Die Unternehmerfunktion als sozialethisches Problem
Abstract
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Full text
Schöpke, An on
A icle
Die Un e nehme unk ion als soziale hisches P oblem
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Schöpke, An on (1953) : Die Un e nehme unk ion als soziale hisches P oblem,
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN 1619-6244, Duncke
& Humblo , Be lin, Vol. 73, Iss. 3, pp. 31-64,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.73.3.31
This Ve sion is a ailable a :
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287] 31
Die Un e nehme unk ion als
soziale hisches P oblem
Von
An on Schöpke - Be lin
Inhal s e zeichnis: 1. Beg i de Un e nehme unk ion S. 31 — 2. Die wi scha -
liche Wi klichkei des „Je z " und des „Hie " S. 35 — 3. Kausalgese zlichkei und F ei-
hei sbe eich S. 37 — 4. Die Un e nehme unk ion im Spaunungs eld de Mach S. 40
— 5. „We milieu" und Wide s andspo enzen gegen das Si liche S. 46 — 6. Die
Ve an wo ungsbe eiche S. 53 — 7. Das P oblem des „Manage ums" S. 60.
1. Sei ande halb Jah hunde en bemüh sich die Wissenscha um
eine möglichs exak e Fassung des Beg i s „Un e nehme " (im wi -
scha lichen Sinn). Von neue en Au o en sind in diesem Zusammen-
hang o allem Schumpe e 1, Häuße mann2 und Tu in3
zu nennen. Schumpe e woll e das Wesen de un e nehme ischen
Tä igkei o allem „im E kennen und in de Du chse zung neue Mög-
lichkei en au wi scha lichem Gebie " sehen. Häuße mann s ell
d ei Funk ionsbe eiche de empi ischen Un e nehme leis ung he aus:
Planung — Disposi ion — Du ch üh ung und komm zu dem E gebnis,
daß ü die Funk ion wesen lich und une se zba lediglich die Dis-
posi ion, d. h. die G undsa zen scheidung sei. Die Planung geh diese
Disposi ion o aus und kann du ch nich un e nehme ische A bei s-
k ä e ode eie Mi a bei e im Au ag de Disposi ionslei ung du ch-
ge üh we den. Das gleiche gil ü die Du ch üh ung. Diese ze äll
nach Häuße mann in zwei Teile, die Lei ung und (le z e) Aus üh ung.
Alles dies gehö nach seinem Da ü hal en nich zu den Wesensme k-
malen des Un e nehme ischen.
Es läß sich nich wide legen, daß die g undlegende Disposi ion ein
Wesensme kmal de Un e nehme unk ion is , ebenso is die Planung,
sowei sie on Häuße mann als echnische Idee, E indung, Pa en -
au kau usw. e s anden is , zwei ellos on de Funk ion loslösba .
1 Jose Schumpe e , De Un e nehme , HST, IV°, 8. Bd.
2 E. Haus s e mann, De Un e nehme . Seine Funk ion, seine Zielse zung,
sein Gewinn (1932).
3 Guido Tu in, De Beg i des Un e nehme s (1947).
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32 An on Schöpke [288
Neben diese „ o un e nehme ischen" Planung gib es abe eine wi -
scha liche Planung, eine Beu eilung wi scha liche Da en, eine Vo -
ausschau au die Ände ung de selben, die keineswegs on de Disposi-
ion ge enn we den kann. Sie übe haup e möglich e s Disposi ionen.
Und sie, die Planung im enge en Sinn, nämlich au die Wi scha s-
da en bezogen, gehö unablösba zu Funk ion.
Ebenso e schein es uns unmöglich, die Disposi ion on de Lei ung
zu ennen. Wo in bes eh le z en Endes die Lei ung eines Un e -
nehmens? In de s ändigen En scheidung, in de lau enden Disposi ion.
Wo soll hie die G enze zwischen „le z en und g undsä zlichen" En -
scheidungen au de einen Sei e und lau enden En scheidungen au
de ande en Sei e gezogen we den? En scheidungen, die on de Lei-
ung ge o en we den, sind le z en Endes s e s meh ade wenige
G undsa zen scheidungen. Daß die „Leis ung de le z en Aus üh ung"
nich zu Un e nehme unk ion gehö , is dagegen ohne wei e es
einsich ig.
Will man die Disposi ion als Haup wesenszug de Un e nehme -
unk ion be ach en, so kann dies nu so e s anden we den, daß sie
die wi scha liche Planung in bezug au die Wi scha sda en und die
o auszusehende Ve ände ung de selben einschließ und daß sie sich
au die Lei ung de Du ch üh ung e s ede . Un e nehme um is Ve -
wi klichung des Geplan en in de Du chse zung de selben, ein Ge-
danke, de auch on Schumpe e , wie wi sahen, besonde s be-
on wi d.
Die Disposi ion muß abe auch einen ma e ialen Inhal haben.
Diese ma e iale Inhal bes eh in de Kombina ion de e schiedenen,
zu P oduk ion e o de lichen Fak o en. Diese Gedanke wu de schon
on äl e en Au o en wie Léon W a
1
a s 4, John Ba es Cla k5, Lujo
B en ano6 und Al ed Ma shall7 he ausges ell und be on . Von
Johannes Ge ha d s amm die De ini ion:
„Un e nehme is , we , ausges a e mi Ve ügungsmach übe
P oduk ionsmi el, diese au G und on Nu zen- und Kos en-
e wägungen in de Weise kombinie , daß sie du ch Beda s-
be iedigung im Ma k ausch den höchs en Geld eine ag e -
zielen" 8.
4 Leon Wal as, Ab égé des élémen s d'économie poli ique pu e (1938).
5 John Ba es Cla k, Essen ials o Economy Theo y, as applied o mode n
p oblem« o indus y and public policy (1924).
0 Lnjo B en ano, De Un e nehme (1907).
7 Al ed Ma shall, Handbuch de Volkswi scha sleh e (S u ga -Be lin
1905).
8 Johannes Ge ha d , Un e nehme um und Wi scha s üh ung (1930), S. 15.
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289] Die Un e nehme unk ion als soziale hisdies P oblem 33
ode auch
„Das Un e nehme me kmal de Un e nehme leis ung is die
selbs ändige Disposi ion übe die P oduk ions ak o en inne -
halb de Un e nehmung . . ."9.
Demgegenübe e schein diese Funk ionsbe eich, au den wi en -
scheidendes Gewich legen, bei Häuße mann zum mindes en als un e -
geo dne und demgemäß als bei de Beg i sbes immung de Funk ion
zu e nachlässigen. Ebenso wi d das Me kmal de Kombina ion de
P oduk ions ak o en ausd ücklich on Guido Tu in abgelehn mi
de Beg ündung, daß man „zwei ellos auch ohne P oduk ions ak o en
zu kombinie en, ü den Ma k a bei en kann, mi de Absich , Gewinn
zu e zielen, also Un e nehme sein kann, ohne Kombina o zu
sein .. 10.
Tu in komm — ebenso wie Häuße mann — zu diesem E gebnis,
weil beide den Un e nehme beg i be eichsmäßig so wei assen, daß
sie auch den Bodene we bswi scha e , de nu zum Teil, gewisse -
maßen nebenhe ü den Ma k a bei e , und den selbs ändigen Wi -
scha e mi de eigenen A bei sk a (den Kleinbaue n, Handwe ke ,
geis igen A bei e , eibe u lich Scha enden usw.) einschließen. Dem-
gegenübe wollen wi ü unse e Un e suchung den Un e nehme -
beg i au die Fälle besch änken, wo zum mindes en die P oduk ions-
ak o en Kapi al und A bei gemeinsam au e en.
Übe eins immung he sch wohl bei allen Leh meinungen da übe ,
daß die P oduk ion ü den Ma k bes imm sein muß. Das Bes ehen
eines Ma k es is also übe haup die Vo ausse zung ü die Un e -
nehme unk ion. Un e nehme gib es nu in de Ve keh swi scha
ode in eine Wi scha mi e keh swi scha lichen Gebilden, nich
in eine o alen Zen al e wal ungswi scha .
Es sei o wegnehmend beme k , daß je eine de Typus de Ve -
keh swi scha , also de Ma k wi scha , he ausgea bei e is , auch
die un e nehme ische Funk ion die he o agends e Rolle 6piel ,
gleichzei ig abe , daß die dadu ch e eich e höchs mögliche Be ä igungs-
eihei auch das wei es e Feld e hische Ak uali ä is , denn E hos
is wesen lich eine Funk ion de F eihei . Ebenso dü e Übe ein-
s immung da übe he schen, daß es ein Wesensme kmal de Un e -
nehme unk ion is , daß sie au E we b, au Gewinn ge ich e is .
