Entwicklung und Struktur der Beschäftigung von Ausländer*innen in Sachsen-Anhalt
Abstract
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Full text
Leclerque, Cornelia; Fritzsche, Birgit Research Report Entwicklung und Struktur der Beschäftigung von Ausländer*innen in Sachsen-Anhalt IAB-Regional. IAB Sachsen-Anhalt-Thüringen, No. 1/2024 Provided in Cooperation with: Institute for Employment Research (IAB) Suggested Citation: Leclerque, Cornelia; Fritzsche, Birgit (2024) : Entwicklung und Struktur der Beschäftigung von Ausländer*innen in Sachsen-Anhalt, IAB-Regional. IAB Sachsen-AnhaltThüringen, No. 1/2024, Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB), Nürnberg, https://doi.org/10.48720/IAB.RESAT.2401 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/298670 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/
IAB-Regional, IAB Bayern Nr|JJJJ 0 IAB-REGIONAL Berichte und Analysen aus dem Regionalen Forschungsnetz 1|2024 IAB Sachsen-Anhalt-Thüringen Entwicklung und Struktur der Beschäftigung von Ausländer*innen in Sachsen-Anhalt Cornelia Leclerque, Birgit Fritzsche ISSN 1861-1435
Entwicklung und Struk tur der Beschäftigung von Ausländer*innen in Sachsen-Anhalt Cornelia Leclerque (IAB Sachsen-Anhalt-Thüringen) Birgit Fritzsche (IAB Sachsen-Anhalt-Thüringen) IAB - Regional berichtet über die Forschungsergebnisse des Regionalen Forschungsnetzes des IAB. Schwerpunktmäßig werden die regionalen Unterschiede in Wirtschaft und Arbeitsmarkt – unter Beachtung lokaler Besonderheiten – untersucht. IAB-Regional erscheint in loser Folge in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit und wendet sich an Wissenschaft und Praxis.
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 3 Inhaltsverzeichnis Zusammenfassung ................................................................................................................... 4 1 Einleitung ........................................................................................................................... 5 2 Datengrundlage .................................................................................................................. 6 3 Entwicklung der Beschäftigung und Strukturmerkmale ausländischer und deutscher Beschäftigter ...................................................................................................................... 7 3.1 Beschäftigungsentwicklung ................................................................................................ 7 3.2 Geschlecht ............................................................................................................................ 8 3.3 Arbeitszeit........................................................................................................................... 10 3.4 Alter .................................................................................................................................... 11 3.5 Berufsabschluss und Anforderungsniveau der ausgeübten Tätigkeit ............................. 12 3.6 Wirtschaftsbereiche ........................................................................................................... 17 3.7 Berufe ................................................................................................................................. 20 4 Herkunftsländer der Beschäftigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit ..................... 22 4.1 Polen ................................................................................................................................... 26 4.2 Rumänien ........................................................................................................................... 27 4.3 Syrien .................................................................................................................................. 29 4.4 Ukraine ............................................................................................................................... 30 4.5 Vietnam .............................................................................................................................. 32 5 Unterschiede innerhalb Sachsen-Anhalts ......................................................................... 34 5.1 Bedeutung ausländischer Beschäftigter für die regionale Beschäftigung ...................... 34 5.2 Regionale Konzentration ausländischer Beschäftigter in Sachsen-Anhalt ..................... 35 5.3 Herkunftsländer der ausländischen Beschäftigten, die in den Regionen SachsenAnhalts den größten Anteil stellen .................................................................................... 36 6 Fazit ................................................................................................................................. 38 Literatur ................................................................................................................................. 43
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 4 Zusammenfassung Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist in Sachsen-Anhalt in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dies gilt insbesondere für die ausländischen Beschäftigten. Gleichzeitig gibt es bei verschiedenen Strukturmerkmalen deutliche Unterschiede zwischen ausländischen und deutschen Beschäftigten und die Beschäftigungsstruktur der ausländischen Beschäftigten unterscheidet sich je nach Staatsbürgerschaft. Darüber hinaus lassen sich zwischen den Regionen Sachsen-Anhalts erhebliche Unterschiede feststellen, sowohl was die Größenordnung der ausländischen Beschäftigten angeht, als auch was die Herkunftsländer betrifft, aus denen ausländische Beschäftigte in einer Region besonders stark vertreten sind. Die Auswertungen zeigen, dass aufgrund der häufig ungünstigeren Qualifikationsund Tätigkeitsstruktur der ausländischen Beschäftigten und der damit einhergehenden Beschäftigungsund Arbeitslosigkeitsrisiken noch Handlungsbedarf besteht. Die Analysen zeigen aber auch, dass dieser regional unterschiedlich ausfallen dürfte. Dementsprechend sollten, unter Berücksichtigung der jeweils spezifischen Voraussetzungen, Bedarfe und Perspektiven, Aktivitäten aufund ausgebaut werden, die aktuell und perspektivisch die Entfaltung der Arbeitsmarktpotenziale der ausländischen Beschäftigten in Sachsen-Anhalt unterstützen können. Keywords Ausländer*innen, Sachsen-Anhalt, Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte Danksagung Wir danken Michaela Fuchs, Klara Kaufmann, Per Kropp und Rüdiger Wapler für wertvolle inhaltliche Kommentare und Jochen Stabler für die redaktionelle Überarbeitung.
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 5 1 Einleitung Die Zuwanderung und Integration von ausländischen Fachkräften ist ein Thema, das aktueller ist denn je. So hat die Diskussion um das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz1 die politische Landschaft in den vergangenen Monaten stark geprägt. Mit dem reformierten Fachkräfteeinwanderungsgesetz soll der Weg von Arbeitskräften aus Drittstaaten in den deutschen Arbeitsmarkt einfacher werden, um den nötigen Fachkräftebedarf zu sichern. Entsprechende Änderungen des Gesetzes hat der Bundestag im Juni 2023 beschlossen, wovon mit der Einführung der Blauen Karte bereits ein Teil ab November 2023 gilt. Weitere Regelungen sollen dann ab 2024 umgesetzt werden. Grundtenor der geänderten Regelungen ist es, die Erwerbsmigration nach Deutschland zu vereinfachen und deutlich zu steigern. Vor diesem Hintergrund soll es Personen aus Drittstatten mit anerkanntem Abschluss nun ermöglicht werden, in allen qualifizierten Beschäftigungen arbeiten zu können. Somit wird die Beschränkung aufgehoben, dass man nur im Rahmen eines anerkannten Berufsabschlusses arbeiten darf. Zugleich wird auch die Zuwanderung für akademische Berufe erleichtert und die Liste der Engpassberufe oder „Mangelberufe“ ausgeweitet2. Ob und inwieweit diese Regelungen auch zu einer erhöhten Erwerbsmigration führen werden, wird jedoch kritisch gesehen. So argumentieren Adunts et al. (2023: 22), dass wenn „die Hürden für die Arbeitsund Erwerbsmigration in Deutschland weiterhin so hoch verbleiben, […] die Zuzüge aus Drittstaaten nicht das notwendige Niveau erreichen, um dem steigenden Arbeitskräftebedarf im Zuge des demografischen Wandels zu begegnen.“ Gleichzeitig ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten3 insgesamt als auch der ausländischen Beschäftigten in Deutschland und in Sachsen-Anhalt steigend, insbesondere durch die gestiegene Zahl an Beschäftigten aus den acht Asylherkunftsländern4 und der Ukraine. Dies liegt zum einen an der zunehmenden Globalisierung und der freiwilligen wie erzwungenen individuellen Mobilität der Arbeitnehmer*innen, die dazu führt, dass sich immer mehr Ausländer*innen für eine Beschäftigung in Deutschland entscheiden. Zum anderen spielt auch die demografische Entwicklung eine Rolle. Es ist zu erwarten, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Deutschland und Sachsen-Anhalt weiter zunehmen wird. Insbesondere aufgrund des bestehenden Fachkräftebedarfs wird die Arbeitsmarktintegration von Ausländer*innen somit eine immer wichtigere Rolle spielen. Damit sollte es vor allem im Interesse von Wirtschaft und Politik liegen, die Integration von ausländischen Beschäftigten in den Arbeitsmarkt weiter voranzutreiben und ihnen gute Beschäftigungsund Bleibemöglichkeiten zu bieten. Der vorliegende Bericht gibt einen deskriptiven Überblick über die Entwicklung und die Struktur der Beschäftigung von Ausländer*innen in Sachsen-Anhalt und zeigt Unterschiede zwischen den Staatsangehörigkeiten sowie Unterschiede zwischen den Landkreisen Sachsen-Anhalts auf. Im 1 Vgl. https://www.make-it-in-germany.com/de/visum-aufenthalt/fachkraefteeinwanderungsgesetz (abgerufen am 17.11.2023). 2 ebd. 3 Wenn im Text von Beschäftigten oder von Beschäftigung die Rede ist, sind damit immer alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (inkl. Auszubildende) bzw. sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gemeint. Ausgewertet wurde außerdem durchgängig die Beschäftigung am Arbeitsort. 4 Zu den acht Asylherkunftsländern zählen Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia, Syrien.
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 6 Folgenden werden zunächst die Datengrundlage (Kapitel 2) und die Beschäftigungsentwicklung von ausländischen und deutschen Beschäftigten dargestellt sowie ausgewählte Strukturmerkmale der Beschäftigung präsentiert (Kapitel 3). In Kapitel 4 werden Auswertungen differenziert nach unterschiedlichen ausländischen Staatsangehörigkeiten vorgestellt. Kapitel 5 befasst sich dann mit regionalen Unterschieden innerhalb Sachsen-Anhalts. Der Bericht schließt mit einem Fazit (Kapitel 6). 2 Datengrundlage Grundlage für die Auswertungen bilden die in der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit vorhandenen standardisierten Daten und Merkmale. Die Beschäftigungsstatistik bietet die Möglichkeit, Beschäftigungsstrukturen auf regionaler Ebene vergleichsweise detailliert darstellen zu können. Der Bericht konzentriert sich auf die Darstellung von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach Staatsangehörigkeit5 und beschränkt sich auf ausgewählte wichtige Merkmale und Merkmalskombinationen. Aufgrund der Verwendung der Beschäftigungsstatistik sind für die Interpretation der Daten einige Punkte zu berücksichtigen. So finden sich in diesem Bericht keine Angaben zu (ausländischen) Selbstständigen, mithelfenden Familienangehörigen, Beamten oder geringfügig Beschäftigten. Zudem enthalten die Daten keine Informationen darüber, wann Beschäftigte mit ausländischer Staatsangehörigkeit nach Deutschland gekommen sind oder ob sie bereits in Deutschland geboren wurden und aufgewachsen sind. Zudem ist es mit den hier verwendeten Daten der Beschäftigungsstatistik nicht möglich, Personen mit Migrationshintergrund zu untersuchen, da dieses Merkmal hier nicht erhoben wird. Daten zur Bevölkerung und zu Beschäftigten mit Migrationshintergrund liefert das Statistische Bundesamt auf der Basis von Auswertungen des Mikrozensus und des Ausländerzentralregisters. Dabei ist zu beachten, dass die Zahl der Beschäftigten mit Migrationshintergrund6 größer ist als die Zahl der Beschäftigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit7, da diese eine Untergruppe der Personen mit Migrationshintergrund darstellen. Für das Jahr 2022 betrug die Zahl der Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland 23.825.000 und die Zahl der Ausländer*innen 12.324.000, das sind 28,7 bzw. 14,6 Prozent der Bevölkerung. Nach dem Ausländerzentralregister zählten in 2022 13.384.000 Personen zur ausländischen Bevölkerung. 5 Statistik der Bundesagentur für Personen nach Staatsagehörigkeit, vgl. https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Navigation/Statistiken/Themen-im-Fokus/Migration/Personen-nachStaatsangehoerigkeiten/Personen-nach-Staatsangehoerigkeiten-Nav.html (abgerufen am 17.11.2023). 6 Die Definition des Migrationshintergrunds lautet: Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt. Sie umfasst dabei zugewanderte und nicht zugewanderte Ausländer*innen, zugewanderte und nicht zugewanderte Eingebürgerte, (Spät-)Aussiedler*innen sowie Personen, die die deutsche Staatsangehörigkeit durch Adoption durch einen deutschen Elternteil erhalten haben als auch mit deutscher Staatsangehörigkeit geborene Kinder der vier zuvor genannten Gruppen (vgl. Statistisches Bundesamt, Mikrozensus - Bevölkerung nach Migrationshintergrund, https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/MigrationIntegration/Publikationen/Downloads-Migration/statistischer-bericht-migrationshintergrund-erst2010220227005.xlsx?__blob=publicationFile (abgerufen am 17.11.2023). 7 Ausländerinnen und Ausländer sind eine Untergruppe des oben genannten Personenkreises und umfassen Personen, die nicht Deutsche im Sinne des Artikels 116 Absatz 1 Grundgesetz sind, d. h. nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen (vgl. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/Glossar/auslaendischebevoelkerung.html (abgerufen am 17.11.2023).
