Mehr Ungleichheit - weniger politische Teilhabe: WSI-Verteilungsbericht 2025
Abstract
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Full text
Spannagel, Dorothee Research Report Mehr Ungleichheit - weniger politische Teilhabe: WSIVerteilungsbericht 2025 WSI Report, No. 108 Provided in Cooperation with: The Institute of Economic and Social Research (WSI), Hans Böckler Foundation Suggested Citation: Spannagel, Dorothee (2025) : Mehr Ungleichheit - weniger politische Teilhabe: WSI-Verteilungsbericht 2025, WSI Report, No. 108, Hans-Böckler-Stiftung, Wirtschaftsund Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Düsseldorf This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/333604 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode.de
REPORT Nr. 108, November 2025 MEHR UNGLEICHHEIT – WENIGER POLITISCHE TEILHABE WSI-Verteilungsbericht 2025 Dorothee Spannagel Die Einkommensungleichheit in Deutschland ist seit 2010 deutlich gestiegen – insbesondere ab dem Jahr 2018. Während die Armutsquoten kontinuierlich zunehmen, bleibt der obere Rand der Einkommensverteilung weitgehend stabil. Das belegt der diesjährige Verteilungsbericht, der verdeutlicht, dass große Teile der Gesellschaft nicht vom wirtschaftlichen Aufschwung der 2010er Jahre profitiert haben. Zugleich zeigen neue Daten der WSIErwerbspersonenbefragung: Politische Teilhabe und Vertrauen in demokratische Institutionen sind stark vom Einkommen abhängig. Steigende materielle Ungleichheit kann somit zu einem Problem für die Demokratie werden. Zweitstimmenanteile der Parteien bei der Bundestagswahl 2025 nach Einkommensgruppe Angaben in Prozent Anmerkung: Bevölkerungsanteil in der jeweiligen relativ zum Median definierten Einkommensgruppe. Ergebnisse sind auf ganze Zahlen gerundet. Das amtliche Endergebnis der Zweitstimmen bei dieser Bundestagswahl ist in Tabelle 2 im Anhang angegeben. Quelle: WSI-Erwerbspersonenbefragung Welle 14, eigene Berechnungen 38 26 18 14 10 14 16 16 18 13 10 6 11 6 4 3 5 10 11 20 13 20 24 27 2 4 6 5 3 7 10 9 010 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Reichtum (>200 %) obere Mitte (100 bis <200 %) untere Mitte (60 bis <100 %) Armut (0 bis <60 %) Union SPD Grüne FDP Linke AfD BSW Sonstige
INHALT 1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 2 Einkommensungleichheit, Armut und Reichtum: Konzepte und Kontroversen . . . . . 4 3 Daten und Methoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 4 Entwicklung von Einkommensungleichheit, Armut und Reichtum 2010 — 2022 . . . 7 5 Politische Polarisierungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10 6 Fazit und politische Implikationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .13 Datenanhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .18 Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .19 AUTORIN Dr. Dorothee Spannagel Referat: Verteilungsanalyse und Verteilungspolitik [email protected] Quelle: S. Petrat
WSI Report Nr. 108, November 2025 Seite 3 1 EINLEITUNG 1 Ausgeprägte soziale Ungleichheit, insbesondere die stark ungleiche Verteilung materieller Ressourcen, ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Dieses Themenfeld ist politisch stark umkämpft; Armut und Reichtum, die Pole materieller Ungleichheit, sind ein normativ geradezu vermintes Gelände. Dabei sind aussagekräftige, valide, auf Daten gestützte Analysen zentral für politische Entscheider*innen. Konzentriert man sich rein auf das Einkommen als eine zentrale Dimension sozialer Ungleichheit, so möchte man meinen, dass es recht einfach sein sollte, Daten darüber bereitzustellen. Umso erstaunlicher ist es, dass es nicht nur im politischen, sondern auch im wissenschaftlichen Raum große Kontroversen über Ausmaß und Gestalt der Einkommensungleichheit gibt. Blickt man auf die Entwicklungen in einer längerfristigen Perspektive, so gibt es inzwischen einige Fakten, die als gesichert gelten können. Es ist unbestritten, dass die Einkommensungleichheit heute insgesamt höher ist als in den 1990er Jahren, und es ist gut belegt, dass diese nicht kontinuierlich, sondern in Phasen zugenommen hat. Geradezu sprunghaft