scieee AI-readable full text Open interactive document viewer

Hohe Preise bei Energie, Rohstoffen und Vorleistungen belasten Betriebe: Aktuelle Ergebnisse aus dem IAB-Betriebspanel 2023

Leber, Ute,Oberfichtner, Michael,Schwengler, Barbara

Abstract

EconStor is a publication server for scholarly economic literature, provided as a non-commercial public service by the ZBW.

Full text

Leber, Ute; Oberfichtner, Michael; Schwengler, Barbara Research Report Hohe Preise bei Energie, Rohstoffen und Vorleistungen belasten Betriebe: Aktuelle Ergebnisse aus dem IABBetriebspanel 2023 IAB-Kurzbericht, No. 11/2024 Provided in Cooperation with: Institute for Employment Research (IAB) Suggested Citation: Leber, Ute; Oberfichtner, Michael; Schwengler, Barbara (2024) : Hohe Preise bei Energie, Rohstoffen und Vorleistungen belasten Betriebe: Aktuelle Ergebnisse aus dem IABBetriebspanel 2023, IAB-Kurzbericht, No. 11/2024, Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB), Nürnberg, https://doi.org/10.48720/IAB.KB.2411 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/298665 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/ •Den aktuellen Ergebnissen des IAB-Betriebspanels zufolge waren im Jahr 2023 rund sechs von zehn Betrieben durch das hohe Preisniveau bei Energie, Rohstoffen und Vorleistungen negativ betroffen. •Überdurchschnittlich stark betroffen waren die Gastronomie sowie das Verarbeitende Gewer be – und damit Bereiche, die besonders vorleistungsbeziehungsweise energieintensiv sind. •Insgesamt waren 2023 davon deutlich mehr Betriebe negativ betroffen als 2022 von den Auswirkungen des Angriffskriegs gegen die Ukraine. •2023 blickten etwas mehr Betriebe als im Vorjahr pessimistisch auf das laufende Geschäftsjahr und gingen von einem sinkenden Geschäftsvolumen aus. Dies gilt insbesondere für Betriebe, die negativ durch die hohen Preise betroffen waren. •Negativ betroffene Betriebe gingen zudem deutlich häufiger von einem Beschäftigungsrückgang im ersten Halbjahr 2024 aus als nicht negativ betroffene Betriebe. 11 | 2024 IAB-KURZBERICHT Aktuelle Analysen aus dem Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung In aller Kürze Das hohe Preisniveau bei Energie, Rohstoffen und Vorleistungen beeinflusst die deutsche Wirtschaft zum Teil erheblich. Die aktuellen Daten des IABBetriebspanels 2023 geben Aufschluss darüber, wie viele und welche Betriebe hiervon negativ betroffen sind. Wir unter suchen, wie sich in diesen und anderen, nicht negativ durch die Krise betroffenen Betrieben das Geschäftsvolumen und die Beschäftigung im vergangenen Geschäftsjahr entwickelt haben und wie sich die Erwartungen der Betriebe für das laufende Jahr darstellen. Auch nach dem Ende der Corona-Krise steht die deutsche Wirtschaft weiterhin vor großen Herausforderungen: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist nach einem deutlichen Einbruch im ersten Jahr der Covid-19-Pandemie in den Jahren 2021 und 2022 zwar wieder gestiegen, doch ist 2023 erneut ein Rückgang festzustellen. Konjunkturprognosen für das aktuelle Jahr sind eher verhalten. So hat die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für 2024 jüngst von 1,3 auf 0,2 Prozent gesenkt. Und ebenso wie die IAB-Prognose, die für das Gesamtjahr eine leichte Zunahme des realen BIP um 0,1 Prozent berechnet (Bauer et al. 2024), gehen auch weitere Konjunkturprognosen von einem nur geringfügigen Wachstum des BIP im laufenden Jahr aus. Trotz der angespannten Wirtschaftslage hat sich der Arbeitsmarkt im Jahr 2023 jedoch als relativ robust erwiesen und die Zahl der Erwerbstätigen ist zuletzt wieder gestiegen. Wenngleich die Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf leicht zugenommen hat, blieb der Personalbedarf der Betriebe – gemessen an der Zahl der offenen Stellen – nach wie vor hoch. Nach Angaben der IAB-StellenerAktuelle Ergebnisse aus dem IAB-Betriebspanel 2023 Hohe Preise bei Energie, Rohstoffen und Vorleistungen belasten Betriebe von Ute Leber, Michael Oberfichtner und Barbara Schwengler hebung gab es im vierten Quartal 2023 bundesweit 1,73 Millionen offene Stellen, was allerdings gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal einen Rückgang um gut 13 Prozent darstellt (Kubis 2024). Ursächlich für die gegenwärtige Wirtschaftsschwäche sind zum einen die gesunkene Auslandsnachfrage und die gestiegenen Zinsen, die zu einem Auftragsrückgang insbesondere im Baugewerbe führen. Zum anderen belastet das hohe Preisniveau nicht nur die privaten Haushalte, die ihre Konsumausgaben im Jahr 2023 zurückgefahren haben, sondern auch die Betriebe, die mit höheren Preisen für Energie und Vorleistungen zu kämpfen haben. Obwohl die Inflationsrate zuletzt wieder gesunken ist, lag sie im Jahresdurchschnitt 2023 mit 5,9 Prozent auf einem vergleichsweise hohen Niveau (Bauer/Weber 2024). Es ist davon auszugehen, dass die geschilderten Entwicklungen einzelne Betriebe in unterschiedlichem Ausmaß betreffen. Die Betriebe verschiedener Branchen unterscheiden sich zum Teil deutlich voneinander bezüglich ihrer Vorleistungsund Energieintensität. Darüber hinaus dürfte die Betriebsgröße eine Rolle hinsichtlich der Betroffenheit spielen. So ist beispielsweise anzunehmen, dass größere Betriebe andere Möglichkeiten haben als kleinere, mit gestiegenen Preisen umzugehen. Aufschluss darüber, ob und wie stark einzelne Betriebe im Jahr 2023 durch die gestiegenen Preise und Knappheiten bei Energie, Rohstoffen und Vorleistungen betroffen waren, geben die aktuellen Daten des IAB-Betriebspanels, einer jährlich durchgeführten Befragung von rund 15.000 Betrieben aller Branchen und Größenklassen (vgl. Infobox 1 auf Seite 4). Im Folgenden geben wir einen Überblick über das Ausmaß und die Art der betrieblichen Betroffenheit und betrachten diese im Zusammenspiel mit verschiedenen wirtschaftlichen Kenngrößen wie der Entwicklung des Geschäftsvolumens und der Beschäftigung. Damit schreibt der vorliegende Kurzbericht die Analysen für das Jahr 2022 (Bennewitz et al. 2023) zur betrieblichen Krisenbetroffenheit sowie Geschäftsentwicklung fort. Sechs von zehn Betrieben in Deutschland sind durch gestiegene Kosten und Knappheiten negativ betroffen In der aktuellen Welle des IAB-Betriebspanels wurden die Betriebe im Zeitraum von Juli bis Dezember 2023 gefragt, ob und wie sich die veränderten Preise oder die Knappheiten bei Energie, Rohstoffen und Vorleistungen wirtschaftlich auf sie ausgewirkt haben. Insgesamt gaben 61 Prozent aller Betriebe an, hiervon überwiegend negativ betroffen zu sein (vgl. Abbildung A1). 20 Prozent waren nach eigenen Angaben nicht durch die veränderten Preise und Knappheiten betroffen, jeweils 9 Prozent konnten die Situation schlecht einschätzen oder sagten, dass sich negative und positive Auswirkungen in etwa die Waage halten. Nur 1 Prozent der Betriebe gab an, überwiegend positiv betroffen zu sein. Für die folgenden Analysen fassen wir alle nicht negativ betroffenen Betriebe zu einer Gruppe zusammen und stellen diese der Gruppe der negativ betroffenen Betriebe gegenüber. Während sich der Anteil negativ betroffener Betriebe zwischen Westund Ostdeutschland nur Quelle: IAB-Betriebspanel 2023. © IAB Durch gestiegene Preise und Knappheiten negativ betroffene Betriebe in Prozent A1 Deutschland Westdeutschland Ostdeutschland Beschäftigte 1 bis 9 10 bis 