Georg Jahn
Abstract
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Full text
Kruse, Alfred Article Georg Jahn Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Kruse, Alfred (1962) : Georg Jahn, Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft, ISSN 1619-6244, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 82, Iss. 3, pp. 257-258, https://doi.org/10.3790/schm.82.3.257 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/290991 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Georg Jahn f Nach kurzer Krankheit ist im 78. Lebensjahr Georg Jahn von uns gegangen. Sein Tod hat Schmollers Jahrbuch seinen langjährigen Herausgeber genommen. Seit dem Wiedererscheinen im Jahre 1949 mit dem 69. Jahrgang hatte Jahn als alleiniger Herausgeber mit Liebe und Hingabe die Zeitschrift im Sinne Gustav Schmollers betreut. Georg Jahn wurde am 28. Februar 1885 in Leipzig-Gohlis geboren. Dem Geist im väterlichen Hause entsprechend — sein Vater, Georg Max Jahn, war ein hochgeachteter, in Wort und Schrift wirkender Pädagoge — widmete er sich nach Ablegung des AbiturientenExamens im Jahre 1904 dem Studium der Philosophie, doch schon bald, nachdem er von der Universität Jena nach Leipzig übergewechselt war, erwachte in ihm das Interesse für Sozialgeschichte und Nationalökonomie. Der junge Dr. phil. betätigte sich auf mancherlei Gebieten der Praxis, namentlich im Verbandswesen, doch übersah er als verantwortungsbewußter, politischer Mensch nie das Gesamtinteresse über den Bestrebungen der Verbände. Er war an den Vorarbeiten zum Angestelltenversicherungs-Gesetz und seit 1911 an der Gründung der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte beteiligt, deren Verwaltungsrat er auch angehörte. Der Erste Weltkrieg bedeutete für Jahn wie für viele seiner Altersgenossen eine schmerzliche Zäsur, und doch ergab sich für ihn ein Ansatz zu neuen wissenschaftlichen Wegen. Im Jahre 1916 wurde er in die belgische Zivilverwaltung berufen und war auf dem Gebiete der Rohstofferfassung tätig, wo er in Gemeinschaft mit seinen späteren engeren Fachkollegen Waentig und Gehrig wirkte. Es entstanden wirtschaftshistorische und wirtschaftskundliche Arbeiten über die Hauptindustrie Belgiens. Eine dieser gewerbegeschichtlichen Untersuchungen — „Die Lütticher Waffenindustrie" — diente als Habilitationsschrift an der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig, wo Jahn sich im Jahre 1919 bei Ludwig Pohle habilitierte. Die späteren Veröffentlichungen lagen mehr auf dem Gebiete der aktuellen Wirtschaftspolitik als auf dem der Wirtschaftsgeschichte. Schon bald zeigte er sein besonderes Interesse für jenen Problemkreis, der das Grenzgebiet von Wirtschaft und Technik umfaßt. Das literarische Wirken stand in engem Wechselspiel zur Lehrtätigkeit 1 Schmollen» Jahrbuch 82, 3 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.82.3.257 | Generated on 2023-04-04 11:32:04
als Privatdozent an der Technischen Hochschule Braunschweig und als Ordinarius an der Technischen Hochschule Dresden. Auch in Halle weckte er erfolgreich unter den Volkswirten das Verständnis für technische Zusammenhänge. Es sei hier an den klärenden Aufsatz aus dem Jahre 1927 über „Gesellschaftliche, wirtschaftliche und technische Entwicklung in ihrem inneren Zusammenhang" erinnert. Industriesoziologie und Wirtschaftsgeschichte beschäftigten Jahn seitdem unentwegt und viele schöne Veröffentlichungen auf diesen Gebieten verdanken wir ihm. Jahns Lehrtätigkeit wurde jäh durch den Machtanspruch des Nationalsozialismus unterbrochen; er wurde im Jahre 1937 in den Ruhestand versetzt. Erst 1946 konnte er seinen Lehrstuhl in Halle wieder übernehmen, doch schon bald folgte er dem Ruf an die Tech^ nische Universität Berlin-Charlottenburg, wo er den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre in der Fakultät für Allgemeine Ingenieurwissenschaften übernahm. Ihm ist zum großen Teil die Gründung der neuen Fakultät für Wirtschaftswissenschaften iiü Jahre 1952 zu verdanken. Jahn, der in den zwanziger Jahren wegweisend an der Planung des Studienganges für Nationalökonomen mitgewirkt hatte, verdankt die Technische Universität, daß dort das Wirtschaftsingenieur-Studium nach dem Zweiten Weltkrieg wieder entstanden und ausgebaut worden ist, das ein Simultan-Studium in wirtschaftlichen und technischen Disziplinen ist, und das Willy Prion im Jahre 1927 eingeführt hatte. Dem Verein für Socialp.olitik (Gesellschaft für Wirtschaftsund Sozialwissenschaften) gehörte Jahn seit der Wiedererrichtung nach dem Zweiten Weltkriege als Vorstandsmitglied an; im Ostausschuß war er Vorsitzender. Obwohl er äußeren Ehrungen abhold war, verlieh ihm die Technische Universität für seine großen Verdienste um den Wiederaufbau seiner Hochschule die akademische Würde eines Ehrensenators. Kennzeichnend für Jahn war seine bedingungslose Geradlinigkeit und Rücksichtslosigkeit gegenüber erstarrten Formen und falschen Konventionen. Seine Kollegen, Schüler, Freunde und Mitarbeiter an Schmollers Jahrbuch schätzten seinen ehrlichen aufrichtigen Charakter. Bisweilen mochte er schroff wirken, doch bald zeigte sich der warmherzige Mensch. Georg Jahn wird allen denen, die mit ihm zusammenarbeiteten, unvergeßlich bleiben. Alfred Kruse OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/schm.82.3.257 | Generated on 2023-04-04 11:32:04