Tools und Verfahren zur Kompetenzerfassung in der Bundesagentur für Arbeit: eine explorativ-empirische Übersicht
Abstract
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Full text
Kawalec, Sandra; Promberger, Markus Research Report Tools und Verfahren zur Kompetenzerfassung in der Bundesagentur für Arbeit: eine explorativ-empirische Übersicht IAB-Forschungsbericht, No. 26/2024 Provided in Cooperation with: Institute for Employment Research (IAB) Suggested Citation: Kawalec, Sandra; Promberger, Markus (2024) : Tools und Verfahren zur Kompetenzerfassung in der Bundesagentur für Arbeit: eine explorativ-empirische Übersicht, IABForschungsbericht, No. 26/2024, Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB), Nürnberg, https://doi.org/10.48720/IAB.FB.2426 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/313029 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
IAB-FORSCHUNGSBERICHT Aktuelle Ergebnisse aus der Projektarbeit des Instituts für Arbeitsmarktund Berufsforschung 26|2024 Tools und Verfahren zur Kompetenzerfassung in der Bundesagentur für Arbeit – eine explorativ-empirische Übersicht Sandra Kawalec, Markus Promberger ISSN 2195-2655
Tools und Verfahren zur Kompetenzerfassung in der Bundesagentur für Arbeit – eine explorativ-empirische Übersicht Sandra Kawalec (IAB) Markus Promberger (IAB) In der Reihe IAB-Forschungsberichte werden empirische Analysen und Projektberichte größeren Umfangs, vielfach mit stark datenund methodenbezogenen Inhalten, publiziert. The IAB Research Reports (IAB-Forschungsberichte) series publishes larger-scale empirical analyses and project reports, often with heavily dataand method-related content.
IAB-Forschungsbericht 26|2024 3 In aller Kürze • In Deutschland ist die Bedeutung eines standardisierten berufsfachlichen Arbeitsmarktes mit entsprechenden Qualifikationen und Zertifikaten hoch. In diesem stark formalisierten Modell ist ein standardisiertes Zertifikat die notwendige Zugangsvoraussetzung für den Arbeitsmarkt. • In Zeiten des wirtschaftlichen Strukturwandels, des Fachkräftemangels, des demografischen Wandels sowie zunehmender Migrationsbewegungen können sogenannte Kompetenzfeststellungsverfahren womöglich die nachhaltige Arbeitsmarktintegration erleichtern - durch die Erfassung und Zertifizierung von Kompetenzen, insbesondere bei Personen mit informell erworbenem Fachwissen oder mit im Ausland erworbenen Qualifikationen. • Im Forschungsprojekt „Kompetenzfeststellungsverfahren in der Arbeitsvermittlung“ wird untersucht, inwieweit solche Verfahren in der Vermittlungsarbeit genutzt, welche Erfahrungen damit gemacht, und welche Chancen und Probleme dabei gesehen werden. Datenbasis sind 53 qualitative Expert*inneninterviews und Dokumentenanalysen. • Im Rahmen der Vermittlungsund Beratungsarbeit in der Bundesagentur für Arbeit konnten unterschiedliche Testverfahren zur Kompetenzermittlung identifiziert werden, welche in drei lebensweltlichen Kontexten der Arbeitssuchenden zum Einsatz kommen: in der Berufsorientierungsphase, bei Fragen der beruflichen Neuorientierung und bei einem Bedarf an Validierung des Fachwissens im Erwachsenenalter. • Verfahren zur Kompetenzerfassung werden von den Vermittlungsund Beratungsfachkräften systematisch und überwiegend im Bereich der Berufsorientierung und beruflichen Neuorientierung genutzt. • Bei konkreten Fragen der Validierung von informell erworbenen Kompetenzen wird in der Vermittlungspraxis eher auf etablierte arbeitsmarktpolitische Maßnahmen anstatt auf Testverfahren zurückgegriffen. Auch wenn Maßnahmen bei einem Arbeitgeber (MAG) und Maßnahmen beim Träger (MAT) keine klassischen Testverfahren zur Kompetenzerfassung darstellen, werden diese von den Vermittlungsund Beratungsfachkräften durchaus als Möglichkeit wahrgenommen, das Wissen und die Fähigkeiten einer Person zu ermitteln und zu validieren. • MAGs und MATs liefern aufgrund der praktischen Arbeitserprobungen bei Betrieben oder Bildungsträgern zuverlässigere Aussagen über das fachliche Wissen und die beruflichen Kompetenzen einer Person als standardisierte Kompetenzfeststellungsverfahren. • Dennoch ist das Validieren von non-formal erworbenem Fachwissen in der Arbeitspraxis der Vermittler*innen noch ein junges und wenig eingeführtes Thema.
IAB-Forschungsbericht 26|2024 4 Inhalt In aller Kürze ............................................................................................................................ 3 Inhalt ........................................................................................................................................ 4 Zusammenfassung ................................................................................................................... 6 Summary .................................................................................................................................. 7 1 Einleitung ......................................................................................................................... 10 2 Welche Kompetenzfeststellungsverfahren in der Vermittlungsund Beratungsarbeit gibt es und was sind ihre Charakteristika? ........................................................................ 11 2.1 Abenteuer Berufe ............................................................................................................... 12 2.2 Gesucht-gefunden: ICH! ..................................................................................................... 13 2.3 Check-U .............................................................................................................................. 13 2.4 Berufswahltest ................................................................................................................... 14 2.5 Studiencheck...................................................................................................................... 15 2.6 Studienfeldbezogener Beratungstest ............................................................................... 16 2.7 New Plan ............................................................................................................................. 16 2.8 Tests beim Berufspsychologischen Service BPS: Berufseignungsdiagnostik ................. 17 2.9 MySkills ............................................................................................................................... 19 2.10 Check.work ......................................................................................................................... 20 2.11 Valikom ............................................................................................................................... 21 2.12 Maßnahmen bei einem Arbeitgeber, MAG und bei einem Träger, MAT ........................... 23 3 Analyse und Diskussion der Nutzung von Kompetenzfeststellungsverfahren in der Bundesagentur für Arbeit ................................................................................................. 24 3.1 Berufsorientierungsphase ................................................................................................. 25 3.2 Berufliche (Neu-)Orientierung ........................................................................................... 26 3.3 Validierung des beruflichen Wissens ................................................................................. 26 3.3.1 MySkills .................................................................................................................... 27 3.3.2 Valikom .................................................................................................................... 27 3.3.3 MAGs und MATs ....................................................................................................... 28 3.3.4 Nutzung und Stellenwert anforderungsorientierter Kompetenzfeststellungsverfahren in der Vermittlungspraxis ............................... 30 4 Schlussfolgerungen und Ausblick ..................................................................................... 31 Literatur ................................................................................................................................. 33 Abbildungsverzeichnis ............................................................................................................ 35
IAB-Forschungsbericht 26|2024 5 Tabellenverzeichnis ................................................................................................................ 35 Impressum ............................................................................................................................. 36
