Beiträge zur Theorie der Außenwirtschaft
Abstract
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Full text
Bombach, Gottfried (Ed.) Book Beiträge zur Theorie der Außenwirtschaft Schriften des Vereins für Socialpolitik, No. 56 Provided in Cooperation with: Verein für Socialpolitik / German Economic Association Suggested Citation: Bombach, Gottfried (Ed.) (1970) : Beiträge zur Theorie der Außenwirtschaft, Schriften des Vereins für Socialpolitik, No. 56, ISBN 978-3-428-41791-9, Duncker & Humblot, Berlin, https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/285450 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode.de
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Schriften des Vereins für Socialpolitik Gesellschaft für Wirtschafts· und Sozialwissenschaften N eue Folge Band 56 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
SCHRIFTEN DES VEREINS FtJR SOCIALPOLITIK Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Neue Folge Band 56 Beiträge zur Theorie der Außenwirtsmaft VERLAG VON DUNCKER & HUMBLOT BE R LI N 1970 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Beiträge zur Theorie der Außenwirtschaft Von Bruno Fritsch, Ernst Helmstädter Hans·Joachim Jarchow, Klaus Rose, Egon Sohmen Herausgegeben von Gottfried Bombach VERLAG VON DUNCKER & HUMBLOT BERLIN 1970 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Alle Rechte vorbehalten @ 1970 Duncker & Humblot, Berl1n 41 Gedruckt 1970 bei Berliner Buchdruckerei Union GmbH., BerUn 61 Printed in Germany OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Vorwort des Herausgehers Der Theoretische Ausschuß der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Verein fÜT SociaLpolitik) behandelte auf verschiedenen Tagungen der letzten beiden J,ahre die Außenwirtschaftstheorie und die Geldtheorie, Pr:oblemkreise, denen er sich bislang nur wenig gew~dmet hat. Die Referate sollen in zwei .getrennten Bänden publiziert werden. Mit diesem Band werden Referate veröffentlicht, die auf Tagungen des Theoretischen Ausschusses im Oktober 1967 in Nago1d, im April 1968 in Mainz und im Februar/März 1969 in Ludwigshafen gehalten wurden. Der Tttel des Bandes wume der Kürze halber g,ewählt, obgleich er nicht ganz treffend ist. Zum Teil steht eher die interne Wirtschaftspolitik zur Diskussion, wobei die Außenwir1lschaftspolittik als ein Hauptinstrument betrachtet wird. Wie üblich wurde darauf ver2Jichtet, die Diskussionsvoten albzudrucken. Jedoch haben die Referenten bei der Überarbeitung der Beiträge die Auseinandersetzungen soweit wie möglich berücksichtigt. Eine Ausnahme ist der Beitrag von E. Helmstädter, der sieh aus den Diskussionen in Nagold zu einem selbständigen Referat entwickelt hat. Die Beiträge zur Geldtheorie sollen zu Beginn des nächsten Jahres publiziert werden. Basel, ,im September 1970 G. Bombach OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
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Inhaltsverzeichnis Heckscher-Ohlinsches Theorem und technischer Fortschritt Von Klaus Rose, Mainz ............................................. 9 Der kombinierte Einsatz budget- und zinspolitischer Maßnahmen zur gleichzeitigen Erreichung binnen- und außenwirtschaftlicher Ziele Von Hans-Joachim Jarchow, Göttingen .............................. 35 über die Anwendung des kreislauf theoretischen Instrumentariums - Bemerkungen zu einem Kreislaufmodell von H.-J. Jarchow - Von Ernst Helmstädter, Bonn ...................................... 59 Zur Problematik von Zielkonflikten - Bemerkungen zu einem Beitrag von E. Helmstädter - Von Hans-Joachim Jarchow, Göttingen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 67 Die Außenhandelsverkettung in einem linearen Zwei-Länder input-output Expansionsmodell Von Bruno Fritsch, Zürich .......................................... 71 Ein Zollparadoxon: Importliberalisierung als Mittel zur Konjunkturbelebung Von Egon Sohmen, Heidelberg ...................................... 79 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
14 Klaus Rose Unterstellung identischer Präf,erenzen, also gLeicher Indi1:ferenzkurvensysteme, in betden LäIl!dern ergänzt wjrd. Indessen werden ,sich Unterschiede in den nationalen Preisrelationen Pi und Pa nur dann nicht ,ergeben, ,es wird also nur dann nicht der Außenhandel aufgenommen, wenn die Einkommenselastizitäten gleich 1, die Engel-Kurven also zusätzlich Geraden -durch den Nullpunkt sind: Wird die :für heide Länder geltende Engel-Kurve durch die Gerade OF A angegeben, so stimmen in den Gleichgewichtspunkten Fund A - den Produktions- und Konsumpunkten bei Autarkie - die nationalen Tauschverhältnässe übel'etn. Ist die Einkommenselastizität für Gut 1 jedoch größer als eins - die Engel-Kurve entspreche in diesem Fall der Linte GFD -, so wird die Preislinie Pa nicht in A, sondern in D von einer IndiUerenzkurve tang,iert. Da das Anslliegsmaß der ausländischen Transfol'mationskurve dn C ferner größer als 'das Anstiegsmaß von QR in F und damit größer als die Steigung der Pretsliruen Pi und Pa und ,aller anderen parallel verl,aufenden Preislinien ,ist (wie der durch C), muß MN in C von einer Inwifferenzkurve in der in Abb.l dargestellten Weise geschnitten werden. Daher wird MN zwischen A und C von einer (nicht eingezeichIl!eten) IIl!differenzkurve tangiert, und es folgt mithin, daß der relative Preis des Gutes 1 im Ausland höher als im Inland ist: Außenhandel ist ISOmtt möglich. Durch ,die Annahme identischer Fa:ktorproportionen und Indifferenzkurvensysteme können also Preisunterschiede nicht ausgeschlossen weIden, weil bei großer Einkommenselasti~ität der Gut I-Nachfrage auf einem hohen Niveau der wirtschaftlichen Aktivität (AuslaIl!d) relativ mehr von Gut 1 gewünscht wird als auf einem tieferen Niveau (Inland). Pl'eisdifferenzen wel'den sich natürlich auch dann ergeben, wenn bei Linearem Verlauf der Engel-Kurve die Einkommenselastizität kleiner als 1 (Linie FE) ist oder die Engel-Kurven gekrümmt verlaufen 11 • Wir halten also fest: Wenn die den Außenhandel ermöglichenden Preisurrterschiede alLein auf Kostendifferenzen, die im Heckscher- Ohlinschen Modell nur durch Unterschiede in der relativen Faktorausstattung bedingt sirnd,zurückgeführt werden sollen, müssen die Einkommenselastizitäten gleich eins sein. Ist diese Bedingung nicht erfüllt, so erweist sich Außenhandel ,auch bei d.denttschen Faktorproportdonen als möglich. Umgekehrt läßt sich unschwer zeigen (vgl. S. 26 ff.), daß die nationalen Preise auch bei komparativen Kostenunterschieden keineswegs diverg1ieren müssen, wenn die Engel-Kurven nicht Geraden durch den U reprung sind. 11 Es wird von dem unwahrscheinlichen Fall abgesehen, daß eine gekrümmte Engel-Kurve durch Fund A zugleich verläuft. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Heckscher-Ohlinsches Theorem und technischer Fortschritt 15 11. Das Heckscher-Ohlinsche Modell Nach Analyse der Voraussetzungen ist es möglich, das Heckscher- Ohlinsche Theorem mit Hilfe eines Schaubildes (Ahb. 2) .abzuleiten, das von K. Mackscheidt in seiner Mainzer Dissertation zur Darstellung Arbeit p -------------- --------------------~ F ----------------------------------- Abbildung 2 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