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 7 Zugleich lag die Zahl der Erwerbstätigen mit Migrationshintergrund in Deutschland bei 11.472.000 Personen und die Zahl der erwerbstätigen Ausländer*innen bei 5.917.000, das sind 26,9 bzw. 13,9 Prozent aller Erwerbstätigen. Für Sachsen-Anhalt ergibt sich eine Zahl von 217.000 Personen mit Migrationshintergrund und von 161.000 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Bezogen auf die Bevölkerung sind das 10,2 bzw. 7,4 Prozent. Aktuelle Angaben zur Zahl der Erwerbtätigen mit Migrationshintergrund stehen für Sachsen-Anhalt nicht zur Verfügung. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass auch die Unterscheidung nach dem Zeitpunkt der Zuwanderung und nach der Staatsangehörigkeit an manchen Stellen zu inhaltlich anderen Ergebnissen führen könnte. So könnten sich durch die Einbeziehung dieser Merkmale bspw. die Ergebnisse zur Qualifikationsstruktur und zur Berufsstruktur der Beschäftigten anders darstellen als dies in diesem Bericht der Fall ist. Gleichwohl liefern die Auswertungen zu den Beschäftigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit interessante und wichtige Erkenntnisse, die als Ausgangspunkt für weitere (regionale) Analysen dienen können und die Ableitung für Empfehlungen an die Arbeitsmarktpolitik erlauben. 3 Entwicklung der Beschäftigung und Strukturmerkmale ausländischer und deutscher Beschäftigter Dieses Kapitel beschreibt die Struktur sowie die Entwicklung der Beschäftigung im Vergleich ausländischer und deutscher Beschäftigter hinsichtlich der Merkmale Geschlecht, Arbeitszeit, Alter, Berufsabschluss und Anforderungsniveau. Zudem wird die Verteilung auf Wirtschaftsbereiche und Berufe vorgestellt. 3.1 Beschäftigungsentwicklung Im Jahr 2022 erreichte die Beschäftigtenzahl in Sachsen-Anhalt mit rund 804.200 Personen einen neuen Höchstwert. Gegenüber 2013 stieg die Zahl damit um 34.900 Beschäftigte oder 4,5 Prozent (vgl. Abbildung 1).8 Damit erreichte Sachsen-Anhalt im Vergleich zu Deutschland (16,3 %) ein unterdurchschnittliches Beschäftigungswachstum. Das Land profitierte jedoch bis zum Coronabedingten Einbruch wie der gesamtdeutsche Arbeitsmarkt von dem guten und stabilen Wirtschaftsklima der vergangenen Jahre. Die inflationären Entwicklungen durch die Pandemie setzten den Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt stark unter Druck, welcher aufgrund des UkraineKrieges noch verstärkt wurde. Mit Blick auf deutsche und ausländische Beschäftigte in Sachsen-Anhalt zeigen sich zwei unterschiedliche Entwicklungen. Das Wachstum der letzten Jahre wird stark von Beschäftigten 8 Für die Auswertungen wurde immer der 30. Juni eines Jahres verwendet. Das Basisjahr 2013 wurde hier gewählt, weil für die Merkmale Anforderungsniveau und Beruf erst ab diesem Jahr Daten zur Verfügung stehen.
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 8 mit ausländischer Staatsangehörigkeit getragen, die damit einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung geleistet haben (vgl. Koppel 2016).9 Zwischen 2013 und 2022 stieg die Zahl der ausländischen Beschäftigten in Sachsen-Anhalt nämlich deutlich stärker als die der deutschen Beschäftigten, deren Zahl im gleichen Zeitraum sogar um 4.400 Personen oder 0,6 Prozent sank (vgl. Abbildung 1). Die Zahl der in Sachsen-Anhalt beschäftigten Ausländer*innen stieg im genannten Zeitraum von 11.700 Personen auf 51.100 Personen um mehr als das Vierfache (vgl. Abbildung 1). Im Jahr 2022 besaßen damit 6,3 Prozent aller Beschäftigten in Sachsen-Anhalt eine ausländische Staatsangehörigkeit. Im Jahr 2013 lag der Anteil mit 1,5 Prozent noch deutlich niedriger. Bundesweit verdoppelte sich die Zahl der ausländischen Beschäftigten und damit weniger stark als in Sachsen-Anhalt, allerdings mit einem deutlich höherem Ausgangswert von 8,0 Prozent in 2013. In 2022 lag er bei 14,5 Prozent. Abbildung 1: Beschäftigte in Sachsen-Anhalt nach Staatsangehörigkeit Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 30. Juni 2013 und am 30. Juni 2022, Angabe in Prozent Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB 3.2 Geschlecht Die Beschäftigtenanteile von Männern und Frauen unterscheiden sich zwischen deutschen und ausländischen Beschäftigten deutlich (vgl. Abbildung 2). So lag der Anteil der Männer bei den ausländischen Beschäftigten mit 68,9 Prozent im Jahr 2022 erheblich höher als bei den deutschen Beschäftigten mit 50,1 Prozent. Frauen waren unter den ausländischen Beschäftigten dementsprechend mit 31,1 Prozent weniger stark vertreten als unter den deutschen Beschäftigten mit 49,9 Prozent. 9 Bei einem kleinen Teil der Beschäftigten ist keine Angabe zur Staatsangehörigkeit vorhanden. In den Tabellen im Anhang führt dies dazu, dass die Summe aus deutschen und ausländischen Beschäftigten nicht die Gesamtsumme ergibt. Generell ist diese Größe für die Auswertungen allerdings vernachlässigbar. Auch bei manchen anderen Auswertungen wurde auf die Angaben zu Ausprägungen wie „Keine Angabe“ oder „Keine Zuordnung möglich“ verzichtet, wenn es sich um keine relevante Größe handelt. 98,5 93,6 1,5 6,3 2013 2022 Deutsche Ausländer
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 15 Schließlich sind 3,7 Prozent der ausländischen Beschäftigten Auszubildende15. Unter den Deutschen lag dieser Anteil mit 3,4 Prozent leicht darunter (vgl. Abbildung 5). Gründe dafür liegen sicherlich in der vergleichsweisen jungen Altersstruktur der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit (vgl. Kapitel 3.4). Zum anderen hängt es auch mit dem steigenden Anteil an Migranten in Deutschland zusammen. Gleichwohl zeigt sich aber auch, dass die Chancen ausländischer Jugendlicher beim Übergang in die Berufsausbildung nach wie vor schlechter als die von deutschen Jugendlichen sind, selbst wenn gleiche Schulabschlüsse vorliegen (vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2018; Beicht/Walden 2019). Bei den ausländischen Beschäftigten stieg im Vergleich zu 2013 die Zahl derjenigen ohne Berufsabschluss um das 7,5-fache (652,3 %) an. Sowohl die Zahl der Beschäftigten mit einem anerkannten Berufsabschluss als auch die Zahl jener, für die keine Angabe vorliegt, vervierfachte sich zu 2013 (306 % bzw. 297,5 %). Bei denjenigen mit akademischem Berufsabschluss fiel der Anstieg um das 3,4-fache (240,4 %) etwas geringer aus, erreicht aber immer noch eine erhebliche Größenordnung. Bei den Deutschen ist ebenfalls die Zahl der Personen ohne Berufsabschluss mit Abstand am stärksten gestiegen (74,7 %). Deutlich kleiner war das Wachstum bei den Beschäftigten mit akademischem Berufsabschluss (12,1 %) und mit Berufsabschluss (2,7 %). Rückläufig war die Zahl derjenigen ohne Angabe (-53,4 %) (vgl. Tabelle A 1). Diese Entwicklung hatte Einfluss auf die Qualifikationsstruktur der ausländischen Beschäftigten in den letzten Jahren. Der Anteil derjenigen, die über keinen Berufsabschluss verfügen, ist um 8,4 Prozentpunkte gestiegen. Der Anteil jener, die einen ankerkannten oder akademischen Berufsabschluss vorweisen können, ist dagegen um 2,1 bzw. 4,7 Prozentpunkte gesunken. Auch der Anteil der ausländischen Beschäftigten, für die keine Angabe vorlag, sank um 3,0 Prozentpunkte. Bei den deutschen Beschäftigten ist der Anteil mit anerkanntem Berufsabschluss als auch der Anteil der Beschäftigten ohne Berufsabschluss mit 2,3 bzw. 2,2 Prozentpunkten gewachsen. Bei den Akademikern stieg der Anteil ebenfalls an (1,5 Prozentpunkte). Der Anteil derjenigen ohne Angabe ging um 5,6 Prozentpunkte zurück (vgl. Tabelle A 1). Bei den Auszubildenden stieg die Zahl der Ausländer*innen seit 2013 um mehr als das Siebenfache (616,9 %), der Anteil der Auszubildenden an allen ausländischen Beschäftigten um 1,4 Prozentpunkte. Demgegenüber ging die Zahl der deutschen Auszubildenden um 9,3 Prozent zurück, auch der Anteil an allen deutschen Beschäftigten verringerte sich um 0,3 Prozentpunkte (vgl. Tabelle A 1). Anforderungsniveau Bezogen auf das Anforderungsniveau der Tätigkeiten von ausländischen und deutschen Beschäftigten zeigen sich markante Differenzen (vgl. Abbildung 6), die mit den Unterschieden beim Berufsabschluss korrespondieren bzw. diese ergänzen. So sind von den ausländischen Beschäftigten 37,5 Prozent auf dem Helferniveau tätig, während dies bei den Deutschen nur für 14,9 Prozent der Fall ist. Dies entspricht dem oben beschriebenen Unterschied bei den Beschäftigten ohne Berufsabschluss, wo der Anteil bei den Ausländer*innen ebenfalls deutlich 15 Auszubildende werden in der Beschäftigungsstatistik nur erfasst, wenn in der Ausbildung eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vorliegt. Dementsprechend finden sich hier Auszubildende, die eine Berufsausbildung im dualen System durchlaufen. Auszubildende in schulischen Ausbildungsgängen sind nicht enthalten.
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 16 größer ist als bei den deutschen Beschäftigten. Der größte Teil der Beschäftigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit ist mit 48,8 Prozent allerdings auf dem Fachkraftniveau tätig. Bei den Deutschen ist der Anteil mit 61,3 Prozent noch höher. Beschäftigte auf dem Spezialistenniveau befinden sich unter den Ausländer*innen mit 3,6 Prozent relativ selten, während bei den Deutschen immerhin 11,7 Prozent der Beschäftigten auf diesem Anforderungsniveau tätig sind. Der Hauptgrund für diese Differenz dürfte sein, dass die dem Spezialistenniveau entsprechenden Meisterund Technikerausbildungen ein deutsches Spezifikum sind und daher bei ausländischen Beschäftigten seltener vorliegen dürften. Auf dem Expertenniveau ist mit 10,1 Prozent der Ausländer*innen sowie 10,9 Prozent der Deutschen der Anteil etwa gleich hoch. Die Gründe dafür liegen wie bei den Ausführungen zum Berufsabschluss beschrieben in der verstärkten internationalen Anwerbung akademischer Fachkräfte. Gerade im wissenschaftlichen oder medizinischen Bereich sind ausländische Beschäftigte auf Expertenniveau tätig, da hier oft Fachkräfteengpässe bestehen. Abbildung 6: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit und Anforderungsniveau in Sachsen-Anhalt Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 30. Juni 2013 und am 30. Juni 2022, Anteile in Prozent Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Blickt man auf die Entwicklung der letzten Jahre, fällt auf, dass bei den ausländischen Beschäftigten die Zahl der Helfer überdurchschnittlich gestiegen ist. Zu 2013 erhöhte sie sich um über das Fünffache (425,6 %) (Kaufmann et al. 2021: 17). Auf den anderen Anforderungsniveaus fielen die Zuwächse geringer aus: Bei den Fachkräften gab es ein Plus um das fast Fünffache (379,1 %), bei den Spezialisten um das 2,8-fache (181,5 %) und bei den Experten um das 2,4-fache (143,1 %). Auch bei den deutschen Beschäftigten verzeichnete der Helferbereich mit 17,1 Prozent das stärkste Wachstum. Der Zuwachs bei den Spezialisten lag mit 7,9 Prozent nur im einstelligen Bereich. Rückläufig war die Entwicklung bei den Experten und Fachkräften (0,9 bzw.4,3 %) (vgl. Tabelle A 1). 13,0 16,4 12,7 14,9 31,1 37,5 63,4 60,5 63,7 61,3 44,4 48,8 10,7 11,2 10,8 11,7 5,5 3,6 11,0 10,8 10,9 10,9 18,0 10,1 2013 2022 2013 2022 2013 2022 Insgesamt Deutsche Ausländer Helfer Fachkraft Spezialist Experte
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 17 Hinsichtlich der Veränderung der Anteile bedeutet dies, dass bei den ausländischen Beschäftigten ein Zuwachs bei den Helfern um 6,4 Prozentpunkte, bei den Fachkräften um 4,4 Prozentpunkte und bei den Spezialisten um 2 Prozentpunkte zu verzeichnen war, während die Experten 8 Prozentpunkte verloren. Die Struktur beim Anforderungsniveau hat sich damit über den Zeitraum tendenziell eher verschlechtert. Bei den Deutschen ist der Anteil der Helfer mit einem Plus von 2,3 Prozentpunkten am stärksten gewachsen, gefolgt vom Anteil der Spezialisten um 0,9 Prozentpunkte. Der Anteil der Experten blieb unverändert und der Anteil der Fachkräfte ging um 2,4 Prozentpunkte zurück (vgl. Tabelle A 1). Festzuhalten bleibt, dass sowohl unter den ausländischen als auch unter den deutschen Beschäftigten die meisten auf dem Fachkraftniveau beschäftigt sind. Es zeigt sich, dass ausländische Beschäftigte bei den Berufsabschlüssen und hinsichtlich des Anforderungsniveaus ihrer Beschäftigung im Vergleich zu den deutschen Beschäftigten eine ungünstigere Struktur und zum Teil auch eine ungünstigere Entwicklung aufweisen. Der Anteil von ausländischen Beschäftigten ohne Berufsabschluss und von Beschäftigten auf dem Helferniveau ist im Vergleich zu deutschen Beschäftigten deutlich höher. Die Zahl der ausländischen Beschäftigten auf dem Helferniveau ist - anders als bei den Deutschen - zwischen 2013 und 2022 überdurchschnittlich gestiegen. Zudem schlägt sich der im Vergleich mit den Deutschen ähnlich hohe Anteil ausländischer Beschäftigter mit einem Hochschulabschluss nicht in einem entsprechenden Anteil auf dem Expertenniveau nieder. Hier spiegelt sich wider, dass ausländische Beschäftigte häufiger als deutsche Beschäftigte unterhalb des Niveaus ihres formalen Abschlusses beschäftigt sind (vgl. OECD/EU 2019; Brücker/Kosyakova/Schuß 2020). 3.6 Wirtschaftsbereiche Bei der Verteilung der ausländischen und deutschen Beschäftigten auf Wirtschaftsbereiche zeigen sich sowohl grundsätzliche Gemeinsamkeiten als auch markante Unterschiede (vgl. Abbildung 7). So arbeiten mit einem Anteil von 20,6 Prozent die meisten Ausländer*innen in Sachsen-Anhalt im Verarbeitenden Gewerbe.16 Auch die Beschäftigtenanteile im Bereich Verkehr und Lagerei (11,9 %), im Gastgewerbe (10,4 %) und im Handel (10,2 %) erreichen noch einen zweistelligen Wert. Es folgen die Zeitarbeit17 mit 8,8 Prozent, das Baugewerbe mit 8,4 Prozent, das Gesundheitsund Sozialwesen mit 7,9 Prozent und die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (ohne die Zeitarbeit)18 mit 6,8 Prozent. Zu diesem Wirtschaftsbereich gehören z. B. Wachund Sicherheitsdienste, Reinigungsunternehmen und Betriebe des Gartenund Landschaftsbaus. Der tatsächliche Beschäftigungsanteil der ausländischen Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe und im Bereich Verkehr und Lagerei dürfte nochmals höher ausfallen als oben angegeben, wenn man die in der Zeitarbeit ausgeübten Berufe berücksichtigt: So gehen 16 Für die Darstellung der Beschäftigten nach Wirtschaftszweigen wird für diesen Text auf die Klassifikation der Wirtschaftszweige 2008 (WZ08) zurückgegriffen und hier auf die Ebene der Wirtschaftsbereiche. 17 Für die Beschäftigung in der Zeitarbeit werden hier die beiden Wirtschaftsabteilungen 782 und 783 aus dem Wirtschaftsbereich Sonstige Wirtschaftliche Dienstleistungen addiert. Zu beachten ist, dass hier alle Beschäftigten von Verleihbetrieben mit Schwerpunkt Arbeitnehmerüberlassung enthalten sind, d. h. die Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer ebenso wie das Stammpersonal der Verleihbetriebe. 18 In der WZ08 enthält der Wirtschaftsbereich Sonstige Wirtschaftliche Dienstleistungen u. a. die Beschäftigten in der Zeitarbeit. Da die Zeitarbeit in diesem Bericht von besonderem Interesse ist, wird sie aus diesem Wirtschaftsbereich herausgerechnet und der Wirtschaftsbereich wird als Sonstige Wirtschaftliche Dienstleistungen (ohne Zeitarbeit) bezeichnet.
