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Fiskalpolitik, Angebotsbedingungen und Wechselkursdynamik

Jarchow, Hans-Joachim

Abstract

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Jarchow, Hans-Joachim Article Fiskalpolitik, Angebotsbedingungen und Wechselkursdynamik Zeitschrift für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften (ZWS) - Vierteljahresschrift der Gesellschaft für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften, Verein für Socialpolitik Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Jarchow, Hans-Joachim (1990) : Fiskalpolitik, Angebotsbedingungen und Wechselkursdynamik, Zeitschrift für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften (ZWS) - Vierteljahresschrift der Gesellschaft für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften, Verein für Socialpolitik, ISSN 0342-1783, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 110, Iss. 1, pp. 21-35, https://doi.org/10.3790/schm.110.1.21 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/291725 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. 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Sozialwissenschaften (ZWS) 110 (1990), S. 21 - 35 Duncker & Humblot, Berlin 41 Fiskalpolitik, Angebotsbedingungen und Wechselkursdynamik* Von Hans-Joachim Jarchow In diesem Beitrag werden die Auswirkungen der Fiskalpolitik auf makroökonomische Größen bei Wechselkursflexibilität untersucht. Dabei spielen insbesondere eine Rolle: importierte Zwischenund Endprodukte, Lohnindexierung auf dem Arbeitsmarkt sowie rationale Wechselkurserwartungen. Bei der Analyse des Anpassunsprozesses wird neben dem langfristigen Gleichgewicht bei verändertem Preisniveau ein mit Überreaktionen des nominalen und realen Wechselkurses verbundenes kurzfristiges Gleichgewicht bei noch konstantem Preisniveau berücksichtigt. 1. Thematik und Vorgehensweise Das Anliegen der folgenden Untersuchung besteht darin, die Wirkungen der Fiskalpolitik am Beispiel erhöhter Staatsausgaben auf Produktion, Volkseinkommen, Wechselkurs, Zinsund Preisniveau für den Fall eines kleinen Landes darzustellen. Dabei wird neben der Nachfrageseite der Volkswirtschaft auch die Angebotsseite näher in die Analyse einbezogen. Hierfür sind u. a. die Bedingungen des Arbeitsmarktes und die Berücksichtigung eines importierten Zwischenprodukts (Rohstoffs) wesentlich. In dieser Hinsicht ergeben sich Berührungspunkte mit der Untersuchung der Fiskalpolitik durch Herberg / Hesse / Schuseil (1982). Abgesehen davon, daß die gesamtwirtschaftliche Angebotsfunktion dort aus einer Zuschlagskalkulation und hier aus der Gewinnmaximierungshypothese abgeleitet wird, bestehen die wesentlichen Unterschiede in folgendem: Zum einen sind die Wechselkursänderungserwartungen nicht statisch (d. h. die erwartete Wechselkursänderungsrate ist nicht null), sondern durch ein rationales Erwartungsmuster bestimmt. Zum anderen wird neben dem langfristigen Gleichgewicht auch die kurzfristige Anpassung bei noch unverändertem Preisniveau analysiert und damit die Möglichkeit einer kurzfristigen Überreaktion des Wechselkurses in die Betrachtungen einbezogen. Bei der Behandlung des Anliegens wird so vorgegangen, daß mit der Angebotsund Nachfrageseite zunächst die Bausteine des zu analysierenden Modells