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IMK Inflationsmonitor: Inflation im Juli 2025 erneut bei 2 %, harmonisierte Rate sinkt auf 1,8 %

Tober, Silke

Abstract

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Full text

Tober, Silke Research Report IMK Inflationsmonitor: Inflation im Juli 2025 erneut bei 2 %, harmonisierte Rate sinkt auf 1,8 % IMK Policy Brief, No. 195 Provided in Cooperation with: Macroeconomic Policy Institute (IMK) at the Hans Boeckler Foundation Suggested Citation: Tober, Silke (2025) : IMK Inflationsmonitor: Inflation im Juli 2025 erneut bei 2 %, harmonisierte Rate sinkt auf 1,8 %, IMK Policy Brief, No. 195, Hans-Böckler-Stiftung, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Düsseldorf This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/333476 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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Die Teuerung bei Nahrungsmitteln, Alkohol und Tabakwaren lag wie im Vormonat bei 3,0 %. Die Inflation auf Basis des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) verringerte sich auf 1,8 % (Juni 2025: 2,0 %) und lag damit etwas unter dem Inflationsziel der EZB und auch unter der Rate für den Euroraum insgesamt (jeweils 2,0 %). Die Kernrate sank infolge des abgeschwächten Preisauftriebs bei Dienstleistungen auf 2,4 %. Sie lag dabei – wie bereits durchgehend seit Anfang 2024 – etwas höher als der Euroraum-Durchschnitt (2,3 %). Die Inflationsraten der neun hier betrachteten Haushaltstypen in verschiedenen Einkommensklassen lagen im Juli 2025 kaum verändert zwischen 1,5 % und 1,9 %. Dabei profitierten einkommensschwache Haushalte und Familien weiterhin besonders stark von dem Rückgang der Energiepreise, während die noch überdurchschnittlich steigenden Dienstleistungspreise stärker bei einkommensstarken Haushalten zu Buche schlagen. Die Inflationslage ist in Deutschland und im Euroraum insgesamt mittlerweile entspannt. So nimmt der Preisauftrieb bei Dienstleistungen auch im Euroraum weiter ab und die Inflation dürfte wie auch in Deutschland im weiteren Jahresverlauf um das Inflationsziel der EZB von 2 % schwanken. Zugleich belasten die US-Zölle, die hohen Energiepreise und die starke Aufwertung des Euro die Konjunktur, wodurch das Risiko einer mittelfristig zu niedrigen Inflation steigt. Nach der Zinspause im Juli sollte die EZB daher den Leitzins auf der nächsten Sitzung erneut senken und damit einen Beitrag zur Stärkung der Investitionstätigkeit leisten. Dies gilt umso mehr als die Investitionsschwäche zum Teil durch die übermäßig restriktive Geldpolitik der EZB bewusst herbeigeführt wurde. 1 Dr. Silke Tober, Referatsleitung Geldpolitik, [email protected] Seite 2 von 13 Preisanstieg bei Nahrungsmitteln noch hoch Die Inflationsrate in Deutschland verharrte im Juli 2025 bei 2,0 % und damit genau beim Inflationsziel der EZB (Abbildung 1). Die Energiepreise dämpften erneut weniger stark (-3,4 % nach -3,5 % im Juni 2025), während die Teuerung von Nahrungsmitteln einschließlich Alkohol und Tabak unverändert bei 3,0 % lag. Die Kernrate ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak blieb gegenüber dem Vormonat ebenfalls unverändert (2,5 %),2 obwohl sich die Teuerung der Dienstleistungen von 3,3 % im Juni 2025 auf 3,1 % im Juli 2025 abschwächte. Ausschlaggebend war, dass die Warenpreise in der Kernrate etwas stärker anzogen (1,2 % nach 0,9 % im