16 Klaus Rose des Rybczynski-Theol'ems verwendet wurde 12 • Die Seiten des im zweiten Quadranten eingezeichneten Rechtecks OABC repräsentieren die im Inland verfügbaren Mengen an Arbeit OA = BC und an Kapital OC = BA. A ist der Ursprung der Gut l-Isoquanten 1 a, 1 b, 1 C, 1 d, deren Berührungspunkte mit den von Caus abgetragenen Gut 2-lso- quanten 2 a, 2 b die Kontl1aktkurve AR'C ergibt. Da Gut 1 bei jedem gegebenen (in der Hel1Stellung beider Produkte :gleichen) Faktorpreisverhältnis -arbeitsintensiver ·als Gut 2 ist, muß die Kontraktkurve unterll!aLb ,der Diagonalen AC verlaufen. Aus der Kontraktkurve kann nun die 1m vierten Quadranten eingezeichnete Tr·ansformatioIliSkurve DRE durch eineeinfiache überlegung ,abgeleitet werden: Wenn die Isoquante 1 a z. B. 10 Einheiten des Gutes 1 repräsentiert, so folgt aus der Annahme linear-homogener Produktionsfunktionen, daß eine Isoquante 1 b, deren Schnittpunkt mit dem !Expansionspfad AC die doppelte Entfernung von A aufweist wie der Schnittpunkt zwischen 1 a unld AC, auch die doppelte Produktmenge, ,also 20 Einheiten ·anzeigt. Wird auf der Ordinate OC nun nicht nur der Kapitaleinsatz, sondern auch die prodlWierte Menge des Gutes 1 (Xl) gemessen, und projiziert man di,e Schnittpunkte von 1 bund 1 ia mit AC auf die Ordinate (Punkte N und M), sowil'id die durch l'a angegebene Produktmenge durch die Strecke OM und die durch 1 b bestimmte Menge durch die doppelt so große Strecke ON repräsentiert. Diese Mengen des Gutes 1 werden mit Hilfe einer 45°-Linie ,auf die Aibszisse OEG übertragen (OM' und ON'). Durch analoges Vorgehen können die Mengen (X2) des Gutes 2 'auf der Achse OA und - durch Spiegelung an einer 45°-Linie - auf der Achse OPD abgetr.a'gen werden. Mit Hilfe dieses Verfahren ist es mögLich, aus der Kontraktkurve AR'C die Transformationskurve DREabzuleiten und zu jedem Produktionspunkt 'auf der Kontl'aktkurve den entsprechenden Produktionspunkt auf der TransformatioIllSkurve zu finden. Unterstellen wir z. B., daß R' der relevante Produktionspunkt auf der Kontraktkurve sei. Da sich in diesem Punkt die Isoquanten 1 b und 2 a berühren, erhält man durch Übertragung der Schnittpunkte von 1 bund 2 a mit AC die Produktmeng,en ON' und OP, die den Produktionspunkt R auf der TransfOl1ffiationskurve bestimmen. Führt man dieses Verfahren auch für alle anderen Punkte auf der Kontraktkurve durch, so erhält man die Transformationskurve DRE mit den Endpunkten E und D, welche die durch die Isoquanten 1 d und 2 b angezeigten Mengen repräsentieren. 12 K. Mackscheidt, Der internationale Ausgleich der Faktorpreise, BerUn 1967. Die Elemente dieser Konstruktion hat K. Savosnick entwickelt. (The Box- Diagram and the Production Possibility Curve. "Ekonomisk Tidskrift", Bd.60 (1958». OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Heckscher-Ohlinsches Theorem und technischer Fortschritt 17 Wir führen nun das Ausland ,ein und unterstellen, daß die Strecken DA = B'C' und OC' = AB' der Box AB'C'O die hi'er verfügbaren Arbeits- und Kapitalmengen messen. Verglichen mit der Faktorausstattung des Inlands iJst ,im Ausland die Arbeit knapp und das Kapital K K· der reichlich vorhandene Faktor, wie durch die Beziehung A a > A~ a t vel1deutlicht wil1d. Da die ,prO'duktlonsfunktionen im Inland und Ausland ddentisch sind, bestimmen die Gut l-Isoquanten die Produktionsbedingungen ,in be~den Ländern. Auch die Gut 2-Isoquanten sind iidentisch, nur ist es unter Berücksichtigung der ausländischen Faktorausstattung notwendig, den Ursprung dieses Isoquantensystems nach C' zu verlegen. Zu diesem Zweck verschieben wir die DiagO'nale AC sO'wie die Gut 2-Isoquanten parallel nach O'ben, sO' daß z. B. die IsO'quante 2 a' die gleiche Produktmenge wie die IsO'quante 2 a repräsenti<ert: Diese Isoquanten schneiden die Strecken SC' und AC in gleicher Entfernung vO'n den Ursprungspunkten C' und C. Die Berührungspunkte zwischen den Gut 1-1sO'quanten und den nach oben verschO'benen, gestrichelt gezeichneten Gut 2-IsO'quanten biLden die ,ausländische KO'ntraktkurve AK'C', deren Übertragung .auf den vierten Quadranten die TransfO'rmatiO'nskurve FKG erg1bt. SO' läßt sich z. B. der ProduktiO'nspunkt K aus dem kO'rresPO'ndierenden Punkt K' ableiten, wenn wir die der IsO'quante 1 c entsprechende Menge des Gutes 1 mit Hilfe der Strecke AC und die der IsO'quante 2 b' zugeO'rdnete Menge des Gutes 2 mit Hilfe der Strecke SC' übertI1agen. Aus dem Verlauf der TransfO'rmatiO'nskurven wird sO'fO'rt ersichtlich, daß das kapitalreiche Ausland einen VO'rteil in der Erzeugung des kapitalintensiven Gutes Nr. 2 besitzt, während das relativarbeitsreiche In1and einen VO'rsprung bei Gut 1 aufweist. Um nun die im autarken Zustand ,existierenden ProduktiO'nspunkte zu finden, konstruieren wir das für befde Länder !identische System gesellschaftlicher IndJifferenzkurven unter der Annahme, daß die Engel-Kiurve eine Gerade durch den Ursprung :ist. Das Inland produziert dann in R bei einem Prelisverhältnis, das durch die Steigung der Linie Pi tangegeben l:ist. Verschi'ebt man die Preislinie Pi paralLel bis K, so wird die ausländische TransfO'rmationskurve von einer IndifferenZlkurve in Kund W geschnitten, u.nd es fO'lgt somit, daß das Gleichgewicht durch einen Punkt wie T bestimmt ist, der zwischen Wund K liegt. Das auslänJd1sche Preisverhältni's ist daher durch Pa .gegeben. Rund T bzw.dieZlugehörigen Punkte R' und T' auf den KO'ntraktkurven geben dann die .im autarken Zustand produzierten Mengen der beiden Güter an. Da nun die Anstiegsmaße der Tangenten, welche an ,die IsO'quanten lin R' und T' ,geLegt weIden können, die relativen Faktorpreise messen, die Tangente in T' aber steiler als die in R' 2 Schriften d. Vereins f. Socialpolitik 56 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
18 Klaus Rose verläuft, ist das Verhältnis zwischen Lohn und KapitalpreiJs im arbeitsreichen Inland kleiner .als das entsprechende Verhältnis im kapitalreichen Ausland. Diesen Unterschieden in den trelativen Faktorpreisen entsprechen Unterschiede in den r·elativ,en Güterpreisen: Die divergierenden Ste1gungsmaße der durch Rund T gelegten Prcis1inien zeig,en ,an, daß Gut 1, g,emessen .in Einheiten des Gutes 2, im Inland bilLiger als im Ausland ist. So wird das Faktorproportionentheorem bestätigt: Wenn sich nach Eröffnung des Außenhandels ein einheitliches WeltmallktpreiJSverhältIris bildet, spezialisiert sich das arbeitsreiche Inland auf die Herstellung seines arbeitsintensiven Gutes 1 (der Produktionspunkt wandert auf E zu), wähI1end das reiclllich mit Kapital versehene Ausland die Produktion seines kapitalintensiven Gutes 2 vergrößert (der Produkti'Onspunkt wandert auf F zu). Jedes Land exportiert dann jenes Gut, zu dessen Herstellung der "im überfluß" vorhandene Faktor besonders stark benötigt wird. 111. Die Wirkungen des technischen Fortschritts auf Kontrakt- und Transfonnationskurven In den <bisherigen Ausführungen