Ve schiedene Au assungen he schen wiede um da übe , ob es ein
Wesensme kmal is , daß die Tä igkei des Un e nehme ischen au
eigene Ge ah und Rechnung des Un e nehme s geh und daß das Eigen-
um an den P oduk ionsmi eln ein unabdingba es E o de nis is .
9 Ebenda, S. 12.
10 Guido T u i n , De Beg i des Un e nehme s (1947) S. 215.
Schmolle s Jah buch LXXIII, 3 3
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34 An on Schöpke [290
Dami häng das wei e e P oblem zusammen, ob anges ell e Di ek-
o en, Vo s andsmi gliede ode Geschä s üh e die Un e nehme -
unk ion de ac o ausüben können ode nich . Es dü e sich heu e —
im Gegensa z zu Häuße mann — ziemlich allgemein die Au assung
du chgese z haben, daß Ve ügungsmach übe Be iebsmi el nich
no wendig (de en Besi z o ausse z . Das Schwe gewich uh doch wohl
au de Mach de Ve ügung. Diese Mach kann abe du ch Ve ag
e liehen we den, wie es a sächlich z. B. in de Ak iengesellscha
du ch die E nennung des Vo s andes geschieh .
Nach heu igem deu schen Ak ien ech üb zwei elsohne de Vo -
s and die Un e nehme unk ion aus. Die Ak ionä e haben hie zu nu
einmal Gelegenhei : bei G ündung des Un e nehmens. De Au sich s-
a , als Kon ollo gan de Ak ionä e, üb alle dings noch einen beschei-
denen Teil de Funk ion aus: einmalig du ch die o male E -
nennung des Vo s andes und lau end in s a ke Einsch änkung
du ch den Vo behal seine En scheidung in gewissen o gesehenen
Fällen on g undsä zliche Bedeu ung, de abe zumeis bei de s a ken
S ellung des Vo s andes, o allem wenn de Ak ienbesi z ze spli e
is , nu o mellen Cha ak e äg . In dem Maße, wie de Ak ienbesi z
sich in wenigen Händen ode ga in eine Hand be inde , e lage
sich na u gemäß das Schwe gewich zuunguns en des Vo s andes.
De Ausübe de Un e nehme unk ion muß selbs nich no wendig
in den Besi z des Gewinnes kommen; e kann g undsä zlich mi einem
Gehal abge unden we den, obwohl e meis ens am Gewinn in i gend-
eine Fo m be eilig is . Abe selbs wenn e dies nich is , is e doch
pe sönlich an ihm in e essie , da seine S ellung, sein Ansehen, seine
Mach und seine Bewe ung om E ag des on ihm ge üh en Un e -
nehmens abhängig is . Wenn e auch nich selbs das unmi elba e
Kapi al isiko äg (— on de Reg eßp lich abgesehen! —), so äg
e doch das olle Risiko, da das, was e ja wesen lich besi z , die Un e -
nehme unk ion selbe , sein Risikoeinsa z is . E kann p ak isch nich s
Wich ige es e lie en als diese Funk ion. Kapi albesi z im Sinne on
P oduk ionsmi elbesi z und Un e nehme unk ion können also du ch-
aus ge enn au e en, und sie e en im mode nen G oßbe ieb auch
no male weise ge enn au .
Somba sp ach be ei s on eine Tendenz om Eigen üme -
Un e nehme zum Anges ell en-Un e nehme und bei Schumpe e
heiß es:
„Da Un e nehme is , we die Un e nehme unk ion ausüb , so
kann es auch ein Di ek o sein, de du ch Ans ellungs e ag in
diese Posi ion komm . . 11.
11 Joseph Schumpe e , De Un e nehme . HST, IV°, 8. Bd. S. 485.
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291] Die Un e nehme unk ion als soziale hisches P oblem 35
Da wi besonde s We au die „Kombina ion de P oduk ions ak o-
en" geleg haben, wi d uns de Un e nehme auch in seine Funk ion
als A bei gebe , nich nu als Kapi al e üge besonde s
zu beschä igen haben. Denn auch übe den P oduk ions ak o A bei
e s ecken sich ja seine Disposi ionen. Die A bei nimm abe inso e n
eine Sonde s ellung ein, als sie nu scheinba ein bloß sachliche
Fak o is . Wäh end Kapi al ein sachlich und on allem Pe sön-
lichen losgelös beg i en we den kann, is A bei s e s nu in Ve bin-
dung mi dem Pe sönlichen, dem Menschlichen zu beg ei en.
Zusammen assend können wi es s ellen: Von
eine Un e nehme unk ion sp echen wi nu im Sinne eine
Kombina ion de P oduk ions ak o en Kapi al und
A bei . De Funk ion wesen lich is die selbs ändige Disposi-
ion, die die wi scha liche Planung im Hinblick au eine Ve ände-
ung wi scha liche Da en sowie die Lei ung de Du ch üh ung, die
„Du chse zung" im Sinne Schumpe e s einschließ . Die Funk ion is
ge ich e au wi scha liche E we bs ä igkei ü den
Ma k . Sie umschließ die E zielung eines Gewinnes, de
abe nich no wendig unmi elba dem T äge de Funk ion zu ließen
muß, sonde n sich mi elba au dessen S ellung insgesam auswi ken
kann. Sie umschließ auch das Momen des Risikos, das im Ve lus
de Un e nehme unk ion als höchs em Einsa z gip el . Besi z de Be-
iebsmi el is kein unmi elba es Wesensme kmal de Funk ion, wohl
abe die Ve ügungsgewal da übe . Du ch die Disposi ion hin-
sich lich des P oduk ions ak o s A bei gehö die Teil unk ion des
A bei gebe s wesensmäßig zu Funk ion des Un e nehme s. Seine
Ve an wo ungsbe eiche e s ecken sich also au das ihm gehö ige ode
an e au e Kapi al, au die Menschen, die den Fak o
A bei zu Ve ügung s ellen, und au den Ma k , d.h. die Ve -
b auche .
2. Im Sinne de Somba schen his o isie enden Beg i ssp ache be-
inden wi uns im Zei al e des Spä kapi alismus. Nun is es
alle dings agwü dig gewo den, ob eine de a ige Bezeichnung a -
sächlich noch den Ke n des wi scha lichen Wesens unse e Zei i .
„Kapi alismus" bedeu e imme hin, daß Kapi aleigen um gleich-
zei ig die Ve ügung übe die P oduk i - und Wi scha sgü e da -
s ell , daß die Ini ia i e wi scha lichen Handelns beim Kapi aleigne ,
beim „Kapi alis en" lieg . So wa es im beginnenden und im Hoch-
kapi alismus zwei elsohne übe wiegend de Fall. Auch heu e i dies
zum Teil noch zu; ge ade abe da, wo wi scha liche K a und auch
wi scha liche Mach sich am meis en zusammenballen, is die Ini ia i -
Po enz des Kapi alis en agwü dig gewo den. Wi haben nach wie o
eine Un e nehme wi scha — abe de Typ des Un e nehme -Kapi a-
3*
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36 An on Schöpke [292
lis en is im Schwinden beg i en. An seine S elle i meh und meh
— o allem in de G oßindus ie — de Geschä s üh e -Un e nehme .
Die Ak iengesellscha — nich de selbs ändige Un e nehme — is
die üh ende Un e nehmens o m gewo den. In de Ak iengesellscha
sind dem Ak ionä , d. h. dem Kapi alis en, nich iel meh als o male
Rech e neben eine a iablen Ve zinsung seines Kapi als geblieben.
Eigen um an und Ve ügung übe Kapi al allen nu noch in den sel-
ens en Fällen zusammen. Die Ve an wo lichkei de Un e nehmens-
lei ung ich e sich einmal au „den" Be ieb, zum ande en au die
nich am Un e nehmen be eilig en emden Kapi algebe . Dami i
de Ein luß de Ak ionä e als Eigen üme gegen den Ein luß de a -
sächlichen Inhabe de Un e nehme unk ion zu ück. Das Kapi al is
dienend, is eine Be iebs ak o gewo den, üb selbs keine en schei-
dende und ini iale Mach meh aus. Wenn auch wäh end de eigen lich
kapi alis ischen Zei Un e nehme unk ion und Kapi alis en unk ion
beg i lich ge enn au zu assen wa en, so wa doch die Un e nehme -
unk ion die de kapi alis ischen Funk ion dienende und emp ing
ih en Sinn on diese , wenn auch nich ih en Inhal . Das is heu e
in wei em Maße umgekeh de Fall.
