Reichsbankpolitik 1918-1923 zwischen Zahlungsbilanz- und Quantitätstheorie
Abstract
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Full text
Hol e ich, Ca l-Ludwig
A icle
Reichsbankpoli ik 1918-1923 zwischen Zahlungsbilanz-
und Quan i ä s heo ie
Zei sch i ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en (ZWS) - Vie eljah essch i de
Gesellscha ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en, Ve ein ü Socialpoli ik
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Hol e ich, Ca l-Ludwig (1977) : Reichsbankpoli ik 1918-1923 zwischen
Zahlungsbilanz- und Quan i ä s heo ie, Zei sch i ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en
(ZWS) - Vie eljah essch i de Gesellscha ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en, Ve ein ü
Socialpoli ik, ISSN 0342-1783, Duncke & Humblo , Be lin, Vol. 97, Iss. 3, pp. 193-214,
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Reichsbankpoli ik 1918-1923
zwischen Zahlungsbilanz- und Quan i ä s heo ie*
Von Ca l-Ludwig Hol e ich
Es wi d die F age un e such , ob die Reichsbank en sp echend ih en ö en -
lichen Ve lau ba ungen a sächlich die Bedeu ung de Geldmenge ü den In-
la ionsp ozeß e kann ha .
I.
Mi zwei Theo ien s i en Wissenscha le und Poli ike um die E -
klä ung de deu schen Gelden we ung schon wäh end des e s en Wel -
k ieges, besonde s abe in den Nachk iegsjah en: Die Ve e e de Zah-
lungsbilanz heo ie sahen die Haup u sache des allenden Außen- und
Binnenwe s de Reichsma k in de passi en deu schen Handels- und
Zahlungsbilanz; die Ve e e de Quan i ä s heo ie mach en demgegen-
übe die o gese z e Ve meh ung de Geldmenge, insbesonde e wegen
de De izi inanzie ung des Reichshaushal s übe die No enp esse, ü den
En we ungsp ozeß e an wo lich (K. Ha dach 1974, aus üh lich Ellis
1937). Die Reichsbank wi d au G und ih e Ö en lichkei sa bei wäh end
de In la ionsjäh e bis heu e allgemein als Ve e e de Zahlungsbilanz-
heo ie da ges ell 1. Die Zuo dnung de Reichsbank zu diese heo e i-
schen Posi ion we de ich im wesen lichen anhand e auliche Sch eiben
de Reichsbanklei ung an Reichs egie ung und Reichsp äsiden en eine
k i ischen P ü ung un e ziehen2.
* Fü K i ik an einem ühe en En wu dieses Au sa zes danke ich K.
Bo cha d , R. Dumke, W. Fische , R. F emdling, G. Ha dach, G. Hoho s und
K. Kau hold.
1 Vei (1969), S. 520, Hahn (1963), S. 16 ., B esciani-Tu oni (1968), S. 42,
Eyne n (1928), S. 71, Eucken (1923), S. 5 ., D'Abe non (1930), S. 314 - 320. Lans-
bu gh (1924), S. 36 ., äum zwa ein, daß die Reichsbank in ih em im Mai
1921 e ö en lich en Jah esbe ich ü 1920 e s mals die übe mäßige Aus-
dehnung des Geldumlau s als die Haup u sache „zunehmende Gelden we -
ung und Valu a Ve schlech e ung" zu e end da ges ell habe, mach ih je-
doch zum Vo wu , daß sie es angeblich „niemals zu einem Wide sp uch de
Bank gegen die Reichs inanzpoli ik ode ga zu eine Weige ung, e ne hin
Reichsscha zwechsel zu diskon ie en", habe kommen lassen.
2 Ich s ü ze mich dabei au Ak en de Reichskanzlei (Bes and R 43 I) und des
Reichs inanzminis e iums (Bes and R 2) im Bundesa chi Koblenz, in denen
sich nu ein kleine Teil de Ko espondenz zwischen Reichsbank und Reichs-
egie ung ü die Jah e nach dem e s en Wel k ieg inde . Die um ang eichen
13 Zei sch i ü Wi scha e- und Sozialwissenscha en 1977/3
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194 Ca l-Ludwig Hol e ich
Die Un e suchung gliede sich in olgende Abschni e:
II. Eine ku ze Zusammen assung de wich igs en ins i u ionellen Cha-
ak e is ika de In la ionspe iode, besonde s hinsich lich de S el-
lung de Reichsbank.
III. Da s ellung und K i ik de Zahlungsbilanz- und Quan i ä s heo ie.
IV. Da s ellung und Eino dnung de A gumen a ion de Reichsbank
gegenübe de Reichs egie ung eine sei s und de Ö en lichkei
ande e sei s.
V. Die „Logik" de Reichsbankpoli ik o dem Hin e g und konku ie-
ende wi scha spoli ische Ziel o s ellungen.
II.
Als P ä en i maßnahme gegen den be ü ch e en „Run" au die na io-
nalen Gold o ä e bei K iegsausb uch hob die Reichs egie ung, wie p ak-
isch alle k iegs eilnehmenden S aa en, im Augus 1914 die Goldeinlö-
sungsp lich ü Reichsbankno en au (Die Reichsbank 1925, S. 39 .,
P leide e 1976, S. 157 ). Die Reichsbank wu de e mäch ig , neben den
p i a en Handelswechseln auch Reichswechsel und -scha zanweisungen
zu diskon ie en sowie in die D i eldeckung ih e No en neben dem Gold
(und einem ge ingen Be ag an Reichskassenscheinen) nunmeh auch die
K edi scheine de neu gescha enen Da lehnskassen einzubeziehen. Die
Da lehnskassen wa en de Reichsbank selbs un e s ell und dien en de
Fö de ung des Lomba dk edi s, au den die P i a wi scha nunmeh
angewiesen wa , sowei ih e adi ionellen K edi mä k e om Reich in
Ansp uch genommen wu den. Dami wa die „goldene B emse an de
K edi maschine" (Schumpe e 1927) gelös , die eine in la ionä en Ausnu -
zung des No enbankk edi s du ch den S aa ü die Zwecke de K iegs-
inanzie ung hä e en gegens ehen können.
