IMK Inflationsmonitor: Inflation im Juni 2024 mit 2,2 % wieder praktisch am Inflationsziel, VPI-Kernrate seit drei Monaten unter 3 %
Abstract
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Full text
Dullien, Sebastian; Tober, Silke Research Report IMK Inflationsmonitor: Inflation im Juni 2024 mit 2,2 % wieder praktisch am Inflationsziel, VPI-Kernrate seit drei Monaten unter 3 % IMK Policy Brief, No. 172 Provided in Cooperation with: Macroeconomic Policy Institute (IMK) at the Hans Boeckler Foundation Suggested Citation: Dullien, Sebastian; Tober, Silke (2024) : IMK Inflationsmonitor: Inflation im Juni 2024 mit 2,2 % wieder praktisch am Inflationsziel, VPI-Kernrate seit drei Monaten unter 3 %, IMK Policy Brief, No. 172, Hans-Böckler-Stiftung, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Düsseldorf This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/301197 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
POLICY BRIEF IMK INFLATIONSMONITOR Inflation im Juni 2024 mit 2,2 % wieder praktisch am Inflationsziel, VPI-Kernrate seit drei Monaten unter 3 % Sebastian Dullien, Silke Tober IMK Policy Brief Nr. 172 · Juli 2024
Seite 1 von 12 IMK INFLATIONSMONITOR Inflation im Juni 2024 mit 2,2 % wieder praktisch am Inflationsziel, VPI-Kernrate seit drei Monaten unter 3 % Sebastian Dullien und Silke Tober1 Zusammenfassung Nach 2,4 % im Mai 2024 lag die deutsche Inflationsrate im Juni 2024 – wie bereits im März und April – mit 2,2 % sehr nah am Inflationsziel von 2 %. Ausschlaggebend war der stärkere Rückgang der Energiepreise (-2,1 % nach -1,1 % im Mai 2024). Die Kernrate ohne Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak verharrte bei 2,9 %, während die Preise von Nahrungsmitteln im weiten Sinne etwas stärker anzogen als zuvor (2,0 % nach 1,9 %). Der Anstieg des für die EZB wichtigen harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) verringerte sich sogar um 0,3 Prozentpunkte und lag damit bei 2,5 %. Die HVPI-Kernrate fiel um 0,2 Prozentpunkte auf 3,3 %. Der Rückgang der Energiepreise war mit -2,9 % noch stärker als im Verbraucherpreisindex (VPI). Die Nahrungsmittelpreise im weiten Sinne zogen um 2,3 % an, nach 2,1 % im Mai 2024. Die Inflationsraten für unterschiedliche Haushaltstypen in verschiedenen Einkommensklassen bewegten sich im Juni 2024 innerhalb einer Spanne von 1,6 % und 2,3 %. Dabei lag die Inflationsrate für Alleinlebende mit hohem Einkommen am oberen Ende, da bei diesen Haushalten die noch überdurchschnittlich anziehenden Preise für Versicherungsdienstleistungen, Dienstleistungen sozialer Einrichtungen, Restaurantbesuche und Übernachtungen sowie Dienstleistungen im Bereich Gesundheit und Wohnungsinstandhaltung besonders stark ins Gewicht fallen. Die beiden einkommensschwachen Haushalte (Alleinlebende und Familien) verzeichnen seit mittlerweile fünf Monaten eine Inflationsrate von unter 2 %. Im Juni 2024 hatten nur noch drei der im IMK Inflationsmonitor aufgeführten Haushaltsgruppen eine etwas über 2 % liegende Teuerungsrate. Über den Zeitraum 2020 bis 2024 hinweg sind die Inflationsunterschiede zwischen den verschiedenen Haushalten deutlich geringer als in einzelnen Monaten oder Jahren. Die höchste Inflationsbelastung hatten Familien mit Kindern zu verzeichnen. 1 Prof. Dr. Sebastian Dullien, Wissenschaftlicher Direktor, Sebastian-Dullie[email protected]e Dr. Silke Tober, Referatsleitung Geldpolitik, [email protected]
