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Bericht AQM. Alttextilien: Qualitäten und Möglichkeiten

Tomovic, Tina; Basiuk, Kateryna

Abstract

Die Studie Alttextilien: Qualitäten und Möglichkeiten untersucht die Potenziale und Grenzen des Faser-zuFaser-Recyclings für die Schweiz. Basierend auf einem Technologie-Scouting, Materialanalysen und Mengenberechnungen werden Alttextilfraktion identifiziert, die für ein Faser-zu-Faser-Recycling geeignet sind. Von den im Jahr 2022 gesammelten 59’300t Alttextilien gelten rund 12’700t als nicht mehr tragbar, wovon heute etwa 3’200t rezykliert werden können. Die Studie zeigt zugleich, dass sowohl die für die Schweiz verfügbaren Daten als auch die durch Recyclingunternehmen bereitgestellten Informationen zu Input-Materialqualitäten unzureichend sind. Neben standardisierten und umfassenden Datenstrukturen liegen Potenziale in Designvorgaben nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft sowie in erweiterten Sammelstrategie

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FH Zentralschweiz Design Film Kunst Forschungsgruppe Produkt & Textil Bericht AQM Alttextilien: Qualitäten und Möglichkeiten Autor:innen Tina Tomovic Kateryna Basiuk Abstract Die Studie Alttextilien: Qualitäten und Möglichkeiten untersucht die Potenziale und Grenzen des Faser-zuFaser-Recyclings für die Schweiz. Basierend auf einem Technologie-Scouting, Materialanalysen und Mengenberechnungen werden Alttextilfraktion identifiziert, die für ein Faser-zu-Faser-Recycling geeignet sind. Von den im Jahr 2022 gesammelten 59’300t Alttextilien gelten rund 12’700t als nicht mehr tragbar, wovon heute etwa 3’200t rezykliert werden können. Die Studie zeigt zugleich, dass sowohl die für die Schweiz verfügbaren Daten als auch die durch Recyclingunternehmen bereitgestellten Informationen zu Input-Materialqualitäten unzureichend sind. Neben standardisierten und umfassenden Datenstrukturen liegen Potenziale in Designvorgaben nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft sowie in erweiterten Sammelstrategien. Forschungsgruppe Produkt & Textil Die Forschungsgruppe Produkt & Textil der Hochschule Luzern – Design Film Kunst (HSLU – DFK) forscht anwendungsorientiert im Bereich der textilen Nachhaltigkeit. Die Forschung basiert auf wissenschaftlichen Konzepten der Kreislaufwirtschaft und nimmt eine systemische, zirkuläre Designperspektive ein. Die Forschungsgruppe ist interdisziplinär zusammengesetzt mit Kompetenzen im Textilund Produktdesign, in historischer Forschung und in Umweltnaturwissenschaften. Die Tätigkeiten umfassen die Zusammenarbeit mit Praxispartner:innen in anwendungsorientierten Forschungsprojekten und die Beratung und Begleitung von öffentlichen Institutionen in Dienstleistungsprojekten. Die Vermittlung der Erkenntnisse, das Knüpfen von Netzwerken und das Leisten eines massgeblichen Beitrags zu den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen (SDGs) bilden die Ziele der Forschungsarbeit. Auftraggeber:innen 2024 wurde der Verein Fabric Loop gegründet, der sich für eine branchenweite Recyclinggebühr für Textilien in der Schweiz einsetzt. Zu den Gründungsmitgliedern des Vereins zählen acht Schweizer Unternehmen: CALIDA, Mammut, Odlo, PKZ, Radys, Switcher, Workfashion sowie der Schweizerische Textilverband Swiss Textiles. Die vorliegende Studie wurde im Auftrag von Fabric Loop durchgeführt und durch die Unterstützung der Innosuisse – Schweizerische Agentur für Innovationsförderung ermöglicht. Projektleitung Tina Tomovic, HSLU – DFK Projektteam HSLU Tina Tomovic, Kateryna Basiuk Autor:innen Tina Tomovic Kateryna Basiuk Kontakt für Rückfragen Tina Tomovic, HSLU – DFK [email protected] Impressum DOI 10.5281/zenodo.17721275 Hochschule Luzern Design Film Kunst Forschungsgruppe Produkt & Textil Nylsuisseplatz 1 6020 Luzern-Emmenbrücke