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1 EduBricks Ein Konzept für modulares und skalierbares Lehrmaterial Dominik Brilhaus – CEPLAS, DataPLANT, HHU Düsseldorf Jan-Michael Haugwitz – RWTH Aachen Universität Kerstin Helbig – FAIRmat, HU Berlin Marco Uebachs – TH Köln Cristina Schmale Rodrigues – DataPLANT, Universität Freiburg Timo Mühlhaus – DataPLANT, RPTU Kaiserslautern Hintergrund und Entstehungskontext Das vorliegende Konzept wurde im Rahmen des Aufgabenpakets 3 – Modulares und skalierbares Lehrkonzept der NFDI-Sektion Training & Education erarbeitet. Ziel des Arbeitspakets ist die Entwicklung eines wiederverwendbaren und frei kombinierbaren Modulsystems für Schulungsmaterialien im Forschungsdatenmanagement. Die Co-Leitung des Arbeitspakets liegt bei Kerstin Helbig (FAIRmat) und Timo Mühlhaus (DataPLANT).
2 Kurzbeschreibung Ziel des hier beschriebenen skalierbaren Modularisierungskonzeptes ist die Definition der Prinzipien und Kriterien für eine freie Kombinierbarkeit sowie eine sinnvolle Gliederung der Lehroder Schulungsinhalte in Teilstrukturen, die sich EduBricks nennen. Dabei definieren die sogenannten EduBricks die kleinstmöglichen Lehrinhaltspakete und trennen diese vom Lehrpfad (EduPfad). Dadurch wird Lehrmaterial nicht intrinsisch durch das didaktische Konzept vorgegeben, sondern ein Gerüst nach den Bedürfnissen der Zuhörerschaft und dem individuellen Stil der Trainer:innen durch ein modulares Inhaltsangebot flexibel gefüllt. Die angestrebte Modularisierung soll durch ein hohes Maß an Granularität eine flexible Kombinierbarkeit sowie erleichterte Pflege und Erweiterbarkeit von Lehrinhalten ermöglichen. Granulare Module können dabei ohne große Überschneidung konzipiert werden und erlauben so eine asynchrone Arbeitsteilung auch über längere Zeitspannen hinweg. Eine solche auf EduBricks basierende Ressource geht weit über eine Inhaltsund Materialsammlung hinaus und erlaubt eine strukturierte Bereitstellung von Lehrangeboten in Form eines Modulbaukastens, welcher Lehre-as-a-Service ermöglicht. Abbildung 1: Grundprinzip eines EduBricks. Jeder EduBrick repräsentiert eine inhaltliche Einheit mit einem klar abgrenzbaren Aspekt, versehen mit Metadaten zur inhaltlichen Zuordung. Durch die Trennung von Material (EduBrick) und didaktischem Weg (EduPfad) können individuelle Lehrmaterialien flexibel kombiniert und an Zielgruppen angepasst werden. Vorteile und praktische Anforderungen an moderne Lehrmaterialien als Ressource Aufgrund der inhärenten Multidisziplinarität im modernen Forschungsdatenmanagement (FDM) und dem Bestreben nach fachübergreifender Stärkung ist die Erstellung zielgruppengerechter Lehrund Schulungsangebote äußerst komplex, arbeitsintensiv und besonders anspruchsvoll (Rehnert und Takors, 2023). Dennoch ist es von entscheidender Bedeutung, dass die verschiedenen Interessensund Zielgruppen – von Forschenden auf unterschiedlichen Karrierestufen über Datenkurator:innen, Data Stewards bis hin zu Infrastrukturanbieter – gleichermaßen auf gemeinsamen Schulungsressourcen zugreifen können (Suchodoletz et al., 2022). Um diesem Anspruch gerecht zu werden, ist es essentiell,
