Klimafolgenanpassung: Gutes Leben in einer sich rasant verändernden Welt absichern
Abstract
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Full text
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (Ed.) Research Report Klimafolgenanpassung: Gutes Leben in einer sich rasant verändernden Welt absichern Zukunftsimpuls, No. 28 Provided in Cooperation with: Wuppertal Institute for Climate, Environment and Energy Suggested Citation: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (Ed.) (2024) : Klimafolgenanpassung: Gutes Leben in einer sich rasant verändernden Welt absichern, Zukunftsimpuls, No. 28, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, Wuppertal This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/300662 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Von Stadt, Land, Fluss bis Wirtschaft, Gesundheit, Natur: In diesem Zukunftsimpuls umreißen Forschende Herausforderungen, Potenziale und zielgerichtete Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung. Zukunftsimpuls Nr. 28 | Juni 2024 Z u k u n f t s i m p u l s Klimafolgenanpassung: gutes Leben in einer sich rasant verändernden Welt absichern
Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls KlimafolgenanpassungInhaltsübersicht Einführung: Natur, Gesellschaft und Infrastrukturen resilient und lebenswert gestalten Naturbasierte Lösungen: Maßnahmen, die mit ihren Herausforderungen wachsen Wirtschaft: Standorte, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle resilient gestalten Klimaschutz und Klimaanpassung als einander ergänzende Strategien nutzen Ernährung: Produktion, Konsum und globale Systeme resilient gestalten Umbau der Städte: Mehr Lebensqualität durch Klimaanpassung Klimaanpassung und Klimaschutz stärker mit Gesundheit zusammendenken 03 06 14 36 43 29 22 29 36 43 14 22 06 03
Inhaltsübersicht | 03 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Einführung Der April 2024 war der weltweit wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen: Die Durchschnittstemperatur lag rund 1,6 Grad über dem vorindustriellen Durchschnitt – und damit schon jenseits des Pariser 1,5-Grad-Ziels. Und der April war kein Ausreißer, sondern der elfte Monat mit Rekordtemperaturen in Folge. Auch die Durchschnittstemperatur des gesamten Jahres 2023 war die höchste seit Beginn der systematischen Temperaturaufzeichnungen: Mit einer gegenüber dem vorindustriellen Niveau um 1,48 Grad höheren Weltmitteltemperatur wurde damit auch für ein Gesamtjahr die 2015 in Paris von der Staatengemeinschaft gesetzte Temperaturgrenze nahezu erreicht. Speziell die Weltmeere sind so warm wie noch nie: 2023 jagte ein Temperaturrekord den nächsten, zum Teil lagen die Temperaturen um mehr als fünf Grad über dem langjährigen Mittel. Forschende sind sich zwar noch Natur, Gesellschaft und Infrastrukturen resilient und lebenswert gestalten Die schon heute gravierenden Klimawandelfolgen werden absehbar noch intensiver. Eine One-fits-all-Lösung gibt es nicht – sehr wohl aber reichlich Wissen aus Forschung und Praxis, das Akteur*innen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur Anpassung an das sich weiter verändernde Klima nutzen können. –––––––– Autor*innen: Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick und Constanze Schmidt 21,0 2024 2023 1979–2022 20,8 20,6 20,4 20,2 20,0 19,8 19,6 Jan Mär Mai Jul Sept Jan Meeresoberflächentemperaturen seit 1979 Quelle: Copernicus Climate Change Service / ECMWF
Inhaltsübersicht | 04 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Einführung Umwelt agentur veröffentlichte Bewertung der Klima risiken für den sich überdurchschnittlich schnell erhitzenden Kontinent kommt zum Schluss: Sofortige, ambitionierte und entschlossene politische Klimaanpassungsmaßnahmen für Europa sind unumgänglich. Doch nicht nur die Politik steht in der Pflicht, auch Unternehmen, Behörden, Kommunen und der Gesundheitssektor sollten schnellstens Maßnahmen ergreifen. Das liegt in ihrem ureigenen Interesse: Wenn Klimafolgenanpassung richtig gemacht und aus einer ganzheitlichen Perspektive heraus gestaltet wird, vermeidet das nicht nur zukünftige Schäden und Belastungen, sondern trägt durch grüne, lebendige Orte mit hoher Aufenthaltsqualität auch zu einer lebenswerten, gesünderen Umgebung bei – und spart auf lange Sicht oftmals Kosten. Besonderes Potenzial hierfür haben integrierte Strategien, die Klimaschutz und Klimaanpassung miteinander verweben: Sie bieten viele Synergieeffekte, mit Vorteilen für Mensch und Natur, Wirtschaft und Politik, Gesundheit und Lebensqualität. Dafür ist auf verschiedenen Ebenen eine ressortübergreifende Sichtweise und Kooperation notwendig, auf kommunaler Ebene etwa eine starke Verzahnung zwischen Klimaanpassungsund Stadtentwicklungspolitik. Die richtige Lösung am richtigen Ort Bei der Anpassung an den Klimawandel führt kein Weg daran vorbei, sich vor Ort auf die lokalen Auswirkungen einzustellen, denn Klimawandelfolgen äußern sich regionalspezifisch zum Teil sehr unterschiedlich. An passungen uneins, was die Ursachen sind und wohin die Entwicklung führt, die Einschätzungen reichen von „nicht überraschend“ über „das ist extrem“ bis hin zu „absolut irre“. In jedem Fall wird aber im fortschreitenden Klimawandel eine wesentliche Ursache gesehen. Und noch eins ist klar: Wenn sich die Ozeane erwärmen, steigt auch die Luftfeuchtigkeit. Die Folge: Wetterextreme wie Stürme und heftige Regenfälle nehmen weiter zu – an Intensität ebenso wie an Häufigkeit. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Meere selbst und angrenzende Gebiete, denn Wetterextreme können auch im Binnenland auftreten: Das Ahrtal beispielsweise, wo 2021 Überflutungen infolge massiver Regenfälle zu 135 Todesopfern und volkswirtschaftlichen Schäden von mehr als 40 Milliarden Euro geführt haben, liegt rund 250 Kilometer von der nächsten Küste entfernt. Klimaschutz allein reicht nicht mehr Die Entwicklungen der vergangenen Monate und Jahre zeigen: Klimaschutz ist dringender denn je – aber er allein reicht nicht mehr aus. Eine im März 2024 von der Europäischen Forschende sind sich uneins, was die Ursachen sind und wohin die Entwicklung führt: Die Einschätzungen reichen von „nicht überraschend“ über „das ist extrem“ bis hin zu „absolut irre“.
Inhaltsübersicht | 05 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Einführung Klimafolgenanpassung schafft grüne, lebenswerte Orte, vermeidet zukünftige Schäden und spart langfristig Kosten. folgenanpassung eindeutig belegen. Aus diesem Erfahrungsschatz können Akteur*innen aller Ebenen schöpfen – und so Lösungen für ihren spezifischen Raum entwickeln, die exakt zu ihren individuellen Herausforderungen passen. Und ganz wichtig: Die Modelle der Klimaforschung, die die möglichen Folgen des Klimawandels abbilden, sind in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden und erlauben heute eine stark regionalisierte Betrachtung. Ob Stadt, Land, Fluss, ob Wirtschaft, Gesundheit, Natur: In diesem Zukunftsimpuls umreißen Forschende des Wuppertal Instituts die Herausforderungen, Potenziale und den aktuellen Forschungsstand zur Klimafolgenanpassung in den Bereichen Städte, Ernährung, Wirtschaft und Gesundheit. Ein besonderes Augenmerk legen sie auf die Synergien, die durch integrierte Maßnahmen für Klimaschutz und -anpassung möglich sind. Sie beleuchten zudem, welche Möglichkeiten naturbasierte Lösungen bieten und an welchen Stellen eher technische Ansätze notwendig sind. sind dementsprechend besonders wirksam, wenn sie exakt auf die Gegebenheiten vor Ort abgestimmt sind. Auch die zu erwartenden Entwicklungen sind dabei wichtig: Klimaprojektionen der nahen und entfernten Zukunft fallen für Gebiete an Flüssen anders aus als für Bergregionen, in ländlichen Gegenden bestehen andere Risiken und Anpassungspotenziale als in Städten. Unterschiede gibt es aber auch in sehr viel kleinerem Maßstab: Was in Prenzlauer Berg sinnvoll ist, kann schon in Friedrichshain der völlig falsche Ansatz sein. Ein Patentrezept, das sich einfach im ganzen Land umsetzen lässt, existiert also nicht. Aber: Es gibt mittlerweile zahllose Best-Practice-Beispiele, Forschungsergebnisse und erfolgreiche Projekte, die den vielfachen Nutzen von KlimaStadt, Land, Fluss: Die Anpassung an den Klimawandel muss auf die lokalen Gegebenheiten abgestimmt sein, denn Klimawandelfolgen sind regionalspezifisch zum Teil sehr unterschiedlich – Klimaprojektionen für Gebiete an Flüssen fallen anders aus als für Bergregionen, in ländlichen Gegenden bestehen andere Risiken und Anpassungspotenziale als in Städten.
