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Psychisches Wohlbefinden im Kontext des Klimawandels unter Berücksichtigung der Arbeits- und Wohnsituation am Beispiel Eisenberg (Thüringen)

Boltersdorf, Jana,Schäfer, Susann

Abstract

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Full text

Boltersdorf, Jana; Schäfer, Susann Article Psychisches Wohlbefinden im Kontext des Klimawandels unter Berücksichtigung der Arbeitsund Wohnsituation am Beispiel Eisenberg (Thüringen) Raumforschung und Raumordnung / Spatial Research and Planning Provided in Cooperation with: Leibniz-Forschungsnetzwerk "R – Räumliches Wissen für Gesellschaft und Umwelt | Spatial Knowledge for Society and Environment" Suggested Citation: Boltersdorf, Jana; Schäfer, Susann (2025) : Psychisches Wohlbefinden im Kontext des Klimawandels unter Berücksichtigung der Arbeitsund Wohnsituation am Beispiel Eisenberg (Thüringen), Raumforschung und Raumordnung / Spatial Research and Planning, ISSN 1869-4179, oekom verlag, München, Vol. 83, Iss. 2, pp. 96-110, https://doi.org/10.14512/rur.2585 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/318364 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. 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Am Beispiel der thüringischen Stadt Eisenberg (rund 11.000 Einwohner) zeigt sich, dass Individuen am Arbeitsplatz stärker negativ von Hitzeereignissen betroffen sind und gleichzeitig dort weniger Handlungsspielraum als in ihren eigenen vier Wänden haben. Diese Einsichten unterstreichen die notwendige Berücksichtigung von Anpassungsstrategien von öffentlichen Arbeitgebern und Unternehmen. Schlüsselwörter: Psychisches Wohlbefinden Hitzewelle  Hitzestress Anpassung an den Klimawandel Eisenberg Jana Boltersdorf, Institut für Geographie, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Löbdergraben 32, 07743 Jena, Deutschland [email protected] Susann Schäfer, Institut für Geographie, Universität Heidelberg, Berliner Straße 48, 69120 Heidelberg, Deutschland [email protected] © 2025 by the author(s); licensee oekom. This Open Access article is published under a Creative Commons Attribution 4.0 International Licence (CC BY). Psychological well-being in the context of climate change, considering the work and housing situation, using the example of Eisenberg (Thuringia) Abstract The impact of heat events on the mental health and well-being of urban residents is the subject of this paper. Based on a combined quantitative-qualitative research design, the effects and adaptation practices are examined against the background of the individual living and working situation. The example of the Thuringian town of Eisenberg (around 11,000 inhabitants) shows that individuals are more negatively affected by heat events at work and at the same time have less scope foraction there than in their own four walls. These insights underline the need to consider adaptation strategies for public employers and companies. Keywords: Mental wellbeing Heatwave Heat stress  Climate change adaptation Eisenberg (Germany) 1 Einleitung Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat sich die Temperatur in Deutschland aufgrund des anthropogenen Klimawandels im Durchschnitt um 1,5 °C erhöht (Hertig/Hunger/ Kaspar-Ott et al. 2023: 12). In der Wissenschaft besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass Extremwetterereignisse dadurch an Intensität und Häufigkeit zugenommen haben und mit einem weiteren Temperaturanstieg auch zukünftig zunehmen werden (Mücke/Litvinovitch 2020: 2). Hitze stellt unter Extremwetterereignissen für den Menschen die größte Gefahr hinsichtlich Morbidität und Mortalität dar 96 Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning (2025) 83/2: 96–110 Psychisches Wohlbefinden im Kontext des Klimawandels unter Berücksichtigung der Arbeitsund Wohnsituation ... (Großmann/Sinning 2020: 42): So zählte man im ,Jahrhundert-Sommer‘ 2003 in ganz Europa bis zu 70.000 hitzebedingte Todesfälle (Herrmann 2018: 26). Zahlreiche gesundheitliche Probleme, z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Organschädigungen, treten während Hitzewellen vermehrt auf (Fischer/Sinning 2022: 217; Loss/Moebus/ Tinnemann 2022: 662). Extreme Hitze wird auch als „silent killer“ bezeichnet, da es sich um eine nicht sichtbare und oft nicht wahrgenommene Gefahr handelt (Kenny/Notley/ Flouris et al. 2020: 226). Insbesondere vulnerable Bevölkerungsgruppen, allen voran ältere Menschen, unterschätzen vielfach das Risiko, das für sie durch Hitze entsteht (Loss/ Moebus/Tinnemann 2022: 662). In Deutschland geht man zum Jahr 2100 von einer Verdreifachung der Zahl der jährlichen Hitzewellentage und je nach Emissionsszenario von einer Verfünffachung oder Verachtfachung der sogenannten Tropennächte (Nächte mit Mindesttemperaturen von 20 °C) im Zeitraum 2041 bis 2070 aus (Winklmayr/Matthies-Wiesler/Muthers et al. 2023: 6–7).1Vor allem die Zunahme von Tropennächten ist aus medizinischer Sicht relevant, da erhöhte nächtliche Temperaturen eine Regeneration von der Tageshitze verhindern und somit ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen (Hajat/Armstrong/Baccini et al. 2006: 637). Dies ist nicht nur ein Risiko für die physische Gesundheit, sondern kann auch psychische Folgen haben, wie erhöhte Impulsivität, Erschöpfung und Frustration aufgrund einer schlechteren Schlafqualität (Lõhmus 2018: 13–14). In der Literatur werden die Folgen von Hitzewellen häufig auf der Basis von Sekundärdaten, das heißt Krankheitsregistern, erhoben und analysiert (z. B. Obradovich/ Migliorini/Paulus et al. 2018). Die subjektive Perspektive der Betroffenen, deren sozialräumliches Umfeld (Wohnund Arbeitsräume) sowie der damit verbundene Umgang mit Hitzewellen kommt dabei zu kurz. Diese Aspekte sind jedoch relevant für die Identifizierung von wirksamen Maßnahmen auf individueller, aber auch strukturell-politischer Ebene. Diese Forschungslücke wird in diesem Beitrag am Beispiel der Kreisstadt Eisenberg in Thüringen adressiert. Der Beitrag hat zum Ziel, folgende Forschungsfrage zu beantworten: Welche Auswirkungen hat Hitze auf das psychische Wohlbefinden am Wohnort und Arbeitsplatz von Menschen in Eisenberg? Eisenberg wurde als Untersuchungsort ausgewählt, da Kleinstädte in bisherigen Forschungsarbeiten unterrepräsentiert sind, eine Betrachtung von Kleinstädten in diesem 1Vgl. auch https://de.statista.com/statistik/daten/studie/ 1379151/umfrage/tropennaechte-euro-pa/#:~:text=F%C3%BCr %20Deutschland%20wird%20zum%20Beispiel,ZeitrZei%202041 %20bis%202070%20prognostiziert (03.01.2025). Kontext aber notwendig ist, um die spezifischen Risiken für in Kleinstädten lebenden Menschen adäquat einschätzen zu können. Um weiterführende Informationen über den Zusammenhang zwischen Hitze und psychischem Wohlbefinden zu ermitteln, wurde zunächst eine standardisierte Haushaltsbefragung und darauf aufbauend acht qualitative Leitfadeninterviews mit Eisenberger Bürgerinnen und Bürgern geführt. In dem standardisierten Fragebogen ging es um die subjektive Wahrnehmung klimatischer Veränderungen, den Gesundheitszustand sowie Anpassungen im Alltag bei Hitzewellen. Dabei wurden sowohl die Wohnsituation als auch der Arbeitsplatz fokussiert. Mit den qualitativen Interviews wurden dann die quantitativen Ergebnisse abgeglichen und untermauert. Ziel dieses Vorgehens war es in erster Linie zu überprüfen, welche Auswirkungen Hitze(wellen) generell auf das psychische Wohlbefinden im Alltag haben und inwieweit hier Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Wohnund Arbeitsumfeld wahrgenommen werden. Es muss herausgestellt werden, dass die Studie sich ausschließlich mit Hitzebelastung im Rahmen von Lohnarbeit beschäftigt. Andere Formen der Arbeit, wie z. B. Care-Arbeit, werden nicht explizit aufgegriffen. Nachfolgend wird zunächst der aktuelle Forschungsstand zu diesem Thema vorgestellt (Kapitel 2). Anschließend werden die angewandten Forschungsmethoden (Kapitel 3) und die daraus gewonnenen Erkenntnisse vor dem Hintergrund des Forschungsthemas beschrieben (Kapitel 4), diskutiert und interpretiert (Kapitel 5). In Kapitel 6werden Schlussfolgerungen aus der Untersuchung gezogen. 