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Hohe Einkommen: Eine Verteilungsanalyse für Freie Berufe, Unternehmer und abhängig Beschäftigte mit Mikrodaten der Einkommensteuerstatistik

Merz, Joachim,Zwick, Markus

Abstract

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Merz, Joachim; Zwick, Markus Article Hohe Einkommen: Eine Verteilungsanalyse für Freie Berufe, Unternehmer und abhängig Beschäftigte mit Mikrodaten der Einkommensteuerstatistik Schmollers Jahrbuch – Zeitschrift für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Journal of Applied Social Science Studies Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Merz, Joachim; Zwick, Markus (2005) : Hohe Einkommen: Eine Verteilungsanalyse für Freie Berufe, Unternehmer und abhängig Beschäftigte mit Mikrodaten der Einkommensteuerstatistik, Schmollers Jahrbuch – Zeitschrift für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Journal of Applied Social Science Studies, ISSN 1865-5742, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 125, Iss. 2, pp. 269-298, https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/292123 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. 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Using individual data from 1995 income tax statistics of a well-suited total population data base this study contributes to the analysis of high income among self-employed people, with their freelance work and entrepreneurial activities, and among employees -the two crucially important groups on the labour market and in society overall. We present the results of our income analyses on distribution and redistribution across all income areas and using alternative definitions of high-income thresholds -millionaires and 200 % of mean income -for freelance professionals, entrepreneurs, and employees. Zusammenfassung Mit der aktuellen Diskussion zum Umbau des Sozialstaates haben Verteilungsfragen wieder an Bedeutung gewonnen. Was allerdings für eine fundierte Auseinandersetzung fehlt, sind zuverlässige Daten vor allem zu den hohen Einkommen und zur Gruppe der Selbstständigen. Die vorliegende Studie will mit den Daten der Lohn- und Einkommen steuerstatistik 1995, eine dafür besonders geeignete Vollerhebungs-Datenbasis, dazu beitragen, die Analyse der hohen Einkommen für Selbstständige -mit ihren Freien Berufen und Unternehmern -und für abhängig Beschäftigte als zentrale Gruppen des Arbeitsmarktes und der Gesellschaft, quantitativ und qualitativ zu fundieren. Wir präsen tieren die Ergebnisse unserer Einkommensanalysen zur Verteilung und Umverteilung über alle Einkommensbereiche und für alternative Reichtumsgrenzen -Millionäre und 200 % des Mittelwertes -für Freie Berufe, Unternehmer und abhängig Beschäftigte. JEL Classification: D31, 139 * Wir bedanken uns für die hilfreichen Anmerkungen der beiden anonymen Gutach ter. Der vorliegende Artikel ist eine überarbeitete Fassung von Merz und Zwick (2004). Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01 270 Joachim Merz und Markus Zwick 1. Einleitung Mit der aktuellen Diskussion zum Umbau des Sozialstaates haben Vertei lungsfragen wieder an Bedeutung gewonnen. Zudem reduziert die zunehmen de Mittelknappheit mit einem Rückgang des wirtschaftlichen Wachstums die gesellschaftlichen Verteilungs-/ Umverteilungsspielräume. Davon dürfte nicht nur der untere Einkommensbereich der Einkommensverteilung mit seinem Fokus auf Armut, sondern das ganze Spektrum der Einkommensverteilung mit mittleren und hohen Einkommen betroffen sein. Dass die Politik sich um die Armutspopulation kümmert, dürfte allgemein sozialpolitisch und gesellschaftlich akzeptiert sein -und ist bereits Gegen stand zahlreicher empirisch fundierter Analysen für die Bundesrepublik Deutschland.1 Was spricht jedoch dafür, sich des Themas gerade hoher Ein kommen anzunehmen? Ist nicht die Population mit hohen Einkommen selbst zahlenmäßig und in ihrem gesamten Steuer- und Abgabenbeitrag nicht eigent lich vernachlässigbar? Unabhängig davon, ob in Anbetracht eines großen Anteils der Nicht-Rei chen2 diese Ergebnisse für zahlenmäßig bedeutsam oder nicht gehalten wer den, gibt es darüber hinaus gewichtige Gründe, sich mit hohen Einkommen zu befassen. So sieht bspw. Atkinson (2003) als herausragenden Grund, dass unterschiedliche Bereiche der Verteilung gegenseitig abhängig sind, dass das Ergebnis der einen Gruppe das der anderen Gruppe beeinflusst und die Men schen im wirtschaftlichen und politischen Entscheidungsprozeß interagieren. Als spezifischere Gründe werden genannt: Die Verfügung über Macht (freiwil lige soziale Ausgrenzung, z.B. Privatschulen, Gesundheitsdienste etc.); sowie die Bedeutung hoher Einkommen in globaler Perspektive (,global economic players ', mit hohem Einkommen verbundenes Unternehmertum). Das Thema ,hohe Einkommen' ist somit gewichtig und hat über die rein quantitative Bedeutung als oberer Bereich der Einkommensverteilung weit reichende Implikationen. Notwendige Voraussetzung und Basis für eine wei tergehende Analyse hoher Einkommen ist die Transparenz über die tatsäch liche Situation, also die Beantwortung der Frage, wie quantitativ bedeutsam hohe Einkommen und damit Einkommens-Reichtum in Deutschland sind. Mit dem vorliegenden Beitrag wollen wir darauf erste und fundierte Antworten für zentrale Gruppen des Arbeitsmarktes geben. 1 Vgl. z.B. Hauser (1997), Becker und Hauser (1995, 1997, 2003), Krause und Ha bich (2000), Krause, Frick, Grabka, Otto und Wagner (2001). 2 In Deutschland (Einkommensteuerstatistik 1995) gibt es 27.230 Einkommensmil lionäre, das sind knapp 0,1 % aller Steuerpflichtigen, die ca. 3,8 % aller Bruttoeinkom men auf sich vereinigen; eine andere Reichtumsgrenze, 200 % des Mittelwertes, aller dings ergibt knapp 2 Millionen Einkommensreiche mit ca. 25 % aller Bruttoeinkommen (Merz 2001, 2004). Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01 Hohe Einkommen 271 Wir thematisieren insbesondere die Situation der Selbstständigen -hier explizit unterteilt in Freiberufler und Unternehmer -im Vergleich zu den abhängig Beschäftigten. Die Selbstständigen erfahren ein zunehmendes Inte resse; Existenzgründungen und Unternehmen generell sind von besonderer Bedeutung für den Arbeitsmarkt und ökonomisches Wachstum (Parker 2004, Lazear 2002, Blanchflower and Osswald 1998 zu Unternehmertum generell, Davidsson and Wilkund 2001, Low 2001 für einen Überblick über die For schung in diesem Bereich). Trotz ihrer Wichtigkeit stehen empirisch fundier te Analysen auf der Mikroebene erst in ihrem Anfangsstadium. Vorhandene Umfragen auf der Personen- oder Haushaltsebene bieten in aller Regel für die Gruppe der Selbstständigen -und umso weniger für Teilgruppen der Selbstständigkeit -keine auseichenden Informationen über ihre Einkom menssituation. Unsere Datenbasis, die anonymisierten Individualdaten der Einkommensteuerstatistik, ist jedoch gerade für die Selbstständigen eine aus sagekräftige Datenbasis; zum einen wegen ihres Vollerhebungscharakters und zum anderen wegen ihrer detaillierten Steuer- und Einkommensinformatio nen (vgl. dazu ausführlich Merz 2001, 2000a). Wir fragen zudem explizit danach, ob innerhalb der Gruppe der Selbstständigen die Freien Berufe zu anderen Ergebnissen ihres wirtschaftlichen Handelns kommen als die übri gen Selbstständigen (Gewerbetreibende), die wir hier als Unternehmer be zeichnen.3 Empirisch fundierte Informationen zu Reichtum -nicht nur in Deutsch land -sind relativ rar, wenn auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung in der letzten Zeit zugenommen hat. Neben den einzelnen Forschungsprojekten des ersten Armuts- und Reichtumsberichts (Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung 2001) mit dem umfassenden Reichtumsbeitrag von Merz (2001) zu hohen Einkommen und seiner Verteilung seien bspw. erwähnt: Huster (1993, 1997) mit ökonomischen, soziologischen und sozialethischen Aspekten von Reichtum; Krause und Wagner (1997) sowie Weick (2000), Schupp, Gramlich und Wagner (2003), mit Ergebnissen aus dem Sozio-oeko nomischen Panel. Wahrend sich Merz (2004) hohen Einkommen hinsichtlich der Selbstständigen insgesamt und der abhängig Beschäftigten widmet, ver tieft die vorliegende Studie das Thema explizit für Freiberufler und Unterneh mer. Frühere Verteilungsanalysen zu Freien Berufen insbesondere, haben sich nicht auf hohe Einkommen bezogen (Merz und Kirsten 1996, 1999 mit Mikro daten des Mikrozensus und des Sozio-oekonomischen Panels sowie Merz 2000a mit Mikrodaten der Einkommensteuerstatistik 1992). 3 Auf die besondere Bedeutung der Freien Berufe in der wachsenden Dienstleis tungsgesellschaft -und zudem als die am schnellsten wachsende Gruppe der Selbst ständigen -gehen ein bspw. Deneke (1986) und Büschges (1989); für mikroanalytische Ergebnisse vgl. z. B. Merz (2002), Merz and Kirsten (1999), Merz, Rauberger and Rön nau (1994) oder Oberlander und Kräuter (2002) und Hübler (1991). Es fehlen aber ge rade für hohe Einkommen aussagekräftige Ergebnisse; ein Anliegen unserer Studie. Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01 272 Joachim Merz und Markus Zwick Vor dem Hintergrund der an eine Datenbasis zu stellenden Anforderungen und den vorhandenen amtlichen und nichtamtlichen Datenquellen charakte risieren wir in Abschnitt 2 unsere Mikrodatenbasis: Die Lohn- und Einkom mensteuerstatistik 1995. Dabei benötigen wir für unsere Analysen hoher Ein kommen aufgrund diverser Abschreibungsmöglichkeiten keinen steuerlichen, sondern einen ökonomischen Einkommensbegriff. Dieser neue Einkommens begriff zusammen mit allen weiteren Informationen der Einkommensteuer statistik bildet schließlich unsere Mikrodatenbasis: Die erweiterte 10 %-Stich probe der Lohn- und Einkommensteuerstatistik 1995 (Abschnitt 3). Zentrale Ergebnisse werden in Abschnitt 4 vorgestellt. Einkommensana lysen zur Verteilung und Umverteilung über alle Einkommensbereiche ins gesamt für Unternehmer, Freie Berufe und abhängig Beschäftigte finden sich in Abschnitt 4.1. Alternative Reichtumsgrenzen werden in Abschnitt 4.2 quan tifiziert. Wie viel Einkommens-Reiche es in Deutschland gibt, wird in Ab schnitt 4.3 untersucht. In Abschnitt 4.4 stellen wir Verteilungs- und Umvertei lungsergebnisse (mit einer Dekomposition des Ungleichheitsprofils) für das Spektrum alternativer Reichtumsgrenzen (abgedeckt durch Millionäre und die Grenze 200 % des Mittelwertes Grenze) wieder untergliedert nach der beruf lichen Stellung als Selbstständiger -explizit als Freier Beruf und Unterneh mer -und abhängig Beschäftigter vor. Als zentrales Ergebnis zeigt sich, dass die Einkommensverteilung der Frei en Berufe sich deutlich von der der Unternehmer (Gewerbetreibende) unter scheidet und beide von der weniger ungleichen Einkommensverteilung der abhängig Beschäftigten. Wer als reich gilt, ist vor allem von der gewählten Reichtumsgrenze abhängig und schwankt zwischen knapp 80 % Selbstständi genanteil (Unternehmer 76 %, Freie Berufe 5 % ) bei der Millionärsabgrenzung und knapp 25 % Selbstständigenanteil (Unternehmer 17 %, Freie Berufe 7 % ) bei der 200 %-Grenze. 