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phpublico Fachzeitschrift für Bildung und Erziehung Dezember 2025 Schule entwickeln beraten führen 1 5
66 67 Im Zuge der Erstellung des vorliegenden Manuskripts wurde ChatGPT (GPT-4 Pro) für redaktionelle Zwecke eingesetzt, konkret für die Prüfung des Manuskripts anhand vordefinierter Kriterien, die Identifikation orthografischer Fehler sowie die Überprüfung von Zitaten. Sämtliche KI-gestützte Tätigkeiten beschränkten sich auf unterstützende Maßnahmen und erstreckten sich nicht auf die eigenständige Erstellung wissenschaftlicher Inhalte, die inhaltliche Analyse oder die Kernentwicklung des Manuskripts. Diese Nutzung wird im Einklang mit den Vorgaben des KI-Leitfadens der Pädagogischen Hochschule Burgenland ausdrücklich und transparent ausgewiesen. Die Stelle der Erstautorin wird durch das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) im Rahmen der Initiative „Bildungsinnovation braucht Bildungsforschung – B3“ gefördert. Ziel dieser Initiative ist es, das Feld der Bildungsforschung zu stärken, indem kooperative Doktoratsprogramme zwischen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen etabliert werden. Schulentwicklungsberatung Kristina Braun, Stefan Brauckmann-Sajkiewicz & David Kemethofer Jürgen Frentz Rosemarie Lehner Vom Bedarf bis zur Evaluation: Die Neuausrichtung der Schulentwicklungsberatung im Burgenland Das Weißbuch für Schulentwicklungsberatung (2024) präzisiert Aufgaben und Ziele der Schulentwicklungsberatung und setzt einen neuen Schwerpunkt auf die Bedarfsfeststellung. Seit dem Schuljahr 2024/25 erfordert die darin beschriebene Strategie eine enge Kooperation zwischen Bildungsdirektionen und Pädagogischen Hochschulen. Diese veränderte Handlungskoordination zur Ermittlung des Beratungsbedarfs der Schulen und Schulcluster ist vor dem Hintergrund der neuen Steuerungslogik des österreichischen Bildungssystems zu verstehen. Der vorliegende Beitrag beschreibt den Kooperationsprozess sowie die daraus entstandene Prozessarchitektur der Schulentwicklungsberatung vom Bedarf bis zur Evaluation im Burgenland und analysiert die Auswirkungen der veränderten Steuerungslogik auf eine wirkungsorientierte Weiterentwicklung der schulischen Beratung. 1 Einleitung Das Gesetzespaket zur Schulautonomie 2017 (BMBWF, 2018), das die Ansprüche an Schule im österreichischen Bildungssystem wesentlich verändert hat, lässt sich als vorläufiger Endpunkt der in den deutschsprachigen Bildungssystemen aufgegriffenen Bottom-Up-Autonomiebewegung der 1980er und 1990er Jahre und der in weiterer Folge veränderten bildungspolitischen Steuerungslogik einordnen (Rürüp & Martin, 2007). Schulen als vormals primär ausführende Organe staatlicher Steuerung werden zunehmend autonome Institutionen, die eigenständig Verantwortung für Qualitätsentwicklung, Profilbildung und interne Steuerungsprozesse übernehmen. Mit der gestiegenen Autonomie verbinden sich erhöhte normative Erwartungen, etwa hinsichtlich Rechenschaftspflicht, evidenzbasierter Steuerung und Partizipation (Altrichter et al., 2021; BMBWF, 2018; Braun et al., 2025; Bruneforth et al., 2019). Diese Erwartungen stehen jedoch häufig im Widerspruch zu den tatsächlichen Bedingungen der schulischen Praxis. Besonders deutlich wird diese Diskrepanz bei komplexen Herausforderungen wie der Digitalisierung, globalen Migrationsbewegungen, Pandemien oder dem Klimawandel (Arar, 2020; Müller et al., 