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91 Künstlich, sächsisch oder …? Überraschungen und Irrungen bei der Untersuchung des Malachits ander „Uhr mit einem Bergsänger“ im Dresdner Grünen Gewölbe (Inv.‑Nr.VI101) Artificial, Saxon or …? Turns and trials during the investigation of malachite from the “Clockwith a miner singer” in the Grünes Gewölbe in Dresden (inventory number VI 101) Ulf Kempe1, Michael Wagner2 1 TU Bergakademie Freiberg, Institut für Mineralogie, Brennhausgasse 14, 09596 Freiberg/Sa. 2 Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Grünes Gewölbe, Taschenberg 2, 01067 Dresden Corresponding authors: Ulf Kempe ([email protected]g.de), Michael Wagner ([email protected]) Academic editor Jan-Michael Lange | Received 28 November 2025 | Accepted 04 December 2025 | Published 17 December 2025 Citation: Kempe U, Wagner M (2025) Künstlich, sächsisch oder …? Überraschungen und Irrungen bei der Untersuchung des Malachits an der „Uhr mit einem Bergsänger“ im Dresdner Grünen Gewölbe (Inv.-Nr. VI 101). Geologica Saxonica 71: 91–107. https://doi.org/10.3897/gs.71.e181225 Zusammenfassung Im Grünen Gewölbe in Dresden fällt eine von Hofjuwelier Johann Heinrich Köhler (1668–1736) für die Pretiosensammlung August des Starken (1670–1733) gelieferte Prunkuhr auf, bei der ein in eine Bergmannstracht gekleideter Sänger auf einem großen Malachitaggregat steht. Eine erste Begutachtung führte zunächst zu der Annahme, dass es sich bei dem Malachit nicht um eine natürliche Bildung, sondern um eine künstlich geschaffene Steinstufe handeln müsse. Da Malachit an anderen Pretiosen des Grünen Gewölbes praktisch nicht in Erscheinung tritt, überreichte der Rektor der TU Bergakademie Freiberg dem Dresdener Museum anlässlich einer Ausstellungseröffnung eine ungewöhnlich große Prachtstufe, die im Mineralhandel erworben worden war. Nachfolgende umfang reiche Untersuchungen zeigten, dass dieser Malachit seinerseits Produkt einer Hydrothermalsynthese nach einem in den 1980er Jahren in Russland entwickelten Verfahren ist. Zerstörungsfreie Analysen an der Uhr belegen hingegen, dass es sich bei dem „Berg“ unter der Perlfigur um einen natürlichen Malachit handelt, der ungewöhnlich hohe Gehalte von Arsen und Zink aufweist. Um die Herkunft der Malachitstufe unter dem „Bergsänger“ zu klären, wurden Vergleichsuntersuchungen an Sammlungsbelegen aus den Mineralogischen Sammlungen der TU Bergakademie Freiberg durchgeführt, die Vorkommen im Ural, am Inn und am Kongo repräsentieren. Einbezogen wurden auch zwei als „Russische Mosaike“ gefertigte Objekte: eine Tischplatte aus dem Depot des Grünen Gewölbes und ein defektes Werkstück mit sogenanntem „Aushkuler Jaspis“ als Trägermaterial aus der Freiberger Mineralsammlung. Ebenso wie seine spezifische Ausbildung belegen die Resultate der chemischen Analysen die Herkunft des Malachits unter dem „Bergsänger“ aus den historischen Silberund Kupferlagerstätten der Bergbauregion Schwaz–Brixlegg in Tirol. Der Befund lässt allerdings offen, wie der Hofjuwelier Köhler Anfang des 18. Jahrhunderts an eine derartig seltene und große Schaustufe gelangen konnte, die nach wie vor als singulär gelten darf. Schlüsselworte Aushkul Jaspis, Grünes Gewölbe, Malachit, Russisches Mosaik, Schwaz, synthetischer Malachit, Uhr mit einem Bergsänger Geologica Saxonica 71, 2025, 91–107 | DOI 10.3897/gs.71.e181225 Copyright Ulf Kempe and Michael Wagner. This is an open access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution License (CC BY 4.0), which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited.
Kempe U, Wagner M: Künstlich, sächsisch oder …? 92 Abstract The collections of the Grünes Gewölbe (Green Vault) in Dresden bear a remarkable clock supplied by the court jeweller Johann Heinrich Köhler (1668–1736; inventory number VI 101) for the collections of August the Strong (1670–1733). A singer in clothes of a miner stands on a large aggregate of green malachite. First inspection led to the preliminary conclusion that this malachite is not a natural but an artificial object. Because malachite is not on display elsewhere in the expositions of the museum, the rector of the TU Bergakademie Freiberg on occasion of the opening of a special exposition in Dresden presented to the Grünes Gewölbe a representative malachite sample obtained from a dealer. However, closer investigation of this rather large aggregate of malachite revealed that it was made by hydrothermal synthesis using a method developed in Russia in the 80th of the last century. On the other hand, non-destructive analysis of the material on the clock with the singer proved that, in fact, we are dealing with natural malachite containing unusual high concentrations of arsenic and zinc. To clarify the origin of this sample, additional analytical work was undertaken using samples from the TU Bergakademie Freiberg Mineral Collections representing malachite from the Urals, Kongo and Austria. Two “Russian mosaics” of malachite were also studied: one in form of a tabletop from the depot of the Grüne Gewölbe, the other from the Freiberg mineral collection made on a piece of so-called “Aushkul jasper”. These investigations showed that the malachite from the clock with the singer comes from the historical silver and copper mines in the Schwaz-Brixlegg region in Tirol. It remains, however, an open question, how the court jeweller Köhler was able to obtain such a rare and large sample of malachite which up to now may be regarded as an exceptional one. Key words Aushkul jasper, Clock with a Mining Singer, Grünes Gewölbe, malachite, Russian mosaic, Schwaz Einleitung Die intensive grüne Färbung natürlicher Malachite hat ebenso wie das Tiefblau des Azurits schon vor tausenden von Jahren die Menschen im Alten Ägypten fasziniert. Über lange Zeit dienten beide dort als gefragte und teure Farbpigmente. Wegen ihrer Seltenheit wurde schon früh versucht, sie nachzuahmen oder zu synthetisieren (Reinen und Lindner 1999). Aber auch in anderen Ländern, wie zum