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Das Berner Sprach-Assessment (BeSA): Pilotversion eines ICF-orientierten Diagnostikinstruments zur prä- und postoperativen Evaluation der Sprache

Wyss, Corina; Hostettler, Lena

Abstract

Wie in vielen anderen Kliniken sind Logopädinnen und Logopäden am Inselspital in prä-, intra- und postoperative sprachliche Testungen im Rahmen von Wachkraniotomien involviert. Besonders bezüglich der prä- und postoperativen Testungen fehlen Empfehlungen dazu, wann diese Testungen in welcher Form durchgeführt werden sollten. In der vorliegenden Arbeit wurde das aktuelle prä- und postoperative testdiagnostische Vorgehen am Inselspital optimiert. Basierend auf der aktuellen Literatur sowohl in Bezug auf Sprachdiagnostik im Allgemeinen wie auch in Bezug auf Diagnostik bei Wach-Kraniotomien sowie basierend auf der klinischen Expertise und den Bedürfnissen des Inselspitals wurde ein neues testdiagnostisches Vorgehen erarbeitet. Es handelt sich dabei um ein ICF-orientiertes Vorgehen, welches auf alltagsnahe Art und Weise alle sprachlichen Modalitäten auf Textebene untersucht, dabei aber ergänzt wurde durch besonders sensitive Funktionstestungen. Diese deutschsprachige Pilotversion kann ab sofort für die prä- und postoperativen Testungen eingesetzt werden und soll im Verlauf weiter optimiert werden.

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Studiengang Logopädie Masterarbeit Das Berner Sprach-Assessment (BeSA): Pilotversion eines ICF-orientierten Diagnostikinstruments zur präund postoperativen Evaluation der Sprache Bild: Eigenes Foto Eingereicht von: Corina Wyss Lena Hostettler Begleitperson: Dr. phil. Erika Hunziker Zweite Fachperson: MA Marie Bosch Datum der Abgabe: 20.04.2025 Abstract 2 Abstract Wie in vielen anderen Kliniken sind Logopädinnen und Logopäden am Inselspital in prä-, intraund postoperative sprachliche Testungen im Rahmen von Wachkraniotomien involviert. Besonders bezüglich der präund postoperativen Testungen fehlen Empfehlungen dazu, wann diese Testungen in welcher Form durchgeführt werden sollten. In der vorliegenden Arbeit wurde das aktuelle präund postoperative testdiagnostische Vorgehen am Inselspital optimiert. Basierend auf der aktuellen Literatur sowohl in Bezug auf Sprachdiagnostik im Allgemeinen wie auch in Bezug auf Diagnostik bei Wach-Kraniotomien sowie basierend auf der klinischen Expertise und den Bedürfnissen des Inselspitals wurde ein neues testdiagnostisches Vorgehen erarbeitet. Es handelt sich dabei um ein ICF-orientiertes Vorgehen, welches auf alltagsnahe Art und Weise alle sprachlichen Modalitäten auf Textebene untersucht, dabei aber ergänzt wurde durch besonders sensitive Funktionstestungen. Diese deutschsprachige Pilotversion kann ab sofort für die präund postoperativen Testungen eingesetzt werden und soll im Verlauf weiter optimiert werden. Schlagwörter: Wach-Operation, Wach-Kraniotomie, Aphasie, Tumor, Gliome, Sprache Hinweis zur Lesbarkeit: In der vorliegenden Masterarbeit wird ein medizinisch-fachlich hochkomplexes Thema behandelt. Daher sollen die enthaltenen Texte möglichst verständlich formuliert sein. Wir verzichten daher auf Genderzeichen und Paarformen zur expliziten Nennung der Geschlechter. Wenn möglich werden genderneutrale Formen gewählt. Ist dies nicht möglich, wird zur Bezeichnung von Gesundheitsfachpersonal die feminine Form verwendet, da der Frauenanteil bei Beschäftigten in Spitälern höher ist als der Männeranteil (Bundesamt für Statistik, 2024). Da Männer signifikant häufiger von Tumoren des Gehirns betroffen sind im Vergleich zu Frauen (Bundesamt für Statistik, n. d.), wird zur Bezeichnung von Betroffenen die männliche Form verwendet. In beiden Fällen ist die Bezeichnung generisch zu verstehen. Inhaltsverzeichnis 3 Inhaltsverzeichnis Abbildungsund Tabellenverzeichnis ....................................................................................... 6 Glossar ..................................................................................................................................... 7 1 Einleitung .......................................................................................................................... 8 1.1 Hintergrund ............................................................................................................... 8 1.2 Problemstellung ........................................................................................................ 9 1.3 Zielsetzung und Fragestellung ............................................................................... 10 1.4 Methodik ................................................................................................................. 11 1.5 Begriffsklärung ........................................................................................................ 11 2 Diagnostik in der Logopädie ........................................................................................... 13 2.1 Funktion – Aktivität – Partizipation ......................................................................... 13 2.2 Syndromorientierte Diagnostik – Modellorientierte Diagnostik ............................... 15 2.3 Orientierende Diagnostik – Psychometrische Diagnostik ....................................... 16 2.4 Spezialfall Diagnostik bei Tumorpatienten ............................................................. 18 3 Kriterien für die präund postoperative Diagnostik am Inselspital ................................. 21 3.1 Sensitives Assessment ........................................................................................... 21 3.2 Umfassendes Assessment ..................................................................................... 22 3.3 Vergleichbares Assessment ................................................................................... 22 3.4 Zeitökonomisches Assessment .............................................................................. 23 3.5 Übersicht der Kriterien ............................................................................................ 24 4 Entwicklung von BeSA: Was wird untersucht? ............................................................... 27 4.1 Diagnostikverfahren für die perioperative Testung ................................................. 27 4.1.1 DuLIP .............................................................................................................. 27 4.1.2 DIMA ............................................................................................................... 28 4.1.3 MIBIB .............................................................................................................. 29 4.1.4 BLAST ............................................................................................................ 30 4.1.5 VAN-POP ........................................................................................................ 31 Inhaltsverzeichnis 4 4.1.6 MULTIMAP ..................................................................................................... 31 4.1.7 Abgleich der Verfahren mit den Kriterien des Inselspitals .............................. 32 4.2 Verfahren mit potenziell hoher Sensitivität ............................................................. 33 4.2.1 Benennen ....................................................................................................... 33 4.2.2 Fluency ........................................................................................................... 36 4.2.3 Token Test ...................................................................................................... 39 4.2.4 Weitere Subtests ............................................................................................ 40 4.3 Architektur von BeSA ............................................................................................. 43 5 Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? ................................................................ 46 5.1 Mündliche Sprachproduktion auf Textebene .......................................................... 46 5.1.1 Material und Durchführung ............................................................................. 47 5.1.2 Auswertung ..................................................................................................... 48 5.2 Schriftliche Sprachproduktion auf Textebene ......................................................... 50 5.2.1 Material und Durchführung ............................................................................. 50 5.2.2 Auswertung ..................................................................................................... 51 5.3 Auditives Sprachverständnis auf Textebene .......................................................... 52 5.3.1 Material und Durchführung ............................................................................. 52 5.3.2 Auswertung ..................................................................................................... 54 5.4 Lesen und Lesesinnverständnis auf Textebene ..................................................... 54 5.4.1 Material und Durchführung ............................................................................. 55 5.4.2 Auswertung ..................................................................................................... 57 5.5 Benennen ............................................................................................................... 57 5.5.1 Material und Durchführung ............................................................................. 58 5.5.2 Auswertung ..................................................................................................... 60 5.6 Fluency ................................................................................................................... 60 5.6.1 Material und Durchführung ............................................................................. 61 5.6.2 Auswertung ..................................................................................................... 62 5.7 Token Test .............................................................................................................. 62 Inhaltsverzeichnis 5 5.7.1 Material und Durchführung ............................................................................. 62 5.7.2 Auswertung ..................................................................................................... 63 5.8 Kommunikative Partizipation .................................................................................. 63 5.8.1 Entwicklung der Fragebogen-Items ................................................................ 64 5.8.2 Fragebogen-Design und Durchführung .......................................................... 66 5.8.3 Auswertung ..................................................................................................... 68 5.9 Übersicht der berücksichtigten Kriterien ................................................................. 68 6 Entwicklung von BeSA: Wann wird untersucht? ............................................................ 71 7 Ergebnisse und Diskussion ............................................................................................ 73 8 Limitationen und Ausblick ............................................................................................... 76 9 Literaturverzeichnis ........................................................................................................ 80 Anhang A: Assessment-Unterlagen: Handanweisung ........................................................... 99 Anhang B: Assessment-Unterlagen: Tabellen zur qualitativen Fehlerbeurteilung ............... 106 Anhang C: Assessment-Unterlagen: Protokollbogen ........................................................... 113 Anhang D: Assessment-Unterlagen: Befundbogen ............................................................. 128 Anhang E: Überblick verschiedener Untersuchungsverfahren ............................................ 129 Anhang F: Entwicklungsschritte Fragebogen ....................................................................... 139 Anhang G: Pilotierung Riedel-Texte ..................................................................................... 145 Anhang H: Tabellarische Übersicht der Limitationen ........................................................... 146 Anhang I: Lizenzen der Abbildungen ................................................................................... 149 Danksagung ......................................................................................................................... 155 Selbstständigkeitserklärung ................................................................................................. 156 Abbildungsund Tabellenverzeichnis 6 Abbildungsund Tabellenverzeichnis Abbildungsverzeichnis Abbildung 1. Untertests von DuLIP ........................................................................................ 28 Abbildung 2. Untertests von DIMA ......................................................................................... 29 Abbildung 3. Übersicht: Was testet BeSA? ............................................................................ 45 Abbildung 4. Übersicht: Was testet BeSA? ............................................................................ 74 Tabellenverzeichnis Tabelle 1. Übersicht der Kriterien für BeSA ........................................................................... 25 Tabelle 2. Abgleich der internationalen Verfahren mit den BeSA-Kriterien ........................... 32 Tabelle 3. Übersicht und Abgleich mit BeSA-Kriterien: Was wird getestet? .......................... 44 Tabelle 4. BeSA-Kriterien zur Beantwortung der Frage: Wie wird untersucht? ..................... 46 Tabelle 5. Übersicht über BeSA und Abgleich mit den Kriterien ............................................ 70 Tabelle 6. Übersicht der Kriterien für BeSA ........................................................................... 76 Glossar 7 Glossar DES Direkte Elektrostimulation: Methode zur intraoperativen Lokalisierung von Hirnfunktionen. Das Operationsgebiet wird dazu gezielt mithilfe einer Sonde mit Mikrostrom stimuliert. Fasciculus arcuatus Sprachrelevanter Fasertrakt im Gehirn Fibertracking Auch: Diffusions-Tensor-Bildgebung. Magnetresonanztomografisches Verfahren zur bildlichen Darstellung von Faserverbindungen im Gehirn zwischen verschiedenen Arealen. Lesion Network Mapping Technik, bei der Symptome nach Hirnverletzungen nicht einzelnen Hirnregionen zugeordnet, sondern im Rahmen neuroanatomischer Netzwerke analysiert werden. MLUw Mean Length of Utterance in words. Das Mass beschreibt die durchschnittliche Anzahl Wörter pro Äusserung. nTMS Navigierte transkranielle Magnetstimulation: Nicht-invasives Verfahren zur Kartierung von Hirnarealen präoperativ intraoperativ postoperativ perioperativ Phase vor einer Operation Phase während einer Operation Phase nach einer Operation Phase vor, während und nach einer Operation TTR Type Token Ratio. Mass für die Diversität des Wortschatzes in einem Text. Dabei wird die Zahl der Wörter mit der Zahl verschiedener Wörter eines Textes in Relation gesetzt. WHO IV Tumorgrad gemäss der Klassifikation von primären Hirntumoren der Weltgesundheitsorganisation. Mit einem Grad IV wird ein hochmaligner, also besonders bösartiger und schnell wachsender Tumor bezeichnet. Einleitung 8 1 Einleitung Im nachfolgenden ersten Unterkapitel wird in das Thema der präund postoperativen Diagnostik bei Wach-Kraniotomien eingeführt. Diesen Ausführungen zum Hintergrund folgen die Problemstellung und Fragestellung der vorliegenden Arbeit. Weiter wird die Methodik beschrieben, gefolgt von einem Kapitel zur Begriffsklärung. 1.1 Hintergrund Hirntumore in der Nähe von sprachrelevanten neuroanatomischen Strukturen werden oft im Rahmen von Wachoperationen entfernt (Seidel, Schucht & Raabe, n.d.). Spezialistinnen wie Sprachtherapeutinnen sollten dabei vor, während und nach der Wachkraniotomie involviert sein (National Institute for Health and Care Excellence, 2021). Präoperativ besteht im Bereich der Logopädie das Ziel einer sprachlichen Baseline-Erhebung (Kabir, Jahangiri, Rinesmith, Vilches & Chakarvarty, 2023). Basierend darauf ermöglicht eine postoperative Diagnostik den Vergleich der sprachlichen Befunde zwischen den zwei Untersuchungszeitpunkten (Bilotta et al., 2014). Dadurch kann die präund postoperative Diagnostik Hinweise auf allfällige während der Operation verletzte neuroanatomische Strukturen geben (Bonifazi et al., 2020). Gleichzeitig kann aus den Ergebnissen der postoperativen Untersuchung abgeleitet werden, ob eine weitere sprachtherapeutische Behandlung nötig ist (Lerch, 2020). Finden präund postoperative Abklärungen nicht statt, kann dies zu verpassten Diagnosen führen und damit dazu, dass sprachliche Schwierigkeiten nicht behandelt werden (Weiss Lucas et al., 2024). Das kann Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten haben (Leonetti et al., 2021; Neumann et al., 2019). Sowohl O’Neill, Henderson, Duffy & Kernohan (2020) wie auch De Witte & Mariën (2013) konnten zeigen, dass in sehr vielen Institutionen vor und nach Wachkraniotomien sprachliche Abklärungen durchgeführt werden. Es wird dabei jedoch eine Fülle an verschiedenen standardisierten wie auch informellen Untersuchungsverfahren verwendet. Ein Protokoll, welches Aufgaben zu verschiedenen linguistischen Parametern vorschlägt, ist das Testverfahren DuLIP (De Witte et al., 2015). Das Verfahren kann prä-, intraund postoperativ eingesetzt werden und überprüft die Phonologie, Semantik, Syntax und Artikulation. Es soll Aufschluss darüber geben, ob präoder postoperativ sprachliche Defizite vorliegen (ebd.). Um auch leichte sprachliche Defizite feststellen zu können, wurde basierend auf DuLIP das Verfahren DIMA entwickelt, welches den Fokus auf komplexere Testungen legt (Satoer et al., 2022). Papagno et al. (2012) entwickelten mit MIBIB eine Batterie zur neuropsychologischen präund postoperativen Abklärung, welche unter anderem sprachliche Aufgaben enthält. Insgesamt zeigt sich, dass in der Literatur kaum Einigkeit darüber herrscht, welche Untersuchungsverfahren für die präund postoperativen sprachlichen Abklärungen genutzt Einleitung 9 werden sollen. Aufgrund dessen wurden in einem Vorprojekt zur Masterarbeit mithilfe von Expertinnenbefragungen die unterschiedlichen Vorgehensweisen an 19 Kliniken im DACHRaum erfasst (Wyss & Hostettler, 2024). Auch hier zeigte sich, dass zwar in fast allen Kliniken eine präund postoperative Diagnostik durchgeführt wird, die Vorgehen sich jedoch stark unterscheiden: Die meisten Institutionen haben eigene Verfahren zusammengestellt, welche teilweise aus psychometrischen Tests, jedoch auch aus kursorischen Aufgaben bestehen. Dabei herrscht keine Einigkeit darüber, welche sprachlichen Funktionen zu welchem Zeitpunkt und in welcher Form getestet werden sollen. Die Angaben zu den Gründen für die Auswahl bestimmter Diagnoseverfahren zeigen, dass das präund postoperative sprachliche Assessment vor allem zeitökonomisch, intraindividuell vergleichbar und umfassend sein sollte. Was konkret unter diesen Kriterien verstanden und wie sie gewichtet wurden, war wiederum von Klinik zu Klinik unterschiedlich. 1.2 Problemstellung Dieses Problem des fehlenden Konsenses in der Literatur und unter Expertinnen zeigt sich auch im derzeitigen Vorgehen der präund postoperativen Sprachdiagnostik am Inselspital. In Ermangelung von klaren Guidelines wurde ein eigenes diagnostisches Vorgehen zusammengestellt. Dieses wurde durch das Logopädie-Team entwickelt und ist daher geprägt von den logopädischen Zielsetzungen und Anforderungen. So wird die Diagnostik individuell an den Patienten angepasst und der Schwerpunkt liegt auf möglichst alltagsnahen Aufgabenstellungen. Durch dieses Vorgehen und eine deskriptive Auswertung können eine Charakterisierung des Störungsbildes, eine Einschätzung des Schweregrads bezogen auf Aktivität und Partizipation sowie Hinweise auf therapeutische Ansatzpunkte und Ressourcen erfolgen. Aus logopädischer Sicht sind damit die wichtigsten Ziele der Diagnostik erreicht (Rausch, Thelen & Beudert, 2014). Ein solches Vorgehen hat jedoch den Nachteil, dass es wenig standardisiert ist. Je nach Alter, Bildungsniveau oder Sprachaffinität des Patienten werden andere Instrumente angewandt. Zudem handelt es sich oft nicht um standardisierte Testverfahren und die Beurteilung ist abhängig von der Untersucherin. Dies hat zur Folge, dass die Sprachdiagnostik die Anliegen der ärztlichen Kolleginnen nur unzureichend erfüllt. Diese beziehen sich vor allem auf eine möglichst objektive und einfache Evaluation der Operation, einerseits für die interne Qualitätskontrolle, andererseits für die Publikation von Ergebnissen in Studien. Präund postoperative Diagnostik besteht dafür idealerweise aus standardisierten Testungen und quantitativen Verfahren auf Funktionsebene, welche zu definierten Zeitpunkten durchgeführt werden. Die Diagnostik am Inselspital erfolgt aktuell nicht zu einem festgelegten Zeitpunkt. Zusätzlich ist das aktuelle Vorgehen am Inselspital wenig standardisiert und damit sowohl bei der Auswahl und Durchführung der Verfahren wie auch bei der Bewertung stark von der jeweiligen Logopädin abhängig. Mit dem Token Test (Huber, Weniger, Poeck & Willmes, 1983) und dem Untertest Mündliches Benennen aus der Diagnostik in der Logopädie 16 kognitiven Psychologie und experimentellen Psycholinguistik zur Entstehung des sogenannten Einzelfallansatzes (Schneider et al., 2021). Der Einzelfallansatz interpretiert aphasische Symptome im Rahmen von psycholinguistischen Wortverarbeitungsmodellen (Beushausen & Grötzbach, 2019). Die Grundlage dieser modellorientierten Verfahren sind somit Sprachverarbeitungsmodelle. Die Sprachstörung wird anhand von gestörten Sprachverarbeitungsprozessen in einem Sprachverarbeitungsmodell definiert. Im Gegensatz zum Syndromansatz steht der Patient als Einzelfall mit seinem ganz spezifischen Störungsmuster im Vordergrund (Eibl, 2023). Ziel ist es, die gestörten und ungestörten sprachlichen Verarbeitungsprozesse einer aphasischen Person möglichst genau zu erfassen (Schneider et al., 2021). Die zugrundeliegende Störung in der Sprachverarbeitung kann analysiert und die spezifischen Komponenten und Routen erfasst werden (Bilda, 2022). Dabei werden oft nicht nur quantitative Aspekte wie Fehleranzahl und Schweregrad beachtet, sondern auch qualitative Merkmale der Symptomatik, wie beispielsweise eine Zugriffsoder Repräsentationsstörung. Die Ergebnisse werden dann im zugrundeliegenden Modell eingeordnet (Eibl, 2023). Die modellorientierte Testung im Einzelfallansatz ermöglicht eine Beschreibung von einzelnen Modalitäten bei Störungen der Wortverarbeitung sowie die Ableitung konkreter therapeutischer Interventionen (Beushausen & Grötzbach, 2019). Der syndromorientierte oder modellorientierte Ansatz bilden die theoretische Grundlage verschiedener Tests (Beushausen & Grötzbach, 2019). So klassifiziert beispielsweise der Aachener Aphasie-Test (AAT, Huber, Weniger, Poeck & Willmes, 1983) nach Syndromen, während das testtheoretische Modell der Testbatterie LEMO (Lexikon modellorientiert; Stadie, Cholewa & De Bleser, 2013) der modellorientierte Einzelfallansatz ist (Nobis-Bosch et al., 2013). Für eine Beschreibung dieser Verfahren siehe Anhang E. 2.3 Orientierende Diagnostik – Psychometrische Diagnostik In der Literatur werden verschiedene Terminologien genutzt, um die unterschiedlichen Testverfahren basierend auf deren Eigenschaften zu beschreiben. Beushausen & Grötzbach (2019) sprechen von informellen Prüfverfahren, welche in der Vergangenheit vorwiegend eingesetzt wurden, im Gegensatz zu standardisierten und normierten Testverfahren, welche in den letzten Jahren vermehrt entstanden. Eibl (2023) unterscheidet informelle Screeningverfahren und formelle Testund Screeningverfahren. Nobis-Bosch et al. (2013) beschreiben informelle Verlaufsbeschreibungen, Screeningverfahren und psychometrisch abgesicherte Tests. Grande & Hußmann (2016) unterscheiden informelle Verfahren sowie standardisierte und normierte Testverfahren. Grötzbach & Spitzer (2023) unterscheiden die orientierende Diagnostik und die psychometrisch abgesicherten Tests. In der Diagnostik in der Logopädie 17 Zusammenschau zeigt sich, dass nicht alle Autorinnen und Autoren dieselben Gruppierungen von Testverfahren vornehmen oder dieselben Terminologien nutzen. In der vorliegenden Arbeit wird für die theoretische Auseinandersetzung mit der logopädischen Diagnostik zwischen den beiden Hauptgruppen der psychometrischen und der orientierenden Diagnostik unterschieden. Orientierende, informelle (Screening)-Verfahren sollen einen groben Überblick über die Störung geben (Eibl, 2023). Sie verschaffen schnell einen Eindruck über erhaltene und beeinträchtigte Fähigkeiten (Grötzbach & Spitzer, 2023). Sie sind häufig durch die einzelne Therapeutin zusammengestellt oder liegen als hausinterner Standard vor (Eibl, 2023; Grande & Hußmann, 2016). Es sind Aufgabensammlungen, deren diagnostischer Wert noch nicht