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[Rezension] „Wicked problems“ und die Grenzen der (Wirtschafts‑)Soziologie

Blättel-Mink, Birgit

Abstract

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Blättel-Mink, Birgit Book Review — Published Version [Rezension] „Wicked problems“ und die Grenzen der (Wirtschafts‑)Soziologie KZfSS Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie Provided in Cooperation with: Springer Nature Suggested Citation: Blättel-Mink, Birgit (2025) : [Rezension] „Wicked problems“ und die Grenzen der (Wirtschafts‑)Soziologie, KZfSS Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, ISSN 1861-891X, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden, Vol. 77, Iss. 1, pp. 101-106, https://doi.org/10.1007/s11577-025-00996-0 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/323566 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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März 2025 / Online publiziert: 1. April 2025 © The Author(s) 2025 Beckert, Jens: Verkaufte Zukunft: Warum der Kampf gegen den Klimawandel zu scheitern droht. Berlin: Suhrkamp 2024. 238 Seiten. ISBN: 978-3-518-58809-3. Preis: C28,–. In seinem Werk „Imagined Futures“ (2016) ging Jens Beckert davon aus, dass geteilte Vorstellungen über die Zukunft das wirtschaftliche und soziale Handeln in der Gegenwart stark beeinflussen. Die Klimakrise, der er sich in „Verkaufte Zukunft“ widmet, erscheint als blinder Fleck solcher Zukunftsbilder. Beckert fragt sich, wie es kommt, dass die Gesellschaft, vorrangig Deutschland, bisher nicht in der Lage war, den Klimawandel zu verlangsamen oder auch nur, sich angemessen an die Folgen des Klimawandels beziehungsweise der Klimakrise anzupassen. Er differenziert dabei vorsorgenden Klimaschutz (Mitigation) und Anpassung an den Klimawandel (Adaptation). Anpassungsmaßnahmen erfahren ihm zufolge größere gesellschaftliche Akzeptanz als Klimaschutzmaßnahmen. So stellen die Lösungsvorschläge, die er am Ende diskutiert, denn auch eher kleine Schritte dar, anders als die unter anderen vom WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen) geforderte große sozial-ökologische Transformation. Beckert mischt sich als „nachdenklicher Realist“ in die Debatten um Klimawandel und Klimakrise ein und wendet sich an ein breites wissenschaftliches und außerwissenschaftliches Publikum. Er fragt und gibt bereits an dieser Stelle seine Antwort: „Wie können Gesellschaften der kapitalistischen Moderne die kollektiven sozialen Prozesse beeinflussen, die den Umgang mit der Natur bestimmen? Letztlich geht es darum, die Bereitschaft in Wirtschaft, Politik und Gemeinschaft zu B. Blättel-Mink Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt a. M., Campus Westend Theodor-W.-Adorno-Platz 6, 60323 Frankfurt a. M, Deutschland E-Mail: b.blaette[email protected].de K 102 B. Blättel-Mink stärken, der Antwort auf den Klimawandel einen größeren Stellenwert einzuräumen und Einsatz und Verteilung knapper wirtschaftlicher Ressourcen neu zu kalibrieren“ (S. 22). Damit geht die (zumindest naturwissenschaftlich) robuste Erkenntnis einher, dass bisher bei weitem nicht genug getan wurde. Gründe dafür sieht Beckert, aus systemund differenzierungstheoretischer Perspektive, in der Interdependenz von Wirtschaft, Politik und Bevölkerung und im bloßen „Rauschen“ der Klimakrise in den jeweiligen Subsystemen. Wobei ein zentrales Merkmal der kapitalistischen Moderne das Primat der Wirtschaft ist, sodass das „größte Staatsversagen aller Zeiten“ (S. 36) nachvollziehbar wird. Nun aber zur Argumentation im Einzelnen. Im ersten