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Reallabor-Report

Bernert, Philip; Ehnert, Franziska; Kellhammer, Marco; Preiß, Sebastian; Geiges, Tim; Lischer, Philipp; Tobias, Silvia; Pohl, Christian; Klaever, Anke; Jarass, Julia; Petersen, David J.; Schulte-Güstenberg, Evke; Kempa, Daniela; Walczuch, Anne-Marie; Frö

Abstract

Dieser Report präsentiert 23 Reallabore aus Deutschland und der Schweiz und zeigt vielfältige Ansätze der Nachhaltigkeitstransformationsforschung. Durch ein standardisiertes Case-Reporting-Schema dokumentieren Forschende ihre Erfahrungen mit transdisziplinären Methoden, Co-Kreationsprozessen und Realexperimenten zu Herausforderungen in Klimaanpassung, Energiewende, Stadtentwicklung, Mobilität, Kreislaufwirtschaft und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Die Sammlung zeigt, wie Reallabore als Experimentierräume dienen, in denen Wissenschaft und Gesellschaft gemeinsam nachhaltige Lösungen in realen Kontexten entwickeln und testen.

Full text

Anfangs Gestartet mit einigen wenigen Reallaboren und ersten Förderprogrammen, z.B. in BadenWürttemberg, sind Real labore aus der Nachhaltig keits forschung heute nicht mehr wegzu denken. Als Settings des gemein schaftlichen Forschens bringen sie in verschie densten Kontexten, Akteur*innen der Zivil ge sell schaft, aus Ver waltungen, Unternehmen und der Forschung zusammen. In diesen Reallaboren entstehen dabei Lösungs an sätze und Wissen für drängende Fra gestellungen von Nach haltigkeits trans formationen. Die Vielfalt der Reallabore stellt Forschende vor einige Herausforderungen: Einerseits gilt es, gemeinsam mit Akteur*innen vor Ort zu verstehen, welche Ergebnisse, Er folge und Misserfolge die Reallaborprozesse und Realexperimente hervorgebracht haben und welche Bedeutung diese Erfahrungen im lokalen Kontext haben. Andererseits besteht eine Aufgabe darin, ebendiese Erfahrungen auch über die Grenzen des lokalen und thematischen Kontexts hinaus anderen Forschenden und interessierten Akteur*innen zugänglich zu machen. Neben klassischen Case Studies und einzelnen fokussierten em pi ri schen Artikeln, möchten wir diesen Wissenstransfer um die Praxis des Case Reporting als Bestandteil der Forschung in Real laboren erweitern. Angelehnt an die Case Reports aus anderen Forschungsfeldern an der Grenze von Wissenschaft und Praxis, wie etwa der Medi zin und der Public Health Forschung, möchten wir For schende in Real laboren einladen, ihre For schungspraxis und Erfah rungen der Community zugänglich zu machen. Hierbei soll es vorrangig um die ganzheitliche Darstellung von Cases gehen. Durch das Case Reporting können Forschende in RealScheme, das im Rahmen des Projekts GLOCULL entwickelt wurde, möchten wir versuchen eine vergleichbare Struktur zu gewährleisten– ohne die Besonderheiten der Projekte zu übergehen. Das Scheme unterstützt Real laborant*innen dabei die Er fahrungen, Prozesse und Ergebnisse strukturiert darzustellen und dabei Informationen bereitzustellen, die es außenstehenden erlauben, einen guten Überblick über Kontext, Prozess und Experimente der unterschiedlichen Projekte zu gewinnen. Die Arbeitsgruppe Case Repor ting des Netz werks Reallabore trifft sich regelmäßig, um zu erör tern, wie der Case Reporting-Ansatz weiter entwickelt werden kann und zur An wendung kommen kann. Dabei freuen wir uns über weitere Mitglieder und Interessierte und wünschen viel Spaß bei der Lektüre dieses ersten Real labor-Reports! Ein Beitrag von: Philip Bernert philip.berner[email protected] laboren ihre Erfahrungen und Erkenntnisse systematisch dokumentieren und teilen. Dies ermöglicht es anderen Forschenden, von diesen Erfahrungen zu lernen und ihre eigene Forschung weiterzuent wickeln. Die Case Reports sollen es Interes sierten erleich tern, An knüp fungs punkte zu iden ti fi zie ren, gemeinsame An sätze zu finden und Nach - haltig keits lösungen und Reallabor designs weiterzuentwickeln. Da rüber hinaus kann das Case Reporting auch dazu bei tragen, die Trans pa renz und Nach voll zieh bar keit von Reallaborforschung zu erhöhen und somit das Ver trauen in die Ergebnisse zu stärken. Ausblick Die in dieser Zeitung vorgestellten vielfältigen Berichte haben sich dabei an einem einheitlichen Schema orientiert. Mit diesem Case Reporting Impressum Herausgegeben von: Arbeitsgruppe Case Reporting des Netzwerks Reallabore der Nachhaltigkeit Redaktion und Projektkoordination: SabineWitschas (IÖR Dresden), PhilipBernert (RIFS Potsdam) Layout und Gestaltung: Nicolaas Bongaerts (IÖR) Kartografische Unterstützung: Ulrike Schinke (IÖR) Redaktionsschluss: 09.04.2024 (Druckausgabe) 27.08.2024 (Online-Ausgabe) Die publizierten Inhalte (Texte und Bilder) wurden von den jeweiligen Beteiligten zur Veröffentlichung eingereicht und dafür redaktionell bear beitet. Etwaige Quellennachweise und Rechte obliegen ihnen. Alle Anga ben ohne Gewähr. Irrtümer, Satzund Druckfehler vorbehalten. Kontakt und Websites: ReallaborNetzwerk https://www.reallabornetzwerk.de 240827 KonferenzWebsite https://www.ioer.de/ veranstaltungen/rlnk2024 Leibniz-Institut fürökologische Raumentwicklung https://www.ioer.de DOI / CC BY 4.0 https://doi.org/10.5281/zenodo.15411225 Das Feld der Reallaborforschung hat in den letzten zehn Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung erfahren. Case Reporting als Praxis der Reallaborforschung Der Reallabor-Report ermöglicht einen Blick auf die Vielfalt der Reallabore: In dieser Zeitung stellen sich zahlreiche Reallaborprojekte in einem kompakten Berichts format vor, skizzieren den jeweiligen Kontext, den gemeinsamen Reallaborprozess und die Experimente und Nachhaltigkeitslösungen, die dabei entstehen. Seite 1Reallabor-Report Dresden, April 2024 Reallabor-Report Präsentiert von LABORATORIUM VIVENS Dresden, April 2024 Preis: 0€ Sonderausgabe Inhaltsverzeichnis Case Reporting als Praxis der Reallaborforschung 1 Dresden – City of the Future 2030+ Empowering Citizens, Transforming Cities! 3 MCube aqt Welche Chancen entstehen für die Nachbarschaft, wenn Flächen für parkende Fahrzeuge umgewandelt werden und dem Gemeinwohl, sowie aktiven Mobilitätsformen dienen? 4 Jurapark Aargau Gemeinsam die Nachhaltige Entwicklung im regionalen Naturpark fördern 5 Stadtplatz Klausenerplatz Kiez Umgestaltung des Straßenraums: mehr Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum als Treiber für die Verkehrswende 6 EHSS Die Transformation des Flensburger Hafen-Ost: Ein Leuchtturmprojekt für zukunftsfähiges Wohnen und Arbeiten? 7 Gute Küste Niedersachsen Reallabore für einen ökosystemstärkenden Küstenschutz 8 Future Proof Grasslands Nordwestdeutsches Grünland und Wassermanagement im Wandel: Wie können sie zukunftssicher und ökosystemstärkend gestaltet werden? 9 Klima-RT-LAB Mit innovativen Lösungen zur Klimaneutralität 10 Städtenetzwerk „Klimaschonende Entscheidungen“ Wie können private Haushalte klimafreundliches Verhalten dauerhaft im Alltag umsetzen? Wie kön - nen Kommunen und Anbieter klimafreundlicher Produkte und Dienstleistungen dabei unterstützen? 11 KOPOS-Projekt Von der Idee zur Umsetzung im Realexperiment: Regionale Versorgung mit Lebensmitteln als Ansatz für nachhaltige Ernährungssysteme 12 LATERNE Hochschulen auf dem Weg zur Nachhaltigkeit: ein Ort für Experimente? 13 Zukunftsstadt Lüneburg 2030+ Gemeinsam anpacken für eine blühende Zukunft – Zivilgesellschaft und Wissenschaft schaffen Bewusstsein und Lebensräume für die Insektenund Pflanzenvielfalt in der Stadt 14 Zukunftsstadt Lüneburg 2030+ Räume neu denken und erleben – Im Experiment Lieblingsplätze wurden Ideen von Lüneburger:innen für Wohlfühlorte umgesetzt und drei Plätze temporär umgestaltet und bespielt 15 Quartier Zukunft – Labor Stadt Wie können wir heute und morgen in der Stadt gut leben – und dabei Mitwelt, Umwelt und Nachwelt achten? 16 Co-Site Eine Region im Wandel – Gemeinsam für Klimaanpassung 17 Sozial-ökologische Transformation des Campus Wie können Perspektiven und ein Netzwerk von beteiligten Stakeholdern aller Statusgruppen an der Hochschule erfasst werden? 18 Reallabor Kooperatives Wirtschaften Wie können wir resiliente und gemeinschaftsgetragene Versorgungsstrukturen im Werra-MeißnerKreis aufbauen und weiterentwickeln? 19 STABLE Wie kann es gelingen, ein sowohl klimaals auch sozialverträgliches Energiekonzept für den deutschen Mehrfamilienhaus-Bestand zu entwickeln? 20 SCAPE° – Wetter. Klima. Mensch. Wetter. Klima. Wandel: Wir nehmen dich mit 21 Zhoch3 Wie kann die soziokulturelle Daseinsvorsorge und der Zusammenhalt in vom Tagebau betroffenen Ortschaften gestärkt werden? 22 SODETE Schule und Bildungsforschung Hand in Hand: Ein Reallabor zur Entwicklung kommunaler Bildungslandschaften. 23 Reallabor Ausmalbild 24, 25 Standorte der Reallabore 26 Dresden – City of the Future 2030+ (DCF) This transdisciplinary research project was conceived to take a bottom-up and community-focused approach to explore new methods of participation and co-creation, which can advance urban sustainability transitions. DCF was divided into three phases, viz.: • Visioning (2015–2016), • Planning (2017–2018), and • Experimenting (2019–2022). In the first phase, citizens were invited to envision the future of their city in 2030 and beyond in vision building workshops (Zukunfts spin ne rei). The vision building process encouraged a debate on what “sustainability” means for the future of Dresden. A multi-faceted understanding of sustainability emerged, emphasizing a resilient city, local production and consumption cycles, a culture of care, creativity and cooperation, strong local communities, community building and global responsibility through local action. Based on this vision (Zukunftsbild), citizens were invited to develop conceptions of transition experiments in project workshops (Projektwerkstätten) in the second phase. These transition experiments (TE) were implemented in the third phase. The TE developed and trialled social innovations and governance innovations to transform society. Their focus ranged from edible cities, car-free districts, sustainable business models, nature education, partici patory governance within districts, to the circular economy. This experimentation process was accompanied by reflection and transfer workshops (Reflexionsund Transferworkshops) to encourage learning and exploration processes. Organisation DCF built on a transdisciplinary cooperation between the City of Dresden, the Leibniz Institute of Ecological Urban and Regional Development, Dresden University of Technology and local civil society initiatives. The transdis ci plinary coordination team, consisting of the City of Dresden and the scientific partners, was supported by a community manager, an intermediary who acted as a facilitator and mediator between the TE teams and the municipality, and a facilitor. She supported the design and facilitation of reflection workshops, and created the “Urban Transition Kit” to document lesson s learnt and enable knowledge transfer (see below). While the real-world laboratory with the co-creation process was designed and implemented by the transdisciplinary coordination team, the TE were designed and implemented by citizens/civil society initiatives (eight TE) and municipal staff (two TE). Lessons learnt By creating a dialogue on a sustainable future for Dresden and opening possi bili ties for co-creation, DCF strengthened both socioecological understanding and democratic governance. It challenged the prevalent understanding of participation in the municipality by shifting it from information and consultation to collaboration and empowerment. It promoted a shift in administrative culture from hierarchy to co-creation, and from planning and predictability to experimentation and exploration. However, the idea of learning-by-failing competed with the accountability structures of the public administration and their orientation towards control. While the ideas of participation and bottom-up governance were meant to empower citizens, complex administrative structures and procedures created a need for proficiency and technical expertise, which might exclude less professionalised actors. DCF illustrates that in a context of short-term funding structures, experiments might remain episodic interventions, which lack strategic connection and re-orientation. This projectification of funding stands in contrast to the idea of long-term transformation. DCF shows how citizens can develop alternative visions of sustainability, which move away from traditional soci - etal paradigms of economic growth and ecological modernisation towards so cial inno vations, sufficiency and common good orientation. The TE sought to strengthen participation and co-creation, community and trust building within neighbourhoods and urban districts. This contrasts with urbanism approaches that centre around economic development and commercialisation. The “Urban Transition Kit” (WerkStadtKoffer) was created as a