3 Lehrressourcen aus skalierbaren, modular aufgebauten und wiederverwendbaren Materialien zu entwickeln (Brilhaus et al., 2023). Die Skalierbarkeit von Lehrmaterialien ermöglicht eine effiziente und niederschwellige Bildung, die den Bedürfnissen einer heterogenen Lehrendenund Lernendengemeinschaft gerecht wird und sich positiv auf die Qualität der Lernerfahrung auswirken kann. Durch die Wiederverwendbarkeit von Lehrmaterial können Lehrkräfte Zeit sparen, indem sie auf bereits vorhandene Ressourcen zurückgreifen und diese für unterschiedliche Lehrkontexte adaptieren, statt jedes Mal von Grund auf neu zu beginnen. Dies trägt zur Kosteneffizienz von Bildungseinrichtungen bei, da vorhandene Materialien mehrfach genutzt und erweitert werden können, insbesondere im Kontext digitaler Ressourcen, die ohne zusätzlichen Aufwand beliebig vervielfältigt werden können. Die Verwendung skalierbarer und wiederverwendbarer Materialien gewährleistet eine konsistente Lehrqualität und stellt sicher, dass Lernende unabhängig vom Lehrkontext Zugang zu denselben und qualitätsgesicherten Ressourcen haben. Zudem erhöht sie die Flexibilität, da sich die Materialien leicht an verschiedene Lehrsowie auch Lernstile, Bedürfnisse und Umgebungen anpassen lassen. Dies ermöglicht individuelle Lehrpfade sowie eine stärkere Berücksichtigung heterogener Vorkenntnisse. Besonders wichtig ist die Aktualität von Lehrmaterialien, insbesondere in der Hochschullehre, die stark durch aktuelle Entwicklungen in Forschung und Digitalisierung beeinflusst wird. Digitale Lehrmaterialien können schnell aktualisiert und erweitert werden, um Inhalte stets auf dem neuesten Stand zu halten und dynamisch auf Fortschritte im FDM sowie neue methodische und technologische Entwicklungen zu reagieren. Um diese Vorteile zu nutzen, müssen Lehrmaterialien von Beginn an skalierbar und wiederverwendbar konzipiert werden. Die daraus resultierenden Kernanforderungen sind: (i) Flexibilität in der Weiterentwicklung bei gleichzeitiger Redundanzvermeidung, (ii) Unterstützung kollaborativer Erstellung und Pflege von Lehrinhalten, (iii) Auffindbarkeit und Wiederverwertbarkeit bestehender Materialien, sowie (iv) Verknüpfung generischer Konzepte mit fachspezifischen Beispielen und praktischen Anwendungsszenarien. Zielgerichtete Lehrmaterialien zur Erreichung der Lernziele Zur Strukturierung wird zwischen (i) Lernziel, (ii) Lehrmaterial und (iii) Lernpfad unterschieden. Lernziele beschreiben die angestrebten Lernerfolge, die ein Lernender nach erfolgreichem Abschluss eines Lehrprozesses erreichen soll. Sie dienen als Leitfaden für die Gestaltung von Lehrveranstaltungen und legen fest, welches Fachwissen und welche Kompetenzen die Lernenden erwerben sollen. Durch klar formulierte Lernziele können Inhalte, Methoden und Prüfungsformate gezielt darauf abgestimmt und Lernerfolge überprüfbar gemacht werden (Petersen et al., 2025). Es gibt verschiedene Ansätze zur Definition von Lernzielen, und sie können auf unterschiedlichen Ebenen formuliert werden: Grobziele beziehen sich auf längere Lernphasen oder Studienprogramme, während Feinlernziele spezifisch einzelne Lehrveranstaltungen oder Lehreinheiten adressieren. Lernziele sind somit ein zentraler Baustein für eine effektive Lehrplanung und die erfolgreiche Vermittlung von Wissen und Kompetenzen.
