Wachstum und wirtschaftliche Entwicklung: Festschrift zu Ehren von Rainer Klump
Abstract
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Full text
Saam, Marianne et al. Proceedings Wachstum und wirtschaftliche Entwicklung: Festschrift zu Ehren von Rainer Klump Suggested Citation: Saam, Marianne et al. (2025) : Wachstum und wirtschaftliche Entwicklung: Festschrift zu Ehren von Rainer Klump, ZBW – Leibniz Information Centre for Economics, Kiel, Hamburg This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/324883 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Wachstum und wirtschaftliche Entwicklung: Festschrift zu Ehren von Rainer Klump September 2025 Marianne Saam (Hrsg.), ZBW – Leibniz - Informationszentrum Wirtschaft und Universität Hamburg, [email protected] Anne Jurkat, International Federation of Robotics (IFR), Frankfurt am Main, [email protected] Sebastian Krautheim, Universität Passau und CESifo, München, [email protected] Lars Pilz, Goethe-Universität, Frankfurt am Main, [email protected] Manfred Plagens, Stadt Würzburg, [email protected] Martin Skala, Hochschule Osnabrück, [email protected]
Festschrift – Rainer Klump 2
Festschrift – Rainer Klump 3 Inhaltsverzeichnis Vorwort: Über den Begriff der Festschrift (Marianne Saam) ............................................ 4 Leonhard Fronsperger: Der Entdecker des Homo oeconomicus (Lars Pilz)................... 8 „Unsichtbare Strahlen – Sichtbare Ordnung“: Eine wirtschaftsphilosophische Reflexion zur Entdeckung der Röntgenstrahlen und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung (Manfred Plagens) ......................................................................................................... 14 Wachstum durch Gelddruck? Über die Katze, die gleichzeitig lebt und tot ist – Eine Synthese (Martin Skala) ................................................................................................ 24 Die Substitutionselastizität: Konstante meiner Forschung bis heute (Marianne Saam) 37 Inspirierte Theorie: Wie Rainer Klump meine Sicht auf ökonomische Modelle prägte (Sebastian Krautheim) ................................................................................................... 43 O Brave New World that has such Robots in it -Tracking the Rise of the Service Robot (Anne Jurkat) ................................................................................................................. 45
Festschrift – Rainer Klump 4 Vorwort: Über den Begriff der Festschrift Rainer Klump blickt im Jahr 2025 auf mehr als 40 Jahre beruflichen Wirkens an der Universität zurück. Er verfolgt seine Laufbahn in der Wissenschaft, die er 1983 als Doktorand in Nürnberg begann, seit Herbst 2024 als pensionierter Forschungsprofessor an der Goethe-Universität weiter. Diesen Anlässen widmen einige seiner ehemaligen Schülerinnen, Schüler, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine kleine Sammlung von Beiträgen, die seinen Einfluss auf ihr wissenschaftliches, historisches und ökonomisches Denken widerspiegeln. Wie nennen wir diese Sammlung und wie kommt uns diese Idee? „Festschrift“ ist ein Begriff mit langer akademischer Tradition, der als deutsches Wort bisweilen sogar im Englischen verwendet wurde. Erste Recherchen verweisen auf Werke im Umfang von 300 bis 700 gedruckten Seiten, die von langer Hand mit Wissen des Jubilars vorbereitet scheinen, vielleicht auch verbunden mit wissenschaftlichen Symposien, auf denen entsprechende Vorträge gehalten wurden. Dies passt nicht zu unserem Kreis, zum Rahmen, in dem wir Rainer im September 2025 begegnen, und zum wissenschaftlichen Publikationsbetrieb in der Volkswirtschaftslehre, wie er sich in den letzten Jahrzehnten durchgesetzt hat. Weitere bibliographische Nachforschungen im wirtschaftswissenschaftlichen Rechercheportal EconBiz (www.econbiz.de ) ergeben, dass der Anteil der Publikationen, die mit dem Suchwort „Festschrift“ dort zu finden sind, im Zeitablauf deutlich gesunken ist. Sind es unter den Publikationen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch 0,57 Prozent und in der zweiten Hälfte 0,41 Prozent, verzeichnen wir zwischen dem Zeitraum
Festschrift – Rainer Klump 5 2001 bis 2010 und dem Zeitraum 2021 bis September 2025 einen Rückgang von zunächst noch 0,26 Prozent auf jetzt noch 0,07 Prozent. 1 Über die erstmalige Verwendung des Begriffs „Festschrift“ schreiben Hannapel und Fries (2020) in einer soziologischen Untersuchung: „Die erste Festschrift (…) galt weder einer Person noch einer Institution, sondern einer technologischen Innovation: Dem Buchdruck. Sie wurde 1640 von Gregor Ritsch mit dem Titel `JUBILÆUM YPOGRAPHORUM LIPSIENSIUM: Oder Zweyhundert-Ja hriges Buchdrucker Jubel Feſt' herausgegeben.“ Festschriften feierten zunächst Errungenschaften und Institutionen. Mehrere Autor:innen stellen innerhalb der Universitäten einen Wandel von der Feier der akademischen Gemeinschaft hin zur Feier des individuellen Wirkens fest. Während einerseits Ende des 20. Jahrhunderts tradierte Vorstellungen herrschen, wie eine ideale Festschrift das persönliche Netzwerk des Jubilars 2 widerspiegelt, gilt das Publikationsformat gleichzeitig wohl schon damals als dysfunktional in der wissenschaftlichen Betriebsamkeit. Festschriftbeiträge erfahren von wenigen Ausnahmen abgesehen geringe wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Metaphern für Festschriften beschwören unter anderem Gärten, Unkraut, Einhörner und bibliographische Gespenster herauf (Dimbath, 2020). Vor diesem Hintergrund machen die Autor:innen des Sammelbands von Fries und Hannapel (2020) unterschiedliche, vermutlich mal mehr mal weniger ernstgemeinte, Vorschläge, die akademische Festschriftkultur weiterzuentwickeln: statt Festschriften lieber erfolgreiche DFG-Anträge schreiben (Albrecht, 2020) oder aber Entschleunigung ermöglichen und kritische Auseinandersetzungen mit dem Lebenswerk des Jubilars darbieten, auf die er dann reagieren darf (Fries und Hannapel, 2020) – womöglich als eine Art Disputation zum Übergang aus dem akademischen Leben vor der Pensionierung in den „Unruhestand“ (Reuter, 2020), der für Professor:innen charakteristisch scheint. 1 Eine gewisse Unschärfe der Zahlen liegt darin, dass insbesondere vor 1950 zahlreiche Festschriften für außerakademische Institutionen enthalten sind, Unternehmen, Banken, Verbände usw. Außerdem wurde nicht zwischen deutschen und englischen Beiträgen unterschieden. 2 Das Genus des Substativs „Jubilar“ passt sich an unseren Jubilaren an.
