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DER DAF-STUDIENGANG IN ALGERIEN: HERAUSFORDERUNGEN UND NEUE BERUFSPERSPEKTIVEN/ GERMAN STUDIES (DAF) IN ALGERIA: CHALLENGES AND PROSPECTS FOR FUTURE CAREERS

SOUDANI, Mohamed

Abstract

Zusammenfassung: Der vorliegende Beitrag skizziert die aktuellen Herausforderungen, mit denen die algerischen Absolventinnen und Absolventen des DaF-Studiengangs meist im Hinblick auf die geringen Berufschancen und -Perspektiven konfrontiert sind. Die Nachfrage nach Deutschlehrerinnen und Deutschlehrern an algerischen Gymnasien geht im Land nach aktuellen Statistiken kontinuierlich zurück. Die weiterhin dominierende Rolle des Französischen im Lande und die neuen Maßnahmen zur Einführung des Englischen als erste Fremdsprache haben dazu geführt, dass der DaF-Studiengang in der algerischen Hochschullandschaft mehr oder weniger an den Rand gedrängt wird. Darüber hinaus zeigen die aktuellen Angaben, dass viele algerische Abiturientinnen und Abiturienten heute das DaF-Studium nicht rein aus Motivation, sondern aus Mangel an Studienalternativen wählen. Vor diesem Hintergrund diskutiert der vorliegende Beitrag zunächst das Spannungsverhältnis zwischen dem universitären Angebot des Deutschen und seinen Beschäftigungsmöglichkeiten und zeigt, wie sich die bestehenden Curricula nachteilig auf die Attraktivität des DaF-Studiengangs auswirken. Anhand empirischer Analyse von bestehenden Lehrplänen, insbesondere auf der Masterebene aus mehreren algerischen Hochschulstandorten, an denen der DaF-Studiengang angeboten wird, werden die gegenwärtigen Curricula rekonstruiert und einer kritischen Analyse unterzogen. Darauf aufbauend wird dann anschließend versucht, konkrete Reformvorschläge zu curricularer Erneuerung zu erörtern. Hierbei rückt vor allem eine stärkere Vernetzung des DaF-Studiengangs mit praxisnäheren Arbeitsprofilen wie Dolmetschen und Übersetzen, Sprachdienstleistungen, aber auch mit anderen Branchen wie Wirtschaft und Tourismus in den Blick. Im Mittelpunkt der Überlegungen gehen wir von der Präzisierung möglicher Arbeitsfelder, über Erweiterungen und Erneuerungen neuer Masterprofile bis hin zu außeruniversitären Kooperationen, die auch dazu beitragen können, die Employability von DaF-Absolventinnen und -Absolventen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen und dem Fach Deutsch als Fremdsprache langfristig neue Relevanz zu verleihen. Schlüsselwörter: Deutsch als Fremdsprache/Germanistik, Algerien, Curriculumreform, Berufsperspektiven, Employability Abstract: The present article outlines the current challenges facing the German as a foreign language program in Algeria, given the severely limited career opportunities available to its graduates. The declining demand for German teachers in secondary schools, the dominance of French, and new strategic measures for promoting English as first foreign language have more or less marginalized the field of German studies in the Algerian higher education landscape. In addition, many Algerian high school graduates today choose to study German as a foreign language not because of their intrinsic motivation, but rather due to the lack of study alternatives. Against this background, this article analyzes firstly the tension between university-based German programs and employment opportunities and demonstrates how the existing current curricula are negatively impacting the attractiveness of the field program of German. Based on empirical analysis of existing curricula, particularly at the master's level, the current curricula are reconstructed and subjected to critical analysis. Building on this, concrete reform proposals for curricular renewal are then discussed. This contribution focuses on strengthening the integration of the German as a foreign Language program with more practice-oriented job profiles such as interpreting, translating and language services providing, but also with other sectors such as business and tourism, where development of the sector is forecast for Algeria and offers interesting career opportunities. The focus of the considerations is on specifying possible fields of work, from expanding and renewing new master's profiles to non-university collaborations, which can also make a decisive contribution to increasing the employability of German as a Foreign Language graduates in the Algerian labor and lending new long-term relevance to German as a Foreign Language in the higher Educational landscape. Key words: German as a foreign language, Geman-Studies, Algeria, curriculum reform, career prospects, Employability.

