Berufliche Bildung im Handwerk: Entwicklungen und Herausforderungen im Kontext von Digitalisierung und demografischem Wandel
Abstract
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Full text
Ebbinghaus, Margit et al. Research Report Berufliche Bildung im Handwerk: Entwicklungen und Herausforderungen im Kontext von Digitalisierung und demografischem Wandel Wissenschaftliche Diskussionspapiere, No. 179 Provided in Cooperation with: Federal Institute for Vocational Education and Training (BIBB), Bonn Suggested Citation: Ebbinghaus, Margit et al. (2016) : Berufliche Bildung im Handwerk: Entwicklungen und Herausforderungen im Kontext von Digitalisierung und demografischem Wandel, Wissenschaftliche Diskussionspapiere, No. 179, ISBN 978-3-945981-64-1, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0035-0630-8 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/236145 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/
WISSENSCHAFTLICHE DISKUSSIONSPAPIERE Margit Ebbinghaus | Friedrich Hubert Esser | Irmgard Frank Monika Hackel | Michael Härtel | Robert Helmrich Elisabeth M. Krekel | Alexandra Kurz | Bettina Milde Berufliche Bildung im Handwerk Entwicklungen und Herausforderungen im Kontext von Digitalisierung und demografischem Wandel
WISSENSCHAFTLICHE DISKUSSIONSPAPIERE Heft 179 Margit Ebbinghaus | Friedrich Hubert Esser | Irmgard Frank Monika Hackel | Michael Härtel | Robert Helmrich Elisabeth M. Krekel | Alexandra Kurz | Bettina Milde Berufliche Bildung im Handwerk Entwicklungen und Herausforderungen im Kontext von Digitalisierung und demografischem Wandel
Die WISSENSCHAFTLICHEN DISKUSSIONSPAPIERE des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) werden durch den Präsidenten herausgegeben. Sie erscheinen als Namensbeiträge ihrer Verfasser und geben deren Meinung und nicht unbedingt die des Herausgebers wieder. Sie sind urheberrechtlich geschützt. Ihre Veröffentlichung dient der Diskussion mit der Fachöffentlichkeit. Dieses Wissenschaftliche Diskussionspapier geht auf einen Auftrag der Enquete-Kommission VI zur „Zukunft von Handwerk und Mittelstand in Nordrhein-Westfalen gestalten – Qualifikation und Fachkräftenachwuchs für Handwerk 4.0 sichern, Chancen der Digitalisierung nutzen, Gründungskultur und Wettbewerbsfähigkeit stärken“ des Landtags von Nordrhein-Westfalen an das Bundesinstitut für Berufsbildung zum 28.6.2016 zurück (Landtag NRW Information 16/395). Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. © 2016 by Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn Umschlaggestaltung: CD Werbeagentur Troisdorf Satz: W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG Herstellung: Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn Bestell-Nr.: 14.179 Bundesinstitut für Berufsbildung Arbeitsbereich 1.4 – Publikationsmanagement/Bibliothek Robert-Schuman-Platz 3 53175 Bonn Internet: www.bibb.de E-Mail: [email protected] ISBN 978-3-945981-64-1 CC-Lizenz Der Inhalt dieses Werkes steht unter einer Creative-Commons-Lizenz (Lizenztyp: Namensnennung – Keine kommerzielle Nutzung – Keine Bearbeitung – 4.0 Deutschland). Weitere Informationen finden Sie im Internet auf unserer Creative- Commons-Infoseite www.bibb.de/cc-lizenz. Diese Netzpublikation wurde bei der Deutschen Nationalbibliothek angemeldet und archiviert: urn:nbn:de: Internet: www.bibb.de/veroeffentlichungen
Vorwort Liebe Leserin, lieber Leser, das Handwerk ist mit mehr als einer Million Unternehmen und rund 5,4 Millionen Beschäftige eine der tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft. Nordrhein-Westfalen hat daran mit derzeit etwa 190.000 Betrieben mit 1,1 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen gro ßen Anteil. Das Handwerk erbringt zugleich eine hohe Ausbildungsleistung: Bundesweit lernen etwa 370.000 junge Männer und Frauen einen dualen Ausbildungsberuf, davon 81.100 (21,1%) in Nordrhein-Westfalen. Trotz dieser Zahlen wird es für das Handwerk zunehmend schwierig, den Fachkräftebedarf zu decken. Junge Schulabgänger und -abgängerinnen neigen heute eher zum Studium als zur Be rufsausbildung. Zusammen mit der demografischen Entwicklung führt dies dazu, dass die Zahl junger Menschen, aus denen das Handwerk traditionell seine Auszubildenden rekrutiert, zu rückgeht. Aufgrund dieser Entwicklung wird die Bedeutung des – ansonsten vielfach gelobten – dualen Systems in der öffentlichen Meinung immer häufiger bezweifelt. Richtig ist, dass insbesondere Klein- und Kleinstbetriebe im Handwerk – viele Jahre das Rück grat des dualen Ausbildungssystems – im Wettbewerb um die besten Köpfe zunehmend zurück fallen, weil sie beispielsweise häufig mit ihren Möglichkeiten und Angeboten gegenüber Groß betrieben das Nachsehen haben. In der Folge können angebotene Ausbildungsplätze im Handwerk nicht mehr besetzt werden, Beschäftigungsmöglichkeiten und Karrierechancen blei ben daher ungenutzt. Es stellt sich also die Frage, wie Berufsausbildung und Beschäftigung im Handwerk wieder at traktiver werden können. Denn dies muss deutlich gesagt werden: Angebote der beruflichen Bil dung mögen noch so modern und innovativ sein, wenn sie nicht mit interessanten Beschäfti gungsmöglichkeiten verbunden sind, werden sie die gewünschten Effekte nicht erzielen. Für die Berufsbildung bedeutet dies, dass die bestehenden Bildungswege durchlässiger zu ge stalten sind. Ein Ansatz besteht in der Förderung horizontaler und vertikaler Durchlässigkeit, z.B. durch die Umsetzung eines „erweiterten Berufslaufbahnkonzeptes“. Es ist dabei das Ziel, Übergänge innerhalb des berufsbildenden Systems sowie zwischen Berufsbildung und Hoch schule aufzuzeigen. Indem ansprechende Karrierewege entwickelt werden, z.B. durch Anrech nung von Studienleistungen oder durch verbesserte Rahmenbedingungen, kann die Attraktivität einer Ausbildung im Handwerk gesteigert und als „Marke“ in der öffentlichen Wahrnehmung verankert werden. Das Handwerk zeichnet sich insgesamt durch eine hohe Innovationsbereitschaft aus. Diese sollte genutzt und weiterentwickelt werden: Es wird sich auszahlen, neue und ungewohnte Wege zu betreten. Prof. Dr. Friedrich H. Esser Präsident Vorwort WDP 179 3
Inhaltsverzeichnis Abbildungen .............................................................. 5 Tabellen .................................................................. 6 Vorbemerkung ............................................................. 8 IEinführung ............................................................ 9 1Methodische Anmerkungen, Datengrundlage .................................. 9 2Allgemeine Herausforderungen für die berufliche Bildung im Handwerk ........... 10 II Zur Entwicklung von Ausbildung und Beschäftigung im Handwerk .......... 13 1Bevölkerung: Struktur und Entwicklung ..................................... 13 2Unternehmen und Beschäftigung im Handwerk ............................... 17 3Ausbildung im Handwerk ................................................. 19 4Fortbildung im Handwerk ................................................ 25 III Berufliche Bildung im Handwerk: Themenfelder der Enquete-Kommission ... 28 1Anforderungen der Ausbildung an Jugendliche ............................... 28 2Arbeitswelt und Berufsbilder im Wandel ..................................... 33 3Verzahnung und Durchlässigkeit von Berufsbildern ............................ 36 4Verzahnung von beruflicher und akademischer Bildung ........................ 40 5Qualität und Vergleichbarkeit von Angeboten der beruflichen Bildung ............. 44 IV Schlussfolgerungen und Empfehlungen .................................. 48 1Horizontale und vertikale Durchlässigkeit fördern ............................. 49 2Attraktive Karrierewege gestalten .......................................... 52 3Rahmenbedingungen verbessern .......................................... 53 Literatur ................................................................. 55 Anhang A ................................................................ 59 Daten- und Informationsquellen .............................................. 60 Abbildungen ............................................................... 61 Tabellen .................................................................. 64 Anhang B ................................................................ 81 Zukünftige Entwicklung und Erwerbschancen im Handwerk in NRW ............. 82 Robert Helmrich/Tobias Maier/Caroline Neuber-Pohl 1Einleitung ............................................................. 82 2Methodisches Vorgehen .................................................. 83 4WDP 179 Inhaltsverzeichnis
3Darstellung der Projektionsergebnisse auf Bundesebene und für Nordrhein- Westfalen nach Berufshauptfeldern ........................................ 84 4Zusammenfassende Ergebnisse ............................................ 91 Literatur .................................................................. 94 Abstract .................................................................. 96 Abbildungen Abb. 1: Struktur des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) ...................... 12 Abb. 2: Bevölkerungsentwicklung zwischen 2005 und 2014 in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Deutschland insgesamt (2005 = 100%) ....................... 14 Abb. 3: Relative Veränderung der Anzahl der Absolventinnen und Absolventen sowie Abgängerinnen und Abgänger allgemeinbildender Schulen in Nordrhein- Westfalen, Bayern und Deutschland insgesamt zwischen 2005 und 2014 (2005 = 100%) .................................................... 15 Abb. 4: Entwicklung der Absolventinnen und Absolventen sowie Abgängerinnen und Abgänger allgemeinbildender Schulen nach Abschlussart in Nordrhein- Westfalen zwischen 2005 und 2014 .................................... 16 Abb. 5: Anteil Beschäftigter an tätigen Personen nach Gewerbegruppen des zulassungspflichtigen Handwerks zum Stichtag 31.12.2012 (in %) ............. 18 Abb. 6: Anteil geringfügig entlohnter Beschäftigter an allen Beschäftigten nach Gewerbegruppen des zulassungspflichtigen Handwerks zum Stichtag 31.12.2012 (in %) .................................................... 19 Abb. 7: Zahl der Ausbildungsplatznachfragerinnen und Ausbildungsplatznachfrager auf 100 betriebliche Ausbildungsplatzangebote im Jahr 2015 ................ 23 Abb. 8: Schulische Vorbildung der Auszubildenden mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag in ausgewählten Berufen, Deutschland 2014 (in %) ....... 30 Abb. 9: Schulische Vorbildung der Auszubildenden mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag in ausgewählten Berufen, NRW 2014 (in %) .............. 31 Abb. 10: Anteil verschiedener Studienformen an dualen Studiengängen insgesamt gegenüber dualen Studiengängen im Handwerk (in %) .................... 42 Abb. 11: Modell eines erweiterten Berufslaufbahnkonzeptes des Kfz-Handwerks im Kontext DQR ...................................................... 50 Abb. A1: Entwicklung der Absolventinnen und Absolventen sowie Abgängerinnen und Abgänger allgemeinbildender Schulen nach Abschlussart in Bayern zwischen 2005 und 2014 ..................................................... 61 Abb. A2: Entwicklung der Absolventinnen und Absolventen sowie Abgängerinnen und Abgänger allgemeinbildender Schulen nach Abschlussart in Deutschland zwischen 2005 und 2014 ............................................. 61 Abb. A3: Anteil Beschäftigter an tätigen Personen nach Gewerbegruppen des zulassungsfreien Handwerks zum Stichtag 31.12.2012 (in %) ................. 62 Abbildungen WDP 179 5
Abb. A4: Anteil geringfügig entlohnter Beschäftigter an allen Beschäftigten nach Gewerbegruppen des zulassungsfreien Handwerks zum Stichtag 31.12.2012 (in %) ........................................................... 62 Abb. A5: Bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldete Bewerberinnen und Bewerber, die in eine Ausbildung eingemündet sind, nach schulischer Vorbildung 2011 bis 2015 (Deutschland, NRW und Bayern in %) ........................... 63 Abb. B1: Entwicklungen bei Metall-, Anlagenbau, Blechkonstruktion, Installation, Montiererinnen und Montierern, Elektroberufen (Berufshauptfeld 2b) ........ 85 Abb. B2: Entwicklungen im Berufshauptfeld 2b in Nordrhein-Westfalen .............. 85 Abb. B3: Die Entwicklung im Berufshauptfeld 2c „Bauberufe, Holz, Kunststoff be- und verarbeitende Berufe“ .............................................. 86 Abb. B4: Entwicklungen im Berufshauptfeld 2c in Nordrhein-Westfalen .............. 87 Abb. B5: Die Entwicklung im Berufshauptfeld 2d „Sonstige be-, verarbeitende und instand setzende Berufe, Fahr-, Flugzeugbau, Wartungsberufe“ ............ 87 Abb. B6: Entwicklungen im Berufshauptfeld 2d in Nordrhein-Westfalen .............. 88 Abb. B7: Die Entwicklung im Berufshauptfeld 4a „Berufe im Warenhandel“ ........... 89 Abb. B8: Entwicklungen im Berufshauptfeld 4a in Nordrhein-Westfalen .............. 89 Abb. B9: Die Entwicklung im Berufshauptfeld 6b „Reinigungs-, Entsorgungsberufe“ ... 90 Abb. B10: Entwicklungen im Berufshauptfeld 6b in Nordrhein-Westfalen .............. 90 Abb. B11: Vergleich prozentualer Abweichungen Arbeitsangebot/-bedarf des Landes Nordrhein-Westfalen mit der Bundesebene ............................. 91 Tabellen Tab. 1: Allgemeine Schulausbildung der sich im Jahr 2014 nicht mehr in schulischer Ausbildung befindlichen Bevölkerung ab 15 Jahren (Angaben in Tsd.)* ........ 14 Tab. 2: Unternehmen und Handwerksunternehmen 2009 und 2012 ................. 17 Tab. 3: Anzahl der Berufe im Handwerk ....................................... 20 Tab. 4: 2016 voraussichtlich in Kraft tretende Ausbildungsordnungen im Handwerk .... 21 Tab. 5: Entwicklung der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung zwischen 2005 und 2015 insgesamt und im Handwerk in Euro ............... 24 Tab. 6: Erfolgsquoten bei Ausbildungsabschlussprüfungen im Jahr 2014 differenziert nach Schulabschluss in der dualen Berufsausbildung insgesamt und Handwerk ........................................................ 25 Tab. 7: Meisterprüfungen und Erfolgsquoten in ausgewählten Gewerken 2014, Deutschland....................................................... 27 Tab. 8: Frauenanteil sowie Ausländerinnen- und Ausländeranteil an allen Auszubildenden in ausgewählten Berufen 2014 (in %) ..................... 33 Tab. 9: Duale Studiengänge, beteiligte Unternehmen und dual Studierende im Handwerk nach Fachrichtung ......................................... 41 Tab. 10: Duale Studiengänge, beteiligte Unternehmen und dual Studierende im Handwerk nach Bundesland.......................................... 41 Tab. T1: Entwicklung der Berufe im Handwerk (HwO) 2006 bis 2015 .................. 64 6WDP 179 Tabellen
Tab. T2: Unterweisungsintensität ÜBS 2015...................................... 65 Tab. T3: Betriebliches Angebot und unbesetzte betriebliche Stellen nach Zuständigkeitsbereichen 2010 bis 2015 .................................. 66 Tab. T4: Anteil unbesetzter Plätze am betrieblichen Ausbildungsplatzangebot in 63 stärker besetzten Ausbildungsberufen (Nordrhein-Westfalen, 2015)........... 68 Tab. T5: Fortbildungsregelungen des Bundes nach §53 Abs.2 BBiG und §42 Abs.2 HwO .. 70 Tab. T6: Studien zu IT- und Medienkompetenzen/digitalen Kompetenzen (Auswahl) .... 71 Tab. T7: Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge in ausgewählten Handwerksberufen nach höchstem allgemeinbildenden Schulabschluss 2007 bis 2014 (Deutschland)...................................................... 75 Tab. T8: Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge in ausgewählten Handwerksberufen nach höchstem allgemeinbildenden Schulabschluss 2007 bis 2014 (Nordrhein-Westfalen) .............................................. 77 Tab. T9: Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge in ausgewählten Handwerksberufen nach höchstem allgemeinbildenden Schulabschluss 2007 bis 2014 (Bayern) .......................................................... 79 Tab. B1: Erwerbstätige in Tausend Personen im Berufshauptfeld „Bauberufe, Holz, Kunststoff be- und verarbeitende Berufe“ insgesamt sowie nach den drei am stärksten besetzten Wirtschaftszweigen .............................. 86 Tab. B2: Flexibilitätsmatrix (Deutschland) ...................................... 92 Tab. B3: Flexibilitätsmatrix (NRW) ............................................. 93 Tabellen WDP 179 7
(32,1%), gefolgt von Personen mit einem Real- oder gleichwertigen Schulabschluss (22,4%). Mit einem Anteil von 5,3% hatte gut jeder zwanzigste der Einwohnerinnen und Einwohner Nordrhein-Westfalens im Alter von über 15 Jahren, der sich nicht mehr in schulischer Ausbil dung befand, keinen allgemeinbildenden Schulabschluss. In der Vergleichsbevölkerung Bayerns verfügten im Jahr 2014 43,9% über einen Haupt- bzw. Volksschulabschluss, 27,8% über die Fachhochschul- oder Hochschulreife und 24,0% über einen Real- oder gleichwertigen Schulab schluss; der Anteil derjenigen über 15 Jahre, der sich nicht mehr in schulischer Ausbildung be fand und über keinen allgemeinbildenden Schulabschluss verfügte, belief sich auf 2,9% (Statis tisches Bundesamt 2015d, S.42; eigene Berechnungen). Tabelle 1 Allgemeine Schulausbildung der sich im Jahr 2014 nicht mehr in schulischer Ausbildung befindlichen Bevölkerung ab 15 Jahren (Angaben in Tsd.)* Land ohne allgemeinen Schulabschluss Hauptschulabschluss Abschluss polytechni sche Ober schule Realschul- oder gleichwertiger Abschluss Fachhoch schul- oder Hochschulabschluss ohne Angabe zur Art des Abschlusses Nordrhein-Westfalen 767 (5,3%) 5.744 (39,5%) 87 (0,6%) 3.258 (22,4%) 4.670 (32,1%) 22 (0,2%) Bayern 301 (2,9%) 4.635 (43,9%) 102 (1,0%) 2.533 (24,0%) 2.937 (27,8%) 39 (0,4%) Deutschland insgesamt 2.554 (3,8%) 23.746 (35,2%) 4.858 (7,2%) 15.931 (23,6%) 20.218 (30,0%) 164 (0,2%) Früheres Bundesgebiet 2.348 (4,2%) 21.472 (38,6%) 473 (0,9%) 14.081 (25,3%) 17.150 (30,8%) 123 (0,2%) * Ohne Personen, die keine Angaben zur allgemeinen Schulbildung machten Quelle: Statistisches Bundesamt 2015d, S.42 Dass die Gruppe der über 15-jährigen Einwohnerinnen und Einwohner mit Hauptschulabschluss, die sich nicht mehr in schulischer Ausbildung befinden, in Nordrhein-Westfalen um 4,3 Prozentpunkte über dem gesamtdeutschen Anteil von 35,2% liegt (Bayern: +8,7 Prozentpunkte), geht Abbildung 2 Bevölkerungsentwicklung zwischen 2005 und 2014 in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Deutsch land insgesamt (2005 = 100%) 96 97 98 99 100 101 102 2014 2013 2012 2011 2010 2009 2008 2007 2006 2005 Bayern Nordrhein-Westfalen Deutschland insgesamt Datenbasis ab 2011: Zensus 2011; Datenbasis bis 2010: frühere Zählungen Quelle: Statistisches Bundesamt 2015b, S.20; eigene Berechnungen 14 WDP 179 Zur Entwicklung von Ausbildung und Beschäftigung im Handwerk II
in erster Linie auf die unterschiedlichen Schulsysteme in den beiden deutschen Landesteilen bis zur Wiedervereinigung zurück. Daher ist in Tabelle 1 ergänzend die allgemeine Schulausbildung der im Jahr 2014 im früheren Bundesgebiet lebenden Bevölkerung ausgewiesen, die über 15 Jahre alt ist und sich nicht mehr in schulischer Ausbildung befindet. Von diesen verfügten knapp 38,6% über einen Haupt- bzw. Volksschulabschluss (ebd., S.42; eigene Berechnungen). Während bei einer auf die Gesamtbevölkerung (ab 15 Jahren) bezogenen Betrachtung der all gemeinen Schulausbildung der Trend zu höheren Schulabschlüssen nur bedingt erkennbar ist, zeigt sich dieser bei einer auf die Abgängerinnen und Abgänger sowie Absolventinnen und Ab solventen des allgemeinbildenden Schulsystems bezogenen Betrachtung wesentlich deutlicher. Bundesweit ist die Zahl der Abgängerinnen und Abgänger sowie Absolventinnen und Absol venten aus allgemeinbildenden Schulen in den letzten zehn Jahren deutlich rückläufig. Demge genüber ist ihre Zahl in Nordrhein-Westfalen zunächst erst noch angestiegen und weist erst seit einigen Jahren – durchbrochen durch die Effekte doppelter Abiturientenjahrgänge – einen leicht rückläufigen Trend auf. Eine vergleichbare Entwicklung zeigt sich für Bayern (Abbildung 3). Abbildung 3 Relative Veränderung der Anzahl der Absolventinnen und Absolventen sowie Abgängerinnen und Abgänger allgemeinbildender Schulen in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Deutschland insge samt zwischen 2005 und 2014 (2005 = 100%) Bayern Nordrhein-Westfalen Deutschland insgesamt 80 90 100 110 120 130 2014 2013 2012 2011 2010 2009 2008 2007 2006 2005 Quelle: Statistisches Bundesamt 2014, Statistisches Bundesamt 2015c; eigene Berechnungen Eine differenziertere Betrachtung zeigt, dass sich die Zusammensetzung der das allgemeinbil dende Schulsystem verlassenden jungen Menschen über die letzten zehn Jahre deutlich verän dert hat. So ist in Nordrhein-Westfalen insbesondere die Anzahl derjenigen erheblich zurückge gangen, die das allgemeinbildende Schulsystem maximal mit einem Hauptschulabschluss verlassen; ihre Zahl war 2014 um rund 18.000 geringer als noch zehn Jahre zuvor. Das ent spricht einem Minus von 29%. Demgegenüber ist die Zahl derjenigen erheblich gestiegen, die über eine Studienberechtigung verfügen, und zwar gegenüber 2005 um knapp 17.000 im Jahr 2014 (Abbildung 4), was einem Plus von 27% entspricht. Damit ist der Anteil der das allgemeinbildende Schulsystem maximal mit einem Hauptschulabschluss Verlassenden an allen Abgängerinnen und Abgängern sowie Ab solventinnen und Absolventen von 29,3% im Jahr 2005 auf 21,1% im Jahr 2014 gesunken und der Anteil der Studienberechtigten von 29,2% auf 37,5% gestiegen. Relativ konstant erweisen sich Anzahl und Anteil der das allgemeinbildende Schulsystem mit einem mittleren Abschluss verlassenden Schülerinnen und Schüler (2005: 41,5%; 2014: 41,4%). 1Bevölkerung: Struktur und Entwicklung WDP 179 15