angestiegen ist die Ungleichheit um den Jahrtausendwechsel, ab etwa 1998 bis Mitte des folgenden Jahrzehnts (etwa BMAS 2025; Niehues 2017). Der Anstieg beruht dabei sowohl auf steigenden Armutsals auch auf wachsenden Reichtumsquoten: Der Anteil der Bevölkerung, der in Armut lebt, ist zwischen 1998 und 2005 von 10,3 auf 14,2 Prozent gestiegen, der Anteil der Reichen von 5,8 (1997) auf 7,9 Prozent (Spannagel/Molitor 2019, S. 4). Zwei Punkte sind hierbei erwähnenswert: Einerseits ist in dieser Periode die Einkommensungleichheit in den meisten westlichen Industriestaaten deutlich gewachsen (OECD 2011). Andererseits wissen wir, dass Deutschland in Bezug auf die Stärke des Anstiegs unter all diesen Ländern einen unrühmlichen Spitzenplatz einnimmt (Hradil 2015). Die strukturellen Ursachen dieser Zunahme lassen sich folgendermaßen zusammenfassen (vgl. u. a. Biewen/Juhasz 2012; Schmid/Stein 2013): Der als Folge der Hartz-Reformen stark wachsende Niedriglohnsektor wie auch die sehr hohe Arbeitslosigkeit dieser Jahre waren ebenso Treiber des Anstiegs wie die wachsende Lohnspreizung im Zuge des technologischen Wandels. Steuerpolitische Reformen, wie die schrittweise Senkung des Spitzensteuersatzes von 53 Prozent Ende der 1990er Jahre auf 42 Prozent (ab 2005) haben verstärkend gewirkt. All dies führte zu einer stark wachsenden Ungleichheit der Markteinkommen, insbesondere der Erwerbseinkommen, bei der die Umverteilung durch Steuern und Sozialtransfers nicht mehr Schritt halten konnte. Die Folge: stark steigende 1 Für seine sehr große Unterstützung geht mein herzlicher Dank an Andreas Hövermann. Ungleichheit der verfügbaren Einkommen. Unstrittig ist zudem, dass die Ungleichheit der Einkommen Ende der 2000er-Jahre zunächst auf hohem Niveau verharrte. So wird etwa im fünften Armutsund Reichtumsbericht der Bundesregierung die Entwicklung zwischen 2006 und 2011 als „Seitwärtsbewegung“ beschrieben (BMAS 2017, S. 119). Wie sieht die Entwicklung seitdem aus? An diesem Punkt setzt der diesjährige Verteilungsbericht an. Im Kern geht es um die Frage, wie sich die Einkommensungleichheit in Deutschland seit dem Jahr 2010 entwickelt hat. Gibt es mehr oder weniger arme oder reiche Menschen als noch vor zwölf Jahren? Am aktuellen Rand reichen die derzeit verfügbaren Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), die die Grundlage für die Analysen der Einkommen bilden, bis zum Jahr 2022. Es ist also möglich, einen ersten Blick darauf zu werfen, wie sich die Krisenjahre seit dem Einsetzen der Corona-Pandemie auf die Verteilung der Einkommen ausgewirkt haben. Einkommen stehen dabei indirekt für den Zugang zu einer Vielzahl von Teilhabemöglichkeiten in unserer Gesellschaft. Ein möglicher Zusammenhang tritt hier seit Jahren immer stärker in den Vordergrund: der Einfluss von Einkommensungleichheit auf den erstarkenden Rechtspopulismus sowie die Zunahme antidemokratischer Einstellungen. Wie ist das zu erklären? Der Forschungsstand zum Vertrauen zeigt, dass Menschen ihr Vertrauen in andere davon abhängig machen, wie sie deren Handeln bewerten (Uslaner 2002). Da Menschen ihre finanziellen Möglichkeiten relativ zu anderen auch als Ergebnis politischer Entscheidungen betrachten, liegt nahe, dass Menschen mit niedrigerem Einkommen ein geringeres Vertrauen in politische Akteure und das Funktionieren demokratischer Institutionen haben als Menschen mit höheren Einkommen. In diesem Zusammenhang gelingt der AfD offenbar, sich als neue politische Alternative zu verkaufen und gerade Menschen mit einem geringen Vertrauen in die etablierten politischen Institutionen anzusprechen. Die stark wachsende Unterstützung der AfD ist jedoch keineswegs ausschließlich auf Armut und Ungleichheit zurückzuführen – dennoch ist es naheliegend, dass beides zusammenhängt. Ist also ein hohes Ungleichheitsniveau, wie Diermeier und Niehues (2024) vermuten, eine Opportunitätsstruktur für Rechtspopulisten? Diese Fragen bilden den zweiten Schwerpunkt dieses Berichts. Dabei geht es nicht um eine erschöpfende Analyse dieser Fragen auf der Basis kausaler Analysen, sondern vielmehr darum, mögliche Zusammenhänge darzulegen.
