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Entwicklung und Struktur der Pendlerverflechtungen Thüringens

Fuchs, Michaela,Fritzsche, Birgit,Sujata, Uwe

Abstract

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Full text

Fuchs, Michaela; Fritzsche, Birgit; Sujata, Uwe Research Report Entwicklung und Struktur der Pendlerverflechtungen Thüringens IAB-Regional. IAB Sachsen-Anhalt-Thüringen, No. 2/2025 Provided in Cooperation with: Institute for Employment Research (IAB) Suggested Citation: Fuchs, Michaela; Fritzsche, Birgit; Sujata, Uwe (2025) : Entwicklung und Struktur der Pendlerverflechtungen Thüringens, IAB-Regional. IAB Sachsen-Anhalt-Thüringen, No. 2/2025, Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB), Nürnberg, https://doi.org/10.48720/IAB.RESAT.2502 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/324914 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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IAB-Regional erscheint in loser Folge in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Regionaldirektion der Bundesagent ur für Arbeit und wendet sich an Wissenschaft und Praxis. IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 3 Inhaltsverzeichnis Zusammenfassung ................................................................................................................... 4 1 Einleitung ........................................................................................................................... 6 2 Hintergrund ........................................................................................................................ 7 3 Daten und Definitionen ....................................................................................................... 9 4 Pendlerverflechtungen auf Ebene der Bundesländer ........................................................ 10 4.1 Zeitliche Entwicklung in Thüringen................................................................................... 11 4.2 Pendlerverflechtungen im Bundesländervergleich .......................................................... 14 5 Pendlerverflechtungen auf Ebene der Kreise .................................................................... 19 5.1 Allgemeines Muster ............................................................................................................ 19 5.2 Kreise in Thüringen ............................................................................................................ 21 6 Merkmale der Pendler aus und nach Thüringen ................................................................ 24 6.1 Soziodemografische Merkmale ......................................................................................... 24 6.2 Berufe ................................................................................................................................. 26 6.3 Branchen ............................................................................................................................ 29 7 Kleinräumige Pendlerverflechtungen über die Landesgrenzen hinweg ............................. 32 7.1 Allgemeines Muster ............................................................................................................ 32 7.2 Bayern ................................................................................................................................ 33 7.3 Sachsen .............................................................................................................................. 35 7.4 Hessen ................................................................................................................................ 37 8 Fazit ................................................................................................................................. 39 Literatur ................................................................................................................................. 43 IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 4 Zusammenfassung Pendeln erfüllt eine wichtige Funktion beim räumlichen Ausgleich von Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage. Aus Thüringen pendelten im Jahr 2024 mehr als 126.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in andere Bundesländer, was 15 Prozent aller Beschäftigten mit Wohnort in Thüringen entspricht. Gleichzeitig hatten über 74.000 Beschäftigte aus anderen Bundesländern oder aus dem Ausland ihren Arbeitsort in Thüringen. Sie machen 9 Prozent aller Beschäftigten mit Arbeitsort in Thüringen aus. Seit 1999 ist die Zahl der Einpendler deutlich stärker gewachsen als die Zahl der Auspendler. Als Folge ist der negative Pendlersaldo seit 2008 fast durchgehend rückläufig. Rund 60 Prozent der Auspendler arbeiten in Bayern, Sachsen und Hessen, über 40 Prozent der Einpendler wohnen in Sachsen und SachsenAnhalt. In Bezug auf die individuellen Merkmale der Pendler offenbaren sich teils deutliche Unterschiede zwischen den Pendlern und Nichtpendlern. Ausund Einpendler arbeiten in einer Vielzahl an Branchen und Berufen. Betrachtungen auf der Ebene der Kreise innerhalb Thüringens machen deutlich, dass insbesondere Jena und Erfurt, aber auch Gera, Suhl und Weimar als überregionale Einpendlerzentren fungieren. Alle anderen Kreise haben negative Pendlersalden. Die Pendlerverflechtungen über die Landesgrenzen hinweg werden stark von kleinräumigen Austauschbeziehungen diesund jenseits der Bundeslandgrenzen geprägt. Auf der Seite Bayerns betrifft das vor allem den Landkreis und die Stadt Coburg, auf der Seite Sachsens die Stadt Leipzig, den Landkreis Zwickau und den Vogtlandkreis und auf der Seite Hessens die Landkreise Hersfeld-Rotenburg und Fulda. Was das Potenzial der Pendler für die Stabilisierung des Arbeitskräftebedarfs betrifft, dürfte der hohe Auspendlerüberschuss auch in Zukunft ein bestimmendes Merkmal des thüringischen Arbeitsmarktes bleiben. Allerdings hat sich die Zahl der Einpendler aus Bayern und insbesondere aus dem Landkreis Coburg sehr positiv entwickelt, wovon insbesondere die an Bayern angrenzenden Landkreise profitiert haben. Sehr stark gestiegen ist auch die Zahl der Einpendler aus Leipzig, was dem Landkreis Altenburger Land zugutekommen könnte. Außerdem deuten die zunehmenden Einpendlerströme aus westdeutschen Regionen an, dass hier ebenfalls Potenziale bestehen, wenngleich in einem wesentlich geringeren Umfang. Schließlich stellen auch die Einpendler aus dem Ausland eine wichtige Ressource dar. IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 5 Keywords Auspendler, Einpendler, Mobilität, Thüringen Danksagung Für die Unterstützung bei der Bearbeitung der Studie möchten wir uns herzlich bei den Kolleginnen und Kollegen aus dem Regionalen Forschungsnetz bedanken. Unser besonderer Dank geht an Volker Kotte für die inhaltliche Mitlese, an Birgit Carl für wertvolle Unterstützung bei der Erstellung der Karten, an Daniel Jahn für die Formatierung, an Andrea Stöckmann für das Erstellen der barrierefreien Texte und an Jeanette Carstensen für die redaktionelle Überarbeitung. IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 6 1 Einleitung Pendeln gehört für viele Beschäftigte zum Arbeitsalltag. Im Jahr 2023 arbeiteten 20,48 Millionen Beschäftigte in einer anderen Gemeinde als sie wohnten. Insgesamt pendelten knapp 60 Prozent aller Beschäftigten zwischen Arbeitsort und Wohnort. Sie legten dabei einen durchschnittlichen einfachen Arbeitsweg von 17,2 Kilometern zurück (BBSR 2024). Aus regionaler Sicht erfüllt Pendeln eine wichtige Funktion beim Ausgleich von Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage zwischen einzelnen Regionen und trägt somit zum Abbau von regionalen Arbeitsmarktdisparitäten bei. Vorteile ergeben sich für die Erwerbstätigen dadurch, dass sie durch die Ausweitung des räumlichen Suchradius nicht an die Jobangebote vor Ort gebunden sind, sondern ihre Arbeitsmarktchancen durch die Berücksichtigung von Jobs in anderen Regionen erhöhen können. Unternehmen können wiederum aus einem größeren Bewerberpool auswählen. Mit Pendeln gehen aber auch Nachteile einher, denn Pendeln nimmt Zeit in Anspruch, und es fallen Kosten für den Arbeitsweg an. In Ostdeutschland sind aufgrund der umfassenden Transformationsprozesse zu Beginn der 1990er Jahre Arbeitsplätze in großem Ausmaß weggefallen, so dass viele Beschäftigte gezwungen waren, zu Arbeitgebern in Westdeutschland zu pendeln oder umzuziehen. Da sie den ostdeutschen Arbeitsmarkt entlasteten, wurden damals hohe Auspendlerzahlen insbesondere nach Westdeutschland begrüßt (vgl. Brautzsch 2002). Seitdem hat vor allem demografisch bedingt die Zahl der Einwohner und damit auch der Erwerbspersonen sehr stark abgenommen. Gleichzeitig bleibt aber die Nachfrage nach Arbeitskräften im Wesentlichen stabil, so dass mittlerweile in vielen Bereichen Arbeitskräfte gesucht werden. Vor diesem Hintergrund werden die Pendler1 als eine von mehreren Personengruppen gesehen, die in Frage kommen könnten, die Engpässe abzufedern. Um eine Grundlage für die Diskussion der Möglichkeiten und Grenzen bei der Ausschöpfung des Potenzials der Pendler für den Arbeitskräftebedarf in Thüringen zu bieten, unterzieht der vorliegende Bericht die Pendlerverflechtungen einer umfassenden Analyse. Dabei dient der Pendlerbericht von Dietrich/Fritzsche (2010) als Grundlage, wird aber durch verschiedene Aspekte erweitert. Die Entwicklung der Ausund Einpendlerzahlen seit 1999 wird ebenso aufgegriffen wie die Frage, inwiefern in Thüringen genügend Beschäftigungsmöglichkeiten für die dort wohnenden Arbeitskräfte existieren. Um das Ausmaß der Pendlerintensität besser einordnen zu können, erfolgt ein Vergleich auf der administrativen Ebene der Bundesländer und der Kreise. Einen weiteren Schwerpunkt bilden ausgewählte individuelle Merkmale der mobilen Beschäftigten aus und nach Thüringen. Schließlich wird ein detaillierter Blick auf die Pendlerverflechtungen drei ausgewählter Regionen auf beiden Seiten der Landesgrenze geworfen. Damit können kleinräumige Besonderheiten der regionalen Arbeitsmärkte aufgezeigt werden, die das Bild auf Bundeslandebene wesentlich prägen. Im Fazit werden die verschiedenen Erkenntnisse zusammengeführt und diskutiert. 