Abbildung 4 Entwicklung der Absolventinnen und Absolventen sowie Abgängerinnen und Abgänger allgemein bildender Schulen nach Abschlussart in Nordrhein-Westfalen zwischen 2005 und 2014 40.000 60.000 80.000 100.000 120.000 2014 2013 2012 2011 2010 2009 2008 2007 2006 2005 (Fach-)Hochschulreife mittlerer Abschluss maximal Hauptschulabschluss Quelle: Statistisches Bundesamt 2014, Statistisches Bundesamt 2015c Im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen sind die Verschiebungen in der abschlussbezogenen Zu sammensetzung der Schülerinnen und Schüler, die das allgemeinbildende Schulsystem verlas sen, in Bayern noch ausgeprägter (hierzu Abbildung A1 Anhang A). Hier bildeten Abgängerin nen und Abgänger sowie Absolventinnen und Absolventen mit maximal Hauptschulabschluss im Jahr 2005 mit einem Anteil von 41,2% noch die größte Gruppe (mittlerer Abschluss: 39,5%; Studienberechtigung: 19,3%). Innerhalb von zehn Jahren reduzierte sich ihre Anzahl so weit, dass es sich nunmehr (2014) mit 26,5% um die kleinste Gruppe handelt (mittlerer Abschluss: 46,0%; Studienberechtigte: 27,5%). Auch auf Bundesebene stellt die Gruppe derjenigen, die das allgemeinbildende Schulsystem maximal mit einem Hauptschulabschluss verlassen, inzwi schen die kleinste Gruppe dar (2014: 25,4%). Zehn Jahre zuvor waren dies noch die Studienbe rechtigten (2005: 22,8%) (Abbildung A2 Anhang A). Inwieweit diese Trends durch die Zuwan derung von jungen Geflüchteten aufgehalten werden, ist heute noch nicht absehbar. ►Erwerbspersonen und Erwerbstätigkeit Während die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger demografiebedingt bereits seit Jahren sinkt, sind bei der Zahl der Erwerbspersonen10 derzeit noch leichte Aufwüchse zu ver zeichnen (Statistisches Bundesamt 2015e). Dieser Trend wird voraussichtlich11 aber bereits ge gen Ende dieses Jahrzehnts zum Erliegen kommen und sich anschließend umkehren (Statisti sches Bundesamt 2015a, S.20ff.). In Nordrhein-Westfalen sind die Zuwächse bei den Erwerbspersonen – wie auch in Deutsch land insgesamt – relativ gering ausgefallen (2014 gegenüber 2005: NRW +2,9%; Deutschland +2,1%), in Bayern (aufgrund des Bevölkerungswachstums) merklicher (+7,7%). Zugleich ist zu beobachten, dass von diesem Mehr an Erwerbspersonen ein größer werdender Anteil er werbstätig ist.12 In Nordrhein-Westfalen hat sich der Anteil von 89,6% im Jahr 2014 auf 94,4% im Jahr 2015 erhöht, in Bayern von 92,9% auf 97,1% (Deutschland: von 88,9% auf 95,0%) (Statistisches Bundesamt 2015e, eigene Berechnungen). 10 Erwerbstätige zuzüglich Erwerbslose (Statistisches Bundesamt 2015e, S.8). 11 Die Auswirkungen der Zuwanderung von Flüchtlingen auf die Zahl der Erwerbspersonen sind derzeit noch nicht absehbar. 12 Zur Definition von Erwerbstätigen sowie zu Abweichungen zwischen Erwerbslosen (Differenz zwischen Erwerbs tätigen und Erwerbspersonen) auf Basis des Mikrozensus siehe Statistisches Bundesamt 2015e, S.7f. 16 WDP 179 Zur Entwicklung von Ausbildung und Beschäftigung im Handwerk II
2Unternehmen und Beschäftigung im Handwerk13 Basierend auf dem Unternehmensregister zum Stichtag 31.12. ist die Zahl der Unternehmen in Deutschland zwischen 2009 und 2012 von 3,60 Millionen auf 3,66 Millionen angestiegen (Datenbank GENESIS-Online Code 52111-0001).14 Diese Entwicklung zeigt sich auch im Handwerk. Hier hat sich die Anzahl der Unternehmen zwischen 2009 und 2012 um rund 10.000 erhöht (Statistisches Bundesamt 2012, Statistisches Bundesamt 2015f). Damit ist zwar der Anteil handwerklicher an allen Unternehmen in Deutschland bei 15,9% gleich hoch geblieben, innerhalb des Handwerks haben aber Verschiebungen stattgefunden. Zuwächse sind nur bei Unternehmen zu verzeichnen, die in zulassungsfreien Gewerben tätig sind, wohingegen die Zahl der Unternehmen in zulassungspflichtigen Gewerben zurückgegangen ist. Diese Entwicklungen zeigen sich auch in Bayern. In Nordrhein-Westfalen kam es zwar auch zu einer ansteigenden Zahl an Handwerksunternehmen in zulassungsfreien Gewerben, die Zahl der Unternehmen in zulassungspflichtigen Gewerben ist hier aber im Betrachtungszeitraum konstant geblieben (Tabelle 2). Trotz dieser Verschiebung geht der Beschäftigungsanstieg im Handwerk nicht allein auf den zulassungsfreien Bereich zurück, auch wenn hier der Beschäftigungszuwachs stärker ausfiel. In Nordrhein-Westfalen lag die Zahl der Beschäftigten in Unternehmen des zulassungsfreien Hand werks im Jahr 2012 um 5,0% über dem Wert von 2009 (Bayern: +7,4%, Deutschland: +8,9%), in Unternehmen des zulassungspflichtigen Handwerks um 3,1% (Bayern: +3,8%; Deutschland: +2,3%) (Statistisches Bundesamt 2012, Statistisches Bundesamt 2015f; eigene Berechnungen). Tabelle 2 Unternehmen und Handwerksunternehmen 2009 und 2012 Unternehmen insgesamt davon Handwerksunternehmen darunter zulassungspflichtiges Handwerk zulassungsfreies Handwerk 2012 Deutschland 3.663.432 (100%) 583.668 (15,9%) 475.875 (81,5%) 107.793 (18,5%) Nordrhein-Westfalen 754.286 (100%) 113.976 (15,1%) 92.491 (81,1%) 21.485 (18,9%) Bayern 661.989 (100%) 105.915 (16,0%) 85.762 (81,0%) 20.153 (19,0%) 2009 Deutschland 3.597.248 (100%) 573.311 (15,9%) 478.077 (83,4%) 95.234 (16,6%) Nordrhein-Westfalen 747.983 (100%) 111.374 (14,9%) 92.496 (83,0%) 18.878 (17,0%) Bayern 632.121 (100%) 103.699 (16,4%) 85.965 (82,9%) 17.734 (17,1%) Quellen: Datenbank GENESIS-Online Code 52111-0001, Code 52111-0003; Statistisches Bundesamt 2012, 2015f 13 Die in diesem Kapitel dargestellten Daten beziehen sich nur auf das zulassungspflichtige und zulassungsfreie Handwerk (Anlage A und B1 HwO). Nicht enthalten sind Unternehmen und Beschäftigung in handwerksähnlichen Gewerken (Anlage B2 HwO). 14 Zwar liegen Daten zu den Unternehmenszahlen auch für 2013 vor, wonach es 2013 bundesweit 3,63 Millionen Unternehmen gab. In diesen Daten werden aber Handwerksunternehmen nicht separat ausgewiesen. Dies erfolgt in der Handwerkszählung, die zuletzt für 2012 vorliegt. 2Unternehmen und Beschäftigung im Handwerk WDP 179 17
Der unternehmerische Schwerpunkt liegt sowohl im zulassungspflichtigen wie im zulassungs freien Handwerk auf dem Ausbaugewerbe. 37% aller in Deutschland zum 31.12.2012 existie renden Unternehmen des zulassungspflichtigen Handwerks und 55% der Unternehmen des zu lassungsfreien Handwerks entfielen auf diese Gewerbegruppe (Statistisches Bundesamt 2015f; eigene Berechnungen). Diese Konzentrationen finden sich in ähnlicher Größenordnung ebenso in Nordrhein-Westfalen (38% bzw. 56%) wie in Bayern (38% bzw. 48%). Während im zulassungspflichtigen Handwerk auch der Schwerpunkt der Beschäftigung im Ausbaugewerbe liegt, liegt dieser im zulassungsfreien Bereich auf den Handwerken für den ge werblichen Bedarf (ebd.). Zugleich ist dieser Bereich derjenige mit den meisten tätigen Perso nen je Unternehmen im zulassungsfreien Bereich (durchschnittliche Anzahl tätiger Personen: Deutschland: 25; Nordrhein-Westfalen: 33; Bayern: 18); im zulassungspflichtigen Bereich ist dies das Lebensmittelgewerbe (durchschnittliche Anzahl tätiger Personen: Deutschland: 20; Nordrhein-Westfalen: 26; Bayern: 18) (ebd.).15 Für die Beurteilung von Ausbildung und Beschäftigung im Handwerk bzw. die hierauf bezoge nen Chancen greift eine reine Betrachtung tätiger Personen zu kurz. Von Bedeutung ist vielmehr der Anteil der Beschäftigten unter den tätigen Personen sowie innerhalb der Beschäftigten das Verhältnis von sozialversicherungspflichtig und geringfügig entlohnten Beschäftigten. Der Anteil der Beschäftigten an den tätigen Personen (d.h. einschließlich der Selbstständi gen) liegt im zulassungspflichtigen Handwerk über die Gewerbegruppen hinweg um die 90%, wobei es kaum Unterschiede zwischen einer Betrachtung auf Bundesebene und einer auf Ebene der Länder Nordrhein-Westfalen und Bayern gibt. Allein in den Handwerken für den privaten Bedarf machen Beschäftigte einen geringeren Anteil der tätigen Personen aus (Abbildung 5). Dies kann auf die geringe durchschnittliche Anzahl tätiger Personen je Unternehmen zurückge führt werden, wodurch tätige Inhaberinnen und Inhaber stärker ins Gewicht fallen. Abbildung 5 Anteil Beschäftigter an tätigen Personen nach Gewerbegruppen des zulassungspflichtigen Hand werks zum Stichtag 31.12.2012 (in %) 0 20 40 60 80 100 Handwerke für den privaten Bedarf Gesundheitsgewerbe Lebensmittelgewerbe Kraftfahrzeuggewerbe Handwerke für den gewerblichen Bedarf Ausbaugewerbe Bauhauptgewerbe Bayern Nordrhein-Westfalen Deutschland Quelle: Statistisches Bundesamt 2015f; eigene Berechnungen Demgegenüber ist die geringfügig entlohnte Beschäftigung in den einzelnen Gewerbegruppen des zulassungspflichtigen Handwerks sehr unterschiedlich ausgeprägt und erreicht in Nord 15 Jeweils einschließlich tätiger Unternehmer. 18 WDP 179 Zur Entwicklung von Ausbildung und Beschäftigung im Handwerk II
rhein-Westfalen zumeist noch etwas höhere Werte als im Bundesdurchschnitt, aber auch als in Bayern (Abbildung 6). Den größten Anteil nehmen geringfügig Entlohnte an den Beschäftigten im Lebensmittelgewerbe ein, den geringsten im Bauhauptgewerbe. Abbildung 6 Anteil geringfügig entlohnter Beschäftigter an allen Beschäftigten nach Gewerbegruppen des zulassungspflichtigen Handwerks zum Stichtag 31.12.2012 (in %) 0 5 10 15 20 25 30 Handwerke für den privaten Bedarf Gesundheitsgewerbe Lebensmittelgewerbe Kraftfahrzeuggewerbe Handwerke für den gewerblichen Bedarf Ausbaugewerbe Bauhauptgewerbe Bayern Nordrhein-Westfalen Deutschland Quelle: Statistisches Bundesamt 2015f; eigene Berechnungen Im zulassungsfreien Handwerk finden sich teils ähnliche, teils etwas abweichende Beschäfti gungscharakteristika, wie den Abbildungen A3 und A4 Anhang A entnommen werden kann. ►Verbleib im Handwerk nach der Ausbildung Knapp die Hälfte der jungen Frauen und Männer, die in einem Handwerksberuf ausgebildet werden, verbleiben auch als Gesellin bzw. Geselle im erlernten Beruf. Dieser Anteil liegt höher als bei in anderen Berufen ausgebildeten Erwerbstätigen. Rund ein Drittel der in Handwerksbe rufen Ausgebildeten absolviert im Anschluss daran noch eine Fortbildung. Im Unterschied zu den Erwerbstätigen anderer Bereiche werden sie häufiger niveauadäquat eingesetzt, d.h., Er werbstätige, die in einem Handwerksberuf ausgebildet wurden und einen Fortbildungsabschluss haben, arbeiten häufiger als andere auch auf Arbeitsplätzen, die diese Qualifikation vorausset zen (Baum u.a. 2016, S.41ff.). Hinsichtlich der Arbeitsbedingungen und -anforderungen zeigt sich, dass die Arbeitssituation und die Arbeitsbedingungen in Handwerksberufen Ausgebildeter durchaus vergleichbar mit anderen Erwerbstätigen sind. Allerdings sind sie häufiger als andere den Veränderungen in ihrem unmittelbaren Arbeitsumfeld ausgesetzt, z.B. durch den Einsatz neuer Fertigungs- und Verfahrenstechnologien sowie neuer Maschinen und Anlagen. 3Ausbildung im Handwerk Ausgehend von dem beruflichen Selbstverständnis des Handwerks wird nachfolgend die Ausbil dungssituation im Handwerk näher beleuchtet. ►Berufsstrukturen und Selbstverständnis im Handwerk Das Handwerk blickt auf eine lange Ausbildungstradition zurück und ist in Bezug auf die beruflichen Entwicklungswege fest im dualen System verankert. Zielstellung der Zünfte im Handwerk 3Ausbildung im Handwerk WDP 179 19
des späten Mittelalters war vor allem die Nachwuchssicherung im Bereich der Meisterbildung und gleichzeitig die Abgrenzung der eigenen Profession gegenüber Mitbewerbern. Diese Tradi tion prägt bis heute das professionelle Selbstverständnis im Handwerk, wie z.B. die Diskussion um die Deregulierung im Handwerk ([Teil-]Aufhebung der Meisterpflicht) zeigt (Die Welt 2014b, Europäische Kommission 2013, Hansen 2014, Schreiner 2016). Auf der Grundlage die ses Selbstverständnisses ist das Handwerk eine der tragenden Säulen des dualen Systems und wirkt intensiv an dessen zukunftsfähiger Weiterentwicklung mit. Die (Weiter-)Entwicklung von Berufsbildern im dualen System ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Sozialpartnern, Bund und Ländern, bei der der Impuls für eine Neuordnung gewöhnlich von den (Fach-)Verbänden und Gewerkschaften ausgeht, die die Rückmeldungen zum Verände rungsbedarf im Bereich der beruflichen Bildung über die Dachverbände an die zuständigen Mi nisterien weiterleiten. Diese übertragen dann dem BIBB die Aufgabe, ein Neuordnungsverfah ren durchzuführen. Ausbildungsberufe und Fortbildungsregelungen werden im Konsens mit den Sozialpartnern erarbeitet und im Bundesgesetzblatt erlassen (Bundesinstitut für Berufsbildung 2015a, Europäische Kommission 2013). Dieser Prozess soll sicherstellen, dass betriebliche Be darfe hinlänglich in den Ordnungsmitteln berücksichtigt werden und Berufsbilder die Anforde rungen aus der Praxis aufgreifen. Im Handwerk orientiert sich die unter dem Dach des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) strukturierte Verbandslandschaft entlang der historisch gewachsenen Gewerke. ►Ausbildungsberufe im Handwerk Gegenwärtig gibt es 328 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe. In den Jahren von 2006 bis 2015 wurden insgesamt 149 Ausbildungsberufe neu geordnet. Darunter waren 130 moderni sierte und 19 neue Ausbildungsberufe (zur Definition neu geordneter Berufe Frank und Hackel 2016, Bundesinstitut für Berufsbildung 2015a). 53 Ausbildungsberufe sind auf der Grundlage der Handwerksordnung (HwO) anerkannt, da von einer mit einer regulären Ausbildungsdauer von zwei Jahren, 40 mit einer regulären Ausbil dungsdauer von drei Jahren und 12 mit einer regulären dreieinhalbjährigen Ausbildungsdauer. Darüber hinaus gibt es Berufe in gleichzeitiger Zuständigkeit von Handwerk (Hw) und Industrie (IH), davon haben 7 Berufe eine reguläre Ausbildungsdauer von zwei Jahren, 43 eine Dauer von drei Jahren und 13 eine Ausbildungsdauer von dreieinhalb Jahren (Tabelle 3). Tabelle 3 Anzahl der Berufe im Handwerk Ausbildungsbereich Ausbildungsdauer (Monate) Anzahl Berufe Hw 24 1 Hw 36 40 Hw 42 12 Hw, IH 24 7 Hw, IH 36 43 Hw, IH 42 13 Gesamt Hw/IH 126 Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung 2015c 20 WDP 179 Zur Entwicklung von Ausbildung und Beschäftigung im Handwerk II
Im Zeitraum von 2006 bis 2015 wurden insgesamt 28 Handwerksberufe modernisiert, 5 davon in Dauerrecht überführt. Bei der überwiegenden Anzahl der Berufe findet keine Binnendifferenzierung statt, d.h., sie sind als Monoberufe gestaltet. Die Anzahl der Berufe mit einer Differenzierung als Strukturmerkmal hat sich in den vergangenen Jahren leicht erhöht: Unter den seit 2006 erlassenen Handwerksberufen sind zwölf Berufe mit einer Binnendifferenzierung in Form von Schwerpunkten, Fachrichtungen oder Wahlqualifikationen. Eine Binnendifferenzierung von Ausbildungsberufen wird dann vorgenommen, wenn betriebliche bzw. branchenbezogene Sach verhalte eine Spezialisierung innerhalb des Berufes notwendig machen. Damit soll unter dem Dach eines Ausbildungsberufsbildes den Ausbildungsbetrieben eine umfassende Flexibilität in der Umsetzung ermöglicht werden. Eine Besonderheit stellen Zusatzqualifikationen dar, die seit 2005 auch als zusätzliches Bildungsangebot in den Ausbildungsordnungen verordnet werden können. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Inhalte in der Ausbildungsordnung festgelegt sind und eigenständig geprüft werden. Zusatzqualifikationen stellen eine weitere Flexibilität in nerhalb der Berufsbilder dar, die insbesondere Anreize für Leistungsstarke darstellen und als ein Merkmal zur Attraktivitätssteigerung der Ausbildung angesehen werden können. Dieses Instru ment kam im Handwerk bislang lediglich bei der Ausbildungsordnung zur Textilgestalterin/zum Textilgestalter 2011 zur Anwendung. Zur Entwicklung der Berufe im Handwerk von 2006 bis 2015 siehe Tabelle T1 Anhang A. 2016 werden voraussichtlich fünf weitere dreijährige Berufe im Handwerk in Kraft treten, zwei davon weisen eine Differenzierung nach Fachrichtungen auf, siehe Tabelle 4. Tabelle 4 2016 voraussichtlich in Kraft tretende Ausbildungsordnungen im Handwerk Bezeichnung neu modernisiert Überführung in Dauerrecht Ausbildungsbereich Dauer Struktur des Berufes Dachdecker/Dachdeckerin ╳ Hw 36 Fachrichtungen Graveur/Graveurin ╳ Hw 36 mono Hörakustiker/Hörakustikerin ╳ Hw 36 mono Metallbildner/Metallbildnerin ╳ Hw 36 Fachrichtungen Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker/ Rollladen- und Sonnenschutzmechatronikerin ╳ Hw 36 mono Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung ►Überbetriebliche Ausbildungsstätten im Handwerk Gerade die betrieblichen Strukturen im Handwerk, die im Wesentlichen durch klein- und mittel ständische Unternehmen gekennzeichnet sind, finden in überbetrieblichen Berufsbildungsstät ten (ÜBS) Partner zur Ermöglichung einer umfassenden Ausbildung. Kernauftrag der ÜBS ist die Durchführung der ergänzenden überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA). In Kooperation von Be trieb und Berufsschule wird so dazu beigetragen, die didaktische Qualität der Ausbildung insge samt zu erhöhen und die Ausbildungsfähigkeit der Betriebe durch die Bereitstellung einer aus reichenden Zahl von Ausbildungsplätzen sicherzustellen (Autsch und Kath 2000, S.3). Als fester Bestandteil beruflicher Ausbildung im Handwerk dient die überbetriebliche Lehr lingsunterweisung (ÜLU) dem umfassenden Erwerb berufsrelevanter Kompetenzen mit einem hohen betriebspraktischen Bezug. So wird eine systematische Vertiefung der beruflichen Grund- und Fachbildung für die Auszubildenden ermöglicht, die unabhängig von der Produktion in den Betrieben erfolgt. Aufgrund der zentral geregelten ÜLU wird sichergestellt, dass im gesamten 3Ausbildung im Handwerk WDP 179 21
Bundesgebiet ein einheitlicher Qualitätsstandard vorzufinden ist. Das Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik an der Leibniz Universität Hannover (HPI) ist damit betraut, Ausbildungsin halte entsprechend den Ausbildungsordnungen in den Unterweisungsplänen zu definieren, die eine gestaltungsoffene und flexible Umsetzung ermöglichen. Damit werden regionale, betriebli che oder branchenspezifische Anforderungen berücksichtigt. Die überbetrieblichen Unterwei sungsmaßnahmen ermöglichen es, den individuellen Anforderungen der Jugendlichen gerecht zu werden. Beispielsweise unterstützen praxisorientierte Kurse leistungsschwächere Jugendli che dabei, erfolgreich einen Berufsabschluss zu erwerben. Anderseits können jedoch auch leis tungsstarken Jugendlichen Aus- und Weiterbildungsangebote eröffnet werden, die über die re gulären Ausbildungsinhalte hinausgehen – etwa in Form von Zusatzqualifikationen (Franke und Sachse 2015). In den letzten zehn Jahren ist die Unterweisungsintensität in den ÜBS angestiegen. So lag der Zeitanteil überbetrieblicher Ausbildungsphasen im Jahr 201416 im Schnitt bei einer Unterwei sungsintensität von ca. 4,6 Wochen pro Jahr. Demgegenüber lag sie 2004 noch bei 3,9 Wochen pro Jahr (Tabelle T2 Anhang A). Um die überregional gleiche Qualität der Ausbildung in den ÜBS zu ermöglichen und um auf Neuerungen in den Ausbildungsordnungen reagieren zu können, stellt der Bund jährlich zwei stellige Millionenbeträge zur Förderung von ÜBS zur Verfügung. Förderziel ist es, zum Erhalt und zur Modernisierung der Bildungsinfrastruktur beizutragen (BMBF und BMWi 2015) sowie durch Förderung der ÜLU-Kurse die Betriebe in ihrer Ausbildungstätigkeit zu unterstützen (BMWi 2013). Bei beiden Förderungen beteiligen sich die Bundesländer. ►Aktuelle Ausbildungsmarktlage im nordrhein-westfälischen Handwerk Die in den letzten Jahren in nahezu allen Regionen steigende Zahl von nicht besetzten betriebli chen Ausbildungsplatzangeboten stellt für die Sicherung des Fachkräftenachwuchses und die Stärkung der Bildungsbeteiligung der Betriebe eine beträchtliche Herausforderung dar. Im Ver gleich zu den anderen Bundesländern ist die Ausgangslage für die Besetzbarkeit von betriebli chen Ausbildungsplatzangeboten17 in Nordrhein-Westfalen jedoch noch relativ günstig. 2015 entfielen in NRW rechnerisch 117,1 Ausbildungsplatznachfrager auf 100 betriebliche Ausbil dungsplatzangebote (Abbildung 7).18 Nur in Berlin und Hessen waren leicht höhere Werte zu beobachten. Das relativ günstige Verhältnis zwischen Ausbildungsplatznachfrage und Ausbildungsplatzan gebot führt dazu, dass die Quote der unbesetzten Ausbildungsplatzangebote in Nordrhein-West falen deutlich niedriger ausfällt (2015: 5,0%) als in Westdeutschland (7,1%) oder Deutschland insgesamt (7,5%). Gleichwohl sind Krisensymptome unübersehbar. So hat sich auch in Nord rhein-Westfalen in den vergangenen Jahren die Quote der unbesetzten betrieblichen Ausbil dungsplatzangebote deutlich erhöht. Gegenüber 201019 (2,3%) hat sie sich mit nunmehr 5% mehr als verdoppelt (Tabelle T3 Anhang A). Dabei fällt auf, dass insbesondere das Handwerk 16 Hier wurde auch die Unterweisungsintensität der Stufenbauausbildung und Gerüstbau mit einbezogen, die je doch mit 14 bis 17 Wochen eine deutlich höhere Unterweisungsintensität hat. 17 Das betriebliche Ausbildungsplatzangebot bezieht sich ausschließlich auf die offiziell erfassten, durch Betriebe angebotenen Ausbildungsplätze. Unberücksichtigt bleiben entsprechend die im offiziell erfassten Angebot eben falls enthaltenen übrigen, überwiegend öffentlich finanzierten Ausbildungsplätze. 18 Herkömmlicherweise werden in der Bildungsberichterstattung nicht wie hier Nachfrage-Angebots-Relationen (NAR), sondern umgekehrt Angebots-Nachfrage-Relationen (ANR) berechnet. Sie weisen aus, wie viele Ausbil dungsplatzangebote rechnerisch auf 100 Ausbildungsplatznachfrager entfallen, und ermöglichen damit eine Ein schätzung der Marktverhältnisse aus der Perspektive der ausbildungsinteressierten Jugendlichen. Hier wird umgekehrt errechnet, wie viele Ausbildungsplatznachfrager auf 100 betriebliche Ausbildungsplatzangebote entfallen, um die Ausbildungsmarktchancen der Betriebe zu beleuchten. 19 Daten liegen hierzu erst ab diesem Zeitpunkt vor. 22 WDP 179 Zur Entwicklung von Ausbildung und Beschäftigung im Handwerk II
