Arbeitszufriedenheit in Sozial- und Gesundheitsberufen: Ergebnisse der repräsentativen BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018
Abstract
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Full text
Mayer, Dennis; Hollederer, Alfons Working Paper Arbeitszufriedenheit in Sozialund Gesundheitsberufen: Ergebnisse der repräsentativen BIBB/BAuAErwerbstätigenbefragung 2018 Working Paper Forschungsförderung, No. 319 Provided in Cooperation with: The Hans Böckler Foundation Suggested Citation: Mayer, Dennis; Hollederer, Alfons (2024) : Arbeitszufriedenheit in Sozialund Gesundheitsberufen: Ergebnisse der repräsentativen BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018, Working Paper Forschungsförderung, No. 319, Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/281994 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/de/legalcode
Auf einen Blick Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in Sozialund Gesundheitsberufen in Deutschland wird es für die Einrichtungen in diesem Bereich zunehmend wichtiger, die Arbeitsfähigkeit ihres bestehenden Personals zu erhalten. Nach den Studienergebnissen ist Arbeitszufriedenheit mit krankheitsbedingten Fehlzeiten in Sozialund Gesundheitsberufen assoziiert. Angesichts der gewonnenen Befunde wird die stärkere Beachtung der Arbeitszufriedenheit von Beschäftigten in diesem Bereich und vor allem eine Erweiterung ihrer Handlungsspielräume empfohlen.
Autoren Prof. Dr. Alfons Hollederer (MPH) ist Professor für „Theorie und Empirie des Gesundheitswesens“ am Fachbereich 01 Humanwissenschaften der Universität Kassel. Dennis Mayer (MPH) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet für „Theorie und Empirie des Gesundheitswesens“ am Fachbereich 01 Humanwissenschaften der Universität Kassel. © 2024 by Hans-Böckler-Stiftung Georg-Glock-Straße 18, 40474 Düsseldorf www.boeckler.de „Arbeitszufriedenheit in Sozialund Gesundheitsberufen“ von Dennis Mayer und Alfons Hollederer ist lizenziert unter Creative Commons Attribution 4.0 (BY). Diese Lizenz erlaubt unter Voraussetzung der Namensnennung des Urhebers die Bearbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung des Materials in jedem Format oder Medium für beliebige Zwecke, auch kommerziell. (Lizenztext: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/de/legalcode) Die Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz gelten nur für Originalmaterial. Die Wiederverwendung von Material aus anderen Quellen (gekennzeichnet mit Quellenangabe) wie z. B. von Schaubildern, Abbildungen, Fotos und Textauszügen erfordert ggf. weitere Nutzungsgenehmigungen durch den jeweiligen Rechteinhaber. ISSN 2509-2359
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 3 Inhalt Zusammenfassung ................................................................................. 5 1. Hintergrund und Zielsetzung............................................................... 8 2. Methodisches Vorgehen ................................................................... 14 3. Ergebnisse ....................................................................................... 17 3.1 Soziodemografische Merkmale .................................................. 17 3.2 Arbeitszufriedenheit ................................................................... 21 3.3 Kognitive Anforderungen ........................................................... 26 3.4 Handlungsspielräume und Kontrolle .......................................... 28 3.5 Arbeitsunfähigkeit ...................................................................... 30 3.6 Arbeitszufriedenheit und Krankmeldung..................................... 32 4. Diskussion ........................................................................................ 34 4.1 Limitationen ............................................................................... 34 4.2 Diskussion der Ergebnisse ......................................................... 35 5. Fazit ................................................................................................. 41 Literatur ................................................................................................ 42
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 4 Abbildungen Abbildung 1: Kognitive Anforderungen in Sozialberufen ....................... 27 Abbildung 2: Kognitive Anforderungen in Gesundheitsberufen ............. 28 Abbildung 3: Handlungsspielräume und Kontrolle in Sozialberufen ...... 29 Abbildung 4: Handlungsspielräume und Kontrolle in Gesundheitsberufen ..................................................................... 30 Abbildung 5: Arbeitszufriedenheit und Krankmeldung in Sozialberufen ............................................................................... 33 Abbildung 6: Arbeitszufriedenheit und Krankmeldung in Gesundheitsberufen ..................................................................... 33 Tabellen Tabelle 1: Soziodemografische Merkmale von Sozialberufen ............... 18 Tabelle 2: Soziodemografische Merkmale von Gesundheitsberufen .... 19 Tabelle 3: Arbeitszufriedenheit in Sozialberufen ................................... 22 Tabelle 4: Arbeitszufriedenheit in Gesundheitsberufen ......................... 24 Tabelle 5: Arbeitsunfähigkeit in Sozialund Gesundheitsberufen ......... 31
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 5 Zusammenfassung Die Sozial-, Gesundheitsund Pflegeberufe haben eine hohe gesellschaftliche Relevanz, denn sie tragen zur Aufrechterhaltung von systemrelevanten Bereichen wie der Gesundheitsversorgung, Pflege und Bildung bei. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels verschiebt sich die Altersstruktur der Bevölkerung und nimmt der Bedarf an Sozialund Gesundheitsfachkräften stetig zu. Gleichzeitig verschärft der Fachkräfteengpass die Personalsituation im Gesundheitswesen. Um dem wachsenden Bedarf an Fachkräften begegnen zu können, wird es für die Einrichtungen und Organisationen im Sozialund Gesundheitswesen zunehmend wichtiger, die Arbeitsfähigkeit ihres vorhandenen Personals zu erhalten. Hohe Krankenstände aufgrund von psychischen Erkrankungen weisen auf Verbesserungspotenziale in der Arbeitsgestaltung im Sozialund Gesundheitswesen hin. Vorliegenden Befunden zufolge steht das Konstrukt der Arbeitszufriedenheit im Zusammenhang mit der Gesundheit von Beschäftigen und ihren krankheitsbedingten Fehlzeiten. Die Zufriedenheit von Beschäftigten mit ihrer Arbeit wird – genau wie ihre Gesundheit – durch berufsspezifische Anforderungen und -ressourcen beeinflusst. In diesem Kontext legt der Forschungsstand innerhalb der Arbeitswissenschaften dar, dass kognitive Anforderungen, Handlungsspielräume am Arbeitsplatz und Kontrolle über die Arbeit eng mit der Arbeitszufriedenheit von Berufstätigen assoziiert sind. Für Deutschland liegen nur wenige Forschungsarbeiten vor, die die Arbeitszufriedenheit von Sozialarbeitenden, Heilerziehungspflegenden, Heilpädagoginnen und -pädagogen, Erzieher/-innen, Ärztinnen und Ärzten sowie von professionell Pflegenden und ihre Zufriedenheit mit verschiedenen Aspekten ihrer Arbeit untersucht haben. Diese enthalten in der Regel auch keine Korrelationsanalysen zur Gesundheit. Die Bezeichnung „Sozialarbeitende“ wird in dieser Studie als Kurzform für die Berufsordnung 861 „Sozialarbeiter/Sozialarbeiterinnen, Sozialpädagogen/Sozialpädagoginnen“ verwendet. Dazu gehören auch Assistentinnen und Assistenten in der Sozialarbeit. Unter der Gruppe der Ärztinnen und Ärzte werden die Berufsordnungen 841 „Ärzte/Ärztinnen“, 842 „Zahnärzte/Zahnärztinnen“ sowie 843 „Tierärzte/Tierärztinnen“ zusammengefasst. Unter dem Begriff Krankenpflegefachkräfte wird die Berufsordnung 853 „Krankenschwestern/-pfleger, Hebammen/Entbindungspfleger“ verstanden. Ziel der Studie ist es, die Arbeitszufriedenheit der genannten Sozialund Gesundheitsberufe und ihre Zufriedenheit mit verschiedenen Arbeitsmerkmalen (Einkommen, körperliche Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit,