Festschrift – Rainer Klump 6 Die Feier des Buchdrucks im Jahr 1640 als Beginn und das Zeitalter der sogenannten Künstlichen Intelligenz als vermeintliches Ende der Festschriften – das spricht aus meiner Sicht für eine Wiederaneignung des Begriffs in unserer Würdigung. Die Beiträge, die wir Rainer Klump widmen, umfassen ein noch längeres Zeitalter, vom 16. Jahrhundert (Lars Pilz über Leonhard Fronsperger) bis in die nähere Zukunft, in der es die wirtschaftliche Verbreitung und Auswirkung von Servicerobotern zu untersuchen gilt (Anne Jurkat). Geschichtlich dazwischen liegen Manfred Plagens‘ wirtschaftsphilosophischer Essay über die Entdeckung der Röntgenstrahlen und Texte von Sebastian Krautheim, Martin Skala und Marianne Saam über makroökonomische Modelle des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Funktion, die Vita des Jubilars für die Öffentlichkeit zu dokumentieren, kommt Festschriften heute nicht mehr zu. Für Leser:innen, die Rainer Klump noch nicht kennen und bis hierher gelesen haben, ohne das Internet zu konsultieren, sei aber erwähnt: Geboren 1957, studierte Rainer Klump in Mainz und Paris und promovierte und habilitierte in Erlangen-Nürnberg. Bereits 1992 war er Professor in Würzburg, nach einer Station in Ulm nahm er im Jahr 2000 den Ruf an die Goethe-Universität in Frankfurt am Main an. Er forscht zu Wirtschaftsgeschichte, Dogmengeschichte (insbesondere Ordoliberalismus), Institutionen in der Wirtschaft, Geldtheorie, Wachstumstheorie (insbesondere Faktorsubstitution) und wirtschaftlicher Entwicklung (insbesondere in Vietnam). Er bekleidete herausgehobene Ämter an Universitäten, darunter das eines Vizepräsidenten der Goethe-Universität Frankfurt am Main und des Rektors der Universität Luxemburg. Seit 2024 ist er Executive Director des House of Finance an der Goethe-Universität. Unsere Schrift, die sich im weitesten Sinne mit Wachstum und wirtschaftlicher Entwicklung befasst, erhebt keinesfalls den Anspruch, Rainer Klumps Wirken in seiner ganzen Breite zu würdigen oder alle zu versammeln, die sich hierzu berufen fühlen könnten. Ich meine gleichwohl, dass sie in der Spannbreite der Beiträge, in den historischen, theoretischen, empirischen und persönlichen Gedankengängen etwas von dem vermittelt, was Rainer Klump uns mit auf den Weg gegeben hat: ein Forschen und Kommunizieren über disziplinäre und institutionelle Grenzen hinweg, Interesse und
Festschrift – Rainer Klump 7 Empathie für Andersdenkende, Netzwerken zwischen unterschiedlichsten Ideen, Personen und Institutionen, Freude an Traditionen ohne Muff, Humor und das Vergnügen des ungezwungenen Zusammenkommens. Allen Autor:innen herzlichen Dank für ihre Beiträge und Heike Henningsen für das Korrekturlesen und die Hilfe beim Editieren. Hamburg, im September 2025 Marianne Saam Literatur Albrecht, C. (2020). Über den Unsinn, Festschriftbeiträge zu verfassen, in: Hannappel/Fries (Hrsg.), 2020. Die Freunde der italienischen Oper. Eine kleine Soziologie der Festschrift. Wiesbaden. Springer VS, 221 – 240. Dimbarth, O. (2020). „Die Festschrift als wissenschaftliches Tributsystem. Überlegungen zur Soziologie der Festschrift aus der Perspektive einer Theorie der Gabe“, in: Hannappel/Fries (Hrsg.), a.a.O., 19 – 54. Hannappel, M., & Fries, F. (2020). „Die Freunde der italienischen Oper. Einleitende Gedanken über eine Soziologie der Festschrift“, in: Hannappel/Fries (Hrsg.), a.a.O., 1 – 18. Reuter, J. (2020). „Entlassungsurkunden, Festschriften, Emeritizimmer – Ein Streifzug durch die Welt der professoralen Ruheständler*innen.“, in: Hannappel/Fries (Hrsg.), a.a.O., 151 – 172.
Festschrift – Rainer Klump 8 Leonhard Fronsperger: Der Entdecker des Homo oeconomicus Lars Pilz, Goethe-Universität, Frankfurt am Main Der wilde Mann aus Ulm Fronsperger war kein Professor. Er war ein Mann der Armee und des Krieges. Er roch mehr nach Schießpulver als nach staubigen Büchern. Wenn er über Eigennutz sprach, dann tat er das nicht aus dem Elfenbeinturm heraus, sondern zwischen Feldlager und Burgschänke, ganz nahe am Objekt seiner beobachtenden Analyse. Und doch: In seinem Traktat nimmt er eine Perspektive ein, die man als prä-adam-smithisch bezeichnen könnte – ein Adjektiv, das vermutlich nur in wirtschaftshistorischen Stehkneipen verwendet wird, direkt neben dem Stammtisch der Merkantilismuskritiker. In seinem Werk verteidigt Fronsperger den Eigennutz gegen seine damaligen Gegner – also im Grunde gegen die gesamte Moraltheologie des ausgehenden Mittelalters, fast alle zeitgenössischen Philosophen und 100 Prozent aller religiösen Sittenregeln. Seine These: Wer aus Eigennutz handelt, handelt vernünftig. Und weil Vernunft gut ist, ist Eigennutz ebenfalls gut. Klingt logisch? Vielleicht. Klingt subversiv? Auf jeden Fall. Er schreibt sinngemäß: „Der Mensch isst nicht, weil er anderen eine Freude machen will, sondern weil sein Magen knurrt.“ Heute würde man sagen: Fronsperger hat die Vesper als Urtrieb wirtschaftlichen Handelns identifiziert. Die Begründung der Nationalökonomie, oder: Wie Fronsperger beinahe berühmt wurde Nun mag sich der moderne Ökonom fragen: Warum steht Fronsperger nicht in jedem VWL-Lehrbuch? Warum kennt jeder den Namen Hayek, aber kaum einer den von
Festschrift – Rainer Klump 15 Die Motivation des Verfassers besteht darin, im vorliegenden Essay Wirken und (gesellschaftliche sowie soziale) Auswirkungen der Entdeckung der „X-Strahlen“ durch Wilhelm Conrad Röntgen mit den vielfältigen Publikationen Rainer Klumps zu verknüpfen und zu einigen weitergehenden Gedanken und Impulsen zu verdichten. Ausgehend von der Entdeckung der Röntgenstrahlen unternimmt dieser Beitrag daher den Versuch, eine wirtschaftsphilosophische Reflexion über das Spannungsverhältnis von individueller Erkenntnis und gesellschaftlicher Ordnung aufzuzeigen. In Anlehnung an zentrale Themen der Arbeiten von Rainer Klump – etwa die Rolle von Wissen, Institutionen und Entwicklung – wird gezeigt, wie wissenschaftliche Innovation bestehende Ordnungen herausfordert und neu formt. 1. Einleitung: Die Entdeckung der „X-Strahlen“ als Spiegel ökonomischer Weltbilder Als Wilhelm Conrad Röntgen im November 1895 eine bis dahin unbekannte Form elektromagnetischer Strahlung entdeckte, war kurz vor der Jahrhundertwende vom 19. Jahrhundert ins 20. Jahrhundert nicht nur die medizinische Diagnostik auf dem Weg in ein neues Zeitalter. Viel grundlegender markierte die Entdeckung der „X-Strahlen“ einen tiefergehenden Wandel in der Art und Weise, wie der Mensch seinen Körper, sich selbst und seine Rolle als Teil der Gesellschaft – im wahrsten Sinne des Wortes – „sieht“, „durchdringt“ und „versteht“. Der erste Nobelpreis für Physik im Jahr 1901, verliehen an Röntgen, war in diesem Kontext ein „symbolischer Akt“. Er zeichnete nicht nur eine großartige und bahnbrechende wissenschaftliche Leistung aus, sondern institutionalisierte gleichzeitig eine neue Idee von Fortschritt: Erkenntnis ist spätestens ab diesem Zeitpunkt nicht mehr nur Selbstzweck, sondern ein öffentliches Gut mit weitreichenden ökonomischen und sozialen Implikationen und damit einem „moralischen Gehalt“. Auf eine wirtschaftsphilosophische Perspektive gehoben bedeutet dies: Technologie ist nie nur Mittel, sondern stets Ausdruck eines bestimmten Gesellschafts-, Weltund Menschenbildes.