49 50 bis 499 500 und mehr Branchen Landund Forstwirtschaft Beherbergung und Gastronomie Verkehr und Lagerei Verarbeitendes Gewerbe Bergbau, Energie, Wasser, Abfall Handel und Reparatur von Kfz Übrige personenennahe Dienstleistungen Baugewerbe Gesundheitsund Sozialwesen Erziehung und Unterricht Unternehmensnahe Dienstleistungen Information und Kommunikation Organisationen ohne Erwerbszweck, Öffentliche Verwaltung Finanzund Versicherungsdienstleistungen 42 45 47 48 56 58 61 62 66 68 72 78 78 81 62 67 63 59 61 63 60 2 IAB-Kurzbericht 11|2024 Vor allem die gestiegenen Kosten für Energie und Treibstoffe belasten die Betriebe Gestiegene Preise und Knappheiten können die Betriebe auf ganz unterschiedliche Art und Weise belasten. Wie die Daten des IAB-Betriebspanels zeigen, wurden die wirtschaftlich betroffenen Betriebe im vergangenen Jahr am stärksten durch gestiegene Kosten bei Energie und Treibstoffen beansprucht (vgl. Abbildung A2). Von den Betrieben, die negativ oder gleichermaßen positiv und negativ von der Krise betroffen waren, gaben mehr als sieben von zehn an, durch diese Erschwernisse sehr stark oder stark belastet zu sein. An zweiter Stelle folgen die gestiegenen Kosten für Vorleistungen und Rohstoffe, die fast sechs von zehn Betrieben unserer Beobachtungsgruppe (sehr) stark belasteten. Gut 40 Prozent der Betriebe gaben außerdem an, unter gestiegenen Personalkosten zu leiden, und ein Drittel nannte Schwierigkeiten mit Lieferanten oder beim Bezug von Vorleistungen. Die weiteren von uns abgefragten Herausforderungen haben die Betriebe hingegen in einem nur geringen Ausmaß belastet. Richtet man das Augenmerk auf die Betroffenheit von Betrieben verschiedener Branchen, fallen zum Teil recht deutliche Unterschiede auf: So sind erwartungsgemäß insbesondere Betriebe aus dem Quelle: IAB-Betriebspanel 2023. © IAB Betriebe nach der Art der Belastungen stark oder sehr stark belastete Betriebe in Prozent der überwiegend negativ oder in gleichem Maße positiv und negativ betroffenen Betriebe A2 Gestiegene Energie-/Treibstoffkosten Gestiegene Vorleistungs-/Rohstoffkosten Gestiegene Personalkosten Schwierigkeiten mit Lieferanten oder beim Bezug von Vorleistungen/Rohstoffen Rückgang der Nachfrage oder Wegfall von Absatzmärkten Liquiditätsengpässe Einschränkung oder Verlust von Geschäftsbeziehungen Sonstiges 8 12 14 20 33 42 57 72 leicht unterscheidet, sind zwischen den Branchen teils recht deutliche Unterschiede festzustellen. So liegt der Anteil negativ betroffener Betriebe insbesondere in der Landwirtschaft, in den Bereichen Beherbergung und Gastronomie, Verkehr und Lagerei sowie im Verarbeitenden Gewerbe vergleichsweise weit über dem Durchschnitt. Ein deutlich unterdurchschnittlicher Anteil negativ betroffener Betriebe ist dagegen im Finanzund Versicherungswesen, in der öffentlichen Verwaltung sowie im Bereich Information und Kommunikation zu finden – also in Branchen, die weniger stark auf Rohstoffe, Energie und Vorleistungen angewiesen sind als etwa das Verarbeitende Gewerbe. Hinsichtlich der Betriebsgröße zeigt sich der höchste Anteil negativ betroffener Betriebe mit 67 Prozent in der Größenklasse mit 50 bis 499 Beschäftigten, doch fallen die Unterschiede zwischen den einzelnen Größensegmenten deutlich geringer aus als zwischen den Branchen. Dass mittlere und größere Betriebe etwas häufiger durch die gestiegenen Preise belastet sind als kleinere, zeigt sich zudem, wenn man die Verteilung der Beschäftigten auf negativ und nicht negativ betroffene Betriebe betrachtet: So waren 64 Prozent aller Beschäftigten zur Jahresmitte 2023 in krisenbetroffenen Betrieben tätig. Damit liegt der Beschäftigtenanteil