Branchenanalyse Telekommunikation: Strukturen, Entwicklungstrends und Herausforderungen
Abstract
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Full text
Latour, Ulrich Working Paper Branchenanalyse Telekommunikation: Strukturen, Entwicklungstrends und Herausforderungen Working Paper Forschungsförderung, No. 390 Provided in Cooperation with: The Hans Böckler Foundation Suggested Citation: Latour, Ulrich (2025) : Branchenanalyse Telekommunikation: Strukturen, Entwicklungstrends und Herausforderungen, Working Paper Forschungsförderung, No. 390, HansBöckler-Stiftung, Düsseldorf This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/333412 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
WORKING PAPER FORSCHUNGSFÖRDERUNG Nummer 390, November 2025 Branchenanalyse Telekommunikation Strukturen, Entwicklungstrends und Herausforderungen Uli Latour Auf einen Blick Die Telekommunikationsbranche steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Digitalisierung, geopolitische Risiken, verschärfte Regulierung und ökologische Herausforderungen transformieren Geschäftsmodelle, Arbeitsprozesse und Marktstrukturen. Trotz dieser Veränderungen bieten sich Potenziale für eine zukunftsorientierte Beschäftigungsund Standortpolitik. Die qualitative Analyse identifiziert zentrale Handlungsfelder und gliedert sie in sechs thematische Cluster: Innovation, Digitalisierung und technologische Resilienz; Infrastruktur, Standortentwicklung und Souveränität; Beschäftigungssicherung, Qualifizierung und Transformation; soziale Gerechtigkeit, Tarifbindung und Arbeitsstandards; sozial-ökologische Transformation und Nachhaltigkeit; Regulierung, Beteiligung und Governance.
Uli Latour (Master of Arts Internationale Studien / Friedensund Konfliktforschung) ist Berater bei der Technologieberatungsstelle Rheinland-Pfalz in Mainz. Zu seinem Aufgabengebiet zählen die Begutachtung, Beratung und Verhandlung bei umfangreichen betrieblichen Restrukturierungsmaßnahmen sowie analytische und konzeptionelle Arbeiten. Seine inhaltlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, Branchentrends, wirtschaftliche Angelegenheiten und Mitbestimmung. Orcid-ID: https://orcid.org/0009-0009-7593-950X © 2025 by Hans-Böckler-Stiftung Georg-Glock-Straße 18, 40474 Düsseldorf www.boeckler.de „Branchenanalyse Telekommunikation“ von Uli Latour ist lizenziert unter Creative Commons Attribution 4.0 (BY). Diese Lizenz erlaubt unter Voraussetzung der Namensnennung des Urhebers die Bearbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung des Materials in jedem Format oder Medium für beliebige Zwecke, auch kommerziell. (Lizenztext: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/de/legalcode) Die Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz gelten nur für Originalmaterial. Die Wiederverwendung von Material aus anderen Quellen (z. B. mit Quellenangabe gekennzeichnete Schaubilder, Abbildungen, Fotos und Textauszüge) erfordert ggf. weitere Nutzungsgenehmigungen durch den jeweiligen Rechteinhaber. ISSN 2509-2359
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 3 Inhalt Zusammenfassung................................................................................... 5 1. Einleitung ............................................................................................. 7 2. Marktstruktur und Wettbewerbsdynamik der Telekommunikationsbranche ................................................................. 10 2.1 Marktsegmentierung und strategische Positionierung der Unternehmen ..................................................................................... 11 2.2 Marktvolumen und Umsatzverteilung .......................................... 14 2.3 Investitionsverhalten und Innovationsdynamik ............................ 20 3. Akteure und Strukturen im Branchenkontext ..................................... 27 3.1 Die deutsche Telekommunikationsbranche im internationalen Vergleich ........................................................................................... 27 3.2 Netzausbau, Nutzung, Finanzierung und Regulierung: Praxis und Herausforderungen ......................................................... 30 4. Transformation der Telekommunikationsbranche: Technologie, Arbeit und Mitbestimmung ................................................ 46 4.1 Entwicklungstrends und Herausforderungen der Telekommunikationsbranche ............................................................ 46 4.2 Entwicklung und Herausforderungen der Mitbestimmung ........... 57 5. Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der Branche (SWOT) ... 72 5.1 Stärken („Strengths“) ................................................................... 72 5.2 Schwächen (Weaknesses) .......................................................... 76 5.3 Chancen (Opportunities) ............................................................. 79 5.4 Risiken (Threats) ......................................................................... 82 6. Fazit und Handlungsempfehlungen ................................................... 85 Literatur .................................................................................................. 94
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 4 Abbildungen Abbildung 1: Teilmarkt Festnetze (Außenumsätze 2023) ...................... 15 Abbildung 2: Teilmarkt Mobilfunknetze (Außenumsätze 2023) .............. 16 Abbildung 3: Markt für Telekommunikationsdienste nach Kundengruppen ................................................................................. 17 Abbildung 4: Service-Umsätze im Mobilfunk im Jahr 2023 .................... 19 Abbildung 5: Investitionen in Sachanlagen auf dem Telekommunikationsmarkt ................................................................ 21 Abbildung 6: Mitarbeitende auf dem Telekommunikationsmarkt ........... 60 Tabellen Tabelle 1: Marktstruktur nach Anbieterrollen (Festnetz und Mobilfunk, 2023) ................................................................................ 12 Tabelle 2: Technologietrends und Innovationsdruck .............................. 26 Tabelle 3: Marktund Infrastrukturkennzahlen im internationalen Vergleich ........................................................................................... 28 Tabelle 4: Tarifbindung nach Wirtschaftszweigen 2024 in Deutschland ...................................................................................... 65
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 5 Zusammenfassung Die vorliegende Studie untersucht die Telekommunikationsbranche vor dem Hintergrund tiefgreifender Transformationen, die durch Digitalisierung (u. a. 5G/6G, Glasfaserausbau, Internet of Things, Edge Computing), geopolitische Spannungen (u. a. USA-China-Konflikt, Ukrainekrieg, Cybersecurity), neue regulatorische Vorgaben (u. a. NIS2, Netzneutralität) und ökologische und gesellschaftliche Anforderungen (u. a. Klimaneutralität, menschenzentrierte Digitalisierung) ausgelöst werden. Forschungsleitend waren dabei Fragen nach branchenspezifischen Strukturen und Entwicklungen, dem Stand und den Herausforderungen der Mitbestimmung, aktuellen Trends in Beschäftigung und Arbeitsbedingungen, den Auswirkungen von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI) auf Geschäftsmodelle und Arbeitsprozesse sowie nach konkreten mitbestimmungspolitischen Handlungsempfehlungen. Gegenüber früheren Analysen schließt die vorliegende Untersuchung eine Forschungslücke, indem sie qualitative Expert*innen-Interviews mit einer systematischen SWOT-Analyse verbindet. Insbesondere mangelt es an aktuellen Studien, welche die besonderen Problemlagen der Branche tiefergehend anhand qualitativer Erhebungen erfassen, und mitbestimmungspolitische Aspekte fokussieren. Die letzte von der Hans-Böckler-Stiftung herausgegebene Branchenanalyse umfasst die zwei Branchen der Informationsund der Telekommunikationsbranche und stammt aus dem Jahr 2016 (vgl. Will-Zocholl/Kämpf 2016). Durch die Perspektive auf Mitbestimmung als strategischem Hebel liefert die Studie neue Einsichten in die Rolle von Betriebsräten, Gewerkschaften und politischen Institutionen bei der Gestaltung einer nachhaltigen und sozialen Telekommunikationsbranche. Im methodischen Vorgehen wurden zwölf Interviews mit Fachleuten der Branche durchgeführt. Diese erwiesen sich als besonders ergiebig, um interne Stärken wie die hohe Krisenresilienz und Innovationskraft der Branche sowie externe Chancen durch den weiteren Ausbau der Infrastrukturen zu identifizieren. Gleichzeitig zeigte sich eine starke Marktfragmentierung mit wenigen dominierenden Großunternehmen, schwer zu vereinbarenden Regulierungsstandards und geopolitischen Abhängigkeiten als wesentliche Risikofaktoren. Die qualitative Analyse verdeutlicht, dass Automatisierung und KIgestützte Prozesse zwar Effizienzpotenziale eröffnen, gleichzeitig jedoch Rationalisierungsund Dequalifizierungsrisiken für Beschäftigte und psy-
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 6 chosoziale Belastungen durch Entgrenzungstendenzen bewirken können. Darüber hinaus besteht akuter Nachholbedarf im Zuge der digitalen Transformation, insbesondere in dezentralen und mobilen Arbeitskontexten, während Betriebsräte personell nur unzureichend für die Begleitung komplexer Transformationsvorhaben aufgestellt sind. Aus den gewonnenen Erkenntnissen leiten sich zentrale Schlussfolgerungen ab. Eine zukunftsfähige Branchenentwicklung erfordert die integrative Verknüpfung ökonomischer Tragfähigkeit, digitaler Teilhabe und sozialer Nachhaltigkeit sowie eine strategische Mitbestimmungspolitik, die Akteur*innen in Unternehmen, Gewerkschaften und Politik befähigt, ihre Gestaltungsspielräume frühzeitig und umfassend zu nutzen. Als essenziell erweisen sich partizipative Innovationsprozesse, der Ausbau betrieblicher F&E-Kapazitäten und tariflicher Innovationsfonds, flankiert von einer systematischen Qualifizierungsoffensive mit tariflich abgesicherten Bildungszeiten. Zugleich sind sozialpartnerschaftlich abgestimmte Förderprogramme und eine europaweite Harmonisierung regulatorischer Rahmenbedingungen notwendig, um den Glasfaserund Mobilfunkausbau gerecht zu gestalten und europäische Resilienz zu stärken. Darüber hinaus müssen tarifliche und gesetzliche Regelungen für mobile Arbeit, algorithmische Steuerung und psychosoziale Gesundheit implementiert werden, um gute digitale Arbeit sicherzustellen. Die Studienergebnisse bilden die Basis für weiterführende Maßnahmen, mit denen Unternehmen, Sozialpartner und Politik in einen koordinierten Dialog treten können, um Mitbestimmung als Impulsgeber für eine zukunftsfähige und sozial gerechte Telekommunikationsbranche im digitalen Zeitalter zu etablieren.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 7 1. Einleitung Die Telekommunikationsbranche stellt eine zentrale Infrastruktur dar, die für nahezu alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereiche unverzichtbar ist. Sie ermöglicht ortsunabhängige Kommunikation und ist eine Grundvoraussetzung für Innovation, wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Teilhabe. Auf diese Weise tragen Telekommunikationsdienste wesentlich zur Stärkung demokratischer Strukturen und sozialer Kohärenz bei. Zugleich ist die Telekommunikationsbranche selbst ein relevanter Wirtschaftsfaktor, indem sie Beschäftigung schafft, Wertschöpfung generiert und kontinuierlich in den Ausbau digitaler Infrastrukturen investiert. Als Vorreiter in der Digitalisierung ermöglicht sie Unternehmen die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, die Effizienzsteigerung von Arbeitsprozessen und die Bewältigung der Herausforderungen der digitalen Transformation. Nicht zuletzt leistet die Telekommunikation einen zentralen Beitrag zur gesellschaftlichen Resilienz. Insbesondere in Krisenzeiten (z. B. Pandemien/Naturkatastrophen) ist die Verfügbarkeit stabiler und sicherer Kommunikationsnetze essenziell für das Funktionieren von Wirtschaft und Gesellschaft. Die Bereitstellung entsprechender Infrastrukturen ist damit nicht nur eine ökonomische Notwendigkeit, sondern auch ein entscheidender Beitrag zur gesellschaftlichen Stabilität und Zukunftsfähigkeit. Die Aktualität und Relevanz einer Analyse der Telekommunikationsbranche ergibt sich neben ihrer zuvor beschriebenen Bedeutung insbesondere aus den gegenwärtigen technologischen, gesellschaftlichen und politisch-regulatorischen Entwicklungen. Die tiefgreifenden technologischen Veränderungen (u. a. 5G/6G, Glasfaserausbau, Internet of Things, Edge Computing) wandeln nicht nur die technischen Grundlagen, sondern auch Geschäftsmodelle und Wettbewerbssituationen, weshalb zu klären ist, wie die Branche hinsichtlich der digitalen Transformation aufgestellt ist und welche strategischen Optionen bestehen. Gleichzeitig verändern sich die gesellschaftlichen Erwartungen an die Unternehmen, einerseits bezüglich der Qualität der Netze, der Preisgestaltung und des Kundenservice. Andererseits rücken Themen wie Klimaneutralität von Netzen oder menschenzentrierte Digitalisierung zunehmend in den Fokus. Aufgrund der geopolitischen Spannungen (z. B. USA–China, Ukrainekrieg, Cybersecurity) wird darüber hinaus die sicherheitspolitische Relevanz der Telekommunikationsbranche deutlich, weshalb eine Analyse auch diese Risiken und Abhängigkeiten berücksichtigen muss.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 8 Da staatliche Akteur*innen beispielsweise über Förderprogramme für den Netzausbau, Netzneutralitätsdebatten, Regulierungsfragen oder Datenschutzund Sicherheitsanforderungen die Branchenakteur*innen beeinflussen, kann die Untersuchung helfen, ein Verständnis für das Spannungsfeld zwischen Markt, Regulierung und öffentlichem Interesse zu entwickeln. Und letztlich führen die globalen Krisen (z. B. Energiepreise; Lieferkettenprobleme; Inflation) und der sich verschärfende internationale Wettbewerb (z. B. Big Tech; Satellitenanbieter) derzeit zu einem großen wirtschaftlichen Druck bei den Telekommunikationsunternehmen. Der Einblick in die Marktveränderungen und Wettbewerbspositionen ermöglicht den Branchenakteur*innen eine Bewertung und Neubestimmung dieser Tendenzen. Entsprechend liegt die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit darin, einen aktuellen Überblick über die branchenspezifischen Entwicklungen und Herausforderungen zu bieten und Handlungsempfehlungen für angemessene mitbestimmungspolitische Strategien abzuleiten. Ziel ist es, den Diskurs über Zukunftsfähigkeit, Standortsicherung, gute Beschäftigungsbedingungen und Stabilisierung der Beschäftigung zu fördern. Die Ergebnisse sollen sowohl eine Informationsbasis für politische Entscheidungen als auch eine strategische Orientierung für Unternehmen und ihre Interessenvertretungen bieten. Folgende Fragestellungen sind für die Studie forschungsleitend: • Welche branchenspezifischen Strukturen, Entwicklungen und Herausforderungen sind in der Telekommunikationsbranche festzustellen? (inklusive Marktentwicklungen und Wettbewerbssituation) • Wie entwickelt sich die (betriebliche und überbetriebliche) Mitbestimmung in der Branche? • Welche Tendenzen und Entwicklungen zeichnen sich hinsichtlich der Beschäftigung und Qualität der Arbeitsbedingungen gegenwärtig ab? • Wie und mit welchen Maßnahmen bewältigen die Branchenakteur*innen die Herausforderungen der gesellschaftlichen Transformationen? • Welche Auswirkungen hat insbesondere die Digitalisierung und der vermehrte Einsatz KI-basierter Systeme auf die Geschäftsmodelle, die betriebliche Leistungserstellung, die Arbeitsprozesse und -bedingungen, die Qualifizierungsanforderungen und die Rolle der Interessenvertretungen? • Welche Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken (SWOT) weist die Branche auf? • Welche mitbestimmungspolitischen Handlungsempfehlungen lassen sich aus der Branchenanalyse schlussfolgern?
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 15 Innerhalb des Festnetzes dominierten erneut die xDSL-/Fttx-(Fiber to the x)-Netze mit einem Anteil von 81 Prozent an den Festnetzumsätzen. Die Umsätze in diesem Bereich beliefen sich auf 26 Milliarden Euro und lagen damit drei Prozent über dem Vorjahreswert (2022: 25 Milliarden Euro). Demgegenüber verzeichneten die HFC-Netze (Hybrid Fibre Coax) im Jahr 2023 Außenumsatzerlöse in Höhe von 5,99 Milliarden Euro gegenüber 5,93 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Großteil dieser Umsätze (95 Prozent) resultierte aus Endkundenleistungen. Der Anteil der Umsätze mit Vorleistungen stieg leicht auf zwei Prozent, während der Anteil sonstiger Umsätze konstant bei vier Prozent blieb. Insgesamt bleibt die Bedeutung des HFC-Vorleistungsgeschäfts im Vergleich zu den xDSL-/Fttx-Netzen gering. Abbildung 1: Teilmarkt Festnetze (Außenumsätze 2023) Quelle: Dialog Consult / VATM 2024, eigene Darstellung Im Mobilfunksegment stiegen die Außenumsatzerlöse im Jahr 2023 geringfügig auf 27,6 Milliarden Euro (2022: 27,5 Milliarden Euro). Der größte Anteil dieser Umsätze entfiel auf Endkundenleistungen ohne Endgeräte mit 69 Prozent (2022: 67 Prozent) (vgl. Abbildung 2). Der Anteil der Umsätze aus Vorleistungen lag bei acht Prozent (2022: neun Prozent), während der Verkauf von Endgeräten 20 Prozent der Umsätze ausmachte (2022: 21 Prozent).