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Studii şi cercetări filologice. Seria Limbi Străine Aplicate 113 DER DAF-STUDIENGANG IN ALGERIEN: HERAUSFORDERUNGEN UND NEUE BERUFSPERSPEKTIVEN/ GERMAN STUDIES (DAF) IN ALGERIA: CHALLENGES AND PROSPECTS FOR FUTURE CAREERS 1 DOI: 10.5281/zenodo.17929350 Zusammenfassung: Der vorliegende Beitrag skizziert die aktuellen Herausforderungen, mit denen die algerischen Absolventinnen und Absolventen des DaFStudiengangs meist im Hinblick auf die geringen Berufschancen und -Perspektiven konfrontiert sind. Die Nachfrage nach Deutschlehrerinnen und Deutschlehrern an algerischen Gymnasien geht im Land nach aktuellen Statistiken kontinuierlich zurück. Die weiterhin dominierende Rolle des Französischen im Lande und die neuen Maßnahmen zur Einführung des Englischen als erste Fremdsprache haben dazu geführt, dass der DaF-Studiengang in der algerischen Hochschullandschaft mehr oder weniger an den Rand gedrängt wird. Darüber hinaus zeigen die aktuellen Angaben, dass viele algerische Abiturientinnen und Abiturienten heute das DaFStudium nicht rein aus Motivation, sondern aus Mangel an Studienalternativen wählen. Vor diesem Hintergrund diskutiert der vorliegende Beitrag zunächst das Spannungsverhältnis zwischen dem universitären Angebot des Deutschen und seinen Beschäftigungsmöglichkeiten und zeigt, wie sich die bestehenden Curricula nachteilig auf die Attraktivität des DaF-Studiengangs auswirken. Anhand empirischer Analyse von bestehenden Lehrplänen, insbesondere auf der Masterebene aus mehreren algerischen Hochschulstandorten, an denen der DaF-Studiengang angeboten wird, werden die gegenwärtigen Curricula rekonstruiert und einer kritischen Analyse unterzogen. Darauf aufbauend wird dann anschließend versucht, konkrete Reformvorschläge zu curricularer Erneuerung zu erörtern. Hierbei rückt vor allem eine stärkere Vernetzung des DaFStudiengangs mit praxisnäheren Arbeitsprofilen wie Dolmetschen und Übersetzen, Sprachdienstleistungen, aber auch mit anderen Branchen wie Wirtschaft und Tourismus in den Blick. Im Mittelpunkt der Überlegungen gehen wir von der Präzisierung möglicher Arbeitsfelder, über Erweiterungen und Erneuerungen neuer Masterprofile bis hin zu außeruniversitären Kooperationen, die auch dazu beitragen können, die Employability von DaF-Absolventinnen und -Absolventen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen und dem Fach Deutsch als Fremdsprache langfristig neue Relevanz zu verleihen. Schlüsselwörter: Deutsch als Fremdsprache/Germanistik, Algerien, Curriculumreform, Berufsperspektiven, Employability Abstract: The present article outlines the current challenges facing the German as a foreign language program in Algeria, given the severely limited career opportunities available to its graduates. The declining demand for German teachers in secondary schools, the dominance of French, and new strategic measures for promoting English as first foreign language have more or less marginalized the field of German studies in the Algerian higher education landscape. In addition, many Algerian high school graduates today choose to study German as a foreign language not because of their intrinsic motivation, but rather due to the lack of study alternatives. Against this background, this article analyzes firstly the tension between university-based German programs and employment opportunities and demonstrates how the existing current curricula are negatively impacting the attractiveness of the field program of German. Based on empirical analysis of existing curricula, particularly at the master's level, the current curricula are reconstructed and subjected to critical analysis. Building on this, concrete reform proposals for curricular renewal are then discussed. This contribution focuses on strengthening the integration of the German as a foreign Language program with more practice-oriented job profiles such as interpreting, translating and language services providing, but also with other sectors such as business and tourism, where development of the sector is forecast for Algeria and offers interesting career opportunities. The focus of the considerations is on specifying possible 1 Mohamed SOUDANI, University of Ibn Khaldoun Tiaret, Algeria, [email protected] Studii şi cercetări filologice. Seria Limbi Străine Aplicate 114 fields of work, from expanding and renewing new master's profiles to non-university collaborations, which can also make a decisive contribution to increasing the employability of German as a Foreign Language graduates in the Algerian labor and lending new long-term relevance to German as a Foreign Language in the higher Educational landscape. Key words: German as a foreign language, Geman-Studies, Algeria, curriculum reform, career prospects, Employability. 