2022; Pietsch et al., 2024), die auf begrenzte zeitliche, personelle und strukturelle Kapazitäten treffen (Koch et al., 2015; Tulowitzki et al., 2023). Vor diesem Hintergrund ist Schulentwicklung kein standardisiertes Modell, sondern ein kontextspezifischer Prozess, der stark durch lokale und strukturelle Rahmenbedingungen geprägt wird (Brauckmann et al., 2023; Hallinger, 2018). Schulentwicklungsberater:innen setzen hier an, indem sie Schulen prozessorientiert begleiten, Führungskompetenzen stärken und Reflexionsprozesse anstoßen (Altrichter et al., 2021; Dedering et al., 2022). Schulentwicklungsberatung (SEB) ist theoretisch im Konzept der Schule als lernende Organisation verankert (Senge, 2006), die sowohl individuelles als auch organisationales Lernen als Grundlage für Entwicklungsprozesse versteht und Schulentwicklung im Gesamtzusammenhang beziehungsweise als komplexes Gefüge von Personal-, Organisationsund Unterrichtsentwicklung begreift (Rolff, 2016). Fullan et al. (2010) sehen dabei den Aufbau einer capacity for change, also der Fähigkeit zum Wandel, als entscheidende Gelingensbedingung. SEB dient als professionelle Unterstützung von Schulen, um deren Entwicklungsund Selbststeuerungskapazität zu stärken. Sie umfasst projektförmige Prozesse, bei denen Schulentwicklungsberater:innen sowohl fachliche Expertise als auch Prozessbegleitung bieten (Kemethofer et al., 2024). SEB verbindet unterschiedliche Ansätze – systemtheoretische, gruppendynamische und kommuniSchulentwicklungsberatung Jürgen Frentz & Rosemarie Lehner Frentz, J. & Lehner, R. (2025). Vom Bedarf bis zur Evaluation: Die Neuausrichtung der Schulentwiclungsberatung im Burgenland. phpublico, 15, S. 67-75. https://doi.org/10.5281/zenodo.17576873
68 69 tung zur Darstellung des Prozessverlaufs und des Ergebnisses zur Neuausrichtung vom Abruf bis zur Evaluation der SEB im Burgenland (Kap. 3.2). 3.1 Bedeutung eines standardisierten Abstimmungsprozesses zwischen Schulaufsicht und Pädagogischer Hochschule Ein standardisierter Abstimmungsprozess zwischen Schulaufsicht und Pädagogischer Hochschule ist essenziell, um eine transparente und effiziente Koordination der SEB sicherzustellen. Gemäß dem Zielund Leistungsplan 2025–2027 des österreichischen Bildungsministeriums soll durch die Entwicklung und Implementierung eines einheitlichen Prozesses an den Pädagogischen Hochschulen alle Phasen der SEB – von der Anfrage bis zur Abschlussevaluation – systematisch erfasst und evaluiert werden (PH NÖ, 2024; PH W, 2024). Dies gewährleistet die Einhaltung festgelegter Qualitätsstandards (Kap. 2) und fördert eine kontinuierliche Verbesserung der SEB. Darüber hinaus ermöglicht ein jährlicher Abstimmungsprozess mit der Bildungsdirektion eine bedarfsorientierte Planung und Steuerung des Beratungsangebots. Die Einbindung aller relevanten Akteur:innen der Pädagogischen Hochschulen sichert dabei eine umfassende und abgestimmte Kommunikation, die zur Optimierung der Ressourcen und zur nachhaltigen Entwicklung des Schulsystems in Österreich beiträgt. 