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phpublico Fachzeitschrift für Bildung und Erziehung Dezember 2025 Schule entwickeln beraten führen 1 5
130 131 Johanna E. Schwarz Petra Lichtenschopf Integrierte Schulentwicklungsberatung: Synergien von Fachund Prozessberatung und ihre Bedeutung für die Professionalisierung schulisch Beteiligter Im Zentrum dieses Beitrages stehen Beratungszugänge, welche im Rahmen von Schulentwicklungsberatung (SEB) im deutschsprachigen Raum zum Einsatz kommen, Fachberatung und Prozessberatung. Diese Beratungsformen werden eingesetzt, um Organisationen in der Qualitätsentwicklung zu unterstützen. In den letzten Jahren entstanden Modelle integrierter Beratung als synergetische Verbindung von Prozessund Fachberatung mit dem Ziel, Schulentwicklungsprozesse wirkungsvoller zu gestalten und zu begleiten. Die gesammelten Forschungserkenntnisse unterstreichen die Annahme, dass durch die Bündelung der Beratungszugänge nachhaltige Impulse für Veränderung gesetzt und Synergien in allen Bereichen der Schulentwicklung gefördert werden können. Kleine Forschungsprojekte der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich ermöglichen durch ihren explorativen Zugang Annäherungsschritte an das bislang wenig erforschte Themenfeld. Ziel ist es, Impulse für die Praxis komplementärer Beratung zu generieren, den fachlichen Diskurs fortzuführen und Fragen für weitere Forschung zu finden. Der Artikel unterstreicht den Bedarf an systematischer Professionalisierung im Beratungsfeld und den gezielten Einsatz integrierter Beratungsformate. 1 Beratung im Feld der Schulentwicklung – Hinführung Schulische Qualitätsentwicklung hat die Verbesserung von Schule als Organisation, Personal und Unterricht zum Ziel. Schulen haben in Österreich die Gelegenheit, über die Pädagogischen Hochschulen (PH) auf das etablierte Unterstützungssystem der Schulentwicklungsberatung (SEB) zurückzugreifen. In diesem Prozess kommt dieser eine besondere Rolle zu, da von extern kommende Berater:innen Schulen dabei unterstützen, ihre Entwicklungspotenziale optimal auszuschöpfen (BMBWF, 2024; Dedering et al., 2022). Schulentwicklungsberatung wird im deutschsprachigen Raum häufig den – nicht eindeutig abgrenzbaren – Begriffen Schulentwicklungsbegleitung oder Prozessbegleitung gleichgesetzt (Dedering et al., 2022). Als organisationale Beratung geht es vor allem um die Verbesserung der Qualität der Schule (Dedering et al., 2013), wo sich bis heute unterschiedliche Beratungsarten etabliert haben, die Fachoder Expert:innenberatung und die Prozessberatung. 1.1 Fachberatung Bei der Fachberatung konzentriert sich die Beratungsperson auf inhaltliche Aspekte einer Problemstellung, in die sie ihre fachliche Expertise einbringt. Im Mittelpunkt stehen dabei die gründliche Untersuchung, Auswertung und Interpretation von Daten und Fakten sowie meist die Entwicklung eines Lösungskonzeptes für die Organisation. Wie die Umsetzung des Veränderungsprozesses gestaltet bzw. begleitet werden soll, wird in der Regel aus dieser Perspektive vernachlässigt (Handler, 2006), soziale Aspekte der Prozessgestaltung treten hier in den Hintergrund (Königswieser et al., 2015). 1.2 Prozessberatung Bei der Prozessberatung unterstützt die Beratungsperson die Organisation dabei, eigenständig Lösungswege zu entwickeln, indem sie vorhandene Potenziale nützt. Im Unterschied zur Fachbzw. Expert:innenberatung liegt der Angelpunkt hier bei der Gestaltung von Veränderungsund Kulturprozessen, z.B. auch im Bereich der Kommunikation einer Organisation. Die systemische Beratung setzt dabei auf vielfältige Methoden zur SichtbarSchulentwicklungsberatung Johanna E. Schwarz & Petra Lichtenschopf machung von Handlungsoptionen und bezieht die beteiligten