IAB-Forschungsbericht 26|2024 6 Zusammenfassung Standardisierte Kompetenzfeststellungsverfahren sollen berufliche Kompetenzen erfassen und dokumentieren – mit dem Ziel die Integration in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Insbesondere Personen mit informell erworbenem Fachwissen, wie Langzeitarbeitslosen, Geringqualifizierten und Migrant*innen, denen entsprechende Nachweise fehlen, kann durch eine Testung und anschließende Zertifizierung der Eintritt in den Arbeitsmarkt oder ein Berufswechsel erleichtert werden. Auch ein etwaiger Weiterbildungsbedarf lässt sich auf diese Weise genauer feststellen. Im vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) geförderten Forschungsprojekt „Kompetenzfeststellungsverfahren in der Arbeitsvermittlung“ wird untersucht, welche Bedeutung Kompetenztests bei der Unterstützung von Stellensuchund Besetzungsprozessen haben. Von besonderem Interesse ist dabei, inwieweit Verfahren zur Validierung beruflichen Wissens in der Vermittlungsarbeit genutzt, welche Erfahrungen damit gemacht, und welche Chancen und Probleme hier gesehen werden. Im Zentrum der Untersuchung stand zunächst der von 2017 bis 2022 in den Arbeitsagenturen und Jobcentern bundesweit implementierte standardisierte, computerbasierte Test „MySkills“. Mithilfe dieses in 12 Sprachen verfügbaren Tests sollte ermittelt werden, inwieweit Arbeitsuchende über Kompetenzen verfügen, die in den Ausbildungsordnungen von 30 ausgewählten Berufen aufgeführt sind. In der Vermittlungspraxis wurde dieser Test nur zögerlich eingesetzt. Denn Vermittlungsund Beratungsfachkräfte setzen bei der Ermittlung und Erfassung von Kompetenzen der Arbeitssuchenden auf bewährte Alternativen (vgl. IAB-Forschungsbericht 17/2023). Während der IAB-Forschungsbericht 17/2023 gewissermaßen „in die Tiefe ging“, widmet sich der hier vorliegende zweite Forschungsbericht der breiteren Frage, welche praxisrelevanten Kompetenzfeststellungsverfahren in der Vermittlungsarbeit der Bundesagentur für Arbeit genutzt werden, welches Ziel sie verfolgen, welche Methoden ihnen zugrunde liegen, wie sie organisatorisch eingebettet sind und wie hoch die entsprechenden Fallzahlen sind. Darüber hinaus werden – basierend auf einer Analyse der praktischen Nutzung dieser Verfahren – Rückschlüsse auf deren Stellenwert in der Tätigkeit der Bundesagentur für Arbeit gezogen. Datenbasis sind Dokumentenanalysen und 53 qualitative leitfadengestützte Interviews mit Expert*innen in der Entwicklung, Implementation und Anwendung des Testverfahrens. Den Vermittlungsfachkräften stehen je nach individueller Lebenslage der Arbeitssuchenden unterschiedliche Tools und Verfahren zur Verfügung, um das Wissen und die Fähigkeiten zu erfassen. In der Berufsorientierungsphase sind dies: Abenteuer Berufe, Gesucht-gefunden: ICH!, Check-U, Studiencheck, Berufswahltest sowie der sogenannte studienbezogene Beratungstest. In der Erwachsenenbildung bzw. bei der beruflichen Neuorientierung sind dagegen nur zwei relevante Verfahren in der Bundesagentur zu finden: New Plan und die Berufseignungsdiagnostik beim Berufspsychologischen Service (BPS). Bei Fragen der Validierung informell erworbenen Fachwissens können Instrumente wie MySkills, Valikom, Check.work sowie Maßnahmen bei einem Arbeitgeber (MAG) und Maßnahmen bei einem Träger (MAT) angewendet werden. Diese Verfahren unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich der Zielgruppe und Zielsetzung, sondern auch in der Methode. Im Bereich der Berufsorientierung und beruflichen (Neu-
IAB-Forschungsbericht 26|2024 7 Orientierung werden sog. Potenzialanalysen durchgeführt. Hierbei geht es um die persönliche Standortbestimmung, die Aufdeckung unbewusst gebliebener Kompetenzen sowie die Reflexion der eigenen Stärken und Schwächen. In Abgrenzung zu Potenzialanalysen handelt es sich bei den Testverfahren, welche im Bereich der Validierung des beruflichen Fachwissens zur Anwendung kommen, um Anforderungsanalysen. Hierbei soll geprüft und – je nach Verfahren -zertifiziert werden, ob die v.a. informell erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen den Anforderungen an einen Beruf genügen. Betrachtet man die praktische Nutzung der Instrumente, so wird ersichtlich, dass die hier vorgestellten Verfahren zur Kompetenzerfassung überwiegend im Bereich der Berufsorientierung und beruflichen Neuorientierung genutzt werden. Viele anforderungsorientierte Tests, die bestehendes Fachwissen mit den berufsspezifischen Anforderungen abgleichen, werden in der Vermittlungspraxis kaum genutzt, auch und weil sie in der konkreten Anwendung oft auf Schwierigkeiten stoßen. Hierzu zählt, dass der definierte Kundenstamm oft nicht zu dem Rechtskreis gehört, für den die Vermittlungsund Beratungsfachkräfte zuständig sind. Werden dennoch Kund*innen identifiziert, für die ein Test passen würde, so erfüllen nicht alle die Voraussetzungen für eine Teilnahme (Mindestalter, einschlägige Berufserfahrung oder Sprachkenntnisse). Darüber hinaus ist die Motivation, daran teilzunehmen, oftmals gering. Gründe hierfür sind insbesondere Prüfungsangst, die lange Testdauer sowie das Bestreben, möglichst schnell wieder eine Beschäftigung aufzunehmen, statt sich vorher nochmal einem Test zu unterziehen. Eine weitere Problematik stellt die Interpretation und Verwertbarkeit der Ergebnisse dar. Vermittlungsund Beratungsfachkräfte setzen insofern statt der standardisierten Tests eher auf bewährte Erprobungsinstrumente wie Maßnahmen bei einem Arbeitgeber und bei einem Träger, da diese in ihrer Mischung aus beobachteter und angeleiteter Praxis und der Beurteilung durch fachliche Expert*innen zuverlässigere und glaubhaftere Aussagen erlauben. Diese Maßnahmen kommen jedoch vor allem deswegen zum Tragen, um zu überprüfen, ob die Bewerber*innen auf einen Job passen oder ob die individuellen Voraussetzungen für eine weiterführende Qualifizierungsmaßnahme erfüllt sind, kaum hingegen als Instrumente zur Validierung von informellem Fachwissen an sich. Das Validieren von informell erworbenen Kompetenzen ist in der Vermittlungsarbeit noch kein breit praxisrelevantes Thema. Im Hinblick auf die gesetzliche Verankerung des Berufsbildungsvalidierungsund digitalisierungsgesetzes (BVaDiG) im Berufsbildungsgesetz sollte sich die Bundesagentur für Arbeit den bisherigen Hürden in der Nutzung solcher Testverfahren stellen und geeignete Strategien auf den Weg bringen, um Validierungen zu ermöglichen. Summary Standardized Competency Assessment Procedures are intended to capture and document professional competencies with the goal of facilitating integration into the labor market. In particular, individuals with informally acquired expertise, such as long-term unemployed persons, low-skilled workers and migrants, who lack corresponding certificates, can benefit from testing and subsequent certification to ease their entry into the labor market, career change, or identification of further training needs. The research project "Competency Assessment
IAB-Forschungsbericht 26|2024 8 Procedures in Employment Services," funded by the Federal Ministry of Labor and Social Affairs (BMAS), investigates the significance of competency tests in supporting job search and placement processes. Of particular interest is how procedures for validating professional knowledge are used in employment services, the experiences made, and the opportunities and challenges perceived. The core of the research focused on the standardized, computer-based MySkills test, which was implemented in employment agencies and job centers across Germany from 2017 to 2022. This test, available in 12 languages, aimed to assess whether job seekers possess the competencies outlined in the training regulations of 30 selected professions. In practice, the test was used cautiously. Employment counselors relied on established alternatives for assessing and recording the competencies of job seekers. This research report outlines which practically relevant competency assessment procedures are used in employment services of the Federal Employment Agency, what goals they pursue, the methods underlying them, how they are organizationally embedded, and the corresponding case numbers. In addition, the practical use of these procedures is analyzed, and conclusions are drawn regarding the importance of such testing procedures within the Federal Employment Agency. The data basis includes document analyses as well as 53 qualitative, guideline-based interviews with experts involved in the development, implementation, and application of the test procedures. Employment counselors have different tools and methods at their disposal to capture the knowledge and skills of job seekers, depending on their individual life circumstances. In the career orientation phase, these tools include "Abenteuer Berufe", "Gesucht-gefunden: ICH!," "Check-U," "Studiencheck", "Berufswahltest", and study-related counseling tests. In adult education or professional reorientation, only two relevant procedures are used: "New Plan" and occupational suitability diagnostics at the Occupational Psychology Service (BPS). For validating informally acquired professional knowledge, tools such as MySkills, Valikom, Check.work, as well as measures with an employer (MAG) and measures with a training provider (MAT) can be applied. These procedures differ not only in terms of target groups and objectives but also in their methods. In career orientation and professional (re)orientation, so-called potential analyses are carried out. The goal here is personal self-assessment, the uncovering of competencies that have remained unconscious, and reflecting on one’s strengths and weaknesses. In contrast to potential analyses, the test procedures used in validating professional knowledge are demand analyses. These are designed to check whether the primarily informally acquired skills and competencies meet the requirements of a profession, with the outcome being a certification. When considering the practical use of the instruments, it becomes clear that the procedures presented here for competency assessment are predominantly used in the fields of career orientation and professional reorientation. Demand-oriented tests, which compare existing professional knowledge with the specific demands of a job, show low usage rates in practice and often face difficulties. These include the fact that the defined client base often does not fall within the jurisdiction of the responsible placement and counseling professionals. Even if such clients are identified, they do not always meet the requirements for participation (minimum age, relevant work experience, or language skills). Additionally, motivation to participate is often low.
