IMK Inflationsmonitor: Inflation steigt im September auf 2,4 %, vorübergehende Effekte dominieren
Abstract
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Full text
Tober, Silke Research Report IMK Inflationsmonitor: Inflation steigt im September auf 2,4 %, vorübergehende Effekte dominieren IMK Policy Brief, No. 199 Provided in Cooperation with: Macroeconomic Policy Institute (IMK) at the Hans Boeckler Foundation Suggested Citation: Tober, Silke (2025) : IMK Inflationsmonitor: Inflation steigt im September auf 2,4 %, vorübergehende Effekte dominieren, IMK Policy Brief, No. 199, Hans-Böckler-Stiftung, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Düsseldorf This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/333544 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
POLICY BRIEF IMK INFLATIONSMONITOR Inflation steigt im September auf 2,4 %, vorübergehende Effekte dominieren Silke Tober IMK Policy Brief Nr. 199 · Oktober 2025
Seite 1 von 14 IMK INFLATIONSMONITOR Inflation steigt im September auf 2,4 %, vorübergehende Effekte dominieren Silke Tober1 Zusammenfassung Die Inflationsrate in Deutschland erhöhte sich im September 2025 abermals leicht auf nun 2,4 %. Die Energiepreise dämpften mit einem Rückgang von 0,7 % deutlich weniger stark als im Vormonat (-2,4 %). Zugleich erhöhte sich die Teuerung bei Dienstleistungen um 0,3 Prozentpunkte auf 3,4 %. Dabei dominieren temporäre Effekte – bereits im Oktober 2025 dürfte die Inflation wieder sehr nah am Inflationsziel der EZB liegen. Dasselbe gilt für den Anstieg des harmonisierten Verbraucherpreisindex mit zuletzt 2,4 %. Die Inflationsraten der neun hier betrachteten Haushaltstypen in verschiedenen Einkommensklassen stiegen im September 2025 auf 1,8 % bis 2,3 %. Die in den Jahren 2022 und 2023 entstandene Kaufkraftlücke dürfte mittlerweile überwiegend geschlossen sein, es bestehen in der längerfristigen Betrachtung aber weiterhin Inflationsunterschiede zwischen den Haushalten. Die Inflationslage ist in Deutschland und im Euroraum entspannt. Im kommenden Jahr dürfte die Inflation sogar unter dem Inflationsziel der EZB liegen. Zugleich belasten die hohen Energiepreise, die starke Aufwertung des Euro und die US-Zölle die Wirtschaft. Bis die staatlichen Investitionen in Deutschland an Breite gewinnen, wird auch die Unsicherheit hoch bleiben. Daher sollte die EZB die Zinsen erneut senken und damit einen Beitrag zur Stärkung der Investitionstätigkeit insgesamt leisten. Inhaltsverzeichnis Nahrungsmittelpreisanstieg kaum verringert – Entspannung in Sicht 2 Jahr 2020 ungeeignet für längerfristige Preisvergleiche 4 Energiepreise deutlich weniger stark rückläufig 5 Kernrate steigt vorübergehend auf 2,6 % 5 Teuerung seit 2022 traf Familien geringen und mittleren Einkommens am stärksten 7 HVPI-Inflation steigt trotz merklich anderer Gewichtung ebenfalls auf 2,4 % 9 Aufwertung und Investitionsschwäche erfordern weitere Zinssenkung 10 Anhang 11 Literatur 13 1 Dr. Silke Tober, Referatsleitung Geldpolitik, [email protected]