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 18 62,9 Prozent der ausländischen Beschäftigten einem Verkehrsund Logistikberuf, 16,0 Prozent einem Fertigungsberuf und 7,0 Prozent einem Fertigungstechnischen Beruf nach. Die Zeitarbeit bietet v. a. geflüchteten Beschäftigten oftmals eine gute Einstiegsmöglichkeit in den deutschen Arbeitsmarkt, um Beschäftigungserfahrung zu sammeln, Sprachkenntnisse zu erwerben und Netzwerke auszubauen. Insoweit der Einsatz als Leiharbeiter nicht über einen längeren Zeitraum erfolgt, dient Zeitarbeit als Sprungbrett in andere Beschäftigung (vgl. Jahn 2016). Infolge des wirtschaftlichen Einbruchs in der Corona-Pandemie konnte die Zeitarbeit diese Brückenfunktion jedoch nicht aufrechterhalten. So war u. a. auch das Gastgewerbe als ein beschäftigungsstarker Bereich für ausländische Beschäftigte von der Corona-Pandemie stark betroffen (vgl. Geis-Thöne 2020). Bei den deutschen Beschäftigten entfällt der größte Beschäftigungsanteil mit 18,4 Prozent auf das Gesundheitsund Sozialwesen. Erst dann folgt das Verarbeitende Gewerbe mit 17,0 Prozent Beschäftigtenanteil. Dies verdeutlicht, dass das Verarbeitende Gewerbe für ausländische Beschäftigte einen erheblich größeren Stellenwert einnimmt als für die deutschen Beschäftigten. Mit deutlichem Abstand folgen der Handel (13,0 %), die Öffentliche Verwaltung (8,3 %) und das Baugewerbe (7,1 %). Abbildung 7: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit und Wirtschaftsbereichen in Sachsen-Anhalt Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 30. Juni 2022, Anteile in Prozent Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Daraus ergeben sich folgende Differenzen in den Anteilen der ausländischen und deutschen Beschäftigten in den einzelnen Wirtschaftsbereichen. Ausländer*innen sind vor allem im Gastgewerbe (+7,9 Prozentpunkte), der Zeitarbeit (+7,3 Prozentpunkte) und im Verarbeitenden 1,6 17,0 7,1 13,0 5,8 2,5 1,4 1,5 3,9 6,0 1,5 8,3 4,7 18,4 2,3 4,9 2,8 20,6 8,4 10,2 11,9 10,4 1,0 0,2 2,8 6,8 8,8 0,8 3,4 7,9 1,9 2,2 Landwirtschaft etc. Verarbeitendes Gewerbe Baugewerbe Handel; Kfz Verkehr u. Lagerei Gastgewerbe Information u. Kommunikation Finanzu. Versicherungsdl. Freiberufliche, wissenschaftliche u. technische DL Sonst. wirtschaftliche DL (o. Zeitarbeit) Zeitarbeit Öffentliche Verwaltung etc. Erziehung u. Unterricht Gesundheitsu. Sozialwesen Erbringung sonst. DL Sonstige Deutschland Ausland
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 19 Gewerbe (+3,6 Prozentpunkte) erheblich häufiger beschäftigt. Deutlich geringere Beschäftigtenanteile machen bei den ausländischen Beschäftigten dagegen das Gesundheitsund Sozialwesen (-10,5 Prozentpunkte) und die Öffentliche Verwaltung (-7,5 Prozentpunkte) aus (vgl. Abbildung 7). Auch wenn das Gesundheitsund Sozialwesen bei den Beschäftigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit zu einem beschäftigungsstarken Wirtschaftszweig zählt, nimmt es dennoch eine merklich kleinere Rolle als bei den deutschen Beschäftigten ein. In drei Wirtschaftsbereichen hat sich die Zahl der ausländischen Beschäftigten 2022 im Vergleich zu 2013 deutlich erhöht (vgl. Tabelle A 2). Dazu zählen der Wirtschaftsbereich Verkehr und Lagerei (+1.020,9 %), das Verarbeitende Gewerbe (+577,3 %) und der Handel (+548,0 %). Aber auch in allen anderen Wirtschaftsbereichen gab es ein Beschäftigungswachstum, das sich in einer Größenordnung von 493,9 Prozent in der Erbringung sonstiger Dienstleistungen bis zu 91,2 Prozent in der Öffentlichen Verwaltung bewegt. Einen unterdurchschnittlichen Beschäftigungszuwachs gab es bei den ausländischen Beschäftigten im Wirtschaftsbereich Exterritoriale Organisationen und Körperschaften sowie Kunst und Erholung, der aufgrund des kleinen Anteils in Abbildung 7 unter Sonstige zusammengefasst wurde. Bei den deutschen Beschäftigten verzeichneten andere Wirtschaftsbereiche die größten Zuwachsraten. Bei ihnen stehen die Branchen Gesundheitsund Sozialwesen (17,2 %), Information und Kommunikation (11,6 %) sowie Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (8,2 %) an der Spitze. Im Handel und in der Öffentlichen Verwaltung gab es nur minimale Änderungen. Darüber hinaus gibt es mehrere Wirtschaftsbereiche, die einen Beschäftigungsrückgang verzeichneten. Während der Rückgang im Gastgewerbe 3,0 Prozent betrug, reduzierte sich dieser in der Zeitarbeit sogar um 46,1 Prozent. In der Zeitarbeit ist die unterschiedliche Entwicklung bei ausländischen und deutschen Beschäftigten damit besonders auffällig (vgl. Tabelle A 2). Betrachtet man die Veränderung in den Anteilen, verbuchen bei den ausländischen Beschäftigten die Wirtschaftsbereiche Verarbeitendes Gewerbe (+7,3 Prozentpunkte), Verkehr und Lagerei (+7,2 Prozentpunkte), Handel (+3,3 Prozentpunkte) und Zeitarbeit (+2,3 Prozentpunkte) das größte Plus. Deutlich rückläufig war dagegen der Anteil der ausländischen Beschäftigten bei den Sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen mit 6,6 Prozentpunkten. Auch im Gastgewerbe ist mit einem Minus von 4,1 Prozentpunkten ein vergleichsweiser deutlicher Rückgang zu beobachten (vgl. Tabelle A 2). Bei den deutschen Beschäftigten fallen die Veränderungen bei den Anteilen geringer aus. Mit einem Plus von 2,8 Prozentpunkten ist der Zuwachs beim Gesundheitsund Sozialwesen am stärksten, es folgen die Freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen und Verkehr und Lagerei mit je 0,3 Prozentpunkten. Den stärksten Rückgang unter den Wirtschaftsbereichen gab es mit 2,8 Prozentpunkten im Gesundheitsund Sozialwesen sowie mit 0,8 bzw. 0,6 Prozentpunkten im Verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe (vgl. Tabelle A 2). Insgesamt zeigen die Daten, dass es hinsichtlich der Wirtschaftsbereiche, in denen ausländische und deutsche Beschäftigte jeweils stark vertreten sind, einige Ähnlichkeiten gibt: Das Verarbeitende Gewerbe und der Handel halten bei beiden Beschäftigtengruppen teilweise große Anteile, mit Abstand auch die Bereiche Verkehr und Lagerei sowie das Gesundheitsund Sozialwesen. Das Verarbeitende Gewerbe hat dabei eine hohe bzw. die höchste Bedeutung für beide Gruppen. Die meisten ausländischen Beschäftigten sind hier tätig. Allerdings dürfte
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 20 insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe der tatsächliche Unterschied sogar noch größer ausfallen, da relativ viele ausländische Beschäftigte über die Zeitarbeit im Verarbeitenden Gewerbe tätig sind. Deutliche Unterschiede zwischen den ausländischen und deutschen Beschäftigten gibt es bei den Wirtschaftsbereichen, die am stärksten an Bedeutung gewonnen haben. Insbesondere im Bereich Verkehr und Lagerei, im Handel und in der Zeitarbeit spielten Ausländer*innen in den letzten Jahren offenbar eine große Rolle für die Befriedigung der Arbeitskräftenachfrage. Die Zahl der deutschen Beschäftigten stieg dagegen in den Wirtschaftsbereichen Gesundheitsund Sozialwesen, Information und Kommunikation sowie Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen am stärksten. Gerade in den zuletzt genannten Wirtschaftsbereichen weist die Beschäftigungsstruktur insgesamt ein deutlich höheres Anforderungsniveau und auch ein höheres Einkommensniveau auf als im Vergleich zu einigen Teilbereichen der stark wachsenden Wirtschaftsbereiche der ausländischen Beschäftigten.19 3.7 Berufe Auch bei der Verteilung auf Berufe gibt es zwischen Ausländern und Deutschen auffallende Unterschiede, in denen sich die beschriebenen Schwerpunkte nach Wirtschaftsbereichen widerspiegeln (vgl. Abbildung 8). So sind bei den Ausländer*innen die Verkehrsund Logistikberufe (25,7 %), die Lebensmittelund Gastgewerbeberufe (21,0 %), die Bauund Ausbauberufe (8,5 %), die Fertigungsberufe (6,4 %) und die Fertigungstechnischen Berufe (5,9 %) am stärksten vertreten. Bei den deutschen Beschäftigten sind es die Medizinischen und nichtmedizinischen Gesundheitsberufe (13,1 %), die Verkehrund Logistikberufe (10,6 %), die Berufe in der Unternehmensführung und -organisation (9,9 %), die Fertigungstechnischen Berufe (9,9 %) und die sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufe (9,6 %). Das heißt, Verkehrsund Logistikberufe zählen sowohl bei den ausländischen als auch bei den deutschen Beschäftigten zu den größten bzw. größeren Berufsgruppen. Im Vergleich mit den deutschen Beschäftigten entfallen deutlich größere Anteile bei den Beschäftigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit auf die Lebensmittelund Gastgewerbeberufe (+16,9 Prozentpunkte), die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungsberufe (+16,6 Prozentpunkte) und die Verkehrsund Logistikberufe (+15 Prozentpunkte). Demgegenüber spielen die Kaufmännischen und unternehmensbezogenen Dienstleistungsberufe (-19,5 Prozentpunkte), die Unternehmensbezogenen Dienstleistungsberufe (-7,3 Prozentpunkte) und die Berufe in der Unternehmensführung und -organisation (-6,9 Prozentpunkte) in dieser Gruppe eine viel kleinere Rolle als bei den Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Die Zahl der ausländischen Beschäftigten ist im Vergleich zu 2013 in allen Berufen gestiegen. Insbesondere fiel der Zuwachs in den Verkehrsund Logistikberufen (+1.207,9 %) und in den Sicherheitsberufen (+1.091,5 %) auf. Mit Abstand folgen Reinigungsberufe (+376,3 %), die Lebensmittelund Gastgewerbeberufe (+327,6 %) und die IT-Berufe (+302,3 %). Vergleichsweise 19 Vgl. z. B. die Berichte „Sozialversicherungspflichtige Bruttoentgelte“ und „Beschäftigte nach Wirtschaftszweigen“ der Statistik der Bundesagentur für Arbeit, die in Tabellenform abgerufen werden können: https://statistik.arbeitsagentur.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Einzelheftsuche_Formular.html?nn=1523076&topic_f=beschaefti gung-entgelt-entgelt und https://statistik.arbeitsagentur.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Einzelheftsuche_ Formular.html?nn=1523064&topic_f=beschaeftigung-sozbe-wz-heft (abgerufen am 10.7.2023).