Juni 2025). Die Teuerungsrate von Nahrungsmitteln im engen Sinne erhöhte sich im Juli 2025 leicht auf 2,2 % (Juni 2025: 2,0 %). Auch der Preisauftrieb bei alkoholischen Getränken legte zu (1,0 % nach 0,8 %). Demgegenüber verringerten sich die hohen Teuerungsraten bei alkoholfreien Getränken (7,5 % nach 7,9 %) und Tabakwaren (6,0 % nach 6,4 %) etwas. Abbildung 1: Inflation und Kerninflation in Deutschland Januar 2015 – Juli 2025 Veränderungen der Indizes gegenüber Vorjahresmonat, in % Quellen: Eurostat; Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK. Von den 132 Nahrungsmitteln, die im Verbraucherpreisindex enthalten sind,3 waren 40 im Juli 2025 preiswerter als ein Jahr zuvor, besonders deutlich – wie größtenteils auch schon in den Vormonaten – Zucker (-29,4 %), Olivenöl (-22,5 %), frische Kartoffeln (-18,9 %) und Möhren (-17,7 %). Zugleich hatten 18 Nahrungsmittel eine zweistellige Preissteigerungsrate, besonders ausgeprägt Bohnenkaffee (22,3 %), Schokoladentafeln (26,1 %) und Kakaopulver (20,0 %). Auf 2 Die vom Statistischen Bundesamt (Destatis) veröffentlichte Kernrate bleib ebenfalls unverändert. Sie lag mit 2,7 % etwas höher, weil das Statistische Bundesamt neben Energie nur Nahrungsmittel im engen Sinne unberücksichtigt lässt, während hier in Einklang mit Eurostat Nahrungsmittel einschließlich alkoholfreier und alkoholischer Getränke sowie Tabakwaren herausgerechnet werden. 3 Infolge der turnusgemäßen Änderungen im Erhebungskatalog in Vorbereitung auf das neue Basisjahr 2025 enthalten die 10-Steller der Klassifikation der Verwendungszwecke des Individualkonsums seit Dezember 2024 nur noch 132 Nahrungsmittel und damit 36 weniger als zuvor. 2,0 2,5 1,8 2,4 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Verbraucherpreisindex (VPI) VPI ohne Energie, Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI) HVPI ohne Energie, Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Inflationsziel der EZB Seite 3 von 13 dem Höhepunkt der Lebensmittelteuerung im Februar 2023 hatten 146 von 168 Nahrungsmitteln Preisanstiege von 10 % oder mehr. In der längeren Betrachtung von sechs Jahren – seit vor der Pandemie und den darauffolgenden Krisen – haben sich Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke um 38,7 % verteuert, darunter Speisefette und -öle um 48,5 %, Molkereiprodukte und Eier um 47,5 %, Zucker, Marmeladen und andere Süßwaren um 44,7 %, Kaffee, Tee und Kakao um 42,6 %, Mineralwasser, Limonaden und Säfte um 40,4 %, Brotund Getreideerzeugnisse um 40,3 %, Fleischund Fleischwaren um 39,6 %, Obst um 34,1 %, Fisch und Meeresfrüchte um 30,5 % sowie Gemüse um 24,9 %. Damit haben sich die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke seit Juli 2019 im Durchschnitt mehr als drei Mal so stark verteuert, als wären sie in Einklang mit dem Inflationsziel der EZB in Höhe von 2 % gestiegen (12,6 %). Ein Grund für den kräftigen Anstieg der Nahrungsmittelpreise sind die globalen Agrarrohstoffpreise, die im Monat nach der russischen Invasion der Ukraine ihren Höhepunkt erreichten, und – nach Rückgängen bis Februar 2024 – im Juli 2025 um 36,8 % höher lagen als sechs Jahre zuvor (Abbildung 2). Preistreibend wirkten zudem die stark gestiegenen Energiepreise, die aufholende Lohnentwicklung nach den hohen Inflationsraten der Jahre 2022 und 2023 sowie extreme Wetterereignisse. Abbildung 2: Internationale Energieund Agrarrohstoffpreise Index 2019=100, Januar 2019 – Juli 2025 Quellen: EZB; FAO; Macrobond; U.S. Energy Information Administration; Berechnungen des IMK. 