virtual toolbox to synthesise and share the lessons learnt. It includes tutorials, handbooks and good practice examples of designing co-creation and participation processes, as well as TE to advance sustainability in particular domains. A report by: Franziska Ehnert [email protected] infos Dresden – City of the Future 2030+ Location Dresden, Germany Partners Landeshauptstadt Dresden, Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), Technische Universität Dresden, Regionalgruppe Dresden des BUND Sachsen e.V., Tafel Dresden e.V., Lokale Agenda 21 für Dresdene.V., Stadtgärtene.V., Sukuma artse.V., Konglomerate.V., Stadtteilverein Johannstadte.V., Pro Pieschene.V., futureprojectsGmbH Time Frame Phase I: 07/2015 – 05/2016 Phase II: 01/2017 – 06/2018 Phase III: 08/2019 – 12/2022 Funding German Federal Ministry of Education and Research (Bundesministerium für Bildung und Forschung) – Competition „Zukunftsstadt“ Online Information Zukunftsstadt Dresden Website www.zukunftsstadt-dresden.de IOER Project Website www.ioer.de/en/projects/ city-of-the-future Zur Tonne (The Food Bin). (Credit: Zur Tonne) Woche des guten Lebens (Week of the Good Life) – Parking Day. (Credit: Woche des guten Lebens) Illustration of the WerkStadtKoffer – “Urban Transition Kit” as used on the project website. (Credit: www.zukunftsstadt-dresden.de) Dresden – City of the Future 2030+ Empowering Citizens, Transforming Cities! Seite 3Reallabor-Report Dresden, April 2024 Kontext Klimaveränderungen und eine immer stärker besiedelte und versiegelte Stadt erfordern eine Neuverteilung und Gestaltung der verfügbaren öffentlichen Flächen. Gleichzeitig wandelt sich das Mobilitätsverhalten durch neue Nutzungsweisen und Angebote. Bestandsquar tiere stel len hier große Heraus for derungen dar– mengen mäßig, aber auch, weil bestehende Strukturen und das eigene Mobilitätsverhalten hinterfragt und Bürger*innen umfangreich be teiligt werden müssen. Wie können wir Mobilität und die urbane Nachbarschaft so gestalten, dass wir wachsenden Herausforderungen informiert und vorbereitet begegnen und gleichzeitig den Lebenswert steigern? Das aqt-Reallabor findet im Kontext der Mobilitätsstrategie 2035 und des Konzepts zum Stadtentwicklungsplan 2040 der Landeshauptstadt München statt. In einem historisch gewachsenen Projektviertel mit hoher Dichte und hoher Ver siegelungs rate werden exemplarisch die Herausforderungen und die Vulnerabilität urbaner Räume sichtbar. Die Bevölkerung des Viertels verfügt über einen mittleren bis hohen ökonomischen Status, das Viertel gilt als gentrifiziert. Es ist durch einen sehr hohen Parkdruck und eine mangelnde Flächengerechtigkeit des öffentlichen Raums geprägt. Reallabor Als Teil des Münchner Cluster für die Zukunft der Mobilität in Metropolregionen (MCube) wird aqt aus der Technischen Universität München (TUM) heraus geleitet und vereint Vertreter und Partner aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Das transdisziplinäre Konsortium arbeitet eng mit den Bezirksaussschüssen als lokale Entscheidungsträger zusammen. Die Anwohner im Quartier mit ihren Bedarfen sind die Hauptadressaten des Labors. Das eigentliche Experiment beschränkt sich auf den Straßenzug der Kolumbusstraße und zwei benachbarten Plätzen über eine Dauer von 5Monaten bei einer Gesamtprojektlaufzeit von 3Jahren. Die Experimente dienen dazu, Lösungen zu entwickeln, zu testen und zu iterieren. Der Prozess ist dabei top down angelegt, wobei die Akzeptanz der Bevölkerung als wichtige Kontroll instanz fungiert und Feedback in die Anpassung der Maßnahmen zurückfließt. Dadurch soll Transformationswissen erzeugt wer - d en, welches langfristig in einem Anschluss för der projekt eine Verstetigung und Über trag barkeit in andere S tadt viertel, Kommunen und Regionen sicherstellen soll. Ein Fokus liegt dabei auf Genehmigungs prozessen innerhalb der Stadtverwaltung, die eine Skalierung ermöglichen sollen. Experiment Im Projekt viertel wird in unmittelbarem Wohnund Projektumfeld das bestehende Mobilitätsnetz im Umwelt verbund weiter verdichtet und so Mobilität ohne ein eigenes Fahrzeug ermöglicht. Mobilität spunkte schaff en Shared-Mobility-Angebote und bieten Platz für Entwicklung der unterschiedlichen beteiligten Orga nisa tionen ein und werden auf ereitet, wie z.B. in Leh rformaten, Planungsverfahren, Handlungs empfehlungenund Durchführungsbeschrei bungen. Nicht zuletzt durch die überregionale mediale Berichterstat tung mit über 120 Beiträgen in Zeitungen, Radio und Fernsehen ist zudem eine umfassende politische Diskussion über die Zukunft von Mobi lität und einem lebenswerten Miteinander in Städten angestoßen worden. Konkrete politische Entscheidungen im Projektkontext verdeutlichen, wie der notwendige Wandel urbaner Mobilität begünstigt werden kann. Die Ergebnisse und Erkenntnisse aus der zivilgesellschaftlichen Beteiligung und Befragung werden im Frühsommer 2024 im Projektgebiet vorgestellt und diskutiert. Ein Beitrag von: Marco Kellhammer [email protected] Sebastian Preiß [email protected] E-Tret roller, Leihräder und Carsharing. Etwa 100Parkplätze werden temporär umgenutzt und zu öffentlich zugänglichen Freiräumen mit Hochbeeten, einer Sandfläche und Sitzgelegenheiten mit Beschattungen. Auf einem Straßenabschnitt wird die Entsiegelung von Verkehrsflächen räumlich erprobt. Letztlich geht es auch darum, das transformative Potential der Mobilitätswende mit Blick auf attraktive und lebens werte Stadtviertel aufzuzeigen. Das Projekt wird von zahlreichen Beteiligungsund Infor mations formaten begleitet. Im Projektgebiet werden direkt rund 7.000 Menschen informiert und ein Großteil davon aktiv in die Forschung mitein bezogen. Bürger sprech - stun den vor Ort, co-krea tive Work shops zu Urban Gardening und Zukunfts szenarien für das Viertel, wie ein vielfältiges Aktivitätenprogramm laden zum Dis kurs ein. Bereits während des Verlaufs zeugen viele Kommen tare, Gestaltungsvorschläge bis hin zu Workshops und Dialoggruppen auf nachbarschaftlicher Initiative von einer hohen Partizipations bereitschaft. Das erlangte transdiszipli näre Prozesswissen, Erkenntnisse und Ergebnisse fließen in die infos Autoreduzierte Quartiere für eine lebenswerte Stadt (MCube aqt) Standort(e) München: • Au, Kolumbusstraße • Giesing, Landlstraße Beteiligte Technische Universität München – Professur für Urban Design: • Lehrstuhl für Siedlungsstruktur und Verkehrsplanung • Lehrstuhl für Verkehrstechnik • Lehrstuhl für Vernetzte Verkehrssysteme • Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik Landeshauptstadt München: • Mobilitätsreferat • Referat für Stadtplanung und Bauordnung Stadtwerke München GmbH UnternehmerTUM GmbH – DigitalHub Mobility Hans Sauer Stiftung Laufzeit Phase 1, Forschungsprojekt: 1. November 2021bis 31.Oktober2024 Reallabor: 17. Mai 2023 bis 25.Oktober 2023 Finanzierung/Förderung Bundesministerium für Bildung und Forschung, Clusters4Future, Landeshauptstadt München Infos im Web TU München https://www.arc.ed.tum. de/ud/forschung/aktuelleforschungsprojekte/aqt/ MCube Cluster https://www.mcube-cluster. de/projekt/aqt/ MCube aqt Kolumbusstraße. (Quelle: Viktoriya Zayika) MCube aqt Schlotthauerplatz – Zukünfte-Forum. (Quelle: Viktoriya Zayika) Autoreduzierte Quartiere für eine lebenswerte Stadt (MCube aqt) Das transdisziplinäres ForschungsprojektMCube aqt entwickelt und testet ein räumliches und verkehrliches Konzept in einem Reallabor für Münchener Innenstadtquartiere. Welche Chancen entstehen für die Nachbarschaft, wenn Flächen für parkende Fahrzeuge umgewandelt werden und dem Gemeinwohl, sowie aktiven Mobilitätsformen dienen? Seite 4Reallabor-Report Dresden, April 2024 Das im Mai 2023 gestartete „Reallabor Jurapark Aargau“ bringt Forschende der ETH Zürich, der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, dem Wasserforschungsinstitut Eawag und der Eidgenössischen Material prüfungsund ForschungsanstaltEmpa mit dem Jurapark Aargau zusammen. Im Fokus stehen dabei die 55.000Bewohnerin nen und Bewohner aus 31Gemein den. Der Jurapark Aargau ist einer von 17Schweizer regionalen Naturpärken von nationaler Be deutung. Zwischen den Klein städten Aarau, Rheinfelden und Brugg gelegen, erstreckt er sich über eine Fläche von 300km². Mit regio nalen Naturpärken wie dem Jurapark Aargau will die Schweizerische Eidgenossenschaft die Kulturund Naturlandschaft erhalten und aufwerten. Zudem soll eine nachhaltige Wirtschaft in der Region gefördert und die Umweltbildung und -Sensibilisierung unterstützt werden. Der Jurapark Aargau zeichnet sich durch seine abwechslungsreiche Landschaft aus, welche im Norden vom Tafeljura und im Süden vom Kettenjura geprägt ist. In der Region wird eine extensive Landwirtschaft gepflegt, die sich durch die Nutzung von artenreichen Magerwiesen, Weiden und Hochstammkulturen auszeichnet. Im „Reallabor Jurapark Aargau“ identifizieren Forschende aus verschiedenen Disziplinen und Akteure diverser gesellschaftlicher Sektoren ge meinsam für die Region drängende Fragen der nachhaltigen Entwicklung, entwerfen und implementieren konkrete Massnahmen, und untersuchen, ob und wie diese vor Ort funktionieren. Wesentlich ist dabei die Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Das gemeinsame Lernen in Reallaboren umfasst auch das experimentelle Umsetzen von Nachhaltigkeitsmassnahmen in kleinem Massstab. Diese sogenannten Real experi mente dienen dazu, zu beobachten und zu analysieren, ob eine Idee in der Praxis funktioniert und welche Nebenwirkungen sie hat. Das erste Jahr des dreijährigen Projekts wird ausschliesslich für die gemeinsame Erarbeitung von Problemen und Massnahmen genutzt („Joint Problem Framing“1). Dafür wurden in einem ersten Schritt Themen definiert, mit welchen sich die verschiedenen Akteure aus der Region und der Forschung identifizieren. Geeignete Themen mussten somit (a) mit dem Fachwissen des ETH-Bereichs, (b) mit der strategischen Planung des Juraparks und (c) mit dem Interesse der Teilnehmenden aus dem Jurapark übereinstimmen. Basierend auf einer Umfrage des Jurapark Aargau unter den Amtstragenden der Gemeinden und Diskussionen im Projektteam und der Steuerungsgruppe des Projekts wurden die Themen „WassermanageIm dritten Workshop werden die als prioritär eingestuften Massnahmen zu Realexperimenten ent wickelt. Im zweiten und dritten Projektjahr findet die Umsetzung der entwickelten Experimente statt. Das Hauptziel der gemeinsamen Umsetzung von Realexperimenten ist, dass ein Austausch zwischen Jurapark-Bewohner:innen und ETH-Forschenden für eine nachhaltige Entwicklung in der Region stattfindet. Wir sehen die Realexperimente als Keimzellen, um diesen Dialog und Austausch zu vertiefen. Die Erkenntnisse aus dem Pilot projekt im Jurapark Aargau sollen dafür genutzt werden, weitere Reallabore in anderen Schweizer Pärken zu initiieren. Dafür werden über die gesamte Projekt dauer die For schungs fragen untersucht: (1) „Worauf ist beim Aufbau eines Reallabors in Regionalen Naturparks besonders zu achten?“ und (2) „Unter welchen Bedingungen wird sich das Wissen zwischen Denkkollektiven und Praktiken verändern?“ Ein Beitrag von: Tim Geiges [email protected] Philipp Lischer [email protected] Silvia Tobias [email protected] Christian Pohl [email protected] ment“, „Klimaanpassung“ und „Kreislaufwirtschaft“ als Startthemen ausgewählt Auf jedes Thema wurde der Ansatz des „Joint Problem Framing“ angewandt In drei 2-stündigen Workshops über einen Zeitraum von 4bis 6Monaten treffen sich dafür Interessierte aus der Region und der Forschung. An den Workshops nehmen in der Regel 15–25 Personen teil, eine Mischung aus Forscher.innen und Gemeinderät:innen, Landwirt:innen, lokalen Unternehmen, NGOVertreter:innen und kantonalen Behörden und weiteren Menschen aus dem Park. In den Workshops kombinieren wir Methoden der Soft-SystemsMethodology, des DesignThinking und der Knowledge Co-Production (vgl. td-net toolbox2). Der erste Workshop dient dazu, ein umfassendes Bild der aktuellen Situation zu entwickeln und innerhalb dieses Bildes Ansatz punkte für Interventionen zu identifizieren. Im zweiten Work shop werden diese Interventionspunkte zu konkreten Massnahmen weiter entwickelt und nach verschiedenen Kriterien wie beispielsweise die „Umsetzbarkeit“ bewertet und eingestuft. infos Reallabor Jurapark Aargau Standort(e) BernBern Luzern BaselBasel Jurapark Aargau Beteiligte Eidgenössische Technische Hochschule Zürich ETHZ Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL Eidg. Materialprüfungsund Forschungsanstalt Empa Eidg. Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz Eawag Jurapark Aargau Kanton Aargau Gemeinde Frick Bundesamt für Umwelt BAFU Bundesamt für Raumentwicklung ARE Laufzeit 36 Monate Finanzierung/Förderung ETH-Rat, ETHZ, WSL, Empa, Eawag Infos im Web https://jurapark-aargau.ch/reallabor Ausblick über die Gemeinde Elfingen im Jurapark Aargau. (Photo: Michel Jaussi) Interessierte aus der Forschung und dem Jurapark Aargau beim gemeinsamen Zeichnen zum Thema Klimaanpassung. (Photo: P. Lischer) 1 Pearce, B. B. J., & Ejderyan, O. (2020). Joint problem framing as reflexive practice: honing a transdisciplinary skill. Sustainability Science, 15(3), 683–698. https://doi.org/10.1007/S11625-01900744-2 2 https://naturwissenschaften.ch/ co-producing-knowledge-explained/ methods/td-net_toolbox Gemeinsam die Nachhaltige Entwicklung im regionalen Naturpark fördern Der Jurapark Aargau als Reallabor für Nachhaltige Entwicklung Die regionalen Naturpärke der Schweiz bieten ein ideales Umfeld für die konkrete Untersuchung nachhaltiger Entwicklungen sowie die gegenseitige Abwägung zwischen Naturschutz und der Nutzung natürlicher Ressourcen. Bei dem Reallabor im Jurapark Aargau handelt es sich um einen Prototyp, der bei Erfolg auch auf andere regionale Naturpärke übetragen werden kann Seite 5Reallabor-Report Dresden, April 2024 Die Verteilung und Nutzung des öffentlichen Raums spielen eine zentrale Rolle bei der Verkehrswende. Insbesondere in Städten ist der öffentliche Raum eine knappe Ressource, die durch unterschiedliche Nutzungen beansprucht wird. Derzeit wird ein Großteil des Straßenraums vom motorisierten Individualverkehr eingenommen, was sich jedoch nicht unbedingt im Modal Split widerspiegelt. Aus ökologischer und sozialer Perspektive stellt sich daher die Frage, wie der öffentliche Straßenraum neu verteilt und umgestaltet werden kann, um möglichst vielen Stadtbewohner*innen zugute zu kommen und aktive Mobilität zu fördern. Diese Fragestellung wurde von der interdisziplinären Forschungsgruppe EXPERI– Die Verkehrswende als sozial-ökologisches Realexperiment (TUBerlin, RIFS, DLR) – untersucht und ein fünfwöchiges Realexperiment in Berlin-Charlottenburg durchgeführt. Das Realexperiment wurde durch partizipative Formate sowie qualitative und quantitative Forschungsmethoden begleitet. Eine Kreuzung wird zum experimentellen Stadtplatz Mit dem Ziel, den Straßenraum von motorisiertem Individualverkehr zugunsten von öffentlichen Flächen für aktive Mobilität, urbanem Grün und Freizeitaktivitäten umzugestalten, hat die Forschungsgruppe in Zusammenarbeit mit der Bezirksverwaltung, einer nachbarschaftlichen Organisation und den Anwohner*innen eine Kreuzung zu einem Stadtplatz umgestaltet. Dies geschah von Ende September bis Ende Oktober 2020, indem das DLR Institut für Verkehrsforschung mithilfe der rechtlichen Grundlage von §45 der StVO und in Kooperation mit dem Bezirk CharlottenburgWilmersdorf die Kreuzung Horstweg/Wundtstraße in Berlin-Charlottenburg für fünf Wochen zu einem autofreien Platz umgewandelt hat. Dadurch sind 26Park plätze weggefallen, gleichzeitig hat das Forscherteam zusammen mit REWE angeboten, dass 20Autos kostenlos auf dem REWEParkplatz (10Gehminuten vom Stadtplatz entfernt) geparkt werden können. Interessanterweise wurde dieses Angebot kaum genutzt. Der Umgestaltung der Kreu - zung ging eine langjährige Diskussion mit der Bezirks - verwaltung und der zivilge - sellschaftlichen Organisation voraus. Diese vorherigen Prozesse ermöglichten die Um - gestaltung zunächst im Rahmen eines Realexperimentes zu erproben, bevor eine endgültige Entscheidung über die Umgestaltung getroffen werden sollte. Während der Durchführung des Realexperimentes wurden den Anwohnenden verschiedene Aktivitäten zur Nutzung des Platzes und Bewohner darüber hinaus Feedback zu den Maßnahmen geben und eigene Ideen einbringen. Zudem konnten zu Beginn des Projekts Wünsche für die Umgestaltung anhand eines Fotoplakats auf dem Stadtplatz „im Vorbeilaufen“ mit Klebepunkten priorisiert werden. Hierdurch sollte eine niedrigschwellige und schnelle Beteiligung ermöglicht werden. Darüber hinaus wurden auch öffentliche Versammlungen auf dem Stadtplatz abgehalten, bei denen die Anwohnenden zu Wort kommen konnten. Auch Kinder wurden mit einer Fokusgruppe in den Prozess eingebunden. Vom Experiment zur Verstetigung Der Experimentierprozess wur de umfangreich mit einer Haushaltsbefragung, Interviews mit Gewerbetreibenden, Tiefen inter views mit Kritiker*innen, Verkehrszählungen und -beobachtungen wissen schaftlich be glei tet. Er geb nisse sind in den untenstehenden Veröffentlichungen zu finden. Die langfristige Umgestaltung des Stadtplatzes wurde dann unter Berücksichtigung der Ergebnisse vom Bezirk entschlossen. Die Umgestaltung der Kreuzung wird sukzessive umgesetzt. Ein Beitrag von: Anke Klaever anke.klaeve[email protected] Julia Jarass [email protected] angeboten und auf Basis der geäußerten Wünsche entwi - ckelt. Dazu gehörte unter anderem der Bau von Sitzmöbeln, ein Flohmarkt, ein Nachbar - schaftsfest mit Livemusik, ein gemeinsames Frühstück auf dem Platz, Pflanzaktionen und Spielmöglichkeiten für Kinder. Beteiligungsaktivitäten Zusätzlich wurden verschiedene Formen der Beteiligung durchgeführt, um die Ideen und Vorstellungen der Gestaltung und Nutzung des Platzes mit einzubeziehen. Dabei stand jedoch nicht die Frage im Vordergrund, ob eine temporäre Umgestaltung stattfinden soll, sondern wie sie stattfinden soll und was für eine Verstetigung wünschenswert wäre. Die Absicht bestand darin, dass die Bewohner*innen den Raum selbst aneignen und Aktivitäten mitgestalten. Zu den unterschiedlichen Beteiligungsformaten gehörten Informationsbriefe, wöchentliche Updates zu Aktivitäten und weiteren Schritten. Diese Informationen wurden auch an einer Informationstafel im installierten Parklet veröffentlicht. An dieser Tafel konnten die Bewohnerinnen infos Stadtplatz Klausenerplatz Kiez Standort(e) Berlin, Charlottenburg-Wilmersdorf Beteiligte DLR Institut für Verkehrsforschung TU Berlin IASS/RIFS Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf Lokale zivilgesellschaftliche Organisation „Schöne Flächen“ Parklet, Bezirk Tempelhof-Schöneberg REWE Laufzeit 5 Wochen im Herbst 2020 Finanzierung/Förderung Bundesministerium für Bildung und Forschung, FONA-Strategie Infos im Web https://verkehrsforschung.dlr.de/de/ projekte/realexperiment-temporaererstadtplatz-klausenerplatz-kiez Kultursamstag auf dem Stadtplatz (Foto: Nähring 2020) Informationsveranstaltung auf dem Stadtplatz (Foto: Bauer 2020) Platz statt Kreuzung Umgestaltung des Straßenraums: mehr Aufenthalts qualität im öffentlichen Raum als Treiber für die Verkehrswende Literatur: Jarass, J. et al. 2021. Platz statt Kreuzung – Straßenraum neu denken: Mehr Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum als Treiber für die Verkehrswende. Internationales Verkehrswesen 73/4: 18–22. BABLE – Vom Verkehrsknotenpunkt zum Stadtplatz (www.bable-smartcities.eu) Seite 6Reallabor-Report Dresden, April 2024 Im Herzen Flensburgs ent - steht mit dem Sanierungsgebiet Hafen-Ost ein visionäres Stadtquartier, das mit rund 900Wohnungen, Gewerbe und attraktiven Freiräumen die Zukunft des urbanen Lebens neu definieren soll. In einer Zeit, in der die Forderungen nach Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit immer lauter werden, wird hier ein neuer Ansatz der Stadtent - wicklung erprobt: Wie gestalten wir Städte, die nicht nur lebenswert, sondern auch zukunftsfähig sind? Denn un - sere gebaute Umwelt schafft immer auch Infrastrukturen, die unseren Alltag prägen und darüber entscheiden, ob nachhaltiges Verhalten eher erschwert oder erleichtert wird. Im Fokus stehen daher suffizienzorientierte Prinzipien wie autoarme Mobilität und die Vergabe von Grundstücken nach sozial-ökologischen Kriterien in Konzeptvergabe und Erbbaurecht. Die Entwicklung des Quartiers basiert zudem auf einem partizipativen Prozess mit Bürger:innen und Expert:innen. Neue Rahmenbedingungen für ein ressourcenschonendes Leben in der Stadt Der akute Mangel an bezahlbarem und angemessenem Wohnraum in vielen Städten und ein übermäßiger Naturverbrauch bleiben zentrale Herausforderungen unserer Zeit. Da bisherige Ansätze allzu oft Zielkonflikte zwischen sozialen und ökologischen Erfordernissen statt sozialDenn an Ideen und Ansätzen mangelt es nicht, wohl aber an einer integrierten und nachhaltigen Umsetzung. Es entstand eine enge Zusammenarbeit zwischen Forschenden und Verwaltungsmitarbeitenden, die sich in intensiven Diskussionen, gemeinsamen Workshops und einer Exkursion mit Politik und Verwaltung, öffentlichen Veranstaltungen und Publikationen niederschlug. Die Soziologin und damalige Projektleiterin Michaela Christ weist dabei auch auf den durchaus konfliktreichen Charakter hin: „Die Transformation zur Nachhaltigkeit und insbesondere eine suffizienzorientierte Stadtentwicklung sind umstritten. Denn infrastrukturelle Anpassungen greifen in Alltagsgewohnheiten ein. Zudem bricht Suffizienz mit dem Dogma, dass Probleme immer durch Wachstum gelöst werden kön nen. Wer dem Ressourcenund Flächenverbrauch wirksam begegnen möchte, muss urbane Räume umverteilen und nicht-nachhaltige Praktiken de-privilegieren.“ Es erklärt, warum diese Nachhaltigkeitsstrategie von manchen vor allem mit Verzicht und Verboten assoziiert wird. Gemeinsam in die Zukunft: Transdisziplinäre Forschung &partizipative Planung Im Projektverlauf wurde deutlich, dass insbesondere die Exkursion nach Hannover und die verschiedenen Beteiligungsund Diskussionsformate wertvolle Impulse für eine konstruktive Debatte liefern konnten, um den Suffizienzansatz mit Leben zu füllen und seine Bedeutung für eine nachhaltige Stadtentwicklung auch politisch zunehmend anzuerkennen. Mit dem Projekt Hafen-Ost sind vielversprechende Voraussetzungen geschaffen wor den. Ob diese nun erfolgreich und konsequent umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Das Projekt zeigt aber schon jetzt, dass es Mut zum Experiment und Bereitökologische Lösungen produzieren, gewinnt ein neuer Ansatz in der Stadtentwicklung zunehmend an Aufmerksamkeit: Suffizienzstrategien setzen nicht allein auf technische Lösungen, sondern vor allem auf nachhaltige Rahmenbedingungen, den Umbau von Infrastrukturen und auf soziale Innovationen. Sie zielen auf die Anerkennung planetarer Grenzen und die gesellschaftliche Verständigung über soziale Grundlagen und deren gerechte Gestaltung. Doch wie sieht das in der Praxis aus? „Für die Quartiersentwicklung Hafen-Ost wurden im Vorfeld wichtige Voraussetzungen geschaffen“, so Claudia Takla Zehrfeld, Fachbereichsleiterin Stadtentwicklung und Klimaschutz der Stadt Flensburg. „2020 wurden Leitlinien für die Entwicklung eines nachhaltigen Stadtquartiers und schließlich im Dezember 2022 der Gestaltungsund Rahmenplan politisch beschlossen.“ Kennzahlen wie eine angestrebte Wohnfläche von 30m² pro Person, ein reduzierter Stellplatzschlüssel von 0,4 und 2–4 Fahrradstellplätze pro Wohneinheit sowie 18,5m² Grünfläche pro Einwohner:in sind exemplarische Ergebnisse dieses Prozesses. Von der Theorie zur Praxis: Hafen-Ost als Reallabor Als transdisziplinäres Forschungsprojekt hat HafenOst Wissenschaftler:innen, Stadt ver waltung, Politik, Pla nungs büros und Bürger:innen zusammengebracht, um gemeinsam innovative und nachhaltige Lösungen für das neu entstehende Stadtquartier zu entwickeln. Das Projekt, so ein zentrales Fazit, hat eine einzigartige Möglichkeit geschaffen, Suffizienzstrategien von der Theorie in die kommunale Praxis zu überführen und sich dabei nicht in einer kleinteiligen Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu verlieren. Dabei halfen nicht nur der fachliche Austausch untereinander, sondern auch Beispiele aus anderen Städten. schaft zum offenen Austausch braucht, um innovative Wege zu beschreiten und unsere Städte lebenswerter und nachhaltiger zu gestalten. Gelingt dies, so könnte in Flensburg künftig ein neuer Leuchtturm mit bundesweiter Strahlkraft leuchten. Ein Beitrag von: David J. Petersen [email protected] Auf dem Gelände des Hafen-Ost, in bester Wasserlage gegenüber der histori schen Altstadt, soll auf 39,5ha Landfläche ein neues Quartier entstehen. (Foto: Raake) Die Ansprüche sind hoch: sozial gemischt, nachhaltig, urban soll es sein. Eine erste Übersetzung dessen findet sich im Rahmenund dem obigen Gestaltungsplan. infos Das Reallabor Hafen-Ost war Teil des transdisziplinären Forschungsprojektes „Entwicklungschancen und -hemmnisse einer suffizienzorientierten Stadtentwicklung“ (EHSS) Standort(e) Flensburg Beteiligte Norbert Elias Center for Transformation Design & Research der Europa-Universität Flensburg und Stadt Flensburg Laufzeit EHSS I (24 Monate) EHSS II (26 Monate) Finanzierung/Förderung Zukunftsstadt, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung / FONA Infos im Web Forschungsprojekt EHSS https://www.uni-flensburg.de/ nec/forschung/ehss Projekt Hafen-Ost https://www.ihrsan.de/ stadterneuerung/hafen-ost Suffizienz als Schlüssel für eine nachhaltige Stadtentwicklung Die Transformation des Flensburger Hafen-Ost: Ein Leuchtturmprojekt für zukunftsfähiges Wohnen und Arbeiten? Das transdisziplinäre Forschungsprojekt EHSS untersuchte die Verbindung von Suffizienzstrategien und urbaner Transformation am Beispiel der Quartiersentwicklung in Hafen-Ost. Seite 7Reallabor-Report Dresden, April 