forschung-[email protected] hslu.ch/forschung-pt hslu.ch/forschung-pt © 09.2025, Hochschule Luzern – Design Film Kunst Bericht AQM Inhaltsverzeichnis © HSLU DFK – 04.2024 Inhaltsverzeichnis Einführung ________________________________________________ 1 Methodisches Vorgehen ______________________________________ 2 1.1 Technologie-Scouting und Recycler-Liste _________________________________ 3 1.2 Materialanalyse Alttextilien Schweiz _____________________________________ 3 1.3 Fraktionsbeschreibung _______________________________________________ 4 Resultate _________________________________________________ 5 Diskussion _______________________________________________ 10 Fazit ____________________________________________________ 11 Verzeichnisse _____________________________________________ 13 Abbildungsverzeichnis ______________________________________________________ 13 Literaturverzeichnis ________________________________________________________ 14 Anhang __________________________________________________ 16 Bericht AQM Einführung 1 © HSLU DFK – 09.2025 Einführung Das Augenmerk der vorliegenden Studie richtet sich auf potenzielle Verwertungslösungen im Bereich des Faser-zu-Faser Recycling. Dieser nachhaltigen und kreislauffähigen Verwertung von Alttextilien kommt bei der Erreichung von Nachhaltigkeitszielen eine doppelte Rolle zu. Gemäss Hedrich et al. (2022) trägt sie einerseits zur Vermeidung textiler Abfälle im globalen Süden bei, andererseits birgt sie gleichzeitig grosses Potential zur hochwertigen Nutzung, z.B. in Form von Sekundärrohstoffen. Die EU reagiert mit etlichen regulatorischen Neuerungen auf nicht nachhaltige Praxen der Textilindustrie (Adler, 2024). Um die Ziele der EU und weiterer Regulationen in Bezug auf Rohstoffe und Fasern zu erreichen, müssen Brands und andere Textilunternehmen die Mehrheit ihrer Rohstoffe auf sogenannte Preferred Fibers (gemäss Textile Exchange, 2023) umstellen (Jensen et al, 2023). Gemäss Berechnungen von Textile Exchange und Jensen et al. (2023) wird die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage für Preferred Fibers bis 2030 auf bis zu 133 Millionen Tonnen ansteigen. Gemäss Hedrich et al. (2022) besteht die grösste Herausforderung für eine erfolgreiche Entwicklung der Recyclingtechnologien in der Zulieferung des Rohstoffs Alttextil. Jede Recyclingtechnologie ist auf eine genau spezifizierte Rohstoffquelle angewiesen. Sowohl bei der Sortierung als auch im eigentlichen Recyclingverfahren führt die Komplexität heutiger Textilprodukte zu grossen Herausforderungen, denn sie bestehen überwiegend aus mehreren Materialien. Aus technologischen oder ökonomischen Gründen bestehen bereits Garne häufig aus verschiedenen Faserarten. In den darauffolgenden Prozessstufen können auch Gewebe oder Gestricke aus unterschiedlichen Garnen gefertigt werden. Diese Materialkompositionen gilt es auf ihre Recycling-Fähigkeit hin zu bewerten. Zusätzliche Komponenten wie Nähgarne oder Etiketten sind ebenfalls oft aus anderen Materialien hergestellt als das eigentliche Kleidungsstück. Auch nicht-textile Komponenten wie Knöpfe, Reissverschlüsse oder Pailletten sind Teil von textilen Produkten. Diese Komponenten gelten als sogenannte Disruptoren im Recyclingprozess und müssen entfernt werden (Van Duijn et al., 2022). Ebenfalls von Bedeutung für Recyclingprozesse sind Substanzen, die aus den Veredelungsprozessen im Textil verbleiben, so wie Farbe, Ausrüstungen oder Beschichtungen. Hedrich et al. (2022) unterscheiden drei Recyclingtechnologien, die Textilien wieder zu Fasern prozessieren und als Faser-zu-Faser Recycling bezeichnet werden: mechanische, thermomechanische und chemische. In mechanischen Recyclingverfahren werden Textilien u.a. geschnitten und einer Reissanlage zugeführt, um erneut Fasern zu erhalten. Mechanisch rezyklierte Textilien