. (2019): Wissensmanagement wird digital. Norderstedt: Books on Demand. Reinmann, G., & Eppler, M. (2008): Wissenswege. Methoden für das persönliche Wissensmanagement. Bern: Hube. Vollmar, G. (2024): Einfach erklärt – Persönliches Wissensmanagement. https://m.youtube.com/watch?v=z4t0VSgKtII&pp=ygUeR2FicmllbGUgdm9sbG1hciB wZXJzw7ZubGljaGVz (zuletzt zugegriffen am 16.09.2025). Vollmar, G. (2017): Lessons Learned. https://m.youtube.com/watch?v=oOuZ_bqhVfY (zuletzt zugegriffen am 10.09.2025). Wissensmanagement Open Academy: https://wissensmanagement.open-academy.com (zuletzt zugegriffen am 15.09.2025). Es wurden folgende Unterseiten zitiert: https://wissensmanagement.open-academy.com/category/methoden/wissen-identifizi eren/wissenslandkarten/ (zuletzt zugegriffen am 23.09.2025). https://wissensmanagement.open-academy.com/category/methoden/wissen-dokume ntieren/mikroartikel/ (zuletzt zugegriffen am 09.09.2025). https://wissensmanagement.open-academy.com/lessons-learned-project-debriefingscrum/ (zuletzt zugegriffen am 10.09.2025). https://wissensmanagement.openacademy.com/wiki/ (zuletzt zugegriffen am 11.09.2025). https://wissensmanagement.open-academy.com/category/methoden/wissen-erlange n/cop_experten-netzwerke/ (zuletzt zugegriffen am 23.09.2025). Seite 23
Digitale Notizverwaltung November 2025 (V1.2), David Lohner Im Promotionsstudium sammelst du eine Menge an Notizen – sei es durch Notizen aus Besprechungen mit deinen Betreuer*innen oder auf Fachkonferenzen, Laborprotokolle oder Notizen zu gelesener wissenschaftlicher Literatur. Die Herausforderung besteht darin, dieses Wissen so festzuhalten, zu ordnen und zu verknüpfen, dass du es nicht nur für deine Qualifikationsschriften wie die Masterthesis oder Dissertation, sondern auch für deinen langfristigen Kompetenzaufbau effizient nutzen kannst. Dieses Kapitel zeigt dir praxistaugliche Strategien und Tools aus dem digitalen Wissensmanagement, mit denen du deine Notizen systematisch organisieren und in nachhaltiges Wissen verwandeln kannst, das dich deine gesamte akademische Laufbahn (und darüber hinaus) begleitet. Ziele Eine effektive digitale Notizverwaltung mit Querverweisen hilft dir, ● den Überblick über bearbeitete Themen zu behalten, ● Ideen und Fragen zu dokumentieren, ● wissenschaftliche Quellen deinen eigenen Gedanken zuzuordnen. Im Gegensatz zu analogen Notizen bieten digitale Methoden entscheidende Vorteile: Du kannst Informationen blitzschnell durchsuchen, über verschiedene Geräte hinweg synchronisieren und die Struktur jederzeit an deine Bedürfnisse anpassen. Du solltest bereits grundlegende Computerkenntnisse besitzen: Textverarbeitung, Dateiablage und ein sicherer Umgang mit deinem Betriebssystem sind hilfreich. Du schaffst dir mit einem Notizsystem die Grundlage für deine wissenschaftliche Selbstständigkeit und für kollaboratives Arbeiten. Die hier beschriebenen Methoden orientieren sich an den Kompetenzfeldern des Wissensmanagements (z. B. Wissen strukturieren, speichern, nutzen und weiterentwickeln; vgl. dazu auch den GfWM-Kompetenzkatalog). Seite 24
Fertigkeiten ● Aufbau einer Wissensbasis: Digitales Notieren und die Organisation digitaler Notizen helfen dir, relevante Inhalte für dich (bzw. für dein “Zukunfts-Ich”) festzuhalten. Dabei solltest du Textbausteine (z. B. aus wissenschaftlichen Quellen) nicht einfach kopieren, sondern immer in eigenen Worten paraphrasieren, als würdest du die Sachverhalte einer anderen Person erläutern. So kannst du sicherstellen, dass du die Inhalte wirklich verstanden hast – und sie auch beim späteren Lesen wieder nachvollziehen kannst. ● Systemunabhängigkeit: Wenn du deine Notizen im offenen Dateiformat Markdown verfasst, versetzt dich das in die Lage, deine Notizen in zahlreiche andere Formate zu überführen. Mit ein wenig technischem Know-How kannst du so aus derselben Ausgangsnotiz in nur einem Schritt gleichzeitig eine Präsentation, ein PDFund ein Word-Dokument erzeugen – je nachdem, wem du deine Notizen in welchem Format zur Verfügung stellen möchtest. ● Systematisierung und Organisation: Du kannst deine Notizen in digitalen Tools mit Schlagworten (#Tags) versehen und mit anderen