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IMK Inflationsmonitor: Inflation sinkt im Juni 2025 auf 2,0 %, erneut schwächerer Preisauftrieb bei Dienstleistungen

Tober, Silke

Abstract

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Full text

Tober, Silke Research Report IMK Inflationsmonitor: Inflation sinkt im Juni 2025 auf 2,0 %, erneut schwächerer Preisauftrieb bei Dienstleistungen IMK Policy Brief, No. 194 Provided in Cooperation with: Macroeconomic Policy Institute (IMK) at the Hans Boeckler Foundation Suggested Citation: Tober, Silke (2025) : IMK Inflationsmonitor: Inflation sinkt im Juni 2025 auf 2,0 %, erneut schwächerer Preisauftrieb bei Dienstleistungen, IMK Policy Brief, No. 194, Hans-BöcklerStiftung, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Düsseldorf This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/324273 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ POLICY BRIEF IMK INFLATIONSMONITOR Inflation sinkt im Juni 2025 auf 2,0 %, erneut schwächerer Preisauftrieb bei Dienstleistungen Silke Tober IMK Policy Brief Nr. 194 · Juli 2025 Seite 1 von 13 IMK INFLATIONSMONITOR Inflation sinkt im Juni 2025 auf 2,0 %, erneut schwächerer Preisauftrieb bei Dienstleistungen Silke Tober1 Zusammenfassung Die Inflationsrate in Deutschland sank im Juni 2025 auf 2,0 %, obwohl die Energiepreise mit -3,5 % erneut weniger stark dämpften als im Vormonat (-4,6 %). Abgeschwächt hat sich die Teuerung bei Nahrungsmitteln, Alkohol und Tabakwaren, die im Vormonat deutlich auf 3,5 % angezogen war, und zwar auf 3,0 %. Zudem fiel die Kernrate ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak mit 2,5 % erneut niedriger aus als zuvor (2,6 %). Dabei verringerte sich der Anstieg der Dienstleistungspreise leicht auf 3,3 %. Die Inflation auf Basis des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) verringerte sich ebenfalls auf 2,0 % (Mai 2025: 2,1 %) und entsprach dabei – wie auch die Inflation im Euroraum insgesamt – genau dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Kernrate sank auf 2,5 %, lag damit aber weiterhin über dem Euroraum-Durchschnitt (2,3 %). Die Inflationsraten der neun hier betrachteten Haushaltstypen in verschiedenen Einkommensklassen lagen im Juni 2025 kaum verändert zwischen 1,5 % und 2,0 %. Aktuell profitieren einkommensschwache Haushalte und Familien besonders stark von dem Rückgang der Energiepreise, während der Anstieg der Dienstleistungspreise stärker bei einkommensstarken Haushalten zu Buche schlägt. Dadurch verringern sich die längerfristigen Inflationsdifferenzen, die 2022 und 2023 zuungunsten einkommensschwacher Haushalte und Familien ausfielen. Im Euroraum ist die Inflation im Juni 2025 leicht auf 2,0 % gestiegen und dürfte wie auch in Deutschland im weiteren Jahresverlauf um das Inflationsziel der EZB von 2 % schwanken. Angesichts der starken Aufwertung des Euro, der hohen wirtschaftlichen Unsicherheit und der schwachen konjunkturellen Entwicklung sollte die EZB daher die Zinsen zeitnah erneut senken. Ein solcher Zinsschritt sollte der EZB leichtfallen, da sie eine Inflationsrate von 1,6 % für kommendes Jahr erwartet und eine weitere Zinssenkung bereits Bestandteil dieser Prognose ist. 1 Dr. Silke Tober, Referatsleitung Geldpolitik, [email protected] Seite 2 von 13 Kräftigerer Preisanstieg bei Kaffee, Kakao und Orangensaft Die Inflationsrate in Deutschland verringerte sich im Juni 2025 leicht auf 2,0 % und entsprach damit genau dem Inflationsziel der EZB (Abbildung 1). Ausschlaggebend war der verringerte