Inhaltsübersicht | 06 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Städte müssen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten aufgrund der Klimafolgen deutlich umgebaut werden, damit Menschen dort auch zukünftig gut leben und arbeiten können. –––––––– Autor*innen: Dr. Steven März und Anja Bierwirth Umbau der Städte: Mehr Lebensqualität durch Klimaanpassung Umbau der Städte
Inhaltsübersicht | 07 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Umbau der Städte 5-Punkte-Plan für klimaangepasste, lebenswerte Städte 1. Evidenzbasierte Entscheidungsgrundlagen entwickeln Eine gute Datenbasis ist die Grundlage für richtungssichere und robuste Investitionsentscheidungen in den notwendigen Stadt umbau. 2. Handlungskompass Schwammstadt Bund, Länder und Kommunen sollten Rahmenbedingungen für dezentrales Regenwassermanagement schaffen und in Pilotprojekten erproben. 3. Verwaltungsinnovationen für die Querschnittsaufgabe Klimaanpassung Klimaanpassung personell, finanziell und organisatorisch in Stadtverwaltungen verankern und stärker kooperative Ansätze nutzen. 4. Private Investitionen incentivieren Der Stadtumbau benötigt die Aktivierung privater Investitionen. Die Verantwortung muss auf mehrere Schultern verteilt werden. 5. Positive Narrative und Bilder der urbanen Klimaanpassung entwickeln Mehrwert für Lebensqualität betonen, Akzeptanz steigern: Klimaanpassung muss natürlicher Teil der Stadtentwicklungspolitik werden.
Inhaltsübersicht | 08 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Die Klimawandelfolgen sind schon heute deutlich spürbar – auch in Deutschland. Das gilt besonders für Städte: Sie heizen sich durch die hohe Bebauungsdichte und Versiegelung stärker auf und sind anfälliger für Starkregen. Gleichzeitig treffen Extremwetterereignisse wegen der hohen Bevölkerungsund Wirtschaftsdichte viele Menschen und verursachen große Schäden. Selbst wenn die Weltgemeinschaft das 1,5-Grad-Ziel einhält, stehen Städte vor massiven Auswirkungen: Eine Klimasimulation der ETH Zürich zeigt beispielsweise, dass sich das Klima in Köln auch bei Erreichen der Pariser Klimaziele deutlich verändern wird. Im Jahr 2050 entspräche es eher dem heutigen Klima in Mittelitalien. Den Berechnungen zufolge wären sommerliche Höchsttemperaturen um bis zu sechs Grad höher als ohne den Klimawandel. Diese Dynamik stellt die Menschheit vor die Herausforderung, Städte in nur wenigen Jahrzehnten so umzubauen, dass Menschen dort auch zukünftig gut und gern leben können. Evidenzbasierte Entscheidungsgrundlagen entwickeln Dass Städte angesichts von Hitzebelastung, Trockenperioden und Starkregen an die Klimawandelfolgen angepasst werden müssen, wird kaum noch ernsthaft in Frage gestellt. Der notwendige Umbau dauert jedoch Jahre bis Jahrzehnte. Deshalb ist es umso wichtiger, heutige Investitionsentscheidungen auf Basis einer fundierten Wissensund Datenlage zu treffen. Zudem sind die Klimafolgen nicht gleichmäßig im Stadtgebiet sichtund spürbar und betreffen verschiedene Bevölkerungsgruppen unterschiedlich stark. Gerade Ältere, Kinder und Kranke sowie Menschen, die an exponierten Standorten arbeiten, etwa Bauarbeiter*innen, sind besonders betroffen. Niedrigwasser in Köln: 2050 könnten die Höchsttemperaturen hier um bis zu sechs Grad höher liegen als ohne den Klimawandel. Umbau der Städte
Inhaltsübersicht | 15 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung 5-Punkte-Plan für naturbasierte Klimafolgenanpassung Naturbasierte Lösungen 1. Urbane Wälder und Stadtgrün: erhalten, fördern, gezielt erweitern Stadtwälder und Stadtbegrünung bieten vielfältige Klimaanpassungsund Klimaschutzeffekte, die sich gezielt einsetzen lassen. 2. Naturräume gezielt nutzen: Gesunde Lebensbedingungen sozial gerecht umsetzen Urbane Naturräume fördern die Gesundheit. Sie sollten systematisch entwickelt werden, damit alle Bevölkerungsgruppen profitieren. 3. Schutz der Infrastruktur durch naturbasierte Lösungen vorantreiben Naturbasierte Infrastrukturlösungen kombinieren Vorteile für Mensch und Biodiversität mit dem Schutz kritischer Infrastrukturen. 4. Flussauen renaturieren: intakte Ökosysteme als Schutz vor Dürren und Überschwemmungen Die Renaturierung von Auen vereint die Anpassung an Extremwetterereignisse mit vielen Co-Benefits für Mensch, Natur und Wirtschaft. 5. Nachhaltige Landnutzungs-Praktiken mit naturbasierten Lösungen Naturbasierte Landwirtschaft fördert biologische Vielfalt, bremst den Klimawandel und stützt die landwirtschaftliche Produktion.
Inhaltsübersicht | 16 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Technische und infrastrukturelle Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel erfüllen zwar passgenau spezifische Zwecke, sind aber meist ressourcenintensiv und teuer. Naturbasierte Lösungen hingegen kombinieren oft mehrere Anpassungseffekte und sind reich an Synergien: Sie erhalten die biologische Vielfalt, können CO₂ binden und tragen gleichzeitig zu einer lebenswerten, gesundheitsfördernden Umgebung bei. Urbane Wälder und Stadtgrün: erhalten, fördern, gezielt erweitern Stadtwälder, Tiny Forests oder Pocket Parks wirken städtischer Hitze entgegen und kombinieren viele Anpassungseffekte: Der Schatten der Bäume reduziert Hitzeund UV-Belastung, bei Regen speichern sie Wasser, das sie an heißen Tagen durch Verdunstung wieder abgeben. Der Effekt ist enorm: Studien zeigen, dass die Kühlleistung eines einzelnen Baums etwa zehn mittleren Klimaanlagen entspricht – ganz ohne Abwärme und Strombedarf. Parks mit Bäumen haben dementsprechend einen deutlich höheren Kühleffekt als reine Grünflächen. Auch das Wurzelwerk Naturbasierte Lösungen leistet einen wichtigen Beitrag: Es lockert den Boden auf, sodass er mehr Wasser aufnehmen und speichern kann – mit entsprechend positiven Effekten für das Mikroklima und den Überschwemmungsschutz. Auch begrünte Fassaden und Dächer wirken gleich mehrfach vorteilhaft: Sie kühlen im Sommer Innenräume und dämmen sie im Winter, binden Luftschadstoffe und reduzieren Lärm. Daher sollten urbane Wälder und Stadtgrün nicht nur erhalten, sondern auf kommunaler Ebene gezielt erweitert und gefördert werden. Eine standort angepasste Pflanzen auswahl ermöglicht dabei die pass genaue Steuerung der gewünschten Effekte und macht die Bepflanzung widerstandsfähiger. Das spart auf lange Sicht Kosten für die Kommunen. Wertvolles Stadtgrün mit spürbarem Effekt auf das lokale Mikroklima: Ein Baum liefert in etwa die gleiche Kühlleistung wie zehn mittlere Klimaanlagen.