Kapitel („Wissen ohne Wandel“) skizziert Beckert die gesellschaftlichen Herausforderungen des Klimawandels wie sie seit mehr als 50 Jahren von der Völkergemeinschaft (siehe vor allem die Konferenzen und Publikationen der Vereinten Nationen) diskutiert werden. Er stützt seine Thesen zur globalen Klimakrise und zum Umgang damit, vor allem in den Ländern des globalen Nordens, auf einschlägige Daten und Fakten. Danach wird für ihn klar: „Die nötigen Veränderungen bedürften nämlich grundlegend veränderter wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Strukturen“ (S. 17). Dabei kann es ihm zufolge nicht, wie etwa im Postwachstumsdiskurs, darum gehen, den Kapitalismus zu überwinden. Die Klimakrise ist laut Beckert keine Wirtschaftskrise, sondern eine Krise der Gesellschaft insgesamt oder vor allem des politischen Systems. Die Krise an sich, auf die reagiert werden muss, entsteht dann durch gesellschaftliche Verwerfungen, die sich in den kommenden Jahren noch einmal verschärfen werden. Um die „unangemessenen Reaktionen“ auf die Klimakrise zu verstehen, betrachtet er diese als ein „wicked problem“ („tückisches Problem“). Tückische Probleme, für die es keine einfachen Lösungen gibt, entstehen, wenn „... Wirtschaft, Politik, Bürger und Konsumenten zueinander in Konflikt stehen, zugleich aber aufeinander angewiesen sind und wechselseitig von ihren jeweiligen Leistungen profitieren“ (S. 20). Um solche „Leistungen“ zu erbringen, wird in der kapitalistischen Moderne von allen Beteiligten die Zerstörung natürlicher Lebensgrundlagen in Kauf genommen. Diese Sicht der Dinge erinnert an die „cultural theory of risk“ (siehe hier die Arbeiten von Mary Douglas zum „cultural bias“). „Wicked“ wird dort abgeleitet aus dem Aufeinandertreffen unterschiedlicher „world views“ (Hierarchisten, Egalitäre, Individualisten und Fatalisten), in denen wiederum geteilte Menschenbilder, Naturbilder und Vorstellungen von gesellschaftlichen Mechanismen enthalten sind. Nicht optimale, aber realistische Lösungen werden als „clumsy“ bezeichnet. In den folgenden Abschnitten geht es um die Leitdifferenzen der kapitalistischen Moderne, welche die „Unangemessenheit“ im Umgang mit dem Klimawandel/der Klimakrise begründen. Im ersten Abschnitt werden sie mit Fokus auf der Wirtschaft und der Unfähigkeit „negative Effekte zu internalisieren“ ausbuchstabiert. Interessant finde ich, dass der Autor davon ausgeht, dass es beim Klimaschutz anders als beim Konflikt zwischen Arbeit und Kapital keine „materielle Interessendivergenz“ zwischen Unternehmen, Staat und Bürgerinnen und Bürgern gibt. Was ist aber mit ideellen Interessen, mit den Forderungen von „Fridays for Future“ oder den Aktionen der „letzten Generation“? Die durch diese Bewegungen initiierten Problemlösungen haben, so Beckert, bislang nicht weit geführt und sind nicht selten kompromisshaft oder, um das Diktum der „wicked problems“ aufzugreifen, „clumsy“. Drei historiK „Wicked problems“ und die Grenzen der (Wirtschafts-)Soziologie 103 sche „Transformationen“ der kapitalistischen Moderne hält er fest: 1) die Entfremdung von der Natur oder der Dualismus von Natur und Gesellschaft, 2) das dem Kapitalismus inhärente Fortschrittsdenken und 3) der zunehmende (rationale) Individualismus, der einhergeht mit Leistungsdenken oder Meritokratie, sowie soziale Ungleichheit als konstitutiver Faktor kapitalistischer Gesellschaften. Um es mit Max Weber zu formulieren: ökonomische Interessen und kulturelle Ideen koinzidieren. Oder, bezogen auf den Umgang mit der Klimakrise: dort wo die Internalisierung bislang externalisierter Kosten für