2 Aktueller Forschungsstand 2.1 Hitze und psychisches Wohlbefinden In der gesichteten Literatur findet sich keine einheitliche Definition des Begriffes „Hitze“ oder „Hitzewelle“, weshalb diese Begriffe auch in der Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstandes nicht einheitlich definiert sind. In einer zunehmenden Anzahl von Studien wird der Einfluss von Hitzewellen auf das psychische Wohlbefinden untersucht. So kann eine psychische Vorerkrankung das Mortalitätsrisiko während einer Hitzewelle verdreifachen (Hansen/Bi/ Nitschke et al. 2008: 1373; Palinkas/Wong 2020: 13). Darüber hinaus können Hitzewellen unabhängig von psychischen Vorerkrankungen zu einer Abnahme des psychischen Wohlbefindens führen (Zhang/Chen/Chen 2023). Schlafmangel aufgrund von einer schlechteren Schlafqualität in heißen Umgebungen kann insbesondere zu Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhter Impulsivität, Frustration sowie negativen Emotionen führen und wird mit erhöhter Morbidität und Mortalität assoziiert (Lõhmus 2018: 13–14; Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning (2025) 83/2: 96–110 97 J. Boltersdorf, S. Schäfer Liu/Varghese/Hansen et al. 2021: 16). Verhaltensänderungen, wie eine reduzierte Fitnessaktivität oder ein Mangel an Sozialkontakt durch Selbstisolation an heißen Tagen, tragen ebenfalls zu einer Abnahme der mentalen Gesundheit an heißen Tagen bei (Lõhmus 2018: 2; Jung 2022: 25; Zhang/Chen/Chen 2023: 10). An heißen Tagen nimmt der Drogenund Alkoholmissbrauch zu (Liu/Varghese/ Hansen et al. 2021: 14) und es kommt zu einem Anstieg von aggressivem und kriminellem Verhalten (Cianconi/ Betrò/Janiri 2020: 5; Jung 2022: 25). Insgesamt verstärkt eine Erhöhung der Monatstemperatur von 25-30 °C auf über 30 °C die Wahrscheinlichkeit, Probleme mit der mentalen Gesundheit zu entwickeln, um 0,5 % (Obradovich/ Migliorini/Paulus et al. 2018: 10953). Auch führt die Wahrnehmung von zunehmenden Extremereignissen, wie Hitzewellen, zunehmend zur sogenannten Eco-Anxiety.Eco-Anxiety beschreibt eine Sammlung von Gefühlen der Hilflosigkeit und Frustration im Hinblick auf die sich verändernde Umwelt sowie Ängste vor einer Zukunft unter sich verändernden Umweltbedingungen, vor allem unter jungen Menschen (Hayes/Blashki/ Wiseman et al. 2018: 7; Cianconi/Betrò/Janiri 2020:9). 2.2 Sozioökonomische Risikofaktoren der Vulnerabilität gegenüber Hitzewellen Zu den Risikofaktoren, die die Vulnerabilität von Personen gegenüber Hitze erhöhen, gehören physische und psychische Vorerkrankungen (z. B. Vorerkrankungen des HerzKreislauf-Systems, Vorerkrankungen der Atemwege, Krebs, Diabetes, psychische Erkrankungen), Drogenkonsum, Pflegebedürftigkeit, Obdachlosigkeit, isoliertes Wohnen und eine aus verschiedenen Gründen begrenzte Fähigkeit zur persönlichen Verhaltensanpassung (Kovats/Hajat 2008: 46; Pfaffenbach/Siuda 2012: 194; Baumüller 2018: 40; Lõhmus 2018: 7; Kenny/Notley/Flouris et al. 2020: 236; Karthick/ Kermanshachi/Pamidimukkala 2022: 292). Alte Menschen sowie Säuglinge und Kinder sind aufgrund ihrer begrenzten Thermoregulationsfähigkeit ebenfalls vulnerabel gegenüber Hitze (Kenny/Notley/Flouris et al. 2020: 239). Einige Studien zeigen auch, dass Frauen tendenziell stärker durch Hitzewellen beeinträchtigt werden als Männer (Grewe/ Heckenhahn/Blättner et al. 2010: 467; Krämer/Wörmann/ Jahn 2013: 11; Cianconi/Betrò/Janiri 2020:5). Es muss zudem darauf hingewiesen werden, dass Fragen nach „sozial und räumlich ungleich verteilten gesundheitsrelevanten Umweltrisiken“ (Fischer/Sinning 2022: 218) in allen nachfolgenden Überlegungen mitberücksichtigt werden müssen: So treten relevante Vorerkrankungen bei Personen mit niedrigem sozioökonomischem Status häufiger auf (Lampert/Hoebel/Kuntz et al. 2019: 156). Auch ist das Wohnumfeld dieser Personen häufig signifikant ungünstiger (kleinere Wohnungen, weniger Grün, mehr Verkehr, dichte Bebauung etc.), was ihre Vulnerabilität in Bezug auf Hitze weiter erhöht (Rudolph/Gould/Berko 2015: 10; Ecker/ Marbler 2021: 12; Looks/Borchers/Reinfried et al. 2021: 303; Fischer/Sinning 2022: 218). Bevölkerungsgruppen mit niedrigem sozioökonomischem Status verfügen häufig auch über weniger Bewältigungsmöglichkeiten wie beispielsweise soziale Netzwerke, um auf Umweltbeeinträchtigungen zu reagieren (Ernst/Franke/Franzkowiak 2022) und sind häufiger auch am Arbeitsplatz Lärm und Hitze sowie ungünstigen Arbeitsbedingungen, wie körperlich anstrengender Arbeit, ausgesetzt (Kroll/Müters/Dragano 2011: 4). Die Sterblichkeitsrate während Hitzewellen ist in sozial benachteiligten Stadtteilen oftmals entsprechend höher (Herrmann 2018: 27). Gleichzeitig bleiben Menschen mit niedrigem Einkommen in umweltpolitischen Diskursen unterrepräsentiert (Köckler 2020: 168). Prozesse, wie die Alterung der deutschen Bevölkerung im Rahmen des demographischen Wandels, die steigende gesellschaftliche Ungleichheit in Deutschland sowie die weiter fortschreitende Urbanisierung werden vor diesem Hintergrund dazu beitragen, dass in Deutschland zukünftig der Anteil der gegenüber Hitzebelastung vulnerablen Bevölkerung ansteigt (Pfaffenbach/Siuda 2012: 193; Kenny/Notley/ Flouris et al. 2020: 240). 