Besetzungsprobleme hat. Im nordrhein-westfälischen Handwerk blieben 2015 bereits 6,1% der betrieblichen Ausbildungsstellen unbesetzt. Für stärker besetzte Ausbildungsberufe in Nordrhein-Westfalen mit mindestens 100 neu abge schlossenen Ausbildungsverträgen lassen sich relativ verlässliche Ausbildungsmarktdaten be rechnen. Wie sich zeigt, sind unter den Berufen mit großen Besetzungsproblemen neben Beru fen aus dem Hotel- und Gastgewerbe (Restaurantfachleute, Fachleute für Systemgastronomie, Köchinnen und Köche, Hotelfachleute) vor allem auch Berufe des Handwerks betroffen (Fach verkäuferinnen und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Bäckerinnen und Bäcker, Friseu rinnen und Friseure). Im Beruf Fachverkäuferin und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk konnte 2015 bereits jede vierte Lehrstelle nicht mehr besetzt werden (Tabelle T4 Anhang A). Zwar ist die Höhe der Ausbildungsplatznachfrage ein wesentlicher Faktor dafür, ob Ausbil dungsplätze besetzt werden können; die rückläufige Zahl der ausbildungsinteressierten Jugend lichen im Zuge der demografischen Entwicklung und des Trends zu den Hochschulen reicht aber allein nicht aus, um die großen Besetzungsprobleme einiger Berufe zu erklären. Denn ungeach tet der stetig größeren Zahl an unbesetzten Ausbildungsplätzen suchen weiterhin viele Jugendli che erfolglos nach einer Ausbildungsmöglichkeit (2015 in NRW: 23.300). Eine weitere Ursache kommt identitätspsychologischen Motiven zu: Berufe erzeugen immer auch Vorstellungen über die Eigenschaften der Personen, die sie ausüben. Die Jugendlichen wissen um diese symbolische Bedeutung von Berufen. Sie bevorzugen deshalb jene Berufe, die sie anerkennungswürdig und attraktiv erscheinen lassen (Gottfredson 2004, Rommes u.a. 2007). Aus ihrer Sicht sind dies ins besondere jene Berufe, die auf intelligente, gebildete und einkommensstarke Personen hindeu ten (Eberhard u.a. 2009). BIBB-Studien zeigen, dass vor allem jene Berufe Besetzungsprobleme haben, deren Auszubil dende im Schnitt über eine niedrige Schulausbildung verfügen und die somit nicht unbedingt auf „gebildete“ Berufsinhaberinnen und Berufsinhaber verweisen. Dies gilt umso mehr, als in Abbildung 7 Zahl der Ausbildungsplatznachfragerinnen und Ausbildungsplatznachfrager auf 100 betriebliche Ausbildungsplatzangebote im Jahr 2015 0 20 40 60 80 100 120 106,3 98,7 117,3 109,7 114,0 114,7 117,2 103,8 116,6 117,1 113,2 110,6 111,4 115,8 114,8 103,9 THSHSTSASLRPNRWNIMVHEHHHBBBBEBYBW Zugrunde gelegt wird die erweiterte Nachfragedefinition. Die Nachfrage errechnet sich demnach aus der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zuzüglich der zum Stichtag 30. September gemeldeten und noch suchenden Ausbildungsstellenbewerber, das Ausbildungsplatzangebot aus der Zahl der neu abge schlossenen Ausbildungsverträge zuzüglich der zum Stichtag 30. September gemeldeten und noch unbesetz ten Ausbildungsstellen. BW = Baden-Württemberg, BY = Bayern, BE = Berlin, BB = Brandenburg; HB = Bre men, HH = Hamburg, HE = Hessen, MV = Mecklenburg-Vorpommern, NI = Niedersachsen, NRW = Nordrhein- Westfalen, RP = Rheinland-Pfalz, SL = Saarland, SA = Sachsen, ST = Sachsen-Anhalt, SH = Schleswig-Holstein, TH = Thüringen. Quellen: BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 2015 (Matthes u.a. 2016). Ausbil dungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (Bundesagentur für Arbeit 2015) 3Ausbildung im Handwerk WDP 179 23
in Deutschland und in Bayern unter dem Anteil der eingemündeten Hauptschülerinnen und Hauptschüler. Dies ist zum einen darauf zurückzuführen, dass studienberechtigten Bewerberin nen und Bewerbern mehr Wahlmöglichkeiten offenstehen und diese sich im Laufe ihres Berufs wahlprozesses dann doch noch für ein Studium entscheiden. Zum anderen haben Untersuchun gen des BIBB gezeigt, dass sich Studienberechtigte recht einseitig vor allem auf kaufmännische Berufe konzentrieren und sich dann in den von ihnen favorisierten Berufen untereinander Kon kurrenz machen (Kroll 2016). Mit Blick auf die Sicherung der Fachkräftebasis im Handwerk wird die stärkere Gewinnung von Studienberechtigten daher weiterhin als ein wichtiges Hand lungsfeld erachtet. Die Bemühungen sollten sich dabei sowohl auf studienberechtigte Schulab gängerinnen und Schulabgänger aus allgemeinbildenden Schulen als auch Studienabbrecherin nen und Studienabbrecher konzentrieren. Die Integration von Studienberechtigten stellt allerdings nur einen Aspekt dar. Zur Sicherung der eigenen Fachkräftebasis ist es für das Handwerk auch weiterhin entscheidend, junge Men schen mit unterschiedlichen Voraussetzungen zu integrieren. Bezogen auf die Ebene einzelner Berufe lässt sich auch für das Handwerk eine große Bandbreite an allgemeinbildenden Schulab schlüssen der Auszubildenden feststellen. In den stark besetzten Berufen im Handwerk (mehr Abbildung 8 Schulische Vorbildung der Auszubildenden mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag in ausgewählten Berufen, Deutschland 2014 (in %) 0 20406080100 26,2 11,0 42,8 39,2 28,1 46,2 2,9 3,6 Zimmerer/-in Zahntechniker/-in Orthopädiemechaniker/-in und Bandagist/-in Maurer/-in Maler/-in und Lackierer/-in (alle Fachrichtungen) Land- und Baumaschinenmechatroniker/-in Kraftfahrzeugmechatroniker/-in Informationselektroniker/-in Hörgeräteakustiker/-in Fliesen-, Platten- und Mosaikleger/-in Elektroniker/-in (Hw) FR Informations- und Telekommunikationstechnik Elektroniker/-in (Hw) FR Energie- und Gebäudetechnik Elektroniker/-in (Hw) FR Automatisierungstechnik Augenoptiker/-in Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Handwerk insgesamt Alle Berufe insgesamt ohne Hauptschulabschluss mit Hauptschulabschluss mit Realschulabschluss mit Studienberechtigung Bundesgebiet Quelle: „Datenbank Auszubildende“ des Bundesinstituts für Berufsbildung auf Basis der Daten der Berufsbil dungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12.) 30 WDP 179 Berufliche Bildung im Handwerk: Themenfelder der Enquete-Kommission III
als 1.000 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge) bewegt sich der Anteil der Auszubildenden mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag und maximal Hauptschulabschluss nach den Da ten der Berufsbildungsstatistik bundesweit zwischen 5,8% (Hörgeräteakustikerin und Hörgeräteakustiker) und 78,9% (Gebäudereinigerin und Gebäudereiniger).27 Im Interesse einer einheitlichen Darstellung konzentriert sich die folgende Darstellung zur schulischen Vorbildung auf Berufe, für die in Kapitel III.2 die Wirkung der Digitalisierung auf ausgewählte Handwerksberufe beschrieben wird. Die Darstellung erfolgt hier für Deutschland insgesamt (Abbildung 8) und für NRW (Abbildung 9). Die Entwicklung der schulischen Vorbil dung im Zeitvergleich einschließlich der Angaben für das Vergleichsland Bayern sind den Tabel len T7 bis T9 Anhang A zu entnehmen. Wie aus den Abbildungen 8 und 9 zu ersehen ist, befinden sich unter den ausgewählten Beru fen zum einen Berufe mit einem hohen Anteil an Studienberechtigten (z.B. Hörgeräteakustike rin und Hörgeräteakustiker, Zahntechnikerin und Zahntechniker). Auf der anderen Seite sind Abbildung 9 Schulische Vorbildung der Auszubildenden mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag in ausgewählten Berufen, NRW 2014 (in %) ohne Hauptschulabschluss mit Hauptschulabschluss mit Realschulabschluss mit Studienberechtigung 0 20406080100 38,9 15,9 34,4 39,4 23,6 41,3 3,1 3,4 Zimmerer/-in Zahntechniker/-in Orthopädiemechaniker/-in und Bandagist/-in Maurer/-in Maler/-in und Lackierer/-in (alle Fachrichtungen) Land- und Baumaschinenmechatroniker/-in Kraftfahrzeugmechatroniker/-in Informationselektroniker/-in Hörgeräteakustiker/-in Fliesen-, Platten- und Mosaikleger/-in Elektroniker/-in (Hw) FR Informations- und Telekommunikationstechnik Elektroniker/-in (Hw) FR Energie- und Gebäudetechnik Elektroniker/-in (Hw) FR Automatisierungstechnik Augenoptiker/-in Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Handwerk insgesamt Alle Berufe insgesamt NRW Quelle: „Datenbank Auszubildende“ des Bundesinstituts für Berufsbildung auf Basis der Daten der Berufsbil dungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12.) 27 Weitere Informationen zur schulischen Vorbildung der Auszubildenden mit neu abgeschlossenem Ausbildungs vertrag können dem Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2016, Kapitel A4.6.1 bzw. auch dem Datensystem Auszubildende „DAZUBI“ des BIBB (URL: https://www.bibb.de/dazubi) entnommen werden. 1Anforderungen der Ausbildung an Jugendliche WDP 179 31
aber auch Berufe mit überdurchschnittlich hohen Anteilen von Personen mit maximal Haupt schulabschluss vertreten (z.B. Malerin und Maler und Lackiererin und Lackierer, Maurerin und Maurer). ►Integration von jungen Menschen mit Migrationshintergrund und jungen Frauen Die bisherige Darstellung hat sich aufgrund der Fragestellung nach Anforderungen auf die schu lische Vorbildung der Auszubildenden mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag konzen triert. Das Handwerk erfüllt aber gerade auch für junge Menschen mit Migrationshintergrund eine wichtige Integrationsfunktion. Sie stellen bereits seit einiger Zeit eine wichtige Zielgruppe für das Handwerk dar (Rass-Turgut 2009). Vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftli chen Entwicklungen werden auch junge Flüchtlinge als Zielgruppe in den Blick genommen. In diesem Zusammenhang sei z.B. auf die gemeinsam vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), der Bundesagentur für Arbeit (BA) und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) gestartete Qualifizierungsinitiative „Wege in Ausbildung für Flüchtlinge“ ver wiesen.28 Die Ausbildungs- und Integrationsleistung des Handwerks für junge Menschen mit Migra tionshintergrund kann anhand der vorliegenden Daten der Berufsbildungsstatistik nur unzurei chend abgebildet werden, da die Berufsbildungsstatistik nur die Staatsangehörigkeit und nicht den Migrationshintergrund erfasst. 2014 hatten sowohl in NRW als auch in Deutschland 7,2% der Auszubildenden im Handwerk eine ausländische Staatsangehörigkeit. Der Ausländeranteil liegt damit im Handwerk über dem Durchschnitt aller Zuständigkeitsbereiche (Deutschland 5,8%, NRW: 5,4%, Tabelle 8). Der Frauenanteil fällt hingegen im Handwerk mit 20,6% (NRW) und 21,6% (Deutschland) geringer aus als im Durchschnitt aller Zuständigkeitsbereiche (NRW: 44,0%, Deutschland: 44,6%). Dies ist – den Ergebnissen der BA/BIBB-Bewerberbefragung zufolge – auch auf unterschiedliche berufliche Wünsche von jungen Frauen und jungen Männern zurückzuführen (Beicht und Walden 2014). Die folgende Tabelle weist für die ausgewählten Berufe jeweils den Ausländerinnen- und Ausländer- sowie den Frauenanteil aus. Eine aktuelle Sonderauswertung der Daten der BIBB-Erhebung über die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zum 30.09.2015 hat gezeigt, dass es unter den am stärksten besetzten „Männerberufen“ insbesondere in drei Handwerksberufen gelungen ist, mehr junge Frauen für eine Ausbildung zu gewinnen: Im Beruf „Bäckerin und Bäcker“ stieg der Anteil junger Frauen mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag zwischen 2004 und 2015 um 7,7% auf 25,9%, im Be ruf „Malerin und Maler und Lackiererin und Lackierer“ um 6,5% auf 15,9% und im Beruf „Tisch lerin und Tischler“ um 5,0% auf 12,2% (Lohmüller u.a. 2016). Die Ergebnisse zeigen angesichts der Tatsache, dass der Frauenanteil in der dualen Berufsausbildung insgesamt zurückgeht, eine positive Entwicklung. 28 https://www.bmbf.de/de/fluechtlinge-praxisnah-in-eine-ausbildung-im-handwerk-bringen-2714.html (Stand: 21.06.2016). 32 WDP 179 Berufliche Bildung im Handwerk: Themenfelder der Enquete-Kommission III
Tabelle 8 Frauenanteil sowie Ausländerinnen- und Ausländeranteil an allen Auszubildenden in ausgewählten Berufen 2014 (in %) Bundesgebiet NRW Ausländeranteil Frauenanteil Ausländeranteil Frauenanteil Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik 8,3%1,1%8,2%1,1% Augenoptiker/-in 4,2%73,1%4,6%69,1% Elektroniker/-in (Hw) FR Automatisierungstechnik 4,2%4,5%3,1%1,3% Elektroniker/-in (Hw) FR Energie- und Gebäudetechnik 7,2%1,5%6,9%1,2% Elektroniker/-in (Hw) FR Informations- und Telekommunikationstechnik 4,4%2,2%4,0%2,4% Fliesen-, Platten- und Mosaikleger/-in 10,9%1,7%9,0%1,2% Hörgeräteakustiker/-in 1,8%60,5%1,8%56,7% Informationselektroniker/-in 4,8%2,2%4,7%1,2% Kraftfahrzeugmechatroniker/-in 6,2%3,0%6,6%3,0% Land- und Baumaschinenmechatroniker/-in1) 0,9%0,9%0,7%0,7% Maler/-in und Lackierer/-in (alle Fachrichtungen) 8,6%14,9%6,8%14,1% Maurer/-in 6,3%0,7%5,7%1,1% Orthopädiemechaniker/-in und Bandagist/-in2) 2,5%37,8%1,4%40,8% Zahntechniker/-in 7,3%61,1%7,0%58,0% Zimmerer/-in 1,6%1,8%1,4%1,4% Handwerk insgesamt 7,2%21,6%7,2%20,6% Alle übrigen Berufe insgesamt 5,8%44,6%5,4%44,0% 1) Bis 2014 Mechaniker/-in für Land- und Baumaschinentechnik 2) Seit 2013 Orthopädietechnik-Mechaniker/-in Quelle: „Datenbank Auszubildende“ des Bundesinstituts für Berufsbildung auf Basis der Daten der Berufsbil dungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12.) 2Arbeitswelt und Berufsbilder im Wandel Die demografische Entwicklung sowie der Trend zur Höherqualifizierung haben nicht nur Aus wirkungen auf den Ausbildungsmarkt, sondern gehen auch mit tief greifenden Veränderungen auf den Arbeitsmärkten einher. Darüber hinaus verändern aber auch Technisierung und Digitali sierung die Arbeitswelt und machen dadurch auch Veränderungen in der Ausbildung in hand werklichen Berufen erforderlich. Dem Abschnitt liegt eine Sonderanalyse für das Gutachten der Enquete-Kommission aus den BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen (QuBe) zugrunde, die das BIBB regelmä ßig mit der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) und dem Fraunhofer- Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) durchführt. Ausgehend von dieser Sonder analyse werden die Entwicklungen in handwerksrelevanten Berufsfeldern dargestellt. Mit der dritten Projektionswelle ist erstmals auch eine Untergliederung nach Regionen möglich – und somit auch für NRW (zur Sonderanalyse siehe Anhang B). 2Arbeitswelt und Berufsbilder im Wandel WDP 179 33
►Arbeitswelt im Wandel: Projektionen der Beschäftigtenzahlen in handwerksrelevanten Berufsfeldern in NRW Obwohl die Wirtschaftsstruktur von NRW im Großen und Ganzen vergleichbar mit der des Bun des ist, zeigt die Sonderanalyse regionale Besonderheiten auf: Diese sind zum einen auf die ver gleichsweise stärkere Alterung der Bevölkerung in NRW zurückzuführen, zum anderen aber auch auf die Auswirkung der Abnahme der Schwerindustrie und der verhältnismäßig starken Zunahme von (unternehmensnahen) Dienstleistungen. Davon ausgehend zeigt sich, dass in fast allen Berufshauptfeldern29, in denen das Handwerk seine Schwerpunkte hat, es in NRW zu Eng pässen kommen wird. Insbesondere in den Bau-, Holz und Kunststoff verarbeitenden Berufen sowie in den Berufen des Warenhandels wird das Angebot nicht mehr ausreichen, um den Be darf zu decken. Aber auch in den Reinigungs- und Entsorgungsberufen zeigt sich eine Knapp heit, die dort durch den geringen Bestand an fachqualifizierten Erwerbspersonen begünstigt wird. Erste Szenarien aus den BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen zu den Auswir kungen von Wirtschaft 4.0 auf den Arbeitsmarkt bestätigen die Engpässe auf dem mittleren Qualifikationsniveau. Zwar wird es einen hohen Verlust an Arbeitsplätzen geben, gleichzeitig werden aber auch neue entstehen (Wolter u.a. 2015). Mit dem Übergang zu Wirtschaft 4.0 wird der Wandel zur Dienstleitungsgesellschaft gestärkt (ebd., S.63). Dies wird auch deutliche Bewe gungen zwischen den Berufsfeldern zur Folge haben (ebd., S.64). Damit werden auch hand werkliche Berufe in Zukunft noch stärker als bisher Dienstleistungsaspekte beinhalten (neben Kundenorientierung z.B. eine gewerkeübergreifende Steuerung). Darüber hinaus müssen sie von Anfang an so flexibel angelegt sein (z.B. durch Zusammenlegung affiner Berufe zu Berufs gruppen), dass eine breite Qualifikation für sich ständig wandelnde Anforderungen in der Ar beitswelt vermittelt werden kann. ►Berufsbilder des Handwerks im Wandel: Anforderungen aus der Digitalisierung Neben der beschriebenen quantitativen Entwicklung stellt sich die Frage, inwieweit sich die Be rufsbilder und Qualifikationsanforderungen durch eine zunehmende Digitalisierung ändern. Dieser Frage wird exemplarisch entlang ausgewählter Handwerksberufe nachgegangen. Als Folge dieser technologischen Veränderungen werden häufig neue Fertigungs- und Verfah renstechnologien eingesetzt sowie neue Maschinen und Anlagen bzw. IT-gestützte Systeme ein geführt. Das führt auf der einen Seite zu Veränderungen in den betrieblichen Ablaufprozessen und hat auf der anderen Seite Auswirkungen auf die Qualifikationsanforderungen der Fach kräfte. Dabei erlangen folgende mit der zunehmenden Digitalisierung in Verbindung stehende Faktoren an Bedeutung: ►das digitale Messen und Prüfen, ►die computergestützte Planung, Beschaffung, Dokumentation und Rechnungslegung, ►der Datenschutz und die Datensicherheit, ►die IT-gestützte Datenübertragung, -verwaltung und -archivierung, ►die virtuelle Simulation von Produkten und Prozessen, ►die IT-gestützte Handhabung von Systemen per „App“, ►die Einführung neuer und veränderter Werkstoffe. Beispielhaft werden nun Entwicklungen in verschiedenen ausgewählten Berufsbereichen bzw. Berufen des Handwerks aufgezeigt: 29 Die handwerksrelevanten Berufsfelder sind nicht immer trennscharf und können auch Bezüge zum Bereich der Industrie aufweisen. Siehe hierzu ebenfalls Sonderanalyse in Anhang B. 34 WDP 179 Berufliche Bildung im Handwerk: Themenfelder der Enquete-Kommission III