wurde gezeigt, daß das Faktorproportionenthoorem mit Notwendig~eit aus den erörterten Prämissen folgt. Wenn nun 'auch das Aufgeben dieser Annahmen nicht in jedem Fall die Gültf~keit des Theor,ems bedmht, so ibietet eine überpllÜfung des Prämissenkatalogs und die Substitution bestimmter Voraussetzungen durch ,andere Annahmen doch die Möglichkeit, potentielle Ursachen für die F.alsifika1ll:on des Heckscher-Ohlinschen Theorems durch Leontief aufzudeck,en. Im folgenden wird ,ein technischer Fortschritt in der Gut l-Industri'€ des Inlands unterstellt und somit <lie Annahme identischer Produktionsfunktionen aufgegeben. Selbstverständlich kann der technische Fortschritt methodisch auch in anderer Form gedeutet werden: Wenn man in die Produktionsfunktionen den Fortschritt als konkreten input aufnimmt, wird das Zwei-Faktoren-Modell durch ein Drei-F1aktoren-Modell ·er.setzt, und es gilt die Aussage, daß das Inland nunmehr trelativ besser mit den Faktoren "Arbeit" und "technischer Fortschritt" versehen ist. Die Würkung,en des technischen FortschI1itts können un'ter zwei Alspektenerörtert werden. Man kann einmal fragen, wie sich der Fortschritt ·auf Produktion und Faktorpreiseauswirkt, wenn die relativen Güterpreise unverändert bleiben. Dies ist der Weg, der von Findlay und Grubert 13 sowie von Johnson14. beschritten wuroe. Im folgenden 13 R. Findlay und H. Grubert, Factor Intensities, Technological Progress, and the Terms of Trade. "Oxford Economic Papers", N. S., Bd.l1 (1959). 14 H. G. Johnson, Economic Development and International Trade, in: Mo- OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Heckscher-Ohlinsches Theorem und technischer Fortschritt 19 wil'd jedoch ein anderer, erstmals von Minabe 15 aufgezeigter Weg benutzt und die Frage ,g,estellt, wie Produktion UIIld Irelative Güterpreise bei konstanten relativen Faktorprejsen durch den Fortschritt beeinflußt wenden. Dlese Art des Vorgehens erlaubt es uns, fortschrittsmodifizierte Kontrakt- und Transformationskurven abzuleiten und insofern 7JU überprüfen, ob komparatiVie Vorteile für ein Gut verstärkt oder gemildert oder sog,ar in kompaTiative Nachteile Vierwandelt werden. Zunächst sei ~n der Gut I-Industrie des Inlands neutraler technischer Fortschritt im Sinne von Hicks unterstellt, so daß bei gegebenen Grenzproduktivitätsverhältruissen (= Faktorpreisverhältnissen) die Relation zwiischen Arbeits- und Kapitaleinsatz konstant bleibtl 6• Mit Rüfe von Abb. 3 list es dann möglich, die Wirkungen auf die Kontraktkurve abzuleiten. Q'(Gut 2) r-------------------------------~ Kap1taJ. O(Gut l.) Arbeit Abbildung 3 Steht man von externen Effekten im Produktionsbereich ab und unterstellt man ferner vollständige Konkurrenz auf den Faktormärkten,so wird zunächst alllf der Kontrak1lkurve OAO' produziert, denn nur hier ist die Bedingung erfüllt, daß das Verhältnis der Grenzproduktivitäten von Arberi.t und Kapital in beiden Industrien übereinney, Trade and Economic Growth, London 1962. -Vgl. auch K. Rose, Theorie der Außenwirtschaft, 3. Aufl., Berlin-Frankfurt 1970, S. 350 ff. 15 N. Minabe, The Heckscher-Ohlin Theorem, The Leontief Paradox, and Patterns of Economic Growth. "American Economic Review", Bd.56 (1966), S.1198 fi. 16 Es ist fraglich, ob man hier von einer Änderung der Produktionsfunktion sprechen soll, da nur der Efftzienzparameter, nicht aber Distributions- und Substitutionsparameter, also Schiefe und Krümmung der Isoquanten, geändert werden. 2* OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
20 Klaus Rose stimmt. Wenn A d~eser ProduktiolllSpunkt ist, wird die Gut I-Erzeu- gung durch die Isoquante Xl (mit dem Ursprung 0) und die Gut 2-Er- zeugung durch die Isoquante X2 (mit dem Ursprung 0') angegeben. Das Kapital-Arbeitsverhältnis ist dann durch den AnsUeg der Expansionspfude OA bzw. 0' A und das Beschäftigungsvolumen durch die Koordinaten des Punktes A in bezug auf 0 {Arbeits- und Kapitaleinsatz. in der Gut I-Industrie) bzw. 0' (Arbeits- und Kapitaleinsatz in der Gut 2- Industl1ie) detemniniert. Offenbar silnd in A - wie !in jedem Punkt auf der Kontraktkurve - die VIerfügbaren Arbeits- und Kapitaleinheiten vollständig eingesetzt. Der techniische Fortschl1itt verschiebt nun die xl-Isoquante in Richtung ;auf ,den Ursprung derart, daß die geg'ebene, parallel zu aa verlaufende Fakitorpr,e1sgerade bb auf dem Expansionspfad OA von der Isoquante Xl berührt wird und das Falktoreinsatzverhältnis konstant bleibt. Wenn Xl die gleiche Produktmeng,e wie Xl repräsentiert, werden Arbeit und Kapital entsprechend den FaktorprlOportionen ~n der Gut 1- Industrie freigesetzt. Vollbeschäftigung kann also bei gegebenen !relativen Faktorpreisen nur dann gesichert werden, wenn die Gut I-Pro- duktion bei konstanter Gut 2..J>roduktion expandiert und A der neue (und alte) Produktionspunkt ist, wobei die durch A verlaufende Gut 1- lJSoquante nunmehr leinen höheren Ausstoß als vor dem Fortschritt anzeigt. Die Form der Kontraktkurv,e bleibt somit unverändert, nur ändern sich ,die den Gut I-Isoquanuen zugeol1dneten Zahlenwerte. Daß sich die Produktion des Gutes 1 bei konstanter Erzeugung des Gutes 2 vergrößert, folgt aus der Überlegung, daß bei konstanten relativen Faktorpreisen rdas Kapital-Ar:beits-V'erhältnis in beiden Industrien unverändert bleibt. Da aber das Verhältnis von Arbeit zu Kapital in der Erzeugung des Gutes 1 größer als in der Produktion des Gutes 2 ist, entspricht 'das V:erhältnis der in der Gut I-IndUlSt!1ie freigesetzten Produktionsfaktoren nicht den Faktorproportionen in der Gut 2-I.n:dustrie. Ei!l1e Vergrößerung der Gut 2-P,roduktion kann die Vol1beschäf- tigung demnach nicht sichern. So wäre in Albb. 3 eine Ausdehnung der Gut 2-Erzeugung bei gegebener Kapital-Arbeits-Relation nUT solange möglich, Ibis eine Lsoquante X2, also ein Produktionspunkt Derreicht 1st, der zwar die Vollausnutzung des Kapitalbestlandes garantiert, aber Unterbeschäftigung der Arbeit im Umfang der Strecke BD impliziert. Die Faktor,en Kapital und Arbeit sind vollstäindig nur ausgenutzt, wenn allein die Produktion des Gutes 1 vermehrt wird. Die Wirlmngen des ,arbeitssparenden Fortschritts in der Gut I-Indu- strie, der bei gegebenen relativen Faktorpreisen das Kapital-Arbeits- Verhältnis vergrößert, wird m!it Hilfe von Abb. 4 erörtert. Wenn Ader urspl'iingliche ProdukUonspunkt ist, muß sich die xl-Isoquante auf den Ursprung zu verschieben, bis ein neuer Produktionspunkt B gefunden OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Heckscher-Ohlinsches Theorem und technischer Fortschritt 21 O' Kapita1 o Arbeit AbbiIdung4 iJst, der zwar di'e gleiche Broduktmeng,e wrl.e A (Xl' = Xl), aber eingrößel1es Kapital-Arbeits-Verhältnis repräsentiert; der Expansionspfad OA wirld also durch OB ersetzt. W,ie im Falle des neutralen Fortschrritts kann ,eine Absorption der freigesetzten Arbeits- und Kapitaleinheiten auch jetzt nur durch ,eine Vergrößerung der Gut I-Produktion über OB hinaUIS gesichert werden. Steigt die Produktion bis D, so ist bei konstanter Produktion des Gutes 2 (= X2) der Kapitalbestand völlig