die Konsumentinnen und Konsumenten mit materiellen Einbußen oder mit Einschränkungen einhergeht, ohne einen, materiellen wie ideellen, „erlebbaren Wohlstandsgewinn“ zu generieren, ist sie, auch politisch, nicht opportun. Der Primat der Ökonomie in der kapitalistischen Moderne und die Leitdifferenz des Wirtschaftssystems (Zahlung/Nicht-Zahlung) wird am Beispiel von „Big Oil“ konkretisiert. Beckert skizziert, unter Verweis auf den soziologischen Neo-Institutionalismus (Stichwort: Fassade), die Doppelzüngigkeit der großen Energieversorgungsunternehmen, die vermeintlichen Umweltschutz, also beachtliche Investitionen in regenerative Energien, problemlos mit einem faktischen „Weiter so“ vereinbaren. Die Konsumentinnen und Konsumenten sind zufrieden, solange die Benzinpreise stabil bleiben und die zugemuteten Veränderungen begrenzt sind. Verbunden damit ist die Strategie, den tiefgreifenden Wandel in die (verkaufte) Zukunft zu verschieben, ebenfalls im Einklang mit den Konsumentinnen und Konsumenten. Es bleibt das Bild einer schwächelnden deutschen Wirtschaft im globalen Wettbewerb, die moralische Appelle solange als „Rauschen“ wahrnimmt, als sie keinen Preis haben. „Das Preisschild kann aber nur von außen kommen – vom Staat und von der Zivilgesellschaft“ (S. 65). „Der zögernde Staat“ muss also rigider durchgreifen, staatliche Eingriffe zum Schutz des Klimas konsequent durchsetzen. Neben dem Primat der Ökonomie und der Abhängigkeit der Politik von Legitimation sowie fehlenden finanziellen Ressourcen benennt Beckert zwei weitere Gründe für das Staatsversagen: die Struktur des Konflikts und die Logik administrativer Entscheidungsstrukturen. Die mit umweltpolitischen Maßnahmen einhergehenden Belastungen sind ungleich verteilt, ebenso wie die positiven Effekte. Da hilft es auch nicht, dass die Bevölkerung grundsätzlich zu mehr Umweltschutz oder Klimaschutz bereit ist. Über das „Wie“ lässt sich in einer Demokratie trefflich streiten, vor allem wenn die Natur „politisch stumm“ und auf Stellvertreterinnen und Stellvertreter angewiesen ist. „Die Umverteilungseffekte einer verteilungspolitisch nicht korrigierten Klimapolitik erhöhen politische Widerstände und machen die Selbstbindungen der Politik an die lautstark verkündeten Klimaziele porös“ (S. 79). Dies zeigt sich aktuell in der Rücknahme von umweltpolitischen Entscheidungen, vor allem in den europäischen Gesellschaften, die einen politischen Rechtsruck erleben. Damit sind wir bereits bei der Logik administrativer Entscheidungsstrukturen. Auch für dieses Subsystem gilt die zeitliche Verschleppung oder das Versprechen in die Zukunft, welches zu gegebener Zeit verlängert werden kann. Bevor Beckert die Konsumentinnen und Konsumenten und deren Gründe, sich einem tiefgreifenden Strukturwandel zu verweigern, aufruft, blickt er auf die globalen Verhältnisse. Er affirmiert das Recht der Länder des globalen Südens, sich ebenso zu K 104 B. Blättel-Mink entwickeln wie die Länder des globalen Nordens („Weltweiter Wohlstand“), deren Global Player hohe Gewinnerwartungen mit der Entwicklung dieser Länder verbinden oder deren Ressourcen immer noch ausbeuten, häufig mit aktiver Unterstützung der autokratischen Regime vor Ort. Beckert verweist auf das vom globalen Norden beherrschte internationale Finanzsystem, welches „aktiv gegen den Klimawandel“ (S. 109) arbeitet. Aktuell virulente postoder dekoloniale Bewegungen und Debatten werden lediglich gestreift. Also auch im globalen Kontext trotz der Anstrengungen der Vereinten Nationen mehr Gründe für weitere Ressourcenausbeutung und verstärkte CO2-Emissionen als für