Notizen verknüpfen (z. B. mit Wiki-Links, um deine eigene persönliche kleine Wikipedia zu basteln). Das eröffnet dir mit der gewohnten Nutzung von Ordnern eine weitreichende Systematik zur Strukturierung deiner Notizen. Aber Achtung: Ein zu komplexes System kann dich eher behindern als unterstützen. Starte einfach und entwickle dein System nach Bedarf weiter! ● Wissensentwicklung: Wenn du deine dauerhaften Notizen immer wieder durchliest, mit neuen Notizen verbindest oder editierst (ergänzt, weitere Quellen, Argumente oder Beispiele hinzufügst), unterstützt das deine kritische Reflexion und Weiterentwicklung deines eigenen Wissens – und deiner eigenen Wissensmanagement-Strategien. Methoden Die effiziente digitale Notizverwaltung beruht auf drei Grundprinzipien: ● Direktes Aufschreiben: Erstelle deine Notizen direkt digital, idealerweise als Markdown-Textdateien. Diese sind leicht lesbar, flexibel und in vielen Seite 25
○ siehe https://scholar.google.com/ ● KI-Anwendungen: Du kannst KI-Anwendungen nutzen, um Zitationen von einem Zitierstil in einen anderen zu transformieren. Bitte beachte, dass es hier allerdings immer sein kann, dass Stile nicht 100% eingehalten werden, d. h. sich Fehler einschleichen können. Insgesamt kann die Transformation von Zitationsangaben per KI-Anwendung dennoch Zeit ersparen. ● Karteikarten: Auch auf Karteikarten aus Papier kannst du Informationen und Zitate aufschreiben und thematisch sortieren. Das ist besonders nützlich, wenn du beim Lernen gern physische Materialien in der Hand hast – Bibliotheken haben mit solchen “Zettelkästen” jahrhundertelang ihre Bücher verwaltet. ● Ordnersysteme: Eine einfache, aber effektive Möglichkeit ist es, Bücher und Artikel in physischen Ordnern zu sammeln und nach Themen zu sortieren. Du kannst auch Zettel mit Notizen und wichtigen Punkten zu jedem Text hinzufügen. Zusammenfassung Bibliographische Daten sind das Fundament der wissenschaftlichen Arbeit und ermöglichen das Zitieren als Teil einer guten wissenschaftlichen Praxis. Sie helfen dir, Themen zu vertiefen, korrekt zu zitieren und Forschung kritisch zu hinterfragen. Mit den hier vorgeschlagenen Werkzeugen und Methoden kannst du deine Literatur aus Vorlesungen und Seminaren effizient organisieren, schnell wiederfinden und sinnvoll kategorisieren. So wird auch die Verwaltung deiner Quellen für Referate, Hausund Abschlussarbeiten nicht nur einfacher, sondern auch nachhaltiger. Literatur und Weiterführendes Berryman, Rachel (2022): Working With Zotero: From A to Z. Online Resource: https://darcmode.org/wp-content/uploads/2022/05/DARC-Zotero-Guide-Web.pdf. Seite 32
Ideenfindung November 2025 (V1.2), Jonathan D. Geiger Im (Promotions-)Studium geht es nicht nur um das Sammeln von und Arbeiten mit Wissen – es müssen auch neue Ideen und Konzepte entwickelt werden für Referate, Hausund Abschlussarbeiten oder Projekte. “Ideation” bezeichnet den Prozess der Ideenfindung: systematisch kreative Gedanken zu generieren, um Forschungsfragen zu präzisieren, Methoden weiterzuentwickeln oder innovative Lösungswege zu finden. Promotionsprojekte müssen wissenschaftlich neuartig, fundiert und originell sein. Gute Ideen sind also zentrale Motoren für Fortschritt – und durch gezieltes Ideenmanagement kannst du diesen Motor zuverlässig antreiben. Hier helfen dir Aktivitäten wie Recherche, Verknüpfen unterschiedlicher Perspektiven, Visualisieren, Strukturieren und Reflexion – und eben konkrete Methoden und Tools, die diesen Prozess unterstützen. Ein erster Schritt ist dabei eine klare Formulierung der Fragebzw. Problemstellung. Diese sollte so genau wie möglich sein und die sogenannten “W”-Fragen verwenden – also “Wie …?”, “Warum …?”, “Wieso …?” etc. Aber keine Sorge – das Finden der “richtigen” Fragestellung ist Teil des Lösungsweges. Passe also im Verlauf des Ideationsprozesses deine Fragestellung laufend an und verwende auch unterschiedliche Methoden der Ideenfindung. Fertigkeiten Für eine produktive Ideation-Praxis solltest du folgende Fertigkeiten entwickeln und trainieren: ● Offenheit und assoziatives Denken: Du kannst bewusst unterschiedliche Quellen (Disziplinen, Studien, Fachliteratur) verbinden und interdisziplinär denken. Kategorien und Tags bei der Verwaltung von Notizen und bibliographischen Daten helfen dir dabei, thematische Querbezüge herzustellen. Seite 33