Beispiel in China, zählten Malachit und Azurit über viele Jahrhunderte zu den am höchsten geschätzten und wertvollsten Farbsubstanzen. Malachit und Azurit entstehen bei der oberflächennahen Zersetzung kupferhaltiger Sulfide und finden sich meist als erdige Anflüge oder feinkristalline Aggregate sowohl auf den primären Kupfermineralen als auch in den umgebenden Gesteinen. Seltener kommen knospenartige Bildungen von Malachit mit auffälligen, von der Korngröße abhängigen Farbzonierungen vor, die sich für die Schmuckverarbeitung eignen. Beeindruckend sind die farbintensiven Pseudomorphosen von Malachit nach größeren Azuritkristallen von Tsumeb in Namibia. Bei beiden Mineralen handelt es sich um hydroxylhaltige Kupferkarbonate, die sich in ihrer chemischen Zusammensetzung nur wenig voneinander unterscheiden. Die Formel von Malachit ist Cu2[CO3](OH)2, die von Azurit CuCu2[CO3]2(OH)2. Die Farbe wird in beiden Fällen durch zweiwertiges Kupfer hervorgerufen. Der Farbunterschied entsteht nur durch die in beiden Strukturen unterschiedliche Geometrie der Sauerstoffumgebung um das Kupfer. Malachit und Azurit besitzen somit stoffspezifische Eigenfärbungen. Allerdings ist eine Identifizierung von Malachit allein anhand der auffälligen „kupfergrünen“ Farbe und der Ausbildung nicht möglich, weil auch einige sekundäre Kupfersulfate und -phosphate ganz ähnliche Färbungen aufweisen. Tiefgrüner Pseudomalachit Cu5[PO4]2(OH)4 bildet zudem zonierte nierig-traubige Aggregate wie der Malachit aus. Malachit wird bis heute gern als dekorativer Schmuckstein verwendet. Im 20. Jahrhundert waren in Europa besonders die reichen Vorkommen von Tsumeb in Namibia bekannt. In der heutigen Zeit stammt das gehandelte Material meist aus den Cu-Co-Lagerstätten des südlichen Kongo, die um 1910 entdeckt wurden. Weltweit berühmt geworden ist der Malachit durch die Entdeckung der ehemals ergiebigen Vorkommen im Ural. Er fand Verwendung in vielen beeindruckend großen Tischplatten, Riesenvasen, Schalen und Leuchtern. Die Fertigung erfolgte in der Technik des sogenannten „Russischen Mosaiks“. Durch diese entsteht beim Betrachter der Eindruck, die Objekte bestünden aus nur einem großen Stück. Der russische Malachit wurde Ende des 18. Jahrhunderts entdeckt und vor allem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in großem Umfang genutzt. Im Neuen Grünen Gewölbe fällt dem Besucher lediglich bei einer der prächtigen Pretiosen das auffällige Malachitgrün ins Auge. Auf der von Hofjuwelier Johann Heinrich Köhler (1668–1736) geschaffenen „Uhr mit einem Bergsänger“, steht ein in Bergmannstracht gekleideter Musikant mit einer Cister auf einem ungewöhnlich großen malachitgrünen Aggregat von nierig-traubiger Ausbildung (Abb. 1). Erstmalige Erwähnung findet der „Bergsänger“ im Pretioseninventar des Grünen Gewölbes von 1725: „Ein Bergmann von Goldt, schwarz emailliert, mit einer Zitter, der Deckel an der Müze ist von Perl Mutter, die Hosen von einer Perl, stehet auf einen grünen Malgit Stein, das Postement von vergoldten Silber mit kleinen Diamantgen und Rubingen, auch mit drey kleinen weiß geschnittenen Kayßer Köpffen carmisirt. In diesen kleinen
Geologica Saxonica 71, 2025, 91–107 93 Postement, stehet eine gehende Uhr, mit einen Weißer. Von Köhlern.“ Befund nach der ersten Begutachtung Angesichts der Entstehung der Kleinpretiose im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts, in einer Zeit, in der größere, für die Schmucksteingewinnung geeignete Vorkommen von Malachit noch gar nicht bekannt waren, drängt sich die Frage auf, woher das hier verwendete Material stammen könnte. Durch notwendig gewordene konservatorische Maßnahmen am „Bergsänger“ konnte der Malachit in der Restaurierungswerkstatt des Grünen Gewölbes einer genaueren Begutachtung unter dem Mikroskop unterzogen werden. Die gemachten Beobachtungen führten sowohl aus musealer als auch aus geowissenschaftlicher Sicht zu dem überraschenden Schluss, dass es sich bei dem Mineral nicht um eine natürliche Bildung, sondern um ein künstliches Material handeln müsse (Abb. 2). Dafür sprachen insbesondere der ungewöhnlich hohe glasartige Glanz der nicht polierten Oberflächen und die Ausbildung in nur millimeterdicken gewölbten Schichten. Die typische Malachitbänderung auf der Oberfläche scheint horizontal statt vertikal angelegt zu sein. Stellenweise haben die Anflüge eine fetzenartige Form und wirken wie erstarrte Glasmassen. Bei dem seitlich nahe der Fassung sichtbaren Substrat handelt es sich ganz offensichtlich um einen Kunststein, der mittels einer pechhaltigen Substanz fixiert wurde. Eine Malachitstufe aus dem Mineralhandel Obwohl die geplanten analytischen Untersuchungen zur Klärung der Natur des grünen Steines noch ausstanden, erschien der Befund so eindeutig, dass er in dieser Form publiziert wurde (Thürigen 2019; Kempe et al. 2021). Diese Entscheidung hatte unerwartete Folgen. Anlässlich der Eröffnung einer Kabinettausstellung unter dem Titel: „…die Schönheit der ganzen Welt“ – Heinrich Taddel und sein Steinkabinett im Grünen Gewölbe, die 2023 im Sponselraum des Dresdner Residenzschlosses gezeigt wurde, überreichte der Rektor der TU Bergakademie Abbildung 1. „Uhr mit einem Bergsänger“, Johann Heinrich Köhler, vor 1725, Silber vergoldet, Gold, Emaille, Barockperlen, Malachit, Dolomit, Diamanten, Rubine. Höhe 15,3 cm. Grünes Gewölbe, Dresden, Inv.-Nr. VI 101 (Foto: Michael Wagner). Figure 1. “Clock with miner singer”, Johann Heinrich Köhler, before 1725, gold, silver-gilt, enamel, Baroque pearl, malachite, dolomite, diamonds, rubies. Height 15.3 cm. Grünes Gewölbe, Dresden; inventory number VI 101 (Photo: Michael Wagner). Abbildung 2. Der „grüne Malgit Stein“ und das Substrat an der „Uhr mit einem Bergsänger“. Detail, mikroskopische Aufnahme. Grünes Gewölbe, Dresden, Inv.-Nr. VI 101 (Foto: Ulf Kempe). Figure 2. The “green malgite stone” and the substrate on the “Clock with miner singer”. Detail under the microscope. Grünes Gewölbe, Dresden; inventory number VI 101 (Photo: Ulf Kempe).
