Die Phillipskurve bei 'informierter' Erwartungsbildung. Bemerkungen zu einem theoretischen Ansatz von Kromphardt
Abstract
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Full text
Landmann, Oli e
A icle
Die Phillipsku e bei 'in o mie e ' E wa ungsbildung.
Beme kungen zu einem heo e ischen Ansa z on
K ompha d
Zei sch i ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en (ZWS) - Vie eljah essch i de
Gesellscha ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en, Ve ein ü Socialpoli ik
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Landmann, Oli e (1986) : Die Phillipsku e bei 'in o mie e ' E wa ungsbildung.
Beme kungen zu einem heo e ischen Ansa z on K ompha d , Zei sch i ü Wi scha s-
und Sozialwissenscha en (ZWS) - Vie eljah essch i de Gesellscha ü Wi scha s- und
Sozialwissenscha en, Ve ein ü Socialpoli ik, ISSN 0342-1783, Duncke & Humblo , Be lin, Vol. 106,
Iss. 1, pp. 63-72,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.106.1.63
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Zei sch i ü Wi scha s- u. Sozialwissenscha en (ZWS) 106 (1986), S. 63 - 72
Duncke & Humblo , Be lin 41
Diskussion
Die Phillipsku e bei in o mie e 6 E wa ungsbildung
Beme kungen zu einem heo e ischen Ansa z on K ompha d *
Von Oli e Landmann
1. Einlei ung
Au de Tagung des Ve eins ü Socialpoli ik, in Zü ich 1974, ha Niehans
(1975) das Ende de ,Phillips-Illusion' e künde . Gemein ha e dami den
„aus un ollkommenem Wissen" en sp ungenen Glauben an einen s abilen
lang is igen T ade-o zwischen In la ion und A bei slosigkei . Diese
Glaube e schien damals sowohl aus heo e ischen als auch empi ischen
G ünden als Illusion en la . Au heo e ische Ebene leg en die Analysen
on Phelps (1967) und F iedman (1968) den Schluß nahe, daß nu une wa -
e e In la ion Beschä igungsgewinne b ingen kann. Empi isch wu de
zunehmend deu lich, daß die bis wei in die 60e Jah e hinein einige maßen
s abile Phillipsku e sich zu e schieben begann, und zwa genau in die
Rich ung, die au g und des Phelps/F iedman-A gumen s zu e wa en wa .
Unge äh 10 Jah e spä e be aß e man sich im Theo e ischen Ausschuß
des Ve eins ü Socialpoli ik e neu mi de Phillipsku e. Ha e Niehans
seine zei die de ini i e Übe windung de Phillips-Illusion in Wissenscha
und Poli ik als „nu eine F age de Zei " bezeichne , wa man sich diesmal
keineswegs siche , ob ein lang is ige Phillips-T ade-o ielleich nich
doch meh Reali ä denn Illusion sei. In seine empi ischen Analyse komm
F anz (1984) zum E gebnis, „daß die Hypo hese nich e wo en we den
kann, daß die [lang is ige;
d. V.]
Phillipsku e in de Bundes epublik nega-
i e läu - zwa s eil, abe eben nich senk ech " (S. 619). In E gänzung
zu diese S udie un e nahm es K ompha d (1984) zu zeigen, „daß sich eine
allende lang is ige Phillipsku e seh gu heo e isch beg ünden läß "
(S. 631).
In den Mi elpunk seine heo e ischen Übe legungen s ell K ompha d
die E wa ungsbildung. E assoziie die ,keynesianische' Theo ie eine
lang is ig nich - e ikalen Phillipsku e mi dem adi ionellen au o e-
g essi en Modell de E wa ungsbildung, wogegen e das Konzep de a io-
nalen E wa ungen de ,neoklassischen' Theo ie de na ü lichen A bei slo-
* W. F anz, J. K ompha d und M. Sa ioz haben mi k i ischen Hinweisen Ve bes-
se ungen des o liegenden Manusk ip s bewi k , dü en abe ü e bleibende Män-
gel nich e an wo lich gemach we den.