Seite 2 von 14 Nahrungsmittelpreisanstieg kaum verringert – Entspannung in Sicht Die Inflationsrate in Deutschland – gemessen als prozentuale Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat – erhöhte sich im September auf 2,4 % nach 2,2 % im August und 2,0 % im Juli 2025 (Abbildung 1). Erstens dämpften die Energiepreise erneut deutlich weniger stark als zuvor (-0,7 % nach -2,4 % im August und -3,4 % im Juli 2025), insbesondere weil die Kraftstoffpreise ein Jahr zuvor ihren Jahrestiefstand erreicht hatten. Das bewirkte für sich genommen einen Anstieg der Inflationsrate um 0,15 Prozentpunkte. Zweitens verstärkte sich die Teuerung bei den Dienstleistungen um 0,3 Prozentpunkte auf 3,4 %, was allerdings primär auf temporäre, saisonunübliche Faktoren zurückzuführen sein dürfte. Entsprechend legte die Kernrate ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak um 0,1 Prozentpunkte auf 2,6 % zu.2 Demgegenüber schwächte sich der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln einschließlich Alkohol und Tabak leicht von 3,2 % auf 3,0 % ab. Die Teuerungsrate von Nahrungsmitteln im engen Sinne verringerte sich im September 2025 auf 2,1 % (August 2025: 2,5 %). Auch der Preisauftrieb bei alkoholfreien Getränken (8,2 % nach 8,7 %) schwächte sich ab, während er bei alkoholischen Getränken unverändert bei 1,2 % lag und sich bei Tabakwaren etwas verschärfte (5,6 % nach 5,3 %). Abbildung 1: Inflation und Kerninflation in Deutschland Januar 2015 – September 2025, Veränderungen der Indizes gegenüber Vorjahresmonat, in % Quellen: Eurostat; Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK. Von den 132 Nahrungsmitteln, die im Verbraucherpreisindex enthalten sind, waren 42 im September 2025 preiswerter als ein Jahr zuvor, besonders deutlich – wie größtenteils auch schon in den Vormonaten – Zucker (-29,3 %), Gurken (-25,4 %), Olivenöl (-22,6 %), frische Kartoffeln 2 Die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Kernrate erhöhte sich ebenfalls um 0,1 Prozentpunkte, lag aber mit 2,8 % weiterhin etwas höher, weil das Statistische Bundesamt neben Energie nur Nahrungsmittel im engen Sinne unberücksichtigt lässt, während hier in Einklang mit Eurostat Nahrungsmittel einschließlich alkoholfreier und alkoholischer Getränke sowie Tabakwaren herausgerechnet werden. 2,4 2,6 2,4 2,6 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Verbraucherpreisindex (VPI) VPI ohne Energie, Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI) HVPI ohne Energie, Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Inflationsziel der EZB
Seite 3 von 14 (-14,3 %) und Kürbisse, Auberginen oder Mais (-12,5 %). Zugleich hatten 16 Nahrungsmittel zweistellige Preissteigerungsraten, besonders ausgeprägt Sauerkirschen oder andere Steinobstkonserven (29,8 %), Schokoladentafeln (29,2 %), Bohnenkaffee (24,3 %), Kakaopulver (21,4 %), Pralinen (20,4 %) und Rinderhackfleisch (19,4 %). Auf dem Höhepunkt der Lebensmittelteuerung im Februar 2023 hatten 146 von 168 Nahrungsmitteln Preisanstiege von 10 % oder mehr. In der längeren Betrachtung von sechs Jahren – seit vor der Pandemie und den darauffolgenden Krisen – haben sich Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke um 39,3 % verteuert, darunter Speisefette und -öle um 52,6 %, Molkereiprodukte und Eier um 47,9 %, Zucker, Marmeladen und andere Süßwaren um 47,8 %, Kaffee, Tee und Kakao um 45,5 %, Mineralwasser, Limonaden und Säfte um 41,8 %, Brotund Getreideerzeugnisse um 40,6 %, Fleischund Fleischwaren um 39,7 %, Fisch und Meeresfrüchte um 31,6 %, Obst um 31,1 % sowie Gemüse um 26,4 %. Damit haben sich die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke seit September 2019 im Durchschnitt mehr als drei Mal so stark verteuert, als wären sie in Einklang mit dem Inflationsziel der EZB in Höhe von 2 % gestiegen (12,6 %). Ein Grund für den kräftigen Anstieg der Nahrungsmittelpreise sind die globalen Agrarrohstoffpreise, die