überprüft ist. Sie sind auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten und beruhen oft auf persönlicher Erfahrung, sind nur wenigen bekannt und es ist für Nichteingeweihte kaum möglich, die Diagnosegrundlage nachzuvollziehen (Grande & Hußmann, 2016). Diese eher orientierende Diagnostik lässt sich sehr gut an die individuelle Situation des Patienten anpassen und kann ohne Beachtung von Kriterien verändert werden, wenn Patienten unteroder überfordert sind (Grötzbach & Spitzer, 2023). Nachteile sind, dass die Diagnostik den Anspruch eines wissenschaftlichen Nachweises nicht erfüllt, da die psychometrische Absicherung fehlt. Zudem ist es nur schwer möglich, die Leistungen von Patienten untereinander zu vergleichen. Intraindividuell ist der Vergleich zwischen präund postoperativen Resultaten der Tendenz nach möglich, lässt sich jedoch nicht statistisch abgesichert interpretieren (ebd.). Im Gegensatz dazu stehen die standardisierten und normierten Tests. Sie bestehen aus strukturierten Testaufgaben und Bewertungsskalen. Ihre Durchführung und Bewertung sind genau definiert und die Testgütekriterien der Objektivität, Reliabilität und Validität sind wissenschaftlich belegt (Bilda, 2022). Sie erfassen somit sprachliche Funktionsstörungen unter psychometrischer Absicherung und lassen Vergleiche zu (Grötzbach & Spitzer, 2023). Das normierte Testverfahren liefert ein valides Ergebnis, welches über das Vorliegen einer Aphasie informiert. Teilweise können solche Verfahren Auskunft über das Vorliegen bestimmter Syndrome oder Störungsschwerpunkte geben. Teilweise wird die Leistung in mehreren Modalitäten und auf verschiedenen linguistischen Ebenen getestet, teilweise sind differenziertere Verfahren auf nur eine Modalität ausgerichtet (Grande & Hußmann, 2016). Psychometrische Diagnostik bringt verschiedene Vorund Nachteile mit sich. Zu den Vorteilen gehört die erwähnte psychometrische Absicherung oder die Möglichkeit zu Vergleichen: Ein Einzelergebnis lässt sich, je nach vorhandenen Normen, mit einer Gruppe von gesunden oder ähnlich beeinträchtigten Personen vergleichen (Grötzbach & Spitzer, Diagnostik in der Logopädie 18 2023). Die Ergebnisse sind in der Regel valide und reliabel sowie objektiv interpretierbar. Dadurch werden Messund Interpretationsfehler minimiert (Beushausen & Grötzbach, 2019). Weiter erlauben diese Verfahren eine Aussage darüber, ob im Testsinne eine Sprachstörung vorliegt oder nicht. Dabei helfen statistische Vergleichswerte wie Prozentränge und T-Werte. Diese objektivieren die subjektiv variierenden Einschätzungen dazu, was eine Sprachstörung ist und was nicht (ebd.). Mit vielen der standardisierten Verfahren sind psychometrisch abgesicherte Verlaufskontrollen möglich, weil sie wiederholt durchgeführt werden können. Auch als Argument für Kostenträger können diese Verfahren gelten. Je nach Verfahren geben sie zudem einen systematischen und vollständigen Überblick über erhaltene und beeinträchtigte sprachliche Fähigkeiten, so dass Ressourcen und Therapieschwerpunkte abgeleitet werden können (Grötzbach & Spitzer, 2023). Zu den Nachteilen der standardisierten Diagnostik gehört, dass sie oft nicht die Beeinträchtigung von sprachlichen Aktivitäten erfasst (Grötzbach & Spitzer, 2023). Es fehlt die ökologische Validität, also der Zusammenhang zwischen den Ergebnissen der Tests und den unter Alltagsbedingungen vorhandenen Fähigkeiten (Lange et al., 2010). Die Kommunikationssituationen finden in einem künstlichen Rahmen statt, so dass Rückschlüsse von den Testleistungen auf die tatsächlichen sprachlichen Leistungen im Alltag nicht immer verlässlich sind (Beushausen & Grötzbach, 2019). Die Durchführung und Auswertung der standardisierten Diagnostik ist oft zeitintensiv (Grötzbach & Spitzer, 2023). Weiter muss beachtet werden, dass je nach Verfahren nur ausgewählte Aspekte sprachlicher Fähigkeiten überprüft werden. 2.4 Spezialfall Diagnostik bei Tumorpatienten Über verschiedene Institutionen hinweg herrscht grundsätzlich Einigkeit, dass die Sprachfunktionen von Patienten im Kontext von Wach-Kraniotomien getestet werden sollten (Sierpowska et al., 2022). Outcome-Masse wie das progressionsfreie Überleben liefern zwar wichtige Informationen, geben aber nicht automatisch Auskunft über die klinische Situation des Patienten. Auch die körperlichen Funktionen der Patienten und deren Fähigkeit, den Alltag zu bewältigen, spiegeln nicht automatisch den kognitiven Status wider. Dazu braucht es kognitive und sprachliche Testungen (Taphoorn & Klein, 2004). Eine präund postoperative Diagnostik bei Tumorpatienten ist aus verschiedenen Gründen sinnvoll. Die Erhebung der präoperativen aphasischen Symptomatik kann eine prognostische Relevanz haben, da diese mit postoperativen aphasischen Defiziten assoziiert wird (Ilmberger et al., 2008). Zudem gibt der Vergleich der präoperativen Untersuchung mit der postoperativen Untersuchung ein komplettes Bild der funktionalen Konsequenzen der Operation (Herbet, Rigaux-Viodé & Moritz-Gasser, 2017). Es können so Sprachveränderungen erhoben werden, welche durch die Operation hervorgerufen wurden (Miceli, Capasso, Monti, Santini & Talacchi, 2012). Die sprachliche Abklärung kann weiter die neurochirurgischen Techniken Diagnostik in der Logopädie 19 verbessern und potenzielle Effekte der Radiound Chemotherapie aufzeigen (Papagno et al., 2012). Die Untersuchung der kognitiven Fähigkeiten kann zudem die klinische Entscheidungsfindung unterstützen, beispielsweise die Entscheidung für oder gegen eine chirurgische Intervention (Loon et al., 2015). Zudem können basierend auf den Befunden der postoperativen Abklärung Indikationen für die Rehabilitation abgeleitet werden (Herbet et al., 2017; Loon et al., 2015; Miceli et al., 2012). Dennoch zeigt sich im Alltag die Unterdiagnostizierung und Unterbehandlung von Sprachund Sprechstörungen als substanzielles Problem und subtile Defizite in der Kommunikation werden oft übersehen (Weiss Lucas et al., 2024). Bei der sprachlichen Abklärung gilt es verschiedene Besonderheiten zu beachten. Die Evaluation der neurokognitiven Defizite erlaubt es, subtile Defizite festzustellen, welche in einer gewöhnlichen neurologischen Untersuchung übersehen werden könnten (Duffau, 2014; Påhlson, Ek, Ahlström & Smits, 2003). Im Vergleich zwischen Tumorpatienten und Schlaganfallpatienten zeigen sich auch bei ähnlichen Läsionen oft grosse Unterschiede der neuropsychologischen und sprachlichen Störungen. Der Schweregrad ist bei Tumorpatienten oft weniger stark ausgeprägt und die Störungsbilder variieren stärker (Anderson, Damasio & Tranel, 1990). Es kann zu eher ungewöhnlichen alleinstehenden oder kombinierten Funktionsdefiziten kommen (Miceli et al., 2012). Dies lässt sich dadurch erklären, dass Tumore das Hirngewebe infiltrieren oder verschieben können, ohne es zu zerstören, so dass die neurologischen Funktionen teilweise erhalten bleiben (Anderson et al., 1990). Daraus ergeben sich verschiedene Implikationen für die präund postoperative Diagnostik: Die Untersuchung muss gründlich sein und alle Aspekte der Sprache abdecken. Es geht nicht nur darum, festzustellen, ob eine Aphasie vorliegt oder nicht, sondern es geht ebenfalls darum, die Schädigungen am Sprachsystem detailliert festzuhalten (Miceli et al., 2012). Um Defizite zu erkennen, könnte es sinnvoll sein, höhere sprachliche Funktionen zu testen (Malin Antonsson et al., 2018). Es braucht also eine sensitive Diagnostik. Geläufige Standardbatterien zur Diagnostik von Aphasien scheinen aus diesen Gründen für die Diagnostik bei Tumorpatienten nicht passend (Malin Antonsson et al., 2018; Finch & Copland, 2014; Papagno et al., 2012). Es ist davon auszugehen, dass diese nicht in der Lage sind, die eher subtilen Sprachschwierigkeiten von Tumorpatienten adäquat zu erfassen (Finch & Copland, 2014). Insbesondere am unteren Ende der Skala müssen die Verfahren sensitiv genug sein, um auch geringe Verschlechterungen abbilden zu können (Taphoorn & Klein, 2004). Taphoorn & Klein (2004) empfehlen weiter, dass die Verfahren valide und reliabel sein sollten. Zudem sollten für die mehrmaligen Untersuchungszeitpunkte präund postoperativ Parallelversionen vorhanden sein (Miceli et al., 2012; Taphoorn & Klein, 2004). Diagnostik in der Logopädie 20 Weiter stellt sich die Frage, ob in Abhängigkeit von der Tumorlokalisation spezifische Aufgaben ausgewählt werden sollten. Gleichzeitig muss bedacht werden, dass die Plastizität des Gehirns verändert, was wir über anatomisch-klinische Korrelationen wissen (Papagno et al., 2012). Insgesamt hängt die Auswahl der Verfahren auch von deren Ziel ab. Geht es beispielsweise um die Datensammlung für Forschungszwecke, eignen sich eher umfassende, psychometrisch abgesicherte Tests anstelle von individualisierten Verfahren, da so sehr viele Informationen in standardisierter Weise erfasst werden können. Solche Batterien können für Tumorpatienten aber ermüdend sein (Taphoorn & Klein, 2004). Dies ist eine weitere Besonderheit bei der Diagnostik von Tumorpatienten: Diese leiden oft unter der psychoonkologischen Belastung und müssen gleichzeitig einen anspruchsvollen Behandlungsplan über sich ergehen lassen. Dies kann zu einem Dilemma führen: Die Teilnahme an Untersuchungen kann für belastete Patienten eine Herausforderung sein. Gleichzeitig ist die zeitnahe Erfassung von Kommunikationsdefiziten elementar, um den Therapiebedarf zu erfassen. Aus nicht erfolgten Untersuchungen können verpasste Diagnosen resultieren, was dazu führt, dass sprachliche Schwierigkeiten nicht behandelt werden (Weiss Lucas et al., 2024). Dies kann Auswirkungen auf die Stimmung und die Lebensqualität der Patienten haben (Leonetti et al., 2021; Neumann et al., 2019). Insgesamt ist zu beachten, dass die Existenz von Strukturen zur Gesundheitsversorgung und die Durchführung von beispielsweise neurokognitiven Untersuchungen nicht per se zu einer verbesserten Behandlungsqualität führen. Dazu muss die Durchführung mit einer adäquaten Interpretation der Resultate einhergehen und mit einer zeitgerechten Initiierung von passenden Massnahmen (Weiss Lucas et al., 2021). Kriterien für die präund postoperative Diagnostik am Inselspital 21 3 Kriterien für die präund postoperative Diagnostik am Inselspital Eine Literaturrecherche im Rahmen des Studienprojektes G durch Wyss & Hostettler (2024) ergab, dass allgemeingültige, konkrete Guidelines zur präund postoperativen SprachDiagnostik fehlen. In der Umfrage im Rahmen des erwähnten Projektes zeigte sich eine hohe Heterogenität in den Vorgehensweisen in den Institutionen im DACH-Raum. Zudem unterschieden sich die befragten Institutionen in ihren Rahmenbedingungen stark. In Anbetracht dessen und der erwähnten Ermangelung von allgemeingültigen, konkreten Guidelines, erscheint eine Einigung auf ein klinikübergreifendes Vorgehen daher auch in Zukunft nicht realistisch. Aus der Befragung ging jedoch hervor, dass der Wunsch nach einer umfassenden, vergleichbaren und zeitökonomischen präund postoperativen Diagnostik besteht. Was unter diesen Punkten genau verstanden wurde, differierte von Institution zu Institution oder blieb unklar. Für die Entwicklung von BeSA müssen zunächst die Kriterien definiert werden, welche die präund postoperative Diagnostik aus logopädischer und ärztlicher Sicht am Inselspital zu erfüllen hat. Hierzu fand ein Austausch zwischen Neurochirurgie und Logopädie statt, dessen Ergebnis im nachfolgenden Kapitel dargestellt wird. Die aus der Umfrage abgeleiteten Merkmale «umfassend», «vergleichbar» und «zeitökonomisch» wurden als Kriterien für den Standort Inselspital übernommen. Ausserdem ergab sich in der Diskussion mit der Neurochirurgie die Sensitivität als weiteres zentrales Kriterium. Im Folgenden werden diese Kriterien genauer definiert. 3.1 Sensitives Assessment Die Sensitivität bezeichnet das Mass der Entdeckungsleistung eines Diagnostikinstruments (Dorsch Lexikon der Psychologie, 2021). Am Beispiel eines Aphasietests zeigt sich dessen Sensitivität am Prozentsatz der Aphasiker, welche der Test korrekt erkennen konnte. Die Sensitivität ist ein zentrales Kriterium für die perioperative Diagnostik bei Patienten mit Tumorerkrankungen. Wie bereits in Kapitel 2.4 erwähnt, handelt es sich um eine Patientengruppe, welche spezielle Ansprüche an die Sprachdiagnostik stellt. Es ist davon auszugehen, dass geläufige Standardverfahren nicht sensitiv genug sind und es zu Deckeneffekten kommt. Es muss daher bei der Auswahl von Diagnostikinstrumenten auf Funktionsebene besonders darauf geachtet werden, welche Verfahren bei Tumorpatienten sprachliche Defizite sensitiv erfassen können. Erschwerend kommt hinzu, dass nebst unterschiedlichen Arten und Schweregraden von sprachlichen Beeinträchtigungen, auch interindividuelle Unterschiede bezüglich des prämorbiden Sprachniveaus bestehen. Um eine hohe Sensitivität der Diagnostik bei allen Patienten zu erreichen, muss die Möglichkeit bestehen, die Komplexität des Testmaterials individuell anzupassen, insbesondere wenn die Kriterien für die präund postoperative Diagnostik am Inselspital 22 Aktivitätsebene beurteilt werden soll. Die Sprachanforderungen des Alltags eines Patienten sollten möglichst gut abgebildet werden. 3.2 Umfassendes Assessment Patienten mit einem Hirntumor werden am Inselspital von einem interprofessionellen Team betreut. Im Rahmen von Wach-Operationen untersuchen Ärzteschaft, Neuropsychologie und Logopädie die Patienten entsprechend ihren jeweiligen Spezialisierungen. Die Logopädie ist dabei zuständig für die Untersuchung der Sprache, der Sprechplanung, des Sprechens und der Kommunikation. Aufgrund der Tumorlokalisation nahe spracheloquenter Areale in Zusammenhang mit Wach-Operationen steht bei der logopädischen Diagnostik der Bereich der Sprache klar im Vordergrund und soll möglichst umfassend abgeklärt werden. Dabei kann der Begriff «umfassend» auf verschiedenen Ebenen definiert werden. Einerseits soll eine umfassende logopädische Untersuchung am Inselspital in Zukunft alle Sprachmodalitäten beinhalten. Darunter wird neben der mündlichen Sprachproduktion und dem auditiven Sprachverständnis das Lesen und Schreiben verstanden (Grötzbach & Spitzer, 2023). Grötzbach und Spitzer (2023) listen als weitere Modalität den Umgang mit Zahlen auf. Diese Modalität wird am Inselspital durch die Neuropsychologie untersucht und muss somit nicht Teil der logopädischen Untersuchung sein. Zudem soll eine umfassende logopädische Untersuchung Beeinträchtigungen auf allen linguistischen Ebenen beschreiben. Unter den linguistischen Ebenen werden Phonologie, Morphologie, Semantik, Syntax und Pragmatik verstanden (Wehmeyer & Grötzbach, 2014). Zusätzlich ist für die Logopädie am Inselspital die Berücksichtigung der ICF zentral. Diese klassifiziert die Folgen von Krankheiten auf den Ebenen der Körperfunktion und -struktur, Aktivität und Partizipation (World Health Organization (WHO), 2002). Zusätzlich beachtet die ICF die Kontextfaktoren, welche sich zusammensetzen aus den Umweltfaktoren und den persönlichen Faktoren. Da die Kontextfaktoren im Rahmen der interprofessionellen Betreuung am Hirntumorzentrum ganzheitlich erfasst werden, müssen sie nicht Teil der spezifisch logopädischen Diagnostik sein. BeSA als umfassende logopädische Untersuchung soll die Sprache demnach auf den drei Ebenen Funktion, Aktivität und Partizipation abbilden. 3.3 Vergleichbares Assessment Unter einem vergleichbaren Assessment kann man diagnostische Verfahren verstehen, welche intraindividuelle Vergleiche oder interindividuelle Vergleiche erlauben. In Bezug auf die intraindividuelle Vergleichbarkeit ist das Ziel von BeSA, zuverlässige Vergleiche präund postoperativ ziehen zu können. Dies ist aus mehreren Gründen wichtig: Einerseits soll postoperativ der Therapiebedarf abgeschätzt werden können. Damit dies möglich ist, ist eine präoperative Baseline-Erhebung Kriterien für die präund postoperative Diagnostik am Inselspital 23 notwendig. Durch eine Wiederholung der Testung postoperativ kann ein direkter Vergleich der sprachlichen Leistung erfolgen und es ist eine Aussage dazu möglich, ob sich die sprachliche Leistung verbessert oder verschlechtert hat. Zeigt sich eine Verschlechterung, kann eine individuell an den Patienten angepasste logopädische Therapie erfolgen. Eine intraindividuell vergleichbare Testung präund postoperativ ist zudem für die Evaluation der Operation von hohem Interesse. Dabei soll für den Einzelfall eine Objektivierung des Funktionserhalts der Sprache dokumentiert werden. Zusammen mit anderen OutcomeMassen kann aus den am Standort Inselspital durchgeführten Operationen gelernt und perioperative Abläufe sowie Techniken im Sinne der Qualitätssicherung laufend verbessert werden. Das Neurochirurgie-Team des Inselspitals hat dabei auch zum Ziel, einen Beitrag zur aktuellen Forschung zu leisten. Dabei wird bei der Sammlung von Daten auf ein pragmatisches, klinikorientiertes Vorgehen gesetzt. Darunter verstehen wir, dass die Diagnostik in erster Linie klinisch sinnvoll sein und Patienten einen direkten Nutzen bringen muss. Der Einbezug von Tests, welche ausschliesslich Forschungsinteressen dienen, halten wir daher nicht für vertretbar. Eine individuelle Anpassung der Diagnostik muss daher weiterhin möglich sein. Trotzdem können beim Design von BeSA Forschungsinteressen berücksichtigt werden, was neben der intraindividuellen auch die interindividuelle Vergleichbarkeit betrifft: Ein direkter Vergleich zwischen einzelnen Patienten oder Patientengruppen ist aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen der Patienten und der unterschiedlichen Tumorlokalisationen wenig sinnvoll. Dennoch können durch festgelegte Zeitpunkte für die präund postoperative Diagnostik sowie eine Vereinheitlichung des diagnostischen Vorgehens, indem bei allen Patienten die gleichen Sprachbereiche evaluiert werden, relevante Forschungsdaten gesammelt werden. Zudem soll BeSA nach Möglichkeit sowohl quantitative als auch qualitative Daten liefern. Es ist zudem eine möglichst hohe Reliabilität der einzelnen Testverfahren anzustreben. 3.4 Zeitökonomisches Assessment Ein zeitökonomisches Assessment ist von hoher Bedeutung, weil sowohl die zeitlichen Ressourcen von Gesundheitsfachpersonen als auch von Patienten limitiert sind. Patienten sind, wie in Kapitel 2.4 ausgeführt, oft nur eingeschränkt belastbar, befinden sich in einer psychischen Ausnahmesituation und müssen sich einer Vielzahl verschiedener Untersuchungen und medizinischer Massnahmen unterziehen. Zu beachten ist, dass der präoperative Termin nicht nur die Baseline-Erhebung beinhalten muss, sondern auch die Schulung für die intraoperative Sprachstimulation. Die Erhebung und die Schulung sollten idealerweise zusammen als ein Termin bei der Logopädin erfolgen können und nicht zu lange dauern. Basierend auf Erfahrungswerten dauert die Schulung maximal 45 Minuten. Rund 15 Minuten des Termins werden für Beziehungsaufbau und Anamnese verwendet. Kriterien für die präund postoperative Diagnostik am Inselspital 24 Dauert die logopädische Diagnostik eine Stunde, können für den präoperativen LogopädieTermin zwei Stunden veranschlagt werden. Diese Zeit erscheint für die meisten Patienten zu bewältigen, ohne dass zusätzliche Pausen eingeplant werden müssten. Zudem scheint ein Zeitfenster von zwei Stunden mit den Ressourcen des Logopädie-Teams vereinbar zu sein. Die Durchführungszeit der Testungen sollte demnach 1 Stunde nicht überschreiten. Nebst dem Termin mit dem Patienten muss die Logopädin die Testungen auswerten sowie die Ergebnisse dokumentieren. Dabei handelt es sich um administrative Zeit, die aufgrund des konstanten Spardrucks im Gesundheitswesen kaum noch zur Verfügung steht und auch nur begrenzt abgerechnet werden kann. Auch das Lesen der Diagnostikergebnisse führt innerhalb des interprofessionellen Teams zu administrativem Zeitaufwand. Dabei muss berücksichtigt werden, dass ein logopädischer Bericht im Regelfall mehrere Adressatinnen mit unterschiedlichem Wissenstand bezüglich Sprache hat. Ein Bericht sollte auch für Personen ohne spezifisches Vorwissen verständlich sein und gleichzeitig alle logopädisch relevanten Informationen enthalten. Beim Design von BeSA sollte daher die im Zusammenhang mit der logopädischen Dokumentation aufzuwendende administrative Zeit für alle Beteiligten des interprofessionellen Teams möglichst geringgehalten werden. Ausschlaggebend für eine zeitökonomische Testung ist daher nicht nur die Durchführungszeit für Therapeutin und Patient, sondern auch die Auswertungs-, Dokumentationsund Lesezeit im Verhältnis zu der Menge an vermittelten Informationen für alle involvierten Fachpersonen. 3.5 Übersicht der Kriterien In der Zusammenschau, der in den vorherigen Kapiteln beschriebenen Kriterien wird deutlich, dass diese teilweise konfligieren. Bei der Entwicklung von BeSA müssen daher Kompromisse eingegangen werden. Tabelle 1 zeigt eine Übersicht der Kriterien. Einige Kriterien wirken sich vor allem auf die Architektur von BeSA aus. Damit ist der grobe Aufbau gemeint, also die Entscheidung, welche Sprachbereiche abgeklärt werden sollen. Es handelt sich dabei vereinfacht gesagt um die Frage, was getestet werden soll. Das Kriterium umfassend ist beispielsweise eines der Kriterien, welches sich auf die Architektur des Diagnostikinstruments auswirkt. Andere Kriterien bestimmen vor allem, wie die zuvor definierten Sprachbereiche abgeklärt werden sollen. Dabei geht es beispielsweise um die Auswahl von konkreten Testverfahren oder Testmaterial sowie die Art der Durchführung und Auswertung der Testung. Sehr relevant sind dabei die Merkmale unter dem Kriterium vergleichbar. Die Kriterien Zeitökonomie und Sensitivität müssen sowohl bei der Auswahl der Sprachbereiche wie auch bei deren Operationalisierung berücksichtigt werden. Kriterien für die präund postoperative Diagnostik am Inselspital 25 Tabelle 1 Übersicht der Kriterien für BeSA. Eigene Darstellung. Die Übersicht der Kriterien bietet zudem Anlass zur Überlegung, welche Art der logopädischen Diagnostik das Inselspital mit BeSA perioperativ anstrebt. Wir nehmen hierbei Bezug auf die in Kapitel 2 dargestellten Hauptkategorien der logopädischen Diagnostik im Allgemeinen. Wie aus den definierten Kriterien hervorgeht, soll sich BeSA aus mehreren Verfahren zusammensetzen, welche alle Modalitäten der Sprache auf Funktions-, Aktivitätsund Partizipationsebene abbilden (siehe Kapitel 2.1). Es handelt sich somit um eine mehrdimensionale Erfassung einer Störung oder eines Patienten in Form von Erhebungen auf verschiedenen Ebenen – deshalb erscheint der Begriff «Assessment» nach der Definition von Beushausen & Grötzbach (2019) am passendsten. Durch die limitierte Zeit und das Sprachsystem als ausgesprochen umfassenden Untersuchungsgegenstand, handelt es sich in gewissem Sinne aber auch um ein «Screeningverfahren» (ebd.). Es besteht nicht standardmässig der Anspruch, die Sprache in ihrer Gesamtheit detailliert und vollständig zu beschreiben. Stattdessen soll BeSA aus Untertests bestehen, welche zuverlässig und sensitiv sprachliche Defizite aufdecken können und Orientierung verschaffen. Dies ist insofern sinnvoll, als dass präoperativ in vielen Fällen Patienten untersucht werden, die keine offensichtlichen sprachlichen Defizite zeigen oder davon berichten. Bringt BeSA sprachliche Auffälligkeiten zum Vorschein, ist die Untersucherin angehalten, hypothesengeleitet weitere Tests auszuwählen und durchzuführen, falls durch die Standardtestung die Symptomatik Umfassend Modalitäten Mündliche Sprachproduktion Auditive Sprachrezeption Lesen Schreiben Linguistische Ebenen Phonologie Morphologie Syntax Semantik Pragmatik ICF-Ebenen Funktion Aktivität Partizipation Vergleichbar Standardisierung Testdurchführung Testauswertung Testzeitpunkte Testverfahren Quantitative Verfahren Qualitative Verfahren Reliable Verfahren Zeitökonomisch Zeit Durchführungszeit = 1 Stunde Administrative Zeit so gering wie möglich Informationsgehalt So hoch wie möglich Sensitiv Auswahl der Tests auf Funktionsebene Priorisierung von Tests mit hoher Sensitivität Komplexität Komplexität des Testmaterials anpassbar an individuelles Sprachniveau Entwicklung von BeSA: Was wird untersucht? 32 Sprachstimulation bei mehrsprachigen Patienten und im Rahmen der Forschung, um international vergleichbare Outcome-Masse anzustreben. 