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Multimodalität Vorlesung im Wintersemester 2025 Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int.
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 125 53. Sneewittchen (Schneeweißchen). Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel, da ſaß eine ſcho ne Ko nigin an einem Fenſter, das hatte einen Rahmen von ſchwarzem Ebenholz, und na hte. Und wie ſie ſo na hte und nach dem Schnee aufblickte, ſtach ſie ſich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rothe in dem Weißen ſo ſcho n ausſah, ſo dachte ſie: ha tt ich doch ein Kind ſo weiß wie Schnee, ſo roth wie Blut und ſo ſchwarz wie dieſer Rahmen. Und bald darauf bekam ſie ein To chterlein, ſo weiß wie der Schnee, ſo roth wie das Blut, und ſo ſchwarz wie Ebenholz, und darum ward es das Sneewittchen genannt. Zur Einführung Vyvyan Evans. 2015. Time. In: Ewa Dabrowska & Dagmar Divjak (Hg.). Handbook of Cognitive Linguistics (HSK 39). Berlin, Boston. 509-527. (Progression) (anisotropic) RAUM Transience Types VERB + DIREKTIONAL Jacob und Wilhelm Grimm. 1812. Kinderund Haus-Märchen. Bd. 1. Berlin. 238. Verfügbar im Deutschen Textarchiv (Quelle)
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 126 53. Sneewittchen (Schneeweißchen). Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel, da ſaß eine ſcho ne Ko nigin an einem Fenſter, das hatte einen Rahmen von ſchwarzem Ebenholz, und na hte. Und wie ſie ſo na hte und nach dem Schnee aufblickte, ſtach ſie ſich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rothe in dem Weißen ſo ſcho n ausſah, ſo dachte ſie: ha tt ich doch ein Kind ſo weiß wie Schnee, ſo roth wie Blut und ſo ſchwarz wie dieſer Rahmen. Und bald darauf bekam ſie ein To chterlein, ſo weiß wie der Schnee, ſo roth wie das Blut, und ſo ſchwarz wie Ebenholz, und darum ward es das Sneewittchen genannt. Zur Einführung Vyvyan Evans. 2015. Time. In: Ewa Dabrowska & Dagmar Divjak (Hg.). Handbook of Cognitive Linguistics (HSK 39). Berlin, Boston. 509-527. (Progression) (anisotropic) RAUM Transience Types VERB + DIREKTIONAL Jacob und Wilhelm Grimm. 1812. Kinderund Haus-Märchen. Bd. 1. Berlin. 238. Verfügbar im Deutschen Textarchiv (Quelle)
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 127 Prosodie und Intonation Gestik Mimik
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 128 Multimodalität Stöckl, Hartmut. 2004. Die Sprache im Bild - Das Bild in der Sprache. Zur Verknüpfung von Sprache und Bild im massenmedialen Text. Konzepte. Theorien. Analysemethoden (LIT 3). Berlin, Boston: De Gruyter. Klug, Nina-Maria & Hartmut Stöckl (Hgg.). 2016. Handbuch Sprache im multimodalen Kontext (HSW 7). Berlin, Boston: De Gruyter. Imo, Wolfgang & Jens Philipp Lanwer (Hg.). 2020. Prosodie und Konstruktionsgrammatik. Berlin, Boston: de Gruyter. DOI: 10.1515/9783110637489.