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 16 Der Anteil sonstiger Umsätze blieb unverändert bei drei Prozent. Auch die Verteilung der Umsätze zwischen Netzbetreibern und sogenannten Diensteanbietern bzw. Mobile Virtual Network Operators (MVNO) blieb weitgehend stabil. Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass wie bereits in den Vorjahren rund 82 Prozent der gesamten Mobilfunkumsätze von Netzbetreibern erzielt wurden, während der Anteil der MVNOs bei etwa 18 Prozent lag. Abbildung 2: Teilmarkt Mobilfunknetze (Außenumsätze 2023) Quelle: Dialog Consult / VATM 2024, eigene Darstellung Die Deutsche Telekom erreichte mit 16,5 Milliarden Euro (Festnetze) und 8,6 Milliarden Euro (Mobilfunknetze) einen Marktanteil in Höhe von 51 Prozent bei den Festnetzen und 31 Prozent bei den Mobilfunknetzen (vgl. Dialog Consult / VATM 2024). Dieses Verhältnis der Marktanteile war bereits in den Vorjahren zu beobachten und hat sich nicht signifikant verändert. Im Geschäftskundenmarkt behauptete die Deutsche Telekom ihre dominierende Marktposition mit einem Umsatz von 12,9 Milliarden Euro. Demgegenüber verzeichneten die Wettbewerber einen Rückgang in diesem Segment um 0,3 Milliarden Euro auf insgesamt 8,4 Milliarden Euro, was auf eine weiterhin bestehende strukturelle Marktasymmetrie zwischen etablierten Netzbetreibern und alternativen Anbietern hinweist (vgl. ebd.).
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 17 Im Privatkundenbereich zeigte sich hingegen eine gegenläufige Entwicklung. Die Wettbewerber konnten ihre Marktanteile leicht ausbauen, was auf eine zunehmende Preissensibilität und Angebotsvielfalt hindeutet. Besonders hervorzuheben ist der Nettozuwachs an Breitbandkunden bei der Deutschen Telekom, die im Jahr 2023 etwa 300.000 Neukunden gewinnen konnte, was den höchsten Wert im betrachteten Zeitraum darstellt (vgl. Dialog Consult / VATM 2024). Abbildung 3: Markt für Telekommunikationsdienste nach Kundengruppen (2023) Quelle: Dialog Consult / VATM 2024, eigene Darstellung Die technologische Struktur des deutschen Telekommunikationsmarktes ist weiterhin durch eine Koexistenz verschiedener Zugangstechnologien geprägt, wobei der Anteil moderner Glasfaserinfrastrukturen (FttB/H) in den letzten Jahren kontinuierlich zunimmt. Trotz dieses Wandels dominiert gegenwärtig noch immer das xDSL/Fttx-Segment, das im Jahr 2023 81 Prozent der Außenumsatzerlöse im Festnetzbereich generierte und damit gegenüber dem Vorjahr nochmals zulegen konnte (vgl. BNetzA 2024). Die entsprechenden Umsätze beliefen sich auf 25,7 Milliarden Euro, was einem Anstieg um drei Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 24,7 Milliarden Euro entspricht.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 18 Demgegenüber entfielen auf die Betreiber von HFC-Netzen (Hybrid Fibre Coax), insbesondere Kabelnetzbetreiber, im selben Zeitraum Umsätze in Höhe von 7 Milliarden Euro. Das entspricht einem Marktanteil von 19 Prozent im Festnetzsegment. Während der Großteil dieser Erlöse (95 Prozent) auf Endkundenleistungen entfiel, spielten Vorleistungen mit zwei Prozent eine untergeordnete Rolle (vgl. ebd.). Auch sonstige Erlöse, darunter etwa aus Vermarktung oder technischen Dienstleistungen, blieben mit vier Prozent auf Vorjahresniveau. Parallel dazu schreitet die Verbreitung echter Glasfaseranschlüsse (FttB/H) mit zunehmender Dynamik voran. Im Jahr 2023 konnten bundesweit 18 Millionen Haushalte und Unternehmen technisch mit Glasfaser erschlossen werden. Dies ist ein Zuwachs von 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der tatsächlich aktiven Glasfaseranschlüsse lag mit 4,3 Millionen jedoch weiterhin deutlich unter dem Ausbaupotenzial, was auf eine noch bestehende Nachfragelücke hindeutet (vgl. Dialog Consult / VATM 2024; BNetzA 2024). Diese Diskrepanz verweist auf die Relevanz nicht nur der technologischen Verfügbarkeit, sondern auch der Nachfrageanreize und Marktdurchdringung durch die Unternehmen. Die technologische Segmentierung spiegelt sich auch in der Preisstruktur, den Wettbewerbsdynamiken und in der Art der Dienstleistungen wider. Während xDSL vielfach als kostengünstigere Bestandslösung dient, ermöglichen HFCund Glasfasernetze höhere Übertragungsgeschwindigkeiten und Netzstabilität. Die steigende Nachfrage nach bandbreitenstarken Festnetzanschlüssen wird maßgeblich durch Homeoffice, Cloud-Anwendungen, IoTDienste, E-Learning und eine steigende Anzahl internetfähiger Endgeräte in privaten Haushalten getrieben. Damit nimmt die strategische Bedeutung der Glasfaserinfrastruktur sukzessive zu, insbesondere auch im Kontext regulatorischer Zielvorgaben und politischer Digitalisierungsstrategien (vgl. BMDV 2022). Im Mobilfunkmarkt werden mit einem Volumen von 21 Milliarden Euro bzw. 77 Prozent (2023) mehr als drei Viertel der Gesamtumsätze (27,6 Milliarden Euro im Jahr 2023) mit Serviceleistungen erwirtschaftet (vgl. Dialog Consult / VATM 2024) (vgl. Abbildung 4).
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 19 Abbildung 4: Service-Umsätze im Mobilfunk im Jahr 2023 Quelle: Dialog Consult / VATM 2024, eigene Darstellung Der Mobilfunkmarkt wächst ungebremst. Die Zahl der SIM-Karten stieg von 169 Millionen im Jahr 2022 um 13 Millionen auf 182 Millionen zum Jahresende 2023 stark an (+8 Prozent). Dabei scheint der Markt für SIMKarten zur persönlichen Nutzung weitgehend gesättigt zu sein und beträgt durchschnittlich 1,24 SIM-Karten pro Einwohner (vgl. Dialog Consult / VATM 2024). Das Marktwachstum kam im Wesentlichen durch die deutliche Zunahme der M2M-Kommunikation, d. h. der automatisierten Kommunikation zwischen Maschinen oder Geräten, zustande. Ihr Anteil liegt zum Jahresende 2023 mit 70 Millionen SIM-Karten bei 39 Prozent. Der Anstieg bei der Höhe des übertragenen mobilen Datenvolumens unterstreicht das Wachstum im Mobilfunkbereich. Gegenüber dem Vorjahr war ein Zuwachs um 36 Prozent auf insgesamt 9,1 Milliarden Gigabyte im Jahr 2023 zu verzeichnen (vgl. BNetzA 2024). Diese Entwicklung ist insbesondere auf die zunehmende Verbreitung datenintensiver Anwendungen wie Streaming-Dienste, Cloud-Services, mobile Videokonferenzen und die Integration mobiler IoT-Endgeräte zurückzuführen. Die Einführung und der Ausbau von 5G-Netzen verstärken diesen Trend zusätzlich, indem sie neue Kapazitätsund Anwendungspotenziale eröffnen. Insgesamt belegt die Entwicklung der Nutzungsmuster die wachsende Bedeutung leistungsfähiger Breitbandnetze in beiden Segmenten. Wäh-
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 20 rend der technologische Ausbau große Fortschritte macht, bleibt insbesondere bei Glasfaseranschlüssen die Nutzung hinter dem Angebot zurück, was eine infrastrukturelle wie auch marktpsychologische Herausforderung für die Unternehmen darstellt. 2.3 Investitionsverhalten und Innovationsdynamik 2.3.1 Investitionsverhalten Im Jahr 2023 beliefen sich die Investitionen in Sachanlagen der deutschen Telekommunikationsbranche auf insgesamt 13,2 Milliarden Euro und blieben damit im Vergleich zum Vorjahr (13,4 Milliarden Euro) nahezu konstant (vgl. BNetzA 2024). Der Anteil der Deutschen Telekom an den gesamten Investitionen belief sich dabei auf 42 Prozent, gegenüber den Wettbewerbern, die gemeinsam einen Anteil von 58 Prozent der Investitionen haben (vgl. Abbildung 5). Die Investitionen konzentrierten sich auf den Ausbau von Glasfaserund 5G-Netzen. Die Unternehmen strebten damit eine Verbesserung sowohl der Versorgung als auch der Anschlussqualität an. 88 Prozent der Gesamtinvestitionen entfielen dabei auf Maßnahmen zur Erweiterung und Modernisierung der Breitbandnetze. Im Gegensatz dazu wurden lediglich sieben Prozent in den Erhalt bestehender Netzinfrastrukturen und fünf Prozent in sonstige Sachanlagen wie Teilnehmerendgeräte, Rechenzentren oder Infrastruktur zur Kundenbetreuung investiert.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 21 Abbildung 5: Investitionen in Sachanlagen auf dem Telekommunikationsmarkt Quelle: BNetzA 2024, eigene Darstellung Differenziert nach Marktakteuren zeigt sich, dass die Wettbewerber im Jahr 2023 insgesamt 7,6 Milliarden Euro investierten, was einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr (8,5 Milliarden Euro) entspricht (vgl. ebd.). Die Telekom erhöhte ihre Investitionen von 4,9 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf 5,6 Milliarden Euro im Jahr 2023. In diesen Wert flossen auch die anteiligen Investitionen der Gemeinschaftsunternehmen Glasfaser NordWest und GlasfaserPlus ein. Die 2020 gegründeten Joint Ventures – Glasfaser Nordwest (Telekom/EWE) und GlasfaserPlus (Telekom, seit 2021 mit IFM Investors) – treten als reine „Wholesale-only“-Anbieter ohne Endkundengeschäft auf. Ein langfristiger Blick auf die Investitionsentwicklung seit der Marktöffnung im Jahr 1998 zeigt ein deutliches Engagement der Branche. Bis Ende 2023 wurden insgesamt 213 Milliarden Euro in Sachanlagen investiert. Dabei entfallen 54 Prozent dieser Summe auf die Wettbewerber (115 Milliarden Euro) und 46 Prozent auf die Deutsche Telekom (98 Milliarden Euro). Nicht berücksichtigt in dieser Betrachtung sind Zugänge zu Nutzungsrechten, wie sie etwa im Rahmen von Sale-and-LeasebackTransaktionen nach den Vorgaben des International Financial Reporting Standard bilanziert werden.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 22 Im Bereich der Innovationsförderung hat das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) im Jahr 2023 zusätzliche Mittel bereitgestellt, um die Entwicklung innovativer Netztechnologien zu unterstützen (vgl. BMDV 2022). Diese Initiativen zielen darauf ab, Deutschland als Vorreiter bei der Entwicklung und Implementierung fortschrittlicher Telekommunikationstechnologien zu positionieren. Trotz eines spürbaren Anstiegs der Investitionen in den Glasfaserund 5G-Ausbau stellt sich zunehmend die Frage nach der wirtschaftlichen Rentabilität dieser Maßnahmen im Verhältnis zu politischen Ausbauzielen und realer Nachfrageentwicklung. Die Bundesregierung verfolgt mit ihrer Gigabitstrategie das Ziel, bis 2030 flächendeckend Glasfaseranschlüsse bereitzustellen (vgl. BMDV 2022). Gleichzeitig forciert sie den 5G-Ausbau insbesondere in ländlichen Regionen. Dieser politische Anspruch steht jedoch in einem Spannungsverhältnis zur faktischen Marktnachfrage und zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit solcher Investitionen. Zwar wurden im Jahr 2023 bereits 18 Millionen Haushalte mit Glasfaseranschlüssen versorgt oder waren unmittelbar erreichbar, jedoch lag die Zahl der tatsächlich aktiv genutzten Anschlüsse nur bei 4,3 Millionen, was einer Nutzungsquote von etwa 24 Prozent entspricht (vgl. BNetzA 2024). Dieses Auseinanderfallen von Angebot und tatsächlicher Nachfrage verweist auf ein grundlegendes Problem der Rentabilität. Die Netzbetreiber investieren erheblich in die Infrastruktur, können aber die erwarteten Erlöse aus Kundennutzung häufig nicht im selben Maße realisieren. Die Ursachen für die geringe Inanspruchnahme sind vielfältig. Zum einen bestehen regionale Unterschiede in der Zahlungsbereitschaft und im wahrgenommenen Mehrwert schnellerer Anschlüsse. Zum anderen hemmen Wechselbarrieren (u. a. existierende Vertragslaufzeiten oder mangelnde Information) den Übergang zu Glasfaserprodukten (vgl. Sörries et al. 2023). In strukturschwachen Regionen sind zudem oftmals hohe Ausbaukosten pro Anschluss mit einem gleichzeitig begrenzten Erlöspotenzial verbunden, was zu einer geringeren Investitionsbereitschaft der Anbieter führt, sofern keine staatliche Förderung erfolgt. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Verhältnis zwischen strategischer Netzplanung und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung. Unternehmen müssen Investitionen nicht nur technologisch und politisch legitimieren, sondern auch wirtschaftlich absichern, beispielsweise durch hohe Vorvermarktungsquoten, Kooperationen im Vorleistungsmarkt oder durch Förderprogramme. Gleichzeitig ist auch aus regulatorischer Sicht eine genauere Abstimmung zwischen Förderkulisse und Marktdynamik erforderlich, um Über-
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 23 bau zu vermeiden und Anreize effizient zu setzen (vgl. Monopolkommission 2020). Ein zentraler Hebel zur Förderung von Investitionen liegt in staatlichen Förderprogrammen, die insbesondere auf den Ausbau von Glasfaserund 5G-Netzen abzielen. So stellt die Bundesregierung im Rahmen der Gigabitstrategie bis 2025 milliardenschwere Fördermittel bereit, mit dem Ziel, unterversorgte Regionen, die sogenannten weißen und grauen Flecken, an gigabitfähige Netze anzubinden (vgl. BMDV 2022). Diese Mittel sind jedoch an komplexe Antragsund Koordinationsverfahren zwischen Bund, Ländern und Kommunen gebunden, was in der Praxis nicht selten zu erheblichen Verzögerungen führt (vgl. Breko 2023). Ergänzt wird die Förderpolitik durch eine regulatorisch forcierte Marktöffnung, die insbesondere darauf abzielt, den Zugang zu Netzinfrastrukturen marktbeherrschender Unternehmen diskriminierungsfrei zu gestalten. Die Bundesnetzagentur spielt hierbei eine zentrale Rolle, indem sie im Rahmen der sektorspezifischen Regulierung unter anderem weitreichende Zugangsverpflichtungen, beispielsweise im Bereich der Teilnehmeranschlussleitungen, auferlegt (BNetzA 2023). Ziel ist es, für Wettbewerber verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen und infrastrukturbasierte Konkurrenz zu ermöglichen. Zugleich zeigt sich, dass Standardzugänge zu FTTH-Vorleistungen und Stop-Sell-Regelungen in UK und Frankreich eingeführt wurden, was eine gezielte Öffnung des Regulierungssystems nahelegt. In Deutschland wird über das Gigabitforum zudem aktiv an Open-Access-Ansätzen und Kooperationen gearbeitet. (vgl. BNetzA o. J.; Strube/Schwarz-Schilling 2022). Dennoch bestehen weiterhin strukturelle Hemmnisse, die den zügigen Infrastrukturausbau bremsen. Dazu zählen langwierige Genehmigungsprozesse, Engpässe im Tiefbausektor und fehlende Standardisierung bei Netzzugangsbedingungen. Zusätzlich erschwert das regulatorische Spannungsfeld zwischen staatlicher Förderung und wettbewerblicher Marktstruktur, etwa bei der Frage nach Doppelausbau oder Überbau bestehender Netze, investitionssichere Entscheidungen (vgl. Dialog Consult / VATM 2024). Vor diesem Hintergrund bleibt eine konsistente, technologieoffene und investitionsfreundliche Regulierung ein zentraler Faktor für die Erreichung der politischen Zielvorgaben im Bereich der Gigabitversorgung. Zusammenfassend zeigt sich, dass die Investitionen in die Telekommunikationsinfrastruktur auf hohem Niveau stabil geblieben sind. Gleichzeitig besteht jedoch Handlungsbedarf, da die Entwicklung stark durch
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 24 das Spannungsfeld zwischen politisch gewolltem Ausbau, tatsächlicher Kundennachfrage und ökonomischer Rentabilität geprägt ist. Perspektivisch wird sich der Erfolg des Ausbaus daran messen lassen müssen, inwieweit er sich nachhaltig wirtschaftlich trägt und zugleich breite gesellschaftliche Teilhabe an digitalen Infrastrukturen ermöglicht. 2.3.2 Innovationsdynamik Ein wesentlicher Treiber struktureller Veränderungen in der Telekommunikationsbranche ist der Innovationsdruck, der sich sowohl durch technologische als auch wettbewerbliche Gründe verstärkt. Neue Technologien wie 5G, das Internet der Dinge (IoT), Künstliche Intelligenz (KI) und Cloudbasierte Lösungen verändern nicht nur die Infrastrukturund Dienstleistungsanforderungen, sondern schaffen zugleich neue Marktsegmente und Anwendungsfelder. Beispiele dafür zeigen sich etwa in der Industrieautomatisierung, im Gesundheitswesen oder in der Mobilität (vgl. BMDV 2022; OECD 2024a). Der flächendeckende 5G-Ausbau bildet dabei eine zentrale Voraussetzung für Echtzeitanwendungen und eine effizientere Vernetzung von Maschinen, Geräten und Systemen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Netzkapazität, Netzmanagement und Cybersicherheit erheblich (vgl. Sörries et al. 2023). In diesem Zusammenhang gewinnen neue Netzarchitekturen wie Open RAN (Open Radio Access Network) an Bedeutung. Open RAN ist ein offener, virtualisierter und standardisierter Ansatz für Mobilfunknetze. Im Gegensatz zu proprietären Netzlösungen erlaubt Open RAN die Entkopplung von Hardund Softwarekomponenten und die Integration interoperabler Lösungen verschiedener Anbieter. Dies verspricht einerseits mehr Flexibilität, Innovationsdynamik und potenzielle Kosteneffizienz. Andererseits setzt dies auch erhebliche Investitionen in neue Systemarchitekturen und eine veränderte operative Kompetenz in den Unternehmen voraus (vgl. ETSI 2023; GSMA 2023). Parallel dazu entstehen durch Edge Computing und Network Slicing neue technische Möglichkeiten zur Optimierung von Latenz, Kapazitätssteuerung und Nutzersegmentierung. Beide Technologien gelten als essenzielle komplementäre Bausteine der 5G-Entwicklung und erweitern das Spektrum differenzierter Netzwerkangebote. Insbesondere im Bereich 5G-Campusnetze ergeben sich für Telekommunikationsunternehmen neue Marktchancen im industriellen und unternehmerischen Umfeld. Unternehmen aus den Bereichen Logistik, Produktion oder Energie setzen zunehmend auf private Netze, um hochverfüg-
