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Die Finanzierung kleinerer und mittelgroßer Unternehmen in Schweden

Ståhl, Göran

Abstract

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Ståhl, Göran Article Die Finanzierung kleinerer und mittelgroßer Unternehmen in Schweden Kredit und Kapital Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Ståhl, Göran (1969) : Die Finanzierung kleinerer und mittelgroßer Unternehmen in Schweden, Kredit und Kapital, ISSN 0023-4591, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 2, Iss. 4, pp. 437-462, https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/292639 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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Der Schwerpunkt lag hierbei bei den Unternehmen, die man als kleinere und mittelgroße zu betrachten pflegt. In den folgenden Ausführungen werden einige der Probleme der kleineren und mittelgroßen Unternehmen behandelt werden, wobei das Schwergewicht auf Finanzierungsprobleme gelegt wird. Zu Beginn wird eine Ubersicht über die Struktur der schwedischen Wirtsdiaft gegeben. Darauf werden einige der wesentlichsten Unterschiede zwischen kleineren oder mittelgroßen Unternehmen und großen Unternehmen andererseits behandelt. Im Abschnitt III werden ganz allgemein die finanziellen Verhältnisse der kleineren und mittelgroßen Unternehmen und damit zusammen auch einige Entwicklungszüge auf dem Gebiete der Kreditbeurteilung erörtert. Der abschließende Abschnitt IV enthält eine Übersicht über die wichtigsten Institutionen, die an der finanziellen Hilfe für die Industrie mitbeteiligt sind. Dieser Abschnitt stützt sich auf den veröffentlichten Bericht der staatlichen Konzentrationsuntersuchung aus dem Jahre 1968 „Struktur und Funktionsweise des Kreditmarktes" (Staatliche öffentliche Untersuchungen 1968 : 3). Zum Zahlenmaterial sei erwähnt, daß die amtliche Statistik ungefähr zwei bis drei Jahre nachhinkt, weshalb die Angaben teilweise etwas alt OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36 438 Berichte sind. Dies dürfte jedoch keine besondere Bedeutung haben, da in den letzten Jahren kaum größere Veränderungen eingetreten sind. Zunächst mag es angebracht sein zu versuchen, eine Definition für den Begriff „kleinere und mittelgroße Unternehmen" zu geben. Das Problem ist doppelseitig: Man kann sich fragen, 1. wie man die Größe der Unternehmen messen soll und 2. wo man die Grenzen ziehen soll einerseits zwischen den kleineren und mittelgroßen, andererseits zwischen den mittelgroßen und großen Unternehmen. Man kann verschiedene Messungsmethoden anwenden, z. B. die Größe des Aktienkapitals, die Gesamtgröße des im Betrieb arbeitenden Kapitals, den Umsatz, die Anzahl der Angestellten usw. Sämtliche Kriterien haben sowohl Vorals auch Nachteile und manche der Messungsmethoden sind wahrscheinlich auch exakter als andere. Aus rein praktischen Gründen habe ich mich hier dazu entschlossen, das Kriterium „Anzahl der Angestellten" zu wählen, u. a. deshalb, weil die amtliche Statistik in der Hauptsache um diese Variable herum aufgebaut ist. Klare Grenzen zu ziehen zwischen kleinen, mittelgroßen und großen Unternehmen, ist sehr schwer. Man kann möglicherweise sinnvolle Unterscheidungen machen zwischen verschiedenen Größengruppen innerhalb verschiedener Branchen; aber wenn man das Wirtschaftsleben ganz allgemein behandeln will, wird das Problem schwierig. In verschiedenen Zusammenhängen hat man jedoch die Grenze für kleinere Unternehmen bei ungefähr 50 Angestellten gezogen, während man die Zahl von ungefähr 500 Angestellten als eine geeignete Grenze für mittelgroße Unternehmen erachtet hat. Letztgenannte Grenze ist in hohem Grade willkürlich, wenn man auch als ein gemeinsames Merkmal für viele Unternehmen mit bis zu ungefähr 500 Angestellten vorbringen kann, daß sie gewöhnlich einen relativ kleinen Besitzerkreis haben, der aus natürlichen Personen besteht und somit oft eine Art Familienunternehmen darstellen, wie man das auszudrücken pflegt. Eine etwas vereinfachte Abgrenzung zwischen kleineren und mittelgroßen Unternehmen einerseits und großen Unternehmen andererseits dürfte man jedoch dadurch machen können, daß man zu der erstgenannten Gruppe solche Unternehmen hinzufügt, die nicht über Aktien-, Obligationsund Betriebsmittelkreditmärkte verfügen. Die Möglichkeiten der kleineren und mittelgroßen Unternehmen, neues Kapital anzuschaffen, sind somit auf Selbstfinanzierung, Kapitalerhöhungen der Besitzer und Anleihen bei Kreditinstituten begrenzt. Im Folgenden wird der Begriff „kleinere Unternehmen" OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36 Berichte 439 synonym mit dem Begriff „kleinere und mittelgroße Unternehmen" angewendet. I. Die Struktur der schwedischen Wirtschaft In Ubereinstimmung mit den Verhältnissen in allen Industrieländern ist die schwedische Industrie während der Nachkriegszeit zur Konzentration auf wenige, aber um so größere Betriebseinheiten übergegangen. Diese Veränderung der Wirtschaft und ihrer Struktur verläuft indes verhältnismäßig langsam. Hält man sich nur an den industriellen Sektor, so kann man feststellen, daß die Anzahl von Produktionsunternehmen mit mehr als vier Arbeitnehmern sich während der Periode 1954 bis 1964 nur um 1,5 bis 2% verringert hat. Dieser Rückgang ist andererseits ganz der Größengruppe von 4 bis 