ausgelastet, währ,end Arbeit im Umfang von DA brach Hegt. Die z.usätzlich verfügbare Arbeit kann offenbar nur dann beschäftigt werden, wenn die Produktion des Gutes 1 nunmehr auf Kosten von Gut 2 erhöht wird, his ein Punkt wie e er.reicht ist, der bei konstanten relativen Faktorpre~sen sowohl die Über,einstimmung der Grenzproduktivitätsverhältndsse als auch die Vollausnutzung von Arbeit und Kapital ermöglich. Arbeitssparender Fortschritt in der Gut I-Industrie führt lalso zu 'einer Expansion der Produktion des Gutes 1 bei gleichzeitiger Verminderung der Produktion des Gutes 2; zugleich v,erschJiebt sich die Kontl'laktkurv.e von OAO' nach oeo'. Unsere Folgerung entsprricht den Ergebnissen des Rybczynski- Theorems 17, wenn auch Rybczynski nicht die Effekte des arbeitssparenden Fortschritts, sondern die einer Zunahme der Erwerbsbevölkerung bei konstantem Stand der Techl1lik untersuchte. Die ökonomische Logikunsel"es Theorems ist jedenfalls nicht schwierig einzusehen: Steht eine frei verfügbare Arbeitsl"eserve von DA zur Verfügung, so können diese Arbeitskräfte bei konstanten, dem Anstieg der linien oe und 0' A entsprechenden Faktor,einsatzverhältnissen nur dann beschäftigt 17 T. M. Rybczynski, Factor Endowment and Relative Commodity Prices. "Economica", N. S., Bd.22, 1955. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
22 Klaus Rose werden, wenn die Produktion des lw.pitalintensiven Gutes NI'. 2 absolut vermindert wir.d. Durch d:iese Produktionseinschränkung werden Kapital und Arbeit zur Erzeugung zusätzlicher Mengen des Gutes 1 freigesetzt, allerdings mehr Kapital, als bei geg.ebenen Faktoreinsatzverhältnissen in der arbeitsintensdven Industrie NI'. 1 zur Komb~nation mit den transfer1erten Arbeitsmengen notwendig ist. Der "Überschuß" an K.apital kann dann verwendet werden, um die brachliegenden Arbeitskräfte zu beschäftigen. Durch diesen Umsch·ichtungsprozeß ist es also möglich, die Faktoreinsatzrelationen in beiden Wirtschaftszweigen konstant zu halten, obwohl der Einsatz an Arbeitskräften steigt. Als dritte FortschJl'littsvariante ist schließlich der kapitalsparende Fortschritt zu erwähnen, der bei gegebenen relativen F.aktorpreisen das Einsatzverhältnis von Kapital zu Arbeit vermindert. In Abb. 5 verläuft dlie neue Isoquante Xl durch B, so daß der Expansionspfad OA durch OB ersetzt wird. Da B senkrecht unterhalb von A liegt, srind ~ ______________________________ ~O' Kapital o Abbildung 5 Teile des Kapitalbestandes nicht beschäftigt, während Arbeitsreserven nicht bestehen. Gemäß dem Rybczynski-Theorem kann der "überfluß" an Kapital nur dann beseitigt, die Vollbeschäf1i1gung also nur dann gesichert werden, wenn die Produktion des kapitalintensiven Gutes 2 von X2 auf X2 vergrößert und dIe des Gutes 1 von Xl (= Xl) auf Xl verringert wird 18• Da das GrenzproduktiVlitätsverhältnis auf OB dem Grenzproduktivitätsverhältnis auf O'C entspricht, können nur in C - dem Schnittpunkt beiJder Kurven - Arbeit und Kapital bei übereinstimmung der relativen Gl1enzprodukte vollbeschäftigt sein. Die neue Kontraktkurve verläuft also durch den Produktionspunkt C. 18 Dieses Ergebnis gilt auch dann, wenn die xl'-Isoquante nicht in B, aber rechts von C eine Faktorpreisgerade auf dem Pfad OB berührt. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Heckscher-Ohlinsches Theorem und technischer Fortschritt 23 Indessen muß die Produktion des Gutes 1 nicht immer sinken. So ist eine Zunahme der Erzeugung dieses Gutes !ZU erwarten, wenn der Grad der Isoquantenverschdebung, also das Ausmaß des Fortschritts, sehr groß und/oder der 'kapitalsparende Oharakter des Fortschritts sehr schwach ist. Wird z. B. m Abb. 6 die xl-Isoquante durch Xl ersetzt, so herrscht neu es Gleichg'ewicht erst dann, wenn die Produktion des Gutes 2 auf X2 und die des Gutes 1 auf xl' vergrößert wird. r-------------------------------~ 0' Kapital o Arbeit Abbildung 6 Schließlich rist es 'auch denkbar, daß die Erzeugung des Gutes 2 bei konstanter Produktion des Gutes 1 erhöht wird. Dieser Grenzfall ist offenbar dann gegeben, w'enn die fortschrittsmodifizierte Isoquante xi durch den Schnittpunkt der ExpanStonspfade oe und a'e verläuft. Die Wirkungen des kapitalsparenden Fortschritts in der Gut l-Industrlie sind also unbestimmt. Während ,die Produktion des Gutes 2 immer zunimmt, kann die Erzeugung von Gut 1 steigen, konstant bleiben oder fallen. Wi'e mit Hilfe der Abb. 3, 4, 5 und 6 gezeigt weIden konnte, beein- Hußt ,der techniJSche Fortschritt die Lage der Kontraktkurven, zumindest aber hat er - wie im Falle des neutralen Fortschrdtts - zur Folge, daß sich die ,den Isoquanten zugelegten Zahlenwerte auch bei konstanter Form der Kontraktkurve ändern. Nun gibt die Kontraktkurve an, welche Mengen eines Gutes bei .gegebener Menge des anderen Gutes maximal erzeugt werden können. Da die Definition der Transfomationskurve mit der der Kontraktkurve identisch ist, kann man mit Hilfe der neuen Kontraktkurven die fortschrittsmodifizierten Transformationskurven gewinnen und som1t überprüfen, ob die durch unter- OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
30 Klaus Rose o Abbildung 10 Die Wjrkungen des neutralen Fortschritts auf die Handelsstruktur können mit Hilfe von Abb.10 erläutert werden. Hier sind E und F erneut die Produktionspunkte bei Autarkie mit den zugeordneten Preisverhältnissen Pa und Pi. Wind die durch E verlaufende und auf Pa bezogene Engel-Kurve durch 'me Linie <x, die zu Pa gehörende Produktionslinie dagegen durch LM bestimmt, so ist eine Verletzung des Heckscher-Ohlin-Theorems bei einer Produktionsausdehnung ausgeschlossen,da die Kurven auseinanderstreben. Der komparative Preisvorteil, den Gut 1 im Inland besitzt, könnte sich nur dann in einen komparativen Preisnachteil verwandeln, wenn die Einkommenselastizität für Gut 2 negativ, die Engel-Kurve also nach rechts unten geneigt ist, und die Nachfrage nach Gut 1 mithin so stark steigt, daß auch der wachsende Kostenvorteil bei Gut 1 einen Preisnachteil nicht verhindern kann. Auch wenn die Einkommenselastizität für Gut 1 kleiner als 1 ist (Linie ß), tritt der Leontief-Fall nicht ein, sofern die Produktion im Inland steigt. Dagegen 1st der Inlandspreis des Gutes 1 höher als der Preis im Ausland, wenn sich die Produktion vermindert und die inländische Transformationskurve links unterhalb von V verläuft. Da sich der Kostenvorteil rojt schrumpfender Produktion des Gutes 1 verringert, Gut 1 bei kleinem Einkommensni'V'eau jedoch relativ stark verlangt wild, wirkt sowohl die Kostenals auch die Nachfrageentwicklungauf eine Preiserhöhung dieses Gutes hin. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Heckscher-Ohlinsches Theorem und technischer Fortschritt 31 o Abbildung 11 In A:bb. 11 wird schHeßlich noch der neutrale Fortschrüt in der Industrie des Gutes 2 behandelt. Da nach dem Findlay-Grubert-Theorem bei. konstanten Güterpretsrelationen die Produktion des Gutes 2 steigt und die des Gutes 1 schrumpft, wird die Produktionslinie in bezug auf Pa durch LCD angegeben. Bei Expansion des Produktionsvolumens ist der Leontief-Fall jetzt unvermeidlich, unabhängig davon, ob a, ß oder I' ,die relevante Engel-Kurve ist. Verläuft die Transformationskurve rechts von C bzw. rechts von D oder G, so wird das reichlich mit Arbeit vel1Sehene Inland sein arbeitsintensives Gut Nr.l importieren, denn Linie Pi steigt nunmehr stärker als Pa. Die ökonomische Begründung ist nicht schwierig: Wenn sich der technische Fortschnitt allein auf die Industrie des Gutes 2 konzentniert, wird der Kostenvorteil, den Gut 1 besitzt, verminde1"t oder gar in einen komparattven Nachteil umgewandelt. Vom Verlauf der Engel-Kurven hängt ,es jetzt ab, wann auch ein Preisnachteil eintritt. Sofern I' die relevante Engel-Kurve ist, entspricht der relative InlandspreiJS dem r,elativen Auslandspreis nur dann, wenn die inländische Transformationskurve durch G verläuft. Wie aber durch Schaubild 1 v,erdeutlicht wil1d, ,impli:zJiert eine lineare, durch den Ursprung gehende Engel-Kurve nur dann die übereinstimmung von relativen Inlands- und Auslands- OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