2024 Dieser Fragestellung geht der Forschungsverbund aus drei Niedersächsischen Universitäten (Leibniz Universität Hannover, Technische Universität Braunschweig, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) an der Niedersächsischen Küste zwischen Ems und Weser nach. Im Reallabor „Gute Küste Nieder sachsen“ wird gemeinsam mit lokalen Akteur*innen an der Nord see küste unter sucht, wie öko systemstär ken de Maß nahmen den tradi tionel len Küsten schutz sinn voll ergänzen können. Mit dieser Ziel stellung erforschen, testen und dis kutieren For schende aus den Bereichen Küsten ingenieur wesen, Geoöko logie, Frei raum ent wicklung, öko logische Öko nomie, Um welt pla nung, Was ser bau und Was ser wirt schaft sowie marine Biologie und Chemie potenzielle Lösungen für den künftigen Küsten schutz. Ökosystembasierte Maß nahmen im Küstenschutz – Warum? Im Spannungsfeld zwischen stetig wachsenden küstennahen Siedlungszentren sowie der von Wind und Wetter geformten Küste, verlaufen Küstenschutzbauwerke. An der Schnittstelle zwischen Land und Meer erheben sich Seedeiche, um tiefliegende Gebiete mit ihren Schutzgütern vor Sturmfluten zu schützen. Globale Veränderungen der klimatischen Verhältnisse, beschleunigt durch menschliche Aktivitäten, führen bereits zu messbaren Auswirkungen auf Küsten, wie dem Anstieg des Meeresspiegels, mit höher auslaufenden Sturmfluten, eine Zunahme von Gezeitenamplituden sowie Strömungsgeschwindigkeiten. Folgerichtig ist es an der Zeit Küstenschutzkonzepte zu revidieren. Bisherigen Ansätze zielen oft ausschließlich auf den Hochwasserschutz ab und prüfen nicht, wie weitere Funktionen des Gesamtsystems, wie z. B. die Bereitstellung küstenspezifischer Lebensräume für Tiere und Pflanzen oder Umweltbildung und Freizeitnutzungen gleichsam erfüllt werden könnten. Wie sich maritime Landschafts formen, wie Salzwiesen oder Stranddünen, in gängige Schutzkonzepte inte grieren lassen und welchen funktionellen zusätzlichen Schutz durch Wellendämpfung oder selbständige Adaption sie bieten, wird in dem Projekt „Gute Küste Niedersachsen“ untersucht. So dämpfen Salzwiesen, Seegraswiesen oder Küstendünen auf natürliche Weise Wellen, fördern die Ablagerung von Sedimenten und verringern Erosion. Naturbasierte Küstenschutzmaßnahmen helfen so nicht nur dem Küstenschutz, sondern bringen auch durch geführt. Wissenschaft - liche Messkampagnen (physikalische, ozeano graphische, bio geo chemische und ökosystemare Messungen), werden durch Ortsbegehungen und Workshops mit Küstenakteur*innen ergänzt, um gemeinsam alternative Konzepte für den Küstenschutz zu entwickeln und deren sozialökologische Auswirkungen zu bewerten. Die Beteiligten kooperieren dabei in allen Phasen der Reallaborarbeit: von der Auswahl der Ex peri mentier stand orte und der Aus ge staltung der Experi ment ideen (Co-Design) über die gemeinsame Umsetzung (Co-Produktion) bis zur Interpretation der Ergebnisse und Überlegungen zu weiteren Umsetzungsund Anpassungserfordernissen natur basierter Maß nahmen (Co-Evaluation; siehe Abbildung oben). Das Reallabor „Gute Küste Niedersachsen“ stellt also Versuchsund Lernräume für natur basierte und ökosystemstärkende Lösungen im Küsten schutz dar, in welchen Forschende und Partner*innen aus der Küstenund Natur schutz praxis gemeinsam lernen, welche Ansätze funktionieren und wie sie an spezifische Stand orte angepasst werden müssen. Ein Beitrag von: Evke Schulte-Güstenberg [email protected] Daniela Kempa [email protected] Vorteile für den Naturund Klimaschutz. Im Projekt „Gute Küste Niedersachsen“ werden über Jahre Daten erhoben. Diese Felddaten werden in einem weiteren Schritt genutzt, um die Naturräume im Labor abzubilden und an Modellen verschiedene Systemzustände zu testen, um anschließend Handlungsemp fehlungen für den Küstenschutz zu formulieren. Wie kann ein Reallabor bei der Umsetzung helfen? Im Forschungsprojekt „Gute Küste Niedersachsen“ wird ein Reallaboransatz genutzt, um standortgerechte Lösungen für die niedersächsische Küste als Lebensund Wirtschaftsraum zu entwickeln. Forschende erarbeiten zusammen mit Küsten akteur*innen aus der Praxis und der Zivilbevölkerung Forschungsfragen, generieren neues Wissen und setzen die Erkenntnisse gemeinsam um. So wollen wir wissenschaftliche Forschung mit breiter Akzeptanz und Prakti kabilität der entwickelten Lösungen verbinden. An den drei Reallaborstandorten, in Neßmersiel, Butjadingen und auf Spiekeroog werden Real experimente Das Logo des Forschungsverbunds. (Quelle: gute-kueste.de) Reallabor „Gute Küste Niedersachsen“ (Kempa/Karrasch/Schlurmann et al. 2023; grafische Aufbereitung durch F. Brennecke und D. Kreis infos Gute Küste Niedersachsen Standort(e) Neßmersiel, Spiekeroog und Butjadingen Beteiligte Leibniz Universität Hannover • Ludwig-Franzius-Institut für Wasserbau, Ästuarund Küsteningenieurwesen • Institut für Umweltplanung • Institut für Freiraumentwicklung Carl von Ossietzky Universität Oldenburg • Institut für Chemie und Biologie des Meeres • Lehrstuhl Ökologische Ökonomie Technische Universität Braunschweig • Leichtweiß-Institut für Wasserbau • Institut für Geoökologie Laufzeit 60 Monate Finanzierung/Förderung gefördert durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und die Volkswagen Stiftung Infos im Web http://gute-kueste.de/ Gute Küste Niedersachsen Reallabore für einen ökosystemstärkenden Küstenschutz Was ist eine „gute Küste“, an der wir sicher vor Naturgefahren, im Einklang mit der Natur, eingebettet in die gewachsene Kulturlandschaft, verantwortungs bewusst und nachhaltig leben und wirtschaften können? Seite 8Reallabor-Report Dresden, April 2024 infos Future Proof Grasslands (FPG) Standort(e) Ostfriesland, Wesermarsch; nordwestdeutscher Küstenraum Beteiligte • Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen e.V. • Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg • Georg-August Universität Göttingen • Jade Hochschule Wilhelmshaven, Oldenburg, Elsfleth • Hochschule Osnabrück • Johann Heinrich von ThünenInstitut • Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie Laufzeit 01. Oktober 2022 bis 30. September 2027 (60 Monate) Finanzierung/Förderung Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) Infos im Web https://www.gruenlandzentrum.org/ projekte/future-proof-grasslands/ Neue Herausforderungen für Was ser management und Grünland Der nordwestdeutscheKüstenraum zeichnet sich durch eine ausge prägte Grünland region aus, welche hauptsächlich der (Milchvieh-)Landwirtschaft dient (s. Abb.oben). Die Binnenentwässerung stellt seit Jahrhunderten die Grund lage für die Bewirtschaftung und Besiedlung des Grün landes dar, welches über die kulturhistorische Bedeutung hinaus diverse Öko system leistungen (ÖSL) erfüllt (Scholle etal., 2006). Der Klima wandel stelltdas traditionelle Wasser management vor neue He raus forderungen. Bereits sicht bar wurden die Auswirkungen erhöhten Nie - derschlags im Winter 2023/24 und einer durch Trocken heit bedingten Mäuse plage im Sommer 2019 (ML, 2020). An - gesichts dieser Prognosen ist eine Trans formation zu einem ökosystem stärkenden, inte grierten Wasser management erforderlich, das neben der Entwässerung auch den voraus blickenden Wasserrück halt mit ein schließt. Dies verlangt ebenso eine nachhaltige Gestaltung der Landwirt schaft und anderer Raumnut zungen. Das FPG-Vorhaben Das Future Proof Grasslands (FPG)-Projekt (vgl. Krause & Paech, 2022) zielt darauf ab, das notwendige Wissen für ein ange passtes, inte griertes Wassermanagement in nord westdeutschen Grün land regio nen zu generieren. Durch ein transund inter disziplinäres Vorgehen gestaltet FPG den Transformations prozess und erprobt diesen exemplarisch in zwei Unter suchungs gebieten (USG), welche auf Basis der regionalen Entwässerungsver bände definiert wurden. Neben der Zusam men arbeit im Projektkon sortium (s.Info box rechts) kooperiert FPG regional innerhalb sog. Gebietskooperationen (GK) mit Praxisakteuren, wie z.B. der Landwirtschaft, Entwässerungsverbänden, dem Tourismus, dem Naturschutz (Behörden sowie NGOs), Land kreisen, Kommunen und Wasserverbänden (s.Abb. unten). FPG vermeidet die Bezeichnung eines Reallabors. Da aber entsprechende An sätze genutzt werden, leistet es den vorliegenden Zeitungs beitrag und bezieht sich dabei v.a. auf zukünfti ge Schritte des Vorhabens. Das Konzept der ÖSL (vgl. Burkhard et al., 2012) nimmt eine Schlüsselrolle ein. Als boundary object (vgl. Abson et al., 2014) vereint es die verschiedenen Disziplinen und Akteu - re, indem es eine gemeinsame Sprache erzeugt. Die Unter - suchung der Einflüsse unterschiedlicher Land nutzungen auf die Ökosys teme und deren Leistungen bietet die Grundlage für die Er ar beitung des System-, Zielund Transformations wis sens für eine ökosys temstärkende Grünlandent wicklung mit integriertem Wassermanagement. Im Co-Design wird in den beiden USG je eine regionale GK gebildet und der Ist-Zustand der Grünlandregionen und seiner ÖSL erfasst. Ein multiperspektivisches Problemver ständ nis wird geschaffen, indem u.a. die verschiedenen Akteure für die ÖSL des Grünlands und Auswirkungen des Klimawandels sensibilisiert wer den und ein gegenseitiges Verständnis der verschiedenen Landnutzungsansprüche erlangen. Darüber hinaus werden im Co-Design mit der GK die drei Zukunftsszenarien in dem jeweiligen USG ausgestaltet. Die Co-Produktion umfasst die Untersuchung des Einflusses eines integrierten Wassermanagements bei unterschiedlicher Landnutzung auf die Grünlandökosysteme und ihre Leistungen am Beispiel der drei Zukunftsszenarien. Neben der Modellierung werden mögliche Maßnahmen zur Realisierung dieser Szenarien pilothaft in den Exaktversuchen getestet, mit der GK reflektiert und ggf. nachgesteuert. Nach gemeinsamer Beurteilung der Ergebnisse wird in der Co-Evaluation mit denGK je ein Leitszenario für ein zukunfts fähiges, ökosystemstärkendes, inte griertes Wassermanagement bestimmt. Dazu werden Handlungs optionen mit klarem politischen Bezug sowie Umsetzungs perspektiven ent - wickelt. Es wird ein Empowerment angestrebt, sodass die GK auch über die Laufzeit von FPG hinaus das Grünland zukunftssicher gestalten und die Akteure als Nutzer zu einer ökosystemstärkenden Grünlandwirtschaft beitragen. Ziel ist die Sicherung und Stärkung der ÖSL für zu - künftige Generationen, wodurch außerdem die sozial-ökologi - sche Integrität gestärkt wird. Unter Berücksichtigung kon - textueller Faktoren können die regionalen FPG-Lösungen modellhaft Standorte mit ähnlichen Herausforderungen bei der Gestaltung des ZusammenLeitbildentwicklung im Co-Kreationsprozess FPG durchläuft iterativ einen Co-Kreationsprozess (vgl. Mauser etal., 2013) am Beispiel von drei Szenarien, welche als lösungsorientiere Zukunftsvisionen dienen. Während die konkrete Ausgestaltung im Prozess der CoKreation erfolgt, wurde ein gewisser Rahmen zum Wasserrückhalt bei unterschiedlicher Land nutzung vorab von dem Projekt konsortium definiert: SzenarioA (Weiter so) repräsentiert als Kontroll szenario die traditionelle Binnenentwässerung. SzenarioB (Temporärer Wasser rückhalt) zielt mit temporärem Was ser rück halt für Trocken perioden auf die Erhaltung einer ertragssicheren Grünlandwirtschaft ab. Szenario C (Permanenter Was ser rückhalt) steht für einen Paradigmenwechsel mit permanentem Wasserrückhalt, welcher der Stärkung ver schiedener ÖSL dient. spiels von Grünlandökosyste - men und Wassermanagement unterstützen. Ein Beitrag von: Anne-Marie Walczuch [email protected] Jule Froehlich jule.talea.froehlich@uni-oldenburg. de Typischer Anblick der Grünlandregion mit Milchviehbeweidung und Entwässerungsgräben in der Wesermarsch (Quelle:Grünlandzentrum, o. D.) Co-Kreationsprozess in FPG (vgl. Krause & Paech, 2022) Diesem Transformationsprozess widmet sich der interund trans diszi pli näre Forschungsverbund FPG und erprobt Möglichkeiten eines integrierten Wasser - managements und ökosystemstärkenden Grünlands pilothaft an zwei Standorten. Future Proof Grasslands (FPG): Stärkung der Öko sys tem leistungen in den Grünland regio nen des nordwest deutschen Küstenraumes durch Anpassung des Wassermanagements an den Klimawandel Nordwestdeutsches Grünland und Wassermanagement im Wandel: Wie können sie zukunftssicher und ökosystemstärkend gestaltet werden? Seite 9Reallabor-Report Dresden, April 2024 Ausgehend von der Erwartung, dass im Jahr 2050 rund zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben werden, ist es sinnvoll, Nachhaltigkeit genau hier, im Stadtraum, auszuprobieren. Die Karlsruher Oststadt als gewachsenes, typisch europäisches Quartier kann dabei Modell sein für andere urbane Lebensräume in Europa und ist das Herzstück des Reallabors. Hier soll exemplarisch ausprobiert werden, wie Nachhaltigkeit ganz praktisch im Alltag funktionieren kann. In der Oststadt finden sich ganz unterschiedliche Strukturen, Menschen mit verschiedensten Hintergründen und Lebensentwürfen. Dabei liegt der Fokus auf einer