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64 Oli e Landmann
senquo e zuo dne . Seine Un e suchung geh on de Hypo hese aus, daß die
Theo ie de na ü lichen A bei slosenquo e o allem deshalb so wei he um
akzep ie is , weil sich die Gegen hese om lang is igen T ade-o au ein
so o enkundig unzu eichendes, nämlich eben nu au o eg essi es, E wa -
ungsbildungmodell s ü z . Um zu zeigen, daß die Exis enz eines lang is i-
gen T ade-o auch mi ealis ische en Annahmen übe die E wa ungsbil-
dung beg ündba is , üh K ompha d ein neues Konzep ein: .in o mie e1
E wa ungen. ,In o mie e4 Wi scha ssubjek e ziehen zu ih e E wa -
ungsbildung alle zu e e ba en Kos en e häl lichen In o ma ionen he an,
die sie ü ele an hal en. Sie e meiden dami die k asse Ine izienz de
In o ma ions e a bei ung, die ihnen das mechanis isch-au o eg essi e
Modell un e s ell . ,In o mie e' E wa ungsbildung b auch abe nich so
eng in e p e ie zu we den, daß sie isomo ph mi de e wende en Modell-
s uk u sein muß, wie es das P inzip de a ionalen E wa ungen im Sinne
on Mu h (1961) o sch eib . Vielmeh in e p e ie en die Wi scha ssub-
jek e „ih e In o ma ionen nach de sie jeweils übe zeugenden Theo ie"
(K ompha d (1984), 635).1
So de inie e ,in o mie e' E wa ungen sollen lau K ompha d nich nu
eine übe zeugende Beg ündung eines lang is igen Phillips-T ade-o e lau-
ben, sonde n da übe hinaus soga s abilisie end au die In la ions a e wi -
ken. Gemein is dami , daß die lang is ige Phillipsku e un e »in o mie -
en' E wa ungen lache e läu als un e au o eg essi en E wa ungen,
also e wa auch dann noch eine nega i e S eigung au weis , wenn sie un e
au o eg essi en E wa ungen e ikal wä e. Die nachs ehenden Aus üh un-
gen legen jedoch da , daß K ompha d s Behaup ungen bei nähe e Übe -
p ü ung nich au ech zue hal en sind. Ge ade wenn man den Gedanken
de ,in o mie en' E wa ungsbildung als po en iell uch ba en Ansa z
e ns nimm , gelang man zu E gebnissen, die K ompha d s Thesen diame-
al zuwide lau en:
1. Die S eigung de lang is igen Phillipsku e is unabhängig on den
De ails de E wa ungsbildung.
2. Bei jedem Ve such de Wi scha spoli ik, einen T ade-o zwischen
A bei slosigkei und In la ion auszubeu en, wi ken »in o mie e' E wa -
ungen des abilisie end au die In la ions a e.
3. »In o mie e' E wa ungen sind nich nu ein un augliches Ins umen
zu Beg ündung eine lang is ig allenden Phillipsku e, sonde n deu-
en im Gegen eil da au hin, daß das geb äuchliche empi ische K i e ion
zu Beu eilung des Ve lau s de lang is igen Phillipsku e zuunguns en
de Theo ie de na ü lichen A bei slosenquo e e ze sein könn e.
Diese d ei An i-Thesen gil es nun de Reihe nach ku z zu beg ünden.2
1 Welche Konsequenzen sich ü Modelle a ionale Wi scha ssubjek e e geben,
wenn die Ak eu e auch an konku ie ende Modelle glauben dü en, is heu e Gegen-
s and eine asch wachsenden Li e a u ; gl. z.B. die Au sa zsammlung in F ydman/
Phelps (1983).
2 De o liegende Diskussionsbei ag se z sich nich mi K ompha d s zusä z-
liche Behaup ung auseinande , wonach de Anwendungsbe eich de Theo ie de
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Die Phillipsku e bei,in o mie e ' E wa ungsbildung 65
2. Die S eigung de lang is igen Phillipsku e
Das adi ionelle S anda dmodell de Phillipsku e bes eh aus d ei
Gleichungen:
(1) w = ao(u~ -i -U~l) + aip
(2) p = W
(3) p -pe -l = X(p -1-pe -l).
Die Lohngleichung (1) besch eib die Ände ungs a e de Nominallöhne in
Pe iode ,w , in Abhängigkei on de A bei sma k lage de Vo pe iode,
ausged ück du ch die Höhe de A bei slosen a e u ela i zu einem Re e-
enzwe ü, sowie on de e wa e en Ände ungs a e de Gü e p eise p .
