Regionale Arbeitsmarktprognosen 2024/2025: Schwache Entwicklung der regionalen Arbeitsmärkte
Abstract
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Full text
Heining, Jörg et al. Research Report Regionale Arbeitsmarktprognosen 2024/2025: Schwache Entwicklung der regionalen Arbeitsmärkte IAB-Kurzbericht, No. 20/2024 Provided in Cooperation with: Institute for Employment Research (IAB) Suggested Citation: Heining, Jörg et al. (2024) : Regionale Arbeitsmarktprognosen 2024/2025: Schwache Entwicklung der regionalen Arbeitsmärkte, IAB-Kurzbericht, No. 20/2024, Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB), Nürnberg, https://doi.org/10.48720/IAB.KB.2420 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/306574 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/
IAB-KURZBERICHT Aktuelle Analysen aus dem Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung In aller Kürze ●Das IAB erwartet auf Bundesebene für dieses und kommendes Jahr nur ein leichtes Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Höhe von jeweils 0,5 Prozent im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr. ●Während die Beschäftigung 2025 in Westdeutschland noch um 0,6 Pro zent wächst, stagniert sie in Ostdeutschland. Die höchsten Zuwächse erwarten wir für Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Hessen. In Thüringen wird die Beschäftigung am stärksten zurückgehen. ●Die Arbeitslosigkeit nimmt in allen Bundesländern zu. Die Zahl der Arbeitslosen steigt 2025 voraussichtlich weiter auf rund 2,84 Millionen (+2,2 %). Dies entspricht einer Zunahme der Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent. Für Ostdeutschland wird eine etwas stärkere Zunahme der Arbeitslosigkeit erwartet als für Westdeutschland. ●In Ostund Westdeutschland kommt es 2024 gleichermaßen zu einem Anstieg des Anteils der SGBIII-Arbeitslosigkeit. 2025 ist dies nur in Ostdeutschland der Fall, in Westdeutschland steigt der SGB-II-Anteil. ●In den meisten Arbeitsagenturbezirken erwarten wir 2025 einen Anstieg der Beschäftigung bei gleichzeitigem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Voraussichtlich in rund 26 Prozent der Agenturbezirke steigt die Arbeitslosigkeit bei sinkender Beschäftigung. Umgekehrt ist dies in 7 Prozent der Agenturbezirke zu erwarten. ●Während die Beschäftigung 2025 voraussichtlich nur in kreisfreien Großstädten und städtischen Kreisen steigt, wächst die Arbeitslosigkeit (leicht) in allen Regionstypen. 20 | 2024 Die wirtschaftliche Stagnation zieht den Arbeitsmarkt in Mitleidenschaft. Während die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nicht mehr in allen Bundesländern steigt, nimmt die Arbeitslosigkeit überall zu. Insbesondere in ländlichen Kreisen steigt die Arbeitslosigkeit und sinkt die Beschäftigung. Die deutsche Wirtschaft steckt in einer anhaltenden wirtschaftlichen Schwächephase. Nach einem Rückgang der Wirtschaftsleistung im Jahr 2023 um 0,3 Prozent, erwartet das IAB in seiner Arbeitsmarktprognose auf Bundes ebene für 2024 wiederum einen (geringen) Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,1 Prozent (Bauer et al. 2024). Für 2025 wird ein unterdurchschnittliches Wachstum des BIP von 0,4 Prozent prognostiziert. Die angeschlagene Wirtschaft dämpft in diesem wie auch im kommenden Jahr die Arbeitsmarktentwicklung. Die Beschäftigung wächst mit jeweils 0,5 Prozent deutlich schwächer als in den Vorjahren. Die Arbeitslosigkeit steigt 2024 um 6,5 Prozent und 2025 um 2,2 Prozent. Diese Entwicklung ist sowohl auf mehr Zugänge, aber vielmehr noch auf weniger Abgänge und damit einen längeren Verbleib in Arbeitslosigkeit zurückzuführen (Weber 2024). Damit geht auch einher, dass die Arbeitslosenquote um 0,3 Prozentpunkte auf 6,0 Prozent in diesem und um weitere 0,1 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent im kommenden Jahr zunimmt. Die Jobchancen von Arbeitslosen sind weiterhin schlechter als vor Beginn der Covid-19-Pandemie, was sich in höheren Anteilen Langzeitarbeitsloser und niedrigqualifizierter Arbeitsloser an allen Arbeitslosen zeigt (Bauer et al. 2024). Bedingt durch Unterschiede in den Strukturmerkmalen – wie Wirtschaftsstruktur und Demografie – kann sich Regionale Arbeitsmarktprognosen 2024/2025 Schwache Entwicklung der regionalen Arbeitsmärkte von Jörg Heining, Daniel Jahn, Anja Rossen, Rüdiger Wapler, Antje Weyh und Stefan Fuchs