im Monat nach der russischen Invasion der Ukraine ihren Höhepunkt erreichten, und im September 2025 noch 38,1 % höher lagen als sechs Jahre zuvor (Abbildung 2). Preistreibend wirkten zudem die stark gestiegenen Energiepreise, die aufholende Lohnentwicklung nach den hohen Inflationsraten der Jahre 2022 und 2023 sowie extreme Wetterereignisse. Abbildung 2: Internationale Energieund Agrarrohstoffpreise Index 2019=100, Januar 2019 – September 2025 Quellen: EZB; FAO; Macrobond; U.S. Energy Information Administration; Berechnungen des IMK. Nachdem sich die Teuerung von Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken zuletzt von 3,2 % auf 2,9 % abgeschwächt hat, deutet vieles auf eine weitere Entspannung bei den Lebensmittelpreisen in den kommenden Monaten hin: Die überwiegend sehr gute Ernte hierzulande bei 0 25 50 75 100 125 150 175 200 225 250 275 300 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Nahrungsmittelpreisindex (FAO, USD) Rohöl (Brent, EUR) 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1.000 1.100 1.200 1.300 1.400 1.500 1.600 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Erdgas (ICE Dutch TTF Daily, 1st Pos., EUR) Erdgas (Henry Hub, USA, USD) Strompreis (EPEX Spot, Day-Ahead, EUR)
Seite 4 von 14 zugleich erhöhten Anbauflächen, der deutliche Rückgang der globalen Kakaopreise infolge positiver Ernteaussichten, die Überwindung des Höhepunkts bei der Blauzungenkrankheit unter Rindern und die zuletzt gegenüber dem Vormonat rückläufigen Preise für Butter und Margarine sowie angekündigte Preissenkungen für Käse in zahlreichen Supermarktketten lassen insgesamt geringere monatliche Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln erwarten, was bereits zeitnah zu geringeren Teuerungsraten gegenüber dem Vorjahresmonat führen wird. Jahr 2020 ungeeignet für längerfristige Preisvergleiche Da das Jahr 2020 aktuell das Basisjahr für den Verbraucherpreisindex ist – also das Jahr bei dem alle Teilindizes den Indexwert 100 haben –, läge es nahe, dieses Jahr auch für längerfristige Preisvergleiche zu verwenden. Dagegen sprechen allerdings zwei gewichtige Gründe: Erstens bewirkte der globale Wirtschaftseinbruch bis April des ersten Coronajahrs einen massiven Rückgang des Rohölpreises, der ein Sinken der Energiepreise im Verbraucherpreisindex um jahresdurchschnittlich 4,3 % bewirkte (Abbildungen 2 und 3). Zweitens wurde die Mehrwertsteuer für die zweite Jahreshälfte 2020 zur Unterstützung der Wirtschaft gesenkt; konkret wurde der Regelsteuersatz von 19 % auf 16 % und der ermäßigte Steuersatz von 7 % auf 5 % gesenkt (Egner 2021). Da sich der Rohölpreis im Verlauf von 2020 erholte und im April 2021 bereits sein Vorpandemieniveau erreicht hatte, stieg die Inflation im Jahr 2021 allein wegen der geringen Basis im Jahr 2020 deutlich. Das Gleiche gilt für Inflation in der zweiten Jahreshälfte 2021, für deren Berechnung Preise zu den regulären Mehrwertsteuersätzen mit Preisen bei abgesenkten Sätzen verglichen werden. Insgesamt lag die Inflationsrate im Jahr 2020 bei 0,5 % und im Jahr 2021 bei 3,1 %. Das Preisniveau 2021 lag entsprechend um 3,6 % höher als 2019 und war damit niedriger, als wäre es in Einklang mit dem Inflationsziel der EZB gestiegen. Abbildung 3: Verbraucherpreisindex und ausgewählte Teilindizes Januar 2017 – September 2025, Indizes 2019 = 100 Quellen: Eurostat; Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK. Vergleicht man das Jahr 2024 mit dem Jahr 2020 ergibt sich ein Anstieg der Verbraucherpreise um 19,3 %. Ein Anstieg der Preise über den gleichen Vierjahreszeitraum in Einklang mit 90 100 110 120 130 140 150 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Verbraucherpreisindex Energie (Haushaltsenergie und Kraftstoffe) Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke Dienstleistungen