Festschrift – Rainer Klump 16 2. Innovation, Ordnung und Nutzen Wissenschaftliche Innovationen wie die Röntgenstrahlung sind keine „reinen“ Entdeckungen. Sie verändern die gesellschaftliche Ordnung, weil sie neue Formen des Sehens, Verstehens und Bewertens ermöglichen. Was vorher im menschlichen Körper verborgen und quasi „unsichtbar“ war – wie der Knochenbruch oder die Veränderung von Organen durch Erkrankungen – wird sichtbar. Sichtbarkeit führt zum Handeln und erzeugt Handlung - und Handlung wiederum verändert Strukturen. In der ökonomischen Theorie erscheint Innovation oft „nur“ als Produktivitätsfaktor, als technischer Fortschritt, als Variable im entsprechenden – oft kleinteilig verbesserten, adaptierten und erweiterten – Wachstumsmodell. Doch diese Sicht erscheint unzureichend. Innovation ist nie nur eine Modellvariable oder Bestandteil einer Funktion – sie ist immer auch die Manifestation einer Idee. Sie setzt ein bestimmtes Verhältnis von (erkenntnisgeleitendem) Mensch, Natur und Gesellschaft voraus und schafft damit – im wörtlichen Sinne – neue Ordnungen des Wissens, des Handelns und des Wertes. In meinem Verständnis, in meiner Lesart hat Rainer Klump in seinen Arbeiten wiederholt betont, dass Innovation und ökonomische Entwicklung nicht nur rein mechanisch aus der Akkumulation von Kapital oder Wissen allein entsteht, sondern aus der vielfältigen Verflechtung und Interaktion mit institutionellen, sozialen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Innovation entfaltet demgemäß seine Wirkung erst dort, wo Gesellschaften bereit sind, ihre Ordnung sowie starre Muster und eingeübtes Vorgehen zu hinterfragen und zu durchbrechen, letztlich: zu lernen und sich selbst neu zu denken. Die Röntgenstrahlen sind ein solcher Moment: Sie zeigen, was vorher unsichtbar war – und fordern damit eine neue Ethik des Wissens und Handelns. 3. Die Röntgenstrahlung als Metapher Die Röntgenstrahlung symbolisiert einen tiefgreifenden Wandel. Im Brennpunkt der Wende vom 19. Jahrhundert ins 20. Jahrhundert, am Kumulationspunkt von ökonomischer, politischer und sozialer „Zeitenwende“, tritt ein „neuer Mensch“ auf die Weltbühne: sichtbar, durchleuchtbar, optimierbar. Der menschliche Körper – zuvor von
Festschrift – Rainer Klump 17 außen unzugänglich – kann von nun an sehr detailreich vermessen, klassifiziert und analysiert werden. Diese Transparenz hat heterogene Folgen: Sie erzeugt neue Möglichkeiten, fordert aber auch gleichzeitig Verantwortung ein. Und sie ermöglicht im Extrem auch neue Formen der Kontrolle, sogar die totale Kontrolle des Individuums durch einen „Big Brother“, wie George Orwell es in seinem Roman „1984“ literarisch zuspitzt. Auch aus wirtschaftsphilosophischer Perspektive ist dies kein harmloser Prozess: Die Sichtbarmachung des Körpers durch (medizinische) Technik ist gleichzeitig auch – und zwar noch viel präsenter, viel deutlicher – die allgemeine Sichtbarmachung des „ökonomischen Menschen“ (oder überspitzt formuliert: des „ökonomisch verwertbaren Menschen“) als Ressource, als Produktionsfaktor, als Kostenstelle. Die Grenze zwischen Heilung und Verwertung wird fließend. Der Mensch wird – im Sinne Michel Foucaults – zu einem „Körper in der Ordnung des Wissens“. Auch hier hat Klump in seinen Schriften herausgestellt, dass wirtschaftliche Entwicklung nicht rein technokratisch zu denken ist, sondern als gesellschaftlich breit verankerter, akzeptierter und sozial eingebetteter Aushandlungsprozess zwischen Effizienz, Gerechtigkeit und Institutionen. Die Röntgentechnik als Musterbeispiel für eine Innovation forderte und fordert daher auch wirtschaftspolitisch eine Reflexion: Welche Formen von Wissen fördern (nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische, soziale, gesellschaftliche und sogar spirituelle) Autonomie? Welche dienen der Kontrolle? Und wie lässt sich in diesem Setting eine Wirtschaftspolitik gestalten, die wissenschaftlichen Fortschritt nicht nur nutzt, sondern auch kritisch-fördernd begleitet? 4. Der Nobelpreis als Institution gesellschaftlicher Wertsetzung Der Nobelpreis an den Würzburger Universitätsprofessor und Forscher Wilhelm Conrad Röntgen war ein doppelter „Gründungsakt“ – nicht nur für die Nobel-Institution (die im Jahr 1901 erstmalig die Nobelpreise in Stockholm auf Vorschlag der „KöniglichSchwedischen Akademie der Wissenschaften [Kungliga Vetenskapsakademien]“ verlieh), sondern für eine neue, sichtbare und weltweit publizierte Form der öffentlichen Legitimation von Wissenschaft. Der vom schwedischen Chemiker und Erfinder Alfred Nobel gestiftete Preis verkörperte ein ökonomisches, aber auch gesellschaftliches
Festschrift – Rainer Klump 18 Versprechen: dass Wissenschaft in den Diensten der Menschheit steht und immer stehen sollte, dass Erkenntnis Wohlstand schafft. Doch dieser Glaube ist nicht neutral. Er gründet auf einem bestimmten Verständnis von Nutzen, Fortschritt und gesellschaftlichem Ziel. Gesellschaftliche, politische, soziale und ökonomische Institutionen sind nicht nur reine „Rahmenbedingungen“ und „Leitplanken“, sondern Ausdruck kollektiver Werte. Übertragen auf den Nobelpreis bedeutet dies: Der Nobelpreis ist in dieser Perspektive nicht nur eine höchst renommierte Auszeichnung, sondern gleichsam performativer Akt: Er schafft Bedeutung, schafft Ordnung und schafft letztlich Orientierung. Wirtschaftsphilosophisch betrachtet ist jede Form der Auszeichnung – sei es der Nobelpreis in der wissenschaftlichen „Champions League“ oder das einzelne Patent – ein Akt der Wertsetzung. Er entscheidet, was als nützlich, als fortschrittlich, als wachstumsfördernd gilt. Doch wer definiert diesen Nutzen? Wer bleibt hierbei außen vor? Diese Fragen sind zentral für eine kritische Wirtschaftspolitik, die sich ihrer normativen Grundlagen bewusst ist! 5. Wissen als Kapital: Eine wissensökonomische Erweiterung Ein weiterer Gedanke: Spätestens mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen begann ein Zeitalter, in dem Wissen in seinen vielgestaltigen Formen und Ausprägungen zunehmend zum entscheidenden Produktionsfaktor wurde. Die Röntgentechnik zeigt unter einem Brennglas, wie sich immaterielles Wissen – eine physikalische Entdeckung – in materielle Anwendungen, in technologische Infrastruktur und schließlich in wirtschaftliche Prozesse übersetzen lässt. In der Beschäftigung mit der Wissensökonomie – ebenfalls einer der zentralen Perspektiven der Arbeiten von Rainer Klump – ist Wissen nicht nur Input, sondern selbst Ergebnis institutioneller Ordnungen. Es ist zugleich öffentliches Gut und ökonomisches Kapital. Der Zugang zu Wissen, seine Vermittlung, seine Nutzung – all das entscheidet weltweit umfassend über Entwicklungsdynamiken.