Inhaltsübersicht | 17 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung der Landesund Stadtplanung Grünund Wasser flächen ausweiten – und zwar gezielt: Zum einen sollten Naturflächen in der ganzen Stadt leicht erreichbar sein, möglichst ohne Auto. Zum anderen sollten sie durch multifunktionale Nutzbarkeit Räume für Bewegung, Erholung, Ruhe und Begegnungen bieten. Umweltschutz sollte dabei mit Gesundheits schutz zusammengedacht werden. Natürlicher Schutz für Infrastruktur Der Klimawandel verursacht auf zwei Ebenen Kosten im Bereich der Infrastruktur: erstens durch direkte Schäden, etwa an Straßen, Ge bäuden und technischen Einrichtungen wie Stromleitungen, und zweitens indirekt, weil die betroffene Infrastruktur ihre sozialen und wirtschaftlichen Funktionen nicht mehr erfüllt. Naturbasierte Infrastruktur-Lösungen sind Maßnahmen zum Schutz, zur Wiederherstellung, zur verbesserten Bewirtschaftung oder zur Schaffung von Ökosystemen, die Infrastruktursysteme deutlich widerstandsfähiger machen. Typische Beispiele sind Deichstabilisierung durch Bepflanzung oder Hochwasserschutz durch Renaturierung von Flüssen. Natur gezielt nutzen: Gesunde Lebensbedingungen sozial gerecht umsetzen Naturräume wie Parks, urbane Wälder oder Wasserflächen helfen bei der Anpassung an den Klimawandel, indem sie lebenswerte, gesundheitsfördernde und gesundheitsschützende Umgebungen für Stadtbewohnende bieten. Allerdings haben wohlhabende Viertel oft mehr Grünflächen, während einkommensschwache Gegenden häufig durch lufthygienische, lärmintensive und stark versiegelte Problemlagen benachteiligt sind. Damit alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen von Naturräumen profitieren, sollten Bund, Länder und Kommunen bei Naturbasierte Lösungen Vielfältige Studien belegen, dass Naturräume stressreduzierend und kräftigend auf den menschlichen Körper wirken. Indem sie Bewegung fördern, beeinflussen sie auch das Gesundheitsverhalten positiv. Zudem können Naturräume unbelastete Kommunikationsräume sein, in denen soziale Kontakte geschlossen und gepflegt werden. Dies kann den Zusammenhalt der Anwohnenden stärken, zur Inklusion beitragen und die Akzeptanz steigern. Quelle: Claßen & Bunz (2018) Gesundheitsförderndes Potenzial Gesundheitsschützendes Potenzial - Lärmminderung und -moderation - Schadstofffilterung und -umwandlung - Klimaökologischer Ausgleich - Abmilderung von Hitzeund Kälteextremen - Überschwemmungsschutz - Reduktion von Stressempfinden - Erholung der Aufmerksamkeitskapazität - Steigerung von positivem Affekt - Verringerung psychischer Belastung - Positive Effekte bei bestehenden psychischen Störungen Mental - Verringertes Morbiditätsund Mortalitätsrisiko für bestimmte Erkrankungen - Anreiz zusätzlicher physischer Outdooraktivität - Senkung von Blutdruck und Stresshormonexpression - Assoziation mit neuronaler Integrität Körperlich - Möglichkeit zu Begegnung und sozialem Austausch - Chancen für Integration und Inklusion - Verringerung gesundheitlicher Benachteiligung für Menschen mit niedrigem sozioökonomischen Status Sozial
Inhaltsübersicht | 18 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Naturbasierte Lösungen Naturbasierte Infrastruktur-Lösungen haben gegenüber herkömmlich gebauter, „grauer“ Infrastruktur deutliche Vorteile: Sie vereinen die Schutzfunktion mit zahlreichen Co-Benefits – von höherer Biodiversität über die Aufnahme und Speicherung von CO₂ bis zu finanziellen Einsparungen. Zwar ist der anfängliche Investitionsbedarf meist höher, aber über längere Zeiträume fallen die Gesamtkosten oft deutlich niedriger aus: Teilweise betragen sie nur einen Bruchteil der Kosten konventioneller Maßnahmen. Gleichzeitig kann dieser alternative Ansatz einen enormen Beitrag zum Klimaund Umweltschutz leisten. Dementsprechend sollten Bund, Länder und Kommunen bei allen Infrastrukturmaßnahmen prüfen, ob die jeweiligen Ziele statt mit herkömmlicher Infrastruktur auch durch naturbasierte Lösungen erreicht werden können – und ihnen im Zweifel konsequent den Vorzug geben. Naturbasierte Infrastruktur-Lösungen sind generell in allen Ökosystemen anwendbar, von Städten über Wälder und Berge, Flüsse und Feuchtgebiete bis zu Küsten und Meeren. Sie können strategisch geplant und verwaltet werden, um Infrastrukturdienstleistungen für diverse Sektoren bereitzustellen. Quelle: Wuppertal Institut Erdrutsche: Bepflanzung stabilisiert Hänge und schützt darunter liegende Straßen, Siedlungen und andere Infrastruktur Städtische Hochwasser: Grünflächen steigern Versickerung und können gezielt neue Ablaufwege schaffen Küstenerosion und Deichbrüche: Pflanzen stabilisieren den Untergrund und steigern so die Resistenz gegen Wind und Wasser Hitzeschäden: Schattenwurf und Verdunstung reduzieren die Temperaturen von Straßen oder Schienen deutlich Schneefall: Als „lebendige Schneezäune“ leiten Pflanzen kleinere Schneelawinen um oder fangen Flugschnee ab Sedimentablagerung: Bepflanzung von Ufern kann Schifffahrtswege oder Wasserkraftwerke frei halten Stürme: Pflanzliche Windschutzgürtel reduzieren die Windlast, die auf Infrastruktur wirkt Brände: Feuerresistente Pflanzen und Ökosysteme verringern Intensität, Häufigkeit und Ausdehnung von Bränden Überschwemmungen: Auen und Moore mildern sowohl Überschwemmungen als auch Wassermangel
Inhaltsübersicht | 19 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Flussauen renaturieren: Intakte Ökosysteme als Schutz vor Dürren und Überschwemmungen Die Wiederherstellung natürlicher Auen ist eine wirksame Maßnahme zur Anpassung an Extremwetterereignisse. Auen schützen sowohl vor zu viel als auch vor zu wenig Wasser: Bei Starkregen breitet sich das Wasser aus und ein Teil versickert im Boden. Bei Dürren fungieren Auen als natürliche Speicher, die das Wasser langsam abgeben und so Trockenheit mindern. So stellen Auen einen wirksamen Schutz für alles dar, was flussabwärts liegt: Sie können Hochwässer in Städten verhindern, Deichsysteme entlasten oder Pegelstände für die Schifffahrt stabilisieren. Darüber hinaus tragen Auen zur Grundwasserneubildung bei und verbessern die Wasserqualität: Der Rückhalt von Nährstoffen entlastet die Flüsse, die Filterwirkung Naturbasierte Lösungen Für effiziente und erfolgreiche Gewässerrenaturierungen ist gutes Projektmanagement nötig. Vor allem sollten die betroffenen Interessengruppen und die zuständigen Behörden in den verschiedenen Projektphasen rechtzeitig eingebunden werden. Quelle: Umweltbundesamt (2019). Renaturierungen planen, umsetzen und kontrollieren. Kommunikation Planungsziele festlegen • Einzelprojekt in Gewässerentwicklungskonzept einbetten • Konfliktpotenziale identifizieren und verringern • Lösungsvarianten gemeinsam erarbeiten Finanzierung klären • Fördermöglichkeiten sondieren • Synergien identifizieren • Kompensationspools • (Eingriffsregelung) nutzen Flächen sichern • Flächen kaufen • Flächen tauschen • Langfristige Strategie für Flurneuordnung entwickeln Planungsverfahren festlegen • Maßnahmenart identifizieren (Ausbzw. Umbau, Unterhaltung) • Art des Genehmigungsverfahrens klären • Rechtliche und planerische • Anforderungen klären Baumaßnahme durchführen • Ausführungsplanung • Ausschreibung • Vergabe • Bauarbeiten • Bauaufsicht • Abnahme Gewässerunterhaltung • Folgenutzung (z.B. extensive Beweidung) • Naturnahe Gewässerunterhaltung (z.B. Eigendynamik zulassen) • Hochwasserschutz (z.B. Gehölzpflege) Landesbehörde, Naturschutzbehörde Unterhaltungspflichtige Genehmigungsbehörde, Fachbehörden Naturschutzverbände FachplanungFachplanung Planen und Genehmigung einholen • Technische Planung • Umweltplanung Erfolgskontrolle mit Monitoring vorher/nachher • Tiere und Pflanzen im Gewässer • Biodiversität an Land • Akzeptanz in der Bevölkerung Öffentlichkeit Zielkriterien Eigentümerinnen + Eigentümer, Flurbereinigungsbehörde Maßnahmenträger Projektbeteiligte Projektablauf
Inhaltsübersicht | 20 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung von Auen reduziert den Nitrateintrag ins Grundwasser. Gleichzeitig macht der Nährstoffeintrag die Böden in Auen fruchtbarer, sodass lebendige, biodiverse und selbstregulierende Naturlandschaften entstehen. Das zahlt sich aus: Renaturierte Gewässer senken langfristig die Kosten für Gewässerunterhaltung, Abwasser behandlung und Trinkwassergewinnung. Naturbasierte Lösungen Maßnahmenträger von Renaturierungen – etwa Städte und Gemeinden, Wasserwirtschaftsbehörden, Gewässerunterhaltungsverbände, Vereine oder Bürgerinitiativen – sollten dabei langfristig planen und alle Interessengruppen früh einbinden, denn gutes Projektmanagement und enge Zusammenarbeit mit allen Beteiligten sind wichtige Erfolgsfaktoren. Und es müssen nicht gleich Großprojekte an Rhein oder Elbe sein: Auch kleine Maßnahmen an Bächen oder Kanälen können messbar positive Effekte auslösen. Agroforstwirtschaft: Nachhaltige Landwirtschaft mit Synergieeffekten Fast die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Doch die konventionelle Landwirtschaft verursacht dramatische Schäden an Klima, Umwelt und Biodiversität. Gleichzeitig ist die Agrarund Ernährungswirtschaft selbst sehr stark von ökologischen Krisen betroffen und sensibel gegenüber den Veränderungen des Klimas. Agroforstwirtschaft: Von den Synergieeffekten profitieren Landwirt*innen, Tiere, Natur und Klima gleichermaßen.