2.3 Geographische Mikroräume: Wohnund Arbeitsumfeld Im Arbeitsumfeld kann das Risiko für Unfälle und Krankheiten während Hitzewellen in allen Berufsgruppen signifikant ansteigen (Varghese/Barnett/Hansen et al. 2019: 825). Weiterhin kann eine hohe Temperatur am Arbeitsplatz zu Müdigkeit und Unwohlsein führen, was in einer Minderung der Aufmerksamkeit für Details sowie in einer Abnahme der Leistungsfähigkeit resultiert (Pfaffenbach/Siuda 2012: 203; Kenny/Notley/Flouris et al. 2020: 244; Carter/Field/Oppermann et al. 2020: 6). Die Anzahl der Fehler und die Zeit, die in ungeplanten Pausen verbracht wird, nimmt zu, was zu einer weiteren Senkung der Arbeitsproduktivität führen kann (Hsiang 2010: 15368; Ioannou/Mantzios/Tsoutsoubi et al. 2021: 2; Karthick/ Kermanshachi/Pamidimukkala 2022: 290; Stalhandske/ Nesa/Zumwald et al. 2022: 2531). Vor allem Bevölkerungsgruppen, die viel im Freien arbeiten und/oder schwere körperliche Arbeit verrichten, sind an heißen Tagen einer erhöhten Gesundheitsgefährdung ausgesetzt (Steinmetzger 2005: 35; Smith/Woodward/Lemke et al. 2016: 642; Carter/ Field/Oppermann et al. 2020: 5; Kim/Lee 2020:1).Die Berufsgruppe, die am wenigsten von Hitze betroffen ist, sind Selbstständige, die bessere Möglichkeiten haben, ihren 98 Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning (2025) 83/2: 96–110 Psychisches Wohlbefinden im Kontext des Klimawandels unter Berücksichtigung der Arbeitsund Wohnsituation ... Arbeitsrhythmus an die Hitze anzupassen (Miller/Bates 2007: 560–561; Pfaffenbach/Siuda 2012: 202). Geeignete Maßnahmen vonseiten des Arbeitgebers gegen Hitze am Arbeitsplatz sind je nach Berufsgruppe zum Beispiel das Bereitstellen von kostenlosen Getränken, die Flexibilisierung der Arbeitszeit (z. B. Gleitzeitregelungen), die Sensibilisierung für gesundheitliche Folgen von Hitzebelastung, die Bereitstellung von leichter Schutzbekleidung oder technisch-bauliche Maßnahmen zur Raumkühlung (z. B. Jalousien, Klimaanlagen) (Pfaffenbach/Siuda 2012: 195; Bender/Groth/Seipold et al. 2022: 32). Inwieweit das Wohnumfeld Möglichkeiten zur Regeneration von der Hitze bietet, hat ebenfalls einen Einfluss darauf, als wie stark die Hitzebelastung im Arbeitsumfeld wahrgenommen wird (Schoierer/Mertes/Deering et al. 2021: 96). Die Ausstattung der direkten, makroräumlichen Wohnumgebung ist hierbei ein wichtiger Faktor: Begrünte und nicht zu dicht bebaute Umgebungen senken nicht nur die Hitzebelastung, sondern steigern auch die Wohnzufriedenheit der Anwohnenden (Bender/Groth/Seipold et al. 2022: 28). Zudem fördern sie gesundheitsbezogenes Verhalten wie physische Aktivität (Rudolph/Gould/Berko 2015: 10). Als vulnerabel gegenüber Hitze gelten insbesondere Menschen, die in großen Städten wohnen, da der sogenannte städtische Hitzeinseleffekt in urbanen Regionen an heißen Tagen in einer Erwärmung resultiert, die gegenüber dem ländlichen Raum über 10 K höher sein kann (Gabriel/Endlicher 2011: 2044; Schoierer/Mertes/Deering et al. 2021: 97). Die Ursachen für dieses Phänomen sind unter anderem künstliche Oberflächen mit erhöhtem Emissionsvermögen und die anthropogene Wärmeproduktion in Städten (Ward/Lauf/Kleinschmit et al. 2016: 528). Vor allem in Stadtteilen mit dichter, geschlossener Bebauung und wenig Vegetation ist die Hitzebelastung hoch (Großmann/Sinning 2020: 41; Looks/Borchers/Reinfried et al. 2021: 304). Dies ist angesichts der in Deutschland und weltweit zunehmenden Verstädterung ein problematischer Befund – in Deutschland wohnten 2017 etwa 77% der Wohnbevölkerung in städtischen Gebieten (Kemen/ Schäffer-Gemein/Kistemann 2020: 60). Hitze kann jedoch nicht als urbanes Problem abgetan werden: Personen, die in ländlichen