32 Klaus· Rose preisen, wenn sich die Transformationskurv,en in Form und Krümmung gleichen, also keine komparativen Kostenunterschiede bestehen. Daher muß die Transformationskurve durch G ein getreues, nur im Maßstab verschobenes Abbild der ursprünglichen Transforma1lionskurve sein. Gilt jedoch die Engel-Kiuvve (x, so ist schon bei einer Expansion bis C die PreiJSg1eichheit erreicht. Zwar weist Gut 1 bei einer Produktionsausdehnung nur bis C noch einen Kostenvorteil auf, doch fleigt der Verlauf der Engel-Kurve an, daß die Wirkung des Kostenvorteils auf den Preis durch die Nachfrageentwicklung kompensiert wird. Analoge Überlegungen gelten odifenbar für D: Gut 1 ä.st nun relativ weniger stark begehrt (Einkommens elastizität < 1); das Heckscher-Ohlinsche Theorem wird foLglich erst dann verletzt, wenn sich die Transformationskurve so weit verschiebt, daß der komparative Kostenvorteil für Gut 1 in einen genügend großen Kostennachteil urnschlä.gt. Es wäre ohne Schw1ierigkeiten möglich, die hier erörterten Fälle durch weitere Fortschrittsvarianten zu ergän~en. So wird bei kapitalsparendem Fortschritt in der kapitalintensiven Industrie die Produktionslinie wde in .A!bb.11, und bei arbeitssparendem Fortschritt in der arbeitsintensiven Industrie wie in Abb. 10 verlaufen. Wird arbeitssparender Fortschritt jedoch in der kapitalintensiven Industl1ie verwirklicht (und umg~ehrt), so kann die Produktionslinie positives oder negatives Steigungsmaß aufweisen. In allen diesen Fällen lassen sich Konstellationen finden, die den Prognosen des Heckscher-Ohlin- Theorems widersprechen. Die vorhergehenden Erörterungen sollten nicht den Eindruck erwecken, ,als ob das Leontief-Paradox nicht auch durch andeI"e, vielleicht besser geeignete Hypothesen erklärt werden könne. Zwei Deutungsvel'such:e scheinen von besonderer Relevanz lJU sein. Zunächst einmal ist es - entgegen Annahme 7 - durchaus ,auch denkbar, daß Gut 1 (Gut 2) bei einem bestimmten Faktorpr,eisverhältnis das arbeitsintensive (kapitalintensive) Gut, bei einem anderen Faktorpreisverhältnis jedoch das kapitalintensive (arbeitsintensive) Gut ist. Sind nun die relativen Faktorpreise in den einzelnen Ländern unterschiedlich, derart, daß Gut 1 im Inland arbeitsintensiv, im Ausland dagegen kapitalintensiv ist, so muß das Hecksche1·-0hlin-Theorem für eines der Länder verletzt sein. Exportiert das arbeitsreiche Inland sein arbeitsintensives Gut Nr. 1, so handelt das kapitalreiche Ausland dem Heckscher-Ohlin-Theorem zuwider, da Gut 1 - sein Importgut - im etgenen Land das kapitalintensive Produkt 18t 22• 22 Vgl. Rose, Die Bedeutung der Faktorausstattung ... , a.a.O., S. 308 ff. und S. 316 f. Dort findet sich auch weitere Literatur zum Problem der umschlagenden Faktorintensitäten. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Heckscher-Ohlinsches Theorem und technischer Fortschritt 33 Vielleicht trägt auch der Hinweis, daß außer dem Kapital- und Arbeitsgehalt der Außenhandelsgüter auch das Vorhandensein natürlicher Hilfsmittel berücklsichtigt werden muß, zu einer Lösung des Problems hei. V,erschiedene Autoren - wie Vanek 23 und Kravis 24 - neigen jedenfalls dieser Ansicht zu. Allerdings ist his heute nicht entschieden, welchem Lösung,svorschlag der Vorzug gebührt. Theoretische Überlegungen, vor ,allem aber weitere ,empi,rische Untemuchungen werden notwendig sein, um den Geltungsbereich des Heckscher-Ohlin- Theorems zu überprüfen. 23 J. Vanek, The Natural Resource Content of Foreign Trade, 1870-1955, and the Relative Abundance of Natural Resources in the United States. "Review of Economics and Statistics", Bd. 41 (1959). 24 J. B. Kravis, Availability and Other Influences on the Commodity Composition of Trade. "Journal of Political Economy", Bd.64 (1956). 3 Schrliten d. Vereins f. Soclalpolltik 56 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
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Der kombinierte Einsatz budget- und zinspolitischer Maßnahmen zur gleichzeitigen Erreichung binnen- und außenwirtschaftlicher Zielel Von Hans-Joachim Jarchow, Göttingen I. Schwerwiegende wirtschaftspolitische Probleme er,geben sich im Rahmen der ,gegenwärtigen, durch grundsätzlich feste W,echselkurse gekennzeichneten interna'tiona1en Währungsordnung immer wieder dadurch, daß bei der Iglei~itigen Verfolgung binnen- und außenwirtschaftlicher Aufgaben in bestimmten wirtschaftlichen Situationen Zielkonflikte auftreten. Solche Zielkonflikte sind deshalb so häufig, weil die wichtigsten Bestimmungsgrößen der konjunkturellen Entwicklung im Inland gleichzeitig entscheidende Determinanten der Zahlungsbilanz darstellen und umgekehrt. Aus diesem Grund wird ein Land, das aus Gründen der Beschäftigung eine expansive Geld- und Fiskalpolitik betreibt, damit rechnen müssen, daß d1e entsprechenden Maßnahmen nicht ohne Konsequenzen für die außenwirtschaftliche Entwicklung bleiben und eine Verschlechterung der Zahlungsbilanz eintritt. Umgekehrt ist zu erwarten, daß sich bei einer antiinflationären und deshalb kontraktiven Politik in der Regel eine Verbesserung der Zahlungsbilanz einstellt. Die Träger der Wirtschaftspolitik würden in diesen Fällen vor einem Zielkonflikt stehen, wenn die sich als Folge binnenwirtschaftlicher Maßnahmen ergebende Entwicklung der Zahlungsbilanz vermieden werden soll. Da solche Konfliktsituationen - wie z. B. die Erfahrungen des Vereintgten Königreichs, der Bundesrepublik, Frankreichs und der Schwei:zzeigen 2 - besonders in den 60iger Jahren zu schwerwiegenden Problemen führten, ist es nur naheliegend, daß in den letzten Jahren 1 Ausgearbeitete Fassung eines vor dem Theoretischen Ausschuß des Vereins für Socialpolitik am 28. Oktober 1967 in Nagold gehaltenen Referats. Anmerkung: Herrn Diplom-Volkswirt Dr. P. Rühmann danke ich für die kritische Durchsicht des Manuskripts. 2 M. Gilbert und W. McClam, Domestic Implications of the Evolving International Monetary Mechanism. Domestic and External Equilibrium: European Objectives and Policies. "The American Economic Review", LV (1965), Papers and Proceedings, S. 193 ff. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