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 6 Aufstiegsmöglichkeiten, Weiterbildungsmöglichkeiten, Art und Inhalt der Tätigkeit, Möglichkeiten die eigenen Fähigkeiten anzuwenden, berufliche Position, Betriebsklima, direkten Vorgesetzen) empirisch zu untersuchen und zu anderen Beruf zu kontrastieren. Darüber hinaus werden Arbeitsbedingungen in den Bereichen kognitive Anforderungen, Handlungsspielräume und Kontrolle bei den Sozialund Gesundheitsberufen exploriert. Zudem wird die Arbeitsunfähigkeit erforscht und im Zusammenhang mit der Arbeitszufriedenheit analysiert. Bei der Methode handelt es sich um eine Sekundärdatenanalyse. Die Datenbasis ist die repräsentative Erwerbstätigenbefragung 2018 des Bundesinstituts für Berufsbildung und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, im Folgenden kurz BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung. Nach den Analysen ist die globale Arbeitszufriedenheit bei den Sozialund Gesundheitsberufen in Deutschland relativ hoch. Bei den Altenpfleger/-innen und Krankenpflegefachkräften liegt diese aber unterhalb der Arbeitszufriedenheit bei den anderen Berufen. Weiterhin ergibt die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018, dass Sozialund Gesundheitsberufe eine hohe Zufriedenheit mit der Art und dem Inhalt ihrer Tätigkeit aufweisen. Hingegen sind Sozialarbeitende, Fachkräfte der Heilerziehungspflege/-pädagogik, Erzieher/-innen, Altenpfleger/-innen sowie Fachkräfte und Hilfskräfte in der Krankenpflege deutlich unzufriedener mit ihrem Einkommen als Ärztinnen und Ärzte sowie die anderen Berufe. Erzieher/-innen und Pflegekräfte sind darüber hinaus auch weniger zufrieden mit ihren körperlichen Arbeitsbedingungen. Mit der Arbeitszeit sind die Gesundheitsberufe seltener zufrieden oder sehr zufrieden als die anderen Berufe. Im Bereich der kognitiven Anforderungen zeigen die Befunde, dass Sozialarbeitende sowie Ärztinnen und Ärzte in ihrer Erwerbstätigkeit überdurchschnittlich häufig vor neue Aufgaben gestellt werden. Handlungsspielräume am Arbeitsplatz und Kontrolle über die Arbeit sind nach der Studienlage zentrale Einflussfaktoren auf die Arbeitszufriedenheit von Beschäftigten. Die Vergleichsanalysen legen offen, dass die selbstständige Arbeitsgestaltung sowie der Einfluss auf die zugewiesene Arbeitsmenge bei den Sozialberufen und insbesondere bei den Gesundheitsberufen noch ausbaufähig sind. Fachkräfte der Heilerziehungspflege/-pädagogik, Erzieher/-innen und Krankenpflegefachkräfte sind nach den Auswertungen in den vergangenen zwölf Monaten viel häufiger krank zu Hause geblieben bzw. haben sich mehr krankgemeldet als die anderen Berufe. Sozialarbeitende, Altenpfleger/-innen und Krankenpflegehilfskräfte waren etwas häufiger als die anderen Berufe in den letzten 12 Monaten aufgrund einer Erkrankung
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 7 arbeitsunfähig. Der entsprechende Anteil liegt bei den Ärztinnen und Ärzten deutlich unter dem der übrigen Berufstätigen. Sowohl bei den Sozialberufen als auch bei den Gesundheitsberufen gaben die mit ihrer Arbeit insgesamt sehr zufriedenen Befragten seltener an, dass sie sich in den letzten zwölf Monaten krankgemeldet haben. Bei den Ärztinnen und Ärzten, den Altenpfleger/-innen und den Krankenpflegefachkräften sind diese Korrelationen signifikant ausgeprägt. Angesichts des aufgedeckten engen Zusammenhangs zwischen der Zufriedenheit mit der Arbeit und der Arbeitsunfähigkeit bei Sozialund Gesundheitsberufen scheint in der Verbesserung der Arbeitszufriedenheit eine Chance zur Verringerung von Fehlzeiten insbesondere bei den Gesundheitsund Pflegeberufen zu bestehen. Wie die Befunde zeigen, ist die Arbeitszufriedenheit vor allem bei den Sozialberufen sowie den Ärztinnen und Ärzten bereits gut ausgeprägt. Potenzial zur Erhöhung der globalen Arbeitszufriedenheit bei Beschäftigten im Sozialund Gesundheitswesen besteht nach den Ergebnissen unter anderem in der Erweiterung ihrer Handlungsspielräume, insbesondere Ihres Einflusses auf die zugewiesene Arbeitsmenge. Hierzu könnten die Einrichtungen und Organisation durch eine Umgestaltung der Arbeitsorganisation beitragen. Durch die Personalproblematik im Sozialund Gesundheitswesen wird sich aber allein durch Maßnahmen der Arbeitsgestaltung der Einfluss der Beschäftigten auf die Arbeitsmenge nur schwierig erhöhen lassen. Die Verbesserung der Personalsituation in der Sozialund Gesundheitsversorgung stellt daher auch im Hinblick auf die Arbeitszufriedenheit der bereits tätigen Sozialund Gesundheitskräfte eine große Herausforderung dar.
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 8 1. Hintergrund und Zielsetzung Die Covid-19-Pandemie hat die zentrale Bedeutung der Sozialund Gesundheitsberufe für die Gesellschaft aufgezeigt. Zugleich stellt für die Beschäftigten im Sozialund Gesundheitswesen die Sicherstellung einer hochwertigen Versorgung eine große Herausforderung dar. Angesichts des durch den demografischen Wandel bedingten wachsenden Bedarfs an Sozialund Gesundheitskräften (Augurzky/Kolodziej 2018) sowie des bundesweit bestehenden Fachkräfteengpasses (Bundesagentur für Arbeit 2023) wird es immer wichtiger, die Arbeitsbedingungen im Sozialund Gesundheitswesen so zu gestalten, dass die Arbeitsfähigkeit des bestehenden Personals erhalten bleibt. Denn wie aktuelle Studien zeigen, geht die Arbeitssituation in Sozialund Gesundheitsberufen in Deutschland mit einer Kumulation verschiedener Arbeitsbelastungen einher. So weisen vorliegende Befunde durchweg darauf hin, dass Beschäftigte in Sozialund Gesundheitsberufen häufig mit emotionalen Anforderungen konfrontiert werden (Dieckmännken/Hüter/Mayer 2023; Henn et al. April 2017; Hollederer 2022; Hollederer/Mayer 2024a, 2024b; Institut DGB-Index Gute Arbeit 2023; Kahl/Bauknecht 2023; Lück/Melzer 2020; Madeira Firmino / Bauknecht 2022; Roth et al. 2018). Des Weiteren ist nach Forschungsarbeiten eine hohe Arbeitsintensität als substanzielle Arbeitsbelastung im Sozialund Gesundheitswesen in Deutschland zu konstatieren (Gambaro/Spieß/Westermaier 2021; Henn et al. April 2017; Hollederer 2022; Hollederer/Mayer 2024b; Institut DGBIndex Gute Arbeit 2023; Lück/Melzer 2020; Roth et al. 2018; Rothgang/Müller/Preuß 2020). Bei Beschäftigten in der Behindertenhilfe, Pädagogik und Pflege sind zudem körperliche Anforderungen, wie häufiges Heben und Tragen schwerer Lasten oder häufiges Arbeiten in Zwangshaltungen, dokumentiert (Helmrich et al. 2016; Hollederer/Mayer 2024a, 2024b; Institut DGBIndex Gute Arbeit 2023; Lück/Melzer 2020; Rothgang/Müller/Preuß 2020). Ferner gehören zu den Arbeitsund Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen atypische Arbeitszeitlagen wie Schichtoder Wochenendarbeit (Helmrich et al. 2016; Hollederer/Mayer 2024b; Institut DGB-Index Gute Arbeit 2023; Jung/Luppa/Riedel-Heller 2023). Sie können die WorkLife Balance beeinträchtigen (Institut DGB-Index Gute Arbeit 2017). Nach dem empirisch belegten (Demerouti/Nachreiner 2019; Lesener/ Gusy/Wolter 2019) „job demands–resources model of burnout and work engagement“ (JD-R-Modell) (Bakker/Demerouti 2007; Bakker/Demerouti/ Sanz-Vergel 2014) erfordern Arbeitsanforderungen, wie eine hohe Ar-