Gebieten leben, arbeiten häufiger im Freien (z. B. in der Landwirtschaft), haben seltener Zugang zu Klimaanlagen und zu medizinischer Versorgung und sind im Durchschnitt älter als Menschen in Großstädten, was auch sie anfällig für Hitzewellen macht (Sheridan/Dolney 2003; López-Bueno/Navas-Martín/Linares et al. 2021:2; Zhang/Chen/Chen 2023: 11). Im mikroräumlichen, privaten Wohnbereich können beispielsweise Fassadenund Dachbegrünungen, Dämmung, angepasstes Lüftungsverhalten und technisch-bauliche Maßnahmen (z. B. Klimaanlagen, Ventilatoren, Jalousien) Abhilfe gegen Hitzebelastung schaffen (Großmann/Sinning 2020: 42; Kemen/Schäffer-Gemein/ Kistemann 2020: 63). 2.4 Forschungslücken Anhand der Literatur konnten vor allem drei Forschungslücken identifiziert werden: – In der bestehenden Forschung werden hitzebedingte Gesundheitsrisiken meist auf der Basis von quantitativen Daten (v.a. Morbidität und Mortalität) untersucht. Insbesondere bei der Erforschungvon Auswirkungen der Hitze auf das psychische Wohlbefinden tragen qualitative Erhebungen, in denen die alltägliche makround mikroräumliche Lebenswelt von Personen analysiert wird, zu einer sinnvollen Ergänzung des aktuellen Forschungsstandes bei. Qualitative Daten können durch den Fokus auf subjektive Erfahrungen zum besseren kontextuellen Verständnis von psychischem Wohlbefinden in verschiedenen Zusammenhängen beitragen. – Kleinund Mittelstädte bleiben zudem in bisherigen Forschungsarbeiten gegenüber Großstädten unterrepräsentiert. Dies ist besonders relevant, da Kleinund Mittelstädte möglicherweise anderen klimatischen, infrastrukturellen und sozialen Bedingungen unterliegen, die die psychischen Auswirkungen von Hitzewellen beeinflussen könnten. Beispielsweise könnten die geringere Anpassung der städtischen Infrastruktur an Hitzewellen und der im Vergleich zu Großstädten oft höhere Altersdurchschnitt eine Rolle spielen. Angesichts der Tatsache, dass 57,9% der deutschen Bevölkerung in Kleinund Mittelstädten leben (Bundestransferstelle Stadtumbau 2020: 4), ist eine Untersuchung dieser Regionen daher von besonderer Relevanz. – Während es bereits ein breites Spektrum an Forschungsarbeiten zum Zusammenhang zwischen dem Hitzerisiko und dem makroräumlichen Lebensumfeld gibt (z. B. Auswirkungen von Stadtgrün, Hitzeinseleffekt), fehlt es bislang an systematischen wissenschaftlichen Untersuchungen, die sich mit der vergleichenden Betrachtung von Hitze im mikroräumlichen Kontext, insbesondere in Wohnund Arbeitsumfeldern, auseinandersetzen. Mikroräumliche Ausstattungsmerkmale gewinnen mit dem anthropogenen Klimawandel an Relevanz, da sie individuelle Anpassungen an Hitze ermöglichen, deren Wirksamkeit von den spezifischen Eigenschaften des Wohnund Arbeitsumfelds abhängt. Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning (2025) 83/2: 96–110 99 J. Boltersdorf, S. Schäfer Tabelle 1 Merkmale der Interviewpartnerinnen und -partner Kürzel Geschlecht Alter Vorerkrankungen Arbeitsumfeld Haushalt und Wohnumfeld B1 Weiblich 57 Allergie, Atemwegserkrankungen – Lehrerin an einer Förderschule – Regelmäßiger Raumwechsel und Aufenthalt im Freien möglich – Partnerschaft – Haus mit einem Garten B2 Weiblich 31 Keine angegeben – Wissenschaftliche Mitarbeiterin – Kühles Labor als Hauptarbeitsplatz – Homeoffice möglich – Partnerschaft und drei kleine Kinder – Neugebautes und selbst geplantes Haus mit Garten B3 Weiblich 74 Allergie, Gelenkverschleiß –Pensioniert – Ehrenamtlich in der häuslichen Pflege alter Menschen tätig –HausmitHofundGarten B4 Männlich 36 Adipositas, SchwitzenanheißenTagen – Sachbearbeiter in einem Archiv – Büroarbeit – Gelegentlich Arbeit im Freien: Touristenführungen – Wohnung mit Balkon Das Interview mit B5 wurde durchgeführt. Jedoch wurde die Einverständniserklärung vonseiten der interviewten Person zurückgezogen B6 Männlich 50 Adipositas, Allergie – Projektmanager im Werkzeugbau – Büroarbeit – Gelegentlich Arbeit in Werkhalle – Partnerschaft und Kinder – Haus mit Terrasse, Keller und Garten B7 Männlich 64 Keine angegeben – Bereichsleiter – Klimatisierter Büroarbeitsplatz – Partnerschaft – Dachgeschosswohnung – Gemeinschaftsgarten B8 Weiblich 61 Keine angegeben – Bürokraft in einer Schule – Klimatisierter Arbeitsplatz –HausmitGarten