WSI Report Nr. 108, November 2025 Seite 4 (vgl. Abschnitt 3). 3 Solche Abgrenzungen sind notwendig, um Armut und Reichtum statistisch erfassen zu können, tragen jedoch nicht der Tatsache Rechnung, dass der Übergang (arm – nicht arm; reich – nicht reich) fließend ist und Grauzonen existieren. Forschungen haben aber gezeigt, dass sich um die 60 Prozentwie um die 200 ProzentSchwelle herum auch qualitative Sprünge, etwa im Konsumverhalten der Menschen zeigen (Becker et al. 2022). Oftmals ist im Zusammenhang mit der 60 Prozent-Grenze von der „Armutsrisikoschwelle“ die Rede, mitunter wird auch der Begriff „Niedrigeinkommen“ verwendet (IAW 2024; Niehues/Stockhausen 2024). Diese unterschiedlichen Begriffe, die für ein und dasselbe Phänomen verwendet werden, sind ein gutes Beispiel für Armut als politisch-normative Kategorie: Jede Begrifflichkeit hierfür ist eben nicht nur ein analytisches Konzept, sondern stets auch normativ aufgeladen. Der Begriff „Niedrigeinkommensquote“ impliziert kaum politischen Handlungsdruck und auch bei dem Ausdruck „Armutsrisiko“ gilt es zunächst genau zu prüfen, ob tatsächlich Armut und damit Handlungsbedarf vorliegt. Dabei ist es inzwischen empirisch gut belegt: Menschen, denen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung steht, haben nicht nur ein erhöhtes Risiko, arm zu sein, oder haben einfach nur ein geringes Einkommen, sondern sind tatsächlich arm und damit in ihren Teilhabemöglichkeiten deutlich eingeschränkt (vgl. u. a. Becker 2017; Spannagel/Brülle 2024). Im Verteilungsbericht wird daher ausschließlich das Wort Armut verwendet. 3 Der Begriff „Reichtum“ wird im Text als Synonym für Einkommensreichtum verwendet. 2 EINKOMMENSUNGLEICHHEIT, ARMUT UND REICHTUM: KONZEPTE UND KONTROVERSEN Die Verteilung von Einkommen bildet in einer kapitalistischen Marktwirtschaft nicht nur eine zentrale Dimension des Lebensstandards; Einkommen sind auch eine entscheidende Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe. Diese umfasst materielle wie auch politische, kulturelle oder soziale Aspekte. Wichtig ist dabei, dass zumindest die Möglichkeit besteht, in all diesen Dimensionen an der Gesellschaft teilzuhaben. Ob diese genutzt wird oder nicht, ist erstmal zweitrangig. Vor diesem Hintergrund sind Einkommensarmut und Einkommensreichtum zwei Pole auf einem Kontinuum an Teilhabemöglichkeiten. Beide sind keine objektiv beobachtbaren Phänomene, es handelt sich um soziale Kategorien. Sie werden im vorliegenden Verteilungsbericht ausschließlich aus der Verfügung über Einkommen definiert. 2 Ein wichtiges Kriterium, um Armut und Reichtum vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Teilhabemöglichkeiten verstehen zu können, ist ihr relativer Charakter. Arm bzw. reich ist man relativ zur Gesamtverteilung der Einkommen in einer Gesellschaft. Absolute Armut lässt dieses Kriterium ebenso missen, wie die Vorstellung von „den Milliardären“ als den Reichen einer Gesellschaft. Aus einer relativen Sicht sind Armut und Reichtum immer Ausprägungen von Einkommensungleichheit. Ihre Definition ist stets sowohl mit Werturteilen als auch mit Grenzziehungen verbunden und immer willkürlich. Dennoch haben sich inzwischen in der Wissenschaft Schwellenwerte etabliert: 60 Prozent des mittleren Einkommens als Armutsgrenze, das Doppelte dieses Wertes als Schwelle zu Reichtum 2 Selbstverständlich spielen auch Vermögen im Zusammenhang mit gesellschaftlicher Teilhabe eine entscheidende Rolle. Vermögensreichtum etwa ist deutlich stabiler als Reichtum, der in erster Linie auf Erwerbseinkommen beruht. Ein sehr niedriges Einkommen ist noch folgenschwerer, wenn jemand veroder sogar überschuldet ist. Aufgrund fehlender Daten bleibt diese Dimension im Verteilungsbericht unberücksichtigt. Lediglich Einkommen aus Vermögen (etwa Mieteinnahmen oder Dividenden) sind Bestandteil der untersuchten verfügbaren Einkommen. Im folgenden Abschnitt (2) werden Armut und Reichtum als zentrale Begriffe der Debatten um Einkommensungleichheit eingeführt und die aktuellen Kontroversen um die Entwicklung der Ungleichheit in den letzten Jahren nachvollzogen. Daran schließt sich ein Abschnitt zu den verwendeten Daten und Methoden an (3). In Abschnitt 4 werden die Ergebnisse zur Entwicklung der Einkommensungleichheit seit 2010 diskutiert. Daten zum Zusammenhang von Einkommensungleichheit und politischen Einstellungen bilden den Schwerpunkt des fünften Abschnitts. Der Bericht schließt mit einem kritischen Fazit und einem Ausblick auf politische Implikationen (6).