36 Hans-J oachim Jarchow in Wissenschaft und Praxis intensiver nach Wegen g,esucht wurde, dem Dilemma zw.ischen binnen- und außenwirtschaftlichen Erfordernissen zu entgehen. Dabei wurden vor ,allem zw.ei Möglichkeiten in Betracht gezogen. Die eine Möglichkeit besteht in der Einführung frei beweglicher Wechselkurse. In diesem Fall könnte man unabhängig von außenwirtschaftlichen Erfordernissen eine an binnenwirtschaftlichen Zielen orientierte Konjunkturpolitik betreiben, solange man sich auf den Ausgleichsmechanismus frei beweglicher Wechselkurse verlassen kann. Die zweite Möglichkeit ist genau das Gegenteil von einer mit flexiblen Wechselkursen bezweckten Isolierung der nationalen Wirtschaftspolitik: Bine Alternative zu beweglichen Wechselkursen sieht man nämlich in dem Versuch, die wirtschaftliche Entwicklung bei ,den einzelnen Handeispartnern durch eine internationale Koordination wirtschaftspolitischer Maßnahmen so aufeinander abzustimmen, daß die Wahrscheinlichkeit größerer Zahlungsbilanzungleichgewichte als Folg,e eines solchen Gleichschritts verring.ert wird. Beide Möglichkeiten sind j.edoch nicht frei von größeren Problemen. Der Vorschlag, bewegliche Wechselkurse einzuführen, würde aus einer Reihe von Gründen vor allem auf den Widerstand der verantwortlichen Notenbankfunktionäre stoßen und schon aus diesem Grund kaum realisierhar sein. Eine zahlungsbilanzorientierte internationaloe Kooper,ation wäre ·auf der anderen Seite zwangsläufig mit einer Einschränkung der konjunkturpolitischen Souveränität verbunden und deshalb wegen der Pl1iorität bestimmter binnenwirtschaftlicher Aufgaben, wie der Sicherung der Vollbeschäftigung, nicht immer realisierbar. Bei diesen Bedenken gegenüber flexiblen Wechselkursen einerseits und der Abneigung gegenüber einem Verzicht auf konjunkturpolitische Souveränität andererseits liegt es nahe, daß man noch nach weiteren Möglichkeiten gesucht hat, mit denen die Problematik der ZielkonfiiJkte einer Lösung näher igebracht werden kann. So wird in letzter Zeit häufiger der kombinierte Einsatz von Geld- und Fiskalpold!tik zur gleichzeitigen Eueichung externer und interner Ziele empfohlen 3• Ein solcher "policy mix" - im Grunde eine Anwendung des Tinbergenschen Prinzips, für zwei Aufg.aben mindestens auch zwei Mittel einzusetzen - macht es nach Ansicht seiner Befürworter in Konfliktsi,tuationen nötig, daß die Geldpolitik an den Erfordernissen der Zahlungsbilanz und die FiskalpolitiJk an den Erfordernissen der binnenwirtschaftlichen Entwicklung orientiert wird. Dieses erstmalig wohl von 3 W. L. Smith, Are There Enough Policy Tools? "The American Economic Review" , LV (1965), Papers and Proceedings, S. 213 f. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Einsatz budget- und zinspolitischer Maßnahmen 37 Mundell 4 theoretisch begründete, aber noch nicht näher präzisierte Postulat hat offenbar in den letzten Jahl'en auch Eingang in die wirtschaftspolitischen Vorstellungen mancher "offizieller Stellen" gefunden. So wurden den Überschußländern im Jahre 1964 vom Council of Economic Advisers expansiv wirkende monetäre Maßnahmen - kombiniert mit einer kontraktiven Fiskalpolitik - zur Lösung ihrer Zielkonflikte empfohlen s. Im gleichen Jahre wurde eine ähnliche Arbeitstehlung zwischen Geld- und F1skalpolitik von Vertretern der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich auf der Tagung der American Economic Association vorgeschlagen 6• Schließlich spielt ein solcher "policy mix" auch bei .den im Jahre 1966 von der OECD veröffentlichten Vorschlägen zur Lösung des sog. Anpassungsproblems eine wesentliche Rolle 7• Das zunehmende Interesse an den Möglichkeiten dieser Form der Wirtschaftspolitik wollen wir jetzt zum Anlaß nehmen, den kombinierten Einsatz zins- und budgetpolitischer Maßnahmen hinsichtlich der Wirkungen auf binnenwirtschaftliche Entwicklung und Zahlungsbilanz anhand eines vereinfachten Modells zu analysieren. Dabei gehen wir in drei Schritten vor: Wir beginnen mit der Beschreibung der dem Modell zugrunde liegenden Annahmen (Abschnitt II). Dann beschäftigen wir uns zunächst mit der Frage, ob und wie die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und die Zahlungsbilanz durch eine bestimmte Kombination zins- und budgetpolitischer Mittel in einem gewünschten Sinne beeinflußt wel'den können (Abschnitt III). Dabei zeigt sich, daß die wirtschaftspolitischen Aktionsparameter nicht nur in einer ganz bestimmten Richtung, sondern auch in einer innerhalb gewisser Grenzen genau festgelegten Kombination eingesetzt werden müssen, wenn man gleichzeitig eine Erhöhung (bzw. Senkung) der gesamtwiTtschaftlichen Nachfrage und des Saldos der Zahlungsbilanzerreichen will. Im Anschluß an den III. Abschnitt untersuchen wir (Abschnitt IV), welche Implikationen sich aus einer solchen Politik für die Investitionen und ,damit für das Wachstum einer Volkswirtschaft ergeben. 4 R. A. Mundell, The Appropriate Use of Monetary and Fiscal Policy for Internal and External Stability. "Staff Papers", IX (1962), S. 70 ff. -Siehe aber auch schon die Bemerkungen w. Stützels (Volkswirtschaftliche Saldenmechanik. Tübingen 1958, S. 163 ff.). -Vgl. auch den neueren Aufsatz von A. O. Krueger, The Impact of Alternative Government Policies under Varying Exchange Systems. "The Quarterly Journal of Economics", 79 (1965), S. 195 ff. 5 Siehe H. G. Johnson, "Federal Reserve Bulletin", 50 (1964), S.1404. 6 M. Gilbert und W. McClam, a.a.O., S. 198. 7 The Balance of Payments Adjustment Process. AReport by Working Party No. 3 of the Economic Policy Committee of the Organisation for Economic Co-Operation and Development. August 1966, S. 19 ff. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
38 Hans-J oachim J archow Dieser Geskhtspunkt könnte deshalb von Interesse sein, weil verschiedentlichauf die Möglichkeiten hingew1esen whd, daß !in bestimmten Situationen bei gleichzeitigem Einsatz zins- und budgetpolitischer Mittel mit einer Beeinträchtigung der Investitionstätigke!i.t q;U rechnen sei s. In unserer Untersuchung gelangen wir jedoch zu dem Ergebnis, daß immer eine Kombination zins- und budgetpolitischer Maßnahmen möglich ist, mit der neben der gesamtwJrtschaftlichen Nachfrage und der Entwicklung der Zahlungsbilanz ,auch die Investitionen im gewünschten Sinne gesteuert werden können. Den Abschluß der Arbeit bildet eine Zusammenfassung der Ergebnisse (V). Hierbei wi~d auch die Frage angeschnitten, welche wirtschaftspolitischen Probleme die Anwendung der behandelten Mittelkombinationen implizieren könnte. n. Im Mittelpunkt unseres Modells stehen die Bestimmungsgleichungen für die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, die Zahlungsbilanz und die gesamtwirtschaftlichen Investitionen. Diese Größen sol1en durch Einsatz bestimmter wirtschaftspolätischer Mittel beeinfiußt werden; sie bilden also die Zielvariablen unseres Systems. Als Aktionsparameter werden angesehen: Staatsausgaben, Steuer- und Zinssatz 9• Da >der Zinssatz für di,e Zentl'albankpolitik mehr einen Ansatzpunkt als einen Aktionsparameter Ida·rstelltlo, impliziert die Wahl des Zinssat~es bestimmte Annahmen über die Effizienz geldpoHtischer Maßnahmen. Es wird nämlich unterstellt, daß die Zentralbank mit Hilf·e1hl'es geldpolitischen Instrumentariums '(und unter Berücksichtigung der hier nicht näher 'betrachteten Angebots- und Nachfragev<erhältnisse auf dem Geld- und Kapitalmarkt) in der Lage ist, ein bestimmtes, für die "geei,gnete" Mittelkombination erforderliches Zinsniveau durchzusetzen. Welche Mittelkombination sich dabei zur gleichzeitigen Erreichung S Krueger, a.a.O., S. 201 f. - Johnson, a.a.O., S.1404. -The Balance of Payments Adjustment Process ... , a.a.O., S.22. 