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1.000 1.100 1.200 1.300 1.400 1.500 1.600 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Erdgas (ICE Dutch TTF Daily, 1st Pos., EUR) Erdgas (Henry Hub, USA, USD) Strompreis (EPEX Spot, Day-Ahead, EUR) 0 25 50 75 100 125 150 175 200 225 250 275 300 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Nahrungsmittelpreisindex (FAO, USD) Rohöl (Brent, EUR) Seite 4 von 13 Anhaltender Rückgang bei Energiepreisen Die Energiepreise waren im Juli 2025 mit -3,4 % zwar geringfügig weniger stark rückläufig als im Vormonat (-3,5 %), verringerten die Inflationsrate aber weiterhin um 0,3 Prozentpunkte. Unter den drei großen Energieträgern für Haushaltsenergie sank der Preis für Heizöl mit -8,3 % am stärksten (Juni 2025: -8,2 %), gefolgt von Erdgas mit -2,1 % (Juni 2025: -2,6 %) und Strom mit -2,0 % (Juni 2025: -2,4 %).4 Fernwärme verbilligte sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,8 %. Insgesamt war Haushaltsenergie im Juli 2025 2,6 % günstiger als ein Jahr zuvor (Juni 2025: -2,8 %). Der Rückgang der Kraftstoffpreise war mit -4,5 % ebenfalls fast so stark wie im Vormonat (-4,6 %). Verglichen mit Juli 2019 lagen die Energiepreise insgesamt um 35,2 % höher, darunter Haushaltsenergie um 46,3 % und Kraftstoffe um 20,2 %. Am höchsten war der Preisanstieg in dem Sechsjahreszeitraum bei Kohlebriketts (93,1 %), gefolgt von Erdgas (88,0 %), Fernwärme (75,1 %), Flüssiggas (69,2 %), Brennholz und Holzpellets (36,7 %), Strom (28,2 %) und Heizöl (20,9 %). Teuerung bei Dienstleistungen sinkt, Kernrate erneut bei 2,5 % Die Kernrate ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak lag im Juli 2025 wie im Vormonat bei 2,5 %. Dabei erhöhte sich der Preisauftrieb bei den Waren in der Kernrate (1,2 % nach 0,9 %), während sich der Anstieg der Dienstleistungspreise abschwächte (3,1 % nach 3,3 %). Letztere haben einen Anteil von 65,2 % an der Kernrate. Entscheidend für den geringeren Anstieg der Dienstleistungspreise war, dass die besonders hohen Teuerungsraten einzelner Dienstleistungen etwas abnahmen und die Preise von Pauschalreisen nur um 2,2 % zunahmen nach 3,2 % im Juni 2025. So verteuerte sich der Beitrag zur Kfz-Versicherung, der seit Juli 2023 mit zweistelligen Raten zulegte, im Juli 2025 um 9,8 % nach 15,7 % im Juni 2025 und 37,7 % Ende 2024. Die Preise der Dienstleistungen von Pflegeheimen – die ein Gewicht von 74 % an den sozialen Dienstleistungen haben – erhöhten sich um 8,8 % nach 9,8 % im Vormonat. Der Preisauftrieb bei Dienstleistungen für die Instandhaltung der Wohnung schwächte sich ebenfalls etwas ab (4,4 % nach 4,7 %) wie auch bei der Wasserversorgung und ähnlichen Dienstleistungen (3,9 % nach 4,1 %). Dämpfend wirkten auch die Flugpreise mit einem Rückgang um 6,1 % (Juni 2025: -1,3 %) und die Preise im Fernverkehr der Bahn (-0,4 % nach 7,0 %). Demgegenüber blieb der Preisanstieg bei Gaststätten mit 4,7 % unverändert hoch, die Teuerung bei Übernachtungen stieg von 1,6 % auf 2,4 % und die bei der Wartung und Reparatur von Fahrzeugen sogar von 5,6 % auf 5,7 %. Im Vergleich zu Juli 2019 lagen die Preise von Dienstleistungen im Juli 2025 um 18,1 % höher und die Preise von Waren ohne Energie, Nahrungsmittel, Getränke und Tabak um 16,8 %. Damit haben sie sich nur etwa halb