Man kann also, leg man Sinngebung, Ein luß und Mach im wi -
scha lichen Be eich zug unde, on eine Emanzipa ion wenn nich des
Un e nehme s, wenn man o sich ig o mulie en will, so doch de
Un e nehmung gegenübe dem Kapi al sp echen. Dies schein ypisch
ü die gegenwä ige Wi scha so dnung zu sein. Ta sächlich i die
Bezeichnung „Kapi alis ische Wi scha " nu noch his o isch gesehen
zu, wenn man es als wesen lich ansieh , daß die je zige Fo m aus de
kapi alis ischen he o gegangen is und daß das Kapi al imme noch
eine ausschlaggebende A bei s o ausse zung ü die Wi scha is .
Das jedoch wa und is schließlich in jedem wi -
scha lichen Wesen de Fall. G a ie end schein uns zu sein,
ob das Kapi al die Rich ung, in de gewi scha e wi d, bes imm ode
nich . Und ganz gewiß is hie in im Lau e de Jah zehn e, o allem
nach dem e s en und e s ä k nach dem zwei en Wel k ieg ein Wandel
einge e en. Wi sind uns kla da übe , daß bei eine o ganischen En -
wicklung das eine Wi scha ssys em das ande e nich in ab up em
Wechsel ablös . Ebenso wie heu e noch mi elal e liche und ühkapi a-
lis ische Wi scha s o men in ge ingem Um ang wei e bes ehen, so
gib es selbs e s ändlich noch eine kapi alis ische Fo men. Es gib
noch Kapi alis en: Un e nehme o allem in de kleine en und mi -
le en Indus ie und im Handel, und es gib noch ein kapi alis isches
Bewuß sein. Abe ge ade in den olkswi scha lich en scheidends en Be-
zi ken ha sich de Übe gang om Kapi alismus zu losgelös en Un e -
nehme -Wi scha wei gehend ollzogen.
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293] Die Un e nehme unk ion als soziale hisches P oblem 37
Abe auch nach ande e Rich ung haben sich wesen liche Ände-
ungen gegenübe ühe en Zus änden ollzogen. Wa die Zei des
Un e nehme kapi alis en noch as ausschließlich eine de einen
Ve keh swi scha , so haben sich in zunehmendem Maße Elemen e
de zen alen Ve wal ungswi scha in den Vo de g und gespiel .
Inne halb de Ve keh swi scha inden wi neben — übe wie-
genden — Konku enz o men monopolis ische, eilmonopolis ische und
oligopolis ische Fo men de Nach age und des Angebo s, iel ach
un e ö en liche Kon olle. Im ganzen he sch — wenigs ens im
P inzip — de Ma k o . Sowei die Zen al e wal ungswi scha
o d ing , so bishe noch un e g undsä zliche Ane kennung
de Ma k begegnung und z. B. in de Bundes epublik un e möglichs e
Anpassung an die Ma k gese zlichkei , d. h. nich de Ma k als solche
wi d o iziell au gehoben, sonde n man bemüh sich, ihn mi „ma k -
kon o men" Mi eln zu beein lussen, sowei man nich au gewissen
Gebie en ausgesp ochene Bewi scha ungsmaßnahmen ein üh , was
besonde s im gegenwä igen England noch in bedeu endem Maße
geschieh .
In diesen Rahmen nun is die Un e nehme unk ion ges ell . Es
leuch e ein, daß sie in dem Maße wi ksam is , wie ech e e keh s-
wi scha liche O dnungs o men o he schen, und in dem Maße zu-
ückged äng wi d, wie Fo men eine Zen al e wal ungswi scha
sich o d ängen. Im Ideal all eine hunde p ozen igen Zen al e wal-
ungswi scha gib es auch keine Un e nehme unk ion meh , da diese
dann kein Feld de Be ä igung meh o inde . Wo alles zen al ge-
plan und e wal e wi d, gib es eben nu noch eine zen ale Spi ze,
die e was „un e nimm ", die „disponie " und die P oduk ions ak o en
„kombinie ", die also noch „un e nehme isch" is . Dies alle -
dings is dann mi dem, was wi Un e nehme unk ion nennen, nich
meh gemein . Die Un e nehme unk ion in unse em Sinne bezieh sich
au indi iduelle Wi scha seinhei en. Will man sie beg ei en, so kann
man sie nu aus de F eihei he aus beg ei en. Diese bloße Ta sache
allein schein sie in unmi elba e Nähe zum e hischen Ve hal en und
e hischen Handeln zu b ingen, denn auch das E hos is eine Funk ion
de F eihei .
3.12 Die Un e nehme unk ion is eingebe e in einen Be eich mög-
liche F eihei , on dem wi e mu en können, daß e ü unse e
12 De Ve asse bekenn sich mi wesen lichen Teilen dieses Abschni s zu Ein-
sich en seines e eh en ehemaligen Leh e s Nicolai Ha mann in das philoso-
phische F eihei sp obleme, s. „E hik" (1925) und „Teleologisches Denken" (1951).
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38 An on Schöpke [294
P oblems ellung on Bedeu ung is . Man sp ich on d eie lei F ei-
hei 13:
1. Willens eihei — F eihei de Willensen scheidung
2. F eihei des Dü ens = ech liche F eihei
3. F eihei des Könnens = F eihei de Willens e wi klichung
ode F eihei de Handlung.
Die F eihei de Willensen scheidung (Willens eihei ) äg in be-
sonde em Maße p oblema ischen Cha ak e , da sie im engs en beg i -
lichen Zusammenhang mi de Kausalde e mina ion in E scheinung
i . Die F age lau e : Kann F eihei , allgemein gesp ochen, e -
s anden we den als eine F eihei on jegliche De e minie hei ? Um-
gekeh : Is de Wille des Menschen und also auch des wi scha lichen
Menschen, bzw. besonde s dieses, ode sind die Ma e ien, au die
sich sein Wille ich e , so du chgehend bes imm , daß le z en Endes
— ohne, daß dies ins eben alls de e minie e Bewuß sein d ing —
ein eies Wollen und Handeln jeweils nu Schein is ? — Nun, eine
F eihei on de Kausalbes imm hei is in keinem Fall nachweisba .
Jede Ve such hie zu münde in me aphysische Spekula ion. Im
Gegen eil is die These, wonach in de Wel eine du chgehende Kau-
sali ä he sch , spä es ens sei Kan auch in de Philosophie, nich
nu in de Na u wissenscha , kaum e ns ha in F age ges ell e E -
kenn nis. Alles Geschehen, auch alles menschliche Handeln ollzieh
sich nach unabwendba en Kausalgese zen. De Ins ink des geis igen
und e hischen Menschen, daß abe doch i gendein Weg zu Willens-
eihei , zu si lichen F eihei üh en müsse, da e in le z e und
ie s e Wesensschau die Phänomene de Zu echnung und de Ve -
an wo lichkei als a p io i gegeben emp inde , is o zdem ich ig.
Im Augenblick des Willensen schlusses zu eine Handlung ode zu
einem Ve hal en is alles du chgehend bes imm : die Si ua ion, die
„inne e Ve anlagung", die Gese ze des Handelns usw. Gib es eine
Willens eihei , so kann sie sich nu in die Zukun wenden, nich eine
F eihei on, sonde n eine F eihei z u e was sein. Es is das g oße
Ve diens Immanuel Kan s, dies einwand ei zu E idenz geb ach
zu haben. Vom wollend-handelnden Subjek we den Zwecke gese z ,
die un e Be ücksich igung de Kausalgese zlichkei , d. h. du ch Nach-
ziehen de Ke e on U sachen und Folgen, e s eb und in dem Aus-
maße e eich we den, wie es in de Ges al ungsmach des Zweck-
se zenden lieg . Hin e he wi k dahe jede Handlung kausal de e -
minie , obwohl bei de Willensen scheidung eine Vielhei on Möglich-
kei en de Zweckse zung bes and.
Nich als mögliche Beweis, abe als wei e e E idenzs ü zung da
uns das in jedem Menschen ie e wu zel e Bewuß sein gel en, daß e
13 Nicolai Ha mann, E hik (1925, 3°, 1949) Kap. 67.
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Die Un e nehme unk ion als soziale hisches P oblem 45
au Gemeinscha sbildung schlech hin de si lichen Ve u eilung un e -
liegen.