4.1.7 Abgleich der Verfahren mit den Kriterien des Inselspitals Es stellt sich nun die Frage, inwiefern die zuvor vorgestellten Verfahren die definierten Kriterien für die Testung am Inselspital erfüllen. Für die Entwicklung der Architektur von BeSA sind die Merkmale der Kriterien umfassend und sensitiv relevant sowie die Durchführungszeit unter dem Kriterium zeitökonomisch. Die untenstehende Tabelle 2 zeigt, wie die beschriebenen Verfahren in Bezug auf diese Kriterien abschneiden. Tabelle 2 Abgleich der internationalen Verfahren mit den BeSA-Kriterien. Eigene Darstellung. DuLIP DIMA MIBIB BLAST VANPOP MultiMAP Umfassend Modalitäten Mündliche Sprachproduktion ü ü ü ü ü ü Auditive Sprachrezeption ü ü ü ü — — Lesen ü ü — ü — — Schreiben — — — — — — Linguistische Ebenen Phonologie ü ü ü ü ü ü Morphologie ü ü ü — ü ü Syntax ü ü ü — — — Semantik ü ü ü ü ü ü Pragmatik — — — — — — ICF-Ebenen Funktion ü ü ü ü ü ü Aktivität — — — — — — Partizipation — — — — — — Zeitökonomisch Zeit Durchführungszeit = 1h o.A. 15-20 Min. 1.5-2h. Kurzversion: 1h o.A. o.A. o.A. Sensitiv Auswahl der Tests auf Funktionsebene Priorisierung von Tests mit hoher Sensitivität — ü* ü* — ü* ü* Komplexität Testmaterial anpassbar an individuelles Sprachniveau — — — — — — Anmerkungen: o.A. = ohne Angabe. ü * = gemäss Angabe der Autorinnen. DuLIP und DIMA orientieren sich in ihrem Aufbau an den linguistischen Ebenen, wobei nebst Phonologie, Semantik, Morphologie und Syntax auch Benennen, Sprechen und Sprechplanung dazugezählt werden. Die Pragmatik wird nicht berücksichtigt. MIBIB und BLAST sind grundlegend anders aufgebaut, lassen jedoch auch Aussagen zu den linguistischen Ebenen zu, ausgenommen der Pragmatik und bei BLAST der Syntax und Morphologie. Bezogen auf die Modalitäten bilden DuLIP, DIMA, BLAST und MIBIB das Entwicklung von BeSA: Was wird untersucht? 33 Schreiben nicht ab. Die Modalitäten «mündliche Sprachproduktion» und «auditive Sprachrezeption» werden auf Wortoder Satzebene abgebildet. Das Lesen wird bei MIBIB nicht standardmässig abgeklärt, während es bei den anderen Verfahren enthalten ist. Die Verfahren VAN-POP und MULTIMAP sind reine Benenntests und haben nicht den Anspruch, umfassend zu sein. Sie bilden die mündliche Sprachproduktion auf Wortebene ab und lassen Rückschlüsse auf die linguistischen Ebenen der Phonologie, Semantik und Morphologie zu. So unterschiedlich die verschiedenen Verfahren sind, haben sie doch alle eine funktionsorientierte Herangehensweise gemeinsam. Die Ebenen Aktivität und Partizipation werden nicht berücksichtigt und die Auswirkungen allfälliger Funktionsdefizite auf den Alltag werden somit nicht objektiviert. Keines der beschriebenen Verfahren erfüllt somit das Kriterium umfassend gemäss der Definition am Inselspital. Eine Übernahme des Aufbaus oder direkte Übersetzung eines dieser Verfahren ist somit kein Lösungsansatz für BeSA. In Anbetracht dessen ist auch die Durchführungsdauer der beschriebenen Verfahren zweitrangig. Angaben dazu liegen ohnehin nur bei DIMA und MIBIB vor. Die Verfahren liefern jedoch trotzdem wichtige Ansatzpunkte für die Ausarbeitung des eigenen Diagnostikinstruments. Von Interesse sind beispielsweise die Untertests, welche sich als besonders sensitiv erwiesen. 4.2 Verfahren mit potenziell hoher Sensitivität Bei der Recherche zu den zuvor dargestellten Diagnostikverfahren fielen verschiedene Untertests auf, welche sich als besonders sensitiv für die Diagnostik bei Tumorpatienten erwiesen haben. Es sind dies das Benennen, die Fluency, auf Deutsch auch Wortflüssigkeit genannt, der Token Test und einzelne weitere Untertests. Auf diese wird in den nächsten Kapiteln eingegangen. 4.2.1 Benennen DuLIP, DIMA, MIBIB, BLAST, VAN-POP und MULTIMAP untersuchen allesamt das Benennen. Zielwörter sind sowohl Nomina als auch Verben, wobei bei BLAST mit der Verbgenerierung eine Variation des Verbbenennens gefordert wird. Beim herkömmlichen Verbbenennen wird eine Aktion bildlich dargestellt und benannt, wohingegen bei der Verbgenerierung ein passendes Verb zu einer Objektabbildung gefunden und produziert werden muss. Bei MIBIB werden nebst Nomina und Verben auch noch Personen benannt sowie ein «beschreibendes Benennen» durchgeführt. Letzteres behandeln wir jedoch nicht als Benenn-Test im engeren Sinne. Perioperativ gilt das Benennen als Standardtest (Satoer et al., 2022). In der Befragung von Wyss & Hostettler (2024) sowie der Erhebung innerhalb des European Low Grade Glioma Networks (Rofes et al., 2017) und dem Literatur-Review von De Witte & Mariën (2013) Entwicklung von BeSA: Was wird untersucht? 34 gehört das Benennen zu den meist genutzten Sprachtests. Auch am Inselspital wird das Benennen sowohl prä-, intrawie auch postoperativ zurzeit standardmässig eingesetzt. Die hohe Bedeutung des Benennens im Rahmen von Tumoroperationen lässt sich damit erklären, dass es sich um ein multifunktionales Testparadigma handelt, welches mehrere Gehirnfunktionen in einem Test evaluieren kann (Gleichgerrcht, Fridriksson & Bonilha, 2015). Dazu gehören die visuelle Wahrnehmung, die semantische Verarbeitung, der lexikalische Zugriff sowie die Sprechplanung und -ausführung. Eine qualitative Analyse der Fehler während des Benenntests kann Hinweise auf die Art der Sprachverarbeitungsdefizite geben (ebd.). Im neurochirurgischen Kontext ist zudem von besonderer Bedeutung, dass praktisch alle kortikalen Areale der linken Hemisphäre und die bedeutendsten subkortikalen Fasertrakte am Benennen beteiligt zu sein scheinen (Bu, Lu, Zhang & Wu, 2021; Salillas, De Pellegrin & Semenza, 2024). Dieses Testparadigma eignet sich dadurch besonders für das intraoperative Mapping und wird entsprechend auch präund postoperativ angewandt. Bei der Evaluation des MIBIB (Papagno et al. 2012) an 117 Tumorpatienten zeigte sich, dass das Benennen von Objekten, Personen und Verben besonders sensitiv war. Auch bei BLAST (Faulkner et al., 2017) waren Verbgenerierung und Objektbenennen die sensitivsten Tasks. Satoer et al. (2022) stellten in ihrer Falldarstellung fest, dass das Benennen von DuLIP sensitiver war als der Boston Naming Test (für eine Beschreibung des BNT siehe Anhang E). Sie führten dies darauf zurück, dass bei DuLIP eine Zeitlimite vorgegeben war. Dass neben der Benenngenauigkeit auch die Benennlatenz berücksichtigt werden sollte, vertreten auch Moritz-Gasser, Herbet, Maldonado & Duffau (2012). In ihrer Studie konnten sie zeigen, dass es eine Korrelation gibt zwischen der Geschwindigkeit des Wortabrufs im Benenntest und der Rückkehr in den Beruf bei Patienten, die sich ansonsten in der Benenngenauigkeit nicht unterschieden. Dass die genannten Verfahren sowohl Nomen wie auch Verben beinhalten, lässt sich darauf zurückführen, dass in der neurolinguistischen Literatur von einem Einfluss der Wortklasse auf die Benennleistung ausgegangen wird: Die sogenannte Nomen-Verb-Dissoziation beschreibt, dass die Verarbeitung von Verben und Nomina unabhängig voneinander gestört oder erhalten sein kann (Black & Chiat, 2003; Chen & Bates, 1998; Laiacona & Caramazza, 2004; Marshall, 2003; Sörös, Cornelissen, Laine & Salmelin, 2003). Die Unterschiede in der Verarbeitung von Nomen und Verben zeigen sich sowohl bei Sprachgesunden, bei Aphasikern wie auch im Spracherwerb (Black & Chiat, 2003; Marshall, 2003). In der Tendenz scheinen Nomina weniger störungsanfällig und schneller abrufbar zu sein im Vergleich mit Verben. So können Sprachgesunde in Bildbenenntests Nomen im Durchschnitt schneller produzieren als Verben (Bogka et al., 2003; Cuetos & Alija, 2003; Szekely et al., 2005) und bei Aphasikern scheinen Fehler beim Benennen von Verben häufiger vorzukommen als bei Nomina (Luzzatti et al., 2002). Beinhaltet ein Benenntest demnach neben Nomina auch Entwicklung von BeSA: Was wird untersucht? 35 Verben als Zielitems, könnte dies zur Sensitivität beitragen. Weshalb das Benennen von Verben in vielen Fällen anspruchsvoller ist als das von Nomen, ist noch nicht geklärt. In Frage kommen die unterschiedliche Argumentstruktur, morphologische Komplexität sowie semantisch-konzeptuelle oder pragmatische Faktoren – am ehesten handelt es sich jedoch um eine Kombination dieser Faktoren (Kauschke & von Frankenberg, 2008). Das Erwerbsalter scheint sowohl bei Nomen wie auch bei Verben ein zentraler Parameter zu sein, der die Benennlatenz beeinflusst, wobei ein frühes Erwerbsalter mit einem rascheren Wortabruf in Verbindung gebracht wird (Barry, Morrison & Ellis, 1997; Ghyselinck, Lewis & Brysbaert, 2004; Kauschke & von Frankenberg, 2008; Morrison & Ellis, 2000). Weitere Parameter sind beispielsweise Häufigkeit, Familiarität und Vorstellbarkeit (insbesondere bei Nomina) sowie Wortlänge und mündliche Namensübereinstimmung (insbesondere bei Verben) (Kauschke & von Frankenberg, 2008). Ein Benenntest sollte die Zielitems auf relevante linguistische Parameter kontrollieren, was bei MULTIMAP und VAN-POP erfolgt ist. Im Zusammenhang mit Wach-Operationen ist es zudem von Bedeutung, dass Verben das neuronale Sprachnetzwerk weitreichender zu aktivieren scheinen, was unter anderem darauf zurückgeführt wird, dass sie im Vergleich zu Nomen mehr morpho-syntaktische Informationen tragen und stärker in grammatikalische Prozesse eingebunden sind (Rofes & Miceli, 2014). In nTMS-basiertem Fibertracking zeigte sich beispielsweise eine bessere Visualisierung subkortikaler Sprach-Trakte, wenn als Sprachparadigma ein Verbbenennen zur Anwendung kam, im Vergleich zum Objektbenennen (Ohlerth et al., 2021). Dabei scheint es von zentraler Bedeutung, dass das Verb als Zielitem in einem Satzkontext produziert und somit flektiert werden muss (Ohlerth et al., 2020; Rofes & Miceli, 2014). Insgesamt erscheint der Einsatz von Tasks mit Verben zusätzlich zum etablierten Objektbenennen sowohl intraoperativ als auch präund postoperativ vorteilhaft. Wie bereits erwähnt, wurden bei BLAST Verben als Verbgenerierungsaufgabe integriert, wobei diese in der Grundform produziert werden sollten. Auch bei DuLIP existiert eine solche Aufgabe zusätzlich zum Objektund Verbbenennen. Rofes & Miceli (2014) verglichen in ihrem Review verschiedene intraoperative Tasks, welche Verben als Einzelworte oder auf Satzebene beinhalten. Eine allgemeine Empfehlung, ob sich ein Verbbenennen oder eine Verbgenerierungsaufgabe besser eignet oder gar beides notwendig ist, ging aus dieser Übersichtsarbeit nicht hervor. Jedoch sollten produktive Tasks rein rezeptiven Tasks vorgezogen werden. Zudem seien bei der Verbproduktion flektierte Zielstrukturen zu präferieren und es sollten standardisierte Verfahren eingesetzt werden, deren Items auf neurolinguistische Parameter überprüft wurden. Faulkner et al. (2017) begründen die Wahl der Verbgenerierungsaufgabe damit, dass nebst dem Verbabruf auch die goal-drivenresponse-selection überprüft werden könne – also die Fähigkeit, aus einer Auswahl Entwicklung von BeSA: Was wird untersucht? 36 konkurrierender Antworten die passendste auszuwählen. Insgesamt werden Verbgenerierungsaufgaben weniger häufig angewandt als ein klassisches Verbbenennen (De Witte & Mariën, 2013; Rofes et al., 2017; Wyss & Hostettler, 2024). MIBIB beinhaltet nebst Objekten und Verben auch das Benennen von bekannten Persönlichkeiten. Dieser Task gehöre zu den besonders sensitiven Verfahren (Papagno et al., 2012). Im Vergleich zum Benennen von Verben und Nomina wird das Benennen von bekannten Persönlichkeiten jedoch deutlich seltener durchgeführt (De Witte & Mariën, 2013; Wyss & Hostettler, 2024). Satoer, Visch-Brink, Dirven & Vincent (2016) empfehlen den Task abhängig von der Tumorlokalisation einzusetzen. Verschiedene Studien zeigen, dass Eigennamen besonders anfällig sind für Wortabrufstörungen sowohl bei Sprachgesunden wie auch bei Patienten mit neurologisch bedingten Sprachstörungen (für eine Übersicht siehe Burkhardt et al., 2023). Es könnte sich dabei entsprechend um einen Sprach-Task handeln, der besonders sensitiv ist. Wo genau die Verarbeitung von Eigennamen im sprachlichen Netzwerk verortet werden kann, ist noch nicht geklärt. Kortikal scheint der ATL (left anterior frontal lobe) ein relevantes Gebiet zu sein, während auf subkortikaler Ebene der UF (uncinate fasciculus) und ILF (inferior longitudinal fasciculus) eine zentrale Rolle spielen könnten (Burkhardt et al., 2023; Mehta et al., 2016; Papagno et al., 2016). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Benenntests im Kontext von Wach-Operationen weit verbreitet sind und als sehr sensitiv gelten. Daher scheint die Aufnahme eines Benenntests in BeSA sinnvoll. 4.2.2 Fluency Die Fluency wird in DuLIP, MIBIB und BLAST untersucht. In allen Testverfahren wird sowohl die semantische wie auch die phonematische Wortflüssigkeit überprüft, wobei die phonematische Wortflüssigkeit teilweise auch als lexikalische Wortflüssigkeit bezeichnet wird. Wortflüssigkeitstestungen überprüfen die Fähigkeit, innerhalb einer bestimmten Kategorie in limitierter Zeit Wörter zu generieren (Malin Antonsson et al., 2018): Es müssen dabei möglichst viele Wörter innerhalb einer vorgegebenen semantischen Kategorie oder möglichst viele Wörter mit einem bestimmten Initialphonem genannt werden (De Witte et al., 2015; Faulkner et al., 2017). Daneben gibt es noch Wortflüssigkeits-Aufgaben mit Kategorienwechsel, in denen entweder zwischen zwei verschiedenen phonematischen Kategorien (z.B. Wechsel G-R) oder zwei verschiedenen semantischen Kategorien gewechselt werden muss (z.B. Sportarten – Früchte). Diese Art der Fluency wird in der Literatur zur präund postoperativen Diagnostik bei Tumorpatienten kaum erwähnt. Daher wird in der Folge nur auf die semantische und phonematische Fluency weiter eingegangen. Entwicklung von BeSA: Was wird untersucht? 37 Die Testung der Wortflüssigkeit wird präund postoperativ häufig eingesetzt: Gemäss der Erhebung innerhalb des European Low Grade Glioma Networks von Rofes et al. (2017) ist die Testung der Fluency die einzige Testung, welche von allen teilnehmenden Institutionen durchgeführt wird. Auch De Witte & Mariën (2013) und Loon et al. (2015) konnten in ihren Reviews zeigen, dass die Fluency präund postoperativ sehr oft getestet wird. In der Erhebung von Wyss & Hostettler (2024) wird die Fluency in 65% der Institutionen präoperativ untersucht. Auch Satoer, Visch-Brink, Dirven & Vincent (2016) konnten in ihrem Literaturreview zeigen, dass die Wortflüssigkeit sehr oft untersucht wird und empfehlen daher, diese Untersuchung in die präund postoperativen sprachlichen Abklärungen einzuschliessen. Auch bei Bonifazi et al. (2020), Morshed et al. (2021) und Herbet et al. (2017) gehört die Testung der Fluency zur präund postoperativen Standardbatterie. Bei Martín-Monzón, Rivero Ballagas & Arias-Sánchez (2022) wird die Fluency in ca. 40% der Institutionen untersucht. Die Autorinnen empfehlen jedoch nicht explizit, diese Untersuchung in die präund postoperativen sprachlichen Abklärungen einzuschliessen. Wortflüssigkeitsaufgaben gelten als einfach und schnell durchführbar (Barberis et al., 2024). Sie untersuchen mehrere kognitive Funktionen gleichzeitig (Pagliarin et al., 2022). Sie untersuchen nicht nur die phonematischen und semantischen Aspekte der Sprache, sondern stehen auch mit dem semantischen Gedächtnis und mit verschiedenen Aspekten exekutiver Funktionen in Zusammenhang (M. Antonsson et al., 2018; Barberis et al., 2024; Jansson, Ortiz & Barreto, 2020). Im Bereich der Sprache sind Wortflüssigkeitsaufgaben mit lexikalischen Fähigkeiten und dem lexikalischen Zugriff, dem lexikalisch-semantischen Netzwerk sowie lexikalischem und semantischem Wissen assoziiert (Jansson et al., 2020). Im Bereich der Exekutivfunktionen scheinen die kognitive Flexibilität und Inhibition in Kombination mit Funktionen wie der Verarbeitungsgeschwindigkeit und der Aufmerksamkeit die Leistung in Wortflüssigkeitsaufgaben zu beeinflussen (Amunts, Camilleri, Eickhoff, Heim & Weis, 2020). Insgesamt tragen sowohl die Sprache wie auch die Exekutivfunktionen zur Leistung in Wortflüssigkeitsaufgaben bei, wobei der relative Beitrag der beiden Domänen nicht abschliessend geklärt ist (Ellen Collée et al., 2024). Bei der Interpretation von Resultaten bei Aufgaben zur Wortflüssigkeit ist somit zu beachten, dass diese Defizite mit Sprachproblemen, Problemen im Bereich der Exekutivfunktionen oder beidem zusammenhängen können (Aita et al., 2019). Sowohl Ellen Collée et al. (2024) wie Satoer et al. (2014) argumentieren, dass semantische und phonematische Fluency-Aufgaben sensitiv für Veränderungen in Gliom-Patienten sind. Ellen Collée et al. (2024) bezeichnen die Fluency-Tests deswegen als sensitiv für diese Population. Papagno et al. (2012) beurteilen die Fluency ebenfalls als besonders sensitiv für Entwicklung von BeSA: Was wird untersucht? 38 Hirnläsionen. Die phonematische Fluency war in ihrer Untersuchung reduziert bei Tumoren links und rechts frontal sowie links temporal und parietal. Dabei war die phonematische Fluency noch etwas sensitiver als die semantische Fluency, welche vor allem für linkshemisphärische Läsionen frontal und temporal sensitiv war. Gemäss der Meta-Analyse von De Roeck et al. (2023) ist hingegen die semantische Fluency der sensitivste Test, um kognitive Verschlechterungen in Gliom-Patienten über die Zeit hinweg zu erfassen. Die Untersuchung von M. Antonsson et al. (2018) zeigte ebenfalls, dass bei Tumorpatienten präoperativ die semantische Fluency beeinträchtigt ist – nicht aber die phonematische Fluency. Drei Monate postoperativ war die semantische Fluency weiterhin schlechter, sowohl im Vergleich zu den präoperativen Befunden wie auch im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe. Goldstein, Obrzut, John, Hunter & Armstrong (2004) konnten zeigen, dass Patienten mit linkshemisphärischen Hirntumoren deutlich schlechtere Leistungen zeigten in der semantischen Fluency als Patienten mit rechtshemisphärischen Tumoren, es zeigten sich jedoch keine Unterschiede zwischen der Gruppe mit links posterioren und links frontalen Tumoren. In Bezug auf die phonematische Fluency zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Patienten mit linkshemisphärischen und rechtshemisphärischen Läsionen. Dies könnte darauf hindeuten, dass bei der semantischen Fluency die sprachlichen Funktionen eine grössere Rolle spielen als bei der phonematischen Fluency im Vergleich zu den exekutiven Funktionen. Malin Antonsson et al. (2018) bezeichnen die Fluency als sensitive Methode, um Sprachdefizite bei Tumorpatienten zu erfassen, da sich bei dieser Aufgabe Unterschiede zwischen Tumorpatienten und gesunder Kontrollgruppe zeigten. Zusätzlich scheint die Leistung in Aufgaben zur Wortflüssigkeit ein Faktor zu sein, welcher mit der Lebensqualität korreliert (Nakajima, Kinoshita, Okita & Nakada, 2022). Möglicherweise könnte eine postoperative Verschlechterung in Wortflüssigkeitsaufgaben sogar die Fähigkeit zur Rückkehr an den Arbeitsplatz vorhersagen (Barberis et al., 2024): Bei Tumorpatienten, welche postoperativ nicht wieder arbeiten gehen, ist die Verschlechterung vom präzum postoperativen Befund in der Fluency grösser als bei Patienten, welche postoperativ die Arbeit wieder aufnehmen können (Barberis et al., 2024). In der Zusammenschau der oben beschriebenen Publikationen zeigt sich, dass die Ergebnisse insgesamt heterogen sind. Es scheint Einigkeit darüber zu herrschen, dass Tumorpatienten bei Untersuchungen der Wortflüssigkeit oft auffällige Leistungen zeigen. Dabei bleibt aktuell unklar, ob eher die semantische oder die phonematische Fluency Defizite aufzeigen können. Ob es sich dabei um sprachliche oder kognitive Defizite handelt, kann nicht abschliessend geklärt werden, diesbezüglich widersprechen sich die Publikationen teilweise. Grundsätzlich gilt nämlich die Testung der Fluency als sensitiv für ein breites Spektrum neuropsychologischer Abweichungen, einschliesslich subtiler Entwicklung von BeSA: Was wird untersucht? 39 kommunikativer und kognitiver Veränderungen, weil die erfolgreiche Leistung in diesen Aufgaben sowohl von der Integrität semantischer Netzwerke für das Abrufen von Wörtern wie auch von der kognitiven Kontrolle für effektive Suchstrategien abhängt (Faroqi-Shah & Milman, 2018). Insgesamt bleiben somit verschiedene Unklarheiten in Zusammenhang mit der Testung der Fluency bei Tumorpatienten bestehen. Die Testung der Wortflüssigkeit ist im präund postoperativen Setting aber stark verbreitet und wird insgesamt als sensitiv erachtet. Daher scheint die Aufnahme einer Wortflüssigkeitsaufgabe in BeSA sinnvoll. 4.2.3 Token Test Ein weiterer Test, der wiederholt erwähnt wird, ist der Token Test (siehe Anhang E für eine Beschreibung). Im Review von De Witte & Mariën (2013) verwenden 7 der 33 berücksichtigten Studien den Token Test in der präoperativen Baseline-Erhebung. Im Review von Satoer, Visch-Brink, Dirven & Vincent (2016) verwenden 5 von 17 Studien den Token Test. Im DACH-Raum verwenden 7 der 19 von Wyss & Hostettler (2024) befragten Institutionen den Token Test als Teil der präoperativen Diagnostik. Dabei ist nicht klar, ob der Token Test bewusst ausgewählt wurde oder lediglich durchgeführt wird, weil er Teil des AAT ist. Basierend auf diesen verschiedenen Erhebungen kann der Test als gängig bezeichnet werden, jedoch in Zusammenhang von präund postoperativer Diagnostik bei Gliom-Patienten nicht als weit verbreitet. Papagno et al. (2012) zählen den Token Test zu einer Gruppe von Tests, welche erwiesenermassen sensitiv genug seien, um auch sehr milde Defizite zu erkennen. Aus diesem Grund ist eine Kurzversion des Token Tests Teil des MIBIB. In der Evaluation des MIBIB an Gliom-Patienten befand sich der Token Test jedoch nicht unter den sensitivsten Tasks. Satoer et al. (2022) verwendeten in ihrer klinischen Anwendungsstudie zu DIMA das Objektbenennen, die Wortflüssigkeit und eine Kurzversion des Token Tests als Standardtests ergänzend zu DIMA. Die Studie bestand aus zwei Fallbeispielen von Patienten, die Defizite in der Sprachproduktion zeigten. In beiden Fällen zeigten sich im Gegensatz zu DIMA keine Auffälligkeiten in der Kurzversion des Token Tests, weshalb die Autorinnen diesen für weniger sensitiv halten als gewisse Subtests von DIMA. Dabei muss berücksichtigt werden, dass es sich beim Token Test um einen Test handelt, der ursprünglich entwickelt wurde, um sprachlich-rezeptive Defizite zu erfassen (De Renzi & Vignolo, 1962). Bei den Subtests aus DIMA, welche in der Anwendungsstudie sensitiver waren, handelt es sich um verschiedene Varianten des Nachsprechens und damit um Aufgaben mit einem produktiven Anteil. Die geringere Sensitivität des Token Tests könnte demnach auch damit zusammenhängen, dass die beschriebenen Patienten vor allem produktive Sprachdefizite zeigten, welche mit dem Token Test nicht direkt erfasst werden. Entwicklung von BeSA: Was wird untersucht? 40 Dennoch gilt der Token Test als Verfahren, welches das Vorliegen einer Aphasie und deren Schweregrad festlegen könne (Eibl, 2023). Er wird heute nicht als Test angesehen, der lediglich das Sprachverständnis auf Satzebene testet (Schneider et al., 2014). Stattdessen messe er einen generellen Sprachfaktor, der bei Patienten mit einer Aphasie zu spezifischen Schwierigkeiten führe (Orgass, 1976a). Dabei ist wichtig zu bedenken: Der Token Test wurde an Gruppen von gesunden Probanden und von hirngeschädigten Patienten ohne und mit Aphasie validiert, wobei eine Klassifikation der Aphasien in Syndrome erfolgte (Orgass, 1976a; Poeck & Orgass, 1966). Es ist daher fraglich, ob der Token Test in gleicher Weise eine sensitive Auslese bezüglich des Vorliegens einer Aphasie ermöglicht, wenn es sich um Hirntumor-Patienten handelt, deren Sprachdefizite sich nicht in Aphasie-Syndrome klassifizieren lassen. In Zusammenhang mit präund postoperativer Sprachdiagnostik ist der Token Test daher eher als Task anzusehen, der Teile des auditiven Sprachverständnisses auf Satzebene erfasst. Er zeichnet sich durch die Abstraktheit der Aufgaben, fehlende kontextuelle Hilfen und Redundanz, erhöhte Anforderungen an das Kurzzeitgedächtnis und zunehmende Komplexität der Aufgaben aus (Schneider et al., 2014) und unterscheidet sich damit von anderen Sprachverständnistests. Zudem ist der Token Test standardisiert und kann quantitativ ausgewertet werden. Damit handelt es sich um einen Test, dessen Ergebnis einen Vergleich zwischen dem präund postoperativen Testzeitpunkt ermöglicht. Dadurch, dass der Token Test im AAT enthalten ist, handelt es sich um einen im deutschsprachigen Raum sehr weit verbreiteten und etablierten Test für die Diagnostik von Aphasien. Aus diesem Grund war der Token Test bisher fester Bestandteil der präund postoperativen Diagnostik am Inselspital. Da die Testdaten am Inselspital nicht nur klinisch genutzt werden, sondern auch für Forschungszwecke, ist es wichtig, eine gewisse Kontinuität beim diagnostischen Vorgehen beizubehalten. Dabei sind zusätzliche Tests kaum ein Problem, das Weglassen eines Tests sollte jedoch gut begründet sein. Die Studien von Papagno et al. (2012) und Satoer et al. (2022) sprechen zwar eher gegen die Eignung des Token Tests als Auslesetest, sagen jedoch nur bedingt etwas über dessen Sensitivität in einzelnen sprachlichen Teilbereichen aus. In Anbetracht der Gesamtsituation am Inselspital erscheint es daher sinnvoll, den Token Test vorerst während der präund postoperativen Diagnostik weiterhin durchzuführen und im Verlauf die eigenen Daten auszuwerten, im Hinblick auf die Frage nach der Sensitivität des Token Tests bei Tumorpatienten. 4.2.4 Weitere Subtests Neben dem Benennen, der Fluency und dem Token Test scheinen häufig auch das Nachsprechen und das semantische Wissen untersucht zu werden. Das Nachsprechen wird in DuLIP, DIMA, MIBIB und BLAST untersucht, das semantische Wissen in DuLIP, DIMA und MIBIB. Es stellt sich die Frage, ob auch das Nachsprechen und/oder die Semantik in BeSA aufgenommen werden sollten. Entwicklung von BeSA: Was wird untersucht? 