IAB-Forschungsbericht 26|2024 15 Interessenfragebogen eröffnet den Personen die Möglichkeit, sich strukturiert mit den eigenen beruflichen Interessen und Vorstellungen auseinanderzusetzen. Jedes einzelne Testergebnis wird mit den Ergebnissen anderer Jugendlicher verglichen, welche sich am Übergang zum Berufsleben befinden bzw. zu jenen, welche die jeweilige Ausbildung bereits abgeschlossen haben. Ziel ist es aufzuzeigen, inwiefern die persönlichen Fähigkeiten mit den Anforderungen der verschiedenen Berufe zusammenpassen. Der Test wird standardisiert und computergestützt durchgeführt, von psychologisch-technischen Assistent*innen überwacht und hat eine Dauer von 3 Stunden. Die Testergebnisse werden den Berufsberater*innen in tabellarischer Form rückgemeldet, gemeinsam reflektiert und in den ganzheitlichen Beratungsprozess integriert. Sie bestehen aus den Resultaten zu den intellektuellen Fähigkeiten, den schulischen Fähigkeiten, den selbst eingeschätzten Kompetenzen und zur berufswahlbezogenen Motivation. Eine Handreichung soll den Berater*innen bei der Interpretation der Ergebnisse helfen. Die Getesteten selbst erhalten eine vom BPS angefertigte handlungsorientierte Schriftfassung. Im Jahr 2023 wurden 16.500 Testungen durchgeführt. 2.5 Studiencheck Tabelle 5: Faktenübersicht über das Tool „Studiencheck“ Lebenslage Studienorientierung Zielsetzung Eignungsfeststellung für einen bestimmten Studiengang Zielgruppe Studieninteressierte aus den Bereichen Mathematik sowie Sprachund Textverständnis Methode Selbsteinschätzung, Online-Wissenstest Organisationale Anbindung Zentrale der Bundesagentur für Arbeit Nutzungszahlen ca. 13.200 Durchführungen im Jahr 2023 Quelle: Bundesagentur für Arbeit © IAB Idealerweise wird der ‚Studiencheck‘ in Anschluss an ‚Check-U‘ durchgeführt. Der Test empfiehlt sich für Studieninteressierte, welche die Eignung ihres schulischen Wissens für einen bestimmten Studiengang prüfen wollen (Bundesagentur für Arbeit 2024b). Angeboten werden 24 studiengangsbezogene Wissenstests aus den Bereichen Mathematik (13 Checks) sowie Sprachund Textverständnis (11 Checks. Die Inhalte der Checks hinterlegen die Hochschulen über den Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz selbst, welcher anschließend mit dem BAPortal verbunden wird. Aktuell sind nur die Angebote der Hochschulen in NRW verfügbar. Die Checks prüfen die individuellen Voraussetzungen und somit die Eignung für einen bestimmten Studiengang an einer bestimmten Hochschule. Studieninteressierte können somit ein Gefühl dafür entwickeln, was von ihnen im gewählten Studiengang erwartet wird, welche Wissenslücken eventuell bestehen und anschließend den Studienwunsch verifizieren oder verwerfen. Die Ergebnisse werden in Form einer Ampel aufbereitet: Der persönliche Wissensstand zu den einzelnen Inhalten eines Studiums wird in Prozentangaben und farblich visualisiert. Die Getesteten erhalten eine Teilnahmebestätigung für die Hochschule, bei welcher sie sich bewerben möchten. Im Jahr 2023 wurden 13.200 Testungen durchgeführt.
IAB-Forschungsbericht 26|2024 16 2.6 Studienfeldbezogener Beratungstest Tabelle 6: Faktenübersicht über das Tool „Studienfeldbezogener Beratungstest“ Lebenslage Studienorientierung Zielsetzung Eignungsfeststellung für einen bestimmten Studiengang Zielgruppe Schüler*innen der Sekundarstufe II Methode Potentialanalyse, Fremdeinschätzung durch Psycholog*innen, Leistungstest Organisationale Anbindung Berufspsychologischer Service, BPS Nutzungszahlen ca. 20.200 im Jahr 2023 Quelle: Bundesagentur für Arbeit © IAB Der studienfeldbezogene Beratungstest wird vom Berufspsychologischen Service der BA durchgeführt und beinhaltet eine fachspezifische Eignungsfeststellung in den Studienfeldern Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik, Ingenieurwissenschaften, Philologische Studiengänge, Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften sowie Sozialwissenschaften (Bundesagentur für Arbeit 2023d). Er ist für Oberstufenschüler*innen und Abiturient*innen geeignet und ermöglicht den Abgleich der persönlichen intellektuellen Fähigkeiten mit den fachspezifischen Anforderungen eines bestimmten Studiengangs. Das Verfahren besteht aus einem individuellen Gespräch mit Psycholog*innen und einem Leistungstest, welcher aus dem Bearbeiten fachspezifischer Problemstellungen besteht und den Charakter realistischer Arbeitsproben hat. Die Aufgaben wurden zusammen mit den Fachvertreter*innen der einzelnen Studienfelder entwickelt. Der Test hat eine Dauer von zwei bis drei Stunden. Die Ergebnisse werden mit den Psycholog*innen persönlich besprochen und gemeinsam in Bezug auf das gewählte Studienfach reflektiert. Im Jahr 2023 konnte der Test 20.200 Durchführungen verzeichnen. 2.7 New Plan Tabelle 7: Faktenübersicht über das Tool „New Plan“ Lebenslage Berufliche (Neu-)Orientierung, Weiterbildung Zielsetzung Stärkenbeurteilung, Einschätzung entsprechender Beschäftigungsmöglichkeiten, Auffinden konkreter Weiterbildungsmaßnahmen Zielgruppe Beschäftigte, Arbeitslose, Wiedereinsteigende Methode Potentialanalyse, Selbsteinschätzung, Online-Tool Organisationale Anbindung Zentrale der Bundesagentur für Arbeit Nutzungszahlen 389.000 Besuche im Jahr 2023 Quelle: Bundesagentur für Arbeit © IAB Bei ‚New Plan‘ handelt es sich um ein Online-Tool zur beruflichen Neuorientierung, welches seit Dezember 2020 für Menschen im Erwerbsleben, Arbeitslose und Wiedereinsteigende zur Verfügung steht, welche noch kein konkretes berufliches Ziel vor Augen haben. In Verbindung mit