Die P eisgleichung (2) se z die a sächliche Ände ungs a e de P eise, p ,
de Lohnände ung gleich, was un e de Vo ausse zung eine kons an en
du chschni lichen und ma ginalen A bei sp oduk i i ä eine Implika ion
gewinnmaximie enden Ve hal ens de Un e nehmungen is . Gleichung (3)
schließlich besch eib die In la ionse wa ungen als Resul a eines adap i-
en, au o eg essi en Le np ozesses.
Die lang is ige Phillipsku e is de inie du ch die Bedingung p = p ,
also du ch die Absenz on E wa ungsi üme n. Diese Bedingung impli-
zie gemäß (3) übe dies Kons anz de In la ions a e. Du ch Einse zen in (1)
und (2) esul ie die lang is ige Phillipsku e
a0
(4) p = (u-1-^1).
1 - ai
Die S eigung diese Funk ion is o ensich lich allein du ch die Pa ame e
de Lohngleichung (1) de e minie . Die Theo ie de na ü lichen A bei slo-
senquo e pos ulie ai = 1, in welchem Fall die Phillipsku e e ikal e -
läu und eine in la ionsunabhängige na ü liche Ra e u = ü de inie . Die
E wa ungsgleichung is zu He lei ung de lang is igen Phillipsku e
nich e o de lich und is nu ü die Ges al des Übe gangsp ozesses zwi-
schen de ku zen und de langen F is on Belang. Auch die Subs i u ion
a ionale E wa ungen ü den adap i en Le np ozess (3) wü de am Ve -
lau de lang is igen Phillipsku e nich s ände n, sonde n die lang is ige
na ü lichen A bei slosenquo e au den Zus and de Vollbeschä igung besch änk sei.
Auch diese Behaup ung, die einsei ig au E klä ungsansä ze in de T adi ion des
,ma ke Clea ing pa adigm' abs ell , is nich zu hal en. Ungleichgewich s heo e ische
Modelle eallohnbeding e A bei slosigkei gene ie en mi Leich igkei in la ionsin-
a ian e Un e beschä igungssi ua ionen. Siehe zu Abg enzung de na ü lichen Ra e
on de Vollbeschä igung e wa auch Meade (1982), Kap. 1. (K ompha d deduzie
seine Posi ion, wie e in Ko espondenz mi dem Ve asse p äzisie ha , o enba aus
einem seman ischen Vo e s ändnis. E de inie nämlich die na ü liche A bei slo-
senquo e du ch die Absenz un eiwillige A bei slosigkei , wodu ch sich die F age
nach dem Gel ungsbe eich de Theo ie de na ü lichen A bei slosenquo e ga nich
meh als heo e isches ode empi isches P oblem da s ell , sonde n au ologisch
gelös is ).
5 Zei sch i ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en
1986/1
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Gleichgewich sbedingung p = pe - o behäl lich s ochas ische S ö ein-
lüsse - ein ach schon ü die ku ze F is pos ulie en.
Die Akzep anz de Theo ie de na ü lichen A bei slosenquo e be uh e
eine sei s au de Übe zeugungsk a des heo e ischen A gumen s, daß
A bei nehme wie A bei gebe , ei on Geldillusion, nu in ealen Ka e-
go ien denken, und daß deshalb die Lohngleichung (1) de Res ik ion
ai = 1 geho chen soll e. Diese Res ik ion begann sich mi Beginn de 70e
Jah e in eine zunehmenden Zahl on empi ischen Un e suchungen zu
bes ä igen - und zwa ge ade auch in solchen, die mi au o eg essi en
Mechanismen de E wa ungsbildung ope ie en ( gl. z.B. Go don (1976)).
Die on K ompha d sugge ie e Assozia ion des au o eg essi en E wa -
ungsbildungsmodells mi de Theo ie eine lang is ig allenden Phillips-
ku e is deshalb wede on de Logik des Modells noch om a sächlichen
Gang de empi ischen Fo schung he au ech zue hal en. Es bleib je z
alle dings die F age zu bean wo en, wie o dem Hin e g und des Gesag en
dennoch ein Ein luß ,in o mie e 4 E wa ungen au die Ges al de lang i-
s igen Phillipsku e kons uie ba sein soll e.