Die Geschä s üh ung de Reichsbank un e s and zwa sei G ündung
de Reichsbank im Jah e 1875 gese zlich de Au sich und Kon olle de
Reichs egie ung. De Reichskanzle konn e als obe s e Diens he de
Reichsbank Weisungen e eilen (Lö z 1888, S. 242 .). Solange jedoch die
umlau enden No en zu einem D i el in Gold und as de ganze Res
mi p i a en Handelswechseln gedeck sein muß en, ha e die Abhängig-
kei de Reichsbank on de Reichs egie ung wenige Bedeu ung als die
gemeinsame Ve p lich ung beide Ins anzen, die D i eldeckungs o -
sch i zu wah en.
Reichsbankbes ände ( gl. Me chies 1968, S. 387 - 391) be inden sich in de
DDR und wa en mi , wie ande en Fo sche n aus dem Wes en, bishe nich
zugänglich.
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Reichsbankpoli ik 1918 - 1923 195
Die Reichsbank be ä ig e sich wäh end de K iegs jäh e als „Haus-
bank" de Reichs egie ung (Die Reichsbank 1925, S. 41, Lö z 1927). Sie
inanzie e K iegsausgaben o du ch Übe nahme ku z is ige Scha z-
anweisungen, de sogenann en schwebenden Schulden des Reiches.
Gleichzei ig lei e e sie die Kampagnen in de Ö en lichkei ü die Pla-
zie ung de K iegsanleihen, aus de en Au kommen die schwebenden
Schulden des Reiches — besonde s sei de E höhung de K iegsans en-
gungen en sp echend dem Hindenbu gp og amm in de zwei en K iegs-
häl e — nu eilweise ge ilg we den konn en. Da ein s eigende Teil de
ku z is igen Schulden des Reiches auch nich am p i a en Geldma k
un e zub ingen wa , sonde n im Po e euille de Reichsbank e blieb,
wuchs das Geld olumen de Reichsbank (Bankno en und Reichsbank-
deposi en) be äch lich an3:
Juli 1914 4,2 M d. Ma k
Augus 1914 6,7 M d. Ma k
Juli 1915 7,2 M d. Ma k
Juli 1916 9,4 M d. Ma k
Juli 1917 14,7 M d. Ma k
Juli 1918 21,2 M d. Ma k
Ok obe 1918 27,4 M d. Ma k
Wäh end de ie K iegs jäh e zeig en sich in Deu schland wie in allen
am K ieg be eilig en Lände n Symp ome de In la ion (G. Ha dach 1973,
S. 183 ., B own 1940, League o Na ions 1925):
— zum einen in Fo m on binnenländischen P eiss eige ungen ü Gü-
e und Diens e ode — sowei die P eise kon ollie wa en — in
Knapphei se scheinungen,
— zum ande n in eine nied igen Bewe ung de binnenländischen Wäh-
ung an den De isenbö sen in neu alen Golds anda dlände n, wäh-
end die Wechselku se au den inländischen De isenmä k en du ch
De isenbewi scha ung au einem höhe en Ni eau gehal en wu den.
Nach Ende des K ieges wa die deu sche Ö en lichkei nich meh
be ei , S aa sanleihen zu zeichnen4. Die Finanzie ung on S aa saus-
gaben du ch Un e b ingung ku z is ige Reichsscha zanweisungen bei
de Reichsbank ging jedoch wei e . Die Reichs egie ung sah sich aus
poli ischen und sozialen E wägungen auße s ande, ih e Ausgaben zu
d osseln, woll e sie die junge Demok a ie nich du ch eine Wi scha s-
k ise ge äh den (Wi 1974, S. 411). Die Ve eilung de Ausgaben wu de
3 Die Da en beziehen sich jeweils au das Mona sende und sind den Wochen-
übe sich en in den jäh lichen Ve wal ungsbe ich en de Reichsbank en nom-
men. Vgl. auch: S a is isches Reichsam (1925).
4 De einzige Ve such des Reiches mi de Spa p ämienanleihe on 1919
e wies sich wegen de allgemeinen poli ischen und wi scha lichen Unsiche -
hei als Fehlschlag (Hesse 1938, S. 137).
13*
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196 Ca l-Ludwig Hol e ich
bes imm on den Folgelas en des K ieges: den in e na ionalen Ve -
p lich ungen aus dem Wa ens ills ands- und F iedens e ag, de
K iegsop e e so gung im Inland, dem Wiede au bau de deu schen
Wi scha , de no wendigen E näh ung de Be ölke ung, de Rohs o -
bescha ung und de Scha ung on A bei splä zen ü die om Mili ä -
diens und de K iegsindus ie eigese z en A bei sk ä e.
Wa in den Jah en zu o zuguns en des Reiches on de No enbank
geschöp es Geld übe die K iegsanleihen zum Teil wiede aus dem
Ve keh zu No enbank zu ückgehol wo den, so en iel mi dem K iegs-
ende diese zumindes eilweise s abilisie ende Rück luß. Ein im Ve -
gleich zu den K iegs jäh en s ä ke es Wachs um des Geld olumens a
nun ein, das 1923 in eine Flu we losen Papie s aus den Reichsbank-
d ucke eien ende e. De Umlau an Reichsbankno en plus Reichsbank-
deposi en s ieg in den Nachk iegs jäh en olgende maßen ( gl. Fußno e 3
au S. 195).