zusammengetragen werden (Kapitel 2). Diese werden dann so * Für die kritische Durchsicht des Manuskripts danke ich den Herren Privatdozent Dr. G. Engel und Dr. H. Möller sowie einem anonymen Gutachter für partielle Hinweise. ZWS 110 (1990) 1 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.110.1.21 | Generated on 2023-04-04 12:13:38 22 Hans-Joachim Jarchow zusammengefügt, daß in einem ersten Schritt (Kapitel 3) mit der langfristigen Gleichgewichtslösung der langfristig erwartete Wechselkurs ermittelt wird und damit eine Größe, die auch die kurzfristige Lösung mitbestimmt. Erst danach wird in einem zweiten Schritt (Kapitel 4) der Anpassungsprozeß über das kurzfristige Gleichgewicht (bei noch konstantem Preisniveau) zum neuen langfristigen Gleichgewicht (bei verändertem Preisniveau) dargestellt. Den Abschluß dieses Kapitels und des Beitrags bildet eine Zusammenfassung wichtiger Ergebnisse. Die Darstellung bedient sich aus Gründen der Anschaulichkeit der graphischen Analyse. Die zugrunde liegenden algebraischen Ableitungen finden sich in einem Anhang. 2. Angebotsund Nachfrageseite 2.1 Angebotsseite Bei der Herleitung der für die Angebotsseite des Modells maßgeblichen gesamtwirtschaftlichen Angebotsfunktion wird davon ausgegangen, daß die inländischen Unternehmer die Produktionsfaktoren als Mengenanpasser gewinnmaximierend einsetzen und die Produktionsmenge durch den Faktoreinsatz entsprechend einer Co6b-DougZas-Produktionsfunktion bestimmt wird: Q = CNaRß; a + ß < 1 . Dabei bedeuten Q die inländische Produktionsmenge, C eine konstante Größe (z.B. auf Grund eines konstanten Produktionsfaktors), N die Anzahl der Arbeitsstunden und R die Menge des importierten Rohstoffs. Da der Faktoreinsatz gewinnmaximierend erfolgt, entsprechen die Grenzproduktivitäten der beiden Faktoren den jeweiligen (realen) Faktorpreisen: W aCNa~1Rß = — P PRE ßCNaRß~l = , P wobei Wden Geldlohnsatz, P den Preis des inländischen Produkts (Produktpreis), PR den Rohstoff preis (in Auslandswährung) und E den Wechselkurs (Preis der ausländischen Währung) bezeichnen. Die beiden Gewinnmaximierungsbedingungen werden - wie im folgenden alle Funktionen - in logarithmischer Form geschrieben, wobei in der Symbolik logarithmierte Variable durch Kleinbuchstaben gekennzeichnet werden: ZWS 110 (1990) 1 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.110.1.21 | Generated on 2023-04-04 12:13:38 Fiskalpolitik, Angebotsbedingungen und Wechselkursdynamik 23 (1) In a + In C + (a - 1) n + ßr = w - p (2) In ß + In C + an + (ß - 1) r = pR + e - p . Während für die Nachfrage nach Arbeit entsprechend Beziehung (1) der Preis für Inlandsgüter (P) von Bedeutung ist, orientieren sich die Anbieter von Arbeit an einem gewogenen Preisindex für inund ausländische Güter (Px), der in logarithmischer Form1 wie folgt definiert ist: px = (1 - ji) p + Jt(pa + e) 0 < n < 1 , wobei pa den (logarithmierten) Preis von importierten Endprodukten bezeichnet. Wird Pa als konstant angesehen und gleich eins gesetzt, d. h. ist pa = 0, dann ergibt sich für den Preisindex (3) px = p - jz(p-e). Unter Berücksichtigung von Px bzw. px läßt sich das Angebotsverhalten auf dem Arbeitsmarkt durch eine Lohngleichung beschreiben, die eine Lohnvereinbarung beinhaltet. Sie besagt erstens, daß in der