1. Einleitung Algerische Abiturienten tendieren heute dazu, nach richtungsweisenden Entscheidungen Studiengänge an Universitäten auszuwählen, die nicht nur zu ihrer persönlichen Entwicklung beitragen, sondern sie auch dazu führen können, später langfristige Berufe ausüben zu können. DaF-Studierende in Algerien stehen jedoch vor einer besonderen Herausforderung, da Berufe eines/einer Deutschlehrer(s/in) in Gymnasien nach den aktuellsten Statistiken stark zurückgegangen sind. Dieser Rückgang ist zum einen auf die hohe Anzahl der Absolventinnen und Absolventen im Fach Deutsch als Fremdsprache und zum anderen auf die begrenzten Stellenangebote für Deutschlehrkräfte zurückzuführen. Parallel dazu ist das DaF-Studium (Licence/Master d’Allemand langue étrangère) unter Druck geraten, da das Fach Deutsch stark mit anderen Fremdsprachen, insbesondere Französisch und Englisch, konkurrieren muss. Darüber hinaus bleibt das DaF-Studium sowohl inhaltlich als auch zielgerichtet weitgehend losgelöst von neuen Berufsperspektiven, die im Rahmen neuer Hochschulreformen vom Ministerium für Hochschulwesen und wissenschaftliche Forschung (MESRS) vorgeschlagen worden sind. Diese Situation bedeutet für das Fach Deutsch als Fremdsprache (DaF), dass der DaFStudiengang mehr oder weniger vor allem in den letzten Jahren einem ernsthaften Druck ausgesetzt ist, da der Wert eines Bachelorund Masterdiploms im Fach DaF immer von Karrierechancen stark abhängig bleibt. Diese Situation verschärft sich vor allem in einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit unter algerischen Jugendlichen ein hohes Ausmaß erreicht hat. Diese Einschätzung ist jedoch nicht nur für DaF-Studierende problematisch, sondern stellt auch für uns als DaF-Dozenten und Professoren an algerischen Universitäten eine Frage, die auf Relevanz und Zukunftsperspektive unseres Faches und zugleich auf unsere Karriere als DaF-Experten in Algerien eingeht. Gerade in Krisenzeiten bestehen jedoch auch Chancen. Anstatt diese bestehende Situation so hinzunehmen, wollen wir uns damit beschäftigen, derzeitige Studienstrukturen des Faches zu überdenken und neue Perspektiven für DaF-Absolventinnen und - Absolventen schaffen. Im vorliegenden Beitrag werden die aktuellen Herausforderungen des Faches im Hinblick auf Berufsperspektiven analysiert und zugleich Verbesserungsvorschläge erörtert, wie durch gezielte Umstrukturierung und Entwicklung der DaF-Studieninhalte insbesondre auf der Masterebene attraktive Berufsperspektiven für DaF-Absolventen eröffnet werden können und zugleich die Position des DaF-Studiengangs in der algerischen Hochschullandschaft gestärkt wird. 2. Deutsch in Gymnasien und die Auswahl des DaF-Studiums: eine wechselseitige Beeinflussung Sowohl in Schulbildung als auch in Hochschulbildung hat Französisch lange Zeit eine dominierende Rolle als erste Fremdsprache gespielt. Diese führende Position des Französischen wurde jedoch seit der Volksbewegung (Hirak) von 2019 zunehmend herausgefordert, da das Land aus unterschiedlichen Gründen sich entschieden hat, Englisch schon ab der dritten Klasse in Primarschulen als erste Fremdsprache mit einem Umfang von zwei Stunden pro Woche einzuführen. Im Hochschulwesen richtet die Regierung ebenfalls auch entsprechende Lehrpilotprogramme für Englisch ein und argumentiert, dass die Förderung des Englischunterrichts im Schulund Studii şi cercetări filologice. Seria Limbi Străine Aplicate 115 Hochschulwesen aus rein praktischen Gründen geschieht und nicht auf politische Entscheidungen zurückgeht und verweist dabei auf die hohe Bedeutung der englischen Sprache in Wissenschaft und Technik. Deutsch als Tertiärsprache nimmt in der sprachpolitischen Planung des Landes nach wie vor immer noch einen Platz ein und wird neben Spanisch und neuerdings Italienisch als Wahlpflichtfach angeboten. In vielen Regionen (Wilayaten) des Landes hat sich dennoch gezeigt, dass Deutsch aufgrund des Schwierigkeitsimage der Grammatik, Aussprache, Struktur usw. wenig Interesse bei algerischen Schülern findet. Darüber hinaus sehen algerische Schülerinnen und Schüler keinen praktischen Nutzen darin, Deutsch auszuwählen, da der aktuelle Trend in Algerien aufgrund der neuen Reformen verstärkt auf Englisch fokussiert wird. Für die Eltern der Schüler bedeutet dies auf der anderen Seite, dass die deutsche Sprache wenig zukunftsträchtig ist, da das Fach stark an realer Karrierechance bemessen wird. Für die Auswahl eines Studiengangs im Zweig der Literatur und Fremdsprachen (Lettres et langues étrangères) versuchen Eltern dann ihre Kinder (Schüler und Schülerinnen) daher gezielt zu lenken, sich beispielsweise für Englisch, Französisch oder ein anderes Fach zu entscheiden. Diese Situation der deutschen Sprache in algerischen Gymnasien und die geringe Sichtbarkeit des Faches auf dem Arbeitsmarkt