aus Baumwolle von Industrieabfällen wie Zuschnittresten der Konfektion oder Wolle aus der Alttextilsammlung, sind auf dem Markt etabliert. Die grösste Herausforderung besteht darin, die ursprüngliche Faserlänge möglichst zu erhalten, so dass sie direkt oder in geeigneten Mischungen den nachfolgenden Textilverarbeitungsprozessen zugeführt werden können. Dem Qualitätsverlust wird durch das Beimischen von Frischfasern begegnet. Zurzeit etablieren sich sogenannte softe Verfahren, in denen der Reissprozess schonender konzipiert und dadurch die Faserlänge optimiert wird. Heute zählen die marktgängigen, mechanischen Recyclingverfahren zu den energieschonendsten (Hedrich et al., 2022). Thermomechanische Verfahren nutzen Hitze und Druck, um synthetische Materialien zu schmelzen und diese erneut zu verspinnen. Dieses Verfahren wird vor allem in bottle-to-fibre Recycling angewendet und nutzt dementsprechend PET-Flaschen als Rohstoff. Für ein Faserzu-Faser Recycling bestehen für das thermomechanische Recycling hohe Anforderungen hinsichtlich Materialreinheit im Feedstock. Pflanzliche, tierische oder sogenannte Zelluloseregeneratsfasern wie Viskose können nicht mittels thermomechanischer Verfahren rezykliert werden (Hedrich et al., 2022). Bericht AQM Methodisches Vorgehen 2 © HSLU DFK – 09.2025 Für das chemische Recycling sind unterschiedliche Technologien in Entwicklung. Zunächst werden die Textilien zerkleinert und mittels chemischer Verfahren in Polymere oder Monomere aufgelöst. Aus diesen lassen sich je nach Ausgangmaterial mittels angepasster Verarbeitungsschritte wieder neue Fasern ausspinnen, die eine hohe Qualität aufweisen, vergleichbar mit Frischfasern. Bei zellulosebasierten Fasern wie Baumwolle, führen chemische Recyclingverfahren zur Bildung von Zelluloseregeneratsfasern. Auch bei den chemischen Verfahren besteht die grosse Herausforderung in den engen Prozess-Spezifikationen, die u.a. eine hohe Reinheit der zugeführten Materialqualitäten bedingt. Viele der chemischen Recyclingverfahren widmen sich dem Rezyklieren von Baumwolle, Polyester oder deren Gemisch (Hedrich et al., 2022). Die Alttextilsortierung steht im Zentrum der Zulieferung vieler Recyclingtechnologien. Derzeit erfolgt die Sortierung von Alttextilien grösstenteils manuell (Dahlbom et al., 2023). Aufgrund hoher Prozesskosten, werden derade einmal rund 2% der in der Schweiz gesammelten Alttextilien in der Schweiz selbst sortiert. Der grösste Anteil wird unsortiert ins Ausland verkauft und exportiert (Faist et al., 2024). Automatisierte Sortiertechnologien für die Wiederverwendung von Alttextilien werden derzeit entwickelt (Pehrsson et al., 2023). Erste Anlagen, die eine automatisierte Sortiertechnologie für die Zulieferung von Recyclingverfahren nutzen, sind in Europa in Betrieb. Ausgelöst durch regulatorische, ökonomische und geopolitische Veränderungen befindet sich der Alttextilsektor, der sich heute der Sammlung und Sortierung von Alttextilien annimmt, im Umbruch. Unterschiedliche Faktoren setzen die Branche stark unter Druck: niedrige Textilqualitäten aus Ultra Fast Fashion Geschäftsmodellen; z. T. Wegfall oder Einschränkungen des osteuropäischen Marktes, v.a. Ukraine; Inflation; Konkurrenz durch Ware aus China (Fischer, 2024). Die Studie AQM – Alttextilien: Qualitäten und Möglichkeiten präsentiert zwei Hauptresultate. Einerseits wird aufgezeigt, wie heute die Landschaft möglicher Faser-zu-Faser Recyclingunternehmen aufgestellt ist. Andererseits werden Fraktionen benannt, die heute als Input-Materialien für ein Faser-zu-Faser Recycling dienen können, und es wird ermittelt, in welchen Mengen diese in der Schweiz vorkommen. Methodisches Vorgehen Der vorliegende Bericht betrachtet in der Schweiz separat gesammelte Alttextilien, die dem Siedlungsabfall zugeordnet sind. Das Bundesamt für Umwelt publiziert