etwas über dem entsprechenden Betriebsanteil (61 %). Im IAB-Betriebspanel 2022 gaben 44 Prozent der Betriebe an, überwiegend negativ durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine betroffen zu sein; in diesen Betrieben arbeiteten rund 50 Prozent aller Beschäftigten (Bennewitz et al. 2023). Auch wenn die Fragen im IAB-Betriebspanel 2022 und 2023 aufgrund des unterschiedlichen Fokus nicht direkt miteinander vergleichbar sind, liegt der Anteil der negativ betroffenen Betriebe im Jahr 2023 auf einem deutlich höheren Niveau als ein Jahr zuvor. Gestiegene Preise und Knappheiten scheinen aus Sicht der Betriebe im Jahr 2023 also eine größere Rolle gespielt zu haben als die 2022 abgefragten Auswirkungen des Kriegs gegen die Ukraine. 3IAB-Kurzbericht 11|2024 primären Sektor (Landund Forstwirtschaft, Bergbau/Energie/Wasserversorgung) und dem Bereich Verkehr und Lagerei überdurchschnittlich stark durch die hohen Energiepreise belastet. Zudem leiden die Betriebe des primären Sektors ebenfalls überdurchschnittlich stark unter den gestiegenen Preisen für Vorleistungen und Rohstoffe. Das gilt ebenso für das Baugewerbe, das Verarbeitende Gewerbe und die Gastronomie. Während Betriebe aus dem Dienstleistungssektor (mit Ausnahme der Gastronomie) nach eigenen Angaben tendenziell unterdurchschnittlich von gestiegenen Kosten für Energie und Vorleistungen betroffen sind, stellt sich dies im Hinblick auf die angewachsenen Personalkosten anders dar: Hier sind unter anderem Betriebe aus dem Gesundheitsund Sozialsektor sowie dem Bereich Erziehung und Unterricht besonders stark belastet. Für die Betroffenheit von Betrieben verschiedener Größenklassen lässt sich hingegen kein einheitliches Muster bei den verschiedenen Arten der Herausforderungen ausmachen: So sind größere Betriebe zwar häufiger als kleinere von gestiegenen Personalund Energiekosten betroffen, doch fühlen sich kleinere und mittlere Betriebe stärker durch gestiegene Kosten für Vorleistungen belastet. Zwischen Ostund Westdeutschland sind die Unterschiede eher gering, doch ist festzustellen, dass westdeutsche Betriebe etwas häufiger unter IAB-Betriebspanel Das IAB-Betriebspanel ist eine repräsentative jährliche Wiederholungsbefragung bei rund 15.000 Betrieben aller Betriebsgrößen und Wirtschaftszweige. Die Befragung in Form von persönlich-mündlichen Interviews wird seit 1993 in den westdeutschen und seit 1996 in den ostdeutschen Bundesländern durchgeführt. Grundgesamtheit für das IAB-Betriebspanel ist die Betriebsdatei der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit, die Betriebe mit mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten enthält. Die disproportional geschichtete Stichprobe wird aus dieser Datengrundlage nach 10 Betriebsgrößenklassen, aktuell 20 Branchen und den Bundesländern gezogen und auf diese hochgerechnet. Damit sind Auswertungen zur Verteilung der Betriebe und Beschäftigten möglich. Dieser umfassende Längsschnittdatensatz stellt die Grundlage für die Erforschung der Nachfrageseite des Arbeitsmarkts dar. Mit dieser Betriebsbefragung wird nicht nur eine Bestandsaufnahme betrieblicher Strukturen, Situationen und Problemzusammenhänge vorgenommen, sondern überdies werden Stimmungslagen und zukünftige Einschätzungen der Betriebe erhoben. Die in diesem IAB-Kurzbericht ausgewiesenen Anteile wurden auf Basis hochgerechneter Absolutzahlen berechnet. Mehr zum IAB-Betriebspanel und zu bisherigen Ergebnissen finden Sie auf der Internetseite des IAB ( ).https://iab.de/das-iab/befragungen/iab-betriebspanel/ 1 den veränderten Preisen und Knappheiten leiden als ostdeutsche. Sowohl 2022 wie 2023 wurden die Betriebe danach