3.2 Entwicklung des Prozesses zur Neuausrichtung der Schulentwicklungsberatung im Burgenland Im November 2024 fand das erste Arbeitstreffen zwischen Vertreter:innen der PPH Burgenland sowie der burgenländischen Schulaufsicht statt. Ziel dieser Zusammenkunft war einerseits ein Kennenlernen der beteiligten Akteur:innen sowie der Informationsaustausch über aktuelle Entwicklungen, andererseits die Vorstellung des neu gegründeten Zentrums für Schulentwicklungsberatung (ZSEB) an der PPH Burgenland. In diesem Kontext wurden zentrale Eckpunkte der bundesweiten Neuausrichtung der Schulentwicklungsberatung sowie die geplante Umgestaltung des Abrufprozesses präsentiert. Zudem wurden erste Überlegungen hinsichtlich der weiteren Zusammenarbeit, insbesondere der Notwendigkeit zur Klärung von Rollen und Verantwortlichkeiten sowie zur kooperativen Prozessgestaltung, angestellt. Dabei haben sich neue Fragen ergeben, die einer weiteren Bearbeitung bedurften. Diese betrafen insbesondere: • die Abgrenzung des Begriffs „externe Schulevaluation“ (ob dieser ausschließlich die Ergebnisse externer Schulevaluator:innen des Bildungsministeriums umfasst oder auch nationale Leistungserhebungen einbezieht), • Kriterien und Verfahren zur Priorisierung von Schulen (z. B. Schulen in besonderen Lagen oder besonders erfolgreiche Schulen), • die langfristige Abstimmung und Kommunikation zwischen Bildungsdirektion und ZSEB, • konkrete Planungsschritte für das erste Quartal 2025, • verfügbare Ressourcen des ZSEB, • Informationsstrategien gegenüber Schulleitungen, • sowie die Berücksichtigung zweisprachiger Schulen. Im Januar 2025 folgte eine zweite Arbeitssitzung in Form einer Klausur, die auf eine differenzierte Definition der Prozessschritte für die Neuausrichtung der Schulentwicklungsberatung abzielte. Einerseits wurde dabei ein kurzfristiger Plan für das erste Quartal 2025 formuliert, andererseits wurden Grundlagen für eine langfristige und nachhaltige Strategie hinsichtlich der prozessualen Verantwortlichkeiten entwickelt. Die Schulentwicklungsberater:innen der PPH Burgenland stellten ihr fachliches Verständnis von Schulentwicklungsberatung vor, das anschließend als Grundlage für die Abstimmung mit den Schulqualitätsmanager:innen der Bildungsdirektion diente (ZSEB, o.J.). Die Bildungsdirektion Burgenland wiederum skizzierte ein Modell zur Prozessgestaltung, das in mehreren aufeinander aufbauenden Schritten strukturiert war. Nach einem Perspektivenaustausch zu beiden Bereichen ergaben sich aus Sicht der Schulentwicklungsberater:innen der PPH Burgenland mehrere Rückmeldungen, insbesondere in Bezug auf: • die grundsätzliche Logik und Stringenz des vorgeschlagenen Prozesses, Schulentwicklungsberatung Jürgen Frentz & Rosemarie Lehner kationstheoretische – und bewegt sich zwischen Fachund Prozessberatung. In Österreich ist SEB an den Pädagogischen Hochschulen institutionalisiert, deren Angebote von Moderation bis zu mehrjährigen Entwicklungsbegleitungen reichen. Herausforderungen bestehen in der präzisen Abgrenzung von Rollen sowie in professioneller Qualifizierung und Koordination innerhalb komplexer Unterstützungssysteme (Altrichter et al., 2021; Braun et al., 2025). Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich der vorliegende Beitrag mit der Neuausrichtung der Schulentwicklungsberatung im Burgenland und geht der Frage nach, wie eine Prozessarchitektur gestaltet werden kann, die der veränderten Steuerungslogik gemäß normativer Vorgaben (BMBWF, 2024) Rechnung trägt und die Kooperation zwischen Bildungsdirektion und Pädagogischer Hochschule stärkt. Aufbauend auf der Darstellung der normativen Vorgaben für die Schulentwicklungsberatung in Österreich (Kap. 2) sowie der Beschreibung eines exemplarischen Kooperationsprozesses aus dem Burgenland (Kap. 3) werden im abschließenden Kapitel 4 die Chancen und Limitationen einer wirkungsorientierten Praxis der Schulentwicklungsberatung kritisch reflektiert. 