jährlich die gesammelten Mengen. Für das Jahr 2022 werden 59’300t Alttextilien gelistet. Detaillierte Verwertungslösungen werden nicht festgehalten. Texaid, das grösste Sammelunternehmen der Schweiz, listet grobe Verwertungslösungen prozentual auf (Texaid, 2025). Der Fokus der Studie liegt in der Verwertungslösung des Faser-zu-Faser Recyclings. Alttextilien, die als Secondhand-Ware weitergenutzt werden können, entfallen damit. Alttextilien, die nicht dem Siedlungsabfall zuzuordnen sind, wie zum Beispiel ausgetragene Arbeitsbekleidung oder Industrieabfälle, sind in der Betrachtung nicht miteingeschlossen. Im Zentrum der vorliegenden Studie stehen folgende Fragestellungen: • Wie stellt sich die Landschaft möglicher Faser-zu-Faser Recyclingunternehmen für Alttextilien in der Schweiz sowie im nahen Ausland dar? • Für welche Fraktionen ergeben sich mögliche Verwertungsoptionen innerhalb eines Faser-zu-Faser Recycling? Für die Beantwortung dieser Fragestellungen wurde ein dreiteiliges Vorgehen festgelegt: (1) die Durchführung eines Technologie-Scoutings und Erstellung einer Recycler-Liste; (2) die Materialanalyse von Alttextilien in der Schweiz und deren Mengenberechnung; sowie (3) daraus Bericht AQM Methodisches Vorgehen 3 © HSLU DFK – 09.2025 die Fraktionsbeschreibung und Mengenberechnung der in der Schweiz rezyklierbaren Alttextilien unter Berücksichtigung der Material-Input Kriterien aus (1). 1.1 Technologie-Scouting und Recycler-Liste In einem ersten Schritt wurden mittels Technologie-Scouting Recyclingunternehmen identifiziert, die ein Faser-zu-Faser Recycling (mechanisch, thermo-mechanisch und chemisch) anbieten. Folgende Informationen wurden in einer Desktop-Recherche je Unternehmen festgehalten: Name des Unternehmens; Webseite und ggf. Kontakt; Art der Faser-zu Faser Recycling Technologie; Input-Material; Partiemengen; jährliche Verarbeitungsmengen; Output-Material; Region, Land; Umgang mit Kontaminanten und Disruptoren; Zertifizierungen. Als Quellen dienten die Studien Sorting for Circularity Europe (Van Duijn, 2022) und die darin entwickelte Recycler’s Database; Preferred Fiber & Materials Market Report. Supplier Mapping, (Textile Exchange, 2022); Study on the technical, regulatory, economic and environmental effectiveness of textile fibers recycling: final report (European Commission, 2021); sowie die Aussteller:innen-Liste der Textiles Recycling Expo 2025 in Brüssel (2025). Zusätzlich zu den oben gelisteten Informationen wurde beurteilt, welchen Technologiereifegrad (Technology Readiness Level, TRL) die angewendeten Recyclingtechnologien der recherchierten Unternehmen erreichen.1 Diese Einstufung wurde gemäss den Angaben der Publikation Study on the technical, regulatory, economic and environmental effectiveness of textile fibers recycling: final report vorgenommen (European Commission, 2021). 1.2 Materialanalyse Alttextilien Schweiz Zur Materialzusammensetzung von Schweizer Alttextilware gibt es heute keine publizierten Daten. Es konnten drei Publikation identifiziert werden, die Materialzusammensetzungen von Alttextilien für den Europäischen Raum aufführen. Diese wurden analysiert und miteinander abgeglichen. (European Commission, Joint Research Centre, 2023, Re_Fashion, und Terra, 2023, Van Dujin u. a., 2023). Aufgrund der grössten Stichprobe und detaillierten Aufschlüsselung der Alttextilfraktionen wurde die Studie Characterisation study of the incoming and outgoing streams from sorting facilities (Re_Fashion, und Terra, 2023) für das Berechnungsszenario herangezogen, da angenommen werden kann, dass Frankreich als benachbarter Staat ähnliche Qualitäten und Fraktionsanteile in den separat gesammelten Alttextilien aufweist. Die Studie von Re_fashion und Terra ermittelte detaillierte Daten zu Menge, Bekleidungstypologie, Materialzusammensetzung, Farbe