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 21 gering war der Zuwachs in den Berufen der Unternehmensführung und -organisation (+155,4 %), den sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen (+157,7 %) und den Handelsberufen (+164,1 %) (vgl. Tabelle A 3). Bei den deutschen Beschäftigten ergibt sich zumindest für die Sicherheitsberufe ein ähnliches Bild, jedoch deutlich abgeschwächt. Hier stieg die Zahl der Beschäftigten um 16,9 Prozent. Die Zahl der deutschen Beschäftigten stieg weiterhin in den medizinischen und nicht-medizinischen Gesundheitsberufen (+14,0 %), den Sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen (+12,8 %) sowie in den IT-Berufen (+12,4 %). Gesunken ist dagegen die Zahl der Beschäftigten in den Fertigungsberufen (-18,3 %), den Land-, Forstund Gartenbauberufen (-14,8 %) und den Lebensmittelund Gastgewerbeberufen (-10,8 %) (vgl. Tabelle A 3). Abbildung 8: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit und Beruf in Sachsen-Anhalt Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 30. Juni 2022, Anteile in Prozent Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB In Folge dieser Wachstumsraten vergrößerte sich bei den Beschäftigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Vergleich zu 2013 vor allem der Anteil in den Verkehrsund Logistikberufen (17,1 Prozentpunkte), marginal in den Sicherheitsberufen (0,9 Prozentpunkte) und Reinigungsberufen (0,4 Prozentpunkte). Am deutlichsten zurückgegangen ist der Anteil in den Sozialen und Kulturellen Dienstleistungsberufen (3,8 Prozentpunkte), den Fertigungsberufen (3,6 Prozentpunkte) und den Handelsberufen um 2,4 Prozentpunkte. Bei den deutschen Beschäftigten fielen die Verschiebungen kleiner aus. Das größte Plus gab es bei den medizinischen und nicht-medizinischen Dienstleistungsberufen mit 1,7 Prozentpunkten, den 2,3 6,6 9,9 7,6 4,1 13,1 9,6 9,0 9,9 8,8 3,3 1,3 10,6 2,7 1,2 3,4 6,4 5,9 8,5 21,0 7,7 5,6 3,7 3,1 1,5 2,0 1,4 25,7 4,2 0,1 Land-, Forstund Gartenbauberufe Fertigungsberufe Fertigungstechnische Berufe Bauund Ausbauberufe Lebensmittelund Gastgewerbeberufe Medizinische u. nicht-medizinische Gesundheitsberufe Soziale und kulturelle Dienstleistungsberufe Handelsberufe Unternehmensführung und -organisation Unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe ITund naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe Sicherheitsberufe Verkehrsund Logistikberufe Reinigungsberufe Keine Angabe Deutschland Ausland
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 22 größten Rückgang des Anteils verzeichneten die Fertigungsberufe um 1,4 Prozentpunkte (vgl. Tabelle A 3). Zusammenfassend zeigen sich relativ große Unterschiede in der Bedeutung sowie in der Entwicklung der einzelnen Berufe für ausländische und deutsche Beschäftigte. Dabei kommen verschiedene Faktoren in Frage. So spiegelt sich in der unterschiedlichen Verteilung der Berufe deutlich die unterschiedliche Verteilung auf die Wirtschaftsbereiche wider. Dies zeigt sich z. B. in der hohen Bedeutung von Verkehrsund Logistikberufen, Lebensmittelund Gastgewerbeberufen sowie mit Abstand auch Bauberufen bei den ausländischen Beschäftigten. Die Unterschiede dürften außerdem auch Ausdruck davon sein, dass in bestimmten Bereichen der Bedarf kaum noch mit inländischem Potenzial gedeckt werden kann, so dass verstärkt Beschäftigte aus dem Ausland nachgefragt werden. Gleichzeitig könnten andere Berufe z. B. im öffentlichen Dienst, der Verwaltung oder auch im sozialen Bereich aufgrund spezifischer Anforderungen und Zugangswege insbesondere für Ausländer*innen, die nicht in Deutschland aufgewachsen sind oder bereits länger hier leben, schwerer zugänglich sein, so dass diese hier weniger stark vertreten sind bzw. ihre Beschäftigtenzahl in geringerem Maße ansteigt. 4 Herkunftsländer der Beschäftigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit Im Folgenden geht es darum, aus welchen Herkunftsländern die meisten ausländischen Beschäftigten in Sachsen-Anhalt stammen. Dabei wird für die größten Nationengruppen – analog zu Kapitel 3 - die Beschäftigungsstruktur dargestellt. Grundsätzlich ist dabei zu beachten, dass sich die ausländischen Beschäftigten auf viele verschiedene Staatsangehörigkeiten aufteilen. So sind die Anteile der Herkunftsländer, welche die meisten ausländischen Beschäftigten stellen, bezogen auf die Gesamtbeschäftigung jeweils relativ klein. Bei den Top-10-Staaten bewegt sich dieser Anteil zwischen 1,4 und 0,1 Prozent aller Beschäftigten (vgl. Tabelle 1). Für die große Mehrheit der Herkunftsländer außerhalb der Top-10 sind die Anteile an allen Beschäftigten sogar noch kleiner. Im Jahr 2022 stellen die polnischen Beschäftigten mit 11.134 Personen oder 21,8 Prozent die größte Gruppe bezogen auf alle ausländischen Beschäftigten in Sachsen-Anhalt dar (1,4 % bezogen auf alle Beschäftigten). Rumänische Beschäftigte folgen mit 6.578 oder 12,9 Prozent auf dem zweiten Platz (0,8 % aller Beschäftigten). Auf dem dritten Platz liegen syrische Beschäftigte mit 4.288 bzw. einem Anteil von 8,4 Prozent (0,5 % aller Beschäftigten).
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 23 Tabelle 1: Top-10-Staatsangehörigkeiten der ausländischen Beschäftigten in Sachsen-Anhalt Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 30. Juni 2022 Staatsangehörigkeit Anzahl Anteil an Beschäftigten insgesamt in % Anteil an ausländischen Beschäftigten insgesamt in % Veränderung 2013 zu 2022 absolut Veränderung 2013 zu 2022 in % Polen 11.134 1,4 21,8 8.866 390,9 Rumänien 6.578 0,8 12,9 6.110 1.305,6 Arabische Republik Syrien 4.288 0,5 8,4 4.172 3.596,6 Bulgarien 2.164 0,3 4,2 1.854 598,1 Ukraine 2.065 0,3 4,0 1.574 320,6 Afghanistan 1.479 0,2 2,9 1.439 3.597,5 Indien 1.404 0,2 2,7 1.235 730,8 Vietnam 1.318 0,2 2,6 705 115,0 Russische Föderation 1.262 0,2 2,5 659 109,3 Ungarn 1.191 0,1 2,3 709 147,1 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Unter den Top-10 finden sich mit Polen, Rumänien, Bulgarien und Ungarn Länder, die im Rahmen der Osterweiterung der Europäischen Union ab 2004 zu den wichtigsten Herkunftsländern der Zuwanderung nach Sachsen-Anhalt wurden.20 Für diese Länder gilt die vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit seit Mai 2011 (Polen, Ungarn) bzw. seit Januar 2014 (Rumänien, Bulgarien). Dabei verbuchen Polen und Rumänien den größten Anstieg der Beschäftigtenzahl seit 2013, mit leichtem Abstand auch Bulgarien (vgl. Tabelle 1). Weiterhin sind mit der Arabischen Republik Syrien und Afghanistan zwei Asylherkunftsländer unter den Top-10. Bis 2010 war die Zahl der Beschäftigten beider Staatsangehörigkeiten noch sehr niedrig, da Zuzüge nach Sachsen-Anhalt vor allem über Bildungsmigration und Familiennachzug erfolgten, ab 2011 folgten dann verstärkt die Kriegsflüchtlinge aus beiden Ländern (vgl. Worbs/Rother/ Kreienbrink 2019). In Bezug auf die Beschäftigtenzahl in SachsenAnhalt verzeichnen beide Länder gleichermaßen seit 2013 einen großen Zuwachs (vgl. Tabelle 1). Die Zahl der Beschäftigten mit syrischer Staatsangehörigkeit ist von knapp 120 Beschäftigten im Jahr 2013 auf 4.288 im Jahr 2022 zwar stark gestiegen. Dies entspricht aber nur einem Anteil von 0,5 Prozent an allen Beschäftigten bzw. 8,4 Prozent an allen ausländischen Beschäftigten. Bei den Beschäftigten mit afghanischer Staatsangehörigkeit liegt der Anteil mit 0,2 Prozent an allen Beschäftigten sowie mit 2,9 Prozent an allen ausländischen Beschäftigten noch niedriger. Vor diesem Hintergrund spielen beide Länder für die Beschäftigung in Sachsen-Anhalt derzeit keine 20 Polen und Ungarn zählen zusammen mit der Slowakei, Slowenien, Tschechien, Estland, Lettland, Litauen sowie Malta und Zypern zu den Mitgliedsstaaten der EU, die 2004 der EU beitraten. Rumänien und Bulgarien traten der EU im Jahr 2007 bei. Kroatien wurde am 1. Juli 2013 EU-Mitglied, das Vereinigte Königreich hat die EU am 31. Januar 2020 verlassen. Im Juni 2022 wurde der Ukraine der Status eines Bewerberlandes gewährt (vgl. https://www.bmas.de/DE/Europa-und-dieWelt/Europa/Arbeiten-innerhalb-der-EU/Mobilitaet-innerhalb-der-EU/arbeitnehmer-freizuegigkeit.html) (abgerufen am 9.8.2023).
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 24 große Rolle. Gleichwohl zeigen Analysen, dass die Arbeitsmarktintegration Geflüchteter steigt (vgl. Brücker et al. 2023a). Vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine21 im Februar 2022 hielt sich nur eine vergleichsweise geringe Zahl an ukrainischen Staatsangehörigen für eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Sachsen-Anhalt auf. Die Ukraine zählte bis zu diesem Zeitpunkt nicht zu den Top-10-Herkunftsländern für eine Beschäftigung in Sachsen-Anhalt. Hintergrund waren vor allem die restriktiven Zugangsregelungen für Beschäftigte aus Drittstaaten und die damit verbundenen Aufenthaltsbedingungen. So erfolgte eine Beschäftigung nur nach formaler Anerkennung der im Ausland erworbenen Qualifikation (Hanewinkel 2022: 12). Eher ist davon auszugehen, dass ukrainische Arbeitskräfte unter prekären Arbeitsbedingungen im Niedriglohnsektor beschäftigt waren (vgl. Schork/Loschert/Kolb 2022). Infolge des russischen Angriffskrieges wurde ukrainischen Flüchtlingen durch den Beschluss des Europäisches Rates über die Massenzustrom-Richtlinie22 vorübergehender Schutz gewährt. Dies bedingte auch den erleichterten Zugang zum Arbeitsmarkt. Vor diesem Hintergrund ist ab Juni 2022 ein deutlicher Anstieg in der Zahl ukrainischer Beschäftigter in Sachsen-Anhalt zu verzeichnen. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 2.065 ukrainische Staatsangehörige sozialversicherungspflichtig in Sachsen-Anhalt beschäftigt, seit 2013 ist das ein Anstieg um mehr als das Fünffache (320,6 %). Ein weiteres Land unter den Top-10 ist Indien, welches neben den Ländern aus Ostund Südostasien als wichtige Herkunftsregion für Fachkräfte aus Drittstaaten gilt. In Sachsen-Anhalt rückten diese Länder als Quelle für Fachkräfte seit dem Jahr 2000 verstärkt in den Fokus. Ab diesem Zeitpunkt wurde im Zuge der Green-Card-Initiative der Bundesregierung zur MINTFachkräftegewinnung vor allem über Spezialisten aus Indien diskutiert. Ein Grund dafür war auch, dass Zuwanderer aus dem asiatischen Raum dank eines expandierten Bildungssystems als gut ausgebildet gelten (vgl. Kreienbrink 2014; Schulze Palstring 2015). Insgesamt ist der Anteil indischer Arbeitskräfte an allen Arbeitskräften in Sachsen-Anhalt mit 0,2 Prozent jedoch überschaubar, dennoch stieg der Anteil seit 2013 um 730,8 Prozent. In den Top-10 ist dies der vierthöchste Anstieg. In Sachsen-Anhalt waren im Jahr 2022 1.404 indische Staatsangehörige beschäftigt. Mit Vietnam gehört ein Land mit „Gastarbeitertradition“ zu den Top-10-Ländern in SachsenAnhalt. Vietnamesische Staatsangehörige bilden schon seit längerem eine große Gemeinschaft in den ostdeutschen Ländern, was vorwiegend auf die gezielte Anwerbung vietnamesischer Vertragsarbeiter durch die damalige Deutsche Demokratische Republik (DDR) in den 1980erJahren zurückgeht (vgl. Bösch/Su 2018). Diese folgte damit einer anderen Intention als der Gastarbeitertradition in den alten Bundesländern, wo in den 1950er-und 1960er-Jahren Arbeitskräfte im Rahmen des Anwerbeabkommens u. a. aus Jugoslawien, der Türkei oder Italien nach Deutschland gekommen sind. Basierend auf einem bilateralen Abkommen zwischen der ehemaligen DDR und Vietnam wurden ab den 1980er-Jahren vietnamesische Arbeitskräfte nach Ostdeutschland gebracht. Die so genannten Vertragsarbeiter*innen wurden streng überwacht 21 Ein detaillierter Überblick über die Migrationsgeschichte der Ukraine siehe auch https://www.bpb.de/themen/migrationintegration/laenderprofile/509978/die-ukraine-abwanderung-und-vertreibung-in-vergangenheit-und-gegenwart/ (abgerufen am 23.8.2023) 22 Durchführungsbeschluss (EU) 2022/382 des Rates vom 4. März 2022 zur Feststellung des Bestehens eines Massenzustroms von Vertriebenen aus der Ukraine im Sinne des Artikels 5 der Richtlinie 2001/55/EG und zur Einführung eines vorübergehenden Schutzes (vgl. https://www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2022/03/04/ukraine-council-introduces-temporaryprotection-for-persons-fleeing-the-war/) (abgerufen am 21.8.2023).