Ausgangslage vor der Störung bei einem Preisindex P% ein Geldlohnsatz Win Höhe von W0 vereinbart wird, und zweitens, daß dieser der späteren, nicht antizipierten Preisentwicklung (Px) entsprechend folgender Beziehung angepaßt wird2: w = w0 . (Px/Px0y bzw. für W0f Po = 1 und logarithmiert (4) w = xpx 0 < T < 1 (Lohngleichung) Bei dem so festgelegten Geldlohnsatz ist das Angebot an Arbeit vollkommen elastisch, und die Nachfrage entscheidet dann allein über die realisierte Arbeitsmenge. Unter Berücksichtigung der Gleichungen (3) und (4) ergibt sich der für den Faktoreinsatz der Unternehmungen relevante Reallohnsatz wie folgt: (5) w - p = r[p — jr(p-e)] ~ p = — (1 — r)p — jrz(p-e). 1 Diese Beziehung ergibt sich aus Px = P(1 ^ (PaE) * wobei JZ, der Anteil der nominalen Importe am nominalen Konsum, als konstanter Gewichtungsfaktor dient. 2 Der vereinbarte Geldlohnsatz kann dabei aus dem (vor der Störung) auf dem Arbeitsmarkt herrschenden Gleichgewichtslohn hergeleitet werden. Vgl. zu der hier verwendeten Lohnhypothese genauer Gray (1976), 223f., 234. ZWS 110 (1990) 1 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.110.1.21 | Generated on 2023-04-04 12:13:38 24 Hans-Joachim Jarchow Wird Gleichung (5) in Gleichung (1) eingesetzt, der Rohstoff preis als exogen fixiert angesehen (PR = 1, d.h. pR = 0) und noch die (logarithmierte) Produktionsfunktion (6) q = kiC + an + ßr einbezogen, dann läßt sich aus den Gleichungen (1), (2) und (6) folgender positiver Zusammenhang zwischen der vom Inland angebotenen Produktionsmenge (q) einerseits und den terms of trade (p - e)3 sowie dem Inlandspreis (p) anderseits herleiten4: (7) q = s0 + Si(p-e) + s2p (Angebotsfunktion) Dabei ist s0 eine Konstante, und es sind anx + ß a (1 - r) si = > 0 ; s2 = > 0 . 1-a-ß 1 — a — ß Für r = 0 (d. h. ohne Lohnindexierung und folglich bei konstantem Geldlohnsatz) sowie ß= 0 ist Si = 0, und man erhält als Grenzfall die Angebotsseite eines Mundeil / Fleming-Modells5] für t = 1 (d.h. bei vollständiger Lohnindexierung) ist s2 = 0, und man erhält als den anderen Grenzfall die Angebotsseite eines klassischen Modells für eine offene Volkswirtschaft6. 2.2 Nachfrageseite Wichtiger Bestandteil der Nachfrageseite des Modells ist die Güternachfrage, die in einer der konventionellen IS-Gleichung ähnlichen Weise wie folgt formuliert wird7: (8) q = cq - fi + g - jq - a (p - e) (Güternachfragef . n Gleichgewicht) 3 Man beachte, daß die Auslandspreise konstant sind und gleich eins gesetzt wurden, d. h. pa = 0. 4 Siehe hierzu den Anhang. 5 Für die Implikationen des Mundell / Fleming-Ansatzes ist nicht die Annahme konstanter Preise entscheidend, sondern die Unabhängigkeit des Angebots von den terms of trade (p - e) und damit auch die Annahme eines konstanten Geldlohnsatzes. 6 Vgl. hierzu Marston (1985), 883 ff. 7 Zur formalen Herleitung vgl. im einzelnen Jarchow (1988), 6 f., wo auch der durch importierte Vorleistungen (Rohstoffe) bedingte Unterschied zwischen dem realen Sozialprodukt bzw. Volkseinkommen und der inländischen Produktionsmenge (q) berücksichtigt wird. ZWS 110 (1990) 1 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.110.1.21 | Generated on 2023-04-04 12:13:38 Fiskalpolitik, Angebotsbedingungen und Wechselkursdynamik 25 Dabei bezeichnen c die marginale