1 Zugunsten der besseren Lesbarkeit wird in diesem Bericht in der Regel die grammatikalisch männliche Form verwendet. IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 7 2 Hintergrund In die Entscheidung, zu pendeln, spielt eine Vielzahl an Bestimmungsfaktoren hinein. Sie reichen von individuellen Faktoren über die Bedürfnisse des Haushalts bzw. der Familie bis hin zur Situation auf dem regionalen Arbeitsund Wohnungsmarkt und der verfügbaren Verkehrsinfrastruktur. Wie Abraham/Nisic (2007: 71) betonen, existiert bislang kein theoretisches Modell, das die Länge bzw. die Dauer des Arbeitsweges befriedigend erklären könnte. Aus ökonomischer Sicht kann die Pendelentscheidung aus dem individuellen Zusammenspiel von Nutzen und Kosten des Pendelns erklärt werden. Übersteigt der erwartete Gesamtnutzen eines räumlichen Jobwechsels die erwarteten Kosten, wird die Entscheidung zugunsten des Pendelns ausfallen. Der Nutzen bestimmt sich dabei im Wesentlichen durch die Arbeitsbedingungen, zu denen monetäre Faktoren wie der Lohn zählen (vgl. Pfaff 2014; Ganesch/Dütsch/Struck 2019). Aber auch nicht-monetäre Aspekte wie die generelle Attraktivität einer Stelle oder eines bestimmten Unternehmens können dazu gehören. Die Kosten des Pendelns umfassen in erster Linie die erforderliche Zeit, die man für den Arbeitsweg aufbringen muss, und die entsprechenden monetären Kosten dafür. Hier besteht ein enger Zusammenhang mit den individuellen Mobilitätsmöglichkeiten. Diese beziehen sich zum Beispiel auf den Besitz einer Fahrererlaubnis und die Verfügbarkeit eines eigenen Autos, auf den Ausbau des Straßennetzes oder auf die Verfügbarkeit und Taktung des öffentlichen Personennahund Schienenverkehrs. Durch Homeoffice, das während der Covid-19-Pandemie einen starken Anstieg erfahren hat2, lassen sich die Kosten des Pendelns sowohl in zeitlicher als auch in monetärer Hinsicht entscheidend senken. Für die Zukunft ist davon auszugehen, dass der Anteil der Beschäftigten mit Homeoffice-Möglichkeiten zwar eher wieder etwas absinken dürfte. Die Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort dürfte aber zumindest für einen Teil der Beschäftigten eine größere Rolle spielen als vor der Pandemie (vgl. Frodermann et al. 2021). In Bezug auf das Pendlerverhalten bedeutet das, dass die räumliche Entfernung zwischen Arbeitsund Wohnort für diese Beschäftigten an Relevanz verlieren dürfte. Dennoch werden wesentliche wissensbasierte Arbeitsprozesse bevorzugt in Städten verortet bleiben (Volgmann et al. 2022: 399). Diese Aspekte werden in der vorliegenden Analyse nicht weiter thematisiert. In die individuelle Entscheidung für oder gegen Pendeln spielen weiterhin Aspekte der Lebenszufriedenheit und gesundheitliche Kosten des Pendelns hinein. So zeigt Pfaff (2014), dass Pendelmobilität sich zwar finanziell auszahlt, aber die allgemeine Lebenszufriedenheit senkt. Auch die Gesundheit kann leiden, wenn der mit dem Pendeln einhergehende Stress und Zeitdruck z. B. zu hohem Blutdruck oder psychischen Problemen führt (vgl. Kersting et al. 2021). Die Abwägung von Nutzen und Kosten des Pendelns wird durch weitere individuelle Präferenzen beeinflusst. Bevorzugt man beispielsweise das Wohnen im Grünen, wird man eher bereit sein, sich für einen Arbeitsort in der Stadt und einen Wohnort auf dem Land und damit für eine längere Pendeldistanz zu entscheiden. Außerdem ist zu beachten, dass Mobilitätsentscheidungen in 2 2023 haben 23,5 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland von zu Hause aus gearbeitet. Der Anteil hat sich gegenüber dem Vor-Corona-Niveau fast verdoppelt. Im Jahr 2019 hatten noch 12,9 Prozent der Erwerbstätigen im Homeoffice gearbeitet, im ersten Corona-Jahr 2020 waren es 21,0 Prozent (vgl. Statistisches Bundesamt 2025). IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 8 Abhängigkeit von den übrigen Haushaltsmitgliedern wie Partnern oder Kindern getroffen werden (vgl. Kersting et al. 2021). Hier bieten verhandlungsund tauschtheoretische Ansätze, die Interessenskonflikte und Aushandlungsprozesse im Haushalt berücksichtigen, Erklärungen. So können das Vorhandensein von Wohneigentum, die Arbeitsstelle des Partners/der Partnerin vor Ort, der Schulbesuch der Kinder, die Einbindung in soziale Netzwerke oder eine starke regionale Bindung wichtige Gründe dafür sein, dass die von einem Arbeitsortwechsel betroffene Person dorthin pendelt, anstatt mit dem gesamten Haushalt umzuziehen (vgl. Abraham/Nisic 2007; Pfaff 2012). Die Kosten-Nutzen-Entscheidung des Pendelns steht außerdem mit individuellen Merkmalen der Erwerbstätigen in Wechselwirkung (vgl. Ganesch/Dütsch/Struck 2019). Eine zentrale Rolle spielt das Geschlecht, denn Frauen weisen sowohl eine geringere Pendelneigung als auch kürzere Pendeldistanzen und -zeiten auf als Männer (vgl. Fuchs/Jost/Weyh 2024a, 2024b). Frauen übernehmen insbesondere in Familien mit einem traditionellen Rollenverständnis immer noch den größten Teil des Haushalts und der Kinderbetreuung, was die Zeit, die sie für den Weg zur Arbeit aufbringen können, einschränkt (vgl. Paff 2012). Daher sind ihre Pendelkosten höher als die der Männer. Als Folge bewegen sie sich in einem kleineren räumlichen Arbeitsmarkt und müssen eher Zugeständnisse bei der Arbeitsplatzwahl machen. Auch das Alter stellt einen wichtigen Bestimmungsfaktor des Pendelns dar. Wie Ganesch/Dütsch/Struck (2019: 186) darlegen, ist das frühe Erwachsenenalter verstärkt von Orientierungsund Entscheidungsphasen im beruflichen wie privaten Bereich geprägt, was mit höherer Mobilität einhergeht. Mit zunehmendem Alter sind diese Wahlund Entscheidungsprozesse weitgehend abgeschlossen und die soziale Einbettung in einen Betrieb oder eine Region maßgeblich vollzogen. Als Folge steigen die Kosten des Pendelns mit dem Alter. Ein weiterer wichtiger Faktor, der mit dem Pendeln zusammenhängt, ist das Qualifikationsniveau. Je nach Qualifikation stehen Arbeitnehmern unterschiedliche Betätigungsfelder und Arbeitsmärkte offen (Paff 2012: 462). Zum Beispiel üben Hochqualifizierte oftmals sehr spezifische Tätigkeiten aus, die mitunter nur in spezialisierten überregionalen Arbeitsmärkten nachgefragt werden. Um ihre individuellen Bildungsinvestitionen bestmöglich zu verwerten, pendeln sie daher in der Regel weiter als Geringqualifizierte, deren Arbeitsnachfrage gleichmäßiger über den Raum verteilt ist. Zudem verdienen hochqualifizierte Erwerbstätige besser als geringqualifizierte, sodass es für sie profitabler ist, längere Strecken zu pendeln (vgl. Ganesch/Dütsch/Struck 2019; Kersting et al. 2021). Bedeutsam für die individuelle Pendelentscheidung sind nicht nur individuelle Faktoren, sondern auch solche Faktoren, die die Arbeitsmärkte in den einzelnen Regionen prägen und die das Individuum selbst nicht beeinflussen kann. Zentrale regionale Merkmale sind Wirtschaftskraft und Arbeitslosigkeit, die die Beschäftigungsperspektiven vor Ort wesentlich bestimmen. Die Entscheidung zum Pendeln wird dann anhand eines Vergleichs der regionalen Gegebenheiten zwischen Wohnort und (potenziellem) Arbeitsort getroffen (vgl. Ganesch/Dütsch/Struck 2019). In räumlicher Hinsicht kommt der Siedlungsstruktur eine große Bedeutung zu. Sie gibt Auskunft über die Verteilung der Bevölkerung im Raum und über dessen Nutzung. Wohnen Personen beispielsweise in dicht besiedelten Räumen, können sie von großen Arbeitsmärkten direkt vor der Haustür profitieren. Zwar sind sie dort mit hohen Wohnkosten konfrontiert, pendeln allerdings in der Regel kürzer als Personen, die in ländlichen Räumen wohnen (vgl. IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 15 Abbildung 5: Auspendlerquoten der Bundesländer Anteil der Auspendler an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Wohnort in Prozent, 30. Juni 2024 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Bei Betrachtung der Einpendlerquoten in Abbildung 6 stechen die Stadtstaaten Bremen und Hamburg hervor. In Bremen liegt die Einpendlerquote bei 41,4 Prozent, in Hamburg ist sie mit 37,4 Prozent nur geringfügig niedriger. Die hohen Quoten lassen sich mit dem Charakter von Stadtstaaten erklären, die ein hohes Arbeitsplatzangebot bereitstellen. Demgegenüber fällt Berlin mit einer Einpendlerquote von 24,2 Prozent deutlich ab. Wie Seibert/Wiethölter/Carstensen (2019: 20 f) ausführen, stehen dort einerseits verhältnismäßig weniger Arbeitsplätze zur Verfügung als in Hamburg und Bremen. Andererseits ist das Berliner Umland dünner besiedelt, was in unterschiedlich strukturierten Stadt-Umland-Beziehungen resultiert. Thüringen befindet sich mit einer Einpendlerquote von 9,4 Prozent im unteren Drittel des Bundesländerrankings. Die geringste Einpendlerquote weist Mecklenburg-Vorpommern auf, was einem relativ geringen Angebot an Beschäftigungsmöglichkeiten und der großen räumlichen Ausdehnung des Bundeslandes geschuldet sein dürfte. 5,7 6,2 6,8 9,6 10,1 11,4 12,5 14,7 14,9 14,9 17,2 18,3 21,7 22,3 23,1 31,6 Nordrhein-Westfalen Bayern Baden-Württemberg Sachsen Saarland Hessen Mecklenburg-Vorpommern Niedersachsen Berlin Thüringen Sachsen-Anhalt Hamburg Rheinland-Pfalz Schleswig-Holstein Bremen Brandenburg IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 16 Abbildung 6: Einpendlerquoten der Bundesländer Anteil der Einpendler an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort in Prozent, 30. Juni 2024 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Von Bedeutung ist nicht nur, wie viele Beschäftigte aus und nach Thüringen pendeln, sondern auch, mit welchen Regionen starke Verflechtungen bestehen. Hierzu zeigt Abbildung 7 die Ziele der SvB mit Wohnort in Thüringen. Wie in Abbildung 1 deutlich wurde, wohnt und arbeitet der Großteil der SvB in Thüringen (85,1 %). Von den insgesamt 126.070 Auspendlern arbeiteten 34.110 in Bayern, 21.724 in Sachsen und 20.392 in Hessen, was zusammengenommen mehr als 60 Prozent aller Auspendler entspricht. Die anderen Bundesländer spielen als Arbeitsort eine wesentlich geringere Rolle. Neben Niedersachsen (10,6 %) sind noch Sachsen-Anhalt (7,6 %) und Nordrhein-Westfalen (7,2 %) zu nennen. Über die Jahre hat sich die Relevanz der einzelnen Bundesländer für die Auspendler verändert. Tabelle A 1 im Anhang zeigt die Auspendler nach Bundesländern in den Jahren 1999 und 2024. Unter den wichtigsten Zielbundesländern ist der stärkste Anstieg nach Sachsen (23,2 %) festzustellen, während sich ein durchschnittlicher Zuwachs nach Niedersachsen (16,1 %) und sogar ein Rückgang nach Hessen (-7,8 %) zeigen. Als Folge hat sich der Anteil der Auspendler nach Sachsen an allen Auspendlern von 16,1 Prozent auf 17,2 Prozent erhöht, Hessen seinen Anteil aber von 20,2 Prozent auf 16,2 Prozent verringert. Die Entwicklungen in diesen beiden Bundesländern stehen stellvertretend für einen generellen leichten relativen Bedeutungsverlust Westdeutschlands und für einen leichten Bedeutungsgewinn Ostdeutschlands als Zielregionen der Auspendler aus Thüringen.4 4 Der Anteil der Auspendler nach Westdeutschland ist von 72,2 Prozent auf 69,9 Prozent gesunken, der Anteil der Auspendler in die ostdeutschen Bundesländer ist von 27,8 Prozent auf 30,1 Prozent gestiegen (vgl. Tabelle A 1 im Anhang). 6,1 6,9 7,5 8,9 9,4 9,4 9,6 10,2 13,8 13,9 14,4 16,1 20,3 24,2 37,4 41,4 Mecklenburg-Vorpommern Nordrhein-Westfalen Bayern Sachsen Thüringen Baden-Württemberg Sachsen-Anhalt Niedersachsen Rheinland-Pfalz Schleswig-Holstein Saarland Hessen Brandenburg Berlin Hamburg Bremen IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 17 Abbildung 7: Arbeitsorte der Beschäftigten mit Wohnort in Thüringen Nichtpendler in Thüringen und Zielregionen der Auspendler aus Thüringen, in Prozent, 30. Juni 2024 Anmerkung: Nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit bekanntem Arbeitsort. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Von den insgesamt 791.968 SvB, die im Jahr 2024 in Thüringen einer Beschäftigung nachgingen, wohnten 74.076 Personen in einem anderen Bundesland. Die meisten Einpendler kamen dabei aus Sachsen, die 17.877 SvB stellten 24,1 Prozent aller Einpendler (vgl. Abbildung 8). Aus Sachsen-Anhalt kamen 14.483 SvB (19,6 %) und aus Bayern 9.860 SvB (13,3 %). Unter den übrigen westdeutschen Bundesländern ist noch Hessen (10,3 %) zu nennen. 