B9 Männlich 38 Keine angegeben – Mitarbeiter in der Jugendarbeit –Kellerbüro – Gelegentlich Arbeit im Freien – Ein-Zimmer-Wohnung an Hauptverkehrsstraße – Lüften aus Lautstärkegründen erschwert – Breite Fensterfront 3Methodik 3.1 Datenerhebung und Datenauswertung Zur Adressierung der Forschungslücken wurde ein quantitativ-qualitatives Forschungsdesign gewählt. Im Dezember 2022 wurde zunächst eine postalische Haushaltsbefragung in Eisenberg, basierend auf einer Zufallsstichprobe von 2500 Einwohnerinnen und Einwohnern (EW) (älter als 18 Jahre), durchgeführt. Ihre Namen und Adressen wurden durch das Einwohnermeldeamt der Stadt Eisenberg zur Verfügung gestellt. Die Anschreiben und Fragebögen wurden mit den jeweiligen Adressen und Anreden personalisiert. Der Fragebogen thematisierte die Erfahrungen mit klimatischen Veränderungen in Eisenberg, die Wohnund Arbeitssituation sowie die Einschätzung der eigenen Gesundheit (Status und während sommerlicher Hitzetage mit mehr als 30 °C), wobei wir physische als körperliche und psychische als mentale Gesundheit bezeichnet haben. Die Rücklaufquote für diese standardisierte Befragung lag bei 21,9% (N = 548). Auf den Fragebögen konnten die Probanden auch ihre Kontaktdaten für ein vertiefendes Interview hinterlassen. Nach Datenanalyse in SPSS Statistics wurden Ende 2023/Anfang 2024 alle Personen, die uns ihre Kontaktdaten zur Verfügung gestellt hatten, kontaktiert. So wurden zusätzlich zur Befragung acht leitfadengestützte, semistrukturierte Interviews durchgeführt und mit MAXQDA im Rahmen einer qualitativen inhaltlich-strukturierenden Inhaltsanalyse (Kuckartz 2018) analysiert (vgl. Tabelle 1). Sowohl der standardisierte Fragebogen als auch die Interviews fokussierten auf die Wahrnehmung klimatischer Veränderungen und die subjektive Einschätzung des physischen und psychischen Wohlbefindens während Hitzewellen. In den Interviews wurde die Wahrnehmung der Befragten zu Stimmungsund Verhaltensänderungen an heißen Tagen abgefragt. Zudem wurden vertiefende Fragen zu Maßnahmen gestellt, die in ihrem Wohnund Arbeitsumfeld bereits gegen Hitze unternommen werden und die sie sich zusätzlich wünschen würden. Um den Einstieg in das Interview über psychisches Wohlbefinden zu erleichtern, wurden den Inter100 Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning (2025) 83/2: 96–110 Psychisches Wohlbefinden im Kontext des Klimawandels unter Berücksichtigung der Arbeitsund Wohnsituation ... Abbildung 1 Auswirkungen von Hitze auf das Wohlbefinden (N = 8, Mehrfachantworten möglich) viewten Kärtchen mit gängigen Symptomen zur Auswahl vorgelegt. 3.2 Fallstudie Stadt Eisenberg Eisenberg ist die Kreisstadt des Saale-Holzland-Kreises in Thüringen. Die Stadt hat insgesamt 11.072 Einwohner. Das Durchschnittsalter im Jahr 2020 liegt mit 47,4 Jahren knapp drei Jahre über dem Durchschnittsalter der Gesamtbevölkerung in Deutschland.2Eisenberg liegt zum größten Teil auf einer Hochebene, die sich rund 275 Meter über NN von Westen nach Osten erstreckt. Im Süden und Norden der Stadt fällt der Boden steil in zwei Täler ab. Laut dem Klimasteckbrief des Regionalen Klimainformationssystems ist mit einer starken Zunahme von heißen Tagen bzw. sommerlicher Hitze bis zum Jahr 2050 zu rechnen. Konkret wird mit der Zunahme der Durchschnittstemperatur im Sommer von 5,4 °C ausgegangen. Heiße Tage (mehr als 30 °C Tagesmaximaltemperatur) sollen bis 2100 von zwei auf voraussichtlich 39 Tagen steigen.3 2https://statistik.thueringen.de/ (06.01.2025); https://www.bib. bund.de/DE/Fakten/Fakt/B19-Durchschnittsalter-Bevoelkerungab-1871.html (06.01.2025). 3https://rekisviewer.hydro.tu-dresden.de/viewer/steckbriefe/ TN/16074018/000_GESAMT.pdf (06.01.2025). 