WSI Report Nr. 108, November 2025 Seite 5 Vor dem Hintergrund von Armut und Reichtum als indirekte, relative Indikatoren für gesellschaftliche Teilhabe wird nun aufgeführt, welche widersprüchlichen Analysen es seit 2010 zur Entwicklung der Einkommensungleichheit gibt. Fuest et al. (2021, S. 28) beschreiben die Verteilung der Einkommen zwischen 2007 und 2017 als „weitgehend stabil“. Andere Autor*innen heben ebenfalls die Stabilität der Einkommensverteilung in den 2010er-Jahren hervor (Niehues 2017; Stockhausen/ Maiworm 2021). Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hingegen, der Institution, die die SOEP-Daten herausgibt, schrieb im vergangenen Jahr, die Einkommensungleichheit sei in den letzten zehn Jahren gestiegen (Fratzscher 2024). Auch der neue Armutsund Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt zu diesem Schluss (BMAS 2025, S. 106). Eine Pressemitteilung des DIW aus dem vergangenen Jahr trägt den Titel „Niedriglohnsektor auf Tiefstand, aber Einkommensungleichheit nimmt nicht ab“ (DIW2024). Wenn es um die aktuelle Dekade geht, fehlen weithin noch belastbare Daten. So unstrittig es ist, dass die Coronapandemie und die darauf folgenden Krisen soziale Ungleichheiten insgesamt erhöht haben – etwa mit Blick auf Bildung (Dietrich et al. 2021) oder Gesundheit (Wachtler et al. 2020) – so ungeklärt ist noch, wie sich die multiplen Krisen auf die Verteilung der Einkommen ausgewirkt haben. Auch das ist ein Thema für diesen Verteilungsbericht. Erste Analysen kommen zu gemischten Erkenntnissen: So ist zu lesen, die Ungleichheit der Einkommen sei im Jahr 2022 gegenüber 2019 „weitestgehend unverändert“ (Stockhausen 2023, S. 4). Der aktuelle Sozialbericht, der vom Statistischen Bundesamt in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung herausgegeben wird, kommt zu dem Schluss, dass die Einkommensungleichheit zwischen 2021 und 2023 leicht gesunken sei (Kott 2024). Eine andere Studie, die zu Beginn der Pandemie durchgeführt wurde, trägt den Titel „Die Einkommensungleichheit wird durch die Corona-Krise noch weiter verstärkt“ (Kohlrausch et al. 2020). Häufig messen solche Studien die Ungleichverteilung der Einkommen nur mit einem Indikator – in der Regel mit dem Gini-Index – und blicken nicht tiefer in die Verteilung hinein. Der Verteilungsbericht ergänzt diesen Wert um weitere Indizes, die jeweils unterschiedliche Bereiche der Verteilung besonders gut abbilden (siehe Abschnitt 3). Das ermöglicht einen umfassenderen Blick auf Veränderungen in der Einkommensverteilung. Wichtiger Hintergrund für die Entwicklung der Ungleichheit ist auch die gesamtwirtschaftliche Lage. Im Anhang von Tabelle 1 werden dazu einige Kennzahlen dargestellt. Die Daten, die hier nicht im Einzelnen diskutiert werden sollen, belegen das Bild einer wirtschaftlich starken Dekade: Löhne und Gehälter stiegen, die Erwerbslosigkeit ging zurück, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zum Teil kräftig zu und Erwerbstätige verzeichneten deutliche Lohnzuwächse. Das Jahr 2020 markiert eine Zäsur, die allerdings nicht so stark war, wie man zunächst vermuten könnte: Das BIP ging nur direkt im Jahr 2020 deutlich zurück und auch die Erwerbslosigkeit blieb insgesamt niedrig. Schlägt sich diese positive gesamtwirtschaftliche Lage der 2010er Jahre in einem Rückgang von Armut und Ungleichheit nieder? Bevor wir uns diesem Thema widmen, zunächst ein kurzer Überblick über die Daten und Methoden, die den Analysen zugrunde liegen.
WSI Report Nr. 108, November 2025 Seite 6 3 DATEN UND METHODEN Der Verteilungsbericht stützt sich auf zwei Datenquellen: das SOEP und die WSI-Erwerbspersonenbefragung. Das SOEP ist eine Panelbefragung, die seit 1984 jährlich am DIW durchgeführt wird (Goebel et al. 2019). Sie ermöglicht einen Blick darauf, wie sich Einkommensungleichheit in der langen Perspektive verändert hat. Dafür liefert das SOEP sehr gut aufbereitete Einkommensdaten – das breite Themenspektrum sowie die sehr große Stichprobe (rund 32.000 Befragte in 22.000 Haushalten) sind dabei ein großer Pluspunkt. Derzeit liegen Einkommensdaten in der für den Verteilungsbericht verwendeten aktuellen Welle (v40.1) bis zum Jahr 2022 vor. 4 Die Daten der WSI-Erwerbspersonenbefragung ermöglichen einen Blick darauf, wie es aktuell um die politische Teilhabe steht. Es ist ebenfalls eine Panelbefragung, bei der mittlerweile 14 Befragungswellen seit Beginn der Pandemie realisiert und 5.000 bis 7.500 Befragte erreicht werden konnten. Die Grundgesamtheit der Online-Befragung bilden Erwerbspersonen ab 16 Jahren – also Erwerbstätige und