41 Das Nachsprechen wird in 65% der von Wyss & Hostettler (2024) befragten Institutionen untersucht, also gleich häufig wie die Fluency. Bei der Interpretation dieses Wertes sollte bedacht werden, dass nicht explizit erfragt wurde, ob sich die jeweiligen Institutionen gezielt für die Testung des Nachsprechens entschieden haben oder ob das Nachsprechen getestet wird, weil es Teil des gewählten Untersuchungsverfahrens ist, wie beispielsweise des AAT (Aachener Aphasie Test; Huber et al., 1983) oder der ACL (Aphasie-Check-Liste; Kalbe, Reinhold, Ender & Kessler, 2002). In den 21 europäischen Zentren, welche Teil des Surveys von Rofes et al. (2017) waren, wird das Nachsprechen teilweise intraoperativ untersucht, präoder postoperativ nie. Im Review von De Witte & Mariën (2013) ist das Nachsprechen bei etwa einem Drittel Teil der präund postoperativen Diagnostik. Bei Satoer et al. (2016) wird das Nachsprechen etwa in der Hälfte der Fälle untersucht. Von den Autorinnen wird die Testung in diesem Review jedoch nicht als besonders sensitiv beurteilt und ist nicht Teil der Empfehlung zur präund postoperativen Testung. Im systematischen Review von MartínMonzón et al. (2022) wird das Nachsprechen in etwa 65% der Fälle getestet und für das perioperative Sprachprotokoll empfohlen. Herbet et al. (2017) listen die Testung des Nachsprechens in ihrer Empfehlung für ein perioperatives Vorgehen auf, gehen jedoch nicht weiter darauf ein. Bei Morshed et al. (2021) ist das Nachsprechen nicht enthalten in den Empfehlungen für die perioperativen Testungen. Im MIBIB ist das Nachsprechen wie oben erwähnt Teil des Testverfahrens, die Autorinnen beurteilen es jedoch nicht als besonders sensitive Testung (Papagno et al., 2012). Das Nachsprechen wird genutzt, um die phonologische Verarbeitung zu überprüfen (De Witte et al., 2015; Satoer et al., 2022). Hier stellt sich die Frage, ob sich Einschränkungen in der phonologischen Verarbeitung nicht bereits in der Sprachproduktion, wie beispielsweise beim Benennen, durch phonologische Fehler zeigen. In der Untersuchung von Sierpowska et al. (2017) zeigte sich, dass die einzelnen Patienten, welche beim Benennen phonematische Paraphasien zeigten, schon nicht mehr in der Lage waren, (Pseudo-)Wörter zu repetieren. Somit ist die Analyse der Fehler beim Benennen möglicherweise nur hilfreich, wenn bereits schwere phonologische Störungen vorliegen (Gasa-Roqué et al., 2024). Es wird empfohlen, wann immer möglich Aufgaben zum Nachsprechen zu implementieren, um alle Schweregrade phonologischer Störungen erfassen zu können. Ist dies nicht möglich, könne die Fehleranalyse vertretend dafür als Indikator für die phonologische Verarbeitung genutzt werden (ebd.). Sierpowska et al. (2017) konnten zeigen, dass die Leistung beim Nachsprechen von Pseudowörtern schlechter war als beim Nachsprechen von Realwörtern. Somit würden subtile Defizite mittels Nachsprechens von Pseudowörtern erfasst werden können. Untersucht wurde das Nachsprechen in dieser Arbeit sowohl prä-, intrawie auch postoperativ; explizit empfohlen wird das intraoperative Monitoring des Nachsprechens. Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? 48 (Basel-Minnesota-Test zur Differentialdiagnose der Aphasie; Delavier & Graham, 1981) in Form eines Bildes, das beschrieben werden soll (s. Anhang E). Dieses Vorgehen ist etwas weniger alltagsnah und erzeugt keine Dialogsituation, dafür sind die Inhalte klar, welche vermittelt werden sollten, was eine Beurteilung einfacher macht. Handelt es sich um ein Situationsbild, besteht jedoch die Tendenz, dass kein zusammenhängender Text produziert wird, sondern eher eine Aufzählung der abgebildeten Elemente. Um dem entgegenzuwirken, kann durch eine Bildergeschichte ein narrativer Text elizitiert werden. Da für den Zweck der präund postoperativen Diagnostik die Vergleichbarkeit von zentraler Bedeutung ist, erscheint ein solches Vorgehen einer freien oder semi-strukturierten Konversation überlegen. Ein deutschsprachiges Verfahren, welches Bildergeschichten beinhaltet, ist MAKRO (Büttner, 2018). Für eine Beschreibung siehe Anhang E. MAKRO enthält vier verschiedene Bildergeschichten: Zwei Bildergeschichten sind 4-teilig und als Parallelversionen gedacht. Daneben gibt es ein weiteres Set bestehend aus zwei 8-teiligen Bildergeschichten. Die 8teilige Bildergeschichte enthält 18 obligatorische Propositionen und elizitiert entsprechend eine Sprachprobe in ausreichender Länge. Bestehen bereits offensichtliche Defizite in der mündlichen Sprachproduktion, kann die Anforderung der Aufgabe angepasst werden, indem die 4-teilige Bildergeschichte vorgelegt wird. Dadurch wird das Kriterium der Anpassbarkeit an das individuelle Sprachniveau erfüllt. Durch das Vorhandensein von Parallelversionen in beiden Schwierigkeitsgraden können Lerneffekte minimiert werden. In einer Pilotierungsphase wurde die Zeit, welche die Testdurchführung bei zwei Tumorpatientinnen in Anspruch nahm, gemessen. Mit einem Zeitbedarf von zwei bis sechs Minuten kann der Subtest in der Durchführung als zeitökonomisch gelten. Um ein möglichst standardisiertes Vorgehen sicherzustellen, wird in der Handanweisung (siehe Anhang A) die Durchführung und Auswertung des Untertests genau beschrieben. Um eine möglichst zusammenhängende Sprachprobe erheben zu können, soll dem Patienten zunächst Zeit eingeräumt werden, sich mit der Bildergeschichte auseinanderzusetzen. Dabei soll noch keine Nacherzählung stattfinden. Danach wird der Patient gebeten, die Geschichte nachzuerzählen – so, dass auch eine Person, welche die Bilder noch nie gesehen hat, sie nachvollziehen kann. Um die Auswertung zu erleichtern, wird die Sprachprobe aufgenommen. 5.1.2 Auswertung Da MAKRO eine andere Zielsetzung und -gruppe als BeSA hat, erfolgt die Bewertung des Subtests nicht nach Vorgabe von MAKRO, sondern wird leicht abgeändert. Bei der Auswertung der Sprachprobe muss unterschieden werden zwischen dem eher aktivitätsbezogenen und eher funktionsbezogenen Blickwinkel. Wir beschäftigen uns zunächst mit der Aktivitätsebene. Dabei stellt sich die Frage: Ist der Patient in der Lage, eine bestimmte Aufgabe durchzuführen? Im vorliegenden Fall ist die Aufgabe oder Handlung das Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? 49 mündliche Vermitteln der in der Bildergeschichte enthaltenen Informationen an ein Gegenüber. Daher muss zunächst festgestellt werden, welche Informationen in der Bildergeschichte enthalten sind. MAKRO gibt für jede Bildergeschichte die dazugehörigen obligatorischen und fakultativen Propositionen vor (s. Anhang C). Die obligatorischen Propositionen stellen die Informationen und Zusammenhänge dar, welche zum vollständigen Verständnis der Geschichte durch den Patienten verbal vermittelt werden müssen und sind somit Grundlage für die Bewertung. Bei der Bewertung soll die Untersucherin die Perspektive einer Person einnehmen, welche die Bildergeschichte nicht kennt. Kann eine Proposition vom Patienten unmissverständlich übermittelt werden, vergibt die Untersucherin die Maximalpunktzahl von 2 Punkten. Fehlen, nachdem der Patient die Erzählung beendet hat, eine oder mehrere Propositionen, kann die Untersucherin eine Hilfestellung pro Proposition anbieten. Die Hilfestellung kann entweder durch eine Nachfrage erfolgen, wobei darauf geachtet werden muss, dass die Untersucherin selbst keine Proposition versprachlicht. Dies kann beispielsweise durch eine unspezifische Frage wie «Und hier?» zusammen mit einer Zeigegeste auf das fehlende Element in der Bildergeschichte erfolgen. Ist dies nicht geeignet, kann eine durch den Patienten bereits übermittelte Proposition wiederholt werden und dem Patienten signalisiert werden, dass eine Information fehlt, indem anschliessend die Rückfrage «Und dann?» gestellt wird. Die Möglichkeit von Hilfestellungen soll das normale Gesprächsverhalten zwischen zwei Personen in einer alltäglichen Situation abbilden. Ein Gesprächspartner wird zuhören und im Normalfall bei Unklarheiten nachfragen. Wenn mit den beschriebenen Hilfestellungen die fehlende Proposition übermittelt werden kann, wird der Punktwert 1 vergeben. Dieser Punktwert wird zudem vergeben, wenn eine Proposition zwar vermittelt werden kann, dazu jedoch vom Gesprächspartner eine erhöhte Anstrengungsbereitschaft erforderlich ist oder die kommunikative Effizienz reduziert ist. Dies ist beispielsweise bei ausgeprägten Wortfindungsstörungen oder phonematischen Paraphasien der Fall. Kann die Proposition auch mit Hilfestellungen und erhöhter Anstrengungsbereitschaft nicht vermittelt werden, wird der Punktwert 0 vergeben. Der Punktwert 0 wird also dann vergeben, wenn die Proposition gar nicht genannt wird oder so genannt wird, dass sie nicht verstanden werden kann, beispielsweise bei semantischen Paraphasien. Somit sind die Punktwerte 0 und 2 als klare jeweiligen Pole der Skala zu verstehen. Jegliche Nennungen, welche sich nicht klar diesen Punktwerten zuordnen lassen, werden mit der Punktzahl 1 bewertet. Die addierten Punktwerte aller Propositionen ergeben einen Wert, der ins Verhältnis zum Maximalpunktwert gesetzt werden kann. Dieser quantitative Wert kann präund postoperativ leicht verglichen werden und stellt dar, wie viele Informationen eine Person übermitteln kann und ob dazu Hilfen vom Gesprächspartner nötig waren. Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? 50 Die funktionsbezogene Perspektive soll primär qualitativ abgebildet werden, indem Fehlerarten dokumentiert werden. Die Dokumentation von Fehlern nach festgelegten Kategorien ist am Inselspital bereits gängige Praxis – jedoch nur für den intraoperativen Benenntest. Das dort verwendete Kategorisierungssystem soll nun angepasst werden, damit es sich auch für die mündliche Sprachproduktion auf Textebene eignet. Eine einheitliche Kategorisierung von Fehlern ermöglicht einen qualitativen Vergleich zwischen prä-, intraund postoperativen Testzeitpunkten. Bei der Ausarbeitung orientierten wir uns an aktueller Literatur aus dem Bereich der perioperativen Sprachdiagnostik (E. Collée et al., 2024; Collée, Vincent, Dirven & Satoer, 2022; Gasa-Roqué et al., 2024) und an aktueller deutschsprachiger Literatur zur Aphasie (Grande & Hußmann, 2016; Grötzbach & Spitzer, 2023; Schneider et al., 2021). Die so erarbeitete Tabelle listet die möglichen Fehlerkategorien auf. Anhand der Tabelle protokolliert die Untersucherin die aufgetretenen Fehler. Basierend darauf können Störungsschwerpunkte abgeleitet werden. Dies kann sowohl für die Therapieplanung wie auch für die Forschung von Interesse sein. Die Tabelle findet sich in Anhang B. 5.2 Schriftliche Sprachproduktion auf Textebene Die schriftliche Sprachproduktion wurde bisher zusammen mit dem auditiven Sprachverständnis überprüft. Dabei musste der Inhalt eines rund eineinhalb-minütigen Podcasts schriftlich zusammengefasst werden. Der Vorteil war, dass durch die kombinierte Aufgabenstellung Zeit gespart werden konnte. Gleichzeitig bestand der Nachteil darin, dass ein eingeschränktes auditives Sprachverständnis oder eine reduzierte Gedächtnisleistung die schriftliche Zusammenfassung negativ beeinflussen konnte. In diesen Fällen wurde daher in der Vergangenheit eine Bildergeschichte vorgelegt und verschriftlicht. Die Auswertung der Schriftproben erfolgte rein deskriptiv. Wie bei der mündlichen Sprachproduktion war das bisherige Vorgehen kaum standardisiert und eher schlecht vergleichbar. Das Ziel des Subtests Schriftliche Sprachproduktion auf Textebene ist die Feststellung, ob ein Patient in der Lage ist, einen gewünschten Inhalt dem Gegenüber schriftlich zu vermitteln. Ausserdem sollte die sprachliche Symptomatik im Schreiben von Texten qualitativ beschrieben werden können. Damit zeigt sich eine Analogie zum Subtest, welcher die mündliche Sprachproduktion evaluiert. Idealerweise sollte daher zwischen diesen zwei Modalitäten ein Vergleich der Leistungen ermöglicht werden. 5.2.1 Material und Durchführung Um einen Vergleich zwischen mündlicher und schriftlicher Sprachproduktion zu erreichen, bietet sich eine möglichst identische Durchführung und Auswertung dieser Subtests an. Besonders zeitökonomisch ist es, wenn für beide Modalitäten dieselbe Bildergeschichte Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? 51 verwendet wird. Der Subtest Schriftliche Sprachproduktion auf Textebene sollte demnach direkt im Anschluss an den Subtest Mündliche Sprachproduktion auf Textebene durchgeführt werden. Die Bildergeschichte liegt weiterhin vor und der Patient wird aufgefordert, diese zu verschriftlichen. Die Geschichte soll in einer Weise niedergeschrieben werden, dass sie auch für eine Person nachvollziehbar ist, welche die Bilder noch nie gesehen hat. Ausserdem wird der Patient darauf hingewiesen, nicht nur stichwortartig, sondern wenn möglich in ganzen Sätzen zu schreiben. Es wird keine zeitliche Limite vorgegeben. Während des Schreibprozesses erfolgen keine Interventionen durch die Untersucherin wie Hilfen oder Zwischenkommentare. Im Gegensatz zur mündlichen Sprachproduktion ist der Gesprächspartner bei einem schriftlichen Austausch in der Regel nicht anwesend, weshalb keine direkten Nachfragen oder Kommentare erfolgen können. Dementsprechend soll sich auch die Untersucherin während der Testung verhalten, um die Testsituation möglichst alltagsnah zu gestalten. Die Schriftprobe wird entsprechend zeitversetzt bewertet. 5.2.2 Auswertung Das Vorgehen bei der Auswertung der Schriftprobe ist nahezu identisch mit dem Vorgehen bei der Auswertung der mündlichen Sprachprobe. Auf Aktivitätsebene muss beurteilt werden, ob es einem Patienten gelingt, die in der Bildergeschichte enthaltenen Informationen schriftlich an einen Adressaten zu übermitteln. Dafür wird erneut das Vorhandensein der obligatorischen Propositionen der Bildergeschichte einzeln bewertet. Auch hier soll die Untersucherin bei der Bewertung die Perspektive einer Person einnehmen, welche die Bildergeschichte nicht kennt. Ist eine Proposition vorhanden und unmissverständlich klar, wird der Maximalwert von 2 Punkten vergeben. Fehlt eine Proposition gänzlich oder ist diese unverständlich, wird der Punktwert 0 vergeben. Im Gegensatz zur mündlichen Sprachprobe erfolgt auch nachträglich keine Nachfrage oder Hilfestellung durch die Untersucherin. Zwar ist es im Alltag möglich, dass beispielsweise bei einem E-Mail-Austausch zwischen Kommunikationspartnern durch erneute Mails nachgefragt wird, jedoch interessiert in diesem Subtest, ob das Vermitteln der zentralen Informationen innerhalb eines Textes gelingt. Wird eine Proposition zwar vermittelt, jedoch in einer Art und Weise, die vom Adressaten eine gewisse Nachsicht, Zeit oder Konzentration erfordert, wird der Punktwert 1 vergeben. Auch hier sind die Punktwerte 0 und 2 als Pole der Skala zu verstehen; Propositionen, welche sich weder dem Punktwert 2 noch dem Punktwert 0 zuordnen lassen, werden mit Punktwert 1 bewertet. Analog zum Vorgehen im Subtest Mündliche Sprachproduktion werden die Punktwerte aller Propositionen addiert und ergeben damit den Gesamtscore. Nebst der aktivitätsorientierten Beurteilung sollen zudem die Fehler dokumentiert werden, um einen qualitativen Vergleich zwischen prä-, intraund postoperativen Testzeitpunkten zu ermöglichen (s. Anhang C). Zudem ist auch hier ein Vergleich zwischen der mündlichen und Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? 52 schriftlichen Modalität anzustreben. Deshalb soll das Kategoriensystem für die Mündliche Sprachproduktion in seiner Grundstruktur nach Möglichkeit übernommen werden und nur angepasst werden wo nötig: So sind beispielsweise die Fehlerkategorien zu den Bereichen Sprechen und Sprechplanung beim Schreiben nicht notwendig. So entstand eine Tabelle mit den möglichen Fehlerkategorien beim Schreiben auf Textebene. Anhand der Tabelle protokolliert die Untersucherin die aufgetretenen Fehler. Die Tabelle findet sich in Anhang B. 5.3 Auditives Sprachverständnis auf Textebene Wie im vorangehenden Kapitel bereits beschrieben, wurde das auditive Sprachverständnis bisher zusammen mit der schriftlichen Sprachproduktion überprüft: Es musste der Inhalt eines rund eineinhalb-minütigen Podcasts schriftlich zusammengefasst werden. Basierend auf der Zusammenfassung wurde das Verständnis des Textes beurteilt. Zusätzlich wurde beobachtet, ob es im Gespräch aufgrund eines allfälligen reduzierten auditiven Sprachverständnisses zu Missverständnissen kam. Durch die Auswahl eines Podcasts und die Beobachtung in der Dialogsituation handelte es sich um eine alltagsnahe Testung, aufgrund der fehlenden Standardisierung bei Durchführung, Wahl des Materials und Auswertung lieferte dieses Vorgehen jedoch kaum vergleichbare Informationen. Der neue Subtest zur Untersuchung des auditiven Sprachverständnisses auf Textebene soll nun auf möglichst standardisierte und vergleichbare Art und Weise feststellen, ob ein Patient die in einem auditiv dargebotenen Text enthaltenen Informationen verstehen und aufnehmen kann. 5.3.1 Material und Durchführung Die Problematik am auditiven Sprachverständnis ist, dass es sich der direkten Beobachtung entzieht. Wenn überhaupt, ist der Senderin einer sprachlichen Mitteilung einzig die Reaktion des Empfängers zugänglich (Grande & Hußmann, 2016). Beeinträchtigungen können sich in Missverständnissen, häufigem Nachfragen oder inadäquaten Antworten äussern (Eibl, 2023; Stadie et al., 2013). Beim Sprachverstehen ist die Kompetenz des Wortverständnisses von Kompetenzen des Satzverständnisses und des Textverständnisses zu unterscheiden (Richter, Wittler & Hielscher-Fastabend, 2006). Das Verständnis von Texten setzt grundsätzlich das Verständnis auf den vorherigen Ebenen voraus, also auf der phonologischen, lexikalisch-semantischen und morphologisch-syntaktischen Ebene (Eibl, 2023). Bei den Verstehensprozessen auf Textebene kommen neben diesen Aspekten die Auswertung kohäsiver Mittel und kohärenter Zusammenhänge hinzu (Richter et al., 2006). Diese makrolinguistischen Prozesse der Kohärenzbildung und Konstruktion von Makrostrukturen sind von den mikrolinguistischen Prozessen auf Laut-, Wortund Satzebene zu unterscheiden. Zudem stehen die Verstehensprozesse auf Textebene in der Nähe von nichtsprachlichen kognitiven Leistungen wie Planung, Schlussfolgerung, Problemlösung und Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? 53 Gedächtnis (Riedel, 2014). Weil die kohärente Struktur und allfällige redundante Informationen das Verstehen erleichtern, kann das Verständnis auf Textebene besser sein als auf Einzelwortebene: Es wird verstärkt über Weltwissen und Schlüsselwortstrategie verarbeitet und linguistische Informationen tendenziell vernachlässigt. Somit ist die komplette linguistische Aufarbeitung einer Äusserung nicht immer nötig, um ihre Bedeutung zu verstehen. Je nach sprachlichem Material ist diese Strategie jedoch nicht mehr ausreichend und die syntaktische Verarbeitung wird notwendig (Grande & Hußmann, 2016). Prozesse des auditiven Textverständnisses werden häufig anhand von Verständnisfragen, Zusammenfassungen, Überschriften oder Nacherzählungen erfasst. Somit sind oft sprachproduktive Anteile notwendig, um die rezeptiven Prozesse zu erschliessen (Richter et al., 2006). Das bisherige Assessment am Inselspital hat gezeigt, dass die Beurteilung anhand einer Zusammenfassung suboptimal ist, da es durch die sprachproduktiven Anteile zu einer Konfundierung mit Sprachproduktionsleistungen kommen kann. Zudem sind bei einer Zusammenfassung die objektive Beurteilung und Vergleichbarkeit erschwert. Es scheint somit sinnvoller, das Textverständnis mit Verständnisfragen zu überprüfen. Diese sollten mündlich dargeboten werden, damit es zu keinem Modalitätenwechsel innerhalb der Aufgabe kommt. Der Blick in die deutschsprachigen Diagnostikverfahren zeigt, dass das Sprachverständnis meist auf Wortoder Satzebene untersucht wird. Eine Ausnahme bildet der BMTDA (Delavier & Graham, 1981), welcher das auditive Sprachverständnis auf kurzer Textebene untersucht. Es liegt jedoch nur ein einzelner Text vor; der Anspruch an Parallelversionen ist somit nicht erfüllt. Es stellt sich die Frage, welche deutschsprachigen Texte mit Verständnisfragen in mehrfacher Ausführung vorliegen. Eine solche Sammlung sind die Texte für die neurologische Rehabilitation von Riedel (2014). Es handelt sich um kurze Zeitungsmeldungen, welche narrative Strukturen mit deskriptiven Eigenschaften aufweisen. Sie meiden kontroverse Themen und haben einen möglichst zeitlosen Nachrichtenwert. Die Texte wurden in Länge, Informationsgehalt und syntaktischer Komplexität so gut wie möglich einander angeglichen. Zu jedem Text liegen Satzverifikationen, Multiple ChoiceEntscheidungen und offene Fragen vor (Riedel, 2014). Die Texte wurden ursprünglich für die Therapie des Lesens entwickelt. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich denn auch, dass sich nur die Satzverifikationen zur auditiven Darbietung eignen: Die Multiple Choice-Fragen können ohne Darbietung der Antwortmöglichkeiten oft nicht beantwortet werden und die auditive Präsentation einer Frage mit vier Antwortmöglichkeiten erscheint nicht sinnvoll. Die offenen Fragen wurden ausgeschlossen, nachdem sich in einem Pilotversuch mit einer Tumorpatientin zeigte, dass die Bewertung der Antworten in Ermangelung von Lösungen schwierig ist; hierfür müssten zuerst Kriterien definiert werden. Zudem führen ausführliche Antworten dazu, dass mehrere Fragen mit einer Antwort beantwortet werden, was die Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? 54 Beurteilung ebenfalls erschwert. Die auditive Darbietung von zehn Satzverifikationen, welche der Patient als «richtig» oder «falsch» beurteilen muss, erscheint hingegen als machbar. Von den fünfzehn Texten wurden drei ausgewählt. Zuerst haben beide Autorinnen einzeln die Texte bewertet. Im Anschluss wurden in einer gemeinsamen Diskussion drei Texte gewählt. Dabei wurde gestützt auf die eigene Expertise und jahrelange Erfahrung versucht, diejenigen Texte auszuwählen, welche bei den Patienten erfahrungsgemäss auf die beste Akzeptanz stossen. Mit dem Vorliegen von drei verschiedenen Versionen können Lerneffekte vermieden werden. Eine erste Pilotierung im Bekanntenkreis der Autorinnen zeigte, dass bei sprachgesunden Probanden verschiedenen Alters bei den Texten einzelne Fehler zu erwarten sind, die Beantwortung der Satzverifikations-Aufgaben nach auditiver Darbietung des Textes grundsätzlich jedoch gut möglich zu sein scheint (siehe Anhang G). Um ein möglichst standardisiertes Vorgehen zu gewährleisten, wurden von allen drei Texten Aufnahmen angefertigt, so dass alle Texte von derselben Person vorgelesen werden. Dem Patienten wird während der Untersuchung die Aufnahme abgespielt. Danach liest die Untersucherin die Satzverifikations-Aufgaben vor. Der Patient beurteilt jede Aussage und begründet seine Antwort kurz. Die einzig zulässige Hilfestellung ist das Wiederholen der Aufgabe auf Nachfrage hin. Dies soll den Alltag widerspiegeln; kommt es im Alltag zu Missverständnissen bei der Rezeption von gehörten Inhalten, ist es oft nicht möglich, die gesamten Inhalte wiederholen zu lassen. 5.3.2 Auswertung Grundsätzlich geht es bei der Auswertung des Untertests zum auditiven Sprachverständnis um den aktivitätsbezogenen Blickwinkel und damit um die Frage, ob der Patient in der Lage war, den gehörten Text zu verstehen und aufzunehmen. Dies wird beurteilt, indem notiert wird, wie viele der zehn Fragen korrekt beantwortet wurden. So kann sich ein Bild davon gemacht werden, ob es beim Verstehen des Textes zu Missverständnissen kam oder nicht und ob die im Text enthaltenen Informationen erinnert werden können. Es sollen zudem qualitative Beobachtungen gemacht und notiert werden, wie beispielsweise, ob die Fragen sehr zügig beantwortet werden konnten oder ob es zu Unsicherheiten kommt. Die Abbildung der funktionsbezogenen Perspektive im Sinne von einer Beurteilung auf einer sprachlichen Ebene oder einer genaueren Beurteilung der Fehler ist durch die Untersuchung auf Textebene kaum möglich. Wie oben beschrieben, entziehen sich die Defizite im Bereich des auditiven Sprachverständnisses der direkten Beobachtung. 5.4 Lesen und Lesesinnverständnis auf Textebene Das Lesen und das Lesesinnverständnis auf Textebene wurden bis anhin auf unterschiedliche Art und Weise erfasst: Teilweise wurden den Patienten journalistische Texte vorgelegt, welche sie im Anschluss mündlich zusammenfassen sollten. Teilweise wurden Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? 