einen angemessenen Umgang mit der Klimakrise. Die wechselseitige Verantwortungszuschreibung der Klimakrise steht am Anfang von Beckerts Überlegungen zu „Konsum ohne Grenzen“. Die bekannten Narrative der Unternehmen, die Kundinnen und Kunden wünschten es so, und der Konsumentinnen und Konsumenten, dass die Wirtschaft notwendige Informationen nicht zur Verfügung stellt, oder dass sie individuell eh nichts ändern könnten, nimmt er zum Anlass, noch einmal zurückzublicken und die Entwicklung des Massenkonsums in der kapitalistischen Moderne im Kontext der interdependenten Subsysteme Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft nachzuvollziehen. Stichwort für die Zuschreibung der Verantwortung von Wirtschaft und Politik auf die Konsumentinnen und Konsumenten ist die Autonomie/Souveränität des Individuums. Aus soziologischer Perspektive wird Autonomie ergänzt um die soziale Überformung von Konsum. Auch hier findet sich wieder das Phänomen, dass man zwar weiß, dass der Massenkonsum die Klimakrise verschärft, dass jedoch „gleichzeitig hohe Aufwendungen dafür getätigt werden, Menschen zu immer mehr Konsum anzustacheln“ (S. 121). Dass die seit nahezu vierzig Jahren geforderte Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch nicht funktioniert, gilt nicht nur für die Klimakrise, sondern auch für den dramatischen Verlust an Biodiversität oder die Versauerung der Weltmeere. Das von Erdsystemforscherinnen und -forschern entwickelte Konzept der „planetary boundaries“ misst die Umweltzerstörung in neun Dimensionen, von denen aktuell bereits für sechs Dimensionen die Belastungsgrenzen überschritten sind. Beckert diskutiert in diesem Abschnitt nicht nur die Tatsache, dass die Bemühungen um mehr Klimaschutz, die ja für sich gesehen nicht erfolgreich sind, einschneidende Effekte auf die anderen Dimensionen der Umweltzerstörung aufweisen. Als ein Beispiel mag die Batterieproduktion für Elektromotoren dienen, oder der Mechanismus des Rebound. Die von Beckert angesprochenen Interdependenzen sind also noch einmal viel komplexer. Die Erkenntnisse der sogenannten Interaktionsforschung zur Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen schließen hier sehr gut an. Die 17 SDGs zeigen positive, aber auch viele negative Wechselwirkungen. Was also sollen wir tun? Handeln müssen wir, Beckert zufolge, weil die gesellschaftlichen Spannungen und Verwerfungen mit zunehmender Klimakrise verschärft werden, gesellschaftliche und politische Ordnungen unter Druck geraten. Radikale Postwachstumsstrategien hält er für nicht umsetzbar. „Wir haben schlicht nicht die Zeit, erst die bestehende Gesellschaftsordnung umzustoßen, dann eine neue zu errichten, um schließlich irgendwann einmal das Klimaproblem anzugehen“ (S. 182). Also geht es darum, Zeit zu gewinnen durch Schritte, die wirksam sind. Gefragt ist, eigentlich ausschließlich, das politische System, wenn es darum geht, das „RauK „Wicked problems“ und die Grenzen der (Wirtschafts-)Soziologie 105 schen“ in Komplexitätserweiterung zu übersetzen. „Grüne“ Anreizstrukturen für die Wirtschaft, egalitäre Beteiligungschancen für die Bürgerinnen und Bürger, mehr Daseinsvorsorge ... Ich muss sagen, das überzeugt mich angesichts der aktuellen existenziellen Vielfachkrisen nicht. Zwar ist eine komplexitätsreduzierende Argumentation, die im gesamten Werk durchgehalten wird, für ein breites Publikum nachvollziehbar, aber mir scheint, dass der wissenschaftliche und vor allem der soziologische Diskurs zum Thema durchaus mehr hergibt. Bevor ich dies begründe, noch zwei Anmerkungen zu Stil und Form des Essays von Jens