bleiben nicht ohne Folgen und haben sich unmittelbar negativ auf die Zahl der eingeschriebenen Studenten im Fach DaF (Deutsch als Fremdsprache) ausgewirkt, und dies trotz der Eröffnung neuer Deutschabteilungen im Land wie z. B. an der Universität Ibn Khaldoun Tiaret und der Universität Skikda (Université 20 Aout 1955) 1 . In diesem Zusammenhang und im Rahmen einer Fragebogenerhebung, die ich als DaF-Lehrkraft an der Universität Khaldoun Tiaret seit über drei Jahren immer wieder durchführe, konnte ich zudem feststellen, dass das Fach Deutsch als Fremdsprache zum größten Teil nicht aus Überzeugung und persönlichem Interesse ausgewählt wird, sondern aus Mangel an anderen Auswahlalternativen, d. h., das Fach Deutsch als Fremdsprache (Langue allemande) rangiert immer auf einem der letzten Plätze der Beliebtheitsskala (10 Auswahlmöglichkeiten) 2 . Diese Situation ist auch nicht anders an anderen Universitäten, wo das DaF-Studium angeboten wird, wie Uni-Oran2, Uni-Algier2 und Uni-Sidi Bel Abbes, da die Rahmenbedingungen im gesamten Schulwesen landesweit gleich oder sehr ähnlich sind. Das Fach Deutsch als Fremdsprache sowohl in der Schule als auch in der Hochschule befindet sich also in einer problematischen Wechselwirkung, da die geringen Berufsperspektiven des Faches bei den Deutschlernern an Gymnasien schon eine nachlassende Lernbereitschaft und einen hohen Mangel an intrinsischem Antrieb zum DaF-Studieren an Universitäten erzeugt. Die Frage nach realistischen, konkreten Berufschancen für DaF-Absolventen ist jedoch eng mit dem inhaltlichen Aufbau des Studiengangs verbunden, da schon in einigen Berufsfeldern solide Deutschsprachkenntnisse, handlungsorientierte Kommunikationsfähigkeit und andere Soft Skills wie kritisches Denken, interkulturelle Kompetenz etc. vorausgesetzt werden. Vor diesem Hintergrund möchte ich im nächsten Abschnitt das aktuelle Studienprogramm kurz und übersichtlich (Inhalte und Module) darstellen, um darauf aufbauend ernsthafte Vorschläge darüber zu machen, was soll, wie und in welchem Volumenumfang neu bearbeitet werden. Auf dieser Grundlage versuche ich dann mehr oder weniger abschließend daran im weiteren Verlauf des vorliegenden Beitrages gezielte Empfehlungen zur Neustrukturierung des Curriculums abzuleiten. 1 In Skikda wurde die Deutschabteilung im Studienjahr 2021/2022 eröffnet, dann folgt die Universität Ibn Khaldoun Tiaret im Jahr 2022/2023 mit einer weiteren Deutschabteilung 2 https://www.mesrs.dz/index.php/fr/espace-etudiant/prinscription-et-orientation/ Studii şi cercetări filologice. Seria Limbi Străine Aplicate 116 3. Studienfach DaF: Deutsch als Fremdsprache (Langue Allemande) An allen fünf algerischen Universitäten, die den Studiengang DaF (Deutsch als Fremdsprache) anbieten, kann bis heute das DaF-Studium ausschließlich für das Lehramt studiert werden. Das DaF-Studium, wie es heute strukturiert ist, folgt grundsätzlich einem dreistufigen Aufbau LMD-System (Licence-Master-Doctorat), der dem Bologna Modell entspricht. Die Strukturierung des Studiums lässt sich wie folgt darstellen; ABA-Stufe bzw. Licence-Phase: in der Bachelor-Phase, die in der Regel drei Jahre dauert, werden Grundkenntnisse der Sprache wie Grammatik, Lexikologie vermittelt und die vier Sprachfertigkeiten (Lesen, Schreiben, Hören und Lesen) trainiert, wobei der Schwerpunkt primär auf die rezeptiven Fähigkeiten gelegt wird. Hinzu kommen andere fachrelevante Module, die auch mehr oder weniger zur Verbesserung der Sprachkenntnisse beitragen wie Phonetik, Phonologie, Linguistik, Landeskunde und Literatur. BMA-Stufe bzw. Master-Phase: der Master erstreckt sich über zwei Jahre. Der Inhalt und die Struktur des Masters, wie es heute ist, lässt sich kaum von der ersten Phase des Bachelors unterscheiden d.h. der Übergang von der ersten Phase zur Masterstufe wird überwiegend nicht klar definiert, da viele Module wiederholt angeboten werden wie Linguistik, Landeskunde, Literatur und Didaktik etc. Der Master ist zwar fachlich orientiert und dient zur Vertiefung der Sprachkenntnisse, bleibt jedoch überwiegend rezeptiv und meist schriftlich (traditionell) beschränkt. Die Einbettung der Inhalte vor allem in der Masterphase in praxisorientierten und berufsbezogenen Kontexten fehlt weitgehend. Prof. Dr. Seddiki (2012:175) hebt vor diesem Hintergrund hervor, dass die Frage der inhaltlichen Ausstattung des DaFStudiengangs in Algerien seit Jahren umstritten ist, da herkömmliche Fächer im Master weder den Anforderungen beruflicher Praxisfelder noch den Herausforderungen der Standardisierung (Harmonisation 1 ) gerecht werden. CPromotionsphase bzw. Phase des Doktorats: Schon vor der Einführung des Bologna-Modells (LMD-System) in algerischen Universitäten im Jahr 2004 konnten Germanisten bzw. DaF-ler bereits seit den 1990er-Jahren im Bereich Germanistik