gefragt, von welchen Belastungen sie durch die hohen Preise und Knappheiten bei Energie, Rohstoffen und Vorleistungen in welchem Ausmaß betroffen waren. Auch wenn nicht alle vorgegebenen Items in beiden Erhebungen vollständig übereinstimmen, lassen sich einige dennoch vergleichen (zu den Ergebnissen von 2022 vgl. Bennewitz et al. 2023). Dabei zeigt sich, dass die Betriebe in beiden Jahren ihrer Einschätzung nach am stärksten durch die gestiegenen Preise bei Energie und Treibstoffen sowie bei Vorleistungen und Rohstoffen betroffen waren. Auffällig ist, dass Lieferengpässe, das heißt Schwierigkeiten beim Bezug von Vorleistungen und Rohstoffen, 2022 noch eine merklich größere Rolle gespielt haben als 2023. Hingegen ist die Betroffenheit der Betriebe durch Liquiditätsengpässe aktuell etwas angestiegen: Gaben 9 Prozent der Betriebe im Jahr 2022 an, hierdurch (stark) belastet zu sein, waren es 2023 immerhin schon 14 Prozent. Der Anteil der Betriebe mit einem positiven Geschäftsergebnis bleibt mehr oder weniger stabil Sind Betriebe negativ durch die Inflation oder wie im Jahr zuvor durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine betroffen, sollte sich dies in ihrem Geschäftsergebnis widerspiegeln. Im IABBetriebspanel werden die Betriebe regelmäßig danach gefragt, ob sie ein positives, ein negatives oder ein ausgeglichenes Jahresergebnis erzielt haben. Dabei ist zu beachten, dass sich die entsprechende Frage jeweils auf das vergangene Geschäftsjahr bezieht, in der Befragung des Jahres 2023 also auf das Geschäftsjahr 2022. Insgesamt haben 76 Prozent der Betriebe in Deutschland im Geschäftsjahr 2022 ein positives Jahresergebnis, also einen Reingewinn, erzielt (vgl. Abbildung A3 auf Seite 5). Im Vergleich zum Vorjahr (Geschäftsjahr 2021) hat sich dieser Anteil nur geringfügig verändert (minus 1 Prozentpunkt). Im längerfristigen Vergleich fällt auf, dass der Anteil der Betriebe mit einem positiven Geschäftsergebnis seit dem Jahr 2013 zunächst angestiegen war, 4IAB-Kurzbericht 11|2024 dann aber während des ersten Jahres der CoronaKrise 2020 massiv eingebrochen ist. In den Jahren danach hat sich der Anteil zwar wieder erholt, das Vorkrisenniveau wurde jedoch noch nicht wieder erreicht. Während sich der Anteil der Betriebe mit einem positiven Geschäftsergebnis zwischen den Größenklassen (mit Ausnahme der Großbetriebe) nur unwesentlich unterscheidet, sind zum Teil deutliche Differenzen zwischen Ostund Westdeutschland und den Branchen festzustellen. In Westdeutschland haben anteilig mehr Betriebe als in Ostdeutschland im Geschäftsjahr 2022 einen Reingewinn erzielt. Ebenfalls (teils deutlich) über dem Durchschnitt lag dieser Anteil im Gesundheitsund Sozialwesen, im Finanzund Versicherungswesen, bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen sowie im Baugewerbe. Ein nur unterdurchschnittlicher Anteil von Betrieben mit positivem Geschäftsergebnis war dagegen in der Gastronomie, den personenbezogenen Dienstleistungen sowie dem Bereich Erziehung und Unterricht zu finden. Betriebe, die aktuell durch gestiegene Preise und Knappheiten belastet sind, konnten häufiger bereits 2022 keinen Reingewinn erzielen: Das trifft in dieser Gruppe auf 29 Prozent der Betriebe zu, in der Vergleichsgruppe hingegen auf 17 Prozent. Denkbar ist, dass diese Betriebe nicht nur aktuell, sondern bereits im Vorjahr mit den infolge des Kriegs gestiegenen Preisen und Lieferengpässen zu kämpfen hatten. Ihre ohnehin schlechtere wirtschaftliche Ausgangssituation hat dann möglicherweise dazu geführt, dass die weiterhin angespannte Konjunktur die Betriebe auch im Jahr 2023 besonders belastet hat. 2023 blicken etwas mehr