Anstieg der Preise für Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak (3,0 % nach 3,5 % im Mai 2025) und der Rückgang der Kernrate ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak (2,5 % nach 2,6 %).2 Zugleich dämpften die Energiepreise die Inflationsrate weniger stark, da ihr Rückgang erneut geringer ausfiel (-3,5 % nach -4,6 % im Mai 2025 und -5,6 % im April 2025). Die Teuerungsrate von Nahrungsmitteln im engen Sinne verringerte sich im Juni 2025 merklich auf 2,0 %, nach 2,8 % im Mai 2025. Auch der Preisauftrieb bei alkoholischen Getränken nahm ab (0,8 % nach 1,9 %) Zugenommen haben demgegenüber die Teuerungsraten von alkoholfreien Getränken (7,9 % nach 7,5 %) und Tabakwaren (6,4 % nach 5,9 %). Abbildung 1: Inflation und Kerninflation in Deutschland Januar 2015 – Juni 2025 Veränderungen der Indizes gegenüber Vorjahresmonat, in % Quellen: Eurostat; Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK. Von den 132 Nahrungsmitteln, die im Verbraucherpreisindex enthalten sind,3 waren 44 im Juni 2025 preiswerter als ein Jahr zuvor, besonders deutlich – wie größtenteils auch schon in den Vormonaten – Zucker (-28,6 %), Olivenöl (-21,1 %), Möhren (-19,3 %), Gurken (-14,8 %), frische Kartoffeln (-12,8), Kopfbzw. Eisbergsalat (-12,3 %), Ketchup (-10,5 %), Toastbrot (-8,5 %) und Honig (-8,1 %). 2 Die vom Statistischen Bundesamt (Destatis) veröffentlichte Kernrate fiel von 2,8 % auf 2,7 %. Das Statistische Bundesamt lässt dabei neben Energie nur Nahrungsmittel im engen Sinne unberücksichtigt, während hier in Einklang mit Eurostat Nahrungsmittel im weiten Sinne einschließlich alkoholfreier und alkoholischer Getränke sowie Tabakwaren herausgerechnet werden. 3 Infolge der turnusgemäßen Änderungen im Erhebungskatalog in Vorbereitung auf das neue Basisjahr 2025 enthalten die 10-Steller der Klassifikation der Verwendungszwecke des Individualkonsums seit Dezember 2024 nur noch 132 Nahrungsmittel und damit 36 weniger als zuvor. 2,0 2,5 2,0 2,5 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Verbraucherpreisindex (VPI) VPI ohne Energie, Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI) HVPI ohne Energie, Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Inflationsziel der EZB Seite 3 von 13 Wie im Vormonat hatten allerdings 17 Nahrungsmittel eine zweistellige Preissteigerungsrate, und zwar Bohnenkaffee (22,3 %), Pfirsiche, Kirschen und anderes Steinoder Kernobst (21,9 %), Schokoladentafeln (21,2 %), Pralinen (19,3 %), Kakaopulver (18,5 %), Trockenobst (17,7 %), Rinderhack (17,0 %), Orangensaft oder Ähnliches (16,1 %), Schokoriegel (15,0 %), Butter (13,9 %), Erdbeeren, Himbeeren oder Ähnliches (11,9 %), Rindfleisch zum Kochen (11,6 %), Kaffeepads bzw. -kapseln (11,3 %), Schweinehack (11,1 %), Apfelsaft oder Ähnliches (11,0 %), tiefgefrorenes Obst (10,9 %) und Zitrusfrüchte (10,1 %). Auf dem Höhepunkt der Lebensmittelteuerung im Februar 2023 hatten 146 von 168 Nahrungsmitteln Preisanstiege von 10 % oder mehr. In der längeren Betrachtung von sechs Jahren – seit vor der Pandemie und den darauffolgenden Krisen – haben sich Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke um 38,8 % verteuert, darunter als Spitzenreiter Kakaopulver (72,8 %), kondensierte Milch (70,9 %), Schokolade (67,1 %), Schmalz (59,1 %), Fruchtund Gemüsesäfte (58,4 %), Olivenöl (55,1 %), Sonnenblumenöl, Rapsöl und Ähnliches (54,6 %), Margarine (54,1 %), Käse und Quark (52,2 %), tiefgefrorenes Gemüse ohne Kartoffeln (52,1 %) und Zucker (51,9 %). Ein Grund für den kräftigen Anstieg