Seite 2 von 12 Dienstleistungspreisanstieg vorübergehend verstärkt Die deutsche Inflationsrate ist im Juni 2024 auf 2,2 % gefallen, nach 2,4 % im Mai 2024 (Abbildung 1). Dabei legten die Dienstleistungspreise wie im Vormonat mit 3,9 % unverändert deutlich zu, während die Preise von Nahrungsmitteln einschließlich Alkohol und Tabak mit 2,0 % etwas stärker anstiegen und die Energiepreise mit -2,1 % deutlich stärker dämpften (Mai 2024: -1,1 %). Die Kernrate bleib bei 2,9 %2, weil sich der Preisanstieg bei Waren ohne Energie und weitgefassten Nahrungsmittel abschwächte, was den beschleunigten Anstieg der Dienstleistungspreise weitgehend kompensierte. Der starke Anstieg der Dienstleistungspreise ist dabei weiterhin auf Sonderund Basiseffekte zurückzuführen sowie auf die erhöhten Lohnsteigerungen, da Löhne einen relativ hohen Anteil der Dienstleistungskosten ausmachen. In den kommenden Monaten dürfte sich der Preisanstieg bei Dienstleistungen verlangsamen, da die niedrigeren Energiepreise mit Verzögerung auch hier dämpfend wirken und sich der Lohnanstieg abschwächen dürfte (Dullien et al. 2024). Abbildung 1: Inflation und Kerninflation in Deutschland Januar 2015 – Juni 2024 Veränderungen der Indizes gegenüber Vorjahresmonat, in % Quellen: Statistisches Bundesamt, Berechnungen des IMK. Der entscheidende Basiseffekt geht auf die Einführung des 49-Euro-Tickets im Mai 2023 zurück. Noch im April 2024 dämpfte der damalige Preisrückgang im öffentlichen Nahund Regionalverkehr die Inflationsrate merklich. Im Mai 2024 ist dieser dämpfende Effekt entfallen, sodass jetzt nur noch die regulären Preisanstiege seit Juni 2023 zu Buche schlagen. So stiegen die Preise im öffentlichen Nahverkehr und im Schienenverkehr mit 3,5 % bzw. 7,1 % gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich, nachdem sie noch im April 2024 um 24 % bzw. 0,2 % gefallen waren. Insgesamt verteuerten sich die Preise für die Personenbeförderung 2 Die von Destatis veröffentlichte Kernrate verringerte sich im Juni 2024 auf 2,9 % (Mai 2024: 3,0 %), da sie neben Energie nur Nahrungsmittel im engeren Sinne unberücksichtigt lässt, während hier in Einklang mit Eurostat Nahrungsmittel im weiten Sinne und damit einschließlich von Getränken und Tabakwaren herausgerechnet werden. 2,2 2,9 2,5 3,3 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 Verbraucherpreisindex (VPI) VPI ohne Energie, Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI) HVPI ohne Energie, Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Inflationsziel der EZB
Seite 3 von 12 wie im Mai 2024 um 1,2 %. Die Pauschalreisen verteuerten sich mit 4,5 % abermals kräftig, allerdings weniger stark als im Mai 2024 (5,6 %), obwohl sie gegenüber dem Vormonat um 5,0 % zulegten. Bei den Flugund Pauschalreisen wirkt sich auch die im Mai 2024 erhöhte Luftverkehrsteuer aus. Staatliche Einflüsse spielen auch bei weiteren überdurchschnittlich steigenden Dienstleistungspreisen eine Rolle, beispielsweise bei Verwaltungsgebühren (8,4 %), Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (8,1 %), Bildungsdienstleistungen des Elementarund Primärbereichs (6,2 %) und stationären Gesundheitsleistungen (6,1 %). Die Rückkehr zum vollen Mehrwertsteuersatz auf Speisen in Gaststätten im Januar 2024 trägt weiter zu dem nur leicht abgeschwächten Anstieg der