Konsumquote, j die marginale Importquote, i den (nicht logarithmierten) Zinssatz8 und g die (realen) Staatsausgaben. Neben dem Güternachfrage-Gleichgewicht ist auf der Nachfrageseite das Geldmarktgleichgewicht zu berücksichtigen: (9) m - p = kq - Ii, (Geldmarkt)9 wobei mit m das nominale (logarithmierte) Geldangebot bezeichnet wird. Schließlich wird in Hinblick auf den Kapitalverkehr unterstellt, daß inund ausländische Wertpapiere vollkommene Substitute sind. Bei unbeschränkter Kapitalmobilität, Fehlen von Transaktionskosten und Risikoneutralität gilt dann die ungesicherte Zinsparität in folgender Form: (10) i = ia •+ x 10, wobei x die erwartete Wechselkursänderungsrate bezeichnet. Ferner wird angenommen, daß sich die erwartete Wechselkursänderungsrate x proportional zur Abweichung zwischen dem langfristig erwarteten Wechselkurs (c* = In E*) und dem laufenden Wechselkurs (e = In E) verhält, d.h.: (11) x = 4>{e* - e), <t> > 0 . Wird Gleichung (11) in (10) berücksichtigt, dann erhält man: (12) x = ia + <t> (e* — e). (Zinsparität) Der erwartete Wechselkurs e * wird dabei aus dem Modellzusammenhang als langfristige Gleichgewichtslösung ermittelt. Sind die Wirtschaftssub8 Der Zinssatz wird nicht logarithmiert, um negative Werte zu vermeiden. Ohne Auswirkungen für die Folgerungen ließe sich anstelle des Zinssatzes i aber auch der Ausdruck log (1 + i) verwenden, der nur positive Variablenwerte implizieren würde. 9 Die inländische Produktion (q) berücksichtigt das Transaktionsmotiv in der Kassenhaltung. Vgl. hierzu z.B. Scarth (1979), 94f.; Sachs (1980), 737, und Herberg I Hesse / Schuseil (1982), 115. 10 Allgemeiner wäre die Annahme eines unvollkommenen Kapitalmarktes, der den vollkommenen Kapitalmarkt als Grenzfall enthält. Dann wäre erstens eine Bestimmungsfunktion für die Nettokapitalimporte zu berücksichtigen, z.B. (x) NK = ß(i-ia-x). Zweitens wäre das Devisenmarktgleichgewicht zu beachten, d. h. es gilt (xx) - jq - a{p - e) + ß{i - ia - x) = 0. Aus Gleichung (xx) ergibt sich Gleichung (10) als Spezialfall für ß -> » . - Als Annäherung an die Realität erscheint die Annahme eines vollkommenen Kapitalmarktes vertretbar. Außerdem lassen sich mit dieser Hypothese die mit Gleichung (x) verbundenen Strom-Bestands-Probleme vermeiden (siehe hierzu Jarchow / Rühmann (1988), 133f.). ZWS 110 (1990) 1 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.110.1.21 | Generated on 2023-04-04 12:13:38 26 Hans-Joachim Jarchow jekte über den langfristigen Wechselkurs informiert sowie über die Richtung der Anpassung von x entsprechend Gleichung (11), d.h. über <p> 0, dann liegen quasi-rationale Wechselkurserwartungen11 vor. Sie implizieren, daß die Wirtschaftssubjekte die langfristige Lösung kennen sowie die qualitativen Eigenschaften der Anpassung der erwarteten Wechselkursänderungsrate. Sie lassen sich auch mit der weitergehenden Annahme vollkommener Voraussicht vereinbaren, die Kenntnis des genauen Anpassungspfades beinhaltet12. 