Seite 5 von 14 dem Inflationsziel von 2 % hätte einen Anstieg um 8,2 % bewirkt, so dass die Differenz bei 11,1 Prozentpunkten liegt. Verwendet man aus oben genannten Gründen das Jahr 2019 für den mehrjährigen Vergleich ergibt sich eine Differenz von 9,5 Prozentpunkten, basierend auf 19,9 % tatsächlichem VPI-Anstieg in dem Fünfjahreszeitraum und 10,4 % Anstieg im Fall einer jährlichen Steigerung von 2 %. Die Verwendung des Jahres 2020 für den langjährigen Preisvergleich überzeichnet somit die überhöhte Inflation der vergangenen Jahre um 1,6 Prozentpunkte. Energiepreise deutlich weniger stark rückläufig Obwohl die Energiepreise auf Monatsbasis noch einmal gesunken sind, sind sie gegenüber September 2024 mit -0,7 % deutlich weniger stark gefallen als zuvor (-2,4 %). Grund war der starke Rückgang auf Monatsbasis ein Jahr zuvor, und insbesondere, dass der Rohölpreis im September 2024 in Euro gerechnet seinen Jahrestiefstand erreichte. Infolge des schwächeren Rückgangs verringerten die Energiepreise die Inflationsrate im September 2025 nur noch um 0,06 Prozentpunkte nach 0,21 Prozentpunkten im Vormonat. Unter den drei großen Energieträgern für Haushaltsenergie verringerte sich der Preis für Heizöl wie in den Vormonaten am stärksten, allerdings erneut deutlich weniger kräftig (-6,3 % nach -8,9 % im August 2025), gefolgt von Strom mit -1,6 % (August 2025: -1,7 %) und Erdgas mit -1,0 % (August 2025: -1,4 %).3 Fernwärme verbilligte sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,2 %. Insgesamt war Haushaltsenergie im September 2025 1,9 % günstiger als im September 2024 (August 2025: -2,3 %). Kraftstoffe waren 1,1 % teuer als ein Jahr zuvor – der erste Preisanstieg gegenüber dem Vorjahresmonat seit Mai 2024 (August 2025: -2,5 %). Verglichen mit September 2019 lagen die Energiepreise insgesamt um 35,8 % höher, darunter Haushaltsenergie um 45,4 % und Kraftstoffe um 22,6 %. Am höchsten war der Preisanstieg in dem Sechsjahreszeitraum bei Kohlebriketts (91,6 %), gefolgt von Erdgas (87,3 %), Flüssiggas (81,6 %), Fernwärme (74,8 %), Brennholz und Holzpellets (40,0 %), Strom (28,0 %) und Heizöl (16,8 %). Kernrate steigt vorübergehend auf 2,6 % Während der Preisauftrieb bei den Waren in der Kernrate ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak im September 2025 leicht abnahm (1,1 % nach 1,3 %), erhöhte sich der Anstieg der Dienstleistungspreise deutlich von 3,1 % auf 3,4 %. Da Letztere einen Anteil von 65,2 % an der Kernrate haben, erhöhte sich die Kernrate um 0,1 Prozentpunkte auf 2,6 %. Dabei verteuern sich einige Dienstleistungen weiterhin sehr stark, insbesondere Versicherungsdienstleistungen für Reise und Gepäck (unverändert 12,1 %) und für private Verkehrsmittel (10,4 % nach 10,3 %), der öffentliche Nahverkehr (11,2 % nach 11,1 %) und Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (8,2 % nach 8,1 %). 3 Einschließlich der Betriebskosten von Zentralheizungen. Betrachtet man nur die Haushalte mit eigenem Gasanschluss bzw. eigener Ölheizung wie in den Pressemitteilungen von Destatis, betrug die Teuerungsrate im September 2025 0,7 % bei Erdgas und 0,1 % bei Heizöl.