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 31 liegt wie bei den Ausländer*innen insgesamt (31,1 %), da infolge des russischen Angriffskrieges die Fluchtbewegung überwiegend aus Frauen bestand (vgl. Brücker et al. 2022; Brücker et al. 2023). Im Vergleich zur Gesamtheit der ausländischen Beschäftigten verfügen ukrainische Beschäftigte über höhere Berufsabschlüsse. So liegt der Anteil der Beschäftigten aus der Ukraine mit einem akademischen Abschluss (30,9 %) deutlich über dem Anteil für die ausländischen Beschäftigten insgesamt (16,7 %). Aufgrund des spezifischen Bildungsund Ausbildungssystems sind in der Ukraine tertiäre, meist akademische Bildungsabschlüsse unter der ukrainischen Bevölkerung häufiger vertreten (vgl. Brücker et al. 2022). Neben der Ukraine weisen unter den Top-10Nationen nur die Beschäftigten aus der Russischen Föderation und Indien solch hohe Werte auf. Korrespondierend mit den Berufsabschlüssen zeigt sich auch eine eher günstige Struktur beim Anforderungsniveau, denn gerade beim Anteil der ukrainischen Beschäftigten auf Spezialisten- (5,4 %) oder dem Expertenniveau (21,2 %) liegt dieser über dem Anteil aller ausländischen Beschäftigten (3,6 % bzw. 10,1 %). Unter den Top-10-Nationen weisen wiederum nur die Beschäftigten aus der Russischen Föderation und Indien auf dem Expertenniveau noch höhere Werte auf. Hinsichtlich des Anforderungsniveaus ist jedoch anzumerken, dass unter den ukrainischen Beschäftigten auch ein beachtlicher Anteil auf Helferniveau (35,3 %) zu finden ist. Dies legt nahe, dass zumindest ein Teil der ukrainischen Beschäftigten formal überqualifiziert ist, da Abschlüsse aus dem Heimatland nicht oder noch nicht anerkannt sind. Damit zeigt sich auch unter den ukrainischen Beschäftigten der im Fluchtkontext übliche Trend einer Beschäftigung unterhalb des Qualifikationsniveaus (vgl. Brücker et al. 2023). Bei den Wirtschaftsbereichen, in denen die meisten Ukrainer*innen tätig sind, liegt das Verarbeitende Gewerbe mit 18,5 Prozent vorn. Weitere Branchen sind das Gesundheitsund Sozialwesen (13,1 %), Erziehung und Unterricht (11,6 %) und die Landwirtschaft (8,1 %). Gerade das Gesundheitsund Sozialwesen als auch der Bereich Erziehung und Unterricht sind dabei Wirtschaftszweige, in denen viele ukrainische Frauen bereits vor ihrer Flucht beschäftigt waren. Dies lässt vermuten, dass diese nach dem Zuzug nach Sachsen-Anhalt häufig auch in den beiden Branchen weiterarbeiten konnten (vgl. Becker/Komitowski 2022; Brücker et al. 2023). Beispielsweise wurden in Sachsen-Anhalt in den vergangenen beiden Jahren über 250 ukrainische Lehrkräfte eingestellt26. Während die Anteile des Verarbeitenden Gewerbes niedriger sind als bei allen ausländischen Beschäftigten, weichen die Anteile im Gesundheitsund Sozialwesen, in Erziehung und Unterricht und in der Landwirtschaft merklich von den Anteilen für alle ausländischen Beschäftigten ab. In beiden zuletzt genannten Branchen weist die Ukraine im Vergleich der Top10-Nationen den höchsten Wert auf. Der Schwerpunkt bei den Berufen für die ukrainischen Beschäftigten liegt mit 15,5 Prozent bei den Sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen und mit 15,3 Prozent bei den Lebensmittelund Gastgewerbeberufen. Daneben erreichen noch die Medizinischen und nichtmedizinischen Gesundheitsberufe (12,1 %) und die Verkehrsund Logistikberufe (11,0 %) höhere Anteile. Den Land-, Forstund Gartenbauberufen kommen mit 9,0 Prozent auch eine hohe Bedeutung zu, da 26 Sachsen-Anhalt bietet ukrainischen Lehrkräften Perspektive (7. März 2023) (https://mb.sachsen-anhalt.de/details/sachsenanhalt-bietet-ukrainischen-lehrkraeften-perspektive, abgerufen am 8.9.2023)
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 32 hier die ukrainischen Beschäftigten im Vergleich zu allen ausländischen Beschäftigten klar überrepräsentiert sind (3,4 %). Interessanterweise weist die Struktur der Berufsgruppen ukrainischer Beschäftigter eine starke Polarisierung auf (vgl. Brücker et. al 2023). So dominieren die Helfertätigkeiten mit 73,7 Prozent in den Verkehrsund Logistikberufen, mit 62,2 Prozent in den Lebensmittelund Gastgewerbeberufen sowie mit 54,8 Prozent in den Reinigungsberufen. Demgegenüber gibt es aber auch eine beachtliche Zahl an ukrainischen Beschäftigten mit hohem Anforderungsniveau. So sind auf Expertenebene rund 79,8 Prozent in den sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen und 47,5 Prozent in den IT und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen beschäftigt. Bemerkenswerte Unterschiede zur Gesamtheit der ausländischen Beschäftigten lassen sich für die ukrainischen Beschäftigten also bei der Beschäftigungsstruktur nach Anforderungsniveau ausmachen. Die in Sachsen-Anhalt beschäftigten Ukrainer*innen sind eine sehr hochqualifizierte und positiv selektierte Bevölkerungsgruppe (vgl. Brücker et. al 2023). Insbesondere bei den Tätigkeiten auf hohen Anforderungsniveaus schneiden die ukrainischen Beschäftigten hier auch besser ab als die anderen Top-10-Nationen, abgesehen von der Russischen Föderation und Indien. Hintergrund ist, dass viele der Geflüchteten aus der Ukraine überdurchschnittlich hohe Bildungsabschlüsse sowie Arbeitserfahrung mitbringen. Zum anderen ist ein Charakteristikum der Beschäftigten mit ukrainischer Staatsangehörigkeit der sehr hohe Anteil an weiblichen Beschäftigten bedingt durch die mehrheitlich hohe Zahl an weiblichen Geflüchteten. 4.5 Vietnam Die Struktur der vietnamesischen Beschäftigten unterscheidet sich bei einigen Merkmalen deutlich von der Struktur aller ausländischen Beschäftigten. So ist der Anteil der weiblichen vietnamesischen Beschäftigten mit 54,5 Prozent deutlich höher als bei den ausländischen Beschäftigten insgesamt (31,1 %). Nur ukrainische und russische Frauen weisen unter den Top10-Nationen noch höhere Anteile auf. Auch der Anteil der vietnamesischen Beschäftigten in Teilzeitarbeit liegt mit 44,5 Prozent erheblich höher als bei der Gesamtheit ausländischer Beschäftigter. Nur Indien weist im Top-10 Vergleich einen höheren Wert auf. Hinsichtlich der Altersstruktur ist auffällig, dass sowohl der Anteil der jungen (25,2 %) als auch der Anteil der älteren vietnamesischen Beschäftigten (12,6 %) erheblich höher ausfällt als bei den ausländischen Beschäftigten insgesamt (14,3 % bzw. 8,1 %). Im Vergleich der Top-10-Nationen sind nur mehr ältere Menschen, die aus der Russischen Föderation und Ungarn stammen, sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Der hohe Anteil älterer vietnamesischer Beschäftigter kann ein Indiz für die in der ehemaligen DDR ansässigen Vertragsarbeiter*innen sein, welche nach dem Mauerfall ihre vietnamesische Staatsbürgerschaft behalten haben. Bei den jüngeren Menschen liegen die Anteile nur unter den Afghan*innen noch höher. Der doch vergleichsweise hohe Anteil jüngerer vietnamesischer Beschäftigter kann auch auf den vergleichsweise hohen Anteil Auszubildender (30,8 %) zurückgeführt werden. Unter den Top-10Nationen ist dies mit Abstand der höchste Wert. Dabei sind 50,0 Prozent der vietnamesischen Auszubildenden im Gesundheitsund Sozialwesen tätig und 44,3 Prozent im Gastgewerbe. In Sachsen-Anhalt bestehen seit einigen Jahren intensive Beziehungen mit Vietnam zur Anwerbung
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 33 qualifizierter Arbeitskräfte. Darunter gibt es auch Programme zur Anwerbung von vietnamesischen Jugendlichen für eine Ausbildung im Gesundheitsund Sozialwesen oder im Verarbeitenden Gewerbe. Dazu zählt das bis Ende Juni 2022 gelaufene WiSo-Partner-Projekt zur Stärkung des sachsen-anhaltischen Arbeitsmarkts27 zur Anwerbung junger vietnamesischer Fachkräfte für den Landkreis Harz. Am Universitätsklinikum Magdeburg haben im August 2022 erstmals Jugendliche aus Vietnam eine Pflegeausbildung begonnen28. Auch im Baugewerbe29 gibt es solche Initiativen. Im Gastgewerbe konzentriert sich die DEHOGA Sachsen-Anhalt e. V. mit ihrem VIETHOGA-Projekt30 auf die Ausbildung von Vietnames*innen in Deutschland. In Bezug auf das Anforderungsniveau weichen vietnamesische Beschäftigte ebenfalls deutlich von den ausländischen Beschäftigten insgesamt ab. Vietnames*innen sind einerseits zu einem kleineren Anteil auf dem Helferniveau beschäftigt (28,8 % zu 37,5 %). Hier weisen nur die Beschäftigten aus der Russischen Föderation einen noch niedrigeren Wert auf. Andererseits liegt der Anteil der Beschäftigten auf Fachkraftniveau über dem von allen ausländischen Beschäftigten (64 % zu 48,8 %). Auf dem Spezialistenund dem Expertenniveau sind vietnamesische Beschäftigte mit 2,8 Prozent und 4,2 Prozent im Vergleich zu allen ausländischen Beschäftigten (3,6 % bzw. 10,1 %) unterrepräsentiert. Bei der Beschäftigung nach Wirtschaftsbereichen stellt das Gastgewerbe für die vietnamesischen Beschäftigten mit einem Anteil von 50,2 Prozent den eindeutigen Schwerpunkt dar. Innerhalb der Top-10 ist dies zugleich der höchste Wert. Mit einigem Abstand folgen das Gesundheitsund Sozialwesen (20,9 %) und der Handel (10,7 %). In allen drei Branchen sind die Anteile auch jeweils zum Teil erheblich größer als bei den Ausländern insgesamt. Im Gastgewerbe und Handel ist zusätzlich davon auszugehen, dass ein Teil der Vietnames*innen selbstständig ist und häufig Angestellte aus dem eigenen Herkunftsland im eigenen Unternehmen beschäftigen (vgl. Sachverständigenrat 2010). Entsprechend der Verteilung der vietnamesischen Beschäftigten auf die Branchen differiert auch die Berufsstruktur der vietnamesischen Beschäftigten in Teilen deutlich gegenüber jener der ausländischen Beschäftigten insgesamt. Fast die Hälfte der vietnamesischen Beschäftigten übt Berufe im Lebensmittelund Gastgewerbe (47,3 %) aus, gefolgt von den Medizinischen und nichtmedizinischen Gesundheitsberufen (24,8 %) sowie den Handelsberufen (10,9 %). Die Beschäftigtenanteile dieser Berufsgruppen liegen überall über denen der Gesamtheit der ausländischen Beschäftigten. Zugleich sind dies auch die höchsten Anteile im Top-10-Vergleich. Zusammenfassend weisen Beschäftigte mit vietnamesischer Staatsangehörigkeit im Vergleich zu den ausländischen Beschäftigten insgesamt und den anderen Top-10-Nationen ein sehr spezielles Profil auf. Dies bezieht sich sowohl auf das Geschlecht, das Alter und das Anforderungsniveau. Zudem spiegelt sich auch darin wider, dass vietnamesische Beschäftigte 27 Wirtschaftund Sozialpartner-Projekte (WiSo) des Landes Sachsen-Anhalt, Förderung durch den Europäischen Sozialfonds, 2. Förderperiode (https://europa.sachsen-anhalt.de/esi-fonds-in-sachsen-anhalt/ueber-die-europaeischen-struktur-undinvestitionsfonds/partner/wiso-partner-projekte) (abgerufen am 27.4.2023). 28 Die Universitätsmedizin startet einzigartiges Projekt (Pressemitteilung vom 29.08.2022) (https://www.med.unimagdeburg.de/Kommunikation+_+Presse/Presse/Pressemitteilungen/Archiv+Pressemitteilungen/Archiv+2022/Die+Universit% C3%A4tsmedizin+startet+einzigartiges+Projekt.html#:~:text=Am%201.,Auszubildende%20f%C3%BCr%20die%20Pflegeausbild ung%20aufgenommen) (abgerufen am 11.9.2023). 29 Vermittlung vietnamesischer Fachkräfte in eine Bauausbildung (https://bauausbildung.de//projekte/vietnam/vermittlungvietnamesischer-fachkraefte-in-eine-bauausbildung) (abgerufen am 27.4.2023). 30 VIETHOGA „Auszubildende aus Vietnam in Deutschland“ - Projektseite der DEHOGA Sachsen-Anhalt e. V. (https://viethoga.de/#projekt) (abgerufen am 11.9.2023).