IAB-Forschungsbericht 26|2024 17 oder auch ohne eine persönliche Beratung kann es mit allen mobilen Endgeräten kostenlos genutzt werden. Voraussetzung ist die Beherrschung der deutschen Sprache auf Niveau B2, ein abgeschlossener Schulund/oder Berufsabschluss sowie gesundheitliche und kognitive Grundvoraussetzungen. Das Tool selbst besteht aus drei inhaltlichen Bausteinen: „Möglichkeiten testen“, „Inspirieren lassen“ und „Weiterbildung suchen“ (Bundesagentur für Arbeit 2024c). Der erste Bereich beinhaltet einzelne Testmodule zu Entwicklungsmöglichkeiten (Fokussierung auf bestimmte Aufgabenbereiche im Beruf), Weiterbildungen (Informationen zu passenden Aufstiegsweiterbildungen) und Tätigkeiten (basierend auf den bisherigen Berufserfahrungen passende Berufe, Einschätzungen und berufliche Alternativen) sowie einem Kompetenzcheck (Einschätzung über die Ausprägung der persönlichen Kompetenzen). Die Bearbeitungsdauer der Tests beträgt je nach Modul bis zu zwei Stunden. Im Bereich „Inspirieren lassen“ kann eingesehen werden, in welche Berufe Menschen mit dem gleichen Schulbzw. Berufsabschluss gewechselt sind. Darüber hinaus können Informationen zum entsprechenden Beruf unter Berufe.net1 eingeholt und sogar aktuelle Stellenangebote eingesehen werden. Im Bereich „Weiterbildung suchen“ können schließlich passende Weiterbildungsangebote ausfindig gemacht werden. Die Ergebnisse können ausgedruckt werden und dienen als Grundlage für weitere Beratungsgespräche. Das Portal wurde im Jahr 2023 389.000 Mal aufgesucht. 2.8 Tests beim Berufspsychologischen Service BPS: Berufseignungsdiagnostik Tabelle 8: Faktenübersicht über Tests beim BPS Lebenslage Berufsorientierung, berufliche Neuorientierung Zielsetzung Berufseignungsdiagnostik Zielgruppe Lernförderschüler*innen, Jugendliche die sich für eine Ausbildung oder ein Studium interessieren, Erwachsene mit Wunsch nach beruflicher Neuorientierung, Migrant*innen zur Feststellung der Sprachkenntnisse Methode Potentialanalyse, Fremdeinschätzung, Fallorientierte Testsettings bestehend aus: Diagnostisches Gespräch und testpsychologische Untersuchungen (u.a. kognitive Fähigkeitstests) Organisationale Anbindung Berufspsychologischer Service, BPS Nutzungszahlen ca. 180.000 Durchführungen im Jahr 2023 Quelle: Bundesagentur für Arbeit © IAB Bei berufsdiagnostischen Fragen im Beratungsprozess kann die Vermittlungsfachkraft bzw. die Berufsberater*innen die Arbeitssuchenden über VerBIS zu einem Termin beim Berufspsychologischen Service BPS einladen und eine entsprechende Leistung beantragen. Die Zielgruppen sind sowohl Jugendliche als auch Erwachsene in unterschiedlichen Phasen ihres Berufslebens. Entsprechend sind auch die jeweiligen berufsdiagnostischen Fragestellungen ganz unterschiedlich (Klink et al. 2021). Bei Lernförderschüler*innen kann festgestellt werden, ob eine Lernbehinderung vorliegt und unter welchen Förderbedingungen eine berufliche Integration funktionieren kann. Bei Jugendlichen, welche sich in der Berufsorientierungsphase befinden, 1 Im Internet verfügbares Berufsinformationssystem der Bundesagentur für Arbeit
IAB-Forschungsbericht 26|2024 18 kann die Eignung für einen bestimmten Ausbildungsberuf festgestellt werden, eine eignungsdiagnostische Unterstützung bei der beruflichen Orientierung angeboten werden oder auch generell eine Stärkeund Schwächeanalyse durchgeführt werden. Bei Abiturient*innen kann die Eignung für einen bestimmten Studiengang festgestellt werden. Erwachsene hingegen stellen sich eignungsdiagnostischen Fragen, wenn aus gesundheitlichen oder arbeitsmarktlichen Gründen eine berufliche Neuorientierung oder Weiterentwicklung angestrebt wird. Bei Arbeitssuchenden, welche die deutsche Sprache kaum oder nur im geringen Maße beherrschen, kann eine Feststellung des Deutschkenntnisniveaus im Abgleich mit beruflichen Anforderungen an die Deutschkenntnisse erfolgen. Darüber hinaus kann der BPS die berufliche Leistungsfähigkeit im Falle einer psychischen Beeinträchtigung feststellen. Teil der psychologischen Begutachtung sind diagnostische Gespräche und testpsychologische Untersuchungen. In einer ersten Explorationsphase werden über Vorinformationen der Vermittlungsfachkraft, über eine Zeugnisanalyse und über ein diagnostisches Gespräch die persönliche Lebenssituation, die intellektuellen Fähigkeiten und die schulischen Kenntnisse der Person erhoben. Diese Befunde werden im nächsten Schritt mittels testpsychologischer Untersuchungen vertieft und erweitert. Hierzu werden über berufe.net Kenntnisse und Fähigkeiten, welche mit einer bestimmten Ausbildung oder einen bestimmten Beruf einhergehen, entnommen. Diese Anforderungen zusammen mit den persönlichen Voraussetzungen bilden die Informationsgrundlage für die Wahl des individuellen Testsettings hinsichtlich der jeweiligen psychologischen Fragestellung. So kann das intellektuelle Leistungsvermögen einer Person, zu welchem u.a. rechnerisches, verbales und räumlichfigurales Denken gehört, mithilfe von kognitiven Fähigkeitstests gemessen werden (Klink et al. 2021: 142f.). Berufliche Interessen hingegen werden durch ein Berufsinteresseninventar systematisch erfasst. So genannte Situational Judgement Tests messen die Leistungsmotivation und das Durchhaltevermögen, während die Leistungsbereitschaft und die psychische Stabilität über Verhaltensbeobachtungen erfasst werden können. Die diagnostischen Instrumente und kognitiven Fähigkeitstests werden von der Forschungsund Entwicklungsabteilung des BPS selbst wissenschaftlich entwickelt und von den Personen computergestützt auf dem BA-eigenen psychologischen Testsystem DELTA bearbeitet (ebd., 143). Die Befunde der Tests werden dem Kunden mündlich rückgemeldet und gemeinsam besprochen. Darüber hinaus erstellt die Psycholog*innen ein Gutachten, welches die aggregierten Befunde, die Schlussfolgerungen samt alternativ in Betracht zu ziehenden Berufen sowie die Empfehlungen beinhaltet. Diese Inhalte werden der Vermittlungsfachkraft übergeben und weitere Entscheidungsschritte eruiert. Im Jahr 2023 wurden 180.000 Dienstleistungen, welche eine Berufseignungsdiagnostik beinhalten, verzeichnet.