No embe 1918 29,3 M d. Ma k
No embe 1919 43,0 M d. Ma k
No embe 1920 71,6 M d. Ma k
No embe 1921 126,3 M d. Ma k
No embe 1922 995,1 M d. Ma k
No embe 1923 774,3 x 10*8 M d. Ma k
De Diskon sa z de Reichsbank lag wäh end des K ieges und in den
Nachk iegs jäh en bis Juli 1922 bei 5 °/o. E wu de bis zum Jah esende
1922 in kleinen Sch i en au 10
%>
e höh und e eich e e s au dem
Höhepunk de In la ion im He bs 1923 90 %. Bis Juli 1922 be uh e die
Ve meh ung de Geldmenge as ausschließlich au de Übe nahme on
Scha zanweisungen des Reiches in das Po e euille de Reichsbank. Da-
nach be ieb die Reichsbank einen e s ä k en Ankau p i a e Handels-
wechsel zusä zlich zu de o lau enden Diskon ie ung on Reichsscha z-
anweisungen (Zahlen in G aham 1930, S. 61 .). Diese Geldmengenexpan-
sion sahen die Quan i ä s heo e ike als die Haup u sache zunächs de
inne en und als Folge da on de äuße en En we ung de deu schen
Wäh ung an.
Die genauen Zahlen sind ums i en, jedoch gil es als siche , daß die
deu sche Handelsbilanz wäh end de K iegs- und Nachk iegs jäh e be-
äch liche De izi e au wies. Mee wa h (1924, S. 17, 20) ha das Handels-
bilanzde izi ü die Zei om 1. Augus 1914 bis Ende Dezembe 1918
mi und 15 M d. und ü die Jah e 1919 - 1922 mi 11 M d. Goldma k
angegeben. Kompensie ende Ak i pos en in de Diens leis ungsbilanz
wa en en allen, so z. B. die Zinszahlungen aus ausländischen Kapi alan-
lagen und F ach einnahmen aus dem See anspo geschä . Au de Pas-
si sei e de deu schen Zahlungsbilanz wa en nach K iegsende Fo de-
ungen des Auslands aus dem Ve saille Ve ag hinzuge e en. Diese
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Reichsbankpoli ik 1918 - 1923 197
De izi e in de Leis ungsbilanz ha en die Zahlungsbilanz heo e ike im
Auge, wenn sie die En wicklung de Wechselku se und schließlich des
inländischen P eisni eaus aus de Lage de Zahlungsbilanz e klä en
woll en.
III.
Im Zen um de geld heo e ischen und poli ischen Deba e wäh end
de In la ionsjäh e in Deu schland5 s and die F age, ob nach de Au -
hebung des Golds anda ds die Geldmenge ü das Fallen des Wechsel-
ku ses de Ma k (und als Folge da on ü die E höhung des P eisni eaus
in Deu schland) eine ak i e ode passi e Rolle spiel e, mi ande en Wo -
en, ob die s eigende Geldmenge U sache ode Wi kung des En we ungs-
p ozesses wa . Dieses Thema wa be ei s ein Jah hunde ühe Gegen-
s and de sog. Bullionkon o e se in England gewesen6. Wal e Euchen
(1923, S. 8, 38) — selbs ein Ve e e de Quan i ä s heo ie — benu z e
zu Ve deu lichung de E klä ungszusammenhänge ü den deu schen
Fall olgende Da s ellung, in de die kausalen Ve knüp ungen jeweils
du ch P eile gekennzeichne sind (s. Übe sich S. 198).
Ausgangspunk de Zahlungsbilanz heo e ike 7 is die Be ach ung
ealwi scha liche Vo gänge in de P oduk ion und Ve eilung on
Gü e n und Leis ungen. Die Zahlungsbilanz heo ie sieh zwa den Wech-
selku s als den P eis an, de das Angebo und die Nach age nach De i-
sen mone ä zum Ausgleich b ing . Abe zu E klä ung on Wechsel-
5 Es sei au die äuße s spannende und die Posi ionen klä ende Deba e
zwischen Ve e e n de Zahlungsbilanz- und de Quan i ä s heo ie in den
„Ve handlungen de Sozialisie ungskommission übe die Repa a ions agen"
(Bd. I, 1921, S. 147- 162, Si zung om 13. Juli 1921) e wiesen. Vgl. auch
Lau sen and Pede sen (1964), S. 30-41: "Deba e on he Causes o he Ge man
In la ion."
6 Hie ging es um die E klä ung des Fallens de b i ischen Wechselku se
gegenübe Wäh ungen au Me allg undlage bzw. dem Edelme all (bullion)
selbs wäh end de Pe iode de Inkon e ibili ä des P undes on 1797 - 1821.
Vgl. hie zu Vine (1937), S. 119 - 209, Angell (1926), S. 40 - 79, Fo s mann (1956),
S. 238 - 253. Da on zu un e scheiden is de S ei zwischen de Cu ency und
Banking School, in dem es um die Ausges al ung de Geldpoli ik bei Kon e -
ibili ä ging, wobei beide Sei en eine G enze ü die Geldschöp ung g und-
sä zlich als no wendig ane kann en, nämlich in Fo m de Me alldeckung de
Wäh ung. De S ei konzen ie e sich im wesen lichen da au , wie die Me-
alldeckung de Bankno en angesich s de ku z is igen Schwankungen in de
Geldnach age de Wi scha (nich des S aa es) ausges al e we den soll e.
Vgl. Vine (1937), S. 223, auch Ho mann (1907), S. 101 - 146, Ris (1940), S. 203 -
229.
Die Banking-Theo ie, die eine elas ische Anpassung des Geldangebo s an
ku z is ige Schwankungen in de Geldnach age be ü wo e , ha e sich in
Deu schland bei Theo e ike n und P ak ike n as olls ändig du chgese z ,
gl. Pa schan (1929).