3. Das heo e ische Modell K ompha d s
K ompha d geh on de Übe legung aus, daß »in o mie e' Wi scha s-
subjek e zu Bildung ih e In la ionse wa ungen nich nu au die e gan-
gene En wicklung de In la ion abs ellen, sonde n auch au die A bei s-
ma k lage und au die Abweichung des Geldmengenwachs ums m on de
Ziel o gabe de Zen albank ihz:2
(3') Pi = P -i + o (M7-1 -ü-1) + y1( h -1 -m?_i).
Das o gegebene Geldmengeijziel akkommodie einen kons an en,
»un e meidlichen' B uch eil de In la ions a e de Vo pe iode:
(5)
hz
= y2p -l 0<y2<l.
Die Gleichungen (1), (2), (3') und (5) bilden das Modell, dessen s eady-
s a e-Lösung K ompha d aus de Bedingung eine kons an en In la ions-
a e wie olg he lei e :
(6) p = [1 - «!
(1
- YI
72)] " 1 •
[(ao +
yo) (u " 1
-
ü ~
l) +
ax
y0
h]
.
Diese Phillipsku e weis o ensich lich auch dann noch einen allenden
Ve lau au , wenn das Pos ula ai = 1 e üll is . Dahe K ompha d s
Schluß olge ung, daß »in o mie e4 E wa ungen die In la ion s abilisie en,
also z.B. eine A bei slosenquo e u < ü o z = 1 bei kons an e In la ion
au ech zue hal en e lauben.
3 Die hie gegebene Fo mulie ung un e scheide sich on K ompha d s O iginal-
Modell du ch die e ein achende Annahme eine kons an en A bei sp oduk i i ä
und du ch eine e was ealis ische e Da ie ung de Va iablen.
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Die Phillipsku e bei,in o mie e ' E wa ungsbildung 67
Wenn es auch eine e lockende S a egie sein mag, die E wa ungsbil-
dung so zu modellie en, daß den Wi scha ssubjek en ein Denken in Kau-
salzusammenhängen zuges anden wi d, ohne daß ihnen gleich die ein-
schneidende Res ik ion de Mu h-Ra ionali ä au e leg we den muß, is
K ompha d s Ansa z dennoch ein anschauliches Beispiel da ü , was Fische
(1975), 163, gemein haben dü e, als e de Theo ie de a ionalen E wa -
ungen das Ve diens zusp ach, die „exzessi e Willkü de Hypo hesenbil-
dung in dynamischen Modellen einzudämmen." Zumindes die olgenden
Einwände sind gegen die Hypo hesen (3') und (5) o zub ingen:
1. Bei alle Viel al des Angebo s an mone ä en In la ionsmodellen is
schwe einzusehen, wa um In la ionse wa ungen ge ade on de Di e-
enz zwischen a sächlichem und anges eb em Geldmengenwachs um
abhängen soll en. Gene ie ein genau eingehal enes Geldmengenziel on
+ 10% wenige In la ionsbe ü ch ungen als ein Geldmengen Wachs um
on
3 %,
wenn die Ziel o gabe
2 %
be ug?
2. In einem komple en Mak o-Modell, dessen Nach agesei e die eale Ou -
pu ände ung q e wa du ch die olgende eduzie e Fo m eines IS-LM-
Modells e klä :4
(7)
q
= ß( h -p ),
e o de die Kons anz de A bei slosenquo e bei gegebene A bei sp o-
duk i i ä und gegebenem A bei sangebo die Übe eins immung de
In la ions a e p mi de Geldmengenwachs ums a e
7h .
Dies bedeu e
wegen y2 < 1 in (5), daß das Geldmengenziel Thz bei jede on null e -
schiedenen In la ions a e au Daue on de a sächlichen Wachs ums-
a e de Geldmenge h abweich . Angesich s de on K ompha d (1984),
637, be on en Vo ausse zung, „daß die Wi scha ssubjek e on de En -
schlossenhei de No enbank übe zeug sind, das e künde e Geldmen-
genziel zu e eichen", is dies ü ,in o mie e' Wi scha ssubjek e keine
sonde lich a ak i e Implika ion.