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 34 sich auf vergleichsweise wenige Branchen und Tätigkeiten konzentrieren. Vor allem der hohe Anteil im Gastgewerbe ist ein Spezifikum der vietnamesischen Beschäftigten. Der Beschäftigtenanteil liegt in diesem Wirtschaftsbereich klar über dem Anteil für die Gesamtheit der ausländischen Beschäftigten und wird auch von keiner anderen Top-10-Nation erreicht. Dies wird zusätzlich durch die hohe Anzahl Auszubildender in diesem Bereich unterstützt. 5 Unterschiede innerhalb Sachsen-Anhalts Ausländische Beschäftigte sind nicht in allen Regionen Sachsen-Anhalts gleich stark vertreten. Im Folgenden stehen daher die Unterschiede zwischen den einzelnen Kreisen aus verschiedenen Blickwinkeln im Fokus. Die Daten, die für den folgenden Text und die Karten verwendet wurden, finden sich im Anhang in Tabelle A 7. 5.1 Bedeutung ausländischer Beschäftigter für die regionale Beschäftigung Zunächst ist festzuhalten, dass sich der Anteil ausländischer Beschäftigter an allen Beschäftigten zwischen den Kreisen Sachsen-Anhalts deutlich unterscheidet (vgl. Abbildung 9). Von allen Landkreisen verzeichnete der Landkreis Stendal im Jahr 2022 mit 3,1 Prozent den niedrigsten Anteil ausländischer Beschäftigter. Auch der Landkreis Mansfeld-Südharz (3,4 %) und der Salzlandkreis (4,0 %) weisen geringe Werte auf. Der höchste Anteil ergibt sich für den Burgenlandkreis mit 11,4 Prozent, gefolgt vom Landkreis Börde mit 9,1 Prozent. Die Spannweite zwischen Minimum und Maximum beträgt damit also etwas mehr als 8 Prozentpunkte. Die beiden Extremwerte weisen bereits auf das regionale Muster in der Bedeutung der ausländischen Beschäftigten hin. So finden sich die Regionen mit niedrigeren Anteilen vor allem im Norden und Südwesten Sachsen-Anhalts. In diesen Kreisen sind weniger als 4 Prozent der Beschäftigten Ausländer*innen. Die höchsten Werte verzeichnen die Landkreise im Süden und Nordwesten des Bundeslandes. Diese regionalen Unterschiede in der Verteilung der Beschäftigten dürften nicht zuletzt durch Faktoren mitbestimmt sein, die als wichtige Determinanten hinsichtlich der Zielregionen von Zuwanderern gelten. Dazu zählen die Arbeitsmarktlage und die Branchenverteilung in einer Region, die räumliche Distanz zum Heimatland sowie Standortfaktoren, welche für die Lebensqualität einer Region eine Rolle spielen wie die Infrastruktur, die Verfügbarkeit und die Qualität von Wohnraum und kulturellen Angeboten. Weiterhin sind auch ethnische Netzwerke und die bereits in einer Region lebenden Ausländer*innen für den Zuzug in eine bestimmte Region von Bedeutung (vgl. z. B. Lehmann/Nagl 2019; Tanis 2018).
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 35 Abbildung 9: Anteil der ausländischen Beschäftigten an allen Beschäftigten in den Kreisen in SachsenAnhalt Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 30. Juni 2022, Anteile in Prozent Quelle: GeoBasis-DE/BKG 2018; Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB 5.2 Regionale Konzentration ausländischer Beschäftigter in Sachsen-Anhalt Eine zweite Perspektive auf die räumliche Verteilung ausländischer Beschäftigter bietet der Blick darauf, wie groß ihr Anteil in einer Region an allen ausländischen Beschäftigten in SachsenAnhalt ist. Mehr als ein Viertel aller ausländischen Beschäftigten in Sachsen-Anhalt arbeitet in den Städten Magdeburg (14,2 %) und Halle (13,6 %) (vgl. Abbildung 10). Neben den beiden Großstädten findet sich auch im Burgenlandkreis (13,9 %) ein verhältnismäßig hoher Anteil an ausländischen Beschäftigten, bedingt durch die hohe Konzentration rumänischer Beschäftigter in der Herstellung von Nahrungsmitteln. Die Bedeutung des Arbeitsorts Burgenlandkreis ist für die Ausländer*innen damit nochmals größer als für die Gesamtheit aller Beschäftigten, deren Anteil im Burgenlandkreis bei knapp 8,0 Prozent liegt. Mit geringem Abstand folgen der Landkreis Börde mit einem Anteil von11,2 Prozent, der Saalekreis mit 9,5 Prozent, der Landkreis AnhaltBitterfeld mit 8,0 Prozent und der Landkreis Harz mit 6,1 Prozent.
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 36 Beschäftigte mit ausländischer Staatsangehörigkeit konzentrieren sich also stark auf den Süden Sachsen-Anhalts sowie auf die Stadt Halle und den umliegenden Landkreis als auch auf die Region Börde mit der Landeshauptstadt Magdeburg. Alle anderen Regionen stellen weniger als 5,0 Prozent der ausländischen Beschäftigten in Sachsen-Anhalt, darunter auch die weiteren Städte von Dessau bis Wittenberg. Den niedrigsten Anteil an ausländischen Beschäftigten weist wiederum der Landkreis Stendal (2,1 %) auf. Abbildung 10: Anteil der ausländischen Beschäftigten eines Kreises in Sachsen-Anhalt an allen ausländischen Beschäftigten in Sachsen-Anhalt Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 30. Juni 2022, Anteile in Prozent Quelle: GeoBasis-DE/BKG 2018; Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB 5.3 Herkunftsländer der ausländischen Beschäftigten, die in den Regionen Sachsen-Anhalts den größten Anteil stellen Ein weiterer interessanter Aspekt im Zusammenhang mit der Beschäftigung von Ausländer*innen in Sachsen-Anhalt ist, welche Nationen in den Regionen die größte Gruppe stellen und wie sich dies zwischen den Regionen unterscheidet.
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 37 Insgesamt sind es in Sachsen-Anhalt drei Nationen, die in mindestens einem Kreis den größten Anteil an allen ausländischen Beschäftigten stellen (vgl. Abbildung 11). Am häufigsten sind dies polnische Beschäftigte (12 Kreise). Polen als Nation mit dem größten Anteil bezogen auf alle ausländischen Beschäftigten in Sachsen-Anhalt ist damit auch die Nation, die in der Mehrzahl der Kreise den jeweils größten Anteil ausmacht. An zweiter Stelle liegen Beschäftigte aus Syrien (2 Kreise), an dritter Stelle rumänische Beschäftigte (1 Kreis). Abbildung 11: Staatsangehörigkeit der Beschäftigten, die in dem jeweiligen Kreis in Sachsen-Anhalt den größten Anteil der ausländischen Beschäftigten ausmachen Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 30. Juni 2022, Anteile in Prozent Quelle: GeoBasis-DE/BKG 2018; Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB Hinsichtlich der regionalen Verteilung zeigt sich für diese Nationen eine Konzentration in bestimmten Landesteilen oder Gemeinden. In allen Kreisen konzentrieren sich ausländische Beschäftigte vor allem auf die urbanen Gebiete. Sehr auffällig ist dies bei den rumänischen Beschäftigten, von denen knapp 36 Prozent in der Stadt Weißenfels arbeiten. Hintergrund ist die Fokussierung rumänischer Beschäftigter auf die dort ansässigen Unternehmen der Fleischverarbeitung. Auch die zwei Landkreise, in denen Syrer*innen die größte Gruppe der
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 38 ausländischen Beschäftigten sind, grenzen sich klar ab. Hier spielt die städtische Arbeitsmarktlage eine Rolle für die hohen Beschäftigungsanteile dieser Nation. Für Polen wiederum könnte vor allem die regionale Branchenverteilung eine Rolle dafür spielen, wo sie die größten Anteile stellen. So hat für die regionale Verteilung der Beschäftigten aus den neuen EULändern u. a. die Größe des Verarbeitenden Gewerbes in einer Region einen positiven Effekt (vgl. Lehmann/Nagl 2019). Bei dieser Betrachtung ist allerdings zu berücksichtigen, dass sich der Anteil der jeweils stärksten ausländischen Beschäftigtengruppe zwischen den Regionen unterscheiden kann bzw. der Abstand zu den anderen Nationen unterschiedlich groß ist. So gibt es einige Regionen, in denen eine Nation mit den meisten Beschäftigten auch die Mehrheit aller ausländischen Beschäftigten in der Region stellt. In Sachsen-Anhalt sind dies 12 von 15 Kreisen, in denen polnische Beschäftigte dominieren. Im Jerichower Land, der Börde und im Landkreis Wittenberg liegt dieser Anteil mit über 33,0 Prozent am höchsten. In diesen Landkreisen weist diese Nation auch einen deutlichen Abstand zu jener Nation auf, die auf Platz zwei folgt. So liegt der Abstand zwischen größter und zweitgrößter ausländischer Beschäftigtengruppe im Landkreis Wittenberg bei 25,3 Prozentpunkten, in der Börde bei 20,2 Prozentpunkten und im Jerichower Land bei 18,0 Prozentpunkten. Demgegenüber gibt es Landkreise, in denen die Bedeutung des Herkunftslands mit dem größten Anteil ausländischer Beschäftigter eher gering ausfällt. Dies ist insbesondere in den beiden größeren Städten der Fall. So liegt der Anteil in der Landeshauptstadt Magdeburg bei 9,4 Prozent (Syrien) und in der Stadt Halle bei 15,1 Prozent (Syrien). Zudem ist auch der Abstand zu den folgenden Nationen in beiden Städten gering. In Magdeburg beträgt die Differenz zur zweitgrößten ausländischen Beschäftigtengruppe 1,5 Prozentpunkte und in Halle 5,0 Prozentpunkte. Anders als in den oben genannten Kreisen ist die größte Gruppe ausländischer Beschäftigter hier also deutlich weniger dominant. 6 Fazit Der vorliegende Bericht stellt die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung von Ausländer*innen in Sachsen-Anhalt dar und beschreibt deren Strukturmerkmale im Vergleich zu den deutschen Beschäftigten. Zudem nimmt der Bericht die Unterschiede sowohl zwischen den quantitativ wichtigsten Staatsangehörigkeiten ausländischer Beschäftigter als auch zwischen den Landkreisen Sachsen-Anhalts in den Blick. Die Auswertungen basieren auf den Daten der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Für die Interpretation der dargestellten Ergebnisse ist daher zu berücksichtigen, dass mit den Daten aus der Beschäftigungsstatistik nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit ausländischer Staatsbürgerschaft betrachtet werden können. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist in Sachsen-Anhalt in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dies gilt insbesondere für die Zahl der Beschäftigten mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit. So ist der Zuwachs in der Beschäftigung insgesamt ausschließlich auf die ausländischen Beschäftigten zurückzuführen. Im Jahr 2022 gab es in Sachsen-Anhalt 51.100 ausländische Beschäftigte, das waren 39.350 Personen oder 336,0 Prozent mehr als 2013. Der Anstieg der Zahl der Beschäftigten mit einer ausländischen
