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phpublico Fachzeitschrift für Bildung und Erziehung Dezember 2025 Schule entwickeln beraten führen 1 5
28 29 Schulentwicklung Elisabeth Stipsits 1 Einleitung Unterrichtsund Schulentwicklung sind zentrale Bausteine für die Qualität und von Bildung. In ihrer Verbindung tragen Unterrichtsund Schulentwicklung dazu bei, Bildungseinrichtungen als lernende Organisationen zu verstehen, die sich kontinuierlich an neue Herausforderungen anpassen und so die Qualität von Lehren und Lernen nachhaltig sichern. Lesson Study (LS) hat sich international als wirkungsvolles Instrument der Unterrichtsund Schulentwicklung etabliert. Ursprünglich in Japan entwickelt, verfolgt LS das Ziel, Unterricht systematisch zu planen, zu beobachten, zu reflektieren und gemeinsam weiterzuentwickeln. Im Zentrum steht dabei nicht nur die Optimierung einzelner Unterrichtsstunden, sondern vor allem das Lernen der Schüler:innen sowie die Professionalisierung der Lehrkräfte. Durch die enge Zusammenarbeit von Kolleg:innen entstehen professionelle Lerngemeinschaften, die langfristig die Qualität des Unterrichts und die Schulkultur prägen. International wird LS in zahlreichen Ländern - etwa den USA, Großbritannien und im asiatischen Raum - erfolgreich eingesetzt. Studien zeigen, dass LS sowohl die Unterrichtsqualität als auch die Teamkultur stärkt und eine Brücke zwischen Forschung und Praxis schlägt. Die Bedeutung für die Schulentwicklung liegt insbesondere in der Förderung einer kooperativen Schulkultur, in der Lehrkräfte gemeinsam Verantwortung übernehmen und Veränderungen nachhaltig verankern. Für den österreichischen Kontext ergibt sich daraus ein doppelter Mehrwert: Einerseits unterstützt LS die individuelle ProfessioIsolde Kreis, Sabine Apfler & Elisabeth Stipsits Kollaborative Unterrichtsentwicklung durch Lesson Study Lesson Study (LS) ist ein kollaboratives Verfahren zur Unterrichtsund Schulentwicklung, das seinen Ursprung in Japan hat und seit 2010 auch in Österreich implementiert wird. Der Beitrag bietet einen Überblick über unterschiedliche Formen der Umsetzung von LS in den drei Bundesländern Burgenland, Niederösterreich und Kärnten, sowie eine qualitative Interviewstudie mit österreichischen LS-Expert:innen. Die Ergebnisse zeigen, dass es für eine nachhaltige Etablierung der Lesson Study neben Lesson Study Expert:innen einer institutionellen Absicherung, struktureller Unterstützung und politischer Rahmensetzung bedarf. Der Beitrag schließt mit einem Ausblick auf geplante hochschulübergreifende Kooperationsprojekte für eine zukünftige österreichweite Vernetzung von LS-Initiativen in Österreich. nalisierung durch praxisnahe Reflexion und Feedbackprozesse, andererseits fördert es schulweite Entwicklungsprozesse, die sich an internationalen Erfolgsmodellen, wie den Lesson Studies orientieren. 2 Lesson Study in Österreich Lesson Study (LS) ist eine Methode der kollaborativen Unterrichtsentwicklung und -forschung, die ihren Ursprung in Japan hat und durch zahlreiche Publikationen weltweit Verbreitung fand (Cheng & Lo, 2013; Lewis & Tsuchida, 1998; Stigler & Hiebert, 1999). Seit 2010 wurde die Methode auch in Österreich von Forschenden und Lehrkräften aufgegriffen, wodurch verschiedene Projekte initiiert und wissenschaftlich dokumentiert wurden (BIFIE, 2014). Einer LS liegt ein Zyklus zugrunde, bei dem ein Team von Lehrpersonen gemeinsam eine Unterrichtsstunde plant, erprobt, reflektiert und adaptiert in derselben oder in einer anderen Klasse noch einmal durchführt. So kann einerseits die Qualität des Unterrichts verbessert werden, andererseits liegt der Fokus auf dem Lernen der Schüler:innen. Durch das