der Nahrungsmittelpreise sind die globalen Agrarrohstoffpreise, die im Monat nach der russischen Invasion der Ukraine ihren Höhepunkt erreichten, und – nach Rückgängen bis Februar 2024 – im Juni 2025 um 34,2 % höher lagen als sechs Jahre zuvor (Abbildung 2). Preistreibend wirkten zudem die stark gestiegenen Energiepreise, die aufholende Lohnentwicklung nach den hohen Inflationsraten der Jahre 2022 und 2023 sowie das Klima. Damit haben sich die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke seit Juni 2019 im Durchschnitt mehr als drei Mal so stark verteuert, als wären sie in Einklang mit dem Inflationsziel der EZB in Höhe von 2 % gestiegen (12,6 %). Abbildung 2: Internationale Energieund Agrarrohstoffpreise Index 2019=100, Januar 2019 – Juni 2025 Quellen: EZB; FAO; Macrobond; U.S. Energy Information Administration; Berechnungen des IMK. 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1.000 1.100 1.200 1.300 1.400 1.500 1.600 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Erdgas (ICE Dutch TTF Daily, 1st Pos., EUR) Erdgas (Henry Hub, USA, USD) Strompreis (EPEX Spot, Day-Ahead, EUR) 0 25 50 75 100 125 150 175 200 225 250 275 300 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Nahrungsmittelpreisindex (FAO, USD) Rohöl (Brent, EUR) Seite 4 von 13 Preisrückgang bei Heizöl und Kraftstoffen nimmt weiter ab Die Energiepreise waren im Juni 2025 mit -3,5 % etwas weniger stark rückläufig als im Vormonat (-4,6 %), verringerten die Inflationsrate aber noch um 0,3 Prozentpunkte. Unter den drei großen Energieträgern für Haushaltsenergie sank der Preis für Heizöl mit -8,2 % am stärksten (Mai 2025: -9,8 %), gefolgt von Erdgas mit -2,6 % (Mai 2025: -3,1 %) und Strom wie im Vormonat mit -2,4 %.4 Fernwärme verbilligte sich um 0,1 %. Insgesamt war Haushaltsenergie im Juni 2025 2,8 % günstiger als ein Jahr zuvor. Kraftstoffe verbilligten sich mit -4,6 % ebenfalls weniger stark als im Vormonat (-6,8 %). Dabei waren der Rohölpreis und die Kraftstoffpreise Mitte Juni 2025 – dem Zeitpunkt, an dem das Statistische Bundesamt die Preise erhebt – nur unwesentlich höher als im Mai 2025. Der geringere Rückgang kam dadurch zustande, dass die Kraftstoffpreise im Juni des vergangenen Jahres gegenüber den Jahreshöchstständen im April 2024 weiter merklich gesunken waren. Verglichen mit Juni 2019 lagen die Energiepreise insgesamt um 34,6 % höher, darunter Haushaltsenergie um 46,5 % und Kraftstoffe um 18,0 %. Am höchsten war der Preisanstieg in dem Sechsjahreszeitraum bei Kohlebriketts (93,4 %), gefolgt von Erdgas (88,5 %), Fernwärme (73,3 %), Flüssiggas (59,4 %), Brennholz und Holzpellets (36,3 %), Strom (28,5 %) und Heizöl (21,6 %). Der längerfristige Anstieg der Kraftstoffpreise ist mittlerweile überwiegend auf den im Jahr 2021 eingeführten und schrittweise erhöhten CO2-Preis zurückzuführen. Demgegenüber geht der Anstieg des Preises von Erdgas, mit dem rund 40 % der privaten Haushalte ihren Wärmebedarf decken, um mehr als das Vierfache über den klimapolitisch angestrebten Anstieg hinaus. Der aktuelle CO2-Preis von 1,2 Cent je Kilowattstunde (inklusive Mehrwertsteuer) hätte nur einen Anstieg um rund 20 % gegenüber 2019 bewirkt. Kernrate sinkt auf 2,5 % Die Kernrate ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak ist im Juni 2025 weiter auf 2,5 % gesunken. Dabei verringerte sich der Preisauftrieb sowohl bei den Waren in der Kernrate (0,9 % nach 1,1 %) als auch bei den Dienstleistungen (3,3 % nach 3,4 %). Letztere haben einen Anteil von 65,2 % an der Kernrate. Entscheidend