IMK Inflationsmonitor: Inflation in Deutschland im Oktober 2024 bei 2 %, Nahrungsmittel 37,1 % teurer als vor fünf Jahren
Abstract
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Full text
Tober, Silke Research Report IMK Inflationsmonitor: Inflation in Deutschland im Oktober 2024 bei 2 %, Nahrungsmittel 37,1 % teurer als vor fünf Jahren IMK Policy Brief, No. 182 Provided in Cooperation with: Macroeconomic Policy Institute (IMK) at the Hans Boeckler Foundation Suggested Citation: Tober, Silke (2024) : IMK Inflationsmonitor: Inflation in Deutschland im Oktober 2024 bei 2 %, Nahrungsmittel 37,1 % teurer als vor fünf Jahren, IMK Policy Brief, No. 182, HansBöckler-Stiftung, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Düsseldorf This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/307663 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
POLICY BRIEF IMK INFLATIONSMONITOR Inflation in Deutschland im Oktober 2024 bei 2 %, Nahrungsmittel 37,1 % teurer als vor fünf Jahren Silke Tober IMK Policy Brief Nr. 182 · Oktober 2024
Seite 1 von 13 IMK INFLATIONSMONITOR Inflation in Deutschland im Oktober 2024 bei 2 %, Nahrungsmittel 37,1 % teurer als vor fünf Jahren Silke Tober1 Zusammenfassung Die Inflationsrate in Deutschland entsprach im Oktober 2024 mit 2,0 % genau dem Inflationsziel der EZB. Sie war dabei merklich höher als im September 2024 (1,6 %), insbesondere weil die Energiepreise nicht mehr ganz so stark fielen (-5,5 % nach -7,6 % im September 2024). Zudem stiegen die Preise für Nahrungsmittel im weiten Sinne deutlich stärker. Die Kernrate ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak erhöhte sich leicht von 2,7 % im September 2024 auf 2,8 %, wobei der Preisanstieg bei Dienstleistungen auf 4,0 % zunahm. Damit lagen die Verbraucherpreise im Oktober 2024 um 20,4 % höher als fünf Jahre zuvor. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich im gleichen Zeitraum um 37,1 %, Olivenöl und Butter sogar um 99,8 % bzw. 58,3 %. Energie war trotz erheblicher Preisrückgänge seit den Höchstständen zuletzt noch 37,3 % teurer, darunter Erdgas mit 87,5 %. Deutlich weniger stark verteuerten sich in den vergangenen fünf Jahren mit 15,3 % Dienstleistungen und Waren ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak. Die Inflationsraten der neun hier betrachteten Haushaltstypen in verschiedenen Einkommensklassen lagen im Oktober 2024 zwischen 1,4 % und 2,1 %. Einkommensschwache Familien hatten die niedrigste Inflationsrate, aber zugleich die höchste Teuerungsrate seit Oktober 2019 (20,9 %). Am höchsten war im Oktober 2024 – wie bereits seit Februar 2024 – die Inflationsrate für einkommensstarke Alleinlebende, die allerdings über den FünfJahres-Zeitraum die geringste Teuerung erlebten (18,1 %). Der Leitzins der EZB liegt mit 3,25 % noch deutlich im restriktiven Bereich. Damit schwächt die EZB die Konjunktur und verhindert dringend erforderliche Investitionen. Das Inflationsziel von 2 % dürfte in Deutschland und im Euroraum bereits im ersten Quartal 2025 nachhaltig erreicht werden, auch wenn die Inflation am Jahresende noch etwas anzieht. Zugleich ist die Konjunktur trotz der etwas besseren Entwicklung im dritten Quartal schwach und die Aussichten sind eingetrübt. Die EZB sollte trotz der leichten Abwertung des Euro die Zinsen zügig aus dem restriktiven Bereich führen: Nur mit Investitionen und damit einhergehenden Innovationen wird der Euroraum die Herausforderungen der kommenden Jahre bewältigen können. Die Parteien im Bundestag und die künftige Bundesregierung sollten Maßnahmen vermeiden, die die Inflation erhöhen. 1 Dr. Silke Tober, Referatsleitung Geldpolitik, [email protected]