IAB-Forschungsbericht 26|2024 19 2.9 MySkills Tabelle 9: Faktenübersicht über das Tool „MySkills“ Lebenslage Bedarf an Validierung des Berufswissens im Erwachsenenalter Zielsetzung Validierung von informell erworben beruflichen Kompetenzen Zielgruppe Personen über 25 Jahren, die: • keinen Berufsabschluss, aber mehrjährige berufliche Erfahrung aufweisen, • einen fachfremden Berufsabschuss haben • seit mehr als vier Jahren nicht in ihrem erlernten Beruf gearbeitet haben • einen in Deutschland nicht nachweisbaren oder nicht formal anerkennungsfähigen ausländischen Berufsabschluss haben Methode Computergestützter Test mit Fachfragen auf Facharbeiterniveau Organisationale Anbindung Bertelsmann Stiftung, Bundesagentur für Arbeit Nutzungszahlen 2017 bis 2022: 12980 vollständig durchgeführte Tests im BPS Quelle: Bundesagentur für Arbeit © IAB Bei ‚MySkills‘ handelt es sich um einen standardisierten Test, der das vorhandene berufliche Handlungswissen auf Facharbeiterniveau in praxisnahen Situationen im Rahmen eines computergestützten Testprogramms abbildet. Das Verfahren wurde in einer Kooperation zwischen Bertelsmann-Stiftung, dem Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF), dem Forschungsinstitut betriebliche Bildung (f-bb) und der Bundesagentur für Arbeit entwickelt. Für insgesamt 30 Berufe kann in den folgenden 12 Sprachen getestet werden: Deutsch, Englisch, Hocharabisch, Farsi, Russisch, Türkisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Polnisch, Bulgarisch oder Rumänisch. Die Zielgruppen sind Personen über 25 Jahren, die (a) keinen Berufsabschluss, aber mehrjährige berufliche Erfahrung aufweisen, (b) Personen mit einem fachfremden Berufsabschluss, (c) Personen, die seit mehr als vier Jahren nicht in ihrem erlernten Beruf gearbeitet haben, und (d) Personen mit in Deutschland nicht nachweisbarem oder nicht formal anerkennungsfähigem ausländischem Berufsabschluss. MySkills wird von den Vermittlungsund Beratungsfachkräften in Auftrag gegeben und in den Räumlichkeiten der Bundesagentur für Arbeit durch den Berufspsychologischen Service BPS durchgeführt. Um die fachlichen Fähigkeiten der Teilnehmenden zu überprüfen, werden ihnen videound bildbasierte Fragen (insgesamt 125) aus typischen Handlungssituationen eines bestimmten Berufes zur Beantwortung gestellt. Die Testdauer beträgt 3 bis 4 Stunden. Die Testergebnisse werden an die Vermittler*innen übergeben, den Teilnehmenden als Nachweis zur Verfügung gestellt. Das MySkills-Zertifikat besteht aus drei Seiten: Auf den ersten steht das Ergebnis für alle getesteten Handlungsfelder, in welchen die Teilnehmenden von 0 bis maximal 4 Punkte erreichen können. Die dritte Seite beinhaltet eine stärkenorientierte Auswertung, die speziell für die Beratung gestaltet wird (Bertelsmann Stiftung 2024). Die Ergebnisse geben insgesamt Aufschluss darüber, inwiefern die teilnehmende Person über bestimmte, aus den Ausbildungsordnungen der jeweiligen Berufe abgeleitete Kompetenzen innerhalb verschiedener Kompetenzfelder verfügt. Aus den Resultaten sowohl direkte Arbeitsmarktpassungen als auch weitere Förderoder Qualifizierungsbedarfe abgeleitet werden. MySkills wurde ab dem 19.
IAB-Forschungsbericht 26|2024 20 Dezember 2016 an zehn Standorten – jeweils in Agenturen für Arbeit und zugehörigen Jobcentern (gemeinsame Einrichtungen) – pilotiert und ab November 2017 bundesweit im Regelbetrieb verwendet. In den Jahren 2017 bis 2022 wurden insgesamt 12980 Testungen durchgeführt. Der Betrieb des Testverfahrens im BPS wurde zum 1. Dezember 2022 eingestellt und wird nunmehr von ausgewählten Bildungsträgern durchgeführt. 2.10 Check.work Tabelle 10: Faktenübersicht über das Tool „Check.work“ Lebenslage Bedarf an Kompetenzermittlung im Erwachsenenalter (Modul 1), Berufsorientierung (Modul 2) Zielsetzung Erfassen der bisherigen Berufserfahrung sowie des Potentials; zielgerichtete Vermittlung in weitere Integrationsmaßnahmen Zielgruppe Geflüchtete (mit und ohne Berufsausbildung), Menschen mit Migrationshintergrund Methode Bildgestütztes Online-Selbsteinschätzungstool mit Fachfragen Organisationale Anbindung IHK München und Oberbayern Nutzungszahlen Februar 2017 bis September 2024: Modul 1: 3.571 Nutzer*innen Modul 2: 5.938 Nutzer*innen Anmerkung: Die Fallzahlen wurden dem IAB von Meramo Verlag GmbH übermittelt. Quelle: Bundesagentur für Arbeit © IAB ‚Check.work‘ ist ein Projekt der Industrieund Handelskammer für München und Oberbayern im Auftrag des Bayerischen Industrieund Handelskammertages und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert. Dabei handelt es sich um ein Online-Tool, welches es erlaubt die Kompetenzen von Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund zu ermitteln (Bayerischer Industrieund Handelskammertag 2024). Lizenzen zur Nutzung des Tests können bei der IHK erworben werden. Der Test selbst besteht aus zwei eigenständigen Modulen. Das Modul 1 „Praxis“ erfasst das bisherige Berufswissen und wird in sechs Sprachen angeboten: Deutsch, Englisch, Französisch, Hocharabisch, Farsi und Ukrainisch. Die Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass die Person bereits berufliche Erfahrung im Heimatland gesammelt hat und eine der Testsprachen beherrscht. Zunächst sollen die Teilnehmenden mittels des Anklickens von Bildern angeben, in welchen Arbeitsbereichen sie bisher in ihrem Heimatland gearbeitet haben. Die dargestellten Aufgaben auf den Bildern gehen dabei vom Allgemeinen in die konkrete Tätigkeit über (zum Beispiel vom Arbeitsbereich „Bau, Ausbau“ bis hin zu den konkreten Tätigkeiten „verputzen“ oder „Dachdecken“). Im Anschluss werden Fachfragen aus der beruflichen Grundbildung gestellt um zu überprüfen, ob die getestete Person auch tatsächlich Wissen im jeweiligen Beruf vorweisen kann. Diese Fragen wurden in Zusammenarbeit mit Expert*innen des Berufsbildungssystems entwickelt und auf sprachliche und interkulturelle Verständlichkeit optimiert. Der Test hat eine Dauer von 60 Minuten. Als Ergebnis erhalten die Teilnehmenden ein Tätigkeitsprofil, welches durch die IHK zertifiziert ist. So können Jobcenter
IAB-Forschungsbericht 26|2024 21 Qualifikationen schneller erkennen und die Personen zielgerichtet in weitere Integrationsmaßnahmen vermitteln. Das Modul 2 „Potential“ soll hingegen das berufsrelevante Potential von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund, welche sich noch beruflich orientieren möchten, erfassen. Voraussetzung für die Teilnahme am Test sind Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1. Bei diesem Test handelt es sich um eine Erweiterung von Kompetenzcheck212. Dabei wurden die Items auf sprachliche und interkulturelle Verständlichkeit hin optimiert und mittels Normierung an die Zielgruppe angepasst. Erfasst werden 20 berufsbezogene Einzelkompetenzen wie logisches Denken oder soziale Fähigkeiten sowie entsprechende Persönlichkeitsmerkmale wie Lernbereitschaft oder Selbstvertrauen. Der Test hat eine Dauer von 90 Minuten und wird eigenständig online absolviert. Am Ende des Tests erhalten die Teilnehmenden ein individuelles Stärkenprofil, welches als Basis für weitere Beratungsund Vermittlungsgespräche dienen kann. Von Februar 2017 bis einschließlich September 2024 verzeichnet das Tool in Modul 1 3.571 und in Modul 2 5.938 Nutzungen. 2.11 Valikom Tabelle 11: Faktenübersicht über das Tool „Valikom“ Lebenslage Bedarf an Validierung des Berufswissens im Erwachsenenalter Zielsetzung Validierung und Zertifizierung von informell erworben beruflichen Kompetenzen Zielgruppe Personen über 25 Jahre mit einschlägiger Berufserfahrung und guten Deutschkenntnissen Methode Fremdbewertung über Arbeitsproben, Fallstudien, Präsentationen, Rollenspiele, Fachgespräche, Probearbeiten im Betrieb Organisationale Anbindung Westdeutscher Handwerkskammertag Nutzungszahlen 2018 bis 2024: 3.393 durchgeführte Verfahren Anmerkung: Die Fallzahlen wurden dem IAB vom Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln übermittelt. Quelle: Bundesagentur für Arbeit © IAB Bei ‚Valikom‘ handelt es sich um ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Kammerverbundprojekt unter Leitung des Westdeutschen Handwerkskammertages. Das von den Industrieund Handelskammern sowie den Handwerkskammern entwickelte Validierungsverfahren soll informell erworbene berufliche Kompetenzen in Bezug auf einen anerkannten Berufsabschluss bewerten und zertifizieren (Westdeutscher Handwerkskammertag 2023a). Insgesamt 46 Berufe aus Industrie, Handel, Handwerk und Landwirtschaft können getestet werden. Die Zielgruppen sind Personen ohne oder mit einem im Inoder Ausland erworbenen Berufsabschluss, welche über 25 Jahre alt sind und einschlägige Berufskenntnisse vorweisen können. Die Berufserfahrung sollte für die Zulassung zur Validierung das 1,5 fache der Regelausbildungszeit betragen, um eine volle Gleichwertigkeit zu erreichen (Westdeutscher 2 Der IHK-Kompetenzcheck21 ist ein kostenloser Online-Test, welcher von der IHK Nürnberg für Mittelfranken angeboten wird und Potentiale von Schüler*innen in der Berufsorientierungsphase sichtbar machen soll.