gemeinsame Beobachten und Reflektieren erkennen die Lehrkräfte, was im Unterricht gut funktioniert und was noch verbessert werden kann. LS fördert so die kollegiale Zusammenarbeit und schafft eine Kultur des Austausches, in der Lehrkräfte voneinander und miteinander lernen. Mit der Zeit entsteht so eine professionelle Lerngemeinschaft, die geSchulentwicklung Isolde Kreis, Sabine Apfler & Elisabeth Stipsits Kreis, I., Apfler, S. & Stipsits, E. (2025). Kollaborative Unterrichtsentwicklung durch Lesson Study. phpublico, 15, S. 29-34. https://doi.org/10.5281/zenodo.17574485
30 31 meinsam den Unterricht weiterentwickelt und die Schulentwicklung voranbringt (Vock et al., 2024). An den einzelnen Hochschulen in Österreich wird LS individuell implementiert, wie exemplarisch anhand von drei Bundesländern gezeigt wird: In NÖ ist die Implementierung von LS eng mit der Ausund Weiterbildung an der Pädagogischen Hochschule verknüpft. Bereits in der Erstausbildung lernen Studierende die Methode kennen. Zur Anwendung kommt dabei das im Handbuch (Mewald & Rauscher, 2019) beschriebene Modell, das mit Blick auf die Modelle von Dudley (2019) und Lewis & Hurd (2011) entwickelt wurde. In der Ausbildung setzen Lehrende LS in ihren Lehrveranstaltungen zur Verbesserung ihrer Lehre ein (Gruber et al., 2017; Mewald, 2021; Summer et al., 2024), während die Studierenden LS im Rahmen ihres Unterrichtspraktikums umsetzen. In der Weiterbildung wird LS im Rahmen von Hochschullehrgängen, beispielsweise Mentoring oder Schulentwicklung, vorgestellt und erprobt. Ebenso dient LS als Konzept für Masterarbeiten. Auf Initiative von Peter Posch wurde LS zum festen Bestandteil der Kärntner Bildungslandschaft (Posch et al., 2018). Seitdem absolvieren Masterstudierende Praktika mit LS im Bereich Mentoring (Kreis & Juritsch, 2025). Außerdem wurde LS in der Schulleitungsausbildung in ganz Kärnten eingesetzt. Begleitende Untersuchungen zu diesen Kursen legen nahe, dass LS ein Gewinn für alle Beteiligten ist. LS wird als wertvoll und bereichernd empfunden, mit dem Mehrwert der Zusammenarbeit und als eine Möglichkeit, die Lernprozesse von Schüler:innen sichtbarer zu machen (ebd., 2025). Darüber hinaus absolvieren Masterstudierende der Sekundarstufe mit Unterstützung von LS-Mentor:innen im Rahmen ihres Pädagogisch-Praktischen Studiums ein Praktikum, in dem sie LS kennenlernen und umsetzen. An der PPH Burgenland konzentriert sich der Einsatz von LS auf die Fortbildung. In Anlehnung an ein evidenzbasiertes Fortbildungsund Beratungskonzept (Stipsits, 2019) wurde ein Lehrgang zur Erzielung eines nachhaltigen Transfereffekts und zur Professionalisierung von Lehrkräften im Hinblick auf die Umsetzung eines kompetenzorientierten Mathematikunterrichts in der SEK I entwickelt. Im Rahmen einer Evaluationsstudie begleitete eine Schulentwicklungsberatung die Implementierung von LS an Schulen. Eine Bedarfsanalyse auf der Grundlage von Qualitätsmanagementplänen auf regionaler Ebene und den Plänen der Schulaufsichtsbehörde führte zu zentral organisierten Fortbildungskursen für regionale Gruppen und Schulleiter:innen. Darüber hinaus schaffen Interventionen zur Unterstützung von Schulleitungen und regionalen Steuergruppen eine schulübergreifende Vernetzung (Stipsits, 2019). An der PPH Burgenland sind LS in mehreren Lehrgängen mit Fokus auf Mentoring und Schulführung integriert. 