4 Lernziele und Lehrmaterialien stehen klassisch in direkter Beziehung zueinander, da Lehrmaterial jene Ressourcen umfasst, die von Lehrenden eingesetzt werden, um Wissen zu vermitteln, Kompetenzen zu entwickeln und Lernziele zu erreichen. Die Auswahl des Lehrmaterials erfolgt idealerweise zielorientiert, sodass eine eindeutige Zuordnung zwischen Lernziel und Material möglich wird. Lehrmaterialien können in unterschiedlichen Formaten und mit spezifischer didaktischer Intention vorliegen. Dazu zählen gedruckte oder digitale Lehrbücher und Skripte, ebenso wie multimediale Materialien (z.B. Präsentationen, Videos, Audiodateien, Animationen). Online-Ressourcen wie Websites, Blogs, Foren und Wikis können zusätzliches Material zu spezifischen Themen bieten. Arbeitsblätter und Übungsaufgaben, auch in Form interaktiver Module, Quizfragen und Übungen, unterstützen die Vertiefung und Anwendung des Gelernten (Weller, 2014). In praktischen Kontexten spielen darüber hinaus experimentelle und materielle Ressourcen eine wichtige Rolle, etwa in Kunst, Musik oder Theater (Farben, Notenblätter und Bühnenrequisiten) oder in naturwissenschaftlichen Fächern (Laborausstattung, Experimente, Mikroskope, Chemikalien und Laborkits), um praxisnahe Erfahrungen und experimentelles Lernen zu ermöglichen. Die strukturierte Zusammenstellung sowie didaktisch begründete Sequenzierung von Lehrmaterialien, mit Hinblick auf zu erreichende Lernziele, bezeichnen wir in unserem Kontext als Lehrpfad. EduBricks als nachhaltige Grundbausteine zur Erstellung von Lehrmaterial Die in diesem Konzept vorgestellten EduBricks sind ein innovativer Ansatz, um Lehrund Schulungsmaterialien modular, skalierbar und langfristig nutzbar zu gestalten. Dieses Konzept geht weit über eine reine Sammlung von Inhalten hinaus und ermöglicht eine strukturelle Bereitstellung in Form eines flexiblen Modulbaukastens. Dadurch wird die Realisierung von Lehre-as-a-Service möglich, bei der Lehrmaterialien flexibel angepasst und wiederverwendet werden können. Im Kern steht die Idee, Lehrinhalte durch eine granulare Modularisierung so aufzubereiten, dass sie nicht nur flexibel kombinierbar sind, sondern auch leicht gepflegt, aktualisiert und erweitert werden können (Wiley und Hilton, 2018). Die einzelnen Module können unabhängig voneinander erstellt werden, ohne dass es zu inhaltlichen Überschneidungen kommt, was eine asynchrone und langfristige Zusammenarbeit ermöglicht. Ein zentraler Vorteil der EduBricks liegt in ihrer Loslösung vom didaktischen Konzept und damit auch von konkreten Lernzielen. Anstatt Lehrmaterialien intrinsisch an ein bestimmtes Lehrkonzept zu binden, wird ein flexibles System für Lehrende geschaffen, das individuelle Gestaltung von Vorlesungen und Schulungen unterstützt. Diese Trennung zwischen den inhaltlichen Bausteinen namens EduBricks, und den didaktischen Sequenzen, den EduPfaden, erlaubt eine freie Kombination der Elemente, um den unterschiedlichen Anforderungen der Zielgruppen gerecht zu werden. Lernziele werden durch die Kombination
5 aus EduBricks und EduPfad erreicht, was eine maximale Adaptierbarkeit an verschiedene Kontexte gewährleistet. Die Strukturierung der Materialien folgt einer klaren Logik: Ein Lernziel entspricht einer rekursiven Kombination aus EduBricks und EduPfaden. Die zugrundeliegende Formel, die sich wie folgt darstellen lässt – Lernziel = Lehrmaterial = Rekursion aus (EduBricks + EduPfad) – verdeutlicht, dass die Atomarisierung von Lehrinhalten nicht nur für die Entwicklung, sondern auch für die Wiederverwendbarkeit zentral ist. Auf diese Weise können Lehrmaterialien in verschiedenen Kontexten effizient genutzt werden, ohne redundante Inhalte erstellen zu müssen. Dies trägt wesentlich zur Flexibilität und zur kontinuierlichen Weiterentwicklung von Lehrressourcen bei, während gleichzeitig eine einfache Zuordnung von Inhalten zu Lernzielen möglich wird. Besonders hervorzuheben ist die Eignung der EduBricks für kollaborative Entwicklungsprozesse. Durch die feine Granularität können Teams unabhängig voneinander an einzelnen Modulen arbeiten und diese iterativ verbessern. Eine versionierte, zentrale Plattform, wie sie aus der Softwareentwicklung bekannt ist, könnte diesen Prozess unterstützen und eine kontinuierliche Kuration, Erweiterung und Qualitätssicherung der EduBricks ermöglichen. Wichtig ist hierbei, dass bestehendes Lehrmaterial schrittweise in modularisierte Bausteine zerlegt wird. Ein perfekter EduBrick muss nicht direkt im ersten Schritt entstehen. Stattdessen kann bereits vorhandenes Material in EduPfaden weiterentwickelt und schrittweise atomatisiert werden. Dieser iterative Ansatz erlaubt die Nutzung vorhandender Inhalte, während die Bausteine langfristig in die Gemeinsame Plattform zurückgeführt werden. Abbildung 2: Erzeugung von EduPfaden durch Kombination von EduBricks. Ein Pool an EduBricks wird über einen individuellen EduPfad zu Lehrmaterial zusammengesetzt, das anschließend in Teil-Lernziele strukturiert wird und letzlich auf ein übergeordnetes Lernziel hinführt. EduBricks fungieren dabei als atomare Module, aus denen skalierbare Lehrressourcen generiert werden.