IAB-Forschungsbericht 26|2024 22 Handwerkskammertag 2023a). Das Verfahren wird ausschließlich in deutscher Sprache durchgeführt. Die Kosten übernimmt bis Oktober 2024 der Projektträger, danach die Teilnehmenden selbst. Das Verfahren besteht aus vier Prozessschritten (Westdeutscher Handwerkskammertag 2023c): Information und Beratung, Dokumentation, Bewertung und Zertifizierung. Informationen über das Verfahren können sich Interessierte über die Webseite oder die zuständigen Kammern einholen. Im Anschluss wird in einem persönlichen Gespräch geklärt, welcher Referenzberuf angestrebt wird, ob die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt sind und welche Unterlagen für die Eröffnung des Verfahrens benötigt werden. Anschließend dokumentieren die Teilnehmenden in einem Lebenslauf, welche berufsrelevanten Kompetenzen sie bisher erworben haben und schätzen diese in einem Selbsteinschätzungsbogen in Bezug auf den Referenzberuf ein. Auf dieser Grundlange wird entschieden, ob alle Tätigkeitsbereiche eines Berufs oder nur Teile davon über eine Fremdeinschätzung validiert werden sollen - diese führen in der Regel Berufsexpert*innen der Kammern durch. Die Fremdbewertung besteht zunächst aus einem Beratungsgespräch, in welchem die Selbsteinschätzungsbogen reflektiert sowie die Inhalte, die Instrumente und der Ablauf der Testung besprochen werden. Daraufhin findet die eigentliche Fremdbewertung statt: Die Teilnehmenden sollen unter Beobachtung von zwei Personen (mindestens einer Berufsexpertin oder eines Berufsexperten) für den Referenzberuf typische und praxisorientierte Aufgaben erfüllen. Die Instrumente der Bewertung können unterschiedlich und miteinander kombinierbar sein: Arbeitsproben, Fallstudien, Präsentationen, Rollenspiele, Fachgespräche oder auch Probearbeiten im Betrieb. Im Anschluss wird beurteilt, ob und inwiefern die getestete Person über das notwendige Wissen für das fachgerechte Handeln in einem Tätigkeitsbereich vorweisen kann. Die Dauer des Verfahrens kann wenige Wochen bis einige Monate dauern. Nach dem Absolvieren des Tests erstellt die Kammer ein Validierungszertifikat, welches die volle oder teilweise Gleichwertigkeit der beruflichen Kompetenzen mit dem gewählten Berufsabschluss bescheinigt. Bei nicht ausreichend vorhandenen Kompetenzen kann auch eine Ablehnung des Antrags auf Validierung erfolgen. Bisherige Daten zeigen allerdings, dass 98% der Getesteten das Verfahren erfolgreich bestehen (Müller-Werth et al. 2024). Zum Stichtag am 01.08.2024 wurden insgesamt 3.393 Validierungsverfahren durchgeführt.
IAB-Forschungsbericht 26|2024 23 2.12 Maßnahmen bei einem Arbeitgeber, MAG und bei einem Träger, MAT Tabelle 12: Faktenübersicht über „MATs und MAGs“ Lebenslage Bedarf an beruflicher Eingliederung in der Berufsorientierungsphase und im Erwachsenenalter Zielsetzung • Heranführung an den Ausbildungsund Arbeitsmarkt sowie Verringerung, Feststellung, oder Beseitigung von Vermittlungshemmnissen • Vermittlung in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung • Heranführung an eine selbständige Tätigkeit • Stabilisierung einer Beschäftigungsaufnahme Zielgruppe Ausbildungssuchende, von Arbeitslosigkeit bedrohte Arbeitsuchende und Arbeitslose Methode Arbeitserprobung, Lehrgang, Training, Coaching Organisationale Anbindung Bundesagentur für Arbeit Nutzungszahlen Eintritte im Jahr 2023 insgesamt: 922 818 davon MAG: 233 178 davon MAT: 689 640 Quelle: Bundesagentur für Arbeit © IAB Bei ‚Maßnahmen bei einem Arbeitgeber‘ (MAG) und ‚Maßnahmen bei einem Träger‘ (MAT) handelt es sich um arbeitsmarktpolitische Instrumente zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung. Rechtliche Grundlagen sind § 45 Drittes Buch Sozialgesetzbuch (SGB III) gegebenenfalls in Verbindung mit § 16 Absatz 1 Zweites Buch Sozialgesetzbuch (SGB II). Die Maßnahmen richten sich an Ausbildungssuchende, von Arbeitslosigkeit bedrohte Arbeitssuchende und Arbeitslose. Sie verfolgen das Ziel, Personen an den Ausbildungsund Arbeitsmarkt heranzuführen und idealerweise in eine sozialversicherungspflichte Beschäftigung zu vermitteln oder an eine selbstständige Tätigkeit heranzuführen, Vermittlungshemmnisse festzustellen und zu verringern sowie eine Beschäftigungsaufnahme zu stabilisieren (Bundesagentur für Arbeit 2023e, Bundesagentur für Arbeit 2024d). Darüber hinaus werden sie von den Vermittlungsund Beratungsfachkräften als Möglichkeit der Kompetenzerfassung verstanden, da Arbeitgebende und Träger nach Abschluss Aussagen zu beruflichen und sozialen Kompetenzen treffen und an die Arbeitsverwaltung rückmelden. Stellt eine Vermittlungsfachkraft im Beratungsgespräch einen Bedarf an der Feststellung der Eignung einer Person für eine bestimmte Tätigkeit oder Arbeitsstelle fest bzw. formuliert der Arbeitssuchende von sich aus ein entsprechendes Interesse, so werden zunächst die Vossaussetzungen geprüft und über die eine passende Maßnahme entschieden. Im Falle einer MAG wird dem Arbeitssuchenden entweder ein Arbeitgebender zugewiesen oder dieser bekommt einen Aktivierungsund Vermittlungsgutschein (AVGS) ausgehändigt und kann den Betrieb, in welchem die Arbeitserprobung durchgeführt werden soll, selbst wählen. Die Dauer einer MAG beträgt in der Regel wenige Tage bis maximal 6 Wochen. Kann kein geeigneter Betrieb für eine praktische Arbeitserprobung gefunden werden oder sollen neue Kompetenzen erworben werden, so kann eine Maßnahme über s.g. Träger erfolgen. Hierbei handelt es sich um zugelassene Unternehmen und Einrichtungen (Bildungsträger), welche bestehende Kompetenzen prüfen oder im Rahmen von Trainings, Lehrgängen oder Einzelcoachings neue Fähigkeiten vermitteln. Die Vermittlung
IAB-Forschungsbericht 26|2024 24 erfolgt entweder über eine direkte Zuweisung der Vermittlungsfachkraft oder über einen AVGS. Wie lange eine MAT dauert, hängt von den Zielen ab, welche damit erreicht werden sollen. Nach Abschluss einer MAG oder einer MAT erstellt der Betrieb bzw. der Träger eine schriftliche Rückmeldung, welche die Eignung des Arbeitssuchenden zu einer Tätigkeit bzw. Arbeitsstelle dokumentiert und übergibt diese an die Arbeitsverwaltung bzw. die Vermittlungsfachkraft. Im Jahr 2023 konnten insgesamt 922 818 Eintritte in beide Maßnahmen verzeichnet werden, davon 233 178 in eine MAG und 689 640 in eine MAT. 3 Analyse und Diskussion der Nutzung von Kompetenzfeststellungsverfahren in der Bundesagentur für Arbeit Im Rahmen der Vermittlungsund Beratungsarbeit in der BA konnten unterschiedliche Testverfahren zur Kompetenzermittlung identifiziert werden, welche in drei lebensweltlichen Kontexten der Arbeitssuchenden zum Einsatz kommen: in der Berufsorientierungsphase, bei Fragen der beruflichen Neuorientierung und bei einem Bedarf an Validierung des Fachwissens im Erwachsenenalter. Im Folgenden soll die Nutzung dieser Verfahren in der Vermittlungspraxis dargelegt und diskutiert werden. Datenbasis sind sowohl Dokumentenanalysen, bestehend aus Textdaten wie Testanleitungenund Verfahrensbeschreibungen sowie fachlichen Weisungen für Vermittlungsund Beratungsfachkräfte, als auch 53 qualitativen leitfadengestützten Interviews mit Expert*innen in der Entwicklung, Implementation und Anwendung des Testverfahrens. Hierzu zählen 23 am Entwicklungsund Einführungsprozess der Tests beteiligte Akteure, 25 Teamleitungen sowie Vermittlungsund Integrationsfachkräfte welche die Verfahren anwenden und 5 Expert*innen zu Kompetenzfeststellungsverfahren im Allgemeinen.