4 Ergebnisse 4.1 Auswirkungen von Hitze auf Stimmung und Verhalten Die quantitativen Ergebnisse machen deutlich, dass sich das subjektive Gesundheitsempfinden im Sommer für die meisten Bewohnerinnen und Bewohner (67,9%) grundsätzlich nicht ändert. Von den übrigen berichten 5,1% über positive und 23,7% über negative gesundheitliche Auswirkungen. Dabei gibt es einen Unterschied zwischen den physischen und psychischen Auswirkungen: Von physischen Auswirkungen sind 39,0% betroffen und psychische Folgen spüren 26,0%. Zu den psychischen Auswirkungen zählen unter anderem Müdigkeit, Erschöpfung, fehlende Motivation und Konzentrationsprobleme. Zudem berichten die einige auch zu einem geringen Teil von positiven psychischen Veränderungen. Zwar betrifft dies nur etwa 3% der Befragten (N = 16), aber diese berichten von erhöhter Motivation, draußen aktiv zu sein. Auch bei den vertiefenden Interviews zeigt sich ein gemischtes Bild bei den Auswirkungen von Hitze (Tageshöchsttemperatur mit mindestens 30 °C) auf das Wohlbefinden (vgl. Abbildung 1). Fünf Interviewte sprechen vorwiegend oder zusätzlich über positive Auswirkungen von Hitze auf ihre Stimmung und ihr Wohlbefinden. Hierbei wird Hitze mit einem Anstieg an Lebensfreude und mit Entspannung im Vergleich zu kühleren Tagen assoziiert. Verminderte Leistungsfähigkeit oder Konzentrationsprobleme sowohl im Hinblick auf körperliche als auch auf geistige Tätigkeiten werden als negativ besetzte Hitzesymptome ebenfalls von fünf Befragten genannt. Prokrastination, Frustration, Schlafprobleme und Erschöpfung werden Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning (2025) 83/2: 96–110 101 J. Boltersdorf, S. Schäfer Abbildung 2 Verhaltensänderungen an heißen Tagen (N = 8, Mehrfachantworten möglich) von jeweils vier Befragten im Zusammenhang mit Hitze angegeben. Erschöpfung wird hierbei vor allem im Hinblick auf körperliche Betätigung und von einem Befragten auch im Zusammenhang mit Schlafproblemen erwähnt. Die Neigung zur Prokrastination bezieht sich ebenfalls vor allem auf Aufgaben, die mit körperlicher Betätigung verbunden sind oder die generell als unangenehm und lästig empfunden werden. „Ich schiebe dann Arbeiten vor mir her, die ich eben sonst sicherlich auch nicht so gerne mache, aber dann mache ich sie erst recht nicht. Und, ja, nur so das Notwendige, beziehungsweise, was mir jetzt Freude bereitet.“ (B1) Drei Befragte erzählen von vermehrter Antriebslosigkeit. Ebenfalls drei Befragte berichten von geringfügigen Auswirkungen auf die physische Gesundheit (z. B. Kreislaufprobleme, extremes Schwitzen) an heißen Tagen. Dieses Bild passt entsprechend gut mit den Ergebnissen der standardisierten Haushaltsbefragung zusammen. Sommerliche Hitze hat nicht nur Auswirkungen auf die Stimmung der Befragten, sondern führt auch zu Verhaltensveränderungen im Alltag der Befragten, die in Abbildung 2 dargestellt sind. Hitze wirkt sich insbesondere auf die Bewegungsgewohnheiten sowie auf das Essund Trinkverhalten der Befragten aus. Fast alle Befragten geben an, dass sie sich an heißen Tagen tendenziell weniger bewegen. Insbesondere als anstrengend wahrgenommene, bewegungsintensive Tätigkeiten werden von sieben Befragten in den frühen Morgen, in den Abend oder auf kühlere Tage verlegt (Kategorie „Verschiebung von Dingen“ in Abbildung 2). Sechs Personen berichten davon, dass sie an heißen Tagen generell weniger und vor allem weniger fettige, „schwere“ Mahlzeiten zu sich nehmen. Fünf Befragte sagen auch, dass sie selbst oder Personen aus ihrem Umfeld an heißen Tagen das Haus seltener als gewöhnlich verlassen und mehr Zeit drinnen verbringen: „Das ist dann, wo ich mich wirklich zurückziehe, drinnen bleibe, Fenster sind zu und teilweise auch wirklich gar nichts mache.“ (B1) Vereinzelt werden, ähnlich wie in der quantitativen Erhebung, gegenteilige Verhaltensänderungen erwähnt: So berichten zwei Befragte davon, dass sie an heißen Tagen mehr Zeit mit Menschen aus ihrem Umfeld verbringen, anstatt sich zu isolieren, oder sich mehr im Freien aufzuhalten und auch längere Strecken zu laufen, weil die Hitze als motivierend empfunden wird. Drei Befragte geben an, dass kalte Temperaturen und der Winter sich generell oder in bestimmten Situationen stärker negativ auf ihre Stimmung und ihr Verhalten auswirken als heiße Temperaturen. 