2 Normative Vorgaben zur Schulentwicklungsberatung in Österreich Das Weißbuch Ausrichtung der Schulentwicklungsberatung (BMBWF, 2024) legt die Neuausrichtung der SEB in Österreich normativ fest. Ziel ist eine qualitätsgesicherte, österreichweit einheitlich standardisierte Form der Beratung, die Schulen bei ihrer Organisations-, Personalund Unterrichtsentwicklung unterstützt. Beratungsleistungen orientieren sich dabei am Qualitätsrahmen für Schulen (BMBWF, o. J.) sowie am Bundesqualitätsrahmen für Fortund Weiterbildung und Schulentwicklungsberatung an den Pädagogischen Hochschulen (BMBWF, 2021) und sollen systemisch wirken, indem sie die Entwicklung eigener Lösungskompetenzen der Schulen fördern. Abrufbar ist die SEB seit dem Schuljahr 2024/25 durch die Schulleitung selbst, die Beratungsbedarf erkennt und an die Schulaufsicht meldet oder auf Anregung der Schulqualitätsmanager:innen, etwa nach externen Evaluationen. Der Beratungsprozess folgt einem Vier-Phasen-Modell: Auftragsklärung und Erstellung eines Kontrakts, Analyse und Planung der Beratung, Umsetzung, Reflexion und Abschluss (BMBWF, 2024). Die Pädagogischen Hochschulen steuern die SEB organisatorisch – beispielsweise wurde an der Privaten Pädagogischen Hochschule (PPH) Burgenland im Oktober 2024 das Zentrum für Schulentwicklungsberatung eingerichtet. Qualifizierte Schulentwicklungsberater:innen werden bereitgestellt, deren Kompetenzen durch Fortbildungsund Spezialisierungsmaßnahmen des Bildungsministeriums laufend ausgebaut werden. Eine bundesweit einheitliche Erfassung über PH Online, regelmäßige Evaluationen und Abstimmungen mit Bildungsdirektionen sichern Qualität und Transparenz. Das Weißbuch (BMBWF, 2024) präzisiert Rollen und Aufgaben der beteiligten Akteur:innen sowie ihre entwicklungsfördernde Zusammenarbeit: Schulentwicklungsberater:innen begleiten Schulen unabhängig in den Bereichen Organisations-, Personalund Unterrichtsentwicklung. Ihr Aufgabenfeld umfasst Prozessbegleitung, methodische Unterstützung, Moderation und fachliche Impulse. Je nach Kontext agieren sie als Prozessbegleitende, kritische Freunde oder Fachexpert:innen mit dem Ziel, die Selbststeuerungsund Problemlösungskompetenz der Schulen zu stärken. Schulleitungen tragen die Gesamtverantwortung, erkennen Entwicklungsbedarfe und bleiben während des Prozesses entscheidungsund steuerungsverantwortlich. Schulqualitätsmanager:innen steuern und kontrollieren schulische Qualität, identifizieren Entwicklungsbedarfe und können SEB initiieren, wobei ihre Rolle primär in der Steuerung liegt. 3 Ein Prozess für den Abruf der Schulentwicklungsberatung im Burgenland Im Folgenden wird zunächst die Bedeutung eines standardisierten Abstimmungsprozesses zwischen Schulaufsicht und Pädagogischer Hochschule erläutert (Kap. 3.1). Anschließend folgt die ÜberleiSchulentwicklungsberatung Jürgen Frentz & Rosemarie Lehner