Personen aktiv in den Prozess der Lösungsfindung ein (Handler, 2006). Schulentwicklungsberatung wird als Form der Prozessberatung gesehen, die Schulen bei der Planung, Steuerung und Umsetzung von Veränderungsprozessen unterstützt. Im Zentrum der Veränderungsvorhaben stehen dabei oft organisationale Strukturen, Prozesse oder Strategien, ausgelöst durch Fragen nach effizienter Nutzung von Ressourcen bzw. der Aufgabenteilung in der Schule. Die Schulleitung überträgt Teilaufgaben der Prozessgestaltung an die Beratenden, bleibt aber aktiv gestaltend und verantwortlich im Prozess. SEB erfordert durch die prozesshafte Gestaltung an sich keine Spezialisierung auf eine bestimmte Schulform (Fehse & Rohr, 2023). SEB tritt in Österreich seit einigen Jahren zentraler in den Fokus bildungspolitischer Projekte und Entwicklungsvorhaben wie z.B. bei Grundkompetenzen absichern (2017-2022), im Bundesqualitätsrahmen für Fortund Weiterbildung & Schulentwicklungsberatung an den Pädagogischen Hochschulen (BMBWF, 2021), im Weißbuch zur Ausrichtung der Schulentwicklungsberatung (BMBWF, 2024) und im Kompetenzprofil Schulentwicklungsberatung (BMB, 2025). Schulentwicklungsberatung steht in Anbetracht aktueller bildungspolitischer Innovationen und Steuerung vermehrt im bildungswissenschaftlichen Forschungsfokus. Das Wissen um die aktuelle Beratungspraxis und deren Wirkung sind noch ungenügend erforscht (Dedering et al., 2022). Studien von Kamarianakis & Webs (2019) sowie Forschungsergebnisse zur SEB in herausfordernden Lagen (Cuklevski & Schwarz, 2021) betonen die unterstützende Funktion der SEB für die Schulen. Empirische Befunde aus Deutschland bringen zum Vorschein, dass in Schulen beratende Personen zumeist prozessberatend und fachlich-inhaltlich beratend aktiv sind (Kamarianakis, 2021), sich daher eine integrierte Form von Beratung etabliert, welche situationsspezifisch auf die eine oder andere Beratungsperspektive wechselt (Dedering et al., 2022). Österreichische Schulentwicklungsberater:innen sehen sich überwiegend in der Prozessberatung, ca. 40% geben an, auch im Bereich der Fachund Prozessberatung tätig zu sein (Hofbauer & Bernhard, 2023). Schwarz & Überlacker (2023) verweisen hingegen auf einen sich abzeichnenden Trend zur Schulentwicklungsberatung mit integrierter Fachund Prozessberatung. Vor allem bei Themen der Unterrichtsund Personalentwicklung bedarf es der Arbeit von interdisziplinären Teams. Altrichter et al. (2021) halten aufgrund einer österreichweiten Recherche fest, dass in der SEB ein unterschiedlicher Methodenmix zum Einsatz kommt, u.a. auch Prozessberatung, Informationsvermittlung und Expert:innen-Tipps. Altrichter et al. (2022) halten aufgrund des großen Erkenntnisinteresses die Notwendigkeit der weiteren Forschung und Professionalisierung im Bereich der SEB fest. 2 Das Zusammenspiel von Fachund Prozessberatung (theoretischer Rahmen) Der verwobene Einsatz beider Beratungsformen kommt in einer Vielfalt von Begriffen und Modellen zum Ausdruck, z.B. das integrierte Kooperationsmodell (Fitsch & Scherf, 2005), die multiprofessionelle Beratung (Fehse & Rohr, 2023), die Komplementärberatung oder integrierte Fachund Prozessberatung (Königswieser et al., 2015) oder die prozessorientierte Fachberatung (Lindau-Bank, 2012). Alle Modelle nehmen in verschiedener Form Bezug auf die synergetische Verbindung von Prozessund Fachberatung. Das situative Kombinieren von Fachwissen und Gestaltungs-Know-how in Veränderungsprozessen hat sich vor allem in komplexen Innovationsvorhaben als besonders effektiv erwiesen (Fitsch & Scherf, 2005; Königswieser et al., 2006). Die bewusste Gestaltung von Phasen der Wissensvermittlung und gemeinsamer Reflexionsschleifen stellt ein verbindendes Element dar. In diesem komplexen, oszillierenden Prozess wird möglichst viel Know-how des Kundensystems genützt, um die Balance zwischen den Beratungsrichtungen in unterschiedlicher Verwobenheit zu wahren. Die ganzSchulentwicklungsberatung Johanna E. Schwarz & Petra Lichtenschopf Schwarz, J. & Lichtenschopf, P. (2025). Integrierte Schulentwicklungsberatung: Synergien von Fachund Prozessberatung und ihre Bedeutung für die Professionalisierung schulisch Beteiligter. phpublico, 15, S. 130-137. https://doi.org/10.5281/zenodo.17712107