3. Am schwe s en wieg , daß de E wa ungsbildungsmechanismus (3')
nich einmal bei lang is ig kons an e In la ions a e gegen de en be-
obach e en We kon e gie . Auße im Spezial all de absolu en P eis-
ni eaus abili ä implizie Gleichung (3') ü die s eady-s a e-Lösung (6)
einen endogen nie ko igie en E wa ungs ehle (ß
¥=
pe). Wiede um
äll es schwe , Wi scha ssubjek e als »in o mie 4 zu bezeichnen, die
eine s abile In la ions a e nich ühe ode spä e an izipie en. In diese
Hinsich hä e soga de ein ache Le np ozeß (3) das A ibu ,in o mie 4
besse e dien .
Es is allein au die implausiblen Kon e genzeigenscha en on K omp-
ha d s E wa ungsbildungsmodell zu ückzu üh en, daß seine lang is ige
Phillipsku e übe haup on Pa ame e n des E wa ungsbildungsp ozesses
abhäng . Jedes Modell, in dem eine lang is ig kons an e In la ion oll an i-
4 Vgl. z.B. Laidle /Pa kin (1975), 776. Gleichung (7) un e s ell implizi Kons anz
de ealen au onomen Ausgaben, was im Hinblick au s eady-s a e-Be ach ungen in
eine s a ionä en Modellwi scha na ü lich die einzig sinn olle Annahme is .
5'
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68 Oli e Landmann
zipie wi d, gene ie die lang is ige Phillipsku e in de oben besch iebe-
nen Weise unabhängig on den Einzelhei en de E wa ungsbildung.
Ein Ein luß de E wa ungsbildung au den lang is igen In la ionsp ozeß
läß sich inso e n nich on de Hand weisen, als die mi dem Phelps/F ied-
man- Modell assoziie e Akzele a ions-Hypo hese en scheidend au eine
nai -au o eg essi e E wa ungsbildung angewiesen is . Bekann lich impli-
zie das on den Gleichungen (1) bis (3) gebilde e Modell, daß eine A bei s-
losen a e u < ü selbs un e de Bedingung a = 1 au ech zue hal en is ,
wenn eine s e ige Akzele a ion de In la ion in Kau genommen wi d, weil
dann de au o eg essi e E wa ungsbildungsp ozeß (3) sys ema isch hin e
de a sächlichen En wicklung he hink . Schon lange be o die Theo ie de
a ionalen E wa ungen Mode wu de, bes and einige Zwei el, ob die Vo -
s ellung, daß die Wi scha ssubjek e sich du ch ein solches Manö e au
Daue äuschen ließen, mi ande wei ig a ionalem Ve hal en zu e einba-
en sei ( gl. z.B. Go don/Hynes (1970)). Diese De ek des au o eg essi en
Modells kann auch ande s als mi Mw /i- a ionalen E wa ungen behoben
we den. So ha Flemming (1976) die Hypo hese en wickel , daß »in o mie e'
Wi scha ssubjek e ih Le n e hal en jeweils an das nied igs e end eie
Zei de i a des P eisni eaus adap ie en, im Falle eine s e ig akzele ie en-
den In la ion also sukzessi e die Akzele a ions a e zu an izipie en begin-
nen.
Kla is , daß jede E wa ungsbildungsmechanismus, de den Wi -
scha ssubjek en eine besse e In o ma ions e a bei ung als Gleichung (3)
un e s ell , den Spiel aum ü Täuschungsmanö e eineng und die Explo-
sion de In la ions a e im Falle eine au u < ü zielenden Beschä igungspo-
li ik beschleunig . In diesem Sinne wi ken ,in o mie e' E wa ungen des a-
bilisie end au den In la ionsp ozeß. Daß K ompha d zum gegen eiligen
Schluß gelang , lieg da an, daß sein Modell eine »in o mie en4 E wa -
ungsbildung den Wi scha ssubjek en au die Daue einen schlech e en
In o ma ionss and un e s ell als de au o eg essi e Mechanismus (3).