die Situation regionaler Arbeitsmärkte von der auf Bundesebene prognostizierten Entwicklung unterscheiden. In Anlehnung an die Arbeitsmarktprognose auf Bundesebene erstellt das IAB daher Prognosen für Bundesländer und Arbeitsagenturbezirke, deren Ergebnisse Gegenstand dieses Kurzberichts sind (ausführliche Prognoseergebnisse siehe Heining et al. 2024; methodische Erläuterungen siehe Infobox 1). Unter anderem erwarten wir, dass im kommenden Jahr Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Hessen die höchsten relativen Beschäftigungszuwächse unter den Bundesländern erzielen. Bei der Arbeitslosigkeit rechnen wir für 2025 in allen Bundesländern mit einem Anstieg; im Bereich des SGB II um 2,3 Prozent, im SGB III um 2,2 Prozent. Darüber hinaus weisen wir die regionalen Arbeitsmarktprognosen getrennt nach Siedlungsstrukturtypen aus. Für 2025 erwarten wir lediglich in kreisfreien Großstädten und städtischen Kreisen ein Beschäftigungswachstum. Eine Rückkehr zu einer Beschäftigungszunahme wie vor der Covid19-Pandemie oder vor dem russischen Angriffskrieg bleibt unseren Prognosen zufolge in allen Siedlungsstrukturtypen aus. Die Arbeitslosigkeit nimmt 2025 in allen Regionstypen leicht zu. Auch wenn sich die meisten regionalen Arbeitsmärkte gemessen an der schwachen Konjunktur vergleichsweise gut halten, bleibt das wirtschaftliche Umfeld unsicher. Unter anderem eine schnellere Erholung des Konsums und ein stärkerer Außenhandel dürften sicherlich positive Effekte nach sich ziehen. Eskalieren Handelskonflikte oder nehmen die geopolitischen Spannungen weiter zu, könnte sich die Entwicklung an den regionalen Arbeitsmärkten verschlechtern. Leichtes Beschäftigungswachstum in Westdeutschland, Stagnation in Ostdeutschland Das IAB rechnet für 2025 mit einem Anstieg der Beschäftigung in Höhe von 172.000 Personen. Die aktuelle Regionalprognose zeigt weiterhin das stabile Bild eines höheren Beschäftigungswachstums in Westdeutschland (+0,6 %), während die Beschäftigung in Ostdeutschland stagniert. Betrachtet man die einzelnen Bundesländer, erwarten wir 2025 in Westdeutschland für Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Hessen mit jeweils 0,8 Prozent die höchsten Anstiege und für das Saarland einen Rückgang um 0,2 Prozent (vgl. Abbildung A1). Berlin und Sachsen zeigen innerhalb Ostdeutschlands ein leichtes Beschäftigungswachstum von 0,4 Prozent beziehungsweise 0,1 Prozent. Für MecklenburgVorpommern (–0,2 %), Sachsen-Anhalt (–0,3 %) –0,6 bis unter –0,5 [1] –0,5 bis unter –0,1 [3] –0,1 bis unter 0,2 [2] 0,2 bis unter 0,7 [7] 0,7 bis unter 0,9 [3] Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, Veränderung in Prozent [Zahl der Bundesländer] –0,2 +0,4 0,0 +0,5 +0,4 –0,2 +0,8 +0,5 +0,8 –0,3 +0,6 +0,8 +0,4 –0,6 +0,4 +0,1 Bayern Baden-Württemberg Saarland Rheinland-Pfalz Nordrhein-Westfalen Mecklenburg-Vorpommern Brandenburg Thüringen Hessen Niedersachsen Bremen Hamburg Schleswig-Holstein Berlin Sachsen-Anhalt Sachsen Deutschland gesamt: +0,5 Westdeutschland: +0,6 Ostdeutschland: 0,0 Grundlage für die Darstellung: GeoBasis-DE/Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2024. Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Stand: September 2024. © IAB Prognose über die Entwicklung der Beschäftigung von 2024 auf 2025 in den Bundesländern A1 Methodische Hinweise Für die regionalen Arbeitsmarktprognosen finden verschiedene ökonometrische Modelle Anwendung, die sowohl vergangene Werte als auch Komponenten wie das Niveau, den Trend, die Saison und den Konjunkturzyklus einbeziehen. Bei relativ kleinen regionalen Einheiten ist zudem davon auszugehen, dass die Entwicklung in räumlich nahen Regionen stark von den Entwicklungen in den Nachbarregionen beeinflusst wird – diese räumlichen Abhängigkeiten berücksichtigen weitere Modelle. Zusätzlich werden die Bestandszahlen anhand der Zuund Abgänge prognostiziert. Um die Vorund Nachteile dieser Vielzahl an Modellen auszugleichen, wird für die Prognose anschließend ein Durchschnitt über die verschiedenen Modelle gebildet. Bei diesem sog. Pooling fließen für jede Gebietseinheit nur solche Modelle in die endgültige Prognose ein, deren Entwicklung eine möglichst geringe Abweichung von der Prognose für Gesamtdeutschland aufweist. Gleichzeitig gehen die Werte der nationalen Prognosen – die sowohl nationale wie internationale Einflüsse beinhalten – als weitere Erklärungsgrößen in das Gesamtmodell für jede regionale Einheit ein. Zusätzlich zu den Prognosen der Jahresdurchschnitte werden hier auch geschätzte Arbeitslosenquoten bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen berechnet. Zu beachten ist, dass es sich bei der Bezugsgröße um eine geschätzte Größe der zivilen Erwerbspersonen handelt. Dabei werden die prognostizierten Veränderungen in der Zahl der Arbeitslosen und der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten berücksichtigt. Alle anderen Größen, die in die amtliche Bezugsgröße einfließen – wie die Zahl der Beamtinnen und Beamten, der Selbstständigen, der ausschließlich geringfügig Beschäftigten und anderer atypischer Beschäftigungsgruppen – werden dagegen als konstant angenommen. 1 2IAB-Kurzbericht 20|2024
quote (Bauer et al. 2024). Die Zunahme der Zahl der Arbeitslosen dürfte in Westdeutschland mit 1,9 Prozent geringer ausfallen als in Ostdeutschland (+3,3 %; vgl. Abbildung A3 auf Seite 4). In Ostdeutschland liegt damit auch die Arbeitslosenquote mit 7,6 Prozent (+0,2 Prozentpunkte) höher als in Westdeutschland mit 5,7 Prozent (+0,1 Prozentpunkte) (vgl. Abbildung A4 auf Seite 4). Die größten Anstiege in der Zahl der Arbeitslosen (vgl. Abbildung A3) werden für Thüringen (+5,0 %) und Mecklenburg-Vorpommern (+3,9 %) erwartet. Ebenso prognostizieren wir recht hohe Zunahmen für Sachsen und Bayern (jeweils +3,6 %). Während in Bayern die niedrigste Arbeitslosenquote und Thüringen (–0,6 %) rechnen wir mit Beschäftigungsverlusten. Jede Prognose stellt keine exakte Vorhersage zukünftiger Entwicklungen dar, sondern ist immer mit Unsicherheit verbunden. Daher berechnen wir Prognoseintervalle, die den Bereich angeben, in dem die prognostizierte Größe mit einer Wahrscheinlichkeit von 66 Prozent liegt (Heining et al. 2024; ausführliche Erklärung der Methodik siehe Bach et al. 2009). In der aktuellen Prognose für 2025 reichen die Prognoseintervalle in allen Bundesländern in den positiven und negativen Wertebereich, sodass aus statistischer Sicht unsicher ist, ob es zu einem Anstieg oder einem Rückgang der Beschäftigung kommen wird. Abbildung A2 zeigt die prognostizierte Beschäftigungsentwicklung auf Ebene der Arbeitsagenturbezirke und verdeutlicht die Unterschiede innerhalb der Bundesländer. Am größten sind die Disparitäten in den erwarteten Entwicklungen innerhalb Sachsens. In Dresden und Leipzig wird mit deutlich günstigeren Entwicklungen gerechnet als beispielsweise in den Agenturbezirken AnnabergBuchholz und Freiberg. Recht homogene Entwicklungen innerhalb eines Bundeslands zeigen sich in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und SchleswigHolstein. Während in Sachsen-Anhalt alle Agenturbezirke einen Beschäftigungsrückgang aufweisen, gehören Schleswig-Holstein und Brandenburg zu den Bundesländern, in denen in fast allen Agenturbezirken ein (leichtes) Beschäftigungswachstum zu erwarten ist. Da die Prognoseintervalle auf Agenturbezirksebene fast überall im negativen wie im positiven Bereich liegen, ist in Agenturbezirken mit einem Beschäftigungsanstieg (Beschäftigungsrückgang) somit auch ein Rückgang (Anstieg) möglich. Lediglich im Agenturbezirk Bochum liegt das Prognoseintervall durchweg im positiven Bereich, sodass hier ein Beschäftigungswachstum selbst bei ungünstiger Entwicklung wahrscheinlich ist. Arbeitslosigkeit steigt voraussichtlich in allen Bundesländern Das IAB rechnet für 2025 mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in Höhe von 62.000 Personen, was einer Arbeitslosenquote von 6,1 Prozent entspricht. Sie fällt somit um 0,1 Prozentpunkte höher aus als die für 2024 prognostizierte ArbeitslosenPrognose über die Entwicklung der Beschäftigung von 2024 auf 2025 in den Bezirken der Arbeitsagenturen A2 Grundlage für die Darstellung: GeoBasis-DE/Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2024. Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Stand: September 2024. © IAB 0,1 bis unter 0,6 [54] 0,6 bis unter 1,2 [35] 1,2 bis unter 1,9 [14] –0,5 bis unter 0,1 [30] –1,4 bis unter –0,5 [15] Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, Veränderung in Prozent [Zahl der Agenturbezirke] 3IAB-Kurzbericht 20|2024
(vgl. Abbildung A4) mit 3,8 Prozent vorliegt, weist Mecklenburg-Vorpommern mit 8,2 Prozent nach den Stadtstaaten Bremen (11,1 %) und Berlin (9,8 %) die dritthöchste Quote aller Bundesländer auf. In Niedersachsen (+0,8 %), Bremen (+1,0 %) und Nordrhein-Westfalen (+1,1 %) erwarten wir die gering sten Anstiege der Arbeitslosigkeit. Innerhalb Ostdeutschlands liegt der voraussichtlich nied rig ste Zuwachs in Sachsen-Anhalt (+2,3 %). Während die Arbeitslosenquoten in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern jeweils um 0,3 Prozentpunkte zunehmen, verändern sich die Arbeitslosenquoten der westdeutschen Bundesländer um maximal 0,1 Prozentpunkte. Es lässt sich festhalten, dass im Prognosezeitraum trotz der zum Teil hohen relativen Anstiege in der Zahl der Arbeitslosen das bekannte regionale Gefälle der Arbeitslosenquoten erhalten bleibt: Die Arbeitslosenquoten der süddeutschen Bundesländer sind niedriger als im Rest Deutschlands. In allen Bundesländern reichen die Prognoseintervalle für 2025 vom negativen in den positiven Bereich, sodass sich dort bei negativen (positiven) Punktprognosen auch Zuwächse (Rückgänge) der Arbeitslosigkeit einstellen könnten. Regionale Unterschiede in der prognostizierten Arbeitslosenquote finden sich ebenfalls auf Ebene der Arbeitsagenturbezirke (vgl. Abbildung A5 auf Seite 6). Vor allem innerhalb Nordrhein-Westfalens und Baden-Württembergs gibt es große regionale Disparitäten in der Höhe der Arbeitslosenquoten. Vergleichsweise klein sind diese dagegen innerhalb von Thüringen und Sachsen-Anhalt. Im Hinblick auf die Veränderung der prognostizierten Arbeitslosenquoten weisen Sachsen und Nordrhein-Westfalen innerhalb des jeweiligen Bundeslands besonders große Unterschiede auf (Spannweite der Veränderung jeweils 0,4 Prozentpunkte). In 28 Agenturbezirken geht die Arbeitslosenquote voraussichtlich zurück (vgl. Abbildung A6 auf Seite 7), am stärksten im Agenturbezirk Celle in Niedersachsen mit –0,15 Prozentpunkten. Dagegen erwarten wir die höchste Zunahme der Arbeitslosenquote im Agenturbezirk Thüringen-Südwest mit 0,5 Prozentpunkten. Unterschiedliche Entwicklung nach Rechtskreisen in Ostund Westdeutschland Bei der Arbeitslosigkeit im Rechtskreis des SGB III – in dem sich überwiegend Personen beDeutschland gesamt: +2,2 Westdeutschland: +1,9 Ostdeutschland: +3,3 +3,9 +3,0 +2,6 +3,6 +2,6 +2,2 +1,1 +0,8 +2,6 +2,3 +1,0 +2,6 +2,2 +5,0 +2,6 +3,6 Bayern BadenWürttemberg Saarland Rheinland-Pfalz Nordrhein-Westfalen MecklenburgVorpommern Brandenburg Thüringen Hessen Niedersachsen Bremen Hamburg SchleswigHolstein Berlin Sachsen-Anhalt Sachsen Prognose über die Entwicklung der Arbeitslosigkeit von 2024 auf 2025 in den Bundesländern A3 Grundlage für die Darstellung: GeoBasis-DE/Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2024. Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Stand: September 2024. © IAB 0,8 bis unter 1,2 [3] 1,2 bis unter 2,4 [3] 2,4 bis unter 3,1 [6] 3,1 bis unter 4,0 [3] 4,0 bis unter 5,1 [1] Arbeitslose insgesamt, Veränderung in Prozent [Zahl der Bundesländer] Prognostizierte Arbeitslosenquote1) 2025 in den Bundesländern A4 8,2 9,8 6,2 3,8 4,3 7,2 7,6 5,9 5,6 7,7 11,1 8,1 5,8 6,4 5,4 6,6 Bayern (+0,1) BadenWürttemberg (+0,1) Saarland (+0,1) Rheinland-Pfalz (+0,1) Nordrhein-Westfalen (0,0) MecklenburgVorpommern (+0,3) Brandenburg (+0,1) Thüringen (+0,3) Hessen (+0,1) Niedersachsen (0,0) Bremen (0,0) Hamburg (+0,1) SchleswigHolstein (+0,1) Berlin (+0,2) Sachsen-Anhalt (+0,2) Sachsen (+0,2) 1) Bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen; geschätzt unter der Annahme, dass die Zahlen der Beamtinnen und Beamten, der Selbstständigen sowie der ausschließlich geringfügig Beschäftigten und anderer atypischer Beschäftigtengruppen von 2024 auf 2025 konstant bleiben. Grundlage für die Darstellung: GeoBasis-DE/Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2024. Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Stand: September 2024. © IAB Deutschland gesamt: 6,1 (+0,1) Westdeutschland: 5,7 (+0,1) Ostdeutschland: 7,6 (+0,2) Arbeitslosenquote1), in Prozent [Zahl der Bundesländer] ( ) Veränderung der Arbeitslosenquote zum Vorjahr in Prozentpunkten 8,3 bis unter 11,2 [2] 6,7 bis unter 8,3 [5] 6,0 bis unter 6,7 [3] 4,4 bis unter 6,0 [4] 3,8 bis unter 4,4 [2] 4IAB-Kurzbericht 20|2024
finden, die ihre Beschäftigung erst vor Kurzem verloren und vergleichsweise gute Chancen haben, wieder einen Job zu finden – erwartet das IAB für 2025 einen Anstieg um 21.000 Personen (Bauer et al. 2024). Diese Zunahme hat dabei keinen nennenswerten Einfluss auf den Anteil der Personen im SGB III an allen Arbeitslosen in Deutschland. Nach wie vor liegt dieser bei rund 35 Prozent. Rund 65 Prozent aller Arbeitslosen in Deutschland sind demnach weiterhin dem Rechtskreis des SGB II zuzuordnen. Hier findet sich ein Großteil der verfestigten Arbeitslosigkeit wieder (vgl. Tabelle T1). Das IAB erwartet für 2025 weiterhin einen Anstieg der SGB-II-Arbeitslosigkeit um rund 41.000 Personen gegenüber 2024 (Bauer et al. 2024), was einem relativen Anstieg von 2,3 Prozent entspricht – diesen prognostizieren wir für Ostund Westdeutschland gleichermaßen. Auch wenn die Anzahl an Arbeitslosen im SGB II zunimmt, führt dies jedoch zu keinen wesentlichen Änderungen in den jeweiligen Anteilen dieser Personen an der Gesamtarbeitslosigkeit in den Bundesländern. Die Spannweite der Veränderungen umfasst den Wertebereich von –1,1 bis + 1,2 Prozentpunkten. Wie anhand von Tabelle T1 ersichtlich, erwarten wir die höchsten Zunahmen des SGB-II-Anteils an allen Arbeitslosen in Bremen und Niedersachsen und die stärksten Rückgänge in Sachsen und Thüringen. Bemerkenswert ist der Vergleich zwischen Westund Ostdeutschland. In Ostdeutschland sinkt 2025 der Anteil der SGB-II-Arbeitslosigkeit an der Arbeitslosigkeit, während dieser in Westdeutschland zunimmt. Seit der Einführung des SGB II (2005) hat es hinsichtlich der Entwicklung dieses Anteils bisher nur einmal eine gegenläufige Entwicklung der beiden Landesteile gegeben (von 2022 auf 2023). Arbeitsmarktprognosen nach Siedlungsstrukturtypen Neben den Beschäftigungsund Arbeitslosigkeitsprognosen für einzelne Regionen ist es auch von Interesse, ob die erwartete regionale Entwicklung des Arbeitsmarkts mit unterschiedlichen Siedlungsstrukturmerkmalen variiert. So weisen beispielsweise städtisch geprägte Regionen im Vergleich zu ländlich geprägten Gebieten eine andere Zusammensetzung hinsichtlich der beschäftigten Personen sowie der ansässigen Betriebe auf, was Gründe für eine unterschiedliche Arbeitsmarktentwicklung sein könnten (Rossen 2022). Wir weisen im Folgenden Prognoseergebnisse für jeden der vier vom Bundesinstitut für Bau-, Stadtund Raumforschung (BBSR) definierten Siedlungsstrukturtypen aus: kreisfreie Großstädte, städtische Kreise, ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen sowie dünn besiedelte ländliche Kreise. Die räumliche Verteilung der siedlungsstrukturellen Typen wird nicht von den politisch-administrativen Grenzen bestimmt. So sind Regionen, die Raumstruktur Die Klassifikation des Bundesinstituts für Bau-, Stadtund Raumforschung (BBSR) unter scheidet vier Regionstypen: kreisfreie Großstädte, städtische Kreise, ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen sowie dünn besiedelte ländliche Kreise. Grundlage für die Einteilung eines Kreises sind verschiedene siedlungsstrukturelle Merkmale: der Bevölkerungsanteil in Großund Mittelstädten, die Einwohnerdichte eines Kreises sowie die Einwohnerdichte unter Ausschluss der Großund Mittelstädte. Unter der Kategorie der kreisfreien Großstädte werden besonders dicht besiedelte kreisfreie Städte zusammengefasst. Städtische Kreise sind nicht auf die Gruppe der kreisfreien Städte beschränkt, verfügen aber über eine vergleichsweise hohe Einwohnerdichte oder einen hohen Bevölkerungsanteil in Großund Mittelstädten. Ländliche Kreise mit Verdichtungs ansätzen weisen einen geringeren Bevölkerungsanteil in Großund Mittelstädten oder eine geringere Dichte auf, während dünn besiedelte ländliche Kreise in beiden Kate gorien geringere Werte verzeichnen (BBSR 2024). 2 Höhe und Veränderung des Anteils der Personen im SGB II an der Gesamtarbeitslosigkeit T1 Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Stand: September 2024. © IAB Region SGB II Anteil 2025 in Prozent Veränderung zu 2024 in Prozentpunkten Schleswig-Holstein 66,2 0,6 Hamburg 66,5 0,2 Niedersachsen 68,0 1,1 Bremen 76,9 1,2 Nordrhein-Westfalen 70,5 0,2 Hessen 66,4 –0,6 Rheinland-Pfalz 60,7 0,8 Baden-Württemberg 56,5 0,1 Bayern 49,2 –0,1 Saarland 69,0 0,4 Berlin 67,1 –0,6 Brandenburg 67,8 0,2 Mecklenburg-Vorpommern 66,5 –0,4 Sachsen 66,1 –1,1 Sachsen-Anhalt 68,6 –0,5 Thüringen 63,5 –0,8 Westdeutschland 64,4 0,2 Ostdeutschland 66,7 –0,6 Deutschland 64,9 0,0 5IAB-Kurzbericht 20|2024
sich den kreisfreien Großstädten zuordnen lassen, über das gesamte Bundesgebiet verteilt, während sich die Regionen der städtischen Kreise primär in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg finden. Ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen sowie dünn besiedelte ländliche Kreise liegen häufig in Ostund Norddeutschland sowie in Bayern (BBSR 2024). Beschäftigung sinkt in ländlichen Kreisen Abbildung A7 zeigt die Wachstumsrate der Beschäftigung für jeden der vier Siedlungsstrukturtypen für die Jahre 2019 bis 2023 sowie die entsprechenden Prognosewerte für 2024 und 2025. Noch im ersten Jahr der Covid-19-Pandemie 2020 wiesen die kreisfreien Großstädte eine positive Veränderungsrate auf. In den übrigen Regionstypen war die Veränderungsrate negativ beziehungsweise lag nahe bei Null. Anschließend fiel das Wachstum in allen Regionstypen mit circa 1,0 Prozent ähnlich stark aus, in den kreisfreien Großstädten nahm es 2022 deutlich stärker zu. Kreisfreie Großstädte und dünn besiedelte Kreise überschritten sogar ihr Vor-Corona-Niveau des Beschäftigungswachstums. Städtische und ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen hingegen erreichten es wieder beziehungs weise blieben leicht dahinter zurück. Der russische Angriffskrieg und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Herausforderungen spiegeln sich in der Beschäftigungsentwicklung von 2022 auf 2023 wider: Siedlungsstrukturübergreifend gab es ein deutliches Abschwächen des Prognose über die Entwicklung der Beschäftigung von 2024 auf 2025 nach der Siedlungsstruktur Veränderung in Prozent (Wachstumsrate der Beschäftigung) A7 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 kreisfreie Großstädte städtische Kreise ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen dünn besiedelte ländliche Kreise 1,5 –0,5 0 0,5 1,0 2,0 2,5 Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Stand: September 2024. © IAB Ist-Entwicklung Prognose Prognoseintervall –1,0 1) Bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen unter der Annahme, dass die Zahl der Beamtinnen und Beamten, der Selbstständigen, der ausschließlich geringfügig Beschäftigten und anderer atypischer Beschäftigtengruppen von 2024 auf 2025 konstant bleiben. Grundlage für die Darstellung: GeoBasis-DE/Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2024. Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Stand: September 2024. © IAB 5,7 bis unter 7,2 [41] 7,2 bis unter 9,0 [22] 9,0 bis unter 12,9 [12] 4,3 bis unter 5,7 [41] 2,7 bis unter 4,3 [32] Arbeitslosenquote1), in Prozent [Zahl der Agenturbezirke] Prognostizierte Arbeitslosenquote1) 2025 in den Bezirken der Arbeitsagenturen A5 6IAB-Kurzbericht 20|2024