4.2 Einschränkungen durch Hitze im Wohnund Arbeitsumfeld Bei der Frage nach der Einschränkung von Hitze differenziert nach Wohnund Arbeitsumfeld fällt in der standardisierten Erhebung auf, dass sich die breite Mehrheit wenig oder kaum eingeschränkt fühlt (vgl. Abbildung 3). Dieses Bild wird durch die qualitativen Interviews ebenfalls gestärkt. Bei den Einwohnerinnen und Einwohnern, die sich von Hitze (sehr) stark beeinträchtigt fühlen, ist es gerade der Arbeitsplatz, der überproportional häufig betroffen ist. Dieser Zusammenhang wurde in den qualitativen Interviews weitergehend vertieft: Im Hinblick auf das Wohnumfeld ist eine wiederkehrende Aussage der interviewten Personen, dass Eisenberg aufgrund seiner Waldnähe eine bezüglich Hitzebelastung günstige Lage aufweist. Sechs Befragte betonen, dass sie die Option, an heißen Tagen in den Wald zu gehen, als eine Strategie zur Reduktion der persönlichen Hitzebelastung nutzen. Zu Hitze äußert sich keiner der Befragten negativ in Bezug auf das öffentliche Wohnumfeld in Eisenberg. 102 Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning (2025) 83/2: 96–110 Psychisches Wohlbefinden im Kontext des Klimawandels unter Berücksichtigung der Arbeitsund Wohnsituation ... Abbildung 3 Vergleich der gefühlten Einschränkung in % bei der Wohnsituation (N = 538) und am Arbeitsplatz (N = 286) „Ich [...] könnte noch hinzufügen, dass Eisenberg durch seine Lage mit der Hitze vielleicht noch ganz gut zurechtkommt, weil wir dieses Mühltal haben, weil wir dieses Umfeld haben, wo jeder auch mal irgendwo reinflüchten kann. Das ist ein Riesenvorteil von dem Eisenberg.“ (B8) Auch die Hitzebelastung im privaten, mikroräumlichen Wohnumfeld wird überwiegend als erträglich wahrgenommen. Die Aspekte, die sich hitzemildernd auf das private Wohnumfeld auswirken, umfassen beispielsweise Jalousien oder Klimaanlagen. Sieben befragte Personen verfügen über einen Garten oder einen Balkon, der zum Aufenthalt an heißen Tagen genutzt wird. Fünf Befragte verfügen über ein eigenes Haus, was ebenfalls als hitzemildernd bezeichnet wird. Lediglich zwei Befragte beschreiben Hitze im privaten Wohnumfeld als relativ belastend, was mit ihrer hitzeexponierten Wohnlage begründet wird. Als Ergebnis der standardisierten Befragung wird deutlich, dass rund die Hälfte (52,0 %) der Einwohnerinnen und Einwohner in Eisenberg in Wohnungen lebt, während die anderen in Einzel- (31,0%), Doppel- (6,9%), oder Reihenhäusern (6,6%) leben. Deren Ausstattung geht aus Tabelle 2hervor. Im Arbeitsumfeld werden von den Befragten verschiedene technisch-bauliche Aspekte, wie dicke Wände oder Kellerlage, sowie Maßnahmen vonseiten des Arbeitgebers genannt, die dazu beitragen, Hitzebelastung zu reduzieren. Zu den Maßnahmen des Arbeitgebers/der Arbeitgeberin gehören beispielsweise Jalousien, Klimaanlagen, Schutzmasken, die Bereitstellung von kostenlosem Trinkwasser oder die Flexibilisierung der Kernarbeitszeiten. Diese Maßnahmen werden von den meisten Befragten als ausreichend bewertet. „Bei mir ist es so, ich arbeite in einem klimatisierten Raum. Deswegen spüre ich diese Wärme eigentlich nur, wenn ich jetzt außerhalb dieses Gebäudes unterwegs bin, und das bin ich beruflich eh selten.“ (B7) Alle Befragten arbeiten hauptsächlich drinnen, wo Hitze meist nicht als Belastung empfunden wird. B1 berichtet jedoch von verminderter Leistungsfähigkeit, Schwierigkeiten, die Kinder zu motivieren und auch von Gefühlen der Besorgnis im Hinblick auf die Kinder im Schulumfeld an heißen Tagen. B9 erwähnt, dass Aufgaben, die im Freien erledigt werden müssen, an heißen Tagen ungleich belastender sind als seine sonstigen Bürotätigkeiten. „Ich habe eigentlich immer im Büro gearbeitet. Dadurch war das nie so eine Problematik, weil im allerschlimmsten Fall hast du dir halt direkt so einen Ventilator ins Gesicht pusten lassen.“ (B9) „Wenn natürlich irgendwie gerade Rasenmähen oder Gartenarbeit ansteht, dann ist es unerträglich eigentlich.“ (B9) Sechs befragte Personen nehmen die Hitzebelastung bei der Arbeit als stärker wahr als in ihrem Wohnumfeld und in der Freizeit, wofür verschiedene Gründe aufgeführt werden (vgl. Abbildung 4). Die Befragten erzählen, dass es im Wohnumfeld einfacher ist, sich an die Hitze anzupassen, als im Arbeitsumfeld. So besteht im privaten Wohnumfeld beiRaumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning (2025) 83/2: 96–110 103 J. Boltersdorf, S. Schäfer and mental health. In: Current Opinion in Psychology 32, 12–16. https://doi.org/10.1016/j.copsyc.2019.06.023 Pfaffenbach, C.; Siuda, A. (2012): Hitzebelastung und Hitzewahrnehmung im Wohnund Arbeitsumfeld der Generation 50plus in Aachen. In: Europa Regional 18.2010, 4, 192–206. 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