6 Ein weiterer Aspekt des Konzepts ist die Förderung von Motivation und Beteiligung innerhalb der Gemeinschaft. Anreize können beispielsweise durch ein Community-gestütztes Bewertungssystem und Sichtbarkeit von Beiträgen geschaffen werden, die Qualität, Engagement und Kontributionen einzelner EduBricks darstellen. Auch ein Zählsystem von Beiträgen könnte zusätzlich die aktive Teilnahme steigern und eine Kultur der kollaborativen Lehre unterstützen. Die praktische Umsetzung von EduBricks ist medienund formatabhängig. Während bei Folien editierbare Formate sinnvoll sind, können Videos so gestaltet werden, dass Brandingoder Einleitungs/Fadeout-Elemente flexibel ausgetauscht werden. Diese technischen Strukturprinzipien, zusammen mit standardisierten Metadaten für eine bessere Auffindbarkeit, unterstützen die nachhaltige Wiederverwendung der EduBricks und machen sie vielseitig einsetzbar. Insgesamt bietet das EduBricks-Konzept eine grundlegende Transformation in der Entwicklung und Nutzung von Lehrmaterialien. Es ermöglicht eine größere Flexibilität, Wiederverwendbarkeit und kollaborative Weiterentwicklung, schafft zugleich eine robuste Basis für nachhaltige, qualitativ hochwertige und skalierbare Lehre und passt sich den dynamischen Anforderungen von Forschung und Hochschuldidaktik an. EduBrickifizierung und die praktische Anwendung des EduBricks-Konzepts Das Konzept der EduBrickifizierung bietet flexible Ansätze, um klassische Lehrund Lehrmaterialien in modulare, wiederverwendbare Bausteine zu überführen, die spezifische Lernziele adressieren und in unterschiedlichen Kontexten wiederverwendet werden können. Grundsätzlich lassen sich zwei Wege zur Erstellung von EduBricks unterscheiden: (i) die geplante, modulare Produktion neuer und (ii) die nachträgliche Zerlegung bestehender Materialien. Der erste Ansatz besteht darin, Lehrmaterialien von Beginn an EduBrick-basiert zu konzipieren. Dabei werden Inhalte so gestaltet, dass sie in modularen Einheiten vorliegen, die idealerweise flexibel kombinierbar sind und auf bereits vorhandene Ressourcen zurückgreifen können. Dieser Weg ermöglicht von Beginn an eine klare Struktur, hohe Wiederverwendbarkeit und einfache Erweiterbarkeit der Bausteine. Der zweite Ansatz zielt auf die nachträgliche Zerlegung vorhandenen Materials in EduBricks ab – die “EduBrickifizierung”. Dieser Ansatz bietet die Möglichkeit, umfassende Lehrressourcen gezielt in kleinere, spezifisch nutzbare Einheiten zu gliedern, die für verschiedene Lehrkontexte individuell angepasst und kombiniert werden können. Bestehende Materialien sind häufig umfangreicher als für eine bestimmte Lehrveranstaltung notwendig. Die EduBrickifizierung ermöglicht die Anpassung der Garnularität, diese Materialien und eine damit einhergehende für spezifische Szenarien passgenaue Nutzung. Beispiel: Video “Forschungsdaten in der Physik”. Ein Beispiel, das die Anwendung des EduBrick-Konzepts verdeutlicht, ist das Video „Forschungsdaten in der Physik“ (Helbig et al.,
7 2018). Dieses Video wurde in Sinnabschnitte segmentiert, die jeweils einem EduBrick entsprechen. Die Granularität der EduBricks kann variieren – manche entsprechen den Kapiteln des Videos, während andere die Inhalte weiter unterteilen, um spezifischere Einheiten zu schaffen. Eine mögliche Aufteilung könnte wie folgt aussehen: Edubrick ID Titel Startzeit Endzeit 1 Einleitung Physik 00:00 00:19 2 Forschungsfragen des Tutorial Physik 00:19 00:36 3 Warum betreibt man Forschungsdatenmanagement? 00:36 00:49 4 Die FAIR Prinzipien 00:49 01:03 5 Anforderungen der Forschungsförderer 01:03 01:10,5 6 Anforderungen der Verlage 01:10,5 01:27 7 Um welche Daten geht es in der Physik? 