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 31 3.2.1 Stand und Herausforderungen im Netzausbau Der Ausbau digitaler Telekommunikationsnetze in Deutschland wird maßgeblich von großen Netzbetreibern wie der Deutschen Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 getragen. Diese Unternehmen sind die zentralen Akteure sowohl im Festnetzals auch im Mobilfunkbereich. Neben der finanziellen und planerischen Verantwortung koordinieren sie die operative Umsetzung großer Ausbauprojekte, für die sie auf spezialisierte Tiefbauunternehmen und technische Dienstleister angewiesen sind. Branchenvertretern zufolge (Expert*innen-Interview, siehe S. 11) übernehmen Netzbetreiber dabei auch zunehmend eine strategische Steuerungsfunktion, indem sie die übergeordneten Rahmenbedingungen durch die Abstimmung mit den Kommunen, die Priorisierung von Ausbaugebieten oder die Koordination mit anderen Projekten und Genehmigungsbehörden gestalten. Auf diese Weise versuchen sie, die eigenwirtschaftlichen Ausbauinitiativen effizient mit kommunalen Rahmenbedingungen in Einklang zu bringen. Die Netzbetreiber, insbesondere die Deutsche Telekom, stehen dabei zwischen zwei Polen: Einerseits sollen möglichst große, standardisierte Ausbauprojekte umgesetzt werden, um Kosten zu sparen und Effizienzvorteile zu nutzen. Andererseits müssen sie auf die individuellen Bedürfnisse, Regeln und Besonderheiten jeder einzelnen Kommune eingehen, was langsamer, aufwendiger und weniger standardisierbar ist. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Ausbau von Glasfasernetzen nach dem FTTH/B-Prinzip (Fibre to the Home / Building), bei dem Glasfaserleitungen bis direkt in Gebäude und Wohnungen geführt werden. Diese Form des Ausbaus ist jedoch mit umfangreichen Tiefbaumaßnahmen verbunden, die durch kommunale Genehmigungen geregelt und umgesetzt werden müssen. Grundlage dafür bildet § 68 des Telekommunikationsgesetzes, der die Nutzung öffentlicher Wege für die Verlegung von Telekommunikationsinfrastruktur erlaubt, jedoch die Zustimmung des jeweiligen Trägers der Wegebaulast, in der Regel die Kommune, voraussetzt. Gerade an diesem Punkt treten strukturelle Hemmnisse zutage. Kommunale Genehmigungsverfahren erweisen sich in der Praxis häufig als langwierig und bürokratisch (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Verzögerungen entstehen oftmals durch personelle Engpässe, mangelndes technisches Know-how in den Verwaltungen oder restriktive kommunale Auflagen, etwa in Bezug auf Oberflächenwiederherstellung oder Baumschutz.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 32 Obwohl das Telekommunikationsgesetz eine automatische Zustimmung nach drei Monaten vorsieht, wird diese Frist regelmäßig unterlaufen, beispielsweise indem zusätzliche Unterlagen nachgefordert werden (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Ein Vertreter der Branche betonte, dass sich dieses Problem in ländlichen Regionen zusätzlich verschärft, da dort häufig weniger personelle und fachliche Kapazitäten zur Verfügung stehen. In vielen Kommunen gibt es noch keine digitalen Prozesse, um Genehmigungen (z. B. für den Glasfaserausbau) online abzuwickeln. In vielen Fällen, in denen digitale Verfahren existieren, funktionieren diese nicht reibungslos zwischen den Verwaltungsebenen, unter anderem weil die unterschiedlichen IT-Systeme nicht miteinander kompatibel sind (vgl. Expert*innen-Interview 2025). Zudem wird der Planungsaufwand durch die mangelnde Koordination erhöht, da sich die Netzbetreiber gezwungen sehen, Genehmigungen von verschiedenen kommunalen Ämtern (z. B. Tiefbau-, Umwelt-, Forstoder Denkmalschutzbehörden) einzuholen. Eine mögliche Gegenmaßnahme liegt in der Schaffung zentraler kommunaler Genehmigungsstellen und der Benennung fester Ansprechpartner für den Breitbandausbau, um Prozesse effizienter zu gestalten und Abstimmungen zu vereinfachen. Darüber hinaus wird das Potenzial alternativer Verlegetechniken, wie beispielsweise Micro-Trenching, Spülbohrverfahren oder oberirdischer Verlegung, bislang nicht ausgeschöpft. Diese Verfahren sind laut § 68 Abs. 2 Telekommunikationsgesetz genehmigungsfähig und könnten die Ausbaugeschwindigkeit deutlich erhöhen. Trotzdem werden sie von vielen Kommunen, möglicherweise aus Unsicherheit oder mangelnder Erfahrung, häufig abgelehnt. Die gesetzliche Klarstellung und Förderung solcher Techniken erscheinen daher ebenso notwendig, wie eine bessere Schulung kommunaler Entscheidungsinstanzen. Vor allem im Rahmen großer gesellschaftlicher und infrastruktureller Veränderungen wie der Energiewende (u. a. Ausbau von Stromnetzen, Wärmenetzen, Ladeinfrastruktur für E-Mobilität) und städtebaulicher Erneuerung (u. a. Neubaugebiete, Sanierungen, Verkehrsinfrastruktur) ließe sich der Glasfaserausbau sinnvoll mit anderen Bauprojekten koordinieren und somit Synergien heben. Diese Potenziale bleiben regelmäßig ungenutzt, da ressortübergreifende Abstimmungen auf kommunaler Ebene zu selten institutionalisiert sind. Obwohl gesetzliche Reformen wie das DigiNetzG bereits 2016 eingeführt wurden, bleibt die praktische Umsetzung bislang unzureichend. Die Spielräume des Telekommunikationsgesetzes werden vielerorts restriktiv
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 33 ausgelegt, und nicht selten verhindern uneinheitliche kommunale Gebührenordnungen, Vorgaben in Bebauungsplänen oder Denkmalschutzauflagen einen zügigen Ausbau. Vor diesem Hintergrund fordern Branchenverbände wie Bitkom, Breko und VATM unter anderem eine Digitalisierung und Vereinheitlichung der Genehmigungsprozesse (z. B. durch E-Government), die rechtliche Stärkung alternativer Verlegemethoden sowie Mustervereinbarungen zur Harmonisierung der Genehmigungspraxis. Eine weitere Herausforderung im Netzausbau liegt darin, dass dieser durch strukturelle Engpässe im Bereich des Tiefbaus behindert wird. Die Nachfrage nach qualifizierten Bauunternehmen übersteigt das Angebot bei weitem, was sich sowohl in fehlender Verfügbarkeit als auch in sinkender Bauqualität äußert (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Fachvertreter berichten von gravierenden Mängeln in der Bauausführung, unkoordinierten Maßnahmen und fehlender Kommunikation. Bauleiterwechsel, mangelhafte Wiederherstellung von Verkehrsflächen oder schlecht gesicherte Baustellen stellen zunehmend ein Problem dar (vgl. ebd.). Zwar liegt die Verantwortung für eine ordnungsgemäße Bauausführung bei den beauftragten Subunternehmen, doch die Netzbetreiber geraten zunehmend unter Druck, diese Verantwortung stärker zu kontrollieren und auch selbst zu übernehmen. Verstärkt wird diese Problematik einem Experten zufolge durch eine hohe Fluktuation im Dienstleistungssektor und die fehlende Standardisierung von Qualitätssicherungsverfahren. Während einige Netzbetreiber verstärkt auf zertifizierte Partnerunternehmen setzen, fehlen übergreifende Branchenstandards, die einheitliche Mindestanforderungen an Bauqualität und Sicherheit definieren (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Ein Beispiel für eine strategische Antwort auf diese Problemlage ist die Gründung einer eigenen Tiefbaugesellschaft der Telekom. Mit diesem Schritt versucht die Telekom, unabhängiger von externen Partnern zu werden und die Kontrolle über Bauqualität, Planung und Umsetzung zu verbessern. Dennoch steht dieses Modell noch am Anfang, ist regional begrenzt aktiv und mit erheblichen Herausforderungen bei Personalrekrutierung und Organisationsstruktur konfrontiert und erbringt die Leistung ausschließlich für den Telekom Konzern. Um den Ausbau langfristig abzusichern, wäre die gezielte Investition in die Ausbildung und der Rekrutierung von qualifiziertem Personal erforderlich (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Perspektivisch wird es entscheidend sein, regionale Bildungsnetzwerke mit Industriepartnerschaften zu etablieren, um langfristig ein stabiles Qualifikationsfundament für
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 34 die Branche zu schaffen. Denkbar wären duale Ausbildungsprogramme mit digitalem Schwerpunkt oder gezielte Umschulungen in strukturschwachen Regionen. Neben qualitativen und personellen Herausforderungen tritt der sogenannte strategische Überbau als ein weiteres strukturelles Risiko hinzu (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Darunter versteht man den parallelen Ausbau von Glasfaserinfrastruktur in bereits versorgten Gebieten. Dabei handelt es sich nicht um eine notwendige Erschließung unterversorgter Gebiete, sondern um eine wettbewerbstaktische Maßnahme. Die Ziele sind dabei insbesondere, Marktanteile zu sichern, die gemeinsame Nutzung vorhandener Netze (Open-Access-Konzepte) zu vermeiden oder die eigene Infrastruktur exklusiv vermarkten zu können. Vermehrt tritt das Phänomen des Überbaus in Regionen auf, in denen bereits Netzbetreiber sowohl geförderte als auch eigenwirtschaftliche Glasfaserprojekte umsetzen. Ursachen hierfür sind häufig fehlende Transparenz über bestehende Ausbaupläne und unzureichend verbindliche Ausbauzusagen, die die Koordination der Marktakteure erschweren (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Die Veröffentlichung geplanter Ausbaugebiete auf einer zentralen Plattform könnte die Planungssicherheit für alle Beteiligten erhöhen und Doppelinvestitionen vermeiden. Überbau bindet nicht nur knappe Tiefbaukapazitäten, sondern führt auch zu einer ineffizienten Verwendung öffentlicher Fördermittel, verlängert Genehmigungsprozesse und mindert die Investitionsbereitschaft kleinerer Anbieter, die insbesondere strukturschwache oder ländliche Gebiete erschließen (vgl. Breko 2023). Regulatorische Maßnahmen wie verbindliche Open-Access-Vorgaben, Netzausbaukarten oder zentrale Ausbaukoordinierungsstellen können dazu beitragen, Doppelstrukturen zu reduzieren und die Effizienz des Netzausbaus zu erhöhen. Auch die Zielerreichung für 2030 steht auf dem Prüfstand. Der Ausbau der Netzinfrastrukturen, sowohl im Mobilfunkals auch im Festnetzbereich, schreitet voran. Gleichwohl gibt es weiterhin sogenannte „weiße“ (nicht versorgte) und „graue“ (schlecht versorgte) Flecken, insbesondere entlang von Bahntrassen, Autobahnen oder in Naturschutzgebieten. Der Marktanalyse des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko) zufolge lag die Ausbauquote Mitte 2024 bei 43 Prozent, mit einer abnehmenden Dynamik im Flächenland (vgl. Breko 2024). Die Deutsche Telekom verfolgt ambitionierte Pläne, bis 2030 alle 42 Millionen Haushalte mit FTTH zu versorgen, doch ohne koordinierte Anstrengungen von Wirtschaft, Politik und Kommunen dürfte das Ziel einer flächendeckenden Versorgung nur schwer erreichbar sein. Die Prognosen des Verbands rechnen mit einer Glasfaserquote zwischen 76 Pro-
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 35 zent und 86 Prozent bis 2030 und liegen damit deutlich unter der politischen Zielmarke von 100 Prozent (vgl. ebd.). Den Aussagen eines Branchenexperten zeigen, dass die schleppende Entwicklung weniger auf die Gesetze, sondern vielmehr auf deren praktische Umsetzbarkeit zurückzuführen ist. Gerade auf der kommunalen Ebene fehlt es oft an Anreizsystemen (z. B. finanzielle oder personelle Unterstützung, Anreize für besonders schnelle Verfahren) und strategischer Orientierung (z. B. unklares Ziel, keine Prioritätensetzung oder fehlende Ressourcenplanung), die die aktive Mitwirkung der Kommunen am Ausbauprozess fördern würden (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). 3.2.2 Finanzierung und Nutzung der Netze Im Zusammenhang mit dem Netzausbau steht die Branche vor der Frage, wie die finanziellen Mittel effizient eingesetzt werden können, um eine zukunftssichere und flächendeckende Infrastruktur zu schaffen. Die Finanzierung des Netzausbaus, der insbesondere in strukturschwachen oder räumlich zersiedelten Regionen enorm kostenintensiv ist, erfolgt über eine Kombination aus eigenwirtschaftlichen Investitionen und staatlicher Förderung. Traditionell finanzieren Telekommunikationsunternehmen den Netzausbau aus eigenen Mitteln, basierend auf den Einnahmen aus dem Verkauf von Telekommunikationsdiensten (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Entsprechend befindet sich ein erheblicher Teil der Telekommunikationsnetze im Eigentum großer privater Anbieter, insbesondere der Deutschen Telekom AG, die als ehemaliger Monopolist über umfangreiche historische Infrastruktur verfügt. Diese Eigenfinanzierung ist jedoch in Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte und entsprechend niedriger Nachfrage oft nicht rentabel. Die hohen Investitionskosten, insbesondere für die Verlegung von Glasfaserkabeln, stehen in keinem Verhältnis zu den erwarteten Einnahmen. Dies führt dazu, dass der privatwirtschaftliche Ausbau in diesen Gebieten häufig unterbleibt. Die Kombination aus hohem Investitionsbedarf, langen Amortisationszeiträumen und regulatorischer Unsicherheit hat in vielen Fällen zu einer Zurückhaltung privater Akteure geführt (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Um die Finanzierungslücke in unterversorgten Gebieten zu schließen, stellt der Staat Fördermittel zur Verfügung. Diese werden in der Regel über Ausschreibungsverfahren vergeben, bei denen Telekommunikationsunternehmen Projekte einreichen können. Die Förderquote variiert je
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 36 nach Projekt und Region, kann jedoch bis zu 100 Prozent der Investitionskosten betragen. Mit dieser Förderung verbindet sich zugleich der Anspruch, strategische Mitspracherechte bei Ausbauplanung und Netznutzung geltend zu machen (vgl. BMDV 2024). Ein Beispiel hierfür ist die Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft, die mit einem Budget von einer Milliarde Euro gegründet wurde, um sogenannte „weiße Flecken“ in der Mobilfunkversorgung zu schließen. Die politische Verantwortung für den Netzausbau liegt dabei in einem Geflecht zwischen Bund, Ländern und privaten Unternehmen. Obwohl öffentliche Mittel in großem Umfang bereitgestellt werden, verbleibt die Kontrolle über strategische Infrastrukturmaßnahmen zumeist bei privatwirtschaftlichen Akteuren. Aus mitbestimmungspolitischer Sicht ist dies hochproblematisch, da institutionalisierte Beteiligung von Gewerkschaften oder Betriebsräten an der Fördervergabe und Netzplanung weitgehend fehlt. Die Rolle des Staates durchläuft dabei einen Wandel. Zunächst wurde der staatliche Ausbau vor allem durch die sogenannte „Gießkannenförderung“ unterstützt. Das bedeutet, dass Kommunen Mittel beantragten, die ohne spezifische strategische Ausrichtung gewährt wurden. In der Folge zogen sich privatwirtschaftliche Unternehmen aus dem Ausbau zurück, weil sie keine Regulierungsauflagen akzeptieren wollten, die mit der öffentlichen Finanzierung einhergingen. Stattdessen bevorzugten sie eigenwirtschaftliche Projekte, um Marktkontrolle und Preisgestaltung in eigener Hand zu behalten (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Dieser Ansatz wird mittlerweile infrage gestellt und die Forderung, nur dort zu fördern, wo ein eigenwirtschaftlicher Ausbau wirtschaftlich nicht darstellbar ist, gewinnt an Bedeutung. Diese strategischere Förderlogik wird derzeit in politischen Koalitionsverhandlungen diskutiert. Sie könnte dazu führen, dass staatliche Mittel gezielter eingesetzt werden und die Eigenverantwortung der Marktakteure gestärkt wird. Allerdings zeigt die Praxis, dass die Umsetzung koordinierter Förderstrategien oft an institutionellen Fragmentierungen scheitert. Unterschiedliche politische Zuständigkeiten auf Bundes-, Landesund kommunaler Ebene führen regelmäßig zu Zielkonflikten und Verzögerungen. Zudem besteht ein Ungleichgewicht zwischen den finanziellen Möglichkeiten wohlhabender und finanzschwacher Kommunen, was zu einer ungleichen Versorgung mit Hochleistungsnetzen führen kann (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Vergaben werden oft aus struktureller Unterfinanzierung heraus nach dem niedrigsten Preis und nicht nach sozialen Standards entschieden.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 37 Die möglichen Konsequenzen sind Preisdumping, Subunternehmerketten und tariflose Strukturen. Um soziale Nachhaltigkeit in der Digitalisierung zu gewährleisten, ist eine Reform der Vergabepraxis mit verbindlichen Tariftreuevorgaben und einer besseren finanziellen Ausstattung der Kommunen notwendig. Die strategische Nutzung staatlicher Mittel erfordert entsprechend die enge Abstimmung zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Die kommunale Ebene bleibt dabei entscheidend, da sie die lokalen Bedarfe kennt und verhandeln kann. Gleichzeitig muss der Staat Rahmenbedingungen schaffen, die Investitionen fördern, aber auch qualitative Mindeststandards sichern. Die Herausforderung, Marktlogik und Gemeinwohlorientierung auszubalancieren, nimmt in der Telekommunikationsbranche eine große Rolle ein. Auf der einen Seite können gesellschaftlich erwünschte Ziele wie Chancengleichheit, Daseinsvorsorge und Teilhabe nur durch staatliche Eingriffe sichergestellt werden, ohne dass ländliche Regionen abgehängt werden. Auf der anderen Seite kann zu viel staatliche Förderung den Wettbewerb verzerren oder ineffizient sein. Der „Königsweg“ wird dabei in einem selektiven Förderansatz für wirtschaftlich unattraktive Regionen gesehen. In diesem Kontext wird zunehmend kritisiert, dass Großunternehmen wie die Deutsche Telekom oder Vodafone durch ihre Netzstrategien die Entwicklung eines fairen Wettbewerbs erschweren. Einerseits kontrollieren Sie sowohl Netz als auch Dienste, was ihre Marktmacht erhöht und andere Anbieter verdrängt. Andererseits gestalten Sie die Konditionen für den Zugang zu ihren Netzen (Vorleistungsprodukte) teuer oder unattraktiv für Wettbewerber. Die Nutzung dieser Netze unterliegt regulatorischen Rahmenbedingungen, um einen diskriminierungsfreien Zugang für alternative Anbieter zu gewährleisten. Gemäß dem Telekommunikationsgesetz und den Vorgaben der Bundesnetzagentur besteht für marktmächtige Unternehmen eine Zugangsverpflichtung zu ihren Netzen. Die Konditionen für diesen Netzzugang, insbesondere Preise, technische Standards und Entgeltsysteme, werden entweder reguliert oder unterliegen der ex-ante Genehmigungspflicht durch die Bundesnetzagentur. Im sogenannten Entgeltgenehmigungsverfahren muss der Netzbetreiber vor Einführung oder Änderung eines Entgelts einen Antrag bei der Bundesnetzagentur stellen. Diese prüft das Entgeltmodell auf Kostenorientierung, Diskriminierungsfreiheit und Transparenz. Die Berechnung basiert dabei nicht auf den realen Kostenstrukturen des Netzbetreibers, sondern ein Modell, dass auf idealtypisch effizient geplanten Netzen basiert.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 38 Daraus ergeben sich gewisse Gestaltungsspielräume bei der Entgelthöhe, beispielsweise über Abschreibungszeiträume, Betriebsund Overheadkosten, oder der Höhe des kalkulatorischen Zinssatzes für das eingesetzte Kapital (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Der parallele Ausbau bereits erschlossener Gebiete (sog. „Überbau“) verschärft das Problem zusätzlich. Kleine und mittelständische Netzbetreiber verlieren durch den Überbau Marktanteile, auch wenn sie als erste in die weniger rentable Region investiert haben. Branchenexpert*innen kritisieren des Weiteren den Rückgriff auf Tower-Gesellschaften und Netzspaltungen (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Unter Tower-Gesellschaften versteht man spezialisierte Firmen, denen Telekommunikationsunternehmen ihre Mobilfunkmasten oder andere Netzbestandteile verkaufen oder übertragen. Diese Firmen vermieten die Infrastruktur dann an den Verkäufer und an seine Wettbewerber. Netzspaltungen meinen beispielsweise die Trennung von Netzbetrieb (Infrastruktur) und Dienstebetrieb (Vertrieb, Kundenbetreuung), damit Telekommunikationsunternehmen z. B. eine Infrastrukturtochter gründen kann, die Netze betreibt, während eine andere Einheit Tarife und Dienste verkauft. Beide Modelle werden als betriebswirtschaftlich sinnvoll, aber strukturpolitisch bedenklich bewertet, da der direkte Einfluss auf die Ausbauentscheidung und Servicequalität sinkt, die langfristige Verantwortung für die Infrastruktur geschwächt wird und die öffentlichen Steuerungsmöglichkeiten abnehmen. Auf diese Weise werden Verantwortung und Betrieb zunehmend entkoppelt, was zu Unsicherheiten bei der Ausbauplanung, Daseinsvorsorge und Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse führt. Eine weitere Herausforderung liegt in dem wachsenden Einfluss ausländischer Investoren bzw. staatlich kontrollierter Fonds, etwa aus SaudiArabien, die Anteile an strategisch wichtigen Telekommunikationsunternehmen erwerben. In Reaktion darauf hat der deutsche Staat, beispielsweise über die Kreditanstalt für Wiederaufbau, in der Vergangenheit Beteiligungen genutzt, um kritische Infrastruktur vor außereuropäischen Übernahmen zu schützen. In der Praxis führt die wachsende Rolle ausländischer Finanzinvestoren, insbesondere Hedgefonds, Private-Equity-Gesellschaften und Infrastrukturfonds, zu tiefgreifenden Umstrukturierungen (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Die Veräußerung von 51 Prozent der Anteile an der Deutschen Funkturm GmbH an ein nordamerikanisches Konsortium illustriert diese Entwicklung exemplarisch und wirft sicherheitspolitische und soziale Fragen auf (vgl. Deutsche Telekom 2023).