Seite 2 von 13 Nahrungsmittelpreise legen deutlich stärker zu Die Inflationsrate in Deutschland war im Oktober 2024 mit 2,0 % merklich höher als im Vormonat (1,6 %). Entscheidend war, dass der Rückgang der Energiepreise mit -5,5 % geringer ausfiel (September 2024: -7,6 %). Das niedrigere Minus bei den Energiepreisen erklärt den Anstieg der Inflationsrate zur Hälfte (0,2 Prozentpunkte). Weitere 0,1 Prozentpunkte gehen jeweils auf das Konto von Nahrungsmitteln und Dienstleistungen. Der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren war mit 3,1 % deutlich höher als im September 2024 (2,3 %). Die Teuerung bei Dienstleistungen stieg von 3,8 % im September 2024 auf 4,0 % im Oktober 2024 und damit merklich weniger stark, allerdings haben Dienstleistungen ein vielfach höheres Gewicht im Verbraucherpreisindex als Nahrungsmittel. Infolge des Anstiegs der Dienstleistungspreise erhöhte sich auch die Kernrate ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak leicht auf 2,8 %, nach 2,7 % im September 2024 (Abbildung 1).2 Die Preise der Waren in der Kernrate legten mit 0,8 % um 0,1 Prozentpunkte stärker zu. Abbildung 1: Inflation und Kerninflation in Deutschland Januar 2015 – Oktober 2024 Veränderungen der Indizes gegenüber Vorjahresmonat, in % Quellen: Statistisches Bundesamt, Berechnungen des IMK. Die Teuerungsrate von Nahrungsmitteln im engen Sinne hat sich den siebten Monat in Folge erhöht, zuletzt besonders deutlich von 1,6 % im September 2024 auf 2,3 % im Oktober 2024. Allein gegenüber dem Vormonat stiegen die Nahrungsmittelpreise um 0,8 % (saisonbereinigt um 0,9 % nach Angaben der Deutschen Bundesbank). Auch die Teuerungsraten von alkoholfreien Getränken (von 6,0 % im September 2024 auf 6,8 % im Oktober 2024) sowie von Alkohol und Tabak (von 3,2 % auf 4,3 %) zogen deutlich an. 2 Die vom Statistischen Bundesamt (Destatis) veröffentlichte Kernrate erhöhte sich auf 2,9 % nach 2,7 % im September 2024. Das Statistische Bundesamt lässt dabei neben Energie nur Nahrungsmittel im engeren Sinne unberücksichtigt, während hier in Einklang mit Eurostat Nahrungsmittel im weiten Sinne und damit einschließlich von Getränken und Tabakwaren herausgerechnet werden. 2,0 2,8 2,4 3,3 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 Verbraucherpreisindex (VPI) VPI ohne Energie, Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI) HVPI ohne Energie, Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Inflationsziel der EZB
Seite 3 von 13 Ein Grund für den starken Anstieg der Nahrungsmittelpreise sind die globalen Agrarrohstoffpreise (Abbildung 2), die im Oktober 2024 5,5 % höher waren als ein Jahr zuvor. Im September 2024 hatten die Weltmarktpreise für Lebensmittel erstmals höher gelegen als im Vorjahresmonat (2,6 %3), nachdem sie zuvor 20 Monate lang rückläufig gewesen waren. Unter den stark steigenden Verbraucherpreisen für Nahrungsmittel stechen im Oktober 2024 wie bereits in den Monaten zuvor Butter (39,7 %), Olivenöl (28,1 %) und Orangensaft (19 %) hervor. Gurken verteuerten sich den zweiten Monat in Folge zweistellig, und zwar um 34,5 % nach 55,0 % im September 2024. Neu in der Gruppe der neun Nahrungsmittel, die mit einer Rate von über 10 % anstiegen, ist die Kategorie „Kürbisse, Auberginen und Mais“ mit einer Teuerungsrate von 27,1 % (September 2024: -0,4 %). Damit schnellte der Preis für Kürbisse, Auberginen und Mais besonders stark empor, gefolgt von Butter (September 2024: 29,3 %), Weintrauben (16,6 % nach 6,8 % im September 2024) und Tomaten (10,6 % nach 0,9 % im September 2024). Von den insgesamt 168 Nahrungsmitteln ist die Zahl derjenigen mit einem Preisanstieg von 2 % oder weniger von 99 im September 2024 auf 96 im Oktober 2024 gesunken. Preisrückgänge verzeichneten dabei wie in den zwei Monaten zuvor 59 Nahrungsmittel, besonders stark Zucker (-20,1 %), Zwiebeln, Knoblauch und Ähnliches (-13,1 %), tiefgefrorenes Obst (-10,7 %) und Weizenmehl (-10,4 %). Abbildung 2: Internationale Energieund Agrarrohstoffpreise Index 2019=100, Januar 2019 – Oktober 2024 Quellen: EZB; FAO; Macrobond; U.S. Energy Information Administration; Berechnungen des IMK. 3 Die FAO hat den Indexwert für September 2024 mit der Veröffentlichung der Oktoberzahlen revidiert; zuvor ergab sich ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 2,1 %. Revisionen sind für die Vergangenheit nicht nachvollziehbar und die Tatsache, dass revidiert wurde, ist auf folgender Webseite nur bis zur nächsten Veröffentlichung am 6. Dezember ersichtlich, https://www.fao.org/worldfoodsituation/foodpricesindex/en. 