01:27,5 01:42 8 Wie archiviert man Forschungsdaten? 01:42 01:51 9 Wie findet man ein geeignetes Repositorium? 01:51 02:11,5 10 Wozu benötigt man Metadaten? 02:11,5 02:36 11 Vorteile einer frühzeitigen Ablage von Daten 02:36 03:00 12 Möglichkeit der Zugangsbeschränkung 03:00 03:08 13 Was passiert mit Daten im Repositorium? 03:08 03:53 14 Wo findet man weitere Informationen? HU Berlin 03:53 04:25 15 Abspann / Credits 04:25 04:43 Diese EduBricks können anschließend für unterschiedliche Lehrzwecke neu zu EduPfaden kombiniert werden. Einige Beispiele für Kombinationen verdeutlichen die Flexibilität des Konzepts: 1. Komplette Nachnutzung: Alle EduBricks des Videos werden in ihrer ursprünglichen Reihenfolge verwendet. 2. Ersetzung einzelner Bausteine: Das Video wird fast vollständig übernommen, wobei der institutionsspezifische EduBrick durch einen neuen Baustein ersetzt wird. 3. Themenfokussierte Extraktion: Nur EduBricks, die Informationen zu Repositorien (Bspw. EduBricks 9 und 13) enthalten, werden kombiniert, um ein Kurzvideo mit spezifischem Fokus zu erstellen. 4. Teilweise Nutzung: Die fachspezifischen Anteile, hier die Physik-Inhalte am Anfang des Videos (EduBricks 1 und 2), werden weggelassen, und nur die EduBricks zur Archivierung von Forschungsdaten werden verwendet. Solche Kombinationen demonstrieren, wie vorhandene Materialien zielgruppenspezifisch angepasst werden können. Während die EduBrickifizierung insbesondere bei Videos und
8 Audiodateien durch einfache Zeitmarken und Annotationen technisch unkompliziert ist, eröffnet sie auch für andere Medientypen wie Textoder Präsentationsdokumente neue Möglichkeiten. So können beispielsweise XML-basierte Dateiformate wie .odt oder .ods genutzt werden, um Inhalte interaktiv zu bearbeiten und neu zusammenzustellen. Dies bietet großes Potenzial für automatisierte Modularisierung, bedarf jedoch technischer Weiterentwicklung. Ein entscheidender Vorteil der EduBrickifizierung liegt in ihrer Fähigkeit, bestehende Ressourcen zu optimieren und durch Neukombination eine Vielzahl von Lehr-Szenarien zu unterstützen. So können einzelne Bausteine auch über ihren ursprünglichen Kontext hinaus verwendet und in neuen, spezifischen EduPfade integriert werden. Die beiden Ansätze – geplante Erstellung und nachträgliche EduBrickifizierung – ergänzen sich und bieten eine breite Grundlage für den praktischen Einsatz des Konzepts. Während die geplante Produktion eine strukturierte und vorausschauende Modularisierung ermöglicht, sorgt die EduBrickifizierung dafür, dass auch bestehende Ressourcen in das System integriert werden können. Dies macht EduBricks zu einem vielseitigen Werkzeug für die Modularisierung von Lehrmaterialien. Technische Unterstützung und Automatisierungspotential Die Gestaltung der EduBricks folgt einem iterativen Prozess, der auf Einfachheit, Erweiterbarkeit und Wiederverwendbarkeit Anpassbarkeit ausgelegt ist. Die langfristige Qualität und Konsistenz modularer Lehrmaterialien erfordert eine zentrale, versionierte Plattform, wie sie aus der Softwareentwicklung bekannt ist. Git-basierte Systeme wie beispielsweise GitLab bieten hierfür eine leistungsfähige Grundlage. Sie erlauben nicht nur eine Versionskontrolle, sondern auch eine Nachverfolgung der Historie einzelner EduBricks sowie deren Beziehungen zu anderen Bausteinen, was Transparenz und nachhaltige Weiterentwicklung fördert (Perkel, 2016; Ram, 2013; Vuorre und Curley, 2018). Git-basierte Plattformen lassen sich zudem durch Webservices oder grafische Oberflächen erweitern, um Lehrenden mit unterschiedlichen technischen Vorkenntnissen den Zugang zu erleichtern. Niedrigschwellige Werkzeuge können