7 Aus üh liche Da s ellungen de Zahlungsbilanz heo ie inden sich in den
We ken ih e wissenscha lichen Haup e e e in Deu schland: Bonn (1922),
Hel e ich (1897) und Hel e ich (1923), S. 644 . Zu eine Beu eilung Hel e-
ichs als Pe sönlichkei gl. Williamson (1971). Sowohl Bonn wie Hel e ich
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198 Ca l-Ludwig Hol e ich
Zahlungsbilanz heo ie
Passi um de Zahlungsbilanz
( e u sach in e s e Linie du ch den F iedens e ag)
1
Auss ömen on Papie geld
1
P eiss eige ung de De isen
1
S eige ung de Wa enp eise in Deu schland
I 1
De izi im S aa sbudge S ä ke e Diskon ie ung on Handelswechseln
/
In la ion
Quan i ä s heo ie
De izi im Budge Zu nied ige Zins uß
(bewi k o allem du ch die
Las en des F iedens e ages)
1 * I
In la ion
I
Wa enp eiss eige ung
I
Sinken des Ma kku ses
Anme kung: Es is zu beach en, daß Euchen — en sp echend de u sp ünglichen
Wo bedeu ung und dem damals allgemein üblichen Geb auch des Wo es — un e „In-
la ion" die Au blähung de Geldmenge (mi de möglichen Folge on P eiss eige un-
gen) und nich den Ans ieg des P eisni eaus selbs e s and.
wa en bezeichnende weise — wie seine zei die Ve e e de Zahlungsbilanz-
heo ie in de Bullionkon o e se in England — auch mi p ak ischen Au -
gaben in de Poli ik be aß : Hel e ich wäh end des K ieges als S aa ssek e-
ä im Finanzminis e ium, anschließend als deu schna ionale Abgeo dne e
im Reichs ag; Bonn in den Nachk iegs jäh en als inanzpoli ische Be a e de
Regie ung. Beispiele da ü , wie die Zahlungsbilanz heo ie die A gumen a ion
de deu schen Regie ung gegenübe den Alliie en dominie e: Ra henau
(1922), S. 10 ., 35 sowie: S a is isches Reichsam (1923), S. 22 . Ob man diese
Theo ie gene ell „wissenscha lichen Cha ak e " absp echen soll e, wie Czada
(1973), S. 10 es u , mag dahinges ell bleiben, besonde s nachdem sich in de
wi scha lichen Wi klichkei zunehmend die Inelas izi ä en gezeig haben, die
de Zahlungsbilanz heo ie als Annahme zug unde liegen. Man wi d Czada
abe zus immen müssen, daß sie on den Poli ike n o allem wegen ih es
„ ech e igenden Cha ak e s" ü die deu sche Wi scha spoli ik e e en
wo den is . Jedoch s anden auch die alliie en Regie ungen au dem Boden
de Zahlungsbilanz heo ie, als sie 1924 im Dawes-Plan die No wendigkei
eines sog. T ans e schu zes ü die deu schen Repa a ionsVe p lich ungen an-
e kann en.
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Reichsbankpoli ik 1918 - 1923 199
ku sbewegungen we den die Posi ionen au de Angebo s- und Nach-
agesei e des De isenma k es be ach e , die p ak isch unabhängig on
de Höhe des Wechselku ses an allen und einen on de ealen Sei e de
Wi scha o gegebenen Beda da s ellen. E gib sich hie eine Übe -
nach age nach De isen, s eig de P eis ü ausländische Wäh ung und
induzie Anpassungen in den Leis ungss ömen, besonde s abe Kapi-
alimpo e, die den Ausgleich au dem De isenma k he bei üh en.
Im Zusammenhang mi de E klä ung de deu schen Gelden we ung
wa en olgende Ansich en ypisch: Die deu sche Wi scha benö ige
zu Auslas ung ih e indus iellen Kapazi ä en einen bes imm en Roh-
s o impo , die Be ölke ung eine bes imm e Nah ungsmi elmenge. Bei-
des könne — sowei nich im Inland o handen — nu du ch Impo e be-
scha we den und zwa jeweils unabhängig om P eis. Dadu ch sei eine
bes imm e Nach age nach De isen o gegeben, die je nach den Aus-
uh chancen nich imme du ch Expo de isen gedeck we den könne.
So sei die deu sche Handelsbilanz im e s en Wel k ieg no wendige weise
deswegen de izi ä gewesen, weil adi ionelle Expo mä k e en allen
seien, gleichzei ig abe de Beda an Lebensmi eln und Rohs o impo -
en un e minde o bes anden habe. Nach dem K ieg sei du ch die Ab-
e ung ohs o eiche Gebie e und du ch die Repa a ionssachlie e un-
gen ein zusä zliche Ein uh beda und dami eine zusä zliche Nach age
nach De isen en s anden. Wei e hin sei die De isennach age du ch die
Deu schland au e leg en Repa a ions e p lich ungen ges eige wo den.
Auch diese Be äge müß en ebenso wie die Zinszahlungen ü De isen-
schulden an das Ausland am De isenma k unabhängig on den jeweili-
gen Kos en in inländische Wäh ung gedeck we den. Diese ges eige -
en De isennach age s ehe ein e inge es Angebo an De isen aus den
adi ionellen Quellen gegenübe . De Ve saille Ve ag sehe eine han-
delspoli ische Benach eiligung Deu schlands o 8. T adi ionelle De isen-
b inge wie die Handelsma ine und die deu schen Kapi alanlagen im
Ausland seien beschlagnahm . Auch die in e na ionalen Finanzmä k e
e weige en die Placie ung lang is ige deu sche Anleihen. Die exi-
s ie ende Lücke könne nu dadu ch geschlossen we den, daß Auslände
zu He gabe on De isen du ch o gese z e Übe nahme deu schen Pa-
pie geldes (Bankno en, Bankgu haben, Schuld e sch eibungen, Buch-
schulden) e anlaß wü den, mi ande en Wo en, ku z is igen K edi
gewäh en. Diese ku z is ige K edi hänge jedoch wie ein Damokles-
schwe übe de deu schen Wäh ung. Insowei das Ausland das Ve -
auen in die zukün ige S abili ä de Ma k e lie e und ü seine Ma k-
8 Das deu sche Reich wa zu Gewäh ung de einsei igen Meis begüns igung
e p lich e und muß e zoll eie Ein uh en aus den abge e enen Gebie en
(Elsaß-Lo h ingen und Saa ) zulassen. E s ü 1925 wa die Wiede gewinnung
de handelspoli ischen Au onomie o gesehen.