so stark verteuert wie Energie und Nahrungsmittel im weiten Sinne. Dabei sanken beispielsweise die Preise für Personal-Computer (-14,4 %), Telefone sowie andere Geräte für die Kommunikation (-12,1 %), Bahntickets (-10,7 %), Hausratversich4 Einschließlich der Betriebskosten von Zentralheizungen. Betrachtet man nur die Haushalte mit eigenem Gasanschluss bzw. eigener Ölheizung wie in den Pressemitteilungen von Destatis, betrug die Teuerungsrate im Juli 2025 0,3 % bei Erdgas und -5,0 % bei Heizöl. Seite 5 von 13 erungen (-9,7 %), Rundfunkund Fernsehgeräte (-7,1 %), den öffentlichen Nahverkehr (-6,7 %), Telekommunikationsdienstleistungen (-3,8 %) sowie E-Book-Downloads (-3,3 %). Einzelne Dienstleistungen verteuerten sich demgegenüber in der längeren Frist stark, insbesondere Flüge (62,5 %), Dienstleistungen für die Instandhaltung und Reparatur der Wohnung (55,7 %), Dienstleistungen von Hauspersonal und andere häusliche Dienste (41,7 %), soziale Dienstleistungen (42,0 %), Veterinärdienstleistungen (37,5 %), Gaststättendienstleistungen (36,2 %), chemische Reinigung, Waschen und Bügeln (31,3 %), Friseurdienstleistungen für Männer/Kinder (37,3 %) und Frauen (33,6 %) sowie Versicherungen für Reise und Gepäck (33,2 %). Rund ums Auto ist es in den vergangenen sechs Jahren ebenfalls deutlich teurer geworden: Die Preise für Pkw stiegen seit Juli 2019 um 30,6 % – darunter Gebrauchtwagenpreise um 45,1 % –, die Preise für Ersatzteile und Zubehör um 20,3 %, für Wartung und Reparatur um 39,0 % und für die Versicherung von privaten Verkehrsmitteln um 61,9 %.5 Aktuelle Unterschiede zwischen den haushaltsspezifischen Teuerungsraten verringern Differenzen in der längeren Frist Die Inflationsraten der neun im IMK Inflationsmonitor monatlich betrachteten Durchschnittshaushalte (siehe Anhang) lagen im Juli 2025 zwischen 1,5 % und 1,9 %. Abbildung 3 zeigt die auf der Grundlage von 30 Ausgabenpositionen berechneten haushaltsspezifischen Inflationsraten und die Beiträge der 12 zusammengefassten Ausgabenpositionen zu der jeweiligen Inflationsrate sowie zum Anstieg des nationalen und des harmonisierten Verbraucherpreisindex.6, 7 Wie in den Vormonaten lag die Teuerungsrate von Familien im unteren Einkommenssegment am niedrigsten (1,5 %) und die Teuerung von einkommensstarken Alleinlebenden am höchsten (1,9 %). Dabei sank die Inflationsrate bei einkommensstarken Alleinlebenden leicht. 5 Der kräftige Anstieg der Versicherungspreise für private Fahrzeuge um 62 % seit Juli 2019 ist schwer mit den oben genannten Preissteigerungen bei Pkw, Ersatzteilen sowie der Wartung und Reparatur von Fahrzeugen in Einklang zu bringen, selbst unter Berücksichtigung erhöhter Reparaturkosten im Schadensfall infolge technologischer Neuerungen, der gestiegenen Entlohnung im Versicherungsgewerbe und höherer medizinischer Kosten. Das wirft die Frage auf, ob die Versicherungsunternehmen übermäßig auf eine Aufforderung der Finanzaufsicht BaFin Ende 2023 reagiert haben, die Prämien zu erhöhen (BaFin 2023). Die Aufforderung an einen Sektor, die Preise zu erhöhen, statt beispielsweise Kostensenkungen auch bei den Rückversicherern anzumahnen, erscheint zudem aus wettbewerbspolitischer Sicht problematisch. 