3 Interviewstudie mit LS Expert:innen in Österreich Die 2022-2024 durchgeführte qualitativ angelegte Evaluationsstudie entspricht einer Zwischenevaluation und fokussiert im Rahmen der österreichweiten Angebote der Lesson Studies (LS) in der Aus-, Fortund Weiterbildung sowie in der Schulentwicklungsberatung die Umsetzung der LS. Zielgruppe der strukturierten Leitfaden-Interviews waren insgesamt neun Hochschullehrende Schulentwicklungsberater:innen, Schulleitungen sowie Lehrpersonen der SEK I aus sechs Bundesländern (Burgenland, Kärnten, Steiermark, Vorarlberg, Niederösterreich und Wien). Das Ziel dieser Studie ist zum einen Erkenntnisse von Gelingensaspekten und Herausforderungen hinsichtlich Implementierung und Umsetzung der Lesson Studies von unterschiedlichen Beteiligten im Entwicklungsprozess am Schulstandort österreichweit zu gewinnen. Zum anderen zielt die Studie auf die persönlichen Erfahrungen der befragten Personen mit LS, auf die Vorgehensweise in der Durchführung von LS, worin der Benefit in ihrem jeweiligen beruflichen Kontext gesehen wird und welche Zukunftsaussichten für die LS gesehen werden. Die Forschungsfrage lautet: Welche Erfahrungen, Gelingensfaktoren und Herausforderungen nehmen Lehrpersonen, Schulleitungen und Schulentwicklungsberater:innen bei der Implementierung und Umsetzung von Lesson Studies am Schulstandort wahr? Die Erhebung wurde mit einem strukturierten Leitfadeninterview (Döring & Borz, 2015) durchgeführt, welches aus einem Katalog offener Fragen besteht. Dieser Leitfaden legt Fragen und deren Reihenfolge fest, ermöglicht jedoch den Interviewenden, individuelle Anpassungen vorzunehmen. Der Interviewleitfaden ist in folgende Teilbereiche gegliedert: • Erstkontakt mit Lesson Studies (LS) • Entwicklung der Erfahrungen mit LS • Anwendung und Modelle von LS • Komponenten von typischer Lesson Study • Durchführung von LS in SEB • Hauptziele der Lehrpersonen zur Umsetzung von LS • Dauer und Anzahl der geplanten Einheiten/Stunden im Team • Aktive Beteiligung der Schüler:innen an Lesson Studies • Unterschied zwischen Aus-, und Fortoder Weiterbildung • Zusatzinformationen, um die Besonderheit von LS zu verstehen • Persönliche Ziele mit LS • Herausforderungen mit LS • Empfehlungen LS zu fördern Die vollständige Dokumentation des halbstrukturierten Interviews erfolgte per Audioaufnahme in Zoom bzw. Teams und einer anschließenden manuellen Transkription (Döring, 2023). Die Datenanalyse wurde mittels strukturierter Inhaltsanalyse nach Mayring (2022) durchgeführt. Aus der daraus ausgewerteten Kodierung der Interviews wurden vier deduktive Kategorien abgeleitet: 1. Erstkontakt mit LS 2. Ziele und Anwendungen von LS 3. Highlights und Herausforderungen mit LS 4. Empfehlungen für die zukünftige Arbeit mit LS Die im folgenden Abschnitt erläuterten Ergebnisse werden bundesländerübergreifend und gesamtheitlich entlang dieser vier Kategorien dargestellt. 3.1 Ergebnisse 1. Erstkontakt Alle befragten Personen haben bereits seit mehr als fünf Jahren Erfahrungen mit LS im Kontext ihrer beruflichen Institutionen gemacht. Ausgangspunkte sind zum Beispiel der ProFiL-HochschulLehrgang in Kärnten, diverse Fortbildungsreihen zu LS, Forschungsprojekte sowie Tätigkeiten der Bildungsdirektion. Die Implementierung erfolgte unterschiedlich, etwa im Bereich Grundkompetenzen Englisch, über Mentor:innen-Ausbildungen oder Einbindung in die Pädagogisch-Praktischen Studien. Seit 2012 wird an der PPH Burgenland die LS in der Schulentwicklungsberatung und seit 2018 in den Hochschullehrgängen Mentoring angewandt. An der PH Niederösterreich sowie an der KPH Wien/ Niederösterreich und Wien wurde in einem hochschulübergreifenden Forschungsprojekt 2022 die Umsetzung von LS ermöglicht. 