Wachstums, wobei dünn besiedelte ländliche Kreise mit einem Rückgang von rund –1,2 Prozentpunkten am stärksten betroffen waren. Der Trend eines rückläufigen Wachstums setzt sich laut unserer Prognose 2024 in allen vier Siedlungsstrukturtypen fort. 2025 wächst die Beschäftigung in Großstädten und städtischen Kreisen weiter – in städtischen Kreisen sogar stärker als im Vorjahr. In ländlichen Kreisen werden leichte Rückgänge erwartet. Die Prognoseintervalle unterstreichen ein mögliches Wachstum der Beschäftigung in Großstädten und städtischen Kreisen, während in den beiden anderen Regionstypen sowohl ein Anstieg als auch ein Rückgang nicht auszuschließen ist. Arbeitslosigkeit steigt in allen Siedlungsstruktur typen Vor Pandemiebeginn wiesen kreisfreie Großstädte und städtische Kreise im Vergleich zu den ländlichen Gebieten einen geringeren Abbau der Arbeitslosigkeit auf (vgl. Abbildung A8). Auch der pandemiebedingte Anstieg der Arbeitslosigkeit zwischen 2019 und 2020 fiel bei diesen Regionstypen mit einer Wachstumsrate von jeweils mehr als 20 Prozent höher aus als in den ländlichen Gebieten. Während 2021 das Niveau der Arbeitslosigkeit in den kreisfreien Großstädten stagnierte, kam es in den übrigen Regionstypen zu einem Abbau um etwa 5 Prozent. 2022 war der stärkste Rückgang der Arbeitslosigkeit im Zeitraum 2019 bis 2023 zu beobachten – mit Ausnahme der dünn besiedelten ländlichen Kreise. Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Stand: September 2024. © IAB Ist-Entwicklung Prognose Prognoseintervall 2019 2020 2021 2022 2023 2024 20252019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 10 –10 –5 0 5 15 25 20 kreisfreie Großstädte städtische Kreise ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen dünn besiedelte ländliche Kreise Prognose über die Entwicklung der Arbeitslosigkeit von 2024 auf 2025 nach der Siedlungsstruktur Veränderung in Prozent (Wachstumsrate der Arbeitslosigkeit) A8 Prognose über die Entwicklung der Arbeitslosenquote1) von 2024 auf 2025 in den Bezirken der Arbeitsagenturen A6 1) Bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen unter der Annahme, dass die Zahl der Beamtinnen und Beamten, der Selbstständigen, der ausschließlich geringfügig Beschäftigten und anderer atypischer Beschäftigtengruppen von 2024 auf 2025 konstant bleiben. Grundlage für die Darstellung: GeoBasis-DE/Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2024. Quelle: Eigene Berechnungen auf Basis der Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Stand: September 2024. © IAB Veränderung der Arbeitslosenquote1), in Prozentpunkten [Zahl der Agenturbezirke] 0,07 bis unter 0,16 [45] 0,16 bis unter 0,29 [28] 0,29 bis unter 0,51 [ 9] 0,00 bis unter 0,07 [38] –0,15 bis unter 0,00 [28] 7IAB-Kurzbericht 20|2024
Impressum | IAB-Kurzbericht Nr. 20, 7.10.2024 | Herausgeber: Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit, 90327 Nürn berg | Redaktion: Martina Dorsch | Grafik & Gestaltung: Nicola Brendel | Foto: Wolfram Murr, Fotofabrik Nürnberg und privat | Druck: MKL Druck GmbH & Co. KG, Ostbevern | Rechte: Diese Publikation ist unter folgender Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht: Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) https://creativecommons.org/ licenses/by-sa/4.0/deed.de | IAB im Internet: www.iab.de. Dort finden Sie unter anderem diesen Kurzbericht zum kostenlosen Download | Kontakt: [email protected] | ISSN 0942-167X | DOI 10.48720/IAB.KB.2420 Geopolitische Veränderungen und Krisen sorgten für eine Kehrtwende der Entwicklung: In allen Siedlungs strukturtypen stieg 2023 die Arbeitslosigkeit erneut. Dabei verzeichneten kreisfreie Großstädte mit einem Wachstum von rund 6 Prozent eine geringere Zunahme der Arbeitslosigkeit als die anderen Regionstypen, in denen die