5.225 Einpendler hatten einen Wohnort im Ausland. Der Großteil entfällt auf Polen (66,3 %), gefolgt von Tschechien (16,0 %) und Rumänien (3,6 %). Diese Einpendler aus dem Ausland stellen generell eine wachsende Gruppe von Beschäftigten in Deutschland dar (vgl. Seibert 2024). Betrachtet man die Veränderung der Zahl der Einpendler zwischen 1999 und 2024 (vgl. Tabelle A 1 im Anhang), wird ein konträres Muster zu den Auspendlern sichtbar. Wenngleich sich die absoluten Werte immer noch auf einem recht niedrigen Niveau bewegen, hat sich die Zahl der Einpendler aus mehreren westdeutschen Bundesländern teils mehr als verdoppelt. Dies gilt zum Beispiel für Bayern (129,2 %) oder Niedersachsen (155,0 %). Demgegenüber fallen die Zuwachsraten für Einpendler aus Sachsen (38,3 %) oder Sachsen-Anhalt (60,9 %) deutlich kleiner aus. Im Ergebnis haben Einpendler aus den westdeutschen Bundesländern einen relativen Bedeutungsgewinn verzeichnet und Einpendler aus den ostdeutschen Bundesländern einen relativen Bedeutungsverlust.5 5 Der Anteil der Einpendler aus Westdeutschland ist von 34,6 Prozent auf 42,3 Prozent gestiegen, der Anteil der Einpendler aus den ostdeutschen Bundesländern ist von 65,1 Prozent auf 50,6 Prozent gesunken (vgl. Tabelle A 1 im Anhang). Thüringen 85,1% Bayern 27,1% Sachsen 17,2% Hessen 16,2% Niedersachsen 10,6% übriges Ostdeutschland 12,9% übriges Westdeutschland 16,1% Auspendler insgesamt 14,9% IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 18 Abbildung 8: Wohnorte der Beschäftigten mit Arbeitsort in Thüringen Nichtpendler in Thüringen und Herkunftsregionen der Einpendler nach Thüringen, in Prozent, 30. Juni 2024 Anmerkung: Nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit bekanntem Wohnort. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Die Bundesländer unterscheiden sich stark in ihrer Beschäftigungsdichte. Stehen in einem Bundesland nicht ausreichend Arbeitsplätze bereit, pendeln Arbeitnehmer in ein anderes Bundesland aus. Umgekehrt bieten Regionen mit einer hohen Beschäftigungsdichte Möglichkeiten für Einpendler aus anderen Bundesländern. Bei einem Vergleich zeigt sich, dass Hamburg die höchste Beschäftigungsdichte aufweist (vgl. Tabelle 1). Auf 1.000 Einwohner im erwerbsfähigen Alter kommen dort 830 SvB. An zweiter Stelle folgt Bremen mit einer Beschäftigungsdichte von 773. Beide Stadtstaaten sind dicht bevölkert und stellen mit ihrem großen Unternehmensbesatz überregionale Wirtschaftsund Arbeitsmarktzentren dar. Es folgen Bayern (686) und Baden-Württemberg (674). Die Beschäftigungsdichte in Thüringen (625) liegt etwas unter dem nationalen Durchschnittswert (647). Allerdings weisen sechs Bundesländer noch niedrigere Werte auf. Dazu zählen Sachsen-Anhalt (611), Niedersachsen (609), MecklenburgVorpommern (588), Schleswig-Holstein (569), Rheinland-Pfalz (564) und Brandenburg (563). Thüringen 90,6% Sachsen 24,1% Sachsen-Anhalt 19,6% Bayern 13,3% übriges Ostdeutschland 7,0% übriges Westdeutschland 28,9% Ausland 7,1% Einpendler insgesamt 9,4% IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 19 Tabelle 1: Beschäftigungsdichte in den Bundesländern Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (SvB) und Einwohner im erwerbsfähigen Alter, 2024 SvB am Arbeitsort Einwohner 15-64 Jahre Beschäftigungsdichte Schleswig-Holstein 1.058.498 1.861.815 569 Hamburg 1.073.152 1.292.996 830 Niedersachsen 3.139.939 5.151.673 609 Bremen 345.317 446.506 773 Nordrhein-Westfalen 7.326.630 11.628.745 630 Hessen 2.761.767 4.133.719 668 Rheinland-Pfalz 1.485.875 2.634.009 564 Baden-Württemberg 4.925.299 7.305.268 674 Bayern 5.959.550 8.685.527 686 Saarland 390.229 616.669 633 Berlin 1.686.597 2.533.247 666 Brandenburg 881.641 1.565.239 563 Mecklenburg-Vorpommern 577.322 982.283 588 Sachsen 1.637.894 2.443.852 670 Sachsen-Anhalt 793.259 1.298.531 611 Thüringen 791.968 1.267.555 625 Deutschland 34.834.937 53.847.634 647 Anmerkung: Bevölkerung zum Stichtag 31.12.2023, SvB am Arbeitsort zum Stichtag 30.06.2024. Bei 2.165 SvB ist keine Zuordnung des Arbeitsorts zu einem Bundesland möglich. Quelle: Statistisches Bundesamt; Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB 5 Pendlerverflechtungen auf Ebene der Kreise In diesem Kapitel wird der Fokus von der Ebene der Bundesländer auf die Ebene der Kreise verschoben. Die Analyse berücksichtigt die Ausund Einpendlerströme der Kreise unabhängig davon, ob die Verflechtungen mit Kreisen in dem eigenen oder in einem anderen Bundesland bestehen. Eine detaillierte Betrachtung der Pendlerverflechtungen mit Kreisen außerhalb Thüringens erfolgt in Kapitel 7. 5.1 Allgemeines Muster Die Analyse von Pendlerverflechtungen auf Kreisebene offenbart große Disparitäten zwischen den regionalen Beschäftigungsmöglichkeiten. Wie in Kapitel 2 ausgeführt, bieten Städte bzw. Ballungsräume generell ein großes Arbeitsplatzangebot und gelten als Einpendlerregionen. Demgegenüber weisen ländliche Regionen oder auch Regionen in direkter Nachbarschaft zu großen Städten eher weniger Arbeitsplätze auf und stellen demnach Auspendlerregionen dar. Dieses regionale Muster wird in Abbildung 9 deutlich sichtbar. Die höchste Auspendlerquote unter allen Kreisen von 79,8 Prozent verzeichnet der Rhein-Pfalz-Kreis (vgl. linke Karte in Abbildung 9). Er liegt im Südosten von Rheinland-Pfalz in der Metropolregion Rhein-Neckar in unmittelbarer Nachbarschaft der Städte Mannheim, Speyer und Ludwigshafen. Als attraktive Wohnregion für die Beschäftigten in den umliegenden größeren Städten spiegelt der Rhein-Pfalz- IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 20 Kreis Suburbanisierungsprozesse der Bevölkerung wider. Sie führen dazu, dass Arbeitskräfte im Umland wohnen und zu ihrer Arbeit in die Städte pendeln. Auch der Landkreis Fürth, der sich westlich der Städte Fürth und Nürnberg befindet, hat eine sehr hohe Auspendlerquote von 76,8 Prozent. Weiterhin pendeln aus der Stadt Offenbach/Main 73,6 Prozent der Wohnortbeschäftigten aus, die meisten von ihnen arbeiten im direkt angrenzenden Frankfurt/Main. Die niedrigsten Auspendlerquoten finden sich demgegenüber in Berlin (14,9 %) und in der Region Hannover (15,2 %), die aufgrund ihrer Funktion als große Arbeitsmarktzentren ausreichend Arbeitsplätze bereitstellen. Auch der Landkreis Lörrach im äußersten Südwesten Deutschlands hat eine sehr niedrige Auspendlerquote (17,2 %). Hier – wie auch in anderen Kreisen an der Außengrenze Deutschlands – ist jedoch zu beachten, dass Auspendler ins Ausland statistisch nicht erfasst sind, so dass die Auspendlerquote nach unten verzerrt sein dürfte.6 Abbildung 9: Ausund Einpendlerquoten nach Kreisen in Deutschland Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (SvB), 30. Juni 2024 Anmerkung: Auspendlerquote = Anteil der Auspendler an den SvB am Wohnort. Einpendlerquote = Anteil der Einpendler an den SvB am Arbeitsort. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Die höchste Einpendlerquote von 79,1 Prozent weist der Landkreis München auf (vgl. rechte Karte in Abbildung 9). Er ist eng mit dem Arbeitsmarkt der Stadt München verbunden, die zwar absolut gesehen die meisten Einpendler aller Kreise (461.895 SvB) hat, aber aufgrund der hohen Zahl an Beschäftigten mit Wohnort in der Stadt nur eine Einpendlerquote von 47,6 Prozent erreicht (vgl. Böhme/Eigenhüller/Rossen 2023). Es folgt die Stadt Schweinfurt (74,9 %), die 6 Insbesondere die regionalen grenznahen Arbeitsmärkte in der Schweiz, Frankreich, Luxemburg oder den Niederlanden dürften Auspendler aus Deutschland anziehen. Wie die Beispiele der Grenzpendler aus Polen zeigen, können aber auch die Regionen in Deutschland von einem grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt profitieren (Seibert/Wiethölter 2020). IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 21 ebenfalls als Arbeitsmarktzentrum für die umliegenden Landkreise fungiert. Auch die industriell geprägte Stadt Frankenthal/Pfalz in direkter Nachbarschaft zum Rhein-Pfalz-Kreis hat mit 72,4 Prozent eine hohe Einpendlerquote. Die geringsten Einpendlerquoten sind in den beiden sehr dünn besiedelten und strukturschwachen Landkreisen Vorpommern-Rügen (11,7 %) und Mecklenburgische Seenplatte (13,7 %) zu finden. Sie zeichnen sich gleichzeitig durch geringe Auspendlerquoten aus, was auf lokal begrenzte Arbeitsmärkte im ländlichen Raum hindeutet. Auch der Landkreis Harz (14,2 %) befindet sich unter den Kreisen mit den geringsten Einpendlerquoten. 5.2 Kreise in Thüringen Bei Betrachtung der Kreise in Thüringen in Abbildung 9 zeichnet sich ein leichter räumlicher Gegensatz zwischen den kreisfreien Städten mit ihren Umlandkreisen und den Landkreisen vorrangig in der Mitte und im Westen des Landes ab. Die höchste Auspendlerquote von 55,9 Prozent weist der Landkreis Weimarer Land auf (vgl. Tabelle 2). Er umschließt die Stadt Weimar und grenzt direkt an die westlich gelegene Hauptstadt Erfurt sowie an das östlich gelegene Jena an. Als Folge ist der Landkreis stark durch Stadt-Umlandverflechtungen mit Weimar geprägt, in der 27,3 Prozent der Auspendler arbeiten. Weitere 22,7 Prozent haben ihren Arbeitsplatz in Erfurt und 20,6 Prozent in Jena. An zweiter Stelle folgt der Saale-Holzland-Kreis mit einer Auspendlerquote von 55,5 Prozent. Er grenzt ebenfalls an Jena an wird zudem von den Autobahnen A 4 und A 9 durchkreuzt. Über die Hälfte der Auspendler arbeitet in Jena (54,2 %), und 7,8 Prozent pendeln in östlicher Richtung nach Gera. An dritter Stelle steht der Landkreis Greiz mit einer Auspendlerquote von 50,5 Prozent. Mehr als ein Drittel der Auspendler hat den Arbeitsplatz im benachbarten Gera (35,4 %). Für den Landkreis Sömmerda (Auspendlerquote: 49,9 %) schließlich bestimmt die direkte Nachbarschaft zu Erfurt die Pendlerströme, denn dort arbeitet über die Hälfte aller Auspendler (52,3 %). Sehr geringe Auspendlerquoten weisen Jena (26,2 %), der Landkreis Nordhausen (28,5 %) und Erfurt (29,7 %) auf. In den Arbeitsmarktzentren Jena und Erfurt dürften die jeweiligen Einwohner im erwerbsfähigen Alter vergleichsweise viele Arbeitsgelegenheiten direkt vor Ort finden. Demgegenüber zählt der Landkreis Nordhausen von der Raumstruktur her zu den dünn besiedelten ländlichen und peripheren Kreisen. Die ebenfalls ländlich geprägten Nachbarkreise haben – mit Ausnahme von Göttingen – eher kleinere Städte, die als lokale Arbeitsmarktzentren fungieren und wenig Ausstrahlungskraft auf Pendler aus anderen Kreisen ausüben. Die meisten Auspendler arbeiten in Göttingen (17,9 %) und im Landkreis Eichsfeld (16,0 %). Betrachtet man die Einpendlerquoten in Abbildung 9, so weisen die kreisfreien Städte höhere Werte als die weiter von ihnen entfernt liegenden Landkreise auf. Darin drückt sich ihre Bedeutung als überregionale Arbeitsmarktzentren aus. Von den SvB mit Arbeitsort in Suhl wohnen 51,9 Prozent in einem anderen Kreis, in Weimar sind es 49,4 Prozent, in Jena 47,7 Prozent, in Erfurt 45,5 Prozent und in Gera 43,1 Prozent (vgl. Tabelle 2). Die meisten Beschäftigten pendeln aus den umliegenden Kreisen ein, zwischen der Städtekette ErfurtWeimar-Jena-Gera bestehen