Festschrift – Rainer Klump 19 Die Röntgentechnik lässt sich daher auch als historisches Beispiel für eine „unsichtbare Infrastruktur“ des Wissens lesen. Sie zeigt einerseits: Wissen muss organisiert, vermittelt, vernetzt werden, damit es produktiv wird. Aber auch: Ohne funktionierende Institutionen – wie Universitäten oder Krankenhäuser oder soziale Einrichtungen – bleibt es wirkungslos. Das hat direkte Implikationen für Wirtschaftspolitik: Substantielle Investitionen in Bildung, in Wissen und in die Wissensinfrastruktur sind unverzichtbar und entscheidend für nachhaltiges Wachstum. Auch hier finden sich in den Veröffentlichungen Klumps zahlreiche Beispiele für die Verknüpfung wachstumsund entwicklungstheoretischer Überlegungen mit der konkreten entwicklungspolitischen Praxis. Er erforschte hierbei die institutionellen Bedingungen nachhaltiger Entwicklungsprozesse – etwa im Kontext von Bildung, Rechtsstaatlichkeit und internationalem Wissenstransfer. 6. Wirtschaftsethik im Zeitalter technologischer Sichtbarkeit Die Fragen, die mit der Nutzung der Röntgentechnik einhergehen, verweisen auf ein zentrales Spannungsfeld der Wirtschaftsethik: dem Pendeln zwischen Nutzenmaximierung und dem Schutz der individuellen Integrität. Nochmals: Die „Sichtbarmachung“ des Inneren des Menschen wirft Fragen auf – nach Datenschutz, nach medizinischer Autonomie, nach den Grenzen des medizinisch und technisch Machbaren. Wirtschaftliches Handeln ist damit stets auch moralisches Handeln – eingebettet in kulturelle, soziale und normative Kontexte. Eine ethische Reflexion technologischer Innovationen muss daher immer dringend folgende drängende Fragen stellen (und beantworten): Wem nützt diese Technik? Wer trägt die Risiken? Welche langfristigen gesellschaftlichen Effekte sind zu erwarten? Im Fall der Röntgentechnik zeigen sich diese Fragen früh: Die Belastung durch Strahlung, die unbeabsichtigten Langzeitwirkungen, die asymmetrische Verfügbarkeit der aus der Entdeckung abgeleiteten Produkte – all das verweist auf die Notwendigkeit ethischer Technikgestaltung. Wirtschaftspolitik darf sich nicht auf Effizienz beschränken. Sie muss auch Verantwortung organisieren!
Festschrift – Rainer Klump 20 7. Innovation, Entwicklung und das Spannungsfeld globaler Ungleichheit Die Röntgenstrahlung war – wie viele wissenschaftliche Entdeckungen – zunächst ein Phänomen der Bevölkerungszentren und Wissenszentren: europäisch, akademisch, staatlich gefördert. Ihre globale Verbreitung verlief asymmetrisch, abhängig von Kapital, Infrastruktur und Bildung. Dies verweist auf ein zentrales Paradox der globalen Wissensökonomie: Innovation erzeugt zwar Möglichkeiten, aber nicht automatisch Teilhabe. Die Beschäftigung mit Entwicklungspolitik, wie sie auch in Rainer Klumps entwicklungspolitischen Arbeiten erfolgt, zeigt, dass technologische Adaption kein automatisch ablaufender, kein linearer Prozess ist. Sie ist gebunden an Institutionen, Vertrauen und soziales Kapital. Die ökonomische Wirkung einer Innovation hängt nicht allein von ihrer technischen Qualität ab, sondern von ihrer Einbettung in ein, wie ich es formulieren möchte, „System gemeinsamer Bedeutungen“. In dieser Perspektive ist die Röntgenstrahlung – in starker Zuspitzung – ein Prüfstein für globale Gerechtigkeit: Wer hat Zugang zu diagnostischer Technologie? Wer profitiert von Wissen? Und wie lassen sich institutionelle Arrangements schaffen, die Wissen als globales Gemeingut organisieren? 8. Unsichtbares sichtbar machen – und denken Die Entdeckung der Röntgenstrahlen ist zunächst ein „medizinisches Weltereignis“, gleichzeitig aber auch ein ökonomisches Ereignis – nicht nur weil sie sofort Märkte schuf, sondern weil sie unser Denken über Ordnung, Wissen und Fortschritt fundamental veränderte. Oder um es plastischer und eingängig zu formulieren: Entwicklung beginnt im Kopf – und in der Bereitschaft, alte Ordnungen zu „durchleuchten“. Der Mensch, der durch die Röntgenstrahlen sichtbar wird, ist nicht nur mehr der behandelte Patient, sondern auch ein Subjekt ökonomischer Ordnungen. Wie wir ihn sehen – als Körper, als Ressource, als Träger von Würde – bestimmt, wie wir wirtschaften, forschen und politisch handeln. In diesem Sinne ist die Entdeckung Röntgens nicht nur ein Moment der Wissenschaftsgeschichte, sondern ein Impuls zur fortwährenden Reflexion: über das
Festschrift – Rainer Klump 21 Verhältnis von Technik und Ethik, von Wissen und Macht, von Fortschritt und Verantwortung. 9. Wissenschaftspolitische Leitbilder: Zwischen Autonomie und Steuerung Ein Aspekt, der in der Rezeption wissenschaftlicher Entdeckungen wie der Röntgenstrahlen oft zu kurz kommt, ist die Frage nach den politischen und institutionellen Leitbildern, unter denen Forschung gefördert und kanalisiert wird. In Schriften Rainer Klumps, etwa zur institutionellen Ökonomik und zur Entwicklungspolitik, tritt deutlich zutage, dass Wissenschaft nicht im Vakuum operiert, sondern stets im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Autonomie, politischer Steuerung und ökonomischer Verwertbarkeit steht. 10. Schlussfolgerung: Röntgenstrahlen als Denkbild verantwortungsvoller Wissenschaft Die Röntgentechnik kann daher auch als Beispiel für einen gelingenden Transfer zwischen Grundlagenforschung und gesellschaftlichem Nutzen gelesen werden – ein Thema, das der Jubilar besonders mit Blick auf entwicklungspolitische Kontexte in Afrika und Asien immer wieder betonte. Die Herausforderung besteht vornehmlich darin, institutionelle Arrangements zu schaffen, die sowohl die kreative Freiheit als auch die gesellschaftliche Verantwortung von Forschung absichern. Gerade in Zeiten wachsender globaler Unsicherheiten und multipler Krisen – seien es Pandemie, Klimawandel oder geopolitische Instabilität – gewinnen diese Fragen an Brisanz. Wissenschaftliche Erkenntnis muss in robuste, lernfähige Institutionen eingebettet sein, um nachhaltig wirksam zu werden. Schlussbemerkung Ein letzter, abschließender Blick gilt dem wissenschaftsphilosophischen Menschenbild, das in meinem Verständnis aus den Arbeiten Rainer Klumps herauslesbar ist – ein Bild, das implizit auch dieser Text zur Röntgenstrahlung vermitteln möchte: Er sah und sieht Wissenschaft nie als rein „technische Optimierung“, sondern stets als kulturell und normativ geprägte Praxis, die Sinn stiftet, Ordnung erzeugt und Verantwortung verlangt.