Land- und Baumaschinenhandwerk – Erweiterung des Berufsprofils Im Land- und Baumaschinenhandwerk bestimmt ein Nebeneinander von Technologiegeneratio nen sowohl die Leistungsmerkmale von Neugeräten als auch die Instandhaltung und damit das Berufsbild der Land- und Baumaschinenmechatronikerin und des Land- und Baumaschinenme chatronikers. Begründet ist dies u.a. durch: ►Nutzungs- und Lebensdauer der Technik (z.B. Garten- und Forstgeräte im Hobby- und Frei zeitbereich sowie in familiengeführten Landwirtschafts- und Gartenbaubetrieben), ►wartungsarme Technik, die im Schadensfall neu beschafft wird oder deren Baugruppen aus getauscht werden, ►Spezifika der Maschinen und Geräteaufbauten im Hinblick auf Größe, Komplexität, Leistung und Ausstattung mit IT-gestützten Baugruppen und embedded systems (z.B. bei computer- und GPS-gestützter Saat-, Dünge- und Erntetechnik sowie Straßenbaumaschinen), ►engere Anbindung an die Hersteller und Zusammenarbeit bei der Instandhaltung. WLAN- gestützte Ferndiagnose und -überwachung unterstützen diese Entwicklung, ►Einsatz von Embedded Systems z.B. für die Regelung bestimmter Funktionalitäten abhängig von zustandsabhängigen Umgebungswerten (Temperatur, Feuchtigkeit, Bodendichte, Bodenqualität) setzt bei der Instandhaltung IT-gestützte Diagnosesysteme sowie die Interpretation softwaregestützter Fehlermeldungen voraus und macht die Handhabung dieser Systeme zu einer elementaren Qualifikationsanforderung an das Instandhaltungspersonal. Elektro- und IT-Handwerk – Profilverschiebungen in den Berufen Viele Gewerke sind durch die Digitalisierung einer verstärkten Wettbewerbssituation ausgesetzt. Aus Sicht der Elektro- und IT-Handwerke sind dies nicht nur die Energieversorger und Telekom munikationsunternehmen, sondern auch große Internetkonzerne mit ihren vernetzten Lösun gen und der hohen Softwarekompetenz. Smartphones und Tablet-Computer, auf denen die Sys teme dieser Unternehmen laufen, werden die entscheidenden Bediengeräte für das Smart Home.30 Darüber hinaus gelangen die Internetkonzerne an Daten, die für weitere Angebote und Geschäftsmodelle geeignet erscheinen, wodurch für das Handwerk zusätzliche Herausforderun gen entstehen können. „In den elektro- und informationstechnischen Handwerken zeigt sich bereits heute eine Verschiebung in den Kerntätigkeiten: Routinearbeiten wie das Verlegen von Kabeln und Verdrahten von Schaltschränken werden zunehmend von Drittfirmen übernommen. Dagegen entwi ckeln sich die Projektleitung, die Programmierung und Parametrierung sowie Inbetriebnahme mehr und mehr zum Kerngeschäft.“31 SHK-Handwerk – Ausdifferenzierung, Abgrenzung und Produktvielfalt Im Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk ist eine starke Ausdifferenzierung der Produktpa lette zu beobachten. Besonders der Beruf Anlagenmechanikerin und Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik ist stark von den Veränderungen im Zusammenhang mit der Energiewende betroffen. Schlagworte wie Smart Grid, Smart Metering und Smart Home machen die digitale Vernetzung deutlich, in der auch Heizung und Klimatechnik mitgedacht werden müssen. Die Grenzen zum Elektro- und IT-Handwerk müssen neu definiert und die Zu sammenarbeit interdisziplinär gestaltet werden. 30 ZVEH-Jahresbericht 2014/2015 (Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke 2015, S.26). 31 Handwerk 2014 (ZDH-Jahresbericht, Zentralverband des Deutschen Handwerks 2015b, S.10f.). 2Arbeitswelt und Berufsbilder im Wandel WDP 179 35
Bauhandwerk – Einsatz digitaler Planungssoftware Im Bauhandwerk scheint die Digitalisierung noch am wenigsten wirksam. Doch bereits bei der Vergabe von Aufträgen, z.B. bei öffentlichen Aufträgen, kommen zunehmend elektronische Aus schreibungsverfahren zum Einsatz. Zeichnungen und Dokumentationen sind elektronisch ver fügbar. Es wird auf eine Planungssoftware zurückgegriffen, die durch das BIM (Building Infor mation Modeling) Unterstützung bei der Planung, beim Bau und bei der Bewirtschaftung von Gebäuden und Infrastruktureinrichtungen anhand eines dreidimensionalen Gebäudemodells bietet. Dieses wird zentral verwaltet und von allen Projektbeteiligten genutzt.32 Gesundheitshandwerk – Profilverschiebung Eine Profilverschiebung betrifft insbesondere die Gesundheitshandwerke. Der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen äußert dazu: „In der Augenoptikbranche ist neben der zu nehmenden Akademisierung festzustellen, dass eine Verlagerung handwerklicher Tätigkeiten erfolgt. Zwischenzeitlich werden 15% der abgegebenen Gläser endgerandet bezogen. In der letzten Umfrage zur ZVA-Branchenstrukturerhebung 2010 wurde weiterhin festgestellt, dass bereits 5% der Betriebs inhaber ihre Gläser zu 100% endgerandet beziehen. Diese Auslagerung der Werkstattarbeiten ist ggf. mit einer Reduzierung des eingesetzten Personals verbunden.“33 Für die Ausbildung kann das bedeuten: „Wenn 25% der Brillengläser extern gerandet werden und 15% der Brillen außerhalb des eigenen Betriebes gefertigt werden, dann heißt dies auch, dass die betriebseigene Werkstatt an Be deutung verliert. Für die Betriebe, die ihre Gläser komplett extern endranden bzw. ihre Brillen kom plett extern fertigen lassen, bedeutet dies, dass ein Schleifautomat in der Werkstatt entbehrlich ist.“34 Das hat auch zur Folge, dass der jeweilige Betrieb nicht mehr alle in der Ausbildungsordnung geforderten Arbeitsaufgaben im Unternehmen abdecken kann und die Ausbildungsfähigkeit im Unternehmen damit erschwert wird. Der Zentralverband stellt dazu fest: „Es ist zu vermuten, dass die Fertigung der Brillen außerhalb des Augenoptikbetriebes weiter zunehmen wird. Inwieweit sich dies auf die Ausbildung auswirken wird, bleibt offen. Jedenfalls ist die Ausbildung von Berufs nachwuchs nur in Betrieben möglich, die eine komplett ausgestattete Werkstatt vorhalten.“35 Die Einführung spezieller Techniken und Technologien vollzieht sich in den Handwerksbe trieben und Branchen in unterschiedlicher Geschwindigkeit und Intensität. Inwieweit es durch die zunehmende Digitalisierung in allen Gewerken zu einer Verschiebung in den Kerntätigkeiten kommt, kann gegenwärtig aufgrund der fehlenden empirischen Daten nicht beantwortet wer den. 3Verzahnung und Durchlässigkeit von Berufsbildern Die Strukturen im Handwerk sind historisch gewachsen, was eine hohe Identifikation für das je weilige Gewerk und eine Abgrenzung der Gewerke untereinander nach sich zieht. Technische Innovationen machen interdisziplinäres Arbeiten im Sinne einer die Gewerke übergreifenden Planung und Durchführung von Projekten notwendig (Blötz u.a. 2015). Daneben besteht ein Druck dahin gehend, die mit der zunehmenden Dienstleistungsorientierung, Digitalisierung und technischen Vernetzung (z.B. Smart Grid) verbundenen Anforderungen im Kontext der unter schiedlichen Berufe im Handwerk stärker zu berücksichtigen. Dies kann sowohl im Berufsbild 32 http://www.bim-handwerk.de/index.php?id=1850&L=0. 33 Strategiepapier „Augenoptik im Spannungsfeld zwischen Handel und Optometrie“ (Hrsg. Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen. URL: http://www.zva.de). 34 ZVA-Branchenstrukturerhebung 2015, S.16 (Hrsg. Zentralverband der Augenoptiker und Optometrist. URL. http:// www.zva.de). 35 ZVA-Branchenstrukturerhebung 2015, S.16 (Hrsg. Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen. URL: http://www.zva.de). 36 WDP 179 Berufliche Bildung im Handwerk: Themenfelder der Enquete-Kommission III
selbst, z.B. durch eine Flexibilisierung der Berufsbilder, durch Schwerpunktbildungen, Fach richtungen oder durch die Entwicklung von Zusatzqualifikationen erfolgen. Weitere Verzah nungsmöglichkeiten bestehen durch die Zusammenlegung verwandter Berufe zu Berufsgrup pen. Welche Anknüpfungspunkte sich hieraus für die Weiterentwicklung von Aus- und Weiterbil dungskonzepten ergeben, wird nachfolgend beispielhaft aufgegriffen. ►Berufe im Kontext von Innovationen Mit der zunehmenden Digitalisierung der Arbeits- und Geschäftsprozesse verschwimmen die Grenzen zwischen Handwerk, Dienstleistungssektor und Industrie. Insbesondere im Elektro- und IT-Handwerk wie auch im Bauhandwerk sind neue Schnittstellen zwischen Handwerk, Dienstleistungssektor und Industrie zu erkennen. Handwerkszugehörige IT- und Elektro-Unter nehmen produzieren als Zulieferer für die Industrie und sind gerade im technischen Gebäude management, aber auch bei der Errichtung und Instandhaltung von Anlagen involviert. Die Er bringung der Leistungen erfordert teilweise eine derartige Profilerweiterung, dass mehrere Gewerke (Metall, Elektro, IT, Mechatronik) ausgeübt und ausgebildet werden. Hierzu zwei mögliche Firmenprofile: ►Beispielfirmenprofil A: Der Ursprung des Handwerksbetriebs ist die klassische Elektroinstalla tion. Seit 1988 wurde das Leistungsspektrum kontinuierlich um die Bereiche Netzwerktech nik, strukturierte Gebäudeverkabelung, Telekommunikationsanlagen für Privat- und Gewer bekunden, Klimatechnik und das IT-Systemhaus-Geschäft erweitert. Unterdessen bietet die Firma auch Virtualisierungslösungen für 4.0-Produktionsprozesse und komplexe Anlagen an. ►Beispielfirmenprofil B: Die zum Elektromaschinenbauerhandwerk zählende Firma ist Kom plettanbieter für Krananlagen, Torsysteme, Elektromotoren und Brandschutztore mit zwei Standorten in NRW und beschäftigt derzeit etwa 100 Mitarbeiter. Ein Teil der Unternehmen bildet sowohl in gewerblich-technischen als auch in kaufmännischen Berufen der Industrie aus. Auf Dauer wird sich die Frage nach der möglichen Zusammenlegung weiterer industrieller und handwerklicher Berufe stellen. Das Beispiel der Elektronikerin für Ma schinen- und Antriebstechnik und des Elektronikers für Maschinen- und Antriebstechnik zeigt, dass dies möglich ist. Die Beispiele zeigen außerdem, dass die Überschreitung von Gewerke- und Innungsgrenzen für den Unternehmenserfolg eine wichtige Voraussetzung sein kann. Diese Pfadabhängigkeit (Beyer 2006) kann einen erheblichen Einfluss auf die Verbreitung von Innovationen haben. So bescheinigen Studien zum Innovationsmanagement (Werle 2005) dem deutschen Innovations system eine besondere Stärke bei der Umsetzung inkrementeller Innovationen, während disrup tive oder radikale Innovationen eher in anderen Wirtschaftssystemen umgesetzt werden. Ge rade die Entwicklungen im Rahmen der Digitalisierung erfordern aber eher einen angemessenen Umgang mit disruptiven Innovationen (Christensen 2011) und eröffnen Chancen für Start-ups und Quereinsteiger bzw. können auch zu einer Schwächung etablierter Gewerke beitragen. Im IT-Bereich und im IT-Dienstleistungssektor entstehen zunehmend junge Unternehmen, die Dienstleistungen anbieten, die zum Portfolio des Handwerks gerechnet werden können, ohne dass sich die Unternehmen im Handwerk organisieren. Auch bezogen auf die Berufsausbildung ist aufgrund der anderen beruflichen Sozialisation der Firmeninhaberinnen und Firmeninhaber anzunehmen, dass das Ausbildungsinteresse und die Ausbildungsbeteiligung solcher Firmen weniger ausgeprägt sind. 3Verzahnung und Durchlässigkeit von Berufsbildern WDP 179 37
Im Innovationsmanagement und auch in Bezug auf die Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist es also nötig, auch außerhalb der bestehenden Pfade zu denken. Dies erfor dert einen gewerkeübergreifenden Dialog im Handwerk, eine Zusammenarbeit mit weiteren Ak teuren und eine generelle Offenheit zu vernetzten Aktivitäten im Bereich der beruflichen Bil dung. Hierfür können unterschiedliche Instrumente genutzt werden, die im Folgenden erläutert und an Beispielen illustriert werden: Zukunftsorientierte Gestaltung der Berufsbilder (Aus- und Fortbildung) Es hat sich in der Vergangenheit bewährt, Berufsbilder technikoffen zu formulieren. Hierdurch können Veränderungen, die durch technologischen Wandel hervorgerufen werden, in die Aus bildung integriert werden, ohne dass zunächst eine Neuordnung notwendig wird. Sind die Veränderungen aber umfangreich und für eine ganze Branche oder eine große Anzahl von Be trieben relevant, ist es an der Zeit, diese in die geregelte Ausbildung zu integrieren und ein Neu ordnungsverfahren einzuleiten. Hier haben sich der sozialpartnerschaftliche Dialog von den Ausbildungsbetrieben über Kammern, Verbände und Gewerkschaften und das konsensorien tierte Abstimmungsverfahren im BIBB bewährt. Diese Prozesse können durch eine systematische Berufsforschung unterstützt werden. Wesentliches Element ist die Beteiligung der Praxis an der Interpretation der sozialwissenschaftlich gewonnenen Daten. Die Zusammenarbeit mit For schungseinrichtungen und Hochschulen ist auch ein erfolgskritisches Element im Innovations transfer. Hier sind sicherlich noch Potenziale zur Weiterentwicklung vorhanden. So weisen Müller u.a. (2011) in ihrer Studie darauf hin, dass der Kontakt zu Hochschulen und Forschungs einrichtungen bei Betrieben des Kreativhandwerks nur in sehr geringem Umfang vorhanden ist. Es gibt einige Institutionen des Handwerks, die sich bewusst dieses Themas annehmen und so frühzeitig Innovationspotenziale in den Gewerken identifizieren und Weiterbildungsangebote konzipieren. Als Beispiele sind hier die zahlreichen Aktivitäten des westdeutschen Handwerks kammertages im Zusammenhang mit der Energiewende zu nennen oder regionale Aktivitäten wie die Stiftung Zukunftspreis HWK Ostwestfalen-Lippe sowie der Seifriz-Preis der HWK Dort mund. Häufig bleiben solche Aktivitäten jedoch Einzelmaßnahmen und sind nicht systematisch mit der Gestaltung von Aus- und Weiterbildungsaktivitäten der Region verknüpft. Entwicklung von Zusatzqualifikationen Die Erarbeitung von Zusatzqualifikationen bietet sich an, um Inhalte, die über die Ausbildungs ordnung hinausgehen, zu vermitteln und zu zertifizieren und so zeitnah aktuelle Qualifizierungsbedürfnisse aufzugreifen oder leistungsstarken Jugendlichen ein attraktives Zusatzange bot neben der dualen Ausbildung anzubieten (vgl. auch Kapitel II.3). Nach der Auswertung der Datenbank AusbildungPlus36 werden Zusatzqualifikationen in NRW im deutschlandweiten Ver gleich intensiv genutzt. Hier werden 22 Zusatzqualifikationen37 von Handwerkskammern in NRW angeboten. So kann z.B. an der HWK Aachen eine Zusatzqualifikation zur Fachkraft SPS oder Fachkraft CNC oder zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten erworben werden. Die Handwerkskammer Düsseldorf bietet eine Zusatzqualifikation CAD und hiermit eine wichtige Basisqualifikation für den Einstieg in die digitale Produktgestaltung an. Die Zusatzqualifikationen können sich auch auf den Fremdsprachenerwerb oder den Erwerb interkultureller Kompe tenz beziehen und werden dann häufig im Rahmen von Austauschprogrammen durchgeführt. Verschiedene Handwerkskammern bieten parallel zur handwerklichen Ausbildung den Erwerb einer betriebswirtschaftlichen Fortbildung in Form von Zusatzqualifikationen an (z.B. Betriebs assistentin und Betriebsassistent im Handwerk der HWK Arnsberg). Zusatzqualifikationen als 36 Zur Datenbank AusbildungPlus siehe: https://www.bibb.de/de/ausbildungplus_index.php (Stand: 19.06.2016). 37 Die Datenbank erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. 38 WDP 179 Berufliche Bildung im Handwerk: Themenfelder der Enquete-Kommission III
Bestandteil staatlich anerkannter Ausbildungsberufe wurden bisher im Handwerk in einem Be ruf (Textilgestalterin und Textilgestalter) erlassen. Förderung der Weiterbildung in überbetriebliche Berufsbildungsstätten (ÜBS) Neben der Durchführung der ÜLU (vgl. Kapitel II.3) sind die Qualifizierungsmaßnahmen der be ruflichen Fort- und Weiterbildung von ebenso hoher Bedeutung für die ÜBS. Aber auch weitere Maßnahmen vervollständigen das angebotene Portfolio (Köhlmann-Eckel 2015). Mit den vorge haltenen unterschiedlichen Bildungsangeboten werden alle für die berufliche Qualifizierung re levanten Zielgruppen in den Fokus genommen. Dies stellt jedoch eine Herausforderung für die Ausbilderinnen und Ausbilder in den ÜBS dar, die sich zunehmend diesem multifunktionalen Lernort gegenübersehen. So ist die Aufgabe der Ausbilderinnen und Ausbilder (haupt- und ne benberuflich tätige Meisterinnen und Meister) nicht mehr nur das „klassische“ Unterrichten und Unterweisen; sie werden vielmehr zum Begleiter von Lernprozessen, die ihrerseits eine kontinu ierliche Kompetenzentwicklung erforderlich machen. Dies kann die Anpassung der Strategien zur Gewinnung zukünftiger Ausbilderinnen und Ausbilder erforderlich machen. Derzeit liegen jedoch nur unzureichend empirische Befunde vor, die sich der Rolle der Ausbilderinnen und Ausbilder in ÜBS widmen. Einen möglichen Ansatz können die Professionalisierungsstrategien für überbetriebliche Ausbilderinnen und Ausbilder nach Ahrens (2012) bieten. Neben fachbezo genem Wissen stehen dabei zunehmend mehr methodisch-didaktische Kompetenzen, Sozial- und Beratungskompetenzen sowie interkulturelle Kompetenzen im Vordergrund, um den viel fältigen Anforderungen der heterogenen Zielgruppen gerecht werden zu können (ebd.). Die Fortbildungsregelung zum Berufspädagogen auf Niveaustufe 7 des DQR hat diese Forderungen aufgegriffen und ermöglicht so eine adäquate pädagogische Aufstiegsfortbildung. ►Beispiele für mögliche bildungsbereichsübergreifende Angebote in der Aus- und Fortbildung des Handwerks Die nachfolgenden Beispiele zeigen Aspekte für die zukunftsfähige Gestaltung der Aus- und Weiterbildung im Handwerk auf, die einen Beitrag zur kontinuierlichen Kompetenzentwicklung der durch die Digitalisierung entstehenden veränderten Anforderungen leisten: ►Denken in Systemen: Die Gestaltung komplexer und vernetzter Systeme macht neben dem handwerklichen Know-how verstärkt auch ein vertieftes Verständnis für Systemzusammen hänge notwendig. Ein Beispiel hierfür aus dem SHK-Handwerk ist der Bau von KWK-Anla gen, welche gegenüber herkömmlichen Heizungsanlagen deutlich komplexer sind. Das Ver ständnis für die hydraulischen Systemzusammenhänge der Anlage ist eine unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung. Weitere Beispiele für die Notwendigkeit systemischen Denkens im Handwerk finden sich im Kfz-Handwerk, im Elektrohandwerk und im Gesundheitshandwerk. ►Kundenberatung: Im Zusammenhang mit der Digitalisierung ergeben sich zunehmend Möglichkeiten, Produkte individuell für den Kunden zu erarbeiten. Hierdurch steigen auch die Anforderungen an eine individuelle Kundenberatung. ►Reflexivität und Selbstlernkompetenz als notwendige personale Kompetenzen: Schnel lere Innovationszyklen, eine breite und komplexe Produktpalette (z.B. im SHK-Handwerk) und wechselnde rechtliche Anforderungen (z.B. Brandschutz im Ausbauhandwerk) bedin gen, dass die in der Ausbildung erworbenen Kompetenzen nicht abschließend sind, sondern eher einen exemplarischen Charakter haben. Berufliche Bildungsprozesse sollten daher so gestaltet sein, dass sie die eigenständige Erarbeitung der Tätigkeit und das Weiterlernen an regen sowie ausreichend Gelegenheit zum Durchdenken und Hinterfragen bieten. ►Lese- und Medienkompetenz: Grundlage der Automatisierung ist eine sorgfältige Doku mentation (z.B. von Messdaten, Prozessvariablen etc.). Lese- und Schreibfähigkeit im Sinne 3Verzahnung und Durchlässigkeit von Berufsbildern WDP 179 39
3. Inhalte und Anforderungen der Prüfung, mit welcher die individuelle Zielerreichung und da mit auch die Qualität des Qualifizierungsprozesses festgestellt werden, 4. Zulassungsvoraussetzungen zur Prüfung, 5. Prüfungsverfahren. Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat 2014 eine Empfehlung für Eckpunkte zur Struktur und Qualitätssicherung der beruflichen Fortbildung nach Berufsbildungsgesetz (BBiG) und Hand werksordnung (HwO)“45 vorgelegt, die den Rahmen für die zukünftige Gestaltung von Fortbil dungsregelungen vorgibt. Dabei werden die öffentlich-rechtlich geregelten beruflichen Fortbil dungen des Bundes, die Systematik ihrer verschiedenen drei Qualifikationsniveaus und die Systematik der Qualitätssicherung dargestellt. Damit werden die im BBiG und der HwO festge legten Anforderungen an Fortbildungsordnungen konkretisiert und ein Strukturrahmen für die drei Niveaus der beruflichen Fortbildung im Zusammenhang mit der Struktur des Deutschen Qualifikationsrahmens beschrieben. Die Zuordnung von Fortbildungsprofilen zum DQR kann so transparent nachvollzogen werden. ►Qualitätsmerkmal: Sicherung der Ausbildungsqualität in den Betrieben Zur Unterstützung der Ausbildung, insbesondere in Klein- und Mittelbetrieben, hat das BIBB be reits vor einigen Jahren ein umfangreiches Modellversuchsprogramm „Entwicklung und Siche rung der Qualität in der betrieblichen Berufsausbildung“46 aufgelegt, mit dem Ziel, Potenziale für eine Förderung der Qualität in der betrieblichen Bildung aufzuzeigen und Impulse für eine Wei terentwicklung zu geben. Dazu wurden in insgesamt zehn Modellversuchen eine Vielzahl von Verfahren und Instrumenten zur Weiterentwicklung der Qualität der betrieblichen Berufsausbil dung in KMU in Handwerk, Industrie und im Dienstleistungsbereich entwickelt und erprobt. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse wurde ein Leitfaden für die Ausbildungspraxis entwickelt und vom BIBB herausgegeben, der Vorschläge für die Qualitätsentwicklung aufzeigt. Enthalten sind Vorschläge zur Vereinbarung von Qualitätszielen, Hinweise zur Gestaltung der Lernortkoopera tion und zur Qualifizierung des Bildungspersonals, weiterhin enthalten sind konzeptionelle Vor schläge zur Gestaltung einer handlungsorientierten Ausbildung und Empfehlungen zur Siche rung der Lernergebnisse.47 ►Qualitätsmerkmal: Ausbildungspersonal Die Ausbildungsverantwortung in Handwerksbetrieben liegt im Allgemeinen bei den Inhaberin nen und Inhabern. Er oder sie hat die formale Ausbildungsberechtigung als Teil IV der Meister prüfung (Ausbilder-Eignungsverordnung) erworben und überwacht die Ausbildung im eigenen Betrieb. Praktisch angeleitet werden die Auszubildenden jedoch durch Mitarbeiterinnen und Mitarbei ter, die als nebenberufliche Ausbilderinnen und Ausbilder diese Aufgabe als Teil ihrer regulären Facharbeit übernehmen. Dabei handelt es sich überwiegend um Gesellinnen und Gesellen, die im Allgemeinen kaum über eine formale pädagogische Vorbildung verfügen. Wie Fallstudien des BIBB auf Basis von Interviews zeigen (Bahl und Blötz 2012), beruht ihr Handeln vor allem auf „Bauchgefühl“ und persönlichen Erfahrungen aus ihrer eigenen Ausbildungszeit, die nur bedingt 45 Eckpunkte zur Struktur und Qualitätssicherung der beruflichen Fortbildung nach Berufsbildungsgesetz (BBiG) und Handwerksordnung (HwO), Bundesinstitut für Berufsbildung, HA-Empfehlung 159, URL: https://www.bibb.de/ dokumente/pdf/HA159.pdf (Stand: 21.06.2016). 46 Entwicklung und Sicherung der Qualität in der betrieblichen Berufsausbildung. URL: https://www2.bibb.de/ bibbtools/de/ssl/4944.php (Stand: 21.06.2016). 47 Bundesinstitut für Berufsbildung: Leitfaden – Qualität der betrieblichen Berufsausbildung, BIBB-Broschüre zum freien Download, BIBB, Bonn 2015. URL: https://www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/publication/show/id/ 7503 (Stand: 21.06.2016). 46 WDP 179 Berufliche Bildung im Handwerk: Themenfelder der Enquete-Kommission III