● Strukturiertes Denken: Auch kreative Prozesse brauchen Struktur: Clustering, Priorisieren im Rahmen von Arbeitsplänen und kriteriengeleitete Auswahlprozesse der besten Ideen helfen dir bei der Strukturierung. ● Reflexion und Bewertung: Welche Ideen sind realistisch, welche innovativ? Du hast Bewertungsmaßstäbe für deine Ideen (z. B. wissenschaftliche Relevanz, Umsetzbarkeit, Ressourcen). ● Metakognitive Fertigkeiten: Du hast Bewusstsein über deinen eigenen Denkprozess: Wann bin ich blockiert? Was hilft mir dagegen? Wann kann ich am Tag gut welche Arten von Aufgaben erledigen? Dadurch kannst du deine kreativen Phasen gezielt nutzen. Methoden Hier findest du bewährte Methoden zur Ideenfindung im wissenschaftlichen Kontext – viele davon wirken am besten im Zusammenspiel: ● Brainstorming (allein oder in kleinen Gruppen): Thema fokussieren, möglichst viele Ideen notieren – ohne Wertung in der ersten Runde. Danach können die so generierten Ideen strukturiert, bewertet und priorisiert werden. Die Ideen können an einer Pinnwand oder Tafel gesammelt werden, oder auch auf kleinen Zetteln, ggf. in Einzelarbeit. ○ siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Brainstorming ● Mindmapping / Concept Mapping: Visualisiere Ideen und ihre Zusammenhänge – nützlich, um komplexe Gedankengeflechte sichtbar zu machen. Manche Menschen können sich in graphischen Strukturen besser orientieren und strukturieren. ○ siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Mindmap Seite 34
Abbildung: MindMap zu den Regeln der Anfertigung einer MindMap, Quelle: https://www.unvergesslich.de/glossar/mindmapping/ (zuletzt zugegriffen am 29.11.2025). ● SCAMPER-Technik: SCAMPER ist eine Kreativitätstechnik zur Generierung von Ideen durch methodische Fragen. ○ siehe https://de.wikipedia.org/wiki/SCAMPER ● Six Thinking Hats (Edward de Bono): Verschiedene Perspektiven einnehmen – z. B. kritisch, emotional, kreativ, organisatorisch. Dadurch werden Denkfallen vermieden. ○ siehe de Bono, Edward (1985). Six Thinking Hats. https://de.wikipedia.org/wiki/Denkh%C3%BCte\_von\_De\_Bono Werkzeuge ● FreeMind: Eine kostenlose Open-Source-Software für Mindmaps. Sie ist etwas einfacher gestaltet, aber sehr effektiv für Studierende, die ohne viele Zusatzfunktionen eine schnelle und übersichtliche Strukturierung ihrer Seite 35
Gedanken wünschen. Mindmaps können allerdings auch auf Papier angefertigt und weiterentwickelt werden. ○ siehe http://freemind.sourceforge.net/ ○ XMind und MindMeister sind vergleichbare Tools, die eine Demo-Version anbieten. ● Miro: Ein digitales Whiteboard-Tool für Brainstorming, Wissenslandkarten oder Projektplanung. Miro bietet eine große Auswahl an Vorlagen und ermöglicht kollaboratives Arbeiten in Echtzeit. ○ siehe https://miro.com/ ● Mural: Ähnlich wie Miro bietet Mural digitale Whiteboards mit Fokus auf Teamarbeit und Kreativitätstechniken. Es eignet sich besonders gut für Workshops, Ideation-Sessions und visuelles Wissensmanagement. ○ siehe https://www.mural.co/ ● KI-Anwendungen: KI-Anwendungen können dir bei der Ideenfindung helfen. Um dich bei deiner eigenen Ideensuche allerdings nicht in eine bestimmte Richtung beeinflussen zu lassen, nutze KI-Anwendungen erst nach der eigenständigen Ideensuche. ● Flipchart und Pinnboard: Ein analoges Tool für Workshops oder Gruppenarbeit. Du kannst Ideen schnell visualisieren, strukturieren und gemeinsam weiterentwickeln. Besonders hilfreich für Diskussionen und Brainstormings in Präsenz. ● Post-its und Zettel: Analoge Hilfsmittel, mit denen aber ebenfalls sehr leicht Ideen gesammelt, farbcodiert und umsortiert werden können. Zusammenfassung Ideation im (Promotions-)Studium bedeutet, einen offenen Ideenfindungsprozess mit Struktur zu verknüpfen, damit du Forschungslücken identifizieren und neue Lösungswege ausloten kannst. Entscheidend sind Fertigkeiten wie Offenheit, assoziatives Denken, Reflexion und methodisches Vorgehen. Methoden wie Seite 36