Arbeitsuchende. Rentner*innen werden nicht erfasst (vgl. Emmler 2023). Da die letzte Welle (Welle 14) erst im März dieses Jahres erhoben wurde, ist sogar ein Blick auf die Wahlentscheidungen der Befragten bei der vergangenen Bundestagswahl möglich. Leider wurden in dieser Welle die Einkommensdaten nicht erfasst, die Angaben hierzu wurden aus der vorangegangenen Welle vom November 2024 übernommen. Einkommen werden nur klassiert erhoben und beruhen auf Angaben der Befragten zu monatlichen Haushaltsnettoeinkommen. Für die Berechnungen für den Verteilungsbericht wurden die Einkommenswerte der Klassenmitten verwendet. Alle Einkommen dieses Verteilungsberichts sind verfügbare, äquivalenzgewichtete Haushaltsnettoeinkommen. 5 Dazu werden die Einkommensdaten in mehreren Schritten aufbereitet. Ausgangspunkt sind beim SOEP die generierten Jahresnettoeinkommen auf Haushaltsebene, bei den Erwerbspersonendaten die monatlichen Nettoeinkommen eines Haushalts. Diese werden in einem ersten Schritt mit der neuen OECD-Skala für unterschiedliche Haushaltsgrößen und -zusammensetzungen standardisiert. 6 In einem zweiten Schritt werden die Werte dann inflati4 Die Daten dieser Welle sind für das Jahr 2023, Einkommensdaten werden aber retrospektiv für das Vorjahr erfasst. 5 Alle kursiv gedruckten Begriffe werden im Glossar des Berichts kurz erläutert (siehe Anhang). 6 Dabei erhält jede Person eines Haushalts ein „Personengewicht“: Der erste Erwachsene erhält das Gewicht 1,0, jede weitere Person über 14 wird mit 0,5gewichtet. Haushaltsmitglieder unter 14 erhalten ein Gewicht von 0,3. Ein Paar mit zwei Kindern unter 14 kommt somit auf 2,1(1+0,5+0,3+0,3). Durch diesen Wert wird das Haushaltseinkommen bei der Äquivalenzgewichtung dividiert. onsbereinigt und in Preise von 2020 umgerechnet. In den SOEP-Daten wird zudem der geldwerte Vorteil selbstgenutzten Wohneigentums hinzuaddiert. Bei der WSI-Erwerbspersonenbefragung liegen diese Angaben nicht vor. Diese verfügbaren Haushaltseinkommen bilden die Grundlage, um die Befragten in Einkommensklassen einzuteilen. Dem oben eingeführten Ansatz folgend werden diese Klassen relativ zum Medianeinkommen gebildet. 7 Die Einteilung erfolgt entlang der etablierten Grenzen: Armut entspricht einem verfügbaren Einkommen von weniger als 60 Prozent des Medians, Einkommensreichtum beginnt bei mehr als dem Zweifachen des mittleren Einkommens. Dazwischen liegt die breite Einkommensmitte. Diese wird in eine untere (60 bis unter 100 Prozent des Medians) und eine obere Mitte (100 bis 200 Prozent) eingeteilt. Für einen exakteren Blick auf die Ränder der Verteilung werden zudem die Klassen der sehr Armen (weniger als 50 Prozent des Medians) und die der sehr Reichen (mehr als 300 Prozent) ausgewiesen. 8 Vor allem mit Blick auf die Ränder der Verteilung ist ein Hinweis sehr wichtig: Selbst in den sehr umfassenden SOEP-Daten sind die äußersten Ränder untererfasst. Wohnungslose werden nicht erfasst und auch Topeinkommen sind in den Daten nicht umfassend abgebildet (vgl. hierzu ausführlich Unger et al. 2013, S. 56ff.). Aber auch wenn extreme Armut und sehr großer Reichtum untererfasst sind: Die Einkommensdaten im SOEP sind für Deutschland wohl die exaktesten Daten, um die Verteilung der Einkommen in ihrer ganzen Breite zu untersuchen. Dennoch dürften die Ungleichheitsmaße, die im Folgenden analysiert werden, das Ausmaß der Ungleichheit eher unterschätzen. Die in diesem Bericht ausgewerteten Ungleichheitsindizes werden in der Infobox erläutert. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, einen Blick auf die oben eingeführten Armutsund Reichtumsquoten zu werfen. Ist der Anteil der sehr Reichen heute höher als im Jahr 2010? Sind heute mehr Haushalte von Armut betroffen als noch vor zehn Jahren? Diesen Fragen werden wir im folgenden Abschnitt nachgehen. 7 Dieses Einkommen liegt genau in der Mitte, wenn man die Haushalte nach der Höhe ihrer Einkommen sortiert. Im SOEP lag der Median der verfügbaren Einkommen für einen Einpersonenhaushalt 2022 bei 25.732 Euro im Jahr. Für die Erwerbspersonenbefragung wird der Median aus dem Mikrozensus verwendet, da diese Daten alle Bevölkerungsgruppen umfassen und damit repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind. Im November 2024, dem Zeitpunkt, an dem die Einkommensdaten in der Erwerbspersonenbefragung erhoben wurden, lag der Median für einen Singlehaushalt bei 1.734 Euro im Monat. 8 Aufgrund der geringeren Fallzahl lassen sich die Gruppen der sehr Armen und der sehr Reichen nur bei den SOEPDaten, nicht aber in der WSI-Erwerbspersonenbefragung getrennt analysieren.