10 Arbeitnehmern zuzuschreiben, wo ungefähr 12 % der Unternehmen verschwunden sind. Gleichzeitig haben sich die übrigen kleinen Unternehmen — mit einigen fünfzig Arbeitnehmern — um 6 % und Unternehmen mit über 50 Arbeitnehmern um 15 % erhöht. Was den Anteil der kleineren Unternehmen an der industriellen Beschäftigung anbelangt, hat sich dieser seit 1954 auch nur unbeträchtlich (d. h. von 29 bis 27 %) verringert, während sich alle mittelgroßen Unternehmen von 42 auf 43 % und alle großen von 29 auf 30 % erhöht haben. Auch bei den Anteilen der Unternehmensgruppen am Nettoproduktionswert der Industrie sind keine auffallenden Unterschiede zu verzeichnen. Der Anteil der kleineren Unternehmen ist zwischen 1954 und 1964 konstant (22%) geblieben, und der Anteil der mittelgroßen Unternehmen hat sich um zwei Prozentpunkte (von 45 bis 43 %>) verringert. Die oben angegebenen Ziffern stammen aus der sogenannten Industriestatistik. In einem Bericht der Konzentrationsuntersuchung „Besitzende und Einfluß innerhalb der Privatwirtschaft" (SOU 1968 :7) wurde als Unterlage das sogenannte zentrale Betriebsregister verwendet, und dies enthält auch die übrigen Industriezweige. Hält man sich an Unternehmen mit mehr als vier Arbeitnehmern, dann ergibt sich aus dem Betriebsregister, daß auf die kleineren Unternehmen 1964 ungefähr 18% der Beschäftigten, auf die mittelgroßen Unternehmen ungefähr 29 % und auf die großen Unternehmen somit 53 % fielen. Die entsprechenden Ziffern für die verschiedenen Größengruppen innerhalb der übrigen Industrie waren 37%, 31 % bzw. 32 % und für die Industrie insgesamt 27 %, 30 % und 43 %. Anlaß zu den großen Unterschieden OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36 440 Berichte ist, daß man im Betriebsregister (nicht aber in der Industriestatistik) zu der Gruppe der größeren Unternehmen auch die Tochtergesellschaften der Großbetriebe gerechnet hat, die ungefähr 2 000 Unternehmen ausmachen. Viele dieser Tochtergesellschaften können auch rein praktisch als selbständige juristische Personen angesehen werden. Hinsichtlich des Nettoproduktionswertes der Industrie findet man gleichfalls bemerkenswerte Unterschiede: Aus dem Zahlenmaterial der Konzentrationsuntersuchung geht hervor, daß auf die Großbetriebe ungefähr 63 °/o gegenüber nur ungefähr 35 °/o nach der Industriestatistik fallen sollen. Unabhängig davon, welche Quelle man anwendet, ist es aber klar, daß die kleineren und mittelgroßen Unternehmen für die schwedische Wirtschaft sowohl hinsichtlich der Beschäftigung als auch der Produktion große Bedeutung haben. Auf diese Unternehmensgruppe fallen ca. 70 % bzw. 47 % der Beschäftigung der Industrie und 65 % bzw. 37 % des Nettoproduktionswertes. II. Kleine, mittelgroße und große Unternehmen Wie erwähnt unterscheiden sich die kleineren und mittelgroßen Unternehmen nicht nur durch Größe und Besitzverhältnis von den großen. Es sind auch bedeutende Unterschiede in den Finanzierungsverhältnissen, der Organisation u. a. vorhanden. Natürlich sind die kleineren und mittelgroßen Unternehmen in dieser Hinsicht auch nicht einheitlich. Ein Unternehmen mit beispielsweise 200 Arbeitnehmern muß ganz andere Charakterzüge haben als ein Unternehmen mit nur 10 Arbeitnehmern. Ich werde hier auf einige der Faktoren eingehen, die von Bedeutung sind, nämlich Administration, Produktion, Marketing und Generationswechsel. Die Unterschiede in den Finanzierungsverhältnissen, die davon stark berührt werden, werden später behandelt (siehe Abschnitt III). 1. Administration Je größer ein Unternehmen ist, desto größere Ansprüche werden an seine Organisation gestellt und desto mehr wird ein Netz mit weitgehender Funktionsund Verantwortungsverteilung entwickelt. Ein kleineres Unternehmen mit einer geringen Anzahl von Angestellten läßt sich leichter von der Leitung überblicken. Die Informationsprobleme und die Probleme der Verbindungen untereinander sind leichter zu lösen. Ebenso ist die Planung auf weite Sicht in einem großen viel komplizierter als in einem kleineren Unternehmen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36 Berichte 441 Ein bedeutender Faktor des administrativen Apparates des Großbetriebes ist natürlich, daß die dortige Betriebsleitung oft Angestelltencharakter hat, während im kleineren Unternehmen Leitung und Besitzrecht normalerweise in der gleichen Hand vereinigt sind. Oft aber hat der Leiter/Besitzer in dem kleineren Unternehmen nicht die Ausbildung in wirtschaftlichen und administrativen Fragen, die von einem modernen Betriebsleiter gefordert werden. Der Leiter/Besitzer kann hingegen ein geschickter Verkäufer oder ein tüchtiger Fachmann sein. Diese Verhältnisse haben auch dazu geführt, daß vor allem die betriebswirtschaftlichen Funktionen in kleineren Unternehmen zu wünschen übrig lassen. Oft sind keine durchgearbeiteten Rechnungsoder Kontrollsysteme und -Routinen vorhanden; ebenso mangelt es vor allem an wirtschaftlicher Planung. Budgets und Prognosen verschiedener Art sind äußerst selten, aber auch der vergangenheitsbezogene Nachweis der Tätigkeit der Unternehmen hat beträchtliche Mängel. Die erwähnten Mängel bedeuten, daß die kleineren Unternehmen einen großen latenten Bedarf an qualifiziertem Personal haben. Dieser Bedarf wird weiterhin dadurch verstärkt, daß die Probleme der kleineren Unternehmen immer komplizierter werden und den Umfang des Betriebs und dessen Entwicklung für eine lange Zeit im voraus beeinflussen. Die Möglichkeit, eigene Spezialisten anzustellen, ist jedoch begrenzt, u. a. deshalb, weil ein solches Personal zu einer weiteren Belastung der ohnehin schwierigen Kostenlage führt. 