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1.000 1.100 1.200 1.300 1.400 1.500 1.600 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Erdgas (ICE Dutch TTF Daily, 1st Pos., EUR) Erdgas (Henry Hub, USA, USD) Strompreis (EPEX Spot, Day-Ahead, EUR) 0 25 50 75 100 125 150 175 200 225 250 275 300 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Nahrungsmittelpreisindex (FAO, USD) Rohöl (Brent, EUR)
Seite 4 von 13 Energiepreise dämpfen Inflation etwas weniger stark Die Energiepreise waren im Oktober 2024 mit -5,5 % zwar weniger stark rückläufig als im September 2024 (-7,6 %), verringerten die Inflationsrate aber noch um 0,5 Prozentpunkte. Unter den drei großen Energieträgern für Haushaltsenergie verringerte sich der Preis für Heizöl mit -10,4 % am stärksten (September 2024: -13,6 %), gefolgt von Strom mit -5,5 % (September 2024: -6,4 %) und Erdgas mit -4,6 % (September 2024: -5,0 %).4 Fernwärme verteuerte sich um 31,7 %. Insgesamt war Haushaltsenergie im Oktober 2024 3,2 % günstiger als ein Jahr zuvor. Kraftstoffe verbilligten sich mit 8,9 % noch stärker, aber weniger stark als im September 2024 (-12,6 %). Kernrate mit 2,8 % erneut etwas höher Der etwas höhere Anstieg der Kernrate ist insbesondere auf die Dienstleistungspreise zurückzuführen, die einen Anteil von 65,2 % an der Kernrate haben. Während sich bei den meisten Dienstleistungen eine Abschwächung des Preisauftriebs andeutet, gab es bei acht Dienstleistungen einen zum Teil massiven Anstieg der Teuerung. Am stärksten schnellte mit 12, 3 % die Teuerungsrate bei Reiseversicherungen empor, die im September 2024 noch bei 5,5 % gelegen hatte und damit um 6,8 Prozentpunkte niedriger. Fast ebenso stark erhöhte sich der Preisanstieg bei Versicherungsdienstleistungen für private Verkehrsmittel, und zwar um 6,0 Prozentpunkte von 26,1 % auf 32,1 %. Flugtickets, die im September 2024 einen Preisrückgang gegenüber dem Vorjahr verzeichneten (-3,4 %) verteuerten sich im Oktober 2024 um 3,6 %. Auch die Teuerungsrate bei Bahntickets legte zu (6,1 % nach 4,0 %). Pauschalreisen verteuerten sich um 5,8 % nach 4,6 % im September 2024. Der Preisanstieg bei Dienstleistungen sozialer Einrichtungen erhöhte sich von 7,7 % auf 7,9 % und im Bildungswesen stiegen die Preise um 5,2 % nach 5,1 % im September 2024. Etwas erhöht hat sich auch der Anstieg der Preise für Gaststättendienstleistungen mit 6,8 %, nach 6,7 % im September 2024. Diese Entwicklungen deuten nicht auf eine breit angelegte Beschleunigung des Preisauftriebs hin. Allerdings ist die Tatsache bemerkenswert, dass es sich bei drei der hohen und zunehmenden Preisanstiege um staatlich beeinflusste Preise handelt, zumal auch die Verwaltungsgebühren mit unverändert 8,5 % überdurchschnittlich steigen. Preisanstieg bei Nahrungsmitteln und Energie seit 2019 deutlich stärker als bei anderen Waren und bei Dienstleistungen Zwar hat sich die Inflation etwa im selben Tempo zurückgebildet wie sie zuvor aufgrund der zahlreichen pandemie-, konfliktund kriegsbedingten Preisschocks gestiegen war (Abbildung 1). Die hohen Inflationsraten, die im Oktober und November 2022 mit 8,8 % ihren Höhepunkt hatten, haben aber deutliche Spuren im Preisniveau hinterlassen. 4 Einschließlich der Betriebskosten von Zentralheizungen. Betrachtet man nur die Haushalte mit eigenem Gasanschluss bzw. eigener Ölheizung, betrug die Preisänderungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat im Oktober 2024 -0,8 % bei Erdgas und -13,4 % bei Heizöl.