55 den Patienten auch Texte aus Sammlungen vorgelegt, zu welchen es Fragen zu beantworten galt, beispielsweise Texte aus der Sammlung von Riedel (2014). Auch dieses Vorgehen lieferte aufgrund der mangelnden Standardisierung bei Durchführung, Wahl des Materials und Auswertung kaum vergleichbare Informationen. Ziel des neuen Subtests zur Untersuchung des Lesesinnverständnisses auf Textebene ist es, in möglichst standardisierter und vergleichbarer Art und Weise festzustellen, ob ein Patient einen Text lesen und verstehen kann. 5.4.1 Material und Durchführung Um einen Satz zu verstehen, muss man die einzelnen Wörter visuell verarbeiten und ihre phonologischen, orthografischen und semantischen Repräsentationen identifizieren und abrufen. Diese Repräsentationen müssen miteinander verbunden werden, um die zugrundeliegende Bedeutung des Satzes zu verstehen. In ähnlicher Weise muss der Leser, um einen Text als Ganzes zu verstehen, einzelne Einheiten verarbeiten und miteinander verbinden, was zur Konstruktion einer kohärenten mentalen Darstellung des Textes führt (Kendeou, Broek, Helder & Karlsson, 2014). Um einen Text zu verstehen, genügt es somit nicht, ihn auf Laut-, Wortund Satzebene, also mikrolinguistisch, zu verarbeiten, sondern wir müssen ihm eine zusammenhängende inhaltliche Struktur geben, das heisst, Kohärenz bilden und Makrostrukturen konstruieren (Neubert, Rüffer & Zeh-Hau, 2010). Das Verstehen ist dabei keine rein sprachliche Leistung, sondern geschieht unter Beteiligung von nichtsprachlichen kognitiven Systemen wie Gedächtnis (Chesneau & Ska, 2015; Neubert et al., 2010), Inferenzbildung (Kendeou et al., 2014; Neubert et al., 2010), Exekutivfunktionen und Aufmerksamkeit (Chesneau & Ska, 2015; Kendeou et al., 2014). Dies muss beachtet werden, damit es diagnostisch nicht zu einer Konfundierung kommt (Chesneau & Ska, 2015). Die Evaluation der verschiedenen deutschsprachigen Verfahren zur Testung der Sprache zeigt, dass das Lesesinnverständnis fast immer nur auf Wortoder Satzebene überprüft wird. Einzig der BMTDA (Delavier & Graham, 1981) überprüft das Lesesinnverständnis auf Textebene. Im BMTDA liegt jedoch nur ein Text vor, was für die verschiedenen Testzeitpunkte nicht ausreichend ist. Für einen geeigneten Subtest waren alltagsnahe, in mehreren Versionen vorliegende Lesetexte gesucht. Bei der Recherche fiel auf, dass es keine Lesetexte gibt, welche validiert und normiert sind. So entstand in Zusammenarbeit mit einer Neuropsychologin die Idee, bestehende deutschsprachige Texte durch deren BachelorPsychologie-Studierende zu validieren und normieren. Die Wahl fiel auf die Texte aus der Sammlung «Gib mir fünf!» (Neubert et al., 2010), welche am Inselspital bisher vor allem in der Therapie verwendet wurden. Gründe für die Wahl dieser Texte waren unter anderem, dass dazu bereits Verständnisfragen bestehen und die Texte erfahrungsgemäss bei den Patienten auf viel Interesse stossen. Zudem hat der Verlag auf Anfrage die Durchführung Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? 56 einer Validierungsstudie erlaubt. Es handelt sich um Texte, welche Ausflugsoder Urlaubsziele im Inund Ausland schildern. Sie wurden unbearbeitet aus einer deutschen Zeitung übernommen (Neubert et al., 2010), weswegen sie als sehr alltagsnah beurteilt werden können. Die Texte sind in ihrer Art und Länge vergleichbar und wurden durch die Autoren zusätzlich auf ihren Schwierigkeitsgrad hin bewertet. Dabei wurde die Länge des Textes (Anzahl der Zeilen) ins Verhältnis gesetzt zur Anzahl von Wörtern und schwierigen Ausdrücken wie Eigennamen, morphologisch komplexen Wörtern oder Fremdwörtern (ebd.). Für das Assessment am Inselspital wurden drei Texte ausgewählt. So können Lerneffekte vermieden werden. Es wurden Texte gewählt, welche möglichst alltagsnah sind und nicht zu abstrakte Themen behandeln, jedoch auch nicht Ziele in der Schweiz schildern, da diese Inhalte den Patienten bereits bekannt sein könnten. Zudem sollten die Texte nicht zu informationsdicht sein, weswegen die Wahl auf Texte des mittleren Schwierigkeitsgrades «M» fiel. In einer gemeinsamen Entscheidungsfindung wählten die beiden Autorinnen die drei Texte «Heviz», «Waldwipfelweg» und «Pont du Gard». Zu allen Texten aus «Gib mir fünf!» stehen drei Aufgabentypen zur Verfügung: Satzverifikationen, Multiple-ChoiceAufgaben und offene Fragen. Für die Satzverifikationen ist es nicht zwingend notwendig, den Text als Ganzes verstanden zu haben. Es genügt, die jeweiligen Aussagesätze sprachlich zu verstehen und zur betreffenden Einzelinformation im Text in Beziehung setzen zu können (Neubert et al., 2010). Beim Text «Heviz» liegen zwei Sets Satzverifikationen vor, hier entschieden sich die Autorinnen für das Set mit den aus ihrer Sicht plausibleren Fragen. Bei den Multiple-Choice-Aufgaben beziehen sich jeweils zwei Fragen auf die Mikro-, beziehungsweise Makrostruktur des Textes, zwei Fragen erfordern Inferenzprozesse. Für die Fragen zur Makrostruktur müssen bestimmte Passagen des Texts als Ganzes verstanden worden sein. Für die Beantwortung der Fragen mit Inferenzprozessen müssen Informationen so verarbeitet werden, dass Schlussfolgerungen gezogen werden können, welche im Text nicht expliziert sind (ebd.). Durch diese beiden Aufgabentypen scheinen die oben erwähnten Prozesse der Textverarbeitung abgedeckt. Infolgedessen ist kein Mehrwert vom Aufgabentyp «offene Fragen» zu erwarten. Der Patient soll also nach dem Lesen des Textes die Satzverifikationen und die Multiple-Choice-Aufgaben bearbeiten. Der Patient kann dabei den Text behalten; so werden die Bearbeitungsanforderungen etwas gesenkt, weil die relevanten Informationen nicht zwingend erinnert werden müssen (ebd.). Um das laute Lesen zu überprüfen, wird der Patient zusätzlich gebeten, einen Teil des Textes laut vorzulesen. Da davon ausgegangen wird, dass Sprachgesunde grundsätzlich eine Kombination von einzelund ganzheitlichem Lesen anwenden (Eibl, 2023), kann erwartet werden, dass durch das laute Lesen des Textes beide dieser Routen überprüft werden. Auf eine isolierte Testung der Graphem-Phonem-Korrespondenz-Route mit Pseudowörtern wird daher im Standardvorgehen verzichtet. Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? 57 5.4.2 Auswertung Bei der Auswertung dieses Untertests kann zwischen dem Lauten Lesen und dem Lesesinnverständnis unterschieden werden. In Bezug auf das Lesesinnverständnis wird bei der Auswertung angegeben, wie viele der Satzverifikationen und wie viele der MultipleChoice-Aufgaben von den Patienten richtig beantwortet wurden. So kann beurteilt werden, inwiefern der Patient in der Lage war, den gelesenen Text zu verstehen. Zusätzlich sollen Beobachtungen notiert werden, wie beispielsweise, ob die Fragen sicher und zügig oder unsicher und mit sehr häufigem Nachlesen im Text beantwortet wurden. Das Laute Lesen wird beurteilt, indem notiert wird, zu welchen Fehlern es dabei kam. Hierzu wurde ein Kategoriensystem zur qualitativen Fehlerbeschreibung beim Lauten Lesen erstellt (siehe Tabelle B). Die Tabelle basiert auf dem Kategoriensystem zur qualitativen Fehlerbeurteilung aus dem Subtest Mündliche Sprachproduktion und wurde in Anlehnung an Eibl (2023) und Grande & Hußmann (2016) für das Laute Lesen angepasst. . 5.5 Benennen Die bisherige Diagnostik am Inselspital umfasste zwei verschiedene Benenntests. Präund postoperativ wurde der Untertest Mündliches Benennen aus der Wortproduktionsprüfung nach Blanken (Blanken et al., 1999) durchgeführt, während intraoperativ ein Objektbenennen anhand einer Auswahl von Bildern aus der Sammlung von Snodgrass & Vanderwart (1980) erfolgte. Das intraoperative Vorgehen wurde vor Jahren durch die Neuropsychologie des Inselspitals entwickelt und unverändert durch die Logopädie übernommen, als die Zuständigkeiten für die intraoperative Testung wechselten. Heute kann nicht mehr nachvollzogen werden, ob die Auswahl der Bilder aus dem Set von Snodgrass und Vanderwart nach bestimmten Kriterien erfolgte. Der Benenntest nach Blanken et al. (1999) ist am Inselspital ein gebräuchliches Diagnostikinstrument und wurde daher Teil der präund postoperativen Diagnostik. Das Wortmaterial des Verfahrens ist auf Silbenzahl, Wortfrequenz und phonologische Komplexität kontrolliert, wodurch Störungsschwerpunkte beobachtet werden können. Im Rahmen der präund postoperativen Diagnostik erfolgte die Auswertung quantitativ, wobei die korrekt benannten Items addiert wurden und einen Punktwert bildeten. Dabei fehlten eindeutige Anweisungen zur Auswertung, was dazu führte, dass es zu unterschiedlichen Beurteilungen je nach Untersucherin kam. Nebst der Beurteilung nach richtig und falsch wurden die Fehler durch die Untersucherin zusätzlich qualitativ beschrieben, jedoch auch dies ohne allgemeingültige Vorgaben zum Vorgehen. Das Ziel der Überarbeitung des Untertests zum Benennen ist zum einen die Evaluation des Instruments im Hinblick auf Faktoren, die gemäss Literatur für die Benennleistung relevant sind. Wie in Kapitel 4.2.1 zusammengefasst, handelt es sich dabei unter anderem um die Wortklasse und andere linguistische Eigenschaften der Items oder dem Setzen eines Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? 64 & Hansen, 2015). Die meisten der im deutschsprachigen Raum zur Verfügung stehenden Verfahren befragen jedoch nicht die Betroffenen selbst, sondern deren Umfeld oder versuchen, kommunikative Fähigkeiten mittels direkter Messung zu erfassen (Achhammer, Büttner, Sallat & Spreer, 2016; Schneider et al., 2021). Verfahren, welche Betroffene befragen, sind CAL (Communicative Activity Log; Neininger, 2002), DiaDia (Dialogdiagnostik für aphasische Menschen und ihre primären Bezugspersonen; Brunner & Hirzel, 2009), ALQI (Aachener Lebensqualitätsinventar; Hütter & Gilsbach, 2002) und KOSA (Kommunikationsorientierte Selbstbeurteilung bei Aphasie; Kuntner, 2013), wobei die zwei letztgenannten Fragebögen unveröffentlicht sind. DiaDia ist ein dialogorientiertes Diagnostikinstrument für Betroffene und Angehörige, welches nur qualitativ ausgewertet werden kann. Da für eine optimale Vergleichbarkeit zwischen dem präund postoperativen Stand eine quantitative Auswertung zentral ist, kommt für BeSA als einzig potenziell anwendbare Option der Fragebogen CAL in Frage. Dieser besteht aus fünf Teilen, wobei drei davon durch die betroffene Person ausgefüllt werden. Bei den übrigen zwei Skalen handelt es sich um Fremdbeurteilungen, auf diese wird hier nicht näher eingegangen. Bei der Selbstbeurteilung wird der Patient instruiert, seine Sprachfähigkeit auf einer 6-stufigen Skala zu beurteilen. Dabei wird im ersten Teil erfragt, wie gut bestimmte Tätigkeiten gelingen (z.B. Wie gut und flüssig lesen Sie Zeitungsartikel?). Im zweiten Teil soll die Häufigkeit von Aktivitäten eingeschätzt werden (z.B. Wie oft sprechen Sie mit einem Familienmitglied?), während im dritten Teil die Häufigkeit von Fehlern (z.B. Wie oft machen Sie Fehler, wenn Sie kleine Notizen schreiben?) oder Missverständnissen (z.B. Wie oft missverstehen Sie jemanden am Telefon?) beurteilt werden soll. Die einzelnen Fragen sind teilweise etwas abstrakt formuliert und enthalten wenig Situationskontext. Nicht alle Items zielen ausserdem auf eine Interaktion zwischen zwei oder mehr Personen ab. CAL erfragt insgesamt also eher verschiedene sprachliche und kommunikative Fähigkeiten, aber nicht direkt die kommunikative Teilhabe. Die im deutschsprachigen Raum zur Verfügung stehenden Selbstbeurteilungs-Fragebögen scheinen somit alle nur ungenügend das Konstrukt der kommunikativen Partizipation zu erfassen. Es besteht daher der Bedarf nach einem neuen Verfahren. 5.8.1 Entwicklung der Fragebogen-Items Das Ziel der Entwicklung eines Selbstbeurteilungs-Fragebogens war die Erfassung des Konstrukts der Kommunikativen Teilhabe gemäss oben genannter Definition nach Eadie et al. (2006). Der Bogen sollte sich zudem an den Teilhabebereichen der ICF orientieren und an den Einsatz im Rahmen der präund postoperativen Diagnostik bei Patienten mit Tumorerkrankungen angepasst sein. Dies beinhaltet eine optimale inhaltliche Anpassung der Items an die Patientengruppe, die Möglichkeit einer zeitökonomischen Durchführung und eine möglichst gute intraindividuelle Vergleichbarkeit. Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? 65 In einem ersten Schritt erfolgte eine Literaturrecherche mit dem Ziel, festzustellen, ob bereits validierte Items zum Konstrukt der Kommunikativen Teilhabe bestehen. Für den englischsprachigen Raum ist dies der Fall mit der Communicative Participation Item Bank (CPIB; Baylor et al., 2013; Baylor, Eadie & Yorkston, 2021). Dabei wurden FragebogenItems entwickelt, welche unabhängig vom Störungsbild einsetzbar sein sollen. Das Instrument umfasst 46 Items und es existiert eine Kurzform mit 10 Items. Die CPIB enthält ausschliesslich Items, welche die mündliche Kommunikation betreffen. Die Autorinnen begründen dies damit, dass durch den Einbezug anderer Modalitäten möglicherweise das Konstrukt der kommunikativen Teilhabe nicht konsistent abgebildet werden würde, da die Schriftsprache beispielsweise auch aufgrund motorischer Defizite beeinträchtigt sein kann. Zudem sei die universelle Anwendbarkeit des Instruments unabhängig des Störungsbildes durch den Einbezug der schriftlichen Kommunikation nicht mehr gegeben. Ter Wal et al. (2024) entwickelten basierend auf CPIB und weiterer Literatur eine neue Item-Sammlung: MyCommunication-Adults. Der Bedarf nach der Entwicklung einer neuen Item-Sammlung wird damit begründet, dass CPIB das Konstrukt der kommunikativen Partizipation nicht vollständig abbilde und stattdessen auch allgemeine Fragen zu Kommunikation enthalte. Ein weiterer Kritikpunkt an CPIB war, dass einige Items nicht für alle Patientengruppen relevant seien. Die Item-Sammlung MyCommunication-Adults enthält aktuell 133 Items zugeordnet zu sechs Domänen der ICF. Die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen – in einem nächsten Schritt sollen die psychometrischen Eigenschaften der einzelnen Items überprüft werden. Für die Entwicklung des Selbstbeurteilungs-Fragebogens für Tumorpatienten als Teil von BeSA erscheint die Item-Sammlung MyCommunication-Adults als eine sehr gute Basis. Sie definiert die verschiedenen Interaktionskontexte im Rahmen der Teilhabe-Bereiche der ICF. Im Gegensatz zu CPIB beinhaltet sie zudem Items zur Schriftsprache, was bei Aphasien ein relevanter Bereich sein kann. Die Interaktion, welche auch ein definierendes Kriterium für die kommunikative Partizipation ist, wird dabei als «exchange with the opportunity for a direct, prolonged or behavioural response between two communicative partners with the purpose of establishing joint meaning» beschrieben (ter Wal et al., 2024, S. 2769). Damit gelten auch Aktivitäten, die einen schriftlichen Austausch zwischen Personen erfordern oder lediglich eine Handlung hervorrufen, als Interaktion. Dieser Austausch zwischen Gesprächspartnern bildet gemäss diesem Verständnis das Konstrukt der Kommunikation ab. Das Ausfüllen einer sozialen Rolle in einer bestimmten Lebenssituation bildet das Konstrukt der Partizipation ab. Um kommunikative Partizipation abzubilden, müssen immer beide Konstrukte enthalten sein, was bei der Item-Auswahl berücksichtigt wurde. Mit den aktuell 133 Items ist die Sammlung MyCommunication-Adults allerdings viel zu umfangreich für den Einsatz im Bereich präund postoperative Diagnostik bei Tumorpatienten. Es musste demnach die Itemzahl reduziert werden. Die Autorinnen Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? 66 beurteilten dazu unabhängig voneinander die Items, wobei darauf geachtet wurde, dass die Items möglichst alltägliche Situationen beschrieben und somit für einen Grossteil der Patienten relevant erschienen. Zudem sollten die verschiedenen Teilhabebereiche nach ICF möglichst gleich gewichtet vorkommen und unterschiedliche Interaktionskontexte wie Anzahl und Vertrautheit von Gesprächspartnern wie auch verschiedene Situationsumgebungen repräsentiert sein. Weiter wurde beachtet, welche Sprachmodalität in einer bestimmten Kommunikationssituation typischerweise eingesetzt werden muss. Das Ziel war, die vier Sprachmodalitäten abzubilden, obwohl eine genaue Zuordnung nicht möglich ist. Die zwei eigenständigen Beurteilungen der Items durch die Autorinnen wurden im Anschluss ausführlich diskutiert und zu einem Konsens zusammengeführt. Dabei entstand eine Sammlung aus 21 Items, welche ins Deutsche übersetzt werden konnten. Die Übersetzung erfolgte dabei nicht möglichst wortgetreu. Stattdessen sollten die Items möglichst leicht verständlich sein und sofort die Vorstellung einer konkreten Alltagssituation hervorrufen. Gewisse Items wurden dementsprechend bewusst verändert. Nachdem der Übersetzungsprozess abgeschlossen war, wurden Rückmeldungen aus dem LogopädieTeam des Inselspitals zu den Items eingeholt und erneut leichte Veränderungen vorgenommen. An diesem Punkt wurde die Item-Entwicklung als vorübergehend abgeschlossen beurteilt. Verschiedene Versionen der Items aus dem Entwicklungsprozess finden sich im Anhang F. 5.8.2 Fragebogen-Design und Durchführung Nach der Entwicklung der Items mussten für die Pilotversion des Fragebogens insbesondere die Darbietungsform und die Antwortformate festgelegt werden. Wir orientierten uns dabei primär an MyCommunication-Adults, hinterfragten jedoch deren Vorgehen basierend auf Grundlagenwissen, welches wir uns mittels des Lehrbuchs «Testtheorie und Fragebogenkonstruktion» aneigneten (Moosbrugger & Kelava, 2020a). Zudem tauschten wir uns mit einem befreundeten Psychologen, PD Dr. Jörg Hupfeld-Heinemann, zu der Thematik aus (siehe Besprechungs-Notizen im Anhang F). Die englische Originalversion von MyCommunication-Adults formuliert die einzelnen Items als positive Aussagen, wie beispielsweise I can talk to a store employee. Als Antwortformat wurde eine vierstufige, unipolare Rating-Skala gewählt, welche beschriftet ist mit «effortless - with some difficulty - with great difficulty - cannot do it». Eine Skala ohne Mittelkategorie ist insofern sinnvoll, als dass bei der Einschätzung von Schwierigkeiten eine mittlere Merkmalsausprägung kaum beurteilt werden kann. Da von einer eher geringen Differenzierungsfähigkeit bei der Beurteilung von Schwierigkeiten ausgegangen werden muss, erscheint eine geringe Anzahl Skalenstufen passend. Würde man eine 6oder gar 8stufige Skala wählen, dürfte dies den Informationsgewinn eher nicht erhöhen. Das Finden von äquidistanten Skalenbezeichnungen würde zudem erschwert. Bei der Übersetzung der Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? 67 4-stufigen Skala von MyCommunication-Adults wurde darauf geachtet, dass die Bezeichnung möglichst eindeutig und neutral formuliert ist. Der Wortlaut sollte möglichst gleiche Abstände zwischen den einzelnen Punkten beschreiben. In einem Diskussionsprozess wurde die Formulierung problemlos möglich - mit gewissen Schwierigkeiten möglich - mit grossen Schwierigkeiten möglich - nicht möglich gewählt. Insgesamt wurde also versucht, die Antwortskala von MyCommunication-Adults so genau wie möglich zu übernehmen. In einem Punkt wurde jedoch bewusst abgewichen. Mit der obengenannten Antwortskala wird der Patient zu einer Aussage gezwungen. Es ist von MyCommunication-Adults nicht vorgesehen, ein Item auszulassen, selbst wenn dazu nicht Stellung genommen werden kann. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch hoch, dass es Patienten geben wird, auf deren Alltag nicht alle Items zutreffen. Benützt jemand beispielsweise keine öffentlichen Verkehrsmittel, sollte er nicht ein Item wie Ich kann eine Durchsage im ÖV verstehen beantworten müssen. Dies wäre der Validität des Fragebogens abträglich. Es wurde daher nebst der 4-Punkte-Skala die separate Antwortalternative Kann ich nicht beurteilen hinzugefügt. Im Hinblick auf die Darbietungsform ist von grösster Wichtigkeit, dass der Patient den Fragebogen gut versteht. Da es sich bei den Patienten, welche wach operiert werden, in der Regel nicht um Personen mit einer schweren Aphasie handelt, dürfte ein Fragebogen in schriftlicher Form in den meisten Fällen ohne Hilfestellungen ausgefüllt werden können. Um sicherzustellen, dass die sprachlichen Fähigkeiten für die Bearbeitung des Fragebogens ausreichen, wird dieser zum Schluss der präund postoperativen Diagnostik durchgeführt. Stellt die Untersucherin während der Diagnostik fest, dass das Lesesinnverständnis eingeschränkt ist oder andere Defizite vorliegen (z.B. visuell), welche zu Schwierigkeiten bei der Bearbeitung des Fragebogens führen könnten, kann der Fragebogen als strukturiertes Interview durchgeführt werden. Einen Fragebogen in Interviewform durchzuführen, kann zu verzerrten Ergebnissen führen, wenn davon ausgegangen werden muss, dass gewisse Items Scham auslösen oder sozial erwünschte Antwortmöglichkeiten enthalten. Beim Konstrukt der kommunikativen Teilhabe dürften solche Effekte nur minimal zum Tragen kommen. Ausserdem ist auch bei der schriftlichen Beantwortung des Fragebogens dem Patienten bewusst, dass es sich in keiner Weise um eine anonyme Befragung handelt, sondern die Angaben im therapeutischen Kontext genutzt werden. Es dürfte also diesbezüglich kaum einen Unterschied zwischen einer schriftlichen und mündlichen Darbietungsform geben. Damit das Vorgehen so standardisiert wie möglich ist, enthält der Fragebogen einen Einleitungstext – bei einer mündlichen Durchführung kann dieser vorgelesen oder sinngemäss im Dialekt wiedergegeben werden. Der Einleitungstext ist möglichst kurz und Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? 68 einfach gehalten und informiert über das Ziel des Fragebogens und die Möglichkeit, Items auszulassen. Für den genauen Wortlaut siehe Anhang C. Der Fragebogen soll für die Patienten möglichst nachvollziehbar sein. Die Items werden daher in thematische Blöcke aufgeteilt und mit Überschriften versehen, welche dem Patienten helfen sollen, die Fragen einem Lebensbereich zuzuordnen. Die Reihenfolge der Items sollen aus Patientensicht möglichst wenig Themensprünge enthalten, so dass die Beantwortung wenig kognitive Flexibilität erfordert. Nach der Erstellung der Pilotversion des Fragebogens wurde dieser zum Peer-Review an Stefan Bläsi (Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP, PhD) weitergegeben. Dieser ist am Felix-Platter Spital in Basel zuständig für die perioperative Diagnostik bei Tumorpatienten. Insgesamt kam ein positives Feedback zurück (Anhang F). Bei der Formulierung eines Items wurde ein Verbesserungsvorschlag angebracht, der umgesetzt wurde. 5.8.3 Auswertung Die Auswertung des Fragebogens erfolgt in einem ersten Schritt quantitativ. Der 4-PunktAntwortskala werden folgende Zahlenwerte zugeordnet: Problemlos möglich = 4; mit gewissen Schwierigkeiten möglich = 3; mit grossen Schwierigkeiten möglich = 2; nicht möglich = 1. Wird ein Item nicht beantwortet, wird der Punktwert 0 vergeben. Die Punktwerte aller Items werden anschliessend addiert und durch die Anzahl der beantworteten Fragen dividiert. Der daraus entstehende Mittelwert kann eine Zahl von 1 bis 4 annehmen. Je höher der Wert, desto höher die kommunikative Partizipation gemäss Einschätzung des Patienten. In einem zweiten Schritt wird empfohlen, den Fragebogen qualitativ zu analysieren, um festzustellen, wo besondere Schwierigkeiten in der kommunikativen Teilhabe bestehen. Im Gespräch mit dem Patienten könnten dadurch beispielsweise mögliche Therapieschwerpunkte abgeleitet werden. Bei der Auswertung ist es wichtig, zu berücksichtigen, dass es sich beim aktuellen Fragebogen um eine Pilotversion handelt. Die Ergebnisse sollten daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht überbewertet werden (siehe Kapitel 8 – Limitationen). 5.9 Übersicht der berücksichtigten Kriterien In Kapitel 5 wurden Testverfahren und -materialien ausgewählt und entwickelt, um alle zuvor in Kapitel 4 definierten Sprachbereiche untersuchen zu können. Dabei wurden die Kriterien Vergleichbarkeit, Zeitökonomie und Sensitivität besonders berücksichtigt. In Bezug auf die Vergleichbarkeit sollten durch die Ausarbeitung einer detaillierten Handanweisung und verschiedener Protokollbögen ein möglichst standardisiertes Vorgehen in Durchführung und Auswertung aller Subtests sichergestellt werden. Dadurch sollte die Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? 69 Vergleichbarkeit der Testergebnisse unabhängig von Testzeitpunkt oder Untersucherin verbessert werden. Ausserdem wurde bei der Auswahl und Entwicklung von Subtests darauf geachtet, dass diese nicht ausschliesslich qualitativ, sondern auch quantitativ ausgewertet werden können. Dies erleichtert ebenfalls einen Vergleich zwischen verschiedenen Testzeitpunkten. Im Hinblick auf die Zeitökonomie wurde versucht, die Durchführungsdauer des gesamten Assessments auf maximal eine Stunde zu beschränken. Das Assessment konnte an zwei Patientinnen pilotiert werden. Die erste Patientin benötigte mit insgesamt 65 Minuten eher viel Zeit, während die zweite Patientin eine rasche Bearbeitungsgeschwindigkeit an den Tag legte und nur 46 Minuten für das Assessment aufgewendet werden mussten. Geht man vom Durchschnitt aus, sollte das Assessment bei den meisten Patienten innerhalb von einer Stunde durchführbar sein. Im Hinblick auf den administrativen Zeitaufwand rund um das Assessment, wurde durch die Entwicklung eines Befundbogens versucht, die Dokumentation der zentralen Informationen ohne grossen Zeitaufwand zu ermöglichen. Wird der Befundbogen dem logopädischen Bericht als Beilage angehängt und so im Klinikinformationssystem hinterlegt, kann der Bericht selbst viel kürzer ausfallen. Auch für die Informationsempfängerin ist der Befundbogen von Nutzen, da auf einen Blick die quantitativen Testergebnisse, aber auch die qualitativen Beobachtungen in Form von Störungsschwerpunkten aufgelistet sind. Dadurch sind die Informationen einfach verständlich und rasch zu verarbeiten, im Vergleich zu einem langen Bericht mit viel Fliesstext. In Bezug auf die Sensitivität wurde das Vorgehen angepasst, indem das Benennen von Verben und die Wortflüssigkeit neu Teil der präund postoperativen Diagnostik sind. Zudem besteht bei den Aufgaben zur mündlichen und schriftlichen Sprachproduktion grundsätzlich die Möglichkeit, die Komplexität des Testmaterials an den Patienten anzupassen: In Zukunft könnten bei allen Aufgaben auf Textebene weitere Materialien (Bildergeschichten, Lesesinnverständnis-Texte) ergänzt werden, ohne das Vorgehen an sich verändern zu müssen. In untenstehender Tabelle 5 wird dargestellt, welche Kriterien in der aktuellen Pilotversion von BeSA bereits berücksichtigt werden und wo es weiteren Optimierungsbedarf gibt. Entwicklung von BeSA: Wie wird untersucht? 