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 15 Die Bezeichnung Sozialarbeitende wird in dieser Studie als Kurzform für die Berufsordnung 861 „Sozialarbeiter/Sozialarbeiterinnen, Sozialpädagogen/Sozialpädagoginnen“ verwendet. Dazu gehören auch Assistentinnen und Assistenten in der Sozialarbeit. Unter der Gruppe der Ärztinnen und Ärzte werden die Berufsordnungen 841 „Ärzte/Ärztinnen“, 842 „Zahnärzte/Zahnärztinnen“ sowie 843 „Tierärzte/Tierärztinnen“ zusammengefasst. Unter dem Begriff Krankenpflegefachkräfte wird die Berufsordnung 853 „Krankenschwestern/-pfleger, Hebammen/Entbindungspfleger“ verstanden. Der Scientific-Use-File der BIBB/BAUA-Erwerbstätigenbefragung 2018 umfasst ein breites Variablenset in hoher fachlicher Gliederung. Neben den soziodemografischen Merkmalen Alter, Geschlecht, Bildung und Migrationshintergrund, enthält der Survey Items zur Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten. Die Arbeitszufriedenheit insgesamt wurde über die Frage erhoben: „Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Arbeit insgesamt?“ (Antwortoptionen: „sehr zufrieden“, „zufrieden“, „weniger zufrieden“, „nicht zufrieden“). Innerhalb des Moduls Arbeitszufriedenheit wurden die Erwerbstätigen auch gefragt, ob sie mit verschiedenen Aspekten in ihrem Beruf (Einkommen, körperliche Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit, Aufstiegsmöglichkeiten, Betriebsklima, direkten Vorgesetzten, Art und Inhalt der Tätigkeit, Möglichkeiten die eigenen Fähigkeiten anzuwenden, Weiterbildungsmöglichkeiten, berufliche Position) „sehr zufrieden“, „zufrieden“, „weniger zufrieden“ oder „nicht zufrieden“ sind. Darüber hinaus konnten die Befragten Auskunft zu kognitiven Anforderungen sowie zu Handlungsspielräumen am Arbeitsplatz und Kontrolle über die Arbeit geben. Kognitive Anforderungen wurden über drei Fragen erhoben. Eine Frage zielte darauf, wie häufig die Erwerbstätigen vor neue Aufgaben gestellt wurden („Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie vor neue Aufgaben gestellt werden, in die Sie sich erst mal hineindenken und einarbeiten müssen?“). Eine weitere Frage erfasste, ob häufig bisherige Verfahren verbessert oder etwas Neues ausprobiert werden musste („Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie bisherige Verfahren verbessern oder etwas Neues ausprobieren?“). Als letztes wurde im Bereich der kognitiven Anforderungen eruiert, ob häufig von den Befragten Dinge verlangt wurden, die sie nicht gelernt haben oder die sie nicht beherrschen („Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Dinge von Ihnen verlangt werden, die Sie nicht gelernt haben oder die Sie nicht beherrschen?“). Handlungsspielräume bei der Arbeit wurden über zwei Fragen erfasst. Eine Frage erkundigte sich danach, ob häufig die Arbeit selbst geplant
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 16 und eingeteilt werden kann („Wie häufig kommt es vor, dass Sie Ihre Arbeit selbst planen und einteilen können?“). Eine weitere Frage eruierte, ob häufig die Arbeitsmenge beeinflusst werden konnte („Wie häufig kommt es vor, dass Sie Einfluss auf die Ihnen zugewiesene Arbeitsmenge haben?“). Die Kontrolle über die Arbeit wurde ebenfalls durch zwei Items erhoben. Eine Frage richtete sich darauf, ob die Beschäftigten häufig nicht rechtzeitig über einschneidende Entscheidungen, Veränderungen oder Pläne für die Zukunft informiert wurden („Wie oft kommt es vor, dass Sie nicht rechtzeitig über einschneidende Entscheidungen, Veränderungen oder Pläne für die Zukunft informiert werden?“). Eine weitere Frage erhob, ob oft nicht alle notwendigen Informationen erhalten wurden, um die Tätigkeit ordentlich ausführen zu können („Wie oft kommt es vor, dass Sie nicht alle notwendigen Informationen erhalten, um Ihre Tätigkeit ordentlich ausführen zu können?“). Weiterhin wurde die Arbeitsunfähigkeit mit der Frage „Sind Sie in den letzten 12 Monaten krank zu Hause geblieben bzw. haben sich Krankgemeldet?“ erhoben. Wurde diese bejaht, schloss sich die Frage an: „Wie viele Arbeitstage waren das insgesamt?“. Der Forschungsansatz verwendet für diese Sekundärdatenanalyse die Methoden der deskriptiven Statistik und Korrelationsanalytik. Für die Testung von Unterschiedshypothesen wurden Chi-Quadrat-Tests nach Pearson durchgeführt. Ein p-Wert von weniger als 0,05 wurde verwendet, um einen statistisch signifikanten Zusammenhang festzustellen. Die Analysen wurden mit IBM/SPSS-Statistics 29 durchgeführt.
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 17 3. Ergebnisse 3.1 Soziodemografische Merkmale Von den im Zuge der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 befragten 20.012 Erwerbstätigen waren 919 zum Zeitpunkt der Erhebung in den untersuchten Sozialberufen beschäftigt. Davon waren 341 als Sozialarbeiter/-in, 130 als Heilerziehungspflegende bzw. Heilpädagoge/-in sowie 448 als Erzieher/-in tätig (vgl. Tabelle 1). In den in die Analysen einbezogenen Gesundheitsberufen waren 1.215 der durch die BIBB/BAuA befragten Erwerbstätigen angestellt. Von diesen übten 196 eine berufliche Tätigkeit als Ärztin oder Arzt, 334 als Altenpfleger/-in, 532 als Krankenpflegefachkraft und 153 als Krankenpflegehilfskraft aus (vgl. Tabelle 2). Zwischen den Sozialund Gesundheitsberufen sowie allen anderen Beschäftigten, aber auch innerhalb der Sozialund Gesundheitsberufe, zeigen sich hinsichtlich ihrer soziodemografischen Merkmale gravierende Unterschiede. So ist der Frauenanteil in den Sozialund Pflegeberufen deutlich höher als bei den Ärztinnen sowie Ärzten und übrigen Erwerbstätigen (vgl. Tabelle 1; vgl. Tabelle 2). Beim Alter wird in Tabelle 1 und Tabelle 2 ersichtlich, dass Fachkräfte der Heilerziehungspflege/-pädagogik, Ärztinnen und Ärzte (45,6 Jahre; SD = 12,5) sowie Krankenpflegefachkräfte (44,6 Jahre; SD = 12,3) im Durchschnitt etwas älter sind als die Beschäftigten in anderen Berufen (44,0 Jahre; SD = 12,1). Hingegen liegt das Durchschnittsalter bei Sozialarbeitenden (42,7 Jahre; SD = 11,9), Erzieher/-innen (42,2 Jahre; SD = 12,1) sowie Altenpfleger/-innen (43,2 Jahre; SD = 13,2) und Krankenpflegehilfskräften (40,1 Jahre; SD = 12,0) etwas unter dem bei allen weiteren Erwerbstätigen (vgl. Tabelle 1; vgl. Tabelle 2). Tabelle 1 und Tabelle 2 legen zudem Differenzen zwischen den Berufsgruppen im Hinblick auf den höchsten Ausbildungsabschluss offen. Fast jede Ärztin bzw. jeder Arzt (97 %) kann einen Fachhochschuloder Universitätsabschluss vorweisen. Von den Sozialarbeitenden sind es knapp Dreiviertel (72 %). Bei den Fachkräften der Heilerziehungspflege/- pädagogik, Erzieher/-innen sowie den Pflegekräften sind die entsprechenden Anteile erheblich niedriger (vgl. Tabelle 1; vgl. Tabelle 2). In der Gegenüberstellung aller Berufsgruppen fällt zudem auf, dass der prozentuale Anteil an Personen mit Migrationshintergrund oder mit nichtdeutscher Staatsbürgerschaft bei den Ärztinnen sowie Ärzten mit 32 Prozent überproportional hoch ist (vgl. Tabelle 1; vgl. Tabelle 2).