nachhaltigen Transformation im Bestand. So wird der Stadtteil zum dichten Mikrokosmos und Versuchstraum, einem echten „Reallabor“ eben. Nachdem in den ersten Jahren der Fokus auf der Oststadt lag, weitet sich der Aktionsradius des Reallabors seit einiger Zeit vermehrt auf die gesamte Stadt Karlsruhe aus, etwa in dem aktuellen Projekt KARLA. Eine langfristige, transformative Infrastruktur Reallabore sind Orte des Experi mentierens. Quartier Zukunft besteht seit über zehn Jahren und bietet als dauerhafte transdisziplinäre und t ransformative Infrastruktur einen Rahmen und öffnet Räume, um gemeinsam ein gutes Leben für heute und morgen zu entwickeln, zu erproben und zu erforschen. Das interdisziplinäre wissen schaft liche Team des Real la bors koordiniert und moderiert die Nachhaltigkeits ar beit im Viertel und begleitet sie forscherisch. Die Themen werden dabei in einem „dialogisch-intui tiven Prozess“ (Trenks et al. 2018, S. 235) im CoDesign zwischen Bewohner*innen und Wissen schaftsteam i d e n t i fi z i e r t . Die Reallaborforschung ist dabei nicht auf einen Themenbereich beschränkt, sondern verfolgt einen ganz heitlichen An satz und nimmt dazu verschie denste Nach haltig keitsbereiche in den Blick. Als Nach haltig keitsverständnis orientieren wir uns hierbei an dem integrativen Konzept Nachhaltige Entwicklung (IKoNE; Kopfmüller et al. 2001) und Vertiefen diese durch personale Nachhaltigkeit, die die innere Transformation des Menschen betrachtet. Bei spiele dafür sind etwa Ener gie ver sor gung, Mobi li tät, Kon sum oder Er näh rung, immer mit einem Fokus auf die sozialen As pek te einer Nachhaltig keits trans for ma tion. Dabei brin gen die ver schiede nen fach li chen Hin ter gründe des Real labor-Teams eine Viel falt an Kompe tenzen und Heran gehensweisen mit. Allein stel lungs merk mal des Methode transformativer und transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung werden Realexperimente genutzt, um im real welt lichen Kontext wis sen schaft lich in einem experimentellen Vorgehen (tem - poräre) Veränderung hin zu einer nachhaltigen Entwicklung an zu stoßen (Parodi et al. 2016). Hier eine kleine Auswahl: • Dein Nachhaltigkeitsexperiment – eine Realexperimentreihe mit Bürger:innen zum Thema Gemeinschaft und Entschleunigung (im Rahmen des Projekts R131) • Dein BalkonNetz – Energie schafft Gemeinschaft: Ein Real ex peri ment zum Thema PV und Bürger:innen ener gie (im Rahmen des Projekts „Energietransformation im Dialog“) • Nachhaltigkeits-Selbst experi mente in diversen Formaten und Settings • Klimacoaches: Netzwerkund Ausbildung (im Rahmen des Projekts „Klimaschutz gemeinsam wagen!“) • Energiewendetouren durch das Quartier (im Rahmen des Projekts „Energietransformation im Dialog“) • Transformations experi mente im Bereich kli ma freundliche Kantinen, Dienst rei sen, Fachkräfte aus bil dung und nachhaltiges Bauen (im Rahmen des Projekts KARLA– „Karls ruher Real labor nach haltiger Klimaschutz“) • Realexperimente zu einer „Kultur der Nachhaltigkeit“ an Hochschulen in den Bereichen Bildung für nachhaltige Entwicklung, Partizipative Hochschulsteuerung, nachhaltiger Betrieb, Transfernetz werke, Forschung und Nachhaltigkeitskommunikation (im Rahmen des Projekts Hochschulen in Gesellschaft – Realexperimente transformativer Lernund Forschungsprozesse für Quar tier Zukunft ist, neben der Themen viel falt, auch das B e s t r e b e n d i e R e a l l a b o r i n f r a - struk tur dauerhaft in Karlsruhe zu etablieren. Herzstück und physischer K ris tal lisa tionspunkt aller Real - labor aktivi täten ist der „Zukunftsraum für Nachhaltigkeit und Wissenschaft“ in der Karlsruher Oststadt. Er ist Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Bürgerschaft und Quartiersbüro des Reallabors. Regelmäßig finden im Zukunftsraum Seminare, Workshops, Vorträge und Ausstellungen statt. Zusätzlich betreibt das Reallabor mit dem MobiLab (Mobiles Partizipationslabor) s eit 2021 eine mobile Real labor - infrastruktur in Form eines Tiny House. „Dichte Nachhaltigkeit“ durch eine Fülle an Realexperimenten und Nachhaltigkeitsaktivitäten im Reallabor Seit seinem Bestehen hat eine Vi elzahl an transdisziplinären Projekten und Realex perimenten mit verschiedenen Themenschwerpunkten im Real labor stattgefunden. Als eine Kultur der Nachhaltigkeit an Hochschulen (KuNaH), laufend). Ein Beitrag von: Helena Trenks [email protected] Susanne Ober susanne.o[email protected]u Für uns als Reallabor ist der Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern besonders wichtig. Wir brauchen die Impulse außerwissenschaftlicher Akteur:innen, um mit unserer Forschung eine gesellschaftliche Wirksamkeit zu erzeugen. Denn der Wandel zu einer nachhaltigen Zukunft findet in der Gesellschaft statt und kann deshalb nicht ohne sie und ihre Ideen passieren. Oliver Parodi Leiter des Quartier Zukunft „ infos Quartier Zukunft – Labor Stadt Standort(e) Karlsruhe, Süddeutschland, Region Mittlerer Oberrhein Karlsruher Oststadt: • 20.000 Einwohner*innen • 13.000 Haushalte • 5,2 km² Beteiligte Verschiedene Organisationen und Institutionen, von zivilgesellschaftlichen Partnern bis zu Forschungspartnern. Eine Auswahl der zivilgesellschaftlichen Partner findet sich auf der Website des Quartier Zukunft (s.u.) Wissenschaftliche Kooperationspartner finden sich auf der Website des KIT Transformationszentrums (s.u.) Laufzeit Besteht seit 2012, seit 2014 in der Oststadt aktiv Finanzierung/Förderung Diverse Fördermittelgeber (je nach Projekten), z.B. MWK, Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF), UBA, BMU Infos im Web Quartier Zukunft www.quartierzukunft.de KIT Transformationszentrum www.transformationszentrum. org Podcast: Labor Zukunft – Forschung ohne Kittel Zukunftsraum 2023. (Quelle: Karlsruher Transformationszentrum) Reallaborveranstaltung. (Quelle: KIT, Markus Breig) Das Reallabor „Quartier Zukunft – Labor Stadt“ bringt das „Morgen zum Mitmachen“ ins Quartier Oststadt in Karlsruhe Wie können wir heute und morgen in der Stadt gut leben – und dabei Mitwelt, Umwelt und Nachwelt achten? Das gute Leben der Zukunft in Städten erproben: Gemeinsam mit Bürger:innen will das Reallabor Quartier Zukunft das Stadtquartier Oststadt nachhaltig transformieren und so fit machen für die Zukunft. Seite 16Reallabor-Report Dresden, April 2024 Die Region rund um die TH Köln (Technische Hochschule Köln) steht vor einer Vielzahl komplexer Herausforderungen. Im Juli 2021 war die Region von Starkregen betroffen, der vielerorts zu Hochwasser und massiven Überschwemmungen führte. Auch die Zunahme von Trockenheit und Hitze ist eine große Bedrohung, wie die Dürrejahre 2018–2020 gezeigt haben. Aufgrund der heterogenen Landschaft fallen die Auswirkungen des Klimawandels in vielen Orten der Region unterschiedlich aus. Der Ausstieg aus der Kohleverstromung stellt die teilweise von Braunkohletagebau geprägte Region außerdem vor strukturelle Heraus forderungen. Verankerung in der Region Die THKöln ist fest in der Region verankert und arbeitet in vielfältigen Forschungsund Transferaktivitäten mit Vertreter*innen aus Kommunen und Kreisen der Region zusammen. Die größtenteils mittlerweile langjährig bestehenden Kooperationen der TH Köln mit Partner*innen der Region, die insbesondere durch Projekte in Lehre und Forschung geprägt sind, und die zuvor skizzierten Herausforderungen sind Anlass und Grundlage zur gemeinsamen Erarbeitung von Klimaanpassungsstrategien im Projekt „Co-Site – CoKreation in der Region. Systemisch und innovativ Transfer entwickeln”. Schwerpunkt im Projekt CoSite ist die partizipative und co-kreative Entwicklung von Anpassungsstrategien sowie die Planung kritischer und grün-blauer Infrastrukturen gemeinsam mit den Kommunen und Akteur*innen vor Ort. Das Projekt ist im Januar 2023 gestartet und auf insgesamt fünf Jahre angelegt. Es ist ein zentraler Baustein des Reallabors, das dauerhaft in der Hochschulorganisation der TH Köln verankert werden soll, um in weiteren Projekten gemeinsam mit den Menschen und Akteur*innen in der Region den Herausforderungen von heute und morgen zu begegnen und Forschung gesellschaftlich wirksam zu betreiben. Gelebte Interund Transdisziplinarität In Co-Site arbeiten sieben Professor*innen und rund 20 wissen schaft liche Mitarbeiter*innen aus drei Fakultäten der TH Köln mit Vertreter*innen von Städten, Kommunen und einem Kreis im Rheini schen Revier zusammen. Insgesamt bringt das Team unter schied liche inhaltlich-metho dische Fach ex per tise aus den Bereichen Inno vation und Gesellschaft, Transfor ma tion Design, Wissen schafts kommu nika tion, XR-Entwicklung, Inte grier tes Was serres sourcen ma nage ment, Öko system manage ment und Risikound Krisenma nagement zusammen, um kollaborativ und partizipativ Lösungen für die aktuellen und zukünftigen Herausforderunmuniziert. Unterschiedliche Vermittlungsformate wie unter anderem die Nutzung von Virtual und Augmented Reality werden dabei erprobt. Es sollen auch Lernprozesse in den Bereichen Co-Kreation und Klimawandel angestoßen und durch Weiterbildungsformate gefestigt werden. Außerdem geht es darum, Strukturen für nachhaltige, gemeinsame Wissenserzeugungsund -vermittlungswege zu entwickeln, auszuprobieren und zu bewerten. Co-Site arbeitet in vier Modellregionen: Stadt Erftstadt, Kolpingstadt Kerpen, Stadt Leverkusen und Rhein-ErftKreis. Im Jahr 2023 stand die Bedarfsermittlung und die Identifizierung von Akteur*innen im Vordergrund. Die Bedarfe wurden in partizipativen Dialogformaten vor allem mit den kommunalen Partner*innen erhoben. Fragen, die derzeit im Fokus stehen: Wie gestalten wir die Schnittstelle zwischen gesell schaft lichen Akteuren und For schenden? Wo und wie stellen wir Kompetenzen zur Kollaboration bereit? gen in der Region zu erarbeiten. Über die Fakul täten hinweg wird ein agiles Organisationssystem zur Unter stützung der interund transdisziplinären Zusammen ar beit und Bündelung der Kompetenzen für Trans for ma tions for schung ge nutzt, das im Sinne eines lernen den Systems kontinuierlich weiterentwickelt wird. Der Transferbeirat mit Expert*innen auf dem Gebiet der Reallaborarbeit und Vertreter*innen der Region berät das Team in Bezug auf die Transformation der Region und die Arbeit im Reallabor. Vernetzung und Partizipation In Co-Site sollen durch das Reallabor Synergien zwischen den Projektregionen entstehen, um effiziente Maßnahmen und Strukturen zur Klimawandelanpassung zu ent wickeln. Der Fokus liegt auf der Vernetzung von Akteur*innen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik. Gemeinsam mit den Partner*innen wird Wissen über lokale Infrastrukturen und ihre Verflechtungen gesammelt, erzeugt und komFür 2024 ist geplant weitere Akteur*innen einzubeziehen und Unternehmen, Organisationen und insbesondere die Bevölkerung mit den ersten Experimenten und partizipativen Formaten zu adressieren. Ein Beitrag von: Julia Laux [email protected] Das Visual von Co-Site, TH Köln, es spiegelt die unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven und die verschiedenen beteiligten Akteur*innen in ihrer varianten Zusammenarbeit wider. Austausch über die Arbeit im Reallabor bei der Klausurtagung des Projekts Co-Site (Foto: Chris Hetkämper, TH Köln) infos Co-Site Standort(e) Modellregionen: Stadt Erftstadt, Kolpingstadt Kerpen, Stadt Leverkusen und Rhein-Erft-Kreis Beteiligte TH Köln, Kommunen in der Region Köln Laufzeit 60 Monate Finanzierung/Förderung Innovative Hochschule, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung Infos im Web www.th-koeln.de/co-site Co-Kreation in der Region – Systemisch und innovativ Transfer entwickeln (Co-Site) Eine Region im Wandel– Gemeinsam für Klimaanpassung Im Projekt Co-Site arbeitet die TH Köln gemeinsam mit Partner*innen in der Region an der Entwicklung von Klimaanpassungsstrategien und der Planung kritischer und grün-blauer Infrastrukturen. Seite 17Reallabor-Report Dresden, April 2024 Kontext: Das Nachhaltigkeitslabor WueLAB Das Nachhaltigkeitslabor WueLAB bietet als zentrale wissenschaftliche Einrich tung nach Bayerischem Hoch schulgesetz an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) eine ideale Plattform für die transdisziplinäre Behandlung von For schungsthemen. Am WueLAB werden Nachhaltigkeitsthe men aus Forschung, Lehre und Betrieb an der Universität zusammengeführt. Diese Bündelung initiiert den fachspezifisch unabhängigen Austausch zum übergreifen den Querschnittsthema „Nachhal tig keit“. Dabei wird ein beson deres Augen merk auf die wissenschaftsbasierte Herangehensweise und gegenseitige methodische Befruchtung der unterschiedlichen Fachdiszi - plinen gelegt. Konkret übernimmt das Nachh a l t i g k e i t s l a b o r W u e L A B d i e Rolle in For schungsprojekten, s tudentischen Pro jekten sowie in so genannten Trans forma tions ex peri men ten vorhan de ne Inno vations kraft, Ideen reich tum und fach spezifisch es Know-How in trans disziplinären und statusgruppenTeilbereichen zu kanalisieren und