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 39 Die Investorenlogik basiert häufig auf kurzfristiger Renditeorientierung und verstärkt einen Rationalisierungsdruck, der sich negativ auf Arbeitsbedingungen, Beschäftigungssicherheit und Mitbestimmungsrechte auswirkt. Restrukturierungen, Outsourcing und Entlassungen erfolgen mit hoher Taktung und unterlaufen oftmals betriebsverfassungsrechtliche Beteiligungstatbestände (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Mitbestimmung gerät zunehmend in ein Spannungsverhältnis zur Kapitalmarktorientierung internationaler Akteure, was sich auch in kommunalen Kontexten zeigt. Selbst bei Netzbetreibern in öffentlicher Hand dominieren zunehmend finanzwirtschaftliche Zielsetzungen, etwa wenn Infrastrukturen ausgegliedert und als renditestarke Anlageobjekte betrachtet werden. Die Fragmentierung der Eigentümerstruktur erschwert zudem kollektive Aushandlungsprozesse und führt zu einem Verlust öffentlicher Steuerungsmacht (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Diese Entwicklung untergräbt sowohl die kommunale Souveränität als auch die tarifliche Absicherung und Mitbestimmung in der Branche. Insofern erscheint eine Rückführung zentraler Netzinfrastruktur in öffentlich-rechtliche oder kommunale Trägerschaft als notwendiger Schritt, um eine gemeinwohlorientierte und mitbestimmte Infrastrukturentwicklung zu ermöglichen. Darüber hinaus betonen Expert*innen der Branche, dass technologische Innovationen (z. B. Open RAN – Radio Access Network) einerseits erhebliche Effizienzgewinne ermöglichen und damit den Finanzierungsspielraum erweitern, andererseits jedoch auch neue Abhängigkeiten und Risiken erzeugen (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Darüber hinaus ist festzustellen, dass insbesondere Großunternehmen der Branche oftmals Strategien der Standardisierung und Automatisierung verfolgen, etwa durch KI-gestützte Netzplanung oder Predictive Maintenance, um die Effizienz zu steigern. Mit der IT-zentrierten Virtualisierung der Netzkomponenten über Open RAN werden u. a. manuelle Eingriffe, etwa im Bereich Wartung und Austausch von Komponenten, erheblich reduziert. Diese Entwicklung führt gleichzeitig zu tiefgreifenden Veränderungen in der Arbeitsorganisation. Die Zahl der Beschäftigten im technischen Außendienst wird nach Ansicht von Branchenexpert*innen perspektivisch sinken (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die IT-Kompetenzen der verbleibenden und neu einzustellenden Fachkräfte. Klassische Technikerrollen, die bisher physisch an Netzkomponenten arbeiten, werden perspektivisch durch IT-nahe Qualifikationen ersetzt. Entsprechend geht diese Entwicklung mit dem Abbau qualifizierter Ar-
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 40 beitsplätze und einer zunehmenden Arbeitsverdichtung einher und macht eine frühzeitige Personalentwicklungsstrategie unerlässlich (Expert*innenInterview, siehe S. 11). Parallel dazu steht die Telekommunikationsbranche unter zunehmendem internationalen Wettbewerbsdruck, insbesondere durch große Anbieter aus Asien und Nordamerika. Während europäische Unternehmen, wie etwa die Deutsche Telekom, ihre Marktaktivitäten paneuropäisch oder transatlantisch ausrichten, verfügen amerikanische Konzerne über erheblich größere Skaleneffekte. Die Tatsache, dass die Deutsche Telekom mittlerweile in den USA höhere Umsätze erzielt als in Europa, unterstreicht die globale Verschiebung der Wertschöpfung. Damit verbunden sind neue strategische Herausforderungen hinsichtlich Standortentscheidungen und der Kontrolle kritischer Infrastrukturen. Strenge sicherheitsbezogene Regulierungen in Europa können Unternehmen dazu veranlassen, Teile ihrer Netzinfrastruktur in außereuropäische Rechtsräume zu verlagern. Dies birgt Risiken für die technologische Souveränität, da zentrale Funktionen der digitalen Infrastruktur zunehmend außerhalb europäischer Kontrollmechanismen betrieben werden könnten. Staatliche Initiativen fokussieren dabei langfristig nicht nur die physische Netzverfügbarkeit, sondern auch die Frage nach digitaler Souveränität. Die Diskussion um den Einsatz von Netzwerktechnologie des chinesischen Anbieters Huawei verdeutlicht exemplarisch, wie technische Sicherheitsfragen unmittelbar mit Fragen politischer Steuerungsfähigkeit, ökonomischer Abhängigkeit und auch mit beschäftigungspolitischen Risiken verknüpft sind. Zudem erhöhen geopolitische Spannungen den Druck, europäische Alternativen zu entwickeln. Cybersicherheit stellt eine zentrale Voraussetzung für das Vertrauen in digitale Infrastrukturen und Dienste dar. In einer zunehmend vernetzten globalen Ökonomie ist sie ein Schlüsselfaktor für die strategische Souveränität Europas. Diese Souveränität, verstanden als digitale Autonomie, erfordert, dass kritische Komponenten und Netztechnologien unter inländischer oder zumindest europäischer Kontrolle stehen. Gleichzeitig zeigen sich Schwächen in der industriellen Innovationskraft, da inländische Produzenten und Forschungseinrichtungen häufig nicht über ausreichende Ressourcen verfügen, um global wettbewerbsfähige Produkte zu liefern. Der Rückstand bei Cloud-Infrastrukturen, Halbleiterproduktion und Softwareplattformen verweist auf eine strukturelle Innovationsschwäche
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 47 kratische Strukturen wie die Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft (MIG) zur Erschließung weißer Flecken. Bis Ende 2022 konnten bereits rund vier Millionen zusätzliche Haushalte mit Glasfaser versorgt werden (vgl. ebd.). Doch die Umsetzung stagniert aufgrund struktureller und organisatorischer Hürden. Langwierige Genehmigungsverfahren, Tiefbaukapazitätsengpässe, fehlende Fachkräfte und uneinheitliche Verantwortung zwischen Bund, Ländern und Kommunen bremsen das Vorankommen (vgl. BMDV 2024). Die mit zahlreichen kommunalen und regionalen Netzbetreibern fragmentierte Anbieterlandschaft erschwert eine einheitliche Netzplanung und Qualitätskontrolle. Dadurch entstehen parallel verlaufende Infrastrukturen ohne gegenseitige Koordination, was die wirtschaftliche Nachhaltigkeit wie auch die Netzsicherheit beeinträchtigen kann. Ein weiteres strategisches Spannungsfeld ergibt sich aus geopolitischen Einflussnahmen und der Technikherkunft. Die Diskussion um Huawei und ZTE im 5G-Mobilfunknetz verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen Sicherheit, Versorgung und internationaler Technologieabhängigkeit. Die Bundesregierung hat beschlossen, bis Ende 2026 kritische Kernnetzkomponenten auszutauschen und bis 2029 auch Zugangsund Transportnetze frei von Huawei/ZTE-Technologien zu machen (vgl. BMI 2024). Diese Entscheidungen folgen sicherheitspolitischen Überlegungen und drücken das Bestreben aus, digitale Souveränität mit Resilienz der Infrastruktur zu verknüpfen. Zugleich spiegeln sie Rückwirkungen auf internationale Zusammenarbeit und wirtschaftliche Effizienz wider. Parallel eröffnen technologische Entwicklungen wie 5G, Glasfaser, Open RAN und Software-Defined Networks neue Perspektiven. Studien zur Virtualisierung und Softwarisierung von Mobilfunknetzen betonen das Potenzial von Flexibilität und Modularität, weisen aber auf Herausforderungen wie Interoperabilität und Systemkomplexität hin (vgl. BMDV 2024). 5G-Technologien wiederum sind die Basistechnologie für Arbeit 4.0, Smart Cities, autonomes Fahren und private Campus-Netze, was den Netzausbau technisch wie konzeptionell erweitert. Allerdings bleibt offen, ob der Nutzen in der erwarteten Breitenwirkung realisiert wird. Die Mobilfunkdurchdringung stagniert bei klassischen SIM-Karten, sodass neue Anwendungsfelder notwendig sind, um Wachstum und Rendite nachhaltig zu sichern. In diesem strukturellen Spannungsfeld zeigen sich mehrere Herausforderungen. Der Überbau durch parallel operierende Glasfasernetze kann zu ineffizienter Kapitalallokation und dem Verdrängungseffekt kleinerer Anbieter in ländlichen Regionen führen.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 48 Gleichzeitig führt der Fortbestand von xDSLund Fttx-Infrastrukturen zu ineffizienten Parallelstrukturen und kann Investitionen in Glasfaser verzögern. Die daraus resultierende Pfadabhängigkeit stellt die Effizienz technologischer Entscheidungen infrage. Aus regulatorischer Perspektive besteht ein Gegensatz zwischen der Förderung digitaler Infrastruktur und der Aufrechterhaltung wettbewerblicher Rahmenbedingungen. Förderprogramme wie die Gigabitstrategie stehen dem Wettbewerbsrecht potenziell entgegen, wenn sie zu Doppelausbauten führen oder kleinere Anbieter benachteiligen. Netzneutralität, Zugangsregulierung und Förderrichtlinien erzeugen Unsicherheiten, die sowohl nationale als auch internationale Telekommunikationskonzerne betreffen und ihre strategische Planung beeinträchtigen. Diese regulatorischen Divergenzen werden durch unterschiedliche Standards zwischen EU, USA und China verschärft, was grenzüberschreitende Wertschöpfung und Produkteinführungen erschwert. In der Folge kommt es auf mehreren Ebenen zu Transformationsrisiken. Die Branche wird zunehmend von externem Margendruck und internem Strukturwandel geprägt. Die Einführung digitaler Systeme, Outsourcing und die Segmentierung der Firmenstruktur (z. B. Netzspaltung bzw. Tower-Gesellschaften) entkoppeln operative Verantwortung und können Versorgung und Mitbestimmung destabilisieren. Daraus resultieren Personalabbau, tarifpolitische Schwächung und die Erosion kollektiver Interessenvertretung. Arbeitsverdichtung, beschleunigte digitale Prozesse und psychische Erkrankungsrisiken belasten die Beschäftigten und schwächen Betriebsklima und Innovationsfähigkeit (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Insgesamt zeigt sich, dass Entwicklungstrends und Herausforderungen der Telekommunikationsbranche eng zusammenhängen. Die strategischen Infrastrukturziele (u. a. Glasfaserausbau, 5G-Abdeckung, digitale Teilhabe) und technologische Innovationen müssen mit konsistenten regulatorischen Rahmenbedingungen und einer robusten sozialen Infrastruktur begleitet werden. Politisch-ökonomische Steuerungsansätze wie koordinierte Planung zwischen verschiedenen Regierungsebenen, klare Regelungen zur technologischen Souveränität und transparente Förderstrukturen sind Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung. Zugleich erfordert die Bewältigung digitaler Transformationsprozesse institutionelle Mechanismen der betrieblichen Mitbestimmung, Personalentwicklung und gesellschaftliche Partizipation, um sozialverträgliche Innovationen zu ermöglichen. Eine Aufgabe besteht darin, die Potenziale der Forschungsund Privatinvestitionen in Netztechnologien wie Glasfaser, Open RAN und 5G durch ein geschicktes Zusammenspiel technischer, politischer und öko-
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 49 nomischer Steuerungsinstrumente auszuschöpfen. Es bedarf einer Strategie, die technologische Modernisierung, Infrastrukturresilienz und demokratische Mitgestaltung koordiniert. 4.1.1 Digitalisierung und Automatisierung als Treiber des Wandels Die Digitalisierung und Automatisierung stellen zentrale Treiber des Wandels in der Telekommunikationsbranche dar. Technologische Innovationen wie das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT), Künstliche Intelligenz (KI), Virtualisierung und Open RAN ermöglichen eine grundlegende Transformation der Wertschöpfung, der Geschäftsprozesse und der Infrastruktur. Dabei nimmt die Telekommunikationsbranche eine Vorreiterrolle in diesem Prozess ein. Erstens stellt die Branche die Infrastruktur für digitale Prozesse bereit, vom Glasfaserausbau über 5G-Netze bis hin zu Cloudund Rechenzentrumsdiensten. Ohne diese Netze wäre die Digitalisierung anderer Branchen (z. B. Arbeit 4.0, E-Health, Smart City) nicht möglich. Zweitens ist die Telekommunikation führend bei der Implementierung neuer Technologien. 5G zielt explizit auf industrielle Anwendungen und ermöglicht Echtzeitkommunikation, was neue Geschäftsmodelle etwa in Logistik, Fertigung oder Mobilität erlaubt. Und drittens setzen große Telekommunikationsanbieter auch intern zunehmend auf automatisierte Systeme, KI-gestützte Kundenservices, digitale Plattformen und virtuelle Netze. Experten der Branche berichten beispielsweise vom breiten Einsatz KI-basierter Systeme zur Unterstützung im Service und Vertrieb. Die KI analysiert u. a. Kundenbedarfe und generiert Vorschläge für Verkaufsgespräche im Rahmen des Cross-Selling (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Auf Basis der neuen Technologien erweitern die Unternehmen ihr Leistungsportfolio über die reine Konnektivität hinaus in Richtung End-toEnd-Lösungen. Beispielsweise hat die Deutsche Telekom eine „Cloud der Dinge“-Plattform realisiert, die Hardware, Kommunikation, Cloud, Data Analytics und Kundenservice integriert (vgl. Software o. D. ) . Auf diese Weise werden die traditionellen Rollen der Netzbetreiber grundlegend verändert. Die Netzbetreiber entwickeln sich zu Lösungsanbietern für industrielle Anwendungen, smarte Infrastrukturen und datenzentrierte Geschäftsmodellen. Ein zentrales Element der Digitalisierung ist dabei das Internet der Dinge (IoT). Darunter versteht man ein Netzwerk aus intelligenten, physischen Objekten, von Haushaltsgeräten bis hin zu Industrieanlagen, die
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 50 mit neuen Technologien wie Sensoren, Aktoren oder Software ausgestattet sind und über eine Internetverbindung Daten austauschen. IoT-Anwendungen stellen mit jährlich zweistelligen Wachstumsraten eine lukrative Umsatzquelle jenseits von Sprachund Datenangeboten dar. Im Jahr 2024 wuchs das IoT-Marktvolumen global um 18 Prozent (2023: 19 Prozent) und in Deutschland um 12 Prozent (2023: 18 Prozent) (vgl. Statista 2025b.). Smarte IoT-Lösungen ermöglichen große Effizienzgewinne. Zahlreiche Beispiele wie etwa im Logistikbereich (Smart Logistics) oder in der Industrie (Predictive Maintenance) illustrieren dies. Bei SmartLogistics-Anwendungen liefern IoT-Tracker an Containern oder Fahrzeugen Standort-, Temperaturund Stoßdaten in Echtzeit, d. h. online. Damit lassen sich Routen optimieren, Verluste und Schäden reduzieren und eine automatisierte Lagerverwaltung umsetzen. Im Rahmen der Predictive Maintenance überwachen Sensoren an Maschinen die Betriebszustände kontinuierlich. Auf diese Weise können Wartungen vorausschauend geplant werden, bevor Störungen auftreten. Das reduziert Ausfallzeiten und Kosten deutlich. Die Telekommunikationsbranche ist zwar nicht primär Entwickler dieser Anwendungen, gleichwohl aber technologischer Ermöglicher, Dienstleister und Infrastrukturbetreiber, der für die Konnektivität, Skalierung und Sicherheit sorgt. Neben den Effizienzgewinnen spielen IoT-Anwendungen auch eine große Rolle bei der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele, indem sie CO₂Reduktion und Ressourcenschonung ermöglichen. Die Branche bildet beispielsweise die Grundlage für Smart Metering im Energiesektor oder Waste Monitoring in der Kreislaufwirtschaft. Bei ersteren Anwendungen erfassen intelligente Stromzähler den Verbrauch in Echtzeit und ermöglichen Lastspitzenmanagement und gezielte Einsparungen. Energieverschwendung und CO2-Ausstoß im Stromnetz werden reduziert. Bei letzterem Beispiel melden Sensoren in Mülloder Glascontainern den Füllstand und optimieren die Touren, In der Folge werden Leerfahrten reduziert und der Dieselverbrauch und Emissionen in der Abfallwirtschaft verringert. Diese sektorübergreifenden Anwendungsbeispiele verdeutlichen, wie digitale Infrastrukturen mit gesellschaftlichen Zielen (z. B. Nachhaltigkeit) verknüpft werden können und welche zentrale Rolle die Telekommunikationsbranche dabei einnimmt. Analog zur Digitalisierung nimmt die Telekommunikationsbranche, auch im Bereich der Automatisierung und insbesondere mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz, eine vergleichbare Funktion als technologi-