70 71 • die erforderlichen Ressourcen, • die thematische Zuordnung der Beratungsanfragen, • unterschiedliche Varianten der Schulentwicklungsberatung (je nach Intensität fachlicher Beratung), • die Notwendigkeit einer klaren Auftragsklärung (u. a. Fragen zur Autonomie der Berater:innen, etwa das Recht, Beratungen auch eigenständig abbrechen zu können), • sowie die präzise Formulierung eines klar umrissenen Beratungsangebots seitens der PPH Burgenland. Zur vertieften Bearbeitung dieser Fragestellungen wurde ein Workshop durchgeführt, in dem sechs gemischte Gruppen bestehend aus Vertreter:innen des ZSEB, des Rektorats und die Leitung des Instituts für Fortund Weiterbildung der PPH Burgenland sowie die Leitung des Pädagogischen Dienstes und die Schulqualitätsmanager:innen der Bildungsdirektion Burgenland jeweils einen spezifischen Prozessschritt bearbeiteten. Hierfür wurde ein dreistufiges methodisches Vorgehen gewählt: Phase 1: Analyse und Diskurs – Entlang der JigsawMethode als Ansatz kooperativen Lernens (Cochon Drouet et al., 2023) wurde vor dem Hintergrund des Golden Circles nach Simon Sinek ein analytischer Diskurs geführt. Der Einsatz dieses analytischen Zugangs sollte laut Wekwerth & Petzolt (o.J.) eine stärkere emotionale Identifikation der Beteiligten mit dem Prozess und eine effizientere Konkretisierung der Prozessschritte bewirken. Im Zentrum der ersten Arbeitsphase stand die Frage nach dem übergeordneten Nutzen („Warum?“), auf deren Grundlage die besonderen Prozesse oder Prinzipien („Wie?“) und schließlich die konkreten Maßnahmen oder Produkte („Was?“) definiert wurden. Die Teilnehmenden diskutierten die Leitfragen anhand vorbereiteter Arbeitsblätter. Abbildung 1 veranschaulicht exemplarisch das Arbeitsblatt zum Prozessschritt der Abstimmung innerhalb der Schulaufsicht in Bezug auf identifizierte Schulentwicklungsbedarfe. Phase 2: Prozessdefinition – In einem zweiten Schritt wurden auf Basis der in Phase 1 erarbeiteten Erkenntnisse konkrete Prozessschritte definiert, Erfolgskriterien formuliert und schematische Visualisierungen angefertigt, die sowohl Inhalte als auch Verantwortlichkeiten darstellten (Abb. 2). Anschließend sollten alle Beteiligten die von ihrer Gruppe erarbeiteten schematischen Skizzen einzeln übernehmen, um diese in einer neuen Gruppenkonstellation kritisch zu prüfen. Phase 3: Gesamtbild und kritische Reflexion – Im dritten Schritt wurden die ursprünglichen Gruppen aufgelöst und die Teilnehmenden fanden sich in Expert:innen-Gruppen zusammen. Jede:r brachte hierbei den jeweils mitgestalteten Prozessschritt ein. In dieser Arbeitsphase von 50 Minuten wurden die einzelnen Prozessschritte präsentiert, diskutiert und in ihrer Gesamtheit auf Kohärenz, Anschlussfähigkeit und Vollständigkeit geprüft. Diskussionsund Verbesserungspunkte wurden strukturiert auf drei verschiedenfarbigen Plakaten festgehalten: gelb für Übergänge zwischen den Schritten, blau für Anmerkungen zum Gesamtprozess, grün für identifizierte Lücken oder offene Punkte. Die gesammelten Ergebnisse wurden im Anschluss an den Workshop durch die Leitung des ZSEB ausgewertet und gemeinsam mit dem Zentrum für Projektmanagement der PPH Burgenland zu einem ersten konsolidierten Entwurf eines Prozesses für den Abruf der Schulentwicklungsberatung zusammengeführt. Dieser erste Entwurf wurde Anfang Februar 2025 dem Vizerektorat der PPH Burgenland sowie der Leitung des Pädagogischen Dienstes der Bildungsdirektion Burgenland zur wechselseitigen Abstimmung vorgelegt. Im Februar 2025 erfolgte ein weiteres Arbeitstreffen zwischen der Leitung des Pädagogischen Dienstes der Bildungsdirektion Burgenland sowie der Leitung und stellvertretenden Leitung des ZSEB. Bei diesem Termin wurde der konsolidierte Prozessentwurf vorgestellt und diskutiert und die weitere Vorgehensweise geplant. Grundsätzlich konnte über die wesentlichen Elemente des Prozesses Konsens erzielt werden. Mitte März 