Betriebe als im Vorjahr pessimistisch auf das laufende Geschäftsjahr Zusätzlich zu der Frage nach dem Geschäftsergebnis im vergangenen Jahr wurden die Betriebe im IAB-Betriebspanel gebeten, anzugeben, welche Entwicklung des Geschäftsvolumens sie für das Jahr 2023 erwarten. Demnach gehen 42 Prozent der Betriebe von einem gleichbleibenden Geschäftsvolumen aus und 24 Prozent von einem steigenden. Quelle: IAB-Betriebspanel 2023. © IAB Betriebe mit positivem Geschäftsergebnis im Geschäftsjahr 2022 in Prozent A3 Deutschland Westdeutschland Ostdeutschland Beschäftige 1 bis 9 10 bis 49 50 bis 499 500 und mehr Branchen Gesundheitsund Sozialwesen Finanzund Versicherungsdienstleistungen Unternehmensnahe Dienstleistungen Baugewerbe Landund Forstwirtschaft Handel und Reparatur von Kfz Verarbeitendes Gewerbe Verkehr und Lagerei Bergbau, Energie, Wasser, Abfall Information und Kommunikation Erziehung und Unterricht Übrige personenennahe Dienstleistungen Beherbergung und Gastronomie Organisationen ohne Erwerbszweck, Öffentliche Verwaltung Betroffenheit durch die Energiekrise keine Auswirkungen, „positiv” sowie „positiv und negativ in gleichem Maße” betroffene Betriebe, schwer zu sagen negativ betroffene Betriebe 77 70 76 75 77 75 80 81 80 80 79 77 76 75 71 70 68 67 66 66 54 83 71 Nahezu ebenso viele Betriebe, nämlich 23 Prozent, erwarten ein sinkendes Geschäftsvolumen, 11 Prozent können die Entwicklung nicht einschätzen (vgl. Abbildung A4 auf Seite 6). Im zeitlichen Vergleich fällt auf, dass zunehmend mehr Betriebe pessimistisch auf das laufende Geschäftsjahr blicken und von einem sinkenden Geschäftsvolumen ausgehen. Traf dies in den Jahren vor der Corona-Krise auf rund jeden zehnten Betrieb zu, stieg dieser Anteil 2020 massiv an. Im Jahr 2021 haben sich die (berichteten) Geschäftsaussichten der Betriebe wieder verbessert, danach sind sie aber wieder schlechter geworden. Seit inzwischen vier Jahren in Folge werden damit die Geschäftserwartungen deutlich schlechter als vor der Covid-19-Pandemie eingeschätzt. 5 IAB-Kurzbericht 11|2024 Interessant ist zudem, dass sich der Anteil der Betriebe, die die erwartete Entwicklung des Geschäftsvolumens nicht einschätzen können, aktuell wieder etwas verringert hat. Dieser Anteil lag während der Jahre 2020 bis 2022 deutlich über dem Niveau vor der Corona-Krise. Das deutet auf eine anhaltende große Unsicherheit vieler Betriebe und die mangelnde Planbarkeit von Geschäftsprozessen und -zielen in den letzten Jahren hin. Die Ungewissheit der Betriebe hat sich 2023 zwar aktuell wieder verringert, bleibt aber dennoch auf einem leicht höheren Niveau als vor der Corona-Krise bestehen. Differenziert nach Branchen zeigt sich, dass der Anteil der Betriebe, die mit einem sinkenden Geschäftsvolumen rechnen, vor allem in der Landund Forstwirtschaft vergleichsweise hoch ist. Ähnliches gilt für den Bereich Verkehr und Lagerei, das Baugewerbe und den Handel. Zwischen den Betrieben verschiedener Größenklassen sind dagegen nur unwesentliche Unterschiede festzustellen (vgl. Abbildung A5 auf Seite 7). Betrachtet man schließlich die Geschäftsaussichten in Abhängigkeit von der Betroffenheit durch die gestiegenen Preise und Knappheiten, zeigt sich wenig überraschend, dass die Erwartungen der negativ betroffenen Betriebe sehr viel pessimistischer sind als die der anderen Betriebe. Mit einem sinkenden Geschäftsvolumen rechnen die negativ betroffene Betriebe deutlich häufiger (28 %) als die anderen (14 %). Selbst wenn unklar ist, inwieweit sich die Erwartungen der Betriebe tatsächlich realisieren, geben die betrieblichen Einschätzungen dennoch wichtige Einblicke in das aktuelle Stimmungsbild der