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 51 sche Grundlage und Ermöglicher branchenübergreifender Anwendungen ein. Gleichzeitig werden Automatisierungstechniken bei den Telekommunikationsunternehmen selbst eingesetzt, um Effizienzgewinne und Flexibilität zu realisieren. Dazu gehören beispielsweise Chatbots im Kundenservice (z. B. Vodafone Tobi; Telekom Frag Magenta), die automatisch Kundenanfragen beantworten, einfache Probleme lösen oder gezielt an den richtigen Service weiterleiten. Des Weiteren werden KI-gesteuerte Prozesse zur Netzwerkoptimierung eingesetzt, wobei KI z. B. den Datenverkehr in Echtzeit analysiert, Engpässe oder Störungen erkennt und Netzressourcen automatisiert anpasst, um eine optimale Leistung zu gewährleisten. Ein weiteres Beispiel ist der digitale Baubegleiter beim Netzausbau. Anhand von Videoaufnahmen der Baustelle wird die Tiefe und Breite des Grabens über die Bestimmung der Erdsubstanz bis hin zur Kartierung für das Abrechnungssystem mittels KI automatisiert ermittelt (Expert*innenInterview, siehe S. 11). Neben den Vorteilen der Digitalisierung und Automatisierung bringen sie einen tiefgreifenden Wandel der Arbeitsorganisation, Beschäftigungsbedingungen und der Arbeitsund Qualifikationsanforderungen mit sich. Klassische Tätigkeiten bzw. Tätigkeitsanteile im Netzbetrieb und Service werden zunehmend von digital gesteuerten Abläufen ersetzt, was Rationalisierungsmöglichkeiten begünstigt. Es entstehen neue Tätigkeitsfelder, etwa in der Analyse, Systemintegration und KI-Validierung, die mit veränderten Qualifikationsanforderungen einhergehen. Zusätzlich verändern diese Entwicklungen die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten grundlegend, beispielsweise durch neuartige Belastungen im Arbeitsund Gesundheitsschutz oder eine zunehmende Arbeitsverdichtung. Damit wird deutlich, dass die digitale Transformation nicht allein technologischer Natur ist, sondern organisatorische und kulturelle Veränderungen erfordert. Zur erfolgreichen Umsetzung bedarf es vor allem einer partizipativen Vorgehensweise, um den Beschäftigten Ängste zu nehmen und ihre Ideen einzubeziehen und einer langfristigen digitalen Kompetenzentwicklung, gekoppelt mit agiler Unternehmensführung, um die interne Innovation und Resilienz gegenüber externen Schocks zu stärken. Neben Planung und Betrieb stellt der digitale Wandel die Branche auch regulatorisch vor neue Herausforderungen. Die Bundesnetzagentur verweist in ihrem Grundsatzpapier auf eine Digitalisierung der Netzsektoren, bei der Daten zur entscheidenden Wettbewerbsressource werden (vgl. BNetzA 2017). Wer Zugang zu mehr und besseren Daten hat, hat einen
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 52 Marktvorteil. Damit verschieben sich auch die Anforderungen an Regulierung, Marktaufsicht und Wettbewerbspolitik. Die Komplexität erhöht sich durch die technischen Entwicklungen in verschiedenen Bereichen, etwa bei der Vergabe der Frequenzlizenzen (z. B. für 5G oder kommende Standards), bei Fragen im Datenschutz (z. B. hinsichtlich KIund Plattformnutzung), Sicherheitsfragen kritischer Infrastruktur (z. B. 5G-Slice-Isolation), Open-RAN oder der Netzneutralität. Da sich regulatorische Anforderungen und Zuständigkeiten oftmals ändern oder überlagern (z. B. Unterschiede zwischen nationalen und europäischen Vorgaben), wird es für Unternehmen schwerer, langfristig zu investieren und technische Systeme zu integrieren. Investitionen und die Umsetzung technischer Innovationen werden entsprechend gehemmt. Insgesamt steht die Branche im Bereich der Digitalisierung und Automatisierung vor technologischen, regulatorischen und arbeitsorganisatorischen Herausforderungen, die insbesondere eine Personalpolitik umfasst, die Qualifizierung, Gesundheitsmanagement und Mitbestimmung berücksichtigt. Außerdem ergibt sich daraus ein neues Wertschöpfungsverständnis. Netzbetrieb und Applikationen verschmelzen, Daten werden rohstoffartig nutzbar, und die branchenübergreifende Integration in Energie, Mobilität und Produktion führt zu einer systemischen Transformation. Ein ganzheitliches Vorgehen im Rahmen einer Digitalisierungsstrategie ist notwendig, um die Chancen dieser Entwicklung zu nutzen und die Risiken zu minimieren. 4.1.2 Fachkräftemangel, Arbeitswelt im Wandel und neue Belastungen Im Kontext der Branchenanalyse lässt sich beobachten, dass die Telekommunikationsbranche zunehmend mit einem anhaltenden Fachkräftemangel, einer tiefgreifenden Veränderung der Arbeitswelt und neuen Belastungen für die Beschäftigten konfrontiert ist. Diese Entwicklungen wirken sich nicht nur auf die operative Leistungsfähigkeit aus, sondern stellen auch erhebliche Herausforderungen hinsichtlich Personalentwicklung, Gesundheitsschutz und der Sicherung von Innovationsfähigkeit dar. Der Fachkräftemangel betrifft vor allem technisch-gewerbliche Berufe, Netzplaner, Bauüberwacher, Servicetechniker, Fachkräfte für den Breitbandausbau und für die Digitalisierungsberufe (u. a. Cloud und Edge Computing, Künstliche Intelligenz, Cybersecurity und Open RAN).2 2 Detaillierte statistische Angaben zum Fachkräftemangel und zur Ausbildungssituation finden sich in der Studie der Input Consulting (vgl. Daum et al. 2023).
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 53 Insbesondere im gegenwärtigen Transformationsprozess werden Fachkräfte sowohl für die bisherigen Technologien als auch Expert*innen für den Ausbau der neuen Technologien benötigt (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Derzeit ist die erfolgreiche Digitalisierung in Deutschland noch stark von der Funktionsfähigkeit der Kupfernetze abhängig. Die bestehenden Netze müssen bis zum vollständigen Ausbau der Glasfasernetze weiter betreut werden, jedoch zielt die Ausbildung bereits auf die Vermittlung der künftig benötigten Kompetenzen (u. a. Systemelektroniker, IT-System-Informatiker). In diesem Zusammenhang steigt die Bedeutung der betrieblichen Ausund Weiterbildung, um den Bedarf zielgerichtet abzudecken. Betrachtet man die Deutsche Telekom, so zeigt sich, dass die betriebliche Ausbildungsquote im Jahr 2013 noch bei 2,9 Prozent lag, im weiteren Verlauf auf 1,8 Prozent abgesenkt wurde (vgl. Leuckfeld 2015) und Stand 2022 auf 7,0 Prozent erhöht wurde. Zum Vergleich: Stand 2018 lag die Ausbildungsquote bei Großunternehmen bundesweit bei 4,2 Prozent. Die Gründe für den Fachkräftemangel liegen insbesondere im demografischen Wandel und dem Wettbewerb mit anderen Branchen. Viele erfahrene Fachkräfte gehen in den Ruhestand, während zu wenige Nachwuchskräfte, insbesondere im handwerklich-technischen Bereich, nachrücken. Gleichzeitig konkurriert die Branche um Fachkräfte mit der IT-, der Energiebranche oder der Industrie, die teils bessere Lohnbedingungen aufweisen. In der Folge kommt es zu Ausbauverzögerungen bei Glasfaser und Mobilfunk, steigenden Lohnkosten für gefragte Berufsprofile, Abhängigkeiten von Subunternehmen oder ausländischen Arbeitskräften mit oftmals geringeren Qualifikationen und einem zunehmenden Druck auf bestehende Beschäftigte, was wiederum die Arbeitsbelastung und Fluktuation begünstigt. Überdies wirken sich die bereits im vorherigen Abschnitt beschriebenen Digitalisierungstendenzen auf den Arbeitsbedarf und die Arbeitsbedingungen aus. Beispielsweise müssen laufende Arbeiten an den Kabelverzweigerkästen künftig kaum noch durch ausgebildete Servicetechniker erledigt werden, da Technologien wie die VR-Brille es ermöglichen, dass ungelernte Arbeitskräfte die notwendigen Arbeitsschritte virtuell angezeigt und erläutert bekommen, um sie selbstständig durchzuführen (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Für die Beschäftigten birgt diese exemplarische Entwicklung das arbeitsmarktpolitische Risiko einer systematischen Dequalifizierung. Indem bestimmte Tätigkeiten zunehmend durch angelernte oder ungelernte Arbeitskräfte übernommen werden können, entfällt die Notwendigkeit formaler Qualifikation für bestimmte Aufgabenbereiche. Dies kann zu einer
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 54 Neubewertung der Tätigkeitsprofile führen, mit potenziellen Auswirkungen auf tarifliche Eingruppierungen und Einkommensniveaus, wodurch bestehende Qualifikationsund Lohnstrukturen unter Druck geraten. Parallel damit geht eine Arbeitsverdichtung einher. Die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung erzeugt ein deutlich dichteres Arbeitspensum, wie Branchenexperten betonen (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Beschäftigte berichten über steigenden Leistungsdruck, häufiges Multitasking und Überstunden. Digitale Technologien ermöglichen eine physische Entlastung von Tätigkeiten, gehen jedoch mit einer Zunahme kognitiver Belastung und Stress einher. Hohe Informationsdichte und permanente Unterbrechungen beeinträchtigen Konzentration und erhöhen Fehleranfälligkeit. Diese Arbeitsintensivierung gilt als wesentlicher Risikofaktor für psychische Belastungen, höhere Krankenstände und Burn-Out. Die Anforderungen an Erholung und Regeneration werden häufig unterschätzt. Zur Minimierung dieser Risiken sind nicht nur technische, sondern auch organisatorische Schutzmaßnahmen wie die betriebliche Gefährdungsbeurteilungen unter Beteiligung der Beschäftigten erforderlich. Damit verbunden ist eine Flexibilisierung der Arbeit, die häufig einhergeht mit der Auflösung klassischer Arbeitszeitund Arbeitsplatzmodelle. Agile Arbeitsformen wie Scrum oder Kanban bieten Potenziale zur Selbstorganisation, können jedoch auch die Belastungen der Beschäftigten erhöhen, wenn sie nicht ganzheitlich implementiert werden. So entsteht etwa durch ständige Selbstoptimierungserwartung, flache Hierarchien ohne klare Verantwortung oder widersprüchliche Anforderungen ein erhöhtes Risiko für Überforderung, Unsicherheit und Erschöpfung (vgl. Pongratz/Voß 2003). Agile Strukturen bergen somit die Gefahr, neue Formen von Belastung und Prekarisierung hervorzubringen, insbesondere wenn sie als Rationalisierungsinstrumente in restriktive Unternehmenskontexte eingebettet sind. In der Telekommunikationsbranche zeigt sich, dass insbesondere infolge personalreduzierter Restrukturierungen Beschäftigte verstärkte Rollenverdichtung ohne adäquate Supportstrukturen erleben. Insgesamt zeigt sich, dass die vorgenannten Entwicklungen keine isolierten Phänomene, sondern Ausdruck eines umfassenden Transformationsprozesses sind. Die Telekommunikationsbranche steht daher vor der Herausforderung, ihre operativen, personellen und gesundheitlichen Strukturen zukunftsfest zu gestalten.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 55 4.1.3 Finanzierungsund Investitionsfragen mit Auswirkungen auf Beschäftigung In der Telekommunikationsbranche manifestieren sich Finanzierungsund Investitionsfragen in vielfacher Weise als kritische Einflussgrößen auf Beschäftigung und Struktur. Zunächst prägt der Investitionsdruck die strategische Ausrichtung der Unternehmen. Aufgrund hoher Fixkosten in Infrastrukturprojekten, sowohl im Glasfaserals auch im Mobilfunknetzausbau, sind Telekommunikationsunternehmen gezwungen, große Summen für Netzwerke und Technologien bereitzustellen. Diese Investitionen erfolgen meist unter dem Druck, kurzfristig Effizienzgewinne zu realisieren und langfristig Rentabilität zu sichern (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Das Spannungsverhältnis zwischen hohem Kapitalbedarf und stetigem Margendruck schafft einen Zwang zur Rationalisierung, der sich unmittelbar auf Beschäftigungsstrukturen auswirkt: Personal wird reduziert, Arbeitsprozesse automatisiert und Outsourcing verstärkt angewandt.3 Der Nachfragedruck nach Effizienz führt vielerorts dazu, dass neue Technologien implementiert werden, bevor adäquate Qualifizierungsmaßnahmen für Beschäftigte entwickelt wurden. Als Folge entsteht eine qualitative Verschiebung zugunsten hochqualifizierter IT-Spezialisten bei gleichzeitiger Dequalifizierung oder Streichung klassischer Tätigkeiten. Ein weiterer zentraler Punkt ist der Einfluss der Eigentümerstrukturen. Die zunehmende Beteiligung ausländischer Finanzinvestoren in Form von beispielsweise Private-Equity-Fonds oder Hedgefonds führt zu einer verstärkten Performanceorientierung in der Kapitalrendite (vgl. Expert*innenInterview 2025). Produktzyklen werden verkürzt, strategische Investitionen an kurzfristigen Gewinnmaximierungen ausgerichtet. Besonders kritisch wirkt sich dies auf die Beschäftigten aus, da Restrukturierungen, Outsourcing und interne Verlagerungen oft nach dem Prinzip der Kostenminimierung und mitunter mittels einer Umgehung von Mitbestimmungsrechten stattfinden (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Bei solchen Eigentümerkonstellationen lässt sich beobachten, dass die Schaffung flexiblerer Organisationsformen wie beispielsweise Netzdienstleister (sog. „Tower-Gesellschaften“) strategisch genutzt wird, um innerhalb des regulatorischen Rahmens Handlungsspielräume auszuloten und betriebliche Strukturen anzupassen (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). 3 Wieck/Vidal (2011) zeigen in ihrer Studie, dass das Phänomen nicht auf Deutschland begrenzt ist, sondern mit den globalen Erfahrungen der Branche korreliert. Ihnen zufolge fördern Investitionen in Telekommunikationsinfrastruktur einerseits Wachstum und Beschäftigung, lösen andererseits durch Automatisierung aber auch rationalisierende Effekte aus.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 56 Auf diese Weise entstehen tarifliche und institutionelle Grauzonen, in denen Betriebsräte an Einfluss verlieren. Diese Tendenzen schwächen auf lange Frist die betriebliche Demokratie und den sozialen Zusammenhalt. Parallel dazu entstehen Kräfteverschiebungen innerhalb der Branche durch internationale Wettbewerber und Konsolidierungsprozesse. Deutsche Telekommunikationsunternehmen besitzen zwar in der Regel ihre Netzinfrastrukturen selbst (vgl. Kapitel 3.2), geraten jedoch zunehmend unter internationalen Wettbewerbsdruck, insbesondere durch asiatische Technologiekonzerne und globale Over-the-Top-Dienste (u. a. Netflix, WhatsApp, Amazon), die eigene Kommunikationsangebote über bestehende Netze hinweg anbieten. Dieser Druck beeinflusst maßgeblich die Finanzierungsentscheidungen und Investitionsstrategien der Unternehmen. Sie stehen vor der Frage, ob sie ihre verfügbaren Mittel breit gestreut in viele Anbieter investieren sollen, was Wettbewerb fördert, aber Kapital zersplittert, oder ob sie in wenige große „nationale Champions“ investieren sollen, die im globalen Wettbewerb mithalten können, aber zugleich die Marktvielfalt verringern. Eine Konsolidierung des Marktes, etwa durch Fusionen oder Übernahmen, kann Effizienzgewinne (Skaleneffekte) bringen. Gleichzeitig besteht jedoch das Risiko, dass dadurch kleinere, regionale Anbieter vom Markt verdrängt werden, was Arbeitsplätze gefährden kann, da neue Markteintrittshürden entstehen. Ein dritter zentraler Aspekt sind die Kosten-Nutzen-Dynamiken. Die betriebswirtschaftliche Logik zwingt Unternehmen dazu, Investitionen auf ihre Gesamtrentabilität zu prüfen. Im Rahmen der ökonomischen Kosten-Nutzen-Analyse werden Beschäftigte in klassischen Bereichen (z. B. Technik, Service vor Ort) als Kostenfaktor behandelt, während digital qualifizierte Arbeitsplätze als Investition gelten. Die Digitalisierungsinitiativen umfassen jedoch zwingend Transformationskosten, wozu auch die Aufwendungen für Qualifizierung und Entwicklung digitaler Kompetenzen der Mitarbeitenden zählen, die folglich als Investitionen anzusehen sind. Verstärkt wird diese Dynamik durch Förderprogramme und Regulierungsanreize, die bestimmte Investitionsformen begünstigen, beispielsweise staatlich subventionierten Glasfaserausbau oder 5G-Frequenzauktionen. Dementsprechend fördern die bestehenden Förderstrukturen eher die Netzkapazität als die Beschäftigungssicherung, was aus mitbestimmungspolitischer Perspektive problematisch ist. Die daraus resultierenden Beschäftigungseffekte sind vielgestaltig. Einerseits entstehen durch die Digitalisierungswelle neue Arbeitsplätze, beispielsweise im Ingenieurwesen oder der Softwareentwicklung. Anderer-