Dies is ein Dilemma, das es zunächs zu übe winden gil ; wide -
sp ich es doch in diese zugespi z en Fo m jedem We ge ühl und
jede We e ah ung. Ta sächlich be uh das Dilemma au de i igen
Annahme, als sei de Beg i „Mach " die Bezeichnung ü eine in
ih em We ungsgehal gänzlich eindeu ig, gewisse maßen punk ual
es geleg e Wesenhei . In Wi klichkei handel es sich um ein dyna-
misches Beg i skon inuum, ähnlich wie wi dies au ande e Ebene
beim Gi o inden. Gi , als eines Subs a , is ü den mensch-
lichen O ganismus schlech hin schädlich. In ech e Dosie ung, in
ech e Mischung dagegen is es auch A znei, Heilmi el, is es no -
wendig zu E hal ung und zum Au bau on Leben.
Mach ü sich allein be ach e , also schlech hin, gewisse maßen
als Subs a , is das Böse, wie Gi das Schädliche is . In ech e
Dosie ung, in ech e Mischung abe is sie ein unen beh liches Elemen
sozialen Lebens.
Dieses Pos ula — meh beansp uch es nich zu sein — wi d aus
de E ah ung lückenlos ges ü z . Logisch e äh es eine Un e -
s eichung dadu ch, daß Gu und Böse ex de ini ione au einande
bezogene Beg i e sind: Gu kann jemand nu handeln, indem e de
Lockung des Bösen ausgese z is und ih wide s eh , obwohl e F ei-
hei besi z , ih nachzugeben.
Das Spannungs eld de Mach als soziologische Ka ego ie is also
gleichzei ig ein Spannungs eld soziale hischen Ve hal ens. En scheidend
ü die si liche Beu eilung menschlichen Ve hal ens im Be eich dieses
Feldes, in dem auch die Un e nehme unk ion lieg , konk e e aus-
ged ück , des Ve hal ens des Un e nehme s in seine unk ionellen
Eigenscha is das W i e seine Mach ausübung, wenige das Was
de selben.
Jede , de im i dischen Be eich zwischen Gu und Böse wagend
und sich en scheidend handel , handel im agischen Feld on Kon-
lik und Schuld. Je nähe e einem Mach zen um s eh , des o g öße
is die Ge ah , daß e in Schuld e s ick wi d, des o g öße abe
auch sehu si liche Chance, d. h. seine Ve an wo ung. Das
unsi liche Ve hal en pa excellence is , diese Ve an wo ung zu
leugnen. De Un e nehme is T äge wi scha liche Mach ; e kann
sich ih e nich begeben, will e nich das Wesen seine unk ionalen
Exis enz selbs au heben. E kann wei e hin diese Mach nich bloß
willkü lich ausüben, e is gehal en an ein Sinnge üge wi scha liche
Nü zlichkei se wägungen, zu denen auch das E we bss eben gehö .
Sein le z e Einsa z is seine wi scha liche Exis enz. Seine Ve an -
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46 An on Schöpke [302
wo ung gil auch diese . Sie gil e ne dem Kapi algebe gegenübe ,
den ihm an e au en Mi a bei e n, übe die e Mach ausüb , sie gil
den Ma k pa ne n und Ve b auche n im wei es en Sinn und sie gil
schließlich de gesam en Gemeinscha , de en Idee e e p lich e is .
We sich au eine angeblich na u gese zliche Au oma ik wi kende
Wi scha s egeln zu ückzieh , leugne diese Ve an wo ungsbindungen.
Kon lik und Schuld sind nich Zeichen e hische Nega ion, sonde n
Me kmale eine dynamischen Spannung, die als das Wesen des
E hischen selbs beg i en we den muß. Denn e hisch ele an übe -
haup is nich ein o s ellba es Sein des Gu en, sonde n die Meis e ung
des Kon lik s zwischen Gu und Böse. Inso e n is — pa adox aus-
ged ück — selbs das Böse als ideales Wesen we oll, als es dem
Gu en e s ges a e , gu im ak ualen Sinn zu sein. Die Un e -
nehme unk ion als Mach zen um is Schni punk alle sozialen
Chancen zum Bes ehen im E hischen, da sie Schni punk alle sozialen
We kon lik e und We möglichkei en is .-
5. Wi haben uns so wei an unse Thema he angea bei e , daß die
g undlegende P oblema ik — gekennzeichne du ch die Beg i e
„F eihei " und „Mach " — sich ba gewo den is . Wi können uns
nunmeh dami beschä igen, das eigen liche „We milieu", das de
Un e nehme unk ion zukomm , und gewisse Wide s andspo enzen
zum Si lichen in ih em Be eich he auszus ellen.18
De Beg i „W e " schließ si lichen We als Möglichkei
mi ein; is abe nich iden isch mi ihm. Unmi elba i si -
liche We nu als We de Pe son au .
Wei e hin en s eh si liche We mi elba im Vo ziehen und
Nachse zen on We en, die selbs an sich nich si liche Na u zu
sein b auchen. De si liche We e schein hie also wenige im „Was"
des In endie en als ielmeh im „Wie", in de A und Weise des
In endie ens, in de In en ion selbs , in de Gesinnung, die hin e
den Ak en s eh . Dies sei an einem Beispiel e läu e : Ein Un e -
nehme e wende eiwillig einen Teil seines Gewinns ü
soziale Zwecke. In endie is hie bei das ma e ielle Wohl de
Mi a bei e als We ma e ial, keineswegs jedoch das „e hisch Gu e"
als solches, es e schein „au dem Rücken" des Ak es (Schele ).
Wü de de Un e nehme das Gleiche in de Absich un, „mo alisch
gu " zu sein, um sich gewisse maßen also selbs Ve diens zuzu echnen,
indem e den Mi a bei e n Vo eile e scha , so wä e sein Handeln
18 Im wesen lichen legen wi ü die beg i liche Fassung des Phänomens „We "
die E geibnisse de Ma e ialen We e hik Max Schele s und Nicolai Ha -
m a n n s zug unde, ohne ih jedoch in allen Konsequenzen, o allem nich in de
Ve absolu ie ung eines an sich seienden We eiches zu olgen.
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Die Un e nehme unk ion als soziale hisches P oblem 47
pha isäe ha , das Realisie en des We es ü den ande n wä e nu
„Mi el" zum eigenen Gu scheinen. Ge ade dami abe wä e de si -
liche We au gehoben. Das eigene „Gu sein", das „Ve diens am
Gu en" da nich in endie sein, sonde n de an sich e hisch neu ale
We ü den ande en, den man dann in de Realisie ung als „das"
ideal Gu e emp inde und als solches auch will.
Die Theo ie de ma e ialen We e hik ges a e es — und da in
lieg ih e g oße E kenn nisbedeu ung —, ein an sich e hisch neu ales
We gebie in seine Rele anz ü die E hik e s sich ba zu machen.
Eine eine Gü e e hik müß e das g oße Gebie des Wi scha lichen
aus jede e hischen Be ach ung ganz ausscheiden, wie dies jah -
hunde elang a sächlich geschehen is . E s eine Gesinnungse hik e -
mag an sich e hisch neu ale We be eiche als Ma e ial ü e hisches
Ve hal en und Handeln zu un e suchen. Es is einsich ig, daß die de
Un e nehme unk ion am nächs en liegende (si lich neu ale)
We schich die de ökonomischen, d. h. de Nü zlichkei swe e is .
Ein besonde es Kennzeichen de Nü zlichkei swe e is ih Au -
uhen au de biologischen We sphä e. De biologische T ieb
im Menschen e o de die Selbs e hal ung du ch E näh ung, Kleidung,
Wohnung. Im Wi scha lichen is diese T ieb, wie Sp ange 19
besonde s ausge üh ha , a ionalisie und als wi scha liches Ve -
hal en im Lau e de En wicklung e selbs ändig wo den. Die We -
schich des Nü zlichen geh jedoch, obwohl sie de des Biologischen
au uh , keineswegs in ih au . Das Nü zliche s ell nich nu die
Ra ionalisie ung des Biologischen da , sons wä e sie s eng genommen
ga keine neue und höhe e We schich , sonde n nu eine ins höhe e
Bewuß sein gehobene. Jedes „Nü zlich" schließ beg i lich ein „Wozu"
ein. Eine Handlung kann nü zlich sein ü die Lebenshal ung, ü den
Lebensgenuß, sie kann abe auch nü zlich sein ü i gendeinen b e -
liebigen ande en und höhe en We . Ein wi scha liche
Vo gang z. B. kann nü zlich ü die Wissenscha , ü die soziale Ge-
meinscha , ü beliebige Kul u zwecke sein. Nü zlich kann de
Gegenwe zu „we e e geudend" sein; nü zlich kann — um mi
S c h a c k 20 zu sp echen — dem We ideal de „So gsamkei ",
d. i. e an wo lichem Umgehen mi an e au en Gü e n, en sp echen.