2. Ziele und Anwendungen In Zusammenhang mit einem vorhandenen Professionsverständnis zur persönlichen Weiterentwicklung und Qualifizierung werden durchgängig zwei Dimensionen als Hauptziele zur Umsetzung der LS genannt: Erstens die Veränderungen des eigenen Unterrichts zur Optimierung der Lehr-Lernprozesse durch kollegiale Hospitation und Reflexion und zweitens die wertschätzende und ko-konstruktive Zusammenarbeit mit anderen Lehrpersonen. Das gemeinsame Erlebnis, das kollaborative Entwickeln und Reflektieren der Resultate macht Mut für Neues. Für alle befragten Personen ist dabei eine funktionierende Teamarbeit Voraussetzung für die Durchführung von LS auf Ebene der Unterrichtsentwicklung. Vordergründig ist eine gemeinsame Unterrichtsplanung, worunter das Finden eines gemeinsamen Themas und die Auswahl von Fokusschüler:innen, ebenso wie die Vorbereitung zum Interview mit den Schüler:innen zu ihrem eigenen Lernen zählt. Zentrale Ziele sind die Verbesserung des Unterrichts, Teamarbeit, Reflexion und Austausch, Professionalisierung sowie die Förderung der Schüler:innen. Der Ablauf eines LSSchulentwicklung Isolde Kreis, Sabine Apfler & Elisabeth Stipsits Schulentwicklung Isolde Kreis, Sabine Apfler & Elisabeth Stipsits
32 33 Zyklus folgt typischerweise einem festen Schema: Planung, Durchführung, Beobachtung, Reflexion, zweite Durchführung, erneute Reflexion. LS werden überwiegend in zwei Zyklen mit zwei bis drei Unterrichtseinheiten durchgeführt. Eine aktive Schüler:innenbeteiligung ist dabei Usus. Zudem wird als besonders wertvoll der Austausch über LS bei nationalen und internationalen Kongressen empfunden. 3. Highlights und Herausforderungen Die institutionelle Zusammenarbeit von Hochschulen, Schulen, Lehrkräften, Studierenden und Schüler:innen wird als zentrale Stärke der LS betont. Der gemeinsame Dialog fördert sowohl die Unterrichtsplanung als auch die Reflexionsfähigkeit und stärkt die professionelle Lerngemeinschaft. Besonders hervorgehoben werden Praxisnähe, Teamarbeit, ein Perspektivenwechsel und die Verbesserung der Unterrichtsqualität. Herausforderungen bestehen im hohen organisatorischen Aufwand und dem notwendigen Kulturwandel hin zu offener Kooperation. Eine kontinuierliche Umsetzung im Schulalltag scheitert häufig an fehlenden Ressourcen. Der Kulturwandel von Einzelkämpfertum hin zur Kooperation gelingt nur mit einer klaren Vision, strategischer Planung und Überzeugungsarbeit. Besonders schwierig ist die kontinuierliche Durchführung von LS im Schulalltag. Häufig wird nur ein Zyklus umgesetzt, weitere LS-Stunden fallen aus Mangel an Ressourcen aus. “Der zeitliche Aufwand und der hohe Organisationsaufwand in der Vorbereitung, Durchführung und Reflexion sind die größten Herausforderungen... Lesson Studies in den Schulalltag zu integrieren, stellt dabei eine große Herausforderung dar” (Interview Steiermark, 2024). Die praktische Umsetzung erfolgt mehrdimensional, mit interner Evaluation und reflexiver Rückführung in die Praxis. Forschungsergebnisse motivieren die Lehrpersonen jedoch nicht zur Umsetzung von LS, ebenso wenig wie die Forschungsergebnisse der Aktionsforschung (Besa, 2024). 4. Empfehlungen Eine gesamtschulische Einbindung von LS ist nötig, um das Konzept nachhaltig zu implementieren. Empfehlungen der Befragten betreffen auch eine Ressourcenplanung, eine Einbettung in Schulentwicklungspläne, den Fokus auf eine schlanke Dokumentation der LS-Ergebnisse, einer Verankerung im Qualitätsmanagement sowie regelmäßig stattfindende Informationsveranstaltungen durch Schulentwicklungsberatung oder bei Netzwerktreffen, um den Bekanntheitsgrad zu steigern: „Verantwortlichkeiten, Zeit und Ressourcen, damit LS implementiert werden können” (Interview Steiermark, 2024). Da eine Vorstellung von LS in der Fortbildung hinsichtlich Wirksamkeit eher einen geringen Effekt aufweist, ist es sinnvoller, entsprechenden Input durch die SEB und/oder SCHILF in Schulverbünden anzubieten, in denen