IAB-Forschungsbericht 26|2024 31 können je nach Test Durchführungen in fünfbis sechsstelliger Höhe (Studiencheck 13.200 und Check-U 741.000) verzeichnet werden. Im Rahmen der beruflichen (Neu-)Orientierung kommen zwar nur New Plan und berufseignungsdiagnostische Tests beim BPS zum Einsatz, diese weisen mit 180.000 und 389.000 Ausführungen (im Jahr 2023) hohe Nutzungen auf. Schließlich können in der Vermittlungsarbeit vier Verfahren ausgemacht werden, um das berufliche Wissen zu validieren. MySkills mit 12.980 Einschaltungen im Zeitraum von fünf Jahren, check.work mit 3.571 Absolvent*innen im Zeitraum von sieben Jahren (Zahlen beziehen sich auch auf Testungen außerhalb der BA) und Valikom mit 3.393 Durchführungen in fünf Jahren (davon nur vier innerhalb der BA) zeigen im Vergleich zu den anderen Verfahren eine deutlich geringere Nutzung in der Vermittlungsund Beratungsarbeit auf. Mit 922.818 Teilnehmer*innen im Jahr 2023 scheinen Maßnahmen bei Arbeitgebern und Maßnahmen bei Trägern bei Fragen der Validierung des beruflichen Wissens das Instrument der Wahl zu sein. Da MAGs und MATs verschiedene und gemischte Ziele haben können (Arbeitserprobung, Vermittlung, praktische Weiterbildung), ist eine quantitative Gewichtung des Beitrags dieser Verfahren zur Kompetenzerfassung jenseits des angegebenen Maximalwerts nicht möglich. 4 Schlussfolgerungen und Ausblick Wie die Analyse zeigt, werden in der BA Verfahren zur Kompetenzerfassung systematisch nur im Bereich der Berufsorientierung und beruflichen Neuorientierung genutzt. Diese Verfahren sind subjektorientiert und haben im Sinne des Empowerments das Ziel, dass sich die Getesteten ihrer eigenen Stärken und Fähigkeiten bewusstwerden und auf dieser Grundlange den weiteren beruflichen Werdegang gestalten. Das Resultat einer Testung ist kein objektviertes Arbeitsergebnis oder Zertifikat, sondern eine Orientierungshilfe für weiterführende Entscheidungsprozesse. Subjektorientierte Kompetenztests bzw. Potentialanalysen bieten sich bei Fragen der Berufsorientierung bzw. beruflichen Neuorientierung deshalb an, da es hier vordergründig um eine berufliche Perspektivenentwicklung geht und noch keine fachlichen Kompetenzen vorgewiesen werden können. Bei anforderungsorientierten Verfahren wie MySkills und Valikom hingegen erfolgt über eine Fremdbeurteilung ein Abgleich des fachlichen Wissens mit den Anforderungen an einen Beruf. Das Ergebnis der Feststellung konkreter (informell erworbener) Fachkompetenzen beinhaltet ein objektivierte Ergebnisdokumentation bzw. gar eine formale Anerkennung oder Zertifizierung. Diese Tests weisen in der Vermittlungspraxis geringe Nutzungszahlen auf und stehen oft vor zielgruppenspezifischen und organisationalen Hürden. Bei Fragen der Validierung von Kompetenzen werden in der Vermittlungspraxis häufiger bewährte Testinstrumente wie Maßnahmen bei einem Arbeitgeber oder bei einem Träger eingesetzt. Da diese praktische Arbeitserprobungen bei Arbeitgebenden oder Bildungsträgern enthalten, liefern sie zuverlässigere Aussagen über die Kompetenzen einer Person als standardisierte Kompetenzfeststellungsverfahren. Hier ist im Hinblick auf den Nutzen und die Anschlussfähigkeit festzuhalten, dass Vermittlungsund Beratungsfachkräfte diese beiden Maßnahmen nicht vordergründig einsetzen um ein direktes Beschäftigungsangebot zu erzielen, sondern um zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine weiterführende Qualifizierungsmaßnahme erfüllt sind.
IAB-Forschungsbericht 26|2024 32 Diese Erkenntnis deckt sich mit einigen Aussagen langjähriger Vermittlungsfachkräfte, welche in unserer Befragung argumentierten, dass das Validieren von informell erworbenen Kompetenzen in der Vermittlungsarbeit noch kein praxisrelevantes Thema ist. Die Zielgruppe anforderungsorientierter Testverfahren ist ohnehin schwer zu identifizieren, da der Arbeitsmarkt derzeit (2023-24) noch sehr aufnahmefähig ist und auch arbeitssuchende Personen ohne Zertifikat schnell in ein neues Beschäftigungsverhältnis übergehen. Dies könnte mindestens teilweise die geringen Nutzungszahlen von MySkills und Valikom erklären. Nichtsdestotrotz existiert für die BA aufgrund der gesetzlichen Verankerung des Berufsbildungsvalidierungsund -digitalisierungsgesetzes, BVaDiG im Berufsbildungsgesetz ein gewisser Druck, sich weiterhin mit verschiedenen Testverfahren und Praktiken auseinandersetzen und geeignete Strategien auf den Weg bringen müssen. Demnach hat ab dem 01.01.2025 jede Person ab 25 Jahren ein Recht darauf, jenseits formaler Abschlüsse und Zertifikate die individuelle beruflichen Handlungsfähigkeit am Maßstab eines anerkannten Ausbildungsberufs feststellen und bescheinigen zu lassen (IHK Niederbayern 2024). Gleichwohl muss aus unserer Sicht offenbleiben, ob nicht Gespräche mit dem berufspsychologischen Dienst oder Maßnahmen bei Arbeitgebern oder Trägern dem Ziel einer verbesserten Einschätzung beruflicher Kompetenzen näherkommen als standardisierte Testverfahren. Jenseits konkreter Finanzierungsfragen wird das Ziel sein, dass Arbeitsvermittler für das Thema sensibilisiert werden und verschiedene Validierungsverfahren samt den zugehörigen Instrumenten kennen und anzuwenden wissen. Weitgehend unerforscht ist bisher im Übrigen die Leistungsfähigkeit standardisierter Testverfahren im Hinblick auf zentrale Ergebnisse des Bewerber-StellenMatchings, wie die Dauer der Arbeitslosigkeit, die Lohnhöhe und die Jobstabilität, im Vergleich zwischen Testteilnehmenden und ähnlichen Nicht-Teilnehmenden, so dass auch für die künftige arbeitsmarktbezogene Forschung noch einiges zu tun bleibt.