Wirtschaft. Negativ betroffene Betriebe erwarten häufiger einen Beschäftigungsrückgang Die gegenwärtige Stimmung der Betriebe lässt sich nicht nur anhand der erwarteten Geschäftsentwicklung, sondern auch bezüglich der erwarteten Beschäftigungsentwicklung einfangen. Im IABBetriebspanel 2023 wurden die Betriebe danach gefragt, mit wie vielen Personalzugängen und -abgängen sie im ersten Halbjahr 2024 rechnen. Auf dieser Basis haben wir den Anteil der Betriebe berechnet, die für die nahe Zukunft eine steigende, eine sinkende oder eine gleichbleibende Beschäftigung erwarten. Die überwiegende Mehrheit der Betriebe, nämlich gut zwei Drittel, geht demnach von einer gleichbleibenden Beschäftigung im ersten Halbjahr 2024 aus. Einen Beschäftigungszuwachs erwarten 24 Prozent und 9 Prozent einen Beschäftigungsrückgang. Im Ost-West-Vergleich fällt auf, dass ostdeutsche Betriebe etwas häufiger einen Beschäftigungsrückgang erwarten als westdeutsche. Differenziert nach Branchen nennen anteilig besonders viele Betriebe im Bereich Information und Kommunikation, im primären Sektor sowie im Gesundheitswesen positive Beschäftigungserwartungen. Vergleichsweise hohe Anteile an Betrieben mit negativen Beschäftigungserwartungen finden sich dagegen im Bereich Verkehr und Lagerei, im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Baugewerbe. Betriebe, die nach eigenen Angaben negativ durch die gestiegenen Preise und Knappheiten betroffen sind, gehen häufiger von einem Beschäftigungsrückgang aus (11 %) als nicht negativ betroffene Betriebe (6 %). Die gegenwärtige wirtschaftliche Lage hängt demnach nicht nur mit der Erwartungshaltung der Betriebe im Hinblick auf die Entwicklung des Geschäftsvolumens zusammen, sondern auch mit der erwarteten Beschäftigungsentwicklung. Quelle: IAB-Betriebspanel 2013–2023. © IAB Betriebe nach ihrer erwarteten Entwicklung des Geschäftsvolumens für das jeweils laufende Geschäftsjahr (2013 bis 2023) in Prozent A4 56 57 56 58 56 55 54 32 44 43 42 21 23 24 23 26 27 27 29 25 321 13 11 40 18 23 910 99998 13 13 14 11 bleibt gleich weiß nicht steigt sinkt 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 11 9 9 14 11 10 16 24 6 IAB-Kurzbericht 11|2024 Unsere Ergebnisse zeigen, dass rund sechs von zehn Betrieben im Jahr 2023 nach eigenen Angaben wirtschaftlich negativ durch die hohen Preise und Knappheiten belastet waren – und damit anteilig deutlich mehr Betriebe als im Jahr zuvor durch die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die betriebliche Betroffenheit unterscheidet sich dabei merklich zwischen einzelnen Sektoren: So sind es insbesondere Betriebe aus dem primären Sektor, dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Baugewerbe, die mit den gestiegenen Preisen zu kämpfen haben. Der Dienstleistungssektor ist daQuelle: IAB-Betriebspanel 2023. © IAB Betriebe nach ihrer erwarteten Entwicklung des Geschäftsvolumens für das laufende Geschäftsjahr 2023 in Prozent A5 Deutschland Westdeutschland Ostdeutschland Beschäftigte 1 bis 9 10 bis 49 50 bis 499 500 und mehr Branchen Landund Forstwirtschaft Verkehr und Lagerei Baugewerbe Handel und Reparatur von Kfz Verarbeitendes Gewerbe Information und Kommunikation Finanzund Versicherungsdienstleistungen Bergbau, Energie, Wasser, Abfall Unternehmensnahe Dienstleistungen Beherbergung und Gastronomie Gesundheitsund Sozialwesen Übrige personenennahe Dienstleistungen Erziehung und Unterricht Organisationen ohne Erwerbszweck, Öffentliche Verwaltung Betroffenheit durch die Energiekrise keine Auswirkungen, „positiv” sowie „positiv und negativ in gleichem Maße” betroffene Betriebe, schwer zu sagen negativ betroffene Betriebe 23 20 23 23 21 23 