Kempe U, Wagner M: Künstlich, sächsisch oder …? 94 Freiberg eine im Freiberger Mineralhandel erworbene repräsentative Stufe aus Malachit von der beachtlicher Größe von 10,2×8,6×2,2 cm an den Direktor des Grünen Gewölbes. Dadurch sollte in scherzhafter Andeutung der Mangel an echtem Malachit in der Sammlung kompensiert werden (Abb. 3). Bei der Aufnahme in die Bestände des Museums wurde auch dieses Stück genauer begutachtet. Untersuchungen unter Hinzuziehung der Raman-Spektroskopie belegen, dass es sich bei der Stufe stofflich zwar um Malachit, aber nicht um ein natürliches, sondern um ein synthetisches Aggregat handelt. Darauf verweisen mehrere Merkmale wie zum Beispiel die morphologisch einheitlich senkrecht nach oben gewachsenen und voneinander auffällig separierten Malachit„Massive“ ebenso wie stellenweise massenhaft auftretende, kleine spherulitische Bildungen oder die recht einförmige Bänderung des Materials, die keine größeren Variationen oder faserig ausgebildete Zonen wie natürliche Bildungen aufweist. Auch können in der Bänderung keine Fehler oder Risse beobachtet werden (Abb. 4). An einigen Stellen erscheint das Material tiefgrün durchscheinend, was für natürlichen Malachit untypisch ist. Entscheidend für die Identifizierung der Malachitsubstanz als synthetisches Produkt ist die Ausbildung der Unterseite der Stufe. Anstelle eines Gesteinssubstrates finden sich hier gleichförmig glatte, muschelförmige Einwölbungen (Abb. 5). An den fast schwarz erscheinenden Zwischenstegen lassen sich einzelne, in die Malachitmatrix eingewachsene organische Fasern nachweisen. Die Einwölbungen sind streifenartig mit einer hellen Substanz bedeckt. Diese ist unter dem Raman-Mikroskop bereits bei geringen Laserleistungen instabil. Die Raman-Spektren belegen, dass es sich dabei um eine stickstoffhaltige organische Verbindung vom Typ der CuPcPhasen handelt, bestehend aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff und Kupfer. Für die Untersuchungen kam ein transportables Raman-Spektrometer XploRA Plus, ausgerüstet mit einem Olympus Mikroskop BX 41, zum Einsatz. Verwendet wurde ein 10× Objektiv mit einer numerischen Apertur von 0.9. Die Leistung des grünen Halbleiterlasers (532 nm) auf der Probe lag bei 3 mW, bei den organischen Phasen darunter. Gemessen wurden bis zu 150 Scans von jeweils 1 s bei einem Eintrittsspalt von 100 µm und unter Verwendung eines 1800 l/mm Gitters. Die Eichung erfolgte in Bezug auf die Nulllinie des Gitters und die Raman-Linie von elementarem Silizium bei 520,6 cm–1. Alle gefundenen Eigenschaften des untersuchten Malachits deuten auf eine Hydrothermalsynthese nach einem in den 1980er Jahren in der UdSSR entwickelten Verfahren hin (Balitsky et al. 1987; Petrov et al. 2013). Dabei wird ein entsprechend vorgeformtes Polymersubstrat in einen Reaktor eingebracht, das am Ende der Züchtung von dem entstandenen Malachitaggregat abgetrennt wird. Die Produktionskosten sind gering, da die Stücke nicht mehr geschnitten, sondern nur noch leicht poliert werden müssen. Die Qualität der Politur ist entsprechend niedrig. Die organische Substanz an der Unterseite ist ein Reaktionsprodukt zwischen dem Polymer und der Hydrothermallösung. Der Stickstoff stammt aus dem zur Steuerung des Prozesses zusätzlich eingebrachten Ammoniak. Laut Patent ähnelt der so hergestellte künstliche Malachit am ehesten Malachiten aus dem Kongo/Zaire (Jagnyshev et al. 2005). Als solcher wurde die Stufe auch im Handel angeboten. Nach seinen physikalischen Eigenschaften ist der synthetische Malachit von natürlichem praktisch nicht zu unterscheiden (Balitsky et al. 1987; Petrov et al. 2013). Abbildung 3. Übergabe einer großen Malachitstufe durch den damaligen Rektor der TU Bergakademie Freiberg, Prof. KlausDieter Barbknecht (oben) an den Direktor des Grünen Gewölbes, Dr. Marius Winzeler (unten) bei der Eröffnung der ersten Sonderausstellung aus Anlass des 300-jährigen Jubiläums des Museums über den Goldschmied, Geheimen Kämmerer und Inspektor des Grünen Gewölbes Heinrich Taddel (1714–1794) am 22.06.2023 (Fotos: Alexander Peitz, © SKD). Figure 3. Handover of a large sample of malachite by the former rector of the TU Bergakademie Freiberg, Prof. KlausDieter Barbknecht (top) to the director of the Grünen Gewölbes, Dr. Marius Winzeler (bottom) on the occasion of the opening of the first special exposition dedicated to the 300th anniversary of the museum on 22th of June 2023. The exposition showed the life and work of the goldsmith, privy chamberlain and inspector of the Grünes Gewölbe, Heinrich Taddel (1714–1794) (Photos: Alexander Peitz, © SKD).