Brainstorming, Mindund Concept-Mapping oder SCAMPER helfen dir, Ideen zu finden, zu strukturieren und zu bewerten. Tools wie Miro, Mural oder Zettelkasten-Karten und Flipcharts geben dir die Mittel, Ideen effizient zu dokumentieren, zu vernetzen und weiterzuentwickeln. Kombinationen funktionieren ebenfalls gut; abschließend müssen die so gewonnen Ideen dokumentiert werden, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Literatur und Weiterführendes Michalko, M. (2006): Thinkertoys: A Handbook of Creative-Thinking Techniques. Seite 37
Recherchieren November 2025 (V1.1), Jonathan D. Geiger Im (Promotions-)Studium wirst du immer wieder vor der Aufgabe stehen, neue Themengebiete zu erschließen, Argumente aus der Fachliteratur zu überprüfen und eigenen Fragestellungen nachzugehen. Wissenschaftliche Recherche ist dabei weit mehr als eine einfache Internetoder Bibliothekssuche: Sie ist ein strukturierter Prozess, der systematische Strategien, kritische Reflexion und den Einsatz geeigneter Werkzeuge erfordert. Mit Methoden und Tools aus dem Wissensmanagement kannst du diesen Prozess proaktiver, effizienter und nachhaltiger gestalten. Fertigkeiten Für eine erfolgreiche Recherche benötigst du eine Reihe an Fertigkeiten, die sich während des Studiums weiterentwickeln: ● Suchkompetenz: Du kannst geeignete Literaturbestände, Datenbanken und Suchmaschinen auswählen, Suchstrategien entwickeln und Keywords gezielt einsetzen. Dabei bist du dir bewusst, dass Suchräume (z. B. auf Social Media) teilweise technisch eingeengt sind (die sogenannten “Filterblasen”) und auch nicht alles online gefunden werden kann. ● Quellenbewertung: Du kannst die Qualität, Relevanz und Aktualität wissenschaftlicher Literatur kritisch einschätzen, insbesondere im Hinblick auf KI-generierte Inhalte und Fake News, sowie unterscheiden, welche Quellen sich für deine Fragestellung eignen. ● Analytische Fertigkeiten: Du bist in der Lage, Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen, in den Kontext deiner Arbeit einzuordnen und weiterführende Fragen abzuleiten. Seite 38
Methoden Für die wissenschaftliche Recherche gibt es verschiedene Ansätze und Methoden, die sich in der Praxis bewährt haben: ● Schneeballsystem (Snowballing): Ausgehend von einer zentralen Quelle gehst du den Literaturverweisen nach, um weitere relevante Texte zu entdecken und so weiter. Dies eignet sich besonders, um einschlägige Artikel oder Kernliteratur in einem Forschungsfeld zu identifizieren. ● Berrypicking: Bei dieser Methode entwickelst du deine Suchstrategie dynamisch während der Recherche. Du beginnst mit einer Ausgangsfrage oder einem Ausgangstext, findest neue relevante Quellen und passt deine Suchbegriffe kontinuierlich (iterativ) an. Ziel ist es, die Recherche flexibel an neue Informationen anzupassen, anstatt starr einem einmal definierten Suchplan zu folgen. Abbildung: Schema des Berrypickings als Methode der Informationsbeschaffung, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Berrypicking.gif (zuletzt zugegriffen am 29.11.2025). Seite 39
● Most Specific Facet First Approach: Bei komplexen Recherchen mit mehreren Facetten beginnt man mit dem spezifischsten oder engsten Themenaspekt und macht im Anschluss (und bei Bedarf) die Suchanfrage immer breiter. Diese Strategie hilft, irrelevante Treffer zu reduzieren und gezielt Quellen zu finden, die einen hohen Informationswert für den Kernbereich der Fragestellung haben. ● Metasuche / Federated Search: Suche gleichzeitig über mehrere Datenbanken oder Informationssysteme hinweg. Diese Methode spart Zeit und deckt ein breiteres Spektrum an Quellen ab. Im WWW gibt es beispielsweise sogenannte “Metasuchmaschinen”, die genau so verfahren. ● Community of Practice: Der Austausch mit anderen, die ähnliche Themen bearbeiten oder sich damit auskennen, hilft dir, neue Quellen und Perspektiven kennenzulernen. ● Collaborative Filtering / Social Search: Nutze Empfehlungen und Bewertungen anderer Forschender oder Netzwerke, um relevante Literatur schneller zu finden und gezielt auf bewährte Quellen zuzugreifen. ● Alerting / Informationsbenachrichtigungen: Richte automatische Benachrichtigungen in Datenbanken oder Suchmaschinen ein, um über neue Publikationen zu deinem Thema informiert zu bleiben. Werkzeuge Für eine erfolgreiche Recherche stehen dir sowohl digitale als auch analoge Werkzeuge zur Verfügung: ● Google Scholar: Eine frei zugängliche Suchmaschine für wissenschaftliche Literatur. Du kannst direkt aus der Trefferliste korrekt formatierte Zitate erhalten, Autorenprofile einsehen und Suchergebnisse nach Relevanz oder Datum sortieren. ○ siehe https://scholar.google.com/ Seite 40