Es •is schlech e dings nich möglich, zu sagen: „Nü zlichkei swe e"
sind si lich ode unsi lich, ebensowenig wie dies bei äs he ischen ode
eligiösen We en de Fall is . De Sinn abe , un e dem Nü zlich-
kei swe e in endie we den, is e hisch bedeu sam.
19 Edua d Sp ange , Lebens o men (1914) S. 99 .
20 He be S c h a c k , G .undp obleme de Wi scha sphilosophie, Schmolle s
Jah buch (1950) S. 314.
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48 An on Schöpke [304
Das ökonomische als We könn e g undsä zlich mi jedem
ande n We ypus e bunden au e en. Daß es beim wi scha -
enden Menschen wesensno wendig als G und o de ung
au i , wide sp ich diese Au assung nich . Es bedeu e lediglich,
daß de eligiösen ode ande en We be eichen Zugewand e sich on
ökonomischen We en mi bes immen lassen kann ode daß dies auch
nich de Fall zu sein b auch ; wäh end de wi scha ende Mensch
no wendig die ökonomischen We e in endie en muß, ohne daß
e deswegen den ande en We be eichen gleichgül ig gegenübe -
zus ehen b auch . Dami wi d e was G undsä zliches es ges ell .
Keineswegs abe soll dami in Ab ede ges ell we den, daß im wi -
scha lichen Be eich de egois isch-ma e ialis ische Typus, den
Sp ange in seine Typenleh e als den „ökonomischen Menschen"
bezeichne , besonde s häu ig e e en is .
Ganz gewiß bilde de Be eich des Ma e iell - Nü zlichen eine
besonde e Wide s andspo enz zum E hischen, zwa nich nu im
Wi scha lichen, abe do in einem besonde en Maße,
was in de besonde en Ma e ie dieses Be eiches beg ünde is . Es kann
alle dings nich geleugne we den, daß auch in ande en Lebens-
be eichen diese Typus eine Rolle spiel : We kenn nich die E -
scheinungs o men des Küns le s und des Wissenscha le s, die ih e
Gaben in ücksich sloses e Weise ü die eigenen ma e ialis isch-
egois ischen Zwecke ausnu zen? Das Si liche lieg eben nich im
in endie en We als solchem, sonde n in de A und Weise und im
Sinn, wie e e wi klich wi d und gegen welche We e e im Kon lik -
all ausge ausch ode eben nich ausge ausch wi d.
Da übe hinaus abe kommen im Vollzug wi scha liche Hand-
lungen und Ve hal ensweisen un e nehme ische Menschen eine Reihe
on Pe son we en zu E scheinung, die als e hische We e bezeichne
we den müssen. Audi dies ha Sp ange e kann . So nenn e den
W a g e m u als eine mögliche Eigenscha des ökonomischen Menschen,
e klä sie alle dings aus einem gewisse maßen dialek ischen Ande s-
sein seines sons igen Wesens.
Wei e hin nenn e als „Tugenden" des ökonomischen Typs „Be-
s ändigkei , Willenss ä ke, O dnung und Spa samkei " und e klä
diese aus dem Mo i de „Vo so ge". Wei e nenn e „Klughei ,
. .. U eilsschä e, Geis esgegenwa , E indungsgabe, En schluß ähig-
kei und Geschicklichkei " 21. Nun sind wi uns da übe im kla en, daß
nich alle diese Pe sonwe e no wendig si lichen We da s ellen.
Klughei , U eilsschä e, Geis esgegenwa , E indungsgabe, En schluß-
21 Edua d Sp ange , Lebens o men (1914) S. 157.
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305] Die Un e nehme unk ion als soziale hisches P oblem 49
ähigkei und Geschicklichkei sind alles keine „Tugenden" im si -
lichen Sinne, sonde n meh , ode minde in ellek uelle Fähigkei en
ode cha ak e liche Ve anlagungen. „Bes ändigkei , Willenss ä ke,
O dnung und Spa samkei " dagegen können du chaus e hisch undie
sein, obwohl kein Zwei el da übe bes eh , daß sie alle auch im si -
lich nega i en Sinn wi ksam we den können. Auch hie komm es
da au an, un e welchem Sinn, d. h. in welchem Gesam we zusammen-
hang diese „Tugenden" s ehen. Das En scheidende bei Pe sonwe en
is s e s, ob die Pe son in ih e Gesam hei wesensmäßig „gu " ode
„böse" ge ich e is .
In diesem Zusammenhang muß ein We beg i , den wi be ei s
als Regula i zu E scheinung de Mach ku z s ei en, noch einmal
E wähnung inden: de Beg i des Ve an wo ungsbewuß -
seins. Wi ha en gesehen, daß sich aus zwei Wesensme kmalen de
Un e nehme unk ion: aus F eihei und Mach , die Fähigkei e gib ,
zu handeln — und also auch we bes imm zu handeln. Es e gib
sich gleichzei ig hie aus eine doppel e We wide s andspo enz im
e hischen Sinn, die mi dem gemeinsamen Namen de „Willkü " be-
zeichne we den kann — Willkü als Mißb auch de F ei-
hei und Willkü als Mißb auch de Mach . De si -
liche We de handelnden Pe sönlichkei — und „Un e nehmen"
is po enzie es Handeln! — is wei gehend dadu ch bes imm ,
wie e de Willkü , die sich als Ve lockung au d äng , begegne .
Die Fähigkei , de Willkü e lockung zu wide s ehen, dü e mi dem
e hischen Beg i des „Ve an wo ungsbewuß seins" beg i lich am
bes en um issen sein.
F eihei , Mach po enz we den dann zu Willkü , wenn sie nich
meh un e dem Sinn de Ve an wo ung s ehen, ode posi i e aus-
ged ück : F eihei is ech e F eihei , und Mach is ein sozial
au bauendes Elemen , wenn und solange sie im Ve an wo -
ungsbewuß sein gebunden sind. Was is Ve an wo ung?
Vielleich is es möglich, ein om Sp achlichen he den le z en
beg i lichen Sinn des Wo es „Ve an wo en" — und dami alle seine
Ablei ungen — zu e schließen. Die Vo silbe „ e -" d ück in de
deu schen Sp ache häu ig aus, daß die Tä igkei des mi diesem P ä ix
e bundenen Ve bums in besonde em Maße als e s ä k , als bis zu
le z en Konsequenz ollzogen o ges ell wi d; so z. B. „ e -du s en"
= dü s en bis zu Konsequenz de Exis enzau hebung, „ e -hunge n"
im gleichen Sinn; „ e -spielen" = spielen bis zum Ve lus des Ein-
sa zes, bis es nich s meh zum Spielen gib , „ e - inken" = jeden
We zum T inken he geben usw. „Ve -an wo en" is also ein An -
wo en bis zum le z en Wah hei ske n, bis nich s zum An wo en meh
Schmolle s Jah buch LXXIII, 3 4
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so An on SchÖpke [306
üb ig bleib , bis zu le z en Konsequenz des unbeding en Eins ehens
ü die An wo , ku z ein „exis enzielles" An wo en.
In de spä e en sp achlichen En wicklung spal e e sich das „Sich-
Ve an wo en" in ein solches o dem äuße en Rich e und eines o
dem inne en Rich e , dem Gewissen. Beide Bedeu ungen sind noch
lebendig. Wi haben es hie mi dem zwei en Sinn zu un. De Mensch
„ e an wo e " sich ode e „ e an wo e es" (nämlich sein Handeln)
o de S imme des Gewissens, d.h. des We ühlo gans, objek i
o mulie : o de in seinem Inne en sich beme kba machenden
We o de ung. Diese „An wo " is ein le z es Sichschuldigwissen,
Sich-Zu echnen, konsequen es Eins ehen ü das, was geschieh , und
eben alls ein o jedem Handeln o ausschauendes „Wissen",
daß man nach dem Handeln die F age „Wa um has du das ge an?"
wi d e x i s enziell bean wo en müssen. Kann das ,, Sich e an -
wo en" o einem äuße en Rich e noch die Möglichkei de Lüge, des
Ausweichens, de Aus ede einschließen, so kann solches o dem Ge-
wissen, dem inne en We ge ühl nich meh bes ehen.