für den geringeren Anstieg der Dienstleistungspreise war, dass die Teuerungsrate bei Übernachtungen auf 1,6 % fiel, nachdem sie zuvor von 2,0 % im April 2025 auf 5,2 % im Mai 2025 emporgeschossen war. Damit fiel der Beitrag der Übernachtungspreise zur Teuerung der Dienstleistungen 0,1 Prozentpunkte geringer aus. Ursächlich dürfte eine Sonderentwicklung in Nordrhein-Westfalen mit einem Gewicht von 21,1 % an der deutschen Inflationsrate (Mai und Egner 2022) gewesen sein, wo die Übernachtungspreise auf Monatsbasis um 9,1 % gefallen sind, nachdem sie zwischen April 2025 und Mai 2025 um 14,4 % gestiegen waren. 4 Einschließlich der Betriebskosten von Zentralheizungen. Betrachtet man nur die Haushalte mit eigenem Gasanschluss bzw. eigener Ölheizung wie in den Pressemitteilungen von Destatis, betrug die Teuerungsrate im Juni 2025 0,1 % bei Erdgas und -5,6 % bei Heizöl. Seite 5 von 13 Deutlich überdurchschnittlich ist die Teuerung innerhalb der Dienstleistungen weiterhin im öffentlichen Nahverkehr als Folge des Preisanstiegs beim Deutschlandticket zu Jahresbeginn (11,4 %), bei den sozialen Dienstleistungen (8,5 %), insbesondere der Altenpflege, bei Briefund Paketdienstleistungen (8,2 %), bei Versicherungsdienstleistungen (8,1 %), insbesondere der KfzVersicherung mit 15,7 %, und im Bahn-Fernverkehr (7,0 %). Auch die Preisanstiege bei der stationären Gesundheitspflege (6,5 %), der Schornstein-, Bürgersteigund Straßenreinigung (5,7 %) und der Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (5,7 %) sind weiterhin sehr hoch und haben in den letzten beiden Fällen sogar leicht zugelegt. Unterdurchschnittlich entwickelten sich insbesondere die tatsächlichen und unterstellten Mietpreise mit 2,1 % bzw. 1,9 %, die zusammen einen Anteil von 34,3 % an den Dienstleistungspreisen haben, sowie die Preise für Telekommunikationsdienstleistungen, die im Juni um 1,4 % niedriger waren als ein Jahr zuvor. Im Vergleich zu Juni 2019 lagen die Preise von Dienstleistungen im Juni 2025 um 18,6 % höher und die Preise von Waren ohne Energie, Nahrungsmittel, Getränke und Tabak um 16,3 %. Damit haben sie sich nur etwa halb so stark verteuert wie Energie und Nahrungsmittel im weiten Sinne. Dabei sanken beispielsweise die Preise für Telefone sowie andere Geräte für die Kommunikation (-15,4 %), Personal-Computer (-12,3 %), E-Book-Downloads (-9,9 %), Hausratversicherungen (-8,3 %), Bahntickets (- 6,9 %), den öffentlichen Nahverkehr (-6,7 %), Rundfunkund Fernsehgeräte (-5,9 %), Software (-4,0 %) und Telekommunikationsdienstleistungen (-3,9 %). Einzelne Dienstleistungen verteuerten sich demgegenüber stark, insbesondere Flüge (53,2 %), Dienstleistungen für die Instandhaltung und Reparatur der Wohnung (55,5 %), Dienstleistungen von Hauspersonal und andere häusliche Dienste (43,0 %), soziale Dienstleistungen (41,6 %), Veterinärdienstleistungen (37,5 %), Gaststättendienstleistungen (36,1 %), chemische Reinigung, Waschen und Bügeln (35,9 %), Friseurdienstleistungen für Männer/Kinder (37,3 %) und Frauen (33,4 %) sowie Versicherungen für Reise und Gepäck (31,4 %). Rund ums Auto ist es in den vergangenen sechs Jahren ebenfalls deutlich teurer geworden: Die Preise für Pkw stiegen seit Juni 2019 um 30,3 % – darunter Gebrauchtwagenpreise um 45,1 % –, die Preise für Ersatzteile und Zubehör um 21,6 %, für Wartung und Reparatur um 38,9 % und für die Versicherung von privaten Verkehrsmitteln um 62,2 %.5 5 Der kräftige Anstieg der Versicherungspreise für private Fahrzeuge um 62 % seit Juni 2019 ist schwer mit den oben