2. Produktion Die großen Unternehmen haben dadurch gewisse Vorteile, daß sie in großen Serien produzieren können. Aber gewisse Waren und Dienste sind solcher Art, daß sie am besten und billigsten von kleineren Unternehmen produziert werden können. Die kleineren Unternehmen können die kürzeren Serien und die spezialisierten Produkte, so wie auch einen großen Teil der Dienste übernehmen. Dies gilt besonders in den Fällen, wo das kleinere Unternehmen als Unterlieferant für ein größeres Unternehmen arbeitet, sowie auch für Servicebetriebe u. ä. Weiter haben die kleineren Unternehmen oft größere Flexibilität. Sie können den Produktionsapparat neuen Verhältnissen besser anpassen. Viel spricht auch dafür, daß die Möglichkeiten für einen bestimmten technischen Fortschritt — ganz allgemein betrachtet — in kleineren Unternehmen größer sind. In solchen Unternehmen fällt es leichter, auf OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36 442 Berichte neue Ideen, Produkte und Produktionsmethoden hinzuweisen und sie zu verwirklichen. Große Unternehmen sind oft nicht so dynamisch und können Tendenzen aufweisen, „stereotyp" zu verbleiben. 3. Marketing Marketing der Produkte ist ein bedeutendes Problem für die kleineren Unternehmen mit ihren begrenzten Ressourcen und Kenntnissen sowie den Schwierigkeiten, ihre Produkte in einem größeren Zusammenhang bekanntzumachen. Insbesondere auf der internationalen Ebene haben die kleineren Unternehmen zweifelsohne einen schwierigeren Ausgangspunkt als die großen, u. a. deshalb weil Marketing dort Investitionen auf weite Sicht erfordern, die hohe Kosten verursachen. Eine Methode zur Steigerung einer wirksamen Marktführung bei den kleineren Unternehmen ist die Zusammenarbeit unter den einzelnen Unternehmen. Eine derartige Zusammenarbeit ist auch in den letzten Jahren zustandegekommen, nicht nur hinsichtlich des Marketing, sondern auch z. B. bei der Herstellung, Produktionsentwicklung und bei der Verwendung von Computern für die Verwaltung. 4. Generationsproblem Wenn der Leiter/Besitzer eines kleineren Unternehmens, der den Hauptteil seines Vermögens in dem Unternehmen angelegt hat, ausfällt, können gravierende Probleme entstehen. Einmal muß das Unternehmen die flüssigen Mittel bereithaben, die zur Ausbezahlung der hohen Erbschaf tsteuer erforderlich sind; zum anderen treten auf Grund der Nachfolgefrage oft Schwierigkeiten auf, was für diese Gruppe von Unternehmen meistens sehr heikel ist, da die Vertrauensfrage für das Unternehmen in vielen Fällen eine persönliche Vertrauensfrage für den Leiter/Besitzer ist. Die Erbschaftsteuer und der Zwang, einige Erben vielleicht auszulösen, bedeutet für das Unternehmen eine starke Belastung. Manchmal wird es schwierig sein, kapitalstarke Personen oder Institutionen ausfindig zu machen, die Interesse daran haben, sich dem Unternehmen als Teilhaber anzuschließen. Außerdem gewähren die Banken an Unternehmen nicht gern Kredite gegen Sicherheit in Form von eigenen Aktien, da diese Papiere vielleicht die einzigen, noch vorhandenen formalen Sicherheiten sind. Auch der Staat ist nicht bereit, einen Posten Aktien für seine Erbschaftsteuerforderung) zu übernehmen und gewährt seiOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36 Berichte 443 ten Zahlungsaufschub. Aus diesen Gründen werden viele Unternehmer in Familienbesitz vor die Wahl gestellt, entweder ihr Unternehmen einem anderen Besitzer zu überlassen, um das erforderliche Kapital zu erhalten, oder aber das Unternehmen zu behalten mit der Aussicht, daß die Weiterentwicklung durch Kapitalmangel behindert wird. In manchen Fällen besteht allerdings keine Wahlmöglichkeit, weil das Kapital herbeigeschafft werden muß, damit das Unternehmen überhaupt überleben kann. III. Allgemeine Gesichtspunkte der Finanzierungsverhältnisse in kleineren und mittelgroßen Unternehmen Ein zufriedenstellendes Wachstum der Wirtschaft stellt große Ansprüche an das risikobereite Kapital der Unternehmen. Der Zugang zu einem solchen Kapital ist — insgesamt gesehen — knapp bemessen, und die Konkurrenz darum ist hart. Das gleiche gilt auch von dem Zugang zu langfristigem Fremdkapital. In der betriebswirtschaftlichen Literatur pflegt man verschiedene Daumenregeln dafür anzugeben, wie das Verhältnis zwischen eigenem und fremdem Kapital sein soll, zwischen dem Umlaufsvermögen und kurzfristigen Schulden usw. Solche Verhältniszahlen sind jedoch mit Vorbedacht anzuwenden. Eine dieser Daumenregeln besagt, daß das Unternehmen eine gesunde finanzielle Basis hat, wenn das Eigenkapital ebenso groß wie das Fremdkapital oder größer als dieses ist; eine andere Regel gibt an, daß das Anlagevermögen des Unternehmens mit eigenem Kapital oder wenigstens mit langfristigem Kapital finanziert sein muß. In den kleineren Unternehmen beträgt jedoch das Eigenkapital selten mehr als 10—15 % des Gesamtkapitals gegenüber gewöhnlich mehr als 40 °/o in größeren Unternehmen. Gleichzeitig dominiert die kurzfristige Verschuldung der kleineren Unternehmen und beträgt oft über 50 % der Bilanzsumme gegenüber 15—20 % in größeren Unternehmen. Die