4. Die Rolle ,in o mie e 4 E wa ungen bei de Lohnbildung
Nachdem de Ve such, einen lang is ig ausbeu ba en Phillips-T ade-o
mi Besonde hei en de E wa ungsbildung zu beg ünden, wohl als geschei-
e angesehen we den da , bleib dennoch die F age zu bean wo en, wie
neue e empi ische E idenz, die gegen die Exis enz eine s ik in la ionsun-
abhängigen na ü lichen A bei slosenquo e zu sp echen schein , heo e isch
e klä we den kann. Wie kann ai, de Koe izien de In la ionse wa un-
gen in de Lohn- bzw. P eisgleichung, sys ema isch un e eins liegen, wenn
sich A bei nehme wie A bei gebe ausschließlich an de Reallohnen wick-
lung o ien ie en? K ompha d (1984) wa n zu ech da o , E idenz zugun-
s en on ai < 1 unbesehen als ,Beweis' ü die Geldillusion de Ta i pa eien
zu in e p e ie en: Wäh end nämlich die on ai = 1 implizie e Lohn- und
P eisen wicklung „siche lich anges eb " wü de, sei es denkba , daß die
Wi scha ssubjek e „die en sp echenden Fo de ungen nich du chse zen
können ode wollen (z.B. mi Rücksich au eine be ü ch e e Reak ion de
Geldpoli ik)" (S. 638).
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Die Phillipsku e bei »in o mie e 4 E wa ungsbildung 69
Daß neue In o ma ionen bzw. sich ände nde E wa ungen bezüglich de
kün igen En wicklung des P eisni eaus au dem A bei sma k - ande s als
au den Finanzmä k en - nich so o und olls ändig in den beobach e en
Ma k p eis eingehen, is in de Ta ein Ke ngedanke de kon ak heo e i-
schen A bei sma k li e a u . Mak oökonomische Modelle, die de kon ak -
beding en T äghei de Löhne Rechnung agen, üh en denn auch aus-
nahmslos zum E gebnis, daß Löhne und P eise un e p opo ional au
lau ende Ände ungen de In la ionse wa ungen eagie en, weil in de Ve -
gangenhei abgeschlossene Ve äge in die Gegenwa o wi ken. Diese
Modelle implizie en alle dings nich , daß die lang is ige Phillipsku e des-
wegen eine nega i e S eigung au weis . Vielmeh wi d die lau ende Lohn-
ände ung on einem e eil en Lag e gangene In la ionse wa ungen
bes imm , de en Koe izien en sich in Abwesenhei on Geldillusion au
eins summie en ( gl. Fische (1977), Phelps/Taylo (1977), Taylo (1979)). Da
dieses A gumen einleuch end und wohlbekann is , sei es hie nich wei e -
e olg .
Vielleich nich ganz so o ensich lich is dagegen die An wo au die on
K ompha d mi angeschni ene F age, ob sich eine lang is ig allende
Phillipsku e e wa dadu ch beg ünden ließe, daß die Wi scha ssubjek e
e wa e e Ände ungen de In la ions a e mi Rücksich au be ü ch e e
nega i e Beschä igungs olgen nich oll au die Löhne übe wälzen, selbs
wenn jede mann kla ealisie , was dies ü die Reallohnen wicklung
bedeu e . Siche ich ig is , daß eine konsis en e Modellie ung de Lohn-
bildung neben de e wa e en In la ions a e auch de e wa e en A bei s-
ma k en wicklung Rechnung agen soll e. Wenn in de Pe iode
—
1 die
Löhne ü Pe iode e einba we den, mach die A bei slosenquo e u
_
i in
de Lohngleichung (1) eigen lich nu als p oxy de ü Pe iode e wa e en
Beschä igungssi ua ion Sinn. Allgemeine läß sich dahe sch eiben:
Diese Gleichung besag , daß die Ta i pa eien eine Reallohnände ung
nach Maßgabe de ü die Lau zei de Ta i Ve einba ung e wa e en
A bei sma k kons ella ion ans eben. De di ek e Ein luß de e wa e en
Gü e p eise au die Löhne is absich lich als p opo ional spezi izie , weil
all ällige Beschä igungsgesich spunk e, die eine olle Übe wälzung e wa -
e e P eisände ungen au die Löhne als inoppo un e scheinen lassen könn-
en, in de e wa e en A bei slosenquo e ue zum Ausd uck kommen. Es