132 133 heitliche Herangehensweise dieses Ansatzes trägt zur Akzeptanz der Beteiligten ebenso wie zur Effizienz und Dauerhaftigkeit von Change-Prozessen bei (Königswieser et al., 2006). Die Berücksichtigung der Wechselwirkungen im Beratungssystem stellt hohe Anforderungen an die Beratenden (Königswieser et al., 2015). Der Einsatz integrierter bzw. komplementärer Beratungsmodelle in der Schulentwicklung stellt sich als ein von der Forschung noch lückenhaft beachtetes Thema heraus. Im Bereich der systemischen Organisationsentwicklung wird die Komplementärberatung als besonders effektiv und nachhaltig eingeschätzt (Königswieser et al., 2006; Königswieser et al., 2015). Studienergebnisse zum Projekt Grundkompetenzen absichern (2018-2021) weisen z.B. darauf hin, dass die multiprofessionelle externe Beratung Schulen in Veränderungsprozessen bei der Einrichtung neuer Strukturen und Entwicklung von Entscheidungsstrukturen unterstützen kann (Cuklevski & Schwarz, 2021; Bauer & Schwarz, 2022). JesacherRößler (2022) erforschte das integrierte Zusammenspiel von Beratenden im sog. multiprofessionellen Team (MPT), bestehend aus Prozessberatenden, Fachdidaktiker:innen und Schulpsycholog:innen, die oft aus unterschiedlichen Institutionen kommen. Für die Wirksamkeit komplementärer Beratung nennt die Autorin Erfolgsfaktoren, wie die klare Aufgabenverteilung zwischen den Beteiligten, die Qualität der Zusammenarbeit (z.B. Beziehungsaufbau und gegenseitige Anerkennung). Als weiteren Befund regt sie an, sich weiterführend mit Professionalisierungsprozessen von Schulentwicklungsberatenden zu befassen. Ähnlich argumentieren Carmignola et al. (2021), sie weisen in diesem Forschungskontext auf die erforderliche Klarheit in den Beratungszugängen hin, damit deutlicher wird, wer wofür zuständig ist und wie Ratsuchende die passende Unterstützung finden können. In den letzten Jahren wird verstärkt hervorgehoben, dass eine Verknüpfung fachlicher und prozessorientierter Beratung in der Schulentwicklungsberatung erforderlich ist. Seit 2021 gilt die Stärkung der SEB als ein strategisches Ziel im Entwicklungsplan der österreichischen PHs. Es ist angedacht, dass Beratungsteams aus unterschiedlichen Professionen komplementär zusammenarbeiten (BMBWF, 2019). Dienbauer & Schwarz (2023) argumentieren, dass neben der inhaltlichen Beratung auch Kriterien wie Vertrauensbildung und Prozesssteuerung zentrale Faktoren für eine wirksame komplementäre Beratung sind. Eine klare Rollenteilung kann zu produktiven Entwicklungsimpulsen führen. Beratende bringen entlang der eigenen Expertise zusätzlich fachliches Wissen in den Prozess ein, da im schulischen Kontext häufig beides erwartet wird (Hofbauer & Bernhard, 2023; Lichtenschopf et al., 2025). Bernhard et al (2025) regen an, in der SEB verstärkt multiprofessionelle Teams mit entsprechender einander ergänzender fachlicher Expertise einzusetzen. Die Kombination von Fachund Prozessberatung wird auch im Weißbuch zur Schulentwicklungsberatung (BMBWF, 2024) hervorgehoben: Die Pädagogischen Hochschulen haben den Auftrag zur kontinuierlichen Weiterentwicklung von SEB-Leistungen, welche Schulen in ihrer Entwicklung begleiten. Bei der Erbringung mancher Leistungen wird auch die Kombination von Prozessberatung