bzw. DaF (Deutsch als Fremdsprache) promovieren und ein weiterführendes Studium in der Post-Graduation (Magister: 02 Jahre und Doktorat: 03 Jahre) beginnen. Auch nach der Reform (Einführung des LMD-Systems) können heute Masterabsolventen in geringerem Masse 2 promovieren. Die Dauer der Promotion hängt von den ministeriellen Promotionsordnungen ab d.h. Doktoranden sind verpflichtet, ihre Doktorarbeiten nach spätestens fünf Jahren zu verteidigen. Die Doktorprogramme, die heute von wenigen Universitäten (Universität Mohamed Ben Ahmed Oran 2 und Algier Saad Allah Algier-2) angeboten werden, werden allerdings in erster Linie mit dem Zweck eingerichtet, um wissenschaftliche Nachwuchs im DaF-Bereich und für den eigenen Bedarf (DaF-Dozenten an Universitäten) auszubilden. Trotz der bemerkenswerten Fortschritte, die der DaFStudiengang in Algerien bis zur Promotionsphase in den letzten Jahren erreicht hat, bleibt auch die Promotionsphase wie die vorangehenden Studienphasen überwiegend theoretisch und textorientiert ist und frei weitgehend von realen berufsbezogenen Profilbildungen. 1 https://cruo.univ-oran2.dz/canevas-des-harmonisations-masters.html (CRUO ist eine Harmonisierungskommission, die sich mit Angleichung von Masterprogrammen hinsichtlich Inhalt, Kredits, Modultiteln und Lehrziele beschäftigt) 2 Die Aufnahme von Studierenden in Promotionsphase erfolgt nach einem nationalen Auswahlverfahren auf Französisch heißt es: Concours à la formation doctorale (3ème cycle) Studii şi cercetări filologice. Seria Limbi Străine Aplicate 117 4. Zu curricularen Lücken im aktuellen Studienprogramm: ein kurzer Überblick Die bisherige Beschäftigung mit den Reformen, Lehrund Lerninhalten, die den DaFStudiengang betreffen, hat deutlich gezeigt, dass der algerische DaF-Studiengang im Hinblick auf konkrete berufspraktische Ausrichtung außer dem Beruf des Deutschlehrens sichtbare Defizite aufweist. Die Frage, die trotz bisheriger Ansätze und Reformen zur Modernisierung des Studiengangs umstritten bleibt, lautet, wie viel Sprachkenntnisse im Sinne von Sprachbeherrschung auf der einen Seite und wie viel berufsbezogene Lerninhalte auf der anderen Seite sollten im Laufe des Bachelor sowie des Masterstudiums vermittelt werden, obwohl ein hohes Potenzial in der Masterphase zur Vertiefung und Spezialisierung steckt. Eine weitere Frage, die sich eben vor diesem Hintergrund stellt, betrifft die Wiederholung bereits bekannter Inhalte (Module) aus der Bachelorphase wie Linguistik, Literatur, Didaktik, Methodologie etc. Die Analyse der Modernisierungsansätze hat auch gezeigt, dass Curricula in den Masterprogrammen an allen algerischen DaF-Abteilungen zum größten Teil immer auf die Ausbildung gymnasialer Deutschlehrer beschränkt bleibt. Vor dem Hintergrund dieser erwähnten Defizite ist es dringend notwendig, den algerischen DaF-Studiengang inhaltlich neu zu konzipieren und dabei neue Themenbereiche wie Projektmanagement, digitale Sprachvermittlung, transkulturelle und kommunikative Sprachhandlungskompetenz im Curriculum verankern. Im Rahmen des vorliegenden Beitrags werden im Folgenden einige konkrete Reformvorschläge gemacht, die zum Ziel haben, das DaF-Curriculum in Richtung neuer praxisund berufsorientierte Jobs (Berufe) voranzubringen. 5. Konkrete Reformvorschläge Basierend auf den oben erwähnten Schwächen in den bestehenden Curricula sowohl in der Bachelor-, als auch in der Masterphase und im Lichte aktueller Tendenzen der algerischen Bildungspolitik 1 , sowie gestützt auf einige relevante Berufsfelder aus der Praxis, lassen sich folgende Ansatzpunkte gut für eine curriculare Reform formulieren, die den Zweck haben, den DaF-Studiengang praxisnäher auszurichten, berufliche Perspektiven zu erweitern und die Anschlussfähigkeit an den Arbeitsmarkt deutlich zu verbessern. 5.1. Sprachdienstleistungen Im Rahmen der Reformdiskussionen unter Fachgermanisten wird immer wieder die Frage diskutiert, ob DaF-Absolventen auch später im Bereich der Übersetzung und Dolmetschen tätig sein können, obwohl beide Fächer traditionell als eigenständige Fachrichtungen an Universitäten gelten. Dennoch wird Übersetzen auch in der germanistischen Ausbildung thematisiert und angeboten. Daher können Tätigkeiten wie Übersetzen, Dolmetschen, aber auch Arbeit in Redaktionen, Korrektorat oder als Sprachassistenten bei Unternehmen, einen zentralen Reformschritt darstellen, da Sprachdienstleitungen im Sinne von Übersetzen, Dolmetschen, Sprachredaktionen (Korrekturen durchführen, Korrespondenzen schreiben etc.) heute sowohl im Bildungsbereich, als auch in Verwaltung, Handel und in nationalen und internationalen Organisationen zunehmend gefragt werden. In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass es in Algerien eine wichtige Anzahl von deutschen Firmenniederlassungen gibt, die mit algerischen Unternehmen zusammenarbeiten. 