Seite 5 von 13 Als Vergleichszeitraum wird hier der Oktober 2019 gewählt, weil dadurch Saisoneinflüsse und die Folgen der Pandemie im Jahr 2020 – insbesondere der Rohölpreisverfall (Abbildung 2) und die Mehrwertsteuersenkung in der zweiten Jahreshälfte – umgangen werden. Insgesamt lagen die Verbraucherpreise im Oktober 2024 um 20,4 % höher als fünf Jahre zuvor. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich im gleichen Zeitraum um 37,1 %, Olivenöl und Butter sogar um 99,8 % bzw. 58,3 %. Die Preise für alkoholische Getränke und Tabakwaren sind um 18,3 % bzw. 31,1 % gestiegen. Zusammengefasst ergibt sich ein Anstieg der Nahrungsmittel im weiten Sinne in Höhe von 34,4 %. Energie war trotz erheblicher Preisrückgänge seit den Höchstständen zuletzt noch 37,3 % teurer. Dabei gab es deutliche Unterschiede zwischen den Energieträgern. Während Kraftstoffe und Heizöl im Oktober 2024 nur um 20,7 % bzw. 28,2 % teurer waren als im Oktober 2019, lag der Strompreis um 29,9 % höher, Erdgas um 87,5 %, Fernwärme um 77 %, und Kohlebriketts um 96,3 %. Deutlich weniger stark verteuerten sich in den vergangenen fünf Jahren mit 15,3 % Dienstleistungen und Waren ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak. Dienstleistungen waren im Oktober 2024 15,5 % teurer als fünf Jahre zuvor, während sich Waren ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak im gleichen Zeitraum um 15,2 % verteuerten. Dabei sanken beispielsweise die Preise für Bahntickets um 9,0 %, für den öffentlichen Nahverkehr um 16,2 % und für Telefone sowie andere Geräte für die Kommunikation um 10,6 %, während die Preise für Flugreisen um 30,4 %, für Zeitungen und Zeitschriften um 28,8 % sowie für Veterinärund andere Dienstleistungen für Haustiere um 37,5 % stiegen. Ebenfalls stark überdurchschnittlich legten die Preise für Erzeugnisse und Dienstleistungen zur Instandhaltung der Wohnung (34,0 %) zu, für Gaststättendienstleistungen (31,6 %), für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (32,0 %), für Übernachtungen (24,5 %) und für Pauschalreisen (21,4 %). Der Begriff Pauschalreisen ist allerdings irreführend, da es sich um alle Reisen handelt, bei denen mehr als eine Reiseleistung zusammen gebucht wird, beispielsweise Flug und Mietwagen. Rund ums Auto wurde es ebenfalls deutlich teurer: Die Preise für Pkw stiegen um 27,1 %, für Ersatzteile und Zubehör um 21,9 %, für Wartung und Reparatur um 31,9 % und für Versicherungen für private Fahrzeuge um 48,8 %.5 Teuerung seit 2019 für einkommensschwache Familien am höchsten Die Inflationsraten der neun im IMK Inflationsmonitor monatlich betrachteten Durchschnittshaushalte (siehe Anhang) lagen im Oktober 2024 zwischen 1,4 % und 2,1 %. Abbildung 3 zeigt neben den auf der Grundlage von 30 Ausgabenpositionen berechneten haushaltsspezifischen 5 Der kräftige Anstieg der Versicherungspreise um nahezu 50 % seit 2019 ist schwer mit den oben genannten Preissteigerungen bei Pkw, bei Ersatzteilen sowie bei der Wartung und Reparatur von Fahrzeugen in Einklang zu bringen, selbst unter Berücksichtigung erhöhter Reparaturkosten im Schadensfall infolge technologischer Neuerungen, der gestiegenen Entlohnung im Versicherungsgewerbe und höherer medizinischer Kosten. Das wirft die Frage auf, ob die Versicherungsunternehmen übermäßig auf eine Aufforderung der Finanzaufsicht BaFin Ende 2023 reagiert haben, die Prämien zu erhöhen (BaFin 2023).