die interne und externe Kommunikation zu stärken. Labor: Das Forschungsformat Transformationsexperiment Die am WueLAB angesiedelten Transformationsexperimente bieten ein exploratives Forschungsformat, welches von allen Mitgliedern der Universität (Studierende bis Alumni) der JMU beantragt werden kann. Die Antragstellenden werden vom WueLAB bei der Ideenentwicklung, bei der Umsetzung von Teilprojekten sowie bei der Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung innerhalb und über die Universität hinaus überstützt. Transformationsexperimente sollen Einsichten in Potentiale und Begrenzungen sozial-ökologischer Transfor ma tion liefern, sich durch trans dis zi plinäre Forschung auszeichnen, das Wissen verschiedenster wissenschaftlicher Fächer, gesellschaftlicher Akteur:in - nen und Partner:innen aus der Praxis integrieren. Sie sind offen für verschie dens - te Herangehensweisen und bieten kreativen Rahmen. Die Konzepte „Nach haltigkeit“ und „Trans formation“ sollen im gesamtgesellschaftlichen Prisma beleuchtet und ver - handelt werden. Damit kön - nen Transformationsexperi - mente den Charakteristika von klassischen Reallaboren genügen, bergen aber zudem das Potential unabhängig vom gesellschaftlichen Kontext zu agieren und dürfen – typisch für einen Experimentiercha - rakter– auch nicht ge lingen. Sie sollen in einem zeitlich begrenzten Rahmen stattfinden und sind nicht auf Langfris - tigkeit ausgelegt, wobei eine nachhaltige Wirkung des angestoßenen Transformationsprozesses an gestrebt wird. Aktuell sind acht Transfor mations ex perimente amWueLAB angesiedelt, wobei vier davon am BMBF-geförderten Ver bund projekt „REKLINEU– Regio nale Wege zur klimaneu tra len Hoch schule“ ange - Neben den statusgruppenübergreifend durchgeführten Erkundungen, wird das Experiment durch statusspezifische Wirksamkeitsangebote komplementiert. Ein Beispiel hierfür ist die im WS 2023/24 durchgeführte „Nachhaltigkeits-Challenge“, ein preis gekrönter Wett bewerb, der sich explizit an Universitätsangestellte aus der Verwaltung, Technischem Betrieb, Sekret a r i a t e u n d B i b l i o t h e k s d i e n s t richtete. Es konnten Vorschläge für eine nachhaltige Campus gestaltung eingereicht wer den, mit Preisen bis zu 200 Euro. Mit diesem recht hoch dotierten Anreiz, und einer Jury, bei der u.a. der Kanzler der Universität beteiligt ist, sollen auch die Perspektiven der Mitarbeitenden gewürdigt werden. Teilgenommen haben insgesamt 14 Personen mit vielfältigen Vorschlägen. Letztendlich sollen die gesammelten Erfahrungen und doku men tarisch fest gehaltenen Per spek tiven rund um die Frage „Wie sehen am Bei spiel des Campus Hubland die Bedingungen für das Ge lingen einer sozial-ökolo gischen Trans forma tion aus?“ unter anderem in Form von „goldener Regeln“ auch anderen Hoch schulen und anderen In sti tu tio nen ver füg bar gemacht werden. Die ge plante Lauf zeit des Trans formations ex per iments ist bis ein schließ lich 2025. Ein Beitrag von: Nicola Oswald [email protected] bun den sind (För der kennzeichen 01UN2208A). Das im Folgenden beschriebene Expe ri ment ist eines davon. Experiment: Transformation von Campusflächen Im Trans for mations ex periment „Sozial-ökologische Trans for mation des Campus“ (Fach be reich „Europäische Ethnologie/Empirische K u l t u r w i s s e n s c h a f t “ ) w e r - den Uni versi täts ca mpusflächen als wirtschaftlich be schränkte und naturschutzfachlich kaum genutzte Fläche fokussiert. Ungeachtet von zukünftigen Verwen dungen durch die universitäre Bauplanung sind diese biodivers und liefern einen wichtigen Lebensund Erholungsraum für Menschen und weitere Lebewesen. Das Experiment fragt danach, wie konkret am Campus Hubland in Würzburg eine potentiell nachhaltige Bewirtschaftung aussieht und was die hier wirkenden Stakeholder unter einem nachhaltigen Campus verstehen. Dabei sollen Beschäftigte unterschiedlicher Statusgruppen ihre Bedürfnisse und Wünsche an eine Gestaltung im Sinne eines Erholungs-, Ruhe-, Kommunikationsund Lernraums einbringen. Aus filmisch begleiteten Austauschrunden und Wahrnehmungsspaziergängen über den Campus entsteht ein netzwerkartiges Geflecht von Beteiligten, Bedarfen und Wünschen. Dieses Netzwerk stellt ein Teilergebnis des Transformationsexperiments dar. infos Sozial-ökologische Transformation des Campus Standort(e) Campus Hubland, Universität Würzburg Beteiligte Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Empirische Kultur wissenschaft (Prof. Dr. Michaela Fenske, Dr. Sandra Eckardt), Nachhaltigkeitslabor WueLAB (Dr. Nicola Oswald), statusgruppenübergreifend Mitarbeitende der Universität, Technischer Betrieb der JMU, Landschaftund Gartenpflege an der Universität Laufzeit 24 Monate, bis Ende 2025 Finanzierung/Förderung Mittel aus dem BMBF-geförderten Verbundprojekt REKLINEU – Regionale Wege zu Klimaneutralen Hochschulen (Förderkennzeichen 01UN2208A). Infos im Web https://www.uni-wuerzburg.de/wuelab/ projekte/transformationsexperimente/ Der Wettbewerb war erfolgreich. Er hat dazu angeregt, langgehegte Bedürfnisse zu kommunizieren. Professorin Dr. Michaela Fenske zur Bewertung des Potentials des durchgeführten Wettbewerbs „ Dokumentarische Begleitung der Transformation des Innenhofs der Philosophischen Fakultät an der JMU. (Foto: Dr. Sandra Eckardt) Plakat zur Nachhaltigkeits-Challenge (Europäische Ethnologie, JMU; Design: Luisa Stark, Organisation: Prof. Dr. Michaela Fenske) Wie können Perspektiven und ein Netzwerk von beteiligten Stakeholdern aller Statusgruppen an der Hochschule erfasst werden? Im Transformationsexperiment am Nachhaltigkeits labor werden Wahrnehmung, Bedarfe und Wünsche von Mitarbeitenden und Akteur:innen an der Universität Würzburg im Hinblick auf eine nach haltige Campusgestaltung in den Blick genommen. Sozial-ökologische Transformation von Campusflächen Seite 18Reallabor-Report Dresden, April 2024 Kontext Der Werra-Meißner-Kreis (WMK) ist eine ländlich geprägte Region in Nordhessen, an der Grenze zu Thüringen, bekannt für die schöne Land - schaft rund um den Hohen Meißner, dem Geonaturpark Frau-Holle-Land. Der WMK steht vor tiefgreifenden, sozioökonomischen Herausforderungen. Es handelt sich um den durch schnittlich ältes ten und bevölkerungsärmsten Flächen kreis Hessens mit konstant abnehmender Bevöl ke rung seit 1995. Viele Kommunen befinden sich in einem Teufelskreis sozio ökonomi scher Verödung: Höfe, Praxen und Betriebe werden oft nicht mehr übernommen, Ausbildungs plätze bleiben unbe setzt und es fließt immer mehr Kapital aus der Region ab, da das lokale Gewerbe stirbt und gerade junge Menschen wegziehen. Experiment Im WMK setzen sich seit über 20 Jahren Initiativen für neue ökonomische Narrative ein (siehe Atlas Solidarisches Wirtschaften 2008). Das Reallabor Kooperatives Wirtschaften knüpft an diese Vorarbeit an. Gefördert durch das Bundesprogramm „Zukunft Region“ stellt es in einer zweijährigen Entwicklungsphase die Frage, wie im WMK resiliente und gemeins chaftsgetragene Ver sorgungs strukturen aufgebaut und weiterentwickelt werden können. Es soll ein Diskurs über die Resilienz und Zukunftsfähigkeit des Kreises vor dem Hintergrund sich verschärfender ökolo gi scher und sozialer Krisen angeregt werden: Wie können wir wirtschaftliche Strukturen so gestalten, dass sie Krisen resilient begegnen können, zum Wohle aller beitragen und eine sichere Perspektive für die Generationen nach uns bieten? Beteiligungsprozess Projektziel des Reallabors ist die partizipative Erstellung eines Zukunftskonzeptes für eine resiliente Grundversorgung. In den zwei Jahren sollen 3–5 Leuchtturmprojekte identifiziert und auf eine dreijährige Umsetzungspha se vorbereitet werden. Um dieses Ziel zu erreichen ver folgen wir ein Projektdesign mit vier wesentlichen Beteili gungsphasen: 1. Netzwerkaufbau und Potenzialanalyse (02.2023–07.2023) In der ersten Phase haben wir zu breiten Dialogver anstaltungen (z. B. zu einem Podi ums ge spräch zur Zukunft der Ernährungs ver sorgung) eingeladen, bei denen wir das Reallabor in aktuellen Diskursen verortet und Beziehungen zu möglichen Kooperations partnern aufge baut haben. In monatlichen Verbund partnertreffen wurden und werden kreisrelevante Entwicklungen analysiert und reflektiert. Zudem fand ein Seminar an der Universität Kassel statt, in dem Studierende Experteninterviews durchführten, um eine Potenzialanalyse für das Reallabor zu erstellen, welche bei der Zukunftskonferenz vor gestellt wurde. 2. Zukunftskonferenz „Kooperatives Wirtschaften“ (08.–09.07.2023) Die Zukunftskonferenz „Koope ra tives Wirt schaften“ dien te als Kristal lisationspunkt, um in einem zwei tägigen Pro zess mit Akteuren aus Wirtschaft, Wissen schaft, Kreis ver waltung und Zivilgesellschaft in den Bereichen Energie, Ernährung und Wohnen (1) Kernherausforderungen zu identifizieren (2) Zukunftsentwürfe für das Jahr 2043 zu entwickeln und (3) konkrete Prototypen zu finden. Insgesamt nahmen circa 100 Menschen teil. Bei einer Traumwerkstatt sind über 800 Ideen für eine ganzheitliche Versorgung für das Jahr 2043 entstanden, die wir geclustert und in einen Visionstext verarbeitet haben. Insgesamt w u r d e n 2 4  P r o t o t y p e n i d e e n auf der Konferenz vorgestellt. 3. Prototypen und Projektideen bei der Umsetzung begleiten (07.2023–07.2024) Von diesen 24 Prototypen haben wir 6 Prototypenteams kriteriengeleitet ausgewählt (zwei Prototypen je Handlungsfeld). Über ein Jahr konnte jedes Team individuelle Beratung und Unterstützung in Anspruch nehmen. Darüber hinaus haben wir drei Hand - lungsstränge weiterverfolgt, die sich bei der Zukunftskonferenz als relevante Themen herauskristallisiert haben: (1) eine Veranstaltungsrewihe zu gemeinschaftlichem Wohnen, (2) eine Veranstaltungsreihe zur Entwicklung von Nahwärmenetzen (3) die Gründung eines Ernährungsrates. Diese werden stets in Kooperation mit öffentlichen und zivil gesell schaftlichen Akteuren, die entsprechende Erfahrung mitbringen, organisiert. 4. Symposium und Erstellung eines Zukunftskonzeptes (07.2024–12.2024) Bei einem Symposium werden am 29.09.2024 (a) die For schungs er geb nis se der B e g l e i t f o r s c h u n g , ( b ) d i e Ergeb nis se der Pro totypen begleitung, (c) Er kennt nis se aus den Veranstaltungs reihen und (d) Ergebnisse aus drei „Zukunftsworkshops“ mit ausgewählten Akteuren aus den drei Handlungsfeldern vorgestellt. Ziel ist es, bei dem Symposium mit allen bisher beteiligten Akteuren die Eckpunkte für das Zukunftskonzept abzustimmen. Ein Beitrag von: Robin Dirks [email protected] infos Reallabor Kooperatives Wirtschaften Standort(e) Werra-Meißner-Kreis Beteiligte Koordination: Kreisverwaltung Verbundkreis: Wirtschaftsförderungsgesellschaft Bürgerenergiegenossenschaft Verein für Regionalentwicklung e.V., Universität Kassel Common Future e.V. Fuchsmühle e.V. Laufzeit 24 Monate Finanzierung/Förderung Bundeswettbewerb „Zukunft Region“, Bundesministerium für Wirtschaft und Klima Infos im Web https://www.reallabor-wmk.de/ Auswahl von Verbundpartnern bei der Zukunftskonferenz „Kooperatives Wirtschaften“, sowie Vize-Landrat Friedel Lenze (4. Person v. r.). (Foto: Felix Bruns) Überblick über die die wesentlichen Handlungsstränge des „Reallabor Kooperatives Wirtschaften“. (Quelle: eigene Darstellung, www.reallabor-wmk.de) Reallabor Kooperatives Wirtschaften im Werra Meißner-Kreis Wie können wir resiliente und gemeinschaftsgetragene Versorgungsstrukturen im Werra-Meißner-Kreis aufbauen und weiterentwickeln? Das Reallabor „Kooperatives Wirtschaften“ widmet sich in einem experimentellen Prozess den Potenzialen von gemeinschaftsgetragenen Ansätzen für eine resiliente Versorgung in den Bereichen Energie, Ernährung und Wohnen. Seite 19Reallabor-Report Dresden, April 2024 Kontext Damit die ambitionierten Kli ma ziele bis 2045 erreicht wer den können, muss die energetische Sanierung des deutschen Gebäude be stan des deutlich vorangebracht werden. Insbesondere in Mehrfamilien häu sern stellen die tec hni sche Kom plexität sowie regu la torische und ökonomische Rahmen be dingungen we sent liche Hemm nis se dar. Mit 865TWh pro Jahr macht der Endenergieverbrauchdes Gebäudesektors mehr alsein Drittel des jährlichen Gesamtenergie verbrauchs Deutschlands aus (dena 2021). Für Einsparungsund Umbaumaßnahmen fallen erhebliche Kosten an. Insbesondere in Mietobjekten ergibt sich die Frage, wie die Kosten für die bevorstehenden Transformationen verteilt werden (Statistisches Bundesamt 2022). In diesem Sinne wird nach einer effizienten und sozialverträglichen Lösung für die energetische Sanierung im Mehrfamilienhausbestand gesucht, die berücksichtigt, dass Haushalte mit unterdurchschnittlichem Einkommen überproportional von energetischen Gebäudesanie rungen betroffen sind. Labor(prozess) Im Forschungsprojekt STABLE soll ein sowohl klimaals auch sozialverträgliches Ener giekonzept für den deutschen Mehrfamilienhaus-Bestand entwickelt werden. Das Projekt begleitet über einen Zeit raum von 48 Monaten