s ell sich je z abe die F age, wie sich die E wa ungen bezüglich de
A bei sma k en wicklung bilden. Ein ein au o eg essi e Mechanismus
wü de allein au e zöge e We e de A bei slosenquo e abs ellen und eine
ähnliche Fo mulie ung wie in Gleichung (1) nahelegen. Im Sinne on
K ompha d ,in o mie e' Wi scha ssubjek e we den abe neben dem
au o eg essi en Elemen e wei e e De e minan en de Beschä igung in ih
Kalkül einbeziehen wollen. Insbesonde e we den keynesianisch ,in o -
mie e' Wi scha ssubjek e au die o aussich liche En wicklung de
Gü e nach age ach en:
(1')
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DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.106.1.63 | Gene a ed on 2023-04-04 12:08:52
70 Oli e Landmann
1 1
(8) +
<5
U u
Hie bezeichne y die e wa e e Ände ungs a e de nominellen Gesam -
nach age, so daß ye ~P als e wa e e eale Nach ageände ung die E wa -
ungen de Wi scha ssubjek e bezüglich de Beschä igungsen wicklung
bes imm . Du ch Einse zen dieses Ausd ucks in Gleichung (!') esul ie
Diese Lohngleichung weis au allende Übe eins immungen mi dem
empi ischen Bild au , das K ompha d au ande em Wege, abe eben alls
mi Hil e ,in o mie e ' E wa ungen zu e klä en ach e e: Die Löhne
ände n sich in Abhängigkei on de a sächlich beobach e en A bei slosen-
quo e, und o allem eagie en sie nu un e p opo ional au die e wa e e
In la ions a e. De Koe izien on p is kleine als eins, weil die Wi -
scha ssubjek e ealisie en, daß Ände ungen de In la ions a e bei gegebe-
nem nominellen Nach agewachs um au die eale Nach age und die
Beschä igung zu ückwi ken.
Fü eine de aillie e e Modellie ung on y als Funk ion de Nach age-
poli ik und de au onomen p i a en Nach age läß Gleichung (9) alle Mög-
lichkei en o en. Von en scheidende Bedeu ung is dabei, wie g oß die
Be ei scha de Geld- und Fiskalpoli ik zu Akkommoda ion in la ionä e
En wicklungen eingeschä z wi d. Solange nich e wa e wi d, daß die
Behö den jede Ände ung de In la ions a e oll akkommodie en ode soga
übe akkommodie en, bleib jeden alls gewäh leis e , daß sich die e wa e e
In la ions a e nu pa iell im Lohnwachs um niede schläg . Dami is eine
mögliche E klä ung da ü gegeben, daß empi ische Schä zungen de Phil-
lipsku e - die no male weise keine lei p oxy ü en hal en - in schein-
ba em Wide sp uch zum klassischen Neu ali ä spos ula o ah en, ü
die In la ionse wa ungen signi ikan un e eins liegende Koe izien en zu
inden.
De essen ielle Punk is na ü lich, daß dieses E gebnis keinen lang is i-
gen T ade-o zwischen In la ion und A bei slosigkei implizie . Denn wel-
che In la ions a e sich auch imme im s eady S a e eins ellen mag, sie kann
nu dann Bes and haben und is nu dann mi eine gleichbleibenden
A bei slosenquo e e einba , wenn sie mi de nominellen Wachs ums a e
de Volkswi scha übe eins imm .5 En sp echend den Mindes an o de un-
gen, die wi oben an ,in o mie e' E wa ungen ges ell haben, müssen des-
halb im s eady s a e auch die e wa e en Ra en des P eis- und Nach age-
wachs ums, pe und y , einande gleich sein. Und da sich in de Lohnglei-
chung (9) die Koe izien en diese beiden Ände ungs a en zu eins sum-
mie en, esul ie dieselbe lang is ig e ikale Phillipsku e, wie sie oben
du ch ai = 1 in Gleichung (1) implizie wa .
5 Es sei da an e inne , daß wi ein achhei shalbe kons an es A bei sangebo und
kons an e A bei sp oduk i i ä un e s ell haben. Im allgemeine en Fall bleiben die
Schluß olge ungen dieses Abschni s mu a is mu andis e hal en.
(9) w = a0 (u -i - u + (1 - a0ö)pe + a06ye .
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