angegebenen Idealverhältnisse sind mit anderen Worten in hohem Grade unrealistisch als Grundlage für eine Beurteilung der Finanzierungsverhältnisse bei kleineren Unternehmen. Vom Standpunkt eines Kreditgebers aus betrachtet, ist natürlich ein möglichst hoher Anteil an Eigenkapital erwünscht. Je größer das Eigenkapital ist, desto weniger läuft man Gefahr, sein Geld zu verlieren. Was die kleineren Unternehmen anbelangt, muß man natürlich in Betracht ziehen, daß die Kapitalstruktur, über die in dem Jahresabschluß aufgeOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36 444 Berichte zeigt wird, selten ein genaues Bild über die wirklichen Verhältnisse ergibt. Die kleineren Unternehmen haben oft ein beträchtliches stilles Eigenkapital, da die schwedische Steuergesetzgebung teils eine Abschreibung des Warenlagers bis zu 40 % des Anschaffungsoder Wiederanschaffungswertes genehmigt (nach Abzug für Verluste, der zwischen 5—20 % variiert, je nach dem in welcher Branche das Unternehmen arbeitet), teils daß Abschreibungen des Anlagevermögens aus anderen Gesichtspunkten als rein betriebswirtschaftlichen vorgenommen werden. Dadurch können die Abschreibungen die wirkliche Wertminderung wesentlich übersteigen. Solche stille Reserven kommen natürlich im allgemeinen auch bei den großen Unternehmen vor, haben aber wahrscheinlich größere Bedeutung bei den kleineren. Die Neigung, die stillen Reserven offen anzugeben, ist jedoch in kleineren Unternehmen wesentlich geringer, während man in den größeren Unternehmen in den letzten Jahren mehr zu einer offeneren Rechenlegung derartiger Verhältnisse übergegangen ist. Ein weiterer Faktor, den man berücksichtigen muß, ist, daß die erzielten Gewinne in den kleineren Unternehmen gewöhnlich von den Besitzern in Form fester Bezüge verwendet werden und eine „Dividende" nur ausnahmsweise entnommen wird. Hier kann natürlich eine Gefahr für eine finanzielle Aushöhlung des Unternehmens vorliegen, wenn die festen Entnahmen allzu groß sind. Die beiden angegebenen Umstände sind eine Folge davon, daß die kleineren Unternehmen — allgemein betrachtet — höchst ungern Gewinne zur Besteuerung nachweisen. Die vorhandenen Möglichkeiten zu steuerfreier oder die Steuerzahlung aufschiebender Konsolidierung kann natürlich ausgenutzt werden. Das sollte jedoch nicht auf solche Weise geschehen, daß man die Liquidität und die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens in Mitleidenschaft zieht, was geschehen kann, wenn man sich etwa anläßlich des Jahresabschlusses große Lager anschafft, nur um Steuern zu sparen. Die Wahl des Unternehmens zwischen Finanzierung mit eigenem oder fremdem Kapital, sowie zwischen internem und externem Eigenkapital, ist — insoweit überhaupt eine Wahlmöglichkeit vorliegt — in erster Linie abhängig vom vorhandenen Bestand der betreffenden Finanzierungsmittel. Der Bestand des Eigenkapitals beruht teils auf der Gewinnkapazität und der Dividendenpolitik (internes Eigenkapital) des Unternehmens, teils auf den Möglichkeiten, zusätzlich haftendes Kapital von den Besitzern (externes Eigenkapital) zu erhalten. Der Zugang zu Fremdkapital ist u. a. abhängig von der allgemeinen Lage auf dem Kreditmarkt, von den Möglichkeiten der Unternehmen, Obligationsund OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36 Berichte 451 durch das Entstehen des sogenannten „AP-Fonds" (siehe unten) eingetreten ist. Immer größere Teile der langfristigen Kredite, vor allem an den Wohnungsbau, konnte über den Obligationsmarkt finanziert werden. Diese Entwicklung bedeutete für die Sparbanken eine Entlastung, und sie sind daher allmählich zu Bauzwischenkrediten und zur Spitzenfinanzierung übergegangen. Eine andere Ursache ist das starke Anwachsen des Finanzierungsbedarfes der Wirtschaft und die stagnierenden Selbstfinanzierungsmöglichkeiten. Ein Faktor, der früher auf die Kreditgebung der Sparkassen an die Unternehmen hemmend gewirkt hatte, ist aber auch die Gesetzgebung, die das Tätigkeitsgebiet der Sparkassen begrenzte. Diese Hindernis ist jetzt aus dem Wege geräumt; die Sparkassen können nunmehr einen vollständigen Bankservice gewähren, da vom 1. Januar 1969 an eine koordinierte Bankgesetzgebung in Kraft getreten ist, die für Geschäftsbanken, Sparkassen und die landwirtschaftlichen Genossenschaftskassen gilt. Die Kreditpolitik der Sparkassen wird sich ganz natürlicherweise auf die kleineren und mittelgroßen Unternehmen einrichten, schon mit Rücksicht darauf, daß die ungefähr 325 Sparkassen in vielen Fällen verhältnismäßig kleine Einheiten darstellen. Die Zahl großer Sparkassen hat sich jedoch allmählich durch Konzentration gesteigert, und die Entwicklung geht auf eine Verminderung der Anzahl der Sparkassen. Sichere Zahlen für den Anteil der Sparkassen an den Wirtschaftskrediten sind gleichfalls nicht zugänglich; aber er dürfte bislang noch von verhältnismäßig bescheidenem Umfang sein und zwischen 5 und 10% betragen. Der Anteil der Kredite an kleinere Unternehmen dürfte jedoch größer sein vielleicht 10—12 %. c) Landwirtschaftliche Kreditgenossenschaften Die Organisation der landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaften unterscheidet sich von den Geschäftsbanken und Sparkassen dadurch, daß ihr Geschäft nur Einlagen und Ausleihungen umfaßt. Vollständiger Bankservice kann jedoch über die im Besitz der Organisation befindliche