Geologica Saxonica 71, 2025, 91–107 95 Chemische Analyse des Malachits unter dem „Bergsänger“ Etwas später konnte der grüne Stein unter dem „Bergsänger“ an der von Köhler gefertigten Pretiose mit der Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) untersucht werden. Genutzt wurde ein transportables Spektrometer Niton™ XL3t 980He von Thermo Fisher Scientific™ mit einer Silberanode und einem SDD-GOLDD™-Detektor. Der Betrieb der Röntgenröhre erfolgt variabel mit 6–50 kV (maximale Leistung 2 W). Es wurde die Messroutine „mining Cu/Zn“ ohne He-Spülung verwendet. Die Messungen erfolgten bei einer Strahlbreite von 8 mm auf der Probe. Die Messzeit lag bei 75 s. Zur Kontrolle wurde am Ende der Messungen das Referenzglas Corning D analysiert (Wagner et al. 2012). Wegen der meist gerundeten Oberfläche des Steins konnten nur an zwei Stellen annähernd ebene Messbereiche geeigneter Größe gefunden werden, bei denen das Fenster des Messkopfes in unmittelbaren Kontakt mit der Oberfläche des Aggregates gebracht werden konnte und das Gehäuse des Analysators nicht mit der Figur des „Bergsängers“ oder dem silbervergoldeten Postament kollidierte. Überraschenderweise erwies sich das Material nicht als künstliche Glassubstanz, sondern als Malachit. Allerdings wurden bei den Messungen auch einige ungewöhnliche Spurenelementgehalte festgestellt, die sich nicht auf Messfehler durch Erfassung des Substrats oder der Goldfassung bei der Röntgenanregung zurückführen lassen. Dies betrifft insbesondere signifikante Gehalte an Zink und Arsen. Suche nach vergleichbarem Malachit in den Mineralogischen Sammlungen der TU Bergakademie Freiberg Einziges gemessenes Hauptelement war Kupfer. Leichte Elemente wie Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff können mit der RFA analytisch nicht erfasst werden. Ausbildung, Farbe und die gefundene chemische Zusammensetzung deuten somit auf eine natürliche, wenn auch ungewöhnliche Malachitbildung hin. Da die Pretiose laut Inventareintrag von Hofjuwelier Köhler geliefert wurde, stellte sich die Frage, ob es im damaligen sächsischen Raum bekannte Vorkommen von Malachit gab, die als Herkunftsort für eine derartig auffällige und große Malachitstufe in Frage kämen. Könnte der Malachit zum Beispiel aus dem Grubenfeld im thüringischen Kamsdorf bei Saalfeld stammen? Mit dem Neustädter Kreis war auch das Bergbaurevier Kamsdorf 1567 an das Kurfürstentum Sachsen verpfändet worden und kam erst 1815 in preußischen Besitz. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war allerdings die erneute Blütezeit des Abbaus der vorrangig als Chalkopyrit mit etwas Fahlerz auftretenden Kupfervererzungen nach dem 30-jährigen Krieg bereits wieder überschritten. Der Bergbau verlagerte sich zunehmend auf die lukrative Kobaltund Eisengewinnung (Liebe und Zimmermann 1888; Pfefferkorn 2012). Hauptgangart in den Kupfergängen ist Calcit. Daneben traten noch andere, unter anderem lokal abbaubare Eisenkarbonate auf. Von Kamsdorf wurde auch über umfangreiche Vorkommen von sekundärem Malachit und Azurit berichtet, die wohl in der Frühzeit des Bergbaus als Kupfererze und Farbpigmente gewonnen wurden. Repräsentative Belege werden im Naturhistorischen Museum Schloss Bertholdsburg in Schleusingen (Thüringen) aufbewahrt. Allerdings entspricht deren Ausbildung in keiner Weise der an der Schaustufe unter dem „Bergsänger“. Auf der Suche nach weiteren in Frage kommenden historischen Vorkommen wurden die Malachitbestände Abbildung 4. Schauseite der Malachitstufe aus dem Mineralhandel (Detail). Es gibt keine Fehlstellen in der Bänderung. Stellenweise ist der tiefgrüne Malachit durchsichtig bis durchscheinend (siehe unten rechts und Mitte oben). Bildbreite ca. 8 cm (Foto: Ulf Kempe). Figure 4. Show side of the malachite sample obtained from a dealer (detail). There are no disruptions in the zoning. Locally, deep green malachite appears transparent to translucent (bottom rigth and middle). Width of the image is about 8 cm (Photo: Ulf Kempe). Abbildung 5. Unterseite der Malachitstufe aus dem Mineralhandel (Detail). Die weiße Substanz in den Einwölbungen ist eine stickstoffhaltige organische Kupferverbindung vom Typ der CuPc-Phasen. Bildbreite ca. 7 cm (Foto: Ulf Kempe). Figure 5. Back side of the malachite sample obtained from a dealer (detail). The white substance on the concave surface is a nitrogen organic copper compound of the type of the CuPcphases. Width of the image is about 7 cm (Photo: Ulf Kempe).