Gaststättenpreise bei (6,8 % nach 6,9 % im Mai 2024). Auch die Übernachtungspreise zogen mit 5,1 % deutlich an (Mai 2024: 4,4 %), wobei die Preise gegenüber dem Vormonat um 2,4 % zulegten, nach ebenfalls hohen Vormonatsraten im März und April 2024. Eine wesentliche Rolle dürfte zuletzt die EM 2024 gespielt haben, in den Monaten zuvor die Vielzahl an Feiertagen. Auffällig hohe Preissteigerungen waren darüber hinaus weiterhin bei Versicherungsdienstleistungen zu verzeichnen (12,3 %), darunter insbesondere den Versicherungsdienstleistungen für private Verkehrsmittel (26,3 %). Die Wartung und Reparatur von Fahrzeugen verteuerte sich mit 6,2 % noch kräftig, aber weniger stark als zu Jahresbeginn (7,1 %) und auf dem Höhepunkt im April 2023 (8,8 %). Auch die Preise für Wohnungsinstandhaltungsdienstleistungen legten mit 5,9 % wie im Mai 2024 merklich zu, aber deutlich schwächer als im April 2024 (6,9 %) und insbesondere auf dem Höhepunkt im Januar 2023 (16,9 %). Auch bei zahlreichen anderen Dienstleistungen und Gütern fielen die Preisanstiege geringer aus als im Mai 2024 und als auf ihrem jeweiligen Höhepunkt, beispielsweise bei Möbeln und anderem Haushaltszubehör (0,3 %, nach 0,8 % im Mai 2024 und 9,8 % im Dezember 2022), bei Gütern und Dienstleistungen für die Körperpflege (2,7 %, nach 2,9 % im Mai 2024 und 11,2 % im Februar 2023), bei gebrauchten Pkw (-1,5 %, nach 0,1 % im Mai 2024 und 25,3 % im Mai 2022), neuen Pkw (2,7 %, nach 2,9 % im Mai 2024 und 7,5 % im März 2023) sowie häuslichen Dienstleistungen (5,0 %, nach 5,9 % im Mai 2024, 11,1 % im Juni 2023 und 13,7 % im Oktober 2022). Deutlich billiger wurden innerhalb der Kernrate weiterhin Audiosowie IT-Geräte u.Ä. (-3,5 %, nach -2,7 % im Mai 2024), Spiele, Spielzeug und Hobbywaren (-7,5 % nach -4,3 % im Mai 2024) und Verbrauchsgüter für die Haushaltsführung (-1,0 % nach -0,2 % im Mai 2024). Preise für Strom, Erdgas und Heizöl dämpfen Inflation weiterhin Nach drei Monaten im Plus (Mai 2024: 2,2 %) waren die Kraftstoffpreise im Juni 2024 um 0,6 % niedriger als ein Jahr zuvor. Auch Haushaltsenergie verbilligte sich erneut deutlich (-3,0 % nach -3,3 % im Mai 2024). Der Preisindex für Erdgas war trotz des seit April 2024 wieder angewendeten regulären Mehrwertsteuersatzes um 3,8 % niedriger als im Juni 2023, weil sich die deutlich gesunkenen Börsenpreise für Erdgas (Abbildung 2) nach und nach in den Lieferverträgen der Haushalte niederschlagen und den Effekt der höheren Steuern überkompensieren. Damit war Erdgas für die privaten Haushalte allerdings immer noch 98 % teuer als im Jahr 2018 und 93 % bzw. 90 % teurer als in den Jahren 2019 und 2020. Strom war im Juni 2024 6,3 % billiger als ein Jahr zuvor. Trotz des Preisrückgangs überstieg der Strompreis das Niveau von 2019 und 2020
Seite 4 von 12 noch um rund 30 %. Die preissenkende Wirkung durch den Wegfall der EEG-Umlage ab Juli 2022 wurde infolge der starken Erhöhung der Netzentgelte zu Jahresbeginn 2024 weitgehend zunichte gemacht. Auch Heizöl wurde abermals billiger (-3,9 %) und war wie Strom rund 30 % teurer als vor der Pandemie. Abbildung 2: Internationale Energieund Agrarrohstoffpreise Index 2018=100, Januar 2018 – Juni 2024 Quellen: EZB; FAO, Macrobond; U.S. Energy Information Administration; Berechnungen des IMK. Demgegenüber liegt die Steigerungsrate beim Fernwärmepreis, der im vergangenen Jahr für 80 % des