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 129 Multimodalität „Lässt sich der Charakter des Sprachgebrauchs bereits in seiner ‚Grundform‘ als multimodal bezeichnen (immerhin können sprachliche Zeichen als parole erst über die Verknüpfung mit paraverbalen Zeichenmodalitäten wie Intonation bzw. Typographie/Handschrift als Schrift oder Rede realisiert und erfasst werden, s. Kress/van Leeuwen 1998; zur Typographie vgl. Spitzmüller i. d. B), so zeigt spätestens ein flüchtiger Blick auf bzw. in die zeitgenössischen Massenbzw. Leitmedien: Gesprochene und/oder geschriebene Sprache wird hier ganz selbstverständlich auch mit weiteren, nonverbalen Zeichenressourcen zu komplexen kommunikativen Einheiten, zu multimodalen Texten und Diskursen verknüpft. Das gilt sowohl für Texte in Printmedien (z. B. Zeitschrift, Zeitung, Plakat, Flugblatt) wie auch für solche, die von Audiomedien (z. B. Hörfunk), audiovisuellen Medien (AV-Medien: v. a. Film und Fernsehen) und sogenannten Neuen (elektronischen/digitalen) Medien (E-Medien: z. B. Computer bzw. Internetdienste wie Webseiten) getragen werden. Bilder (statisch/bewegt), graphische Elemente (z. B. Tabellen, Diagramme) und Ton (Geräusche und/oder Musik), immer häufiger sogar taktile und/oder olfaktorische Zeichen [...] bilden den multimodalen Kontext, in den Sprache geschriebener und/oder gesprochener Art […] eingebettet wird, mit dem sie zu multimodalen Texten unterschiedlicher Sorten, [intraund] transtextuell zu multimodalen Diskursen verknüpft wird (s. zu einem ähnlich weiten Multimodalitätsbegriff auch Wienen 2011).“ Nina-Maria Klug. 2016. Multimodale Textund Diskurssemantik. In: Dies. & Stöckl (Hg.). 165-189. Hier 168.
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 130 Multimodalität Stöckl 2016: 7.
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 131 Multimodalität „Wir assoziieren [sc. mit Calbris 2011] mit dem Wort „Gestik” vor allem Bewegungen der Arme und Hände, doch auch mit anderen Körperteilen können wir gestikulieren, so etwa mit dem Kopf – denken Sie an Nicken oder Kopfschütteln – oder auch etwa mit den Füßen. Man spricht demgemäß auch von Handgestik, Kopfgestik und so weiter. Diese Gesten treten ko-verbal auf, d.h. in semantischpragmatischer und zeitlicher Verbindung zu unseren verbalsprachlich getätigten Äußerungen. Die Gestenforschung, auf die wir hier Bezug nehmen, beschäftigt sich also mit ko-verbal gebrauchten und nur in Verbindung mit der sprachlich artikulierten Bedeutung selbst bedeutsamen Gesten [sc. aber keinesfalls mir den Symbolsystemen der Gebärdensprachen.“ Zima 2021: 263 Ikonische Gesten Ikonische Gesten Deiktische Gesten Deiktische Gesten Metaphorische Gesten Metaphorische Gesten Taktstockgesten Taktstockgesten
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 132 Multimodalität Ikonische Gesten Ikonische Gesten Metaphorische Gesten Metaphorische Gesten Deiktische Gesten Deiktische Gesten Taktstockgesten Taktstockgesten
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 139 Und bald darauf bekam ſie ein To chterlein Zur Einführung Vyvyan Evans. 2015. Time. In: Ewa Dabrowska & Dagmar Divjak (Hg.). Handbook of Cognitive Linguistics (HSK 39). Berlin, Boston. 509-527. (Progression) (anisotropic) RAUM Transience Types VERB + DIREKTIONAL Multimodalität
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 140 Und dann bekam ſie ein To chterlein Temporaladverb, ursprünglich Lokaladverb in der Bedeutung ‚von da aus‘ (von goth. þan, þanuh, alts. than, ahd. danna, danne, denni, denne, mhd. danne, denne, vgl. DWB II, Sp. 740–748) und seiner daraus übertragenen Bedeutung: „es bezeichnet den zeitpunct nach einem eingetretenen ereignis“ (DWB II, Sp. 741). Dann markiert einen Ausgangspunkt und zugleich den zeitlichen Abschluss eines vorangegangenen Ereignisses. Zur Einführung Vyvyan Evans. 2015. Time. In: Ewa Dabrowska & Dagmar Divjak (Hg.). Handbook of Cognitive Linguistics (HSK 39). Berlin, Boston. 509-527. (Progression) (anisotropic) RAUM Transience Types VERB + DIREKTIONAL Multimodalität