ebenfalls etwas engere Verflechtungen.7 7 Beispielsweise wohnen 6,6 Prozent der Einpendler nach Jena in Weimar, 4,8 Prozent in Erfurt und 4,2 Prozent in Gera. IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 22 Tabelle 2: Beschäftigte und Pendler nach Kreisen in Thüringen Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (SvB), 30. Juni 2024 Kreis SvB am Wohnort SvB am Arbeitsort SvB Wohnort= Arbeitsort Auspendler Einpendler Auspendlerquote Einpendlerquote Binnenpendlerintensität Anzahl Prozent Erfurt 88.303 114.159 62.102 26.198 51.982 29,7 45,5 70,3 Gera 34.874 38.519 21.888 12.986 16.608 37,2 43,1 62,8 Jena 43.293 61.209 31.969 11.322 29.207 26,2 47,7 73,8 Suhl 13.177 14.098 6.783 6.393 7.310 48,5 51,9 51,5 Weimar 24.816 25.390 12.825 11.991 12.555 48,3 49,4 51,7 Eichsfeld 43.561 35.631 26.840 16.721 8.770 38,4 24,6 61,6 Nordhausen 31.381 29.122 22.424 8.957 6.691 28,5 23,0 71,5 Wartburgkreis 65.284 60.331 45.286 19.998 15.018 30,6 24,9 69,4 Unstrut-HainichKreis 38.207 34.305 25.074 13.133 9.209 34,4 26,8 65,6 Kyffhäuserkreis 27.222 18.994 14.416 12.806 4.572 47,0 24,1 53,0 SchmalkaldenMeiningen 49.660 42.374 31.316 18.343 11.043 36,9 26,1 63,1 Gotha 55.784 48.152 36.217 19.565 11.914 35,1 24,7 64,9 Sömmerda 27.415 22.550 13.729 13.684 8.815 49,9 39,1 50,1 Hildburghausen 25.958 18.405 13.646 12.312 4.751 47,4 25,8 52,6 Ilm-Kreis 42.790 40.534 27.774 15.014 12.746 35,1 31,4 64,9 Weimarer Land 34.113 25.824 15.039 19.073 10.773 55,9 41,7 44,1 Sonneberg 22.858 18.522 12.920 9.938 5.598 43,5 30,2 56,5 Saalfeld-Rudolstadt 39.793 33.929 27.757 12.035 6.155 30,2 18,1 69,8 Saale-HolzlandKreis 33.987 26.637 15.134 18.851 11.487 55,5 43,1 44,5 Saale-Orla-Kreis 32.006 27.420 20.415 11.590 6.991 36,2 25,5 63,8 Greiz 36.231 28.833 17.930 18.301 10.889 50,5 37,8 49,5 Altenburger Land 32.888 27.030 19.654 13.232 7.365 40,2 27,2 59,8 Anmerkung: Auspendlerquote = Anteil der Auspendler an den SvB am Wohnort. Einpendlerquote = Anteil der Einpendler an den SvB am Arbeitsort. Binnenpendlerintensität = Anteil der Nichtpendler an den Wohnortbeschäftigten. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Die geringste Einpendlerquote unter den Kreisen Thüringens hat der Landkreis SaalfeldRudolstadt (18,1 %). Auch im Landkreis Nordhausen (23,0 %) und im Kyffhäuserkreis (24,1 %) fallen die Einpendlerquoten recht niedrig aus. Die drei Landkreise sind ländlich geprägt und bieten als Folge vergleichsweise wenig Anreize zum Einpendeln. Die meisten Einpendler in den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt wohnen im benachbarten Saale-Orla-Kreis (31,5 %). Die Landkreise Nordhausen und Kyffhäuserkreis sind durch Pendelverflechtungen enger miteinander verbunden, denn die jeweils meisten Einpendler kommen aus dem entsprechenden Nachbarkreis: im Kyffhäuserkreis wohnen 22,9 Prozent aller Einpendler in den Landkreis Nordhausen, und dort wohnen wiederum 22,7 Prozent aller Einpendler in den Kyffhäuserkreis. Die Ausund Einpendlerquoten messen die räumliche Mobilität der SvB über die Kreisgrenzen, Mobilität innerhalb der Kreise wird nicht betrachtet. Um ihr Ausmaß zu erfassen, erfolgt ein Rückgriff auf die Binnenpendlerintensität (Seibert/Wiethölter/Carstensen 2019: 28 f). Sie bildet den Anteil der Nichtpendler an den Wohnortbeschäftigten ab und dient zur Einschätzung des Ausmaßes, in dem der erwerbsfähigen Bevölkerung Arbeitsplätze vor Ort zur Verfügung stehen. Wie Tabelle 2 ausweist, ist die Binnenpendlerintensität in Jena am höchsten: 73,8 Prozent der IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 23 SvB, die dort wohnen, arbeiten auch dort. Auch im Landkreis Nordhausen (71,5 %) und in Erfurt (70,3 %) ist die Binnenpendlerintensität recht hoch. Die hohen Werte für die beiden Städte stehen in Verbindung mit den niedrigen Auspendlerquoten und zeigen einen recht hohen Selbstversorgungsgrad mit Arbeitsplätzen an. Der Landkreis Nordhausen wiederum ist durch niedrige Auspendlerwie Einpendlerquoten gekennzeichnet. Die niedrigsten Binnenpendlerintensitäten haben der Landkreis Weimarer Land (44,1 %) und im Saale-HolzlandKreis (44,5 %), die intensive Auspendlerverflechtungen mit den Nachbarkreisen aufweisen. Abbildung 10 zeigt grafisch den beschriebenen Zusammenhang zwischen den Pendlerbewegungen und der Beschäftigungsdichte. Zur besseren Vergleichbarkeit werden dabei die jeweiligen Pendlersalden ins Verhältnis zur Zahl der SvB pro Kreis gesetzt. In Jena kommen rein rechnerisch 865 SvB auf 1.000 Einwohner im erwerbsfähigen Alter, und in Erfurt sind es 815. Damit weisen die beiden Städte die höchste Beschäftigungsdichte unter den Kreisen in Thüringen auf. Gera, Suhl und der Wartburgkreis verfügen mit Werten von 695, 680 und 649 über eine wesentlich geringere Arbeitsplatzdichte, die aber immer noch über dem bundesweiten Durchschnitt von 647 liegt. Weimar liegt mit einem Wert von 623 etwas darunter. Die Funktion der fünf kreisfreien Städte als Arbeitsmarktzentren – insbesondere Jena und Erfurt – wird durch den positiven Pendlersaldo unterstrichen. Die übrigen Landkreise haben sowohl eine geringere Beschäftigungsdichte (mit Ausnahme des Wartburgkreises und des Ilm-Kreises) als auch einen negativen Pendlersaldo. Dabei entfallen auf den Kyffhäuserkreis bei beiden Indikatoren die niedrigsten Werte. Abbildung 10: Zusammenhang zwischen gewichtetem Pendlersaldo und Beschäftigungsdichte auf Kreisebene in Thüringen 2024 Anmerkung: Beschäftigungsdichte: Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SvB) am Arbeitsort (Stichtag 30.06.2024) je 1.000 Einwohner im Alter von 15 bis unter 65 Jahren (Stichtag 31.12.2023). Gewichteter Pendlersaldo: Pendlersaldo je 1.000 SvB am Arbeitsort zum Stichtag 30.06.2024. Die durchgezogene senkrechte Linie bezeichnet den bundesweiten Durchschnitt der Beschäftigungsdichte. Quelle: Thüringer Landesamt für Statistik; Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Erfurt Gera Jena Suhl Weimar Wartburgkreis Kyffhäuserkreis Hildburghausen Ilm-Kreis Weimarer Land -500 -400 -300 -200 -100 - 100 200 300 400 400 450 500 550 600 650 700 750 800 850 900 gewichteter Pendlersaldo Beschäftigungsdichte IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 24 6 Merkmale der Pendler aus und nach Thüringen Im Folgenden werden die Pendler genauer betrachtet. Dabei liegt der Fokus auf denjenigen Beschäftigten, die über die Landesgrenze Thüringens mobil sind. Um Besonderheiten nachzugehen, werden die Pendler mit denjenigen Beschäftigten verglichen, die innerhalb Thüringens wohnen und arbeiten. Zuerst erfolgt ein Überblick über die soziodemografischen Merkmale der Pendler und Nichtpendler. Danach werden die ausgeübten Berufe und die Branchen, in denen die Pendler tätig sind, präsentiert. 6.1 Soziodemografische Merkmale Die Ausund Einpendler unterscheiden sich in wichtigen Merkmalen von den Nichtpendlern (vgl. Abbildung 11). Tabelle A 2 im Anhang enthält die absoluten Zahlen sowie die Ausund Einpendlerquoten und die Pendlersalden. Bei der Unterscheidung nach dem Geschlecht fällt auf, dass mehr Männer als Frauen über die Landesgrenze mobil sind. Jeweils rund zwei Drittel der Auspendler wie auch der Einpendler sind Männer (64,9 %), während sie nur die Hälfte der Nichtpendler stellen (50,8 %). Dementsprechend ist die Auspendlerquote der Männer mit 18,3 Prozent deutlich höher als die der Frauen (11,2 %). Dieses geschlechtsspezifische Muster zeigt sich auch bei den Einpendlern. Es steht in Einklang mit anderen Befunden zur Mobilität auf dem Arbeitsmarkt und verweist auf eine mögliche stärkere räumliche Gebundenheit von Frauen (vgl. Kapitel 2). Mit Blick auf die Altersstruktur existieren kaum Unterschiede zwischen den Auspendlern und den Nichtpendlern. Im Vergleich sind die Einpendler etwas jünger, wie die höheren Anteile der 20bis 39-Jährigen zeigen. In Bezug auf die Staatsangehörigkeit gibt es unter den Pendlern verhältnismäßig mehr SvB mit einer ausländischen Nationalität als unter den Nichtpendlern. Dabei fällt auf, dass ihr Anteil unter den Einpendlern doppelt so hoch ist wie unter den Auspendlern (21,1 % vs. 9,6 %). Die meisten ausländischen Einpendler haben eine polnische Staatsangehörigkeit (66,3 % aller ausländischen Einpendler), gefolgt von tschechischen, rumänischen und slowakischen Einpendlern (jeweils 16,0 %, 3,6 % und 3,3 %).8 Die deutlich höheren Pendlerquoten der ausländischen SvB belegen eine höhere Mobilität dieser Gruppe. So liegt die Einpendlerquote unter den SvB mit deutscher Staatsangehörigkeit bei 8,1 Prozent, unter den SvB mit ausländischer Staatsangehörigkeit aber bei 21,2 Prozent (Auspendlerquoten: 14,7 % und 17,3 %). Der Pendlersaldo unter den ausländischen SvB ist – neben demjenigen im primären Wirtschaftssektor - als einziger unter allen hier betrachteten Gruppen positiv (vgl. Tabelle A 2 im Anhang). Auch bei der Arbeitszeit werden Unterschiede sichtbar. Knapp ein Drittel der Nichtpendler arbeitet in Teilzeit, aber nur rund ein Fünftel der Pendler (vgl. Abbildung 11). Wie in Kapitel 2 diskutiert, ist davon auszugehen, dass Pendeln für Teilzeitbeschäftigte unattraktiver ist als für 8 Polnische Beschäftigte stellen die größte Gruppe bezogen auf alle ausländischen Beschäftigten in Thüringen dar, es folgen rumänische Beschäftigte (vgl. Leclerque/Fritzsche 2024: 23). Es ist zu vermuten, dass diese Personen aufgrund der großen Entfernung zu ihren Herkunftsländern einen Nebenwohnsitz in Deutschland haben dürften. IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 31 Auch in Bezug auf die Einpendlerquoten ergeben sich deutliche Unterschiede zwischen den Branchen, wie Abbildung 17 zeigt. Unter den Branchen mit mindestens 100 Einpendlern besitzen die Einpendler in der Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften die größte Relevanz. Hier wohnen 7.109 Personen oder 31,2 Prozent der SvB, die in Thüringen in dieser Branche arbeiten, in einem anderen Bundesland. Überdurchschnittliche Einpendlerquoten zeigen sich weiterhin bei den Informationsdienstleistungen (29,2 %), bei Film, TV, Kino und Tonstudio (25,0 %), bei Wachund Sicherheitsdiensten (21,4 %) und bei der Gewinnung von Steinen und Erden (19,3 %). Zu den fünf Branchen mit den geringsten Einpendlerquoten zählen die Erbringung von Finanzdienstleistungen und die Gastronomie, in der 5,6 Prozent bzw. 5,2 Prozent der SvB außerhalb Thüringens wohnen. Die Öffentliche Verwaltung und das Sozialwesen, die zu den größeren Branchen in Thüringen zählen, haben nur eine Einpendlerquote von 4,5 Prozent. Die ebenfalls geringen Auspendlerquoten (vgl. Abbildung 16) verdeutlichen, dass räumliche Mobilität über die Landesgrenzen hinweg für diese Branchen generell keine große Relevanz besitzt. Die geringste Einpendlerquote existiert in den Heimen (4,0 %). Auch hier zeigt sich eine geringe Mobilität der SvB nicht nur unter den Auspendlern, sondern auch unter den Einpendlern. Abbildung 17: Die Branchen mit den höchsten und niedrigsten Einpendlerquoten nach Thüringen Einpendlerquote in Prozent und Anzahl Einpendler, 30. Juni 2024 Anmerkung: Nur Branchen mit mindestens 100 Einpendlern berücksichtigt. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Legt man die absolute Zahl der Einpendler aus Tabelle A 4 im Anhang zugrunde, so kommen die meisten Beschäftigten nach Thüringen, um in der Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften zu arbeiten (vgl. Abbildung 17). Zum 30. Juni 2024 waren das 7.109 SvB, die 9,6 Prozent aller Einpendler ausmachten. 40,6 Prozent von ihnen kommen dabei aus dem Ausland und der Großteil wiederum aus Polen (29,8 %). Weiterhin arbeiteten 4.320 Einpendler im 4,0 4,5 4,5 5,2 5,6 19,3 21,4 25,0 29,2 31,2 Heime (ohne Erholungsund Ferienheime) Sozialwesen (ohne Heime) Öffentl. Verwaltung, Verteidigung; Sozialvers. Gastronomie Erbringung von Finanzdienstleistungen Gewinnung v. Steinen u. Erden, sonst. Bergbau Wachu. Sicherheitsdienste sowie Detekteien Herst., Verleih, Vertrieb v. Filmen u. Fernsehprogrammen, Kinos, Tonstudios u. Verlegen v. Musik Informationsdienstleistungen Vermittlung u. Überlassung v. Arbeitskräften Einpendlerquote 1.068 1.848 2.467 808 440 439 723 128 525 7.109 Anzahl Einpendler IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 32 Bereich der vorbereitenden Baustellenarbeiten und 4.184 Einpendler in Erziehung und Unterricht. Die dargestellten branchenspezifischen Pendlerstrukturen zeigen sich auch in den Pendlersalden Thüringens (vgl. Tabelle A 4 im Anhang). Angesichts des insgesamt negativen Pendlersaldos verwundert es nicht, dass nur 8 der hier berücksichtigten Branchen einen positiven Saldo aufweisen. Die größten positiven Pendlersalden sind in der Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften (3.038) und in Erziehung und Unterricht (1.511) zu finden, die absolut größten negativen Salden im Großhandel (-5.213) und im Einzelhandel (-3.968). Gewichtet man den branchenspezifischen Pendlersaldo mit der Zahl der SvB am Arbeitsort, um die unterschiedlich großen Branchen miteinander vergleichen zu können, verändert sich die Reihenfolge leicht. Der absolut größte negative Saldo zeigt sich nun bei den Versicherungen und Pensionskassen. 7 Kleinräumige Pendlerverflechtungen über die Landesgrenzen hinweg Im Zentrum dieses Kapitels stehen die kleinräumigen Pendlerverflechtungen über die Bundeslandgrenze Thüringens. Zuerst erfolgt ein allgemeiner Überblick darüber, mit welchen Kreisen die stärksten Verflechtungen bestehen. Anschließend werden die Besonderheiten der Pendlermuster mit den drei Regionen, in denen die meisten Auspendler aus Thüringen arbeiten, vorgestellt. 7.1 Allgemeines Muster Bei der Analyse der Auspendler aus Thüringen nach Bundesländern in Abbildung 7 wurde deutlich, dass über ein Viertel von ihnen in Bayern arbeitet. Weitere 17,2 Prozent haben ihren Arbeitsort in Sachsen, 16,2 Prozent in Hessen und 10,6 Prozent in Niedersachsen. Wie die linke Karte in Abbildung 18 zeigt, verteilen sich die meisten Auspendler auf die direkt angrenzenden oder zumindest sehr nahen Kreise in diesen vier Bundesländern. An erster Stelle unter allen Kreisen in Deutschland steht mit Göttingen ein niedersächsicher Kreis, in dem 9.220 SvB oder 7,3 Prozent aller Auspendler aus Thüringen arbeiten. Es folgt die Stadt Leipzig in Sachsen, dort sind 5.664 SvB oder 4,5 Prozent aller Auspendler beschäftigt. An dritter Stelle kommt der Landkreis Zwickau, dorthin pendeln 5.468 SvB oder 4,3 Prozent aller Auspendler. Weitere bedeutendere Auspendelziele aus Thüringen stellen in Hessen die Landkreise HersfeldRotenburg (4,0 %) und Fulda (3,7 %), in Bayern der Landkreis und die Stadt Coburg (3,7 % und 3,2 %) sowie Berlin (3,4 %) dar. Weiter entfernt liegende Regionen werden nur von einem jeweils kleinen Teil der Auspendler aufgesucht. Darunter fallen z. B. die Großstädte München (2,7 %) und Frankfurt/Main (1,4 %), die als überregionale Arbeitsmarktzentren generell viele Arbeitskräfte von außerhalb anziehen (vgl. Kapitel 5.1). Die Analyse der Einpendler nach Thüringen zeigte in Abbildung 8, dass gut ein Viertel von ihnen in Sachsen und ein Fünftel in Sachsen-Anhalt wohnt (24,1 % und 19,6 %). Auf der rechten Karte in Abbildung 18 wird deutlich, dass auch hier die engsten Beziehungen mit den Kreisen direkt an IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 33 oder in enger Nähe der Landesgrenze existieren. Die meisten Einpendler kommen aus dem Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt: 7.307 SvB oder 9,9 Prozent aller Einpendler nach Thüringen haben dort ihren Wohnort. Innerhalb Sachsens wohnen die meisten Einpendler im Landkreis Zwickau (6,1 %), im Vogtlandkreis (4,6 %) und in Leipzig (4,1 %). Von den weiter entfernten Kreisen sind Berlin (3,1 %) und Dresden (1,3 %) zu nennen. Abbildung 18: Auspendler aus und Einpendler nach Thüringen nach Kreisen Ausund Einpendler, 30. Juni 2024 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB 7.2 Bayern Für den hohen Stellenwert, den Bayern für die Auspendler aus Thüringen einnimmt, sind nur wenige grenznahe Kreise verantwortlich. Auf die restlichen Kreise entfallen hingegen recht geringe Anteile. In den sieben angrenzenden Kreisen Rhön-Grabfeld, Haßberge, Stadt und Landkreis Coburg sowie Hof und Kronach haben insgesamt 53,8 Prozent aller Auspendler aus Thüringen nach Bayern ihren Arbeitsort. Umgekehrt wohnen 53,5 Prozent aller Einpendler aus Bayern nach Thüringen in diesen Kreisen. Kleinräumige Verflechtungen Wie schon in Kapitel 7.1 beschrieben, arbeiten die meisten Auspendler nach Bayern im Landkreis und in der Stadt Coburg. Die beiden Kreise haben sehr enge Pendlerverflechtungen mit den Landkreisen Sonneberg und Hildburghausen, wo zusammengenommen 92,1 Prozent der entsprechenden Auspendler aus Thüringen wohnen. Förderlich wirkt sich dabei neben der IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 34 räumlichen Nähe die gute infrastrukturelle Verbindung aus. So ist die Stadt Coburg über die Autobahn A 73 sehr gut an Thüringen angeschlossen, und von der Stadt Sonneberg aus beträgt die Fahrzeit mit dem Auto nur rund 25 Minuten bis nach Coburg. Betrachtet man die Einpendler nach Thüringen, besitzen der Landkreis und die Stadt Coburg mit einem Anteil an allen Einpendlern von 2,6 Prozent und 0,8 Prozent einen geringeren Stellenwert. Der Landkreis Coburg führt die Rangliste der wichtigsten bayerischen Einpendlerkreise an, was die generell geringe Bedeutung Bayerns bei den Einpendlern nach Thüringen wiederspiegelt (vgl. Abbildung 8). Die meisten Einpendler aus dem Landkreis und der Stadt Coburg haben ihren Arbeitsplatz wiederum in den Landkreisen Sonneberg und Hildburghausen. Die wichtigsten Berufe Von Interesse ist weiterhin, in welchen Berufen die Pendler arbeiten. Für einen besseren Überblick wird im Folgenden der Fokus auf die Verflechtungen Thüringens mit dem Landkreis und der Stadt Coburg gelegt. Von den Auspendlern aus Thüringen, die im Landkreis Coburg arbeiten, üben 11,3 Prozent Berufe in Unternehmensführung und -organisation aus, 10,6 Prozent sind in Berufen der Kunststoffund Holzherstellung und -verarbeitung tätig. Die anders gearteten Wirtschaftsschwerpunkte in der Stadt Coburg zeigen sich daran, dass über ein Fünftel der Auspendler aus Thüringen Berufe in Finanzdienstleistungen, Rechnungswesen und Steuerberatung ausübt (21,9 %).10 9,8 Prozent sind in medizinischen Gesundheitsberufen tätig. Medizinische Gesundheitsberufe stehen bei den Einpendlern sowohl aus dem Landkreis als auch aus der Stadt Coburg nach Thüringen an erster Stelle (11,8 % bzw. 16,5 %). Aus dem Landkreis Coburg pendeln weiterhin vergleichsweise viele Beschäftigte mit Berufen in Unternehmensführung und -organisation ein (9,4 %), aus der Stadt Coburg sind es Beschäftigte mit technischen Forschungs-, Entwicklungs-, Konstruktionsund Produktionssteuerungsberufen (9,7 %). Zeitliche Entwicklung Abbildung 19 zeigt, dass die Zahl der Auspendler nach Bayern seit 1999 recht konstant geblieben ist. Als Folge liegen die Wachstumsraten unterhalb der Raten bezogen auf alle Auspendler. Damit ist der Anteil der Auspendler nach Bayern an allen Auspendlern aus Thüringen von 29,6 Prozent im Jahr 1999 auf 27,1 Prozent im Jahr 2024 gesunken. Während die Zahl der Auspendler in den Landkreis Coburg im Zeitverlauf einen noch stärkeren Rückgang verzeichnet hat, ist die Zahl der Auspendler in die Stadt Coburg mit einem Plus von insgesamt 43,9 Prozent überdurchschnittlich gestiegen. Die meisten von ihnen wohnen in den Landkreisen Sonneberg (52,2 %) und Hildburghausen (42,6 %). Die Entwicklung der Einpendlerzahlen aus Bayern nach Thüringen offenbart im Vergleich zu den Auspendlern eine deutlich ausgeprägtere Dynamik (vgl. Abbildung 19). Im Betrachtungszeitraum stieg die Zahl aller Einpendler nach Thüringen um 88,0 Prozent, die der Einpendler aus Bayern jedoch um 129,2 Prozent. Die Entwicklung der Einpendlerzahlen aus der Stadt und dem Landkreis Coburg übertraf mit einem Plus von 217,4 Prozent und 193,6 Prozent noch einmal deutlich die Dynamik auf der Bundeslandebene. Am stärksten hat davon der Landkreis Sonneberg profitiert: die Zahl der Einpendler aus den beiden bayerischen Kreisen ist seit 1999 um 10 Größter Arbeitgeber in der Stadt ist die HUK Coburg Versicherungsgruppe (WIFÖG 2024: 11). IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 35 238,2 Prozent auf aktuell 1.461 SvB gestiegen. Das entspricht 26,1 Prozent aller Einpendler in den Landkreis Sonneberg. Abbildung 19: Entwicklung der Pendlerverflechtungen Thüringens mit den wichtigsten Kreisen in Bayern Index 1999=100, 1999–2024, jeweils 30. Juni Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Zusammenfassend werden die Pendlerverflechtungen zwischen Thüringen und Bayern maßgeblich von den Kreisen Sonneberg und Hildburghausen auf der thüringischen sowie dem Landkreis und der Stadt Coburg auf der bayerischen Seite geprägt. Bei den Auspendlern aus Thüringen in die Stadt Coburg fällt die starke Konzentration auf Berufe in Finanzdienstleistungen, Rechnungswesen und Steuerberatung auf. Unter den Einpendlern stehen hingegen medizinische Gesundheitsberufe an erster Stelle. Die Zahl der Einpendler aus den beiden bayerischen Kreisen hat sich seit 1999 sehr stark erhöht, nicht aber die Zahl der Auspendler aus Thüringen. 7.3 Sachsen An Thüringen grenzen mit dem Vogtlandkreis und den Landkreisen Zwickau, Mittelsachsen und Leipzig vier sächsische Kreise an. Auch die Großstadt Leipzig liegt in guter Erreichbarkeit. In Thüringen nimmt der Landkreis Altenburger Land eine Sonderstellung ein, da er im äußersten Osten des Landes liegt und von drei Kreisen in Sachsen umgeben ist. Dementsprechend stark ausgeprägt sind die Pendlerverflechtungen zwischen den grenznahen thüringischen und sächsischen Kreisen. Kleinräumige Verflechtungen Die meisten SvB, die aus Thüringen nach Sachsen pendeln, haben ihren Arbeitsplatz in der Stadt Leipzig (26,1 %) und im Landkreis Zwickau (25,2 %). Die Auspendler wohnen dabei zum Großteil in den grenznahen Kreisen: alleine im Landkreis Altenburger Land wohnt rund ein Drittel aller Auspendler nach Sachsen (32,4 %), die hauptsächlich im Landkreis Zwickau sowie im Landkreis 50 100 150 200 250 300 350 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Auspendler Insgesamt Bayern 50 100 150 200 250 300 350 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Einpendler Coburg, Stadt Coburg, Landkreis IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 36 und in der Stadt Leipzig arbeiten. Die Region ist durch die S-Bahn Mitteldeutschland sehr gut sowohl an Leipzig als auch an Zwickau angebunden, was die Pendelmuster maßgeblich beeinflussen dürfte. Im Landkreis Greiz wohnen weitere 19,2 Prozent der Auspendler nach Sachsen, die zum Großteil in den Vogtlandkreis und in den Landkreis Zwickau pendeln. Die intensiven Pendlerverflechtungen der Kreise direkt an der thüringisch-sächsischen Bundeslandgrenze zeigen sich auch daran, dass die meisten Einpendler aus Sachsen nach Thüringen im Landkreis Zwickau und im Vogtlandkreis wohnen (25,1 % und 19,1 %). Aus der Stadt Leipzig stammen 16,9 Prozent der sächsischen Einpendler. Innerhalb Thüringens stellt der Landkreis Altenburger Land das Ziel von einem Viertel der Einpendler aus Sachsen dar (24,7 %), auch im Landkreis Greiz und in Gera sind viele Einpendler aus Sachsen beschäftigt (18,5 % und 11,7 %). Die wichtigsten Berufe Unter denjenigen SvB, die von Thüringen aus nach Leipzig pendeln, werden am häufigsten Berufe in Unternehmensführung und -organisation ausgeübt (12,9 %). 