historischen Verbrauchs auf dem relativ niedrigen Niveau von 9,5 ct/kWh gedeckelt war,3 seit Anfang 2024 im zweistelligen Bereich und zuletzt bei 27,6 %. Damit lieferte Fernwärme im Juni 2024 trotz ihres geringen Gewichts am Verbraucherpreisindex (0,3 %) einen Inflationsbeitrag von 0,1 Prozentpunkten. Im Juni 2024 war Fernwärme 74,3 % teurer als im Vorpandemiejahr 2019. Im Verlauf des Jahres ist bei Strom und Erdgas mit weiteren Preisrückgängen zu rechnen: Mit rund 11,5 ct/kWh bzw. rund 40 ct/kWh4 liegen die aktuell von den privaten Haushalten zu zahlenden Preise noch deutlich über den Preisen bei Neuabschlüssen von 8,4 ct/kWh bei Erdgas und 25,9 ct/kWh bei Strom (10. Juli 2024).5 3 Eine Übersicht über die aktuellen Preise für Fernwärme findet sich seit Kurzem hier: https://waermepreise.info/preisuebersicht/. 4 Eine präzise Bezifferung ist nicht möglich, da die Energiepreisund Verbraucherpreisstatistiken des Statistischen Bundesamts nicht übereinstimmen. 5 Vgl. https://www.verivox.de/gas/gaspreise/ und https://www.verivox.de/strom/strompreise/. 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1.000 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Erdgas (TTFI, EUR) Erdgas (Henry Hub, USD) Nahrungsmittelpreisindex (FAO, USD) Elektrizität (EEX DE/LU, EUR) Rohöl (Brent, EUR)
Seite 5 von 12 Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln verhalten, weitere Abschwächung bei Getränken Unter den Nahrungsmitteln im weiten Sinne stiegen die Preise für Tabakwaren mit 5,6 % weiterhin noch am stärksten. Demgegenüber hat sich die Teuerung bei Alkohol auf 1,6 % abgeschwächt, von 6,8 % zu Jahresbeginn und 9,2 % in der Spitze (Mai 2023). Auch der Preisanstieg bei alkoholfreien Getränken hat sich verringert, bisher aber nur auf 5,1 %, nach 7,4 % zu Jahresbeginn und 13,5 % im April 2023. Besonders verteuerten sich zuletzt Fruchtund Gemüsesäfte (11,7 % nach 12,5 % im Mai 2024) sowie Kakaopulver (11,0 % nach 10,8 % im Mai 2024 und 22,7 % im August 2023). Am deutlichsten hat sich der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln im engen Sinne abgeschwächt: von 22,3 % im März vergangenen Jahres auf 3,8 % Anfang 2024 und 1,1 % im Juni 2024, was allerdings höher war als im Mai 2024 (0,6 %). Im Juni 2024 hatten nur noch 10 der 168 Produkte in der Kategorie „Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke“ zweistellige Preissteigerungsraten, darunter Olivenöl (46,7 %), nach sehr starken Preisrückgängen zuvor Gurken (31,6 %), Orangensaft (17,6 %), Butter (16,8 %), Feldsalat, Lauch und Ähnliches (15,5 %), Kekse (13,0 %), Kartoffeln (12,5 %) und Schokolade (12,1 %). Auf dem Höhepunkt der Nahrungsmittelteuerung im März 2023 hatten 144 Produkte eine Teuerungsrate von mehr als 10 %. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Nahrungsmittel mit einem Preisanstieg von 2 % oder weniger von 5 auf 102. Preisrückgänge verzeichneten dabei 59 Nahrungsmittel, besonders stark Zwiebeln, Knoblauch und Ähnliches (-18,6 %), Möhren (-17,3 %), tiefgefrorenes Obst (-13,6 %) sowie Sonnenblumenöl und Ähnliches (-11,1 %). Insgesamt waren Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke im Juni 2024 32,9 % teurer als im Juni 2020. Wären die Nahrungsmittelpreise entsprechend dem Inflationsziel von 2 % gestiegen, hätten sie im selben Zeitraum von vier Jahren um 8,2 % zugelegt. Teuerungsrate aller Haushaltsgruppen