sich mehrere Schulen auf das Thema LS einigen können. Zur Förderung von LS sollten neben den zeitlichen Ressourcen auch mehr Personalressourcen zur Verfügung stehen, um eine Entlastung der Lehrpersonen durch Zusatzpersonal (Schulassistenz, BSA, Schulsozialarbeiter) zu gewährleisten, sodass sich die Lehrpersonen auf pädagogisch-didaktische Aufgaben einlassen und sich für eine gemeinsame Forschung in LS begeistern. Eine Verankerung von LS in der Ausbildung und Pädagogisch-Praktischen Studien ist insofern förderlich, da die Studierenden ihr Wissen und ihre Erfahrungen über die LS künftig in die Schulen bringen können und somit als großes Potenzial zur Offenheit für die Methode und Bereitschaft der Kolleg:innen am Schulstandort Einfluss nehmen können. 3.2 Zusammenfassung der Ergebnisse Die Interviewstudie mit neun LS-Expert:innen gibt einen Einblick in die Erfahrungen und Anwendung mit LS in Österreich und führt zur Beantwortung der Forschungsfrage: Welche Erfahrungen, Gelingensfaktoren und Herausforderungen nehmen Lehrpersonen, Schulleitungen und Schulentwicklungsberater:innen bei der Implementierung und Umsetzung von Lesson Studies am Schulstandort wahr? Die befragten Personen verfügen über langjährige Erfahrungen mit LS, die sie im Rahmen verschiedener hochschulischer Lehrgänge, Fortbildungsprogramme und Forschungsprojekte gesammelt haben. Der Erstkontakt mit LS erfolgt dabei in sehr unterschiedlichen institutionellen Kontexten und wird zumeist durch hochschulische Initiativen und Kooperationen ermöglicht. Die Ziele der Umsetzung von LS liegen sowohl in der Verbesserung des eigenen Unterrichts durch kollegiale Reflexion als auch in der kooperativen, wertschätzenden Zusammenarbeit im Team. Besonders geschätzt werden die Praxisnähe, ein Perspektivenwechsel und der Austausch auf Kongressen. Gleichzeitig bringt LS erhebliche Herausforderungen mit sich: Der hohe organisatorische Aufwand, fehlende personelle und zeitliche Ressourcen sowie kulturelle Barrieren im Schulsystem erschweren eine langfristige Verankerung. Der notwendige Wandel von einer isolierten Arbeitsweise hin zur kooperativen Lernkultur kann durch eine strategisch angebotene Schulentwicklung und kontinuierliche Unterstützung von den Bildungsinstitutionen gelingen. Für eine nachhaltige Etablierung von LS empfehlen die Befragten eine gesamtschulische Einbindung, klare Verantwortlichkeiten, gezielte Ressourcenplanung sowie eine stärkere Verankerung im Qualitätsmanagement und in der Lehrer:innenbildung. Ein zukunftsweisendes Potenzial dafür wird in der Schulentwicklung gesehen. 4 Resumee & Ausblick Die Etablierung von LS in Österreich ist eng mit engagierten Lehrenden an Pädagogischen Hochschulen verknüpft, die ihre Bedeutung innerhalb und außerhalb ihrer Institutionen beforschen und disseminieren. LS wird von allen Befragten als wirkungsvolles Konzept zur Weiterentwicklung von Unterricht, Lernprozessen und Teamarbeit geschätzt. Besonders positiv wird die Ausrichtung auf das Lernen der Schüler:innen gesehen. Gleichzeitig erweist sich die Integration in den Schulalltag, aber auch an den Bildungsinstitutionen als schwierig. Hoher Zeitaufwand, mangelnde personelle Ressourcen und fehlende strukturelle Verankerung behindern eine nachhaltige Etablierung. Eine zukünftige Umsetzung erfordert demnach Engagement auf mehreren Ebenen – von der Schulleitung über die Verantwortlichen in der Ausbildung und Schulentwicklungsberatung an den Pädagogischen Hochschulen bis hin zur Bildungspolitik. LS-Verantwortliche in den Bundesländern sind notwendig, um bestehende Strukturen weiterzuführen. Für eine nachhaltige Implementierung braucht es eine Institutionalisierung durch Verankerung