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200 Ca l-Ludwig Hol e ich
bes ände De isen o de e, sei eine P eiss eige ung de De isen, de Im-
po wa en und übe die P oduk ionskos en schließlich des gesam en in-
ländischen Gü e angebo es die Folge. Dadu ch abe we de de S aa s-
haushal sowohl zu Bewäl igung de binnenwi scha lichen Au gaben
wie zu Finanzie ung de Auslands ans e s mi zusä zlichen Ausgaben
belas e und zu De izi inanzie ung und e s ä k en Inansp uchnahme
de Geldschöp ungsmöglichkei en bei de No enbank gezwungen. Ebenso
e e die P i a wi scha zu Bewäl igung ih e Umsä ze mi s eigenden
K edi ansp üchen an die Banken he an. Dami de S aa seine Au gaben
e üllen könne und um S ö ungen des Wi scha slebens zu e meiden,
sei die No enbank gezwungen, diesen Ansp üchen nachzugeben. Die
Geldmengens eige ung sei dahe eine Folge und nich die U sache des
Wechselku s e alls und de P eiss eige ungen.
Die Zahlungsbilanz heo e ike sahen also die No enbank in eine die-
nenden Funk ion, nämlich einen o gegebenen „Beda " mi Kau k a
auszus a en, und ge ade dann mi zusä zliche Kau k a , wenn die
P eise ges iegen wa en. Die Zahlungsbilanz heo e ike ech e ig en
ih e Posi ion mi dem A gumen , de g öß e Teil de De isennach age
sei p eisunelas isch, und hiel en es ü eine Illusion, daß man du ch Ve -
knappung de Geldmenge im Inland nied ige e P eise du chse zen und
dadu ch die Ein uh d osseln und die Aus uh s eige n könn e. „Wi
haben ga nich die elas ische Wi scha , die bei diesen Theo ien o -
ausgese z wi d", a gumen ie e J. M. Bonn im Mä z 1922 gegen die
Quan i ä s heo ie (Ve handlungen de Sozialisie ungskommission 1922,
S. 13). Die Zahlungsbilanz heo e ike ließen also Raum ü die Be ück-
sich igung on ins i u ionellen Eigena en wie Lohn- und P eiss a -
hei en, die sich mi zunehmende S ä ke gewe kscha liche O ganisa io-
nen und de besonde s im deu schen Fall s a k en wickel en Monopoli-
sie ung und Ka ellie ung de P oduk ion im 20. Jah hunde du chge-
se z ha en. Auch die handelspoli ischen Besch änkungen, mi denen sich
die Repa a ionsgläubige gegen die ü die T ans e ie ung de Repa a-
ionen au die Daue une läßlichen deu schen Expo s eige ungen weh -
en, s ell en ein zusä zliches Elemen de Inelas izi ä da . De a ige In-
lexibili ä en abe lei en die Wi kung eine kon ak i en Geldpoli ik
om mone ä en Be eich (P eisni eau) au die eale Sphä e de P oduk-
ion (Kapazi ä sauslas ung, Beschä igung) um. Hinzu komm , daß in
einem demok a isch o ganisie en S aa diese Inelas izi ä en und die da-
mi e bundenen Folgen eine kon ak i en Poli ik ü Wachs um und
Beschä igung einen wich ige en S ellenwe e hal en, da Regie ungs-
meh hei en ge äh de sind, wenn nich ein bes imm e eale Beda de
Wi scha und de Be ölke ung zwecks Siche ung on Wachs um, Voll-
beschä igung und eines angemessenen Lebenss anda ds mi Kau k a
ausges a e wi d. Au G und diese Übe legungen konn e in den Jah en
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Reichsbankpoli ik 1918 - 1923 207
ü das Jah 1920 e s mals die De izi wi scha des Reiches als die
Haup u sache de Gelden we ung he aus, bezeichne e sie jedoch wegen
„de s a ken Ve schlech e ung de Finanzlagen des Reiches" als „un e -
meidba " (Ve wal ungsbe ich 1920, S. 3). Hie inde eine eilweise
Schwenkung zum quan i ä s heo e ischen S andpunk s a . Es is be-
zeichnend, daß nunmeh bis in das Jah 1923 hinein die Beu eilung de
Wi scha s- und Wäh ungsen wicklung in den Ve wal ungsbe ich en
eine sei s und in den e aulichen Sch eiben an die Reichs egie ung
ande e sei s p ak isch keine wesen lichen Un e schiede meh au wies.
So gal im Jah e 1922 sowohl in den e ö en lich en wie in den e au-
lichen Be ich en die Kon olle de schwebenden Reichsschuld als de
Schlüssel zu Kon olle de In la ion. Das Reich könne jedoch e s dann
au diese „äuße s schädigende Finanzie ungsme hode" e zich en, wenn
„die Repa a ions e p lich ungen eine He abminde ung au ein de
s eue lichen Leis ungs ähigkei de Be ölke ung en sp echendes Maß
e ah en". (Ve wal ungsbe ich 1921, S. 5. Ähnlich: BA R 43 1/638, Bd. 1,
Bla 222 - 223.) Mi ande en Wo en: die Reichsbank sah ein Junk im
zwischen de Lösung des deu schen Wäh ungsp oblems und eine E -
mäßigung de Repa a ions o de ungen, an dem sie auch noch in de
Pe iode de Hype in la ion es hiel . So u eil e sie noch in ih em Sch ei-
ben om 30. Mai 1923 an den Reichsp äsiden en übe die Vo ausse zun-
gen de S abilisie ung, daß e s eine „ a sächlich e olg e ode in be-
s imm e Aussich ge ück e Abände ung des Ve saille Ve ages einen
Ausgleich de Zahlungsbilanz und des inne en Reichshaushal es e mög-
lich . (BA R 43 1/638, Bd. 1, Bla 269 - 270.)