reflektiert werden. Aufgrund des hohen ökonomischen Drucks orientiert sich die Ausbildungs praxis primär an den anfallenden Arbeits- und Kundenaufträgen. Die Ausbildungsordnung ist auf dieser Ebene meist gar nicht bekannt. Nur in Ausnahmefällen wird der Austausch der ausbil denden Fachkräfte untereinander zu Fragen der Ausbildungspraxis vonseiten der Betriebsfüh rung angeregt und systematisch unterstützt. Einen eigenen Qualifizierungsbedarf können die Betroffenen daher auch kaum benennen. Prinzipiell lässt sich konstatieren, dass die AEVO überwiegend als Qualitätssiegel des Betriebs und „Berechtigung“ betrachtet wird und dem Aspekt der „Befähigung“ für pädagogisches Han deln nur eine sehr untergeordnete Bedeutung zukommt (Bahl und Brünner 2013). Allerdings, auch das zeigen die vorliegenden Untersuchungen, sind Ausbilderinnen und Ausbilder in den Betrieben zunehmend auf Unterstützung für die Ausbildung von Jugendlichen aus unterschied lichen kulturellen Kontexten oder mit besonderem Förderbedarf angewiesen. Mit der zunehmenden Digitalisierung in den Betrieben benötigen Ausbilderinnen und Ausbil der für die Gestaltung der betrieblichen Ausbildung didaktische Konzepte, die eine Integration der digitalen Medien in die Ausbildung ermöglichen. Vorliegende Ergebnisse zeigen allerdings, dass das Fach- bzw. Lehrbuch gegenwärtig betriebsgrößenübergreifend noch das bevorzugte Ausbildungsmittel ist (Vgl. dazu die repräsentative Betriebsbefragung „Digitale Medien in Be trieben …“ https://www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/publication/show/id/8106). Das In ternet dient in erster Linie zur Informationsbeschaffung und zur Kommunikation untereinander. Das momentan vorhandene Wissen über den zielorientierten und der jeweiligen Ausbildungs- und Arbeitssituation angemessenen Einsatz bestimmter Medienformate reicht nicht aus, um diese souverän im Ausbildungsalltag einzusetzen. Grundlegendes Know-how zum Thema Da tenschutz und IT-Sicherheit sowie Jugendschutz vervollständigen den Katalog des Nachholbe darfs dieser für die betriebliche Berufsausbildung wichtigen Kompetenz des Ausbildungsperso nals (vgl. Kapitel III.3). Dabei steht die bewusst organisierte Einbettung digitaler Lehr- und Lernumgebungen in didaktische Konzepte und lernförderliche Rahmenbedingungen im Mittel punkt. Das bedeutet eine Ausweitung des Anforderungsprofils an das ausbildende Personal: Zum fachlichen und berufspädagogischen Anforderungsprofil gehört auch zunehmend die Fä higkeit, die interaktiven und multimedialen Möglichkeiten digitaler Lehr-/Lernszenarien auf Grundlage entsprechender medienpädagogischer Kompetenz effektiv nutzen zu können. Medienpädagogische Kompetenz stellt sich facettenreich und komplex dar. Sie reicht vom technischen Verständnis über berufspädagogisches Know-how und die Gestaltung selbstorgani sierter Lernprozesse bis hin zur Organisation des Wissensmanagements in betrieblichen Lehr-, Lern- und Arbeitsumgebungen. Sie umfasst zugleich das Lernen mit und über digitale Medien und das grundsätzliche Verständnis darüber, wie Medien in die jeweiligen betrieblichen Organi sationsstrukturen integriert werden können (Medienintegration). Auf der Grundlage eines ent wickelten Modells „Medienpädagogische Kompetenz“ werden gegenwärtig Handlungsempfehlun gen zur Weiterbildung betrieblichen Ausbildungspersonals erarbeitet.48 48 Digitale Medien in der betrieblichen Berufsbildung – Medienaneignung und Mediennutzung in der Alltagspraxis von betrieblichem Ausbildungspersonal, BIBB, Bonn 2015. Vgl. dazu auch den Zwischenbericht zum Forschungsprojekt unter: https://www2.bibb.de/bibbtools/tools/dapro/data/documents/pdf/zw_32305.pdf 5Qualität und Vergleichbarkeit von Angeboten der beruflichen Bildung WDP 179 47
IV Schlussfolgerungen und Empfehlungen Die Entwicklung von Ausbildung und Beschäftigung steht im Zeichen der demografischen Ent wicklung, der digitalen Durchdringung aller Lebensbereiche und der zunehmenden Ausdifferenzierung der Bildungsbereiche. Davon ist auch das Handwerk betroffen. Nicht nur die demo grafische Entwicklung, auch der Trend zur Höherqualifizierung wird sich den vorliegenden Prognosen zufolge künftig fortsetzen. Dies lässt erhebliche Fachkräfteengpässe im Handwerk er warten. Gleichzeitig wird die zunehmende Digitalisierung im Handwerk Veränderungen in den betrieblichen Strukturen zur Folge haben und mit erheblichen Auswirkungen auf die Qualifikationsstruktur und -inhalte verbunden sein. Viele Handwerksbetriebe stehen dabei heute schon in einem kontinuierlichen Veränderungsprozess, bei dem Digitalisierung zunehmend an Bedeu tung gewinnt und neue Chancen für Arbeits- und Produktionsbedingungen eröffnet. In vielen Berufen entstehen dadurch höhere Qualifikationsanforderungen. Dies wird aber noch nicht hin reichend wahrgenommen. Denn zugleich wird das Handwerk in einigen Bereichen und Berufen nicht mehr als interessant und herausfordernd von und für junge Menschen wahrgenommen. Deshalb gilt es, die Zukunftsfähigkeit des Handwerks durch attraktive Ausbildungs- und Be schäftigungsbedingungen weiterzuentwickeln und stärker in die öffentliche Wahrnehmung zu bringen. Dabei ist an den vorhandenen Stärken anzusetzen. Für die berufliche Bildung heißt dies, weitere Flexibilisierungen der beruflichen Entwick lungs- und Bildungswege bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Berufsprinzips vorzunehmen, berufliche Bildungswege (noch) durchlässiger zu gestalten, Übergänge zwischen den verschie denen Bildungsabschnitten, -wegen und -bereichen auszubauen und dies mit dem Ziel des Er werbs umfassender beruflicher Handlungskompetenzen zu verbinden. Diese Flexibilisierung er möglicht auch die Integration Geflüchteter, indem – wie unter anderem vom Aktionsrat Bildung (Blossfeld u.a. 2016) gefordert – der Zugang zu Ausbildung erleichtert wird, individuelle Vo raussetzungen berücksichtigt werden und der Spracherwerb erleichtert wird. Allerdings sollte es nicht, wie vorgeschlagen, vordringlich darum gehen, mehr zweijährige Berufe zu entwickeln. Diese können vielmehr Bestandteil eines systematischen, erweiterten Berufslaufbahnkonzeptes sein, in dem, dem NRW-Motto „Kein Abschluss ohne Anschluss“ folgend, die Voraussetzungen für den Erwerb des nächsthöheren Qualifikationsniveaus geschaffen werden. Mit den vorliegenden Vorschlägen soll nicht der Fokus auf eine spezielle Gruppe (z.B. Flüchtlinge) gelegt, sondern insgesamt die Integrationsfunktion der Berufsbildung im Handwerk gestärkt werden. Die Förderung von Durchlässigkeit bedeutet zugleich, die vorhandenen Bildungsbereiche als eigenständige Subsysteme aufrechtzuerhalten, die vorhandenen Strukturmodelle zu erweitern und die Verzahnung zwischen den Teilsystemen (Berufsbildung und Hochschule) unter Berück sichtigung dieses Primats (weiter) auszubauen. Das vordringliche Ziel muss auch in Zukunft da rin bestehen, das berufsbildende System (Ausbildung und Fortbildung) als Ganzes weiterzuent wickeln und die Übergänge in das System und zwischen den verschiedenen Stufen/Niveaus flexibler zu gestalten, um sowohl für Leistungsstarke als auch für weniger Leistungsfähige at traktive Ausbildungs- und Karrierewege und langfristige Beschäftigungsperspektiven zu eröffnen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass eine Einteilung in Leistungsfähige und weniger Leistungsfähige oftmals nur ein Stadium der Entwicklung der Persönlichkeit anzeigt und vermeintlich weniger Leistungsfähige im Laufe ihrer Entwicklung große Fortschritte machen. Darüber hinaus ist es erforderlich, Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität auszubauen und in das Ausbil dungsmarketing zu investieren, damit es gelingen kann, die „Marke“ Berufsbildung stärker als 48 WDP 179 Schlussfolgerungen und Empfehlungen IV
bisher als bildungskarriererelevant in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern, um so die gesellschaftliche Wertschätzung zu heben. Im Hinblick auf die genannten Befunde können die nachfolgenden Ansatzpunkte geeignet sein, die berufliche Bildung im Handwerk systematisch weiterzuentwickeln. 1Horizontale und vertikale Durchlässigkeit fördern Ein Ansatzpunkt besteht in der Förderung der horizontalen und vertikalen Durchlässigkeit, z.B. durch Umsetzung eines erweiterten Berufslaufbahnkonzeptes, der kontinuierlichen Weiterent wicklung der Berufsbilder sowie der Erleichterung des Zugangs beruflich Qualifizierter zu den Hochschulen. ►Weiterentwicklung der Strukturen – Umsetzung eines erweiterten Berufslaufbahnkonzeptes Mit der Entscheidung der Bundesregierung und der zentralen bildungspolitischen Akteure, ei nen Deutschen Qualifikationsrahmen bildungsbereichsübergreifend einzusetzen, sind die Vo raussetzungen für eine strukturelle Durchlässigkeit und Gleichwertigkeit der Bildungsgänge ge geben. Zugleich wurden Kriterien für die Zuordnung der Bildungsgänge/Qualifikationen zu den verschiedenen Niveaus des DQR in den unterschiedlichen Bildungsbereichen vorgelegt, um die Qualität zu sichern (vgl. Kapitel III.3). Gegenwärtig sind sämtliche staatlich anerkannten Ausbil dungsberufe nach BBiG und HwO auf Grundlage der regulären Ausbildungsdauer dem DQR pauschal zugeordnet, alle 2-jährigen Berufsbilder sind dem Niveau 3, alle 3- und 3,5-jährigen Berufe dem Niveau 4 zugeordnet. Im Weiterbildungsbereich wurden bisher für das Handwerk die Geprüfte Servicetechnikerin und der Geprüfte Servicetechniker (gemäß §53 Absatz 1 BBiG bzw. §42 Absatz 1 HwO) dem Niveau 5 des DQR und 164 Meisterregelungen pauschal dem Ni veau 6 zugeordnet.49 Dem Niveau 7 wurden bisher die Fortbildungsregelungen zur Geprüften Berufspädagogin und zum Geprüften Berufspädagogen sowie zur Geprüften Betriebswirtin und zum Geprüften Betriebswirt nach Handwerksordnung zugeordnet. Die Zuordnung weiterer staatlich anerkannter Fortbildungsregelungen steht noch aus, hier wurden umfangreiche Analy sen der Ordnungsmittel, der Curricula und Prüfungsregelungen durch das BIBB vorgenommen. Mit dem vom Handwerk 2007 vorlegten Modell eines „Berufslaufbahnkonzeptes“ wird das Ziel verfolgt, Ansätze für eine vertikale und horizontale Durchlässigkeit innerhalb des berufsbildenden Systems als auch zwischen den Bildungsbereichen Berufsbildung und Hochschule aufzuzeigen und entsprechende Entwicklungen einzuleiten. Das Modell zeigt systematische Kar rierewege für alle Handwerksberufe auf, mit dem Ziel des individuellen Professionalisierungs prozesses von der Anfängerin bzw. dem Anfänger bis zur handwerklichen Expertin bzw. dem handwerklichen Experten. Es bietet im Zusammenhang mit der weiteren Umsetzung des DQR eine gute Grundlage, um die einzelnen Bildungsgänge bzw. Bildungsabschnitte in die Niveaus des DQR zuzuordnen. Vorgeschlagen wird eine Erweiterung des Modells, das sämtliche Bildungsbereiche umfasst und in verschiedene aufeinanderfolgende Bildungsabschnitte unterteilt und entsprechend im DQR verordnet. Die Bildungsabschnitte repräsentieren dabei in erster Linie in sich geschlossene Bildungsgänge (z.B. Berufsausbildung bzw. Fortbildungen). In der Abbildung 11 sind die grundsätzlichen Überlegungen eines erweiterten Berufslaufbahnkonzeptes für das Kfz-Hand 49 Vgl. dazu die aktuellen Zuordnungen nach §53 Absatz 1 BBiG bzw. §42 Absatz 1 HwO, nach §122 HwO und nach §45 Absatz 1 sowie §51a Absatz 2 HwO der geregelten Aufstiegsfortbildungen für den Qualifikationstyp Geprüfte Meisterin und Geprüfter Meister. URL: http://www.dqr.de/content/2316.php (Stand: 21.06.2016). 1Horizontale und vertikale Durchlässigkeit fördern WDP 179 49
werk exemplarisch dargestellt. Dabei sind die bereits vorgenommenen Zuordnungen der Bil dungsgänge zu den Niveaus 3 bis 7 enthalten. Abbildung 11 Modell eines erweiterten Berufslaufbahnkonzeptes des Kfz-Handwerks im Kontext DQR 1 Berufsausbildungsvorbereitung Allgemeinbildendes Schulsystem Berufsausbildung Berufsausbildungssystem Berufliche Weiterbildung Hochschulsystem 2 3 4 5 Zusatzqualifikation, z. B. Betriebsassistent/-in im Handwerk Kfz-Service- techniker/-in Gepr. Automobil- Serviceberater/-in Kfz- Mechatroniker/-in Schwerpunkt: Pkw-Technik Schwerpunkt: Nfz-Technik Schwerpunkt: Motorradtechnik Schwerpunkt: Karosserietechnik Weitere Kfz-Berufe Automobilkaufmann/-frau Kaufmann/-frau für Büromanagement Schwerpunkt: System- und Hochvolttechnik Mechaniker/-in für Karosserieinstandhaltungstechnik Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Wahlbereich Kfz-Teile, Zubehör EQ, Ausbildungsbausteine affiner Kfz-Berufe (Anrechnung auf Berufsbilder) Berufsbezogene Berufsorientierung (Qualifizierungsbausteine auf Basis von Ausbildungsbausteinen) 6 Kfz-Techniker/-in Kfz-Meister/Meisterin 7 Gepr. Betriebswirt/-in im Handwerk Gepr. Berufspädagoge/-in 8 Gelenktes Praktikum Abschlussbezeichnungen repräsentieren Kompetenzprofile Quelle: Frank/Esser, eigene Darstellung Nachfolgend werden inhaltliche Überlegungen zur Ausgestaltung des Modells skizziert: 50 WDP 179 Schlussfolgerungen und Empfehlungen IV
Erweitertes Berufslaufbahnkonzept – Förderung des Zugangs zur Ausbildung – Systematisierung des Bildungskettenansatzes Eine Förderung der Durchlässigkeit bedeutet, eine Weichenstellunge für mehr Durchlässigkeit früher als bisher vorzunehmen und in den allgemeinbildenden Schulen in allen Schulformen eine konsequente und frühzeitige verstärkte und zugleich berufsbezogene Berufs- und Studien orientierung anzubieten. Auf vertikaler Ebene kann es so gelingen, die Übergänge von der Allgemeinbildung in die Berufsbildung friktionsloser zu gestalten und vorhandene Potenziale zu nutzen. Es sollte allen Jugendlichen durch angeleitete Praktika und eine vertiefte Berufsorientie rung – im Handwerk unter Einbeziehung der ÜBS – möglich sein, einen umfassenden Einblick in die Berufswelt zu erhalten, um das Berufswahlverhalten stärker fähigkeits- und interessengelei tet zu gestalten. Dazu sollten vorhandene Instrumente (z.B. Qualifizierungsbausteine, Ausbil dungsbausteine, ausbildungsbegleitende Hilfen etc.) systematisch berufsbezogen aufbereitet, in die Berufsorientierungsprogramme aller Schularten eingebunden und entsprechende Anrech nungsmodalitäten der erbrachten Lernleistungen für die spätere Berufsausbildung entwickelt werden, nach dem Motto: „Kein Abschluss ohne Anschluss“. Eine Einbeziehung der erforderlichen Kompetenzen, die sich aus der zunehmenden Nutzung der digitalen Techniken ergeben, sind dabei in die Curricula einzubeziehen, das umfasst auch Aspekte der Datensicherheit und des ethischen Umgang mit den Medien. Dazu sollte auf regionaler Ebene die Kooperation der Be triebe, Kammern und Kreishandwerkerschaften mit den Schulen einschließlich der Gymnasien verstärkt werden. Eine Verbesserung des Austausches und der Zusammenarbeit kann auch z.B. durch Hospitationen von Lehrpersonal in Betrieben bzw. von Ausbilderinnen und Ausbildern in den beruflichen Schulen erfolgen. Die Einrichtung von Erfahrungsaustauschgruppen auf lokaler Ebene zwischen den Beteiligten in den Lernorten kann dabei eine wichtige informelle „Aus tauschbörse“ sein. Dabei können inhaltliche Aspekte verschiedener Gewerke auch unter Berück sichtigung der Digitalisierung erweitert und aufgenommen werden. Verstärkte Flexibilisierung der Ordnungsmittel Über eine verstärkte Flexibilisierung der Ordnungsgrundlagen, verbunden mit einer konsequen ten kompetenz- und lernergebnisorientierten Gestaltung und zeitlichen Anrechnung von Lern leistungen, die z.B. im Übergangsbereich erworben wurden, könne eine bessere Anbindung und Verzahnung der verschiedenen Stufen innerhalb der Aus- und Fortbildung und eine verstärkte Anschlussfähigkeit an die hochschulischen Bildungsgänge erreicht werden. Aus- und Fortbil dungsregelungen sollten parallel entwickelt und dabei die Ausbildungs- und Fortbildungsrege lungen flexibel gestaltet werden, um Ausbildungsbetrieben und Auszubildenden eine individu elle Gestaltungsperspektive zu eröffnen und der Vielfalt der jungen Menschen besser gerecht zu werden. Dazu sollten die gegenwärtig vorhandenen und bei der Gestaltung der Ausbildungsord nungen zur Anwendung kommenden Differenzierungsmöglichkeiten durch Fachrichtungen, Wahlqualifikationen und Zusatzqualifikationen genutzt und ausgebaut werden. Zugleich sollten die vorhandenen Zugangsvoraussetzungen bei den Fortbildungsregelungen, bezogen auf die drei unterschiedlichen Fortbildungsebenen, einer kritischen Überprüfung unterzogen werden. Dabei sollten Möglichkeiten der verstärkten Anerkennung und Anrechnung von zuvor erworbe nen Lernleistungen entwickelt werden. ►Berufsbilder (Aus- und Weiterbildungsgänge) kontinuierlich weiterentwickeln Im Zusammenhang mit der Modernisierung bestehender Berufe ist bei der Modernisierung be stehender Ordnungsmittel für den Aus- und Weiterbildungsbereich eine konsequente Prüfung im Hinblick auf die zukünftigen Anforderungen, die sich aus der Digitalisierung und der damit verbundenen Anforderung, Medien kompetent in der Praxis anwenden zu können (Medienkom petenz), durchzuführen. Dies sollte nicht nur im Hinblick auf Anwendungsaspekte der Techno 1Horizontale und vertikale Durchlässigkeit fördern WDP 179 51
logien, sondern auch im Hinblick auf rechtliche und ethische Fragen sowie die Kommunikations regeln im Netz erfolgen. Hier muss die Fähigkeit zum lebensbegleitenden Lernen in der Form gefördert werden, dass die Fähigkeit vermittelt wird, sich in der jeweiligen Domäne Informatio nen zu erschließen und das berufliche Handlungswissen konsequent weiterzuentwickeln. Die Verankerung von Prozess-, System- und Problemlösungswissen wird für Berufsbilder zum neuen Standard. ►Zugang beruflich Qualifizierter zur Hochschule erleichtern Die vorliegenden Erfahrungen in der Umsetzung der KMK-Empfehlung von 2009 zeigen eine nur geringe Resonanz. NRW sieht nach den vorliegenden Berichten keine Notwendigkeit der Anpassung der ohnehin gegenüber den Vorgaben der KMK gelockerten Empfehlungen. Mit der Einstufung der Fortbildungsregelungen auf dem Niveau 7 des DQR und den noch ausstehenden Zuordnungen von Fortbildungsregelungen auf dem Niveau 6 ist bereits viel erreicht. Zukünftige Anstrengungen sollten vielmehr darauf gerichtet sein, die Durchlässigkeit innerhalb der Fortbil dungsregelungen durch eine Änderung der Zugangsvoraussetzungen zugunsten beruflich Quali fizierter zu verbessern. 2Attraktive Karrierewege gestalten Insbesondere durch die Anrechnung von Studienleistungen sowie das systematische Aufzeigen von Karrierewegen kann die Attraktivität einer Ausbildung im Handwerk gesteigert werden. ►Standardisierte Anrechnungsregelungen für Studienaussteiger entwickeln Der Trend von Studienaussteigerinnen und Studienaussteigern, in das duale Ausbildungssystem einzutreten, wird aller Voraussicht nach auch in den kommenden Jahren anhalten bzw. weiter steigen. Damit gewinnt der Weg von der Hochschule in die duale Berufsbildung an Bedeutung (reziproke Durchlässigkeit). Gegenwärtig gibt es keine Standards für die Anrechnung von in der Hochschule erbrachten Lernleistungen auf die Berufsbildung; es überwiegen Einzelfallentschei dungen der zuständigen Stellen. Das gegenwärtig im BIBB durchgeführte Pilotvorhaben zur Identifizierung gemeinsamer Lerneinheiten in Hochschule und Weiterbildung für den Kfz-Be reich kann dafür wichtige Impulse auf dem Weg der Festlegung von (gemeinsamen) Standards liefern. Existierende Eignungsfeststellungsverfahren sollten gemeinsam mit Experten des beruf lichen Bereichs mit dem Ziel weiterentwickelt werden, die in hochschulischen Kontexten erwor benen Kompetenzen zu berücksichtigen und mit einem „Wert“ zu versehen. Zurzeit werden im Rahmen des vom BMBF geförderten Programms Jobstarter, das vom BIBB durchgeführt wird, bundesweit innovative Projekte zur Entwicklung und Erprobung von Modellen zur Integration von Studienaussteigerinnen und Studienaussteigern in die berufliche Bildung durchgeführt.50 ►Karrierewege systematisch aufzeigen Die Attraktivität der Berufsbildung im Handwerk wird u.a. dadurch erhöht, dass sie nicht als „Durchgangsstation“ zur akademischen Bildung ausgerichtet wird. Bei allen Aktivitäten zur För derung der Durchlässigkeit zwischen Berufsbildung und Hochschule gerät die Berufsbildung in die Gefahr, (weiter) an Attraktivität zu verlieren, wenn es nicht gelingt, sie zu einer „Marke“ auszubauen und den eigenen Wert für die Wirtschaft und die Gesellschaft (z.B. Integration) he rauszustellen und aktiv zu gestalten. Neben der Stärkung der eigenen Ausbildung, welche für das Handwerk auch mit der Ausbildung heterogener Personengruppen (z.B. mit niedrigen, aber auch mit höheren Schulabschlüssen; mit und ohne Migrationshintergrund) verbunden ist, müs 50 Auch: www.jobstarter.de. 52 WDP 179 Schlussfolgerungen und Empfehlungen IV