Kempe U, Wagner M: Künstlich, sächsisch oder …? 96 in der Mineralogischen Hauptsammlung der TU Bergakademie Freiberg gesichtet. Insbesondere interessierten hierbei die historischen österreichischen Kupferlagerstätten. Tatsächlich fanden sich unter den Belegstücken aus dem Bergbaurevier Schwaz–Brixlegg einige Stufen mit ganz ähnlicher Ausbildung als millimeterstarke, gewölbte und teils auffällig glänzende Schichten wie an der „Uhr mit einem Bergsänger“ (Abb. 6). Das Substrat besteht bei diesen Stufen laut den Angaben auf den historischen Etiketten aus Dolomit, was durch entsprechende Raman-Analysen auch bestätigt werden konnte. Vier der Proben erwiesen sich als für chemische Vergleichsanalysen mit der RFA geeignet, da sie einige etwas größere, annähernd ebene Bereiche auf den sonst gekrümmten Oberflächen aufweisen. Drei polierte Malachitproben aus kongolesischen Lagerstätten und zwei aus den Vorkommen des Ural wurden ebenfalls für die weiteren analytischen Untersuchungen ausgewählt. Bei einem der beiden letzteren Belege handelt es sich um das größere von zwei in der Technik des „Russischen Mosaiks“ gefertigten Stücken, die auf einem auffällig gemusterten, aber bisher nicht bestimmten Gestein als Trägermaterial aufgebracht wurden. Der Fund bot die Gelegenheit zu einer näheren Untersuchung eines der historischen, in Russland gefertigten Mosaike. Ein „Russisches Mosaik“ auf „Aushkuler Jaspis“ Durch die erhaltenen originalen Etiketten von Kustos Albin Julius Weisbach (1833–1901) können die beiden Mosaike auf vor 1883 datiert werden. Offensichtlich waren sie als Werkstücke für ein größeres Objekt bestimmt. Als Entstehungsort wird auf dem Etikett des größeren Beleges mit der Inventarnummer MiSa 15967 durch die Bezeichnung als „Katarinenburger Arbeit“ auf die Kaiserlichen Schleifmühlen von Jekatarienburg im Ural verwiesen. Dort wurden Prunkstücke aus Malachit für den Hof in St. Petersburg gefertigt. Die meisten der großen Arbeiten, die heute in der dortigen Eremitage aufbewahrt werden, entstanden jedoch in Peterhof nahe der russischen Hauptstadt, wo sich unmittelbar neben den schon damals berühmten Schlössern und Gärten mit ihren vielen Fontänen die älteste kaiserliche Schleifmühle befand (Mavrodina 2007; Jekatarinenburger Arbeiten: S. 230– 231, 234–238 und 248–252; Schleifmühle in Peterhof: S. 91–93, 97–98, 108–115, 118–127, 131–136, 139–141). Die dünne Malachitbeschichtung des hier untersuchten Mosaiks ist zum Teil schadhaft. Dadurch wird sichtbar, dass das Trägermaterial, für welches bisher weder die korrekte Ansprache, noch die Herkunft bekannt waren, nicht nur sehr exakt geschnitten, sondern sowohl auf der Unterals auch der Oberseite aufwendig poliert worden ist (Abb. 7). Anhand der charakteristischen Musterung kann das Gestein als sogenannter „Aushkuler Jaspis“ aus Baschkirien identifiziert werden. Aus diesem Material gibt es nur relativ wenige Objekte in den Beständen der Petersburger Eremitage. Das zur Verfügung stehende Rohmaterial hatte solche Ausmaße, dass daraus monolithische Vasen von bis zu über 75 cm Höhe gefertigt werden konnten (Mavrodina 2007; S. 213–215, 223–224, 240–242). Eine Schale aus „Aushkul-Jaspis“, ein Geschenk aus dem Jahr 1823 von Graf E. I. Metchnikov (1770–1846), einem der Begründer der russischen Mineralogischen Gesellschaft, befindet sich noch heute im Raum VII des Museums der ältesten russischen Bergbauhochschule, des früheren Bergbauinstitutes in St. Petersburg. Bei dem „Aushkuler Jaspis“ handelt es sich nicht, wie der Name suggeriert, um ein Silikagestein, sondern um einen Vulkanit. Nichtsdestotrotz wird das Material bis heute fälschlich als Jaspis bezeichnet (Mavrodina 2007; Mindat.org 2024). Nach Internetangaben begann die Gewinnung als Dekormaterial 1778, ein Steinbruch wurde 1800 angelegt (Raspopov 2019). Schon Anfang des 19. Jahrhunderts rief der vermeintliche Jaspis vom Berg Aushtau am See Aushkul das Interesse der Naturforscher hervor. Alexander von Humboldt (1769–1859) konnte während seiner „Sibirischen Reise“ im Auftrag des russischen Zaren im Jahre 1829 wegen der widrigen Wetterumstände nicht persönlich an einer geplanten Exkursion an den See Aushkul teilnehmen. Stattdessen besuchten in seinem Auftrag die jüngeren Expeditionsteilnehmer Gustav Rose (1798–1873) und der zeitweilig beteiligte Deutsch-Balte Ernst Reinhold Hofmann (1801–1871) am 17. September die Umgebung des Sees, um dort „mehrere merkwürdige Gebirgsarten“ und eine Goldwäsche in Augenschein zu nehmen (Rose 1842; Hofmann und von Helmersen 1831). In der Beschreibung durch Rose wird das Gestein auf dem Berg Aushtau als Dioritporphyr bezeichnet: „Die Grundmasse war nämlich vorherrschend, gelblichweiß bis röthlichgrau, feinsplittrig und häufig mit Abbildung 6. Schalenförmiger Malachit mit Azurit auf Dolomit von Schwaz. Mineralsammlung der TU Bergakademie Freiberg, Inv.-Nr. MiSa 15941 (Detail). Originaletikett von Albin Julius Weisbach (1833–1901), datiert 1900. Bildbreite ca. 3 cm (Foto: Michael Wagner). Figure 6. Shell-shaped malachite with azurite on dolomite from Schwaz. Mineral collection of the TU Bergakademie Freiberg; inventory number MiSa 15941 (detail). Original label by Albin Julius Weisbach (1833–1901), dated 1900. Width of the image is about 3 cm (Photo: Michael Wagner).