und Produktaufbau (einschichtig oder mehrschichtig; mit Disruptoren oder ohne Disruptoren). Die darin präsentierten prozentualen Anteile wurden in dieser Studie als Basis genommen und auf die in der Schweiz gesammelten 59’300t Alttextilien im Jahr 2022 angewendet (BAFU, 2023). Diese Daten des BAFU schliessen die Kategorie Schuhe mit ein. Für das Berechnungsszenario sollten nur textile Fraktionen der Alttextilsammlung betrachtet werden. Als Referenz für nicht-textile Sammelware wurde ein Wert von 15% angenommen (Faist et al., 2024, S. 8) und vom Total abgezogen. __________ 1 Das Konzept des TRL ist eine Bewertungsskala, die genutzt werden kann, um anzugeben, welchen Entwicklungsstand eine Technologie hat. TRL 1 bis 3 beschreiben Technologien, die grundlegend erforscht werden; TRL 4 bis 6 beschreiben Technologien in Entwicklung und auf Prototypenstufe; TRL 7 bis 9 beschreiben Technologien, bei denen Demonstratoren vorliegen bis hin zur Markteinführung (Yfanti und Sakkas, 2024). Bericht AQM Methodisches Vorgehen 4 © HSLU DFK – 09.2025 1.3 Fraktionsbeschreibung Als letzter Schritt wurde eine Fraktionsbeschreibung vorgenommen. Hierzu wird die Materialanalyse der Sammelware mit den geforderten Input-Qualitäten der Recyclingunternehmen abgeglichen. Zudem wurde ermittelt, welche Anteile der Schweizer Alttextilien einem Faser-zuFaser Recycling zugeführt werden können. Die Beschreibung der Fraktionen erfolgte dabei anhand der folgenden Kriterien: • Die Beurteilung mittels Technologie-Reifegrad (TRL) der angewendeten Recyclingtechnologien gibt Aufschluss über die Marktreife der Unternehmung. Ausschliesslich Unternehmen mit einem TRL 7 oder höher wurden für die Zuordnung berücksichtigt. Somit kann sichergestellt werden, dass mindestens eine Demonstrationsanlage der Recyclingtechnologie in Betrieb ist und Volumen im industriellen Massstab verarbeitet werden können (Yfanti und Sakkas, 2024). • Alle Fraktionsanteile, die als mehrschichtig bezeichnet sind, wurden nicht berücksichtigt. Der Grund dafür ist, dass Recyclingunternehmen heute diese Art des Produktaufbaus als Input-Material nicht verarbeiten können (Van Duijn et al., 2022, S. 30). • Fraktionen mit Materialzusammensetzungen aus mehr als einer Faserart wurden nur in folgenden Fällen berücksichtigt: gestrickte Wollund Acrylmischungen und Jeans Artikel. Grund dafür ist, dass diese Art des Input-Materials für das mechanische Recycling zwar minderwertig, aber dennoch marktfähig ist. • Es wurden ausschliesslich die fünf mengenmässig am stärksten vertretenen Faserarten berücksichtigt, die gemeinsam 85% der Gesamtmenge ausmachen: Baumwolle, Polyester, Polyacryl, Viskose, Wolle. Bericht AQM Resultate 5 © HSLU DFK – 09.2025 Resultate Die Recycler-Liste ist das erste Resultat der Studie (Anhang 1). Diese Liste erfasst Informationen über die Recyclingunternehmen, deren angewendete Technologie sowie die Inputund Output-Materialien. Insgesamt wurden 121 Unternehmen identifiziert, die im Bereich Faserzu-Faser-Recycling tätig sind. Der grösste Anteil der recherchierten Unternehmen führt Recyclinganlagen in Europa. Abbildung 1 zeigt, dass der überwiegende Teil, nämlich 60% der aktuell tätigen Recycler (77 Firmen) ein mechanisches Recycling anbietet. In rund 31% der Fälle (40 Firmen) kommt ein chemisches Verfahren zum Einsatz, während 4% der Unternehmen über ein thermomechanisches Recyclingverfahren verfügen. Bei 5% der untersuchten Unternehmen konnten nicht restlos geklärt werden, welche Technologie eingesetzt wird. Insgesamt 5 Unternehmen geben an mehr als eine Recyclingtechnologie zu nutzen. Abbildung 1. Aufteilung der Recycler nach Faser-zu-Faser Recycling-Technologie. Die Analyse zum Technologie-Reifegrad (TRL) in Abbildung 2 zeigt, dass derzeit hauptsächlich mechanische Recyclingunternehmen auf dem Markt vertreten sind, die gemäss der EU einen TRL zwischen 7 und 9 aufweisen und mit 58% die Mehrheit bilden. Unternehmen, die ein chemisches, zellulosebasiertes Recycling anbieten, weisen einen TRL von 9 auf und repräsentieren 9% der gesamten Liste. Weiter zeigt die Analyse gemäss TRL, dass der Anteil der Unternehmen, die sich in den Kategorien TRL 4 bis 8 befinden, bei etwa 4% liegt. 