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 63 Besonders problematisch ist, dass diese Transformation häufig unter Ausschluss oder unzureichender Beteiligung der betrieblichen Interessenvertretungen erfolgt (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Dadurch werden nicht nur ihre Mitgestaltungsmöglichkeiten eingeschränkt, sondern auch die betriebliche Lernfähigkeit im Umgang mit technologischen Neuerungen erheblich eingeschränkt. Der Personalrückgang infolge der Digitalisierungs-, Automatisierungsund Effizienzsteigerungsmaßnahmen ist jedoch in der Regel nicht mit einer entsprechenden Reduktion der betrieblichen Aufgaben einhergegangen. Vielmehr haben die technische Komplexität und der Regelungsbedarf infolge digitaler Transformation, der Einführung künstlicher Intelligenz und den Rationalisierungsmaßnahmen zugenommen (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Dies erhöht sowohl die Anforderungen an die Beschäftigten als auch den Druck auf betriebliche Mitbestimmungsstrukturen. Denn im Zuge von Restrukturierungen, beispielsweise durch Ausgliederung einzelner Betriebseinheiten, kommt es regelmäßig zu einer Reduktion der Beschäftigtenzahl im verbleibenden Unternehmensteil. Da die Größe des Betriebsratsgremiums gemäß § 9 BetrVG an die Zahl der wahlberechtigten Beschäftigten gekoppelt ist, kann dies zu einer Verkleinerung des Gremiums führen. Dies ist insofern problematisch, als die Aufgaben und Anforderungen an die betriebliche Mitbestimmung nicht abnehmen, sondern sich mit den Herausforderungen der Transformationen tendenziell erweitern. Betriebsrät*innen stehen damit vor der Herausforderung, die wachsende Aufgabenfülle mit gleichbleibenden oder gar schrumpfenden Ressourcen zu bewältigen, während gleichzeitig Fristen verkürzt und Entscheidungsprozesse beschleunigt werden. Transformationsprozesse in der Branche folgen dabei immer seltener langfristig abgestimmten Strategien, sondern werden kurzfristig und oft getrieben durch externe Wettbewerbsimpulse oder interne Restrukturierungsvorgaben, umgesetzt. Dies erschwert es, die betriebliche Mitbestimmung nicht nur formell, sondern als substanzielle Beteiligung auszufüllen. Diese Problemlagen gipfeln schließlich in einem weiteren Aspekt, der selten öffentlich thematisiert wird, nämlich der sinkenden Attraktivität des Ehrenamts. Die Tätigkeit als Betriebsrät*in ist unter den erörterten Bedingungen zusätzlich belastend. Flexible Arbeitszeitmodelle, mobile Arbeit und entgrenzte Leistungsanforderungen treffen auf die Erfordernisse kontinuierlicher Gremienarbeit, regelmäßiger Präsenz und verantwortungsvoller Interessenvertretung (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Die betriebliche Realität unterminiert so die Idee des Betriebsverfassungsgesetzes, das die Tätigkeit von Betriebsräten eigentlich schützen
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 64 und ermöglichen soll. Wenn aber das Ehrenamt systematisch erschwert wird, entsteht nicht nur ein Funktionsdefizit innerhalb der Mitbestimmung, sondern auch ein Repräsentationsproblem für die gesamte Belegschaft. Der demografische Wandel in den Gremien der betrieblichen Mitbestimmung verschärft diese Situation. Der altersbedingte Rückzug erfahrener Betriebsratsmitglieder*innen geht vielerorts mit erheblichen Schwierigkeiten einher, junge Beschäftigte für ein Engagement zu gewinnen. 4.2.2 Tarifbindung Die Telekommunikationsbranche durchläuft eine tarifpolitische Erosion, deren Ursachen und Auswirkungen sowohl strukturell als auch strategisch bedingt sind. Insbesondere der Rückgang tarifgebundener Beschäftigungsverhältnisse stellt ein zentrales Problem dar, das sich durch nahezu alle Teilsegmente der Branche zieht. Trotz ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung gehört die Telekommunikation zu den Branchen mit dem geringsten Anteil an tarifgebundenen Arbeitsplätzen (vgl. Tabelle 4). Diese Entwicklung markiert nicht nur einen Verlust an kollektiver Verhandlungsund Schutzmacht, sondern verweist auch auf eine Machtverschiebung zugunsten unternehmerischer Autonomie. In der Folge entsteht ein unübersichtlicher Flickenteppich betrieblicher Regelungen, in dem kleinere Belegschaften ohne gewerkschaftliche Rückendeckung oft strukturell benachteiligt sind.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 65 Tabelle 4: Tarifbindung nach Wirtschaftszweigen 2024 in Deutschland Wirtschaftszweig Anteil in tarifgebundenen Unternehmen davon: Branchentarifvertrag Firmentarifvertrag Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung 100 % 100 % – Energieversorgung 84 % 60 % 24 % Erziehung und Unterricht 80 % 76 % 4 % Erbringung von Finanzund Versicherungsdienstleistungen 72 % 65 % – Wasserversorgung; Entsorgung, Beseitigung Umweltverschmutzung 60 % 47 % 13 % Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden 59 % 21 % 37 % Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen 58 % 53 % 5 % Gesundheitsund Sozialwesen 53 % 42 % 11 % Verarbeitendes Gewerbe 52 % 41 % 11 % Gesamtwirtschaft 49 % 40 % 8 % Verkehr und Lagerei 46 % 26 % 20 % Baugewerbe 45 % 43 % – Sonstige Dienstleistungen 40 % 32 % 8 % Handel, Instandhaltung; Reparatur von Kfz 30 % 21 % 9 % Information, Kommunikation 26 % 10 % 16 % Gastgewerbe 23 % 19 % 4 % Freiberuflich wissenschaftliche, technische Dienstleistungen 23 % 16 % 7 % Grundstücksund Wohnungswesen 22 % 18 % 4 % Kunst, Unterhaltung und Erholung 20 % 16 % 4 % Landund Forstwirtschaft, Fischerei 11 % 8 % – Quelle: Destatis 2025, eigene Darstellung Besonders ausgeprägt ist die tarifpolitische Fragmentierung außerhalb des ehemaligen Monopolunternehmens Deutsche Telekom. Während diese nach wie vor über eine vergleichsweise hohe Tarifbindung verfügt,
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 66 agieren große Wettbewerber wie Telefonica, Vodafone oder 1&1 nahezu vollständig tariflos oder auf Basis von Haustarifen, die unter dem Niveau branchenweiter Flächentarifverträge liegen. In manchen Fällen fehlen tarifvertragliche Bindungen gänzlich, und selbst betriebsverfassungsrechtliche Mindeststandards wie Betriebsräte werden systematisch unterlaufen (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Neue Unternehmensformen, insbesondere im Bereich regionaler Netzbetreiber oder IT-naher Betriebe, sind häufig kaum oder gar nicht tariflich erfasst. Die schleppende Tarifierung solcher Netzgesellschaften verdeutlicht die strukturellen Hürden, vor denen Gewerkschaften stehen. Zwar existieren in vielen Fällen formal betriebliche Mitbestimmungsgremien, doch fehlen tarifvertragliche Regelungen, die eine rechtlich verbindliche Absicherung kollektiver Interessen gewährleisten würden. In der Konsequenz befinden sich Branchenbeschäftigte in prekären Arbeitsverhältnissen, die weder langfristige Sicherheit noch faire Entlohnung garantieren. Ein weiteres tarifpolitisches Problem liegt in der unzureichenden Berücksichtigung von Tarifbindungskriterien bei öffentlichen Ausschreibungen im Telekommunikationsbereich (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Trotz intensiver gewerkschaftlicher Forderungen ist der Zugang zu öffentlichen Investitionen, wie beispielsweise im Rahmen des Glasfaserausbaus oder der 5G-Erschließung, nicht an tarifliche Mindeststandards gekoppelt. Diese Entkopplung führt dazu, dass Unternehmen ohne Tarifbindung regelmäßig den Zuschlag erhalten, während tarifgebundene Anbieter durch höhere Personalkosten strukturell benachteiligt werden. Aus Sicht der Mitbestimmungspolitik handelt es sich hierbei um ein gravierendes Defizit staatlicher Steuerung, das die Aushöhlung sozialer Standards in einem zunehmend liberalisierten Marktumfeld begünstigt. Eine gesetzlich verankerte Tariftreuepflicht, die öffentliche Fördermittel an die Einhaltung tariflicher Standards knüpft, wäre ein notwendiges Instrument zur Re-Regulierung der Branche. Mitbestimmungspolitisch stellt sich die Frage, wie Betriebsräte und Gewerkschaften auf diese tiefgreifenden Umwälzungen reagieren können. Klassische Instrumente der Betriebsverfassung (z. B. gem. § 87 BetrVG) stoßen an ihre Grenzen, wenn ganze Funktionen ausgelagert oder durch KI ersetzt werden. Auch das Tarifsystem ist unter Druck. Wie vorstehend erörtert nimmt der Organisationsgrad insbesondere in neu gegründeten Tochtergesellschaften oder bei regionalen Wettbewerbern deutlich ab, was nicht nur die Beschäftigten schwächt, sondern auch die strategische Handlungsfähigkeit der Gewerkschaften beeinträchtigt. Die Fragmentierung der Unter-
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 67 nehmenslandschaft geht mit einer Zersplitterung der Interessenvertretungslandschaft einher, was koordinierte Gegenmachtbildung erschwert. Gleichzeitig werden Betriebsräte in kritischen Transformationsfragen (z. B. bei der Einführung KI-basierter Systeme) häufig gar nicht erst einbezogen oder zu spät informiert, was die gesetzlich vorgesehene Rolle der Mitbestimmung erheblich infrage stellt (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Zudem ist ein Trend zur funktionalen Entgrenzung zwischen Telekommunikation und IT-Dienstleistungen zu beobachten (vgl. ver.di o. D.). Hybride Geschäftsmodelle, die Elemente beider Sektoren kombinieren, dienen nicht selten dazu, sich der Geltung bestehender Branchentarifverträge zu entziehen. Unternehmen nutzen diese Grauzonen gezielt, um formale Zugehörigkeiten auszunutzen und Tarifflucht zu betreiben, beispielsweise durch Outsourcing, die Gründung tarifloser Tochtergesellschaften oder die Verlagerung von Arbeit ins Ausland. Diese Entwicklungen machen deutlich, dass der bestehende tarifpolitische Ordnungsrahmen unzureichend ist, um den komplexen Realitäten der Branche gerecht zu werden. Eine zeitgemäße tarifpolitische Regulierung müsste hybride Geschäftsmodelle einbeziehen und neue rechtliche Grundlagen für sektorübergreifende Tarifverträge schaffen, um die Sozialpartnerschaft zu stabilisieren. Im Kontrast dazu zeigt das Beispiel der Deutschen Telekom, dass eine starke interne Tarifbindung keineswegs ein Widerspruch zu wirtschaftlichem Erfolg sein muss. Nach Einschätzung von Branchenexpert*innen verfolgt das Unternehmen mit einem hohen Anteil tariflich gebundener und intern gehaltener Servicebeschäftigter eine mitbestimmungsfreundliche Strategie (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Im Unterschied dazu setzen Anbieter wie Vodafone oder 1&1 laut Expert*innen-Schätzung in weiten Teilen auf ausgelagerte Servicemodelle, wodurch tarifliche Bindungen tendenziell weniger ausgeprägt sind. Die Strategie der Deutschen Telekom fördert nicht nur die betriebliche Identifikation, sondern erlaubt auch langfristige Personalstrategien, Qualifikationsmaßnahmen und eine höhere Innovationsfähigkeit. Aus Sicht der Mitbestimmung verdeutlicht dieses Modell, dass tarifliche Bindung und interne Beschäftigung zentrale Pfeiler für die Stabilität und Zukunftsfähigkeit der Branche sein können. Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Telekommunikationsbranche vor einer doppelten Herausforderung steht. Einerseits gilt es, bestehende tarifliche Standards gegen Erosion, Outsourcing und Fragmentierung zu verteidigen.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 68 Andererseits müssen neue Strategien entwickelt werden, um kollektive Interessenvertretung auch unter den Bedingungen digitaler und organisationaler Transformation aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln. 4.2.3 Strategien der Mitbestimmungsvermeidung und betriebliche Schwächung Trotz der im Grundgesetz und im Betriebsverfassungsgesetz verankerten Rechte auf betriebliche Mitbestimmung zeigt sich in der Telekommunikationsbranche Umsetzungsdefizite, die sich nicht nur in offenen Repressionen, sondern auch in subtilen Formen der Aushöhlung und Delegitimierung der Arbeitnehmer*innen-Vertretungen manifestieren. Branchenexpert*innen berichten von gezielten Verhinderungsstrategien bei der Gründung von Betriebsräten (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Diese reichen von arbeitsrechtlichen Drohungen über administrative Hürden bis hin zur bewussten Verzögerung notwendiger Wahlverfahren. Eine Strategie zeigt sich unter anderem in der strategischen gesellschaftsrechtlichen Fragmentierung von Unternehmen, mit der gezielt Aufsichtsratsmitbestimmung (u. a. gemäß Mitbestimmungsgesetz, Drittelbeteiligungsgesetz) und Betriebsratsgründungen unterlaufen werden. Durch die Aufspaltung in juristisch eigenständige Einheiten unterhalb mitbestimmungsrelevanter Schwellenwerte gelingt es Unternehmen, sich der Mitbestimmung systematisch zu entziehen (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Die damit einhergehenden Praktiken nutzen rechtliche Schlupflöcher aus und offenbaren normative Defizite des geltenden Betriebsverfassungsrechts, dessen Sanktionen, etwa gemäß § 119 BetrVG, oft wirkungslos bleiben, da der § 119 BetrVG individuelles Fehlverhalten erfasst, nicht aber strukturelle Ausweichstrategien. Neben diesen strukturellen Maßnahmen kommen informelle Mechanismen zum Einsatz, die in ihrer Wirkung nicht minder gravierend sind. Wahlvorstände werden behindert, Wahlanfechtungen betrieben, arbeitsrechtliche Verfahren gezielt in die Länge gezogen, bis hin zur Androhung von Standortschließungen als Mittel zur Verhinderung betriebsrätlichen Engagements (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Besonders kritisch ist die Rolle spezialisierter Kanzleien, die Arbeitgeber gezielt bei der Umgehung oder Schwächung betrieblicher Mitbestimmung beraten. Diese Formen des sogenannten Union Busting führen zu einem autoritären Unternehmensstil, der demokratische Beteiligung nicht als Korrektiv, sondern als Störfaktor betrachtet. Dies bringt insbesondere
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 69 in einer von Digitalisierung, Automatisierung und Personalabbau geprägten Branche problematische Folgen für die Beschäftigten mit sich. Branchenexpert*innen berichten von Fällen, in denen Betriebsratsgründer durch personelle Umstrukturierungen isoliert oder gezielt versetzt wurden, sodass sie aus ihrem betrieblichen Umfeld herausgelöst und somit ihrer Unterstützungsnetzwerke beraubt wurden (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Die Androhung arbeitsrechtlicher Konsequenzen wie Abmahnungen oder Versetzungen erzeugt ein Klima der Angst, das den Aufbau kollektiver Vertretungsstrukturen erheblich erschwert. Hinzu kommt, dass potenzielle Unterstützer durch implizite Loyalitätsanforderungen unter Druck gesetzt werden, sich nicht offen zu positionieren. Darüber hinaus zeigen sich besorgniserregende Entwicklungen in der innerbetrieblichen Kommunikation. So werden Aktivitäten des Betriebsrats gezielt aus der Öffentlichkeit ferngehalten, beispielsweise durch restriktive Veröffentlichungsrichtlinien oder das Löschen von Wahlinformationen aus unternehmensinternen Netzwerken (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Dies konterkariert unternehmerische Selbstverpflichtungen im Rahmen von Corporate Social Responsibility. Verstärkt wird diese Vorgehensweise durch die zunehmende symbolische Aufladung alternativer Beteiligungsformate. Programme zur Unternehmenskultur, Diversity-Initiativen oder sogenannte Transformationsstreams suggerieren auf den ersten Blick Partizipation, während reale Entscheidungskompetenzen im Management verbleiben (Expert*innenInterview, siehe S. 11). Die damit einhergehende Entwertung institutionalisierter Mitbestimmung offenbart sich auch in organisatorischen Schikanen, etwa durch den Entzug von Zugangsrechten, Kommunikationsmitteln oder der Nutzungserlaubnis des Firmenlogos. Diese Maßnahmen schüren Misstrauen, erzeugen ein Angstklima und untergraben demokratische Prozesse. Ein weiterer besorgniserregender Aspekt ist die Einflussnahme auf Betriebsratswahlen durch arbeitgebernahe Listen. Werden Kandidaturen gezielt durch arbeitgeberfreundliche Kräfte beeinflusst, droht eine Instrumentalisierung des Betriebsrats. Die Unabhängigkeit und Integrität des Gremiums geraten ins Wanken, was dem gesetzlichen Auftrag des Betriebsrats diametral entgegensteht. Diese Entwicklung verdeutlicht die Notwendigkeit stärkerer Schutzmaßnahmen für die demokratische Legitimation und Transparenz betrieblicher Wahlen. Ergänzt wird dieses Bild durch eine vielfach unzureichende Sanktionierung von Verstößen gegen das Betriebsverfassungsrecht. Zwar sieht das Gesetz Sanktionen bis hin zu Freiheitsstrafen vor, doch die Durchsetzung bleibt in der Praxis lückenhaft. Selbst bei offensichtlichen Behinderungen, etwa der Verweigerung gesetzlich vorgeschriebener Informatio-