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 18 Tabelle 1: Soziodemografische Merkmale von Sozialberufen Merkmale Berufe n (erfasst) Anteil bzw. Jahre p-Wert I. Fallzahlen Sozialarbeitende 341 1 % Heilerziehungspflege/ -pädagogik 130 1 % Erzieher/-innen 448 2 % andere Berufe 19.093 96 % II. Geschlecht weiblich Sozialarbeitende 187 71 % < 0,001 Heilerziehungspflege/ -pädagogik 76 61 % Erzieher/-innen 357 87 % andere Berufe 8.450 44 % männlich Sozialarbeitende 77 29 % Heilerziehungspflege/ -pädagogik 48 39 % Erzieher/-innen 55 13 % andere Berufe 10.762 56 % III. Alter: Durchschnittsalter (Mittelwert, SD) Sozialarbeitende 263 42,7 (11,9) Heilerziehungspflege/ -pädagogik 124 46,6 (10,5) Erzieher-/innen 407 42,2 (12,1) andere Berufe 19.020 44,0 (12,1) IV. Ausbildungsabschluss Fachhochschule, Universität, BA, gehobene, höhere Beamte Sozialarbeitende 191 72 % < 0,001 Heilerziehungspflege/ -pädagogik 14 11 % Erzieher/-innen 86 21 % andere Berufe 5.267 27 % anderer oder ohne Berufsabschluss Sozialarbeitende 73 28 % Heilerziehungspflege/ -pädagogik 110 89 % Erzieher/-innen 326 79 % andere Berufe 13.871 73 %
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 19 V. Staatsangehörigkeit deutsch Sozialarbeitende 203 77 % 0,339 Heilerziehungspflege/ -pädagogik 104 84 % Erzieher/-innen 338 82 % andere Berufe 15.443 80 % Migrationshintergrund / keine deutsche Staatsbürgerschaft Sozialarbeitende 60 23 % Heilerziehungspflege/ -pädagogik 20 16 % Erzieher/-innen 74 18 % andere Berufe 3.747 20 % Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018; gewichtete Daten. Tabelle 2: Soziodemografische Merkmale von Gesundheitsberufen Merkmale Berufe n (erfasst) Anteil bzw. Jahre p-Wert I. Fallzahlen Ärztinnen/Ärzte 196 1 % Altenpfleger/-innen 334 2 % Krankenpflegefachkräfte 32 3 % Krankenpflegehilfskräfte 153 1 % andere Berufe 18.798 93 % II. Geschlecht weiblich Ärztinnen/Ärzte 105 54 % < 0,001 Altenpfleger/-innen 288 86 % Krankenpflegefachkräfte 459 86 % Krankenpflegehilfskräfte 99 65 % andere Berufe 8.119 43 % männlich Ärztinnen/Ärzte 91 46 % Altenpfleger/-innen 46 14 % Krankenpflegefachkräfte 73 14 % Krankenpflegehilfskräfte 53 35 % andere Berufe 10.679 57 %
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 20 III. Alter: Durchschnittsalter (Mittelwert, SD) Ärztinnen/Ärzte 193 45,5 (12,5) Altenpfleger/-innen 333 43,2 (13,2) Krankenpflegefachkräfte 530 44,6 (12,3) Krankenpflegehilfskräfte 152 40,1 (12,0) andere Berufe 18.607 44,0 (12,1) IV. Ausbildungsabschluss Fachhochschule, Universität, BA, gehobene, höhere Beamte Ärztinnen/Ärzte 191 97 % < 0,001 Altenpfleger/-innen 18 5 % Krankenpflegefachkräfte 56 11 % Krankenpflegehilfskräfte – – andere Berufe 5.283 28 % anderer oder ohne Berufsabschluss Ärztinnen/Ärzte – – Altenpfleger/-innen 316 95 % Krankenpflegefachkräfte 472 89 % Krankenpflegehilfskräfte 144 94 % andere Berufe 13.444 72 % V. Staatsangehörigkeit deutsch Ärztinnen/Ärzte 133 68 % < 0,001 Altenpfleger/-innen 276 83 % Krankenpflegefachkräfte 425 80 % Krankenpflegehilfskräfte 128 84 % andere Berufe 15.127 81 % Migrationshintergrund / keine deutsche Staatsbürgerschaft Ärztinnen/Ärzte 62 32 % Altenpfleger/-innen 57 17 % Krankenpflegefachkräfte 107 20 % Krankenpflegehilfskräfte 25 16 % andere Berufe 3.651 19 % Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018; gewichtete Daten.
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 21 3.2 Arbeitszufriedenheit In der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 gaben die Beschäftigten für verschiedene Aspekte ihrer Arbeit an, ob sie mit diesen sehr zufrieden, zufrieden, weniger zufrieden oder nicht zufrieden sind (vgl. Kapitel 3). Tabelle 3 und Tabelle 4 informieren über die Zufriedenheit der Sozialund Gesundheitsberufe sowie der anderen Berufe mit ihren Beschäftigungsbedingungen, ihren Aufstiegsund Weiterbildungsmöglichkeiten, ihrer Tätigkeit, ihrem Betrieb sowie mit ihrer Arbeit insgesamt. Wie sich in Tabelle 3 und Tabelle 4 zeigt, sind im Vergleich zu den anderen Berufen (75 %) deutlich weniger Erzieher/-innen (64 %), Altenpfleger/-innen (49 %) sowie Krankenpflegefachkräfte (58 %) sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrem Einkommen. Zwischen Sozialarbeitenden (73 %), Fachkräften der Heilerziehungspflege/-pädagogik (74 %) sowie Krankenpflegehilfskräften (76 %) und den übrigen Beschäftigten bestehen hier hingegen nur geringe Unterschiede. Bei den Ärztinnen und Ärzten liegt der korrespondierende Anteil mit 87 Prozent deutlich höher als bei allen weiteren Berufstätigen (vgl. Tabelle 3; vgl. Tabelle 4). Erzieher/-innen (73 %) und Pflegekräfte (Altenpfleger/-innen: 56 %, Krankenpflegefachkräfte: 52 %, Krankenpflegehilfskräfte: 62 %) sind außerdem mit ihren körperlichen Arbeitsbedingungen in Relation zu den anderen Berufen deutlich seltener sehr zufrieden oder zufrieden (vgl. Tabelle 3; vgl. Tabelle 4). Daneben zeigen die Analysen, dass die Sozialberufe im Gegensatz zu den Gesundheitsberufen und allen anderen Beschäftigten häufiger sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrer Arbeitszeit sind (vgl. Tabelle 3; vgl. Tabelle 4). Innerhalb der Gesundheitsberufe sind Ärztinnen und Ärzte mit dieser am seltensten sehr zufrieden oder zufrieden (vgl. Tabelle 4). Tabelle 3 und Tabelle 4 legen zudem dar, dass die Sozialund Gesundheitsberufe im Abgleich zu allen anderen Beschäftigten mit ihren Weiterbildungsund Aufstiegsmöglichkeiten geringfügig häufiger sehr zufrieden oder zufrieden sind. Im Vergleich der Sozialund Gesundheitsberufe ergibt sich bei den Gesundheitsberufen insgesamt eine etwas höhere Zufriedenheit mit den Aufstiegsmöglichkeiten und den Möglichkeiten sich weiterzubilden (vgl. Tabelle 3; vgl. Tabelle 4). Im Bereich der Zufriedenheit mit der Tätigkeit offenbaren Tabelle 3 und Tabelle 4, dass bei allen Berufsgruppen innerhalb der Sozialund Gesundheitsberufe über 90 Prozent der Beschäftigten mit der Art und dem Inhalt ihrer Tätigkeit sehr zufrieden oder zufrieden sind. Vergleichbares zeigt sich für die Möglichkeiten, die eigenen Fähigkeiten bei der Arbeit anwenden zu können und die berufliche Position (vgl. Tabelle 3; vgl. Tabelle 4).