Geologica Saxonica 71, 2025, 91–107 97 kleinen Dendriten auf den Kluftflächen durchzogen; nur sehr sparsam fanden sich darin kleine, wie die Grundmasse gefärbte Albitkrystalle, und noch seltener kleine graulichweisse Quarzkörner, aber keine Hornblendekrystalle. Aus dem Gestein bestand auch der Gipfel des Auschkul, keineswegs aber aus Quarz oder Hornstein, wie man angegeben hat.“ Dass Rose das Gestein als Dioritporphyr bezeichnet hat, erklärt sich aus seiner Annahme, dass es in den liegenden Bereichen nahtlos in einen Hornblende führenden Porphyr übergeht. Auch wenn diese Ansprache petrologisch nicht korrekt ist, hatte er richtig erkannt, dass es sich nicht um einen Jaspis bzw. ein Silikagestein, sondern um einen Vulkanit handelt. Auch Alexander Jewgenjewitsch Fersman (1883–1945) kam zu dem Schluss, dass das Material kein kryptokristalliner Jaspis, sondern ein kristallines Gestein ist (Yakovleva 1973). Die zuletzt zitierte Autorin veröffentlichte 1973 eigene Untersuchungsergebnisse zur petrographischen Natur des vermeintlichen Jaspis. Nach den Feldbefunden vermutete sie, dass sich der „Aushkuler Jaspis“ geologisch in direktem Kontakt mit Kalksteinen befindet. Die Autorin beschrieb mehrere Dünnschliffe und legte eine Gesamtgesteinsanalyse vor. Aus der Umrechnung der chemischen Analyse ergibt sich entsprechend der Phasenbestimmung im Durchlichtmikroskop eine Mineralzusammensetzung von 43% Albit, 25% Kalifeldspat, 25% Quarz und 7% Gibbsit, letzterer entstanden durch die Verdrängung von Albit. Außer den dunklen Dendriten wurden keine mafischen Bestandteile gefunden. Die bis 2,5 mm großen porphyrischen Einsprenglinge sind nach der Mikroskopie meist Albite, seltener Quarze. Die bräunlichen Bänder, die das Gestein durchziehen, werden von Yakovleva (1973) als sekundäre Trümer nicht genauer bezeichneter Zusammensetzung angesprochen. Röntgendiffraktometrisch konnten Albit, Kalifeldspat und Quarz bestätigt werden. Die Dendriten sollen sekundäre Bildungen entlang von Rissen sein, die aus organischen Substanzen bestehen, da die grauen bis schwarzen Strukturen bei der Erhitzung des Gesteins auf 900 °C verschwanden. Yakovleva (1973) bezeichnet den Vulkanit als Granitporphyr. Erstaunlicherweise kommt der Steinbruch am Berg Aushtau weder in den Geländebeschreibungen durch Rose (1842) noch durch Yakovleva (1973) vor. Wegen der ausgezeichneten Politur der Trägertafel des hier untersuchten Mosaiks und der sehr geringen Korngröße der Grundmasse von teils deutlich unter fünfzig Mikrometer war eine zerstörungsfreie Untersuchung des Gesteins unter dem Binokular, im Auflichtmikroskop, mit der RamanSpektroskopie sowie der Röntgendiffraktometrie (XRD) einschließlich der Rietveld-Analyse möglich. Für die Raman-Analysen wurde dasselbe Gerät genutzt wie oben beschrieben, betrieben unter den gleichen analytischen Bedingungen. Für die XRD-Messungen kam ein Röntgendiffraktometer vom Typ Orion Comet P2 der Firma XRD Eigenmann GmbH mit CoKαStrahlung zum Einsatz. Durch sorgfältige manuelle Positionierung und die Wahl geeigneter Divergenzblenden konnten ausgewählte, wenige Millimeter große rechteckige Bereiche der Oberfläche erfasst werden. Die Gerätekonfiguration gestattete eine gefahrlose horizontale Lage des Objektes während der Untersuchungen. Nach Auswertung der Messungen mit der Rietveld-Analyse besteht das Gestein aus 41% Albit (laut Raman-Spektroskopie chemisch ein Plagioklas mit erheblichen Kalziumgehalten und einer Zusammensetzung nahe der Grenze Albit/Oligoklas), 23–24% Kalifeldspat (davon 14% Maximum-Mikroklin und 9–10% eines zweiten Feldspates mit einem niedrigen Ordnungsgrad nahe Orthoklas mit einem Trend zum Sanidin) und 31% Quarz. Es wurden weder Gibbsit noch Jarosit festgestellt. Bei dem vermeintlichen Gibbsit handelt es sich um einen 2M1 Muskowit oder Illit, dessen Gehalt zwischen 3 und 5 % liegt. Röntgendiffraktometrisch wurden keine amorphen Anteile festgestellt. Die makroskopisch sichtbaren Dendriten sind nicht an sekundäre Kluftflächen gebunden, wie Rose (1842) angibt und werden vorrangig auch nicht durch organiAbbildung 7. „Russisches Mosaik“ aus Malachit auf sogenanntem „Aushkuler Jaspis“ (einem Effusivgestein aus dem Ural) aus der Kaiserlichen Schleifmühle in Jekaterienburg. Mosaik (Vorderseite, oben) defekt. Rückseite (unten) mit ausgezeichneter Politur. 7,8×5,6×0,4 cm. Mineralsammlung der TU Bergakademie Freiberg, Inv.-Nr. MiSa 15967. Originaletikett von Albin Julius Weisbach, datiert 1883 (Fotos: Ulf Kempe). Figure 7. “Russian mosaic” made of malachite on so-called “Aushkul jasper” (an effusive rock from the Urals) in the Imperial Grinding Mill in Yekatarinburg. The mosaic (top, show side) is partly damaged. The back side (bottom) with excellent polishing. 7,8×5,6×0,4 cm. Mineral collection of the TU Bergakademie Freiberg; inventory number MiSa 15967. Original label by Albin Julius Weisbach, dated 1883 (Photos: Ulf Kempe).