● BASE (Bielefeld Academic Search Engine): Eine Suchmaschine für Open-Access-Publikationen aus vielen wissenschaftlichen Disziplinen. BASE bietet Filtermöglichkeiten nach Dokumenttypen, Sprachen und Institutionen. ○ siehe https://www.base-search.net/ ● CORE: Eine Plattform für Open-Access-Publikationen, die Millionen von Artikeln aus Repositorien weltweit zusammenführt. CORE erleichtert die Volltextrecherche und bietet Exportfunktionen für die weitere Verarbeitung. ○ siehe https://core.ac.uk/ ● WorldCat: Ein globales Bibliotheksverzeichnis, um Bücher, Dissertationen und weitere Medien weltweit in Bibliotheken zu finden. Besonders nützlich für die Recherche nach gedruckter Literatur. ○ siehe https://www.worldcat.org/ ● Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (DNB): Die Deutsche Nationalbibliothek führt ein Verzeichnis aller in Deutschland oder auf Deutsch veröffentlichten Bücher. ○ siehe https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query= ● Thesaurus / Online-Synonymwörterbücher: Tools wie Thesaurus.com oder fachspezifische Synonymlexika helfen, Suchbegriffe zu erweitern, Synonyme zu finden und so die Treffergenauigkeit in Datenbanken zu erhöhen. ○ siehe https://www.thesaurus.com/ ● KI-Anwendungen: Die Recherche mithilfe von allgemeinen ChatBots ist immer von der Gefahr des “Halluzinierens”, also des schieren Erfindens von Quellen, begleitet. Die sogenannten “Retrieval Augmented Generation”-Systeme (RAG) nutzen für die Recherche zusätzlich eine Suchmaschine im Hintergrund und können so das “Halluzinieren” stark reduzieren, wenn auch nicht 100 % vermeiden. Dennoch können diese Systeme für eine zusätzliche Recherche herangezogen werden. Seite 41
Wissensarbeit in der Gruppe November 2025 (V1.2), Jonathan D. Geiger Im (Promotions-)Studium arbeitest du zwar oft an einem individuellen Thema. Oft arbeitest du jedoch auch mit anderen zusammen, beispielsweise für gemeinsame Projekte, Referate oder Berichte. Gemeinsames Wissensmanagement bedeutet, Wissen nicht nur zu sammeln, sondern es im Austausch mit anderen zu entwickeln, zu verknüpfen und gemeinsam nutzbar zu machen. Dabei können verschiedene Formate und Methoden helfen, die Zusammenarbeit zu strukturieren und Wissen nachhaltig zu sichern. Beachte dabei: Falls du dein Promotionsprojekt in einer Arbeitsgruppe bearbeitest, kann es dort bereits etablierte Praktiken, Methoden und Werkzeuge des Wissensmanagements geben. Erkundige dich dazu möglichst früh bei der Gruppe, wie sie ihre Informationen, Erfahrungen und ihr Wissen dokumentieren und weitergeben. Fertigkeiten Für erfolgreiches gemeinsames Wissensmanagement sind bestimmte Fertigkeiten hilfreich: ● Kommunikationsfähigkeit: Du kannst Inhalte verständlich erklären und aktiv zuhören, um das Wissen anderer zu verstehen. Du bist dir bewusst, dass es verschiedene “Kommunikationskulturen” gibt und du mit unterschiedlichen Menschen teilweise unterschiedlich sprechen musst, um mit ihnen zusammenarbeiten zu können oder auch, um sie von deiner Position zu überzeugen. ● Kooperationsbereitschaft: Du bist bereit, Wissen zu teilen und gemeinsam weiterzuentwickeln, statt nur für dich selbst zu arbeiten. ● Moderationsund Organisationsvermögen: Du kannst Treffen strukturieren, Diskussionen moderieren und Ergebnisse dokumentieren. Seite 48