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 22 Mit dem Betriebsklima sind 89 Prozent der Sozialarbeitenden und 87 Prozent der Erzieher/-innen sehr zufrieden oder zufrieden, was etwas über dem Anteil bei allen weiteren Erwerbstätigen (85 %) ist (vgl. Tabelle 3). Hingegen sind Heilerziehungspflegende sowie Heilpädagoginnen und -pädagogen (81 %), Altenpfleger/-innen (80 %) sowie Fachkräfte (80 %) und Hilfskräfte (76 %%) in der Krankenpflege weniger häufig sehr zufrieden oder zufrieden mit dem Betriebsklima als Beschäftigte in anderen Berufen (vgl. Tabelle 3; vgl. Tabelle 4). Bei der Zufriedenheit, mit der bzw. dem direkten Vorgesetzten demonstrieren Tabelle 3 und Tabelle 4, dass Sozialarbeitende (85 %), Erzieher/-innen (85 %), Altenpfleger/-innen (84 %) sowie Krankenpflegehilfskräfte (87 %) häufiger mit dieser bzw. diesem sehr zufrieden oder zufrieden sind als die anderen Berufe (83 %). Bei den Fachkräften der Heilerziehungspflege/-pädagogik (77 %), Ärztinnen und Ärzten (82 %) sowie Krankenpflegefachkräften (79 %) liegen die entsprechenden Werte hingegen unter dem Anteil bei den übrigen Erwerbstätigen (vgl. Tabelle 3; vgl. Tabelle 4). Nach den Ergebnissen der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 besteht bei den Sozialund Gesundheitsberufen, aber auch bei den anderen Berufen, allgemein eine hohe Arbeitszufriedenheit. Es berichteten über 90 Prozent der Sozialarbeitenden (96 %), Fachkräfte der Heilerziehungspflege/-pädagogik (93 %), Erzieher/-innen (95 %), Ärztinnen sowie Ärzte (95 %) und Krankenpflegehilfskräfte mit ihrer Arbeit sehr zufrieden bis zufrieden zu sein, was etwas über dem Prozentsatz bei allen weiteren Beschäftigten (91 %) ist (vgl. Tabelle 3; vgl. Tabelle 4). Hingegen sind Altenpfleger/-innen (88 %) und Krankenpflegefachkräfte (85 %) im Vergleich zu anderen Berufen seltener mit ihrer Arbeit insgesamt sehr zufrieden oder zufrieden (vgl. Tabelle 4). Tabelle 3: Arbeitszufriedenheit in Sozialberufen „Sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ mit folgenden Aspekten Berufe Anteil p-Wert I. Beschäftigungsbedingungen (n = 19938) Einkommen Sozialarbeitende 73 % < 0,001 Heilerziehungspflege/ -pädagogik 74 % Erzieher/-innen 64 % andere Berufe 75 %
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 23 körperliche Arbeitsbedingungen Sozialarbeitende 92 % < 0,001 Heilerziehungspflege/ -pädagogik 81 % Erzieher/-innen 73 % andere Berufe 81 % Arbeitszeit Sozialarbeitende 83 % < 0,001 Heilerziehungspflege/ -pädagogik 85 % Erzieher/-innen 89 % andere Berufe 81 % II. Aufstiegsund Weiterbildungsmöglichkeiten (n = 19.240) Aufstiegsmöglichkeiten Sozialarbeitende 68 % < 0,01 Heilerziehungspflege/ -pädagogik 67 % Erzieher/-innen 72 % andere Berufe 64 % Weiterbildungsmöglichkeiten Sozialarbeitende 80 % < 0,01 Heilerziehungspflege/ -pädagogik 76 % Erzieher/-innen 83 % andere Berufe 75 % III. Tätigkeit und berufliche Position (n = 19.959) Art und Inhalt der Tätigkeit Sozialarbeitende 96 % < 0,05 Heilerziehungspflege/ -pädagogik 93 % Erzieher/-innen 95 % andere Berufe 92 % Möglichkeiten, die eigenen Fähigkeiten anzuwenden Sozialarbeitende 92 % 0,202 Heilerziehungspflege/ -pädagogik 90 % Erzieher/-innen 89 % andere Berufe 88 % berufliche Position Sozialarbeitende 93 % < 0,05 Heilerziehungspflege/ -pädagogik 90 % Erzieher/innen 91 % andere Berufe 88 %
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 24 III. Betrieb (n = 18.899) Betriebsklima Sozialarbeitende 89 % 0,118 Heilerziehungspflege/ -pädagogik 81 % Erzieher/-innen 87 % andere Berufe 85 % direkter Vorgesetzter Sozialarbeitende 85 % 0,213 Heilerziehungspflege/ -pädagogik 77 % Erzieher/-innen 85 % andere Berufe 83 % IV. Arbeit insgesamt (n = 19.978) Sozialarbeitende 96 % < 0,001 Heilerziehungspflege/ -pädagogik 93 % Erzieher/-innen 95 % andere Berufe 91 % Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018; gewichtete Daten. Tabelle 4: Arbeitszufriedenheit in Gesundheitsberufen „Sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ mit folgenden Aspekten Berufe Anteil p-Wert I. Beschäftigungsbedingungen (n = 19.940) Einkommen Ärztinnen/Ärzte 87 % < 0,001 Altenpfleger/-innen 49 % Krankenpflegefachkräfte 58 % Krankenpflegehilfskräfte 76 % andere Berufe 75 % körperliche Arbeitsbedingungen Ärztinnen/Ärzte 81 % < 0,001 Altenpfleger/-innen 56 % Krankenpflegefachkräfte 52 % Krankenpflegehilfskräfte 62 % andere Berufe 83 % Arbeitszeit Ärztinnen/Ärzte 64 % < 0,001 Altenpfleger/-innen 74 % Krankenpflegefachkräfte 70 % Krankenpflegehilfskräfte 77 % andere Berufe 81 %
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 31 im Durchschnitt etwas länger arbeitsunfähig waren als alle weiteren Beschäftigten. Dagegen waren nach den Auswertungen Ärztinnen und Ärzte im Durchschnitt nur rund zehn Tage (10,4 Tage; SD = 12,4) arbeitsunfähig. Bekanntlich bestehen enge Assoziationen zwischen dem sozioökonomischen Status und der individuellen Gesundheit. Vermutlich wird daher die beobachtete deutlich niedrigere krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit bei Ärztinnen und Ärzten im Vergleich zu den anderen Sozialund Gesundheitsberufen sowie den übrigen Erwerbstätigen im Hintergrund durch deren höhere soziale Position, die insbesondere durch das Vorliegen eines akademischen Abschlusses und ein damit verbundenes höheres Einkommen zum Ausdruck kommt, beeinflusst. Tabelle 5: Arbeitsunfähigkeit in Sozialund Gesundheitsberufen Merkmale Berufe Anteil bzw. Arbeitstage p-Wert I. Arbeitsunfähigkeit bei Sozialberufen (n = 19.957) krankgemeldet in den letzten zwölf Monaten Sozialarbeitende 64 % < 0,001 Heilerziehungspflege/ -pädagogik 68 % Erzieher/-innen 73 % andere Berufe 60 % Arbeitstage krankgemeldet (Mittelwerte, SD) Sozialarbeitende 19,7 (37,5) Heilerziehungspflege/ -pädagogik 15,6 (18,6) Erzieher/-innen 17,0 (29,3) andere Berufe 18,9 (35,2) II. Arbeitsunfähigkeit bei Gesundheitsberufen (n = 19.957) krankgemeldet in den letzten zwölf Monaten Ärztinnen/Ärzte 44 % < 0,001 Altenpfleger/-innen 62 % Krankenpflegefachkräfte 70 % Krankenpflegehilfskräfte 61 % andere Berufe 60 %
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 32 Arbeitstage krankgemeldet (Mittelwerte, SD) Ärztinnen/Ärzte 10,4 (12,4) Altenpfleger/-innen 23,6 (36,8) Krankenpflegefachkräfte 20,7 (32,8) Krankenpflegehilfskräfte 22,3 (26,9) andere Berufe 18,8 (35,2) Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018. 3.6 Arbeitszufriedenheit und Krankmeldung In Abbildung 3 und Abbildung 4 werden die allgemeine Arbeitszufriedenheit sowie das Vorliegen einer Krankmeldung in den letzten 12 Monaten bei den Beschäftigten in der Gegenüberstellung der Berufe visualisiert. In beiden Abbildungen fällt ein Zusammenhang zwischen der allgemeinen Arbeitszufriedenheit und den krankgemeldeten Arbeitstagen auf. Sowohl bei den Sozialund Gesundheitsberufen als auch bei den übrigen Erwerbstätigen gaben die sehr zufriedenen Beschäftigten seltener an, dass sie sich in den letzten 12 Monaten krankgemeldet haben. Bei den Ärztinnen und Ärzten (Phi = –0,158; p < 0,05), den Altenpfleger/-innen (Phi = –0,112; p < 0,05), den Krankenpflegefachkräften (Phi = –0,085; p < 0,05) und den anderen Berufen (Phi = –0,093; p < 0,001) sind die Unterschiede signifikant ausgeprägt.
