IMK Inflationsmonitor: Inflation steigt im November 2024 auf 2,2 %, haushaltsspezifische Inflationsraten liegen nah beieinander
Abstract
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Full text
Tober, Silke Research Report IMK Inflationsmonitor: Inflation steigt im November 2024 auf 2,2 %, haushaltsspezifische Inflationsraten liegen nah beieinander IMK Policy Brief, No. 183 Provided in Cooperation with: Macroeconomic Policy Institute (IMK) at the Hans Boeckler Foundation Suggested Citation: Tober, Silke (2024) : IMK Inflationsmonitor: Inflation steigt im November 2024 auf 2,2 %, haushaltsspezifische Inflationsraten liegen nah beieinander, IMK Policy Brief, No. 183, Hans-Böckler-Stiftung, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Düsseldorf This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/308763 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
POLICY BRIEF IMK INFLATIONSMONITOR Inflation steigt im November 2024 auf 2,2 %, haushaltsspezifische Inflationsraten liegen nah beieinander Silke Tober IMK Policy Brief Nr. 183 · Dezember 2024
Seite 1 von 13 IMK INFLATIONSMONITOR Inflation steigt im November 2024 auf 2,2 %, haushaltsspezifische Inflationsraten liegen nah beieinander Silke Tober 1 Zusammenfassung Die Inflationsrate in Deutschland stieg im November 2024 wie erwartet leicht an und lag mit 2,2 % etwas über dem Inflationsziel der EZB. Grund hierfür war insbesondere, dass die Energiepreise erneut weniger stark zurückgingen als im Vormonat (-3,7 % nach -5,5 % im Oktober 2024). Die Kernrate ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak erhöhte sich erneut leicht von 2,8 % im Oktober 2024 auf 2,9 %, wobei der Preisanstieg bei Dienstleistungen unverändert 4,0 % betrug. Damit lagen die Verbraucherpreise im November 2024 um 20,5 % höher als fünf Jahre zuvor. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich dabei um 36,7 %, Olivenöl und Butter sogar um 85,4 % bzw. 59,7 %. Energie war trotz erheblicher Preisrückgänge seit den Höchstständen zuletzt noch 37,1 % teurer, darunter Erdgas mit 86,8 %. Deutlich weniger stark verteuerten sich in den vergangenen fünf Jahren mit 16,6 % Dienstleistungen und mit 15,3 % Waren ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak. Der Anstieg des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) verharrte bei 2,4 % und die HVPI-Kernrate verringerte sich um 0,2 Prozentpunkte auf 3,1 %. Beide Raten lagen höher als im Euroraum insgesamt. Die Inflationsraten der neun hier betrachteten Haushaltstypen in verschiedenen Einkommensklassen lagen im November 2024 zwischen 1,6 % und 2,2 %. Einkommensschwache Familien hatten die niedrigste Inflationsrate, aber zugleich die zweithöchste Teuerungsrate seit November 2019 (20,8 %). Am höchsten war im November 2024 – wie bereits seit Februar 2024 – die Inflationsrate für einkommensstarke Alleinlebende, die allerdings über den Fünf-Jahres-Zeitraum die geringste Teuerung erlebten (18,7 %). Da die Inflation mittlerweile unter Kontrolle ist, während die Wirtschaft im Euroraum schwächelt und in Deutschland stagniert, sind eine Stärkung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage durch öffentliche Investitionen und ein Ende der geldpolitischen Restriktion erforderlich. Die Zinssenkung der EZB Mitte Dezember 2024 war ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Aktuell sind die Leitzinsen aber noch auf einem Niveau, das die Wirtschaft dämpft, so dass die Zinsen im kommenden Jahr zügig weiter gesenkt werden sollten. 1 Dr. Silke Tober, Referatsleitung Geldpolitik, [email protected]