● Kritisches Denken: Du reflektierst Beiträge und setzt sie in Beziehung zu deinem eigenen Wissen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Du hast ein Gespür dafür, wann Wissen nicht direkt bewertet werden sollte (z. B. bei der Entwicklung neuer Ideen) und wann eine Bewertung und Priorisierung sinnvoll bzw. notwendig ist. ● Fehlerkultur: Du kannst mit Fehlern konstruktiv umgehen und sie als wertvolle Lerngelegenheiten betrachten. Eine offene Fehlerkultur in der Gruppe ermöglicht es, Missverständnisse früh zu erkennen, Prozesse gemeinsam zu reflektieren und nachhaltige Verbesserungen zu erzielen. Das bedeutet auch, Kritik nicht als persönliche Abwertung zu verstehen, sondern als Chance, das gemeinsame Arbeiten und Denken zu schärfen. Ein bewusster Umgang mit Fehlern fördert Vertrauen, Teamzusammenhalt und Innovationsfähigkeit. Methoden Es gibt eine Vielzahl von Methoden und Formaten, um Wissen gemeinsam zu entwickeln und zu teilen: ● Community of Practice: Eine Gruppe von Menschen mit ähnlichen Interessen oder Forschungsgebieten trifft sich regelmäßig, um Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. CoPs sind meist informell, können aber auch gezielt initiiert werden. ○ siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Community_of_Practice ○ siehe auch die Methode Working Out Loud: https://de.wikipedia.org/wiki/Working_out_loud ● Ideentreff: Ein Treffen mit dem Ziel, neue Ideen zu sammeln, zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Häufig kommen dabei Kreativitätstechniken wie Brainstorming oder Mindmapping zum Einsatz. ○ siehe https://wissensmanagement.open-academy.com/ideen-treff/ ● Kollaboratives Schreiben: Mehrere Personen arbeiten gemeinsam an einem Text, etwa an einem Artikel oder einer Zusammenfassung. Digitale Seite 49
Plattformen ermöglichen es, in Echtzeit zusammen zu schreiben und Versionen nachzuverfolgen. ○ siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Kollaboratives_Schreiben ● Stammtisch: Ein eher informelles Treffen, bei dem in entspannter Atmosphäre über Forschungsideen, Methoden oder Probleme gesprochen wird. Hier entstehen oft neue Ideen und Gedanken. ○ siehe https://wissensmanagement.open-academy.com/last-monday-stammtis chetreffen/ ● Team Walk: Ein Team Walk ist ein Wissensaustausch im Gehen bzw. Spazieren – statt in einem Seminarraum treffen sich Teilnehmende draußen, gehen spazieren und diskutieren dabei. Die veränderte Umgebung fördert oft neue Ideen. ○ siehe https://wissensmanagement.open-academy.com/team-walk/ ● Wissenszirkel: Eine regelmäßige, strukturierte Diskussionsrunde, in der jeweils eine Person Input gibt und die Gruppe darüber diskutiert. Das Format eignet sich gut für tiefergehende Auseinandersetzungen mit Fachthemen. ○ siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenszirkel ● Kollegiale Beratung: Die kollegiale Beratung ist eine strukturierte Methode, bei der sich Peers gegenseitig bei fachlichen oder organisatorischen Herausforderungen unterstützen. In einem klar vorgegebenen Ablauf (z. B. Fallvorstellung, Nachfragen, Beratung, Rückmeldung) wird ein konkretes Problem aus der Praxis gemeinsam reflektiert. Der Vorteil liegt darin, dass unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden und praxisnahe Lösungsansätze entstehen, ohne, dass externe Expert*innen nötig sind. ○ siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Kollegiale_Beratung Seite 50
Abbildung: Möglicher Ablauf einer Kollegialen Beratung, Quelle: https://im-nu.com/blog/die-kollegiale-beratung/ (zuletzt zugegriffen am 29.11.2025). Werkzeuge Für gemeinsames Wissensmanagement gibt es zahlreiche digitale und analoge Tools. Diese Tools müssen auch zur Gruppe passen, manche müsst ihr einfach ausprobieren. Erkundige dich aber vorher, ob es in einer Gruppe (insbesondere, wenn du neu dort bist) nicht bereits etablierte Werkzeuge gibt, die für die Gruppe gut funktionieren oder aber, ob es von deiner Hochschule bereits vorgegebene Tools gibt, die beispielsweise aufgrund von Lizenzen, Datenschutzoder Datensicherheitsaspekten vorgeschrieben sind. ● Miro: Ein digitales Whiteboard, das sich gut für gemeinsames Brainstorming, Visualisieren von Ideen und Wissenslandkarten eignet. Mehrere Personen können gleichzeitig daran arbeiten. ○ siehe https://miro.com/ Seite 51