Geschäftsbank — die Landwirtschaftsbank — angeboten werden. Ausleihungen sind — wie in Deutschland — nur an Mitglieder möglich, hingegen sind die Einlagen „frei". Die Rekrutierung neuer Mitglieder ist im großen und ganzen gesehen auf Personen innerhalb des Geschäftsbereiches der Kasse beschränkt, die Landwirtschaft besitzen und betreiben, in einem Nebenerwerb beschäftigt sind oder Fischerei betrei29* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36 452 Berichte ben. Die Tätigkeit ist somit — wie auch bei den Sparkassen — vor allem lokal eingestellt und wird durch besondere Gesetzgebung reguliert. Alle Typen von Krediten können gewährt werden, und die Anforderungen an Sicherheiten sowie das Recht zur Kreditgewährung ohne besondere Sicherheit sind im Prinzip dieselben, wie im Zusammenhang mit den Geschäftsbanken dargelegt. Die Bedeutung der landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaften als Kreditgeber an Unternehmen ist begrenzt; sie dürfte jedoch in den letzten Jahren verhältnismäßig stark gewachsen sein. Die Unternehmen, die Kredite erhalten, sind in der Hauptsache den Erwerbszweigen der Landwirtschaft oder Nebenerwerbszweigen zur Landwirtschaft zuzuschreiben und bestehen zum großen Teil aus ganz kleinen Einheiten. Die Genossenschaftsorganisation hat jedoch ein gewisses Interesse für eine Erweiterung der Tätigkeit gezeigt, die nun auch Unternehmenskredite außerhalb der Landwirtschaft umfassen soll. Das kommt zum Beispiel in der Zusammenarbeit zum Ausdruck, die mit der 1968 gegründeten „Schwedischen Unternehmerkasse" stattfindet, einer wirtschaftlichen Vereinigung, errichtet und im Besitz von privaten Unternehmern zur Förderung der wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder. d) Schwedische Investitionsbank Durch Beschluß des Reichstags wurde 1967 ein neues staatliches Finanzierungsinstitut „Sveriges Investeringsbank AB" errichtet. Zweck der Bank ist ein wirksames Instrument in erster Linie für die langfristige Finanzierung von produktiven Investitionen in der Wirtschaft zu schaffen. Die Gründung der Bank ist im großen und ganzen als eine Ergänzung zu bereits früher existierenden Kreditinstituten gedacht. Vor allen Dingen soll sich die Tätigkeit der Bank auf Investierungsprojekte einrichten, die von Bedeutung für die Strukturwandlung der Wirtschaft sind, d. h. für die Anpassung, die Rationalisierung und den Ausbau von Produktionsapparaten, die nicht von anderen Kreditinstituten finanziert werden können. Dies bedeutet aber nicht, daß die Aktivität der Bank nur größeren Unternehmen zukommen soll. Vielmehr sollen auch kleinere und mittelgroße Unternehmen, bei denen eine schnelle Entwicklung neuer Produkte und Methoden vorliegt und die bei Lösung ihrer Finanzprobleme mit einer raschen Expansion rechnen können, an den Ausleihungen der Bank partizipieren können. Die Bank ist also nicht für die Subventionierung der Wirtschaft oder zur Lösung OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36 Berichte 453 von Beschäftigungsproblemen bestimmt. Hinsichtlich der Sicherheiten hat man erklärt, daß man bei der Kreditpolitik mehr Wert auf die Wirtschaftlichkeit und Entwicklungsmöglichkeiten des Unternehmens lege. Die Bank wirkt auch bei der Ausgabe von Aktien und Obligationen mit. Die Investierungsbank selbst refinanziert sich — neben dem Aktienkapital — durch langfristige Darlehen auf dem Kapitalmarkt. Ihre Tätigkeit war bisher, wenn man bedenkt, daß sie noch ziemlich neu ist, nur von begrenztem Umfang. Es ist jedoch damit zu rechnen, daß in den nächsten Jahren die Bedeutung der Bank beträchtlich zunehmen wird. Inwieweit dies gleichzeitig die Möglichkeiten der kleineren Unternehmen verbessern wird, läßt sich heute schwer beurteilen. e) Postbank Die Postbank, die Teil eines staatlichen Wirtschaftsbetriebes — der Post — ist, hat für die Kapitalversorgung der Wirtschaft keine größere Bedeutung gehabt. Da sie jedoch sehr große Einlagen sowohl von den Haushalten als auch von der Wirtschaft hat und sie — neben den Geschäftsbanken und Sparkassen eine sehr große Rolle im Zahlungsverkehr spielt, müßte die Postbank aus Konkurrenzgründen eigentlich an größeren Ausleihungen an Unternehmen interessiert sein. Gegenwärtig ist die Anlage von Mitteln vor allem auf Obligationen, Darlehen an die Gemeinden, Bauanleihen und Anleihen gegen Sicherheit in Form von ersten Hypotheken für Wohnungsund Geschäftsgrundstücke gerichtet. Die Kredite sind hauptsächlich kurzfristiger Natur. 2. Hauptsächlich kapitalbeschaffende Kreditinstitute Unter kapitalbeschaffenden Kreditinstituten werden Unternehmen verstanden, deren Hauptaufgabe es ist, Mittel auf dem organisierten Kapitalmarkt aufzunehmen, um sie für verschiedene Zwecke auszuleihen. Nur einige der kapitalbeschaffenden Kreditinstitute haben ihre Kreditpolitik auf den Unternehmenssektor eingerichtet. Dies sind vor allem die sogenannten Kredit-Aktiengesellschaften und spezielle Finanzierungsinstitute. Die übrigen Institute wie Hypothekenbanken und Erbbaurechtskassen, sind im großen und ganzen auf die Kreditgewährung an den Wohnungsbausektor eingerichtet. Dasselbe gilt übrigens auch für einige Kredit-Aktiengesellschaften. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36 454 Berichte a) Kredit-Aktiengesellschaften Kredit-Aktiengesellschaften unterliegen einem besonderen Gesetz. Kennzeichnend für diese Unternehmen ist, daß sie den Hauptteil ihrer Ausleihungen durch Obligationen refinanzieren; zu einem gewissen Teil refinanzieren sie sich im übrigen auch durch kurzfristige SchuldscheinEmissionen (vor allem bei Industrieund Handelsunternehmen). Insgesamt gibt es in Schweden gegenwärtig 13 aktive Kreditgesellschaften. Sechs von ihnen sind darauf eingerichtet, gewisse Spezialbedürfnisse zu befriedigen, die die Industrie (besonders die kleineren und mittelgroßen Unternehmen) an langfristiger Kapitalversorgung hat. Vier von den sechs sind im Laufe der sechziger Jahre errichtet worden, an fünf von den Gesellschaften ist der Staat beteiligt. Der Anteil der Kreditgesellschaften an der gesamten Darlehnsgebung an die Wirtschaft läßt sich auf ungefähr 4—5 % schätzen. aa) AG Industriekredit und AG Unternehmenskredit Die ohne Zweifel bedeutendsten der auf die Wirtschaft eingerichteten Kreditgesellschaften sind die AG Industriekredit und die AG Unternehmenskredit, die zur Hälfte im Besitz des Staates, zur Hälfte im Besitz der Geschäftsbanken sind. Ihre Tätigkeit ist in erster Linie dazu bestimmt, die kleineren und mittelgroßen Unternehmen mit langfristigem Kapital zu versehen. Die Institute fungieren als ein Verbindungsglied zwischen diesem Typ von Unternehmen und dem Obligationsmarkt. Ein wesentlichen Teil der Entleihung der Gesellschaften geschieht im APFonds. Die „AG Industriekreditff entstand bereits 1934. Ursprünglich betraf die Anleihetätigkeit hauptsächlich Industrieunternehmen. Sie ist jetzt jedoch erweitert worden und die AG kann nun auch Unternehmen z. B. im Handel, in dem Transportwesen und in der Landwirtschaft bedienen. Bei der Gewährung von Anleihen hat die Gesellschaft darauf zu achten, daß ausreichende Sicherheiten in Form von Pfändern oder Bürgschaften vorhanden sind. Pfänder sollen bestehen aus Hypotheken im Grundbesitz oder Erbbaurecht innerhalb von 60 °/o des von der Gesellschaft geschätzten Wertes. Die Bürgschaften sollen vom Staat, von der Gemeinde oder von einer Bank ausgestellt sein. Die Laufzeit der Kredite ist auf höchstens 20 Jahre begrenzt und die Zinsen sind festgelegt. Die Gesellschaft darf Mittel aufnehmen oder Garantieverpflichtungen bis zu einem Betrag übernehmen, der höchstens der Summe des Eigenkapitals und des Garantiefonds der Gesellschaft entspricht. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36 Berichte 455 Die Tätigkeit der „AG Unternehmenskredit" begann 1962 nach einer besonderen staatlichen Untersuchung. Der Zweck war, kleineren und mittelgroßen Unternehmen bessere Möglichkeiten zu verschaffen, langfristige Kredite in festgelegter Form und zu anderen Sicherheiten als ersten Hypotheken zu erhalten. Bestimmte Forderungen hinsichtlich der Art der Sicherheit sind also nicht vorgeschrieben, vielmehr kommt es auf die Beurteilung des Einzelfalles an. Die Sicherheiten sollen „ausreichend" sein und umfassen gewöhnlich Grundstückshypotheken, Betriebshypotheken oder Bürgschaften. „AG Unternehmenskredit" ergänzt somit im Prinzip die Tätigkeit von „AG Industriekredit". Maximal kann die Gesellschaft Mittel entleihen oder Garantieverpflichtungen übernehmen in Höhe von einem Betrag, der dem Sechsfachen der Summe des Eigenkapitals und des Garantiefonds der Gesellschaft entspricht. Infolge der mehr risikobetonten Kreditgebung ist auch der festgesetzte Zins höher als bei „AG Industriekredit". Die beiden Gesellschaften haben einen Gemeinsamen Vorstand, und gemeinsames Verwaltungspersonal. Ungefähr 25 % der Kredite der Gesellschaften gehen an kleinere Unternehmen, während große Unternehmen nur einen unbedeutenden Teil erhalten (ungefähr 5 %> beim Industriekredit und 1 °/o beim Unternehmenskredit). Bei der Kreditgewährung berücksichtigt man mehr die Wirtschaftlichkeit und die Entwicklungschancen der Unternehmen als den Wert der formalen Sicherheiten. bb) Sonstige Kreditaktiengesellschaften Die „AG Schwedischer Exportkredit", die 1962 gegründet wurde, ist im Besitz von 12 Geschäftsbanken und des Staates (je 50 °/o). Ihre Aufgabe besteht darin, langfristige Kredite an schwedische Exportunternehmen zu gewähren, um deren Kredite an ausländische Kunden zu erleichtern. Die Ausleihungen der Gesellschaft gingen bisher vor allem an die Schiffbauindustrie (ca. 70 %>) sowie an die Schwerindustrie. Die Gesellschaft ist also auf verhältnismäßig große Unternehmen eingerichtet. „Schwedischer Schiffskredit" ist in gemeinsamem Besitz von Geschäftsbanken und gibt an erster Stelle langfristige Darlehen an Reedereien. „Primärkredit AG und Sekundärkredit AG der Landwirtschaftsindustrie" wurden 1964 nach dem Muster von Industriekredit und Unternehmenskredit gebildet. Aufgabe der Gesellschaften ist, langfristige Darlehen hauptsächlich an Unternehmen zu geben, die mit der Landund OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36 456 Berichte Forstwirtschaft oder deren Nebenerwerbszweigen verknüpft sind. Die Gesellschaften sind zu 50 °/o im Besitz des Staates, während der restliche Teil im Besitz der Genossenschaftsorganisation der Arbeitsgemeinschaft des Agrarhandels sowie des Zentralverbandes für Industrieproduktion und Großeinkauf der Konsumgenossenschaften ist. b) Finanzierungsinstitute Die sogenannten „Finanzierungsinstitute" können sowohl direkte Kredite geben als auch Garantien für Kredite an Unternehmen und Konsumenten stellen. Da die Institute in