Seite 6 von 14 Ausschlaggebend für die gestiegene Teuerungsrate bei Dienstleistungen waren aber Basiseffekte bei den Preisen für Pauschalreisen und Flüge sowie eine saisonunübliche Entwicklung der Bahnpreise und der Hotelpreise. Die Teuerung bei Pauschalreisen erhöhte sich infolge der Rohölpreisentwicklung im vergangenen Jahr deutlich von 2,5 % im August 2025 auf 4,1 % im September 2025, während sich zugleich der Preisrückgang bei Flügen von -7,2 % auf -4,9 % abschwächte. Infolge des saisonunüblich starken Anstiegs der Bahntickets erhöhte sich die Teuerung bei Bahntickets von -0,6 % im August 2025 auf 3,8 % im September 2025 und ein saisonunüblicher Anstieg der Hotelpreise in Nordrhein-Westfalen war maßgeblich verantwortlich für den Anstieg der Teuerung bei Übernachtung von 2,7 % im August 2025 auf 4,4 % im September 2025.4 Insgesamt erklärt die Teuerung bei Flügen, Pauschalreisen, Bahntickets und Übernachtungen 0,2 Prozentpunkte des Anstiegs der Dienstleistungsteuerung um spitzgerechnet 0,27 Prozentpunkte. Folglich ist damit zu rechnen, dass die Teuerungsrate der Dienstleistungen bereits im Oktober 2025 wieder geringer ausfällt. Im Vergleich zu September 2019 lagen die Preise von Dienstleistungen im September 2025 um 19,1 % höher und die Preise von Waren ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak um 16,5 %. Damit haben sie sich weiterhin nur etwa halb so stark verteuert wie Nahrungsmittel im weiten Sinne und Energie. Dabei sanken beispielsweise die Preise für Computer (-13,8 %), Telefone sowie andere Geräte für die Kommunikation (-10,9 %), Hausratversicherungen (-9,9 %), Rundfunkund Fernsehgeräte (-8,0 %), den öffentlichen Nahverkehr (-6,8 %), Bahntickets (-5,9 %) und Telekommunikationsdienstleistungen (-4,1 %). Einzelne Dienstleistungen verteuerten sich demgegenüber in der längeren Frist stark, insbesondere Dienstleistungen für die Instandhaltung und Reparatur der Wohnung (55,4 %), Flüge (44,8 %), Dienstleistungen von Hauspersonal und andere häusliche Dienste (43,4 %), soziale Dienstleistungen (42,4 %), Veterinärdienstleistungen (37,5 %), Betriebssysteme oder andere Computersoftware (37,3 %), Gaststättendienstleistungen (36,2 %), chemische Reinigung, Waschen und Bügeln (32,4 %), Friseurdienstleistungen für Männer/Kinder (37,1 %) und Frauen (33,8 %) sowie Versicherungen für Reise und Gepäck (33,3 %). Rund ums Auto ist es in den vergangenen sechs Jahren ebenfalls deutlich teurer geworden: Die Preise für Pkw stiegen seit September 2019 um 30,7 % – darunter Gebrauchtwagenpreise um 45,1 % –, die Preise für Ersatzteile und Zubehör um 20,8 %, für Wartung und Reparatur um 38,8 % und für die Versicherung von privaten Verkehrsmitteln um 63,6 %.5 4 Ein ähnliches Phänomen trat bereits im Juni dieses Jahres auf, als die Übernachtungspreise in Nordrhein-Westfalen sprunghaft anstiegen (Tober 2025f) und im Folgemonat kräftig zurückgingen (Tober 2025g). Das Land Nordrhein-Westfalen hat ein Gewicht von 20,1 % am deutschen Verbraucherpreisindex (Mai und Egner 2023). 5 Der kräftige Anstieg der Versicherungspreise für private Fahrzeuge um knapp 64 % seit September 2019 ist schwer mit den oben genannten Preissteigerungen bei Pkw, Ersatzteilen sowie der Wartung und Reparatur von Fahrzeugen in Einklang zu bringen, selbst unter Berücksichtigung erhöhter Reparaturkosten im Schadensfall infolge technologischer Neuerungen, der gestiegenen Entlohnung im Versicherungsgewerbe und höherer medizinischer Kosten. Das wirft die Frage auf, ob die Versicherungsunternehmen übermäßig auf eine Aufforderung der Finanzaufsicht BaFin Ende 2023 reagiert haben, die Prämien zu erhöhen (BaFin 2023). Die Aufforderung an einen Sektor, die Preise zu erhöhen, statt beispielsweise Kostensenkungen auch bei den Rückversicherern anzumahnen, erscheint zudem aus wettbewerbspolitischer Sicht problematisch.