Es e schein mi müßig, da übe zu s ei en, ob die Reichsbank nach
1921 die In la ion geplan he beige üh ode nu hingenommen ha 12.
Ta sache is , sie ha ih e Wide s ände gegen die in la ionä e Reichs inanz-
poli ik nach den geschilde en E eignissen des Jah es 1921 au gegeben.
Das wi d auch an zwei ins i u ionellen Ve ände ungen sich ba :
— Die No elle zum Reichsbankgese z om 9. Mai 1921 se z e die D i el-
deckungs o sch i ü Reichsbankno en — die 1914 nich abgescha ,
sonde n nu au geweich wo den wa — bis zum 31. Dezembe 1923
auße K a (Die Reichsbank 1925, S. 99 .). Diese Gese zesände ung
is nach Abs immung de Reichs egie ung mi de Reichsbank zu-
s andegekommen und ein Indiz da ü , daß sich beide Sei en mi einem
Fo sch ei en de In la ion nunmeh abge unden haben.
12 Besonde s anzösische Poli ike bezeichne en die In la ion als ein geplan-
es Manö e Deu schlands mi dem Zweck, die Zahlungsun ähigkei Deu sch-
lands zu demons ie en. Vgl. Be gmann (1927), S. 148, 198, Schuke (1976),
S. 178 . Demgegenübe behaup en Lau sen and Pede sen (1964), S. 123: "The
in la ion in Ge many un il 1923 was no he esul o a policy, bu a he a
lack o policy."
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208 Ca l-Ludwig Hol e ich
— Die Reichsbank nahm am 1. Juni 1921 den Ankau on Goldmünzen
aus de Be ölke ung un e Zahlung eines Agios au , d. h. „sie e -
kenn e s mals o iziell die In la ion an" (Schach 1928, S. 31).
Nachdem die Reichsbank au D ängen de alliie en Regie ungen du ch
das sogenann e Au onomiegese z om 26. Mai 1922 ih e Unabhängigkei
on den Weisungen de Regie ung e lang ha e und dami in de Lage
wa , auch gegen den Willen des Reiches de Geldmengenexpansion einen
Riegel o zuschieben, mach e sie on diese Möglichkei keinen Ge-
b auch. Ans elle eine Ve inge ung des In la ions empos, die sich die
Alliie en on de Au onomie de Reichsbank e ho ha en, a sei
Juli 1922 eine Beschleunigung ein. Selbs noch au dem Höhepunk de
In la ion, im Augus 1923, gab die Reichsbank den K edi an o de ungen
des S aa es nach, obwohl sie als Folge da on „eine gewal ige neue, das
bishe ige Maß wei übe s eigende Zunahme de In la ion" e wa e e;
abe sie könne sich „de Ube zeugung nich e schließen, daß es sich
hie um die E üllung on S aa sno wendigkei en handel ". (BA R 43 1/
632, B ie Reichsbankdi ek o ium an den Finanzminis e om 23. Augus
1923.)
Diese ch onologische Schilde ung de S ellungnahmen de Reichsbank
zu In la ion 1918 - 1923 läß sich olgende maßen zusammen assen: Die
Reichsbank ha die deu sche In la ion wäh end und nach dem E s en
Wel k ieg nich monokausal be ach e 13. Das gab ih die Möglichkei , die
13 Audi Czada (1973), S. 11, schläg nach Da s ellung un e schiedliche E -
klä ungsansä ze mode ne In la ions heo ien o , „ on o nhe ein au eine
monokausale Deu ung de E eignisse zu e zich en." Vgl. auch: Wu (1939),
S. 267: "... causes and e ec s a e, as al eady indica ed, o en con used and
ecip ocal ... causal sequence should be u he dis inguished om ac ual
sequence. In he eal wo ld he ac ual cou se is go e ned by a ious causes."
Ich möch e hinzu ügen: Es is de Zweck de Theo iebildung, aus de Viel al
on Ein lußbeziehungen in de Reali ä die en scheidenden Ein luß ak o en
ü die E klä ung eines Phänomens he auszup äpa ie en. Sozialwissenscha -
liche Theo ien sollen gesellscha liche S uk u en und P ozesse e klä en, sind
abe selbs Mi el de ideologischen Auseinande se zung zwischen gesell-
scha lichen G uppen zu Beein lussung diese S uk u en und P ozesse im
jeweiligen In e esse. Die Du chse zung eine Theo ie gegenübe eine ande-
en be uh dahe wenige au eine Übe legenhei in ih em logischen Au bau,
als in einem We u eil übe die Wich igkei des Explanandums und übe die
sozialen P io i ä en, die die Scheidung de Ein lußbeziehungen in U sachen
und Folgen sowie de Ein luß ak o en in das „ce e is pa ibus"-Lage au de
einen und in die unabhängigen Va iablen au de ande en Sei e bes immen.