Vo ausse zung alle dings is , daß ein solches We ge ühl
in ak o handen is . Ähnlich wie es in ellek uelle Idio ie gib , gib
es auch eine A on e hische Idio ie. Ebenso jedoch wie die e s e e
im E kenn nisp oblem e nachlässig wi d, muß die le z e e im
e hischen P oblem auße Be ach bleiben, da sie ins Gebie des
Pa hologischen allen wü de. „Sich e an wo lich ühlen" bedeu e also
die Be ei scha , dem Gewissen gegenübe sich zu „ e an wo en",
bzw. sein Ve hal en und Handeln danach einzus ellen, daß man nach
Möglichkei „sich e an wo en" ode „es e an wo en" kann, d. h. Zu-
echnung und Schuld ebenso wie Ve diens als Folgen des Ve hal ens
und Handelns au sich zu nehmen. Jemand on außen he eine Ve an -
wo ung au bü den, besag nich s ande es, als die E wa ung aus-
sp echen, daß de diese Bü de au sich Nehmende zu solche Eins ellung
be ei is . Ve an wo ungsbe eiche sind die ma e ialen Be eiche, übe
die e was e an wo e wi d, ü die man „sich e an wo lich häl ",
„sich e an wo lich weiß" ode ü die man „ e an wo lich gehal en"
wi d.
Jedes soziale hische Ve hal en is le zlich ein Ve hal en aus de
Ve an wo ung he aus. So seh sich die Ve an wo ung au das Soziale
— also au die Beziehung zu ande en Menschen e s eck —, so seh is
sie doch wesensmäßig eine Ka ego ie des Indi iduellen, de Pe sön-
lichkei . Eine „Kollek i e an wo ung" gib es nu im Sinn eine
indi iduellen Ve an wo ung in b e zug au das Kollek i . Ein
Kollek i kann nie Subjek de Ve an wo ung sein.
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307] Die Un e nehme unk ion als soziale hisches P oblem 51
Nun s ell Wi scha un e ande em ein Sys em zwischen-
menschliche Beziehungen und Ak e zu Bescha ung on Mi -
eln ü auße halb des Wi scha lichen liegende Zwecke da . In-
so e n, om S andpunk de einen Mi elha igkei aus gesehen,
en zieh sich Wi scha zunächs eine e hischen Beu eilung und
dami o ensich lich auch eine e hischen Ve an wo lichkei .
Hie abe se z die e hische Ak uali ä — ode Nich ak uali ä ! —
dessen ein, de Wi scha beweg , de wi scha liche Hand-
lungen un e Sinn s ell , des ak i wi scha enden und e an wo -
lichen Menschen; in unse e Wi scha so dnung also: des Un e -
nehme s. E muß die Mi el wählen, die wi scha lich zweckmäßig
sind. E ha abe da übe hinaus die Möglichkei , zu p ü en, ob die
sich zunächs anbie enden wi scha lich zweckmäßigen Mi el auch
gleichzei ig Mi el sind, die zu E eichung eines auße wi scha lichen
Zweckes e hisch e an wo e we den können ode ob nich
ande e Mi el ge unden we den können, die bei aus eichende Zweck-
mäßigkei de e ühl en Ve an wo ungs e p lich ung besse en -
sp echen bzw. ob nich in gewissen Fällen de Zweck allen gelassen
we den muß, weil sich die Ve wi klichung du ch e hisch zu e an -
wo ende Mi el nich bewe ks elligen läß .
E ha wei e hin die Möglichkei zu p ü en, ob de Zweck, dem
wi scha liche Mi el zugewand we den sollen, om si lichen S and-
punk aus e an wo e we den kann. Ren abili ä se wägungen kolli-
die en hie bei ielleich nich sel en mi he schenden mo alischen
Au assungen ode auch mi de pe sönlichen Au assung on Un e -
nehme n übe soziale No wendigkei en. Es können sich auch zweisei ig
e hisch bes imm e Kon lik e au un, z. B. zwischen dem e hischen Be-
dü nis, die soziale Lage de Mi a bei e zu besse n und de ge ühl en
ebenso e hischen Ve p lich ung, die In e essen de Ve b auche zu
wah en. Nich alle Fälle on Ve an wo ungskon lik en des Un e -
nehme s können allein om „Wi scha lichkei ss andpunk " aus en -
schieden we den.
Bei nähe e Be ach ung zeig sich, daß sich übe all Kon lik e
zwischen eine Wi scha lichkei sbe ach ung und Ve an wo ungs-
bewuß sein sowie zwischen e schiedenen Ve an wo ungsinhal en und
We o de ungen au un. Welche We maßs äbe und si liche Ideale
man imme als gegeben ode o zugswü dig annehmen mag, eines is
e iden , daß sich solche au d ängen und sich zum mindes en als
„S imme des Gewissens" beme kba machen. De soziale Be eich o
allem d äng sich jedem, de in ihm wi k und handel , mi seinen
e hischen Fo de ungen au . Die Un e nehme unk ion is , wie wi
sahen, diesem Be eich in F eihei und mi Mach po enz ausges a e
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52 An on Schöpke [308
eingeo dne . Ih T äge muß sich also, ob e will ode nich , diesen
Fo de ungen s ellen, die o genug mi dem P inzip des g öß mög-
lichen Nu zens in Wide sp uch ge a en. Und jede En scheidung ü ode
gegen diese Fo de ungen is nich nu eine En scheidung de Wi -
scha lichkei , sonde n eine En scheidung — posi i ode nega i —
des Si lichen, nämlich de mi de Funk ion unlösba au gegebenen
Ve an wo ung.
Bei diese Gelegenhei is noch au ein ande es Phänomen hin-
zuweisen, das sich ge ade aus de unk ionalen Sei e des Un e -
nehme ischen e gib : Eine pe sonale e hische En scheidung äll näm-
lich häu ig un e schiedlich aus, je nachdem sie in „p i a e " ode
„ unk ionale " Eigenscha o genommen wi d. Ein Un e nehme
wi d z. B. un e Ums änden in öllig nai e Selbs e s ändlichkei eine
Handlung im In e esse seines Un e nehmens begehen, die e ü seine
eigene p i a e Pe son aus si lichen G ünden ablehnen wü de.
Diese E scheinung kennen wi als „doppel e Mo al" in bezug au
alle sozialen Gebilde wie S aa , Pa ei, Ki che usw., ielleich am
s ä ks en und mannig al igs en abe im wi scha lichen Be eich. Ge-
wisse maßen emp inde sich de Rep äsen an des sozialen Gebildes
mi seine indi iduellen Pe sönlichkei in dem abs ak o ges ell en
Gebilde e hisch au gehoben. Da e ü sich selbs keinen unmi elba en
Vo eil such , sonde n den des Gebildes, dem e dien — „dem" Un e -
nehmen, „dem" Be ieb —, emp inde e diese Hal ung als T eue, Hin-
gebung, Ve an wo ungsge ühl, ku z: als e hische Hal ung. Das Ge-
bilde emp inde e dabei gewisse maßen als on höhe e , on „abso-
lu e " Pe sonali ä , die übe den Gese zen de indi iduellen Pe son
s eh . E ühl sich hie seine eigenen e hischen Ve an wo ung du ch
die dienende Ve an wo ung gegenübe dem Gebilde en hoben. De
I um solche Au assung bes eh in de Ve kennung de Ta sache,
daß ga nich diese Gebilde handelnd in die Lebensbe eiche ein e en,
sonde n eben jene Pe sönlichkei en, die sie als T äge de Un e -
nehme unk ion ep äsen ie en. Fü die Pe sönlichkei en abe gil die
Fo de ung des Si lichen, des Ve an wo enmüssens, gleich in welchem
Bezug sie handeln. Eine Pe sönlichei , die ih e Ve an wo ung au ein
e hisch ohnmäch iges Gebilde abschieb , e ehl die si liche Au gabe.
Rä selha bleib eben nu das Bedü nis, sich in ein abs ak gedach es
Gebilde hinein zu en pe sönlichen.
Diese Tendenz zu En pe sönlichung aus einem Abs ak ionsbedü -
nis he aus, die sich le z lich als Ve an wo ungs luch en la , bilde
eine de s ä ks en Wide s andspo enzen gegen si liche We e wi k-
lichung ge ade im Be eich de Un e nehme unk ion. Sie zu übe -
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309] Die Un e nehnie unk ion als soziale hisches P oblem 53
winden, e o de kla es und indi iduelles Ve an wo ungsbewuß sein
und o allem ein s a kes Ge ühl ü die Wü de de Pe sönlichkei .