Seite 2 von 13 Anstieg der Nahrungsmittelpreise etwas schwächer Die Inflationsrate in Deutschland war im November 2024 mit 2,2 % wie erwartet höher als im Vormonat (2,0 %). Entscheidend war, dass der Rückgang der Energiepreise mit -3,7 % geringer ausfiel (Oktober 2024: -5,5 %). Der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren war mit 2,8 % etwas schwächer als im Oktober 2024 (3,1 %). Die Teuerung bei Dienstleistungen verharrte bei 4,0 %. Dennoch erhöhte sich die Kernrate ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak leicht von 2,8 % auf 2,9 % (Abbildung 1), 2 da die Preise der Waren in der Kernrate etwas stärker zulegten als zuvor (1,0 %). Die Teuerungsrate von Nahrungsmitteln im engen Sinne hat sich im November auf 1,8 % abgeschwächt, nachdem sie zuvor sieben Monate gestiegen war (Oktober 2024: 2,3 %). Auch die Teuerungsraten von alkoholfreien Getränken (von 6,8 % im Oktober 2024 auf 6,6 % im November 2024) und Alkohol (1,2 % nach 1,4 %) schwächten sich ab, während die Tabakpreise erneut beschleunigt anzogen (von 6,6 % auf 6,8 %). Abbildung 1: Inflation und Kerninflation in Deutschland Januar 2015 – November 2024 Veränderungen der Indizes gegenüber Vorjahresmonat, in % Quellen: Eurostat; Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK. Ein Grund für den Anstieg der Nahrungsmittelpreise sind die globalen Agrarrohstoffpreise, die im November 2024 5,7 % höher waren als ein Jahr zuvor. Im September 2024 hatten die Weltmarktpreise für Lebensmittel erstmals höher gelegen als im Vorjahresmonat (2,4 % 3 ), nachdem sie zuvor 20 Monate lang rückläufig gewesen waren. Im November 2024 waren die globalen Nahrungsmittelpreise 29,8 % teurer als im November 2019 (Abbildung 2). 2 Die vom Statistischen Bundesamt (Destatis) veröffentlichte Kernrate erhöhte sich auf 2,9 % nach 2,8 % im Oktober 2024. Das Statistische Bundesamt lässt dabei neben Energie nur Nahrungsmittel im engeren Sinne unberücksichtigt, während hier in Einklang mit Eurostat Nahrungsmittel im weiten Sinne und damit einschließlich von Getränken und Tabakwaren herausgerechnet werden. 3 Die FAO hat den Indexwert für September 2024 mit der Veröffentlichung der Novemberzahlen abermals revidiert; zuvor ergab sich ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 2,6 %. Revisionen sind für die Vergangenheit nicht nachvollziehbar und die Tatsache, dass revidiert wurde, ist auf folgender Webseite nur bis zur nächsten Veröffentlichung am 3. Januar ersichtlich, https://www.fao.org/worldfoodsituation/foodpricesindex/en. 2,2 2,9 2,4 3,1 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 Verbraucherpreisindex (VPI) VPI ohne Energie, Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI) HVPI ohne Energie, Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Inflationsziel der EZB
Seite 3 von 13 Die in den vergangenen Monaten besonders stark steigenden Nahrungsmittelpreise im Verbraucherpreisindex hatten zwar auch im November 2024 noch hohe Anstiege zu verzeichnen, allerdings teilweise deutlich abgeschwächt, insbesondere Olivenöl – 13,3 % nach 28,1 % im Oktober 2024 und einem Rückgang gegenüber dem Vormonat von 7,2 % – und „Kürbisse, Auberginen und Mais“ – 12,5 % nach 27,1 % im Oktober und einem Rückgang gegenüber dem Vormonat um 16,9 %. Der Teuerung schwächte sich bei Butter leicht ab auf 38,9 % (Oktober 2024: 39,7 %) und bei Orangensaft auf 17,9 % (Oktober 2024: 19,0 %). Gurken waren im November 2024 sogar 22 % billiger als ein Jahr zuvor, nachdem sie im Oktober 2024 34,5 % teurer waren. Preisrückgänge gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichneten 55 der insgesamt 168 Nahrungsmitteln im November 2024, besonders stark Zucker (-23,0 %), die erwähnten Gurken, Stangenspargel oder andere Gemüsekonserven (-9,6 %), Zwiebeln, Knoblauch und Ähnliches (-9,3 %), Süßstoff (-8,2 %), Sonnenblumenöl, Rapsöl oder Ähnliches (-7,9 %), Toastbrot (-7,3 %) und Weizenmehl (-6,7 %). Trotz des Preisrückgangs gehören Sonnenblumenöl und Ähnliches zu den Produkten mit der höchsten Teuerungsrate in der mittelfristigen Betrachtung. Allein seit November 2021 stieg der Preis um 39,6 %, der Preis von Weizenmehl sogar um 48,3 %. Brötchen, die neben Mehl viel Energie in der Produktion erfordern, verteuerten sich um 26,3 % und Kuchen, der darüber hinaus Zucker und Speiseöle oder -fette benötigt, sogar um 40,4 %. Im selben Zeitraum stieg der Preis für Olivenöl infolge von Dürre und Bränden um 82,6 %. Der Preis von Butter ist seither um 48,8 % gestiegen, zuletzt auch wegen eines Rückgangs der Milchkuhhaltung und der Blauzungenkrankheit. Abbildung 2: Internationale Energieund Agrarrohstoffpreise Index 2019=100, Januar 2019 – November 2024 Quellen: EZB; FAO; Macrobond; U.S. Energy Information Administration; Berechnungen des IMK. 0 25 50 75 100 125 150 175 200 225 250 275 300 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Nahrungsmittelpreisindex (FAO, USD) Rohöl (Brent, EUR) 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1.000 1.100 1.200 1.300 1.400 1.500 1.600 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Erdgas (ICE Dutch TTF Daily, 1st Pos., EUR) Erdgas (Henry Hub, USA, USD) Strompreis (EPEX Spot, Day-Ahead, EUR)
Seite 4 von 13 In dieser tiefen Gliederung gehen die Zeitreihen des Statistischen Bundesamts nur bis 2020 zurück, und November 2020 ist ein ungünstiger Vergleichszeitpunkt, da in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel von 7 % auf 5 % herabgesetzt war (und für andere Waren und Dienstleistungen von 19 % auf 7 %). In der längeren Betrachtung ab November 2019 – also vor dem Beginn der Pandemie und den darauffolgenden Krisen – ist Olivenöl Spitzenreiter bei der Teuerung mit 85,4 %, gefolgt von Kondensmilch mit 65,6 %, Butter mit 59,7 %, Sonnenblumenöl und Ähnliches mit 58,3 % und Schmalz oder anderem tierischen Speisefett mit 54,3 %. Teigwaren waren 51,7 % teurer als vor fünf Jahren, tiefgefrorenes Gemüse ohne Kartoffeln um 50,6 %, Fruchtund Gemüsesäfte um 49,4 %, konserviertes Gemüse um 48,2 %, Soßen, Würzen und Würzmittel um 46,9 %, Kakaopulver um 46,2 %, Mehl und andere Getreideerzeugnisse wie auch Backwaren außer Brot und Brötchen um 45,0 % und teilentrahmte Milch um 44,8 %. In dieser groben Gliederung gab es über den Fünfjahreszeitraum hinweg keine Preisrückgänge, und der Preisanstieg für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke betrug insgesamt 36,7 %. Wären die Preise im Durchschnitt um 2 % im Jahr gestiegen – was dem Inflationsziel der EZB entspricht –, hätten sich die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke um insgesamt 10,4 % verteuert. Energiepreise dämpfen Inflation etwas weniger stark Die Energiepreise waren im November 2024 mit -3,7 % zwar weniger stark rückläufig als im September 2024 (-5,5 %), verringerten die Inflationsrate aber noch um 0,4 Prozentpunkte. Unter den drei großen Energieträgern für Haushaltsenergie verringerte sich der Preis für Heizöl mit -9,8 % am stärksten (Oktober 2024: -10,4 %), gefolgt von Strom mit -4,1 % (Oktober 2024: -5,5 %) und Erdgas mit -2,7 % (Oktober 2024: -4,6 %). 4 Fernwärme verteuerte sich um 30,7 %. Insgesamt war Haushaltsenergie im November 2024 1,8 % günstiger als ein Jahr zuvor. Kraftstoffe verbilligten sich mit -6,6 % noch stärker, aber erneut weniger stark als im Vormonat (Oktober 2024: -8,9 %). Damit lagen die Energiepreise zwar deutlich unter ihren Höchstständen von 2022, aber insgesamt um 37,1 % höher als im November 2019, darunter Haushaltsenergie um 47,8 % und Kraftstoffe um 23,1 %. Am höchsten war der Preisanstieg in dem Fünfjahreszeitraum bei Kohlebriketts (95,6 %), gefolgt von Erdgas (86,8 %), Fernwärme (76,6 %), Flüssiggas (68,2 %), Brennholz und Holzpellets (38,7 %), Strom (29,6 %) und Heizöl (28,0 %). Kernrate mit 2,9 % den dritten Monat in Folge etwas höher Der etwas höhere Anstieg der Kernrate ist diesmal nicht auf die Dienstleistungspreise zurückzuführen, da deren Anstieg unverändert bei 4,0 % lag, sondern auf den stärkeren Anstieg der Preise 4 Einschließlich der Betriebskosten von Zentralheizungen. Betrachtet man nur die Haushalte mit eigenem Gasanschluss bzw. eigener Ölheizung wie in den Pressemitteilungen von Destatis, betrug die Teuerungsrate im November 2024 2,5 % bei Erdgas und -12,5 % bei Heizöl.