genannten Preissteigerungen bei Pkw, Ersatzteilen sowie der Wartung und Reparatur von Fahrzeugen in Einklang zu bringen, selbst unter Berücksichtigung erhöhter Reparaturkosten im Schadensfall infolge technologischer Neuerungen, der gestiegenen Entlohnung im Versicherungsgewerbe und höherer medizinischer Kosten. Das wirft die Frage auf, ob die Versicherungsunternehmen übermäßig auf eine Aufforderung der Finanzaufsicht BaFin Ende 2023 reagiert haben, die Prämien zu erhöhen (BaFin 2023). Die Aufforderung an einen Sektor, die Preise zu erhöhen, statt beispielsweise Kostensenkungen auch bei den Rückversicherern anzumahnen, erscheint zudem aus wettbewerbspolitischer Sicht problematisch. Seite 6 von 13 Unterschiede in den haushaltsspezifischen Teuerungsraten mindern Belastungsdifferenzen in der längeren Frist Die Inflationsraten der neun im IMK Inflationsmonitor monatlich betrachteten Durchschnittshaushalte (siehe Anhang) lagen im Juni 2025 zwischen 1,5 % und 2,0 %. Abbildung 3 zeigt die auf der Grundlage von 30 Ausgabenpositionen berechneten haushaltsspezifischen Inflationsraten und die Beiträge der 12 zusammengefassten Ausgabenpositionen zu der jeweiligen Inflationsrate sowie zum Anstieg des nationalen und des harmonisierten Verbraucherpreisindex.6, 7 Wie in den Vormonaten lag die Teuerungsrate von Familien im unteren Einkommenssegment am niedrigsten (1,5 %) und die Teuerung von einkommensstarken Alleinlebenden am höchsten (2,0 %). Dabei stieg die Inflationsrate der einkommensschwachen Familien gegenüber Mai 2025 leicht, während sie bei einkommensstarken Alleinlebenden unverändert blieb. Tabelle 1: Ausgewählte haushaltsspezifische Inflationsbeiträge im Juni 2025 Inflationsbeiträge in Prozentpunkten Paar, 2 Kinder 2.000–2.600 € Paar, 2 Kinder 3.600–5.000 € Alleinlebende < 900 € Alleinlebende ≥ 5.000 € Nahrungsmittel, Getränke, Tabak 0,6 0,5 0,6 0,2 Miete, Nebenkosten, Instandhaltung 0,6 0,6 0,8 0,6 Haushaltsenergie -0,3 -0,2 -0,3 -0,1 Kraftund Schmierstoffe -0,3 -0,2 -0,1 -0,2 Verkehr ohne Kraftstoffe 0,3 0,3 0,2 0,4 Freizeit und Kultur 0,1 0,2 0,1 0,2 Gastgewerbe 0,2 0,2 0,2 0,3 Übrige Konsumausgaben 0,3 0,3 0,2 0,6 Inflationsrate in % 1,5 1,7 1,6 2,0 Die Inflationsbeiträge summieren sich gegebenenfalls rundungsbedingt nicht zur Inflationsrate oder zu den Summen im Text. Quellen: Statistisches Bundesamt, Berechnungen des IMK. 6 Die 30 Ausgabenpositionen sind in Tabelle 2 des Anhangs wiedergegeben. Die 12 Untergruppen weichen von den 12 Abteilungen des Verbraucherpreisindex ab, um die besonders einflussreichen Gütergruppen gezielt auszuweisen. Entsprechend wurde die Haushaltsenergie aus der Abteilung 4 (Wohnen) herausgelöst und die Kraftund Schmierstoffe aus der Abteilung 7 (Verkehr). Mit dem Ziel der Übersichtlichkeit wurden dann Abteilungen 1 und 2 in die Untergruppe Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren zusammengefasst und das Bildungswesen (Abteilung 10) mit einem geringen Gewicht von durchschnittlich 0,9 % am Warenkorb der Abteilung 12 (Andere Waren und Dienstleistungen) zugeschlagen. 7 Aufgrund ungelöster Datenprobleme hat Destatis für Juni und zurück bis Anfang 2025 keine Zahlen für die Preise der Unteraggregate „Finanzdienstleistungen und andere Dienstleistungen, a. n. g.