Inhaltsübersicht | 21 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Eine Möglichkeit, den ökologischen Zustand landwirtschaftlicher Flächen und angrenzender Gewässer zu verbessern, ist das System der Agroforstwirtschaft: Dabei werden Ackerkulturen oder Weiden mit Bäumen und Sträuchern kombiniert, sodass Synergieeffekte entstehen – Landwirtschaft, Natur und Klima profitieren gleichermaßen. Typisch für alle Arten der Agroforstwirtschaft sind bewusst genutzte Wechselwirkungen zwischen Gehölzund Ackerkulturen: • Schattenspendende Bäume reduzieren die Verdunstung auf Feldern und schützen Tiere vor Hitze. • Verstärkte Humusbildung und Windschutz reduzieren die Erosion. • Durch die Gehölze gelangen weniger Schadstoffe wie Dünger und Pflanzenschutzmittel in Gewässer. • Die Bäume und Sträucher binden große Mengen CO₂. • Gehölzstreifen fördern als zusätzliche Lebensräume die Artenvielfalt. Naturbasierte Lösungen • Landwirt*innen können ihre Produktpaletten erweitern, etwa mit Holz, Obst oder Nüssen. Um die Umwandlung konventioneller landwirtschaftlicher Flächen zur Agroforstwirtschaft voranzutreiben, sollten Landwirt*innen gezielt unterstützt werden: Erstens durch aktive Ansprache, um die Vorteile der Agroforstwirtschaft bekannt zu machen. Zweitens durch fachliche Beratung, um sie bei der Planung und Umsetzung zu unterstützen. Und drittens durch finanzielle Förderung, um ihnen die anfänglichen Investitionen zu ermöglichen. Um die Umwandlung konventioneller landwirtschaftlicher F lächen zur Agroforstwirtschaft voranzutreiben, sollten Landwirt*innen gezielt unterstützt werden.
Inhaltsübersicht | 22 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Das Ernährungssystem ist, aufgrund der mit ihm verbundenen Treibhausgasemissionen, ein bedeutender Treiber des Klimawandels. Gleichzeitig ist er aber auch besonders von den Auswirkungen betroffen. Produktion und Konsum müssen gleichermaßen gewandelt werden, um die Ernährung bei einer weiter wachsenden Bevölkerung und sich verändernden klimatischen Bedingungen global sicherzustellen. –––––––– Autorinnen: Lena Hennes und Dr. Katharina Gröne Ernährung Ernährung: Produktion, Konsum und globale Systeme resilient gestalten
Inhaltsübersicht | 23 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung 5-Punkte-Plan für ein nachhaltiges Ernährungssystem Ernährung 1. Landnutzung resilient gestalten Pflanzenbausysteme durch geeignete Anbauverfahren widerstandsfähiger gestalten und effektiver an Klimaveränderungen anpassen. 2. Landwirtschaft durch Anbaudiversifizierung widerstandsfähig machen Möglichst diverse, an unterschiedliche Bedingungen angepasste landwirtschaftliche Kulturen fördern ein stabiles Ernährungssystem. 3. Ressourcenschonende Ernährungsweisen fördern Knappe Ressourcen besser nutzen: Eine stärker pflanzenbasierte Ernährung fördern und Lebensmittelverschwendung reduzieren. 4. Landwirtschaftliches Risikomanagement stärken Betriebliches und staatliches Risikomanagement stärkt die Resilienz gegenüber Produktionsrisiken und Klimawandelfolgen. 5. Versorgung global gedacht: Lebensmittel-Wertschöpfungsketten krisenfest und fair gestalten Ernährungssicherheit ist eine globale Verantwortung. Die Folgen unseres Konsums für den Globalen Süden müssen berücksichtigt werden.
Inhaltsübersicht | 24 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Etwa ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen entstehen im Ernährungssystem, davon ein signifikanter Anteil durch unseren – auch aus gesundheitlichen Gründen – viel zu hohen Fleischkonsum. Damit ist es ein Haupttreiber der Klimakrise, zugleich aber auch besonders stark von ihren Folgen betroffen: Die Auswirkungen von Hitzewellen, Dürren, Spätfrost, Hagel, Stürmen und Hochwasser sind schon heute spürbar – und werden sich in Zukunft absehbar und deutlich verschärfen. Um weiterhin ausreichend hochwertige Nahrungsund Futtermittel produzieren zu können und ökologische, kulturelle und ökonomische Funktionen der Agrar- , Wald - und Meeres ökosysteme zu erhalten, braucht es gezielte Maßnahmen und langfristige Strategien. Anpassung der landwirtschaftlichen Anbausysteme an den Klimawandel Der Klimawandel wird die Bedingungen für den Lebensmittelanbau grundlegend ändern. Um eine konstante Produktion von genügend nahrhaften Lebensmitteln sicherzustellen, müssen Pflanzenbausysteme zukunftsfähig Ernährung angepasst werden. Das gilt besonders für die Erhaltung und Verbesserung der Bodenqualität, denn gesunde Böden können in Trockenperioden mehr Wasser aufnehmen und speichern. Das erhöht die Nährstoffund Wasserverfügbarkeit für Pflanzen. Die Diversifizierung landwirtschaftlicher Praktiken in Deutschland, wie die Integration bodenstrukturverbessernder Kulturen, der Anbau von Zwischenfrüchten und die Agroforstwirtschaft, unterstützen diese Ziele und reduzieren die Erosion. Innovative agrartechnische Verfahren, etwa der Einsatz von künstlicher Intelligenz oder Agrarrobotik, bieten Landwirt*innen durch verbesserte Nutzung von Umwelt-, Klimaund Wetterdaten Entscheidungshilfen, mit denen Saatgut, Dünger, Pflanzenschutzmittel und Wasser gezielter und damit sparsamer ausgebracht werden können. Um eine klimaangepasste Bewirtschaftung flächendeckend umzusetzen, ist die Unterstützung der Landwirtschaft unerlässlich. Dazu gehören Forschungsförderung, Erprobung neuer Praktiken und Technologien in Pilotbetrieben und Wissenstransfer in die landwirtschaftliche Praxis ebenso wie gezielte finanzielle Förderungen, etwa für Ausund Weiterbildung oder für die Anschaffung neuer Technik. Eine Umgestaltung der Agrarpolitik – weg von Flächensubventionen und hin zu einer Förderung, die auf der Art der Bewirtschaftung basiert – trägt zusätzlich dazu bei, eine nachhaltige und klimaresiliente Landwirtschaft zu etablieren. Die Landwirtschaft und das Ernährungssystem sind besonders stark vom Klimawandel betroffen.