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 33 Abbildung 5: Arbeitszufriedenheit und Krankmeldung in Sozialberufen Abbildung 6: Arbeitszufriedenheit und Krankmeldung in Gesundheitsberufen für beide Abbildungen: Anmerkung: Signifikanzniveau Chi-Quadrat-Test nach Pearson: *p < 0,05; ***p < 0,001 Quelle jeweils: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 34 4. Diskussion Vor der Diskussion der Ergebnisse werden zunächst die Limitationen skizziert, die sich auf Grundlage der gewählten Datenbasis ergeben. Denn die Daten der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 wurden lediglich sekundäranalytisch genutzt, um die Arbeitszufriedenheit bei Sozialund Gesundheitsberufen zu erforschen. 4.1 Limitationen Bei der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 handelt es sich um eine repräsentative Erhebung mit einer großen Stichprobe von 20.012 Erwerbstätigen Die hier vorgestellte Sekundäranalyse liefert damit repräsentative Ergebnisse für die untersuchten Sozialund Gesundheitsberufe in Deutschland. Zudem waren auf Grundlage der Daten der BIBB/BAuAErwerbstätigenbefragung 2018 Vergleiche mit anderen Berufen möglich. Die vorliegende Studie ist auch nicht auf kleine Regionen oder ausgewählte Arbeitsfelder von Sozialund Gesundheitsberufen begrenzt. Im Hinblick auf die in dieser Studie fokussierten Sozialund Gesundheitsberufe bestehen aber methodische Einschränkungen. Sozialarbeitende, Heilerziehungspflegende, Heilpädagoginnen/-pädagogen, Erzieher/-innen, Ärztinnen und Ärzte, Altenpfleger/-innen sowie Fachkräfte und Hilfskräfte in der Krankenpflege sind in Deutschland relativ kleine Berufsgruppen und daher auch in der repräsentativen BIBB/BAuA-Erhebung 2018. Die Fallzahlen in der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 schränkten von vornherein die Auswertungsmöglichkeiten und die statistische Power ein. Es wäre wünschenswert gewesen, die Ergebnisse nach Geschlecht, Alter, Bildung und Migrationshintergrund zu stratifizieren; insbesondere zur allgemeinen Arbeitszufriedenheit und zur Arbeitsunfähigkeit. Multivariate Analysen führten jedoch zu kleinen Zellen und statistischen Unschärfen. Je kleiner die Fallzahlen, desto statistisch unsicherer werden die hochgerechneten Ergebnisse. Bei den Vergleichsanalysen ist daher zu beachten, dass die Unterschiede beim Frauenanteil, Durchschnittsalter und Bildungsstand die Ergebnisse zur Arbeitszufriedenheit und zum Krankenstand zu einem gewissen Grad konfundieren und bei kleinen Fallzahlen vorsichtig zu interpretieren sind. Die standardisierten Fragen zu den Arbeitsbedingungen eruierten bevorzugt die Häufigkeit von Ereignissen in der beruflichen Tätigkeit bei den Antwortoptionen. Es ist aber kritisch anzumerken, dass die Antwortoption
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 35 „häufig“ in den Ausfüllhinweisen nicht weiter quantifiziert wurde. Das könnte methodisch zu Unschärfen führen, die jedoch bei den hier angestellten Gruppenvergleichen zwischen den Berufen gleichermaßen zutreffen dürften und damit nur die Randverteilungen der Items tangieren. Die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung ist als Querschnittsbefragung konzipiert worden, die im Abstand von fünf bis sechsen Jahren regelmäßig wiederholt wird. Es können deshalb aus den statistisch signifikanten Assoziationen nicht ohne Weiteres kausale Beziehungen abgeleitet werden. Im Hinblick auf zukünftige Analysen zur Arbeitszufriedenheit bei Sozialund Gesundheitsberufen auf Basis der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung wäre zudem eine Aufschlüsselung, nach den Arbeitsfeldern von diesen wünschenswert. Denn die Arbeitszufriedenheit, aber auch die Arbeitsanforderungen und -ressourcen können in diesen sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Dadurch könnten für die verschiedenen Praxisfelder der Sozialund Gesundheitsberufe spezifische Ergebnisse gewonnen werden. 4.2 Diskussion der Ergebnisse Das primäre Ziel der vorliegenden Studie war es, auf Basis der Daten der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 die allgemeine Arbeitszufriedenheit bei Sozialarbeitenden, Fachkräften der Heilerziehungspflege/-pädagogik, Erzieher/-innen sowie bei Ärztinnen und Ärzten, Altenpfleger/- innen, Krankenpflegefachkräften und Krankenpflegehelfer/-innen sowie ihre Zufriedenheit mit verschiedenen Merkmalen ihrer Arbeit empirisch zu beschreiben und vergleichend zu analysieren. Dazu wurden die untersuchten Sozialund Gesundheitsberufe gegenüber allen übrigen Berufen kontrastiert. Weiterhin wurde exploriert, welche Differenzen sich zwischen den untersuchten Sozialund Gesundheitsberufen bei den kognitiven Anforderungen, bei den Handlungsspielräumen am Arbeitsplatz, der Kontrolle über die Arbeit und bei den krankheitsbedingten Fehlzeiten ergeben. Zudem wurde mittels multivariater Analysen der Forschungsfrage nachgegangen, ob sich die mit ihrer Arbeit sehr zufriedenen Beschäftigten in Deutschland im Vergleich zu allen eher unzufriedenen Berufstätigen in den letzten 12 Monaten seltener krankgemeldet haben. Als zentrales Ergebnis zeigen die Analysen, dass trotz der hohen Arbeitsanforderungen im Sozialund Gesundheitswesen (Hall et al. 2021; Hall/Leppelmeier 2015; Helmrich et al. 2016; Hollederer 2022; Hollede-
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 36 rer/Mayer 2024a, 2024b; Institut DGB-Index Gute Arbeit 2023; Kahl/Bauknecht 2023; Madeira Firmino/Bauknecht 2022), ein Großteil der Beschäftigten in den beforschten Sozialund Gesundheitsberufen sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrer Arbeit insgesamt ist. Dies ist konsistent zur Studienlage, nach der die Arbeitszufriedenheit bei Sozialund Gesundheitskräften in Deutschland gut ausgeprägt ist (Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege 2023; Gambaro/Spieß/Westermaier 2021; Hall/Leppelmeier 2015; Helmrich et al. 2016). In Übereinstimmung mit vorherigen Studien (Helmrich et al. 2016; Rothgang/Müller/Preuß 2020) sind den Ergebnissen zufolge Altenpfleger/-innenund Krankenpflegefachkräfte etwas unzufriedener mit ihrer Arbeit insgesamt als alle weiteren Erwerbstätigen in Deutschland. Daneben bestätigt sich auch in der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 der bisherige Befund (Hall/Leppelmeier 2015; Helmrich et al. 2016; Rothgang/Müller/Preuß 2020), dass Sozialund Gesundheitsberufe mit ihrer Tätigkeit zufrieden sind. Hingegen ergibt sich bei der Zufriedenheit mit Beschäftigungsbedingungen wie dem Einkommen, den körperlichen Arbeitsbedingungen und der Arbeitszeit ein differenziertes Bild. Rund ein Viertel der Sozialarbeitenden, der Fachkräfte der Heilerziehungspflege/-pädagogik sowie der Krankenpflegehilfskräfte sowie etwa 40 Prozent der Erzieher/-innen sowie der Krankenpflegefachkräfte sind eher unzufrieden mit ihrem Einkommen. Von den Altenpfleger/-innen ist sogar mehr als die Hälfte unzufrieden mit dem Einkommen. Dies stimmt mit dem Forschungsstand überein, nach dem eine hohe Unzufriedenheit mit dem Einkommen in Sozialund Pflegeberufen vorherrscht (Hall/Leppelmeier 2015; Helmrich et al. 2016; Orlanski 2015; Rothgang/Müller/ Preuß 2020). Eine Ursache für die niedrige Einkommenszufriedenheit bei Beschäftigten im Sozialwesen und in der Pflege könnte sein, dass diese ihre Entlohnung angesichts ihrer Anforderungen und gesellschaftlichen Bedeutung häufig als nicht gerecht empfinden (Henn et al. April 2017; Institut DGB-Index Gute Arbeit 2020, 2023). Denn für die Zufriedenheit mit dem Verdienst ist dem bisherigen Erkenntnisstand zufolge nicht die Höhe des Lohns von zentraler Bedeutung, sondern, ob dieser als gerecht und fair wahrgenommen wird (Judge et al. 2010; Nerdinger 2019). Nach einer Studie von Ganserer/Kampkötter/Steffes (2021) korreliert die Einkommenszufriedenheit stark mit der Arbeitszufriedenheit. Entsprechend könnte die bei Altenpfleger/-innen und Krankenpflegefachkräften beobachtete niedrigere Arbeitszufriedenheit auf ihre deutlich höhere Unzufriedenheit mit ihrem Einkommen zurückzuführen sein.