Kempe U, Wagner M: Künstlich, sächsisch oder …? 98 sche Substanzen gebildet. Die grau-durchsichtigen bis durchscheinenden dendritischen Strukturen bestehen laut Raman-Spektroskopie aus grauem transparentem Kalifeldspat mit Einschlüssen von weißen Tafeln aus reinem Albit (Pertith). Dagegen enthält die helle und undurchsichtige, von bräunlichen Bändern durchzogene restliche Gesteinsmatrix fast nur Albit und Quarz (Abb. 8). Vermutlich kam es bei der Erhitzung auf 900 °C während der Untersuchungen durch Yakovleva (1973) zu einer Trübung des Kalifeldspates, der sich dadurch optisch an die restliche Matrix anglich. Lokal konnte mit dem Raman-Mikroskop ungeordneter Graphit („black carbon“) nachgewiesen werden. Dieser bildet schwarze längliche Einschlüsse an den Rändern der Dendriten und an den Korngrenzen der wenigen Phenokristen (Abb. 9). Für die bräunlichen Färbungen des Albits der Grundmasse sind vermutlich Eisenhydroxide verantwortlich, die jedoch analytisch nicht nachgewiesen werden konnten. Das Eisen stammt wohl aus den Phasen, die, von einem bräunlichen Hof umgeben, unter dem Mikroskop als sehr kleine Mineralkörner gut zu erkennen sind. Möglicherweise handelte es sich dabei ursprünglich um Sulfide, da Yakovleva (1973) qualitativ erhöhte Schwefelgehalte im Gesamtgestein nachweisen konnte. Die entsprechenden Raman-Spektren konnten wegen der geringen Größe der Körner leider nicht schlüssig ausgewertet werden. In Übereinstimmung mit Rose (1842) und Yakovleva (1973) wurden die wenigen, bis 2 mm großen Phenokristen Raman-spektroskopisch überwiegend als Albite bestimmt. Im untersuchten Beispiel konnten acht Albitund ein Quarzkristall nachgewiesen werden, die sehr ungleichmäßig über die Fläche verteilt sind. Allein fünf der Kristalle befinden sich in nur einem Quadranten der Tafel. Petrologisch lässt sich das Gestein nicht eindeutig klassifizieren. Mineralogisch handelt es sich laut Streck eisen-Diagramm um einen Rhyolith. Chemisch fällt der Vulkanit wegen der moderaten SiO2und der hohen Alkaligehalte im TAS-Diagramm in das Feld der Trachydacite. Rechnet man die Mineralzusammensetzung aus den Rietveld-Analysen in chemische Gehalte der Oxide um, ergeben sich deutlich höhere SiO2-Gehalte als in der Analyse von Yakovleva (1973), nämlich 75,75 wt.% gegen 69,48 wt.% aus der chemischen Analyse und niedrigere für Al2O3 (14,85 wt.% statt 18,83 wt.%) bei vergleichbaren Na2O- (4,83 wt.% versus 4,99 wt.%) und K2O-Gehalten (4,42 wt.% versus 4,28 wt.%). Wegen der verwendeten Strukturmodelle werden die Gehalte an Fe2O3 (0,48 wt.%), CaO (0,42 wt.%) und MgO (0,45 wt.%) hier nicht berücksichtigt, ebenso wie der H2O-Gehalt (1,09 wt.%). Zusammenfassend kann man sagen, dass es sich bei dem Vulkanit vom Aushtau um ein im wahrsten Sinne des Wortes merkwürdiges Gestein handelt, dessen Genese weiterer Aufklärung bedarf. Angemerkt sei noch, dass eine sehr enge Assoziation von Kalifeldspat und eingewachsenem ungeordnetem Graphit auch in einem metamorph stark überprägten Porphyr aus den Herzyniden der Belle-Ile (Südbritannien, Frankreich) beobachtet werden konnte (Schulz et al. 2002). Diese Angaben wurden durch neue RamanUntersuchungen an den Originalschliffen bestätigt. Das Gebiet des Aushkul ist nicht nur geologisch, sondern auch landschaftlich und kulturhistorisch bemerkensAbbildung 8. „Aushkuler Jaspis“, MiSa 15967: Durchsichtige bis durchscheinende gräulich-bräunliche Dendritstrukturen aus Kalifeldspat mit Einschlüssen von tafeligem Albit (weiß) in trüb-weißer Matrix aus Plagioklas und Quarz, durchzogen von bräunlichen Bändern. Mikroskopische Aufnahme im Auflicht (Foto: Ulf Kempe). Figure 8. So-called “Aushkul jasper”, MiSa 15967: Transparent to translucent greyish-brownish dendritic structures consisting of K-feldspar with platy white albite inclusions in the cloudywhite matrix formed by plagioclase and quartz with brownish coloured bands. Microscope image in reflected light (Photo: Ulf Kempe). Abbildung 9. „Aushkuler Jaspis“, MiSa 15967: Ungeordneter Graphit („black carbon“) im Randbereich eines Phenocryst aus Albit in trüb-weißer Matrix aus Plagioklas und Quarz. Dendrit aus Kalifeldspat in der rechten Bildhälfte. Mikroskopische Aufnahme im Auflicht (Foto: Ulf Kempe). Figure 9. So-called “Aushkul jasper”, MiSa 15967: Disordered graphite ( “black carbon”) in the border region of a phenocyst of albite in the cloudy-white matrix formed by plagioclase and quartz. A dendritic structure composed of K-feldspar on the right. Microscope image in reflected light (Photo: Ulf Kempe).