Inhaltsübersicht | 31 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Die WHO stuft den Klimawandel als zunehmende Bedrohung für die Gesundheit ein, was auch in Deutschland immer ersichtlicher wird: Die steigende Anzahl von Hitzetagen und -wellen hat direkte Auswirkungen, etwa in Form von mehr Hitzeschlägen und Herzkreislauferkrankungen, die vor allem chronisch kranke und alte Menschen belasten. Stürme, Starkregen und Fluten verursachen immer mehr Verletzungen – oder sogar Todesfälle, wie bei der Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021. Neben den direkten Auswirkungen zeigen sich aber auch zunehmend sekundäre Folgen, wie veränderte Lebensbedingungen für krankheitsübertragende Insekten oder eine Steigerung der Allergieexposition durch verstärkten Pollenflug. Das Gesundheitssystem wird durch die Auswirkungen des Klimawandels zunehmend strapaziert. Hinzu kommen psychische Belastungen wie das Phänomen der Klimaangst. Die im Auftrag der Krankenkasse Barmer erstellte Forschungslandkarte zeigt: Der Klimawandel hat eine Vielzahl gesundheitlicher Auswirkungen, die zum einen direkt durch Klimaveränderungen und ihre Folgen hervorgerufen werden, zum anderen aber auch indirekt durch unterschiedliche Wirkmechanismen entstehen. Die indirekten Folgen lassen sich idealtypisch in sekundäre und tertiäre Folgewirkungen differenzieren. Quelle: Baedeker et al. (2022, S. 6) Primäre Folge des Klimawandels mit direkter Auswirkung auf die menschliche Gesundheit Sekundäre Folge des Klimawandels (ökosystemvermittelt: biologisch, physikalisch, ökologisch) mit Auswirkung auf die menschliche Gesundheit Tertiäre Folge des Klimawandels (sozial vermittelt) mit Auswirkung auf die menschliche Gesundheit Die Farben der Pfeile dienen zur Orientierung und haben keine inhaltliche Bedeutung. Primäre Folgen des Klimawandels Sekundäre Folgen des Klimawandels Tertiäre Folgen des Klimawandels Mögliche gesundheitliche Auswirkungen Legende Akute Verletzungen, Todesfälle, Infektionskrankheiten, negative psychische Auswirkungen Stürme, Starkregen Fluten Akute Verletzungsgefahr der Küstenbewohner, Todesfälle, negative psychische Auswirkungen Meeresspiegelanstieg Akute Verletzungen, negative psychische Auswirkungen Eisschmelze Erfrierungen, Belastung des Immunsystems, Verstärkung kardiorespiratorischen Erkrankungen Extreme Kälte Mangelernährung, Krankheiten Wirtschaftliche Instabilität Anfälligkeit für Krankheiten, Infektionskrankheiten, Belastungsstörungen, Ängste, Depression, Todesfälle Überlastung des Gesundheitssystems Infektionskrankheiten (z.B. Ebola, AIDS, BSE, FSME, Dengue-Fieber, u.a.) Veränderte Lebensbedingungen für krankheitsübertragende Vektoren Verminderte landwirtschaftliche Erträge Mangelernährung, Entwicklungsstörungen von Kindern (und Erwachsenen im Lebensverlauf), Darminfektionen Hautund Magen-Darmerkrankungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Heuschnupfen, Asthma, Atemnot Verstärkung der Allergieexposition Magenund Darmprobleme, Vergiftungen, Nierenfunktionsstörungen, tödliche Infektionen Vermehrung von Mikroorganismen und Algen Mangelund Unterernährung, Krankheiten, Belastungsstörungen, Ängste, Depression, Todesfälle Hungersnot Kriegsverletzungen, sexuelle Gewalt, Belastungsstörungen, Ängste, Depression, Todesfälle Bewaffnete Konflikte Akute Verletzungen, Infektionskrankheiten, Belastungsstörungen, Ängste, Depression, Todesfälle Migration Steigende Lebensmittelpreise Mangelernährung, Entwicklungsstörungen von Kindern (und Erwachsenen im Lebensverlauf), Darminfektionen Unruhe, Depressionen Klimaangst Verdünnung von Nährstoffen in wichtigen Nahrungspflanzen Mangelernährung, Entwicklungsstörungen von Kindern (und Erwachsenen im Lebensverlauf), Darminfektionen Allergien, Neurodermitis, Atemwegserkrankungen, Einschränkungen von kognitiven Funktionen Luftverschmutzung Durchfallerkrankungen, Infektionskrankheiten (z.B. Cholera, Dysenterie, Typhus, Leptospirosis, u.a.) Erschwerter Zugang zu sauberem Trinkwasser Mangelernährung, negative psychische Auswirkungen (Belastungsstörungen, Ängste, Depressionen) Auftreten von Infrastrukturschäden und Vermögensverlusten Infektionskrankheiten Erschwerte Hygienebedingungen Hauterkrankungen, Hautkrebs, Grauer Star Ultraviolette Strahlung Akute Verletzungen, Todesfälle, negative psychische Auswirkungen (Belastungsstörungen, Ängste, Depressionen) Dürren, Brände leichtere Übertragung von Krankheiten, schlechtere Immunfunktion und Mangelernährung Verlust von Biodiversität, Artensterben Extreme Hitze Hitzschläge, Herz-Kreislauferkrankungen, Einschränkungen von kognitiven Funktionen und Organen, psychische Belastungen Gesundheit
Inhaltsübersicht | 32 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung men, etwa im Bereich der Prävention und Intervention, wie die Entwicklung von Hitzeplänen und Hitzewarnungen oder die Entsiegelung und Begrünung in Städten. Parallel dazu gilt es, das Gesundheitssystem im Ganzen zu stärken und für die Klimawandelfolgen zu sensibilisieren. Klimaund Gesundheitsschutz zusammendenken Um die Folgen klimatischer Veränderungen auf die Gesundheit zu minimieren, sind Maßnahmen zur Klimaanpassung dringend notwendig. Dabei helfen spezifische AnpassungsmaßnahKlimaund Gesundheitspolitik müssen stärker zusammengedacht werden, da sie erhebliche Synergiepotenziale aufweisen. Diese müssen genutzt werden, um sowohl klimatische Veränderungen als auch deren Folgen für die Gesundheit zu minimieren. Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel sollten dementsprechend ressortübergreifend erarbeitet und umgesetzt werden. Vor allem Städte müssen sich resilienter gegenüber dem Klimawandel aufstellen: Sie müssen nachhaltiger und gesundheitsfördernder zugleich werden. Naturbasierte Lösungen, wie grün-blaue Infrastrukturen, bilden dafür eine besonders gute Grundlage. Gesundheitssystem an Herausforderungen des Klimawandels anpassen Die Belastungen des Gesundheitssystems werden zukünftig steigen – einerseits durch direkte Folgen des Klimawandels, wie Hitzestress, Luftverschmutzung oder die viel zu wenig beachtete Zunahme der UV-Strahlung. Und andererseits durch indirekte Folgen, etwa verstärkte Allergieexposition, Zunahme verktorbedingter Erkrankungen oder Klimaangst. Die Anpassung der gesundheitlichen Versorgung an den Klimawandel Übersicht klimaempfindlicher Gesundheitsrisiken, ihrer Expositionspfade und Gefährdungsfaktoren: Der Klimawandel ist eine grundlegende Bedrohung für die menschliche Gesundheit. Er wirkt sich sowohl auf Aspekte natürlicher als auch menschlicher Systeme aus – einschließlich ihrer sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen. Auch die Funktionsweise der Gesundheitssysteme und deren Einrichtungen sind betroffen. Quelle: WHO (o. J.). Climate change. Exposition • Menschen und Kommunen • Gesundheitspersonal • Infrastruktur • Energiesysteme • Wasserversorgung • Lebensmittelsysteme • Gesundheitssysteme Umweltgefahren & Treibhausgasemissionen Klimawandel Gesundheitsrisiken Gesundheitliche Auswirkungen Gesundheitssysteme und -einrichtungen Verletzung und Sterblichkeit durch Extremwetterereignisse Hitzebedingte Erkrankungen Durch Wasser übertragene Krankheiten und andere wasserspezifische Gesundheitsauswirkungen Atemwegserkrankungen Zoonosen vektorenübertragbare Krankheiten Unterernährung und Lebensmittelbedingte Krankheiten Nicht übertragbare Krankheiten Psychische und psychosoziale Gesundheit Auswirkungen auf Gesundheitseinrichtungen Folgen für das Gesundheitssystem Risikofaktoren • Demografisch • Geografisch • Biologische Faktoren und Gesundheitszustand • Soziopolitisch • Sozioökonomisch • Kapazität des Gesundheitssystems • Gender & Gleichstellung Klimabedingte Gefahren • Extremwetterereignisse • Hitze • Anstieg des Meeresspiegels • Luftverschmutzung • Vektorverbreitung und Ökologie • Wasserknappheit • Verringerte Nahrungsmittelproduktion Gesundheit