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 39 Staatsangehörigkeit fiel damit sowohl absolut als auch prozentual größer aus als bei den deutschen Beschäftigten, die in diesem Zeitraum sogar um 0,6 Prozent rückläufig war. Der Anteil der Ausländer*innen an allen Beschäftigten erreichte in Sachsen-Anhalt 2022 einen Wert von 6,3 Prozent. Der Vergleich der Strukturmerkmale zeigt an mehreren Stellen deutliche Unterschiede zwischen ausländischen und deutschen Beschäftigten. Dies betrifft zum einen den höheren Anteil an Männern unter den ausländischen Beschäftigten, der sich über die letzten Jahre sogar noch vergrößert hat. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass unter denjenigen, die im Rahmen der EUOsterweiterung für eine Arbeitsaufnahme nach Sachsen-Anhalt gekommen sind, mehr Männer waren. Auch der insgesamt höhere Anteil der Vollzeitbeschäftigten bei den Ausländer*innen könnte in Teilen hierauf zurückzuführen sein. Auch unter den Geflüchteten ist die Zahl der Männer höher. Eine Ausnahme bilden hier die Ukrainer*innen. Zudem dürfte die Zuwanderung in den letzten Jahren dazu beigetragen haben, dass unter den ausländischen Beschäftigten die Zahl der Jüngeren stark gestiegen ist. Auch der Anteil der ausländischen Beschäftigten im Haupterwerbsalter ist deutlich größer als bei den deutschen Beschäftigten, während ältere Beschäftigte nur eine kleinere Rolle spielen. Die im Vergleich mit den deutschen Beschäftigten jüngere Altersstruktur der ausländischen Beschäftigten macht diese Gruppe für die Deckung des zukünftigen Arbeitskräftebedarfs besonders wichtig. Bezogen auf die Berufsausbildung und das Anforderungsniveau der ausgeübten Tätigkeit zeigt sich bei den ausländischen Beschäftigten eine ungünstigere Struktur als bei den deutschen. Auch wenn unter den ausländischen Beschäftigten diejenigen auf Fachkraftniveau den größten Anteil stellen, besitzen die Beschäftigten auf dem Helferniveau einen deutlich höheren und auf Spezialistenund Expertenniveau einen deutlich niedrigen Stellenwert als bei den deutschen Beschäftigten. Hinzu kommt, dass die Zahl der ausländischen Beschäftigten auf dem Helferniveau, anders als bei den deutschen Beschäftigten, in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Der in den letzten Jahren beobachtete Anstieg der Zahl der ausländischen Beschäftigten mit einem Hochschulabschluss hat sich noch nicht in einer Verbesserung der Tätigkeitsstruktur nach Anforderungsniveaus niedergeschlagen. Möglicherweise spielt dabei auch eine Rolle, dass ausländische Berufsund Hochschulabschlüsse nicht anerkannt werden (können) und Beschäftigte deswegen auf einem Anforderungsniveau unterhalb ihrer Qualifikation tätig sind. Bei der Verteilung der Beschäftigten auf die Branchen gibt es einige Gemeinsamkeiten aber auch deutliche Unterschiede zwischen ausländischen und deutschen Beschäftigten. Für beide Gruppen spielen das Verarbeitende Gewerbe und der Handel eine große Rolle. Ausländische Beschäftigte dominieren zudem in Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe und Zeitarbeit, wogegen die meisten deutschen Beschäftigten im Gesundheitsund Sozialwesen zu finden sind. Zu beachten ist, dass die Anteile ausländischer und deutscher Beschäftigter in diesen Wirtschaftsbereichen deutlich variieren. Während sie im Handel und im Gesundheitsund Sozialwesen jeweils kleiner sind als die der deutschen Beschäftigten, fallen sie im Verarbeitenden Gewerbe, in Verkehr und Lagerei, im Gastgewerbe und in der Zeitarbeit größer aus. Gerade in den letztgenannten Bereichen spielten ausländische Beschäftigte in den letzten Jahren offenbar eine größere Rolle für die Befriedigung der Arbeitskräftenachfrage. Gleichzeitig handelt es sich dabei
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 40 in Teilen um Branchen, in denen die Qualifikationsstruktur und die Einkommen vergleichsweise niedrig ausfallen. Die stärksten besetzten Berufe bei den ausländischen und deutschen Beschäftigten weisen Gemeinsamkeiten wie auch deutliche Unterschiede auf. So ist der Anteil der ausländischen Beschäftigten im Verkehrsund Logistiksegment am höchsten, gefolgt von den Lebensmittelund Gastgewerbeberufen. Fast die Hälfte aller ausländischen Beschäftigten arbeitet in einem dieser beiden Berufsgruppen. Bei den deutschen Beschäftigten ist das Spektrum zwischen den Berufen breiter. Hier dominieren die medizinischen und nichtmedizinischen Gesundheitsberufe, gefolgt von den Verkehrsund Logistikberufen, den Fertigungstechnischen Berufen, den Berufen in der Unternehmensführung und -organisation sowie den sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen. Diese Unterschiede zwischen ausländischen und deutschen Beschäftigten dürften auch Ausdruck davon sein, dass in einigen Branchen und Berufen der Arbeitskräftebedarf kaum noch mit inländischem Potenzial gedeckt werden kann und daher Beschäftigte aus dem Ausland stärker nachgefragt werden. Daneben dürfte es aber auch Teile des Arbeitsmarkts geben, die für Ausländer*innen, die nicht in Deutschland aufgewachsen sind oder bereits länger hier leben, aufgrund ihres Anforderungsprofils und/oder spezifischer Zugangswege schwerer zugänglich sind, so dass ausländische Beschäftigte hier weniger stark vertreten sind bzw. ihre Beschäftigtenzahl weniger ansteigt. Betrachtet man die Gruppe der ausländischen Beschäftigten näher, zeigt sich, dass nicht nur eine oder zwei Nationen dominieren. Die meisten ausländischen Beschäftigten kommen aus Polen, der Anteil an allen ausländischen Beschäftigten liegt hier bei 21,8 Prozent. Geringere Anteile finden sich bei Beschäftigten aus Rumänien (12,9 %) und der Arabischen Republik Syrien (8,4 %). Die Vielfalt der Staatsangehörigkeiten ist auch damit begründet, dass der Zugang ausländischer Beschäftigter zum hiesigen Arbeitsmarkt unter unterschiedlichen Voraussetzungen stattfindet. Unter den zehn Nationen, welche die größten Anteile ausländischer Beschäftigter in SachsenAnhalt stellen, sind sowohl Länder, denen durch die EU-Osterweiterung der Arbeitsmarktzugang eröffnet wurde als auch Länder, bei denen wohl ein Teil der Beschäftigten in Deutschland aufgewachsen ist. Hinzu kommen jene Länder, aus denen in den letzten Jahren viele Geflüchtete nach Sachsen-Anhalt kamen und nun auch am Arbeitsmarkt angekommen sind. Beim Vergleich der Top-10-Nationen nach Strukturmerkmalen, Branchen und Berufen werden die Unterschiede zwischen den ausländischen Beschäftigten nochmals deutlicher. Auch wenn zwischen manchen Ländern einige Gemeinsamkeiten sichtbar sind, weisen die Nationen untereinander Unterschiede auf, die auch auf die oben angesprochenen ungleichen Voraussetzungen beim Zugang auf den deutschen Arbeitsmarkt verweisen. So ähnelt sich aufgrund der Fluchterfahrung das Profil der syrischen und afghanischen Beschäftigten, während die EU-Länder Bulgarien, Polen, Rumänien und Ungarn verschiedene berufliche und branchenbezogene Schwerpunkte aufzeigen und sich auch im Anforderungsprofil voneinander unterscheiden. Ein weiterer Faktor, der erklärend herangezogen werden kann, ist die unterschiedlich lange Aufenthaltsdauer zwischen den Beschäftigten einzelner Staatsangehörigkeiten. In den Landkreisen Sachsen-Anhalts ist die Bedeutung der ausländischen Beschäftigung ebenfalls unterschiedlich. So erreichte der Burgenlandkreis mit 11,4 Prozent den höchsten Anteil
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 47 Tabelle A 2: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit und Wirtschaftsbereich in Sachsen-Anhalt Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 30. Juni 2022 Wirtschaftsbereich Anzahl Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit Veränderung Anzahl 2013 zu 2022 in Prozent Veränderung des Anteils 2013 zu 2022 in Prozentpunkten. Gesamt Deutsche Ausländer Gesamt Deutsche Ausländer Gesamt Deutsche Ausländer Beschäftigte insgesamt 804.195 753.126 51.065 4,5 -0,6 335,9 0,0 -4,8 4,8 Landwirtschaft etc. 13.870 12.418 1.452 -13,1 -19,9 215,7 -0,3 -0,4 -1,1 Verarbeitendes Gewerbe 138.230 127.724 10.505 1,7 -5,0 577,3 -0,5 -0,8 7,3 Baugewerbe 57.811 53.544 4.266 -3,2 -8,6 266,8 -0,6 -0,6 -1,6 Handel; Kfz 103.459 98.275 5.184 4,3 -0,1 548,0 0,0 0,1 3,3 Verkehr und Lagerei 50.075 44.022 6.053 17,2 4,4 1.020,9 0,7 0,3 7,2 Gastgewerbe 23.976 18.667 5.309 14,5 -3,0 213,0 0,3 -0,1 -4,1 Information u. Kommunikation 11.036 10.547 489 14,4 11,6 154,7 0,1 0,2 -0,7 Finanzu. Versicherungsdienstleistungen 11.273 11.167 106 -11,6 -12,2 231,3 -0,3 -0,2 -0,1 Freiberufliche, wissenschaftliche u. technische DL 30.811 29.369 1.442 11,4 8,2 189,6 0,2 0,3 -1,4 Sonstige wirtschaftliche DL (ohne Zeitarbeit) 48.722 45.264 3.458 7,5 3,4 120,7 0,2 0,2 -6,6 Zeitarbeit 15.944 11.428 4.516 -27,4 -46,1 488,0 -0,9 -1,3 2,3 Öffentliche Verwaltung etc. 62.692 62.279 413 -0,3 -0,6 91,2 -0,4 0,0 -1,0 Erziehung u. Unterricht 36.807 35.073 1.733 -5,3 -8,4 190,8 -0,5 -0,4 -1,7 Gesundheitsu. Sozialwesen 142.880 138.846 4.033 19,6 17,2 280,5 2,2 2,8 -1,1 Erbringung von sonstigen Dienstleistungen 18.644 17.664 980 -6,0 -10,2 493,9 -0,3 -0,2 0,5 Sonstige 37.962 36.836 1.126 4,4 2,5 173,3 0,0 0,1 -1,3 Bergbau etc. 6.250 6.116 134 -5,4 -7,3 1.016,7 -0,1 -0,1 0,2 Energieversorgung 6.672 6.593 79 0,7 -0,3 464,3 0,0 0,0 0,0 Wasserversorgung etc. 11.110 10.883 227 8,5 7,0 202,7 0,0 0,1 -0,2 Grundstücksu. Wohnungswesen 7.437 7.197 240 6,2 3,7 275,0 0,0 0,0 -0,1 Kunst etc., Erholung 6.082 5.669 413 9,6 6,7 75,0 0,0 0,1 -1,2 Private Haushalte/Exterritoriale Organisationen 411 378 33 22,7 16,7 200,0 0,0 0,0 0,0 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 48 Tabelle A 3: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit und Berufen in Sachsen-Anhalt Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 30. Juni 2022 Berufe Anzahl Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit Veränderung Anzahl 2013 zu 2022 in Prozent Veränderung des Anteils 2013 zu 2022 in Prozentpunkten Gesamt Deutsche Ausländer Gesamt Deutsche Ausländer Gesamt Deutsche Ausländer Beschäftigte insgesamt 804.195 753.126 51.065 4,5 -0,6 335,9 0,0 -4,8 4,8 Land-, Forstu. Gartenbauberufe 18.738 16.980 1.758 -8,6 -14,8 211,2 -0,3 -0,4 -1,4 Fertigungsberufe 52.917 49.666 3.251 -14,6 -18,3 178,1 -1,5 -1,4 -3,6 Fertigungstechnische Berufe 77.801 74.780 3.021 0,7 -2,2 293,4 -0,4 -0,2 -0,6 Bauu. Ausbauberufe 61.746 57.406 4.339 -0,2 -5,5 289,5 -0,4 -0,4 -1,0 Lebensmittelu. Gastgewerbeberufe 41.411 30.695 10.715 12,2 -10,8 327,6 0,4 -0,5 -0,4 Med. u. nicht-med. Gesundheitsberufe 102.892 98.959 3.933 17,1 14,0 276,4 1,4 1,7 -1,2 Soziale u. kulturelle Dienstleistungsberufe 75.256 72.420 2.835 15,2 12,8 157,7 0,9 1,1 -3,8 Handelsberufe 69.669 67.781 1.888 3,3 1,6 164,1 -0,1 0,2 -2,4 Unternehmensführung u. -organisation 76.338 74.767 1.571 2,2 1,0 155,4 -0,2 0,2 -2,2 Unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe 67.053 66.300 753 -6,4 -7,2 208,6 -1,0 -0,6 -0,6 ITu. naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe 25.619 24.581 1.038 15,8 12,4 302,3 0,3 0,4 -0,2 Sicherheitsberufe 10.172 9.468 703 24,7 16,9 1.091,5 0,2 0,2 0,9 Verkehrsu. Logistikberufe 93.280 80.175 13.105 18,1 2,8 1.207,9 1,3 0,4 17,1 Reinigungsberufe 22.430 20.301 2.129 15,2 6,7 376,3 0,3 0,2 0,4 Keine Angabe 8.873 8.847 26 -41,1 -40,8 -76,1 -0,9 -0,8 -0,9 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 49 Tabelle A 4: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit in Sachsen-Anhalt – Top-10-Nationen Übersicht Strukturmerkmale Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 30. Juni 2022 Anteil an allen Beschäftigten einer Staatsangehörigkeit in Prozent Gesamt Deutsche Ausländer Bulgarien Polen Rumänien Russische Föderation Ungarn Ukraine Afghanistan Vietnam Indien Arabische Republik Syrien Geschlecht Männlich 51,3 50,1 68,9 59,8 74,7 66,0 39,9 64,4 36,8 92,9 45,5 75,2 88,3 Weiblich 48,7 49,9 31,1 40,2 25,3 34,0 60,1 35,6 63,2 7,1 54,5 24,8 11,7 Arbeitszeit Vollzeitbeschäftigt 68,7 68,4 72,6 76,7 85,6 83,1 60,3 77,1 69,7 71,2 55,5 41,4 63,3 Teilzeitbeschäftigt 31,3 31,6 27,4 23,3 14,4 16,9 39,7 22,9 30,3 28,8 44,5 58,6 36,7 Alter unter 25 Jahre 8,6 8,2 14,3 13,4 9,1 18,4 8,0 9,2 17,8 37,8 25,2 22,8 18,1 25 bis unter 55 Jahre 64,5 63,7 77,6 77,5 79,5 77,0 76,5 76,7 74,0 60,5 62,2 76,1 79,5 55 Jahre und älter 26,9 28,2 8,1 9,1 11,4 4,5 15,5 14,0 8,2 1,7 12,6 1,1 2,4 Berufsabschluss Auszubildende 3,4 3,4 3,7 0,6 0,3 0,3 3,7 1,0 1,6 8,1 30,8 1,2 7,1 Ohne Berufsabschluss 5,8 4,8 19,9 25,6 10,5 25,3 8,9 11,5 6,0 51,3 15,8 13,9 35,8 