Seite 5 von 13 für Waren in der Kernrate (alle Waren ohne Energie, Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren). Sie stiegen um 1,0 % und damit um 0,2 Prozentpunkte stärker als im Oktober 2024. Bei den Dienstleistungspreisen, die einen Anteil von 65,2 % an der Kernrate haben, deutet sich weiterhin eine breitangelegte Abschwächung von hohem Niveau aus an, während es bei einigen Dienstleistungen einen zum Teil deutlichen Anstieg der Teuerung gab. Am stärksten schnellte die Teuerungsrate bei Flügen empor, von 3,6 % im Oktober 2024 auf 10,4 % im November 2024. Ebenfalls deutlich erhöhten sich die Beiträge für die Haftplichtund die Rechtsschutzversicherung von 2,2 % bzw. 2,3 % auf 6,6 %. Besonders kräftig und erneut höher fiel mit 34,8 % der Preisanstieg bei Kfz-Versicherung aus (Oktober 2024: 32,1 %). Ebenfalls hoch und höher als im Vormonat war der Preisanstieg bei den Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (8,0 %), und dabei insbesondere die Aufwendungen für Altenwohnheime und die stationäre Pflege für privat Versicherte. Billiger als ein Jahr zuvor waren im November 2024 Bahntickets (-1,5 % nach 6,1 % im Oktober 2024). Abgeschwächt hat sich die Teuerung beispielsweise bei Pauschalreisen (3,7 % nach 5,8 %), bei Übernachtungen (2,7 % nach 3,8 %), Reiseversicherungen (11,7 % nach 12,3 %), Freizeitund Kulturdienstleistungen (1,9 % nach 2,2 %), Friseurleistungen und anderen Dienstleistungen für die Körperpflege (3,4 % nach 3,6 %), im Bildungswesen (5,1 % nach 5,2 %) und bei Gaststätten (6,7 % nach 6,8 %). Im Vergleich zu November 2019 verteuerten sich Dienstleistungen um 16,6 % und Waren ohne Energie, Nahrungsmittel, Getränke und Tabak um 15,3 %, und damit deutlich weniger stark als Energie und Nahrungsmittel im weiten Sinne. Dabei sanken beispielsweise die Preise für Bahntickets um 14,7 %, für den öffentlichen Nahverkehr um 16,2 % und für Telefone sowie andere Geräte für die Kommunikation um 10,4 %. Demgegenüber stiegen die Preise für Flugreisen um 43,7 %, für Zeitungen und Zeitschriften um 28,9 % sowie für Veterinärund andere Dienstleistungen für Haustiere um 37,5 %. Ebenfalls stark überdurchschnittlich legten die Preise für Dienstleistungen zur Instandhaltung der Wohnung (49,1 %) zu, für Gaststättendienstleistungen (31,6 %), für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (32,2 %), für Übernachtungen (24,0 %) und für Pauschalreisen (46,5 %). Der Begriff Pauschalreisen ist dabei irreführend, da es sich um alle Reisen handelt, bei denen mehr als eine Reiseleistung zusammen gebucht wird, beispielsweise Flug und Mietwagen. Rund ums Auto wurde es ebenfalls deutlich teurer: Die Preise für Pkw stiegen seit November 2019 um 27,3 %, darunter Gebrauchtwagenpreise um 40,7 %, die Preise für Ersatzteile und Zubehör um 21,5 %, für Wartung und Reparatur um 32,3 % und für Versicherungen für private Fahrzeuge um 48,8 %. 5 5 Der kräftige Anstieg der Versicherungspreise für private Fahrzeuge um nahezu 50 % seit 2019 ist schwer mit den oben genannten Preissteigerungen bei Pkw, bei Ersatzteilen sowie bei der Wartung und Reparatur von Fahrzeugen in Einklang zu bringen, selbst unter Berücksichtigung erhöhter Reparaturkosten im Schadensfall infolge technologischer Neuerungen, der gestiegenen Entlohnung im Versicherungsgewerbe und höherer medizinischer Kosten. Das wirft die Frage auf, ob die Versicherungsunternehmen übermäßig auf eine Aufforderung der Finanzaufsicht BaFin Ende 2023 reagiert haben, die Prämien zu erhöhen (BaFin 2023).