Seite 7 von 14 Teuerung seit 2022 traf Familien geringen und mittleren Einkommens am stärksten Die Inflationsraten der neun im IMK Inflationsmonitor monatlich betrachteten Durchschnittshaushalte (siehe Anhang) lagen im August 2025 zwischen 1,8 % und 2,3 %. Abbildung 4 zeigt die auf der Grundlage von 30 Ausgabenpositionen berechneten haushaltsspezifischen Inflationsraten und die Beiträge der zwölf zusammengefassten Ausgabenpositionen zu der jeweiligen Inflationsrate sowie zum Anstieg des nationalen und des harmonisierten Verbraucherpreisindex.6 Abbildung 4: Haushaltsspezifische Inflationsraten und Inflationsbeiträge im September 2025 in % bzw. Prozentpunkten VPI: Verbraucherpreisindex, HVPI: Harmonisierter Verbraucherpreisindex. Inflationsbeiträge beim HVPI berechnet als Ribe-Beiträge nach Eurostat (2018). Quellen: Eurostat, Statistisches Bundesamt; Berechnungen des IMK. 6 Destatis veröffentlicht seit Juni und zurück bis Anfang 2025 keine Daten für die Aggregate „Finanzdienstleistungen“ und „Andere Dienstleistungen, a. n. g.“. In der tieferen Gliederung fehlen nur die Gebühren für Steuerberatung bzw. für Rechtsanwälte/Notare. Zur Berechnung der haushaltsspezifischen Inflationsraten wurde für die Finanzdienstleistungen der Teilindex Bank- /Sparkassengebühr verwendet. Der Preisindex "Andere Dienstleistungen, a. n. g." wurde mit der durchschnittlichen Steigerungsrate der vorhandenen fünf Teilaggregate fortgeschrieben (Gebühr für Geburtsurkunden, Sterbeurkunden o. Ä., Passgebühr o. Ä., Bestattungsleistungen und Friedhofsgebühr, Kurtaxe, Kleinanzeige in einer Zeitung). 0,5 0,3 0,6 0,6 0,5 0,6 0,6 0,8 0,7 0,7 0,6 -0,1 -0,1 -0,2 -0,1 -0,1 -0,1 -0,2 -0,2 -0,2 -0,1 -0,1 0,5 0,5 0,7 0,5 0,4 0,4 0,5 0,6 0,4 0,4 0,3 0,1 0,1 0,1 0,1 0,10,3 0,4 0,2 0,3 0,3 0,3 0,2 0,1 0,2 0,3 0,3 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,2 0,1 0,1 0,2 0,3 0,3 0,3 0,1 0,3 0,3 0,3 0,2 0,3 0,1 0,2 0,3 0,3 0,2 0,1 0,2 0,2 0,3 0,1 0,1 0,1 0,2 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,1 0,3 0,6 0,7 0,2 0,3 0,3 0,2 0,3 0,2 0,2 0,2 0,3 2,4 2,4 2,0 2,2 2,3 2,2 2,1 1,8 2,1 2,1 2,3 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 VPI HVPI Paare, 2 Kinder 2000-2600€ Paare, 2 Kinder 3600-5000€ Paare, 2 Kinder ≥5000€ Paare 3600-5000€ Alleinerziehende, 1 K 2000-2600€ Alleinlebende <900€ Alleinlebende 1500-2000€ Alleinlebende 2000-2600€ Alleinlebende ≥5000€ Mieten, Nebenkosten, Wohnungsinstandhaltung Haushaltsenergie Nahrungsmittel, Getränke, Tabak Nachrichtenübermittlung Kraftund Schmierstoffe für Fahrzeuge Verkehr ohne Kraftund Schmierstoffe Bekleidung und Schuhe Freizeit und Kultur Gaststättenund Übernachtungsdienstleistungen Innenausstattung, Haushaltsgeräte und -gegenstände Gesundheitspflege Andere Dienstleistungen, Bildungswesen Inflationsrate
Seite 14 von 14 Egner, U. (2021): Senkung der Mehrwertsteuersätze im Zuge der Coronapandemie – wie wirkte sie auf die Inflation? WISTA 2021/3, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden. Eurostat (2018): Harmonised Index of Consumer Prices (HICP). Methodological Manual. Luxemburg, November. Europäische Zentralbank (2025a): ECB staff macroeconomic projections. September 2025, Frankfurt/M. Mai, C.