8,4 Prozent sind in Maschinenund Fahrzeugtechnikberufen tätig. Maßgeblich für diesen hohen Stellenwert dürfte – neben der generellen Größe des Industrieund Dienstleistungsstandorts – die Entwicklung Leipzigs zu einem bedeutenden Standort der Automobilproduktion sein (vgl. Stadt Leipzig 2025). Die meisten Auspendler in den Landkreis Zwickau wiederum arbeiten in Berufen der Metallerzeugung, -bearbeitung und des Metallbaus (13,2 %), gefolgt von Berufen in Unternehmensführung und -organisation (9,0 %). Die SvB, die aus Leipzig nach Thüringen einpendeln, verteilen sich auf ein leicht abweichendes Berufsspektrum. Von den insgesamt 3.013 Einpendlern aus Leipzig arbeiten 13,9 Prozent in Berufen in Unternehmensführung und -organisation, gefolgt von 12,0 Prozent in lehrenden und ausbildenden Berufen. Unter den Einpendlern aus Sachsen in den Landkreis Zwickau liegen ebenfalls die Berufe in Unternehmensführung und -organisation an der Spitze (9,9 %), es folgen Verkehrs und Logistikberufe (9,8 %). Zeitliche Entwicklung Die Entwicklung der Pendlerverflechtungen in Abbildung 20 verdeutlicht, dass die Zahl der Auspendler nach Sachsen seit 1999 nur leicht überdurchschnittlich um 23,2 Prozent gestiegen ist. Demgegenüber steht der starke Zuwachs im Landkreis Zwickau von 72,7 Prozent. Als Folge erhöhte sich der Anteil der Auspendler in den Landkreis Zwickau an allen Auspendlern nach Sachsen von 18,0 Prozent im Jahr 1999 auf 25,2 Prozent im Jahr 2024. Allerdings ist ein leichter Rückgang der Zahl der Auspendler zwischen 2023 und 2024 festzustellen, der auch für alle Auspendler nach Sachsen gilt. Der leichte Einbruch im Jahr 2020 dürfte mit den Folgen der Covid19-Pandemie für den Arbeitsmarkt in Verbindung stehen. Bei den Einpendlern hat Sachsen als Herkunftsregion aufgrund der vergleichsweisen schwachen Entwicklung an Bedeutung verloren. Der Anteil der Einpendler aus Sachsen an allen Einpendlern ist dementsprechend von 32,8 Prozent im Jahr 1999 auf 24,1 Prozent im Jahr 2024 gesunken (vgl. Tabelle A 1 im Anhang). Überdurchschnittliche Zuwächse gab es jedoch bei den Einpendlern aus Leipzig, deren Zahl sich im Betrachtungszeitraum mehr als verdoppelt hat (+124,7 %). IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 37 Abbildung 20: Entwicklung der Pendlerverflechtungen Thüringens mit den wichtigsten Kreisen in Sachsen Index 1999=100, 1999–2024, jeweils 30. Juni Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Zusammenfassend beeinflussen die kleinräumigen Mobilitätsverflechtungen zwischen den Landkreisen Altenburger Land und Greiz auf der thüringischen Seite und der Stadt Leipzig sowie dem Landkreis Zwickau und dem Vogtlandkreis auf der sächsischen Seite die Pendlerverflechtungen Thüringens mit Sachsen. Die am häufigsten ausgeübten Berufe sowohl unter den Auspendlern nach Leipzig als auch unter den Einpendlern aus Leipzig und dem Landkreis Zwickau stellen Berufe in Unternehmensführung und -organisation dar. Die meisten Auspendler in den Landkreis Zwickau wiederum arbeiten in Berufen der Metallerzeugung, - bearbeitung und des Metallbaus. Während unter den Auspendlern aus Thüringen nur der Landkreis Zwickau als Destination hervorsticht, ist die Zahl der Einpendler aus Leipzig überdurchschnittlich gewachsen. 7.4 Hessen An Hessen grenzen mit dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen, dem Wartburgkreis, dem Unstrut-Hainich-Kreis und dem Landkreis Eichsfeld insgesamt vier thüringische Kreise an, in denen 72,1 Prozent aller Auspendler nach Hessen wohnen. Auf angrenzender hessischer Seite befinden sich die Landkreise Fulda, Hersfeld-Rotenburg und der Werra-Meißner-Kreis, in denen insgesamt 61,2 Prozent aller Auspendler nach Hessen arbeiten. Kleinräumige Verflechtungen Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg stellt mit einem Anteil von 24,4 Prozent die wichtigste Destination für die Auspendler aus Thüringen dar, die in Hessen arbeiten. Durch die Autobahn A4 und Züge des Nahund Fernverkehrs ist die Region aus Thüringen heraus sehr leicht zu erreichen. Es folgen der Landkreis Fulda (22,9 %) und der Werra-Meißner-Kreis (13,9 %). Die meisten Auspendler nach Hessen wohnen im Wartburgkreis (44,6 %) und im Landkreis Eichsfeld (12,5 %). 75 100 125 150 175 200 225 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Auspendler Insgesamt Sachsen 75 100 125 150 175 200 225 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Einpendler Zwickau Leipzig, Stadt IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 38 Auch bei den Einpendlern aus Hessen sind die kleinräumigen Verflechtungen über die Bundeslandgrenze hinweg prägend, denn die meisten von ihnen arbeiten im Wartburgkreis (49,3 %) und im Landkreis Eichsfeld (10,2 %). Ihren Wohnort haben die meisten hessischen Einpendler im Landkreis Hersfeld-Rotenburg (29,5 %) und im Werra-Meißner-Kreis (26,1 %). Die wichtigsten Berufe 15,9 Prozent der Auspendler aus Thüringen in den Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind in Verkehrsund Logistikberufen und 12,0 Prozent in Maschinenund Fahrzeugtechnikberufen tätig.11 Die meisten Auspendler in den Landkreis Fulda üben hingegen Berufe in Unternehmensführung und -organisation (9,4 %) und im Führen von Fahrzeugund Transportgeräten aus (8,4 %). Die Einpendler aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg nach Thüringen sind zum Großteil in Berufen der Metallerzeugung und -bearbeitung sowie dem Metallbau tätig (11,6 %), gefolgt von Maschinenund Fahrzeugtechnikberufen (10,9 %). Auch 10,0 Prozent der Einpendler aus dem Werra-Meißner-Kreis arbeiten in Maschinenund Fahrzeugtechnikberufen. Die am häufigsten ausgeübten Berufe sind in dieser Gruppe jedoch im Bereich der Unternehmensführung und - organisation angesiedelt (10,3 %). Zeitliche Entwicklung Die Auspendlerzahlen nach Hessen in Abbildung 21 entwickelten sich im Beobachtungszeitraum unterdurchschnittlich. Zwischen 1999 und 2024 waren sie insgesamt betrachtet sogar um 7,8 Prozent rückläufig. Einzig die Zahl der Auspendler in den Landkreis Hersfeld-Rotenburg haben ein höheres Wachstum verzeichnet, seit dem Jahr 2011 ist es jedoch ebenfalls rückläufig. Im Gegensatz dazu ist die Zahl der Einpendler aus Hessen im Gleichklang mit der Gesamtzahl an Einpendlern stark gewachsen. Ihre Zahl hat sich im Beobachtungszeitraum um 94,8 Prozent erhöht. Ein etwas überdurchschnittliches Wachstum kann hier für die Einpendler aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg beobachtet werden. 11 Bad Hersfeld gilt dank seiner zentralen Lage und den hervorragenden Verkehrsverbindungen per Straße und Bahn inzwischen als Logistikhauptstadt Deutschlands (vgl. Bad Hersfeld 2025). IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 39 Abbildung 21: Entwicklung der Pendlerverflechtungen Thüringens mit den wichtigsten Kreisen in Hessen Index 1999=100, 1999–2024, jeweils 30. Juni Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Zusammenfassend zeigt sich – wie im Fall Bayerns und Sachsens – eine starke Prägung der Pendlerverflechtungen zwischen Thüringen und Hessen durch die jeweiligen Kreise unmittelbar an der Bundeslandgrenze. Unter den Auspendlern in den Landkreis Hersfeld-Rotenburg sticht der hohe Anteil derjenigen hervor, die Verkehrsund Logistikberufe ausüben. Unter den Einpendlern aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg und dem Werra-Meißner-Kreis fallen hingegen Maschinenund Fahrzeugtechnikberufe ins Gewicht. Die Zahl der Auspendler nach Hessen ist über die Zeit gesunken, wohingegen die Zahl der Einpendler im Gleichklang mit der Gesamtzahl aller Einpendler angestiegen ist. Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg hebt sich dabei sowohl als Auspendlerals auch als Einpendlerregion positiv ab. 8 Fazit Pendeln erfüllt eine wichtige Funktion beim räumlichen Ausgleich von Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage. Dabei gehen für die Beschäftigten, Unternehmen und Regionen mit dieser Form der räumlichen Arbeitskräftemobilität Vorund Nachteile einher. So wurde die hohe Zahl der Auspendler aus den ostdeutschen Regionen während der wirtschaftlichen Umbrüche und hohen Arbeitslosigkeit in den 1990er Jahren positiv bewertet, da diese den Arbeitsmarkt entlasteten. Mittlerweile stellt sich zunehmend die Frage, inwieweit sich das Arbeitskräfteangebot angesichts des demografisch bedingten Rückgangs der Erwerbsbevölkerung und einer gleichzeitig (noch) konstanten Nachfrage nach Beschäftigten stabilisieren lässt. Um eine Grundlage für die Diskussion der Möglichkeiten, aber auch der Grenzen bei der Ausschöpfung des Potenzials der Pendler für die Arbeitskräftesicherung in Thüringen zu bieten, hat der vorliegende Bericht die Struktur und Entwicklung der Pendlerverflechtungen Thüringens einer umfassenden Bestandsaufnahme unterzogen. 