3. Langfristiges Gleichgewicht Im langfristigen Gleichgewicht hat sich der Inlandspreis (ebenso wie der Geldlohnsatz) vollständig angepaßt und der erwartete Wechselkurs (e*) entspricht dem laufenden Wechselkurs (e), so daß wegen der Zinsparität (12) Inund Auslandszinssatz übereinstimmen (d.h. i = ia). Das langfristige Gleichgewicht wird dann durch die Gleichungen (7) und die umgeformte Gleichung (8 a) bestimmt: (7) q = s0 + Si(p - e) + s2p (Angebotskurve) -fi + g a (8 a) q = - (p - e), (Nachfragekurve) 1 — b 1 — b wobei b = c - j mit 1 > b > 0 ist. Bei Gleichung (8 a) ist zu beachten, daß sie allein aus der Beziehung für das Güternachfrage-Gleichgewicht hergeleitet wird und (anders als die makroökonomische Nachfragekurve der Lehrbuchliteratur) die Gleichgewichtsbeziehungen für den monetären Bereich nicht mit berücksichtigt. Folglich stellt der Zinssatz i auf dem Weg zum langfristigen Gleichgewicht in einem (p — e)/q-Diagramm einen Lageparameter der Nachfragekurve dar, der im langfristigen Gleichgewicht den Wert i = ia annimmt. Die langfristige Angebotskurve (S) läßt sich in einem (p - e)/q-Diagramm für den allgemeinen Fall (0 < r< 1 und damit slf s2 > 0) als eine positiv geneigte Gerade mit dem Inlandspreis (p) als Lageparameter darstellen (wie S(p0) in Abb. 1). Erfolgt keine Lohnindexierung (d.h. r = 0 und damit bei ß = 0 Si = 0) - wie im Mundell/Fleming-Modell -, dann wird die Angebotskurve durch eine Senkrechte dargestellt (wie SMF); ist die Lohnindexierung vollständig (d.h. r = 1 und damit s2 = 0) - wie im klassischen Modell -, dann verläuft die Angebotskurve flacher als bei teilweiser Lohnindexierung, und sie ist unabhängig vom Lageparameter p (wie SK). 11 Vgl. hierzu und zu dem folgenden Satz Bhandary (1982), 16. 12 Siehe hierzu im einzelnen ebenda, 15 ff. ZWS 110 (1990) 1 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.110.1.21 | Generated on 2023-04-04 12:13:38 Fiskalpolitik, Angebotsbedingungen und Wechselkursdynamik 27 • 0 q Abb. 1 Wenn nun die Staatsausgaben steigen, verschiebt sich die Nachfragekurve (D0) nach rechts (in die neue Lage Di). In Hinblick auf den allgemeinen Fall ist zu beachten, daß die hiermit verbundene Produktionsausweitung13 im langfristigen Gleichgewicht wegen der Geldmarktbeziehung (9) eine Preissenkung impliziert14, wodurch: die S (PoVGerade nach links verlagert wird (in die neue Lage S (pO). Das neue langfristige Gleichgewicht stellt sich dann bei gestiegenen terms of trade, z. B. bei Pi, ein. In den beiden Grenzfällen ergibt sich das neue Gleichgewicht für r = 0 bei (weil sich weder Produktion noch Inlandspreis verändern)15 und für r = 1 bei Pf (weil die Angebotskurve ihre Lage beibehält). Wie man sieht, steigen die terms of trade bei einer Staatsausgabenerhöhung um so stärker, je geringer der Lohnindexierungsgrad ist. Deshalb fällt das langfristige "crowding out" des Außenbeitrags durch die Staatsausgabenerhöhung um so größer aus, je weniger sich die Löhne an die Preisentwicklung anpassen, und desto geringer ist dann langfristig die Produktionsausweitung16. 13 Siehe hierzu die Auswertung von Gleichung (I) im Anhang. 14 Bei steigendem q und i = ia erfordert Gleichung (9) eine Senkung von p. 15 Siehe hierzu die Auswertung von Gleichung (I) im Anhang für «i = 0. 