Un e den Folgen und im „ce e is-pa ibus"-Lage inden sich alle die E schei-
nungen bzw. Fak o en, die dem di ek en Zug i poli ische En scheidungen
en zogen bleiben sollen. Das Angebo an e klä enden Va iablen is dann ein
Vo um da übe , au welchen Gebie en poli ische Ak i i ä en zu Beein lus-
sung gesellscha liche S uk u en und P ozesse anse zen soll en, nich so
seh , weil nu mi diesen Mi eln E gebnisse im Hinblick au bes imm e be-
absich ig e Ände ungen zu e zielen sind, sonde n weil hie Beein lussungs-
möglichkei en o liegen, die mi de Ve eidigung bes imm e In e essen in
de Gesellscha nich in Kon lik ge a en. Die Auseinande se zungen zwi-
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Reichsbankpoli ik 1918 - 1923 209
Gewich ung de e u sachenden Fak o en je nach dem Ad essa en ih e
Da s ellung und auch nach den Pe ioden de In la ion zu e schieben,
ohne allzu iel an Kon inui ä de Beu eilung au zugeben. Die Reichs-
banklei ung ha jedoch mindes ens sei 1918 die p imä e U sache de In-
la ion in de Geldmengens eige ung gesehen, die du ch das Anwachsen
de ku z is igen Schuldscheine des Reiches im Po e euille de Reichs-
bank ausgelös wu de. Sie wa also in e s e Linie Ve e e in de
Quan i ä s heo ie. Bis 1921 ha sie in den e aulichen Sch eiben die
Reichs egie ung ene gisch — eils soga un e And ohung de Ve weige-
ung wei e en K edi s — zu eine Beendigung de in la ionä en Schul-
denwi scha au ge o de . Demgegenübe e a sie in ih en ü die
Ö en lichkei bes imm en Ve wal ungsbe ich en bis zum Londone Ul i-
ma um (5. Mai 1921) o wiegend Elemen e de Zahlungsbilanz heo ie
zu E klä ung de äuße en und inne en Gelden we ung. Danach s ell e
sie jedoch auch in ih en Ve wal ungsbe ich en die E höhung de schwe-
benden Schuld des Reiches als die wich igs e U sache ü die E höhung
de Geldmenge he aus, sah sie jedoch wegen de Repa a ionspoli ik de
Alliie en als „un e meidba " an. Das wa die Linie, die nun sowohl
in e n gegenübe de Reichs egie ung wie ex e n gegenübe de Ö en -
lichkei mi nu ge ingen Abweichungen e e en wu de. Demen sp e-
chend gab es in den Jah en on 1921 bis 1923 auch keine Hinweise meh
au eine Opposi ion de Reichsbank gegen das wei e e Anschwellen de
schwebenden Schuld des Reiches in ih em Po e euille, jedoch zahl eiche
E klä ungen, daß eine O dnung de Reichs inanzen nu dann möglich
wä e, wenn sich die Alliie en zu eine Ve besse ung de Zahlungsbe-
dingungen ü die deu schen Repa a ions e p lich ungen be ei änden.
Diese Hal ung blieb on de au D ängen de Alliie en im Mai 1922
einge üh en Au onomie de Reichsbank unbeein luß .
V.
Abschließend möch e ich au zwei F agen eingehen, die mi de Schil-
de ung de un e schiedlichen Posi ionen au gewo en sind, die die
Reichsbank gegenübe dem In la ionsp oblem wäh end de Jah e 1918 -
1923 bezogen ha :
1. Womi is de Un e schied zu e klä en, de in den Jah en 1918 - 1920
zwischen de Da s ellung de In la ionsu sachen in den publizie en
Jah esbe ich en de Reichsbank eine sei s und ih en e aulichen
S ellungnahmen ande e sei s es zus ellen is ?
sehen Quan i ä s- und Zahlungsbilanz heo e ike n schein mi hie ü ein
Pa adebeispiel zu sein. Sie sind wenige ein S ei um absolu e Wah hei en
als ein E gebnis un e schiedliche Bewe ungen de sozialen Kos en, die mi
den du ch die Theo ien jeweils nahegeleg en poli ischen Eing i en zu Be-
kämp ung de In la ion e bunden sind.
14 Zei sch i ü Wi scha e- und Sozialwissenscha en 1977/3
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210 Ca l-Ludwig Hol e ich
2. Wo in lieg die wi scha spoli ische Logik ü die Hal ungsände ung
de Reichsbank gegenübe de Reichs inanzpoli ik nach dem Londone
Ul ima um? Diese F age üh den meh heo e ischen Abschni III
mi dem ehe desk ip i en Abschni IV zusammen.
Meine An wo au die e s e F age lau e zusammenge aß : ö en liche
E klä ungen on Sei en wi scha spoli ische O gane sind nich nu
Aussagen übe die wi scha liche Lage und ih e U sachen, sonde n im-
me auch Mi el zu Beein lussung de wei e en En wicklung. Eine No-
enbank z. B. beein luß mi ih en S ellungnahmen in de Ö en lichkei
E wa ungshal ungen übe die zukün ige En wicklung, die ih e sei s
die konk e en Handlungen de Wi scha ssubjek e und au diese Weise
die a sächliche wi scha liche En wicklung e ände n. Mi eine üh-
zei igen Be onung de binnenwi scha lichen In la ionsu sachen auch in
de Ö en lichkei hä e die Reichsbank mögliche weise das Ve auen
in die deu sche Wäh ung zusä zlich e schü e . Von de E hal ung eine
gewissen Ve auensbasis in die zukün ige S abili ä de deu schen
Wäh ung hing abe die Geldnach age des In- und Auslandes ab, die
ku z is ig bei gegebene In la ionsquelle (Reichshaushal sde izi e be-
s imm en das Geldangebo ) p ak isch zu ausschlaggebenden De e mi-
nan e des P eisni eaus wu de. De zahlungsbilanz heo e ische E klä-
ungsansa z koppel e die En wicklung des Geldwe es in Deu schland in
den Nachk iegs jäh en p ak isch an das Ve hal en des Auslandes in de
Repa a ions age. Eine o wiegend zahlungsbilanz heo e ische E klä-
ung de Gelden we ung in de Ö en lichkei konn e dahe die Nach-
age nach Geld an egen ode s abilisie en und au diese Weise P eis-
s eige ungen dämp en, solange Ho nungen au eine En las ung de
deu schen Zahlungsbilanz on übe mäßigen Repa a ions o de ungen
wachgehal en we den konn en. Die zahlungsbilanz heo e ische A gu-
men a ion de Reichsbank in de Ö en lichkei kann inso e n als de
Ve such in e p e ie we den, übe die Geldnach age den P eisau -
ieb zu b emsen, wäh end die gleichzei ige quan i ä s heo e ische A gu-
men a ion gegenübe de Reichs egie ung den Ve such da s ell , die
P eiss eige ungen om Geldangebo he zu bekämp en.