Inhaltsübersicht | 33 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung wird immer dringlicher, vor allem in den Feldern Diagnosefähigkeit und Behandlung, Pflegeerfordernisse, Ausund Weiterbildung sowie Patient*innen-Information. Im Bereich der Prävention können erweiterte Aufgabenfelder auf Gesundheitseinrichtungen zukommen, zum Beispiel Informationsund Beratungsleistungen zur Vermeidung hitzebedingter Erkrankungen oder zu gesunder, klimaschonender Ernährung. Menschen in Gesundheitsberufen genießen oft einen Vertrauensvorschuss. Sie können daher als Klimabotschafter*innen auftreten und für die Thematik sensibilisieren – in Richtung Öffentlichkeit, innerhalb des Gesundheitswesens und gegenüber ihren Patient*innen. Zudem können sie auf Präventionsmaßnahmen wie UVSchutz hinweisen und Medikationen saisonspezifisch überprüfen, etwa in Bezug auf die Einnahme blutdrucksenkender oder entwässernder Medikamente in Hitzephasen. Durch entsprechende Beratung können sie ihre Patient*innen befähigen, die Dosierung selbstständig anzupassen. Zudem sollten sich Krankenkassen präventiv einbringen: Durch Investitionen in Naturflächen in den sich stetig aufheizenden Städten können sie die Gesundheit schützen – und so langfristig ihre Kosten senken. Klimaangst als gesellschaftliches Phänomen erkennen Psychische Belastungen und mentale Beeinträchtigungen durch Klimafolgen, insbesondere Klimaangst und eingeschränkte kognitive Leistungsfähigkeit durch Hitze, sind bisher zu wenig erforscht. Es ist dringend erforderlich, das Verständnis für die Auswirkungen von Klimaund Zukunftsangst zu vertiefen. Sie sollten dabei als Symptome eines gesellschaftlichen Problems betrachtet werden, statt als individuelles Phänomen oder sogar als Krankheit. Ein Schwerpunkt sollte auf der Entwicklung epidemiologischer Modelle liegen, die die psychischen Auswirkungen der Klimakrise erfassen können. Solche Modelle können helfen, Muster und Trends in Bezug auf psychische Gesundheit im Zusammenhang mit Klimaereignissen und Mit Blick auf die Zukunft war der Klimawandel mit 47 Prozent das zweitgrößte Sorgenthema bei Jugendlichen in 2022: 56 Prozent der befragten Jugendlichen glauben, dass er sich negativ auf ihre Gesundheit auswirkt. Quelle: Sinus (2023, S. 28 und S. 88) Kriege Klimawandel Umweltverschmutzung Energiekrisen Armut Artensterben Krankheiten und Pandemien Wohnraumnot (Aus-)Bildung Arbeitsplatzsuche Anderes Inwieweit machen dir die folgenden Themen mit Blick auf der Zukunft Sorgen? Auf einer Skala von 1 bis 10 Basis: 2.001 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren Angaben in Prozent 56 47 46 44 33 32 28 23 21 19 15 38 42 45 47 50 50 52 48 49 52 56 6 12 9 10 17 18 20 29 31 29 30 Keine Sorgen (1-3) (Ambivalent 4-7) Große Sorgen (8-10) 9 47 18 21 5 56 sehr negativ auswirken eher negativ auswirken weiß ich nicht eher nicht negativ auswirken gar nicht negativ auswirken Klimawandel und Gesundheit Glaubst du, dass der Klimawandel sich negativ auf deine Gesundheit auswirken wird? Basis: 2.001 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren Angaben in Prozent Gesundheit
Inhaltsübersicht | 34 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung -veränderungen zu identifizieren. Ein besseres Verständnis dieser Zusammenhänge ermöglicht die Entwicklung präventiver Maßnahmen, um die psychische Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und zu fördern. Besonders jungen Menschen macht der Klimawandel Sorge und sogar Angst: Laut einer Studie des Sinus-Instituts im Auftrag der Krankenkasse Barmer dominiert die Sorge über den Klimawandel als zweitgrößtes Phänomen im Hinblick auf die Zukunft, direkt nach den aktuellen weltweiten Kriegen: 59 Prozent der Jugendlichen rechnen mit negativen Folgen des Klimawandels für ihre Gesundheit. Das konfrontiert das Gesundheitswesen mit neuen Krankheitsbildern und psychischen Belastungen. Deshalb sollten Krankenkassen strukturelle Anpassungen vornehmen, was die Finanzierund Abrechenbarkeit angeht. Forschungsförderung im Bereich Klimawandel und Gesundheit integriert stärken Eine Explorationsstudie im Auftrag der Krankenkasse Barmer verdeutlicht den umfänglichen Forschungsbedarf zu Wechselbeziehungen, die sich aus dem Zusammenwirken mehrerer Klimaund Umweltrisiken ergeben, sowie zu deren gesundheitlichen Folgen. Im Vordergrund stehen Wechselwirkungen zwischen Hitze, Luftschadstoffen und weiteren Faktoren, wie Pollenkonzentration oder UV-Strahlung. Hier ist die Entwicklung von Modellen nötig, die multifaktorielle Zusammenhänge an unterschiedlichen Orten über längere Zeiträume erfassen und abbilden können. Dabei ist es wichtig, auch individuelle, soziokulturelle Aspekte einzubeziehen, die einen erheblichen Einfluss auf Krankheitsbilder haben können. Krankenhäuser sanieren und an die Folgen des Klimawandels anpassen Krankenhäuser sind in besonderer Weise von den Folgen des Klimawandels betroffen. Häufig sind Gebäudehüllen nur ungenügend gedämmt und Fenster noch immer einfach verglast. Im besten Fall treibt das lediglich die Kosten für die Klimatisierung nach oben, im schlechtesten Fall gefährdet es die Gesundheit sehr junger und alter Menschen sowie von Patient*innen mit Vorerkrankungen: Für sie kann es schnell kritisch werden, wenn an heißen Tagen die Innentemperatur steigt. Indem Krankenhäuser in rasche Gebäudesanierung, Dreifachverglasung oder Fassadenbegrünung investieren, lösen sie beide Probleme auf einmal: Besonders vulnerable Patient*innen Durch Gebäudesanierungen schützen Krankenhäuser vulnerable Patient*innen besser vor hitzebedingten Gesundheitsrisiken, senken den Energiebedarf und reduzieren Emissionen. Gesundheit
Inhaltsübersicht | 35 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung sind besser vor hitzebedingten Gesundheitsrisiken geschützt, gleichzeitig sinkt der Energiebedarf für Heizung und Klimatisierung. Als positiver Nebeneffekt reduzieren sich auch die Emissionen und das finanzielle Risiko steigender Energiepreise. Der damit einhergehende Klimaschutzeffekt ist nicht zu vernachlässigen: Mit einem Anteil von über fünf Prozent der Gesamtemissionen stößt der deutsche Gesundheitssektor ähnlich viele Treibhausgase aus wie die Stahlindustrie. Jedoch können Krankenhäuser die notwendigen Mittel selten allein erwirtschaften. Hier stehen Bund und Länder in der Pflicht: Gemeinsam sollten die verantwortlichen Akteur*innen Sanierungen entschlossen und schnell unterstützen – auch weil viele Krankenhäuser verstaatlicht sind. Für Krankenhausträger ist die Einführung eines Klimamanagements mit entsprechenden Stabsstellen ein wichtiger erster Schritt. So lassen sich, als Basis für effiziente Anpassungsmaßnahmen, Risiko-Checks und lokale Situationsanalysen durchführen und Klimaschutzsowie Energiewendestrategien erarbeiten. Fragen zum Gutachten? Melden Sie sich gerne! E-Mail: [email protected] Tel: +49 202 2492-119 Der Wuppertal Report „Zielbild: Klimaneutrales Krankenhaus“ identifiziert klimaschutzund klimaanpassungsrelevante Handlungsfelder im Betrieb der Krankenhäuser. Er enthält konkrete Maßnahmen, mit denen die Träger*innen ihre Energie kosten und Emissionen senken können. Für jede Maßnahme benennt das Gutachten den zeitlichen Umsetzungshorizont und erste Schritte zur Umsetzung – inklusive der Kosten, Synergie effekte und Treibhausgas-Einsparpotenziale. zum Wuppertal Report Zielbild klimaneutrales Krankenhaus 24_Wuppertal Report | Dezember 2022 Zielbild: „Klimaneutrales Krankenhaus“ Maßnahmen für mehr Klimaschutz im Krankenhaus Oliver Wagner, Ulrich Jansen, Lena Tholen, Anja Bierwirth Gesundheit
Inhaltsübersicht | 36 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Wirtschaft Die Klimafolgen für die deutsche Wirtschaft sind schon heute immens, etwa Störungen der Rohstoffversorgung durch Extremwetterereignisse. Die Gestaltung klimaresilienter Standorte und Wertschöpfungsketten ist eine zentrale Herausforderung – für Unternehmen und Politik gleichermaßen. –––––––– Autoren: Markus Kühlert und Dr. Johannes Venjakob Wirtschaft: Standorte, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle resilient gestalten
Inhaltsübersicht | 37 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung 5-Punkte-Plan für eine klimaresiliente Wirtschaft Wirtschaft 1. Wirtschaftliche Folgen des Klimawandels an Unternehmensstandorten erkennen und eindämmen Schäden an Bauwerken und Infrastruktur durch Extremwetter sowie erhöhter klimatologischer Belastung am Arbeitsplatz vorbeugen. 2. Unternehmensgrenzen überwinden – klimaresiliente Wertschöpfungsketten stärken Durch global kooperative Regionalwirtschaften lassen sich Klimarisiken in Wertschöpfungsketten entschärfen. 3. Klimaanpassungswirtschaft: Neue Geschäftsmodelle und Märkte erschließen Klimaanpassung bietet Wertschöpfungspotenziale durch die Entwicklung passender Technologien, Dienstleistungen und Systemlösungen. 4. Politische Incentivierung unternehmerischer Klimaanpassungsmaßnahmen Mit öffentlichen Förderprogrammen die Klimaresilienz des Mittelstands regionalspezifisch unterstützen. 5. Öffentliche Beschaffung klimaresilient ausrichten Durch eine übergeordnete Beschaffungsstrategie die Marktmacht von Bund, Ländern und Kommunen für Klimaresilienz nutzen.