nahe 2 % und geringer für Haushalte mit höherer Belastung 2022 und 2023 Im monatlichen IMK Inflationsmonitor wird seit Anfang 2022 anhand von haushaltsspezifischen Inflationsraten untersucht, wie sich die hohen Preisschocks seit Mitte 2021 auf unterschiedliche Haushaltsgruppen auswirken (Dullien und Tober 2024a-f; Dullien und Tober 2023a-i; Tober 2023). Die haushaltsspezifischen Inflationsraten werden wie die Inflationsrate des Statistischen Bundesamtes als Veränderung der gewichteten Verbraucherpreise zum Vorjahresmonat berechnet. Während allerdings bei den haushaltsspezifischen Inflationsraten weiterhin die Einkommensund Verbrauchsstichprobe die Grundlage für die Ausgabenanteile bildet, berechnet das Statistische Bundesamt den Verbraucherpreisindex seit 2023 (mit Rückrechnung bis 2020) auf Grundlage von Gewichten, die primär aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung abgeleitet werden (Statistisches Bundesamt 2023, Dullien und Tober 2023b). Abbildung 3 zeigt die auf der Grundlage von 30 Ausgabenpositionen berechneten haushaltsspezifischen Inflationsraten und die Beiträge von 12 zusammengefassten Ausgabenpositionen
Seite 6 von 12 zur jeweiligen Inflationsrate der neun repräsentativen Haushaltsgruppen sowie für die Verbraucherpreisinflation insgesamt.6 Abbildung 3: Haushaltsspezifische Inflationsraten und Inflationsbeiträge im Juni 2024 in % bzw. Prozentpunkten VPI: Verbraucherpreisindex, HVPI: Harmonisierter Verbraucherpreisindex. Inflationsbeiträge beim HVPI berechnet als Ribe-Beiträge nach Eurostat (2018). Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK. Die haushaltspezifischen Inflationsraten werden exemplarisch für repräsentative Haushaltstypen mittleren Einkommens berechnet sowie für jene am unteren und oberen Rand. Dabei handelt es sich jeweils um Durchschnittshaushalte, also weder Haushalte mit Ölheizung, Gasheizung, Kohleofen oder Wärmepumpe noch Haushalte, die die Mobilität primär mit dem Fahrrad, dem öffentlichen Verkehr, dem Kleinwagen oder dem SUV bestreiten oder Haushalte, die überwiegend tierische Nahrungsmittel essen, Vegetarier sind oder vegan leben. Stattdessen fließen in die Teuerungsrate der durchschnittliche Verbrauch von Öl, Gas, Kohle und Strom ein ebenso wie die durchschnittlichen Ausgaben der jeweiligen Haushaltsgruppe für verschiedene Nahrungsund Verkehrsmittel. 6 Die 30 Ausgabenpositionen sind in Tabelle 2 des Anhangs wiedergegeben. Die 12 Untergruppen weichen von den 12 Abteilungen des Verbraucherpreisindex ab, um die besonders einflussreichen Gütergruppen gezielt auszuweisen. Entsprechend wurde die Haushaltsenergie aus der Abteilung 4 (Wohnen) herausgelöst und die Kraftund Schmierstoffe aus der Abteilung 7 (Verkehr). Mit dem Ziel der Übersichtlichkeit wurden dann Abteilungen 1 und 2 in die Untergruppe Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren zusammengefasst und das Bildungswesen (Abteilung 10) mit einem Gewicht von durchschnittlich 0,9 % am Warenkorb und einer aktuell unauffälligen Preisentwicklung der Abteilung 12 (Andere Waren und Dienstleistungen) zugeschlagen. 