● Mural: Ähnlich wie Miro, besonders für Workshops und kollaborative Kreativprozesse geeignet. Es bietet Templates für verschiedene Methoden wie Brainstorming oder Retrospektiven. ○ siehe https://www.mural.co/ ● Google Docs oder Overleaf: Plattformen für kollaboratives Schreiben. Alle Teilnehmenden können gleichzeitig an Texten arbeiten, Kommentare hinterlassen und Versionen nachverfolgen. ○ siehe https://docs.google.com/ ● Padlet: Ein digitales Pinnboard, auf dem Notizen, Links oder Dateien gesammelt werden können – gut geeignet für Ideentreffs oder Wissenszirkel. ○ siehe https://padlet.com/ ● KI-Anwendungen: KI-Anwendungen können verschiedentlich genutzt werden bei der Wissensarbeit in der Gruppe. Beispielsweise können sie im Rahmen von Online-Meetings (beispielsweise per Zoom) automatische Transkriptionen der Meetings anfertigen und/oder Zusammenfassungen. Beachte aber, was bei der Verwendung dieser Tools mit euren Daten passiert – das kann in den jeweiligen Datenschutzbestimmungen nachgelesen werden. ● Flipchart und Pinnboard: Analoge Werkzeuge eignen sich besonders für Workshops und Treffen in Präsenz. Sie funktionieren gut, um Ideen sichtbar zu machen und flexibel zu strukturieren. ● Zettelkasten oder Karteikarten: Auch in Gruppen können Karteikarten helfen, Ideen und Konzepte zu sammeln, zu clustern und weiterzuentwickeln. Zusammenfassung Gemeinsames Wissensmanagement im Studium und Promotionskontext schafft Räume für Austausch, neue Perspektiven und Kooperationen. Mit Methoden wie einer Community of Practice, Wissenszirkeln oder Working Out Loud kannst du Wissen gemeinsam aufbauen und vertiefen. Digitale Tools wie Miro oder Google Seite 52
Docs erleichtern die Zusammenarbeit über Distanz, während analoge Methoden wie Team Walks oder Pinnboards besonders in Präsenz eine kreative Dynamik fördern. Eine Kombination aus verschiedenen Methoden und Werkzeugen ist oft besonders wirkungsvoll, seid einfach mutig und kreativ und probiert verschiedene Konstellationen aus. Weiterführendes De Bono, Edward (1999): Six Thinking Hats. Back Bay Books. Wenger, Etienne (1998): Communities of Practice: Learning, Meaning, and Identity. Cambridge University Press. Seite 53
Wissensintensive Textproduktion November 2025 (V1.1), Jonathan D. Geiger Wissenschaftliches Schreiben ist weit mehr als das reine Formulieren von Texten – es ist ein komplexer Prozess der Wissensproduktion, -verarbeitung und -kommunikation. Gerade im (Promotions-)Studium spielt das Schreiben eine zentrale Rolle: Ideen werden entwickelt, Argumente strukturiert, Literatur verarbeitet und Ergebnisse dokumentiert. Werkzeuge und Methoden des Wissensmanagements helfen dir dabei, diesen Prozess zu organisieren, den Überblick zu behalten und das Schreiben als Teil deiner Forschungsarbeit strategisch zu gestalten. Ob du alleine arbeitest oder im Team, ob du Artikel, Dissertation oder Konferenzpapiere verfasst – Methoden und Werkzeuge des Wissensmanagements unterstützen dich dabei, Texte effizienter, strukturierter und reflektierter zu erstellen. Fertigkeiten Mit dem wissenschaftlichen Schreiben im Sinne des Wissensmanagements sind verschiedene Fertigkeiten verbunden, die dir helfen, komplexe Inhalte nachvollziehbar und professionell darzustellen: ● Planungsfähigkeit: Du kannst Schreibprojekte systematisch planen – von der Ideenfindung über die Anfertigung einer Gliederung bis hin zur Überarbeitung nach Feedback. Dazu gehört auch das Zeitmanagement und die Fähigkeit, große Schreibaufgaben in kleine, handhabbare Schritte zu unterteilen. ● Strukturierungsfähigkeit: Du kannst deine Gedanken, Quellen und Argumentationslinien systematisch aufbauen. Das umfasst die Gliederung deines Textes, aber auch den Aufbau deines Forschungswissens über Notizen, Zitate, Thesen und Konzepte hinweg. ● Informationsund Quellenkompetenz: Du weißt, wie du relevante Literatur findest, bewertest und korrekt einbindest. Dazu gehört auch der Umgang mit Zitationsstilen, die Verwaltung von Quellen sowie das Erkennen von Seite 54