sen attraktivere Rahmenbedingungen für junge Menschen geschaffen werden (u.a. Vereinbar keit von Familie und Beruf; berufliche Entwicklungsmöglichkeiten). Die Attraktivität von Bil dungsgängen wird nicht allein von dem Bildungsangebot beeinflusst, sondern weit mehr davon, welche Beschäftigungs-, Verdienst- und Karrieremöglichkeiten sich dadurch für die Beschäftig ten eröffnen. Daher müssen Aspekte wie Lohn- und Ausbildungsvergütung ebenso berücksich tigt werden wie Arbeitsbedingungen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Insbesondere für Berufe bzw. Berufsfelder, die durch eine hohe Flexibilisierung gekennzeichnet sind, ließen sich über eine extreme Lohnsteigerung Fachkräfte aus angrenzenden Berufsfeldern rekrutieren. Gerade für kleine Betriebe ist dieser Aspekt besonders schwierig umzusetzen. Hier könnten al lerdings durch die Nutzung partnerschaftlicher Strukturen noch Potenziale erschlossen werden. 3Rahmenbedingungen verbessern Ebenfalls ist für die Weiterentwicklung der beruflichen Bildung im Handwerk eine Verbesserung der Rahmenbedingungen, u.a. durch Förderung der Lernortkooperation, Stärkung des dualen Partners Berufsschule, Qualifizierung des Ausbildungspersonals sowie Ausbau von Service- und Beratungsstrukturen, von Bedeutung. ►Förderung der Kooperation und Vernetzung von Betrieben Eine Förderung der Ausbildung, verbunden mit einer möglichen Steigerung der Attraktivität des Handwerks, kann durch die partnerschaftliche Ausbildung mehrerer Betriebe durch regionale Partnerschaften und den Zusammenschluss zu einer eigenen „Marke“ erreicht werden. Damit verbunden ist zugleich eine Stärkung der handwerklichen Klein- und Mittelbetriebe mit dem Ziel, in der (zunehmenden) Konkurrenz zu Großbetrieben und in der allgemeinen Öffentlichkeit sichtbarer zu werden. Eine stärkere Vernetzung der Betriebe kann darüber hinaus geeignet sein, die mit der zunehmenden Digitalisierung verbundenen Lasten besser zu schultern. ►Stärkung des dualen Partners Berufsschule Eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Partner Berufsschule auf der lokalen Ebene kann dazu beitragen, die Qualität der Ausbildung und das Lernen voneinander zu fördern. Damit ist es möglich, vorhandene Barrieren abzubauen, neue Lernformen zu implementieren, vorhandene digitale Lernumgebungen zu nutzen sowie wechselseitige Unterstützungsmaßnahmen zu entwi ckeln und umzusetzen (z.B. zur Betreuung und Begleitung heterogener Lerngruppen). Entspre chende Partnerschaften können auch dazu genutzt werden, technologische Veränderungen und die damit verbundenen Bildungsbedarfe vor Ort frühzeitig zu erkennen und gemeinsam in die Ausbildung zu integrieren. ►Qualifizierung des Ausbildungspersonals Um die kontinuierlichen Veränderungsprozesse zu begleiten, muss auch das Ausbildungsperso nal kontinuierlich weitergebildet werden. Es sollte geprüft werden, inwieweit die gestiegenen Anforderungen in Bezug auf Medienkompetenz, aber auch der angemessene Umgang mit der Heterogenität der Auszubildenden in der AEVO verankert werden kann. Alternative Wege soll ten entwickelt werden, verbunden z.B. mit niederschwelligen Maßnahmen, die bei konkreten Problemlagen und Konfliktfällen unmittelbar im Betrieb selbst ansetzen können. Dafür sollten die in den Handwerkskammern vorhandenen Instrumente genutzt, gezielter propagiert und weiter ausgebaut werden. Ansätze können sein: a)Als Teil des Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs 2010–2014 haben die Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) und die DIHK-Bildungs-GmbH 3Rahmenbedingungen verbessern WDP 179 53
ein Qualifizierungsangebot unterhalb der AEVO entwickelt, das konkrete und praxisnahe Hilfestellungen für die Ausbildung schwächerer Jugendlicher bietet. Die Ausbilderqualifizierung umfasst E-Learning-Einheiten und kurze Präsenzphasen.51 b)Die Ausbildungsberaterinnen und Ausbildungsberater der Kammern besetzen eine zentrale Schnittstelle für den Dialog mit der Ausbildungspraxis in den Betrieben vor Ort. Mit aufsu chenden Angeboten kann das nebenberufliche Ausbildungspersonal sensibilisiert und unter stützt werden. Ihre Rolle sollte daher qualitativ wie quantitativ gestärkt werden. c)Im Handwerk werden je nach Branche und Berufsbild unterschiedlich große Zeitanteile des betrieblichen Ausbildungsauftrags an überbetriebliche Bildungsstätten delegiert, in denen hauptberufliche Ausbilderinnen und Ausbilder tätig sind.52 Dadurch ergeben sich verschie dene Varianten einer Art „Arbeitsteilung“ zwischen inner- und überbetrieblich tätigen Aus bilderinnen und Ausbildern. Deren Austausch und Kooperation sollte vonseiten der Kam mern und überbetrieblichen Bildungsstätten gezielter gefördert und unterstützt werden. ►Ausbau von Beratungs-, Service- und Kammerstrukturen Zur Stärkung der Attraktivität der beruflichen Bildung im Handwerk und zur Erhöhung der Bil dungsbeteiligung sind für die Umsetzung der einzelnen Aspekte in der Praxis systematische Be ratungs-, Service- und Dienstleistungsstrukturen, vor allem durch einen Ausbau der vorhande nen Kammerstrukturen, zu etablieren. Zur Gewährleistung einer qualitativ hochwertigen Ausbildung kann der Ausbau von Bildungspartnerschaften ein wichtiger Schritt sein, insbeson dere für kleine und kleinste Handwerksbetriebe, ergänzt durch weitere Unterstützungsmaßnah men. 51 http://www.stark-fuer-ausbildung.de/. 52 Für diese Zielgruppe gibt es seit 2009 zwei bundeseinheitlich geregelte Fortbildungsangebote oberhalb der AEVO: den Geprüften Aus- und Weiterbildungspädagogen und den Geprüften Berufspädagogen. 54 WDP 179 Schlussfolgerungen und Empfehlungen IV
Literatur Ahrens, Daniela: Professionalisierungsmöglichen und -notwendigkeiten in überbetrieblichen Bildungsstätten. In: Ulmer, Philipp; Weiß, Reinhold; Zöller, Arnulf (Hrsg.): Berufliches Bildungspersonal: Stellenwert, Entwicklungstendenzen und Perspektiven für die Forschung. Bonn 2012, S.257–270. Autorengruppe Bildungsberichterstattung: Bildung in Deutschland 2016. Bielefeld 2016. Autsch, Bernd; Kath, Folkmar: Weiterentwicklung der Überbetrieblichen Berufsbildungsstät ten zu Kompetenzzentren. Ausbilder-Handbuch, 41. Erg.-Lieferung. Köln 2000. Bahl, Anke; Blötz, Ulrich: Die Situation des ausbildenden Personals in der betrieblichen Bil dung (SIAP). Abschlussbericht. Bonn 2012. URL: https://www2.bibb.de/bibbtools/tools/ dapro/data/documents/pdf/eb_22301.pdf (Stand: 16.06.2016). Bahl, Anke; Brünner, Kathrin: 40 Jahre Ausbilder-Eignungsverordnung – eine Bestandsauf nahme zu ihrer pädagogischen Relevanz für betriebliches Ausbilderhandeln. In: Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 109 (2013) 4, S.513–537. Baum, Myriam u.a.: Ausbildung und Beschäftigung im Handwerk. Daten und Fakten. Fachbeiträge im Internet. Bonn 2016. URL: https://www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/ publication/show/id/7879 (Stand: 16.06.2016). Beicht, Ursula; Walden, Günter: Berufswahl junger Frauen und Männer: Übergangschancen in betriebliche Ausbildung und erreichtes Berufsprestige. BIBB Report 4/2014. Bonn 2014. URL: https://www.bibb.de/bibbreport-4-2014 (Stand: 16.06.2016). Beyer, Jürgen: Pfadabhängigkeit. Über institutionelle Kontinuität, anfällige Stabilität und fun damentalen Wandel. Frankfurt/New York 2006. Blötz, Ulrich; Hackel, Monika; Reymers, Margret: Diffusion neuer Technologien – Verände rungen von Arbeitsaufgaben und Qualifikationsanforderungen im produzierenden Gewerbe: eine deskriptive Analyse zur Technologiedauerbeobachtung. Bielefeld 2015. Blossfeld, Hans-Peter u.a.: Integration durch Bildung. Migranten und Flüchtlinge in Deutsch land. Gutachten. Münster 2016. URL: https://www.vbw-bayern.de/vbw/Aktionsfelder/ Bildung/Bildung-neu-denken/Publikation-ARB-Integration-durch-Bildung-2016.jsp (Stand: 16.06.2016). Bundesagentur für Arbeit: Arbeitsmarkt in Zahlen. Zeitreihe Bewerber und Berufsausbil dungsstellen. Nürnberg 2015. Bundesinstitut für Berufsbildung: Datensystem Auszubildende (DAZUBI). Bonn o.J. URL: https://www2.bibb.de/bibbtools/de/ssl/1865.php (Stand: 16.06.2016). Bundesinstitut für Berufsbildung: Ausbildungsordnungen und wie sie entstehen. Bonn 2015a. URL: https://www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/publication/show/id/2061 (Stand: 16.06.2016). Bundesinstitut für Berufsbildung: Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2015. Informa tionen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung. Bonn 2015b. URL: https:// www.bibb.de/datenreport/de/aktuell.php (Stand: 16.06.2016). Bundesinstitut für Berufsbildung: Die anerkannten Ausbildungsberufe 2015. Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe. Bielefeld 2015c. URL: https://www.bibb.de/ dokumente/pdf/Verzeichnis_anerk_AB_2015.pdf (Stand: 07.06.2016). Bundesinstitut für Berufsbildung: Wirtschaft 4.0 – die Chance der beruflichen Bildung. Prä sident Esser beim Zukunftsgespräch der Bundesregierung. Bonn 2015. URL: http:// www.bibb.de/de/29174.php (Stand: 16.06.2016). Literatur WDP 179 55
Abbildung A3 Anteil Beschäftigter an tätigen Personen nach Gewerbegruppen des zulassungsfreien Handwerks zum Stichtag 31.12.2012 (in %) Deutschland 0 20 40 60 80 100 Handwerke für den privaten Bedarf Lebensmittelgewerbe Handwerke für den gewerblichen Bedarf Ausbaugewerbe Bauhauptgewerbe Bayern Nordrhein-Westfalen Quelle: Statistisches Bundesamt 2015f; eigene Berechnungen Abbildung A4 Anteil geringfügig entlohnter Beschäftigter an allen Beschäftigten nach Gewerbegruppen des zulassungsfreien Handwerks zum Stichtag 31.12.2012 (in %) 0 10 20 30 40 50 Handwerke für den privaten Bedarf Lebensmittelgewerbe Handwerke für den gewerblichen Bedarf Ausbaugewerbe Bauhauptgewerbe Deutschland Bayern Nordrhein-Westfalen Quelle: Statistisches Bundesamt 2015f; eigene Berechnungen 62 WDP 179 Anhang A
Abbildung A5 Bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldete Bewerberinnen und Bewerber, die in eine Ausbildung eingemündet sind, nach schulischer Vorbildung 2011 bis 2015 (Deutschland, NRW und Bayern in %) 0 10 20 30 40 50 60 70 80 63,8 65,4 63,1 61,4 61,7 73,8 72,9 71,9 71,3 70,5 36,0 35,6 31,8 30,1 30,4 44,9 45,7 44,7 44,0 44,9 48,3 48,6 46,4 46,0 46,5 42,3 41,9 39,6 39,1 39,5 49,2 49,5 47,5 46,9 47,2 57,0 56,9 55,4 55,1 55,3 43,3 42,5 39,5 38,6 39,0 Bundesgegiet NRW Bayern 201520142013201220112015201420132012201120152014201320122011 maximal Hauptschulabschluss Realschulabschluss Studienberechtigung Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berechnungen des BIBB Abbildungen WDP 179 63
Tabellen Tabelle T1 Entwicklung der Berufe im Handwerk (HwO) 2006 bis 2015 Jahr des Inkrafttretens Bezeichnung neu modernisiert Überführung in Dauerrecht Ausbildungs- bereich Ausbildungs- dauer Struktur des Berufes 2015 Bogenmacher/Bogenmacherin ╳ Hw 36 mono 2015 Geigenbauer/Geigenbauerin ╳ Hw 36 mono 2015 Orthopädieschuhmacher/ Orthopädieschuhmacherin ╳ Hw 42 mono 2015 Werksteinhersteller/ Werksteinherstellerin ╳ Hw 36 mono 2014 Fachkraft für Speiseeis ╳ Hw 36 mono 2014 Zupfinstrumentenmacher/ Zupfinstrumentenmacherin ╳ Hw 36 Fachrichtungen 2013 Klempner/Klempnerin ╳ Hw 42 mono 2013 Orthopädietechnik-Mechaniker/ Orthopädietechnik-Mechanikerin ╳ Hw 36 Schwerpunkte 2012 Schilder- und Lichtreklamehersteller/ Schilder- und Lichtreklameherstellerin ╳ Hw 36 Schwerpunkte 2012 Schornsteinfeger/Schornsteinfegerin ╳ Hw 36 mono 2011 Augenoptiker/Augenoptikerin ╳ Hw 36 mono 2011 Buchbinder/Buchbinderin ╳ Hw 36 Wahlqualifikat. 2011 Textilgestalter im Handwerk/ Textilgestalterin im Handwerk ╳ Hw 36 Fachrichtungen 2010 Böttcher/Böttcherin ╳ Hw 36 mono 2010 Büchsenmacher/Büchsenmacherin ╳ Hw 36 mono 2010 Feinwerkmechaniker/ Feinwerkmechanikerin ╳ Hw 42 Schwerpunkte 2010 Segelmacher/Segelmacherin ╳ Hw 36 mono 2009 Fotograf/Fotografin ╳ Hw 36 Schwerpunkte 2009 Keramiker/Keramikerin ╳ Hw 36 Wahlqualifikat. 2008 Elektroniker/Elektronikerin ╳ ╳ Hw 42 Fachrichtungen 2008 Feinwerkmechaniker/ Feinwerkmechanikerin ╳ ╳ Hw 42 Schwerpunkte 2008 Friseur/Friseurin ╳ Hw 36 Wahlqualifikat. 2008 Mechaniker für Karosserieinstandhaltungstechnik/ Mechanikerin für Karosserieinstandhaltungstechnik ╳ ╳ Hw 42 mono 2008 Metallbauer/Metallbauerin ╳ ╳ Hw 42 Fachrichtungen 2008 Seiler/Seilerin ╳ Hw 36 Schwerpunkte 2008 Systemelektroniker/ Systemelektronikerin ╳ ╳ Hw 42 mono 2006 Ofen- und Luftheizungsbauer/ Ofen- und Luftheizungsbauerin ╳ Hw 36 mono 2006 Tischler/Tischlerin ╳ Hw 36 mono Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung 2015c 64 WDP 179 Anhang A
Tabelle T2 Unterweisungsintensität ÜBS 2015 Land Auszubildende Ø 2. + 3. Jahr Unterweisungsintensität [Wo/Fst] im Jahr 201453 Baden-Württemberg 15.126 4,5 Bayern 21.222 4,7 Berlin 2.846 2,7 Brandenburg 1.731 4,7 Bremen 822 3,9 Hamburg 1.775 4,1 Hessen 7.256 4,4 Mecklenburg-Vorpommern 1.268 3,8 Niedersachsen 13.575 4,8 Nordrhein-Westfalen 23.375 4,7 Rheinland-Pfalz 5.915 4,4 Saarland 1.712 4,1 Sachsen 3.137 5,0 Sachsen-Anhalt 1.871 4,1 Schleswig-Holstein 4.712 5,5 Thüringen 1.662 5,6 Deutschland gesamt 108.00 4,6 Quelle: Franke und Sachse 2015 53 Da einige Berufe länderübergreifend unterwiesen werden (wie z.B. Hörgeräteakustikerin und Hörgeräteakusti ker und Bootsbauerin und Bootsbauer in Schleswig-Holstein), können die durchschnittlichen Angaben der Unter weisungsintensität in den einzelnen Bundesländern deutlich variieren (Franke und Sachse 2015, S.42). Tabellen WDP 179 65
Tabelle T3 Betriebliches Angebot und unbesetzte betriebliche Stellen nach Zuständigkeitsbereichen 2010 bis 2015 Zuständigkeitsbereich Betriebliches Angebot 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2015 zu 2014 1 2 3 4 5 6 7 8 Deutschland 538.521 568.608 558.627 541.599 539.907 544.188 +4.281 +0,8% Industrie und Handel 320.343 344.532 338.841 324.705 321.183 320.457 –726 –0,2% Handwerk 145.947 151.266 147.036 145.071 146.748 149.133 +2.385 +1,6% Öffentlicher Dienst 13.689 12.459 12.195 12.426 12.522 13.362 +840 +6,7% Landwirtschaft 12.522 12.627 12.474 12.522 12.660 13.077 +417 +3,3% Sonstige Stellen, keine Angabe1) 46.020 47.724 48.081 46.875 46.791 48.159 +1.368 +2,9% Westdeutschland 461.649 490.572 481.773 467.895 465.528 468.351 +2.823 +0,6% Industrie und Handel 273.033 295.527 290.724 279.366 275.574 274.758 –816 –0,3% Handwerk 127.008 132.315 128.547 126.945 128.235 129.603 +1.368 +1,1% Öffentlicher Dienst 10.824 9.963 9.678 9.834 10.029 10.665 +636 +6,3% Landwirtschaft 10.035 10.353 10.077 10.086 9.978 10.470 +492 +4,9% Sonstige Stellen, keine Angabe1) 40.749 42.414 42.747 41.664 41.712 42.855 +1.146 +2,7% Nordrhein-Westfalen 118.341 125.406 123.387 122.289 119.352 119.616 +264 +0,2% Industrie und Handel 73.272 78.957 77.814 76.164 73.407 73.470 +63 +0,1% Handwerk 28.290 29.556 28.611 29.766 29.952 29.211 –741 –2,5% Öffentlicher Dienst 2.904 2.592 2.538 2.640 2.700 2.847 +147 +5,4% Landwirtschaft 2.214 2.403 2.292 2.202 2.109 2.337 +228 +10,8% Sonstige Stellen, keine Angabe1) 11.661 11.895 12.132 11.517 11.184 11.754 +570 +5,1% 66 WDP 179 Anhang A
(Fortsetzung Tab. T3) Zuständigkeitsbereich darunter: unbesetzte betriebliche Stellen unbesetzte betriebliche Stellen in % 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2015 zu 2014 2010 2011 2012 2013 2014 2015 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 Deutschland 19.605 29.689 33.274 33.738 37.101 40.960 +3.859 +10,4%3,6%5,2%6,0%6,2%6,9%7,5% Industrie und Handel 11.239 17.539 18.445 18.546 19.886 21.711 +1.825 +9,2%3,5%5,1%5,4%5,7%6,2%6,8% Handwerk 5.684 8.071 10.349 10.859 12.759 14.442 +1.683 +13,2%3,9%5,3%7,0%7,5%8,7%9,7% Öffentlicher Dienst 169 95 250 235 147 108 –39 –26,5%1,2%0,8%2,0%1,9%1,2%0,8% Landwirtschaft 282 281 356 455 545 518 –27 –5,0%2,3%2,2%2,9%3,6%4,3%4,0% Sonstige Stellen, keine Angabe1) 2.231 3.703 3.874 3.643 3.764 4.181 +417 +11,1%4,8%7,8%8,1%7,8%8,0%8,7% Westdeutschland 15.828 24.381 26.989 27.439 30.361 33.411 +3.050 +10,0%3,4%5,0%5,6%5,9%6,5%7,1% Industrie und Handel 8.850 14.149 14.664 14.827 15.846 17.303 +1.457 +9,2%3,2%4,8%5,0%5,3%5,8%6,3% Handwerk 4.698 6.797 8.708 9.139 10.893 12.229 +1.336 +12,3%3,7%5,1%6,8%7,2%8,5%9,4% Öffentlicher Dienst 160 93 164 143 99 76 –23 –23,2%1,5%0,9%1,7%1,5%1,0%0,7% Landwirtschaft 161 161 204 234 281 283 +2 +0,7%1,6%1,6%2,0%2,3%2,8%2,7% Sonstige Stellen, keine Angabe1) 1.959 3.180 3.249 3.096 3.242 3.520 +278 +8,6%4,8%7,5%7,6%7,4%7,8%8,2% Nordrhein-Westfalen 2.776 4.443 4.694 5.457 5.286 6.028 +742 +14,0%2,3%3,5%3,8%4,5%4,4%5,0% Industrie und Handel 1.527 2.790 2.495 3.175 2.977 3.449 +472 +15,9%2,1%3,5%3,2%4,2%4,1%4,7% Handwerk 730 998 1.276 1.547 1.594 1.769 +175 +11,0%2,6%3,4%4,5%5,2%5,3%6,1% Öffentlicher Dienst 112 3 73 21 5 20 +15 +300,0%3,9%0,1%2,9%0,8%0,2%0,7% Landwirtschaft 33 37 60 62 58 57 –1 –1,7%1,5%1,5%2,6%2,8%2,7%2,4% Sonstige Stellen, keine Angabe1) 374 615 790 652 652 733 +81 +12,4%3,2%5,2%6,5%5,7%5,8%6,2% 1) Eine weitere Differenzierung ist an dieser Stelle nicht möglich. Anmerkung: Als Folge von Datenschutzvorschriften werden im Rahmen der BA-Statistik Werte zwischen 1 und 2 nicht mehr ausgewiesen, darüber hinaus auch Summanden größer als drei nicht, sofern sie einen Rückschluss auf die Größe anderer Summanden kleiner als drei ermöglichen. Damit sind auch Weiterverarbeitungen der betroffenen Zahlen (z.B. im Zuge der Ermittlung relativer Werte) nicht mehr möglich. Die betroffenen Zellen sind hier jeweils mit einer Schätzung versehen. Hinweis: Werte, die im Zusammenhang mit der BIBB-Erhebung zum 30. September stehen, wurden aufgrund von Bestimmungen des Datenschutzes auf ein Vielfaches von drei gerundet. Quellen: Bundesinstitut für Berufsbildung, Erhebung zum 30. September; Bundesagentur für Arbeit, Ausbildungsmarktstatistik zum 30. September; Bundesinstitut für Be rufsbildung, eigene Berechnungen des Arbeitsbereichs 2.1 Tabellen WDP 179 67
Tabelle T4 Anteil unbesetzter Plätze am betrieblichen Ausbildungsplatzangebot in 63 stärker besetzten Ausbildungsberufen (Nordrhein-Westfalen, 2015) Betriebliche Angebote Zum 30.09. unbesetzte Plätze Quote unbesetzter Plätze Restaurantfachmann/-frau 738 234 31,7% Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk 1.938 495 25,5% Fachmann/-frau für Systemgastronomie 636 156 24,6% Bäcker/-in 666 159 23,8% Koch/Köchin 1.932 271 14,0% Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice 147 20 13,6% Friseur/-in 2.370 277 11,7% Hotelfachmann/-frau 1.761 182 10,3% Fachkraft für Schutz und Sicherheit 306 29 9,4% Verkäufer/-in 6.309 499 7,9% Hauswirtschafter/-in 207 16 7,7% Dachdecker/-in 1.263 91 7,2% Chemikant/-in 771 53 6,9% Maler/-in und Lackierer/-in 1.584 101 6,4% Chemielaborant/-in 414 24 5,8% Fachangestellter/-e für Arbeitsmarktdienstleistungen 129 7 5,4% Straßenbauer/-in 288 12 4,2% Kaufmann/-frau im Einzelhandel 6.351 261 4,1% Kaufmann/-frau im Gesundheitswesen 582 23 4,0% Fahrzeuglackierer/-in 456 18 3,9% Informationselektroniker/-in 153 6 3,9% Mediengestalter/-in Bild und Ton 156 6 3,9% Fachinformatiker/-in 2.964 113 3,8% Mechatroniker/-in 1.095 41 3,7% Informations- und Telekommunikationssystem-Kaufmann/-frau 405 15 3,7% Fachkraft für Lagerlogistik 2.295 83 3,6% Fachlagerist/-in 1.200 43 3,6% Kaufmann/-frau für Büromanagement 6.918 243 3,5% Konstruktionsmechaniker/-in 477 16 3,3% Maurer/-in 543 18 3,3% Kaufmann/-frau für Spedition und Logistikdienstleistung 1.296 42 3,2% Elektroniker/-in für Automatisierungstechnik 342 11 3,2% Raumausstatter/-in 129 4 3,1% Medizinischer Fachangestellte/-r 4.008 119 3,0% 68 WDP 179 Anhang A