eine einfache Nutzung ermöglichen, während technisch erfahrene Personen direkt mit nativen Funktionen arbeiten können. Über einen solchen Mechanismus ist auch eine Anbindung an bestehende Lernplattformen, wie zum Beispiel DALIA (DAta LIteracy Alliance) leicht realisierbar (Hastik et al., 2023). Die Flexibilität des Systems ermöglicht es auch, EduBricks in verschiedenen Formaten zu verwalten, wobei offene Standards bevorzugt werden, um die Optimierung der Materialien an diverse Anforderungen sicherzustellen. Ein weiterer bedeutender Vorteil liegt in der Möglichkeit, Continuous Integration/Continuous Deployment (CI/CD)-Prozesse zu integrieren. Diese können genutzt werden, um die Qualität der EduBricks zu sichern. Beispielsweise könnten automatisierte Prüfungen die Einhaltung von Standards, der korrekten und vollständigen Annotation mit Metadaten oder Modularisierungsvorgaben sicherstellen. Dies reduziert manuellen Aufwand und gewährleistet eine konsistente Qualität der Materialien.
9 Auch die automatisierte Kombination homogener EduBricks wird dadurch erweitert. Formatkonsistente Inhalte wie Textdokumente, Präsentationen oder Videos mit klar definierten Annotationen, können automatisch zu neuen Lehrmaterialien kombiniert werden. Zwar ist eine vollständige Automatisierung der EduBrick-Erstellung über alle Medientypen hinweg derzeit nicht realistisch, doch bereits jetzt könnten KI-gestützte Werkzeuge für die Erstellung visueller Inhalte oder Sprachmodelle für die Generierung von Textinhalten integriert werden. Neben der Versionskontrolle stellen Git-basierte Plattformen auch umfangreiche Projektmanagement-Funktionen bereit: Aufgaben, Meilensteine und Fortschrittsüberwachung unterstützen die kollaborative Entwicklung und Kuration von EduBricks. So entsteht ein gemeinschaftlicher, skalierbarer Entwicklungsraum, der kontinuierliche Verbesserung ermöglicht und gleichzeitig eine Grundlage für eine engagierte Community schafft (Corona und Pani, 2012) Durch die Kombination aus technischer Infrastruktur, Automatisierung und CommunityPartizipation entsteht eine robuste Basis für flexible, qualitativ hochwertige und skalierbare Lehrmaterialien. Bestehende Systeme können eingebunden werden, wodurch die Implementierung planbar und langfristig tragfähig wird. Mit einer tragfähigen Plattform und aktiven Beteiligten kann das EduBrick-Konzept die Anforderungen moderner Hochschullehre wirksam adressieren. FAIRness von EduBricks als Grundlage der Nachnutzbarkeit Die FAIRness (Findable, Accessible, Interoperable, Reusable) von EduBricks ist ein zentrales Element ihres Konzepts, da die Nachnutzbarkeit die Grundlage für ihre flexible Anwendung bildet. Um dies zu gewährleisten, müssen EduBricks so gestaltet sein, dass sie leicht auffindbar, offen zugänglich und technisch sowie semantisch wiederverwendbar sind. Dies umfasst mehrere Schlüsselkomponenten: 1. Auffindbarkeit: EduBricks sollten mit persistenten Identifikatoren (PIDs) wie DOIs versehen werden, um eine langfristige Referenzierbarkeit sicherzustellen. 2. Offene Lizenzen: Die Wahl geeigneter Lizenzen wie CC0, CC BY oder CC BY-SA ist essenziell, um die freie Nutzung, Anpassung und Weiterverbreitung zu ermöglichen. 3. Offene Formate: Die Inhalte müssen in offenen, standardisierten Formaten bereitgestellt werden, um ihre technische Interoperabilität zu garantieren. 4. Klare Metadaten und Provenienzinformationen: EduBricks sollten präzise Metadaten enthalten, die Informationen zu Herkunft, Zielsetzung und didaktischem Kontext des Materials bieten. Diese Provenienzinformationen stärken die Vertrauenswürdigkeit und Nachvollziehbarkeit der Ressourcen (vgl. Filiposka et al., 2023).