und Fachberatung sinnvoll sein, um die Schulstandorte bestmöglich bei ihrem Entwicklungsprozess begleiten zu können. Beispielsweise bei der Implementierung von Lehrkonzepten in einem bestimmten Unterrichtsfach oder der Implementierung der digitalen Schule wird es zum Teil notwendig sein, Expertinnen und Experten im Sinne einer Komplementärberatung hinzuzuziehen, um spezifische fachliche Impulse für den Schulentwicklungsprozess zu erhalten. Die Schulentwicklungsberaterinnen und Schulentwicklungsberater sind dabei für die methodische Ausgestaltung des Veränderungsprozesses verantwortlich. (BMBWF, 2024, S. 22). Ein Wechselspiel von Fachund Prozessberatung wird somit integraler Bestandteil der Schulentwicklungsprozesse (BMBWF, 2024). Im Bereich der systemischen Organisationsentwicklung wird die Komplementärberatung als besonders effektiv und nachhaltig eingeschätzt (Königswieser et al., 2015). Trotz unterschiedlicher handlungsleitender Paradigmen beider Zugänge etabliert sich ein integrierter Beratungsansatz, der diese Qualitäten zusammenbringen soll: Neben der fachlichen Expertise wird von Expert:innen auch prozessbezogenes Know-how gefordert. Umgekehrt wird von eingesetzten Prozessbegleitungen zumindest eine grundlegende fachliche Orientierung erwartet (ebd.). Königswieser et al. (2006) attestieren, dass durch die Zusammenführung der Beratungsformen Entwicklungswege gestaltet und beschritten werden können, welche mit geringerem zeitlichem und finanziellem Aufwand als bei getrennter Vorgehensweise verbunden sind. Ihre Forschungen ergeben auch eine nachhaltigere Wirkung komplementär gestalteter Beratungsprozesse auf die Organisation. Die Autorinnen (ebd., S. 99) halten aus ihrer Begleitforschung folgende Erfolgsfaktoren für die Gestaltung komplementärer Beratungsprojekte fest: • klare Spielregeln als gemeinsame Orientierung; • Zeit für Planung und Reflexion sichern; • Beratung von Beginn an gemeinsam gestalten; • Freiwilligkeit als Basis für Motivation und Kreativität; • Rollen eindeutig klären; • fachliche und prozessuale Kompetenzen verbinden für flexibles Handeln; • Vertrauen, gemeinsame Haltung und Wertschätzung leben; • inhaltliche und prozessbezogene Reflexion zur Steuerung und Wahrung professioneller Distanz nutzen; • sorgfältige Vorbereitung aller Prozessphasen • Gemeinsame Vision und Ziele als stabile Grundlage; • geteiltes ökonomisches Interesse. An der PH NÖ gehen seit 2023 im Rahmen kleiner Forschungsprojekte (schriftliche Befragungen, Leitfadeninterviews, Evaluationen, Masterarbeiten) der Frage nach Gelingensbedingungen von Beratung in komplementären Settings im schulischen Kontext nachgegangen. Unter anderem wird erkundet, inwiefern die oben angeführten Erfolgsfaktoren von Königswieser et al. (ebd.) auf den Bereich der SEB umzulegen sind. Das kumulativ angelegte Forschungsprojekt verfolgt einen explorativen Zugang, der eine erste Annäherung an ein bislang wenig erforschtes Themenfeld ermöglicht. Ziel ist es, Impulse für die Praxis komplementärer Beratung zu generieren und in weiteren Schritten ein Modell integrierter Beratung im schulischen Kontext zu entwickeln. Die hier präsentierten Ergebnisse dienen als Anstoß für die Weiterentwicklung der Praxis und sind zugleich als Beitrag zum wissenschaftlichen Diskurs zu verstehen. Zugleich bringt der explorative Charakter methodische Limitationen mit sich: Die Aussagekraft ist durch die geringe Stichprobengröße, den regionalen Fokus auf die PH NÖ, die Auswahl einer spezifischen Akteursgruppe sowie den qualitativen Forschungszugang eingeschränkt. Für die Entwicklungsarbeit im Bereich der Schulentwicklungsarbeit an der PH NÖ liefert die Studie wertvolle Impulse, bleibt jedoch in ihrer Generalisierbarkeit begrenzt. Überlegenswert wäre die