IAB-Forschungsbericht 26|2024 33 Literatur Bauer, Hans G.; Früchtl, Martina; Triebel, Claas (2009): Kompetenzfeststellungsverfahren als Instrument der beruflichen Integration für Zugewanderte. Expertise im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Abruf am 02.09.2024 Bayerischer Industrieund Handelskammertag BIHK e.V. (2024): Was ist check.work. Abruf am 06.09.2014. Bertelsmann Stiftung (2024): MySkills. Berufliche Kompetenzen erkennen. Abruf am 05.11.2024. Bundesagentur für Arbeit (2024a): Check-U. Das Erkundungstool für Ausbildung und Studium. Abruf am 01.09.2024. Bundesagentur für Arbeit (2024b): Wie fit bin ich für mein Studium? Abruf am 24.08.2024. Bundesagentur für Arbeit (2024c): New Plan – Online-Tool zur beruflichen Entwicklung. Abruf am 03.08.2024. Bundesagentur für Arbeit (2024d): Fachliche Weisungen MAT. Maßnahmen bei einem Träger MAT nach § 45 SGB III im Rahmen der Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung. Stand 30.01.2024. Abruf am 06.11.2024 Bundesagentur für Arbeit (2023a): Abenteuer Berufe: Das Tool im Überblick. Abruf am 18.08.2024. Bundesagentur für Arbeit (2023b): Check-U. Das Programm im Überblick. Abruf am 24.08.2024. Bundesagentur für Arbeit. Berufspsychologischer Service (2023c): Berufswahltest (BWT). Welche Berufe passen zu mir? Abruf am 02.09.2024. Bundesagentur für Arbeit. Berufspsychologischer Service (2023d): Studienfeldbezogene Beratungstests (SFBT). Probieren geht vor Studieren. Abruf am 20.08.2024. Bundesagentur für Arbeit (2023e): Fachliche Weisungen MAG. Maßnahmen bei einem Arbeitgeber MAG nach § 45 SGB III im Rahmen der Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung. Stand 28.07.2023. Abruf am 0611.2024. Bundesagentur für Arbeit (2022): Unterrichtsidee: Gesucht-gefunden: ICH! Stärken kennenlernen. Abruf am 10.09.2024. IHK Niederbayern (2024): Bildung und Qualifikation. Berufsbildungsvalidierungsund -digitalisierungsgesetz (BVaDiG). Abruf am 16.09.2024. Klemmert, Hella; Sander, Nicolas; Sengewald, Erik; Klink, Dorothea (2023): Intelligenz als stabiler Prädikator von Ausbildungserfolg und als Strukturierungsmerkmal beruflicher Anforderungen. In: Wirtschaftspsychologie, 25 (2), S. 162–176. Klinck, Dorothea; Seidl, Silvia (2021): Berufseignungsdiagnostik bei diskontinuierlicher Erwerbsbiografie. Herr G., 31 Jahre. In: Ortner, Tuulia M.; Kubinger, Klaus D. (Hrsg.): Psychologische Diagnostik in Fallbeispielen. Göttingen: Hogrefe, S. 133–158. Müller-Werth, Laura; Wirtherle, Sarah (2024): Die Teilnehmenden am Validierungsverfahren. Ausgewählte Forschungsergebnisse zur Beschreibung der Teilnehmenden im Projekt ValiKom Transfer. In: Arbeitshefte zur berufsund wirtschaftspädagogischen Forschung. Heft A69. Abruf am 18.09.2024.
IAB-Forschungsbericht 26|2024 34 Promberger, Markus; Boost, Marie; Hartosch, Katja; Kawalec, Sandra (2023): Kompetenzfeststellungsverfahren in der Arbeitsvermittlung: Eine qualitative Evaluation des Kompetenztests 'MySkills'. (IAB-Forschungsbericht 17/2023). Westdeutscher Handwerkskammertag (2023a): Valikom. Berufsrelevante Kompetenten bewerten und zertifizieren. Ziel. Abruf am 08.08.2024. Westdeutscher Handwerkskammertag (2023b): Valikom. Berufsrelevante Kompetenten bewerten und zertifizieren. Zielgruppe. Abruf am 08.08.2024. Westdeutscher Handwerkskammertag (2023c): Valikom. Berufsrelevante Kompetenten bewerten und zertifizieren. Ablauf. Abruf am 08.08.2024. Westdeutscher Handwerkskammertag (2023d): Valikom. Berufsrelevante Kompetenten bewerten und zertifizieren. Wissenschaftliche Begleitung. Abruf am 08.08.2024. Wirtherle, Sarah (2023): Die passende Nische (er)kennen. Ergebnisbericht der wissenschaftlichen Begleitung des Pilotprojekts: Erprobung und Evaluation einer gezielt(er)en Zusammenarbeit zwischen Arbeitsagenturen und ValiKom-Projektkammern. Abruf am 19.09.2024.
IAB-Forschungsbericht 26|2024 35 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Verfahren zur Kompetenzerfassung in der Vermittlungsund Beratungsarbeit der BA ................................................................................................................................... 11 Abbildung 2: Verfahren zur Kompetenzerfassung in der BA: Methoden und Fallzahlen .................. 25 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Faktenübersicht über das Tool „Abenteuer Berufe“ .................................................... 12 Tabelle 2: Faktenübersicht über das Tool „Gesucht-gefunden: ICH!“ .......................................... 13 Tabelle 3: Faktenübersicht über das Tool „Check-U!“ .................................................................. 13 Tabelle 4: Faktenübersicht über das Tool „Berufswahltest“ ........................................................ 14 Tabelle 5: Faktenübersicht über das Tool „Studiencheck“ .......................................................... 15 Tabelle 6: Faktenübersicht über das Tool „Studienfeldbezogener Beratungstest“ .................... 16 Tabelle 7: Faktenübersicht über das Tool „New Plan“ ................................................................. 16 Tabelle 8: Faktenübersicht über Tests beim BPS .......................................................................... 17 Tabelle 9: Faktenübersicht über das Tool „MySkills“.................................................................... 19 Tabelle 10: Faktenübersicht über das Tool „Check.work“.............................................................. 20 Tabelle 11: Faktenübersicht über das Tool „Valikom“ .................................................................... 21 Tabelle 12: Faktenübersicht über „MATs und MAGs“ ...................................................................... 23
Impressum IAB-Forschungsbericht 26|2024 Veröffentlichungsdatum 30. Dezember 2024 Herausgeber Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit Regensburger Straße 104 90478 Nürnberg Nutzungsrechte Diese Publikation ist unter folgender Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht: Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de Bezugsmöglichkeit dieses Dokuments https://doku.iab.de/forschungsbericht/2024/fb2624.pdf Bezugsmöglichkeit aller Veröffentlichungen der Reihe „IAB-Forschungsbericht“ https://iab.de/publikationen/iab-publikationsreihen/iab-forschungsbericht/ Website https://iab.de ISSN 2195-2655 DOI 10.48720/IAB.FB.2426 Rückfragen zum Inhalt Prof. Dr. Markus Promberger Telefon: 0911 179-3139 E-Mail: [email protected] Dr. Sandra Kawalec Telefon: 0911 179-6445 E-Mail: sandra.kawalec[email protected]