WSI Report Nr. 108, November 2025 Seite 7 Der Gini-Koeffizient belegt klar, dass die Einkommensungleichheit im Verlauf der untersuchten Jahre zugenommen hat (Abbildung 1): Im Ausgangsjahr lag er bei 0,282; fünf Jahre später hat er einen Wert von 0,292 erreicht. Nach einer Phase der Stabilität steigt die Einkommensungleichheit ab dem Jahr 2018 erneut deutlich an. Im Jahr 2022 hat der Koeffizient mit einem Wert von 0,310 einen Höchstwert erreicht. 9 Auch der Theil-Index, der insbesondere auf Veränderungen am unteren Rand der Einkommensverteilung reagiert, belegt eine insgesamt steigende Ungleichverteilung (Abbildung 2, linke Achse). Er steigt über den Untersuchungszeitraum hinweg von 0,144 Punkte auf 0,196. 9 Die Ergebnisse können von bisher publizierten Werten abweichen, da sich zur aktuellen Welle der SOEP-Daten (v40.1) die Gewichtungsfaktoren geändert haben. Sie wurden an die neue Randverteilung des Mikrozensus angepasst. Außerdem wurde ein neues, längsschnittbasiertes Imputationsverfahren bei den Einkommen eingeführt, mit dem auch rückwirkend fehlende Einkommen ersetzt werden können (vgl. Grabka 2025). Der Anstieg findet vor allem in der zweiten Hälfte der untersuchten Jahre statt, Anfang bis Mitte dieser Dekade tut sich hier wenig. Eine ähnliche Entwicklung zeigt der Palma-Index (Abbildung 2, rechte Achse), der Veränderungen am oberen Rand der Einkommensverteilung stärker abbildet. Er steigt ebenfalls an – vor allem ab dem Jahr 2018 – und erreicht am aktuellen Rand einen Höchststand mit einem Wert von knapp 1,17; ein Anstieg von 15 Prozent und damit relativ gesehen nur halb so stark wie der Zuwachs beim Theil-Index (plus 36 Prozent). Diese drei Indizes weisen auf zwei entscheidende Ergebnisse hin: Erstens ist die Einkommensungleichheit im Jahr 2022 höher als im Ausgangsjahr 2010 – alle Indizes erreichen in diesem Jahr Höchstwerte. Da im SOEP Daten seit Mitte der 1980er Jahre vorliegen, können wir festhalten, dass die Einkommensungleichheit seitdem nie so hoch war wie im Jahr 2022. Zweitens haben die entscheidenden Entwicklungen erst in der zweiten Hälfte der untersuchten Jahre stattgefunden, bis dahin zeigt sich eine recht große Stabilität der Verteilung. Infobox 1 Ungleichheitsmaße Das am weitesten verbreitete Ungleichheitsmaß ist der Gini-Koeffizient. Er kann Werte von 0 (alle besitzen gleich viel Einkommen) bis 1 (die Einkommen konzentrieren sich in einem einzigen Haushalt) annehmen. Je höher also der Gini-Index, desto höher die Einkommensungleichheit. Aufgrund seiner Konstruktion reagiert der Gini-Index besonders auf Veränderungen in der Mitte der Verteilung. Für das forschungsleitende Interesse ist es daher sinnvoll, weitere Ungleichheitsmaße hinzuzuziehen, die Veränderungen an den Rändern der Verteilung stärker abbilden. Ein Maß, das besonders sensitiv auf Veränderungen am unteren Rand reagiert, ist der Theil-Index. Er setzt den Einkommensanteil einer Gruppe in Bezug zu ihrem Bevölkerungsanteil. Entspricht der Einkommensanteil einer Gruppe ihrem Anteil in der Bevölkerung, nimmt der Index den Wert 0 an. Es gilt damit wie beim Gini-Index: Je höher der Wert, desto ungleicher die Verteilung. Das Gegenstück dazu ist der Palma-Index, ein Ungleichheitsmaß, das besonders Veränderungen am oberen Rand berücksichtigt. Er setzt den Einkommensanteil des obersten Dezils ins Verhältnis zum gesamten Einkommensanteil der unteren vier Dezile. So nimmt der Palma-Index beispielsweise den Wert 2 an, wenn das oberste Dezil einen Einkommensanteil von 40 Prozent hat und die unteren vier Dezile zusammen über 20 Prozent verfügen. Auch hier gilt: Je höher der Wert, desto größer die Ungleichheit der Einkommen. 4 ENTWICKLUNG VON EINKOMMENSUNGLEICHHEIT, ARMUT UND REICHTUM 2010 — 2022