Durchführung der schriftlichen Befragung auch unter Berater:innen anderer PHs. Aus den Erfolgskriterien (ebd.) wurden zehn deduktive Kategorien definiert: selbstgewünschte Zusammenarbeit; gemeinsame Ökonomie; wechselseitiges Vertrauen; komplementäre Kompetenzen & kontextunabhängige Rolle; gemeinsame Vision & Ziele; Spielregeln der Zusammenarbeit; Zeit für Reflexion; Supervision / Intervision; gemeinsame Gestaltung des Anfangs; sorgfältige Vorbereitung (Lichtenschopf et al., 2025). In einem ersten Schritt wurde zwischen 2023 und 2024 auf Basis der genannten Erfolgskriterien ein halbstandardisierter Fragebogen erstellt, welcher für die Befragung aus Perspektive der Fachberatung und der Expertenberatung adaptiert wurde. Eine vierstufige Skala („trifft voll zu“, „trifft zu“, „trifft kaum zu“, „trifft nicht zu“) ermöglichte die persönliche Einschätzung der Wahrnehmung von Erfolgsfaktoren der integrierten Fachbzw. Prozessberatung aus Sicht der Beratenden. Diese quantitative Schulentwicklungsberatung Johanna E. Schwarz & Petra Lichtenschopf Schulentwicklungsberatung Johanna E. Schwarz & Petra Lichtenschopf
134 135 Messung verhalf zu einer ersten vergleichbaren Datenlage. Offene Fragen gaben Raum für individuelle Rückmeldungen, sie dienten dazu, von den Befragten subjektive Wahrnehmungen, Begründungen bzw. Vorschläge für die Weiterentwicklung des Ansatzes im Bezugsrahmen Schule zu erlangen (Lichtenschopf et al., 2025). Der Fragebogen kam 2024 über das IQES-Portal zum Einsatz. Alle 28, zwischen 2022 bis 2024 für die PH NÖ in zumindest einem oder mehreren komplementär angelegten Schulentwicklungsberatungsprozessen eingesetzten, Berater:innen wurden eingeladen, an der schriftlichen Befragung teilzunehmen. Davon beantworteten 22 (78%) den Fragebogen. Die Texte aus der Beantwortung der offenen Antworten wurden inhaltsanalytisch mittels strukturierender und zusammenfassender Analysetechnik (Mayring, 2015) ausgewertet. Für die Spielregeln der Zusammenarbeit wurden interessante Impulse für die Weiterentwicklung komplementär angelegter Schulentwicklungsberatungsprozesse an der PH NÖ gewonnen (Lichtenschopf et al., 2025): Von über 80% der Befragten werden Wertschätzung und Akzeptanz als Grundlage für die vertrauensvolle Zusammenarbeit wahrgenommen, ein Konkurrenzdenken ist durch die Verortung der meisten Befragten an derselben Organisation (PH NÖ) kaum vorhanden. Wenn es gelingt, die Fachexpert:innen möglichst frühzeitig in den Prozess einzubinden, kann dies die gemeinsame Verantwortungsübernahme für den Schulentwicklungsprozess fördern. Die Befragungsergebnisse legen den Bedarf einer intensiveren Kooperation zwischen Fachund Prozessberatenden nahe, welche die klare Rollenteilung sowie den fachlichen Austausch über Erfolgskriterien, den Verlauf, aber auch Erwartungen, gegenseitiges Feedback und Supervision bzw. Intervision ermöglicht. Es wird empfohlen bzw. gewünscht, dass die in der SEB eingesetzten Vortragenden über grundlegende Kenntnisse systemischer Beratung und Prozessbegleitung verfügen. 3 Mögliche Bedeutung der Erkenntnisse für die Professionalisierung schulisch Beteiligter in der SEB Keine der Forschungsarbeiten aus dem schulischen Bereich ist bisher weiter in den Erkenntnisstand zur Betrachtung der Integration, der Verknüpfung von Prozessund Fachberatung vorgedrungen. Königswieser et al. (2015) führen aus ihren Studien dazu einen beachtlichen Mehrwert für die Kundinnen und Kunden von Beratungsunternehmen an. Ihre Erkenntnisse legen nahe, dass die Erfahrung integrierter Beratungsprozesse in Organisationen den Praxistransfer von Fach-Knowhow und Methoden der Prozessgestaltung fördern. Die handelnden Personen steigern dadurch die Fähigkeit, organisationalen Problemstellungen zukünftig reflektierter