Seite 6 von 13 Gemischtes Bild bei haushaltsspezifischer Teuerung seit 2019 Die Inflationsraten der neun im IMK Inflationsmonitor monatlich betrachteten Durchschnittshaushalte (siehe Anhang) lagen im November 2024 zwischen 1,6 % und 2,2 %. Abbildung 3 zeigt die auf der Grundlage von 30 Ausgabenpositionen berechneten haushaltsspezifischen Inflationsraten und die Beiträge der 12 zusammengefassten Ausgabenpositionen zu der jeweiligen Inflationsrate sowie zum Anstieg des nationalen und des harmonisierten Verbraucherpreisindex. 6 Abbildung 3: Haushaltsspezifische Inflationsraten und Inflationsbeiträge im November 2024 in % bzw. Prozentpunkten VPI: Verbraucherpreisindex, HVPI: Harmonisierter Verbraucherpreisindex. Inflationsbeiträge beim HVPI berechnet als Ribe-Beiträge nach Eurostat (2018). Quellen: Eurostat; Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK. 6 Die 30 Ausgabenpositionen sind in Tabelle 2 des Anhangs wiedergegeben. Die 12 Untergruppen weichen von den 12 Abteilungen des Verbraucherpreisindex ab, um die besonders einflussreichen Gütergruppen gezielt auszuweisen. Entsprechend wurde die Haushaltsenergie aus der Abteilung 4 (Wohnen) herausgelöst und die Kraftund Schmierstoffe aus der Abteilung 7 (Verkehr). Mit dem Ziel der Übersichtlichkeit wurden dann Abteilungen 1 und 2 in die Untergruppe Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren zusammengefasst und das Bildungswesen (Abteilung 10) mit einem geringen Gewicht von durchschnittlich 0,9 % am Warenkorb der Abteilung 12 (Andere Waren und Dienstleistungen) zugeschlagen. 0,5 0,3 0,6 0,6 0,6 0,6 0,6 0,8 0,7 0,7 0,6 -0,1 -0,1 -0,2 -0,1 -0,1 -0,1 -0,2 -0,2 -0,2 -0,1 -0,1 0,5 0,5 0,6 0,5 0,4 0,4 0,4 0,6 0,4 0,4 0,2 -0,1-0,3 -0,3 -0,4 -0,4 -0,3 -0,3 -0,4 -0,1 -0,3 -0,3 -0,2 0,3 0,4 0,3 0,2 0,3 0,3 0,2 0,1 0,2 0,3 0,3 0,1 0,1 0,1 0,2 0,2 0,1 0,2 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,2 0,1 0,2 0,2 0,3 0,2 0,2 0,2 0,2 0,3 0,4 0,2 0,3 0,4 0,4 0,3 0,2 0,3 0,4 0,4 0,1 0,2 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,3 0,7 0,7 0,2 0,3 0,3 0,2 0,3 0,2 0,2 0,2 0,4 2,2 2,4 1,6 1,8 2,0 1,9 1,7 1,8 1,8 1,9 2,2 -1,5 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 VPI HVPI Paare, 2 Kinder 2000-2600€ Paare, 2 Kinder 3600-5000€ Paare, 2 Kinder ≥5000€ Paare 3600-5000€ Alleinerziehende, 1 K 2000-2600€ Alleinlebende <900€ Alleinlebende 1500-2000€ Alleinlebende 2000-2600€ Alleinlebende ≥5000€ Mieten, Nebenkosten, Wohnungsinstandhaltung Haushaltsenergie Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Nachrichtenübermittlung Kraftund Schmierstoffe für Fahrzeuge Verkehr ohne Kraftund Schmierstoffe Bekleidung und Schuhe Freizeit und Kultur Gaststättenund Übernachtungsdienstleistungen Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände Gesundheitspflege Andere Dienstleistungen, Bildungswesen Inflationsrate
Seite 7 von 13 Die Teuerungsrate von einkommensschwachen Familien lag mit 1,6 % am unteren Rand, da diese – wie einkommensschwache Alleinlebende – besonders stark von den rückläufigen Preisen für Haushaltsenergie profitieren, aber anders als einkommensschwache Alleinlebende auch von den gesunkenen Kraftstoffpreisen. Ebenfalls am unteren Rand war die Teuerungsrate von Familien mittleren Einkommens, und zwar sowohl von Alleinerziehenden mit Kind (1,7 %) als auch Paaren mit Kindern (1,8 %) und von Alleinlebendem mit