Festschrift – Rainer Klump 22 Durch sein Werk zieht sich wie ein roter Faden die Idee, dass Entwicklung ohne Ethik, Innovation ohne Verantwortung und Fortschritt ohne Teilhabe nicht tragfähig sind. So kann auch diese Reflexion über die Entdeckung der Röntgenstrahlen natürlich als ein Echo auf Rainer Klumps umfassenden Wissenschaftsbegriff gelesen werden. Sie versucht, jenen "unsichtbaren Strahlen" nachzuspüren, die wissenschaftliche Erkenntnis mit gesellschaftlicher Ordnung verbinden. Denn sichtbar wird nicht nur der gebrochene Knochen mit den „X-Strahlen“, sondern auch das Spannungsverhältnis von Technik und Ethik, von Erkenntnis und Macht, von Institution und Autonomie. Rainer Klumps wissenschaftliches Werk bleibt in dieser Hinsicht ein beständiger Begleiter und Impulsgeber für ein Denken, das Verbindungen schafft, statt sie zu kappen – und das stets daran erinnert: Erkenntnis verlangt Verantwortung! Literatur Klump, R. (1996). Die „neue Art von Strahlen“ und die „langen Wellen der wirtschaftlichen Entwicklung“: Röntgens Entdeckung aus ökologischer Sicht, 16, 1996, 193 – 207 Klump, R. & Plagens, M. (2000). Ist das Gesundheitswesen in Deutschland ein „Nachfragemonitor“ für Fortschritte in der Medizintechnik? – Eine Analyse der Beziehungen zwischen Gesundheitssystem und medizinisch-technischen Innovationen am Beispiel bildgebender Verfahren, ORDO – Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft, 51, 355 – 382
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Festschrift – Rainer Klump 24 Wachstum durch Gelddruck? Über die Katze, die gleichzeitig lebt und tot ist – Eine Synthese Martin Skala, Hochschule Osnabrück Die Frage, ob durch Gelddruck Wirtschaftswachstum angetrieben werden kann, steht seit geraumer Zeit hoch auf der ökonomischen Agenda. Die Profession befindet sich bei diesem Thema in einem quantenmechanischen Doppelzustand von ja und nein. Höchste Zeit, die losen Fäden in einer Synthese zu verknüpfen. 1. Einleitung Eine der verblüffendsten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse des vergangenen Jahrhunderts ist, dass sich subatomare Teilchen in einem Überlagerungszustand befinden können und sich so z. B. gleichzeitig innerhalb und außerhalb des Atomkerns befinden können. Eine mögliche Folge für die Katze im berühmten Paradoxon des österreichischen Physikers Erwin Schrödinger wäre, da sie über eine „Höllenmaschine“ mit dem Atom verbunden ist, dass sie gleichzeitig lebt und tot ist. Wie subatomare Teilchen ist auch die Wirkung des Gelddrucks von einer Wahrscheinlichkeitsfunktion umgeben. Ob die Realwirtschaft beeinflusst werden kann? Für Außenstehende ist es vermutlich eine Überraschung, zu erfahren, dass in vielen Teilen der Volkswirtschaftslehre Geld kaum eine Rolle spielt (z. B. Weil, 2013). 3 So herrscht eine Dichotomie zwischen monetärer und realer Welt, d.h. von der monetären Welt gibt es keine bzw. keine bleibenden Auswirkungen auf reale Größen. In diesem Fall spricht man von der Neutralität des Geldes. Das Gegenteil wäre die Nicht-Neutralität des Geldes, dabei würde Geld einen bleibenden Einfluss auf die reale Welt ausüben können (Binswanger, 2015). In der Öffentlichkeit, insbesondere in den letzten fünfzehn Jahren 3 Selbstverständlich gibt es auch monetäre Wachstumsmodelle, z.B. Klump (2005).
Festschrift – Rainer Klump 31 diesem Fall auch langfristig nicht-neutral und der Gelddruck hätte einen bleibenden positiven Durchschlag in die Realwirtschaft. Doch eine Frage bleibt noch: Gibt es auch Arbeitsmarkteffekte? Zwei Szenarien sind vorstellbar. Es könnte sein, dass der Substitutionseffekt überwiegt, d.h. durch den Kapitaloder Produktivitätsanstieg gehen netto Arbeitsplätze verloren: Arbeit wird durch Kapital (oder Produktivität) ersetzt. Dieser Effekt firmiert auch unter dem Begriff „jobless growth“, die Wirtschaft wächst zwar, aber es gibt keine bzw. nur negative Arbeitsmarkteffekte. Damit sich die wirtschaftsund sozialpolitischen Hoffnungen in den Gelddruck erfüllen, muss der Kapitaloder Produktivitätsanstieg in einer unter dem Strich komplementären Beziehung zum Arbeitsmarkt stehen: Es müssen durch Produktionsausdehnung mehr Arbeitsplätze entstehen, als durch Substitutionseffekte wieder vernichtet werden. Der in der Öffentlichkeit gewünschte langfristige Durchschlag des Gelddrucks in die Realwirtschaft inklusive Abbaus der Arbeitslosigkeit ist erreicht – nach vielen Abzweigungen, die alle zu einem anderen Ergebnis führen. 4. Bedeutung für die aktuelle Politik Geld hat zwei sich überlagernde Eigenschaften: Es lebt und ist tot für den Antrieb von realem Wachstum. Die geneigte Politik sollte vorsichtig mit dieser Wahrscheinlichkeitswolke umgehen. Der Möglichkeitsraum von Gelddruck erstreckt sich von katastrophalen Blasen und Krisen bis hin zu realem Wirtschaftswachstum mit positiven Beschäftigungseffekten. Und wie in einem instabilen Atomkern ein Teilchen keinen fest bestimmbaren Ort hat, sondern durch eine auch außerhalb des Atomkerns weitergehende Wellenfunktion beschrieben wird, wodurch ein Quantentunneln des Teilchens nach außen möglich wird, kann sich gut gemeintes neues Geld urplötzlich auf der anderen, toten Seite befinden. Natürlich trägt die Parabel nicht bis zum Ende. Die reale physische Welt ist kein vollständig zufälliger Quanten-Prozess wie der radioaktive Zerfall. Es bleibt jedoch eine Unsicherheitswolke, die nicht leichtfertig übersehen werden sollte. Der Ergebnisbaum liefert Orientierung bei der Frage, ob durch Gelddruck Wachstum angetrieben werden kann. Die Vielzahl an und Art von Bedingungen, die für die Zielerreichung gegeben sein
Festschrift – Rainer Klump 32 müssen, legen nahe, dass im Regelfall nicht mit einem realen, langanhaltenden Durchschlag expansiver Geldpolitik gerechnet werden sollte. Auf einer übergeordneten Ebene basiert die Enttäuschung der Hoffnungen, die mit von der Zentralbank „verordneter“ (ultra-)lockerer Geldpolitik verbunden werden, letztlich auf der Fehleinschätzung, dass die Geldmenge von außen gesetzt werden kann und sich dadurch reale Zielwerte ansteuern ließen. Nach dieser weiterhin in Lehrbüchern (ISLMModell) 8 und Öffentlichkeit prominenten Vorstellung gibt die Zentralbank der Wirtschaft eine Geldmenge exogen vor. Wie durch Zauberhand entsteht so vermeintlich durch Gelddruck Wachstum und Entwicklung. Es sollte stutzig machen, dass sich diese Vorstellung weder in der Praxis in so diversen Ländern wie Japan und Simbabwe, noch in der entwicklungsökonomischen Theorie wiederfinden lässt. Wenn es so einfach wäre, dürfte es keine Entwicklungsländer mehr geben und Japan müsste sich seit der Krise der 1990er Jahre schon auf einem viel höheren Wohlstandsniveau befinden. An mangelndem Gelddruck kann es nicht liegen. Offensichtlich ist an dieser Ideologie monetär induzierten top-down Wachstums etwas nicht richtig. Der Gegenentwurf ist bottom-up. Geldexpansion kann nur reales Wachstum antreiben, wenn sie von unten, d.h. von Investoren angefragt wird, die Ideen für Produktivitätsoder Kapitalstockerhöhungen haben und diese umsetzen möchten. Dies fällt in den Bereich der Endogenität des Geldes (Gebauer, 2004). Danach entsteht Geld endogen in der Wirtschaft, im Binnenverhältnis zwischen Geschäftsbanken und Nicht-Banken. Die Zentralbank tritt nur zur Refinanzierung einer schon stattgefundenen monetären Expansion auf den Plan. In dem ehemalig wichtigsten geldpolitischen Instrument ist dieses Wissen noch ablesbar: Der Leitzins heißt auch Refinanzierungszins und der ehemalige Hauptkanal des Geldmengenwachstums heißt weiterhin MRO (main refinancing operations). 9 Welche Lehren gibt es für den Euroraum? Zuvörderst sollten, so nicht schon geschehen, die Erwartungen an Wachstumsantrieb durch Gelddruck nach unten korrigiert werden. 8 Für eine interaktive Analyse des IS-LM-Modells siehe Skala (2023) 9 Zu den Zielen und Instrumenten der Geldpolitik siehe Klump (2020).