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 37 Ferner legen die Befunde bei der Zufriedenheit mit den körperlichen Arbeitsbedingungen deutlich Differenzen zwischen den analysierten Sozialund Gesundheitsberufen offen. Die Auswertungen zeigen, dass Erzieher/-innen und Pflegekräfte wesentlich unzufriedener mit diesen sind als Sozialarbeitende, Fachkräfte der Heilerziehungspflege/-pädagogik, Ärztinnen und Ärzte sowie die übrigen Beschäftigten. Vorherige Studien kamen zu vergleichbaren Ergebnissen (Hall/Leppelmeier 2015; Helmrich et al. 2016; Rothgang/Müller/Preuß 2020). Die hohe Unzufriedenheit von Erzieher/-innen und Pflegekräften mit ihren körperlichen Arbeitsbedingungen geht vermutlich daraus hervor, weil diese in ihrer Berufstätigkeit häufig schwere Lasten heben und tragen sowie oft in Zwangshaltungen arbeiten müssen (Helmrich et al. 2016; Hollederer/Mayer 2024b; Institut DGB-Index Gute Arbeit 2023; Lück/Melzer 2020; Rothgang/Müller/Preuß 2020). Zur Reduktion von physischen Anforderungen bei Erzieher/-innen und Pflegekräften und damit auch von Muskel-Skelett-Beschwerden, werden der Einsatz von Hilfsmitteln (z. B. Mobillifter, Gleitmatten, Erzieher/-innenstühle, Wickeltische mit integriertem Aufstieg) und die Anwendung schonender Arbeitstechniken (z. B. Bobath-Konzept, Kinästhetik), (Prüver 2015; Schütte/Petersen 2023) sowie Maßnahmen der betriebliche Gesundheitsförderung empfohlen (Helmrich et al. 2016). Wie Studien für Deutschland zeigen, ist ein Ausbau der betrieblichen Gesundheitsförderung bei Sozialund Gesundheitsberufen angezeigt (Dieckmännken/Hüter/Mayer 2023; Hollederer/Mayer 2024a, 2024b; Hollederer, 2021). Diese kann nach dem Forschungsstand nicht nur die Gesundheit von Beschäftigten verbessern, sondern auch die Arbeitszufriedenheit erhöhen (Hartung/Faller/Rosenbrock 2021) und krankheitsbedingte Fehlzeiten verringern (Barthelmes et al. 2019; Basińska-Zych/Springer 2021; Tarro et al. 2020). Sie bietet damit insgesamt eine große Chance, um die Gesundheit und Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten im Sozialund Gesundheitswesen zu erhalten. Des Weiteren deuten die Befunde zur Arbeitszeitzufriedenheit bei den Gesundheitsberufen auf einen Gestaltungsbedarf hin. Dabei offenbaren die Analysen bei den Altenpfleger/-innenund Krankenpflegefachkräften, dass die Zufriedenheit mit ihrer Arbeitszeit im Vergleich zur BIBB/BAuAErwerbstätigenbefragung 2012 abgenommen hat (Helmrich et al. 2016). Laut den Ergebnissen einer Studie von Trauernicht/Besser/Anders (2022) steigert eine geringere Zufriedenheit mit der Arbeitszeit das Risiko emotionale Erschöpfung zu entwickeln; ein Kernsymptom der Berufskrankheit Burnout (World Health Organization 2022). Vor diesem Hintergrund kommt der Arbeitszeitgestaltung im Gesundheitswesen eine wich-
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 38 tige Bedeutung zu. Denn um den wachsenden Bedarf an Gesundheitskräften zu begegnen, ist es für die Einrichtungen und Organisation umso wichtiger, die Gesundheit der vorhandenen Beschäftigten zu erhalten, damit diese in ihrem Beruf verbleiben können. Zu der beobachteten häufigeren Unzufriedenheit der Gesundheitsberufe gegenüber den Sozialberufen und übrigen Erwerbstätigen mit ihrer Arbeitszeit tragen die an vielen Arbeitsstellen im Gesundheitswesen gegebenen atypischen Arbeitszeiten bei. So zeigt eine Studie von Wanger (2017), dass atypische Arbeitszeitlagen wie Schichtoder Wochenendarbeit die Zufriedenheit von Beschäftigten mit ihrer Arbeitszeit reduzieren. Inwieweit sich innovative Arbeitszeitmodelle wie eine Reduzierung der Arbeitstage (z. B. vier Tage Woche), Wechselmodelle (z. B. einer Arbeitswoche folgt eine arbeitsfreie Woche), eine flexible Arbeitszeitgestaltung (z. B. hinsichtlich Arbeitsbeginn und -ende) oder Wahlarbeitszeiten (z. B. in einem Jahr 30 Stunden die Woche arbeiten und im nächsten wieder in Vollzeit) im Gesundheitswesen umsetzen und etablieren lassen, gilt es weitgehend noch zu erforschen. Erste Studien liefern bei Ärztinnen und Ärzten Indizien dafür, dass neue Arbeitszeitmodelle (z. B. Entkoppelung des Bereitschaftsdienstes vom Nachtdienst oder tägliche Höchstarbeitszeit im Nachtund Wochenenddienst von etwa zwölf Stunden) (Helmig et al. 2010) und Autonomie bei der Arbeitszeitgestaltung (z. B. hinsichtlich Arbeitsbeginn und Arbeitsende sowie die Möglichkeit der Rücksichtnahme auf private Interessen bei der Planung der Arbeitszeit) (Helmig et al. 2010; Jung et al. 2022) die Arbeitsbelastung reduzieren und die Arbeitszufriedenheit fördern, gleichzeitig aber die Versorgung der Patientinnen und Patienten nicht gefährden. Laut den Auswertungen tritt häufiges vor neue Aufgaben gestellt werden bei Fachkräften der Heilerziehungspflege/-pädagogik, Erzieher/-innen und Pflegekräften im Vergleich zu Sozialarbeitenden, Ärztinnen und Ärzten sowie den übrigen Erwerbstätigen deutlich seltener auf. Wie jedoch Studien darlegen, korreliert oft vor neue Aufgaben gestellt werden positiv mit der Arbeitszufriedenheit von Beschäftigten (Meyer/Hünefeld 2018; Schröder/Macamo 2023). Nach Schröder/Macamo (2023) kann die Konfrontation mit neuen Aufgaben in Anlehnung an das empirisch belegte „challenge-hindrance stress model“ (Crawford/Lepine/Rich 2010; Horan et al. 2020; van den Broeck et al. 2010) als eine Herausforderung interpretiert werden, die zwar Anstrengung erfordert, aber auch der Zielerreichung in der Berufstätigkeit zuträglich ist und entsprechend Arbeitszufriedenheit fördert. Demzufolge könnte die Arbeitszufriedenheit von Heilerziehungspflegenden, Heilpädagoginnen/-pädagogen, Erzieher/-innen und Pflegekräften
