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[Rezension] „Open Data Governance and Its Actors: Theory and Practice“

Strahringer, Susanne,Wiener, Martin

Abstract

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Full text

Strahringer, Susanne; Wiener, Martin Book Review — Published Version [Rezension] „Open Data Governance and Its Actors: Theory and Practice“ HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik Provided in Cooperation with: Springer Nature Suggested Citation: Strahringer, Susanne; Wiener, Martin (2025) : [Rezension] „Open Data Governance and Its Actors: Theory and Practice“, HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik, ISSN 2198-2775, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden, Vol. 62, Iss. 5, pp. 1260-1263, https://doi.org/10.1365/s40702-025-01213-4 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/330654 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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August 2025 © The Author(s) 2025 Maxat Kassen Open Data Governance and Its Actors: Theory and Practice Studies in National Governance and Emerging Technologies (Series), ISBN 9783-030-92065-4 (eBook), ISBN 978-3-030-92064-7 (Hardcover), Palgrave Macmillan, Cham, Schweiz, 161 S., 58,84 C (eBook), 74,89 C (Hardcover) Mit „Open Data Governance and Its Actors: Theory and Practice“ legt Maxat Kassen eine ambitionierte und interdisziplinär angelegte Monografie zur Governance offener Daten (OD) vor. Ziel des Werkes ist es, dieses Phänomen sowohl theoretisch zu fundieren als auch empirisch greifbar zu machen. Im Zentrum stehen dabei die nordischen Länder Finnland und Schweden, deren politisch-soziale Rahmenbedingungen und institutionelle Vorreiterrolle im Bereich OD interessante Einblicke versprechen. Kassens Ansatz ist bemerkenswert vielschichtig. Theoretisch verankert er seine Untersuchung in vier etablierten theoretischen Zugängen: der Institutionellen Theorie, dem New Public Management, der Stakeholder-Theorie und der Strukturationstheorie, wobei die Institutionelle und die Stakeholder-Theorie im Vordergrund stehen. Diese Theoriekombination erlaubt es ihm, OD-Governance als ein dynamisches, netzwerkbasiertes und sozio-technisches Phänomen zu analysieren. Dabei wird deutlich, dass OD nicht nur eine technologische, sondern auch eine politische, ökonomische und gesellschaftliche Dimension besitzt. Häufig spricht Kassen daher Susanne Strahringer Professur für Wirtschaftsinformatik, insb. Informationssysteme in Industrie und Handel, Fakultät Wirtschaftswissenschaften, TU Dresden, Dresden, Deutschland E-Mail: [email protected] Martin Wiener Professur für Wirtschaftsinformatik, insb. Business Engineering, Fakultät Wirtschaftswissenschaften, TU Dresden, Dresden, Deutschland E-Mail: [email protected] K Rezension „Open Data Governance and Its Actors: Theory and Practice“ 1261 auch von der sogenannten „OD-Bewegung“. Dass OD als politisch-gesellschaftliche Bewegung zu verstehen ist, wird den Leser:innen des Buches anschaulich verdeutlicht. Hingegen wird der im Mittelpunkt stehende Begriff der OD-Governance weniger deutlich hervorgehoben. Die Stakeholder-Analyse identifiziert die zu betrachtenden Akteursgruppen: den öffentlichen Sektor, Bürger:innen, NGOs (Nichtregierungsorganisationen), Unternehmen, unabhängige Entwickler:innen, Journalist:innen und Medien sowie die Wissenschaft (bei Kassen unter NGOs betrachtet). Das Besondere an seiner Analyse ist, dass sie über die bilateralen Beziehungen zwischen diesen Akteursgruppen und vor allem zu den öffentlichen Datenbereitstellern hinausgeht. Vielmehr analysiert Kassen auch die Peer-to-Peer-Interaktionen innerhalb der jeweiligen Gruppen und stellt sie als besonders relevant heraus. Seine Analyse verdeutlicht anschaulich, wie durch OD neue Marktchancen, zivilgesellschaftliche Innovationsräume und partizipative Governance-Formen entstehen können. Wie eingangs angesprochen, erfolgt die empirische Illustration durch qualitative Fallstudien in Finnland und Schweden. Neben den sehr förderlichen