9 Naheliegend wäre es auch, neben dem Zinssatz den Wechselkurs in die zu analysierende Mittelkombination einzubeziehen. Diese Möglichkeit, die von Föhl (Außenwirtschaftliches und binnenwirtschaftliches Gleichgewicht, "Jahrbücher für Sozialwissenschaft", Band 14 (1963), S.606) genauer untersucht worden ist, kommt hier aber nicht in Betracht, da es uns gerade um die Problematik von Zielkonflikten im Rahmen fester Wechselkurse geht. 10 In der Regel beeinflußt die Zentralbank das Zinsniveau mittelbar und zwar in erster Linie durch Einwirkung auf das Geldangebot der Geschäftsbanken (z. B. mit der Mindestreservepolitik oder mit den von ihr festgelegten Refinanzierungsbedingungen), zuweilen auch durch Transaktionen mit Nichtbanken (z. B. im Wege von Offenmarktgeschäften auf dem Kapitalmarkt). OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Einsatz budget- und zinspolitischer Maßnahmen 39 binnen- und außenwirtschaftlicher Z1ele als geeignet erweist, hängt notwendigerwei,se entscheidend von den Annahmen über die Bestimmungsgründe der Zi,elvariaiblen aJb. Die entsprechenden, diesem Modell zugrunde gelegten Hypothesen sind in direkter oder indirekter Form in fo1genden Ausgangsgleichungen enthalten: (1) C =C(y) 0< Cy < 1 (2) I = I (g, ß) Ig > 0; 1p < 0 (3) F =r F (4) L =L(Y) Ly<O (5) K =K(ß) Kp>O (6) T = ott (Y) Y o < IX ty Y + IX t < 1 (7) T* = IX t* (G) G 0< IX t*G G + IX t* < 1 (8) y =Y-IXt(y)Y (9) g = G (Y) - IX t* (G (Y) G (Y) Gy>O (10) Y =C+1+F+L (11) Z =L+K Es gelten folgende Symbole: A, B, D, E, H, I, N*, N, T) = im Text näher erläuterte Abkürzungen C = Privater Konsum F = Staatsausgaben für Konsum- und Investitionsgüter (in der Ausgangssituation: F = F) G = Gewinne g = Gewinne nach Abzug der Gewinnsteuern I = Private Investitionen K = Nettokapitalimporte L = Saldo der Leistungsbilanz T = Nettoabzüge, d. h. direkte und indirekte Steuern ;/, Transferzahlungen einschl. Subventionen T* = Gewinnsteuern t = Durchschnitt!. Steuersatz (bezogen auf Y) in der Ausgangssituation t* = Durchschnitt!. Steuersatz (bezogen auf G) in der Ausgangssituation Y = Nettosozialprodukt zu Marktpreisen y = Privates verfügbares Einkommen Z = Saldo der Zahlungsbilanz IX = Niveau von t bzw. t* (in der Ausgangssituation: IX = 1) ß = Niveau des Zinssatzes (in der Ausgangssituation: ß = 1) r = Niveau der Staatsausgaben (in der Ausgangssituation: r = 1) Gleichung (1) besagt, daß der private Konsum mit steigendem privaten verfügbaren Einkommen ~unimmt, di,e entsprechende Zunahme jedoch nicht über den Einkommenszuwachs hinausgeht. Gleichung (2) beschreibt di,e privaten Investitionen ,als zunehmende Funktion der OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
46 Hans-Joachim Jarchow In welcher Richtung diebudgetpolitischen Instrumente eingesetzt werden müssen, hängt offenbar davon ab, ob (31) Im ersten Fall, der um so eher eintritt, je stärker die Investoren auf Veränderungen der Nettogewinne und die Konsumenten auf Veränder:ungen der verfügbaren Einkommen reagieren, müssen Steuern und Staatsausgalben und damit das Budigetvolumen verkleinert werden. Im zweiten F,all führt der umgekehrte Weg zum Ziel: Steuern und Staatsausgaben und damit das Budgetvolumen müssen erhöht werden. 2) diX = 0 In diesem Fall ist dY, dZ ~ 0 möglich, wenn (32) wobei 0 ~ c5 ~ l. dy dß Kp -I p -/j- A Ly F Werden dJieSteuersätze nicht geändert, dann lassen sich Zielkonflikte offenbar nur vermeiden, wenn die Zins erhöhung von einer Vergrößerung der Staatsausgaben begleitet ist und der Einsatz dieser Mittel in einer Gleichung (32) entsprechenden Form kombiniert wdrd. 3) dy = 0 In diesem Fall ist dY, dZ ~ 0 nur möglich, wenn (33) wobei 0 ~ c5 ~ l. Zielkonfl:tkte lassen sich -bei konstanten Staatsausgaben also nur vermeiden, wenn mit dem Zinsniveau das Nilveau der Steuersätze entsprechend der Bedingung (33) gesenkt wird. Wlie die beiden zuletzt behandelten Fälle zeigen, kann eine gleichzffitige Zunahme {Abnahme) der gesamtwi'rtschaftlichen Nachfrage und des Saldos der Zahlungsbilanz erreicht werden, wenn neben einer Erhöhung (Senkung) des Zinssatzes, die in jedem Fall erforderlich ist, die Steuers ätze gesenkt (erhöht) oder die Staatsausgaben vermehrt ehen Betrag geändert werden. Eine solche Situation ist der Ausgangspunkt für das bekannte Haavelmo-Theorem. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Einsatz budget- und zinspolitischer Maßnahmen 47 (vermindert) werden. Die fbudgetpolitischen Instrumente müssen also nicht kombiniert, sie können alternativ eingesetzt werden. 2. Unsel'e bisherigen Betrachtungen haben gezeigt, daß sich Zielkonfiikte 2lwischen binnen- und außenwi'rtschaftlichen Erfordernissen vermeiden lassen, wenn die Instrumente der Zins- und Budgetpolitik in bestimmter Weise kombiniert werden. Dabei wurde deutlich, daß der zur Durchsetzung der angestrebten Ziele geetgnete Kombinationskoeffizient innerhalb eines bestimmten Spielraums 22 fixiert werden kann, der - wie die Bedingungen (24), (25) und (26) erkennen lassen -u. a. von den Parametern Kp und Ly bestimmt wird 23• Offenbar wird der Spielraum für den KombinationskoeffiZlienten um so kleiner, je schwächer die Zinsreagilbilität der Kapitalbewegungen ist. Die "Bandbreite" des Kombinationskoeffizienten verengt sich schließlichzu~inem Punkt, wenn die Kapfta1bewegungen zinsunabhängig sind (Kp = 0). In diesem F1all ist eine gleichzeitige Erhöhung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und des Saldos der Zahlungsbilanz durch eine kombinierte Änderung von Steuersatz, Zinssatz und StaatsaJusgaben nicht mehr zu erreichen. Wiie die Bandbreite des Kombinationskoeffi2lienten von der Reaktion der Leistungsbilanz auf V:eränderungen des Volkseinkommens beein- Hußt wird, hängt u. a. von der Größe des P,arameters Ly selbst ab. Ist A + Ly> 0 (was als Normalf.all unterstellt werden Imnn 24 ), dann wird der Spielraum für den geeigneten Kombinationskoeffizienten mit zunehmender Einkommensabhängigkeit der Leistungsbilanz geringer 25• Bestehen nur ungenaue Vorstellungen über die Größe der ,relevanten Parameter, dann nimmt das Risiko zu, daß bei Realisierung der Mittelkombination unerwünschte Wil1kungen auf Zahlungsbilanz und Volkseinkommen auftreten 26• wobei 0 ~ b ~ 1. 22 Die Bedingung (24) zeigt, daß der Spielraum für den Kombinationskoeffi- K zienten durch den Ausdruck N* = L: A bestimmt wird. 23 Wie sich der Spielraum des speziellen Kombinationskoeffizienten dß bei gegebenen d ß und d r mit alternativen Werten von CY' Ig usw. ändern kann, wenn am Ausgangsgleichgewicht festgehalten wird, ist im Appendix «A 17) bis (A 22» dargestellt. 24 In diesem Fall wäre die marginale Absorptionsquote (marginale Konsumquote plus "marginale Investitionsquote") kleiner als eins. 25 Daß der absolute Wert von N* bei A + Ly > 0 mit steigenden Werten von Ly abnimmt, wird deutlich, wenn N* in folgender Form geschrieben wird: KrJ [1 -C ,1 (1 - IX ty Y - IX t) -Ig Gy (1 - IX taG - IX t*)] p= ~ -~ 26 Das Gleiche gilt nach dem oben Gesagten auch für eine abnehmende Zinselastizität der Kapitalbewegungen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