2. Reichtum und hohe Einkommen in der Diskussion und Anforderungen an die Datenbasis Reichtum hat viele Facetten und Dimensionen. Unterschiedliche normative Grundeinstellungen und Beobachtungsansätze, lokale oder globale Perspek tiven, monetäre und nicht-monetäre, ethische Aspekte, Einkommen und Ver mögen, soziale und politische Aspekte etc. prägen die Betrachtungsperspek tiven. Selbst wenn wir uns alleine auf den Einkommensaspekt beziehen, so ist schon die Datenlage zur Analyse hoher Einkommen und auch im Hinblick auf die Einkommen Selbstständiger äußerst begrenzt. In Deutschland ist für die Analyse der Einkommen und seiner Verteilung durchaus eine breite Palette von amtlichen und nichtamtlichen Quellen mit Individualdaten über die Ein- Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01 Hohe Einkommen 273 kommens- und Vermögensverhältnisse vorhanden. Neben den nichtamtlichen Quellen, wie insbesondere das Sozio-oekonomische Panel (SOEP), die All gemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) und die Finanzierungsrechnungen und Kreditstatistiken der Deutschen Bundesbank, sind als amtliche Quellen u. a. die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS), die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR), der Mikrozen sus, die Gebäude- und Wohnungszählung, die Sozialhilfe- und Wohngeld statistiken sowie die Einkommen- und Vermögensteuerstatistiken zu nennen. Während für die abhängig Beschäftigten die aktuelle Einkommensinformation in all diesen Datenquellen mehr oder weniger direkt und aktuell verfügbar ist, ist die Information vor allem über die Selbstständigen in Freien Berufen (wie z. B. Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater, Unternehmensberater etc.) und als Unternehmer (Gewerbetreibende) in vielen Aspekten unbekannt. Zusammengenommen deckt keine der oben genannten Erhebungen die ge samte Spannbreite von Armut bis Reichtum hinsichtlich des Repräsentations grades, der Gliederungstiefe, der soziökonomischen Gruppen (Selbstständige), der Einkommensabgrenzung etc. ab. Es gibt nun eine Vielzahl von Gründen, warum geeignete Daten und Ein kommensanalysen gerade für hohe Einkommen fehlen. Diese Gründe können zusammengefasst werden als Auskunfts- und Messprobleme, vereint mit Pro blemen der unzureichenden statistischen Leistungsfähigkeit von kleinen Stich proben. Traditionelle Einkommensanalysen konzentrieren sich auf die abhängig Beschäftigten u. a. mit dem Argument, dass die Selbstständigen, bei denen man ein hohes Einkommen erwartet, die Verteilungsanalysen verzerren wür den, da viele von ihnen mit geringen Einkommensangaben trotzdem einen hohen Lebensstandard, gemessen am Konsum und/ oder ihren Ausgaben, be sitzen würden. Viele dieser Argumente und Annahmen gerade über die Selbst ständigen-Einkommen sind empirisch nicht fundiert oder könnten nur mit einer geeigneteren Datenbasis belegt oder widersprochen werden. Probleme gerade mit der Messung der Einkommen von Selbstständigen sei en anhand der folgenden Stichworte zusammengefasst: Unterschiedliches Ant wortverhalten, zeitliches Auseinanderfallen von Geschäfts- und Umfrageperi ode, unterschiedliche Messkonzepte von Einkommen und Gewinnen, Zah lungsweise von Steuern, Untererfassung des Einkommens, Definition von Selbstständigkeit, kleine Grundgesamtheit und Stichprobenanteile. Keine oder ungenaue Angaben können daraus resultieren, dass zum Be fragungszeitraum eben keine aktuellen Gewinninformationen vorliegen. Zu dem ist ein Geschäftsjahr nur in den seltensten Fällen mit der Umfrageperiode identisch. Selbst wenn, müssten alle steuerlichen und sonstigen Abschluss bilanzierungen vorliegen. Zur Ermittlung der Gewinnsituation können unter schiedliche Bewertungskonzepte aus unterschiedlicher Tätigkeit erfolgt sein. Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01 274 Joachim Merz und Markus Zwick Steuervorauszahlungen und ihre Verrechnung erschweren die Beschreibung der aktuellen Situation. Ein „underreporting" des „realen" Einkommens kann auf ganz legale Abschreibungsmöglichkeiten und wirtschaftspolitisch wün schenswerte besondere Behandlung von Gewinneinkommen wie allerdings auch auf „schattenwirtschaftliche Aktivitäten" zurückzuführen sein. Mehrere Einkommensquellen machen eine eindeutige Zuordnung schwer. Hinzu kommt die mögliche Unsicherheit über das tatsächliche Arbeitsverhältnis. Und sicher nicht zuletzt: wenn eine gesellschaftliche Gruppe in der Grund gesamtheit relativ klein ist, wird sie eben auch in der Stichprobe zahlenmäßig nur relativ klein ausfallen, mit Konsequenzen für die Repräsentativität und tiefer untergliederter Analyse.4 3. Die Lohn- und Einkommensteuerstatistik als Mikrodatenquelle 3.1 Allgemeine Charakteristika der Lohn und Einkommensteuerstatistik Eine versprechende Datenbasis für die umfassende Analyse individueller Einkommen vor allem inklusive der Selbstständigen und inklusive hoher Ein kommen, ist in Deutschland inzwischen vorhanden: Es ist die Lohn- und Ein kommensteuerstatistik, die Datenbasis für unsere weiteren Untersuchungen. Die Lohn- und Einkommensteuerstatistik5 ist als Totalerhebung mit knapp 30 Millionen Datensätzen, in denen bis zu 400 Merkmale für knapp 40 Millio nen Personen erfasst sind, die umfassendste sekundärstatistische Quelle für eine Analyse der Einkommensverteilung. Die Lohn- und Einkommensteuer statistik von 1995 ist die aktuell verfügbare Statistik, die in 1999 mit der Fach serie veröffentlicht wurde. Für die Arbeiten des Armuts- und Reichtums berichts stand auch erstmals der Mikrodatensatz dieser Statistik in anonymi sierter Form zur Verfügung. Die Lohn- und Einkommensteuerstatistik ist -bezogen auf den originären gesetzlichen Auftrag der Steuerstatistik -umfassend und gibt für die allein und zusammen veranlagten Steuerpflichtigen in Deutschland mit ihrem steuer rechtlich abgegrenzten Datenkatalog eine vollständige Einkommensverteilung 4 Für eine vertiefende Diskussion vgl. Merz (2000b) und Eardley und Corden (1994). Zur Verknüpfung von einkommens- und steuerlichen Aspekten vgl. de Kam et al. (1996) und Merz, Quiel und Venkatarama (1998). s Details zu den allgemeinen Charakteristika der Lohn- und Einkommensteuersta tistik 1995 enthält Rosinus (2000), der auch die aktuellen Ergebnisse kommentiert. All gemein stehen natürlich auch die Tabellen der Fachserie 14, Finanzen und Steuern (Statistisches Bundesamt 1999) mit den aggregierten Ergebnissen der Lohn- und Ein kommensteuerstatistik 1995 zur Verfügung. Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01 Hohe Einkommen 275 wieder. Mit dem Bezug auf die Steuerpflichtigen sind allerdings auch einige Personengruppen nicht erfasst, die (eher) dem unteren Rand der Einkommen zuzurechnen sind, und damit die hohen Einkommen direkt nicht berühren. Ebenfalls nur unvollständig liegen -wenn überhaupt -die Einkünfte aus Kapitalvermögen vor.6 Insgesamt werden durch die Lohn- und Einkommensteuerstatistik gegen über den Abgrenzungen der EVS niedrige Einkommen nicht genügend be rücksichtigt (können). 7 3.2 Ein ökonomischer Einkommensbegriff für die Analyse hoher Einkommen Die Einkommensteuerstatistik basiert auf steuerlichen Belangen. Damit ist auch der zugrunde gelegte Einkommensbegriff, vom ,Gesamtbetrag der Ein künfte' bis zum ,zu versteuernden Einkommen', ein steuerliches Konzept. Unsere Analyse der Einkommen und ihrer Verteilung mit dem Schwerpunkt auf hohe Einkommen erfordert jedoch einen nach ökonomischen Gesichts punkten ausgerichteten Einkommensbegriff, der dann ja auch eher mit den Einkommensbegriffen anderer Statistiken (wie dem der EVS oder dem der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung) vergleichbar ist. Hinzu kommt, dass wir einen Einkommensbegriff benötigen, der als (primäres) Markteinkommen sozusagen das tatsächlich erwirtschaftete (,,pre-govemment") Einkommen charakterisiert, der zudem im Falle hoher Einkommen, mögliche Gestaltungs spielräume über diverse Abschreibungen bspw. reduziert. Damit greifen wir einige Diskussionspunkte hinsichtlich der Gestaltung steuerlichen Einkommens auf. Konkret werden diverse Abschreibungen, Ver äußerungsgewinne und Varianten zum Bereich der Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung berücksichtigt; Bereiche also, die besonders bezüglich hoher Einkommen von besonderem Interesse und materieller Bedeutung sind. Ohne auf die Details hier eingehen zu können (vgl. Merz 2001, Kap. 7), werden durch unseren ökonomischen Einkommensbegriff im Vergleich zu den steuerlichen Begriffen insbesondere zusätzliche Einkommenskomponenten hinsichtlich der Abschreibungen, der Veräußerungsgewinne und verschiedener Varianten zur Vermietung und Verpachtung einbezogen; Bereiche also, die besonders bezüglich hoher Einkommen von besonderem Interesse und mate rieller Bedeutung sind. Eine Übersicht über die einzelnen Komponenten des 6 Ohnehin verbleibt nach Abzug des Sparer-Freibetrags in Höhe von 6.000 bzw. 12.000 DM (Stand 1995 und der Werbungskosten (mindestens pauschal 100 bzw. 200 DM) von den Einnahmen aus Kapitalvermögen in den meisten Fällen kein positiver Betrag. 1 Für eine Verknüpfung der EVS mit der Einkommensteuerstatistik und einer damit verbundenen Verteilungsanalyse vgl. Merz (2002). Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01 276 Joachim Merz und Markus Zwick entwickelten ökonomischen Einkommensbegriffs findet sich im Anhang mit Übersicht 1. 3.3 Die Mikrodatenbasis: Die erweiterte 10 %-Stichprobe der Lohn- und Einkommensteuerstatistik 1995 Die Lohn- und Einkommensteuerstatistik 1995 umfasst knapp 30 Mio. Ein zeldatensätze der getrennt und gemeinsam veranlagten Steuerpflichtigen mit zum Teil über 400 Merkmalen. Analysen auf der Grundlage dieses umfang reichen Datenmaterials sind rechen-und damit zeitintensiv. Aus diesem Grund sieht das Steuerstatistikgesetz für Analysen explizit Stichproben aus dem Gesamtdatenmaterial vor. Eine geschichtete 10 %-Stichprobe mit knapp 3 Mio. Datensätzen war Basis der vorliegenden Arbeit. Steuerpflichtige mit hohen Einkommen (GdE > 500.000 DM) wurden aufgrund stichprobentheoretischer Überlegungen vollständig in die Stichprobe übernollllllen (vgl. Zwick 1998). Die 10 %-Stichprobe wurde nun für unsere Mikroanalysen erweitert. Jeder Einzeldatensatz hat zusätzlich die jeweiligen Komponenten -mit diversen Varianten -unseres ökonomischen Einkollllllensbegriffs erhalten. Hinzu kamen die umfangreichen Berechnungen und Abgrenzungen im Hintergrund. Zu den methodischen Grundlagen vgl. auch Merz und Zwick (2001).8 Hinsichtlich der weiteren Gruppierung nach Freien Berufen, Unternehmern und abhängig Beschäftigten werden nicht nur die drei unmittelbar korrespon dierenden Einkunftsarten: Einkünfte aus selbstständiger Arbeit (mit mehr als 95 % freiberuflicher Einkünfte), Einkünfte aus Gewerbetrieb (für Unterneh mer) und Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit (für abhängig Beschäftig te) sondern alle Einkünfte berücksichtigt, wobei generell die überwiegenden Einkünfte (Schwerpunktkonzept) die Gruppenzuordnung bestillllllt. Die Abgrenzung der Gruppen erfolgte nach der Höhe der sieben Einkunfts arten gemäß § 2 EStG: Gewinneinkünfte (Ya) -Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft -Einkünfte aus Gewerbebetrieb -Einkünfte aus selbstständiger Arbeit (enthalten zu rund 95 % Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit ,YFre/) s Alle Verteilungsinformationen für diese Studie wurden auf der Basis der von Merz (200Gb) erarbeiteten SPSS-Programme im Statistischen Bundesamt mit diesem erwei terten Datensatz errechnet. Die diversen Abgrenzungen für die Analysen zur Einkom mensverteilung, inklusive die umfangreichen Neuberechnungen des oben entwickelten ökonomischen Einkommensbegriffs, sowie die Durchläufe der Auswertungsprogramme wurden im Statistischen Bundesamt durchgeführt. Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01 Hohe Einkommen 283 Nivellierend wirkt die Umverteilung dagegen bei den abhängig Beschäftig ten zugunsten der weniger Verdienenden; die Netto-Einkommen sind gleicher verteilt als die Brutto-Einkommen. Insgesamt ist also ein, bei der steuerlichen Progression nicht zu erwartender, beträchtlicher Unterschied in den Umverteilungswirkungen bezüglich der Selbstständigen gegenüber den abhängig Beschäftigten -mit deutlichen Un terschieden zwischen den Unternehmern und Freien Berufen -festzuhalten. Zusammenfassend Die Verteilungs- und Dekompositionsanalyse des gesamten Einkommens spektrums bringt bezüglich der Selbstständigen und der abhängig Beschäftig ten markante Ergebnisse: Das Einkommen der Selbstständigen ist wesentlich ungleicher verteilt als das der abhängig Beschäftigten. Bemerkenswert sind die Unterschiede innerhalb der Selbstständigen: Die Verteilung der Einkom men der Unternehmer ist deutlich ungleicher als die der Freien Berufe. Die Randgruppenrelation (90/ 10-Relation) der Einkommensanteile der reichsten gegenüber den ärmsten 10 % liegt bei dem 73-fachen bei den Selbstständigen (Unternehmer 67-fache, Freie Berufe 70-fache), bei den abhängig Beschäftig ten bei dem 22-fachen. Gegeben ist eine dominante Ungleichheit innerhalb und nicht eine zwischen den beiden Gruppen. D. h. entgegen der landläufigen Meinung ist die Zugehö rigkeit entweder zur Gruppe der Selbstständigen oder zur Gruppe der abhän gig Beschäftigten nicht ausschlaggebend für die Erklärung des Ungleichheits profils der Einkommensverteilung insgesamt, wobei die jeweilige Spreizung von beachtlich unterschiedlicher Intensität ist. Hinsichtlich der Umverteilung ist festzuhalten: Nivellierend wirkt die Um verteilung erwartungsgemäß bei den abhängig Beschäftigten zugunsten der weniger Verdienenden. Jedoch vergrößert das Steuer- und, soweit abgebildet, das Transfersystem -in Deutschland die Einkommensschere bei den Selbst ständigen. Oder anders: Besonders die reichen Selbstständigen, genauer die Reichsten 10 %, gewinnen durch das bestehende System einen relativ größe ren Anteil am jeweiligen Gesamteinkommen; dieser Umverteilungseffekt ist bei den Freien Berufen stärker als bei den Unternehmern. Trotz steuerlicher Progression könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass legale Gestaltungsmög lichkeiten, die eine Steuervermeidung ermöglichen, zu diesem Ergebnis füh ren. Hier ist weiterer Analysebedarf notwendig. Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01 284 Joachim Merz und Markus Zwick 4.2 Wie viele Einkommens-Reiche gibt es in Deutschland? Kommen wir nun zu den hohen Einkommen. Beginnen wir mit der Frage, wie viele Einkommens-Reiche es in Deutschland gibt. Dafür muss geklärt werden, ab welcher Einkommenshöhe und von welchem Einkommensbegriff ausgehend jemand als „reich" im Sinne eines hohen Einkommens angesehen wird. 4.2.1 Einkommens-Reichtum: Alternative Grenzen hoher Einkommen Die Frage, ab welcher Grenze jemand (allein auf das Einkommen bezogen) reich ist, kann nur normativ entschieden werden und es gibt darüber keinen gesellschaftlichen Konsens. Zwar haben sich in der Literatur zu Armutsunter suchungen gewisse Standards durchgesetzt, in der nur begrenzt vorhandenen Reichtumsliteratur gibt es dagegen keine dermaßen auch theoretisch fundierte Diskussion und keinen Konsens. Allerdings wird bereits jetzt schon deutlich, dass Reichtum und Reichtums grenzen in Anlehnung an die quantitative Erfassung von Armut auch relativ zu sehen sind. Dies aufgreifend werden wir als Reichtumsgrenzen einmal rela tive Werte über die relative Position auf der Einkommensskala aber auch ab solute Werte heranziehen und betrachten. In Tabelle 2 sind für das von uns neu bestimmte ökonomische Einkommen sowie für den steuerlichen Gesamtbetrag der Einkünfte (jeweils brutto und netto) alternative Einkommens-Reichtumsgrenzen angegeben. Sie sind auf der Basis der jeweiligen Definition aus der 10 %-Stichprobe errechnet worden. Außer für den Höchststeuersatz wie auch die Million, sind mit den anderen vier Reichtumsgrenzen zugleich die ersten Verteilungsinformationen gegeben: Bei 66.823 DM Jahreseinkommen liegt der Mittelwert und damit die 200 % Grenze bei 133.646 DM. Die Reichtumsgrenze für die 10 % und 5 % Reichs ten liegen nicht weit davon entfernt bei ca. 117.000 DM und 149.000 DM. Damit verdienen 95 % aller Einkommensbezieher weniger als 148.628 DM brutto bzw. netto 94.510 DM; Beträge also, die doch recht weit von der Mil lionengrenze liegen. Nicht weit davon, aber unterhalb liegen die nach steuerlichen Gesichtspunk ten abgegrenzten Einkünfte: Mit einem Mittelwert von 58.461 DM ist die 200 %-Grenze bei 116.922 DM. Die obersten 5 % beginnen bei 135.058 DM und netto bei 88.176 DM. Bei allen drei Einkommenskonzepten sowie für den jeweiligen Brutto als auch den Nettowert ist die folgende Rangfolge der Reichtumsgrenzen gege ben mit: 1 Million; Obersten 5 %; Höchststeuersatz; 200 % des Mittelwertes; Obersten 10 %; 150 % des Mittelwertes. Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01 Hohe Einkommen 285 Ta belle 2 Alternative Reichtumsgrenzen für Einkommen und Einkünfte Einkommen1) Einkünfte2) brutto netto brutto netto 1 Million 1 Mio. 1 Mio. 1 Mio. 1 Mio. Obersten 5 % 148.628 94.510 135.058 88.176 Höchststeuersatz 53 %; > 120.041 bzw. > 240.082 ZvE im Splittingfall 200 % des Mittelwertes 133.646 85.047 116.922 74.304 Obersten 10 % 116.801 72.381 106.819 70.354 150 % des Mittelwertes 100.235 63.785 87.692 55.728 Mittelwert 66.823 42.524 58.461 37.152 11 Einkommen = ökonomischer Einkommensbegriff; bezogen auf den Steuerpflichtigen. Brutto: Markteinkommen, Primäreinkommen (,,pre government income"). Netto: Nettoeinkommen, sekundäres Einkommen nach Hinzurechnung von Transfers und Abzug von Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern (,,post government income"). 21 Einkünfte = Steuerlicher Einkommensbegriff. Brutto: Gesamtbetrag der Einkünfte (GdE). Netto: Zu versteuerndes Einkommen (ZvE) abzüglich festgesetzter Einkommensteuer. Quelle: Lohn- und Einkommensteuerstatistik 1995, 10 %-Stichprobe, Statistisches Bundesamt 2000; eigene Berechnungen. Bemerkenswert ist schon jetzt, dass in allen Einkommenskonzepten der be tragsmäßige Unterschied der Einkommensgrenzen der reichsten 10 % und 5 % relativ nahe beieinander liegen: Ein erster Hinweis auf die Struktur und hohe Konzentration der Einkommens-Reichen. Ohne auf weitere interessante De tails der Tabelle 2 eingehen zu wollen, sei festgehalten, dass die sechs alter nativen Reichtumsgrenzen ein breites Spektrum von ca. 100.000 DM (und weniger) bis 1 Million DM reichen. Schon von daher sind ganz unterschied liche Ergebnisse in Abhängigkeit der herangezogenen Reichtumsgrenze zu er warten. In unseren weiteren Analysen werden wir das Spektrum der unterschied lichen Reichtumsgrenzen mit Berechnungen zu zwei alternativen Reichtums grenzen abdecken: Die Millionengrenze und die 200 %-Grenze. 