“ veröffentlicht. In der tieferen Gliederung fehlen nur die Gebühren für Steuerberatung und die Gebühr für Rechtsanwälte und Notare. Um die haushaltsspezifischen Inflationsraten dennoch berechnen zu können, wurde für die Finanzdienstleistungen der zweite Teilindex – Bankoder Sparkassengebühr – verwendet. Der Preisindex für "Andere Dienstleistungen, a. n. g." für Juni 2024 wurde mit der durchschnittlichen Steigerungsrate der vorhandenen fünf Teilaggregate fortgeschrieben (Gebühr für Geburtsurkunden, Sterbeurkunden o. Ä., Passgebühr o. Ä., Bestattungsleistungen und Friedhofsgebühr, Kurtaxe, Kleinanzeige in einer Zeitung). Seite 7 von 13 Einkommensschwächere Haushalte, die während der Energiekrise besonders hohe Inflationsraten zu verzeichnen hatten, profitieren nun analog stärker von dem Rückgang der Energiepreise. Insgesamt verringerte der Preisrückgang bei Haushaltsenergie und Kraftstoffen die Inflationsrate von einkommensschwachen Familien im Juni 2025 um 0,5 Prozentpunkte, verglichen mit -0,3 Prozentpunkten im Fall der einkommensstarken Alleinlebenden. Der negative Inflationsbeitrag von Energie belief sich bei einkommensschwachen Alleinlebenden nur auf 0,4 Prozentpunkte, da Kraftstoffe eine untergeordnete Rolle spielen. Die aktuell höhere Inflationsrate von einkommensstarken Alleinlebenden ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass die besonders stark steigenden Preise für Versicherungsdienstleitungen und soziale Dienstleistungen mit einem höheren Gewicht in die Berechnungen einfließen. Auch die Preise rund um die Gesundheitspflege und im Gastgewerbe schlagen stärker zu Buche. Abbildung 3: Haushaltsspezifische Inflationsraten und Inflationsbeiträge im Juni 2025 in % bzw. Prozentpunkten VPI: Verbraucherpreisindex, HVPI: Harmonisierter Verbraucherpreisindex. Inflationsbeiträge beim HVPI berechnet als Ribe-Beiträge nach Eurostat (2018). Quellen: Eurostat, Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK. In den Jahren 2022 und 2023 verzeichneten einkommensstarke Alleinlebende eine Inflationsrate von 6,4 % bzw. 5,3 % verglichen mit 8,3 % bzw. 6,0 % im Fall von einkommensschwachen 0,5 0,3 0,6 0,6 0,5 0,6 0,6 0,8 0,7 0,7 0,6 -0,2 -0,2 -0,3 -0,2 -0,1 -0,2 -0,2 -0,3 -0,2 -0,2 -0,1 0,5 0,4 0,6 0,5 0,4 0,4 0,5 0,6 0,4 0,4 0,2 -0,2 -0,2 -0,3 -0,2 -0,2 -0,2 -0,2 -0,1 -0,2 -0,2 -0,2 0,4 0,5 0,3 0,3 0,4 0,4 0,3 0,2 0,3 0,4 0,4 0,1 0,1 0,1 0,2 0,2 0,2 0,2 0,2 0,2 0,2 0,2 0,3 0,2 0,2 0,3 0,3 0,2 0,2 0,2 0,2 0,3 0,1 0,2 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,3 0,6 0,7 0,2 0,3 0,3 0,2 0,3 0,2 0,2 0,2 0,3 2,0 2,0 1,5 1,8 1,9 1,8 1,8 1,8 1,7 1,8 2,0 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 VPI HVPI Paare, 2 Kinder 2000-2600€ Paare, 2 Kinder 3600-5000€ Paare, 2 Kinder ≥5000€ Paare 3600-5000€ Alleinerziehende, 1 K 2000-2600€ Alleinlebende <900€ Alleinlebende 1500-2000€ Alleinlebende 2000-2600€ Alleinlebende ≥5000€ Mieten, Nebenkosten, Wohnungsinstandhaltung Haushaltsenergie Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Nachrichtenübermittlung Kraftund Schmierstoffe für Fahrzeuge Verkehr ohne Kraftund Schmierstoffe Bekleidung und Schuhe Freizeit und Kultur Gaststättenund Übernachtungsdienstleistungen Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände Gesundheitspflege Andere Dienstleistungen, Bildungswesen Inflationsrate Impressum Herausgeber Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Georg-Glock-Str. 18, 40474 Düsseldorf, Telefon +49 211 7778-312, Mail [email protected] Die Reihe „IMK Policy Brief“ ist als unregelmäßig erscheinende Online-Publikation erhältlich über: https://www.imk-boeckler.de/de/imk-policy-brief-15382.htm ISSN 2365-2098 Dieses Werk ist lizenziert unter der Creative Commons Lizenz: Namensnennung 4.0 International (CC BY). 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