70 Tabelle 5 Übersicht über BeSA und Abgleich mit den Kriterien. Eigene Darstellung. In Kapitel 8 werden die Limitationen dieser Pilotversion diskutiert: Diese betreffen unter anderem das noch offenstehende Merkmal Reliabilität. Auf die Standardisierung der Testzeitpunkte hingegen wird bereits im nachfolgenden Kapitel 6 eingegangen. MSPT SSPT ASVT LSVT BEN FLU TT FRA Vergleichbar Standardisierung Testdurchführung ü ü ü ü ü ü ü ü Testauswertung ü ü ü ü ü ü ü ü Testzeitpunkte ? ? ? ? ? ? ? ? Testverfahren Quantitative Verfahren ü ü ü ü ü ü ü ü Qualitative Verfahren ü ü (ü) (ü) ü ü (ü) ü Reliable Verfahren ? ? ? ? ? ü ü ? Zeitökonomisch Zeit Durchführungszeit = 1 Stunde 2-6 Min 3-10 Min 6-8 Min 8-11 Min 8-9 Min 5-6 Min 8-10 Min 5 Min Administrative Zeit so gering wie möglich ü ü ü ü ü ü ü ü Informationsgehalt So hoch wie möglich ü ü ü ü ü ü ü ü Sensitiv Auswahl der Tests auf Funktionsebene Priorisierung von Tests mit hoher Sensitivität n.e. n.e. n.e. n.e. ü ü ? n.e. Komplexität Testmaterial anpassbar an individuelles Sprachniveau ü ü —* —* n.e. n.e. n.e. n.e. Anmerkungen: MSPT = Mündliche Sprachproduktion auf Textebene; SSPT = Schriftliche Sprachproduktion auf Textebene; ASVT = Auditives Sprachverständnis auf Textebene; LSVT = Lesesinnverständnis auf Textebene; BEN = Benennen; FLU = Fluency, TT = Token Test; FRA = Fragebogen; ? = noch offen; ( ü ) = teilweise erfüllt; * = geplant für die Weiterentwicklung; n.e. = nicht erforderlich Entwicklung von BeSA: Wann wird untersucht? 71 6 Entwicklung von BeSA: Wann wird untersucht? Die Durchführung der präund postoperativen Sprachdiagnostik zu festgelegten Zeitpunkten ist unter anderem für die Evaluation des Behandlungserfolgs einer Operation von Bedeutung (Miceli et al., 2012). Welche Zeitfenster dafür infrage kommen, wird oft durch die Organisationsstruktur des Betriebs oder die Erkrankung und deren Therapie beeinflusst. Um Zeitfenster für die präund postoperative Diagnostik am Inselspital festlegen zu können, fand im Rahmen der vorliegenden Arbeit ein Austausch zwischen Logopädie und Neurochirurgie statt. In diesem Kapitel wird dargestellt, welche Zeitfenster für die präund postoperative Sprachdiagnostik gemeinsam vereinbart wurden und welche Überlegungen dabei eine Rolle spielten. In Zusammenhang mit der präoperativen Diagnostik muss berücksichtigt werden, dass HighGrade-Gliome (HGG) am Inselspital innerhalb von rund 2-12 Tagen nach Diagnosestellung oder Überweisung operiert werden, um ein optimales onkologisches Outcome zu ermöglichen. In diesem Zeitraum muss auch die präoperative Baseline-Erhebung der Sprache stattfinden. Bei Low-Grade-Gliomen (LGG) kann die Operation oft etwas länger im Voraus geplant werden. Trotzdem empfiehlt es sich, die präoperative Diagnostik nicht in zu grossem Abstand zur Operation durchzuführen, um eine möglichst aktuelle präoperative Baseline zu erheben. Rein von der Organisationsstruktur des Klinikbetriebs her, ist ein Termin in der Vorwoche zur Operation oft am günstigsten. Dennoch kann es aus verschiedenen Gründen zu Abweichungen kommen. Für die präoperative Diagnostik legen wir daher ein Zeitfenster von 2-12 Tagen präoperativ fest, in welchem – wenn immer möglich – das präoperative Assessment erfolgen sollte (T1). Direkt postoperativ bleiben Patienten rund 5 Tage auf der neurochirurgischen Bettenstation hospitalisiert. In dieser Zeit sollte ein Screening erfolgen mit dem Ziel, den Therapiebedarf einzuschätzen und bei Bedarf eine ambulante oder stationäre Rehabilitation aufzugleisen (Herbet et al., 2017). Es erfolgt zu diesem Zeitpunkt jedoch keine ausführliche Diagnostik, da Patienten dafür erfahrungsgemäss noch nicht genug belastbar sind (Wyss & Hostettler, 2024). Da viele Patienten in eine mehrwöchige stationäre Rehabilitation gehen, kann die Follow-upUntersuchung standardmässig nicht zu früh erfolgen. Ausserdem erscheint es sinnvoll, eine gewisse Zeit verstreichen zu lassen, damit eine neuronale Reorganisation überhaupt erfolgen kann. In der Literatur ist der mit Abstand am häufigsten genannte Zeitpunkt für die Follow-up-Untersuchung 3 Monate postoperativ (M. Antonsson et al., 2018; Herbet et al., 2017; Satoer et al., 2016). In der praktischen Umsetzung erachten wir eine Abweichung von 1-2 Wochen als vertretbar, falls aus organisatorischen Gründen die 3 Monate nicht genau eingehalten werden können. Patienten, welche im 3 Monats-Follow-up (T2) noch sprachliche Einschränkungen haben, sollten erneut nachkontrolliert werden, da sich durch weitere Entwicklung von BeSA: Wann wird untersucht? 72 Therapie und die Neuroplastizität die sprachlichen Leistungen weiter verbessern können (Satoer et al., 2014, 2016). Gemäss Talacchi et al. (2012) gelten postoperative Defizite nach 6 Monaten als anhaltend und erst nach 12 Monaten als dauerhaft. In Absprache mit der Neurochirurgie legen wir somit als Langzeit-Follow-up (T3) den Zeitpunkt 1 Jahr postoperativ fest, wobei auch hier Abweichungen von 1-2 Wochen vertretbar erscheinen. Ausnahmen bilden Patienten mit hochmalignen Tumoren (WHO Grad IV), welche sich mit hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb eines Jahres aufgrund eines Tumorprogresses erneut verschlechtern. Das sprachliche Leistungsniveau steht damit nicht mehr in direktem Zusammenhang mit der Wach-Operation, weshalb ein Langzeit-Follow-up in diesen Fällen nicht sinnvoll erscheint. Ergebnisse und Diskussion 73 7 Ergebnisse und Diskussion Ziel der vorliegenden Arbeit war die Optimierung der präund postoperativen Diagnostik am Inselspital. Das bisherige Vorgehen war geprägt von der therapeutischen Sichtweise. Der Schwerpunkt lag auf der Charakterisierung des Störungsbildes durch deskriptive Auswertung von möglichst alltagsnahen, individualisierten, jedoch kaum standardisierten Aufgaben. Basierend auf der Expertise der Untersucherin wurde der Schweregrad der Beeinträchtigung bezogen auf Aktivität und Partizipation eingeschätzt. Aus ärztlicher Sicht sollte die Diagnostik vor allem eine möglichst objektive und einfache Evaluation der Operation ermöglichen; einerseits für die interne Qualitätskontrolle, andererseits für die Publikation in Studien. Dafür eignet sich die Durchführung von standardisierten und quantitativen Verfahren auf Funktionsebene zu definierten Zeitpunkten. Die bisherige Diagnostik sollte nun dahingehend verbessert werden, dass sowohl die therapeutischen wie auch die ärztlichen Ansprüche erfüllt würden. Die Diagnostik sollte also weiterhin Aktivität und Partizipation abdecken, jedoch auch möglichst standardisiert und vergleichbar sein. In der Literatur finden sich zur Thematik kaum klare Leitlinien. In der Befragung im Rahmen des Studienprojekts G zeigte sich, dass eine hohe Heterogenität herrscht in den perioperativen Herangehensweisen in den verschiedenen Kliniken im DACH-Raum. Aufgrund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen an den verschiedenen Institutionen kann ein einheitliches Vorgehen wahrscheinlich auch in Zukunft nicht erreicht werden. Somit war klar, dass ein spezifisch an die Rahmenbedingungen und interprofessionellen Bedürfnisse des Inselspitals angepasstes Vorgehen entwickelt werden musste – das Berner Sprach-Assessment BeSA. In Absprache mit der Neurochirurgie erfolgte die Festlegung zentraler Kriterien, die BeSA erfüllen soll. Es handelt sich um die folgenden übergeordneten Kriterien: umfassend, vergleichbar, sensitiv und zeitökonomisch. Basierend auf der aktuellen Literatur und der klinischen Erfahrung wurden die Kriterien spezifiziert. Als weiterer Schritt im Entwicklungsprozess des BeSA wurden die Besonderheiten bei der Diagnostik bei Tumorpatienten im Vergleich zur allgemeinen logopädischen Diagnostik herausgearbeitet. Dabei stellte sich nicht nur die Frage nach den verschiedenen ICF-Ebenen der Diagnostik, sondern auch nach der Einordnung des BeSA im Spannungsfeld zwischen psychometrischer und orientierender sowie syndromund modellorientierter Diagnostik. In einem nächsten Schritt wurden die durch das BeSA zu untersuchenden Sprachbereiche festgelegt. Dazu wurden einerseits existierende, internationale Verfahren mit den Kriterien des Inselspitals abgeglichen. Andererseits wurde evaluiert, welche Kriterien durch das bisherige Vorgehen abgedeckt werden oder noch fehlen. Es zeigte sich, dass die Kriterien mit der Übernahme oder Übersetzung eines der internationalen Verfahren nicht erfüllt werden konnten. Gleichzeitig stellte sich heraus, dass gewisse Aspekte des bisherigen Literaturverzeichnis 80 9 Literaturverzeichnis Achhammer, B., Büttner, J., Sallat, S. & Spreer, M. (2016). Pragmatische Störungen im Kindesund Erwachsenenalter. Stuttgart: Thieme Verlag. Zugriff am 26.2.2025. Verfügbar unter: https://eref.thieme.de/ebooks/1489507#/ebook_1489507_SL61371886 Aebi, C. (2002). Validierung der neuropsychologischen Testbatterie CERAD-NP - Eine MultiCenter Studie. Basel: Universität Basel. Aichert, I. & Kiermeier, S. (2015). Aphasiediagnostik mit LEMO 2.0 – Testüberblick und Anwendung im sprachtherapeutischen Alltag. Sprachtherapie aktuell: Aus der Praxis für die Praxis, (2), 1–15. https://doi.org/10.14620/stadbs150905 Aita, S. L., Beach, J. D., Taylor, S. E., Borgogna, N. C., Harrell, M. N. & Hill, B. D. (2019). Executive, language, or both? An examination of the construct validity of verbal fluency measures. 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Es folgt die Instruktion: Sie sehen nun Vorlagen mit verschiedenen Formen in verschiedenen Farben. Bitte zeigen Sie mir jeweils diejenige Form, welche ich nenne. Kann das Übungsbeispiel gelöst werden, wird Teil 1 und 2 durchgeführt. Instruktion Teil 3 & 4 Nun müssen Sie zwei Formen zeigen. Die Reihenfolge ist egal. Es ist wichtig, dass Sie abwarten, bis ich den ganzen Satz gesagt habe. Instruktion Teil 5 Jetzt erhalten Sie verschiedene Plättchen. Ich sage Ihnen in einem Satz, was Sie mit den Plättchen machen sollen. Es ist wichtig, dass Sie abwarten, bis ich den ganzen Satz gesagt habe. Hilfestellung Auf Verlangen darf die Instruktion wiederholt werden. Maximal 2 Wiederholungen pro Untertest sind zulässig. Auswertung quantitativ Anzahl Fehler pro Untertest notieren. Sofortige Selbstkorrekturen durch Pat. werden als richtige Antwort bewertet. Gesamtanzahl der Fehler notieren. Alterskorrektur vornehmen gem. AATProtokollbogen. Auswertung qualitativ Fehler werden im Protokollbogen markiert mittels Durchstreichens des Teils der Instruktion, wo der Fehler passiert ist (z.B. bei Farbe oder Form). Wiederholungen werden markiert mit «W», Selbstkorrekturen mit «SK», Perseverationen mit «P». Fluency Material • Original-RWT-Protokollbogen • Aufnahmegerät • Stoppuhr Instruktion: Formallexikalische Aufgabe Bei dieser Aufgabe sollen Sie innerhalb von zwei Minuten möglichst viele verschiedene Wörter nennen, die mit dem Anfangsbuchstaben ‘P’ / ‘M’ / ‘K’ beginnen. Dabei sollen Sie verschiedene Regeln beachten: Anhang A: Assessment-Unterlagen: Handanweisung 100 T1 = P T2 = M T3 = K • Sie sollen nur Wörter nennen, die in einer deutschen Zeitung oder einem deutschen Buch verwendet werden könnten. • Dabei sollen Sie keine Wörter mehrfach nennen. • Die Wörter dürfen aber auch nicht mit dem gleichen Wortstamm beginnen, also ‘Palast – Palasttor – Palasthof – Palastdame’ ‘Müll – Mülleimer – Müllabfuhr – Mülltonne’ ‘Kerze – Kerzenschein – Kerzenständer – Kerzenlicht’ gelten nur als ein Wort. • Weiterhin dürfen Sie auch keine Eigennamen nennen, also ‘Peter – Pia – Potsdam – Portugal’ ‘Miriam – Max – Madrid – Malta’ ‘Kerstin – Kurt – Köln – Kreta’ gelten nicht. Bitte versuchen Sie, möglichst schnell verschiedene Wörter mit dem Anfangsbuchstaben ‘P’ / ‘M’ / ‘K’ zu nennen. Instruktion: Semantische Aufgabe T1 = Tiere T2 = Lebensmittel T3 = Berufe Bei dieser Aufgabe sollen Sie innerhalb von zwei Minuten möglichst viele verschiedene Wörter aus der Kategorie ‘Tiere’ / ‘Lebensmittel’ / ‘Berufe’ nennen. Dabei sollen Sie keine ‘Tiere’ / ‘Lebensmittel’ / ‘Berufe’ mehrfach nennen. Bitte versuchen Sie, möglichst schnell viele verschiedene ‘Tiere’ / ‘Lebensmittel’ / ‘Berufe’ zu nennen. Hilfestellung Es sind keine Hilfestellungen erlaubt. Auswertung Die Antworten werden auf dem RWT-Rohdatenbogen protokolliert. Die korrekt produzierten Wörter, Repetitionen und Regelbrüche werden markiert, für Minute 1 und 2 getrennt ausgezählt und gemäss Rohdatenbogen notiert. Daraus kann ein Summenwert der ersten und zweiten Minute gebildet werden. Das Ergebnis wird mit der Gesamtstichprobe (s. Handbuch RWT) verglichen. Die Werte für Minute 1 und der Summenwert für Minute 1 & 2 werden in Prozentränge transformiert. Benennen: Nomina und Verben Material PowerPoint-Präsentation mit zu benennenden Items (VAN-POP) Aufnahmegerät Protokollbogen Benennen Anhang A: Assessment-Unterlagen: Handanweisung 101 Instruktion Nomina Dem Pat. wird das Übungsbeispiel auf dem PC angezeigt. Sie sehen nun Bilder von Objekten. Bitte sagen Sie möglichst schnell und spontan, wie Sie dem sagen würden. Bei Bedarf können bis zu 5 Übungsbeispiele durchgeführt werden. Instruktion Verben Dem Pat. wird das Übungsbeispiel auf dem PC angezeigt. Sie sehen jetzt Bilder von Tätigkeiten. Darüber steht ein Einleitungssatz. Lesen Sie den Einleitungssatz laut vor und sagen sie möglichst schnell und spontan, was die Person macht. Bei Bedarf können bis zu 5 Übungsbeispiele durchgeführt werden. Hilfestellung Hilfestellungen sind in 2 Fällen zulässig: 1) Hinweise auf Schwierigkeiten bei der Bilderkennung: Es erfolgt die Nachfrage «Ist das Bild für Sie klar?». 2) Nennung eines zutreffenden Oberbegriffs ohne Hinweise auf Wortfindungsstörungen: Es erfolgt die Nachfrage «Haben Sie ein noch genaueres Wort?». In beiden Fällen sind zusätzlich zu den Nachfragen gestische oder deiktische Hilfen zulässig. Sprachliche Hilfen wie Umschreibungen, semantische oder phonematische Hinweise hingegen sind zu unterlassen. Beispiele für zulässige deiktische & gestische Hilfen: z.B. «Helm» wird nicht erkannt > Hilfestellung: Zeigen auf Kopf mit dem Hinweis «hier». z.B. «Pfeifen» wird nicht erkannt > Hilfestellung: Untersucherin spitzt die Lippen wie «Pfeifen» z.B. Pat. benennt «Haus» statt «Dach» > Hilfestellung: Untersucherin zeigt auf der Abbildung auf den Pfeil, der auf das Dach hinweist. Bei offensichtlichen sprachlichen Schwierigkeiten wie Wortfindungsstörungen oder Paraphasien sind keinerlei Hilfen zulässig. Auswertung Quantitativ Punktvergabe: 2 Punkte: prompte, korrekte Reaktion 1 Punkt: korrekte Antwort verzögert, mit einer Selbstkorrektur oder erst nach Intervention Untersucherin gemäss obengenannten Vorgaben. 0 Punkte: korrekte Antwort später als 4 Sekunden nach Erscheinen des Stimulusbildes oder fehlerhafte Reaktion Anhang A: Assessment-Unterlagen: Handanweisung 102 Addition der Punktwerte für den Untertest Benennen (Nomen). Addition der Punktwerte für den Untertest Benennen (Verben). Auswertung Qualitativ Die qualitative Auswertung erfolgt gemäss den Fehlerkategorien zum Benennen. Die Störungsschwerpunkte werden auf den Befundbogen übertragen. Mündliche Sprachproduktion Material Bildergeschichten aus MAKRO Aufnahmegerät Protokollbogen Mündliche Sprachproduktion Instruktion Ich lege Ihnen eine Bildergeschichte vor. Bitte schauen Sie sich diese gut an. Melden Sie sich, wenn sie die Bildergeschichte erfasst haben und bereit sind, diese zu erzählen. ( .... ) ( .... ) Bitte erzählen Sie nun eine zusammenhängende Geschichte. Erzählen Sie so, dass auch jemand, der die Bilder nicht kennt, die Geschichte versteht. Hilfestellung Fehlen nach der Erzählung eine oder mehrere Propositionen, kann eine Hilfestellung pro Proposition angeboten werden: 1) Nachfrage, beispielsweise: «Und hier?» zusammen mit einer Zeigegeste auf das fehlende Element in der Bildergeschichte. Die Untersucherin selbst darf die Proposition nicht versprachlichen. ODER 2) Wiederholung einer durch den Pat. bereits übermittelten Proposition und Signalisierung, dass eine Information fehlt, indem die Rückfrage «Und dann?» gestellt wird. Auswertung quantitativ Für die Bewertung soll die Perspektive eines Gesprächspartners eingenommen werden, der die Bildergeschichte nicht kennt. 2 Punkte: Proposition wird unmissverständlich übermittelt (zulässig sind beispielsweise: eindeutige, sofortige Selbstkorrekturen oder leichte Verzögerungen im Redefluss) 1 Punkt: Proposition wird nach obgenannten Hilfestellungen genannt. Proposition kann vermittelt werden, vom Gesprächspartner ist jedoch eine erhöhte Anstrengungsbereitschaft erforderlich oder die kommunikative Effizienz ist reduziert, bspw. bei ausgeprägten Wortfindungsstörungen oder phonematischen Paraphasien Anhang A: Assessment-Unterlagen: Handanweisung 103 0 Punkte: Proposition kann auch mit Hilfestellungen und erhöhter Anstrengungsbereitschaft nicht vermittelt werden oder ist unoder missverständlich, bspw. wegen semantischen Paraphasien Die Punktwerte aller Propositionen werden addiert. So ergibt sich der Gesamtpunktwert des Untertests «Mündliche Sprachproduktion». Auswertung Qualitativ Die qualitative Auswertung erfolgt gemäss den Fehlerkategorien der mündlichen Sprachproduktion. Die Störungsschwerpunkte werden auf den Befundbogen übertragen. Schriftliche Sprachproduktion Material Bildergeschichten (MAKRO) Protokollbogen Schriftliche Sprachproduktion Instruktion Bitte schreiben Sie nun die Geschichte, die Sie gerade erzählt haben, auf. Schreiben Sie die Geschichte in ganzen Sätzen auf. Schreiben Sie so, dass auch jemand, der die Bilder nicht kennt, die Geschichte versteht. Hilfestellung Es sind keine Hilfestellungen erlaubt. Auswertung quantitativ Für die Bewertung soll die Perspektive eines Kommunikationspartners eingenommen werden, der die Bildergeschichte nicht kennt. 2 Punkte: Proposition wird unmissverständlich übermittelt (zulässig sind bspw. Selbstkorrekturen oder leichte orthografische Fehler) 1 Punkt: Proposition wird so vermittelt, dass Nachsicht, Zeit oder Konzentration erforderlich ist, um sie zu verstehen (bspw. durch phonematische Paragraphien oder Satzbaufehler) 0 Punkte: Proposition fehlt oder ist unbzw. missverständlich (bspw. durch semantische Paraphasien oder Satzverschränkungen) Die Punktwerte aller Propositionen werden addiert. So ergibt sich der Gesamtpunktwert des Untertests «Schriftliche Sprachproduktion». Auswertung qualitativ Die qualitative Auswertung erfolgt gemäss den Fehlerkategorien zur schriftlichen Sprachproduktion. Die Störungsschwerpunkte werden auf den Befundbogen übertragen. Auditives Sprachverständnis Material Audiofiles Text & Satzverifikations-Aufgaben von Riedel-Texten: T1: Riedel 1 (Gericht in Texas) T2: Riedel 2 (Columbia) Anhang A: Assessment-Unterlagen: Handanweisung 104 T3: Riedel 15 (Vulkan) Protokollbogen Auditives Sprachverständnis Instruktion Sie hören nun eine Aufnahme von einem kurzen Text. Im Anschluss werde ich Ihnen Fragen zum Inhalt stellen. Versuchen Sie also, den Inhalt des Textes möglichst gut zu erfassen. (...) Ich lese Ihnen nun Sätze vor. Sagen Sie mir bitte, ob diese Aussagen korrekt sind oder nicht. Bitte begründen Sie Ihre Antwort jeweils kurz. Hilfestellung Jede Satzverifikations-Aufgabe darf auf Nachfrage hin max. 1x wiederholt werden. Auswertung quantitativ Die Antwortmöglichkeiten sind: Richtig (=1 Punkt) Falsch (=0 Punkte) Weiss ich nicht (=0 Punkte). Die Anzahl der korrekt beantworteten Satzverifikationen wird addiert. Auswertung qualitativ Beobachtungen im Antwortverhalten auf Aufgabenblatt schriftlich festhalten, wie beispielsweise: Sehr schnelle und sichere Antworten; zögerliche, unsichere Antworten; Metakommentare bzgl. Gedächtnis; ... Lesesinnverständnis Material Text, Satzverifikationen & Multiple Choice-Aufgaben aus «Gib mir fünf!»- Textsammlung: T1: Heviz (Seite 1 der beiden Satzverifikationen) T2: Waldwipfelweg T3: Pont du Gard Instruktion vor dem Lesen Sie erhalten einen Text. Bitte lesen Sie den Text bis zur Markierung laut vor. Danach können Sie den Text in Ruhe weiterlesen. Im Anschluss sollen Sie Verständnisfragen zum Text beantworten. Sie können den Text zum Beantworten der Fragen bei sich behalten. Instruktion Satzverifikationen Bitte beantworten Sie nun diese Fragen zum Text. Sie sollen bei jeder Aussage ankreuzen, ob diese richtig oder falsch ist. Bei Unsicherheiten können Sie im Text nachschauen. Instruktion MCAufgaben Bei diesen Fragen kreuzen Sie bitte die richtige Antwort an. Es ist immer nur eine Antwort richtig. Bei Unsicherheiten können Sie im Text nachschauen. Hilfestellung Es sind keine Hilfestellungen erlaubt. Anhang A: Assessment-Unterlagen: Handanweisung 105 Auswertung Lautes Lesen Die qualitative Auswertung erfolgt gemäss den Fehlerkategorien zum lauten Lesen. Die Störungsschwerpunkte werden auf den Befundbogen übertragen. Auswertung LSV quant. Anzahl der korrekt beantworteten Satzverifikationen auszählen. Anzahl der korrekt beantworteten MC-Aufgaben auszählen. Auswertung LSV qual. Beobachtungen im Antwortverhalten festhalten, wie bspw.: Schnelle und sichere Antworten; zögerliche, unsichere Antworten; Metakommentare bzgl. Gedächtnis; ... Fragebogen Material Fragebogen Instruktion Dieser Fragebogen befasst sich mit der Kommunikation in verschiedenen Alltagssituationen. Bitte beurteilen Sie, wie gut sie in diesen Situationen zurechtkommen. Vielleicht gibt es Situationen, die in ihrem Alltag nie vorkommen: Kreuzen Sie dann das Feld «Kann ich nicht beurteilen» an. Hilfestellung Bei relevanten Einschränkungen, welche zu Schwierigkeiten bei der schriftlichen Bearbeitung des Fragebogens führen würden (z.B. eingeschränktes Lesesinnverständnis, visuelle Defizite), kann der Fragebogen als strukturiertes Interview durchgeführt werden. Bei einer schriftlichen Durchführung darf der Patient Rückfragen an die Untersucherin stellen. Ziel ist, dass die Fragebogen-Items möglichst gut verstanden werden. Auswertung Die Punktwerte aller Items werden addiert und durch die Anzahl der beantworteten Fragen dividiert. Der daraus entstehende Mittelwert kann eine Zahl von 1 bis 4 annehmen. Anhang B: Assessment-Unterlagen: Tabellen zur qualitativen Fehlerbeurteilung 112 Auffälligkeiten in der Sprechplanung Sprechapraktische Symptome S. Tabelle auf S. 119 bei Ziegler, Aichert & Staiger (2020) Diverses Nicht klassifizierbare Fehler Alle Fehler, welche sich zu keiner der oben aufgelisteten Kategorien zuordnen lassen Alle oben bereits aufgelisteten Fehler Auffälligkeiten im Rahmen eines SMA-Syndroms bzw. Läsion des FAT Eigengeleitete Sprachproduktion gelingt nicht oder nur erschwert (mit Initiierungsproblemen, Formulierungsschwierigkeiten, Blockaden und Stockungen). Sprachfunktionen in diagnostischen Tests oder Übungen vergleichsweise gut. Kein klassisches Aphasiesyndrom, jedoch am ehesten zu beschreiben als transkortikalmotorische Aphasie (La Corte et al., 2021) Hinweise auf visuelle Schwierigkeiten Fehler, weil das Bild visuell nicht gut erkannt wurde oder nicht eindeutig ist Fehler, welche sich durch visuelle Defizite wie bspw. eine Hemianopsie erklären lassen Oben aufgelistete Fehler Anhang C: Assessment-Unterlagen: Protokollbogen 113 Anhang C: Assessment-Unterlagen: Protokollbogen Protokollbogen: Mündliche Sprachproduktion auf Textebene (T1 | T3) Kategoriensystem zur qualitativen Auswertung: Mündliche Sprachproduktion auf Textebene Fehlerkategorien: Symptome: Anzahl: 1. Wortfindungsstörungen a) Sprachliches Suchverhalten b) Umschreibungen c) Verzögerungen 2. Phonematische Fehler a) Phonematische Paraphasien b) Phonematische Neologismen c) Formale Paraphasien d) Phon. F. mit Selbstkorrektur e) Phon. F mit Versuch zur SK 3. Semantische Fehler a) Semantische Paraphasien b) Semantische Neologismen c) Sem. F. mit Selbstkorrektur d) Sem. F. mit Versuch zur SK e) Sem. unpräzise Wortwahl 4. Grammatikalische Fehler a) Satzabbrüche b) Satzverschränkung c) Verdopplung von Satzteilen d) Satzbaufehler e) Morphematische Fehler f) Formulierungsschwierigkeiten 5. Repetitive Phänomene a) Automatismen b) Stereotypien c) Perseverationen d) Floskeln e) Recurring Utterances 6. Sprechen Dysarthrische Symptome 7. Sprechplanung Sprechapraktische Symptome 8. KommunikationPragmatik Symptome einer kognitiven Dysphasie 9. Diverses a) Nicht klassifizierbare Fehler b) Auffälligkeiten i.R. eines SMA-S bzw. Läsion des FAT 4-teilige Bildergeschichte A1 8-teilige Bildergeschichte A2 Obligatorische Propositionen Punkte Obligatorische Propositionen Punkte 1. Sein (Mann) 0 1 2 1. Sein (Frau) 0 1 2 2. Sein (Frau) 0 1 2 2. Leer (sein, Kühlschrank) 0 1 2 3. Sein (Katze) 0 1 2 3. Bemerken (Frau, P2) 0 1 2 4. Bringen (Frau, Essen) 0 1 2 4. Losgehen (Frau) 0 1 2 5. Lesen (Mann, Zeitung) 0 1 2 5. Einkaufen (Frau) 0 1 2 6. Bemerken (Katze, Fisch) 0 1 2 6. Sein (Mann) 0 1 2 7. Holen (Katze, Fisch) 0 1 2 7. Sein (Hund) 0 1 2 8. Weg sein (Essen) 0 1 2 8. Begegnen (Frau, Mann, Hund) 0 1 2 9. Sehen (Frau, P8) 0 1 2 9. Reagieren (Hund, heftig) 0 1 2 10. Verdächtigen (Frau, Mann) 0 1 2 10. Reagieren (Frau, ängstlich) 0 1 2 11. Ahnungslos sein (Mann) 0 1 2 11. Weglaufen (Frau) 0 1 2 12. Reagieren (Frau, auf Mann, negativ) 0 1 2 12. Verlieren (Frau, Geldbeutel) 0 1 2 Gesamtpunktwert: 13. Sein (Frau, im Laden) 0 1 2 2 Punkte: Proposition wird genannt 1 Punkt: Proposition genannt: vom Gesprächspartner ist jedoch eine erhöhte Anstrengungsbereitschaft oder Hilfen erforderlich oder die kommunikative Effizienz ist reduziert. 