WSI Report Nr. 108, November 2025 Seite 8 Abbildung 1 Ungleichheit der Einkommen in Deutschland, 2010 – 2022 Gini-Koeffizient der verfügbaren Haushaltseinkommen Quelle: SOEP v40.1, eigene Berechnungen 0,282 0,294 0,292 0,310 0,265 0,270 0,275 0,280 0,285 0,290 0,295 0,300 0,305 0,310 0,315 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 Abbildung 2 Theilund Palma-Index der verfügbaren Haushaltseinkommen, 2010 – 2022 Theil-Index linke Achse, Palma-Index rechte Achse Quelle: SOEP v40.1, eigene Berechnungen 0,144 0,164 0,159 0,196 1,017 1,077 1,059 1,169 0,900 0,950 1,000 1,050 1,100 1,150 1,200 0,000 0,050 0,100 0,150 0,200 0,250 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 Theil-Index (linke Achse) Palma-Index (rechte Achse)
WSI Report Nr. 108, November 2025 Seite 15 Stärkung der materiellen Teilhabe: Vor allem für Menschen in Armut gilt es, finanzielle Mittel zielgerichtet zu erhöhen: durch eine bessere Integration in den Arbeitsmarkt, vor allem aber auch durch angemessenere Transferleistungen. Sowohl die Rentenzahlungen als auch die Leistungen der (neuen) Grundsicherung müssen Menschen eine grundlegende gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Das Vorhaben der Regierungskoalition, das Bürgergeld in die Grundsicherung zurückzuentwickeln, insbesondere die „Anpassung“ der Regelbedarfsleistungen und die Wiedereinführung des „Vermittlungsvorrangs“ – also das Prinzip: „Die schnelle Vermittlung in womöglich nur kurzzeitige Erwerbstätigkeit hat Vorrang vor der nachhaltigen Sicherung einer angemessenen Erwerbstätigkeit“ – sind vor diesem Hintergrund ein Schritt in die falsche Richtung. Stärkere Besteuerung höchster Einkommen und Vermögen: Eine Erhöhung der Steuern für TopVerdiener*innen, vor allem aber für Menschen mit Topvermögen, ist aus zwei Gründen relevant: zum einen als Einnahmequelle für den Staat, und zum anderen, um dem Ungerechtigkeitsempfinden vieler Menschen entgegenzutreten. Es gilt, den Spitzensteuersatz anzuheben und die derzeitige pauschale Abgeltungssteuer von 25 Prozent in die progressive Einkommenssteuer einzugliedern. In Zeiten knapper Kassen müssen die Superreichen mehr zur Finanzierung des Gemeinwohls beitragen. Dazu gehört auch die angemessene Besteuerung sehr hoher Erbschaften – wobei „Omas Häuschen“ selbstverständlich weiterhin steuerfrei zu übertragen sein muss – und die Wiederaufnahme der Vermögenssteuer. Diese Reformen sind zentral, um Armut und Einkommensungleichheit einzudämmen und eine ausreichende Teilhabe aller Bevölkerungsschichten zu sichern. Um das demokratische Miteinander zu stärken und die AfD einzudämmen, sind sie aber nur ein Ansatzpunkt unter vielen. Es ist allerdings klar: Eine gleichere Verteilung materieller Ressourcen und insbesondere die Verringerung von Armut und mit ihr der Abbau struktureller Exklusionsmechanismen für zahlreiche Menschen am unteren Rand der Gesellschaft können dazu beitragen, populistischen Kräften wie der AfD den Nährboden zu entziehen. Der Mechanismus dahinter: Menschen, die an der Gesellschaft voll teilhaben können, die das auch subjektiv wahrnehmen und die ihre Teilhabechancen auch in Zukunft abgesichert sehen, sind für die antidemokratischen Kräfte, die die Klaviatur von Verunsicherung und Angst zu bedienen wissen, weniger empfänglich. Friedrich Merz hat in seiner Antritts-Regierungserklärung das Erhard´sche Mantra des „Wohlstands für alle“ aufgegriffen und Zweifel – insbesondere jüngerer Generationen – an der Gültigkeit dieses Versprechens nicht ausgeschlossen (Merz 2025). In der Tat: Die Wohlstandszuwächse der letzten Dekade wie auch die Lasten der Krisen waren sozial ungleich verteilt. Von „Wohlstand für alle“ kann keine Rede sein. Sollte sich dies fortsetzen, könnte das als Brandbeschleuniger für die sozialen und politischen Bruchlinien wirken, die an unserer Gesellschaft zerren.