22 35 31 29 28 26 26 22 21 20 18 17 15 10 9 14 28 42 45 42 43 41 38 43 38 33 41 37 40 28 41 53 46 42 44 50 54 56 47 39 25 22 24 23 26 27 20 15 21 18 24 24 36 28 16 27 27 26 26 25 17 28 22 10 13 11 10 11 12 16 12 15 12 10 10 11 9 10 7 13 13 9 11 18 11 10 bleibt gleich weiß nichtsteigtsinkt Fazit Auch nach dem Abklingen der Corona-Krise und im zweiten Jahr des Kriegs gegen die Ukraine stand die deutsche Wirtschaft 2023 weiterhin vor massiven Herausforderungen. Verantwortlich hierfür war – neben den gestiegenen Zinsen und der geschwächten Weltkonjunktur – vor allem die hohe Inflation. Mit den aktuellen Daten des IABBetriebspanels 2023 haben wir untersucht, wie viele und welche Betriebe besonders von den gestiegenen Preisen bei Energie, Rohstoffen und Vorleistungen betroffen sind und wie sich verschiedene ihrer wirtschaftlichen Kenngrößen entwickelt haben. 7 IAB-Kurzbericht 11|2024 Impressum | IAB-Kurzbericht Nr. 11, 7.5.2024 | Herausgeber: Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit, 90327 Nürnberg | Redaktion: Martina Dorsch | Grafik & Gestaltung: Nicola Brendel | Foto: Wolfram Murr, Fotofabrik Nürnberg und privat | Druck: MKL Druck GmbH & Co. KG, Ostbevern | Rechte: Diese Publikation ist unter folgender Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht: Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) https://creativecommons.org/ licenses/by-sa/4.0/deed.de | IAB im Internet: www.iab.de. Dort finden Sie unter anderem diesen Kurzbericht zum kostenlosen Download | Kontakt: IAB.Kur[email protected] | ISSN 0942-167X | DOI 10.48720/IAB.KB.2411 gegen – mit Ausnahme der Gastronomie – tendenziell unterdurchschnittlich belastet. Die Befunde machen weiter deutlich, dass diejenigen Betriebe, die unter den Auswirkungen der Inflation leiden, sich in verschiedenen Kenngrößen von der Gruppe der nicht negativ betroffenen Betriebe unterscheiden. Erstere haben nicht nur bereits in der Vergangenheit weniger häufig ein positives Geschäftsergebnis erzielt, sondern zugleich pessimistischere Erwartungen für die Zukunft. Dies gilt sowohl für die erwartete Entwicklung des Geschäftsvolumens als auch für die erwartete Beschäftigung. Selbst wenn zum jetzigen Zeitpunkt unklar ist, inwieweit sich die Erwartungen der Betriebe tatsächlich realisieren, können die betrieblichen Einschätzungen dennoch wichtige Einblicke in das Stimmungsbild der Wirtschaft liefern und mögliche Hinweise für die Entwicklung in der Zukunft geben. Dr. Ute Leber ist Mitarbeiterin im Bereich „Betriebe und Beschäftigung” am IAB. Ute.L[email protected] Barbara Schwengler ist Mitarbeiterin im Bereich „Betriebe und Beschäftigung” am IAB. Barbar[email protected] Prof. Dr. Michael Oberfichtner ist Forschungsbereichsleiter im Bereich „Betriebe und Beschäftigung” am IAB und Professor für betriebliche Arbeitsmarktund Berufsforschung an der FAU Erlangen-Nürnberg. [email protected] Literatur Bauer, Anja; Gartner, Hermann; Hellwagner, Timon; Hummel, Markus; Hutter, Christian; Wanger, Susanne; Weber, Enzo; Zika, Gerd (2024): IAB-Prognose 2024: Die Beschäftigung steigt, aber die Arbeitslosigkeit auch. IABKurzbericht Nr. 6. Bauer, Anja; Weber, Enzo (2024): Einschätzung des IAB zur wirtschaftlichen Lage – Januar 2024. In: IAB-Forum, 31.01.2024. Bennewitz, Emanuel; Klinge, Silke; Neu-Yanders, Nathalie; Leber, Ute; Schwengler, Barbara (2023): Auswirkungen des Angriffskrieges auf die Ukraine auf die Betriebe in Deutschland und weitere Ergebnisse des IAB-Betriebspanels 2022. IAB-Forschungsbericht Nr. 15. Kubis, Alexander (2024): IAB-Stellenerhebung 4/2023: Weiterhin 1,73 Millionen offene Stellen, In: IAB-Forum, 07.03.2024. 8 IAB-Kurzbericht 11|2024