die energetische Sanierung eines realen Mehrfamilienhaus-Blocks und versucht dabei, die unterschiedlichen Herausforderungen zu bewältigen. Das übergeordnete Ziel besteht darin, ein sowohl klimaals auch sozialverträgliches Energiekonzept zu entwickeln und umzusetzen. Das Projekt umfasst die Planung sowie Implementierung einer energiesystemischen Lösung, welche im Rahmen der Sanierung eines realen MFH eingesetzt und getestet werden soll. Damit ermöglicht es die ganzheitliche Untersuchung des Energiesystems auf der einen und der relevanten Akteur:innen auf der anderen Seite. Die Begleitung während der Umsetzungsphase garantiert, dass die zur sozialverträglichen Transformation des Gebäudebestandes existierenden Hürden erkannt sowie gemeinsam Lösungsstrategien entwickelt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt STABLE auf einen partizipativen Ansatz, der durch Dialogund Beteiligungsformate eine gemeinsame Grundlage schafft und sicherstellt, dass die energetische Sanierung für alle beteiligten Akteure von Vorteil ist. Neben den technischen Lösungen für zukunftsfähige Energiekon zepte in Mehrfamilienhäusern (z.B. Austausch alter Gaskessel durch Wärmepumpen) und der Fra ge, wie diese Prozesse sozialgerecht gestaltet werden können, werden Verhaltensänderungen in den Blick genommen. Der Beteiligungsprozess (siehe Abb.2) ist einer der zentralen Merkmale, durch die sich das Projekt STABLE auszeichnet. In einem mehrstufigen Prozess werden die Bewohner:innen des Hauses regelmäßig in die Entwicklungen mit einbezogen werden. Zu Beginn der Projek tlaufzeit wurden die Mieter:innen per Haus wurfsendung mit einem Fragebogen über das Forschungsprojekt informiert und zur Teilnahme an einer Befragung in Form von einem Fragebogen gebeten. Der darauffolgende Infotag (siehe Abb.1) wurde genutzt, um als Projektteam mit den Mieter:innen in den Austausch zu kommen und das Projekt vorzustellen. Die Ergebnisse der quantitativen Fragebogenaus wertung wurden durch die Erkenntnisse aus qualitativen Interviews mit einzelnen Mieter:innen ergänzt und vertieft. Diese Ergebnisse werden in einem Expertenworkshop diskutiert und bereits bestehende Interessenskonflikte aufgezeigt. Diese Rückkopplung ist mehrfacher Bestandteil d e s B e t e i l i g u n g s p r o z e s s e s und eine Besonderheit des For schungsprozesses. Neben wei teren Info tagen ist ein Stakeholder workshop vorgesehen in dem Zwischenergebnisse mit allen Akteur:innen diskutiert und weiterentwickelt werden kön nen. Ein Beitrag von: Stephanie Bund [email protected] Lilly Keßling [email protected] infos STABLE Standort(e) Berlin, Karlshorst Beteiligte HOWOGE RWTH Aachen University, E.ON Energy Research Center (ERC) Lehrstuhl für Gebäudeund Raumklimatechnik (EBC) Lehrstuhl für Energie systemökonomik (FCN) TU Dortmund, Sozial forschungsstelle Dortmund Laufzeit 48 Monate (01.03.2023 – 28.02.2027) Finanzierung/Förderung BMWK Infos im Web TU Dortmund https://sfs.sowi.tudortmund.de/forschung/ projekte/stable/ EBC https://www.ebc.eonerc. rwth-aachen.de/cms/EON-ERC-EBC/Forschung/ Forschungsprojekte2/ Projekte-Gebaeudeenergiesysteme/~bcuxer/STABLE/ HOWOGE https://www.howoge.de/ forschung Literatur: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena), Gebäude energieeffizient gestalten. https://www.dena.de/themenprojekte/energieeffizienz/gebaeude/ (07.04.2022). Statistisches Bundesamt, Eigentümerquote nach Bundesländern, https://www.destatis.de/DE/Themen/ GesellschaftUmwelt/Wohnen/Tabellen/ eigentuemerquote-nach-bundeslaender.html (05.04.2022). Abbildung 2: Der Beteiligungsprozess. (Quelle: eigene Darstellung) Abbildung 1: Der erste Infotag: Mieter:innen vor dem Untersuchungsobjekt. Wie kann es gelingen, ein sowohl klimaals auch sozialverträgliches Energiekonzept für den deutschen Mehrfamilienhaus-Bestand zu entwickeln? Zahlreiche Forschungsprojekte widmen sich bereits emissionsreduzierten oder klimaneutralen Energiesystemen im Mehrfamilienhausbestand. Soziale Aspekte und Perspektiven, Vorund Nachteile für Vermieter:innen und Mieter:innen werden bisher höchstens theoretisch betrachtet. Social TrAnsformation of the BuiLding sEctor: Klimaneutraler und sozialgerechter Mehrfamilienhausbestand (STABLE) Seite 20Reallabor-Report Dresden, April 2024 Die Wetterund Klima-Werkstatt (WKW) in Offenbach, eine Initiative der Stadt und des Deutschen Wetterdienstes (DWD), hat sich seit 2021 als dynamischer Ausstellungsund Erlebnisraum mit ten in der Offenbacher Innenstadt etabliert. Hier werden die Themen Wetter, Klima und deren Wandel auf greifare Weise vermittelt. Ursprünglich als temporäres Projekt gedacht, wurde die WKW aufgrund ihres Erfolges im Jahr 2021 nun auch zukünftig unter neuem Namen, zu einem langfristigen Projekt umgewandelt und hat sich im letzten Jahr fest in der urbanen Kultur der Stadt verankert. Sie spielt eine zentrale Rolle in der Kommunikation der Stadt über klimatische Phänomene und stellt gleichzeitig als bewusst niedrigschwelliger Freizeitort auch einen wichtigen Bestandteil für den Umbau der Offenbacher Innenstadt dar. Die Vielfalt Offenbachs spiegelt sich in der Zielsetzung der WKW wider, einen inklusiven und integrativen Raum zu schaffen. Hier präsentieren wir auf unterhaltsame und spannende Weise aktuelle wissenschaftliche Er kenntnisse zu Wetter, Klima und Klimawandel in einer interaktiven Ausstellung. Aktuell wird die Konzeption für die neue Dauerausstellung erarbeitet, die viele spannende Experimente und Entdeckungen für unsere Besuchenden bereithalten wird. Die Workshops für Schulenund Kindergärten werden aber weiterhin angeboten, welche auch zukünftig ein wichtiger Bestandteil der neuen Akademie sein werden. Darüber hinaus bietet die WKW Programme und Aktionen wie das „Höhenflug– Wetter, Klima und Mit-Mach Festival“, das von Juli bis Oktober 2023 stattfand. Dieses Projekt, konzipiert von der Offenbacher Künstlerin Jihae An, stellte die Frage: „Wie kann eine zeitgenössische Gesellschaft einen positiven Dialog zur Antizipation im Zuge des Klimawandels und unterschiedlicher Modi in der unmittelbaren Umgebung führen?“ Jihae An schlägt vor, durch die Förderung positiver Gefühle und den Aufau von Gemeinschaften zu beginnen. Jihae An interessiert sich langfristig für das Experimentieren mit unterschiedlichen Zukunftsszenarien in transdisziplinären Projekten, die eine allgemeine Zukunftsorientierung zeitge nös sischer Gesell schaf ten situativ beschreiben sollen. Diese Projekte heben die charakteristischen „Logiken der Antizipation“ hervor, wie Vorsicht, Prävention und Vorbereitung, und machen sie greifarer für die Bevölkerung. Eine spezifische Form der Zukunftsorientierung, die besonders von Kontingenz und Komplexität abhängt, könnte durch kreative und künstlerische Ansätze eine neue zusammenlegende Perspektive bieten. Mit dem „Höhenflug“-Festival setzt Jihae An erste experimentelle Schritte zur emotionalen Vorbereitung zum Thema Klimawandel, indem sie durch ihre subtilen, interdisziplinären Angebote positive Gefühle weckt – ein Konzept, das sie als „Climate Empowerment“ bezeichnet. Während der drei Festivalmonate fokussierte sich das Programm inhaltlich auf verschiedene Unterthemen: Luft/ Temperatur/Duft, Wasser/ Feuchtigkeit/Körperflüs sigkeit und Klima wandel/Prä - ven tionsstrategien/Klima gerech tigkeit. Ein Beispiel für transdisziplinären Austausch ist eine Veranstaltung, bei der Vorträge über Niederschlag von einer Meteorologin gehalten wurden, gefolgt von Diskussionen über Resilienzstrategien mit einem So zio logen. Das Publikum be stand aus Jugend lichen, Künstler in nen und K ünstlern, Politik wis senschaft lern, Architekten und Senioren, die gemeinsam an der Aktion einer idyllischen Stadt bild zeichnung teil nahmen. Diese Ini tiative demonstriert die Wirk samkeit von erlebnis orientiertem Lernen und trans diszi pli närem Austausch , indem sie Wissenschaft und Gemein schaft durch künstlerische, krea tive und partizipative Aktivitäten zusammenbringt. Die Veranstaltungen des Festivals haben ein breites Publikum erreicht und eine nachhaltige Verbindung zwischen den Teilnehmern und den Umweltthemen hergestellt. Wir planen, dieses Netzwerk durch ein regelmäßiges Mittwochsprogramm mit der Bar „WetterMi.“ im Jahr 2024 weiter zu etablieren und als gemeinschaftliches Netzwerk auszubauen. Ein Beitrag von: Jihae An [email protected] [email protected] Wetter. Klima. Wandel: Wir nehmen dich mit Ein innovativer Lern-, Ausstellungund Erlebnisraum für die Offenbacher Innenstadt „Höhenflug“ – Ein Festival als Brücke zwischen Wissenschaft, Kunst und Gemeinschaft zum Thema Wetter, Klima, Klimawandel und Präventionsstrategien. Workshop „Cool Down Innenstadt“ von WetDogCollective beim Höhenflug Festival. (Quelle: Lea Kulens) Eröffnung des „Höhenflug“- Festivals im Juli 2023. (Quelle: Lea Kulens) Vortrag „Wetterweh und Wetterfroh – Umgang mit dem Wetter und dem Klimawandel„“ von Andreas Matzakaris (DWD) beim Höhenflug Festival. (Quelle: Lea Kulens) Aktion bei Eröffnung von HeutigesBlau Himmel Analyse. (Quelle: Lea Kulens) infos Wetterund Klima-Werkstatt Offenbach (WKW) Standort(e) Offenbach am Main, Hessen Beteiligte Stadt Offenbach am Main mit Amt für Kulturmanagement, Amt für Wirtschaftsförderung und Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Deutsche Wetterdienst, für unterschiedliche Projekte gelegentlich über 15 Akteure und Institutionen. Laufzeit Phase 1 – 12 Monate Phase 2 – ca. 10 Jahre Infos im Web Wetterwerkstatt Website https://wetterwerkstatt.de/ Wetterwerkstatt auf instagram https://www.instagram.com/ wetterwerkstatt/ Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Bertolt Brecht „ SCAPE° – Wetter. Klima. Mensch. Seite 21Reallabor-Report Dresden, April 2024 Das Rheinische Revier als Projekt kontext Der Braunkohleabbau prägt seit knapp 250 Jahren das Landschaftsbild des Rheinischen Reviers. Seit den 1970er Jahren formierte sich Widerstand gegen die Tagebaue und die damit einhergehenden Umsiedlungen, die tausende Menschen zwang, ihre Heimat zu verlassen. Der zunehmende Pro test der 1970/80er Jahre mündete in kleinräumig veränderten Tagebauplanungen, mehr Unterstützung und Mitspracherechten der Betroffenen. Es wurden Sozial ver träg lichkeits prüfungen und Um siedlungs be auftrage einge richtet. Jedoch konnten auch diese Maß nahmen wenig daran ändern, dass die Umsiedlungen sich negativ auf das Institutionenvertrauen und die Gesundheit der Umsiedler*innen auswirkten sowie Konflikte in den Dorfgemeinschaften produzierten. Erst in den letzten Jahren führte die zunehmende Stärkung umweltpolitischer Be lange auf Bundeswie Landes ebene dazu, dass der Braun kohleausstieg im Rheinischen Revier auf 2030 vorgezogen wurde. Dieser Umschwung kam allerdings für einige Dörfer zu spät. Dort ist bereits die Mehrheit der Bewohner*innen an neue Standorte gezogen und muss jetzt feststellen, dass ihre Umsiedlung nicht nötig gewesen wäre. Das transformative Forschungsprojekt Zhoch3 Die Dörfer im Rheinischen Re vier stehen dabei zum einen vor ähnlichen Herausforderungen wie viele andere ländliche Räume in Bezug auf die Sicherung der Daseins vorsorge: die Bewohner*innen klagen über nicht a u s r e i c h e n d e B e g e g n u n g s i n - fra struk tur, fehlende Lebensmit tel ver sorgung im Nahbereich, verbesserungswürdige ÖPNV-Anbin dungen etc. Zum anderen ist das Zusammenleben vor Ort aufgrund der K onflikte um Umsiedlungen sowie die Planungsunsicherheiten und fehlenden Infrastruktur investitionen in Folge der immer wieder veränderten Tagebauplanungen im Be son deren belastet. Die am Projekt beteiligten Ortschaften (siehe Abbildung) haben daher andere Konfliktthemen, aber auch ähnliche Herausforderungen zu bewältigen. Generell können drei Orts typen unterschieden werden: • Tagebaurandorte, die bereits seit Längerem nicht mehr Teil der Abbauplanungen sind, die Entfernung zum Tagebau jedoch eine große Rolle spielt • Doch-Nicht-Orte, die vor dem Start der Umsiedlungsprozesse die Entscheidung über ihren Erhalt mitgeteilt bekommen haben und daher noch keinen Bevölkerungsrückgang, jedoch einige Investitionsrückstände verzeich nen mussten • Umsiedlungsstandorte, in die bereits die Mehrheit der Bewohner*innen umgezogen ist und jetzt feststellen muss, dass die Umsiedlung nicht nötig gewesen wäre, weil die Altorte doch bestehen bleiben In diesem Kontext findet das transformative Forschungsprojekt Zhoch3 statt. Ziel des Projekts war es, Erkenntnisse aus der Städtebauförderung (v. a. hinsichtlich des Einsatzes von Quartiersmana ge ments), Befunde der Gemeinwesenarbeitsund Begeg nungsforschung sowie For schungsergebnisse zu Di gi tali sierungs projekten in länd lichen Räumen miteinander zu kombinieren, um den Zusammenhalt und darüber die (soziokulturelle) Daseinsvorsorge vor Ort zu stärken. Die Vorgehensweise im Projekt sieht dabei drei zentrale Bausteine zur Stärkung des Zusammenhalts vor: 1. Die bestehenden oder sich im (Um-)Bau befindenden Dorf gemein schaftszentren sollen mit neuen Begegnungsformaten bespielt werden. 