6. Die na ü lichen Ve an wo ungsbe eiche des pe sonalen T äge s
de Un e nehme unk ion, d. h. die du ch die Funk ion e u sach en
und umg enz en sozialen Ve an wo ungsbe eiche sind:
a) die Ve an wo ung gegenübe dem Kapi al,
b) die Ve an wo ung gegenübe den Mi a bei e n,
c) die Ve an wo ung gegenübe den Ve b auche n,
d) die Ve an wo ung gegenübe de Gesam gemeinscha
(S aa , Volk, Kul u usw.).
a) Die Ve an wo ung gegenübe dem Kapi al. Das
K a pi a
1
ha eine doppel e E scheinungs o m, einmal is es sach-
liche P oduk ions ak o , das ande e Mal die Bezeichnung
ü eine soziale Rela ion.
Gegenübe eine Sache is eine u nabgelei e e si liche Ve -
an wo ung nich wohl möglich. Sie e heisch nu dann si liche Ve -
an wo ung, wenn dabei an das soziale Gebilde gedach wi d, dem 6ie
diens ba ode „nü zlich" is . Im ande n Fall is die Ve an wo ung
eine ein ökonomische, d. h. gean wo e wi d hinsich lich de so g-
samen, nu zb ingenden Ve wal ung und Ve wendung des Kapi als.
Un e Kapi al in diesem Sinn e s ehen wi mi Schmalenbach22
die Summe de in de Un e nehmung o ä igen Gü e .
Das Kapi al als soziale Rela ionsbeg i dagegen is de Aus-
d ude de Eigen ums e häl nisse am (oben de inie en) P oduk ions-
kapi al de Un e nehmung. Hie bedeu e das Wo „Kapi al" die ab-
s ak e Fo mulie ung ü den ode die konk e en Geldgebe , ebenso
wie „A bei " häu ig als Sammelbeg i ü „die A bei e " e wende
wi d. Is de Un e nehme selbs Eigen üme des in das Un e nehmen
als Kapi al „in es ie en" Geldes, so bezieh sich die Ve an wo ung
au seine eigene wi scha liche Exis enz ode die seine Familie, han-
del es sich um emde Geldgebe , so is e „diesen gegenübe " e -
an wo lich. Diese A on Ve an wo ung, obwohl sie als Ma e ie einen
Be eich bloße Nü zlichkei ha , eich be ei s in die e hische Ve an -
wo ung hinein.
b)
D
i e Ve an wo unggegenübe denMi a bei e n.
Die menschliche A bei sk a is P oduk ions ak o wie das
Kapi al. Wäh end das Kapi al als P oduk ions ak o einen ange-
sammel en sachlichen Fundus on Gü e n da s ell , de en Ve b auch
und Abnu zung in den Kos en e scheinen, wi d die A bei sk a als
22 Eugen Schmalenbach, Kapi al, K edi und Zins (1949, 3°, 1951) S. 11/12.
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54 An on Schöpke [310
solche nich als Ve mögenswe da ges ell . Hä en wi — wie es in
de An ike de Fall wa — Skla e ei, dann wü de alle dings de Mensch
als lebendige Kapi almasse in E scheinung e en. De eie A bei e
unse es Kul u k eises s ell lediglich Diens e und Leis ungen zu
Ve ügung, die Kos enelemen e des wi scha lichen P ozesses da -
s ellen.
In diese Eigenscha als Kos en ak o is die menschliche A bei s-
leis ung ein s eng sachliche Bes and eil de P oduk ion, de wi -
scha lich einzuse zen is .
Die Ve an wo ung gegenübe den eingese z en Diens en und Lei-
s ungen als solchen is eine nu wi scha liche. Je nach de besonde en
P oduk ionsa lieg das Schwe gewich eines Un e nehmens au dem
Kapi aleinsa z ode dem Einsa z menschliche A bei sk a , die P o-
duk ion is „kapi alin ensi " ode „a bei sin ensi ". Es is nich
möglich, die A bei nich als Kos en ak o und
d i e A b ei s k a nich als P o d u k i o n s a k o an-
zusehen. Es is auch nich s En wü digendes in de Ta sache, daß
menschliche A bei in solche E scheinungs o m au i . Das P oblem
is ein ande es: Das nämlich, ob die menschliche Teilhabe am wi -
scha lichen P ozeß eines Un e nehmens in diese Funk ion, du ch
seine Leis ung Kos en ak o zu sein, au geh . Menschliche
A bei läß sich on de hin e ih s ehenden Pe son nich lösen. Es
is nich möglich, A bei , Leis ung zu kau en, wie man eine Wa e
kau — de Mensch bleib mi de A bei e bunden. A bei kann
in de Wi scha s echnung — und muß es soga — als Isola be ach e
we den, de lebendige Mensch bleib als pe sonale We äge jedoch
Mi glied eine p oduzie enden Gemeinscha . E bleib , indem e
Diens e, indem e A bei leis e , ein Mensch, mi Ansp üchen an phy-
sische, psychische und geis ige Exis enz, ein Mensch mi dem Be^
wuß sein eine speziellen Wü de als Mensch. Dies wieg um so schwe e ,
als in de Meh zahl de Fälle diese a bei ende Mensch on dem Un e -
nehmen, dem e dien , exis en iell abhängig is .
De Un e nehme is nich nu „Kombina o " de sachlichen P o-
duk ions ak o en Kapi al und A bei , e is O ganisa o und Lei e
eine menschlichen Leis ungsgemeinscha . Diese s ell sich in eine
Hie a chie on pe sonalen Funk ions äge n da , wo jede jedem zu-
a bei e , P lich en und abges u e Ve an wo ungsbe eiche inneha .
Übe die wi scha liche Ve an wo ung hinaus, die als selbs e s änd-
lich aus de Un e nehme unk ion he aus zu un e s ellen is , e gib
sich abe zwangsläu ig eine Ve an wo ung gegenübe de mensch-
lichenGemeinscha im Be ieb, die zwa das ökonomische zu
Vo ausse zung ha , jedoch wei da übe hinaus eich . Man kann diese
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317] Die Un e nehme unk ion als soziale hisches P oblem 61
Beg i s e wechslungen und Phan as e eien umlau en. B u n h a m ha
sich dagegen die g öß e Mühe gegeben, seinen Beg i des „Manage s"
au das Eindeu igs e zu bes immen: E e s eh un e Manage
lediglich die lei enden echnischen Fachk ä e de Un e nehmungen —
und auch de S aa sbe iebe. Es schein , als habe Bu nham diesen Be-
g i du ch Reduk ion des illie . Geis ig is Bu ham ein spä e
E be de Ma x sehen dialek ischen Geschich sau assung. E akzep ie
on Ma x das dialek ische Klassenbildungsgese z, das au dem Dua-
lismus eine jeweils he schenden Klasse be uh , die in ih em Schoß
be ei s den Tod eind, die kün ige sie ablösende Klasse e zeug . Au
den Feudalismus olg die Bou geoisie, au die Bou geoisie olg eine
neue „Klasse". Alle dings is diese nich — im Gegensa z zu Ma x-
schen P ognose — das P ole a ia , sonde n eben die „Klasse de Ma-
nage ". Die Al e na i e „Bou geoisie" ode „P ole a ia " häl Bu n-
ham ü einen geschich lichen I um de Ma xis en! Die mode ne
Technik beda zu Bewäl igung ih e komplizie en Au gaben eine
Ka ego ie höchs quali izie e Technike , Ingenieu e und Be iebs-
o ganisa o en, ku z: de Manage ! Diese Funk ionen könn en bei eine
Mach übe nahme du ch das P ole a ia die A bei e niemals übe -
nehmen, wie dies wäh end des F ühkapi alismus mi seinen e häl nis-
mäßig ein achen echnischen Bedingungen noch möglich gewesen wä e.