zu begegnen. Der Nutzen eines integrierten Beratungsformats lässt sich laut Autoren quantitativ (z.B. in Zeit und Geld) und qualitativ (z.B. Mitarbeiterzufriedenheit oder Nachhaltigkeit) messen. In Übertragung der angeführten Erkenntnisse auf die Begleitung schulischer Standorte im Rahmen der SEB unterstützen diese die Annahme, dass der kombinierte, situationsadäquate Einsatz von fachlicher und prozessorientierter Beratung (integrierte oder komplementäre) zu einer höheren Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung führt. Im besten Fall kann bereits zu Beginn des Beratungsprozesses eine gemeinsame Annäherung der Berater:innen an das Projekt aus beiden Denkrichtungen erfolgen, als komplementäres Tandem am Entwicklungsanliegen der Schule arbeiten. Die gemeinsame Reflexion ermöglicht der Beratung ein mehrdimensionales Betrachtungsfeld. Schulische Führungskräfte erwarten von Berater:innen neben dem methodischen Wissen zur Prozessgestaltung vermehrt auch substanzielle fachliche Expertise, welche am Schulstandort noch nicht entwickelt bzw. vorhanden ist (Hofbauer et al., 2025). Die bereichernde Zusammenführung von Fachund Prozessberatung kann Veränderung sowie Lernprozesse und Reflexionen auf allen Ebenen unterstützen (Bernhard et al., 2025). Die Zurverfügungstellung erforderlicher Zeitressourcen und Möglichkeiten für die gemeinsame Planung von Beginn an, kann die Häufigkeit von integrierten Beratungssettings in der SEB sehr fördern. Das Bewusstsein, dass Fachberatung keine solitär eingesetzte Fortbildungsveranstaltung, sondern ein Teil des Veränderungsprozesses ist, kann sich entwickeln und sowohl Fachals auch Prozessberatende können durch eine eingehende Rollenklärung und Prozessplanung zu einer qualitätsvollen Beratung beitragen (Lichtenschopf et al., 2025). Grenzen der SEB zeigen sich z. B. in schulrechtlichen Rahmenbedingungen oder überzogenen Erwartungen an externe Beratung. Nachhaltige Entwicklung erfordert neben thematischer Arbeit auch strukturelle Maßnahmen und regelmäßige Prozesssteuerung. Interne Gruppen, wie Steuergruppen, können viele SEB-Funktionen übernehmen, sofern sie durch Beratende entsprechend geschult sind (Fehse & Rohr, 2023). Königswieser et al. (2015, S. 72) legen eine „Unterstützung durch Beratung nahe, die verschiedenste Ansätze, Ressourcen und unterschiedliche Know-how bündelt und so in einer neuen Qualität Impulse geben und Unternehmensentwicklung fördern kann.“ Der Artikel unterstreicht den Bedarf an systematischer Professionalisierung im Beratungsfeld und den gezielten Einsatz integrierter Beratungsformate. Prozessberatende erwerben und vertiefen ihre spezifische Fachkompetenz und Fachexpert:innen wünschen und benötigen grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten prozessgestaltender Natur. Damit das Zusammenspiel von Schulentwicklungsberatung (im Sinn von Prozessberatung) und Fachberatung aus Sicht der Berater:innen gut gelingen kann, benötigt es unterstützende Rahmenbedingungen bzw. Ressourcen: • situationsspezifische gemeinsame Arbeitszeit für Absprachen, Planungen, Reflexion • situationsspezifische gemeinsame Zeit für Fallbesprechungen, Supervision oder Intervision • Fortbildungsangebote für Fachexpert:innen zur Kompetenzerweiterung im Bereich der systemischen Prozessberatung All diesen Einschätzungen und Anregungen kann in einem breiteren oder vertiefenden Forschungsfokus nachgegangen werden. Literaturverzeichnis Altrichter, H. et al. (2021). Schulentwicklungsberatung und Schulentwicklungsberatungsforschung. In BMBWF (Hrsg.), Nationaler Bildungsbericht Österreich 2021. S. 375–421. https://www.bmbwf.gv.at/Themen/schule/bef/ nbb.html Altrichter, H., Hautz, H., & Krainz, U. (2022). 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