Inhaltsübersicht | 38 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Gegenwart Mitte des Jahrhunderts Ende des Jahrhunderts optimistisch pessimistisch optimistisch pessimistisch Klimawirkung Beeinträchtigung der Versorgung mit Rohstoffen und Zwischenprodukten (international) Beeinträchtigung des internationalen Warentransports Beeinträchtigung des Warenverkehrs über Wasserstraßen (Inland) Beeinträchtigung des landgestützten Warenverkehrs Beeinträchtigung des Wasserbedarfs für Industrieprozesse Leistungseinbußen von Beschäftigten mittel gering mittel gering mittel mittel geringes Risiko, geringe Gewissheit geringes Risiko, mittlere Gewissheit mittleres Risiko, geringe Gewissheit mittleres Risiko, mittlere Gewissheit hohes Risiko, geringe Gewissheit hohes Risiko, mittlere Gewissheit Unternehmen sollten sich über ihre Gefährdungslagen informieren. Eine wichtige Quelle hierfür sind etwa die öffentlich zugänglichen Karten und Datenbanken des Climate Service Center Germany. Die Politik kann durch die verstärkte Förderung von Forschung zu regionalen Klimafolgen dazu beitragen, die Datenlage zu verbessern und aktuell zu halten. Klimarisiken im Handlungsfeld Industrie und Gewerbe, wenn keine Anpassungsmaßnahmen vorgenommen werden: Für Mitte und Ende des Jahrhunderts sind jeweils optimistische und pessimistische Abschätzungen angegeben. Die farbliche Abstufung gibt zudem die Gewissheit der Einschätzung an. Grundlage hierfür sind Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit der verwendeten Daten, Kenntnisse der Wirkzusammenhänge, Genauigkeit und Plausibilität von Modellannahmen sowie Eindeutigkeit von Trends. Quelle: Umweltbundesamt (2022, S. 91). Klimawirkungsund Risikoanalyse 2021 für Deutschland Klimawandelfolgen an Unternehmensstandorten erkennen und eindämmen Die Auswirkungen des Klimawandels unterscheiden sich nicht nur regional, sondern auch im Hinblick auf verschiedene Wirtschaftszweige: • Das Risiko für Flusshochwasser ist in dicht besiedelten Gebieten an Flüssen mit dynamischen Pegeln besonders hoch, während Sturzfluten unabhängig von Gewässern auftreten. Beide können jedoch Schäden an Gebäuden, Zufahrtswegen oder Produktionsanlagen verursachen. • Sturmschäden und Hagel machen in Deutschland den größten Anteil klimabedingter Schäden aus. Gebiete mit hoher Siedlungsdichte sind besonders stark betroffen. • Küstennahe Standorte sind besonders exponiert und betroffen durch Stürme und Fluten. • Heiße Tage und Tropennächte beeinflussen das Innenraumklima. Das steigert den Kühlbedarf und verändert die Anforderungen an Gebäudehüllen oder Technologien zum Kühlen. • Besonders betroffen sind Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen, Kindertagesstätten, Altenund Pflegeheime – aber auch Unternehmen, die mit gekühlten Waren arbeiten, etwa mit Nahrungsmitteln oder Chemikalien. In einigen Branchen, etwa dem Baugewerbe, ist darüber hinaus mit starken klimatologischen Beeinträchtigungen zu rechnen. Wirtschaft
Inhaltsübersicht | 39 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung maresiliente Rohstoffversorgung in regionalen Kreisläufen. Das Ergebnis: Produktion, Vertrieb, Nutzung und Wiederverwertung sind besser vor Klimafolgen geschützt. Betriebliche Risiken von Klimafolgen sollten dabei mit Innovationsmanagement verknüpft werden, etwa in Reallaboren zu resilienten Produktinnovationen: Hier können Akteur*innen entlang der Wertschöpfungskette klimasensible Produkte und Prozesse identifizieren und Lösungen entwickeln. Anpassungswirtschaft: neue Geschäftsmodelle und Märkte erschließen Der Klimawandel fordert Unternehmen nicht nur Anpassungsmaßnahmen ab, er ermöglicht auch neue Wertschöpfungspotenziale zu erKlimaresiliente Wertschöpfungsketten: Unternehmensgrenzen überwinden Die Anpassung an Klimawandelfolgen auf der Unternehmensseite kann nur mit Blick auf eine stärkere Regionalisierung gelingen. Dies umfasst den Aufbau robuster regionaler Wertschöpfungsketten genauso wie global kooperativer Regionalwirtschaften. Sie basieren auf zwei Prinzipien: • regionale Stoffkreisläufe aufbauen • Innovationen und Kompetenzen für resiliente Produkte, Produktionsprozesse und Geschäftsmodelle globalisieren Dabei sollte, gerade auf globaler Ebene, auf etablierte Kooperationen aufgebaut werden, etwa Lieferantenund Städtepartnerschaften oder Wirtschaftscluster. Ein Beispiel ist die Entwicklung zirkulärer Geschäftsmodelle mit vertraglich fixierten Sekundär-Stoffströmen entlang der Wertschöpfungskette. Ein „Loop Operator“ kann hierbei Informations-, Budget-, und Stoffstrommanagement zentral koordinieren – das sorgt für verlässliche, kliWirtschaft Status Quo Stoffströme Global kooperative Regionalwirtschaften Kompetenzund Wissensaustausch Global kooperative Regionalwirtschaften überwinden Unternehmensgrenzen und stärken die Wertschöpfungsketten-übergreifende Zusammenarbeit: Im Vergleich zum Status Quo werden deutlich mehr Rohstoffe regional im Kreis geführt, während Wissen und Kompetenzen global geteilt werden. Das reduziert Rohstoffabbau sowie Treibhausgasemissionen und verbessert die Resilienz gegen Klimawandelfolgen. Gleichzeitig steigt die Wertschöpfung im Globalen Süden, die weltweite Ungleichheit wird abgemildert. Quelle: Liedtke, C., Kühlert, M., Wiesen, K., Stinder, A. K., Brauer, J., Beckmann, J., Fedato, C., El Mourabit, X., Büttgen, A., & Speck, M. (2020). Nachhaltige Lieferketten (Zukunftsimpuls Nr. 11). Wuppertal Institut.
Inhaltsübersicht | 40 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung identifiziert und konsequent weiterentwickelt werden – etwa klimaresiliente Komponenten für Gebäude, Quartiere und Infrastrukturen oder Produkte für den Katastrophenschutz. Dienstleistungen und Beratung in den Bereichen Daten und Informationen, Planungs-, Simulationsund Evaluationstools sowie Finanzierung und Versicherung müssen stark regionalisiert sein, um Entscheidungen in Bezug auf Klimaveränderungen effektiv zu unterstützen. In diesen Bereichen tätige Firmen sollten ihre Angebote entsprechend weiterentwickeln. Mögliche Zielgruppen sind Individuen, Organisationen, Kommunen oder Unternehmen. Integrierte Systemlösungen verbinden einzelne Dienstleistungen, Technologien und Produkte der Anpassungswirtschaft. Diese integrierten Lösungen werden in Zukunft wichtige Geschäftsfelder darstellen. Denkbar sind die strategische Ausrüstung, Sicherung und Wartung von Objekten und Infrastrukturen oder im Bereich der Stadtund Quartiersentwicklung. schließen – Anpassungswirtschaft als neues Geschäftsfeld: Sie umfasst Produkte, Dienstleistungen und integrierte Systemlösungen zur Bewältigung heute schon bestehender und sich zukünftig noch verschärfender Herausforderungen im Kontext des Klimawandels. Lösungsansätze der Anpassungswirtschaft reduzieren die Verletzlichkeit von Gesellschaften gegenüber Klimawandelfolgen. Gefragt sind beispielsweise Maßnahmen in den Unternehmen, die die gesundheitlichen Belastungen der Beschäftigten durch Hitze verringern, zum Beispiel durch angepasste Arbeitszeiten, ebenso wie Maßnahmen zur Vermeidung von Störungen in Logistikketten oder Schäden an Infrastrukturen. Oft reicht es, bereits etablierte Angebote in den Kontext von Klimaanpassung zu stellen oder sie daran anzupassen, um gezielt Wertschöpfungspotenziale zu heben: Technologien und Produkte, die nachhaltige Lösungen für Klimawandelfolgen bieten oder helfen, deren soziale und ökologische Folgen zu vermeiden, sollten systematisch Wirtschaft Oft reicht es, etablierte Angebote in den Kontext von Klimaanpassung zu stellen oder sie daran anzupassen, um gezielt Wertschöpfungspotenziale zu heben.