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 70 nen, unterbleiben staatsanwaltschaftliche Ermittlungen häufig (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Es fehlt an einer funktionierenden Rechtsdurchsetzungskultur, die Unternehmen verbindlich zur Einhaltung gesetzlicher Vorgaben verpflichtet und gleichzeitig betriebliche Interessenvertretungen wirksam schützt. Dieses Defizit erzeugt ein institutionelles Machtungleichgewicht zulasten der Arbeitnehmerseite, da Unternehmen, die sich der Mitbestimmung entziehen oder sie aktiv behindern, oftmals kaum mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen. Zudem wirkt die damit einhergehende Rechtsunsicherheit abschreckend auf engagierte Beschäftigte und führt zu einer strukturellen Schwächung der Mitbestimmungsrechte. Gleichwohl existieren in der Branche auch positive Gegenbeispiele. Die Deutsche Telekom etwa zeigt, dass eine gewachsene Mitbestimmungskultur möglich ist. Ihre etablierten Konzernbetriebsratsstrukturen und tarifpolitischen Vereinbarungen bieten einen Referenzrahmen für funktionierende Mitbestimmung. Schließlich besteht angesichts der geopolitischen Spannungen und strukturellen Abhängigkeiten in den Bereichen Digitalisierung, Energie und Sicherheit die strategische Notwendigkeit einer europäischen Stärkung der Mitbestimmung. Insbesondere die kritische Infrastruktur im Telekommunikationsbereich ist ebenso wie im Energienetzbereich nicht mehr allein nationalstaatlich zu betrachten, weshalb auch die Rolle der Arbeitnehmer*innen-Vertretungen auf europäischer Ebene an Bedeutung gewinnt (Expert*innen-Interview, siehe S. 11). Die Diskrepanz liegt darin, dass sich unternehmerische Entscheidungen beispielsweise im Rahmen von Konzernstrukturen, Investitionsstrategien oder durch regulatorische Vorgaben der EU zunehmend transnational vollziehen, die Mitbestimmung hingegen weitgehend national fragmentiert bleibt. Entsprechend bedarf es einer Ausweitung der Mitbestimmung auf europäischer Ebene. Dies betrifft sowohl die Harmonisierung von Arbeitnehmer*innen-Rechten als auch die stärkere Einbindung von Interessenvertretungen in die Entwicklung einheitlicher Netzstandards, digitalpolitischer Leitlinien und industriepolitischer Zielsetzungen. Ein zentrales Problem stellt hierbei die strategische Nutzung der Societas Europaea (SE) dar, mit der Unternehmen gezielt nationale Mitbestimmungsrechte unterlaufen können. Die europäische Rechtsform der SE ermöglicht es Unternehmen, die Mitbestimmung in Aufsichtsräten auf dem einmaligen Verhandlungsstand zum Zeitpunkt der Umwandlung „einzufrieren“. Bei künftigen Veränderungen, etwa beim Überschreiten von Schwellenwerten durch Wachstum oder Fusionen, muss keine erneute Anpassung erfolgen.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 71 Diese Regelung macht die SE besonders attraktiv für Unternehmen, die eine Ausweitung der Mitbestimmung verhindern wollen. Die Folge ist eine schleichende Aushöhlung nationaler Mitbestimmungsrechte durch ein europäisches Rechtsinstrument.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 72 5. Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der Branche (SWOT) Auf Basis der Branchenanalyse sollen im Folgenden die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken (SWOT) der Telekommunikationsbranche dargelegt werden. Die SWOT-Analyse besteht aus vier Hauptkomponenten (vgl. Gürel/ Tat 2017). Einerseits werden die Stärken (Strengths) und Schwächen (Weaknesses) der Branche erläutert, die sich aus internen Ressourcen und Fähigkeiten ergeben. Andererseits sollen die Chancen (Opportunities) und Risiken (Threats) erörtert werden, die sich vor allem aus den externen Umweltfaktoren und Marktbedingungen ergeben. Die SWOT-Analyse als Methode zur systematischen Erarbeitung von Strategien zielt darauf ab, die identifizierten Stärken zu nutzen, um Chancen zu ergreifen und Risiken abzuwehren sowie die Schwächen der Branche zu erkennen, um sie gezielt zu verbessern oder zu neutralisieren. Darüber hinaus sollen die Chancen der Transformation aktiv genutzt werden, um Wachstum zu fördern und die Risiken zu minimieren oder durch Anpassungsstrategien abzusichern. Auf diese Weise wird eine Grundlage geschaffen, um fundierte Handlungsempfehlungen zur Positionierung und Ausrichtung der Telekommunikationsbranche abzuleiten. 5.1 Stärken („Strengths“) Im Kontext einer SWOT-Analyse werden Stärken („Strengths“) identifiziert, um herauszuarbeiten, welche unternehmensinternen oder branchenspezifischen Faktoren die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit einer Branche maßgeblich beeinflussen. Marktstruktur Eine wesentliche Stärke der Branche ergibt sich aus ihrer oligopolistischen Marktstruktur. In Deutschland dominieren wenige große Netzbetreiber die Branche (vgl. Kapitel 2.1). Diese Struktur begünstigt erhebliche Skaleneffekte, welche angesichts der kapitalintensiven Infrastrukturprojekte, wie insbesondere beim Glasfaserund 5G-Ausbau, unerlässlich sind. Es entsteht ein langfristiger Profitabilitätsrahmen, der hohe Investitionen ermöglicht und zugleich Risiken intern abfedert. Zudem erzeugt der intensive Wettbewerb im Oligopol eine doppelte Dynamik. Einerseits entsteht Druck, Effizienz und Servicequalität zu optimieren, andererseits wird Innovationsfreude stimuliert.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 79 se regulatorische Belastung führt zu zusätzlichem Aufwand, ohne dass operative Unterstützungsstrukturen etabliert sind. Zudem gewinnt die Herausforderung steigender Energiekosten an Bedeutung, insbesondere in den energieintensiven Rechenzentren. Sozialpartnerschaftlich gestaltete grüne Transformationspfade zur Erreichung der Klimaziele bleiben jedoch bislang weitgehend aus. Insgesamt zeigt die Untersuchung der Branchenschwächen, dass zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit eine umfassende Neuausrichtung förderlich erscheint. Diese sollte die Stärkung eigenständiger Forschungsund Innovationskapazitäten ebenso wie verbesserte Förderstrukturen umfassen. Darüber hinaus sind eine europäisch orientierte Resilienzund Lieferkettenstrategie, eine sozialpartnerschaftliche, mitbestimmte Gestaltung der digitalen Transformation, die tarifliche Konsolidierung und institutionelle Robustheit von Arbeitnehmer*innen-Vertretungen sowie eine Regulierung, die ökologische und soziale Nachhaltigkeit verknüpft, erforderlich. 5.3 Chancen (Opportunities) Trotz der Marktsättigung ergeben sich für die Telekommunikationsbranche in Deutschland eine Vielzahl strategischer Chancen. Neue Marktund Geschäftsmodellchancen Aus dem Trend zur Preissensibilität im Privatkundenbereich ergeben sich Chancen für kleinere Anbieter, die durch flexible Preismodelle und kundennahe Lösungen Marktnischen besetzen und sich vom Preiswettbewerb abheben können. Entwicklungen wie Glasfaser, 5G und das Internet der Dinge erschließen neue Wachstumsmärkte und erlauben eine infrastrukturelle und technologische Differenzierung. Diese Technologien fungieren als Katalysatoren für serviceorientierte Geschäftsmodelle, indem sie datenbasierte Wertschöpfung ermöglichen. Die Digitalisierung erzeugt neue Geschäftsfelder (u. a. cloudbasierte Dienste, App-gesteuerte Tarife o. ä.) und eröffnet Unternehmen vielfältige strategische Optionen zur vertikalen wie horizontalen Diversifizierung. Ein weiteres Wachstumsfeld ergibt sich aus der gezielten Förderung kommunaler Strukturen und öffentlicher Ausbauprogramme, insbesondere zugunsten regionaler Anbieter. In strukturschwachen Regionen eröffnet die Bereitstellung von Fördermitteln nicht nur neue Märkte, sondern trägt zugleich zur digitalen Teilhabe bei.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 80 Auch die Plattformökonomie bietet signifikante Potenziale. Durch die vertikale Integration entlang der Wertschöpfungskette können Synergien genutzt und Skaleneffekte erzielt werden. Ein Beispiel hierfür ist die Deutsche Telekom, die seine Infrastrukturaktivitäten im Festnetzund Mobilfunkbereich mit Plattformdiensten wie der Telekom Cloud, MagentaTV und IoT-Lösungen kombiniert. Durch diese Integration können Synergien zwischen Netzbetrieb und digitalen Dienstleistungen realisiert und Skaleneffekte genutzt werden, wodurch die Wettbewerbsposition gegenüber reinen Netzbetreibern oder spezialisierten digitalen Plattformanbietern gestärkt wird. Darüber hinaus bieten geopolitische Spannungen die Gelegenheit zur Rückverlagerung kritischer Infrastrukturen nach Europa und stärken die europäische digitale Souveränität. Die Herausforderung für die Akteure der Mitbestimmung liegt dabei insbesondere darin, ihre Einflussmöglichkeiten umfassend auszuschöpfen. Technologische Chancen und Innovationen Die Dynamik im Glasfaserausbau ist ein Schlüsselindikator für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Der kontinuierliche Zuwachs und politische Zielsetzungen zur Gigabitgesellschaft implizieren eine hohe strategische Bedeutung. Die Nachfrage nach Anschlüssen mit hoher Bitrate im Kontext von Homeoffice, Cloud-Services und E-Learning bestätigt den gesellschaftlichen Bedarf, während regulatorische Impulse wie beispielsweise die Digitalstrategie des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr den Ausbau zusätzlich befördern. Im Bereich des maschinellen Lernens und der Automatisierung eröffnen M2Mund IoT-Lösungen neue Geschäftsfelder. Besonders durch 5Gbasierte Dienste entstehen datenintensive Anwendungen im Mobilfunk, die sowohl für industrielle als auch private Nutzungsformen Serviceinnovationen begünstigen. Des Weiteren eröffnet der technologische Fortschritt durch Open RAN, Edge Computing und Network Slicing Chancen im B2B-Kontext. Dies erhöht nicht nur die Innovationsgeschwindigkeit, sondern stärkt die Differenzierung gegenüber generischen Massenprodukten. Eine weitere Chance liegt in der Möglichkeit, alternative Verlegetechniken wie oberirdische Verlegeverfahren oder Mikrorohrsysteme rechtlich abzusichern, da dies zur Kostenreduktion und Effizienzsteigerung beitragen kann, was die Ausbaugeschwindigkeit erheblich erhöhen würde. Förderpolitische Chancen Förderpolitisch bietet die Bereitstellung von Subventionen zur Entwicklung innovativer Netztechnologien, beispielsweise durch Bundesprogram-
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 81 me, den Unternehmen die Möglichkeit, neue Kompetenzen aufzubauen und technologische und organisatorische Modernisierungsmaßnahmen voranzutreiben. Zudem kann die selektive Subventionierung wirtschaftlich wenig attraktiver Regionen Marktversagen korrigieren, Wettbewerb fördern und die Eigenverantwortung der Anbieter stärken. Die Integration von Tarifverpflichtungen in öffentliche Ausschreibungen bietet darüber hinaus die Möglichkeit, soziale Standards verbindlich zu verankern. Das Beispiel der Deutschen Telekom zeigt, dass wirtschaftlicher Erfolg und hohe tarifliche Bindung miteinander vereinbar sind. Infrastrukturund Kooperationschancen Die Digitalisierung von Genehmigungsverfahren und Verwaltungsabläufen im Zuge von E-Government-Lösungen bietet das Potenzial einer erheblichen Reduktion von Bürokratiekosten. Schnellere Planungsverfahren beschleunigen Investitionsprozesse und verbessern die Planbarkeit für Unternehmen. Auch im Zusammenspiel mit anderen Sektoren entstehen Chancen, indem der Telekommunikationsausbau mit infrastrukturellen Großprojekten (Energiewende, Verkehr, Städtebau) verzahnt wird. Durch die Synergieeffekte könnte die Effizienz der Ausbauprozesse gesteigert werden. Eine ressortübergreifende Planung auf kommunaler Ebene könnte zudem institutionelle Blockaden abbauen. Zugleich eröffnet eine stärkere Einbindung betrieblicher Akteure in Regulierungsprozesse Chancen zur Demokratisierung von Marktordnungen, um die Innovationsfähigkeit zu verbessern und die Akzeptanz politischer Maßnahmen zu erhöhen. Fachkräftesicherung und Arbeitsmarktchancen Ausbildungsinitiativen, Umschulungsprogramme und duale Studiengänge mit digitalen Schwerpunkten könnten den strukturellen Fachkräftemangel, etwa im Tiefbau, langfristig abmildern. Dies erhöht die Resilienz der Branche gegenüber arbeitsmarktpolitischen Risiken. Zudem kann die Integration von Künstlicher Intelligenz und digitalisierten Arbeitsprozessen Effizienzgewinne generieren und gleichzeitig kollektive Lernprozesse anstoßen, wenn Beschäftigte und Betriebsräte aktiv eingebunden werden. Regulatorische Chancen Internationale Harmonisierung regulatorischer Rahmenbedingungen schafft neue Gestaltungsspielräume für Unternehmen. Die Mitwirkung an der Entwicklung globaler Standards, beispielsweise im Datenschutz, der
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 82 Netzneutralität oder der Sicherheitsregulierung, erlaubt es, regulatorische Risiken zu reduzieren und strategische Wettbewerbsvorteile zu schaffen. Darüber hinaus stellt die Reform der kommunalen Vergabepraxis eine Chance dar. Durch Tariftreuepflichten und soziale Standards ließe sich nicht nur die Qualität sichern, sondern auch die Legitimität von Ausbauprojekten stärken. In der Gesamtschau zeigen sich trotz bestehender struktureller Schwächen auch große Chancen für die Telekommunikationsbranche in Deutschland. Diese lassen sich durch eine Koordination technologischer, politischer und institutioneller Maßnahmen strategisch nutzen. Die Voraussetzung dafür ist, dass die relevanten Akteure Mitbestimmung, Digitalisierung und Regulierung nicht als Gegensätze begreifen, sondern als komplementäre Hebel eines zukunftsfähigen Transformationsprozesses. 5.4 Risiken (Threats) Die Risiken der Telekommunikationsbranche verdeutlichen eine komplexe Gemengelage, in der ökonomische, technologische, regulatorische und geopolitische Faktoren eng miteinander verwoben sind. Internationaler Wettbewerb und ausländische Investoren Der internationale Wettbewerbsdruck und die damit verbundenen geopolitischen Risiken stellen eine zentrale Herausforderung für deutsche Telekommunikationsanbieter dar. Die Konsolidierung globaler Märkte begünstigt große Akteure, die durch Skaleneffekte ihre Margen verbessern und in Forschung und Entwicklung investieren können. Im Vergleich dazu erscheinen viele europäische Anbieter strukturell unterlegen. Zusätzlich wirft die zunehmende Beteiligung außereuropäischer Investoren an deutschen Unternehmen neben finanziellen auch politische Fragen der Infrastrukturkontrolle und Souveränität auf. Die Gefahr strategischer Übernahmen durch Kapitalgeber mit potenziell divergierenden politischen Interessen erhöht die Komplexität der Gewährleistung deutscher Sicherheitsinteressen. Diese Eigentumsverschiebungen bergen das Risiko von politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten sowie die demokratischen Mitbestimmungsmechanismen zu unterlaufen. Digitalisierung und Automatisierung Die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung der Branche bietet neben den erörterten Chancen auch erhebliche Risiken hinsichtlich der