-M. / Egner, U. (2023): Analysen zur Revision 2023 in der Verbraucherpreisstatistik. Wista – Wirtschaft und Statistik, Heft 4, Wiesbaden. Statistisches Bundesamt (2023): Hintergrundpapier zur Revision des Verbraucherpreisindex für Deutschland 2023. Wiesbaden, 22. Februar. Statistisches Bundesamt (2020a): Wirtschaftsrechnungen. Einkommensund Verbrauchsstichprobe. Konsumausgaben privater Haushalte 2018. Fachserie 15, Heft 5, 29. Mai 2020 (Seiten 31-34 und 97-144 korrigiert am 28. Oktober 2021), Wiesbaden. Statistisches Bundesamt (2020b): Wirtschaftsrechnungen. Einkommensund Verbrauchsstichprobe. Einnahmen und Ausgaben privater Haushalte. FS 15, H. 4, 23, April, Wiesbaden. Tober, S. (2022): IMK Inflationsmonitor – Haushaltsspezifische Teuerungsraten: Wie stark unterscheidet sich die Belastung durch Inflation? IMK Policy Brief Nr. 114, Januar. Tober, S. (2023): IMK Inflationsmonitor – Inflationsrate einkommensschwacher Haushalte sinkt trotz steigender Nahrungsmittelpreise leicht im Februar 2023. IMK Policy Brief 147, März. Tober, S. (2024): IMK Inflationsmonitor – Inflation in Deutschland fällt im September 2024 auf 1,6 %, Energiepreise trotz Rückgangs auf hohem Niveau. IMK Policy Brief 178, Oktober. Tober, S. (2024): IMK Inflationsmonitor – Inflation in Deutschland im Oktober 2024 bei 2 %, Nahrungsmittel 37,1 % teurer als vor fünf Jahren. IMK Policy Brief 182, November. Tober, S. (2024): IMK Inflationsmonitor: Inflation steigt im November 2024 auf 2,2 %, haushaltsspezifische Inflationsraten liegen nah beieinander. IMK Policy Brief 183, Dezember. Tober, S. (2025a): IMK Inflationsmonitor: Inflation mit 2,2 % im Jahr 2024 sehr nah am Inflationsziel, Dynamik noch von Folgen der Preisschocks geprägt. IMK Policy Brief 184, Januar. Tober, S. (2025b): IMK Inflationsmonitor: Inflation zu Jahresbeginn 2025 trotz staatlich bedingter Preiserhöhungen bei 2,3 %. IMK Policy Brief 187, Februar. Tober, S. (2025c): IMK Inflationsmonitor: Inflation verharrt im Februar 2025 bei 2,3 %, Kernrate sinkt auf 2,6 %. IMK Policy Brief 188, März. Tober, S. (2025d): IMK Inflationsmonitor: Inflation fällt im März 2025 auf 2,2 %, auch Kernrate sinkt weiter. IMK Policy Brief 190, April. Tober, S. (2025e): IMK Inflationsmonitor: Inflation fällt im April 2025 weiter auf 2,1 %, Kernrate durch Osterfeiertage verzerrt. IMK Policy Brief 191, Mai. Tober, S. (2025f): IMK Inflationsmonitor: Inflation verharrt im Mai 2025 bei 2,1 %, Anstieg der Dienstleistungspreise deutlich verringert. IMK Policy Brief 192, Juni. Tober, S. (2025g): IMK Inflationsmonitor: Inflation sinkt im Juni 2025 auf 2,0 %, erneut schwächerer Preisauftrieb bei Dienstleistungen. IMK Policy Brief 194, Juli. Tober, S. (2025f): IMK Inflationsmonitor: Inflation im Juli 2025 erneut bei 2 %, harmonisierte Rate sinkt auf 1,8 %. IMK Policy Brief 195, August. Tober, S. (2025f): Inflation steigt im August auf 2,2 %, Energiepreise dämpfen deutlich weniger. IMK Policy Brief 198, September.
Impressum Herausgeber Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Georg-Glock-Str. 18, 40474 Düsseldorf, Telefon +49 211 7778-312, Mail [email protected] Die Reihe „IMK Policy Brief“ ist als unregelmäßig erscheinende Online-Publikation erhältlich über: https://www.imk-boeckler.de/de/imk-policy-brief-15382.htm ISSN 2365-2098 Dieses Werk ist lizenziert unter der Creative Commons Lizenz: Namensnennung 4.0 International (CC BY). Diese Lizenz erlaubt unter Voraussetzung der Namensnennung des Urhebers die Bearbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung des Materials in jedem Format oder Medium für beliebige Zwecke, auch kommerziell. Den vollständigen Lizenztext finden Sie hier: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode.de Die Bedingungen der Creative Commons Lizenz gelten nur für Originalmaterial. Die Wiederverwendung von Material aus anderen Quellen (gekennzeichnet mit Quellenangabe) wie z. B. von Abbildungen, Tabellen, Fotos und Textauszügen erfordert ggf. weitere Nutzungsgenehmigungen durch den jeweiligen Rechteinhaber.