4.2.2 Einkommens-Reiche nach beruflicher Stellung: Unternehmer, Freie Berufe und abhängig Beschäftigte Beginnen wir unsere Analyse mit der Frage, wie viele Steuerpflichtige aus der Einzelwie auch aus der Zusammenveranlagung als reich anzusehen sind. Damit verknüpft fragen wir, wie ihr mittleres hohes Einkommen ist und wel chen Anteil diese Reichen an der Bevölkerung und am gesamten Einkommen Ge nach Einkommenskonzept) haben. Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01 286 Joachim Merz und Markus Zwick Die Bezugseinheiten sind wohlgemerkt die jeweiligen Steuerpflichtigen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Unser Bezug wird damit nicht die Wohnbevölkerung sein und nicht die Gesamtanzahl aller ca. 35 Mio. allgemei ner Haushalte, sondern -wenn wir auf alle beziehen -die knapp 30 Mio. Steuerpflichtigen (gleich Einkommensbezieher). In Tabelle 3 sind Reiche und ihr Einkommen für die Reichtumsgrenzen Mil lionäre und > 200 % des Mittelwertes für das Brutto- und das Netto-Einkom men gegeben. Mit diesen erstmals vorgelegten Informationen für Deutschland ist fest zuhalten, dass unterschiedliche Reichtumsgrenzen -von 133.000 DM (200 % Grenze; also relativ nahe bei 100.000 DM) bis 1 Million DM -weit gestreute Ergebnisse liefern: Es gibt 27.230 Millionäre (das sind 0,09 % aller Steuer pflichtigen)10 aber knapp 2 Mio. Reiche nach der 200 %-Grenze (das sind 6,8 % aller Steuerpflichtigen. Die Einkommensanteile liegen bei 3,8 % bzw. 24,8 % des Brutto-Gesamteinkommens. Das sind zunächst die Brutto-Ein kommen. In Abhängigkeit von der gewählten Reichtumsgrenze kehrt sich der Anteil der Unternehmer und abhängig Beschäftigten um: 68 % der Millionäre sind Unternehmer, 24 % der Millionäre sind abhängige Beschäftigte; mit der Reichtumsgrenze > 200 % des Mittelwertes sind 19 % dieser Reichen Unter nehmer und 74 % dieser Reichen abhängig Beschäftigte. Keine großen Unter schiede gibt es hinsichtlich der Freien Berufe: 8 % der Millionäre und 7 % der Reichen nach der 200er-Grenze sind Freiberufler. Hinsichtlich der Netto-Einkommen gibt es deutlich weniger Millionäre in Deutschland: 12.708 Millionäre, das sind 0,04 % aller Steuerpflichtigen mit einem Einkommensanteil von 2,9 % am Netto-Gesamteinkommen. Betrachten wir Reiche nach den beiden Reichtumsgrenzen im Vergleich, dann ergibt sich ein ähnliches Bild netto wie brutto, allerdings ist der Anteil der Unternehmer-Millionäre gestiegen auf 76 % und der Anteil der Millionäre in abhängiger Beschäftigung gesunken auf 19 %. Dieses Bild kehrt sich um, wenn die 200er-Grenze als Reichtumsgrenze herangezogen wird: 17 % reiche Unternehmer, 76 % reiche abhängig Beschäftigte. Der Anteil der Freiberufler an den Netto-Millionären liegt bei 5,3 % und bei den Reichen nach der 200er Grenze bei 6,6 % keinen großen Unterschied anzeigend. Tabelle 3 enthält auch die jeweiligen Mittelwerte, die zwischen den einzel nen Gruppen deutlich verschieden sind. Auffallend ist, dass bei den Millio nären die Mittelwerte der Freiberufler netto sehr viel höher sind als brutto (fast doppelt so hoch), sogar bei den abhängig Beschäftigten übertrifft der Netto wert den Bruttowert (die der Unternehmer liegen nahe beieinander). 10 Rosinus (2000) ermittelt nach dem steuerlichen Konzept (Gesamtbetrag der Ein künfte) insgesamt 21.002 Einkommensmillionäre für 1995. Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01 Hohe Einkommen 287 Damit wird schon hier eine wesentliche Steuer- und Abgabenentlastung bei den besonders Reichen sichtbar, auf die wir im Zusammenhang mit den Um verteilungseffekten im Folgeabschnitt noch eingehen werden. Es gibt also deutliche Reichtums-Unterschiede hinsichtlich der beruflichen Stellung als Freiberufler, Unternehmer und abhängig Beschäftigter: Gängigen Vorurteilen widersprechend, nach denen die Reichen durchgängig diejenigen sind, die Selbstständig sind, ist allerdings entgegenzuhalten, dass immerhin ein Viertel aller Millionäre in abhängiger Beschäftigung sind. Sogar Dreivier tel der Reichen hinsichtlich der alternativen Reichtumsgrenze 200 % des Mit telwertes sind in abhängiger Beschäftigung. Ta belle 3 Reiche und ihr Einkommen -Einkommen (Brutto und Netto) 1995, Berufliche Stellung: Alle, Unternehmer, Freie Berufe und Abhängig Beschäftigte Reichtumsgrenzen: Millionäre und > 200 % des Mittelwertes > Reichtumsgrenze > Reichtumsgrenze Anteile % N % Mittelwert N Einkommen Million Brutto Alle 27.230 100,0 2.738.759 0,092 3,799 Unternehmer 18.505 67,9 3.031.059 0,063 2,857 Freie Berufe 2.279 8,4 2.641.740 0,008 0,307 A. Beschäftigte 6.445 23, 7 1.933.857 0,022 0,635 Netto Alle 12.708 100,0 2.885.385 0,043 2,926 Unternehmer 9.624 75, 7 2.939.430 0,033 2,257 Freie Berufe 678 5,3 5.041.843 0,002 0,273 A. Beschäftigte 2.406 18,9 2.061.725 0,008 0,396 > 200 % Mittelwert Brutto Alle 1.996.386 100,0 243.770 6,780 24,788 Unternehmer 372.754 18,7 402.521 1,266 7,642 Freie Berufe 140.620 7, 0 312.577 0,478 2,239 A. Beschäftigte 1.483.011 74,3 197.433 5,037 14,907 Netto Alle 1.831.753 100,0 160.713 6,215 23,490 Unternehmer 314.881 17,2 278.280 1,068 6,992 Freie Berufe 121.119 6, 6 209.112 0,411 2,021 A. Beschäftigte 1.395.753 76,2 129.990 4,736 14,477 Quelle: Lohn- und Einkommensteuerstatistik 1995, 10 %-Stichprobe, Statistisches Bundesamt 2000; eigene Berechnungen Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01 288 Joachim Merz und Markus Zwick 4.3 Hohe Einkommen -Verteilungsanalysen nach alternativen Reichtumsgrenzen und nach beruflicher Stellung Analysieren wir nun die Verteilungssituation der