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 141 Vyvyan Evans. 2015. Time. In: Ewa Dabrowska & Dagmar Divjak (Hg.). Handbook of Cognitive Linguistics (HSK 39). Berlin, Boston. 509-527. (Progression) (anisotropic) RAUM Transience Types VERB + DIREKTIONAL Konstruktionen Beispiele Derivations-/Flexionsmorpheme -en [Herzen] -heit [Wahrheit] Wörter Herz, Wahrheit komplexe Wörter Wahrnehmungsgegenstandsausschnitt Wortarten [N] Phraseologismen Hab und Gut, Katz und Maus, jem. reinen Wein einschenken, Es ist zum X [Verrücktwerden, aus der Haut fahren], kein Rauch ohne Feuer. […] […] Transfer (mit teilweise offenen Slots) [NNom][schenkt][NDat][ein Buch] Transfer (mit offenen Slots) [NNom][VFIN][NDat][NAkk] Perfektivität (mit teilweise offenen Slots) [Nnom][hat][NDat][ein Buch][geschenkt] Faktizität (mit teilweise offenen Sots) [Nnom][soll][NDat][NAkk][schenken] […] […] Modalität (mit teilweise offenen Slots) [NNom][VFIN][NDat][wohl][NAkk] […] […] Konditionalsätze Wenn [KxN1], dann [KxN2]. …. …. Multimodalität
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 142 Und dann bekam ſie ein To chterlein Temporaladverb, ursprünglich Lokaladverb in der Bedeutung ‚von da aus‘ (von goth. þan, þanuh, alts. than, ahd. danna, danne, denni, denne, mhd. danne, denne, vgl. DWB II, Sp. 740–748) und seiner daraus übertragenen Bedeutung: „es bezeichnet den zeitpunct nach einem eingetretenen ereignis“ (DWB II, Sp. 741). Dann markiert einen Ausgangspunkt und zugleich den zeitlichen Abschluss eines vorangegangenen Ereignisses. Zur Einführung Vyvyan Evans. 2015. Time. In: Ewa Dabrowska & Dagmar Divjak (Hg.). Handbook of Cognitive Linguistics (HSK 39). Berlin, Boston. 509-527. (Progression) (anisotropic) RAUM Transience Types VERB + DIREKTIONAL Multimodalität
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 143 Vyvyan Evans. 2015. Time. In: Ewa Dabrowska & Dagmar Divjak (Hg.). Handbook of Cognitive Linguistics (HSK 39). Berlin, Boston. 509-527. (Progression) (anisotropic) RAUM Transience Types VERB + DIREKTIONAL Konstruktionen Beispiele Derivations-/Flexionsmorpheme -en [Herzen] -heit [Wahrheit] Wörter Herz, Wahrheit komplexe Wörter Wahrnehmungsgegenstandsausschnitt Wortarten [N] Phraseologismen Hab und Gut, Katz und Maus, jem. reinen Wein einschenken, Es ist zum X [Verrücktwerden, aus der Haut fahren], kein Rauch ohne Feuer. […] […] Transfer (mit teilweise offenen Slots) [NNom][schenkt][NDat][ein Buch] Transfer (mit offenen Slots) [NNom][VFIN][NDat][NAkk] Perfektivität (mit teilweise offenen Slots) [Nnom][hat][NDat][ein Buch][geschenkt] Faktizität (mit teilweise offenen Sots) [Nnom][soll][NDat][NAkk][schenken] […] […] Modalität (mit teilweise offenen Slots) [NNom][VFIN][NDat][wohl][NAkk] […] […] Konditionalsätze Wenn [KxN1], dann [KxN2]. …. …. Multimodalität
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 144 Multimodalität [Narrativer Konnektorund dann(satzwertige K1,satzwertige K2)]. Die (kompositionelle) Bedeutung lässt sich folgendermaßen angeben: ‚Durch die Narrative-Konnektor-Konstruktion mit und dann werden zwei satzwertige Konstruktionen kontinuierlich in additiv-konsekutiver bzw. - temporaler Folge verbunden und in eine temporale Relation der Abfolge gesetzt, wobei der Abschluss des in Konstruktion 1 thematisierten Ereignisses fokussiert wird‘. Alexander Ziem & Alexander Lasch. 2018. Konstruktionsgrammatische Zugänge zu narrativen Texten. Ausgangspunkte und Perspektiven. In: LiLi 48,2. Ahead of Print: http://rdcu.be/JVmn. DOI: 10.1007/s41244-018-0097-3.