sozio-ökonomischen und technologischen Rahmenbedingungen in beiden Ländern sowie ihrer lang zurückreichenden Tradition rechtlich kodifizierter Informationsfreiheit (seit 1766) wurden diese zwei Länder unter anderem auch wegen ihrer guten Positionierung im Global Open Government Index ausgewählt. Im Jahr 2020 belegte Schweden Platz 3 und Finnland Platz 4. Heute liegen sie auf den Plätzen 1 und 6 (siehe https:// worldjusticeproject.org/open-government-around-world). Für die Fallstudienanalyse greift Kassen auf eine breite Datenbasis zurück. Dazu gehören Dokumente und Statistiken zur Analyse des Kontextes und der politischen Rahmenbedingungen sowie konkrete Plattformen (zentrale und dezentrale ODsowie Networking-Plattformen) und OD-Projekte, die er inhaltsanalytisch untersucht. Bei der Interpretation der Fallstudienergebnisse und hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf andere Länder ist allerdings zu berücksichtigen, dass es sich in beiden Fällen nicht um föderale Staaten handelt. Trotz einer starken, für OD förderlichen zentralstaatlichen Steuerung können allerdings auch in Finnland und Schweden recht ausgeprägte OD-Aktivitäten auf dezentraler, kommunaler Ebene beobachtet werden. Kassen spricht in diesem Zusammenhang von „semi e-federalism“ (S. 85) und verdeutlicht, dass seine Erkenntnisse – wenngleich mit Abstrichen – auch auf föderale Strukturen übertragbar sind. Am Beispiel Finnlands wird insbesondere die Bedeutung der Vernetzung unabhängiger Entwickler:innen untereinander in Form von Peer-to-Peer-Interaktionen hervorgehoben sowie die positiven Effekte, die NGOs ausüben können. Als Herausforderungen werden der Einnahmenausfall öffentlicher Stellen diskutiert, die bislang ihre Daten teilweise gegen Gebühr abgegeben und dabei beträchtliche Einnahmen erzielt haben, sowie die Frage, wie eine noch größere Zahl unabhängiger Entwickler:innen incentiviert werden kann. In der Fallstudie zu Schweden wird gut illustriert, dass OD dort als eine „politische Philosophie“ betrachtet wird, die sich in eine Reihe von Open-GovernancePhilosophien wie z.B. Open Society, Open Economy, Open Science, und Open Software einfügt. Dieses starke Bekenntnis zur Offenheit lässt sich aus der Tradition der Informationsfreiheit in Schweden ableiten, die zudem auch schon lange rechtlich K 1262 S. Strahringer, M. Wiener verankert ist. Hinzu kommen eine sehr egalitäre Gesellschaft, eine hohe individuelle Autonomie der Bürger:innen und eine technologiegetriebene Wirtschaft. All dies zusammen schafft nahezu ideale Rahmenbedingungen für ziviles Engagement, E-Partizipation und die Weiterentwicklung hin zu einer digitalen Demokratie. Kassen konstatiert für Schweden im Rahmen seiner Stakeholder-Analyse einen großen Beitrag öffentlicher Behörden und Organisationen zur Verbreitung der OD-Philosophie. Er bezeichnet sie sogar als „key ideological promoters“ (S. 109), die damit weit über ihre Rolle als Datenbereitsteller hinausgehen. Zudem identifiziert er einen effektiven Wissensaustausch und Networking zwischen technisch interessierten Büger:innen, unabhängigen Entwickler:innen und Unternehmen der IKT-Branche (Informationsund Kommunikationstechnologie). Dies wird durch eine passende Forschungsund Förderkultur begleitet, die schnelle Innovation ermöglicht, Start-ups entstehen und wachsen lässt und auch Public-Private-Partnerships begünstigt. Laut Kassen gibt es in Schweden eine Community sogenannter Daten-Journalist:innen, die OD als große Chance betrachten. Aufgrund dieser sehr guten Rahmenbedingungen sieht Kassen für Schweden zwar keine Probleme hinsichtlich der Anzahl und Vielfalt an OD-Aktivitäten, jedoch das Risiko einer ausbleibenden Nachhaltigkeit dieser Aktivitäten. Trotz eines vielversprechenden Starts fehlen vielen OD-Projekten und -Plattformen langfristiger technischer Support und Finanzierung. Selbst bei Projekten, die grundsätzlich wenig Wartung erfordern, ist es aufgrund sich ändernder Datenschnittstellen (APIs) und -strukturen kaum möglich, sie über einen längeren Zeitraum zu erhalten, wenn nicht regelmäßig