Geologica Saxonica 71, 2025, 91–107 99 wert. Der Aushtau bildet die höchste Erhebung in weitem Umfeld mit einem herrlichen Ausblick auf die umliegenden Landschaften des Urals (Abb. 10). Auf seiner Spitze befinden sich drei den Baschkiren heilige Gräber. Einer der Grabsteine trägt eine arabische Inschrift. Am Berg entspringt zudem eine heilige Quelle, benannt nach dem Heiligen Aulij, der oben auf der Bergkuppe begraben liegt. Die Quelle fließt nur einige Wochen im Frühling, da sie sich ausschließlich aus den lokalen Niederschlägen speist. Bei den „Russischen Mosaiken“ werden einzelne kleinere Stücke optisch so aneinander angepasst, dass sich die benachbarten Strukturen ergänzen, als ob sie von einer größeren Stufe stammen. Diesen makroskopischen Eindruck vermittelt auch das hier untersuchte Mosaik (Abb. 7). Die Betrachtung unter dem Mikroskop belegt jedoch, dass die Teilstücke nicht immer passgenau aneinanderstoßen. Die verbliebenen Zwischenräume wurden durch kleinere Bruchstücke und Malachitstaub zusammen mit einem Bindemittel aufgefüllt und dann gemeinsam mit den größeren, unregelmäßigen Malachitstücken poliert (Abb. 11). Bei flüchtiger Betrachtung fällt dieser Umstand kaum ins Auge. Ähnliche Beobachtungen zur Beschaffenheit „Russischer Mosaike“ konnten anlässlich eines Besuches in Schloss Kynžvart in Nordböhmen an mehreren größeren Prunkvasen gemacht werden (Abb. 12). Diese Vasen wurden durch den russischen Zaren Alexander I. (1777– 1823) Anfang des 19. Jahrhunderts an den österreichischen Außenminister und Kanzler Fürst Klemens Wenzel Lothar von Metternich (1773–1859) in Wien überreicht. Später wurden sie in das Schloss Kynžvart überführt. Zwei weitere Schatzkammerobjekte mit Malachit im Bestand des Grünen Gewölbes Zur Bestätigung der Herkunft des Malachits unter dem „Bergsänger“ wurden mit der transportablen RFA Vergleichsanalysen an verschiedenen Malachitobjekten Abbildung 10. Der Berg Aushtau am See Aushkul (Ural, Russland). Die Kuppe des Berges besteht aus „Aushkuler Jaspis“ (Foto: © Quarkgluonplasma, „Рассвет на Аушкуле“, CC BY 3.0). Figure 10. The Aushtau hill near the lake Aushkul (Urals, Russia). The top of the hill is formed by “Aushkul jasper” (Foto: © Quarkgluonplasma, „Рассвет на Аушкуле“, CC BY 3.0). Abbildung 11. „Russisches Mosaik“, Detail. Die Zwischenräume zwischen den Malachitplättchen sind mit kleineren Bruchstücken, Malachitstaub und einem Bindemittel ausgefüllt. Mi ne ralsammlung der TU Bergakademie Freiberg, Inv.-Nr. MiSa 15967. Mikroskopische Aufnahme im Auflicht (Foto: Ulf Kempe). Figure 11. “Russian mosaic”, detail. The space between the plates of malachite is filled with a mixture of small particles of malachite, malachite powder and a filler. Mineral collection of the TU Bergakademie Freiberg; inventory number MiSa 15967. Microscope image in reflected light (Photo: Ulf Kempe).
Kempe U, Wagner M: Künstlich, sächsisch oder …? 106 benen Schaustufe als fehlerhaft. Die Untersuchungen an dem synthetischen Malachit belegen zudem, dass die Unterscheidung des künstlichen Materials aus der Hydrothermalsynthese von den natürlichen Malachiten aus den kongolesischen Lagerstätten selbst mit Hilfe analytischer Methoden im Einzelfall schwierig sein kann. Darüber hinaus verdeutlichen die hier vorgestellten Ergebnisse, dass unter Hinzuziehung zerstörungsfreier Elementanalytik auch wichtige Erkenntnisse für die Provenienzforschung von Steinschnittobjekten in den Museen gewonnen werden können. Danksagungen Die Autoren danken Maximilian Mrozek (Freiberg, TU BAF) für die Hilfe bei den Recherchen in den Beständen der Mineralogischen Sammlungen der TU Bergakademie Freiberg. Reinhard Kleeberg (Freiberg, TU BAF) sei für die unkomplizierte Unterstützung bei der Untersuchung des Aushkuler Jaspis mittels der XRD-Analyse und die Auswertung der Resultate mit der Rietveld-Methode gedankt. Rainer Richter (Dresden, Grünes Gewölbe) hat die schwierigen RFA-Messungen am Malachit unter dem „Bergsänger“ und die an der synthetischen Malachitstufe durchgeführt. Die Autoren möchten ihm dafür ebenso herzlich danken wie für seine fachliche Unterstützung bei der Begutachtung und der weiteren Untersuchung des Steinmaterials an der Prunkuhr. Literatur Arit T (1994) Geologie und Vererzungen im Raum Schwaz–Brixlegg. Lapis (7/8): 22–27. Arit T, Martinek KP (1994) Die Mineralvorkommen des Bergbaugebietes Schwaz–Brixlegg. Katalog der 31. Münchner Mineralientage, München, Bode-Verlag, 71–73. Balitsky VS, Bublikova TM, Sorolzjna SL, Balitskaya LV, Shteinberg AS (1987) Man-Made Jewelry Malachite. Gems & Gemology 23(3): 152–157. https://doi.org/10.5741/GEMS.23.3.152 Breeding CM, Shen A (2011) LA-ICP-MS analysis as a tool for separating natural and synthetic malachite. News from Research, GIA. https://www.gia.edu/doc/malachite-LA-ICP-MS.pdf [aufgerufen am 12.12.2023]. 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