Nun zu zwei en F age nach de wi scha spoli ischen Logik des Po-
si ionswechsels de Reichsbank gegenübe dem In la ionsp oblem im
Jah e 1921. Ich habe be ei s da au hingewiesen, daß die En scheidung
da übe , ob die Wi scha spoli ik ih e gesam en wi scha spoli ischen
Möglichkei en ü die S abilisie ung des P eis- und/ode Wechselku s-
ni eaus ausschöp en soll e, imme auch un e Kos en-Nu zen-Gesich s-
punk en zu bewe en is . Das Einschwenken eine in la ionä en Wi -
scha au einen S abili ä sku s is mi einem de la ionä en P ozeß e -
bunden, de Kos en in de ealen Sphä e de P oduk ion (Wachs um,
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Reichsbankpoli ik 1918 - 1923 211
Beschä igung) e u sach , und zwa — wie oben ausge üh — um so
höhe e Kos en, je s ä ke die Wi scha on P eisinelas izi ä en du ch-
se z is . Die Reichsbank muß bis zum Londone Zahlungsplan om Mai
1921 die Kos en eine es ik i en Finanzpoli ik zu S abilisie ung de
deu schen Wäh ung als ge inge angesehen haben als den Nu zen eine
Rückkeh zu s abilen Wäh ungs e häl nissen. Dabei ha sie o ensich -
lich übe das Ausmaß de spä e en jäh lichen deu schen Repa a ions-
leis ungen Vo s ellungen gehab und mi Be ägen kalkulie , die un e
den d. 3,5 M d. Goldma k lagen, die das Reich nach dem Londone Zah-
lungsplan om Mai 1921 jäh lich mindes ens leis en soll e.
Wie be ei s e ö e , häng das Ausmaß de De la ion, das zu S abili-
sie ung de Wechselku se e o de lich is , auch on de Höhe de Aus-
lands o de ungen ab. We den diese z. B. du ch die Repa a ions o de-
ungen e höh , so muß das Inlandsp eisni eau um so s ä ke ged ück
we den, um bei gegebenem Wechselku s den Auslands ans e übe die
Leis ungss öme zu e zwingen. Auch die 1921 s a indende De la ion de
Wel ma k p eise bedeu e e eal eine S eige ung eine mone ä es ge-
leg en deu schen Repa a ions e p lich ung. Die on den Alliie en 1921
ge o de en Annui ä en haben nun o ensich lich im U eil de Reichs-
bank die Kos en eine Wäh ungss abilisie ung in Fo m on Wachs ums-
s ö ungen und Un e beschä igung gegenübe ühe en Vo s ellungen
de a in die Höhe ge ieben, daß sie den Nu zen s abile Wäh ungs e -
häl nisse selbs in den Augen eine im allgemeinen konse a i en In-
s i u ion, wie de No enbank, übe s iegen. Im U eil de Reichsbank wa-
en diese Kos en mi dem Ende „jede( ) s aa liche(n) O dnung und Wi -
scha s üh ung" iden isch (Ve wal ungsbe ich 1921, S. 4). Ve gleich
man im Rückblick die e hee enden wi scha lichen, sozialen und poli i-
schen Auswi kungen de De la ion in Deu schland 1929 - 1933 mi den
unmi elba en Folgen de Hype in la ion, so e schein diese Kalkül de
Reichsbank E gebnis eines du chaus soliden U eils e mögens. Die
Reichsbank ha inso e n wesen lich dazu beige agen, „daß die ,g oße
In la ion' das pa lamen a ische Sys em ü die Zei de Weima e Repu-
blik gesiche ha " (Halle 1976, S. 151).
Zusammen assung
Nach den wich igs en wäh ungspoli ischen Cha ak e is ika de In la ions-
pe iode 1914 - 1923 in Deu schland we den die beiden damals i alisie enden
E klä ungsansä ze o ges ell . Sie we den au eine jeweils un e schiedliche
Einschä zung zum einen de Elas izi ä de Wi scha , zum ande en de wi -
scha spoli ischen P io i ä ense zung zu ückge üh . Die Reichsbank e zich-
e e jedoch au monokausale E klä ungen. Sie e a bis 1921 gegenübe de
Reichs egie ung o allem quan i ä s heo e ische Ansich en, wäh end sie in
de Ö en lichkei o wiegend zahlungsbilanz heo e isch a gumen ie e. Diese
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212 Ca l-Ludwig' Hol e ich
di e enzie en S ellungnahmen we den als das Bemühen de Reichsbank in-
e p e ie , die En we ung sowohl om Geldangebo (Reichshaushal sde izi e)
wie on de Geldnach age he zu bekämp en. Nach de Fes se zung de Repa-
a ionsschuld Deu schlands im Mai 1921 gelang e die Reichsbank zu eine
ande en Einschä zung de Kos en im Ve gleich zum Nu zen eine S abilisie-
ungspoli ik: Sie gab ih en Wide s and gegen die In la ion wei gehend au .
Summa y
A e summa izing he salien mone a y cha ac e is ics o he Ge man
in la ion o 1914 - 1923, he au ho p esen s he wo cu en in e p e a ions o
he p oblem: he balance-o -paymen s- and he quan i y- heo ies. He shows
ha hey a e deduced om di e en assump ions abou he deg ee o elas i-
ci y o he economy and abou p io i ies o economic policy goals. The Reichs-
bank did no ely on mono-causal explana ions. Un il 1921, he Bank a gued
mainly om he p emise o he quan i y heo y is-à- is he go e nmen , bu
om he balance-o -paymen s heo y o he public. This is explained by a
dual e o o he Reichsbank o igh he in la ion: ia he money supply and
ia he money demand. A e Ge many's epa a ion bill had been ixed in May
1921, he Reichsbank alued u he esis ance o in la ion as oo cos ly.
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