Festschrift – Rainer Klump 33 Denn erstens ist mit langfristigen realen Effekten nur zu rechnen, falls das Umfeld durch positive Erwartungen, Abwesenheit von strukturellen Problemen, investive Verwendung, langfristige Nicht-Neutralität und komplementäre Beziehung zwischen Kapitaloder Produktivitätsanstieg und Arbeitsmarkt gekennzeichnet ist. Zweitens kann die top-down Geldexpansion höchstens Zeit erkaufen – und die wurde in den letzten fünfzehn Jahren nicht genutzt. Es ist höchste Zeit, statt falsche Hoffnungen in die Allmacht des Geldes zu setzen, sich mit den realökonomischen Gründen für die Misere zu beschäftigen sowie sich die Endogenität des Geldes und die zentrale Bedeutung der bottom-up Geldexpansion für reales langfristiges Wachstum in Erinnerung zu rufen. Geht die monetäre Hybris weiter, werden die EZB und andere Entscheidungsgremien das Heiligtum der Europäischen Einigung Schritt für Schritt weiter in ein Pantheon für Zombies verwandeln. Erwin Schrödinger war entgegen weit verbreiteter Meinung von Nicht-Physikern nicht der Ansicht, dass sich die Katze im berühmten Paradoxon des österreichischen Physikers in einem quantenmechanischen Überlagerungszustand befinde, d.h. gleichzeitig leben und tot sein könne. Dies war als gewitzte Kritik an seinen Kollegen in Kopenhagen zu verstehen. Tatsächlich lassen sich für ihn die Überlagerungen im subatomaren Raum nicht auf die makroskopische Welt übertragen, d.h. die Katze ist entweder lebendig oder tot. Vielleicht sollte man einmal den Kasten aufmachen und nachsehen, was aus dem Doppelzustand des Gelddrucks in den letzten beiden Jahrzehnten geworden ist. Literatur Binswanger, M. (2015). Geld aus dem Nichts – Wie Banken Wachstum ermöglichen und Krisen verursachen, Wiley-VCH Verlag. Bofinger, P. (2015). Grundzüge der Volkswirtschaftslehre – Eine Einführung in die Wissenschaft von Märkten, 4. Auflage, Pearson. Gebauer, W. (2004). Geld und Währung, 2. Auflage, Bankakademie Verlag. Klump, R. (2005). Inflation, Factor Substitution and Growth, Credit and Capital Markets – Kredit und Kapital, 3, 325 – 349. Klump, R. (2020). Wirtschaftspolitik – Instrumente, Ziele, Institutionen, 4., aktualisierte Auflage, Pearson.
Festschrift – Rainer Klump 34 Mayer, T. (2022). Das Inflationsgespenst – Eine Weltgeschichte von Geld und Wert, Ecowin Verlag. North, D. (1992). Institutionen, institutioneller Wandel und Wirtschaftsleistung, Mohr Siebeck. Skala, M. (2023). Modellklassiker der VWL – Programme für die mathematische und grafische Analyse. https://www.zemit.wi.hs-osnabrueck.de/econmodels/ Tainter, J. (2017). The Collapse of Complex Societies, 29. Druck, Cambridge University Press. Weil, D. (2013). Economic Growth, 3. Auflage, Pearson.
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Festschrift – Rainer Klump 37 Die Substitutionselastizität: Konstante meiner Forschung bis heute Marianne Saam, ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft und Universität Hamburg Von der evolutorischen Wachstumstheorie zur Substitutionselastizität Mein Diplom in Volkswirtschaftslehre schloss ich an der Goethe-Universität Frankfurt im Jahr 2000 ab, zeitgleich trat Rainer Klump seine Professur dort an. Alexander Ebner, der wissenschaftliche Mitarbeiter von Bertram Schefold, der meine Diplomarbeit betreut hatte, hatte den Kontakt empfohlen. In der Diplomarbeit hatte ich die endogene mit der evolutorischen Wachstumstheorie verglichen, eine recht altmodische Arbeit (ob nun im guten oder weniger guten Sinne), in der ich viel geschrieben und wenig gerechnet hatte. In der ersten Annäherung erschien die evolutorische Theorie so viel offener und komplexer, so viel näher am Innovationsgeschehen. Jedoch führt für mich bis heute kein Weg umhin, Wirtschaftswachstum quantitativ (statt qualitativ) zu erfassen und zu modellieren. Ankerpunkte quantitativer Modelle in der Volkswirtschaftslehre sind invariante Parameter. Sie können theoretisch und anekdotisch begründet, empirisch untermauert sein – letztendlich bleiben sie an irgendeinem Punkt Annahmen. Hierin schien sich die evolutorische Theorie nicht von der endogenen Theorie neoklassischer Prägung zu unterscheiden, nur dass ihre Parameter mir mathematisch versteckter und auch in der Fachgemeinschaft unbekannter schienen. Habe ich mich einfach für den Mainstream entschieden, als ich nach 2000 nicht weiter zur evolutorischen Wachstumstheorie gearbeitet habe, aber viel zur Substitutionselastizität, einem Schlüsselparameter der Wachstumstheorie in der Tradition von Robert Solows neoklassischem Modell? Von Rainer Klump habe ich gelernt, formal-mathematische Theorien als Sprachen aufzufassen. Etwas, was in einer
Festschrift – Rainer Klump 38 Sprache verständlich ist, kann auch in einer anderen Sprache verständlich sein. Ein stringentes wissenschaftstheoretisches Argument soll diese Überlegung nicht darstellen, eher mein Alltagsverständnis als Forscherin vom Umgang mit Modellen. Über den neoklassischen Ansatz schienen mir damals mehr Detailaspekte des Wachstums und eine klarere Quantifizierung zugänglich. Bis heute bedeutet das für mich nicht, Kritikpunkte evolutorischer und anderer Ansätze von der Hand zu weisen. Elastizität – kein ganz triviales Konzept Die Substitutionselastizität gibt an, wie leicht oder schwer sich zwei Inputs ersetzen lassen in der Produktion. Sie setzt die Änderungen ihres Einsatzes zu den Änderungen ihrer Grenzproduktivität ins Verhältnis. Beispielsweise kann ich in der Herstellung von Cappuccino Kuhmilch durch Hafermilch ersetzen. Das Produkt ist immer noch ein genießbarer Cappuccino, wenn auch vielleicht nicht für alle Konsument:innen gleichermaßen. In der Herstellung eines Fahrrads kann ich hingegen den Rahmen nicht durch mehr Reifen ersetzen, drei Reifen ohne Rahmen helfen mir nichts. Wenn in der gesamten Wirtschaft fossile Energieträger durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden sollen, dann bieten sich zunächst Prozesse an, bei denen das recht einfach möglich ist, z.B. die Erzeugung von Strom. Sollen allerdings nach und nach alle fossilen Energieträger ersetzt werden, stößt man auf industrielle Anwendungen, die nicht ohne Weiteres mit erneuerbaren Energieträgern funktionieren. Die Substitutionselastizität als Parameter einer stark nichtlinearen mathematischen Funktion entspricht nicht immer dem Maß, mit dem solche Sachverhalte in der öffentlichen Debatte oder in der empirischen Forschung ausgedrückt werden. Wenn ich zum Beispiel annehme, eine Stunde Computer ersetze zehn Stunden menschliche Arbeit in der Herstellung eines Produkts, klingt das recht intuitiv. Es sagt aber noch nichts darüber aus, ob das immer gilt, auch dann, wenn der wirtschaftliche Prozess schon viele Arbeitsstunden ersetzt hat und nur noch die verbleiben, deren Tätigkeit sich als schwer automatisierbar erweist. Erst die Substitutionselastizität sagt aus, wie elastisch diese Austauschbarkeit ist. Gilt die Austauschbarkeit nur für die Low Hanging Fruits oder bleibt sie bestehen, wenn für eine gegebene Menge Output die Menge des einen Inputs schon