50 100 150 200 250 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Auspendler Insgesamt Hessen 50 100 150 200 250 1999 2001 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Einpendler Fulda Hersfeld-Rotenburg IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 40 Thüringen ist in weiten Bereichen ländlich geprägt. Die Analyse hat gezeigt, dass lediglich Jena und Erfurt und mit etwas Abstand auch die kreisfreien Städte Gera, Suhl und Weimar als überregionale Arbeitsmarktzentren fungieren, in die Beschäftigte aus den umliegenden Landkreisen einpendeln. So arbeiten in Jena viele Beschäftigte mit Wohnort im Saale-HolzlandKreis und im Landkreis Weimarer Land, nach Erfurt pendelt der Großteil aus den Landkreisen Sömmerda und Gotha sowie dem Ilm-Kreis ein. Es gibt aber auch Kreise mit geringen Pendlerverflechtungen und einer hohen Binnenpendlerintensität. Dies zeigt einerseits an, dass diese Kreise eine hohe Selbstversorgung mit Beschäftigungsmöglichkeiten gewährleisten können, zum Beispiel in den lokalen Arbeitsmarktzentren der Kreisstädte. Andererseits bedeutet das aber auch, dass keine anderen größeren Wirtschaftszentren in der Nähe sind, wohin sich ein Auspendeln lohnen würde. Eine regionale Besonderheit stellen die Pendlerverflechtungen Thüringens mit Bayern, Sachsen und Hessen dar, die jeweils spezifische kleinräumige Muster aufweisen. Sehr intensive Mobilitätsverbindungen existieren zwischen den südlichen Kreisen in Thüringen und den nördlichen Kreisen in Bayern. Über die Hälfte aller Auspendler aus Thüringen und aller Einpendler aus Bayern wohnen in diesem Großraum, mehrheitlich in den Landkreisen Sonneberg und Hildburghausen auf der thüringischen und der Stadt und dem Landkreis Coburg auf der bayerischen Seite. Unter den Auspendlern aus Thüringen sind Berufe in Finanzdienstleistungen, Rechnungswesen und Steuerberatung stark vertreten, während die Einpendler aus Bayern sich eher auf Gesundheitsberufe konzentrieren. Die Region stellt einen die Bundeslandgrenzen überschreitenden Arbeitsmarkt dar, von dem sowohl Thüringen als auch Bayern profitieren. Die Pendlerverflechtungen mit Sachsen werden im Wesentlichen von den Landkreisen Altenburger Land und Greiz in Thüringen sowie der Stadt Leipzig, dem Landkreis Zwickau und dem Vogtlandkreis in Sachsen getragen. Unter den Pendlern dominieren dabei Berufe in Unternehmensführung und -organisation und der Metallerzeugung und -bearbeitung. Die Zahl der Auspendler in den Landkreis Zwickau hat sich bis 2023 stark erhöht, auf der Seite der Einpendler fällt die Dynamik aus Leipzig auf. Die Pendlerverflechtungen mit Hessen beruhen ebenfalls zum Großteil auf kleinräumigen Austauschbeziehungen über die Bundeslandgrenze hinweg. Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg und der Wartburgkreis heben sich dabei sowohl als Auspendlerals auch als Einpendlerregion besonders hervor. Recht viele Auspendler üben Verkehrsund Logistikberufe aus, unter den Einpendlern sind es eher die Maschinenund Fahzeugtechnikberufe. Die Zahl der Auspendler nach Hessen ist über die Zeit gesunken, wohingegen die Zahl der Einpendler im Gleichlauf mit der Gesamtzahl aller Einpendler angestiegen ist. Die kleinräumigen Verflechtungen über die Landesgrenze hinweg prägen maßgeblich das Muster zwischen den Bundesländern. Rund 60 Prozent aller Auspendler aus Thüringen arbeiten in Bayern, Sachsen und Hessen, und über 40 Prozent der Einpendler wohnen in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Nicht verwunderlich ist auch, dass die Auspendlerströme sehr stark von bestimmten Berufen und Branchen geprägt sind. So finden sich die höchsten berufsspezifischen Auspendlerwie auch Einpendlerquoten zwar in den Einkaufs-, Vertriebsund Handelsberufen, aber die absolut größte Zahl der Pendler arbeitet in Berufen in Unternehmensführung und -organisation. IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 47 Tabelle A 2: Auspendler, Einpendler und Nichtpendler in Thüringen nach soziodemografischen Merkmalen 2024 Soziodemografisches Merkmal Auspendler Einpendler Nichtpendler Gruppenspezifischer Pendlersaldo Absolut Anteile in % APQ Absolut Anteile in % EPQ Absolut Anteile in % EinpendlerAuspendler Gewichtet Geschlecht Frauen 44.264 35,1 11,2 25.979 35,1 6,9 352.691 49,2 -18.285 -48 Männer 81.806 64,9 18,3 48.097 64,9 11,6 364.820 50,8 -33.709 -82 Altersgruppen unter 20 Jahre 2.336 1,9 11,3 1.353 1,8 6,9 18.297 2,6 -983 -50 20 bis unter 30 Jahre 17.816 14,1 14,9 12.701 17,1 11,1 101.826 14,2 -5.115 -45 30 bis unter 40 Jahre 27.013 21,4 15,0 18.207 24,6 10,6 153.355 21,4 -8.806 -51 40 bis unter 65 Jahre 77.124 61,2 15,1 40.545 54,7 8,6 433.265 60,4 -36.579 -77 65 Jahre und älter 1.781 1,4 14,2 1.270 1,7 10,5 10.768 1,5 -511 -42 Staatsangehörigkeit Deutschland 113.934 90,4 14,7 58.480 78,9 8,1 659.710 91,9 -55.454 -77 Ausland 12.130 9,6 17,3 15.596 21,1 21,2 57.801 8,1 3.466 47 Arbeitszeit Vollzeit 99.337 78,8 16,7 57.082 77,1 10,3 495.483 69,1 -42.255 -76 Teilzeit 26.733 21,2 10,7 16.994 22,9 7,1 222.028 30,9 -9.739 -41 Berufsabschluss Ohne Berufsabschluss 10.155 8,1 13,9 7.168 9,7 10,2 62.754 8,7 -2.987 -43 Anerkannte Berufsausbildung 85.812 68,1 14,3 43.658 58,9 7,8 513.293 71,5 -42.154 -76 Akademischer Berufsabschluss 21.782 17,3 17,4 16.499 22,3 13,7 103.477 14,4 -5.283 -44 Anforderungsniveau Helfer-/Anlerntätigkeiten 17.595 14,0 12,7 12.836 17,3 9,6 121.032 16,9 -4.759 -36 fachlich ausgerichtete Tätigkeiten 70.284 55,7 14,1 36.892 49,8 7,9 428.818 59,8 -33.392 -72 IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 48 komplexe Spezialistentätigkeiten 21.183 16,8 19,9 10.673 14,4 11,1 85.289 11,9 -10.510 -109 hoch komplexe Tätigkeiten 16.813 13,3 17,9 13.596 18,4 15,0 76.994 10,7 -3.217 -35 Berufssegmente Produktionsberufe 41.927 33,3 16,1 25.917 35,0 10,6 218.796 30,5 -16.010 -65 Personenbezogene Dienstleistungsberufe 20.388 16,2 9,6 14.984 20,2 7,2 192.544 26,8 -5.404 -26 Kaufmännische und unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe 35.020 27,8 16,0 18.824 25,4 9,3 184.466 25,7 -16.196 -80 ITund naturwissenschaftl. Dienstleistungsberufe 5.263 4,2 22,0 2.990 4,0 13,8 18.604 2,6 -2.273 -105 Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungsberufe 23.271 18,5 19,2 11.278 15,2 10,3 97.676 13,6 -11.993 -110 Wirtschaftssektoren Primär 765 0,6 6,4 895 1,2 7,4 11.192 1,6 130 11 Sekundär 41.929 33,3 15,8 25153 34,0 10,1 224.283 31,3 -16.776 -67 Tertiär 83.376 66,1 14,7 48028 64,8 9,1 482.036 67,2 -35.348 -67 Insgesamt 126.070 100,0 14,9 74.076 100,0 9,4 717.511 100,0 -51.994 -66 Anmerkungen: APQ = Auspendlerquote; EPQ = Einpendlerquote; Primärer Wirtschaftssektor = Wirtschaftsabteilung A (WZ 2008); Sekundärer Wirtschaftssektor = Wirtschaftsabteilungen B bis F (WZ 2008); Tertiärer Wirtschaftssektor = Wirtschaftsabteilungen G bis U (WZ 2008). Gewichteter Pendlersaldo = Pendlersaldo je 1.000 SvB am Arbeitsort. Rundungsdifferenzen durch die Nichtberücksichtigung von SvB ohne Angabe möglich. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 49 Tabelle A 3: Auspendler, Einpendler und Nichtpendler in Thüringen nach Berufshauptgruppen 2024 Berufshauptgruppen der KldB 2010 Auspendler Einpendler Nichtpendler Berufsspezifischer Pendlersaldo Absolut Anteile in Prozent APQ Absolut Anteile in Prozent EPQ Absolut Anteile in Prozent EinpendlerAuspendler Gewichtet 11 Land-, Tier-, Forstwirtschaftsberufe 814 0,6 8,3 856 1,2 8,6 9.046 1,3 42 4 12 Gartenbauberufe, Floristik 493 0,4 8,1 397 0,5 6,6 5.590 0,8 -96 -16 21 Rohstoffgewinnung und -aufbereitung, Glasund Keramikherstellung und -verarbeitung 1.477 1,2 19,3 699 0,9 10,2 6.178 0,9 -778 -113 22 Kunststoffherstellung und -verarbeitung, Holzbeund -verarbeitung 2.731 2,2 14,6 1.516 2,0 8,7 15.969 2,2 -1.215 -69 23 Papier-, Druckberufe, technische Mediengestaltung 748 0,6 13,1 426 0,6 7,9 4.958 0,7 -322 -60 24 Metallerzeugung,-bearbeitung, Metallbauberufe 5.211 4,1 12,8 3.630 4,9 9,3 35.460 4,9 -1.581 -40 25 Maschinenund Fahrzeugtechnikberufe 8.684 6,9 16,4 4.954 6,7 10,0 44.328 6,2 -3.730 -76 26 Mechatronik-, Energieund Elektroberufe 5.050 4,0 17,5 4.050 5,5 14,5 23.769 3,3 -1.000 -36 27 Technische Forschungs-, Entwicklungs-, Konstruktionsund Produktionssteuerungsberufe 4.653 3,7 18,4 2.684 3,6 11,5 20.597 2,9 -1.969 -85 28 Textilund Lederberufe 497 0,4 13,5 282 0,4 8,1 3.187 0,4 -215 -62 29 Lebensmittelherstellung u. -verarbeitung 2.194 1,7 9,6 1.657 2,2 7,4 20.731 2,9 -537 -24 31 Bauplanungs-, Architekturund Vermessungsberufe 1.770 1,4 25,0 960 1,3 15,3 5.311 0,7 -810 -129 32 Hochund Tiefbauberufe 4.390 3,5 23,4 2.235 3,0 13,4 14.383 2,0 -2.155 -130 33 (Innen-)Ausbauberufe 1.772 1,4 18,2 725 1,0 8,3 7.974 1,1 -1.047 -120 34 Gebäudeu. versorgungstechnische Berufe 3.384 2,7 13,8 2.417 3,3 10,3 21.068 2,9 -967 -41 41 Mathematik-, Biologie-, Chemie--und Physikberufe 921 0,7 13,5 699 0,9 10,6 5.913 0,8 -222 -34 42 Geologie-, Geografieund Umweltschutzberufe 233 0,2 18,5 191 0,3 15,7 1.026 0,1 -42 -35 43 Informatik-, Informationsund Kommunikationstechnologieberufe 4.109 3,3 26,0 2.100 2,8 15,3 11.665 1,6 -2.009 -146 51 Verkehr, Logistik (außer Fahrzeugführung) 9.045 7,2 15,3 5.121 6,9 9,2 50.254 7,0 -3.924 -71 52 Führer/innen von Fahrzeugu. Transportgeräten 9.211 7,3 27,4 4.044 5,5 14,2 24.406 3,4 -5.167 -182 53 Schutz-, Sicherheitsund Überwachungsberufe 2.047 1,6 26,7 1.083 1,5 16,2 5.613 0,8 -964 -144 54 Reinigungsberufe 2.968 2,4 14,6 1.030 1,4 5,6 17.403 2,4 -1.938 -105 IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 50 61 Einkaufs-, Vertriebsund Handelsberufe 6.821 5,4 34,3 3.186 4,3 19,6 13.039 1,8 -3.635 -224 62 Verkaufsberufe 5.576 4,4 10,6 3.515 4,7 6,9 47.191 6,6 -2.061 -41 63 Tourismus-, Hotelund Gaststättenberufe 1.962 1,6 12,8 956 1,3 6,7 13.400 1,9 -1.006 -70 71 Berufe Unternehmensführung und-organisation 12.655 10,0 14,5 7.928 10,7 9,6 74.344 10,4 -4.727 -57 72 Berufe in Finanzdienstleistungen, Rechnungswesen und Steuerberatung 4.749 3,8 19,6 1.563 2,1 7,4 19.534 2,7 -3.186 -151 73 Berufe in Recht und Verwaltung 2.410 1,9 9,0 1.612 2,2 6,2 24.257 3,4 -798 -31 81 Medizinische Gesundheitsberufe 7.710 6,1 10,5 4.680 6,3 6,6 66.062 9,2 -3.030 -43 82 Nichtmedizinische Gesundheits-, Körperpflegeund Wellnessberufe, Medizintechnik 2.682 2,1 9,3 1.433 1,9 5,2 26.224 3,7 -1.249 -45 83 Erziehung, soziale und hauswirtschaftliche Berufe, Theologie 3.309 2,6 6,7 1.908 2,6 4,0 46.089 6,4 -1.401 -29 84 Lehrende und ausbildende Berufe 1.861 1,5 10,3 3.743 5,1 18,8 16.206 2,3 1.882 94 91 Sprach-, literatur-, geistes-, gesellschaftsund wirtschaftswissenschaftliche Berufe 245 0,2 15,6 139 0,2 9,5 1.321 0,2 -106 -73 92 Werbung, Marketing, kaufmännische und redaktionelle Medienberufe 2.809 2,2 31,5 1.020 1,4 14,3 6.101 0,9 -1.789 -251 93 Produktdesign und kunsthandwerkliche Berufe, bildende Kunst, Musikinstrumentenbau 253 0,2 20,6 86 0,1 8,1 978 0,1 -167 -157 94 Darstellende, unterhaltende Berufe 425 0,3 14,5 468 0,6 15,7 2.511 0,3 43 14 Insgesamt 126.070 100,0 14,9 74.076 100,0 9,4 717.511 100,0 -51.994 -66 Anmerkungen: APQ = Auspendlerquote; EPQ = Einpendlerquote; Gewichteter Pendlersaldo = Pendlersaldo je 1.000 SvB am Arbeitsort. Rundungsdifferenzen durch die Nichtberücksichtigung von SvB ohne Angabe möglich. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 51 Tabelle A 4: Auspendler, Einpendler und Nichtpendler in Thüringen nach Wirtschaftsabteilungen 2024 Wirtschaftsabteilung Auspendler Einpendler Nichtpendler Branchenspezifischer Pendlersaldo Absolut Anteile in Prozent APQ Absolut Anteile in Prozent EPQ Absolut Anteile in Prozent EinpendlerAuspendler Gewichtet 01 Landwirtschaft, Jagd u. damit verbundene Tätigkeiten 613 0,5 5,5 813 1,1 7,1 10.553 1,5 200 18 05 Kohlenbergbau 205 0,2 78,5 42 0,1 42,9 56 0,0 -163 -1.663 08 Gewinnung von Steinen und Erden, sonstiger Bergbau 1.291 1,0 41,4 439 0,6 19,3 1.828 0,3 -852 -375 10 Herstellung von Nahrungsund Futtermitteln 1.919 1,5 9,4 1.678 2,3 8,3 18.574 2,6 -241 -12 13 Herstellung von Textilien 373 0,3 22,0 218 0,3 14,1 1.323 0,2 -155 -101 16 Herstellung von Holz-, Flecht-, Korbund Korkwaren (ohne Möbel) 804 0,6 15,9 387 0,5 8,3 4.248 0,6 -417 -90 17 Herstellung von Papier, Pappe und Waren daraus 530 0,4 13,4 481 0,6 12,3 3.437 0,5 -49 -13 18 Herstellung von Druckerzeugnissen, Vervielfältigung von bespielten Ton-, Bildund Datenträgern 358 0,3 12,3 168 0,2 6,1 2.564 0,4 -190 -70 20 Herstellung von chemischen Erzeugnissen 669 0,5 18,7 419 0,6 12,6 2.916 0,4 -250 -75 21 Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen 338 0,3 15,8 154 0,2 7,9 1.807 0,3 -184 -94 22 Herstellung von Gummiund Kunststoffwaren 2.248 1,8 14,3 1.559 2,1 10,4 13.454 1,9 -689 -46 23 Herstellung von Glas und Glaswaren, Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden 2.167 1,7 19,9 911 1,2 9,5 8.700 1,2 -1.256 -131 24 Metallerzeugung und -bearbeitung 623 0,5 10,2 646 0,9 10,5 5.495 0,8 23 4 25 Herstellung von Metallerzeugnissen 3.301 2,6 11,2 2.321 3,1 8,1 26.219 3,7 -980 -34 26 Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen 1.234 1,0 6,1 1.648 2,2 8,0 18.934 2,6 414 20 27 Herstellung von elektrischen Ausrüstungen 1.332 1,1 15,6 450 0,6 5,9 7.220 1,0 -882 -115 28 Maschinenbau 3.834 3,0 17,0 2.281 3,1 10,9 18.704 2,6 -1.553 -74 29 Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen 3.314 2,6 19,6 1.163 1,6 7,9 13.629 1,9 -2.151 -145 31 Herstellung von Möbeln 487 0,4 18,0 168 0,2 7,0 2.224 0,3 -319 -133 32 Herstellung von sonstigen Waren 1.619 1,3 17,3 1.020 1,4 11,6 7.743 1,1 -599 -68 33 Reparatur u. Installation v. Maschinen u. Ausrüstungen 898 0,7 16,8 666 0,9 13,0 4.450 0,6 -232 -45 35 Energieversorgung 869 0,7 14,4 736 1,0 12,5 5.152 0,7 -133 -23 IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 52 38 Sammlung, Behandlung und Beseitigung von Abfällen, Rückgewinnung 747 0,6 12,9 356 0,5 6,6 5.043 0,7 -391 -72 41 Hochbau 1.570 1,2 21,5 988 1,3 14,7 5.746 0,8 -582 -86 42 Tiefbau 3.258 2,6 30,8 1.554 2,1 17,5 7.309 1,0 -1.704 -192 43 Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation, und sonstiges Ausbaugewerbe 6.630 5,3 17,4 4.320 5,8 12,0 31.571 4,4 -2.310 -64 45 Handel m. Kraftfahrzeugen; Instanthaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen 1.995 1,6 10,9 1.144 1,5 6,6 16.260 2,3 -851 -49 46 Großhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) 7.388 5,9 32,9 2.175 2,9 12,6 15.053 2,1 -5.213 -302 47 Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) 7.990 6,3 12,8 4.022 5,4 6,9 54.232 7,6 -3.968 -68 49 Landverkehr und Transport in Rohrfernleitungen 4.311 3,4 24,9 1.655 2,2 11,3 13.025 1,8 -2.656 -181 52 Lagerei sowie Erbringung von sonstigen Dienstleistungen für den Verkehr 4.416 3,5 24,3 2.290 3,1 14,3 13.769 1,9 -2.126 -132 53 Post-, Kurierund Expressdienste 1.666 1,3 18,8 558 0,8 7,2 7.209 1,0 -1.108 -143 55 Beherbergung 771 0,6 11,3 505 0,7 7,7 6.049 0,8 -266 -41 56 Gastronomie 1.767 1,4 10,7 808 1,1 5,2 14.785 2,1 -959 -61 59 Herstellung, Verleih u. Vertrieb v. Filmen u. Fernsehprogrammen; Kinos; Tonstudios u. Verlegen von Musik 125 0,1 24,6 128 0,2 25,0 383 0,1 3 6 60 Rundfunkveranstalter 299 0,2 50,4 38 0,1 11,4 294 0,0 -261 -786 61 Telekommunikation 435 0,3 26,6 113 0,2 8,6 1.202 0,2 -322 -245 62 Erbringung v. Dienstleistungen der Informationstechn. 3.695 2,9 27,7 2.140 2,9 18,1 9.663 1,3 -1.555 -132 63 Informationsdienstleistungen 335 0,3 20,8 525 0,7 29,2 1.273 0,2 190 106 64 Erbringung von Finanzdienstleistungen 1.355 1,1 15,5 440 0,6 5,6 7.393 1,0 -915 -117 65 Versicherungen, Rückversicherungen und Pensionskassen (ohne Sozialversicherung) 1.190 0,9 70,5 56 0,1 10,1 499 0,1 -1.134 -2.043 66 Mit Finanzund Versicherungsdienstleistungen verbundene Tätigkeiten 699 0,6 24,4 180 0,2 7,7 2.171 0,3 -519 -221 68 Grundstücksund Wohnungswesen 928 0,7 13,1 458 0,6 6,9 6.148 0,9 -470 -71 69 Rechtsund Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung 1.531 1,2 19,2 548 0,7 7,9 6.426 0,9 -983 -141 70 Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben; Unternehmensberatung 4.094 3,2 32,6 1.220 1,6 12,6 8.477 1,2 -2.874 -296 IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 53 71 Architektur-, Ingenieurbüros; Labore 3.314 2,6 25,2 1.723 2,3 14,9 9.850 1,4 -1.591 -137 72 Forschung und Entwicklung 1.021 0,8 16,9 583 0,8 10,4 5.017 0,7 -438 -78 73 Werbung und Marktforschung 413 0,3 30,3 134 0,2 12,4 950 0,1 -279 -257 74 Sonstige freiberufliche, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten 282 0,2 32,9 106 0,1 15,5 576 0,1 -176 -258 77 Vermietung von beweglichen Sachen 447 0,4 29,3 196 0,3 15,4 1.076 0,1 -251 -197 78 Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften 4.071 3,2 20,6 7.109 9,6 31,2 15.676 2,2 3.038 133 80 Wachund Sicherheitsdienste sowie Detekteien 1.505 1,2 36,2 723 1,0 21,4 2.655 0,4 -782 -231 81 Gebäudebetreuung; Gartenund Landschaftsbau 3.843 3,0 18,0 1.130 1,5 6,0 17.548 2,4 -2.713 -145 82 Erbringung von wirtschaftlichen Dienstleistungen für Unternehmen und Privatpersonen a. n. g. 1.931 1,5 25,2 1.222 1,6 17,6 5.726 0,8 -709 -102 84 Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung 3.450 2,7 6,2 2.467 3,3 4,5 52.181 7,3 -983 -18 85 Erziehung und Unterricht 2.673 2,1 7,8 4.184 5,6 11,7 31.694 4,4 1.511 42 86 Gesundheitswesen 6.997 5,6 10,2 4.100 5,5 6,2 61.704 8,6 -2.897 -44 87 Heime (ohne Erholungsund Ferienheime) 2.238 1,8 8,0 1.068 1,4 4,0 25.605 3,6 -1.170 -44 88 Sozialwesen (ohne Heime) 2.552 2,0 6,1 1.848 2,5 4,5 39.143 5,5 -704 -17 90 Kreative, künstlerische und unterhaltende Tätigkeiten 207 0,2 8,3 291 0,4 11,3 2.280 0,3 84 33 92 Spiel-, Wettund Lotteriewesen 199 0,2 18,4 173 0,2 16,4 882 0,1 -26 -25 93 Erbringung von Dienstleistungen des Sports, der Unterhaltung und der Erholung 302 0,2 11,8 251 0,3 10,0 2.262 0,3 -51 -20 94 Interessenvertretungen sowie kirchliche und sonstige Vereine 951 0,8 8,5 684 0,9 6,3 10.231 1,4 -267 -24 95 Reparatur von Datenverarbeitungsgeräten und Gebrauchsgütern 153 0,1 15,2 120 0,2 12,3 854 0,1 -33 -34 96 Erbringung von sonstigen überwiegend persönlichen Dienstleistungen 760 0,6 8,8 504 0,7 6,0 7.866 1,1 -256 -31 Insgesamt 126.070 100,0 14,9 74.076 100,0 9,4 717.511 100,0 -51.994 -66 Anmerkungen: Nur Branchen mit jeweils mindestens 100 Einund Auspendlern inklusive der in Kapitel 6.3 aufgeführten Branchen. APQ = Auspendlerquote; EPQ = Einpendlerquote; Gewichteter Pendlersaldo: Pendlersaldo je 1.000 SvB am Arbeitsort. Rundungsdifferenzen durch die Nichtberücksichtigung von SvB ohne Angabe möglich. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 54 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Beschäftigte mit Wohnort und Arbeitsort in Thüringen ............................................... 11 Abbildung 2: Auspendler aus und Einpendler nach Thüringen ......................................................... 12 Abbildung 3: Auspendlerquoten aus und Einpendlerquoten nach Thüringen ................................. 13 Abbildung 4: Entwicklung der Beschäftigungsdichte in Thüringen .................................................. 14 Abbildung 5: Auspendlerquoten der Bundesländer .......................................................................... 15 Abbildung 6: Einpendlerquoten der Bundesländer ........................................................................... 16 Abbildung 7: Arbeitsorte der Beschäftigten mit Wohnort in Thüringen ............................................ 17 Abbildung 8: Wohnorte der Beschäftigten mit Arbeitsort in Thüringen ............................................ 18 Abbildung 9: Ausund Einpendlerquoten nach Kreisen in Deutschland .......................................... 20 Abbildung 10: Zusammenhang zwischen Pendlersaldo und Beschäftigungsdichte auf Kreisebene in Thüringen ............................................................................................... 23 Abbildung 11: Auspendler, Einpendler und Nichtpendler in Thüringen nach soziodemografischen Merkmalen ................................................................................. 25 Abbildung 12: Auspendler, Einpendler und Nichtpendler in Thüringen nach Berufssegmenten ...... 26 Abbildung 13: Die Berufe mit den höchsten und niedrigsten Auspendlerquoten aus Thüringen ...... 27 Abbildung 14: Die Berufe mit den höchsten und niedrigsten Einpendlerquoten nach Thüringen .... 28 Abbildung 15: Auspendler, Einpendler und Nichtpendler in Thüringen nach Wirtschaftssektoren .. 29 Abbildung 16: Die Branchen mit den höchsten und niedrigsten Auspendlerquoten aus Thüringen....................................................................................................................... 30 Abbildung 17: Die Branchen mit den höchsten und niedrigsten Einpendlerquoten nach Thüringen....................................................................................................................... 31 Abbildung 18: Auspendler aus und Einpendler nach Thüringen nach Kreisen ................................... 33 Abbildung 19: Entwicklung der Pendlerverflechtungen Thüringens mit den wichtigsten Kreisen in Bayern ........................................................................................................................ 35 Abbildung 20: Entwicklung der Pendlerverflechtungen Thüringens mit den wichtigsten Kreisen in Sachsen ...................................................................................................................... 37 Abbildung 21: Entwicklung der Pendlerverflechtungen Thüringens mit den wichtigsten Kreisen in Hessen ........................................................................................................................ 39 IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 55 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Beschäftigungsdichte in den Bundesländern............................................................... 19 Tabelle 2: Beschäftigte und Pendler nach Kreisen in Thüringen .................................................. 22 Anhang Tabelle A 1: Auspendler und Einpendler in Thüringen nach Bundesländern.................................. 46 Tabelle A 2: Auspendler, Einpendler und Nichtpendler in Thüringen nach soziodemografischen Merkmalen ................................................................................. 47 Tabelle A 3: Auspendler, Einpendler und Nichtpendler in Thüringen nach Berufshauptgruppen . 49 Tabelle A 4: Auspendler, Einpendler und Nichtpendler in Thüringen nach Wirtschaftsabteilungen ................................................................................................. 51 IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 2|2025 56 In der Reihe IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen zuletzt erschienen Nummer Autoren Titel 1/2025 Michaela Fuchs, Birgit Fritzsche, Uwe Sujata Entwicklung und Struktur der Pendlerverflechtungen Sachsen-Anhalts 2/2024 Leclerque, Cornelia; Fritzsche, Birgit Entwicklung und Struktur der Beschäftigung von Ausländer*innen in Thüringen 1/2024 Leclerque, Cornelia; Fritzsche, Birgit Entwicklung und Struktur der Beschäftigung von Ausländer*innen in Sachsen-Anhalt 2/2022 Fuchs, Michaela; Fritzsche, Birgit Der zukünftige Beschäftigungsbedarf in der ambulanten und stationären Pflege in Sachsen-Anhalt: Modellrechnungen auf Kreisebene bis zum Jahr 2035 1/2022 Schmiedel, Lisa; Kropp, Per; Fritzsche, Birgit; Theuer, Stefan Energieintensive Industrien in Mitteldeutschland Eine vollständige Liste aller Veröffentlichungen der Reihe „IAB-Regional Sachsen-AnhaltThüringen“ finden Sie unter: https://iab.de/publikationen/iab-publikationsreihen/iab-regional/iab-regional-sachsen-anhaltthueringen/ Eine vollständige Liste aller Veröffentlichungen der Reihe „IAB-Regional“ finden Sie unter: https://iab.de/publikationen/iab-publikationsreihen/iab-regional/