in Ausbildung und Weiterbildung und eine stabile Finanzierung. Veröffentlichungen von gelungenen LS-Projekten aber auch Vernetzungsinitiativen wie zum Beispiel jährliche Vernetzungstreffen fördern die Sichtbarkeit von LS. Ziel ist daher eine österreichweite Vernetzung von LS-Initiativen. Dies benötigt jedoch klare Strukturen und Vorgaben mit Verantwortlichkeiten, um durch finanzielle und zeitliche Ressourcen kontinuierlich stattfindende Vernetzungstagungen zu veranstalten. Ein entsprechendes hochschulübergreifendes Kooperationsprojekt wird von den Autorinnen der PH Kärnten, PH Niederösterreich und der PPH Burgenland geplant. Literaturverzeichnis Besa, K.S. (2024). Evidenzfernes Lehrkräftehandeln: braucht die Bildungsforschung eine neue Wissenschaftskommunikation? Zeitschrift für Unterrichtswissenschaft, 52(2), S. 251-262. BIFIE (2014). Bildungsstandards E8: Unterrichtsvideos und Begleitmaterialien. Salzburg: Waxmann. Cheng, E. & Lo, M. (2013). "Learning Study: Its Origins, Operationalisation, and Implications". OECD Education Working Papers, 94. OECD Publishing. Quelle: https://doi. org/10.1787/5k3wjp0s959p-en. Letzter Zugriff: 20.02.2025. Döring, N. & Bortz, J. (2015). Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozialund Humanwissenschaften. In den Sozialund Humanwissenschaften (5. Auflage). Wiesbaden: Springer VS. Döring, N. (2023). Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozialund Humanwissenschaften (6. Auflage). Wiesbaden: Springer VS. Dudley, P. (2019). Lesson Study: a handbook. Quelle: http://lessonstudy.co.uk/lesson-study-a-handbook/ Letzter Zugriff: 9.03.2025. Schulentwicklung Isolde Kreis, Sabine Apfler & Elisabeth Stipsits Schulentwicklung Isolde Kreis, Sabine Apfler & Elisabeth Stipsits
34 35 Gruber, H., Huebner-Trieb, J. & Popovic, A. (2017). "Music, Mathematics and Lesson Study Groups". R&E Source. Special Issue 8. Quelle: https://journal.ph-noe.ac.at/index. php/resource/article/view/445. Letzter Zugriff: 4.03.2025. Kreis, I. & Juritsch F. (2025). Was lernen Studierende & Lehrer*innen mit dem Konzept der Lesson Study in der Ausund Fortbildung für ihre Professionalisierung? In: Fritz, A., Kerschbaumer, F. & Wölbitsch, L. (Hrsg.). Qualität in Schule und Unterricht: Perspektiven – Spannungsfelder – Instrumente. Klagenfurter Beiträge zur Bildungsforschung und Entwicklung (Bd. 8). Klagenfurt: Waxmann, S. 191-203. Lewis, C., & Tsuchida, I. (1998). A lesson is like a swiftly flowing river: Research lessons and the improvement of Japanese education. American Educator, 22(4), pp. 14-17 & 50-52. Lewis, C. C. & Hurd, J. (2011). Lesson Study. Portsmouth: Heinemann. Mayring, Ph. (2022). Qualitative Inhaltsanalyse (13., neu bearb. Aufl.). Weinheim und Basel: Beltz. 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New York: The Free Press. Stipsits, E. (2019). "Nachhaltige Transferwirkung von Lehrerfortbildung mit Lesson & Learning Studies". Erziehung und Unterricht (1-2), 2019, S. 1-9. Sommer, A., Apfler, S. & Musilek, M. (2024). "Daten, Wahrscheinlichkeit und Kombinatorik als Lesson Study Projekt". R&E-Source 11(3). Quelle: https://journal.ph-noe.ac.at/ index.php/resource/article/view/1279. Letzter Zugriff: 11.06.2025. Vock, M. et al. (2024). Das Lesson-Study-Handbuch: Kooperative Unterrichtsentwicklung Schritt für Schritt. Hannover: Kallmeyer. Schulentwicklung Isolde Kreis, Sabine Apfler & Elisabeth Stipsits Schulentwicklung Viktoria Berzsenyi-Schweitzer & Karina Toth 1 Von der Bedeutung der Bewegung zur Bewegten Schule Kinder und Jugendliche verbringen regelmäßig viel Zeit in pädagogischen Einrichtungen, somit übernehmen diese immer mehr Verantwortung für den Tagesablauf von Kindern und Jugendlichen und deren Bewegungszeit (Neuber & Kehne, 2024): Regelmäßige körperliche Aktivität im schulischen Kontext hat nachweislich präventive Wirkungen auf die Gesundheit. Empirische Studien zeigen, dass sie das Risiko für Zivilisationskrankheiten und Unfälle senkt sowie die allgemeine Gesundheitsentwicklung fördert (Nandy et al., 2024). Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist das natürliche Bewegungspotenzial hoch. Dieses Potenzial sollte gezielt genutzt werden, um ihre Leistungsbereitschaft und ihr Wohlbefinden zu stärken (Kauczor-Rieck, 2024; Dreiskämper, 2024). Schulen tragen daher eine wichtige Verantwortung, Bewegungsangebote systematisch zu integrieren und so einen Beitrag zur nachhaltigen Gesundheitsförderung zu leisten (Dreiskämper, 2024). Trotz zahlreicher Forschungsergebnisse, die auf die positiven Effekte sportlicher Aktivität verweisen, bestehen in der praktischen Umsetzung weiterhin Defizite. Die Einbindung sportwissenschaftlicher Erkenntnisse in Bildungskonzepte und Gesundheitspolitik ist daher zwingend notwendig (Donnelly et al., 2016; WHO, 2010). Schon in der Primarstufe Viktoria Berzsenyi-Schweitzer Karina Toth Vom Projekt gesund.bewusst.bewegt zur Bewegten Schule Bewegung und Sport werden zunehmend als bedeutende wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Faktoren wahrgenommen, weil sie nicht nur zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Sicherung der Leistungsfähigkeit beitragen, sondern auch erhebliche gesamtwirtschaftliche Effekte hervorrufen. Die wachsende Bedeutung zeigt sich dabei sowohl in der Förderung des Leistungssports als auch in der systematischen Integration sportwissenschaftlicher Erkenntnisse in gesundheitspräventive Maßnahmen. Um die verstärkte Umsetzung dieses Wissens in burgenländischen Volksschulen zu erreichen, wurde das Projekt gesund.bewusst.bewegt ins Leben gerufen. Mit Unterstützung der Schulentwicklung kann der Fokus darauf gerichtet werden, Bewegtes Lernen in Volksschulen verstärkt zu implementieren. Welche Voraussetzungen es in der Organisations-, Personalund Unterrichtsentwicklung braucht bzw. wie das Projekt hierbei förderlich ist, soll dieser Artikel genauer beleuchten. Ziel ist es, eine Bewegte Schule im Burgenland zu schaffen. sind mangelnde motorische Grundfähigkeiten und unzureichende soziale Kompetenzen festzustellen, die sich negativ auf die schulische Leistung auswirken können (Anrich, 2003). Sowohl vom Gesundheitsportal Österreich (2025) als auch von der WHO (2010) wird empfohlen, dass sich die Kinder mindestens 60 Minuten am Tag bewegen. Während dieser aktiven Bewegungszeit sollten innerhalb dieser Stunde zumindest drei Mal wöchentlich ausdauernde Schwerpunkte gesetzt werden und an drei weiteren Tagen kräftigende Übungen für Knochen und Muskeln im Fokus stehen (Gesundheitsportal, 2025; WHO, 2010). Laut des Fonds Gesundes Österreich wissen 80% der österreichischen Bevölkerung, dass regelmäßige Bewegung wichtig und gesund ist. Dem Wissen zum Trotz bewegen sich die Österreicher:innen noch weniger als der EU-Durchschnitt. Änderungen könnten nur durch Maßnahmen auf mehreren Ebenen, wie etwa vor allem der Politik, geschaffen werden, die die Umsetzung der gesundheitsspezifischen Vorgaben innerhalb des Alltags auch am Arbeitsplatz oder in der Schule erleichtern (Bachl et al., 2012). Anrich (2010) sieht Bewegung als ein grundlegendes Element für die Kooperation von Leistung, Konzentration und Motivation und unterstützt maßgeblich die Persönlichkeitsentfaltung. Noch weiter geht Berzsenyi-Schweitzer, V. & Toth, K. (2025). Vom Projekt gesund.bewusst.bewegt zur Bewegten Schule. phpublico, 15, S. 35-42. https://doi.org/10.5281/zenodo.17574522