Festschrift – Rainer Klump 39 recht groß und die des anderen schon recht gering geworden ist? Die Substitutionselastizität ist der Parameter, der das bemisst. Ein konstant mögliches Faktorersatzverhältnis (also z.B. ein Stunde Computer für 10 Stunden menschliche Arbeit) bei der Erzeugung eines gegebenen Outputs entspricht einer unendlichen Substitutionselastizität. Rainer Klump hat mit Olivier de La Grandville (2000) nachgewiesen, dass in einem einfachen neoklassischen Wachstumsmodell eine höhere Substitutionselastizität zu höherer Arbeitsproduktivität und in der Folge auch zu dauerhaft höherem Wirtschaftswachstum führt. Sie haben weiterhin den Zusammenhang mit der Einkommensverteilung zwischen Kapital und Arbeit nachgewiesen. Als zentral erweist sich die Methode der Normalisierung, ohne die die Ergebnisse in willkürlicher Weise von den Maßeinheiten der Variablen abhängen würden. Von der Substitutionselastizität zur Empirie der Digitalisierung und zu Open Science Nach meiner Dissertation zog es mich in meiner Tätigkeit am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) thematisch erstmal weg von der Substitutionselastizität. Ich forschte als Postdoc zunächst stärker empirisch zum Zusammenhang zwischen Digitalisierung, immateriellen Investitionen und Arbeitsproduktivität. Für diese Arbeiten waren und bleiben Varianten einer simplen Cobb-Douglas-Funktion mit einer Substitutionselastizität von 1 immer noch ein pragmatisch verwendbares Workhorse. Gleichzeitig blieb die Forschung zu Faktorsubstitution der Weg, über den ich überhaupt zur Digitalisierungsforschung gekommen bin, und ich vermisste sie auch relativ bald wieder. Nicht-lineare CES-Funktionen lassen sich mit numerischen Methoden oft nicht sehr robust schätzen. Die lineare Translogfunktion ist trotz ungünstigerer theoretischer Eigenschaften empirisch oft eine gute Annährung. In der Beschäftigung mit dieser Problematik vertiefte sich mein Interesse an metawissenschaftlichen Fragen der Robustheit von Forschung, die ich viele Jahre später in Projekten zu Replikation und Open Science an der ZBW vertiefen konnte.
Festschrift – Rainer Klump 40 Zurück zu alten Fragen Ein paar Fragen und Gedanken über die Substitutionselastizität begleiten mich seit Beginn meiner Promotion, also seit fast 25 Jahren. Oft waren sie Nebenprodukte des Forschungspapiers, an dem ich eigentlich gerade saß, oder Einfälle aus der Lektüre anderer Arbeiten, die ich lange nicht weiterverfolgte. Es gehört immer auch zum Forschungsprozess, Fragen zu verwerfen. Manche lassen sich vielleicht grundsätzlich nicht beantworten, andere sind vielleicht am Ende zu technisch, zu nebensächlich. Ich bin zuversichtlich, dass aus mindestens einer noch ein Papier wird in den nächsten Jahren. Die Festschrift soll an dieser Stelle nicht als Verwahrschublade dienen, sondern als Gelegenheit, über noch Unfertiges, Unerforschtes in einer informelleren und persönlicheren Weise zu sprechen, als ein Drittmittelantrag o.ä. erlaubt. Rainer und ich haben dargelegt (Klump und Saam, 2008), dass die empirische Wahl eines Normalisierungspunktes, entweder nah an empirischen Werten oder nah am Ursprung des Koordinatensystems, einen großen Unterschied macht. Meiner Wahrnehmung nach wird eine Wahl nah an empirischen Werten häufig intuitiv für realistischer gehalten, ohne sich klarzumachen, dass die Höhe der Substitutionselastizität im Punkt der Normalisierung per Definition gar keinen Einfluss und in seiner Nähe nur einen geringen Einfluss auf Produktivität und Einkommensverteilung hat. In ökonometrischen Schätzungen der Substitutionselastizität ist oft kein Normalisierungspunkt angegeben und wenn doch, ist nicht automatisch klar, welche Wirkung seine Wahl hat. Ohne explizite Normalisierung liegt die implizite Normalisierung in den Inputund Outputwerten von 1. Statistische Signifikanz wird in ökonometrischen Schätzungen immer untersucht. Das heißt, man testet, ob die geschätzte Elastizität in Wirklich verschieden von 0 oder von 1 ist oder ob die Abweichungen wahrscheinlich nur durch zufällige Einflüsse in der Datenstichprobe zustande gekommen sind. Ökonomische Signifikanz zu berichten bleibt hingegen eine seltene Praxis, insbesondere bei einem wenig intuitiven Parameter wie der Substitutionselastizität. Allerdings dürfte auch bereits die statistische Signifikanz von der Normalisierung abhängen. Bei nichtlinearer
Festschrift – Rainer Klump 47 and care at home. Each subgroup is broken down further into application classes on the two-digit level. The class ‘other consumer robots’ encompasses those applications which have not been accounted for, yet. See table 1 for an overview. Table 1: Classification of service robots for consumer use (IFR 2025) Service robots for professional use comprise 7 application groups plus one category for other professional robots (see table 2). Each application group is further broken down on the two-digit level. The application groups range from agriculture, transportation and logistics, construction and demolition, inspection, security, firefighting and disaster relief to hospitality. All robots which cannot be assigned to one of the regular application classes are allocated to ‘other professional service robots’. The range of different applications gives rise to different robot designs to meet the needs of the specific use cases. Robots used in agriculture for milking need to perform different tasks than those used for transportation in warehouses or firefighting. Thus, the physical appearance of service robots varies substantially across application classes. This contrasts sharply with industrial robots where the IFR identifies 5 different types of robots (articulated, cartesian, SCARA, delta, and cylindrical). Application Description AC Consumer robots Robots intended for use by everyone. No professional training required. AC1 Robots for domestic tasks Robots for housekeeping and similar tasks around the house AC11 Domestic floor cleaning (indoor) Wet and dry cleaning of floors, e.g. vacuuming and wiping of floors AC12 Domestic window cleaning Cleaning of windows AC13 Gardening Gardening tasks, e.g. lawn mowing AC14 Domestic cleaning (outdoor) Outdoor cleaning tasks around the home, e.g. pool cleaning, yard cleaning AC19 Other domestic tasks Domestic tasks other than AC11 to AC14 AC2 Social interaction, education Robots with social interaction functions, robots for children and student education AC21 Social interaction, companions Main purpose of the robot is to interact with and entertain users at home AC22 Education Robots desigend specifically to educate children or students AC3 Care at home Robots that support people in need of care (e.g. seniors or handicapped people) in their homes or home-like environments (e.g. retirement homes) AC31 Mobility assistants Robotic wheelchairs, robotic rollators/walkers, exoskeletons for walking disabilities. Includes robotic devices. AC32 Manipulation aids Robots that support seniors or disabled people in the manipulation of their environment (e.g. meal assistance robot, manipulators mounted to wheelchairs). Includes robotic devices. AC39 Other care robots Robots for care at home that do not fit into AC31 or AC32. Includes robotics devices. AC9 Other consumer robots Consumer robots that do not fit into any of above classes AC99 Other consumer robots Consumer robots that do not fit into any of above classes