(Fortsetzung Tab. T4) Betriebliche Angebote Zum 30.09. unbesetzte Plätze Quote unbesetzter Plätze Werkstoffprüfer/-in 102 3 2,9% Beton- und Stahlbetonbauer/-in 111 3 2,7% Gärtner/-in 1.290 35 2,7% Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzen 1.527 41 2,7% Anlagenmechaniker/-in 267 7 2,6% Tourismuskaufmann/-frau 438 11 2,5% Mediengestalter/-in Digital und Print 861 20 2,3% Tiermedizinischer Fachangestellter/-e 621 14 2,3% Technischer Systemplaner/-in 225 5 2,2% Kraftfahrzeugmechatroniker/-in 3.906 87 2,2% Zerspanungsmechaniker/-in 1.383 29 2,1% Maschinen- und Anlagenführer/-in 1.050 21 2,0% Feinwerkmechaniker/-in 414 8 1,9% Industriekaufmann/-frau 4.968 96 1,9% Landwirt/-in 576 11 1,9% Tischler/-in 1.656 29 1,8% Bankkaufmann/-frau 2.598 45 1,7% Tiefbaufacharbeiter/-in 234 4 1,7% Bauzeichner/-in 489 8 1,6% Elektroniker/-in für Betriebstechnik 1.470 23 1,6% Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel 3.840 59 1,5% Automobilkaufmann/-frau 1.188 14 1,2% Technische(r) Produktdesigner/-in 615 7 1,1% Verwaltungsfachangestellte/r 960 9 0,9% Immobilienkaufmann/-frau 726 6 0,8% Sozialversicherungsfachangestellte/-r 657 5 0,8% Fachangestellter/-e für Medien- und Informationsdienste 105 0 0,0% Justizfachangestellte/r 297 0 0,0% Tierpfleger/-in 105 0 0,0% Sonstige Berufe 36.099 1.740 4,8% Berufe insgesamt 119.616 6.028 5,0% Quelle: BIBB-Erhebung zum 30.09. Tabellen WDP 179 69
Tabelle T5 Fortbildungsregelungen des Bundes nach §53 Abs.2 BBiG und §42 Abs.2 HwO Lfd. Nummer Berufsbezeichnung Bereich Regelung von 1Aus- und Weiterbildungspädagoge (Geprüfter)/Aus- und Weiterbildungspäda gogin (Geprüfte) Hw, IH 2009 2Baumaschinenführer (Geprüfter) Hw, IH 1979 3Berufspädagoge (Geprüfter)/Berufspädagogin (Geprüfte) Hw, IH 2009 4Betriebswirt nach der Handwerksordnung (Geprüfter)/Betriebswirtin nach der Handwerksordnung (Geprüfte) Hw 2011 5Fachbauleiter im Tischlerhandwerk (Geprüfter)/Fachbauleiterin im Tischler handwerk (Geprüfte) Hw 2004 6Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung in Werkstätten für behinderte Menschen (Geprüfte) Hausw, Hw, IH, Lw 2001 7 Fachmann für kaufmännische Betriebsführung nach der Handwerksordnung (Geprüfter)/Fachfrau für kaufmännische Betriebsführung nach der Handwerks ordnung (Geprüfte) Hw 2014 8Fertigungsplaner im Tischlerhandwerk (Geprüfter)/Fertigungsplanerin im Tisch lerhandwerk (Geprüfte) Hw 2004 9Gerüstbau-Kolonnenführer (Geprüfter) Hw, IH 1978 10 Gestaltungsberater im Raumausstatter-Handwerk (Geprüfter)/Gestaltungsberaterin im Raumausstatter-Handwerk (Geprüfte) Hw 2006 11 Kaufmännischer Fachwirt nach der Handwerksordnung (Geprüfter)/Kaufmännische Fachwirtin nach der Handwerksordnung (Geprüfte) Hw 2016 12 Konstrukteur (Geprüfter)/Konstrukteurin (Geprüfte) – Fachrichtung Maschinen- und Anlagentechnik/Heizungs-, Klima- und Sanitärtechnik/Stahl- und Metall bautechnik/Elektrotechnik/Holztechnik Hw, IH 1994 13 Kraftfahrzeug-Servicetechniker (Geprüfter)/Kraftfahrzeug-Servicetechnikerin (Geprüfte) Hw, IH 2014 14 Kundenberater im Tischlerhandwerk (Geprüfter)/Kundenberaterin im Tischler handwerk (Geprüfte) Hw 2004 15 Schließ- und Sicherungstechniker (Geprüfter)/Schließ- und Sicherungstechni kerin (Geprüfte) Hw 2006 16 Verkaufsleiter im Lebensmittelhandwerk/Verkaufsleiterin im Lebensmittelhand werk Hw 2015 17 Zweirad-Servicetechniker (Geprüfter)/Zweirad-Servicetechnikerin (Geprüfte) Hw, IH 2014 Quelle: Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe 2015 (Bundesinstitut für Berufsbildung 2015c) 70 WDP 179 Anhang A
Tabelle T6 Studien zu IT- und Medienkompetenzen/digitalen Kompetenzen (Auswahl) International Computer In formation Literacy Study 2013 (ICILS) Die „International Computer Information Literacy Study 2013“ (ICILS) erfasst mittels computer basierter Testverfahren computer- und informationsbezogene Kompetenzen von Achtkläss lerinnen und Achtklässlern im internationalen Vergleich. Die empirischen Ergebnisse zeigen mit Blick auf die Kompetenzstufenverteilung, dass fast die Hälfte, und damit der größte Anteil der Jugendlichen in Deutschland, sich auf der mittleren Kompetenzstufe III (45,3%) befindet. Die Achtklässlerinnen und Achtklässler sind damit u.a. in der Lage, unter Anleitung Dokumente zu bearbeiten und einfache Informationsprodukte zu erstellen. Etwa 30% der Schülerinnen und Schüler in Deutschland erzielen Leistungen, die den beiden untersten Kompetenzstufen I und II zugeordnet werden können. Sie verfügen damit lediglich über rudimentäre Fertigkeiten bzw. basale Wissensbestände im kompetenten Umgang mit neuen Technologien und digitalen Informationen. Der Anteil der Achtklässlerin nen und Achtklässler auf der höchsten Kompetenzstufe V ist mit 1,5% sehr gering. Allerdings zeigt sich auch in allen anderen an ICILS 2013 teilnehmenden Ländern, dass nur ein geringer Anteil der Jugendlichen die oberste Kompetenzstufe erreicht (entsprechender internationaler und europäischer Vergleichswert: 2,0% bzw. 2,2%). Die Studie zeigt, dass die weitverbreitete Annahme, Kinder und Jugendliche würden durch das Aufwachsen in einer von neuen Technologien geprägten Welt automatisch zu kompeten ten Nutzerinnen und Nutzern, nicht zutrifft. Daraus ergeben sich deutliche Entwicklungspo tenziale in der Ausstattung der Schulen mit modernen und unterrichtsnahen Technologien, z.B. mit mobilen Endgeräten, sowie Bedarfe an Unterstützungssystemen im Bereich des technischen und des pädagogischen Supports von Lehrkräften. Hierzu gehören neben der Prioritätensetzung auf der Ebene der Einzelschule vor allem eine umfangreiche Qualifizierung von Lehrkräften im Bereich der Aus- und Fortbildung zur Nutzung digitaler Medien in den Fächern und zur Förderung der fachübergreifenden computer- und informationsbezogenen Kompetenzen. Perspektivisch ist davon auszugehen, dass Deutschland ohne eine konzeptio nelle Verankerung digitaler Medien in schulische Lehr- und Lernprozesse unter Berücksichti gung des kompetenten Umgangs mit neuen Technologien im internationalen Vergleich auch zukünftig nicht über ein mittleres Leistungsniveau hinauskommen wird. Auch: http://www.waxmann.com/fileadmin/media/zusatztexte/ICILS_2013_Berichtsband.pdf BIBB-Forschungsprojekt „Medien anwenden und produzieren – Entwicklung von Medienkompetenz in der Berufsausbildung“ Im Rahmen des BIBB-Forschungsprojektes „Medien anwenden und produzieren – Entwick lung von Medienkompetenz in der Berufsausbildung“ wurde eine mehrdimensionale Definition von Medienkompetenz entwickelt, die nicht nur technisch orientierte Kompetenzen be rücksichtigt. Gerade die neueren Technologien, die durch Digitalisierung, Visualisierung, Interaktivität und Vernetzung entstanden sind, z.B. Web 2.0 mit vielfältigen Angeboten der Social Media und der Einsatz unterschiedlicher mobiler Endgeräte, erfordern eine erweiterte Betrachtung. So umfasst Medienkompetenz in der Berufsausbildung heute auch die Entwick lung der Fähigkeit zur zielgerichteten Mediennutzung (etwa der aufgabenbezogene Einsatz einer Software), die Fähigkeit zur verantwortungsvollen Zusammenarbeit (etwa der situati onsbezogene und respektvolle Einsatz von Social-Media-Angeboten in der Kommunikation), die zielgerichtete Nutzung von Sprache (etwa der sprachliche Ausdruck bei der Anwendung von Medien) sowie die Kompetenz zum selbstständigen Lernen, auch unter Nutzung von Medien. Als weiterer Teilaspekt von Medienkompetenz ist im beruflichen Kontext die Fähig keit von Bedeutung, rechtliche, ethische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen bei der Anwendung und Produktion von Medien zu berücksichtigen. In einigen Berufen kann darü ber hinaus auch die Fähigkeit gehören, Innovationen aufzugreifen und voranzutreiben. In welchem Maße verfügen Ausbildungsplatzbewerberinnen und -bewerber heute über diese Aspekte von Medienkompetenz? Dazu wurden Expertinnen und Experten aus Hoch schulen, Branchenverbänden, Gewerkschaften und Kammern sowie betriebliche Ausbilde rinnen und Ausbilder für gewerblich-technische, kaufmännische und Berufe des Handwerks befragt. Unabhängig vom Ausbildungsberuf und dem Grad der Mediennutzung verfügen die meisten Schulabgängerinnen und -abgänger über gute Grundlagen zum Umgang mit Me dien. Sie sind in der Lage, verschiedene Endgeräte, wie PC, Tablet oder Smartphone, souve rän zu bedienen, und verfügen über grundlegende Fertigkeiten im Umgang mit der Stan dardsoftware. Hier können Unternehmen im Rahmen der Ausbildung anknüpfen. Bei der Beachtung rechtlicher, ökonomischer, ethischer Grundlagen und Rahmenbedingungen zei Tabellen WDP 179 71
(Fortsetzung Tab. T8) Beruf Neuabschlüsse nach Schulabschluss (relative Anteile) mit Realschulabschluss mit Studienberechtigung 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik 39,4 38,6 40,7 40,8 42,2 41,5 37,5 43,1 4,1 3,8 5,2 5,1 5,0 7,2 7,9 9,0 Augenoptiker/-in 47,3 47,1 50,8 48,0 46,5 47,2 37,0 44,8 46,1 47,1 38,8 40,3 42,6 46,6 53,1 51,2 Elektroniker/-in (Hw) FR Automatisierungstechnik 61,4 60,4 55,0 59,1 61,9 63,2 33,3 53,0 24,6 29,2 25,0 15,9 23,8 25,3 33,3 31,8 Elektroniker/-in (Hw) FR Energie- und Gebäudetechnik 56,4 54,6 62,7 54,1 55,8 55,6 50,3 55,3 6,4 8,7 11,7 10,4 9,7 12,2 13,6 15,5 Elektroniker/-in (Hw) FR Informations- und Telekommunikationstechnik 66,3 73,0 55,6 58,9 58,4 67,3 52,1 64,2 20,0 14,3 33,3 26,7 23,0 25,5 34,2 27,2 Fliesen-, Platten- und Mosaikleger/-in 23,5 24,7 30,8 31,0 35,4 30,2 25,1 28,4 3,1 4,5 3,8 3,3 6,8 8,8 7,9 7,6 Hörgeräteakustiker/-in 50,0 46,8 45,1 40,6 37,0 41,1 33,3 41,5 45,6 50,0 51,9 49,3 50,7 53,7 56,9 54,2 Informationselektroniker/-in 63,2 64,0 56,1 60,7 60,5 53,6 49,7 48,5 16,5 17,2 26,0 17,3 18,9 28,1 26,8 32,3 Kraftfahrzeugmechatroniker/-in 53,4 52,7 51,6 52,1 52,9 52,1 44,1 50,9 7,4 9,0 9,2 9,3 10,1 11,4 13,6 13,8 Land- und Baumaschinenmechatroniker/-in1) 45,3 48,9 53,7 49,0 47,5 53,5 45,0 55,6 3,2 7,1 6,9 5,4 5,5 7,2 11,0 10,2 Maler/-in und Lackierer/-in (alle Fachrichtungen) 21,5 21,5 22,8 22,5 24,8 24,9 22,4 26,4 1,9 3,0 2,1 2,6 3,1 3,6 3,7 4,3 Maurer/-in 24,7 20,1 23,6 25,0 25,6 25,1 23,3 27,2 3,5 3,5 5,7 4,6 7,1 7,6 10,3 12,4 Orthopädiemechaniker/-in und Bandagist/-in2) 45,5 45,1 44,9 43,2 48,4 36,8 31,5 43,1 31,8 32,4 33,3 38,9 36,8 46,2 58,4 48,6 Zahntechniker/-in 51,1 44,1 46,5 49,4 40,3 37,9 32,4 37,4 36,6 42,4 40,8 37,3 43,8 53,2 55,6 53,0 Zimmerer/-in 36,8 38,9 39,4 41,9 45,0 39,3 38,5 37,2 10,7 12,6 11,0 10,2 14,5 22,0 22,3 27,4 Insgesamt alle HW-Berufe 37,6 37,2 37,4 36,7 38,5 39,1 34,3 39,4 7,9 9,1 9,2 9,2 10,5 12,4 14,9 15,9 Alle Berufe insgesamt 38,7 38,2 37,2 36,7 36,7 36,3 33,0 34,4 29,2 30,6 31,2 31,1 33,0 34,6 38,4 38,9 1) Bis 2014 Mechaniker/-in für Land- und Baumaschinentechnik 2) Seit 2013 Orthopädietechnik-Mechaniker/-in Quelle: „Datenbank Auszubildende“ des Bundesinstituts für Berufsbildung auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12.) 78 WDP 179 Anhang A
Tabelle T9 Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge in ausgewählten Handwerksberufen nach höchstem allgemeinbildenden Schulabschluss 2007 bis 2014 (Bayern) Beruf Neuabschlüsse nach Schulabschluss (relative Anteile) ohne Hauptschulabschluss mit Hauptschulabschluss 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik 5,8 6,6 4,2 3,7 3,2 3,0 4,7 2,6 76,4 73,6 72,5 70,2 70,2 71,2 69,6 69,4 Augenoptiker/-in 1,0 1,4 2,2 0,7 0,5 1,1 1,0 1,0 8,2 9,2 8,4 12,6 7,7 11,1 8,2 8,9 Elektroniker/-in (Hw) FR Automatisierungstechnik 0,0 1,0 1,5 0,0 0,0 7,0 1,0 28,0 28,8 23,9 14,5 16,3 16,0 22,3 Elektroniker/-in (Hw) FR Energie- und Gebäudetechnik 4,6 4,2 2,4 2,2 2,0 2,8 1,5 63,0 61,4 57,5 56,6 55,8 50,8 51,5 Elektroniker/-in (Hw) FR Informations- und Telekommunikationstechnik 0,0 0,0 0,0 0,0 1,8 1,5 2,2 15,4 27,6 38,5 31,7 30,9 22,7 19,6 Fliesen-, Platten- und Mosaikleger/-in 9,0 14,5 7,6 5,7 3,4 7,7 8,0 5,8 82,6 77,0 79,9 80,4 77,4 74,0 70,5 72,5 Hörgeräteakustiker/-in 0,9 0,9 0,8 0,7 0,0 0,7 0,0 0,0 6,3 2,8 10,7 6,7 7,8 10,9 9,2 4,5 Informationselektroniker/-in 2,6 0,7 0,8 0,0 0,0 1,7 1,9 0,0 37,6 31,3 30,5 34,5 26,5 31,3 18,3 17,0 Kraftfahrzeugmechatroniker/-in 5,0 5,9 3,4 2,8 2,3 2,5 3,2 2,1 61,9 60,0 61,1 58,1 58,2 56,9 53,6 52,9 Land- und Baumaschinenmechatroniker/-in1) 6,2 7,9 3,5 2,7 4,0 4,7 6,7 1,9 74,4 70,4 74,9 69,3 67,0 67,0 63,7 59,8 Maler/-in und Lackierer/-in (alle Fachrichtungen) 17,4 16,7 14,1 9,6 9,8 10,8 12,1 8,7 76,1 75,7 77,7 81,2 80,1 79,9 77,0 77,7 Maurer/-in 12,4 14,2 9,2 10,2 8,2 8,2 7,6 5,9 80,0 76,1 79,7 77,8 76,0 77,3 75,4 75,9 Orthopädiemechaniker/-in und Bandagist/-in2) 2,9 1,5 1,3 1,5 1,6 2,6 1,2 0,0 31,4 21,2 26,6 26,2 25,4 31,2 20,2 21,9 Zahntechniker/-in 2,3 1,6 1,0 1,0 0,9 0,0 0,3 0,4 23,3 27,9 29,0 21,3 19,2 22,7 22,4 23,0 Zimmerer/-in 6,1 6,7 4,9 2,4 2,5 1,5 2,2 1,8 71,1 63,8 65,4 68,2 65,1 59,6 56,1 51,2 Handwerk insgesamt 8,5 8,9 6,6 5,5 5,0 4,8 5,4 4,2 65,9 64,4 65,6 64,3 62,7 61,7 58,4 57,2 Alle Berufe insgesamt 4,5 4,3 3,3 2,6 2,4 2,2 2,7 2,3 44,6 45,0 45,0 44,3 43,0 42,2 38,9 37,3 1) Bis 2014 Mechaniker/-in für Land- und Baumaschinentechnik 2) Seit 2013 Orthopädietechnik-Mechaniker/-in Quelle: „Datenbank Auszubildende“ des Bundesinstituts für Berufsbildung auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12.) Tabellen WDP 179 79
(Fortsetzung Tab. T9) Beruf Neuabschlüsse nach Schulabschluss (relative Anteile) mit Realschulabschluss mit Studienberechtigung 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik 16,8 18,8 22,4 24,0 24,0 22,6 22,9 24,7 1,0 1,1 0,9 2,1 2,6 3,3 2,8 3,3 Augenoptiker/-in 69,2 70,6 74,8 67,0 67,1 66,0 70,1 67,3 21,7 18,8 14,6 19,8 24,7 21,8 20,7 22,8 Elektroniker/-in (Hw) FR Automatisierungstechnik 65,6 64,4 59,7 71,1 69,8 70,0 61,2 6,5 5,8 14,9 14,5 14,0 7,0 15,5 Elektroniker/-in (Hw) FR Energie- und Gebäudetechnik 30,6 32,4 36,5 36,9 36,8 41,0 41,0 1,8 2,1 3,6 4,3 5,3 5,4 6,0 Elektroniker/-in (Hw) FR Informations- und Telekommunikationstechnik 84,6 62,1 46,2 58,7 56,4 60,6 65,2 0,0 10,3 15,4 9,5 10,9 15,2 13,0 Fliesen-, Platten- und Mosaikleger/-in 7,2 7,9 11,8 11,9 16,9 16,8 20,5 19,9 1,2 0,7 0,7 2,1 2,3 1,5 1,1 1,8 Hörgeräteakustiker/-in 59,5 63,9 57,9 59,1 59,7 53,6 52,9 64,2 33,3 32,4 30,6 33,6 32,6 34,8 37,8 31,3 Informationselektroniker/-in 53,0 56,7 57,6 56,9 66,4 52,2 67,3 64,8 6,8 11,2 11,0 8,6 7,1 14,8 12,5 18,2 Kraftfahrzeugmechatroniker/-in 30,6 31,8 32,7 35,3 34,9 35,5 37,0 39,0 2,4 2,3 2,9 3,8 4,6 5,1 6,1 6,0 Land- und Baumaschinenmechatroniker/-in1) 19,0 21,3 21,1 27,2 28,1 26,2 28,0 37,2 0,5 0,5 0,5 0,7 0,8 2,0 1,6 1,1 Maler/-in und Lackierer/-in (alle Fachrichtungen) 5,5 6,3 7,4 8,0 8,6 8,0 9,0 12,0 1,0 1,4 0,8 1,2 1,4 1,2 1,9 1,7 Maurer/-in 7,0 8,3 10,1 10,6 10,8 12,0 12,7 14,2 0,7 1,3 0,9 1,4 5,0 2,6 4,3 4,0 Orthopädiemechaniker/-in und Bandagist/-in2) 44,3 57,6 54,4 49,2 52,4 48,1 54,8 52,1 21,4 19,7 17,7 23,1 20,6 18,2 23,8 26,0 Zahntechniker/-in 52,7 53,1 49,0 52,6 44,1 44,3 47,8 43,0 21,8 17,4 21,0 25,2 35,8 33,0 29,4 33,6 Zimmerer/-in 16,2 22,1 21,4 21,3 21,3 26,9 28,7 32,5 6,6 7,5 8,3 8,1 11,1 12,0 13,0 14,5 Handwerk insgesamt 22,1 23,2 24,3 25,8 26,6 27,4 29,6 31,1 3,4 3,5 3,6 4,4 5,7 6,1 6,6 7,5 Alle Berufe insgesamt 40,8 40,7 42,3 42,8 41,7 42,6 45,0 45,7 10,1 10,1 9,4 10,3 13,0 13,0 13,4 14,7 1) Bis 2014 Mechaniker/-in für Land- und Baumaschinentechnik 2) Seit 2013 Orthopädietechnik-Mechaniker/-in Quelle: „Datenbank Auszubildende“ des Bundesinstituts für Berufsbildung auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12.) 80 WDP 179 Anhang A
Anhang B Anhang B WDP 179 81
Robert Helmrich/Tobias Maier/Caroline Neuber-Pohl Zukünftige Entwicklung und Erwerbschancen im Handwerk in NRW Sonderanalyse aus den BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufs feldprojektionen für die Enquete-Kommission NRW 1Einleitung Aus den BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen (QuBe-Projekt, siehe Maier u.a. 2014a, Zika und Maier 2015) lassen sich mögliche Entwicklungen in handwerksrelevanten Be rufsfeldern erkennen. Diese Projektionen liegen erstmals auch untergliedert nach Regionen vor, wobei eine der Regionen Nordrhein-Westfalen umfasst (Zika und Maier 2015). Die handwerksbezogenen Berufsfelder sind nicht immer trennscharf und können auch Bezüge zum Bereich der Industrie aufweisen. Die Projektion der handwerksbezogenen Berufsfelder für NRW wird im Vergleich zu den Bundesergebnissen dargestellt. Da eine Analyse nur auf der Ebene der 20 Berufshauptfelder vorgenommen werden kann, können die Projektionen nicht so tief gegliedert erfolgen wie z.B. im Bericht „Ausbildung und Beschäftigung im Handwerk“ (Baum u.a. 2016). Vorgestellt werden nur die Berufshauptfelder, bei denen das Handwerk zahlenmä ßig stark vertreten ist. Hierzu gehören:54 ►BHF 2b Metall-, Anlagenbau, Blechkonstruktion, Installation, Montiererinnen und Montierer, Elektroberufe. Hierunter fallen Berufe wie Metallbauerin und Metallbauer, Anlagenmecha nikerin und Anlagenmechaniker, Kälteanlagenbauerin und Kälteanlagenbauer, Klempnerin und Klempner, Rollladen- und Jalousiebauerin und Rollladen- und Jalousiebauer, Elektrike rin und Elektriker, Elektromaschinenmonteurin und Elektromaschinenmonteur, Energie elektronikerin (Anlagen- oder Betriebstechnik) und Energieelektroniker (Anlagen- oder Be triebstechnik), Hörgeräteakustikerin und Hörgeräteakustiker etc., ►BHF 2c Bauberufe, Holz, Kunststoff be- und verarbeitende Berufe. Hierunter fallen Berufe wie Holzbearbeitungsmechanikerin und Holzbearbeitungsmechaniker, Drechslerin und Drechsler, Holzbildhauerin und Holzbildhauer, Maurerin und Maurer, Hochbaufacharbeite rin und Hochbaufacharbeiter, Gerüstbauerin und Gerüstbauer, Straßenbauerin und Straßen bauer, Zimmerin und Zimmerer, Dachdeckerin und Dachdecker, Malerin und Lackiererin und Maler und Lackierer etc., ►BHF 2d Sonstige be-, verarbeitende und instand setzende Berufe. Hierunter fallen Berufe wie Steinbearbeiterin und Steinbearbeiter, Steinmetzin und Steinmetz, Edelsteinbearbeiterin und Edelsteinbearbeiter, Keramikerin und Keramiker, Glasbearbeiterin und Glasbearbeiter, Feinoptikerin und Feinoptiker, Kraftfahrzeugmechanikerin und Kraftfahrzeugmechaniker, Zweiradmechanikerin und Zweiradmechaniker, Landmaschinenmechanikerin und Landma schinenmechaniker, Karosserie- und Fahrzeugbauerin und Karosserie- und Fahrzeugbauer, Goldschmiedin und Goldschmied, Silberschmiedin und Silberschmied, Edelsteinfasserin und 54 Nicht berücksichtigt werden können folgende Berufsfelder, da sie regional nicht getrennt ausgewiesen werden können und ihr Anteil an Erwerbstätigen im zusammenfassenden Berufshauptfeld zu gering ausfällt. ►BF 14 Back-, Konditor-, Süßwarenherstellung (mit Berufen wie Bäckerin und Bäcker, Konditorin und Konditor etc.), ►BF 46 Designerinnen und Designer, Fotografinnen und Fotografen (mit Berufen wie Schilder- und Lichtrekla meherstellerin und Schilder- und Lichtreklamehersteller etc.), ►BF 52 Berufe in der Körperpflege (mit Berufen wie Kosmetikerin und Kosmetiker, Friseurin und Friseur). 82 WDP 179 Zukünftige Entwicklung und Erwerbschancen im Handwerk in NRW
Edelsteinfasser, Zahntechnikerin und Zahntechniker, Zupfinstrumentenbauerin und Zupfinstrumentenbauer, Orthopädiemechanikerin und Orthopädiemechaniker, Geigenbauerin und Geigenbauer, Augenoptikerin und Augenoptiker, Fleischerin und Fleischer etc., ►BHF 4a Berufe im Warenhandel: Verkaufsberufe (Einzelhandel) (Fachverkäuferin und Fach verkäufer im Nahrungsmittelhandwerk ohne nähere Angabe), ►BHF 6b Reinigungs-, Entsorgungsberufe (mit Berufen wie Gebäudereinigerin und Gebäude reiniger, Textilreinigerin und Textilreiniger, Schornsteinfegerin und Schornsteinfeger etc.). In den folgenden Abbildungen (Abbildungen B1 bis B11) werden jeweils Erwerbspersonen (An gebot an Arbeitskräften) und Erwerbstätige (Bedarf der Wirtschaft an Arbeitskräften), die sich im Projektionszeitraum aus der Fortschreibung bereits beobachtbarer Trends im Bildungs- und Arbeitsmarkt ergeben, gegenübergestellt. Bei den Erwerbspersonen wird differenziert nach Er werbspersonen im erlernten Beruf und Erwerbspersonen im ausgeübten Beruf. Die Stayer- Quote55 umfasst den Anteil der Erwerbspersonen eines Berufshauptfeldes, die im erlernten Be ruf auch tatsächlich tätig sind. Sie steht in Abhängigkeit zum sogenannten Referenzlohn.56 Der Projektionszeitraum schließt die Jahre 2012 bis 2030 ein. 2Methodisches Vorgehen Die folgenden Analysen basieren auf den Ergebnissen der 3. Welle der BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen (QuBe-Projekt), die in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung mbH (GWS) und dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik entstanden sind. Anhand von Modellrechnungen wird dabei aufgezeigt, wie sich das Angebot und die Nachfrage nach Qualifikationen und Berufen langfristig entwi ckeln können. Hierzu werden Informationen aus bisherigen Entwicklungen verwertet. Dieses Vorgehen ermöglicht es aufzuzeigen, welcher Entwicklungspfad vorliegt, wenn die bisherigen Trends fortbestehen. In der Projektion erscheinende Engpässe oder Überhänge sind deshalb nicht als unausweichlicher Zustand aufzufassen, sondern können durch etwaige Anpassungs reaktionen ausgeglichen werden (Zika u.a. 2015a, S.2). Die unterschiedliche demografische Entwicklung und die Wirtschaftsstruktur in den Bundes ländern geben die Richtung für die zukünftige Entwicklung des Arbeitsangebotes und -bedarfs nach Berufen und Qualifikationen vor. Um jedoch die Frage zu beantworten, inwieweit das Ar beitsangebot vor Ort der dortigen Nachfrage entspricht, müssen eine Reihe weiterer Faktoren berücksichtigt werden. So spielt auf der Angebotsseite nicht nur die Bevölkerungsentwicklung insgesamt eine Rolle, sondern auch die jeweils vorherrschende Alters- und Qualifikationsstruktur, da diese neben dem Merkmal Geschlecht wichtige Informationen zur zukünftigen Erwerbs beteiligung liefert. Hinzu kommen Austauschprozesse zwischen den Regionen. Allerdings werden zum jetzigen Modellierungsstand Außen- und Binnenwanderungen, aber auch Pendel bewegungen als gegeben hingenommen und für die Zukunft unverändert übernommen (Maier u.a. 2015). Auf der Nachfrageseite sind die Entwicklungen der Branchen, jedoch auch die Ver änderung der beruflichen Struktur innerhalb der Branchen sowie die Qualifikationszusammensetzung der Berufe für die Ermittlung der Arbeitskräftebedarfe entscheidend. Um das Angebot an Erwerbspersonen in einem bestimmten Beruf dem entsprechenden Bedarf gegenüberstellen zu können, wird im QuBe-Projekt auf empirisch ermittelte berufliche Flexibili tätsmatrizen zurückgegriffen, die jeweils angeben, zu welchem Grad eine Person mit einem be 55 Siehe hierzu auch die Tabellen B2 und B3. 56 Der Referenzlohn ist der Durchschnittslohn, der mit dem erlernten Beruf über alle möglichen ausgeübten Be rufe erhalten werden kann. Dabei werden alle Löhne in allen möglichen Berufen, die laut Flexibilitätsmatrix mit diesem erlernten Beruf ausgeübt werden können, herangezogen und je nach Wahrscheinlichkeit, dass jemand mit dem erlernten Beruf in diesem Beruf arbeitet, gewichtet. 2Methodisches Vorgehen WDP 179 83