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 145 Multimodalität und dann im KERN20-Korpus nach absoluten Belegzahlen und projizierten Belegzahlen im normalisierten Korpus (mit Asterisk); hier und im Folgenden symbolisieren Grauabstufungen Frequenzunterschiede.
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 146 Morphosyntax Ich hätte ihm sonst die Knochen im Leibe zerbrochen. Da lächelte ich, und er küßte mich – und dann nochmals und nochmals… Und dann waren wir plötzlich verlobt; ich wußte gar nicht, wie das so schnell gekommen war. Nur daß mir zu Muthe, als ob ich auf Wolken schwebte, hoch hinweg über die Erde. 1902 // ZE // bt // Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe) 11.02.1902.
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 147 Multimodalität Projiziertes Gesamtund satzinitiales Vorkommen von und dann, und und dann im normalisierten KERN20-Korpus (mit Asterisk) je in allen Domänen (links) und im Teilkorpus BE.
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 148 Multimodalität Satzinitiales und dann im KERN20-Korpus nach absoluten Belegzahlen und projizierten Belegzahlen im normalisierten Korpus (mit Asterisk).
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 155 Multimodalität
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 156 Multimodalität und dann erzählt man das plötzlich und dann lassen wir die Sau raus Episodisches Erzählen: Wiedergeben einer persönlich erlebten Geschichte in chronologischer Reihenfolge (z.B. der Tagesablauf oder ein besonderes Ereignis). Prozedurales Erklären: Beschreibung eines Ablaufs. Skript-Basiertes Erzählen: Wiedergeben einer feststehenden kulturellen Geschichte. Temporale Progression: Etwas geschieht nach etwas anderem. Narrative Aufrechterhaltung: Der Sprecher signalisiert, dass der Redebeitrag noch nicht beendet ist (Turn-Keeping). Kognitive Entlastung: Die Phrase verschafft dem Sprecher Zeit, den nächsten Gedanken zu planen, ohne die syntaktische Struktur des Satzes abbrechen zu müssen.
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 157 Multimodalität
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 158 Multimodalität und dann sieht er erst wie ein normaler Mensch aus Episodisches Erzählen: Wiedergeben einer persönlich erlebten Geschichte in chronologischer Reihenfolge (z.B. der Tagesablauf oder ein besonderes Ereignis). Prozedurales Erklären: Beschreibung eines Ablaufs. Skript-Basiertes Erzählen: Wiedergeben einer feststehenden kulturellen Geschichte. Temporale Progression: Etwas geschieht nach etwas anderem. Narrative Aufrechterhaltung: Der Sprecher signalisiert, dass der Redebeitrag noch nicht beendet ist (Turn-Keeping). Kognitive Entlastung: Die Phrase verschafft dem Sprecher Zeit, den nächsten Gedanken zu planen, ohne die syntaktische Struktur des Satzes abbrechen zu müssen.
Konstruktionsgrammatik · Alexander Lasch · CC BY 4.0 Int. 159 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!