Inhaltsübersicht | 47 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Klimaschutz Dreifache Innenentwicklung: weniger Autos, mehr Grün und Nachverdichtung Fläche unterliegt in Siedlungsgebieten vielfältigen Nutzungskonkurrenzen, etwa durch den Bau bezahlbarer Wohnungen, Mobilität von Menschen und Gütern und mehr Stadtgrün und -blau. Mit dem Leitbild der doppelten Innenentwicklung wird schon lange das Ziel verfolgt, Städte und Siedlungen baulich zu verdichten sowie urbanes Grün zu erhalten und aufzuwerten. Gezielte Innen entwicklung kann Flächenverbrauch an Stadträndern vermeiden oder begrenzen, etwa durch Nutzung innerstädtischer Brachflächen, kurz Flächenrecycling. So entstehen kompakte, nutzungsgemischte Siedlungsstrukturen, die den Verkehr reduzieren, Ressourcen sparen, den Aufbau von Wärmenetzen verbilligen und die Krisenanfälligkeit verringern. grüne und blaue Infrastruktur Mobilität Bauen Dreifache Innenentwicklung Integration von Mobilität, grüner Infrastruktur und Bauen im Bestand Status quoZielbild Prinzip der dreifachen Innenentwicklung im VorherNachher-Vergleich: Flächengewinne durch weniger ruhenden und fließenden Verkehr, kombiniert mit Innenverdichtung im Bestand und mehr grüner und blauer Infrastruktur, als Basis für gute und zukunftsweisende Lebensqualität in Städten und Siedlungen. Quelle: In Anlehnung an Umweltbundesamt (2023, S. 6). Dreifache Innenentwicklung. Definition, Aufgaben und Chancen für eine umweltorientierte Stadtentwicklung.
Inhaltsübersicht | 48 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Klimaschutz kehr erhebliche Flächen. Ziel der dreifachen Innenentwicklung ist, Mobilität viel stärker zu Fuß, per Rad und ÖPNV zu ermöglichen, statt mit dem Auto, um dadurch wertvolle Flächen für Stadtnatur und bauliche Verdichtung zu gewinnen. Die Mobilitätswende wird so zum zentralen Hebel für mehr Flächengerechtigkeit. Das Umweltbundesamt schlägt dafür eine Reduktion der Anzahl privater Pkw auf 150 pro 1.000 Einwohnenden in Großstädten vor – etwa ein Drittel des heutigen Fahrzeugbestands. Das schafft Platz für andere Nutzungen und einen Gewinn an Lebensqualität. Wohnumfeldverbesserungen für Klimaschutz und Klimaanpassung nutzen Bei Sanierungsmaßnahmen sollten Klimaschutzund Klimaanpassungsmaßnahmen kombiniert betrachtet werden: Mögliche Zielkonflikte sollten früh in die Planung einfließen, etwa wenn der Einsatz von Klimaanlagen den Stromverbrauch und damit die Treibhausgasemissionen erhöht oder wenn Baumpflanzungen durch Schattenwurf die Erzeugung von Solarenergie beeinträchtigen. Gleichzeitig gilt es, Synergieeffekte gezielt zu nutzen. Ein Beispiel sind Solargründächer. Sie vereinen gleich mehrere Synergieeffekte: Indem sie Regenwasser zurückhalten, entlasten sie die Kanalisation und mindern so die Folgen von Starkregen. Wenn das Wasser wieder verdunstet, kühlt es nicht nur das lokale Mikroklima, sondern senkt auch die Betriebstemperatur der PhotovoltaikSolargründächer vereinen multiple Synergieeffekte: Sie mindern die Folgen von Starkregen, kühen das lokale Mikroklima, erzeugen grünen Strom und halten die Dachhaut länger instand. Mehr grüne Infrastruktur soll gleichzeitig die urbane Lebensqualität steigern – auch im Sinne einer Anpassung an die Klimawandelfolgen. Beim vom Umweltbundesamt entwickelten Konzept der dreifachen Innenentwicklung kommt der Fokus auf die Mobilitätswende hinzu: Bislang beansprucht der ruhende und fließende Pkw-Ver-
Inhaltsübersicht | 49 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung zu pflanzen. Bund, Länder und Kommunen sollten hierzu – gemeinsam mit Unternehmen, der organisierten Zivilgesellschaft und Bürger*innen – einen Beitrag leisten. Vor allem als Gemeinschaftsaktionen können Baumpflanzungen einen niedrigschwelligen Einstieg für weiterführende Kooperationen für Klimaschutz und -anpassung darstellen. anlagen – was die Energiegewinnung um bis zu fünf Prozent steigern kann. Darüber hinaus verringert die Dachbegrünung durch ihren isolierenden Effekt sommerliche Hitze in darunterliegenden Räumen und hält die Dachhaut länger instand, indem sie starkes Aufheizen der Dachoberfläche verhindert. Bäume pflanzen und den Wald anpassen Bäume haben positive Effekte auf Verdunstung, Wasserkreisläufe und das lokale Mikroklima, indem sie ihre Umgebung kühlen. Siedlungsbäume dienen als Schattenspender, filtern Schadstoffe aus der Luft und sind Orte der Stadtnatur – so werten sie den Lebensraum der Menschen vor Ort identitätsstiftend auf. Zudem sind Bäume und Wälder wichtige Kohlenstoffspeicher. Aufgrund ihrer Ortsgebundenheit sind sie aber besonders anfällig für Klimawandelfolgen wie Stürme oder Trockenund Hitzeperioden. Die Anpassung der Wälder und die Pflege der Stadtbäume sind deshalb unumgänglich. Der Baumund Waldbestand sollte geschützt, erhalten und vergrößert werden. Bei Baumpflanzungen sollten jedoch mögliche Zielkonflikte berücksichtigt werden: Klimawandelgeeignete Bäume aus anderen Regionen können heimische Arten verdrängen, tief wurzelnde Bäume stehen in Konkurrenz zu Strom-, Gasund Wasserleitungen sowie zu Kabeln. In Siedlungen können Bäume ein Strömungshindernis für die Durchlüftung darstellen, besonders in geschlossenen Straßenschluchten. Die EU verfolgt das Ziel, bis zum Jahr 2030 mindestens drei Milliarden zusätzliche Bäume Klimaschutz Baumpflanzungen können einen niedrigschwelligen Einstieg für weiterführende Kooperationen für Klimaschutz und -anpassung darstellen – vor allem als Gemeinschaftsaktionen.
Inhaltsübersicht | 50 Wuppertal Institut | Zukunftsimpuls Klimafolgenanpassung Baumpflanzaktionen bieten gute Gelegenheiten, gemeinschaftlich etwas für Klimaschutz und Klimafolgenanpassung zu tun – zusammen mit der eigenen Kita, der Schule, der Firma, dem Verein, der Kirche. Gemeinnützige Organisationen sind hierfür eine gute Anlaufstelle, sowohl für Menschen, die sich engagieren möchten, als auch für Initiator*innen solcher Aktionen. Für Kommunen, Waldbesitzende, Forstund Grünflächenämter hat das Einbinden von Freiwilligen mehrere Vorteile: Sie können die Kosten für Bepflanzungen senken und Personalbedarfe flexibel decken – so lassen sich auch größere Flächen schnell und kostengünstig bepflanzen. Bei Konzeption, Organisation und Mobilisierung der Freiwilligen helfen Organisationen und Vereine, die jahrelange Erfahrung und etablierte Freiwilligen-Netzwerke mitbringen. Expert*innen für zivilgesellschaftliche Baumpflanz-Aktionen Der Verein „MIYA – Fachverband zur Förderung der Miyawaki-Methode“ ist spezialisiert auf die Konzeption und Umsetzung innerstädtischer BiodiversitätsParks und Tiny Forests. miya-forest.de Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald organisiert seit fast 75 Jahren Baumpflanzungen, von jungen Wildlingen bis zu stattlichen Stadtbäumen. sdw.de Das Bergwaldprojekt arbeitet vor allem in Bergen, Wäldern, Mooren und Freilandbiotopen. Der Verein ist neben Deutschland auch in der Schweiz, Österreich, Liechtenstein und Spanien aktiv. bergwaldprojekt.de Die gemeinnützige Unternehmergesellschaft „Deutschland Forstet Auf“ richtet sich nicht nur an Forstleute und Waldbesitzende, sondern explizit auch an Landwirt*innen und Unternehmen. deutschland-forstet-auf.de Klimaschutz
Bitte die Publikation folgendermaßen zitieren: Wuppertal Institut (2024). Klimafolgenanpassung – für ein gutes Leben in einer sich rasant verändernden Welt (Zukunftsimpuls Nr. 28) „Zukunftsimpulse“ liefern in loser Folge Thesen, Diskussionsbeiträge, Einschätzungen, Stellungnahmen und Forschungsergebnisse mit Bezug zu aktuellen politischen Debatten. Bis einschließlich Band 10 ist die Reihe unter dem Titel „Impulse zur Wachstumswende“ erschienen. Wuppertal, Juni 2024 ISSN 2701-3200 Sie finden uns auch hier: Herausgeberin Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH Döppersberg 19 42103 Wuppertal · Deutschland Tel: +49 202 2492 -0 [email protected] wupperinst.org ViSdP: Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts Redaktion: Christin Hasken, Leiterin Kommunikation, Christian Kensbock, Redakteur, Wuppertal Institut Bildquelle, wo nicht anders angegeben: Getty Images Newsletter abonnieren wupperinst.org/newsletter Podcast hören zukunftswissen.fm Informiert bleiben Der Text dieser Publikation steht unter der Lizenz „Creative Commons Attribution 4.0 International“ (CC BY 4.0). Der Lizenztext ist abrufbar unter: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/