2. Die Dorf ge mein schaften sol len (unter Zu hilfe nahme digi taler Tools) stärker strate gisch miteinander vernetzt werden. 3. Für die Projektlaufzeit hat Stadt Erkelenz einen Dorfmanager eingestellt, der eine Vermittlungsfunktion zwischen der Bewohnerschaft, der Stadt ver waltung sowie den Forschenden einnimmt und die kommunikative Schnit tstelle vor Ort bildet. Mit einem sozial wissen schaftlich en fokussierten Me tho denmix (quali tative In ter views, Be wohner*innen-Befragung, Ergebnis diskus sions ver anstaltungen, Work shops etc.) wurden empirische Daten über Zusammenhalt und Daseinsvorsorge in den Ortschaften erhoben, auf deren Grundlage zusammen mit der B ewohnerschaft kon krete Pro jekte und Maß nahmen zur Förderung des Zusam menhalts erarbeitet wurden. Aktuell befinden sich diese im Umsetzungsprozess. Ein vorläufiger Erfahrungs bericht Die Einstellung des Dorfmanagers kann bereits zum aktuellen Projektstand als erfolgreiches „Experiment“ bewertet werden: Bereits nach rund einjähriger Tätigkeit wurde seine Arbeit von den befragten Bewohner*innen in einer im Rahmen des Projekts durchgeführten Umfrage positiver bewertet als die aller anderen öffentlich-institutionellen Akteure. Er ist regelmäßig in den Dörfern unterwegs, bietet zusammen mit dem Bürgermeister Bürgersprechstunden an und nimmt an Freizeitaktivitäten wie Schützenfesten genauso teil wie an lokalpolitischen Veranstaltungen wie Bezirksausschusssitzungen. Er ist als Instanz bei den meisten Dorfgemeinschaften etabliert und konnte einige Projektideen und Maßnahmen initiieren. Allerdings wird seine Position auch nicht von allen Ortschaften gleichermaßen positiv angenommen. Hinsichtlich der Einführung neuer Begegnungsformate muss eine differenzierte Bilanz gezogen werden: Zum einen haben sich Bauund Umbaumaßnahmen von Infrastrukturprojekten, die als Begegnungsorte dienen sollen, stark verzögert und sind bis heute nicht abgeschlossen. Daher konnten diese während der Projektlaufzeit bislang nicht genutzt werden und die Aufbruchstimmung, die in den Orten zum Teil mit dem (Um )Bau verknüpft war, ist doch sehr getrübt. Zum anderen sind die Engagierten in den Ortschaften oft stark belastet und organisieren bereits sehr viele Veranstaltungen. Ergebnis der Diskussionen in den Ortschaften war daher, etwas „für die Jugend zu machen“. Ziel ist einerseits die Förderung von jüngeren ehrenamtlich Engagierten, da die Vereine vielfach über Nachwuchsprobleme stöhnen. Andererseits wurde damit eine Lücke im Veranstaltungsspektrum der Dörfer im Bereich der Jugend wahrgenommen und adressiert. Die Veranstaltung, die von den und für die Jugendlichen geplant wird, findet im Sommer statt. Die Beteiligten treffen sich regelmäßig und befinden sich aktuell in der Konzeptionsphase. Im Bereich der (soziokulturellen) Daseinsvorsorge gab es unterschiedliche Projektideen: In Holzweiler gibt es bereits seit dem Zhoch3 vorausgegangen DIEK-Prozesses das Ziel, einen Dorfladen zu gründen. Die Dorfgemeinschaft hat es geschafft, im Anschluss an das DIEK einen Freitagsmarkt im Dorf zu etablieren. Allerdings nehmen die Verantwortlichen rück läufige Nutzendenzahlen wahr. Daher wurde das Thema Dorfl aden bei einer Zhoch3Veran staltung aufgegriffen und externe Gäste eingeladen, die erfolgreich Dorfläden in ihren Ortschaften installieren konnten. Trotz bereits vorang eschrittener Standortdis kussionen und Gesprächen mit dem Bürgermeister wird das Projekt aktuell nicht weiterverfolgt, da sich nicht aus r eichend Bewohner*innen aus dem Dorf dafür engagieren konnZusammenhalt hoch drei – Innovative Strategien zur Sicherung der Daseinsvorsorge in neuen und alten Ortschaften im Rheinischen Braunkohlenrevier Wie kann die soziokulturelle Daseinsvorsorge und der Zusammenhalt in vom Tagebau betroffenen Ortschaften gestärkt werden? Erfahrungen aus dem transformativen Forschungsprojekt Zusammenhalt hoch drei (Zhoch3). ten bzw. wollten. In Venrath wird mit Unterstützung des Dorfmanagers die Sanierung der zentral im Ort gelegenen und als Vereins treff dienenden Gaststätte in Angriff genommen. Über LEADER-Mittel, Eigenleistung der Engagierten und einen Zuschuss der Stadt sollen die re no vierungs bedürftigen Toilet ten an lagen in Stand gesetzt werden. Zudem wird die Fläche vor dem Gebäude begrünt und verschönert. Auch wenn noch einige Hürden genommen werden müssen, sieht der aktuelle Projektstand erfolgversprechend aus und hat bereits die Zustimmung durch den Stadtrat. Ein Beitrag von: Felix Leo Matzke [email protected] infos Zhoch3 Standort(e) Holzweiler, Venrath und Kaulhausen, Keyenberg (neu), Kuckum (neu), Oberwestrich (neu), Unterwestrich (neu), Berverath (neu) Beteiligte Verbundpartner: ILS – Institut für Landesund Stadtentwicklungsforschung, Stadt Erkelenz, Zweckverband LANDFOLGE Garzweiler, assoziierter Partner: Gemeinde Merzenich Laufzeit 2021–2024 Finanzierung/Förderung BMBF, Förderrichtlinie Kommunen Innovativ Infos im Web https://zusammenhalthochdrei.de/ Die am Projekt Zhoch3 beteiligten Ortschaften. (Quelle: ILS/eig. Darstellung) Seite 22Reallabor-Report Dresden, April 2024 Das Forschungsund Praxisprojekt SODETE erforscht die Möglichkeiten und Bedingungen von Elternbeteiligung an Ganztagsgrundschulen in der baden-württembergischen Kleinstadt Schwäbisch Gmünd. Ziel ist es, die Elternbeteiligung zu verbessern und weiterzuentwickeln. Dem Projekt liegt der Gedanke zugrunde, dass Elternbeteiligung ein wichtiger Baustein einer le - bendigen Bürgerge sellschaft sein kann. Gestaltet sich die Kooperation zwischen Schulen, Eltern und zivilgesellschaft - lichen Akteuren erfolgreich, lassen sich Bildungserfolge verbessern und die Identifi - kation der Bürger*innen mit ihrer Kommune und dem demokratischen System fördern. Das interdisziplinäre Team aus Expert*innen verschiedener Wissenschaftsdisziplinen (u.a. Erziehungs-, Sprachund Sozialwissenschaftler*innen sowie Sozialpädagog*innen), setzt auf einen partizipativen Forschungsansatz, der Beobachtungsverfahren, Expert*innen-Interviews und die Installation von Real laboren umfasst. In zwei Projekt abschnit ten, einer Forschungsund einer Umsetzungsphase, sollen förderliche und hinderliche Faktoren der Elternbeteiligung analysiert und Strukturen zur Förderung der Kooperation zwischen Eltern und Schulen entwickelt werden. Die Wahl der Forschungsmethode als erster Schritt zum Reallabor Einen besonderen Stellenwert hat das Projektteam in der Forschungsphase der Methode der teilnehmenden Beobachtung beigemessen. Sie ermöglichte einerseits, unmittelbare Eindrücke von der Alltagspraxis von Elternbeteiligung zu erhalten und ein tieferes Verständnis für die Herausforderungen und Potenziale der Elternbeteiligung zu gewinnen. Andererseits gewährleistete das „Hanging around“ in der Schule und die Teilnahme etwa an Eltern-Cafés, Schulfesten und Elternabenden den Aufau von Kooperationsbeziehungen zu den verschiedenen Akteuren des Schullebens, die sich bei der Einladung und Gestaltung von Reallaboren als hilfreich erwiesen. Interviews mit Eltern aus vier Projektklassen, Lehrkräften und anderen schulischen und außerschulischen Akteur*innen vervollständigten die Datenerhebung in der Forschungsphase. Nicht ein Reallabor, sondern viele Die Auswertung der erhobenen Forschungsdaten und eine erste Vorstellung zentraler Ergebnisse auf einer kommunalen Bildungskonferenz führten zur Festlegung von vier zentralen Themenbereichen, die in zukünftigen Reallaboren bearbeitet werden sollen: „Ganztagsschule und Familie“, „Vielfalt in Familie und Schule“, „Elternabend, Elternbeirat und Co.“, sowie „Elternbeteiligung in der Kommune“. Jedes dieser Labore fokussiert auf spezifische Aspekte der Elternbeteiligung und bildet einen eigenen Schwerpunkt im Gesamtprojekt. Zum Beginn im Fokus: Ganztagsschule und Hausaufgaben Während der Diskussion der Forschungsergebnisse stellte sich heraus, dass Hausaufgaben eine wichtige Schnittstelle von Ganztagsschule und Familie sind. Insbesondere in den Elterninterviews war das Thema Hausaufgaben als relevant deklariert worden. Das bewies sich nicht zuletzt in einem Elterncafé, das im Vorfeld des eigentlichen Reallabors organisiert wurde, um einen „safe space“ zum Austausch von Erfahrungen und Anliegen der Eltern zu schaffen und über das Datensample hinaus weitere Eltern in das Projekt einzubeziehen. Am eigentlichen Werkstatttermin hatte das Projektteam dann mit einer großen Enttäuschung umzugehen, weil die Eltern der Veranstaltung fernblieben. Um das Reallabor trotzdem weiter voranzutreiben, wurde eine zusätzliche Schleife eingebaut, um erneut in Kontakt mit den Eltern zu treten. Motto: Wenn die Akteur*innen nicht zu uns kommen, gehen wir zu ihnen. Die im Reallabor erarbeiteten Gestaltungsvorschläge werden nun in Sitzungen des Elternbeirates vorgestellt und diskutiert, um Änderungen in der Ausgestaltung der Lernzeit, die sich an den vormittäglichen Schulunterricht anschließt, zu initiieren. Zu den Vorschlägen zur Ausgestaltung der Hausaufgabenpraxis gehören beispielsweise die Einführung einer Hausaufgaben-Sprechstunde, die Förderung von Anreizen zur effizienten Aufgabenbearbeitung bei den Schüler*innen, die Verbesserung der Personalausstattung oder die Erarbeitung eines Raumkonzeptes zur Gestaltung ansprechender Lernund Arbeitswelten. Variantenreichtum in Reallaboren Das zweite Reallabor „Vielfalt in Familie und Schule“, das sich aktuell in der Planungsphase befindet, setzt auf einen Methodenund Zielgruppenwechsel, um die Thematik der Elternbeteiligung aus einer anderen Perspektive zu beleuchten. Während das erste Reallabor Werkstattcharakter hatte und vor allem die Akteure in den untersuchten Schule adressierte, setzt das zweite auf eine Vortragsreihe für Fachkräfte in allen Schulen und für die interessierte Stadtöffentlichkeit. Beibehalten wird das regelmäßige Angebot niederschwelliger Eltern cafés, um Eltern, die durch Vortragsveranstaltungen nicht zu erreichen sind, einzubeziehen. Nachhaltige Beziehungen zu allen Akteur*innen im Feld aufzubauen und die Beteiligung verschiedener Zielgruppen aktiv zu fördern, ist ein wichtiger Schlüssel für die Umsetzung der Projektziele. Ein Beitrag von: Sabrina Hofmann [email protected] Elena Denzler [email protected] Schule und Bildungsforschung Hand in Hand: Ein Reallabor zur Entwicklung kommunaler Bildungslandschaften. Mitarbeit von Eltern in der Schule: Wie kann sie gelingen, wie kann sie weiterentwickelt werden? Wie kann dadurch das Zusammenleben in der Stadt verbessert werden? Diese Fragen verfolgt das Projekt SODETE. Arbeit im Reallabor: Verbesserungsmöglichkeiten für die Lernzeit entstehen. (Quelle: SODETE) Abstimmung über das weitere Vorgehen im Reallabor „Ganztagsschule und Familie“. (Quelle: SODETE) infos SODETE Standort(e) Schwäbisch Gmünd Beteiligte Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd Laufzeit 36 Monate Finanzierung/Förderung BMBF, Förderlinie zum Abbau von Bildungsbarrieren Infos im Web https://sodete.ph-gmuend.de/ Soziale und DEmokratische Teilhabe durch Elternbeteiligung (SODETE) Seite 23Reallabor-Report Dresden, April 2024 Wie soll euer Reallabor aussehen? Malt das Bild aus und fügt eigene Elemente hinzu! PL AT BE CZ DK FR IT LI LU NL Zhoch3 Holzweiler h3 iler Gute Küste Niedersachsen Neßmersiel, Spiekeroog und Butjadingen Zhoch3 Holzweiler Reallabor Jurapark Aargau Quartier Zukunft Karlsruhe LATERNE KOPOS-Projekt Freiburg im Breisgau EHSS Flensburg Sozial-ökologische Transformation des Campus Würzburg SODETE Schwäbisch Gmünd Co-Site Erftstadt Zukunftsstadt Dresden 2030+ MCube aqt München EXPERI Berlin-CharlottenburgWilmersdorf Zukunftsstadt Lüneburg 2030+ STABLE Berlin-Karlshorst Klima-RT-Lab Reutlingen Future Proof Grasslands Ostfriesland, Wesermarsch Wetterund Klima-Werkstatt Offenbach am Main Reallabor Kooperatives Wirtschaften WMK Werra-Meißner-Kreis Klimaschonende Entscheidungen Osnabrück Siegen Münster Wuppertal Bielefeld Düsseldorf Essen Kreis Steinfurt Reallabor Jurapark Aargau Quartier Zukunft Karlsruhe LATERNE KOPOS-Projekt Freiburg im Breisgau EHSS Flensburg Sozial-ökologische Transformation des Campus Würzburg SODETE Schwäbisch Gmünd Co-Site Erftstadt Zukunftsstadt Dresden 2030+ MCube aqt München EXPERI Berlin-CharlottenburgWilmersdorf Zukunftsstadt Lüneburg 2030+ STABLE Berlin-Karlshorst Klima-RT-Lab Reutlingen Future Proof Grasslands Ostfriesland, Wesermarsch Wetterund Klima-Werkstatt Offenbach am Main Reallabor Kooperatives Wirtschaften WMK Werra-Meißner-Kreis Klimaschonende Entscheidungen Osnabrück Siegen Münster Wuppertal Bielefeld Düsseldorf Essen Kreis Steinfurt 050 100 km Geodaten: © GeoBasis-DE/BKG (2023), Natural Earth 4.0 (2018), EGM © EuroGeographics (2021) Kartographie: U. Schinke, IÖR 2024 Geodaten: © GeoBasis-DE/BKG (2023), Natural Earth 4.0 (2018), EGM © EuroGeographics (2021) Kartographie: U. Schinke, IÖR 2024 Standorte der Reallabore in Deutschland und der Schweiz Reallabor-Report Dresden, April 2024Seite 26