2025 fand das dritte gemeinsame Treffen zwischen Vertreter:innen der PPH Burgenland und der burgenländischen Schulaufsicht statt. Hierbei wurde der Gesamtprozess zum Abruf der Schulentwicklungsberatung im Burgenland präsentiert, umfassend diskutiert und abschließend beschlossen. Damit konnte der Grundstein für eine systematische, transparente und kooperative Gestaltung der Schulentwicklungsberatung in der Region gelegt werden. Mitte Mai 2025 wurde unter den Schulentwicklungsberater:innen der PPH Burgenland die Evaluation der SEB erneut eingehend diskutiert – sowohl im Hinblick auf die einzelnen SEB-Prozesse als auch auf den Gesamtprozess der Neuausrichtung. In diesem Rahmen wurde ein Beschluss darüber gefasst, wie die Evaluation systematisch in die entwickelte Prozessarchitektur integriert wird. Auf Grundlage Abb.1: Beispiel für die Arbeit mit dem Golden Circle im ersten Durchgang der Prozessgestaltung (eigene Darstellung) Schulentwicklungsberatung Jürgen Frentz & Rosemarie Lehner Schulentwicklungsberatung Jürgen Frentz & Rosemarie Lehner Abb. 2: Beispiel für Arbeitsauftrag zur Identifikation und Skizzierung notwendiger Prozesse (eigene Darstellung)
72 73 dieser abschließenden Entscheidungen entstand die endgültige Fassung der Prozessarchitektur der Schulentwicklungsberatung im Burgenland – vom Bedarf bis hin zur Evaluation (Abb. 3). 4 Conclusio und Limitationen Die mit dem Bildungsreformgesetz 2017 (BMBWF, 2018) angestoßene Verschiebung zentralstaatlicher Steuerung hin zu größerer schulischer Autonomie hat das österreichische Bildungssystem grundlegend transformiert. Innovationen wie diese erfordern Adaptionsprozesse der Akteur:innen auf allen Ebenen des Bildungssystems hinsichtlich etablierter Denkund Handlungsmuster. Am Beispiel des Burgenlands zeigt dieser Beitrag, wie SEB auf neue Steuerungsanforderungen reagiert und welche Bedingungen für eine wirkungsorientierte Beratung erfüllt sein müssen. Im Zentrum steht dabei das Spannungsfeld zwischen Standardisierung und Kontextsensibilität, das für das Gelingen der Reform entscheidend ist (Braun et al., 2025). Aus analytischer Perspektive lassen sich die aktuellen Reformprozesse den Dimensionen Steuerung und Evaluation zuordnen (Kotthoff & Böttcher, 2010). SEB wird hierbei als intermediäre Instanz zwischen Steuerungsebene und schulischer Praxis verstanden, die die Qualitätsentwicklung unterstützt (Altrichter et al., 2021). Im Burgenland arbeiten Bildungsdirektion und Pädagogische Hochschule eng zusammen, wobei zwei Wirkebenen klar zu trennen sind: Während die Bildungsdirektion für das Controlling zuständig ist, übernimmt die PPH Burgenland die beratende Begleitung und die Evaluierung. Die Schulleitungen verantworten und steuern die Umsetzung auf Schulebene. Am Beispiel des Burgenlands lässt sich exemplarisch aufzeigen, wie die Prozessarchitektur der SEB auf neue Rahmenbedingungen reagiert, um ihre Wirkungsorientierung zu sichern. Die Einführung eines standardisierten, vierphasigen Beratungsprozesses im Weißbuch Neuausrichtung der Schulentwicklungsberatung (BMBWF, 2024) sowie der Aufbau des Zentrums für Schulentwicklungsberatung an der PPH Burgenland stellen zentrale Instrumente dar, um im Burgenland Qualität, Transparenz und Kohärenz der Beratung sicherzustellen. Die Standardisierung des Beratungsprozesses birgt jedoch das Risiko, die notwendige Kontextsensibilität zu unterlaufen (Hallinger, 2018) – eine zentrale Herausforderung