6 Die 30 Ausgabenpositionen sind in Tabelle 2 des Anhangs wiedergegeben. Die 12 Untergruppen weichen von den 12 Abteilungen des Verbraucherpreisindex ab, um die besonders einflussreichen Gütergruppen gezielt auszuweisen. Entsprechend wurde die Haushaltsenergie aus der Abteilung 4 (Wohnen) herausgelöst und die Kraftund Schmierstoffe aus der Abteilung 7 (Verkehr). Mit dem Ziel der Übersichtlichkeit wurden dann Abteilungen 1 und 2 in die Untergruppe Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren zusammengefasst und das Bildungswesen (Abteilung 10) mit einem geringen Gewicht von durchschnittlich 0,9 % am Warenkorb der Abteilung 12 (Andere Waren und Dienstleistungen) zugeschlagen. 7 Aufgrund ungelöster Datenprobleme veröffentlicht Destatis seit Juni und zurück bis Anfang 2025 keine Zahlen für die Preise der Unteraggregate „Finanzdienstleistungen“ und „Andere Dienstleistungen, a. n. g.“. In der tieferen Gliederung fehlen nur die Gebühren für Steuerberatung bzw. die Gebühr für Rechtsanwälte und Notare. Um die haushaltsspezifischen Inflationsraten dennoch berechnen zu können, wurde für die Finanzdienstleistungen der zweite Teilindex – Bankoder Sparkassengebühr – verwendet. Der Preisindex für "Andere Dienstleistungen, a. n. g." wurde mit der durchschnittlichen Steigerungsrate der vorhandenen fünf Teilaggregate fortgeschrieben (Gebühr für Geburtsurkunden, Sterbeurkunden o. Ä., Passgebühr o. Ä., Bestattungsleistungen und Friedhofsgebühr, Kurtaxe, Kleinanzeige in einer Zeitung). Seite 6 von 13 Tabelle 1: Ausgewählte haushaltsspezifische Inflationsbeiträge im Juli 2025 Inflationsbeiträge in Prozentpunkten Paar, 2 Kinder 2.000–2.600 € Paar, 2 Kinder 3.600–5.000 € Alleinlebende < 900 € Alleinlebende ≥ 5.000 € Nahrungsmittel, Getränke, Tabak 0,6 0,5 0,6 0,2 Miete, Nebenkosten, Instandhaltung 0,6 0,6 0,8 0,6 Haushaltsenergie -0,2 -0,2 -0,3 -0,1 Kraftund Schmierstoffe -0,3 -0,3 -0,1 -0,2 Verkehr ohne Kraftstoffe 0,2 0,3 0,1 0,3 Freizeit und Kultur 0,1 0,1 0,1 0,2 Gastgewerbe 0,2 0,2 0,2 0,3 Übrige Konsumausgaben 0,3 0,5 0,2 0,6 Inflationsrate in % 1,5 1,7 1,6 1,9 Die Inflationsbeiträge summieren sich gegebenenfalls rundungsbedingt nicht zur Inflationsrate oder zu den Summen im Text. Quellen: Statistisches Bundesamt, Berechnungen des IMK. Einkommensschwächere Haushalte, die während der Energiekrise besonders hohe Inflationsraten zu verzeichnen hatten, profitieren nun entsprechend stärker von dem Rückgang der Energiepreise. Insgesamt verringerte der Preisrückgang bei Haushaltsenergie und Kraftstoffen die Inflationsrate von einkommensschwachen Familien im Juli 2025 um 0,5 Prozentpunkte, verglichen mit -0,3 Prozentpunkten im Fall der einkommensstarken Alleinlebenden. Der negative Inflationsbeitrag von Energie belief sich bei einkommensschwachen Alleinlebenden nur auf 0,4 Prozentpunkte, obwohl Haushaltsenergie besonders stark ins Gewicht fällt, da Kraftstoffe eine untergeordnete Rolle spielen. Die aktuell höhere Inflationsrate von einkommensstarken Alleinlebenden ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass die besonders stark steigenden Preise für Versicherungsdienstleistungen und soziale Dienstleistungen mit einem höheren Gewicht in die Berechnungen einfließen. Auch die Preise rund um die Gesundheitspflege und im Gastgewerbe schlagen stärker zu Buche. Die aktuellen Differenzen mindern daher die deutlich höhere Belastung einkommensschwacher Haushalte während der Hochinflationsphase. In den Jahren 2022 und 2023 verzeichneten einkommensschwache Familien eine Inflationsrate von 8,3 % bzw. 6,0 % verglichen mit 6,4 % bzw. 5,3 % im Fall von einkommensstarken