2 Bei vielen Stellenangeboten von deutschen Firmenniederlassungen, die in Algerien tätig sind, wurden diejenigen 1 Vgl. Reformbestrebungen des algerischen Hochschulministeriums zur wirtschaftlichen Öffnung der Universitäten und zur Förderung von Unternehmergeist in Französisch heißt es: Ministère de l’Enseignement Supérieur et de la Recherche Scientifique (MESRS) mise en œuvre une stratégie nationale pour l’innovation, l’entrepreneuriat et l’employabilité dans l’enseignement supérieur. 2 Die AHK (Auslandshandelskammer) in Algier stellt hierfür ein gutes Beispiel dar. Studii şi cercetări filologice. Seria Limbi Străine Aplicate 118 bevorzugt, die solide Deutschkenntnisse neben Arabisch, Französisch und sogar Englisch vorweisen können. Daher sollte meines Erachtens das berufsorientierte Curriculum gezielt Module und Themenbereiche integrieren, in denen DaF-Studierende z.B. mit authentischen Textsorten, Gesprächen und professionellen Arbeitsabläufen vertraut gemacht werden. Dadurch können die DaF-Studierenden für den Beruf eines Sprachdienstleisters auch solide mündliche und schriftliche Kompetenzen in der deutschen Sprache entwickeln und sich Vorteile im beruflichen Auftreten verschaffen. Themenbereiche, die z.B. in den Modulen Schriftlich/Mündlich vor allem in der Bachelorphase integriert werden, könnten folgende sein; - Professionelle Übersetzung und Dolmetschen vor allem in Wirtschaft und Handel - Lesen von authentischen Texten wie z.B. Katalogen, Firmenposter, Korrespondenzen - Schreiben von Handelskorrespondenzen und Training von Vorstellungsgesprächen - Telefonkommunikation und Kundenberatung - Grafik-, und Diagrammkommentierung, Kundenbegleitung - Führen von Mitarbeiter-, Kundenund Verkaufsgesprächen - Mehr Training im Rahmen eines Praktikums und/oder einer praxisbezogene Projektarbeit. 5.2. Spezialisierungsprofile für spezifische Berufe entwickeln Ein wesentlicher Ansatzpunkt für eine substanzielle Reform des DaF-Studiums im Hinblick auf Beschäftigungsmöglichkeiten für DaF-Absolventen ist die Entwicklung von spezifischen Spezialisierungsprofilen ab dem dritten Studienjahr der Bachelorphase bzw. in der Masterphase. Diese Profile können gezielt an die verschiedenen Bedürfnisse (Wirtschaft, Gastronomie, Tourismusbereich etc.) angepasst werden. Exemplarisch können folgende Profile erstellt und weiter entwickelt werden: 5.3. Wirtschaftsdeutsch Wie schon der Titel suggeriert, handelt es sich bei diesem Profil um eine gezielte Vorbereitung der DaF-Absolventen auf reale Kommunikationssituationen in einem wirtschaftlichen Kontext wie etwa Geschäftsverhandlungen, Besuche von Messen, Delegationen usw. zwischen algerischen und deutschen Unternehmer. Im Rahmen voriger Reformen gab es erste Versuche, das Thema Wirtschaftsdeutsch in den DaFStudiengang zu integrieren wie z.B. das im Jahr 2004 erschienene Lehrwerk „Wirtschaftsdeutschˮ von Professor Boualem Yettou 1 . Das Lehrwerk stellt zwar eines der wichtigsten und wenigsten Lehrwerke dar, die im Rahmen der Fachsprache für algerische Germanistikstudenten konzipiert worden sind, bleibt dennoch unzureichend und wird nur am Rande für das Modul Fachsprache behandelt. Mit dem Profil Wirtschaftsdeutsch wird angestrebt, vollständig zugeschnittene Profile vor allem in der Masterphase zu etablieren, wobei ganze Module und Kurskonzepte für das Profil Wirtschaftsdeutsch angeboten werden können, die die DaF-Studierende befähigen, nicht nur sprachlich zu handeln, sondern konsekutiv und simultan in professionellen 1 Ein emeritierter Professor aus der Universität Oran 2. Studii şi cercetări filologice. Seria Limbi Străine Aplicate 119 Szenarien zu interagieren. Anschließend daran lassen sich daher für die Entwicklung dieses Profils folgende Module formulieren; - Einführung in die Wirtschaftssprache: Terminologie, Textsorten, Kommunikationsmuster etc. - Lexik und Semantik in der Wirtschaftssprache - Phraseologie und Kollokation in Wirtschaftsdeutsch - Sprachpragmatische Analyse wirtschaftsbezogener Textsorten - Training in Dolmetschen und Übersetzen von authentischen Texten wie Berichte, E-Mails Handelskorrespondenzen etc. - Training in Schreib-, und Präsentationstechniken wie Korrespondieren, Präsentieren von Dienstleistungen, Projekten und Produkten. Diese Module stellen ausschließlich einen ersten konzeptionellen Vorschlag dar, der im Hinblick auf Institution (Universität), Rahmenbedingungen und Dozentenprofile ergänzt, modifiziert, verbessert oder durch andere Alternativen ersetzt werden kann. Ziel bleibt es, einerseits die fachsprachlichen und berufsrelevanten Kompetenzen bei den algerischen DaF-Absolventen zu erweitern und anderseits ihre Chancen auf eine erfolgreiche Beschäftigung im Arbeitsmarkt zu erhöhen. 