Anerkannter Berufsabschluss 71,1 74,0 28,2 20,3 47,0 16,4 33,3 46,3 22,0 17,3 18,6 7,9 18,9 Akademischer Berufsabschluss 13,2 12,9 16,7 9,8 5,3 5,6 42,9 11,3 30,9 3,2 6,8 62,5 13,1 Keine Angabe 6,6 4,9 31,5 43,8 36,8 52,4 11,2 30,0 39,4 20,1 28,0 14,5 25,2 Anforderungsniveau Helfer 16,4 14,9 37,5 50,2 33,0 41,2 23,4 29,3 35,3 58,6 28,8 42,7 45,4 Fachkraft 60,5 61,3 48,8 42,2 63,2 54,4 40,6 59,9 38,1 38,7 64,0 26,5 43,6 Spezialist 11,2 11,7 3,6 3,1 1,8 1,5 7,8 3,9 5,4 1,4 2,8 6,0 3,4 Experte 10,8 10,9 10,1 4,4 2,0 2,9 28,0 7,0 21,2 1,1 4,2 24,9 7,5 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 50 Tabelle A 5: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit in Sachsen-Anhalt – Top-10-Nationen Wirtschaftsbereiche Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 30. Juni 2022 Wirtschaftsbereich Anteil an allen Beschäftigten einer Staatsangehörigkeit in Prozent Gesamt Deutsche Ausländer Bulgarien Polen Rumänien Russische Föderation Ungarn Ukraine Afghanistan Vietnam Indien Arabische Republik Syrien Landwirtschaft etc. 1,7 1,6 2,8 2,4 5,3 6,3 1,0 1,3 8,1 0,3 0,3 0,1 0,2 Verarbeitendes Gewerbe 17,2 17,0 20,6 32,2 22,8 47,2 13,9 28,5 18,5 15,2 3,5 7,5 11,8 Baugewerbe 7,2 7,1 8,4 6,6 9,1 9,6 3,2 10,5 6,2 8,8 1,0 0,5 6,6 Handel; Kfz 12,9 13,0 10,2 4,4 10,5 4,1 11,7 4,3 9,6 20,4 10,7 11,1 20,8 Verkehr und Lagerei 6,2 5,8 11,9 5,6 30,5 7,0 5,2 14,4 2,5 7,7 1,0 2,3 10,9 Gastgewerbe 3,0 2,5 10,4 7,5 1,5 4,6 5,1 8,4 7,9 8,8 50,2 23,5 9,8 Information u. Kommunikation 1,4 1,4 1,0 0,5 0,1 0,2 2,8 0,5 1,4 0,3 0,8 4,3 0,9 Finanzu. Versicherungsdienstleistungen 1,4 1,5 0,2 0,2 0,0 0,1 1,0 0,3 0,5 0,1 0,3 0,1 0,4 Freiberufliche, wissenschaftliche u. technische Dienstleistungen 3,8 3,9 2,8 1,1 0,8 1,0 7,4 1,3 3,5 0,4 2,1 10,4 2,7 Sonst. wirtschaftliche DL (ohne Zeitarbeit) 6,1 6,0 6,8 9,3 4,4 7,4 7,5 8,5 6,2 9,7 2,1 2,6 7,0 Zeitarbeit 2,0 1,5 8,8 20,1 9,0 7,0 2,8 8,1 2,6 18,1 0,5 22,0 8,3 Öffentliche Verwaltung etc. 7,8 8,3 0,8 0,6 0,2 0,1 3,0 1,3 2,2 0,5 0,2 0,1 0,8 Erziehung u. Unterricht 4,6 4,7 3,4 0,7 0,5 0,5 9,9 2,3 11,6 0,7 1,1 7,8 3,4 Gesundheitsu. Sozialwesen 17,8 18,4 7,9 4,3 1,9 2,9 18,3 7,6 13,1 5,7 20,9 6,5 9,9 Erbringung von sonstigen Dienstleistungen 2,3 2,3 1,9 2,0 1,1 0,6 2,9 0,8 4,0 1,8 4,6 0,5 5,3 Sonstige 4,7 4,9 2,2 2,4 2,2 1,4 4,2 1,8 2,0 1,4 0,7 0,8 1,3 Bergbau etc. 0,8 0,8 0,3 0,1 0,7 0,0 0,4 0,1 0,2 0,0 0,1 0,1 0,2 Energieversorgung 0,8 0,9 0,2 0,0 0,2 0,1 0,5 0,2 0,2 0,1 0,2 0,4 0,1 Wasserversorgung etc. 1,4 1,4 0,4 1,1 0,4 0,3 0,3 0,3 0,1 0,6 0,2 0,2 0,1 Grundstücksu. Wohnungswesen 0,9 1,0 0,5 0,5 0,5 0,5 0,6 0,5 0,4 0,5 0,2 0,1 0,7 Kunst etc., Erholung 0,8 0,8 0,8 0,7 0,3 0,5 2,4 0,5 1,0 0,1 0,1 0,0 0,1 Private Haushalte 0,1 0,0 0,1 0,0 0,1 0,1 0,0 0,3 0,0 0,1 0,0 0,1 0,0 Exterritoriale Organisationen etc. 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 51 Tabelle A 6: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit in Sachsen-Anhalt – Top-10-Nationen Berufe Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 30. Juni 2022 Berufe Anteil an allen Beschäftigten einer Staatsangehörigkeit in Prozent Gesamt Deutsche Ausländer Bulgarien Polen Rumänien Russische Föderation Ungarn Ukraine Afghanistan Vietnam Indien Arabische Republik Syrien Land-, Forstu. Gartenbauberufe 2,3 2,3 3,4 3,8 6,1 7,1 1,2 0,8 9,0 0,5 0,4 0,5 0,6 Fertigungsberufe 6,6 6,6 6,4 5,8 10,0 3,3 5,7 12,4 5,1 10,5 1,5 1,2 7,0 Fertigungstechnische Berufe 9,7 9,9 5,9 3,9 6,9 4,5 7,5 6,5 5,8 6,2 1,5 5,7 7,5 Bauu. Ausbauberufe 7,7 7,6 8,5 7,9 9,3 10,4 3,5 10,4 5,5 7,6 1,4 0,8 6,7 Lebensmittelu. Gastgewerbeberufe 5,1 4,1 21,0 35,4 12,4 45,8 6,8 21,7 15,3 12,7 47,3 25,4 10,1 Medizinische u. nicht-medizinische Gesundheitsberufe 12,8 13,1 7,7 4,0 1,6 3,2 14,8 6,2 12,1 4,7 24,8 5,8 13,0 Soziale u. kulturelle Dienstleistungsberufe 9,4 9,6 5,6 2,2 1,2 1,0 16,2 4,2 15,5 1,4 2,0 11,5 4,6 Handelsberufe 8,7 9,0 3,7 1,6 2,4 1,4 6,5 1,8 3,7 2,8 10,9 2,6 5,3 Unternehmensführung u. -organisation 9,5 9,9 3,1 2,2 1,2 0,9 9,6 1,8 5,1 1,6 2,2 4,3 2,6 Unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe 8,3 8,8 1,5 1,1 0,3 0,3 6,5 2,3 2,7 0,3 1,4 0,9 1,6 ITu. naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe 3,2 3,3 2,0 0,5 0,7 0,4 4,5 0,9 1,9 0,9 1,6 9,0 1,7 Sicherheitsberufe 1,3 1,3 1,4 0,9 0,6 0,3 1,8 0,7 1,1 5,1 0,0 0,1 3,9 Verkehrsu. Logistikberufe 11,6 10,6 25,7 24,6 44,9 16,0 10,1 21,7 11,0 41,4 3,1 30,0 33,0 Reinigungsberufe 2,8 2,7 4,2 6,1 2,5 5,4 4,9 8,6 6,1 4,1 1,8 2,2 2,1 Keine Angabe 1,1 1,2 0,1 0,0 0,0 0,0 0,2 0,0 0,0 0,2 0,1 0,0 0,1 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 52 Tabelle A 7: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit in den Kreisen Sachsen-Anhalts Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am 30. Juni 2022 Beschäftigte insgesamt Ausländer Anteil Ausland an Beschäftigten insgesamt Veränderung Anzahl Ausland 2013 zu 2022 Anteil Top-3-Nationen an Ausland insgesamt in Prozent in Prozent Top 1 Top 2 Top 3 Sachsen-Anhalt 804.195 51.065 6,3 335,9 Polen 21,8 Rumänien 12,9 Arabische Republik Syrien 8,4 Dessau-Roßlau 33.352 1.515 4,5 220,3 Polen 19,5 Arabische Republik Syrien 11,0 Indien 4,6 Halle (Saale) 100.081 6.948 6,9 310,2 Arabische Republik Syrien 15,1 Polen 10,1 Rumänien 5,9 Magdeburg 110.460 7.246 6,6 216,3 Arabische Republik Syrien 9,4 Rumänien 7,9 Polen 7,8 Altmarkkreis Salzwedel 26.435 1.331 5,0 230,3 Polen 24,3 Rumänien 20,0 Arabische Republik Syrien 4,6 Anhalt-Bitterfeld 56.589 4.074 7,2 257,7 Polen 30,4 Rumänien 16,0 Ukraine 6,4 Börde 62.649 5.695 9,1 945,0 Polen 33,7 Arabische Republik Syrien 13,5 Rumänien 5,7 Burgenlandkreis 62.012 7.073 11,4 1.052,0 Rumänien 37,2 Polen 23,6 Bulgarien 9,4 Harz 72.326 3.121 4,3 342,7 Polen 25,1 Rumänien 11,6 Bulgarien 6,1 Jerichower Land 28.352 1.787 6,3 474,6 Polen 33,8 Rumänien 15,8 Arabische Republik Syrien 6,0 Mansfeld-Südharz 41.065 1.385 3,4 273,3 Polen 17,5 Slowakei 8,8 Rumänien 8,2 Saalekreis 70.272 4.837 6,9 167,1 Polen 26,1 Rumänien 10,9 Arabische Republik Syrien 8,7 Salzlandkreis 62.482 2.509 4,0 237,2 Polen 19,4 Rumänien 8,5 Arabische Republik Syrien 7,9 Stendal 35.138 1.081 3,1 300,4 Polen 20,4 Arabische Republik Syrien 9,3 Afghanistan 8,4 Wittenberg 42.982 2.463 5,7 613,9 Polen 33,3 Ukraine 8,0 Arabische Republik Syrien 5,8 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Berechnungen. © IAB
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 53 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Beschäftigte in Sachsen-Anhalt nach Staatsangehörigkeit ......................................................... 8 Abbildung 2: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht in Sachsen-Anhalt .............................. 9 Abbildung 3: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit und Arbeitszeit in Sachsen-Anhalt ............................. 10 Abbildung 4: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit und Alter in Sachsen-Anhalt ....................................... 12 Abbildung 5: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit und Berufsabschluss in Sachsen-Anhalt .................... 13 Abbildung 6: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit und Anforderungsniveau in Sachsen-Anhalt ............. 16 Abbildung 7: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit und Wirtschaftsbereichen in Sachsen-Anhalt ............ 18 Abbildung 8: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit und Beruf in Sachsen-Anhalt ...................................... 21 Abbildung 9: Anteil der ausländischen Beschäftigten an allen Beschäftigten in den Kreisen in SachsenAnhalt ........................................................................................................................................... 35 Abbildung 10: Anteil der ausländischen Beschäftigten eines Kreises in Sachsen-Anhalt an allen ausländischen Beschäftigten in Sachsen-Anhalt ....................................................................... 36 Abbildung 11: Staatsangehörigkeit der Beschäftigten, die in dem jeweiligen Kreis in Sachsen-Anhalt den größten Anteil der ausländischen Beschäftigten ausmachen ................................................... 37 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Top-10-Staatsangehörigkeiten der ausländischen Beschäftigten in Sachsen-Anhalt .............. 23 Anhang Tabelle A 1: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit in Sachsen-Anhalt – Übersicht Strukturmerkmale .... 46 Tabelle A 2: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit und Wirtschaftsbereich in Sachsen-Anhalt ................ 47 Tabelle A 3: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit und Berufen in Sachsen-Anhalt .................................. 48 Tabelle A 4: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit in Sachsen-Anhalt – Top-10-Nationen Übersicht Strukturmerkmale ....................................................................................................................... 49 Tabelle A 5: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit in Sachsen-Anhalt – Top-10-Nationen Wirtschaftsbereiche ..................................................................................................................... 50 Tabelle A 6: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit in Sachsen-Anhalt – Top-10-Nationen Berufe ........... 51 Tabelle A 7: Beschäftigte nach Staatsangehörigkeit in den Kreisen Sachsen-Anhalts ................................. 52
IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 54 In der Reihe IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen zuletzt erschienen Nummer Autoren Titel 2/2022 Michaela Fuchs, Birgit Fritzsche Der zukünftige Beschäftigungsbedarf in der ambulanten und stationären Pflege in Sachsen-Anhalt: Modellrechnungen auf Kreisebene bis zum Jahr 2035 1/2022 Lisa Schmiedel, Per Kropp, Birgit Fritzsche, Stefan Theuer Energieintensive Industrien in Mitteldeutschland 4/2021 Per Kropp, Stefan Theuer, Birgit Fritzsche Digitalisierung schreitet voran – Neuschätzung der Substituierbarkeitspotenziale in Thüringen 2019 3/2021 Per Kropp, Stefan Theuer, Birgit Fritzsche Digitalisierung schreitet voran - Neuschätzung der Substituierbarkeitspotenziale in Sachsen-Anhalt 2019 2/2021 Michaela Fuchs, Anne Otto, Birgit Fritzsche Systemrelevante Berufe und das Potenzial für Homeoffice: Eine geschlechtsspezifische Bestandsaufnahme für Sachsen-Anhalt Eine vollständige Liste aller Veröffentlichungen der Reihe „IAB-Regional Sachsen-Anhalt-Thüringen“ finden Sie unter: https://iab.de/publikationen/iab-publikationsreihen/iab-regional/iab-regional-sachsen-anhaltthueringen/ Eine vollständige Liste aller Veröffentlichungen der Reihe „IAB-Regional“ finden Sie unter: https://iab.de/publikationen/iab-publikationsreihen/iab-regional/
Impressum IAB-Regional IAB Sachsen-Anhalt-Thüringen 1|2024 Veröffentlichungsdatum 21. Mai 2024 Herausgeber Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit Regensburger Straße 104 90478 Nürnberg Nutzungsrechte Diese Publikation ist unter folgender Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht: Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de Bezugsmöglichkeit https://doku.iab.de/regional/SAT/2024/regional_sat_0124.pdf Website https://iab.de/ ISSN 1861-1435 DOI 10.48720/IAB.RESAT.2401 Rückfragen zum Inhalt Cornelia Leclerque Telefon 0345 1332-315 E-Mail [email protected]