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 83 Beschäftigungsmöglichkeiten und -bedingungen. Dazu zählen neben den beschriebenen Rationalisierungsprozessen insbesondere die Substitution qualifizierter Tätigkeiten durch algorithmisch gestützte Prozesse, die zudem zu einer Dequalifizierung der verbleibenden Arbeitsplätze führen kann. Verstärkt wird dieser Effekt durch oftmals fehlende begleitende Personalentwicklungsmaßnahmen. Auf diese Weise wird die Entstehung einer Zweiklassengesellschaft innerhalb der Belegschaften, geteilt in hochqualifizierte Digitalexpert*innen und unterqualifizierte Beschäftigungsgruppen, begünstigt. Weitere Risiken liegen beispielsweise in psychosozialen Belastungen und Themen im Arbeitsund Gesundheitsschutz, einer beschleunigten Arbeitsverdichtung, der Leistungsund Verhaltenskontrolle und Entgrenzungen. Internationaler Wettbewerb und ausländische Investoren Ein weiteres zentrales Risiko ergibt sich aus der Rolle ausländischer Investoren (z. B. Private-Equity-Gesellschaften) etwa im Glasfaserausbau, deren kurzfristige Renditeorientierung direkte negative Auswirkungen auf die Unternehmen und ihre Beschäftigten hat. In diesem Zusammenhang bestehen auch sicherheitspolitische Risiken bei einer rein marktbasierten Steuerung kritischer Infrastrukturbestandteile. Ebenso ist die zunehmende Fragmentierung der Netzstruktur und die Übertragung von Netzbestandteilen auf spezialisierte Tochtergesellschaften skeptisch zu betrachten, bei der die Betreiber ihre direkte Verantwortung verlagern. Fragmentierung und Marktdynamik Der Margendruck durch global dominierende Großkonzerne und der verschärfte Wettbewerb durch Over-the-Top-Dienste wie WhatsApp oder Netflix bedrohen traditionelle Erlösmodelle und fordern die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle. Die unzureichende Marktdurchdringung der Glasfaseranschlüsse und die Diskrepanz zwischen Netzverfügbarkeit und tatsächlicher Nutzung gefährden die Wirtschaftlichkeit von Investitionen und unterstreichen die Notwendigkeit flankierender Maßnahmen zur Nachfragesteigerung. Die fast vollständige Sättigung des Mobilfunkmarktes hinsichtlich personaler SIM-Karten begrenzt zudem Wachstumsperspektiven in diesem wichtigen Geschäftsfeld. In diesem Kontext erhöht sich der Wettbewerbsdruck insbesondere auf kleinere Anbieter, die ökonomisch zunehmend in die Defensive geraten.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 84 Regulatorische Risiken Die zunehmende Komplexität und Fragmentierung des Marktes stellt die Regulierungsbehörde vor große Herausforderungen. Die vertikale Integration bei gleichzeitiger rechtlicher Entflechtung erzeugt Intransparenz, die gezielt zur Vermeidung regulatorischer Auflagen genutzt werden kann. Frequenzauktionen mit hohen Lizenzkosten verursachen Investitionsengpässe. Betroffen sind vor allem ländliche Regionen, in denen der Ausbau häufig weniger profitabel ist, was die digitale Ungleichheit zwischen Ballungszentren und peripheren Räumen verstärkt. Des Weiteren führen unterschiedliche regulatorische Standards zwischen den Ländern (z. B. EU, USA, China) zu erhöhten Transaktionskosten für Unternehmen, die in mehreren Regionen tätig sind, da sie sich an verschiedene Vorschriften und Anforderungen anpassen müssen. Dies erschwert den Aufbau einer einheitlichen internationalen Infrastruktur, da es keine einheitlichen Standards gibt. Zudem sorgt die politische Instrumentalisierung von Regulierung (z. B. Huawei) für zusätzliche Unsicherheiten und Konflikte zwischen wirtschaftlichen Interessen und sicherheitspolitischen Anforderungen (vgl. BMI 2024). Zusammenfassend verdeutlicht die Untersuchung, dass die Telekommunikationsbranche durch eine Vielzahl miteinander verwobener Risiken geprägt ist, die sowohl auf der Makroebene (internationale Wettbewerbsdynamik, geopolitische Einflussnahmen, regulatorische Unsicherheiten) als auch auf der Mikroebene (Arbeitsplatzveränderungen, Mitbestimmungsdefizite, technologische Disruptionen) erhebliche Herausforderungen darstellen. Die Bewältigung dieser Risiken erfordert daher ganzheitliche Strategien, die politische, wirtschaftliche und soziale Dimensionen berücksichtigen.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 85 6. Fazit und Handlungsempfehlungen Die vorliegende Studie analysiert die branchenspezifischen Rahmenbedingungen sowie die Struktur und Dynamik von Markt und Wettbewerb. Darüber hinaus werden zentrale Herausforderungen und Entwicklungstrends identifiziert und eine systematische SWOT-Analyse (Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken) durchgeführt. Durch die Anwendung eines qualitativen Forschungsansatzes mit einem Schwerpunkt auf Expert*innen-Interviews konnten vertiefte Einblicke in die strategischen Perspektiven und Einschätzungen zentraler Branchenakteur*innen gewonnen werden. Die Erkenntnisse verdeutlichen die zentrale Bedeutung der Telekommunikationsbranche für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. In den kommenden Jahren wird die Branche eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung einer digitalisierten und vernetzten Zukunft spielen. Zugleich ist ein klarer Handlungsbedarf für die nachhaltige Weiterentwicklung der Branche erkennbar. Die Telekommunikationsbranche befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, der von technologischen Innovationen, strategischer Neuausrichtung und strukturellen Umbrüchen geprägt ist. Der Ausbau zukunftsfähiger Infrastrukturen wie Glasfaser stellt hohe Anforderungen an Unternehmen, Politik und Gesellschaft. Dabei wird deutlich, dass ökonomische Tragfähigkeit, digitale Teilhabe und soziale Nachhaltigkeit integrativ gedacht werden müssen. Die Branche operiert im Spannungsfeld zwischen marktwirtschaftlicher Konzentration und dem politischen Anspruch auf flächendeckende Versorgung. Zugleich stellt die digitale Transformation hohe Anforderungen an Qualifikation, Mitbestimmung und Beschäftigungssicherheit. Eine zukunftsfähige Entwicklung erfordert daher koordinierte Anstrengungen, internationale Regulierungsharmonisierung und eine strategische Mitbestimmungspolitik, die die soziale Gestaltungskraft der Akteure stärkt und den Wandel im Sinne Guter Arbeit begleitet. In diesem Kontext kommt den Akteuren der Mitbestimmung die Rolle zu, ihre Gestaltungsspielräume aktiv zu nutzen, um die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen zu fördern, Standorte und Beschäftigung zu sichern und die Arbeitsund Beschäftigungsbedingungen zu verbessern. Auf Grundlage der empirischen Befunde können gezielte Empfehlungen für die Weiterentwicklung mitbestimmungspolitischer Strategien abgeleitet werden. Die zentralen Ansatzpunkte werden nachfolgend in the-
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 86 matische Cluster gegliedert und in Form zentraler Punkte zusammengefasst. Innovation, Digitalisierung und technologische Resilienz Forschungsund Entwicklungsstrukturen stärken Im internationalen Vergleich und gegenüber anderen Technologiebranchen fallen die F&E-Investitionen in der Telekommunikationsbranche unterdurchschnittlich aus. Die Mitbestimmung sollte sich für betriebsnahe F&E-Kapazitäten starkmachen, beispielsweise durch tarifliche Innovationsfonds oder verbindliche Vereinbarungen zu Entwicklungsbudgets. Marktstrukturen gezielt für Innovation öffnen Die Innovationsfähigkeit stellt einen zentralen Faktor für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit deutscher Telekommunikationsunternehmen dar. Angesichts eines zunehmend konzentrierten und technologiegetriebenen Marktes kommt es darauf an, innovationsfördernde Rahmenbedingungen zu schaffen. Mitbestimmungsakteure sollten sich daher für regulierte Zugänge auch für kleinere Anbieter einsetzen, um Wettbewerb, Vielfalt und Resilienz im Sektor nachhaltig zu stärken. Innovationsprozesse demokratisch gestalten Neue Netztechnologien wie Open RAN oder Network Slicing sollten mitbestimmt eingeführt werden, da sie nicht nur technologische, sondern auch tiefgreifende organisatorische, personelle und soziale Veränderungen mit sich bringen. Eine frühzeitige Einbindung der Mitbestimmungsakteure trägt dazu bei, Arbeitsbedingungen, Akzeptanz und Innovationsdynamik systematisch miteinander zu verzahnen. Mitbestimmte Innovationsstrategien fördern Mitbestimmungsgremien sollten sich frühzeitig in technologische Strategieprozesse einbringen, um Dequalifizierung zu verhindern und Beschäftigungsperspektiven zu sichern. Nur durch frühzeitige Beteiligung lassen sich Qualifizierungsbedarfe abschätzen, sozialverträgliche Übergänge gestalten und technologische Veränderungen so beeinflussen, dass sie gute Arbeitsbedingungen und Beschäftigungsperspektiven fördern.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 87 Renditeorientierte Einflussnahme begrenzen Der wachsende Einfluss internationaler Finanzinvestoren in der Branche geht oftmals mit einer kurzfristigen Renditelogik einher, die strategische Investitionen und soziale Nachhaltigkeit gefährden kann. Mitbestimmung sollte auf langfristige, nachhaltige Strategien hinwirken und renditegetriebene Kurzfristlogik internationaler Investoren begrenzen. Plattformstrategien partizipativ mitgestalten Plattformstrategien verändern klassische Geschäftsmodelle grundlegend. Unternehmen stellen hierbei digitale Infrastrukturen bereit, über die externe Akteure Leistungen erbringen, handeln oder interagieren, etwa im Rahmen von Open RAN oder cloudbasierten Netzdiensten. Mit dieser Entwicklung geht häufig eine Erosion traditioneller Arbeitsverhältnisse einher, verbunden mit einem erhöhten Risiko prekärer Beschäftigung und einer Verlagerung von Entscheidungsund Verantwortungsstrukturen. Nur durch eine frühzeitige und aktive Einbindung der Mitbestimmung lassen sich digitale Geschäftsmodelle so gestalten, dass technologische Innovation mit fairen Arbeitsbedingungen und tariflichen Standards vereinbar bleibt. Infrastruktur, Standortentwicklung und Souveränität Mitbestimmung in wirtschaftlichen Entscheidungen stärken Mitbestimmung in wirtschaftlichen Angelegenheiten ist bislang das schwächste Beteiligungsrecht im Betriebsverfassungsgesetz. Betriebsräte verfügen in zentralen unternehmerischen Fragen wie Investitionen, Ausgliederungen oder Standortentscheidungen nur über Informationsund Beratungsrechte, jedoch keine echten Mitentscheidungsrechte. Angesichts tiefgreifender Transformationsprozesse sollte das BetrVG dahingehend novelliert werden, um Beteiligungsrechte in wirtschaftsstrategischen Fragen zu erweitern und die soziale Gestaltungskraft der Mitbestimmung zu stärken. Strategische Resilienz und europäische Lieferketten stärken Geopolitische Abhängigkeiten gefährden zunehmend die technologische Souveränität und schwächen sowohl die inländische als auch die europäische Industrie. Arbeitnehmer*innen-Vertretungen können diesem Trend entgegenwirken, indem sie Diversifizierungsstrategien und eine stärker europäisch ausgerichtete Beschaffungspolitik unterstützen. Auf diese Weise lassen
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 88 sich technologische Abhängigkeiten reduzieren, die europäische Wertschöpfung stärken und langfristige Beschäftigungsperspektiven sichern. Re-Regionalisierung kritischer digitaler Infrastruktur begleiten Mitbestimmung kann als strategisches Instrument genutzt werden, um die Rückverlagerung kritischer Infrastrukturen zu unterstützen. Dadurch lassen sich Standortund Beschäftigungssicherheit erhöhen sowie ein Beitrag zur technologischen und digitalen Souveränität leisten. Demokratische Kontrolle sicherstellen Sicherheitsrelevante Infrastrukturen erfordern eine enge Verzahnung von Kontrolle und Mitbestimmung, um Risiken durch externe Einflussnahmen frühzeitig zu erkennen, systematisch gegenzusteuern, demokratische und sicherheitsbezogene Standards zu wahren und um politische Einflussnahme sowie Fremdinteressen gezielt zu begrenzen. Glasfaserausbau regional gerecht gestalten Mitbestimmungsakteure sollten gezielte Investitionen in unterversorgte Regionen einfordern, um digitale Teilhabe und gleichwertige Lebensverhältnisse zu fördern. Die Erlöse aus Frequenzauktionen könnten dabei als Finanzierungsquelle für den Glasfaserausbau dienen, da erst eine flächendeckende Glasfaseranbindung ein leistungsfähiges 5G-Netz ermöglicht. Ausgliederungen und Netzwerkfragmentierung kritisch begleiten Die Zerschlagung von Unternehmensstrukturen durch Ausgliederungen und Netzwerkfragmentierung gefährdet die Mitbestimmung und birgt die Risiken von Tarifflucht und Prekarisierung. Daher ist eine kritische und strategisch rückgebundene Begleitung durch Mitbestimmungsakteure erforderlich, um Einflussverluste, Tarifflucht und die Aushöhlung betrieblicher Rechte zu verhindern. Beschäftigungssicherung, Qualifizierung und Transformation Qualifizierung für technologische Differenzierung Technologische Innovationen wie 5G oder IoT verändern berufliche Anforderungen grundlegend. Um Beschäftigte nicht zu überfordern und Dequalifizierung zu vermeiden, ist eine frühzeitige, strategisch eingebettete Qualifizierung notwendig.
LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 95 BNetzA – Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen (2024): Jahresbericht Telekommunikation 2024, Bonn. https://data.bundesnetzagentur.de/Bundesnetzagentur/ SharedDocs/Mediathek/Jahresberichte/JB2024TK.pdf BNetzA – Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen (2025): Mobilfunk‑Monitoring. Stand: Januar 2025. www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/Telekommunikation/ Breitband/Mobilfunk-Monitoring/artikel.html BNetzA – Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen (o. J.): Gigabitforum – Informationen und Materialien. www.gigabitforum.de Braun, Menessa Ricarda / Knips, Julian / Wernick, Christian (2020): Die Angebotsentwicklung auf dem deutschen Mobilfunkmarkt 2017–2020. WIK-Diskussionsbeitrag 468, Bad Honnef: Wissenschaftliches Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste. www.wik.org/fileadmin/user_upload/Unternehmen/ Veroeffentlichungen/Diskus/2022/WIK_Diskussionsbeitrag_ Nr_468.pdf Breko – Bundesverband Breitbandkommunikation (2023): Marktanalyse 2023, Bonn. www.brekoverband.de/wp-content/uploads/2025/03/breko_ marktanalyse_2023-1-1.pdf Breko – Bundesverband Breitbandkommunikation (2024): Marktanalyse 2024, Bonn. www.brekoverband.de/wp-content/uploads/2025/03/breko_ marktanalyse_2024.pdf Daum, Mario / Hoppe, Markus / Roth, Ines / Zanker, Claus (2023): Telekommunikation in Deutschland. Eine Branche zwischen infrastrukturellen Herausforderungen, Wettbewerb und Rationalisierungsdruck, Stuttgart: Input Consulting. https://ikt.verdi.de/++file++65ae962d4dabac4cda4ca3e7/ download/Branchenanalyse_Telekommunikation_INPUT_072023_ web-1.pdf Destatis (2025): Tarifbindung nach Wirtschaftszweigen 2024 in Deutschland. www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Verdienste/TarifverdiensteTarifbindung/Tabellen/tarifbindung-deutschland-arbeitnehmer.html
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LATOUR: BRANCHENANALYSE TELEKOMMUNIKATION | 99 Strube Martins, Sonia / Schwarz-Schilling, Cara (2022): Kupfer-GlasMigration in Frankreich und im Vereinigten Königreich. WIK Diskussionsbeitrag Nr. 482, Bad Honnef: WIK Wissenschaftliches Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste. www.econstor.eu/bitstream/10419/261493/1/181133735X.pdf ver.di (o. D.): Wie wirkt sich die Digitalisierung auf unsere tarifpolitische Durchsetzungsfähigkeit aus? Betriebsgruppe Telekom Südhessen. https://begt.verdi-bz-sh.de/wie-wirkt-sich-die-digitalisierung-aufunsere-tarifpolitische-durchsetzungsfaehigkeit-aus/ Wieck, Reinhard / Vidal, Miguel (2011): Investment in telecommunications infrastructure, growth and employment – recent research. In: International Journal of Management and Network Economics 2 (2), S. 135–149. https://doi.org/10.1504/ijmne.2011.043351 Will-Zocholl, Mascha / Kämpf, Tobias (2016): Branchenanalyse Informationsund Telekommunikationsbranche. Study der HansBöckler-Stiftung 320, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung. https://www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-006335 Zhou, Yuezhi / Chen, Xu (2025): Edge Intelligence: Edge Computing for 5G and the Internet of Things. In: Future Internet 17 (3), S. 1–5. https://doi.org/10.3390/fi17030101
ISSN 2509-2359