Beckert. Es würde den Lesefluss deutlich erleichtern, wenn die Herausforderungen der Klimakrise einerseits und andererseits die Barrieren, die angemessene Anpassungsoder Schutzmaßnahmen verhindern, klarer getrennt würden. Ich bin zudem davon überzeugt, dass der Verzicht auf eine geschlechtersensible Sprache einige der Argumente in diesem Essay weniger überzeugend macht. Nun also zur inhaltlichen Kritik: Erstens: Die Wirtschaft aus der Verantwortung zu nehmen, scheint mir kein effektiver Weg. Auch die Wirtschaftswissenschaften kennen die Nachhaltigkeit. Die Annahme, vor allem der ökologischen Ökonomik oder der feministischen Ökologie, die Unternehmen müssten die Produktivität der Natur anerkennen und neben Wachstumszielen auch das Ziel anstreben, zu überleben, scheint mir weiterführend. Wenn es das Ziel eines Unternehmens und dessen Entscheidungsträgerinnen und -trägern ist, langfristig zu überleben, dann müssen auch die Ressourcen dafür langfristig zur Verfügung stehen. Damit stelle ich die systemtheoretische Perspektive noch nicht infrage. Zweitens: Meines Erachtens muss über die systemtheoretische Perspektive hinausgedacht und es müssen Debatten zur Eigenwirksamkeit von Natur einbezogen werden, will man den gesellschaftlichen Umgang mit Natur verstehen. Die Annahme von Beckert, die Natur könne sich (und ihre „Interessen“) nicht selbst vertreten, sei „politisch stumm“, ist soziologisch unterkomplex. Hier sind, wie ich meine, Debatten im Ausgang von Bruno Latours wissenschaftssoziologischen Studien weiterführend. Drittens: Damit kommt ein weiteres Subsystem in den Blick, das Wissenschaftssystem, welches Wahrheit und Nicht-Wahrheit differenziert. Ich plädiere strikt dafür, dass die Soziologie sich gegenüber den Naturwissenschaften, aber auch gegenüber nicht-wissenschaftlichen Akteurinnen und Akteuren öffnet und zunehmend Forschung jenseits der disziplinären Grenzen (Stichwort: Transdisziplinarität) betreibt. Wenn es um Reallaborforschung oder Citizen Science geht, hat die Soziologie noch einiges nachzuholen. Ein „Versprechen auf die Zukunft“ eines „nachdenklichen Realisten“ genügt hier nicht. Viertens: Angesichts der aktuellen existenziellen Vielfachkrisen, wenn nicht Katastrophen, ist eine einfache oder lineare Lösungsstrategie (grüne Anreize und gerechte Beteiligung ergeben langsames Umdenken) für derart „tückische Probleme“ nicht realistisch. Auch angesichts der hohen Komplexität der Herausforderungen und der gesellschaftlichen Barrieren nicht, und „clumsy solutions“ helfen nicht weiter. Das weiß auch Jens Beckert. Funding Open Access funding enabled and organized by Projekt DEAL. K 106 B. Blättel-Mink Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://creativecommons.org/licenses/by/ 4.0/deed.de. Hinweis des Verlags Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral. Birgit Blättel-Mink 1957, Dr. phil., bis 2023 Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Industrieund Organisationssoziologie am Institut für Soziologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Forschungsgebiete: (Soziale) Innovationen, Nachhaltiger Konsum, Gender in Higher Education, Transdisziplinarität. Veröffentlichungen: Geschlechtergerechtigkeit im Spannungsfeld von nachhaltiger und digitaler Transformation – eine interdisziplinäre Annäherung, GENDER – Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft 15(2), 2023 (mit F. Ohde, C. Draude und I. Spiecker gen. Döhmann); Grenzen des Konsums im Lebensverlauf: Gelegenheiten, Hürden und Gestaltungsspielräume, GAIA 29/4, 2020 (mit M. JaegerErben, D. Fuchs, K. Götz, N. Langen und H. Rau). K