8% und 15% der untersuchten Firmen weisen entsprechend TRL 5-6 bzw. 4-6 oder 4-5 auf, während die niedrigsten TRL zwischen 3 und 6 nur in 2% der Fälle zu verzeichnen sind. 4% der Unternehmen konnte kein TRL zugewiesen werden. Bericht AQM Resultate 6 © HSLU DFK – 09.2025 Abbildung 2. Aufteilung der Recycler nach Technologie-Reifegrad (TRL). Die Recycler-Liste gibt zudem einen Überblick über die präferierten Input-Materialien. Abbildung 3 zeigt, dass rund 38% der untersuchten Unternehmen sogenannte post-consumer Abfälle verarbeiten. Somit geben lediglich diese Unternehmen an, Abfälle aus der Alttextilsammlung zu verarbeiten. Sie stehen damit im Fokus dieser Studie. 39% aller Unternehmen geben an, pre-consumer Abfälle zu verarbeiten und 23% post-industrial Abfälle. Inwiefern pre-consumer und post-industrial Abfälle von den Unternehmen gleichgesetzt werden, konnte nicht geklärt werden. Abbildung 3. Aufteilung der Recycler nach Eingabequelle. Abbildung 4 zeigt, wie die in der Schweiz rezyklierbaren Mengen ermittelt wurden. Zunächst wurde anhand von Daten des Bundesamtes für Umwelt (BAFU, 2023) ein klares Bild der in der Schweiz anfallenden Textilabfälle für das Jahr 2022 erstellt. Die Gesamtsumme der entsorgten Alttextilien beläuft sich auf 95‘998t im Jahr 2022. Gemäss dem BAFU (2023) landeten im Jahr 2022 in der Schweiz rund 62% aller Textilabfälle (59’300t) in der getrennten Sammlung. Demgegenüber wurden 38% der Textilien (36’698t) direkt im Kehrichtsack entsorgt (BAFU, 2023). Letztere konnten für die vorliegende Studie nicht berücksichtigt werden, da zu den direkt im Kehrichtsack entsorgten Textilien keine Daten vorliegen. Getrennt gesammelte Alttextilien liegen im Fokus dieser Studie. Gemäss der Studie von Faist et al. (2024) bestehen die getrennt gesammelten Alttextilien aus 22% nicht-textiler Ware (beispielsweise Gürtel und Schuhe, 13’046t) und zu 14% aus Abfällen Bericht AQM Verzeichnisse 13 © HSLU DFK – 09.2025 Verzeichnisse Abbildungsverzeichnis Abbildung 1. Aufteilung der Recycler nach Faser-zu-Faser Recycling-Technologie. ............... 5 Abbildung 2. Aufteilung der Recycler nach Technologie-Reifegrad (TRL). ............................ 6 Abbildung 3. Aufteilung der Recycler nach Eingabequelle. ................................................ 6 Abbildung 4. Textilabfälle in der Schweiz für das Jahr 2022. ............................................. 7 Abbildung 5. Grösste Vorkommen nach Materialkategorie gemäss Re_Fashion (2023). ........ 7 Abbildung 6. Heute technisch rezyklierbare Fraktionen machen 52.3% (6’631.8t) der nicht mehr als weiter tragbar deklarierten Alttextilien aus. .................................................... 10 Bericht AQM Verzeichnisse 14 © HSLU DFK – 09.2025 Literaturverzeichnis Adler, F., Gassler, C., Tomovic, T., Wagner, N., & Weber-Hansen, A. (2024). Wege hin zu einem zirkulären Verwertungssystem für Alttextilien. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.12548201. Bundesamt für Umwelt BAFU (2023). Abfallmengen und Recycling 2022 im Überblick. Bundesamt für Umwelt BAFU (2023). Bericht zur Erhebung der Kehrichtsackzusammensetzung 2022. Cobbing, Madeleine, Sodfa Daaji, Mirjam Kopp, und Viola Wohlgemuth (2022). Poisoned gifts from donations to the dumpsite: Textiles waste disguised as second-hand clothes exported to East Africa. Publisher. Greenpeace International. Dahlbom, M., Aguilar Johansson, I., & Billstein, T. (2023). 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