5.4. Tourismussektor Der Tourismus hat sich in Algerien trotz bestehender Einschränkungen zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelt und stellt damit in den letzten Jahren einen zukunftsträchtigen Sektor dar, der viele berufliche Chancen u.a. für Fremdsprachenabsolventen anbietet. Beschäftigungsmöglichkeiten für DaFAbsolventen bestehen vor allem bei Fluggesellschaften wie Air Algérie, Hotel-, und Gastgewebe, Reiseagenturen, Reisebüros, touristische Stätten als Reiseführer etc. Der Tourismussektor verfügt zwar über ausgebildetes Personal im Sektor, aber nach wie vor bestehen bei den meisten Ausbildungen Defizite in Fremdsprachkenntnissen. Gerade diese Defizite stellen auf der anderen Seite für DaF-Absolventen gute Möglichkeiten, in dieses Berufsfeld stark einzutreten. Für ein erfolgreiches Auftreten im für Tourismussektor sollte –wie im Falle Wirtschaftsdeutsch ein zugeschnittenes Masterprofil in Zusammenarbeit mit Akteuren aus dem Bereich entwickelt werden. Eine Verbindung von Deutsch als Fremdsprache und Tourismus wird daher ein zukunftsweisendes Profil für DaF-Absolventen sein. Das Profil sollte Module aus den Sprachdisziplinen mit komplementären Modulen aus der Tourismusbranche kombinieren, wobei man in allererster Linie auf beruflichen Qualifikationen der Absolventen zielt. Als Prototyp zur Konzeption eines ähnlichen Profils kann man Folgendes als Module planen: - Fachsprachbezogenes Training für die Tourismusbranche, dies sollte mehr die mündliche und schriftliche Kompetenz mit einem branchenspezifischen Hintergrund betreffen wie die Durchführung von allgemeinen Gesprächen mit Kunden, Verfassen von geschäftlichen Korrespondenzen (Reservierungen, Reklamationen, Beratungen etc.); - Einführung in Grundprinzipien der Betriebswirtschaft wie Rechnungswesen, Reservierungen, Formulierungen von Aufträgen etc. - Modul zu Geographie, Geschichte und Kulturerben in deutscher Sprache beherrschen, um die deutsche Zielgruppe (Touristen deutschsprachiger Herkunft) korrekt und anschaulich ansprechen zu können. Dieses Modul kann mit Sprachdisziplinen verbunden werden, indem Studierende lernen, wie sie später als Reiseführer arbeiten können. Studii şi cercetări filologice. Seria Limbi Străine Aplicate 120 - Grundprinzipien zu Marketing und Management in Tourismus. Behandelt werden in diesem Modul die zentralen Konzepte und Strategien im Tourismusbranche wie Werbung, Vermarkung touristischer Produkte, Marktund Zielgruppenanalysen etc.; - Training in digitalen Tools wie Online-Buchungen, Kundenserviceprozessen etc.; - Eine praxisorientierte Phase durch Projekte an der Universität oder durch Praktika in Zusammenarbeit mit Reisebüros, Reiseagenturen etc. Mit einer fachsprachbezogenen Betreuung kann die Handlungskompetenz der DaFAbsolventen erhöht und ihre Chancen auf dem Tourismusmarkt weiter gestärkt werden. 5.5. Online als Deutschlehrer arbeiten Die Corona-Pandemie 2020-2023 hat weltweit ihre Spuren auf das Lehren und Lernen hinterlassen. In vielen Ländern, auch in Algerien, hat sich der Trend zum OnlineLernen entwickelt und in vielen Bildungseinrichtungen als neues Bildungsformat etabliert. Die Einschränkungen wegen der Pandemie haben dazu geführt, dass staatliche sowie private Bildungseinrichtungen ihre Angebote online anbieten müssen. viele Lerner schätzen das Format zum virtuellen Lernen besonders geschätzt, da sie unabhängig von Raum, Zeit und den örtlichen Einschränkungen flexibl mit qualifizierten Lehrkräften lernen können. Der Trend des virtuellen Lernens hat sich im algerischen Bildungskontext besonders im Fremdsprachenbereich entwickelt und interessante Schritte gemacht. Die Nachfrage zum Beispiel nach OnlineFremdsprachenlernen ist im Vergleich zum normalen traditionellen Präsenzfremdsprachenunterricht deutlich höher, wobei viele Deutschlerner ein starkes Interesse für Online-Lernen zeigen. Viele Deutschlehrer, mit denen ich im fachlichen Kontakt stehe, haben auffälliger Weise zum einen angegeben, dass die Nachfrage nach den Online-Deutschkursen in den letzten zwei Jahren insbesondere für berufliche Zwecke wie Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland, Arbeitsverträge und für Visumsfragen wie Familienzusammenführung, Migration etc. deutlich gestiegen ist, und zum anderen haben sie bestätigt, dass die meisten Deutschlerner heute mehr dazu tendieren, die Deutschsprachkurse im virtuellen Format zu absolvieren. Vor diesem Hintergrund und im Hinblick auf die Erschließung neuer, zukunftsweidender Berufsmöglichkeiten lässt sich im Rahmen des vorliegenden Beitrags auch die Überlegung zur Entwicklung eines Masterprofils in diesem Sinne anstellen. Das Masterprofil zur Ausbildung von Online-Lehrkräften soll grundsätzlich den DaFAbsolventen ein solides Fundament im Bereich Blended -Learning vermitteln, wodurch DaF-Absolventen nicht nur online im institutionellen