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 39 gesteigert werden, in dem diese häufiger in ihrer Erwerbstätigkeit vor neue Aufgaben gestellt werden. Hierzu könnte z. B. beitragen, dass die Tätigkeiten von Fachkräften der Heilerziehungspflege/-pädagogik, Erzieher/-innen und Pflegekräften mit Aufgaben angereichert werden, die einen höheren Schwierigkeitsgrad und/oder qualifikatorisches Anforderungsniveau aufweisen. Dieser Gestaltungsansatz wird innerhalb der Arbeitswissenschaften unter „Job Enrichment“ diskutiert und zielt auf einen beabsichtigten Anstieg der Arbeitskomplexität (Herzberg 1987; Rothe et al. 2017; Schaper 2019). Hilfreich könnte in diesem Zusammenhang auch ein Ausbau der Lernund Weiterbildungsaktivitäten in Settings der Behindertenhilfe, Pädagogik und Pflege sein. Des Weiteren legt das von Hackman/Oldham (1976, 1980; Oldham/ Hackman 2010) formulierte und empirisch belegte „job characteristics model“ nahe, dass Arbeitsressourcen wie soziale Unterstützung, Handlungsspielräume am Arbeitsplatz und Kontrolle über die Arbeit zu Arbeitszufriedenheit führen. Dem aktuellen Erkenntnisstand zufolge ist die soziale Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen bei Sozialund Gesundheitsberufen in Deutschland hoch (Drüge/Schleider 2017; Hall/Leppelmeier 2015; Hollederer 2022; Kahl/Bauknecht 2023; Madeira Firmino/Bauknecht 2022; Rothgang/Müller/Preuß 2020). Teil der sozialen Unterstützung sind auch die Führungskräfte. Die Befunde zur Zufriedenheit mit direkten Vorgesetzten liefern Hinweise dafür, dass insbesondere bei Fachkräften der Heilerziehungspflege/-pädagogik und Krankenpflegefachkräften beim Führungsverhalten noch Potenzial besteht. Vergleichbare Befunde ermittelten auch andere Studien (Hollederer/Mayer 2024a, 2024b; Rothgang/Müller/Preuß 2020). Daneben deuten die Ergebnisse darauf hin, dass in den Sozialund Gesundheitsberufen die selbstständige Arbeitsorganisation sowie der Einfluss auf die zugewiesene Arbeitsmenge noch ausbaufähig sind. Eine Erweiterung von Handlungsspielräumen in der praktischen Tätigkeit im Sozialund Gesundheitswesen ist nicht nur mit Blick auf die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten empfehlenswert, sondern auch vor dem Hintergrund, dass Handlungsspielräume als zentrale Ressource für situatives und informelles Arbeitshandeln diskutiert werden (Böhle/Weihrich/Stöger 2015). Bekanntlich bestehen Zusammenhänge zwischen dem Geschlecht und der allgemeinen Arbeitszufriedenheit von Berufstätigen. Wie sich in den Auswertungen zeigte, ist der Frauenanteil bei den Sozialund Pflegeberufen im Vergleich zu den Ärztinnen sowie Ärzten und anderen Berufen überproportional hoch. Daher gilt es zu beachten, dass die durch
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 40 die Analysen offen gelegten Unterschiede zwischen den Berufsgruppen bei der Arbeitszufriedenheit durch die Gruppenzusammensetzungen zu einem gewissen Grad konfundiert worden sein könnten. Zuletzt weisen die Auswertungen – im Einklang mit dem internationalen Forschungsstand (Aaviksoo/Baburin/Kiivet 2013; Böckerman/Ilmakunnas 2008; Fischer/Sousa-Poza 2009; Mekonnen/Lamessa/Wami 2019; Roelen et al. 2008; Tadesse/Ebrahim/Gizaw 2015) – auf einen Zusammenhang zwischen der Arbeitszufriedenheit und den krankheitsbedingten Fehlzeiten von Berufstätigen hin. So legen die Ergebnisse offen, dass sich sowohl bei den untersuchten Sozialals auch Gesundheitsberufen Beschäftigte mit einer höheren Arbeitszufriedenheit seltener in den letzten 12 Monaten krankgemeldet haben als eher unzufriedene Erwerbstätige.
ARBEITSZUFRIEDENHEIT IN SOZIALUND GESUNDHEITSBERUFEN | 47 Humphrey, Stephen E. / Nahrgang, Jennifer D. / Morgeson, Frederick P. (2007): Integrating motivational, social, and contextual work design features: a meta-analytic summary and theoretical extension of the work design literature. In: Journal of Applied Psychology 92, H. 5, S. 1332–1356. Institut DGB-Index Gute Arbeit (2017): Der Report 2017. Mit dem Themenschwerpunkt: Arbeit, Familie, private Interessen – wodurch die Vereinbarkeit behindert wird und wie sie zu fördern ist, Berlin. https://index-gute-arbeit.dgb.de/veroeffentlichungen/ jahresreports/++co++614dfaea-bee1-11e7-98bf-52540088cada (Abruf am 10.1.2024). Institut DGB-Index Gute Arbeit (2020): Weiblich, systemrelevant, unterbezahlt. Arbeitsbedingungen in vier frauendominierten Berufsgruppen, Berlin. https://index-gute-arbeit.dgb.de/ ++co++a8b3b430-7c89-11e9-b866-52540088cada (Abruf am 10.1.2024). Institut DGB-Index Gute Arbeit (2023): Arbeitsbedingungen in der Pflege revisited. Was hat sich in den vergangenen Jahren getan?, Berlin. https://index-gute-arbeit.dgb.de/++co++b9ae039e-ef1c-11ed-872b001a4a160123 (Abruf am 10.1.2024). Judge, Timothy A. / Piccolo, Ronald F. / Podsakoff, Nathan P. / Shaw, John C. / Rich, Bruce Louis (2010): The relationship between pay and job satisfaction: A meta-analysis of the literature. In: Journal of Vocational Behavior 77, H. 2, S. 157–167. Judge, Timothy A. / Thoresen, Carl J. / Bono, Joyce E. / Patton, Gregory K. (2001): The job satisfaction-job performance relationship: a qualitative and quantitative review. In: Psychological bulletin 127, H. 3, S. 376–407. Jung, Franziska U. / Bodendieck, Erik / Hussenoeder, Felix S. / Luppa, Melanie / Riedel-Heller, Steffi G. (2022): It’s about time – Associations between working time dimensions and well-being of physicians. In: Chronobiology International 39, H. 9, S. 1297–1305. Jung, Franziska U. / Luppa, Melanie / Riedel-Heller, Steffi G. (2023): Arbeitszeit bei Ärzt:innen und Auswirkungen auf Gesundheit, Zufriedenheit und Gesundheitsversorgung. In: Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie 73, H. 4, S. 1–7. Kahl, Yvonne / Bauknecht, Jürgen (2023): Psychische und emotionale Erschöpfung von Fachkräften der Sozialen Arbeit. In: Soziale Passagen 15, S. 213–232.
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ISSN 2509-2359