16 Bei T = 0 ist das "crowding out" vollständig. ZWS 110 (1990) 1 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.110.1.21 | Generated on 2023-04-04 12:13:38 28 Hans-Joachim Jarchow 4. Anpassungsprozeß Während des gesamten Anpassungsprozesses besteht annahmegemäß Güternachfrageund Geldmarkt-Gleichgewicht, und es gilt die Zinsparität, d.h. die Beziehungen (8), (9) und (12) sind immer erfüllt. Die hierfür maßgebliche Bedingung läßt sich in einer Kurve ausdrücken, die Kombinationen von i und q beschreibt. Diese Kurve beschreibt die Entwicklung dieser beiden Variablen auf dem Anpassungspfad vom ursprünglichen zum neuen langfristigen Gleichgewicht. Sie sei deshalb Anpassungskurve genannt (kurz: A-Kurve)17. Da sie für die graphische Analyse benötigt wird, ist die zugrundeliegende Funktion vorweg zu ermitteln. Dazu wird wie folgt vorgegangen: Man berechnet den Inlandspreis p aus (9) und setzt p in (8) ein. Dann ergibt sich: ¿a — i + <t>e* (13) q = bq-fi + g + a a • (m - kq + Ii), <t> wobei b = c - j. Im langfristigen Gleichgewicht gilt e* = e, d.h. wegen (12) i = ia. Für diesen Fall wird aus (13) (14) q = bq - fia + g + ae* - a • (m - kq + lia). Subtrahiert man Gleichung (14) von Gleichung (13), dann ergibt sich: a(i — ia) (q-q) (1 -b) = ~ f(i~ ia) + ak(q-q) - al (i - ia) <t> bzw. 1 - b-ak (15) i - ia = — — — • {q-q). (A-Kurve) - [/ + a (1/0 + Z)] Die Lage der A-Kurve wird durch ia und q bestimmt, wobei für das Ausgangsgleichgewicht gilt: ia = i0 und g = q0. Die Steigung der A-Kurve ist negativ oder positiv, je nachdem, ob (16) 1 - b ^ a • k . Wie noch erläutert wird, erscheint für die kurzfristige Anpassung das Größerzeichen plausibler. 17 Vgl. hierzu Dornbusch (1976), 1163 f. und 1174, der eine ähnliche Kurve (die QQKurve) für ein p/e-Diagramm hergeleitet hat. ZWS 110 (1990) 1 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.110.1.21 | Generated on 2023-04-04 12:13:38 Fiskalpolitik, Angebotsbedingungen und Wechselkursdynamik 35 Ferner ist de - de* = kzsJFH. dg Offenbar sinkt der Wechselkurs im kurzfristigen Gleichgewicht stärker oder schwächer als im langfristigen, je nachdem, ob z = (1 — b — ak) ^ 0. Zumindest für die kurze Sicht ist 2 > 0 angenommen worden. Literatur Bhandary, J. S. (1982), Exchange Rate Determination and Adjustment. New York. Dornbusch, R. (1976), Expectations and Exchange Rate Dynamics. Journal of Political Economy 84, 1161 - 1176. Gray, J. A. (1976), Wage Indexation: A Macroeconomic Approach. Journal of Monetary Economics 2, 221 - 235. Herberg, H. / Hesse, H. / Schuseil, A. (1982), Imports of Intermediate Goods and the Efficacy of Fiscal Policy under Flexible Exchange Rates. Weltwirtschaftliches Archiv 118, 104 - 130. Jarchow, H.-J. (1988), Fiskalpolitik bei Wechselkursflexibilität unter besonderer Berücksichtigung der Angebotsbedingungen. Diskussionsbeiträge aus dem Volkswirtschaftlichen Seminar der Universität Göttingen 38. Jarchow, H.-J. / Rühmann, P. (1988), Monetäre Außenwirtschaft. I. Monetäre Außenwirtschaftstheorie. 2., neubearb. u. erw. Aufl. Göttingen. Marston, R. C. (1985), Stabilization Policies in Open Economies, in: R. W. Jones / P. B. Kenen, Handbook of International Economics. Vol. II. Amsterdam, New York, Oxford, 859 - 916. Sachs, J. (1980), Wages, Flexible Exchange Rates, and Macroeconomic Policy. The Quarterly Journal of Economics 94, 731 - 747. Searth, W. M. (1979), Real disturbances, perfect capital mobility, and exchange rate policy. The Canadian Journal of Economics 12, 93 - 100. ZWS 110 (1990) 1 3* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.110.1.21 | Generated on 2023-04-04 12:13:38