händische Korrekturen durch Einzelpersonen vorgenommen werden. Als Lösungsansatz für diese Problembereiche schlägt Kassen zum Beispiel geeignetere Förderinstrumente und das „Spenden“ von verwaisten Projektergebnissen an geeignete Konsortien von Entwickler:innen vor. Auch wenn sich der ein oder andere Vorschlag vermutlich nur schwer umsetzen lässt, ist es aus einer Praxisperspektive sehr hilfreich, dass Kassen überhaupt versucht, Lösungsansätze zu identifizieren und Handlungsempfehlungen zu geben. Zum Abschluss des Werkes folgt auf die beiden Fallstudien ein Kapitel, das die Gesamtergebnisse sinnvoll systematisiert und um Implikationen für die Wissenschaft, Politik und Praxis ergänzt. Kassens Werk ist aus mehreren Gründen für die Wirtschaftsinformatik relevant. Erstens bietet es eine differenzierte Analyse der sozio-technischen Strukturen, in denen OD erzeugt, verteilt und genutzt werden. Zweitens liefert es wertvolle Einblicke in die Gestaltung digitaler Ökosysteme im öffentlichen Sektor – ein Thema, das insbesondere für Forschungsfelder wie E-Government, Civic und Open Tech, Citizen Science und Open Science, Plattformökonomie sowie Public-Private-Partnerships von Bedeutung ist. Drittens formuliert Kassen praxisorientierte Handlungsempfehlungen für Akteure aus Verwaltung, Politik und Wirtschaft. Betrachtet man das Werk hinsichtlich seiner thematischen Abdeckung, so ist anzumerken, dass eine tiefere Reflexion der möglichen Risiken einer sehr umfassenden Bereitstellung von OD oder der Nachteile, die mit einem Datenüberfluss einhergehen, vermisst wird. Nichtsdestotrotz handelt es sich um eine vielschichtige Analyse und keineswegs um eine oberflächliche Betrachtung des Themenfeldes. Von seiner Machart ist Kassens Werk zwischen einer wissenschaftlichen Arbeit (vergleichbar mit einer monografischen Qualifikationsarbeit wie einer Dissertation) und einem Fachbuch für ein breiteres Publikum angesiedelt. Damit verbindet es K Rezension „Open Data Governance and Its Actors: Theory and Practice“ 1263 wissenschaftliche Fundierung mit einem Fokus auf Ergebnisse und Implikationen, ohne die Lesenden mit methodischen Ausführungen zu überfrachten. Kassen selbst spricht von „agenda-setting research“ (S. 67). Gleichwohl leidet darunter die für die Weiterverarbeitung in der Wissenschaft notwendige methodische Nachvollziehbarkeit. Dennoch stellt das Werk eine gelungene Kombination aus wissenschaftlicher Monografie und Fachbuch dar und spricht damit eine breite Zielgruppe an. Seine gute Lesbarkeit wird unterstützt durch kapitelbezogene Zusammenfassungen und Literaturverzeichnisse, die es den Leser:innen erlauben, schnell zu entscheiden, in welche Kapitel sie tiefer einsteigen wollen. Dies führt allerdings auch zu einer gewissen Uneinheitlichkeit in der Kapitelgestaltung. Während einige Kapitel so gestaltet sind, dass sie die vorangegangenen Kapitel für ihr Verständnis bzw. ihre Einordnung voraussetzen, sind andere eher auf eigenständiges, vom Rest losgelöstes Lesen ausgerichtet. Ein Beispiel hierfür ist das Kapitel zur schwedischen Fallstudie, das einige Redundanzen zum Vorangegangenen aufweist. Dennoch ist und bleibt Kassens Werk eine Monografie, die am besten vollständig und sequenziell gelesen werden will. Überzeugen kann sie durch ihre systematische Aufbereitung, die vielen grafischen Darstellungen, die den Text begleiten, die internationale Perspektive und den klaren Erkenntnisgewinn für ein noch vergleichsweise junges Forschungsfeld. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Maxat Kassens Werk einen wertvollen Beitrag zur interdisziplinären und praxisnahen Forschung im Bereich OD liefert. Es bietet somit Wissenschaftler:innen, aber auch Praktiker:innen (z.B. in der öffentlichen Verwaltung, in Regulierungsbehörden sowie in ITund Strategieabteilungen privatwirtschaftlicher Unternehmen), eine fundierte und interessante Lektüre. Funding Open Access funding enabled and organized by Projekt DEAL. Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. 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