angesichts der heterogenen Ausgangsbedingungen an burgenländischen Schulen, etwa in zweisprachigen Regionen, in Schulen in besonderen Lagen oder in Kleinund Kleinstschulen. Schule ist zudem ein komplexes soziales System, in dem Menschen nach Sicherheit streben, was zur Verfestigung bestehender Strukturen führen kann. Veränderung erzeugt Unsicherheit und erhöht insbesondere in Phasen des Systemumbaus die Komplexität der Beziehungen der Akteur:innen (Maritzen, 2008; 2015). Eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen von SEB ist daher der Aufbau von Vertrauen zwischen den beteiligten Akteur:innen, um sowohl die fachlich-inhaltliche Entwicklungsdimension als auch die soziale Integration veränderter Ansprüche zu ermöglichen. Besonders die Rolle der Schulentwicklungsberater:innen als critical friends erfordert ein hohes Maß an Autonomie und Vertrauen. Dies wirft Fragen nach Rollenklarheit und der Abgrenzung zwischen Beratung und Steuerung auf, auch wenn diese im Rahmen von Kontrakten formalisiert werden. Die Prozessarchitektur im Burgenland versucht auf diese Herausforderung durch klare Zuständigkeitsdefinitionen, begleitende Qualifizierungsangebote und systematische Reflexionsformate zu reagieren. Literaturverzeichnis Altrichter, H., Krainz, U., Kemethofer, D., Jesacher-Rößler, L., Hautz, H., & Brauckmann-Sajkiewicz, S. (2021). Schulentwicklungsberatung und Schulentwicklungsberatungsforschung. In BMBWF (Hrsg.). 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Wien. Abb. 3: Prozessarchitektur der Schulentwicklungsberatung im Burgenland vom Abruf bis zur Evaluation, aktuelle Fassung, Juni 2025 (eigene Darstellung, grafische Umsetzung durch Jasmine Göschl, Zentrum für Projektmanagement, PPH Burgenland) Schulentwicklungsberatung Jürgen Frentz & Rosemarie Lehner Schulentwicklungsberatung Jürgen Frentz & Rosemarie Lehner
74 75 Brauckmann, S., Pashiardis, P. & Ärlestig, H. (2023). Bringing context and educational leadership together: fostering the professional development of school principals. In: Professional Development in Education, 49(1), 4-15. 10.1080/19415257.2020.1747105 Bruneforth, M., Shewbridge, C., & Rouw, R. (2019). Moving towards more school autonomy in Austria: Refocusing the role of school supervision. OECD Education Working Papers. https://dx.doi.org/10.1787/9c49eebe-en Cochon Drouet, O., Lentillon-Kaestner, V., & Margas, N. (2023). Effects of the jigsaw method on student educational outcomes: Systematic review and meta-analyses. Frontiers in Psychology, 14, Article 121643. https://doi. org/10.3389/fpsyg.2023.1216437 Dedering, K., Kamarianakis, E. & Racherbäumer, K. (2022): Schulentwicklungsberatung. Begrifflich-konzeptionelle Grundlegung, empirische Betrachtung und (kritische) Perspektivierung. Die Deutsche Schule 114(4), 345-362. https://doi.org/10.31244/dds.2022.04.02 Hallinger, P. (2018). Bringing context out of the shadows of school leadership. Educational Management Administration & Leadership, 46(1), 5-24. https://doi. org/10.1177/1741143216670652 Kemethofer, D., Altrichter, H. & Brauckmann-Sajkiewicz, S. (2024). Wenn das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Schulentwicklungsberatungsforschung im Rahmen der BMBWF Förderinitiative B3. Schulverwaltung aktuell, 2, 46-48. Maritzen N. (2008): Schulinspektionen. Zur Transformation von Governance-Strukturen im Schulwesen. Die Deutsche Schule 100(1), 85-96. Maritzen, N. (2015): Schulinspektion – Aspekte der Transformation von Governance-Strukturen In Pietsch, M., Scholand, B., Schulte, K. (Hrsg.). Schulinspektion in Hamburg. Der erste Zyklus 2007-2013: Grundlagen, Befunde und Perspektiven. Münster: Waxmann, 13-37. Müller, U., Hancock, D. R., Wang, C., Stricker, T., Cui, T., Lambert, M. (2022). School Leadership, Education for Sustainable Development (ESD), and the Impact of the COVID-19 Pandemic: Perspectives of Principals in China, Germany, and the USA. Educational Science, 12, https:// doi.org/10.3390/educsci12120853 Koch, A. R., Binnewies, C., & Dormann, C. (2015). Motivating innovation in schools: School principals' work engagement as a motivator for schools' innovation. European Journal of Work and Organizational Psychology, 24(4), 505-517. https://doi.org/10.1080/1359432X.2014.958471 Kotthoff H.-G., & Böttcher W. (2010). Neue Formen der “Schulinspektion”: Wirkungshoffnungen und Wirksamkeit im Spiegel empirischer Bildungsforschung. In Altrichter H., & Maag Merki K. (Hrsg.). Handbuch Neue Steuerung im Schulsystem. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften (S. 295-320). PH NÖ - Pädagogische Hochschule Niederösterreich (2024). Zielund Leistungsplan der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich für die Periode 2025 bis 2027, Quelle: https://www.ph-noe.ac.at/fileadmin/root_phnoe/ Ausbildung/Mitteilungsbl%C3%A4tter/Ziel-_und_Leistungsplan_der_PH_Nieder%C3%B6sterreich_f%C3%BCr_ die_Periode_2025_bis_2027_unterzeichnet.pdf, Letzter Zugriff: 13.07.2025. PH W - Pädagogische Hochschule Wien (2024). Zielund Leistungsplan der Pädagogischen Hochschule Wien für die Periode 2025 bis 2027, Quelle: https://phwien.ac.at/ wp-content/uploads/2025/02/Ziel-und-Leistungsplander-Padagogischen-Hochschule-Wien-fur-die-Periode2025-bis-2027-Unterschrieben.pdf, Stand vom: 13.07.2025. Pietsch, M., Cramer, C., Brown, C., Aydin, B., & Witthöft, J. (2024). Open Innovation in Schools: A New Imperative for Organising Innovation in Education? Technology, Knowledge and Learning, 29, 1051-1077. https://doi. org/10.1007/s10758-023-09705-2 Rolff, H.-G. (2016). Schulentwicklung kompakt. Modelle, Instrumente, Perspektiven. 3. Auflage. Weinheim und Basel: Beltz. Rürüp M., & Martin (2007): Schulen unter ZugzwangDie Schulautonomiegesetzgebung der deutschen Länder als Rahmen der Schulentwicklung. In Altrichter H., Brüsemeister T., & Wissinger J. (Hg.) Educational Governance. Handlungskoordination und Steuerung im Bildungssystem. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften (157183). Senge, P. M. (2006). The Fifth Discipline: The Art & Practice of The Learning Organization, New York: Doubleday. Tulowitzki, P., Pietsch, M., Sposato, G., Cramer, C. & Groß Ophoff, J. (2023). Schulleitungsmonitor Deutschland. Zentrale Ergebnisse aus der Befragung 2022. Wübben Stiftung Bildung. Wekwerth, Z., & Petzolt, S. (o.J.). Golden Circle. Institut für Innovation und Technik Berlin, Quelle: https://www.iitberlin.de/wp-content/uploads/2021/12/Anleitung-Golden-Circle.pdf, Letzter Zugriff: 01.07.2025. ZSEB – Zentrum für Schulentwicklungsberatung (o.J.). Gemeinsames Verständnis Schulentwicklungsberatung. Quelle: https://www.ph-burgenland.at/pph-burgenland/ zentren/zentrum-fuer-schulentwicklungsberatung/gemeinsames-verstaendnis-schulentwicklungsberatung, Letzter Zugriff: 01.07.2025. Schulentwicklungsberatung Jürgen Frentz & Rosemarie Lehner Schulentwicklungsberatung Jürgen Frentz & Rosemarie Lehner