Seite 6 von 13 Inflationsraten auch die Beiträge der 12 zusammengefassten Ausgabenpositionen zu der jeweiligen Inflationsrate sowie zum Anstieg des Verbraucherpreisindex.6 Die Teuerungsrate von einkommensschwachen Familien lag mit 1,4 % am unteren Rand, da diese – wie einkommensschwache Alleinlebende – besonders stark von den rückläufigen Preisen für Haushaltsenergie profitieren, aber anders als einkommensschwache Alleinlebende auch von den stark gesunkenen Kraftstoffpreisen. Ebenfalls am unteren Rand war die Teuerungsrate von Familien mittleren Einkommens (1,6 %), und zwar sowohl von Alleinerziehenden mit Kind als auch Paaren mit Kindern. Am oberen Rand befanden sich wie bereits seit Februar 2024 einkommensstarke Alleinlebende (2,1 %), gefolgt von einkommensstarken Familien (1,9 %) und Paaren mittleren Einkommens (1,8 %). Die übrigen Haushalte hatten eine Inflationsrate von 1,7 %. Abbildung 3: Haushaltsspezifische Inflationsraten und Inflationsbeiträge im Oktober 2024 in % bzw. Prozentpunkten VPI: Verbraucherpreisindex. Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK. 6 Die 30 Ausgabenpositionen sind in Tabelle 2 des Anhangs wiedergegeben. Die 12 Untergruppen weichen von den 12 Abteilungen des Verbraucherpreisindex ab, um die besonders einflussreichen Gütergruppen gezielt auszuweisen. Entsprechend wurde die Haushaltsenergie aus der Abteilung 4 (Wohnen) herausgelöst und die Kraftund Schmierstoffe aus der Abteilung 7 (Verkehr). Mit dem Ziel der Übersichtlichkeit wurden dann Abteilungen 1 und 2 in die Untergruppe Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren zusammengefasst und das Bildungswesen (Abteilung 10) mit einem geringen Gewicht von durchschnittlich 0,9 % am Warenkorb der Abteilung 12 (Andere Waren und Dienstleistungen) zugeschlagen. 0,5 0,6 0,6 0,6 0,6 0,6 0,8 0,7 0,7 0,6 -0,2 -0,3 -0,2 -0,2 -0,2 -0,3 -0,4 -0,3 -0,3 -0,2 0,5 0,6 0,5 0,4 0,4 0,5 0,6 0,5 0,4 0,3 -0,1 -0,1 -0,3 -0,5 -0,5 -0,4 -0,4 -0,5 -0,2 -0,4 -0,4 -0,3 0,3 0,3 0,2 0,3 0,3 0,2 0,2 0,2 0,3 0,3 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,2 0,2 0,3 0,3 0,4 0,3 0,3 0,4 0,4 0,3 0,2 0,3 0,4 0,4 0,3 0,3 0,3 0,4 0,5 -0,1 -0,1 -0,1 -0,1 -0,1 -0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,2 0,7 0,2 0,3 0,3 0,2 0,3 0,2 0,2 0,2 0,3 2,0 1,4 1,6 1,9 1,8 1,6 1,7 1,7 1,7 2,1 -1,5 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 VPI Paare, 2 Kinder 2000-2600€ Paare, 2 Kinder 3600-5000€ Paare, 2 Kinder ≥5000€ Paare 3600-5000€ Alleinerziehende, 1 K 2000-2600€ Alleinlebende <900€ Alleinlebende 1500-2000€ Alleinlebende 2000-2600€ Alleinlebende ≥5000€ Mieten, Nebenkosten, Wohnungsinstandhaltung Haushaltsenergie Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Nachrichtenübermittlung Kraftund Schmierstoffe für Fahrzeuge Verkehr ohne Kraftund Schmierstoffe Bekleidung und Schuhe Freizeit und Kultur Gaststättenund Übernachtungsdienstleistungen Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände Gesundheitspflege Andere Dienstleistungen, Bildungswesen Inflationsrate