0 Punkte: Proposition kann auch mit Hilfestellungen und erhöhter Anstrengungsbereitschaft nicht vermittelt werden 14. Suchen (Frau, Geldbeutel) 0 1 2 15. Kommen (Mann) 0 1 2 16. Kommen (Hund) 0 1 2 17. Geben (Mann, Geldbeutel, Frau) 0 1 2 18. Geben (Frau, Wurst, Hund) 0 1 2 Gesamtpunktwert: Anhang C: Assessment-Unterlagen: Protokollbogen 114 Protokollbogen: Mündliche Sprachproduktion auf Textebene (T2) 4-teilige Bildergeschichte B1 8-teilige Bildergeschichte B2 Obligatorische Propositionen Punkte Obligatorische Propositionen Punkte 1. Sein (Mann) 0 1 2 1. Sein (Frau) 0 1 2 2. Sein (Frau) 0 1 2 2. Einkaufen (Frau) 0 1 2 3. Sein (Hund) 0 1 2 3. Gehen (Frau, heim) 0 1 2 4. Bringen (Frau, Essen) 0 1 2 4. Sein (Mann) 0 1 2 5. Lesen (Mann, Zeitung) 0 1 2 5. Sein (Hund) 0 1 2 6. Bemerken (Hund, Würste) 0 1 2 6. Begegnen (Frau, Mann, Hund) 0 1 2 7. Holen (Hund, Würste) 0 1 2 7. Reagieren (Hund, heftig) 0 1 2 8. Zurückkommen (Frau) 0 1 2 8. Reagieren (Frau, ängstlich) 0 1 2 9. Weg sein (Essen) 0 1 2 9. Weglaufen (Frau) 0 1 2 10. Sehen (Frau, P9) 0 1 2 10. Verlieren (Frau, Schlüssel) 0 1 2 11. Verdächtigen (Frau, Mann) 0 1 2 11. Sein (Frau, vor Haustür) 0 1 2 12. Reagieren (Frau, auf Mann, negativ) 0 1 2 12. Suchen (Frau, Schlüssel) 0 1 2 Gesamtpunktwert: 13. Kommen (Mann) 0 1 2 2 Punkte: Proposition wird genannt 1 Punkt: Proposition genannt: vom Gesprächspartner ist jedoch eine erhöhte Anstrengungsbereitschaft oder Hilfen erforderlich oder die kommunikative Effizienz ist reduziert. 0 Punkte: Proposition kann auch mit Hilfestellungen und erhöhter Anstrengungsbereitschaft nicht vermittelt werden 14. Kommen (Hund) 0 1 2 15. Geben (Mann, Frau, Schlüssel) 0 1 2 16. Sich freuen (Frau) 0 1 2 17. Geben (Frau, Hund, Wurst) 0 1 2 18. Zufrieden sein/verabschieden (Frau, Mann, Hund) 0 1 2 Gesamtpunktwert: Kategoriensystem zur qualitativen Auswertung: Mündliche Sprachproduktion auf Textebene Fehlerkategorien: Symptome: Anzahl: 1. Wortfindungsstörungen a) Sprachliches Suchverhalten b) Umschreibungen c) Verzögerungen 2. Phonematische Fehler a) Phonematische Paraphasien b) Phonematische Neologismen c) Formale Paraphasien d) Phon. F. mit Selbstkorrektur e) Phon. F mit Versuch zur SK 3. Semantische Fehler a) Semantische Paraphasien b) Semantische Neologismen c) Sem. F. mit Selbstkorrektur d) Sem. F. mit Versuch zur SK e) Sem. unpräzise Wortwahl 4. Grammatikalische Fehler a) Satzabbrüche b) Satzverschränkung c) Verdopplung von Satzteilen d) Satzbaufehler e) Morphematische Fehler f) Formulierungsschwierigkeiten 5. Repetitive Phänomene a) Automatismen b) Stereotypien c) Perseverationen d) Floskeln e) Recurring Utterances 6. Sprechen Dysarthrische Symptome 7. Sprechplanung Sprechapraktische Symptome 8. KommunikationPragmatik Symptome einer kognitiven Dysphasie 9. Diverses a) Nicht klassifizierbare Fehler b) Auffälligkeiten i.R. eines SMA-S bzw. Läsion des FAT Anhang C: Assessment-Unterlagen: Protokollbogen 115 Protokollbogen: Schriftliche Sprachproduktion auf Textebene (T1 | T3) 4-teilige Bildergeschichte A1 8-teilige Bildergeschichte A2 Obligatorische Propositionen Punkte Obligatorische Propositionen Punkte 1. Sein (Mann) 0 1 2 1. Sein (Frau) 0 1 2 2. Sein (Frau) 0 1 2 2. Leer (sein, Kühlschrank) 0 1 2 3. Sein (Katze) 0 1 2 3. Bemerken (Frau, P2) 0 1 2 4. Bringen (Frau, Essen) 0 1 2 4. Losgehen (Frau) 0 1 2 5. Lesen (Mann, Zeitung) 0 1 2 5. Einkaufen (Frau) 0 1 2 6. Bemerken (Katze, Fisch) 0 1 2 6. Sein (Mann) 0 1 2 7. Holen (Katze, Fisch) 0 1 2 7. Sein (Hund) 0 1 2 8. Weg sein (Essen) 0 1 2 8. Begegnen (Frau, Mann, Hund) 0 1 2 9. Sehen (Frau, P8) 0 1 2 9. Reagieren (Hund, heftig) 0 1 2 10. Verdächtigen (Frau, Mann) 0 1 2 10. Reagieren (Frau, ängstlich) 0 1 2 11. Ahnungslos sein (Mann) 0 1 2 11. Weglaufen (Frau) 0 1 2 12. Reagieren (Frau, auf Mann, negativ) 0 1 2 12. Verlieren (Frau, Geldbeutel) 0 1 2 Gesamtpunktwert: 13. Sein (Frau, im Laden) 0 1 2 2 Punkte: Proposition wird genannt 1 Punkt: Proposition genannt: vom Gesprächspartner ist jedoch eine erhöhte Anstrengungsbereitschaft oder Hilfen erforderlich oder die kommunikative Effizienz ist reduziert. 0 Punkte: Proposition kann auch mit Hilfestellungen und erhöhter Anstrengungsbereitschaft nicht vermittelt werden 14. Suchen (Frau, Geldbeutel) 0 1 2 15. Kommen (Mann) 0 1 2 16. Kommen (Hund) 0 1 2 17. Geben (Mann, Geldbeutel, Frau) 0 1 2 18. Geben (Frau, Wurst, Hund) 0 1 2 Gesamtpunktwert: Kategoriensystem zur qualitativen Auswertung: Schriftliche Sprachproduktion auf Textebene Fehlerkategorien: Symptome: Anzahl: 1. Wortfindungsstörungen a) Auslassungen b) Umschreibungen 2. Phonematische Fehler a) Phonematische Paragraphie b) Phonematische Neographie c) Formale Paragraphie d) Phon. F. mit Selbstkorrektur e) Phon. F mit Versuch zur SK 3. Semantische Fehler a) Semantische Paragraphie b) Semantische Neographie c) Sem. F. mit Selbstkorrektur d) Sem. F. mit Versuch zur SK e) Sem. unpräzise Wortwahl 4. Grammatikalische Fehler a) Satzabbrüche b) Satzverschränkung c) Verdopplung von Satzteilen d) Satzbaufehler e) Kohäsionsfehler f) Morphematische Paragraphie g) Formulierungsschwierigkeiten 5. Repetitive Phänomene a) Automatismen b) Stereotypien c) Perseverationen 6. Orthographische Fehler a) Regularisierungsfehler b) Phonologisch plausible Fehler 7. Kommunikation-Pragmatik Symptome einer kognitiven Dysphasie 8. Diverses a) Reversionsfehler b) Nicht klassifizierbare Fehler Anhang C: Assessment-Unterlagen: Protokollbogen 116 Protokollbogen: Schriftliche Sprachproduktion auf Textebene (T2) Kategoriensystem zur qualitativen Auswertung: Schriftliche Sprachproduktion auf Textebene Fehlerkategorien: Symptome: Anzahl: 1. Wortfindungsstörungen a) Auslassungen b) Umschreibungen 2. Phonematische Fehler a) Phonematische Paragraphie b) Phonematische Neographie c) Formale Paragraphie d) Phon. F. mit Selbstkorrektur e) Phon. F mit Versuch zur SK 3. Semantische Fehler a) Semantische Paragraphie b) Semantische Neographie c) Sem. F. mit Selbstkorrektur d) Sem. F. mit Versuch zur SK e) Sem. unpräzise Wortwahl 4. Grammatikalische Fehler a) Satzabbrüche b) Satzverschränkung c) Verdopplung von Satzteilen d) Satzbaufehler e) Kohäsionsfehler f) Morphematische Paragraphie g) Formulierungsschwierigkeiten 5. Repetitive Phänomene a) Automatismen b) Stereotypien c) Perseverationen 6. Orthographische Fehler a) Regularisierungsfehler b) Phonologisch plausible Fehler 7. Kommunikation-Pragmatik Symptome einer kognitiven Dysphasie 8. Diverses a) Reversionsfehler b) Nicht klassifizierbare Fehler 4-teilige Bildergeschichte B1 8-teilige Bildergeschichte B2 Obligatorische Propositionen Punkte Obligatorische Propositionen Punkte 1. Sein (Mann) 0 1 2 1. Sein (Frau) 0 1 2 2. Sein (Frau) 0 1 2 2. Einkaufen (Frau) 0 1 2 3. Sein (Hund) 0 1 2 3. Gehen (Frau, heim) 0 1 2 4. Bringen (Frau, Essen) 0 1 2 4. Sein (Mann) 0 1 2 5. Lesen (Mann, Zeitung) 0 1 2 5. Sein (Hund) 0 1 2 6. Bemerken (Hund, Würste) 0 1 2 6. Begegnen (Frau, Mann, Hund) 0 1 2 7. Holen (Hund, Würste) 0 1 2 7. Reagieren (Hund, heftig) 0 1 2 8. Zurückkommen (Frau) 0 1 2 8. Reagieren (Frau, ängstlich) 0 1 2 9. Weg sein (Essen) 0 1 2 9. Weglaufen (Frau) 0 1 2 10. Sehen (Frau, P9) 0 1 2 10. Verlieren (Frau, Schlüssel) 0 1 2 11. Verdächtigen (Frau, Mann) 0 1 2 11. Sein (Frau, vor Haustür) 0 1 2 12. Reagieren (Frau, auf Mann, negativ) 0 1 2 12. Suchen (Frau, Schlüssel) 0 1 2 Gesamtpunktwert: 13. Kommen (Mann) 0 1 2 2 Punkte: Proposition wird genannt 1 Punkt: Proposition genannt: vom Gesprächspartner ist jedoch eine erhöhte Anstrengungsbereitschaft oder Hilfen erforderlich oder die kommunikative Effizienz ist reduziert. 0 Punkte: Proposition kann auch mit Hilfestellungen und erhöhter Anstrengungsbereitschaft nicht vermittelt werden 14. Kommen (Hund) 0 1 2 15. Geben (Mann, Frau, Schlüssel) 0 1 2 16. Sich freuen (Frau) 0 1 2 17. Geben (Frau, Hund, Wurst) 0 1 2 18. Zufrieden sein/verabschieden (Frau, Mann, Hund) 0 1 2 Gesamtpunktwert: Anhang C: Assessment-Unterlagen: Protokollbogen 117 Protokollbogen: Untertest Auditives Sprachverständnis T1: Riedel-Text Nr. 1, Gericht in Texas Richtig Falsch Keine Antwort In Texas müssen zwei Industrielle für sechs Monate ins Gefängnis. Begründung Pat.: Beobachtungen: Die beiden Unternehmer betreiben eine Keramikfabrik. Begründung Pat.: Beobachtungen: Die Unternehmer hatten Giftmüll ungenehmigt ins Meer gekippt. Begründung Pat.: Beobachtungen: Der Giftmüll war mit Blei belastet. Begründung Pat.: Beobachtungen: Der Giftmüll stammte aus der Autoindustrie. Begründung Pat.: Beobachtungen: Das genannte Umweltprogramm will die Autoabgase reduzieren. Begründung Pat.: Beobachtungen: Die Unternehmer müssen sich an dem Programm beteiligen Begründung Pat.: Beobachtungen: Blei wurde früher vor allem durch den Strassenverkehr freigesetzt. Begründung Pat.: Beobachtungen: Bleivergiftungen führen bei Kindern zu Kleinwüchsigkeit. Begründung Pat.: Beobachtungen: Eine hohe Bleibelastung gefährdet die Gesundheit. Begründung Pat.: Beobachtungen: Anzahl korrekt beantworteter Aufgaben: ____ / 10 Anmerkungen für Untersucherin: Die grün markierten Antworten sind richtig. Angekreuzt werden sollen die Antworten, welche Pat. gibt. Anhang C: Assessment-Unterlagen: Protokollbogen 118 T2: Riedel-Text Nr. 2, Raumfähre Columbia Richtig Falsch Keine Antwort Der Start der Raumfähre Columbia musste verschoben werden. Begründung Pat.: Beobachtungen: Spechte hatten die Tankisolierung beschädigt. Begründung Pat.: Beobachtungen: Die Columbia hat durch Löcher im Tank Treibstoff verloren. Begründung Pat.: Beobachtungen: Die Fähre ist wegen der beschädigten Tankhülle beinahe abgestürzt. Begründung Pat.: Beobachtungen: Man hat Eulen frei gelassen, um die Spechte zu vertreiben. Begründung Pat.: Beobachtungen: Die Spechte liessen sich nicht verscheuchen. Begründung Pat.: Beobachtungen: Die Raumfähre muss nun auf der Startrampe repariert werden. Begründung Pat.: Beobachtungen: Die Reparatur wird ein paar Tage dauern. Begründung Pat.: Beobachtungen: Die Columbia kann frühestens in acht Wochen wieder starten. Begründung Pat.: Beobachtungen: Der Einfall der Spechte verursacht der NASA hohe Kosten. Begründung Pat.: Beobachtungen: Anzahl korrekt beantworteter Aufgaben: ____ / 10 Anmerkungen für Untersucherin: Die grün markierten Antworten sind richtig. Angekreuzt werden sollen die Antworten, welche Pat. gibt. Anhang C: Assessment-Unterlagen: Protokollbogen 119 T3: Riedel-Text Nr. 15, Ausbruch des Vulkans Oyama Richtig Falsch Keine Antwort Nach einem Vulkanausbruch wird eine japanische Insel evakuiert. Begründung Pat.: Beobachtungen: Die Bewohner werden mit Flugzeugen von der Insel geholt. Begründung Pat.: Beobachtungen: Etwa die Hälfte der Bevölkerung will die Insel nicht verlassen. Begründung Pat.: Beobachtungen: Der Oyama hat grosse Mengen Asche ausgestossen. Begründung Pat.: Beobachtungen: Man erwartet auch den Ausstoss glühender Lava. Begründung Pat.: Beobachtungen: Erdbeben haben zu starker Rauchentwicklung geführt. Begründung Pat.: Beobachtungen: Gefahr droht vor allem durch Schlammlawinen von den Hängen. Begründung Pat.: Beobachtungen: Der Ausbruch begann mit einer gewaltigen Explosion. Begründung Pat.: Beobachtungen: Seit dem letzten Ausbruch des Oyama waren 17 Jahre vergangen. Begründung Pat.: Beobachtungen: Auch die Hauptstadt Tokio ist durch den Ausbruch bedroht. Begründung Pat.: Beobachtungen: Anzahl korrekt beantworteter Aufgaben: ____ / 10 Anmerkungen für Untersucherin: Die grün markierten Antworten sind richtig. Angekreuzt werden sollen die Antworten, welche Pat. gibt. Anhang C: Assessment-Unterlagen: Protokollbogen 120 Protokollbogen: Untertest Lesen und Lesesinnverständnis Lösungen: Text T1: Heviz (Seite 1 der beiden Satzverifikationen) T2: Waldwipfelweg T3: Pont du Gard Satzverifikationen 1R, 2F, 3R, 4F, 5R, 6R, 7R, 8R, 9F, 10R 1F, 2R, 3R, 4R, 5F, 6F, 7R, 8R, 9F, 10R 1F, 2R, 3R, 4F, 5F, 6R, 7R, 8R, 9F, 10R Multiple Choice 1A, 2B, 3C, 4D, 5C, 6A 1C, 2D, 3A, 4D, 5B, 6C 1A, 2D, 3C, 4B, 5A, 6B Anzahl korrekt beantwortete Satzverifikations-Aufgaben: _____ / 10 Anzahl korrekt beantwortete MC-Aufgaben: _____ / 6 Beobachtungen im Antwortverhalten: Kategoriensystem zur qualitativen Auswertung: Lautes Lesen auf Textebene Fehlerkategorien: Symptome: Anzahl: 1. Unflüssigkeiten a) Verlangsamung b) Verzögerungen 2. Phonematische Fehler a) Phonematische Paralexie b) Phonematische Neologismen c) Formale Paralexie d) Phon. F. mit Selbstkorrektur e) Phon. F mit Versuch zur SK 3. Semantische Fehler a) Semantische Paralexie b) Semantische Neologismen c) Sem. F. mit Selbstkorrektur d) Sem. F. mit Versuch zur SK 4. Grammatikalische Fehler Morphematische Paralexie 5. Sprechen Dysarthrische Symptome 6. Sprechplanung Sprechapraktische Symptome 7. Diverses a) Hinweise auf visuelle Defizite b) Regularisierungsfehler c) Nicht klassifizierbare Fehler Anhang C: Assessment-Unterlagen: Protokollbogen 121 Protokollbogen: Benennen Kategoriensystem zur qualitativen Auswertung: Benennen Fehlerkategorien: Symptome: Anzahl: 1. Wortfindungsstörungen a) Sprachliches Suchverhalten b) Umschreibungen c) Verzögerungen 2. Phonematische Fehler a) Phonematische Paraphasie b) Phonematischer Neologismus c) Formale Paraphasie d) Phon. F. mit Selbstkorrektur e) Phon. F mit Versuch zur SK 3. Semantische Fehler a) Semantische Paraphasie b) Semantischer Neologismus c) Sem. F. mit Selbstkorrektur d) Sem. F. mit Versuch zur SK e) Sem. unpräzise Wortwahl f) Sem. unpräzise Wortwahl mit SK 4. Grammatikalische Fehler a) Morphematische Fehler b) Morphematische Fehler mit SK c) Morph. F mit Versuch zur SK 5. Repetitive Phänomene Perseverationen 6. Sprechen Dysarthrische Symptome 7. Sprechplanung Sprechapraktische Symptome 8. Diverses a) Nicht klassifizierbare Fehler b) Auffälligkeiten im Rahmen eines SMA-Syndroms bzw. Läsion des FAT c) Hinweise auf visuelle Schwierigkeiten Anhang D: Assessment-Unterlagen: Befundbogen 128 Anhang D: Assessment-Unterlagen: Befundbogen Befundbogen BeSA Patientenname: _____________________________________________ Geburtsdatum: _____________________________________________ OP-Datum: _____________________________________________ Testzeitpunkt: T1 T2 T3 Datum: ______________________________________ Untertest: Token Test Fehlerpunkte: Alterskorrigierte Fehlerpunkte: Beobachtungen: Untertest: Fluency PR Formallexikalische Fluency: PR Semantische Fluency: Repetitionen: Regelbrüche: Repetitionen: Regelbrüche: Untertest: Benennen Nomina Untertest: Benennen Verben Punktwert: _____ / 140 Punktwert: _____ / 140 Beobachtete Fehler und Anzahl: Beobachtete Fehler und Anzahl: Untertest: Mündliche Sprachproduktion Punktwert genannte Propositionen: _____ / _____ Störungsschwerpunkte: Untertest: Schriftliche Sprachproduktion Punktwert genannte Propositionen: _____ / _____ Störungsschwerpunkte: Untertest: Auditives Sprachverständnis Korrekt beantwortete Fragen: _____ / 10 Beobachtungen: Untertest: Lautes Lesen Untertest: Lesesinnverständnis Störungsschwerpunkte: Korrekt beantwortete Fragen: _____ / 16 Beobachtungen: Fragebogen: Gesamtpunktwert (GPW): Anzahl beurteilter Antworten (ABA): Partizipationswert (GPW/ABA): Anhang E: Überblick verschiedener Untersuchungsverfahren 129 Anhang E: Überblick verschiedener Untersuchungsverfahren Aachener Aphasie Test (AAT) (Huber et al., 1983) Das Ziel des AAT ist die Erfassung der aphasischen Störungen in den einzelnen sprachlichen Modalitäten. Der Schweregrad der aphasischen Störung wird anhand eines Leistungsprofils bestimmt. Einsatzgebiet sind die postakute und chronische Phase einer aphasischen Störung nach Schlaganfall. Der theoretische Hintergrund ist die Syndromlehre, auf welcher der AAT basiert: Er teilt Aphasien nach Schlaganfall in vier Standardsyndrome ein. Die restlichen Aphasien sind nicht klassifizierbar oder entfallen auf NichtStandardsyndrome. Der AAT besteht aus sechs Untertests, welche alle sprachlichen Modalitäten abdecken: Die Spontansprache wird mittels eines semi-standardisierten Interviews beurteilt anhand der Kriterien Kommunikationsverhalten, Artikulation und Prosodie, automatisierte Sprache sowie semantische, phonematische und syntaktische Struktur. Das Nachsprechen von Lauten, einsilbigen Wörtern, Lehnund Fremdwörtern, zusammengesetzten Wörtern und Sätzen wird getestet. Im Untertest Schriftsprache wird das laute Lesen, das Zusammensetzen und Schreiben nach Diktat von Wörtern und Fremdwörtern, Nomina Komposita und Sätzen getestet. Im Untertest Benennen werden einfache Nomina, Adjektive, Nomina Komposita, Situationen und Handlungen benannt. Das auditive Sprachverständnis und das Lesesinnverständnis wird auf Wortund Satzebene überprüft. Zusätzlich wird der Token Test durchgeführt (Huber et al., 1983). Die Testgütekriterien sind gemäss den Autoren erfüllt. Der AAT weise durch die klaren Anweisungen eine hohe Objektivität auf. Die Konstruktvalidität und die differenzielle Validität wurden an Personen mit verschiedenen Aphasiesyndromen erhoben. Die Reliabilität sei gegeben. Normiert wurde der AAT an 376 aphasischen und 100 nicht-aphasischen Kontrollpatienten. Aufgrund der hohen Validität und Reliabilität eigne sich der AAT zudem für die wiederholte Anwendung. Zur Durchführungsdauer machen die Autoren keine Angaben. Die Auswertung erfolgt primär quantitativ. Aphasie-Check-Liste (ACL) (Kalbe et al., 2002) Ziel der ACL ist die Erkennung von Sprachstörungen und deren Schweregrad sowie die Erstellung eines individuellen Sprachprofils. Zusätzlich können assoziierte neuropsychologische Defizite im Screeningverfahren überprüft werden. Einsatzgebiet sind alle Erkrankungsphasen, unabhängig von der Ursache. Auf den theoretischen Hintergrund wird im Manual nicht näher eingegangen. Zu den verschiedenen Untertests gehören Reihensprechen, Verständnis von Handlungsanweisungen, ein Farb-Figuren-Test und eine Wortflüssigkeitsaufgabe. Das Benennen, das laute Lesen und das Lesesinnverständnis, das auditive Sprachverständnis, das Schreiben nach Diktat und das Nachsprechen werden Anhang E: Überblick verschiedener Untersuchungsverfahren 130 jeweils mittels zwei Nomen, zwei Verben und zwei Sätzen überprüft. Auf Pseudowortebene wird das laute Lesen, das Schreiben nach Diktat und das Nachsprechen überprüft. Die nonverbale Kommunikationsfähigkeit wird bewertet. Die Zahlenverarbeitung wird mittels lauten Lesens, Schreiben nach Diktat und Nachsprechen überprüft. Der nonverbale Kognitionsteil besteht aus drei Subtests zu Gedächtnis, Aufmerksamkeit und logischem Denken. Die Testgütekriterien sind gemäss den Autoren erfüllt: Die Objektivität sei durch die vollständige Standardisierung gegeben. Der Sprachteil könne als reliabel angesehen werden. Ebenfalls könne von einer guten Inhaltsvalidität ausgegangen werden und die Konstruktvalidität sei zufriedenstellend. Letztere wurde ermittelt durch Korrelationen zwischen ACL-Subtests und AAT-Subtests. Normiert wurde die ACL an gesunden Kontrollprobanden und an einer Gruppe von aphasischen Personen. Basierend darauf wurden Cut-Off-Werte für Beeinträchtigungen bestimmt. Die Durchführungsdauer beträgt 30 Minuten. Die Auswertung erfolgt quantitativ. Boston Naming Test (BNT) Der Boston Naming Test wurde von Kaplan, Goodglass und Weintraub im Jahre 1976 erstmals veröffentlicht und war ursprünglich Teil der Testbatterie «Boston Diagnostic Aphasia Examination». Unterdessen wird er oft auch isoliert verwendet mit dem Ziel, das mündliche Benennen zu testen. Der BNT besteht aus 60 Items, welche benennt werden müssen. Dabei handelt es sich um hochbis niederfrequente Wörter; die Bilder sind schwarz-weisse Strichzeichnungen (Eibl, 2023). Bei Erwachsenen ohne Aphasie wird im Regelfall mit der Präsentation des Items Nr. 30 begonnen. Wenn bei den folgenden acht Items ein Fehler begangen wird, wird das Benennen bei Item Nr. 29 und absteigend fortgesetzt, bis acht Aufgaben in Folge korrekt beantwortet wurden. Erst dann kann mit den schwierigeren Items fortgefahren werden (Merten, 2004). Oft werden Kurzversionen mit 15 bis 30 Items verwendet (Eibl, 2023). Eine bekannte Kurzversion ist diejenige aus der «CERAD Neuropsychological Assessment Battery for Alzheimer’s Disease» (CERAD: Consortium to Establish a Registry for Alzheimer's Disease), welche für die Diagnostik von Demenzen entwickelt wurde (Duke University and Duke University Health System, 2024). Die BNT-Kurzversion in der CERAD-Testbatterie besteht aus 15 Items, welche basierend auf der Häufigkeit ihres Auftretens in der amerikanischen Sprache ausgewählt wurden: Die Items setzen sich zusammen aus fünf häufigen, fünf mittleren und fünf seltenen Items (Moms et al., 1989). In der Schweiz entstand die autorisierte deutschsprachige Version der CERADTestbatterie (Universität Basel & Memory Clinic: Universitäre Altersmedizin FELIX PLATTER, nicht datiert), welche ebenfalls eine Version des BNT mit fünf häufigen, fünf mittleren und fünf seltenen Wörtern enthält. Anhang E: Überblick verschiedener Untersuchungsverfahren 131 Für die Fülle der - mindestens im angloamerikanischen Sprachraum - bestehenden Kurzformen des Boston Naming Tests liegen teilweise Normen vor (Lansing, Ivnik, Cullum & Randolph, 1999). Kent & Luszcz (2002) zeigen, dass es viele verschiedene Normen zur BNT-Version mit 60 Items gibt. Den Autorinnen sind jedoch keine Normen für die deutsche Sprache bekannt. Der CERAD wurde validiert, jedoch nur an Probanden mit Demenz (Aebi, 2002). Bogenhausener Semantik-Untersuchung (BOSU) (Glindemann et al., 2002) Ziel der BOSU ist die Untersuchung der semantischen Fähigkeiten von Patientinnen und Patienten. Einsatzgebiet sind in erster Linie Patientinnen und Patienten mit Aphasie, die BOSU könnte aber auch für die Untersuchung von Patienten mit Störungen des semantischen Gedächtnisses ohne Aphasie von Nutzen sein. Die Grundlage der BOSU ist die Theorie über das semantische Gedächtnis. Dieses speichert allgemeines Wissen: Wissen über die Bedeutung von Wörtern und Zeichen, aber auch nicht unmittelbar sprachliches Wissen, wie Wissen über das Aussehen oder über Funktionen von Dingen. Die BOSU geht davon aus, dass Patienten mit Aphasie Schwierigkeiten mit dem semantischen Gedächtnis haben können. Die BOSU besteht aus fünf Subtests: Zuordnen von Objekten in Situationen, Sortieren von Objekten nach semantischen Hauptmerkmalen, Sortieren von Objekten nach semantischen Nebenmerkmalen, Sortieren von Objekten nach Farben. Es sind dabei keine expressiven sprachlichen Leistungen gefordert, sondern es muss das Objekt oder Wort gezeigt werden, welches sich von den anderen unterscheidet. In Bezug auf die Testgütekriterien fehlen konkrete Aussagen zur Objektivität, es sind jedoch einige Informationen zur Durchführung vorhanden. Die Reliabilität sei hoch, es werden jedoch nur wenig genauere Aussagen zu den verschiedenen Arten der Reliabilität gemacht. Auch zur Validität werden nur wenige Aussagen gemacht: Die Konstruktvalidität ist teilweise belegt. Bezüglich der externen Validität zeigten sich Korrelationen mit gewissen Untertests des AAT und eine signifikante Korrelation mit dem PPTT. Die Ökonomie scheint mit einer Durchführungsdauer von 20-45 Minuten gegeben. Es existieren Cut-Off-Werte, die angeben, ob ein Untertest auffällig war. Eine Übersicht am Schluss zeigt, wie schwerwiegend die Probleme des Patienten sind. Die Werte basieren auf einer Pilotstudie mit 72 hirngesunden und 75 hirngeschädigten Patienten. Die Auswertung erfolgt primär quantitativ. The Pyramids and Palm Trees Test (Howard & Patterson, 1992) Das Ziel des PPTT ist die Untersuchung der Fähigkeit, detaillierte semantische Repräsentationen von Wörtern und Bildern abzurufen. Das Einsatzgebiet und der Zeitpunkt des Einsatzes des PPTT werden nicht genauer spezifiziert. Es wird kein konkreter Anhang E: Überblick verschiedener Untersuchungsverfahren 132 theoretischer Hintergrund angegeben. Die Autoren basieren die Testung auf der Annahme, dass es zwei separate semantische Systeme gibt; eines für Wörter und eines für Objekte. Schwierigkeiten in den unterschiedlichen Versionen des PPTT können Hinweise darauf geben, welches System beeinträchtigt ist. Die Aufgaben des PPTT bestehen jeweils aus drei Items. Es muss entschieden werden, welches von zwei Objekten zu einem dritten Objekt passt. Beispielsweise muss eine Pyramide entweder einer Tanne oder einer Palme zugeordnet werden. Das Ziel-Item und der Ablenker sind dabei Vertreter derselben semantischen Kategorie – das vorgegebene Item stammt meist aus einer anderen semantischen Kategorie. Dabei sind über die 52 Aufgaben hinweg verschiedene Arten von Assoziationen vertreten. Die Items können entweder als Bilder oder als Wörter präsentiert werden, ebenfalls sind Mischformen denkbar. Der Test involviert nur konkrete Items. Auf die Testgütekriterien