Kontext arbeiten, sondern es ihnen auch möglich ist, private Online-Deutschkurse anzubieten und sich damit beruflich selbstständig zu machen. Für die Konzeption dieses Masterprofils können folgende Module als integrale Bestandteile der Masterausbildung vorgesehen werden; - Einführung zum digitalen Lehren und Lernen, besonders in Lehrund lernplattformen wie Zoom, G-Meet, Whats-App etc., - Methodische und didaktische Prinzipien des OnlineFremdsprachenunterrichts, - Materialentwicklung wie die Konzeption von Online-interaktiven Kursen und Übungen und Erstellung von Podcast, Videos, Lern-Apps etc., - Erstellung von Online-Prüfungsformaten, E-Test, Feedbacks Foren, die den standarisierten Prüfungen entsprechen, - Projektarbeiten wie die Einführung von Mini-Online-Deutschkursen, wodurch Studierende lernen können, wie sie später als Tutoren und E-Deutschlehrer arbeiten können. Studii şi cercetări filologice. Seria Limbi Străine Aplicate 121 Diese Module stellen lediglich eine erste Konzeptskizze dar, die jedoch mit weiteren Inhalten (Modulen) ergänzt werden kann. Entscheidend für die Erstellung einer ähnlichen Masterausbildung ist jedoch, dass die Inhalte dieses Masters auf die spezifischen Anforderungen der Online-Ausbildung von DaF-Lehrkräften fokussiert bleiben. 5.6. Mehrsprachigkeitsund Transkulturalitäts-Komponente Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kommunikationskompetenz sind heute ohne Zweifel ein Qualifikationsmerkmal, über das DaF-Absolventen weltweit verfügen müssen. In der heutigen globalisierten Welt stellt Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kommunikation einen Schlüsselfaktor in vielen Kommunikationskontexten, sei es in Bildung, Wirtschaft, internationalen Organisation etc. zum Erfolg dar. Die oben dargestellten Berufsfelder für DaF-Absolventen verlangen mehr oder weniger nicht nur die Sprachbeherrschung, sondern in großem Maße auch interkulturelle Kommunikationskompetenz wie im Bereich Tourismus, Wirtschaft, Übersetzung etc. An dieser Stelle wird schon klar, dass es dabei nicht allein um Sprachkompetenz handelt, sondern viel mehr um die Fähigkeit, interkulturell zu handeln und eben effektiv zu kommunizieren. Mehrsprachig und interkulturell handeln, bedeutet daher für ein/en DaF-Absolvent(in), dass er/sie fähig ist, sich sicher zwischen unterschiedlichen Kulturkreisen zu bewegen und die kulturell geprägten verbale sowie non-verbale Kommunikationsstile zu erkennen und auf diese effektiv zu reagieren. Die Kompetenz in Mehrsprachigkeit und in interkultureller Kommunikation öffnet daher Zugang zu einer Reihe von Berufsfeldern, in denen DaF-absolventen auch tätig sein können wie z.B. Tourismus und Hotellerie, Wirtschaft und Handel, Medien und Kulturarbeit, Flughafenverwaltungen, Diplomatie und Auswärtiger Dienst etc. Bei meiner Analyse der DaF-Curricula, insbesondere auf der Masterebene, hat sich gezeigt, dass es eine Reihe von Lerninhalten, Lehrveranstaltungen und sogar Masterprofile wie an der Universität Oran 2 und Universität Sidi Bel Abbes gibt, die den Titel „interkulturelle Kommunikation, communication interculturelleˮ tragen. Bei näherer Betrachtung der angebotenen Lehrund Lerninhalte lässt sich jedoch feststellen, dass diese Module bzw. Masterprofile ausschließlich die thematischen Schwerpunkte der klassischen Landeskunde (meist historisch und politisch) behandeln. Dimensionen der interkulturellen Kommunikation wie der Umgang mit kulturell geprägten Kommunikationsstilen, Bewältigung der Missverständnisse und die Reflexion einiger und fremder Prägungen werden nur vereinzelt oder überhaupt gar nicht berücksichtigt. Gerade vor diesem Hintergrund fragt man sich, inwieweit ähnliche Masterprofile und Lehrinhalte den neuen Anforderungen der Mehrsprachigkeit, der Globalisierung und der Arbeitswelt gerecht werden können. Daher ist es nötig, mit DaF-Kollegen offene Diskussionen über die bestehenden Masterangebote der Landeskunde zu diskutieren und zugleich andere Masterprofile mit erweiterten Lehrund Lerninhalten zu entwickeln. In diesem Zusammenhang und im Rahmen meines Beitrags stelle ich im Folgenden ein Konzept zur Entwicklung eines Masterprofils vor, das besonders berufsorientierte Dimensionen berücksichtigt. Zur Entwicklung eines Masterprofiles mit dem Schwerpunkt der Mehrsprachigkeit und der interkulturellen Kommunikationskompetenz sollte man als Bildungsplaner in erster Linie sorgen, dass DaF-Absolventen gut ausgebildet werden und die theoretischen Grundlagen der Sprachen mit praxisorientierten Kompetenzen verbinden können. Ziel dabei ist es, sich kompetent mit kulturell geprägten Kommunikationsprozessen auseinandersetzen zu können und damit sich die Fähigkeit entwickeln, unterschiedliche interkulturelle Kommunikationssituationen analysieren, gestalten und sie je nach Kontext adäquat