Forschungslücken und irreführenden Quellen (z. B. Fake News, Deep Fakes oder KI-generierte Inhalte). ● Kollaborationskompetenz: In der Forschung wird immer häufiger gemeinsam geschrieben – in Teams, an Artikeln oder Forschungsanträgen. Du kannst mit Co-Autor*innen planen, Texte kommentieren und Feedback produktiv einarbeiten. ● Reflexionsfähigkeit: Schreiben ist ein Denkprozess. Die Fähigkeit, über den eigenen Schreibfortschritt nachzudenken, Entscheidungen zu begründen und Erfahrungen festzuhalten, führt zu einem bewussteren, effizienteren Arbeiten. Methoden Es gibt verschiedene Methoden, mit denen du den Prozess des wissenschaftlichen Schreibens effektiv gestalten kannst. Sei dir dabei bewusst, dass es verschiedene Schreibtypen gibt und nicht alle Menschen Texte auf die gleiche Art und Weise produzieren: ● Gliederung: Eine Gliederung ist das “Skelett” eines Textes. Sie stellt nicht nur eine Struktur, sondern auch eine Reihenfolge der Inhalte dar und damit ein Orientierungsinstrument, nicht nur später beim Lesen des Textes, sondern bereits auch beim Schreiben. Beim Schreibprozess kann, darf und muss sich eine Gliederung auch mit der Entwicklung des Textes anpassen. ● Abstracting: Abstracts oder Kurzreferate sind kurze und sehr dichte Fassungen eines Textes, Videos oder Audiobeitrags. Es gibt verschiedene Arten: Das indikative Abstract ist sehr kurz und deutet die Inhalte lediglich an, das informative Abstract hingegen nennt auch konkrete Ergebnisse und Details und das strukturierte Abstract folgt einer klaren Form (beispielsweise “Ausgangssituation”, “Methode”, “Resultat”). Abstracts sind wichtig, um sich einen schnellen Überblick über ein Werk zu verschaffen und seine Relevanz einzuschätzen, gleichzeitig helfen sie aber auch beim Schreiben eines Textes, als Orientierung. Seite 55
● Freewriting: Beim Freewriting schreibst du ohne Unterbrechung für einen festgelegten Zeitraum. Dabei geht es nicht um Qualität, sondern um das Generieren von Ideen und das Überwinden von Schreibblockaden. Besonders hilfreich in der Konzeptionsphase eines Textes. ● Iteratives Schreiben: Anstatt den Text in einem Zug zu verfassen, entwickelst du ihn schrittweise. Entwürfe werden mehrfach überarbeitet, mit Feedback versehen und in mehreren Runden verbessert. ● Versionierung und Feedback-Management: Verwalte Versionen deines Textes, damit Änderungen nachvollziehbar bleiben. Nutze Feedback aktiv – dokumentiere Rückmeldungen und deine Reaktionen darauf. So lernst du gezielt aus externen Perspektiven. ● Lernjournal oder Schreibjournal: Ein Schreibjournal hilft dir, deinen Fortschritt festzuhalten. Du kannst dort tägliche oder wöchentliche Einträge zu deinem Schreibprozess, zu Herausforderungen, Ideen oder neuen Erkenntnissen notieren. Das fördert Selbstreflexion und Motivation. ● Lessons Learned und Best Practices: Dokumentiere nach jedem größeren Schreibprojekt (z. B. Artikel, Kapitel, Exposé) deine Erfahrungen: Was hat gut funktioniert? Wo gab es Schwierigkeiten? So entwickelst du mit der Zeit dein eigenes „Schreib-Know-how“. ● Kommentieren und Peer-Feedback: Nutze das Feedback anderer, um deine Argumentation zu schärfen. Kommentare in kollaborativen Schreibtools wie Google Docs oder Overleaf helfen dir, Schwachstellen zu erkennen und alternative Perspektiven einzubeziehen. ● Kollaboratives Schreiben: Arbeiten mehrere Personen am gleichen Text, sind klare Rollen und Versionierungsstrategien wichtig. Gemeinsame Schreibplattformen, Kommentarfunktionen und regelmäßige Feedbackschleifen fördern die Qualität und Kohärenz. Seite 56
Werkzeuge Im wissenschaftlichen Schreiben spielen verschiedene analoge und digitale Tools eine wichtige Rolle. Sie helfen dir, Texte zu strukturieren, Versionen zu verwalten und Wissen effektiv zu dokumentieren: ● LaTeX: Ein Textsatzsystem, das sich besonders für wissenschaftliche Arbeiten eignet, vor allem in den Naturund Ingenieurwissenschaften. LaTeX ermöglicht eine klare Trennung von Inhalt und Formatierung und ist hervorragend geeignet für das Einbinden mathematischer Formeln, automatisierte Literaturverzeichnisse und einheitliche Formatierungen nach wissenschaftlichen Standards. Du kannst LaTeX lokal auf deinem Rechner nutzen (z. B. mit TeXstudio, TeXmaker oder MikTeX) oder webbasiert über Plattformen wie Overleaf. LaTeX ist Open Source. ○ siehe https://www.latex-project.org/ Abbildung: User Interface für LaTeX, Quelle: Pascal Brachet, https://de.wikipedia.org/wiki/Texmaker#/media/Datei:Texmaker_32_Ubuntu_Linux_1204.png (zuletzt zugegriffen am 29.11.2025). Seite 57