wird in der Originalversion des Tests nicht eingegangen. Eine Evaluierung der ursprünglich 60 Aufgaben an gesunden Kontrollprobanden fand statt, basierend darauf wurden die endgültigen 52 Aufgaben ausgewählt. In verschiedenen Ländern wurden weitere Normdaten erhoben; für den deutschen Sprachraum sind den Autorinnen keine Normen bekannt. Die Auswertung erfolgt mittels eines Scores, welches sich aus dem Total der korrekten Antworten ergibt. Gemäss den Autoren soll es jedoch um die qualitative Leistung über die verschiedenen Testversionen hinweg gehen und nicht um das quantitative Ergebnis. Regensburger Wortflüssigkeits-Test RWT (Aschenbrenner et al., 2000) Ziel ist die Erfassung des Konstruktes der Wortflüssigkeit. Wortflüssigkeitsaufgaben sollen die Fähigkeit des divergenten Denkens erfassen, also die Fähigkeit, möglichst viele Lösungsmöglichkeiten zu produzieren. Das Einsatzgebiet ist nicht genauer definiert. In der Handanweisung ist wiederholt von Patientinnen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen die Rede. Ein zugrundeliegendes Sprachverarbeitungsmodell wird nicht erwähnt. Der RWT enthält 14 Untertests: Fünf Tests umfassen die formallexikalische Wortflüssigkeit, zwei Tests den formallexikalischen Kategorienwechsel. Fünf Tests überprüfen die semantische bzw. semantisch-kategorielle Wortflüssigkeit, zwei Tests überprüfen den semantischen Kategorienwechsel. Untertests mit Kategorienwechsel steigern die Anforderungen an die Probanden und erreichen damit eine bessere Diskrimination zwischen Patienten und Gesunden. Die Testgütekriterien scheinen gut abgesichert: Die Objektivität ist sowohl bei der Durchführung wie auch bei der Auswertung durch genaue Instruktionen gegeben. Sowohl die Interrater-Reliabilität wie auch die RetestReliabilität werden als gut beurteilt, genauso die Inhaltsvalidität und die Konstruktvalidität. Mit einer Durchführungsdauer von zehn Minuten bei der empfohlenen Durchführung von vier Anhang E: Überblick verschiedener Untersuchungsverfahren 133 Untertests scheint das Verfahren ökonomisch. Parallelversionen erlauben wiederholte Messungen. Alle Untertests wurden einzeln normiert, anhand einer Stichprobe von 184 Schulkindern und 634 Erwachsenen. Die Normdaten wurden über die Testdauer von einer und von zwei Minuten erhoben; der RWT kann somit flexibel an die Belastbarkeit der Patienten angepasst werden. Die Auswertung erfolgt quantitativ. Bielefelder Aphasie Screening (BIAS) (Richter et al., 2006) Ziel des BIAS ist die differenzierte Erfassung sprachlicher Symptome sowohl bei schweren als auch bei leichten Störungen. Konzipiert wurde das BIAS für den Einsatz bei neurologischen Patienten in der Akut-Phase. Der theoretische Hintergrund wird nicht genauer beschrieben, die Autorinnen erwähnen jedoch, dass eine Syndromzuweisung in den ersten Wochen nach einem Insult wenig sinnvoll und erst gegen Ende der Akutphase angezeigt sei. BIAS untersucht verschiedene Domänen: Die Spontansprache wird mittels eines halbstandardisierten Interviews untersucht. Das auditive Sprachverständnis wird auf Wort- (Nomina) und Satzebene mit Bildunterstützung und zusätzlich mit Entscheidungsfragen getestet. Die automatisierte Sprache wird mittels Reihensprechens (Zahlenreihen und Wochentage), Ergänzen von Sprichwörtern und Nachsprechen von Floskeln untersucht. Die elizitierte mündliche Sprachproduktion wird getestet durch das Benennen von Gegenständen, das Beschreiben von Situationsbildern und durch Aufgaben zur Wortflüssigkeit (semantisch und formallexikalisch). Die Schriftsprache wird mittels lauten Lesens auf Wortebene, Wort-Bild-Zuordnung von Substantiven und dem Schreiben nach Diktat auf Wortebene untersucht. Die verschiedenen Testgütekriterien wurden untersucht: Die Durchführungsobjektivität ist gegeben durch eine genaue Beschreibung, BIAS ist somit standardisiert. Die Auswertungsobjektivität wurde an zehn aphasischen Patienten nachgewiesen und sei hoch – in der Bewertungstabelle ist eine genaue tabellarische Aufstellung der Beurteilungskriterien zu finden. Das gesamte Screening wird als reliabel bewertet, die Testwiederholungsreliabilität sei ebenfalls gegeben. Gemäss den Autorinnen kann und soll das Screening wiederholt durchgeführt werden. Im Hinblick auf die Validität zeigt sich eine hohe Konstruktvalidität, die Korrelationen zwischen den verschiedenen Aufgabengruppen und Leistungsbereichen sind hoch. Die Korrelationen mit dem AABT (Aachener Aphasie Bedside Test) und AST (Aphasie Schnell Test) sind mittel bis hoch, der Zusammenhang mit dem AAT ebenfalls hoch, die Kriteriumsvalidität scheint somit gegeben. Die äussere Validität wird ebenfalls als gut bewertet, basierend auf der guten Differenzierung zwischen Probanden mit Aphasie und der Kontrollgruppe. Mit einer Testdauer von 30-40 Minuten erscheint das BIAS als ökonomisches Screening. Normiert wurde das BIAS an einer ersten Normstichprobe von 60 Personen mit Aphasie: An diesen Daten wurden die statistischen Anhang E: Überblick verschiedener Untersuchungsverfahren 134 Auswertungen hinsichtlich der Testgütekriterien durchgeführt, Itemanalysen hinsichtlich Aufgabenschwierigkeit und Trennschärfe berechnet und eine erste Normierung durchgeführt. Bei einer zweiten Stichprobe (N=23) wird der Verlauf der Symptomatik beschrieben und der Vergleich mit dem AAT durchgeführt. Die weitere Normierung fand an einer Stichprobe von 40 neurologisch nicht auffälligen Probanden statt. Zusätzlich wurde eine Stichprobe von zehn dysarthrischen Patienten untersucht, um den Einfluss dysarthrischer Schwierigkeiten ausschliessen zu können. Die Auswertung und Bewertung des Screenings erfolgen primär quantitativ. Die Normdaten sind in Tabellen zusammengefasst und erlauben einen Vergleich mit der aphasischen und der neurologisch unauffälligen Kontrollgruppe. Token Test (TT) Der TT wurde 1962 von De Renzi und Vignolo (1962) erstmals veröffentlicht. 1966 wurde der Test von Poeck und Orgass (1966) klinisch erstmals validiert. 10 Jahre später erfolgte eine Überarbeitung (Orgass, 1976a, 1976b). Das Ziel bei der Entwicklung des Token Tests war, die Erfassung sprachlich-rezeptiver Funktionsdefizite, welche im Gespräch oder anderen Tests nicht mehr festgestellt werden könnten. Der Einsatz des Token Tests ist primär bei erwachsenen Personen mit einer Hirnverletzung vorgesehen. Zum Zeitpunkt seiner Erstveröffentlichung war der Token Test im Hinblick auf seine Testkonstruktion - ähnlich dem eines psychometrisch abgesicherten Tests - einzigartig. 4 der insgesamt 5 Subtests sind syntaktisch gleich aufgebaut und unterscheiden sich durch den zunehmenden Schwierigkeitsgrad: Beim ersten Untertest liegen lediglich eine Grösse von verschieden farbigen Rechtecken und Kreisen (Tokens) vor und der Patient wird gebeten ein bestimmtes Token zu zeigen («Zeigen sie den roten Kreis»). In Untertest 3 müssen zwei Tokens gezeigt werden («Zeigen sie den roten Kreis und das grüne Rechteck). In den Untertests 2 und 4 liegen von jeder Farbe und Form sowohl ein grosses wie ein kleines Token vor. In Untertest 2 muss ein Token nach mündlicher Vorgabe durch den Untersucher gezeigt werden (Zeigen sie den grossen roten Kreis» – bei Untertest 4 sind es zwei («Zeigen sie den grossen roten Kreis und das kleine grüne Rechteck»). Der fünfte Untertest unterscheidet sich stark von den vorangegangenen. Der Patient wird aufgefordert mit den Tokens einen Auftrag auszuführen, wobei komplexere Satzstrukturen verstanden werden müssen («…»). Der Token Test wurde an Patienten mit Hirnverletzungen mit und ohne Aphasie sowie an gesunden Probanden validiert. Es hat sich gezeigt, dass der Token Test gut zwischen aphasischen und nicht-aphasischen Patienten diskriminieren kann (Poeck & Orgass, 1966) und zwar unabhängig vom vorliegenden Aphasie-Syndrom. Der Token Test gilt daher als Auslesetest, welcher auch Rückschlüsse über die Schwere der Aphasie zulasse (Schneider et al., 2014). Gemäss Orgass ( 1976a) misst der Token Test einen generellen Sprachfaktor Anhang E: Überblick verschiedener Untersuchungsverfahren 135 der bei Patienten mit einer Aphasie zu spezifischen Schwierigkeiten führe - was genau dieser Sprachfaktor beinhaltet ist unklar (Schneider et al., 2014). Am Token Test gibt es auch Kritik, beispielsweise weil die Anforderungen an das verbale Gedächtnis konfundierend wirken könnten (Lesser, 1976). Die Auswertung des Token Tests erfolgt quantitativ durch Fehlerpunkte. De Renzi und Vignolo wiesen jedoch darauf hin, dass es von therapeutischem Interesse sein könne, die Fehlertypen qualitativ zu analysieren. Der Token Test wird häufig als Teil des AAT (Huber et al., 1983) verwendet, wobei es auch Kurzversionen gibt (De Renzi & Faglioni, 1978). Der Token Test wurde an Patienten mit Hirnverletzungen mit und ohne Aphasie sowie an gesunden Probanden validiert. Es hat sich gezeigt, dass der Token Test gut zwischen aphasischen und nicht-aphasischen Patienten diskriminieren kann (Poeck & Orgass, 1966) und zwar unabhängig vom vorliegenden Aphasie-Syndrom. Der Token Test gilt daher als Auslesetest, welcher auch Rückschlüsse über die Schwere der Aphasie zulasse (Schneider et al., 2014). Gemäss Orgass (1976a) misst der Token Test einen generellen Sprachfaktor der bei Patienten mit einer Aphasie zu spezifischen Schwierigkeiten führe - was genau dieser Sprachfaktor beinhaltet ist unklar (Schneider et al., 2014). Am Token Test gibt es auch Kritik, beispielsweise weil die Anforderungen an das verbale Gedächtnis konfundierend wirken könnten (Lesser, 1976). Die Auswertung des Token Tests erfolgt quantitativ durch Fehlerpunkte. De Renzi und Vignolo wiesen jedoch darauf hin, dass es von therapeutischem Interesse sein könne, die Fehlertypen qualitativ zu analysieren. Der Token Test wird häufig als Teil des AAT (Huber et al., 1983) verwendet, wobei es auch Kurzversionen gibt (De Renzi & Faglioni, 1978). Wortproduktionsprüfung nach Blanken Die Wortproduktionsprüfung (Blanken et al., 1999) erschien 1999 in ihrer Erstauflage im NAT-Verlag. Das Ziel des Diagnostikmaterials ist die Überprüfung der Wortproduktionsleistungen bei aphasischen Patienten. Dabei soll ein Vergleich der verschiedenen Modalitäten, Aufgaben und Stimulusklassen ermöglicht werden. Der theoretische Bezug bildet hierzu das Logogenmodell. Die Wortproduktionsprüfung beinhaltet 8 Untertests: Mündliches Benennen (Nomina); Schriftliches Benennen (Nomina); Diktat (Nomina); Diktat (Pseudowörter); Nachsprechen (Nomina); Nachsprechen (Pseudowörter); Lesen (Nomina); Lesen (Pseudowörter). In der Testkonstruktion wurden die Nomina im Hinblick auf Silbenzahl (Einsilber, Zweisilber, Dreisilber), Wortfrequenz (frequent, infrequent) und phonologische Komplexität (mit vs. ohne Konsonantencluster) ausgewählt. Bei den Pseudowörtern wurde auf Silbenzahl, phonologische Komplexität und Sonoritätsstruktur kontrolliert. Die Zielformen (60 Nomina, 60 Pseudowörter) unterscheiden sich zwischen den Subtests nicht, sondern werden lediglich in anderer Reihenfolge dargeboten um einen direkten Vergleich zu ermöglichen. Die Testanweisung bietet Instruktionen zu Durchführung Anhang E: Überblick verschiedener Untersuchungsverfahren 136 und Beurteilung, eine Normierung und Validierung wurde für die Wortproduktionsprüfung jedoch nicht vorgenommen. Die Auswertung der Wortproduktionsprüfung kann quantitativ erfolgen in Form des Zählens von korrekten und inkorrekten Antwortreaktionen. Das für die modellorientierte Einzelfalldiagnostik vorgesehene Verfahren liefert jedoch zusätzlich eine Vielzahl qualitativer Informationen. Durch die Analyse von Fehlertypen und den Vergleich der Untertests können Störungsschwerpunkte aufgedeckt werden. PALPA/LEMO Die Psycholinguistic Assessments of Language Processing in Aphasia (PALPA ; Kay, Lesser & Coltheart, 1996) haben sich im englischsprachigen Raum als Testbatterie für die hypothesengeleitete Einzelfalldiagnostik etabliert. Das umfassende Verfahren mit 60 Untertests stützt sich auf das PALPA Transcoding Model und hat somit einen klaren modelltheoretischen Hintergrund. Auf Deutsch existiert mit LEMO (Lexikon modellorientiert) ein Verfahren mit ähnlichen Eigenschaften und Zielen. Wir beschreiben daher nachfolgend aufgrund der Relevanz für den deutschsprachigen Raum LEMO 2.0 (überarbeitete und 2013 neuaufgelegte Version des Diagnostikinstruments; Stadie, Cholewa & De Bleser, 2013). Aichert & Kiermeier (2015) geben einen guten Überblick über das Verfahren – für diese Arbeit fassen wir die wichtigsten Punkte aus deren Artikel zusammen. Das Ziel von LEMO 2.0 ist die Erfassung von Aphasien, Dyslexien und Dysgraphien anhand eines modellorientierten und hypothesengeleiteten Vorgehens. Die Beurteilung der individuellen sprachlichen Leistungen auf Funktionsebene soll die Ableitung einer spezifischen sprachtherapeutischen Intervention ermöglichen. Es wird somit ein Einzelfallansatz verfolgt. Besonders geeignet sei LEMO für den Einsatz bei schweren Aphasien, wobei einige Untertests auch sensitiv für leichtere Aphasien seien. Der modelltheoretische Hintergrund liegt durchgehend auf dem Logogen-Modell, wobei LEMO eine Überprüfung der einzelnen Komponenten und Routen ermöglichen soll. Die Testbatterie besteht hierzu aus 33 Subtests aus den Bereichen auditives und visuelles Diskriminieren, auditives und visuelles lexikalisches Entscheiden, Nachsprechen, Lesen, Schreiben, auditives und visuelles Sprachverständnis sowie mündliches und schriftliches Benennen. Bezogen auf das Wortmaterial ist zu beachten, dass ausschließlich monomorphematische Wörter und davon abgeleitete Neologismen inkludiert wurden. Die Items wurden nach psycholinguistischen Kriterien wie Konkretheit, Wortart, schriftlicher und gesprochener Frequenz, Silbenstruktur und orthographischer Regelmässigkeit kontrolliert. LEMO ist in seiner Gesamtheit sehr umfassend, weshalb hypothesengeleitet einzelne relevante Untertests ausgewählt werden sollen. Als Hilfestellung werden LEMO-Untertests in 14 zentrale und 19 vertiefende Tests unterteilt. Zudem gibt es eine sogenannte Kernbatterie, welche auf modalitätsspezifische Leistungsunterschiede abzielt. Die Wortartenbatterie gestattet eine Überprüfung eines Anhang E: Überblick verschiedener Untersuchungsverfahren 137 Wortarteneffekts in den Modalitäten Nachsprechen, lautes Lesen und Schreiben nach Diktat. Die Testdurchführung ist nicht standardisiert, jedoch liegen gewisse Testinstruktionen vor. LEMO erfordert vom Untersucher eine hohe fachliche Expertise und Vertrautheit mit dem Logogenmodell für die sinnvolle Auswahl der Untertests und die anschliessende Beurteilung. Die Auswertung kann zum einen quantitativ mittels Auszählens korrekter Antwortreaktionen je Untertest erfolgen. Dabei wird in 3 Leistungsbereiche unterschieden: Ratebereich, beeinträchtigter Bereich und Normalbereich. Der Normalbereich wurde durch die Leistungen einer Kontrollgruppe von 41 Sprachgesunden ermittelt. Die Wertebereiche für jeden Untertest ist auf dem Protokollbogen aufgeführt. Zentral ist der Vergleich der Leistungen in verschiedenen Untertests und die qualitative Analyse von Fehlern, womit LEMO eine aphasische Symptomatik nicht nur zu beschreiben, sondern auch modelltheoretisch zu erklären versucht, um damit eine Grundlage für die sprachtherapeutische Arbeit zu bieten. MTDDA/BMTDA Der Minnesota Test for Differential Diagnosis of Aphasia (MTDDA) wurde 1975 in mehrfach überarbeiteter Fassung publiziert (Jenkins, Jimenez-Pabon, Shaw & Sefer, 1975). Daraus entstand der Basel-Minnesota-Test zur Differentialdiagnose der Aphasie (Delavier & Graham, 1981) für den deutschsprachigen Raum. Der BMTDA hat zum Ziel individuelle, sprachliche Schwierigkeiten im Verstehen, Lesen, Sprechen und Schreiben bei Erwachsenen mit Hirnverletzungen zu erfassen. Zusätzlich werden auch auditive, visuelle und propriozeptive Wahrnehmungsprozesse berücksichtigt sowie zentrale Sprechstörungen. Der BMTDA soll Anhaltspunkte bei der Differentialdiagnose und Prognose der Aphasie geben, bei der Planung der Therapie und Kontrolle des Verlaufs dienen und im Rahmen von Forschungszwecken eingesetzt werden können. Der Test besteht aus insgesamt 47 Untertests, welche folgenden Bereichen zugeordnet sind: Verstehen der gesprochenen Sprache; Zuordnen optischer Formen/Verstehen der geschriebenen Sprache; Sprechen und sprachlicher Ausdruck; Kopieren von Formen/Schreiben und schriftlicher Ausdruck; Umgehen mit Zahlen. Die Auswertung erfolgt insofern quantitativ, als dass Fehler ausgezählt und Punkte vergeben werden. Eine statistische Auswertung ist jedoch nicht vorgesehen. In einem Überblick der quantitativen Testergebnisse in Kombination mit qualitativen Beobachtungen kann der Untersucher individuelle Störungsschwerpunkte und -muster identifizieren. Angelehnt an den MTDDA schlägt der BMTDA ein Klassifikationssystem der Aphasien vor, welches folgende Kategorien beinhaltet: Aphasie ohne Komplikationen; Aphasie mit Störungen visueller Prozesse; Aphasie mit bleibenden propriozeptiven Störungen; Aphasie mit mehrfachen Hirnschädigungen (inkl. visuelle Prozesse und Dysarthrie); Aphasie mit Störungen der propriozeptiven und auditiven Rückkopplung; Anhang F: Entwicklungsschritte Fragebogen 144 Reihenfolge der Items Am besten zu Beginn und am Schluss etwas «Einfaches» (gut vorstellbar, auf alle zutreffend). In der Mitte können auch Dinge kommen, die vielleicht etwas schwieriger zu beantworten sind. Der Fragebogen sollte mit möglichst wenig kognitiver Mühe beantwortet werden können > unlogische Sprünge vermeiden; thematisches Sortieren der Items hilft. Antwortmöglichkeiten 4-Stufige Skala: Intensität in der Regel ohne Mittelkategorie > Was ist «mittelschwierig» (> kann man kaum beurteilen). Zu viele Kategorien sind ungünstig, wenn es sich um ein Konstrukt handelt, dass man nicht so genau differenzieren kann. Allgemein Ein Fragebogen kann in einer ersten Version nie perfekt sein. Nach einer ersten Version sollten Daten gesammelt werden und darauf basierend kann man optimieren. Feedback von Stefan Bläsi Anhang G: Pilotierung Riedel-Texte 145 Anhang G: Pilotierung Riedel-Texte Pilotierung bei Riedel-Texten – Auditives Sprachverständnis Text 1 Text 2 Text 15 Frage RW, ‘61 OS, ‘32 DW, ‘57 JB, ‘94 OS, ‘95 GW, ‘95 RW, ‘61 OS, ‘32 DW, ‘57 JB, ‘94 OS, ‘95 GW, ‘95 RW, ‘61 OS, ‘32 DW, ‘57 JB, ‘94 OS, ‘95 GW, ‘95 1 R F F F F F R R R R R R R R R R R R 2 R R R F R R R R R R R R F F F F F F 3 F F F F F F F F F F F F F F F F F F 4 R R R R R R F F F F F F R R R R R R 5 F F F F R F F R F F F F F F R F R F 6 F F F F F F R R R R R R F F F F F F 7 R R R R R R F R F F F F R R R R R R 8 R R R R R R F F F R R F F R R R R R 9 F F F F F F F R R R R R R R R R R R 10 R R R R R R R R R R R R F F F F F F Anzahl Fehler 1 0 0 1 1 0 1 2 0 1 1 0 1 0 1 0 1 0 Anhang H: Tabellarische Übersicht der Limitationen 146 Anhang H: Tabellarische Übersicht der Limitationen Mündliche Sprachproduktion Limitationen Ausblick - Validität: > Wird die mündliche Sprachproduktion gemessen? > Einfluss visueller Leistungen (Bildergeschichte) > Einfluss kognitiver Leistungen (z.B. Bildergeschichte verstehen) > Ausreichend lange Sprachprobe zur Beurteilung der Sprache? - Objektivität: > Vollständige und nachvollziehbare Handanweisung? > Kategoriensystem Fehleranalyse vollständig und trennscharf? > Interrater-/ Intrarater-Reliabilität (bei quantitativer & qualitativer Beurteilung) - Reliabilität > Lerneffekte, da Geschichten sehr ähnlich? - Sensitivität > Weitere Komplexitätsstufen (Bildergeschichten) - Keine detaillierte Diskursanalyse möglich > keine (automatisierte) Auswertung aktuell möglich (MLU, TTR, etc.) - Peer-Review (Verständlichkeit der Handanweisung; Fehlerkategorien) im Logopädie-Team - Untersuchung der Interrater-Reliabilität - Später: weitere Komplexitätsstufen evtl. in Zusammenarbeit mit Studierenden - Weiterentwicklung von KI beobachten für automatisierte Auswertung von Spontansprache. Schriftliche Sprachproduktion Limitationen Ausblick - Validität > Wird die schriftliche Sprachproduktion gemessen? > Einfluss visueller Leistungen (Bildergeschichte) > Einfluss kognitiver Leistungen (z.B. Bildergeschichte verstehen) > Ausreichend lange Sprachprobe zur Beurteilung der Sprache? - Objektivität > Vollständige und nachvollziehbare Handanweisung? > Kategoriensystem Fehleranalyse vollständig und trennscharf? > Interrater-/ Intrarater-Reliabilität (bei quantitativer & qualitativer Beurteilung) - Reliabilität > Lerneffekte, da Geschichten sehr ähnlich? - Sensitivität - Weitere Komplexitätsstufen (Bildergeschichten) - Peer-Review (Verständlichkeit der Handanweisung; Fehlerkategorien) im Logopädie-Team - Untersuchung der Interrater-Reliabilität - Später: weitere Komplexitätsstufen evtl. in Zusammenarbeit mit Studierenden Anhang H: Tabellarische Übersicht der Limitationen 147 Auditives Sprachverständnis Limitationen Ausblick - Validität > Wird das auditive Sprachverständnis gemessen? > wahrscheinlich Einfluss kognitiver Leistungen hoch (z.B. Gedächtnis, Aufmerksamkeit) > Texte ursprünglich als Lesesinnverständnisaufgabe konzipiert - Objektivität > Vollständige und nachvollziehbare Handanweisung? - Reliabilität > «Parallelversionen» evtl. nicht gleich schwierig - Sensitivität > Schwierigkeit des Testmaterials nicht erprobt > Validierung der Texte und der Fragen an Sprachgesunden (verschiedenen Alters) > Nur eine Komplexitätsstufe aktuell (Texte) - Peer-Review (Verständlichkeit der Handanweisung) - Validierung der Texte an Sprachgesunden evtl. in Zusammenarbeit mit Studierenden - Vergleich der «Parallelversionen» bezüglich Schwierigkeitsgrad - Später: weitere Komplexitätsstufen Lesen und Lesesinnverständnis Limitationen Ausblick - Validität: > Wird das Laute Lesen und Lesesinnverständnis untersucht? > Einfluss visueller Leistungen > Einfluss kognitiver Leistungen (z.B. Aufmerksamkeit) - Objektivität > Vollständige und nachvollziehbare Handanweisung? > Kategoriensystem Fehleranalyse vollständig und trennscharf (Lautes Lesen)? > Interrater-/ Intrarater-Reliabilität (bei qualitativer Beurteilung Lautes Lesen) - Reliabilität > «Parallelversionen» evtl. nicht gleich schwierig - Sensitivität > Schwierigkeit des Testmaterials nicht erprobt > Validierung der Texte und der Fragen an Sprachgesunden (verschiedenen Alters) > Nur eine Komplexitätsstufe aktuell (Texte) - Peer-Review (Verständlichkeit der Handanweisung; Fehlerkategorien für Lautes Lesen) - Untersuchung der Interrater-Reliabilität (Lesen) - Validierung der Texte an Sprachgesunden evtl. in Zusammenarbeit mit Studierenden - Vergleich der «Parallelversionen» bezüglich Schwierigkeitsgrad - Später: weitere Komplexitätsstufen Benennen Limitationen Ausblick - Objektivität: > Vollständige und nachvollziehbare Handanweisung? > Kategoriensystem Fehleranalyse vollständig und trennscharf? > Interrater-/ Intrarater-Reliabilität (insbesondere bei qualitativer Beurteilung) - Peer-Review (Verständlichkeit der Handanweisung; Fehlerkategorien für qualitative Auswertung) - Interrater-Reliabilität überprüfen - Name Agreement bei Sprachgesunden überprüfen (korrekte Ziel-Items im Dialekt definieren) - linguistische Parameter für Dialekt (z.B. Wortlänge) Anhang H: Tabellarische Übersicht der Limitationen 148 - Reliabilität > evtl. Lerneffekte bei der postoperativen Beurteilung? - Sensitivität > Verbgenerierungsaufgaben und Benennen von bekannten Persönlichkeiten sensitiver? > (automatisierte) Messung der Reaktionszeiten ist im klinischen Alltag noch nicht möglich - Dialekt: > Linguistische Parameter sind kontrolliert für Hochdeutsch > Keine vollständige Liste korrekter Reaktionen für Dialekt - Weiterentwicklungen beobachten bzgl. automatisierter Messung von Reaktionszeiten. - Literatur bzgl. Bedeutung von Verbgenerierungsaufgaben und Benennen von bekannten Persönlichkeiten weiterverfolgen Fluency Limitationen Ausblick - Spezifität: > Die Aufgabe erfordert ein Zusammenspiel verschiedenster kognitiver Funktionen Token Test Limitationen Ausblick - Sensitivität: > erfasst die Aufgabe sprachliche Defizite bei Tumorpatienten sensitiv? - in Zukunft: Auswertung eigener Patientendaten (Fragestellung: zeigte der TT sprachliche Defizite an? Bei welchen Pat.? Korrelationen mit anderen Untertests) - Weiterentwicklungen von neuen Verfahren verfolgen (z.B. DIMA) Fragebogen Limitationen Ausblick - Validität: > bisher keine systematische Inhaltsvalidierung > bisher keine Pilotierung an der Patientengruppe (Verständlichkeit, Vollständigkeit, Relevanz) - Inhaltsvalidierung durch Expertengremium (AG WachKraniotomien) - Pilotierung an Patienten > Evaluation bzgl. Verständlichkeit der Items und der Instruktion; Eignung der Skala, Relevanz der Items (oft mit 0 bewertet); Fehlende Items (z.B. Themen, die in der Anamnese auffallen, jedoch nicht im Bogen vorkommen), wenig sensitive Items (verändern sich nie prä/post). Weiteres: - Vergleich Fragebogen mit Testergebnissen anderer Untertests > Korrelationen? - Korrelationen bestimmter Items > mögliche Subskalen? - Fremdeinschätzungs-Fragebogen daraus entwickeln? Anhang I: Lizenzen der Abbildungen 149 Anhang I: Lizenzen der Abbildungen Abbildung 1: Untertests von DuLIP Anhang I: Lizenzen der Abbildungen 150 Anhang I: Lizenzen der Abbildungen 151 Anhang I: Lizenzen der Abbildungen 152 Anhang I: Lizenzen der Abbildungen 153 Abbildung 2: Untertests von DIMA