Seite 7 von 13 Mit 0,7 Prozentpunkten war die Spanne der haushaltsspezifischen Inflationsraten geringfügig niedriger als im September 2024. Einkommensschwache Familien liegen seit zwölf Monaten am bzw. sehr nah am unteren Rand, nachdem sie über weite Teile der Jahre 2022 und 2023 stets die höchste Teuerungsrate aufwiesen. Im Oktober 2022 hatte die Differenz zwischen den Teuerungsraten mit 3,1 Prozentpunkten ihren Höhepunkt erreicht, wobei damals die einkommensschwachen Haushalte mit 11,0 % (Familien) bzw. 10,5 % (Alleinlebende) die höchste Teuerung zu verkraften hatten. Die sinkenden Preise für Haushaltsenergie verringern die Inflationsraten der Haushalte mit geringem Einkommen stärker als für jene mit hohem Einkommen, so wie umgekehrt auch die Belastung dieser Haushalte während der starken Verteuerung von Haushaltsenergie in den Jahren 2022 und 2023 besonders ausgeprägt war (Dullien und Tober 2024g). Haushalte mit Kindern profitieren im Durchschnitt besonders stark von den kräftig gesunkenen Kraftstoffpreisen, was die ebenfalls stärker zu Buche schlagenden verteuerten Bildungsausgaben deutlich überkompensierte. Bei einkommensstarken Alleinlebenden und Paaren mittleren Einkommens wirkte sich der Anstieg der Pauschalreisen in der Kategorie Freizeit und Kultur um 5,8 % mit einem Inflationsbeitrag von 0,2 bzw. 0,3 Prozentpunkten am stärksten aus. Restaurantbesuche und Übernachtungen trugen 0,5 Prozentpunkte zur Inflation einkommensstarker Alleinlebender bei, gefolgt von Paaren mittleren Einkommens, einkommensstarken Familien und Alleinlebenden mit höherem Einkommen mit jeweils 0,4 Prozentpunkten. Die Gesundheitspreise, die mit 2,7 % zulegten, wirkten sich ebenfalls merklich stärker bei den einkommensstarken Alleinlebenden aus (0,2 Prozentpunkte). Demgegenüber ist der Inflationsbeitrag von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabak bei einkommensstarken Alleinlebenden geringer, weil der Anteil dieser Güter am Warenkorb relativ klein ist. Tabelle 2: Ausgewählte haushaltsspezifische Inflationsbeiträge im Oktober 2024 Inflationsbeiträge in Prozentpunkten Paar, 2 Kinder 2.000–2.600 € Paar, 2 Kinder 3.600–5.000 € Alleinlebende < 900 € Alleinlebende ≥ 5.000 € Nahrungsmittel, Getränke, Tabak 0,6 0,5 0,6 0,3 Miete, Nebenkosten, Instandhaltung 0,6 0,6 0,8 0,6 Haushaltsenergie -0,3 -0,2 -0,4 -0,2 Kraftund Schmierstoffe -0,5 -0,5 -0,2 -0,3 Verkehr ohne Kraftstoffe 0,3 0,2 0,2 0,3 Freizeit und Kultur 0,2 0,3 0,1 0,4 Gastgewerbe 0,2 0,3 0,3 0,5 Übrige Konsumausgaben 0,3 0,4 0,3 0,5 Inflationsrate in % 1,4 1,6 1,7 2,1 Die Inflationsbeiträge summieren sich gegebenenfalls rundungsbedingt nicht zur Inflationsrate oder zu den Summen im Text. Quellen: Statistisches Bundesamt, Berechnungen des IMK.
Impressum Herausgeber Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Georg-Glock-Str. 18, 40474 Düsseldorf, Telefon +49 211 7778-312, Mail [email protected] Die Reihe „IMK Policy Brief“ ist als unregelmäßig erscheinende Online-Publikation erhältlich über: https://www.imk-boeckler.de/de/imk-policy-brief-15382.htm ISSN 2365-2098 Dieses Werk ist lizenziert unter der Creative Commons Lizenz: Namensnennung 4.0 International (CC BY). Diese Lizenz erlaubt unter Voraussetzung der Namensnennung des Urhebers die Bearbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung des Materials in jedem Format oder Medium für beliebige Zwecke, auch kommerziell. Den vollständigen Lizenztext finden Sie hier: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode.de Die Bedingungen der Creative Commons Lizenz gelten nur für Originalmaterial. Die Wiederverwendung von Material aus anderen Quellen (gekennzeichnet mit Quellenangabe) wie z. B. von Abbildungen, Tabellen, Fotos und Textauszügen erfordert ggf. weitere Nutzungsgenehmigungen durch den jeweiligen Rechteinhaber.