Alleinlebenden (Tober 2025b). Trotz weiterhin bestehender Unterschiede zwischen den längerfristigen haushaltsspezifischen Inflationsraten dürfte sich die durch die Preisschocks entstandene Kaufkraftlücke infolge der Kombination aus wirtschaftspolitischen Maßnahmen, deutlich gefallenen Energiepreisen und kräftigen Lohnsteigerungen überwiegend bereits 2024 geschlossen haben (Dullien, Rietzler und Tober 2024; Tober 2025b). Seite 7 von 13 Abbildung 3: Haushaltsspezifische Inflationsraten und Inflationsbeiträge im Juli 2025 in % bzw. Prozentpunkten VPI: Verbraucherpreisindex, HVPI: Harmonisierter Verbraucherpreisindex. Inflationsbeiträge beim HVPI berechnet als Ribe-Beiträge nach Eurostat (2018). Quellen: Eurostat, Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK. Insgesamt haben sich die Inflationsraten zuletzt nur wenig geändert. Die Tatsache, dass alle neun haushaltsspezifischen Inflationsraten unterhalb der Inflationsrate des Statistischen Bundesamtes lagen, ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die besonders stark gestiegenen Preise für Versicherungen und soziale Dienstleistungen bei den Konsumausgaben der Haushalte gemäß der Einkommensund Verbrauchsstichprobe 2018 ein geringeres Gewicht haben als in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, auf der die Verbraucherpreisstatistik seit Anfang 2023 beruht (siehe Anhang). HVPI-Inflation sinkt mit 1,8 % unter das EZB-Inflationsziel Die für die Geldpolitik wichtige Inflationsrate auf Basis des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) ist in Deutschland im Juli 2025 gesunken und lag mit 1,8 % erstmals seit November 2023 unter der VPI-Rate (2,0 %). Gründe hierfür sind Unterschiede bei der Gewichtung und 0,5 0,3 0,6 0,6 0,5 0,6 0,6 0,8 0,7 0,7 0,6 -0,1 -0,1 -0,2 -0,2 -0,1 -0,2 -0,2 -0,3 -0,2 -0,2 -0,1 0,5 0,4 0,6 0,5 0,4 0,4 0,5 0,6 0,4 0,4 0,2 -0,2 -0,2 -0,3 -0,3 -0,2 -0,2 -0,2 -0,1 -0,2 -0,2 -0,2 0,3 0,4 0,2 0,3 0,4 0,3 0,2 0,1 0,2 0,3 0,3 0,1 0,1 0,10,1 -0,1 0,1 0,1 0,2 0,2 0,2 0,1 0,2 0,2 0,2 0,2 0,3 0,2 0,2 0,3 0,3 0,2 0,2 0,2 0,2 0,3 0,1 0,2 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,3 0,5 0,6 0,2 0,3 0,3 0,2 0,3 0,2 0,2 0,2 0,3 2,0 1,8 1,5 1,7 1,9 1,7 1,5 1,6 1,6 1,7 1,9 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 VPI HVPI Paare, 2 Kinder 2000-2600€ Paare, 2 Kinder 3600-5000€ Paare, 2 Kinder ≥5000€ Paare 3600-5000€ Alleinerziehende, 1 K 2000-2600€ Alleinlebende <900€ Alleinlebende 1500-2000€ Alleinlebende 2000-2600€ Alleinlebende ≥5000€ Mieten, Nebenkosten, Wohnungsinstandhaltung Haushaltsenergie Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Nachrichtenübermittlung Kraftund Schmierstoffe für Fahrzeuge Verkehr ohne Kraftund Schmierstoffe Bekleidung und Schuhe Freizeit und Kultur Gaststättenund Übernachtungsdienstleistungen Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände Gesundheitspflege Andere Dienstleistungen, Bildungswesen Inflationsrate Impressum Herausgeber Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Georg-Glock-Str. 18, 40474 Düsseldorf, Telefon +49 211 7778-312, Mail [email protected] Die Reihe „IMK Policy Brief“ ist als unregelmäßig erscheinende Online-Publikation erhältlich über: https://www.imk-boeckler.de/de/imk-policy-brief-15382.htm ISSN 2365-2098 Dieses Werk ist lizenziert unter der Creative Commons Lizenz: Namensnennung 4.0 International (CC BY). 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