0,5 0,3 0,6 0,6 0,6 0,6 0,6 0,8 0,7 0,7 0,6 -0,2 -0,2 -0,3 -0,2 -0,2 -0,2 -0,3 -0,4 -0,3 -0,2 -0,2 0,3 0,4 0,4 0,3 0,2 0,3 0,3 0,4 0,3 0,2 0,2 0,2 0,3 0,2 0,2 0,3 0,2 0,2 0,1 0,2 0,2 0,3 0,2 0,3 0,2 0,2 0,3 0,3 0,3 0,1 0,3 0,3 0,3 0,3 0,5 0,2 0,4 0,5 0,5 0,3 0,3 0,3 0,4 0,5 0,1 0,2 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,3 0,6 0,7 0,2 0,3 0,3 0,1 0,3 0,2 0,2 0,2 0,3 2,2 2,5 1,6 2,0 2,2 2,1 1,9 1,6 1,9 2,0 2,3 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 VPI HVPI Paare, 2 Kinder 2000-2600€ Paare, 2 Kinder 3600-5000€ Paare, 2 Kinder ≥5000€ Paare 3600-5000€ Alleinerziehende, 1 K 2000-2600€ Alleinlebende <900€ Alleinlebende 1500-2000€ Alleinlebende 2000-2600€ Alleinlebende ≥5000€ Mieten, Nebenkosten, Wohnungsinstandhaltung Haushaltsenergie Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Nachrichtenübermittlung Kraftund Schmierstoffe für Fahrzeuge Verkehr ohne Kraftund Schmierstoffe Bekleidung und Schuhe Freizeit und Kultur Gaststättenund Übernachtungsdienstleistungen Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände Gesundheitspflege Andere Dienstleistungen, Bildungswesen Inflationsrate
Seite 7 von 12 Im Juni 2024 war die Teuerungsrate von einkommensschwachen Alleinlebenden und einkommensschwachen Familien mit jeweils 1,6 % am niedrigsten; die höchste Teuerungsrate verzeichneten einkommensstarke Alleinlebende (2,3 %) und Familien mit hohem Einkommen (2,2 %). Die Inflationsraten der anderen Haushaltsgruppen lagen bei 1,9 % bis 2,1 % (Abbildung 3). Die Spanne der Teuerungsraten betrug damit 0,7 Prozentpunkte. Im Oktober 2022 hatte sie mit 3,1 Prozentpunkten ihr Maximum erreicht, wobei damals die einkommensschwachen Haushalte am oberen Rand lagen. Tabelle 1: Ausgewählte haushaltsspezifische Inflationsbeiträge im Juni 2024 Inflationsbeiträge in Prozentpunkten Paar, 2 Kinder 2.000–2.600 € Paar, 2 Kinder 3.600–5.000 € Alleinlebende < 900 € Alleinlebende ≥ 5.000 € Nahrungsmittel, Getränke, Tabak 0,4 0,3 0,4 0,2 Miete, Nebenkosten, Instandhaltung 0,6 0,6 0,8 0,6 Haushaltsenergie -0,3 -0,2 -0,4 -0,2 Kraftund Schmierstoffe 0,0 0,0 0,0 0,0 Verkehr ohne Kraftstoffe 0,2 0,2 0,1 0,3 Freizeit und Kultur 0,2 0,2 0,1 0,3 Gastgewerbe 0,2 0,4 0,3 0,5 Übrige Konsumausgaben 0,4 0,5 0,3 0,7 Inflationsrate in % 1,6 2,0 1,6 2,3 Die Inflationsbeiträge summieren sich gegebenenfalls rundungsbedingt nicht zur Inflationsrate oder zu den Summen im Text. Quellen: Statistisches Bundesamt, Berechnungen des IMK. Die sinkenden Preise für Haushaltsenergie verringern die Inflationsraten der Haushalte mit geringem Einkommen stärker als für jene mit hohem Einkommen, so wie umgekehrt auch die Belastung dieser Haushalte während der starken Verteuerung von Haushaltsenergie in den Jahren 2022 und 2023 besonders ausgeprägt war (Infobox). Der Inflationsbeitrag von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabak ist bei einkommensstarken Alleinlebenden gering, da der Anteil am Warenkorb relativ klein ist. Demgegenüber schlagen die stark steigenden Preise im Gastgewerbe bei einkommensstarken Haushalten stärker zu Buche. Der hohe Preisanstieg bei den sonstigen Dienstleistungen, zu denen auch die stark verteuerten Dienstleistungen sozialer Einrichtungen und Versicherungsdienstleistungen gehören, wirkten sich besonders stark bei den einkommensstarken Alleinlebenden aus. Die Gesundheitspreise, die mit 2,9 % zulegten, wirkten sich ebenfalls merklich stärker bei den einkommensstarken Alleinlebenden aus. Die gestiegenen Preise im Bildungswesen (4,9 %) erhöhten demgegenüber die Inflationsraten der Haushalte mit Kindern für sich genommen um rund 0,1 Prozentpunkte gegenüber den anderen Haushalten.