vielen Fällen als ausgegliederte Kreditgebungsund Kreditbeschaffungsfunktionen der verkaufenden Unternehmen angesehen werden können, ist die Abgrenzung gegenüber normalen Lieferantenund Kundenkrediten der Wirtschaft ziemlich verschwommen. Viele der Institute befassen sich mit der Konsumentenfinanzierung und sind dabei auch oft branchengebunden. Dabei herrschen die Institute zur Autofinanzierung vor, aber auch innerhalb der Rundfunkund Fernsehbranche gibt es besondere Gesellschaften für die Diskontierung der Teilzahlungsverträge der Einzelhändler. Auch beim sonstigen Einzelhandel gibt es Institute, die durch direkte Darlehen oder durch Garantieverpflichtungen an der Unternehmensfinanzierung mitwirken. Die Refinanzierung dieser Institute dürfte in recht großem Umfang direkt aus Liquiditätsüberschüssen von Industrieund Handelsunternehmen kommen, aber sichere Angaben über die Finanzierungsquellen gibt es nicht. Zu den Finanzierungsinstituten können schließlich auch noch „Factoring"- und „Leasing"-Unternehmen gerechnet werden, die in den letzten Jahren hinzugekommen sind. Sie sind eng mit verschiedenen Geschäftsbanken verbunden. Leasinggesellschaften sind zwar nicht kreditgebend im gewöhnlichen Sinne, können aber doch mitwirken, daß Investitionsproblem zu lösen und die Finanzierung langfristiger zu gestalten. Die Leasing-Finanzierung ist in Schweden bisher von ganz begrenzter Bedeutung, die aber in den nächsten 5 bis 10 Jahren zunehmen wird. Die beiden Finanzierungsformen wenden sich in erster Linie an die kleineren und mittelgroßen Unternehmen. 3. Hauptsächlich kapitalanlegende Kreditinstitute Die dritte Gruppe von Kreditinstituten, die kapitalanlegenden Institute, unterscheidet sich von den beiden zuvor behandelten dadurch, daß OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36 Berichte 457 sie in der Regel das anzulegende Kapital nicht selber aufbringen. Die Kapitalbeschaffung wird stattdessen von Pensionsverträgen, Versicherungsverpflichtungen usw. bestimmt. Die wichtigsten Beispiele für Kreditinstitute dieser Art sind die Versicherungsgesellschaften und der APFonds. a) Versicherungsgesellschaften Die Finanzierung der Wirtschaft durch Versicherungsgesellschaften geschieht zwar sowohl unmittelbar als auch indirekt, geht aber doch hauptsächlich über den Wertpapiermarkt. Ungefähr ein Drittel des Vermögens der Versicherungsgesellschaften wird in der Wirtschaft angelegt, vor allem in Industrieobligationen, langfristigen Schuldscheindarlehen (gegen Sicherheit von ersten Grundstücks-Hypotheken) und zu einem kleineren Teil auch in Aktien. Die Darlehnspolitik richtet sich jedoch in großem Umfang auf größere Unternehmen; teils weil der besseren Möglichkeiten, befriedigende Realsicherheiten zu erhalten, teils weil der administrative Apparat der Versicherungsgesellschaften klein ist, was zur Folge hat, daß man große Projekte vorzieht. b) AP-Fonds Der „Allgemeine Pensionsfonds" (AP-Fonds) zur Verwaltung angesammelter Pensionsgebühren wurde 1960 zusammen mit der Einführung der sogenannten Allgemeinen Zusatzpensionierung (ATP) geschaffen. Der AP-Fonds ist seit seiner Bildung sehr stark angewachsen und belief sich 1968 auf ungefähr 23 Milliarden Kronen. Die Fondsmittel werden durchweg auf dem schwedischen Kapitalmarkt angelegt. Ungefähr ein Drittel ist bisher der Wirtschaft zugutegekommen. Die Mittel werden in Obligationen, Betriebsmittelkrediten, Darlehen an den Staat, an die Gemeinden sowie an Kreditinstitute angelegt. Die Finanzierung der Wirtschaft geschieht auch indirekt durch Schuldscheindarlehen an verschiedene besondere Kreditinstitute, u. a. an die früher erwähnte „AG Industriekredit". Eine interessante Form der Unternehmensfinanzierung stellen die „Rückdarlehen" aller AP-Fonds dar. Die Unternehmen haben unter gewissen Voraussetzungen das Recht, einen Teil der Abgaben, die sie an den Fonds bezahlt haben, wieder zurückzuentleihen. Die Rückdarlehen werden jedoch nicht direkt von dem AP-Fonds gegeben, sondern der Darlehnsnehmer muß den Kredit bei OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36 458 Berichte einem Bankunternehmen aufnehmen, das seinerseits den entsprechenden Betrag beim AP-Fonds entleihen kann. Das Risiko trägt die betreffende Bank. Für die kleineren Unternehmen spielen die Rückdarlehen wahrscheinlich eine untergeordnete Rolle, weil ihre ATP-Abgaben nur ziemlich kleine Beträge ausmachen. Dahingegen dürften einige der mittelgroßen Unternehmen, jedenfalls die größten von ihnen, einige Vorteile aus dieser Anleihemöglichkeit ziehen können. Die Schuldscheindarlehen des AP-Fonds an die AG Industriekredit hat für die kleineren und mittelgroßen Unternehmen beträchtlich größere Bedeutung und wird in Zukunft wegen raschen Anwachsens des Fonds, noch wichtiger werden. 