Arbeitslosigkeit um rund 10 Prozent anstieg. Für das laufende Jahr 2024 erwarten wir einen Anstieg der Arbeitslosigkeit von 4,0 Prozent in dünn besiedelten ländlichen Kreisen und bis zu 7,6 Prozent in städtischen Kreisen. Im Jahr 2025 steigt die Arbeitslosigkeit in allen Siedlungsstrukturtypen weiter an, wenn auch weniger stark als in diesem Jahr. Unter Berücksichtigung der Prognoseintervalle ist jedoch darauf hinzuweisen, dass es 2025 bei allen siedlungsstrukturellen Kreistypen sowohl einen Aufals auch einen Abbau der Arbeitslosigkeit geben kann. Fazit Nach einem voraussichtlich weiteren leichten Rückgang des BIP im Jahr 2024 rechnet das IAB für 2025 hierzulande mit einem geringen Wachstum der Wirtschaftsleistung von 0,4 Prozent. Ferner geht das IAB für 2025 in seiner Bundesprognose von einem weiteren Beschäftigungsaufbau um 0,5 Prozent aus, ähnlich hoch wie 2024. Dabei steigt die Beschäftigung in Westdeutschland (+0,6 %) stärker als in Ostdeutschland, wo Stagnation vorhergesagt wird. Gleichzeitig wächst die Arbeitslosigkeit bundesweit um 2,2 Prozent beziehungsweise 62.000 Personen. Dies entspricht einer Arbeits losenquote von 6,1 Prozent, die damit um 0,1 Prozentpunkte höher ausfällt als 2024. Bei einem bundesweiten Anstieg der SGB-II-Arbeitslosigkeit um 2,3 Prozent und der SGB-III-Arbeitslosigkeit um 2,2 Prozent ergeben sich unterschiedliche Entwicklungen in Ostund Westdeutschland: Während im Osten der Anteil der SGB-II-Arbeitslosigkeit sinkt, nimmt dieser im Westen zu. Das hat es bislang nur einmal von 2022 auf 2023 gegeben. Bezogen auf die Entwicklung der Arbeitsmärkte in den unterschiedlichen Siedlungsstrukturtypen zeigt sich 2025 ein recht unterschiedliches Bild. Während die Beschäftigung in Großstädten und städtischen Kreisen weiterhin wächst, geht sie in ländlichen Kreisen zurück. Insgesamt rechnen wir auch künftig in allen Regionstypen mit einer steigenden Arbeitslosigkeit, wenngleich wir erwarten, dass diese vor dem Hintergrund einer sich erholenden Konjunktur weniger stark als im Jahr 2024 zunehmen dürfte. Dynamik und Entwicklung des Arbeitsmarkts hängen weiterhin entscheidend vom wirtschaftlichen Umfeld ab. Je nach Entwicklungsrichtung ergeben sich Chancen oder Risiken. So werden eine schnellere Erholung des Konsums und ein stärkerer Außenhandel die regionalen Arbeitsmärkte in Deutschland begünstigen, einschränkend würden weiter eskalierende Handelsstreitigkeiten oder zunehmende geopolitischen Spannungen wirken. Literatur Bach, H.-U.; Feil, M.; Fuchs, J.; Gartner, H.; Klinger, S.; Otto, A.; Rhein, T.; Rothe, T.; Schanne, N.; Schnur, P.; Spitznagel, E.; Sproß, C.; Wapler, R.; Weyh, A.; Zika, G. (2009): Der deutsche Arbeitsmarkt – Entwicklungen und Perspektiven. In: Möller, J.; Walwei, U. (Hrsg.), Handbuch Arbeitsmarkt 2009. IAB-Bibliothek 314. Bielefeld: Bertelsmann, S. 64–78. Bauer, A.; Gartner, H.; Hellwagner, T.; Hummel, M.; Hutter, C.; Wanger, S.; Weber, E.; Zika, G. (2024): IAB-Prognose 2024/2025: Zähe Wirtschaftsschwäche beeinträchtigt den Arbeitsmarkt. IAB-Kurzbericht Nr. 19. Bundesinstitut für Bau-, Stadtund Raumforschung (BBSR) (2024): Laufende Raumbeobachtungen – Raumabgrenzungen. Siedlungsstrukturelle Kreistypen (https://www. bbsr.bund.de/BBSR/DE/forschung/raumbeobachtung/ Raumabgrenzungen/deutschland/kreise/siedlungsstruk turelle-kreistypen/kreistypen.html) (zuletzt abgerufen am 19.9.2024). Heining, J.; Jahn, D.; Rossen, A.; Wapler, R.; Weyh, A. (2024): Regionale Arbeitsmarktprognosen 2/2024. Aktuelle Daten und Indikatoren. Rossen, A. (2022): Rückkehr zu stärkerem Beschäftigungswachstum in den Städten erwartet. Wirtschaftsdienst, Heft 7, S. 568–570. Weber, E. (2024): Fortschrittswelle statt Entlassungswelle. Makronom, 4.3.2024. Daniel Jahn RFN – IAB Baden-Württemberg Dr. Antje Weyh RFN – IAB Sachsen Dr. Rüdiger Wapler RFN – IAB Baden-Württemberg Dr. Anja Rossen RFN – IAB Bayern Kontakt [email protected] Dr. Jörg Heining RFN im IAB Nürnberg Stefan Fuchs Leiter des Bereichs Regionales Forschungsnetz (RFN) im IAB Nürnberg 8IAB-Kurzbericht 20|2024