hohen Einkommen; sie sind einzubetten in die obige Verteilungsanalyse der Einkommen über das gesamte Einkommensspektrum. Wie sehen die Verteilungssituation und die damit verbundene Struktur spe ziell der Einkommens-Reichen, der Millionäre bzw. der Reichen nach der 200 %-Grenze, aus? Die Tabelle 4 enthält dafür, neben globalen Maßen, zen trale Verteilungs- und Umverteilungskennziffern für das Einkommen (netto). Millionäre Neu sind die Verteilungsinformationen der Reichen (Millionäre): Die Ein kommen der reichen Unternehmer mit einem Gini-Koeffizienten von 0,49905 und die der Freiberufler mit einem Gini-Koeffizienten von sogar 0,74311 sind deutlich ungleicher verteilt als die der reichen abhängig Beschäftigten (Gini Koeffizient: 0,35553). Innerhalb der Millionäre haben die reichsten 10 %, sozusagen die „Super reichen", die reichsten 1 % der Gesamteinkommensverteilung, ein 12mal-und bei Unternehmern sogar 37mal -so hohes Einkommen (90/10-Relation) als die am wenigsten verdienenden 10 % der Millionäre. Gegenüber den abhängig Beschäftigten mit einer 90 / 10-Relation von 7 ist das ein besonders ausgepräg ter Unterschied. Dabei sind die relativ größten Unterschiede zwischen Selbst ständigen und den abhängig Beschäftigten -sowohl bei der Millionärsals auch bei der 200 %-Reichtumsgrenze -bei den reichsten 10 % festzuhalten (vgl. auch die einzelnen Dezilanteile aus Abbildung 2). Zudem sind die Dezilgrenzen etwa ab dem dritten Dezil zwischen diesen beiden Gruppen deutlich verschieden; insbesondere beginnen die superreichen Selbstständigen bei einer Einkommensgrenze von ca. 5,2 Millionen, die super reichen abhängig Beschäftigten bei 3,4 Millionen DM. Die Dekompositionsanalyse quantifiziert die jeweiligen Ungleichheitsbei träge: Mit 56,9 % (Unternehmer) bzw. 36,3 % (Freiberufler) der Innerhalb-Un gleichheit beider Gruppen Uw) bestimmen vor allem die Selbstständigen die ungleiche Gesamtverteilung der Millionäre. Zudem sehen wir eine dominante Ungleichheit „innerhalb" der beiden Grup pen Uw: 100-2,1 = 97,9 %) im Vergleich zu den Ungleichheitsbeiträgen zwi schen den Gruppen (IB: 2,1 %): Nur 2,1 % des gesamten Ungleichheitsprofils aller Millionäre (/TOTAL) sind auf die Unterschiede in der jeweiligen relativen Verteilung zwischen den Selbstständigen und abhängig Beschäftigten zurück zuführen. Wohlgemerkt: Diese Aussage bezieht sich auf das relative Profil, die Unterschiede in der Stärke der Spreizung bleiben beachtlich unterschiedlich. Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01 Hohe Einkommen 289 Die Umverteilungseffekte lassen sich wieder plastisch an dem so genann ten k-Wert von Blackburn (1989) in DM ausdrücken (R % des Mittelwertes vor Steuern). Danach wirkt das Steuer- und Transfersystem bei den Millionä ren gegenüber der Brutto-Verteilung insgesamt so, als ob ein Pauschalbetrag von 86.600 DM (3,1 % des mittleren Brutto-Einkommens der Millionäre) von allen Einkommensbeziehern oberhalb des Medians an alle Einkommensbezie her unterhalb des Medians zu transferieren wäre, um Brutto- und Nettovertei lung wieder in Übereinstimmung zu bringen. Allerdings sind diese Transfers in Höhe und Vorzeichen für die Selbstständigen und abhängig Beschäftigten bemerkenswert deutlich verschieden: Die Umverteilung führt bei den Unternehmer-Millionären zu einer gleich mäßigeren Verteilung. D. h., alle Unternehmer mit einem Einkommen ober halb des Medians hätten einen pauschalen DM-Betrag von 85.536 DM (2,8 % des mittleren Brutto-Einkommens) an alle Unternehmer unterhalb des Me dians zu transferieren, um dieselbe Verteilung wie vor der Umverteilung zu erhalten. Allerdings wirkt die Umverteilung bei den freiberuflichen und abhängig beschäftigten Millionären dem entgegengesetzt, die Netto-Verteilung ist un gleicher verteilt als die Brutto-Verteilung. Mit positiven Vorzeichen ist dieser Umverteilungseffekt bei den Freien Berufen auffallend (um das 10-fache) grö ßer: Alle freiberuflichen Millionäre mit einem Einkommen unterhalb des Medians würden so einen pauschalen DM-Betrag von 1.112.987 DM (42,8 % des mittleren Brutto-Einkommens) an alle freiberuflichen Millionäre oberhalb des Medians transferieren, um dieselbe Verteilungssituation brutto wie netto zu erhalten. Mit gleicher Richtung, aber im Betrag weit weniger bedeutend, würden alle abhängig Beschäftigten unterhalb des Medians 115.335 DM (6 % des mittleren Brutto-Einkommens) an alle abhängig beschäftigten Millionäre oberhalb des Medians transferieren. Im Vergleich zur Verteilungsanalyse über alle Einkommensbezieher (Reiche und nicht Reiche) von vorne ergibt sich damit ein etwas anderes Bild. Im Gegensatz zur Verteilung über alle Einkommensbezieher (Reiche und nicht Reiche) wirkt das Steuer- und das darin erfasste Transfersystem in Deutsch land nicht nivellierend, sondern vergrößert bei den hohen Einkommen (Millio näre) die Ungleichheit. Getragen wird dieses Ergebnis vor allem von den frei beruflichen und eher geringfügig von den abhängig beschäftigen Millionären. Leicht nivellierend wirkt die Umverteilung dagegen bei den Unternehmer Millionären. Insgesamt ist also auch bei den Millionären ein beträchtlicher Unterschied in den Umverteilungswirkungen zwischen Unternehmern und Freiberuflern und den abhängig Beschäftigten festzuhalten. Auch hier zeigt es sich, dass gerade die Gruppe der Selbstständigen sehr heterogen ist und allgemeine Aus sagen auf die Gesamtgruppe bezogen schnell irreführend werden. Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01 290 Joachim Merz und Markus Zwick Ta belle 4 Einkommen (Netto) -Oberhalb der Reichtumsgrenzen: Millionäre und > 200 % des Mittelwertes, Verteilungsmaße 1995, Berufliche Stellung: Alle, Unternehmer, Freie Berufe und Abhängig Beschäftigte Alle1l Unter- Freie nehmer Berufe Millionäre Steuerpflichtigenanteil % 100,0 75,7 5,3 Einkommensanteil % 100,0 77,1 9,3 Mittelwert (DM) 2.885.385 2.939.430 5.041.843 Median (DM) 1.569.030 1.659.178 1.353.963 Verteilungsmaße Gini 0,48203 0,46696 0,74311 90/10 ratio 12,4 11,8 37,3 Dekomposition Theil Index 0,71374 0,51055 2,69794 Ungleichheitsanteil % 100,0 56,9 36,3 Gruppenanteil: zwischen % 2,1 - - Umverteilung R(%) 3,1 -2,8 42,8 k(DM) 86.600 -85.536 1.112.987 n 12.320 9.391 641 N 12.708 9.624 678 > 200 % des Mittelwertes Steuerpflichtigenanteil % 100,0 17,2 6,6 Einkommensanteil % 100,0 29,8 8,6 Mittelwert 160.713 278.280 209.112 Median 113.005 145.623 147.868 Verteilungsmaße Gini 0,32873 0,51133 0,36807 90/10 ratio 6,0 14,6 7,7 Dekomposition Theil Index 0,45438 0,81581 0,79349 Ungleichheitsanteil % 100,0 60,8 17,1 Gruppenanteil: zwischen % 12,2 - - Umverteilung R(%) 0,3 2,0 4,4 k(DM) 746 7.922 13.803 n 532.726 206.530 86.332 N 1.831.753 314.881 121.119 11 Alle: reiche Unternehmer, Freie Berufe und abhängig Beschäftigte zusammen. 21 Anzahl der Steuerpflichtigen: n = Stichprobe, N = Grundgesamtheit. Abhängig Beschäftigte 18,9 13,5 2.061.725 1.381.358 0,35687 6,9 0,35032 6,8 - 6,0 115.335 2.288 2.406 76,2 61,6 129.990 108.075 0,20802 3,4 0,14276 22,0 - -0,1 -126 239.864 1.395.753 Quelle: Lohn- und Einkommensteuerstatistik 1995, 10 %-Stichprobe, Statistisches Bundesamt 2000; eigene Berechnungen. Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01 Hohe Einkommen 291 Einkommen über 200 % des Mittelwertes Verglichen mit der Millionärsabgrenzung zeigt sich nun mit der Reichtums grenze von > 200 % des Mittelwertes ein ganz anderes Bild (Tabelle 4): Für alle hat die Ungleichheit abgenommen, der Gini-Koeffizient dieser Reichen reduziert sich auf 0,32873 (gegenüber 0,48203 bei den Millionären), die 90 / 10-Relation hat sich halbiert auf 6. Allerdings ist dieser Effekt gruppenspezifisch stark verschieden: Die Un gleichheit bei den so reichen Unternehmern hat zugenommen (nun Gini: 0,51133, 90/10-Relation: 14,6). Verringert hat sich die Ungleichheit dieser Einkommen drastisch bei den Freiberuflern ( von Gini: 0, 7 4311 auf 0,36807; 90 / 10-Relation: 37 ,3 auf 7, 7) und weniger stark aber dennoch sehr ausgeprägt bei den abhängig beschäftigten Reichen nach der 200er-Grenze (von Gini: 0,35687 auf 0,20802; 90/ 10-Relation von 6,9 auf 3,4). Damit wird deutlich, dass gerade die ungleiche Verteilung der hohen und höchsten Einkommen vor allem die Einkommensverteilung der Freiberufler in hohem Maße bestimmt. Die stark unterschiedlichen Ergebnisse der Verteilungsmaße für Freie Beru fe und Unternehmer in den Bereichen oberhalb des zweifachen Mittelwertes und für die Millionäre können auch damit zusammenhängen, dass bei der Ein kunftsart ,Gewerbebetrieb' in nicht unerheblichem Maße die Einkünfte aus Beteiligungen eine gewichtige Rolle spielen. Die Daten deuten darauf hin, dass in mittleren und in gemäßigt hohen Einkommen, die Beteiligungen für einen Großteil der Varianz bei den Einkommen der Unternehmer verantwort lich sind, Beteiligungen bei den Freien Berufen hingegen nur eine untergeord nete Rolle spielen. Hier müssen weiterer Untersuchungen für Klarheit sorgen. Die Dekomposition unterstreicht die gesamten Verteilungsunterschiede innerhalb und zwischen den Gruppen: Mit 22,0 % hat nun die Gruppe der abhängig Beschäftigten einen größeren Anteil an der gesamten Ungleichheit gegenüber von 6,9 % bei den Millionären. Es dominieren die Unternehmer mit 61 % und die abhängig beschäftigten Reichen (22 % ) und weit weniger die Freiberufler mit einem Anteil von 17 % das Bild der ungleichen Verteilung der Einkommens-Reichen insgesamt auch bei der 200 %-Grenze. Die Umverteilung wirkt -verglichen mit der Situation bei den Millionären -insgesamt kaum (746 DM, 0,3 % des mittleren Bruttoeinkommens der Reichen nach der 200 %-Grenze). Es gibt aber durchaus gruppenspezifische Unterschiede: 126 DM wären an alle abhängig beschäftigten Reiche von den oberhalb an die unterhalb des Medians liegenden Einkommensbezieher für eine unveränderte Verteilung (im Vorzeichen erwartet) zu transferieren. Mit umgekehrten Vorzeichen wäre dagegen ein Transfer von den unterhalb an die oberhalb des Medians liegenden so reichen Selbstständigen für eine unver änderte Verteilung vorzunehmen: Unternehmer 7.922 DM (2 %), Freiberufler 13.803 DM (4,4 %). Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01 292 Joachim Merz und Markus Zwick Millionäre >200 % !J0 ---------------� 90 +--------------- ----< 80 +-------------===----------1 70 60 % 50 40 30 20 !J Steuerpflichtigenanteil Elnkorrrrensanteil 100 --------- ------ = 90 -t-------------------j 80 -t-------------------j 70 -t-------------------iO----, 60 -t-------------------iO----, % 50 +-------------- -----iO----, 40 +----------------no----, 30 +-----------------, 20 +-----------------i 10 +------- ---- --.--.---. 0 -jU"-'-,-___ _.....,,....,_,..."--c'...,,...'-4 ..... Y.,OU, 2 3 4 5 6 7 8 9 10 [] lklternehrrer ■ Freie Berufe □ Abhängig Beschäftigte "' <:: " E E jjj 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 tl 0 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Populationsdezile • <> •Unternehmer -Freie Berufe Abhängig Beschäftigte ---Gleichverteilung !J0 ---------------� 90 +--------------- ----1 80 +--------------- ----1 70 +---- ----l 60 +---- ----l % ro +---- ----1 40 +---- ----l 30 +---- ----l 20 +-----===-------1 !J Steuerpflichtigenanteil Einkorrrrensanteil 100 90 80 70 60 % 50 40 30 20 10 0 2 3 4 5 6 7 8 9 10 [] Unternehrrer ■ Freie Berufe □ Abhängig Beschäftigte 100 90 80 °2 70 " 60 E E 50 � 40 jjj 30 20 10 0 0 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Populationsdezile • <'> •Unternehmer -Freie Berufe Abhängig Beschäftigte ---Gleichverteilung Abbildung 2: Hohe Einkommen (Netto) - Millionäre und > 200 % des Mittelwertes, Verteilungsmaße 1995 Berufliche Stellung: Unternehmer, Freie Berufe und abhängig Beschäftigte Schmollers Jahrbuch 125 (2005) 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.125.2.269 | Generated on 2023-04-04 12:35:01