4. Besondere Kreditinstitute Neben den drei Hauptgruppen von Kreditinstituten existieren auch noch einige besondere Institutionen auf dem Kreditmarkt, die unter staatlicher Regie oder unter Mitwirkung des Staates betrieben werden. Dazu sind u. a. die staatlichen Anleihefonds zu rechnen, die zwar keine Kreditinstitute im normalen Sinne und auch nicht in einer gemeinsamen Organisation vereinigt sind. Die Anleihefonds werden durch den Staatshaushalt finanziert und bis zu einem gewissen Grade kann man die Kreditgewährung als zusätzliche staatliche Subventionierung bezeichnen. Außer den direkten Krediten spielen dabei die staatlichen Garantieverpflichtungen eine bedeutende Rolle. Die Mittel der staatlichen Anleihefonds zur Finanzierung der Wirtschaft laufen vor allem durch drei verschiedene Institutionen: Unternehmerverbände, Reichsamt für den Arbeitsmarkt und die Stiftung Norrlands Fonds. Die Kreditpolitik ist auf das Handwerk und die Kleinindustrie, Bauindustrie, Reedereien, Fluggesellschaften, Landwirtschaft und Fischerei gerichtet und kommt somit in großem Umfang kleineren und mittelgroßen Unternehmen zugute. a) Staatliche Institute aa) Unternehmerverbände Seit 1960 ist die Kreditgewährung der Staatlichen Fonds an das Handwerk und die Kleinindustrie koordiniert und erfolgt durch den OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36 Berichte 459 staatlichen Industrieund Handwerksdarlehnsfonds, der vom Kommerzkollegium verwaltet wird. Die Vermittlung von Krediten obliegt den regionalen Unternehmerverbänden, die zwar juristisch gesehen private wirtschaftliche Verbände sind, bei denen jedoch die Majorität der Vorstände vom Staat und vom Provinziallandtag eingesetzt wird. Die Verbände nehmen auch die erforderliche Kreditprüfung vor. Die Kredite sind in der Hauptsache für Investitionen bestimmt und sollen den Kapitalbedarf befriedigen, der auf Grund des großen Kreditrisikos sonst nicht von anderen Kreditinstituten übernommen werden kann. Die Direktkredite der Unternehmerverbände (Handwerksund Industriedarlehen) sind betragsmäßig auf 150 000 Kronen beschränkt und werden gewöhnlich auf höchstens 10 Jahre gegeben. Die Unternehmerverbände vermitteln auch sogenannte Industrie-Garantiedarlehen, die von den normalen Kreditinstituten gegeben werden. Der Staat übernimmt dabei solche Darlehen als Eigenschuld, bis sie ganz amortisiert sind. Die Darlehnsbeträge sind in der Höhe nicht begrenzt und in der Regel beträchtlich größer als Handwerksund Industriedarlehen. Über die Ausleihungen und die Darlehnsvermittlung hinaus übernehmen die Unternehmerverbände auch die Beratung für kleinere und mittelgroße Unternehmen. Ein beträchtlicher Teil der Direktkredite der Unternehmerverbände geht an kleinere Unternehmen. Nur ungefähr 3 % der Anzahl Darlehen und 5% der Beträge betrafen Unternehmen mit mehr als 50 Arbeitnehmern, doch hat sich eine gewisse Tendenz zur Steigerung des Anteiles dieser Unternehmensgruppe auf Kosten vor allem der allerkleinsten Einheiten in den letzten Jahren bemerkbar gemacht. Angaben über die Verteilung der Garantie-Anleihen auf die Größengruppen liegen nicht vor. Aber man darf annehmen, daß diese vor allem an mittelgroße Unternehmen gehen. Von den Garantieanleihen werden im übrigen ungefähr 70—80 % über Geschäftsbanken und 10—20% über Sparkassen (einschl. der Zentralbank der Sparkassen) sowie der restliche Teil hauptsächlich über Versicherungsgesellschaften gegeben. bb) Reichsamt für den Arbeitsmarkt Durch das Reichsamt werden sogenannte Lokalisierungs-Unterstützungen vermittelt, die in Form von Lokalisierungs-Anleihen oder -Beiträgen vorgenommen werden können. Es wird die industrielle Tätigkeit in gewissen Gebieten, vor allem im Norden Schwedens, gefördert. Sämtliche OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36 460 Berichte Anleihen können bei Neu-, Anoder Umbauten von Geschäftsgebäuden oder anderen Anlagen gewährt werden, die für die Tätigkeit erforderlich sind. Anleihen (aber nicht Beiträge) können ferner zur Anschaffung von Maschienen, Arbeitsgeräten und Werkzeugen gewährt werden. Eine Lokalisierungs-Unterstützung wird in der Regel zu höchstens 2/3 der Gesamtkosten für Bauten und Maschinen gewährt. Beiträge werden normalerweise niemals mit höheren Beträgen gegeben als 35 °/o der Baukosten. Allgemeine Sicherheitsforderungen werden nicht gestellt. Sowohl großen als auch kleinen Unternehmen kann diese Unterstützung zugutekommen. cc) Stiftung Norrlandsfonds Der Norrlandsfonds gewährt Unterstützung für Forschungsund Entwicklungsvorhaben zur Förderung der Wirtschaftsentwicklung in Nordschweden. Unterstützungen zur Forschung und industrieller Entwicklungsarbeit sowie Untersuchungen, Marktanalysen und Projektierungen u. a. m. werden als Beiträge gewährt. Für den Ausbau industrieller Anlagen wird die Unterstützung in Form von mittleren oder langfristigen Darlehen gegeben. Die Forderungen nach Sicherheiten sind niedriger als für entsprechende Bankdarlehen. b) Sonstige Spezialinstitute aa) Schwedische Unternehmens-Garantie AG Zu den besonderen Kreditinstituten kann man auch die von der Schwedischen Investitionsbank und von der Zentralbank der Sparkassen 1968 gebildete Schwedische Unternehmens-Garantie AG rechnen. Die Gesellschaft soll Garantien für solche Darlehen geben, für welche bankmäßige Sicherheiten nicht gestellt werden können und die in erster Linie für die Finanzierung von Investitionen zur Rationalisierung, Strukturanpassung und Entwicklung bestimmt sind und von einer Sparkasse oder von der Zentralbank der Sparkassen gegeben werden. Die Tätigkeit der Garantiegesellschaft ist auf kleinere und mittelgroße Unternehmen, und zwar auf solche mit guten Entwicklungsmöglichkeiten und einer geschickten Betriebsleitung gerichtet. Die Frage der Realsicherheiten soll keine entscheidende Bedeutung bei der Bewilligung der GaOPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.2.4.437 | Generated on 2023-01-16 12:54:36