Festschrift – Rainer Klump 48 Table 2: Classification of service robots for professional use (IFR 2025) Application Description AP Professional service robots Robots intended for use by trained professionals. AP1 Agriculture Robots for agricultural and farming applications AP11 Cultivation Plowing, seeding, harvesting, weeding, fertilizing, pesticide spraying of/for crop plants and fuit indoors (greenhouse) and outdoors (field, vineyard) AP12 Milking Milking AP13 Other livestock farming Livestock farming, except milking, e.g. feeding, barn cleaning AP19 Other agriculture Agriculture, but none of the above AP2 Professional cleaning Robots for professional cleaning applications AP21 Floor cleaning Cleaning of horizontal areas, e.g. floors in offices, hotels, public buildings, streets and sidewalks. Note: Robots for barn cleaning are included in class AP13 AP22 Window and wall cleaning Cleaning of windows, walls and other vertical areas AP23 Tank, tube and pipe cleaning Inside cleaning of tanks, tubes or pipes AP24 Hull cleaning Outside cleaning of hulls (aircraft, train, other vehicles, tank, container) AP25 Disinfection UV, spray, wiping or other disinfection methods AP29 Other professional cleaning Professional cleaning other than above AP3 Inspection and maintenance Robots for inspection and maintenance AP31 Buildings and other construction Outside detection of damage in buildings, plants, bridges, tunnels and other civil construction AP32 Tank, tubes, pipes, sewers Inside detection of leakage in tanks, pipes, or sewers AP39 Other inspection and maintenance Inspection and maintenance, but none of the above AP4 Construction and demolition Robots for construction and demolition AP41 Construction Installation of buildings and other constructions, earthwork AP42 Demolition Tear-off of buildings and other constructions AP5 Transportation and logistics Mobile robots for transportation of goods or cargo and other logistics functions AP51 Indoor environments without public traffic Cargo/goods transportation in indoor environments without public traffic only, e.g. warehouses, factories, nonpublic areas of hospitals, airports, etc. AP52 Indoor environments with public traffic Cargo/goods transportation in indoor environments with public traffic, e.g. hospitals, hotels, restaurants AP53 Outdoor environments without public traffic Cargo/goods transport in outdoor environments without public traffic only, e.g. harbors, airports AP54 Outdoor environments with public traffic Cargo/goods transport in outdoor environments with public traffic, e.g. home delivery, parcel delivery in the streets AP55 Inventory Counting and refilling of stock and inventory AP59 Other transportation and logistics Mobile robots for transportation and logistics applications not mentioned above. No passenger transportation. AP7 Search and rescue, security Robots for emergency situations AP71 Firefighting Robots for Firefighting. Includes robotic devices. AP72 Disaster relief Robots for detection or rescue of survivors. Includes robotic devices. AP73 Security services Robots for security functions, e.g. surveillance, bomb squad support. Includes robotic devices. AP8 Hospitality Robots for interaction with guests or visitors AP81 Food and drink preparation Robots for food or drink preparation AP82 Mobile guidance, information, telepresence Robotic information desks or guides, e.g. in museums, shops, hotel receptions. Robots for virtual participation in real-world events. Note: Telepresence robots specifically designed for the medical field are covered in AP69 AP9 Other professional service robots Robots that do not fit into any of the above classes AP99 Other professional service robots Robots that do not fit into any of the above classes
Festschrift – Rainer Klump 49 Another issue limiting the scope of the service robot survey considerably is compliance with anti-trust regulation. The IFR statistical department is not allowed to reveal data if the minimum number of non-zero observations has not been reached. This causes data to be further aggregated as application classes with low volumes cannot be revealed. Furthermore, compliance is problematic for regional breakdowns let alone country-level data. Only more mature market segments like professional robots for transportation and logistics with a large number of producers in the IFR sample have enough data coverage to reveal regional data on the two-digit application class level. It should be noted that regional breakdowns refer to the country of origin as robot flows between countries are not accounted for. The market for service robots is not only very heterogenous regarding the type of robots but it is also very dynamic. The market is characterized by firms entering and exiting the market, mergers, and the constant development of new products. Some companies supply service robots in such small numbers to a niche market that the market entry or exit of a firm causes a substantial change in absolute numbers reported. This causes the sample composition to change significantly from year to year. Therefore, the IFR asks for data for two consecutive years in its annual survey on service robots. This enables the IFR to calculate a meaningful growth rate. Any comparison between issues of the World Robotics Service Robots is strictly discouraged due to the significant sample bias. Moreover, the service robot industry is constantly expanding its scope of applications. These new applications might not be included in the IFR application scheme, yet. For instance, there are robots available for line marking of sport fields, an application for which there is no separate application class. Instead, this newer application is included in ‘other professional service robots”. Only if a significant number of suppliers is reached does it make sense to expand the survey item accordingly. Tracking the rise of the service robots is challenging, but it is a chance to closely document the rise of the service robots for future research. As the population of most industrial economies worldwide ages, automation through service robots will become more prevalent. Already, the IFR statistical department observes double digit growth rates in many application areas (see IFR, 2025). Other application classes will follow as service
Festschrift – Rainer Klump 50 robots will become more reliable, efficient, and scalable. Advances in AI and specifically generative AI have the potential to enable robots to adjust to dynamic, unstructured environments better, thereby expanding the scope of useful tasks which can be performed by robots., manipulation or positioning to perform useful tasks for humans or References Acemoglu, D. & Restrepo, P. (2019). Robots and Jobs: Evidence from US Labor Markets. In Journal of Political Economy 128 (6), 2188–2244. DOI: 10.1086/705716. Graetz, G. & Michaels, G. (2018). Robots at Work. In The Review of Economics and Statistics 100 (5), 753 – 768. DOI: 10.1162/rest_a_00754. Guarascio, D., Piccirillo, A. & Reljic, J. (2024). Will Robots Replace Workers? Assessing the Impact of Robots on Employment and Wages with Meta-Analysis. IFR (2025): World Robotics. Service Robots. With assistance of C. Müller, A. Jurkat, W. Kraus, B. Graf, K. Bregler. Frankfurt am Main: VDMA Services GmbH. Jurkat, A., Klump, R. & Schneider, Florian (2022): Tracking the Rise of Robots: The IFR Database. In Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik 242 (5-6), 669 – 689. DOI: 10.1515/jbnst-2021-0059. Jurkat, Anne; Klump, Rainer; Schneider, F. (2023). Robots and Wages: A Meta-Analysis. Discussion Paper. Available online at https://EconPapers.repec.org/RePEc:zbw:esprep:274156 . Logchies, T., Coupé, T. & Reed, W. R. (2025). Do robots decrease humans’ wages? In Applied Economics Letters, 1 – 5. DOI: 10.1080/13504851.2025.2466748.