Selbs wenn eine Re olu ion (wie in Rußland) im Zeichen des P o-
le a ia s ode des Sozialismus du chge üh wü de, so könn e man doch
ohne echnische Spezialis en nich auskommen, die die ä sächlichen
Schlüssels ellungen innehiel en. Na ü lich könn en Pe sonen abge-
lös we den, es wä e abe s e s no wendig, daß an ih e S elle wiede
„Manage " ä en, die die a sächliche Mach übe die P oduk ions-
mi el ausüb en, und diese Manage könn en schlech e dings nich
A bei e (also „P ole a ie "), sonde n müß en wissenscha lich aus-
gebilde e Spezialis en sein. Die „Klasse de Manage " is also nach
Bu nham im unau hal ba en Au s eigen und wi d eines Tages, auch
nach außen hin sich ba , übe all in den bishe „kapi alis ischen" Län-
de n die Mach übe nehmen. Die „Mach übe nahme" wi d sich dabei
so ollziehen, daß das o male Eigen um an den P oduk ionsmi eln
au den S aa übe geh . In olgedessen könn en hin o nu solche
Funk ionen in Wi scha und S aa eine üh ende Rolle spielen, die
eben mi de kapi alis ischen P oduk ionsweise in keine Weise un-
lösba e ha e sind. Und das eben is jene Ka ego ie on Füh ungs-
k ä en, die die echnische Sei e des P oduk ionsp ozesses kon-
ollie en, nich abe jene, die mi dem kapi alis ischen Gewinns eben,
wie Ma k geschehen, Ve kau , Finanzwesen usw. e bunden seien. Die-
jenigen, die e wei e hin als „Geschä s üh e " bezeichne — e mein
dami im wesen lichen die Ve kau sdi igen en, e ne die Finanzie s,
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62 An on Sdiöpke [313
Bankleu e, Ak ionä e usw., könn en in de neuen „Gesellscha de
Manage " keine Rolle meh spielen. Die G uppe de „Geschä s üh e "
iele dann un e Ve lus ih e „kapi albeding en" Funk ionen mi de
„Klasse" de Manage zusammen, wäh end Finanzie s, Bankleu e und
Ak ionä e au hö en, als solche zu exis ie en.
Bu nham zieh im wei e en keinen scha en T ennungss ich meh
zwischen Manage n und Poli ike n. Da de „besch änk e" S aa des
Kapi alismus om „unbesch änk en S aa " de Manage abgelös we de,
könn e solche Un e scheidung keinen Wesensun e schied meh
bedeu en.
Von Bedeu samkei ü unse Thema is dabei, daß du ch
Bu nhams e olu ionä e Theo ie, die e ähnlich, wie dies de Ma xis-
mus a , als wissenscha lich, d. h. aus de his o ischen Gese z-
mäßigkei ode besse : Zwangsläu igkei de Klassendialek ik e klä ,
das Un e nehme p oblem exis en iell und unk ionell in b ei es e
F on au ge oll wo den is , obwohl so ge an wi d, als exis ie e es
a sächlich übe haup nich . In Wi klichkei is seine „Theo ie" we-
nige eine wissenscha liche Un e suchung als ielmeh — obwohl
Bu nham ge ade das am wenigs en wah haben möch e — ein ideolo-
gische Deu ungs e such, wenn man un e Ideologie die sys ema-
ische Ra ionalisie ung eines Meinungs- und
Wunschkomplexes e s eh , wobei bei Bu nham o ensich lich
wenige de „Wunsch" o he sch , daß die Klasse de „Manage " die
He scha an i , als daß seine „wissenscha liche" P ognose ech be-
hal en möch e. In sich is — wie häu ig bei Ideologien, o allem mi
wissenscha lichem Gel ungsansp uch — das Sys em s eng logisch au -
gebau , seine P ämissen abe sind unbewiesen und unbeweis-
ba und selbs ideologische He kun . Die P ämissen
sind:
1. Es gib eine geschich sgese zliche Klassendialek ik.
2. Die gegenwä ige Wi scha s- und Sozialo dnung geh ih em
Ende en gegen und „schläg in ih Gegen eil um".
3. De Weg üh zwangsläu ig zu Ve s aa lichung de P oduk-
ionsmi el.
4. De „Zugang zu den P oduk ionsmi eln" bes imm nich nu
die wi scha liche, sonde n auch die s aa liche, gesellscha liche
und kul u elle S uk u ; d. h. das s aa liche und kul u elle Leben
is in s eng ma xis ische Au assung lediglich de Übe bau
de wi scha lichen ode de „P oduk ions e häl nisse".
Bu nham ha seine Theo ie nich aus de Wi klichkei abgelei e ,
sonde n un e kennba e Tendenzen de Wi klichkei zum Anlaß g e -
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Die Un e nehme unk ion als soziale hisches P oblem 63
n o m m e n , eine mode nisie e E wei e ung de Ma xschen Theo ie,
besse : de Ma xschen Wissenscha sideologie zu geben. Ähnlich wie
Ma x wa es ihm nich gegeben, das Wesenha e de Un e nehme -
unk ion zu e kennen, dadu ch kam e zu eine Übe bewe ung de
bloß echnischen Funk ion, die e zum agenden Elemen seine
„Theo ie" mach .
Was sich dagegen als Wi klichkei da s ell , is zunächs , daß
de im „F ühkapi alismus" übe wiegende Typ des Kapi alis en- (ode
Eigen ums-)Un e nehme s wei gehend abgelös wu de du ch den An-
ges ell en-Un e nehme , den Geschä s üh e ode den Vo s and de
mode nen E ek enkapi alun e nehmungen, dessen Un e nehme eigen-
scha au de Ve ügungsmach übe die P oduk ions ak o en, nich
meh au dem ju is ischen Eigen ums- ode Besi z e häl nis be uh .
Die Ve ügungsmach kennzeichne die disposi i e und kom-
bina o ische Funk ion im Hinblick au das Ma k geschehen und selbs -
e s ändlich auch in de Füh ungsmach im Inne n de Un e nehmung.
Das echnische Spezialis en um kann sich mi de Un e nehme eigen-
scha e binden, is abe keineswegs wesensmäßig zu ih gehö ig. Es
gib in de wi scha lichen Wi klichkei keine lei Anzeichen ü eine
Emanzipa ionsbewegung eines losgelös en Spezialis en ums, was auch
sinnlos wä e, da die Un e nehme unk ion keineswegs mi eine pa -
iellen A bei s ä igkei auch gehobens e A i gendwie
iden i izie we den kann. Die Pe son des Un e nehme s kann echnisch
ode kau männisch ode ju is isch ode sons wie spezialgebilde ode
sie kann auch uni e sell sein — de Un e nehme kann sich echnische
K ä e zu seine Un e s ü zung bedienen — wesen lich is doch, daß
e Ve ügungsmach und Ve an wo ung, d. h. die Disposi ion mi de
Un e nehmens üh ung kombinie . Die Bedeu ung des Un e nehme s
als Geschä s üh e ha Bu nham öllig e kann . Rich ig is , daß die
wi scha liche und wah scheinlich auch die soziale Bedeu ung des
einen Kapi alis en in den mode nen Un e nehmungen zu ückgegangen
is , sie is abe bishe keineswegs au „ echnische Manage ", sonde n
au Geschä s üh e -Un e nehme übe gegangen, die zwa häu ig Tech-
nike sind, abe dies keineswegs wesensmäßig sein müssen. Welche
Zukun sp ognosen sich aus diese En wicklung ü eine gesellscha -
liche Umbildung 'he lei en mögen, s eh hie nich zu Deba e. Nu
so iel, daß wi im Gegensa z zu de on Ka l Ma x he gelei e en
Theo ie Bu nhams, daß die soziale S uk u ausschließlich eine Funk-
ion des Zugangs zu den P oduk ionsmi eln sei, ielmeh meinen, daß
die soziale S uk u sowohl aus wi scha lichen wie aus
poli ischen und geis igen Quellen gespeis wi d. Die
Wi scha is nu eine, wenn auch seh wich ige und en scheidende,
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64 An on Schöpke [320
on ielen möglichen Ges al ungs o men des kul u ellen Lebens
übe haup .
De im Le z en kul u pessimis ischen Au assung on de Ablösung
des indi iduellen, au Pe sönlichkei swe en sich g ündenden Un e -
nehme ums du ch das „Manage um" Bu nhamsche P ägung, das
schließlich nu die ( o ali ä e) He scha eines kollek i is isch und
mechanis isch bes imm en Funk ionä ums bedeu e , sei am Schluß die
pe sönliche Übe zeugung gegenübe ges ell , daß wi im gegenwä igen
Un e nehme um noch genügend sowohl p ak isch-wi scha liche als
auch e hisch-soziale Pe sönlichkei sk ä e zu e kennen glauben, die
geeigne sind, unse e Wi scha so dnung mi uch ba em und leben-
digem Geis zu e üllen und — im Sinne Schumpe e s — neue Kom-
bina ionen nich nu im wi scha lichen, sonde n auch im sozial-
e hischen Sinn „du chzuse zen".
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