geringem und mittlerem Einkommen (1,8 %). Paare mittleren Einkommens sowie Alleinlebende mit höherem Einkommen hatten eine Inflationsrate von 1,9 %, Familien mit hohem Einkommen eine Inflationsrate von 2,0 %. Am oberen Rand befanden sich wie bereits seit Februar 2024 einkommensstarke Alleinlebende (2,2 %). Mit 0,6 Prozentpunkten war die Spanne der haushaltsspezifischen Inflationsraten geringfügig niedriger als im Oktober 2024. Einkommensschwache Familien liegen seit zwölf Monaten am bzw. sehr nah am unteren Rand, nachdem sie über weite Teile der Jahre 2022 und 2023 stets die höchste Teuerungsrate aufwiesen. Im Oktober 2022 hatte die Differenz zwischen den Teuerungsraten mit 3,1 Prozentpunkten ihren Höhepunkt erreicht, wobei damals die einkommensschwachen Haushalte mit 11,0 % (Familien) bzw. 10,5 % (Alleinlebende) die höchste Teuerung zu verkraften hatten. Einkommensstarke Alleinlebende hatten damals mit 7,9 % die mit Abstand niedrigste Inflationsrate. Tabelle 2: Ausgewählte haushaltsspezifische Inflationsbeiträge im November 2024 Inflationsbeiträge in Prozentpunkten Paar, 2 Kinder 2.000–2.600 € Paar, 2 Kinder 3.600–5.000 € Alleinlebende < 900 € Alleinlebende ≥ 5.000 € Nahrungsmittel, Getränke, Tabak 0,6 0,5 0,6 0,2 Miete, Nebenkosten, Instandhaltung 0,6 0,6 0,8 0,6 Haushaltsenergie -0,2 -0,1 -0,2 -0,1 Kraftund Schmierstoffe -0,4 -0,4 -0,1 -0,2 Verkehr ohne Kraftstoffe 0,3 0,2 0,1 0,3 Freizeit und Kultur 0,1 0,2 0,1 0,2 Gastgewerbe 0,2 0,3 0,2 0,4 Übrige Konsumausgaben 0,4 0,5 0,3 0,8 Inflationsrate in % 1,6 1,8 1,8 2,2 Die Inflationsbeiträge summieren sich gegebenenfalls rundungsbedingt nicht zur Inflationsrate oder zu den Summen im Text. Quellen: Statistisches Bundesamt, Berechnungen des IMK. Die sinkenden Preise für Haushaltsenergie verringern die Inflationsraten der Haushalte mit geringem Einkommen stärker als für jene mit hohem Einkommen, so wie umgekehrt auch die Belastung dieser Haushalte während der starken Verteuerung von Haushaltsenergie in den Jahren 2022 und 2023 besonders ausgeprägt war (Dullien und Tober 2024g). Haushalte mit Kindern profitieren im Durchschnitt besonders stark von den gesunkenen Kraftstoffpreisen, was die ebenfalls stärker zu Buche schlagenden verteuerten Bildungsausgaben deutlich überkompensierte. Bei einkommens-
Impressum Herausgeber Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Georg-Glock-Str. 18, 40474 Düsseldorf, Telefon +49 211 7778-312, Mail [email protected] Die Reihe „IMK Policy Brief“ ist als unregelmäßig erscheinende Online-Publikation erhältlich über: https://www.imk-boeckler.de/de/imk-policy-brief-15382.htm ISSN 2365-2098 Dieses Werk ist lizenziert unter der Creative Commons Lizenz: Namensnennung 4.0 International (CC BY). Diese Lizenz erlaubt unter Voraussetzung der Namensnennung des Urhebers die Bearbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung des Materials in jedem Format oder Medium für beliebige Zwecke, auch kommerziell. Den vollständigen Lizenztext finden Sie hier: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode.de Die Bedingungen der Creative Commons Lizenz gelten nur für Originalmaterial. Die Wiederverwendung von Material aus anderen Quellen (gekennzeichnet mit Quellenangabe) wie z. B. von Abbildungen, Tabellen, Fotos und Textauszügen erfordert ggf. weitere Nutzungsgenehmigungen durch den jeweiligen Rechteinhaber.