stimmten Geschlecht, Alter und Qualifikationsniveau in ihrem erlernten Beruf verweilt oder in einen anderen Beruf wechselt. Dabei spielt neben der Artverwandtschaft des beruflichen Tätig keitsprofils auch die Lohnentwicklung in den konkurrierenden Berufen sowie die Rückkopplun gen der Lohnentwicklung auf die Arbeitsnachfrage eine Rolle (Maier u.a. 2014a). Damit die regionalen BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen auf einem ebenso belastbaren empirischen Fundament stehen wie die Bundesprojektionen, ist es notwendig, zur Sicherung einer ausreichenden Fallzahl in den Datenquellen die regionale Differenzierung an anderer Stelle durch Aggregationen zu kompensieren. Dabei steht im Vordergrund, dass durch die Aggregation an anderer Stelle zum einen möglichst wenig Erklärungsdynamik verloren ge hen soll, zum anderen sollte ein Vergleich mit den Bundesergebnissen durch eine einfache Ad dierung schnell und unkompliziert möglich sein (siehe Zika u.a. 2015a). Auf der Nachfrageseite werden die 63 Wirtschaftszweige der Bundesprojektion zu 25 Bran chen zusammengefasst (Zika und Maier 2015). Weiterhin erfolgt eine Untergliederung in 20 er weiterte Berufshauptfelder (Zika und Maier 2015). Diese Untergliederung gilt sowohl für die Kategorisierung des erlernten wie auch des ausgeübten Berufs (Zika u.a. 2015a, S.3). Aus diesem Grund werden im Folgenden die Projektionsergebnisse für das Land Nordrhein- Westfalen auf Berufshauptfeldebene dargestellt. Diese werden mit den entsprechenden Projek tionen auf der Bundesebene verglichen. 3Darstellung der Projektionsergebnisse auf Bundesebene und für Nordrhein- Westfalen nach Berufshauptfeldern ►Metall-, Anlagenbau, Blechkonstruktion, Installation, Montierer/innen, Elektroberufe (Berufshauptfeld 2b) Im Berufshauptfeld „Metall-, Anlagenbau, Blechkonstruktion, Installation, Montiererinnen und Montierer, Elektroberufe“ verengt sich die Arbeitsmarktsituation in Deutschland bis 2030 immer weiter (Abbildung B1), da sich die Differenz zwischen Erwerbstätigen und Erwerbspersonen57 in diesem Berufshauptfeld sehr stark verkleinert. In Zukunft wird sich die Anzahl der Personen, die einen Beruf dieses Berufshauptfeldes erlernt haben, stark verringern, wobei die Stayer-Quote nahezu konstant auf dem Niveau von 36,5% des Jahres 2011 bleibt. Dass die Anzahl der zur Verfügung stehenden Erwerbspersonen (ausgeübter Beruf) nicht proportional mit abnimmt, ist besonders einer leicht steigenden Zuwanderung in dieses Berufshauptfeld geschuldet, welche insbesondere durch auf die Knappheiten reagierenden höheren Löhne erreicht werden kann. Insgesamt gehen auch die Beschäftigtenzahlen im Projektionszeitraum wegen des allgemeinen Abbaus im verarbeitenden Gewerbe bis 2030 zurück. Dieser Entwicklung werden auch die wich tigsten Wirtschaftszweige des Berufshauptfeldes folgen. Am stärksten wird der Rückgang an Be schäftigten im Baugewerbe sichtbar. Dennoch nimmt das Arbeitsangebot bis 2030 im Vergleich zur Nachfrage zu schnell ab. Um dieser Entwicklung entgegenwirken zu können, müssten sowohl die Ausbildungsanstrengungen junger Arbeitsmarkteinsteiger in den Berufen dieses Berufshauptfeldes gefördert als auch die Abwanderung in andere Berufe gesenkt und die Arbeit in diesem Berufshauptfeld attraktiver ge staltet werden. 57 Zu den Erwerbstätigen zählen alle Personen, die als Arbeitnehmer (Arbeiterinnen und Arbeiter, Angestellte, Beamtinnen und Beamte, geringfügig Beschäftigte, Soldatinnen und Soldaten oder als Selbstständige beziehungs weise als mithelfende Familienangehörige) eine auf wirtschaftlichen Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben, unab hängig vom Umfang dieser Tätigkeit. Erwerbspersonen wiederum umfassen alle Personen, die erwerbstätig sind oder aktiv eine Beschäftigung suchen und dem Arbeitsmarkt unmittelbar zur Verfügung stehen, also erwerbslos nach dem ILO-Konzept sind (Bott u.a. 2011). 84 WDP 179 Zukünftige Entwicklung und Erwerbschancen im Handwerk in NRW
Abbildung B1 Entwicklungen bei Metall-, Anlagenbau, Blechkonstruktion, Installation, Montiererinnen und Montierern, Elektroberufen (Berufshauptfeld 2b) 0 20 40 60 80 100 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 2030 2029 2028 2027 2026 2025 2024 2023 2022 2021 2020 2019 2018 2017 2016 2015 2014 2013 2012 2011 2010 2009 Erwerbspersonen erlernter Beruf Erwerbspersonen ausgeübter Beruf (nach Flexibilität und Pendlerbewegung) Erwerbstätige Stayer-Quote Anteil Personen Jahr Quelle: QuBe-Projekt, 3. Welle In Nordrhein-Westfalen ist das verarbeitende Gewerbe neben der Energiewirtschaft eine der tra genden Säulen der Wirtschaft, wobei Ersteres im Zuge des Rückbaus der Montan- und Schwer industrie an Bedeutung einbüßt (Mönnig und Wolter 2015, S.86). Vergleichbar zum Bundes trend zeigt sich daher auch hier ein Rückgang der Erwerbstätigen in diesem Berufshauptfeld. Obwohl das Arbeitsangebot an Personen, die einen Beruf in diesem Berufshauptfeld erlernt ha ben, die Nachfrage nach Arbeitskräften über den gesamten Projektionszeitraum übersteigt, sind Besetzungsschwierigkeiten gegen Ende des Projektionszeitraums sehr wahrscheinlich. Die Zahl an Personen die einen Beruf in diesem Berufsfeld erlernt haben, sinkt sehr stark, bleibt aber rein rechnerisch über dem Bedarf. Auch in Nordrhein-Westfalen hat dieses Berufs hauptfeld eine sehr geringe Stayer-Quote (knapp 37% im Jahr 2011). Zuläufe erfährt das Be rufshauptfeld dabei vor allem aus den „Maschinen und Anlagen steuernden und wartenden Beru fen“ (7,7% im Jahr 2011) sowie den „Technischen Berufen“ (7,6% im Jahr 2011), wobei dies auch die Berufshauptfelder sind, in denen Personen mit einer Ausbildung in diesem Berufs hauptfeld am häufigsten eine Alternativbeschäftigung finden (10% bzw. 9,5%; siehe Ta belle B3). Abbildung B2 Entwicklungen im Berufshauptfeld 2b in Nordrhein-Westfalen 0 100 200 300 400 500 600 2030 2029 2028 2027 2026 2025 2024 2023 2022 2021 2020 2019 2018 2017 2016 2015 2014 2013 2012 2011 2010 2009 Personen Jahr Erwerbspersonen erlernter Beruf Erwerbspersonen ausgeübter Beruf (nach Flexibilität und Pendlerbewegung) Erwerbstätige Quelle: QuBe-Projekt, 3. Welle 3Darstellung der Projektionsergebnisse WDP 179 85
►Berufshauptfeld 2c: Bauberufe, Holz, Kunststoff be- und verarbeitende Berufe Im Berufshauptfeld „Bauberufe, Holz, Kunststoff be- und verarbeitende Berufe“ ist ebenfalls der starke Rückgang der Erwerbspersonen, die Berufe in diesem Berufshauptfeld erlernt haben, auf fällig. Dieser Rückgang schlägt sich unmittelbar auf die Zahl der Erwerbspersonen durch, die tatsächlich einen solchen Beruf ausüben wollen. Durch einen bis 2030 leicht sinkenden Refe renzlohn wird die Arbeit in diesem Berufshauptfeld tendenziell nicht attraktiver, sodass die Stayer-Quote ebenfalls leicht um ca.2Prozentpunkte bis 2030 von fast 47% im Jahr 2011 ab nimmt. Bei einer sinkenden Nachfrage wird sich somit ein Fachkräftemangel ab 2020 abzeich nen. Abbildung B3 Die Entwicklung im Berufshauptfeld 2c „Bauberufe, Holz, Kunststoff be- und verarbeitende Berufe“ 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 2030 2029 2028 2027 2026 2025 2024 2023 2022 2021 2020 2019 2018 2017 2016 2015 2014 2013 2012 2011 2010 2009 0 20 40 60 80 100 Erwerbspersonen erlernter Beruf Erwerbspersonen ausgeübter Beruf (nach Flexibilität und Pendlerbewegung) Erwerbstätige Stayer-Quote Anteil Personen Jahr Quelle: QuBe-Projekt, 3. Welle Während die beiden am stärksten besetzten Wirtschaftszweige diesen Rückgang auf unter schiedlichem Niveau bestätigen, weist der Wirtschaftszweig „Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften“ eine gegenläufige Tendenz auf. Hier wird ein Beschäftigungszuwachs bis 2030 projiziert. Tabelle B1 Erwerbstätige in Tausend Personen im Berufshauptfeld „Bauberufe, Holz, Kunststoff be- und ver arbeitende Berufe“ insgesamt sowie nach den drei am stärksten besetzten Wirtschaftszweigen BHF 2c Bauberufe, Holz-, Kunststoffbe- und -verarbeitung/Wirtschaftszweige 2010 2030 Gesamt 1.638.747 1.451.065 Baugewerbe 1.170.072 1.102.260 Herstellung von Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren (ohne Möbel) 59.721 42.549 Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften 50.481 59.415 Quelle: QuBe-Projekt, 3. Welle In Nordrhein-Westfalen ist dieser drohende Engpass noch eindringlicher. Hier zeigt sich der für NRW typische starke Rückgang auf der mittleren Qualifikationsebene (Zika u.a. 2015a, Zika u.a. 2015b, S.35). Dieser Effekt manifestiert sich besonders durch ein stark sinkendes Angebot 86 WDP 179 Zukünftige Entwicklung und Erwerbschancen im Handwerk in NRW
an Personen, die einen Beruf des Berufshauptfeldes erlernt haben. Dabei fällt die Abnahme der Arbeitskräftenachfrage im Verhältnis zum Bund deutlich geringer aus. Trotzdem ist hier ab 2020 ein Engpass zu erwarten, der zumindest unter der Annahme unveränderter Verhaltensweisen der Marktbeteiligten zu einem massiven Fachkräftemangel führen könnte. Abbildung B4 Entwicklungen im Berufshauptfeld 2c in Nordrhein-Westfalen 0 100 200 300 400 2030 2029 2028 2027 2026 2025 2024 2023 2022 2021 2020 2019 2018 2017 2016 2015 2014 2013 2012 2011 2010 2009 Erwerbspersonen erlernter Beruf Erwerbspersonen ausgeübter Beruf (nach Flexibilität und Pendlerbewegung) Erwerbstätige Quelle: QuBe-Projekt, 3. Welle ►Berufshauptfeld 2d: Sonstige be-, verarbeitende und instand setzende Berufe Wie in den bereits diskutierten Berufshauptfeldern ist ebenfalls im Berufshauptfeld „Sonstige be-, verarbeitende und instand setzende Berufe“ bis zum Projektionsjahr 2030 eine deutlich abneh mende Tendenz der Erwerbspersonen im erlernten Beruf erkennbar. Auch hier schlagen sich wieder das geänderte Bildungsverhalten in NRW und die sinkende Zahl an Fachkräften auf dem mittleren Qualifikationsniveau nieder. Insgesamt nimmt das Erwerbspersonenangebot im Be rufshauptfeld ab. Zwar geht ebenfalls der Bedarf bis 2030 zurück, jedoch deutlich geringer als das Angebot, sodass sich bis 2030 eine zunehmende Verknappung in diesem Teilarbeitsmarkt manifestieren wird. Der Stayer-Anteil in diesem Berufshauptfeld ist mit etwas über 25% im Jahr 2011 sehr gering und reagiert auf die bis 2030 leichte, engpassbedingte Lohnanpassung nur träge. Der projizierte Anstieg der Stayer-Quote von nur etwa 0,8% wird keine Abhilfe schaffen Abbildung B5 Die Entwicklung im Berufshauptfeld 2d „Sonstige be-, verarbeitende und instand setzende Berufe, Fahr-, Flugzeugbau, Wartungsberufe“ 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 2030 2029 2028 2027 2026 2025 2024 2023 2022 2021 2020 2019 2018 2017 2016 2015 2014 2013 2012 2011 2010 2009 0 20 40 60 80 100 Erwerbspersonen erlernter Beruf Erwerbspersonen ausgeübter Beruf (nach Flexibilität und Pendlerbewegung) Erwerbstätige Stayer-Quote Anteil Personen Jahr Quelle: QuBe-Projekt, 3. Welle 3Darstellung der Projektionsergebnisse WDP 179 87
ergebnis. Dies ist vermutlich auf die durchschnittlich ältere Erwerbsbevölkerung in NRW zu rückzuführen. In fast allen Berufshauptfeldern, in denen das Handwerk seine Schwerpunkte hat, wird es in NRW zu einem Engpass kommen. In den Bau-, Holz, Kunststoff be- und verarbeitenden Berufen sowie den Berufen im Warenhandel wird es zu Arbeitskräftemangelsituationen kommen, da dort das Angebot an Arbeitskräften nicht mehr ausreichen wird, um den Bedarf zu decken. Neben der Betrachtung von Erwerbspersonen und Erwerbstätigen im Jahr 2030 (in Personen) könnte aber auch das von den Erwerbspersonen bereitgestellte Arbeitsangebot in Stunden be rücksichtigt werden. Es zeigt sich auf Bundesebene: Könnten die Erwerbspersonen z.B. im Berufshauptfeld „Bauberufe, Holz- und Kunststoffbe- und -verarbeitung“ oder im Berufshauptfeld der „Verkehrs-, Lager- und Transportberufe“ die von ihnen gewünschte Stundenzahl arbeiten, dann wäre ein Arbeitskräftemangel in diesen Berufsfeldern vermeidbar (Datenreport, Bundesin stitut für Berufsbildung 2015b, S.438). Für die zukünftige Passung von Arbeitskräfteangebot und -bedarf ist neben der Qualifikationsstruktur auch die fachliche Übereinstimmung der angebotenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Nachfrage nach Tätigkeiten und der Austausch zwischen beiden Seiten entscheidend. Aus gleichsprozesse zwischen beiden Seiten ergeben sich durch die berufliche Flexibilität und die durch Engpässe hervorgerufenen Lohnsteigerungen. Allerdings führen die bereits in der Vergan genheit existierenden Entlohnungsunterschiede zwischen Berufsfeldern auch dazu, dass nicht alle Engpässe durch Lohnanpassungen beglichen werden können. Aufgrund der höheren Löhne auf der mittleren Qualifikationsebene im vorwiegend industriellen Bereich können hier dro hende Fachkräfteengpässe zwar hinausgezögert werden, in den Berufen des Handwerks wird al lerdings die Engpasssituation hierdurch noch verschärft. Für diese Berufsfelder können deshalb Überlegungen angestellt werden, in welchen Tätigkeiten – durch Knappheiten und durch ent sprechende Spezialisierung – entgegen der Projektion ein Lohnniveau wie im industriellen Be reich erreicht werden kann und in welchen Berufen – durch technische oder organisatorische In novationen – Tätigkeiten zunehmend an Un- oder Angelernte verlagert werden, um trotz Engpässen keine weitreichenden Lohnsteigerungen hinnehmen zu müssen. In den Berufen des Warenhandels und in den „Reinigungs- und Entsorgungsberufen“ zeigt sich weiterhin, dass der geringe Bestand an fachqualifizierten Erwerbspersonen Knappheiten be günstigt. In diesen Berufshauptfeldern sind im besonderen Maße Handlungsstrategien gefragt, die eine Ausbildung in diesen Berufen attraktiver macht. Literatur Baum, Myriam u.a.: Ausbildung und Beschäftigung im Handwerk. Daten und Fakten. Fachbeiträge im Internet. Bonn 2016. URL: https://www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/ publication/show/id/7879 (Stand: 16.06.2016). Bott, Peter; Helmrich, Robert; Zika, Gerd: Arbeitskräftemangel bei Fachkräften? Eine Klä rung arbeitsmarktrelevanter Begrifflichkeiten. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (2011) 3, S.12–14. Maier, Tobias u.a.: Erwerbsverhalten, berufliche Flexibilitäten, Arbeitsvolumenpotential und Pendlerbewegungen auf regionaler Ebene. In: Zika, Gerd; Maier, Tobias (Hrsg.): Qualifikation und Beruf in Deutschlands Regionen bis 2030. Konzepte, Methoden und Ergebnisse der BIBB-IAS-Projektionen. IAB-Bibliothek Nr. 353. Bielefeld 2015. Maier, Tobias u.a.: Löhne und berufliche Flexibilitäten als Determinanten des interaktiven QuBe-Arbeitsmarktmodells. Ein Methodenbericht zur Basisprojektion der 3. Welle der BIBBIAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen. Wissenschaftliche Diskussionspapiere Nr. 94 WDP 179 Zukünftige Entwicklung und Erwerbschancen im Handwerk in NRW
148. 2014a. URL: https://www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/publication/show/id/7219 (Stand: 16.06.2016). Maier, Tobias u.a.: Engpässe im mittleren Qualifikationsbereich trotz erhöhter Zuwanderung. BIBB Report 23. 2014b. URL: https://www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/publication/ show/id/7213 (Stand: 16.06.2016). Mönnig, Anke; Wolter, Marc Ingo: Die Entwicklung des Arbeitskräftebedarfs nach Bundes ländern und Regionen bis 2030. In: Zika, Gerd; Maier, Tobias (Hrsg.): Qualifikation und Be ruf in Deutschlands Regionen bis 2030. Konzepte, Methoden und Ergebnisse der BIBB-IAS- Projektionen. IAB-Bibliothek Nr. 353. Bielefeld 2015. Zika, Gerd; Maier, Tobias: Qualifikation und Beruf in Deutschlands Regionen bis 2030. Kon zepte, Methoden und Ergebnisse der BIBB-IAS-Projektionen. Bielefeld 2015. Zika, Gerd u.a.: Engpässe und Überhänge regional ungleich verteilt. In: IAB-Kurzbericht 9 (2015a). Zika, Gerd u.a.: Entwicklung von Arbeitskräfteangebot und -bedarf bis 2030 in sechs Regionen. Bielefeld 2015b. Literatur WDP 179 95
Abstract Das Handwerk ist eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft. Die duale Berufsausbil dung hat hierbei eine besondere Bedeutung zur Sicherung des eigenen Fachkräftebedarfs. Die demografische Entwicklung, der Trend zur Höherqualifizierung, aber auch technische Veränderungen, die sich mit den Schlagwör tern „Digitalisierung 4.0“ bzw. „Wirtschaft 4.0“ zusammenfassen lassen, stellen nicht nur das Handwerk vor besondere Herausforderun gen. Verbunden ist dies mit der Frage, ob und wie es auch in Zukunft gelingt, den eigenen Fachkräftebedarf zu decken. Das vorliegende Diskussionspapier gibt ei nen Überblick über die Entwicklung von Aus bildung und Beschäftigung im Handwerk und beleuchtet Herausforderungen sowie Ansatz punkte zur Steigerung der Attraktivität der be ruflichen Bildung im Handwerk. Der Schwer punkt der Betrachtungen liegt – soweit möglich – auf Nordrhein-Westfalen. Jedoch werden die Ergebnisse an denen für Deutsch land insgesamt sowie anderer Bundesländer gespiegelt. Dieses Wissenschaftliche Diskussionspapier geht auf einen Auftrag der Enquetekommis sion VI zur „Zukunft von Handwerk und Mit telstand in Nordrhein-Westfalen gestalten – Qualifikation und Fachkräftenachwuchs für Handwerk 4.0 sichern, Chancen der Digitali sierung nutzen, Gründungskultur und Wettbe werbsfähigkeit stärken“ des Landtags von Nordrhein-Westfalen an das Bundesinstitut für Berufsbildung zum 28.6.2016 zurück (Land tag NRW Information 16/395).“ Skilled crafts are a cornerstone of the German economy. Dual vocational education and train ing is particularly important in this context to ensure that Germany's demand for skilled workers is met. Demographic change, the trend towards higher-level qualifications, and also technical changes, summarised under the headings of ‘Digitalisation 4.0’ or ‘Economy 4.0’, not only pose a particular challenge for skilled crafts. This is also linked to the issue of if and how Germany's attempts to meet the de mand for skilled workers in the future will also be successful. This discussion paper provides an overview of how initial education and training, and em ployment have developed in the skilled crafts. The paper also examines the challenges and starting points with regard to increasing the attractiveness of vocational education and training in the skilled crafts. Wherever possi ble, the focus of consideration is on North Rhine-Westphalia. However, the findings re flect both Germany as a whole and other fed eral states. This academic discussion paper originates from the appointment of the Federal Institute for Vocational Education and Training, as of 28/06/2016, by the North Rhine-Westphalia state parliament's commission of enquiry VI on ‘Shaping the future of skilled crafts and small and medium-sized enterprises in North Rhine- Westphalia - ensuring qualifications and future generations of skilled workers for Skilled Crafts 4.0, exploiting opportunities of Digitali sation 4.0, consolidating start-up culture and competitiveness’ (NRW State Parliament Infor mation 16/395). 96 WDP 179 Abstract
Bundesinstitut für Berufsbildung Robert-Schuman-Platz 3 53175 Bonn Telefon: (02 28) 1 07-0 Telefax: (02 28) 1 07 29 76 / 77 Internet: www.bibb.de E-Mail: [email protected]