WSI Report Nr. 108, November 2025 Seite 16 LITERATUR Becker, I. (2017): Kritik am Konzept relativer Armut - berechtigt oder irreführend?, in: WSI Mitteilungen 70 (2), S. 98–107 Becker, I./Schmidt, T./Tobsch, V. (2022): Wohlstand, Armut und Reichtum neu ermittelt. Materielle Teilhabe aus mehrdimensionaler Perspektive – Bericht zum ersten Modul des Projekts „Materielle Teilhabe im Lebensverlauf“. Hans-Böckler-Stiftung: Study Nr. 472, Juli 2022, Düsseldorf Biewen, M./Juhasz, A. (2012): Understanding Rising Income Inequality in Germany, 1999/2000 – 2005/2006, in: Review of Income and Wealth 58 (4), S. 622–647 BMAS (Bundesministerium für Arbeit und Soziales) (Hrsg.) (2017): Lebenslagen in Deutschland. Der Fünfte Armutsund Reichtumsbericht der Bundesregierung, Berlin BMAS (Bundesministerium für Arbeit und Soziales) (Hrsg.) (2025): Lebenslagen in Deutschland. 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WSI Report Nr. 108, November 2025 Seite 18 DATENANHANG Tabelle 1 Gesamtwirtschaftliche Eckdaten 2010 – 2024 1) Preisund kalenderbereinigte Veränderung des Bruttoinlandsprodukts gegenüber dem Vorjahr, Quelle: Destatis 2025a; 2) Anteil der Erwerbslosen an allen Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Erwerbslose), Quelle: Destatis 2025c; 3) Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer*in, monatlicher Durchschnitt in Euro, Quelle: Destatis 2025b; 4) Veränderung der Reallöhne gegenüber dem Vorjahr in Prozent, Quelle: Destatis 2024 Seite 2 Nr. 000 · Monat Jahr · Hans-Böckler-Stiftung Jahr BIP 1 Erwerbslosenquote 2 Nettolöhne und -gehälter 3 Reallohnindex4 2010 4,0 6,0 1.688 1,5 2011 3,8 5,1 1.733 1,2 2012 0,6 4,7 1.780 0,6 2013 0,5 4,5 1.821 -0,1 2014 2,2 4,3 1.876 1,7 2015 1,4 4,0 1.931 2,2 2016 2,1 3,6 1.978 1,8 2017 3,1 3,3 2.031 1,0 2018 1,1 2,9 2.097 1,4 2019 1,0 2,7 2.174 1,1 2020 -4,5 3,3 2.178 -1,2 2021 3,9 3,3 2.260 0,0 2022 1,9 2,9 2.352 -4,0 2023 -0,7 2,8 2.549 0,1 2024 -0,5 3,1 2.681 3,1 Tabelle 2 Amtliches Endergebnis der Zweitstimmen bei den vergangenen beiden Bundestagswahlen Angaben in Prozent *Das BSW trat erstmalig bei der Bundestagswahl 2025 an. Quelle: Bundeswahlleiterin 2025 Nr. 000 · Monat Jahr · Hans-Böckler-Stiftung Seite 3 Partei 2021 2025 Union 24,2 28,6 SPD 25,7 16,4 Grüne 14,7 11,6 FDP 11,4 4,3 Linke 4,9 8,8 AfD 10,4 20,8 BSW * 4,9 Sonstige 8,7 4,5 Wahlbeteiligung 76,4 82,5 Vorwort (bei Bedarf löschen) Text des Vorwortes… 1 Überschrift 1 Text…
WSI Report Nr. 108, November 2025 Seite 19 Dezil: Zehn gleich große Bevölkerungsgruppen vom ärmsten bis zum reichsten Zehntel der Bevölkerung. Einkommensarmut: Personen, die in Haushalten leben, die über weniger als 60Prozent des Medianeinkommens verfügen; sind es weniger als 50Prozent, spricht man von strenger Armut. Einkommensreichtum: Personen, die in Haushalten leben, die über mehr als 200Prozent des Medianeinkommens verfügen; sind es mehr als 300Prozent, spricht man von großem Reichtum. Gini-Koeffizient: Er gibt an, wie ungleich Einkommen verteilt sind und kann Werte zwischen 0 und 1 annehmen. 0 steht dabei für die völlige Gleichverteilung (alle verfügen über gleich viel Einkommen), der Wert 1 für extreme Ungleichverteilung (eine Person besitzt alles). Medianeinkommen: Der Wert, der genau in der Mitte liegt, wenn alle Einkommen der Größe nach sortiert werden. Palma-Index: Der Index beschreibt die Ungleichverteilung von Einkommen. Je höher der Palma-Index, desto größer ist die Ungleichheit. Theil-Index: Er beschreibt die Ungleichverteilung von Einkommen. Bei Gleichverteilung nimmt er den Wert 0 an. Verfügbares äquivalenzgewichtetes Nettohaushaltseinkommen: Gesamteinkommen aller Haushaltsmitglieder nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben zuzüglich staatlicher und privater Transferzahlungen und der Mietersparnis durch selbstgenutzten Wohnraum – in Preisen von 2020 und für unterschiedliche Haushaltstypen standardisiert. Verfügbares Haushaltseinkommen oder verfügbares Einkommen: Synonym verwendet für verfügbares äquivalenzgewichtetes Nettohaushaltseinkommen. GLOSSAR
WWW.BOECKLER.DE IMPRESSUM Ausgabe WSI Report Nr. 108, November 2025 WSI Verteilungsbericht 2025 ISSN 2366-7079 Herausgeber Wirtschaftsund Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) derHans-Böckler-Stiftung Georg-Glock-Straße 18, 40474 Düsseldorf Telefon +49 (2 11) 77 78-18 7 http://www.wsi.de Pressekontakt Rainer Jung, +49 (2 11) 77 78-15 0 [email protected] Satz : Daniela Groß Kontakt Dr. Dorothee Spannagel Wirtschaftsund Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung Georg-Glock-Straße 18, 40474 Düsseldorf Telefon +49 (2 11) 77 78-205 [email protected] www.wsi.de Dieses Werk ist lizensiert unter der Creative Commons Lizenz CC BY 4.0 International (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode.de)