48 Hans-J oachim Jarchow 3. Stand bei unseren bisherigen Betrachtungen die Frage im Vordergrund, Wlie bestimmte wirtschaftspolitische Mittel zu kombinieren sind, damit ZielkonfHkte vermieden werden können, 'so wollen wir jetzt untersuchen, wie die Zielvariablen, d. h. die gesamtwirtschaftLi'che Nachfrage und die Zahlungsbilanz, bei gegebenem Komoonationskoeffizienten von der Größe der Aktionsparameter abhängen. Bine Bezi'ehung zwischen gesamtwirtschaftlicher Nachfrage und Zinssatz ergibt sich aus den Gleichungen (19) und (25). Wir erhalten: (34) wobei 0 ;;;;; b ;;;;; 1. KfJ dY= -oLydß, Ein entsprechender Zusammenhang ~'ischen Zahlungsbilanz und Zinssatz resultiert aus den Gleichungen (21) und (25): (35) d Z = (1 -- 0) Kp d ß , wobei 0;;;;; b ;;;;; 1. Als Er,gebnis erhält man also folgendes: Wird der Zinssatz heraufgesetzt (herabgesetzt) und dias Budget beigegebenem bin einer den Gleichungen (25) bzw. (26) entsprechenden Weise geä'ndert, dann resultiert aus der kombin1ierten Durchführung zins- und budgetpolitischer Maßnahmen eine Erhöhung (Senkung) der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und des Saldos der Zahlungsbilanz, die durch die Beziehungen (34) und (35) bestimmt wird. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und der Saldo der Zahlungsbilanz werden also um so mehr beeinflußt, je stänker die zins- und budgetpol~tischen Maßnahmen sind. Aus den Gleichungen (34) und (35) geht weiter hervor, daß <Ne Wirkungauf die gesamtwirtschaftliche Nachifrage im Vergleich zur Wirkung auf die ZahlungsbiJanz um so ,größer ist, je höhere Werte b annimmt, d. h. - wie aus der Gleichung (25) hervorgeht - je stärker die budgetpolitischen Instrumente im Vergleich zum Zinssatz eingesetzt werden. Schließlich wird aus den Gleichungen (34) und (35) auch deutlich, daß die "Dosierung"der Aktionsparameter eindeutig festgelegt ist, wenn eine bestimmte Änderung der Zielval1iablen angestrebt wird. Bei vorgegebenen Werten von dY und dZ kann die erforderliche Änderung des Zinssatzes unmittelbar aus (34) und (35) ermittelt werden 27 ; der damit 27 Aus (34) und (35) ergeben sich: und dß=dZ_ dYL y Kp Kp o = --=--_d_Y--::-::cL,.=-Y::-- dZ-dYL y OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Einsatz budget- und zinspolitischer Maßnahmen 49 zu kombinierende Einsatz budgetpolitiJscher Instrumente ist - wie aus der Beziehung (25) ersichtlich wird - durch den aus (34) und (35) berechneten Wert von b 27 ebenfalls bestimmt. IV. 1. Mit unseren bisherigen Üiberlegungen hatten wir untersucht, w1ie durch eine Kombination zins- und budgetpolitischer Maßnahmen gleichzeitig bestimmte Wiiliklungen auf den Saldo der Zahlungsbilanz und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage erreicht werden können. Wir wollen unsere Fragestellung jetzt erweitern Ullid neben außenwirtschaftlichen und konjunkturellen Elifordernissen auch Notwendigkeiten berücksichtigen, die durch das Wachstumsziel begründet sind. Diesen Notwendigkeiten tragen wir im Rahmen unseres Modells dadurch Rechnung, daß wir td~e Ansprüche an die von uns betrachteten wirtschaftspolitischen Mittel erhöhen und nach einer Mittelkombdnation fragen, die neben einer Vergrößerung (Verminderung) der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und des SaLdos der Zahlungsbilanz gleichzeitig auch noch eine Zunahme (Abnahme) der Investitionstätigkeit herbeiführen kann. 2. Naheliegenderweise bildet die Investitionsfunktion den Ausgangspunkt unserer Überlegungen. W,ie aus Gleichung (12) hervorgeht, läßt sich die Investitionsfunktion in allgemeiner Form wie folgt schreiben: (36) I = I (Y, IX, ß) Aus (36) ermitteln wir das totale Differential von I und erhalten (37) wobei (38) D = Ig Gy (1 - IX (ta G + t*» • Der Einfluß von Staatsausgaben, Steuer- und Zinssatz auf die Investitionstätigkeit w:ird deutlich, wenn wir die Gleichung (37) unter Berücksichtigung von (19) wie folgt umformulieren: (39) Wie die Investitionstätigkeit beeinflußt werden kann, ohne daß die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zurückgeht und sich die Zahlungs- 4 Schriften d. Vereins f. Socialpolitik 56 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
50 Hans-Joachim Jarchow bilanz verschlechtert, zeigt sich, wenn wir die für dY, dZ ;;;; 0 erforderliche Kombination von dex, dß und dy berücksichtigen und den Ausdruck -dy KfJ Ip + Fdß + bA r.:; (26) B wobei 0 ~ t5 ~ 1, in Gleichung (39) 'einsetzen. Wir erhalten dann: (40) ( -dy K fJ ) - -Ip-F dß -bA Ly dß+lpdß+Fdy dI=D + A bzw. nach Umformulierung (41) o ::~y (B D + A Ig t* G) d ß (I p C y t Y - Ig t* G F *) d/ 8 dI = -----B----- + B 28 Gleichung (41) zeigt, daß für d ß > 0 auch bei 0 :;; 0 und damit gleichbleibender bzw. zurückgehender gesamtwirtschaftlicher Nachfrage (vgl. Gleichung (34» eine Erhöhung der Investitionstätigkeit bei d Z > 0 (vgl. Gleichung (35» erreicht werden kann, wenn die Staatsausgaben so herabgesetzt werden, daß der Ausdruck für d I in Gleichung (41) positiv ist. Wie die folgenden Ableitungen zeigen, müssen dabei gleichzeitig die Steuersätze gesenkt werden: Bei d ß > 0 tritt eine Erhöhung der Investitionen offenbar nur dann ein, wenn (a) ~ -~ o _ Ly (B D + A Ig t* G) + Ip Cy t Y - Ig t* G F dß > 0 bzw. (b) Die Ungleichung (b) kann offenbar nur erfüllt werden, wenn (c) "Fdy + A 0 KfJ < 0 dß Ly' Wie aus Gleichung (26) hervorgeht, muß die mit einer Einschränkung der Staatsausgaben verbundene Zinserhöhung dann von einer Steuersenkung begleitet sein. Daß eine gegenläufige Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und der Investitionstätigkeit mit Hilfe budgetpolitischer Maßnahmen, d. h. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Einsatz budget- und zinspolitischer Maßnahmen 51 Es zeigt sich, daß eine Zinserhöhung (-senkung) immer eine Zunahme (Abnahme) der Investitionstätigkeit (bei 0< d ~ 1) herbeiführt, wenn die Bedingung (42) erfüllt ist. Diese Bedingung kann o:t)fensichtlich niemals erfüllt werden, wenn die Staatsausgaben bei einer Zlinserhöhung (-senkung) vermehrt (vermindert) werden. Wie ,aus Gleichung (41) hervorgeht, sind dann immer Parameterkonstellationen möglich, bei denen eine Anregung (Dämpfung) der Investitionstätigkeit nicht mit Sicherheit herbeigeführt werden kann. Wie Gleichung (41) zeigt, wird ein solcher Fall um so eher eintreten, je stärker die Investitionen und je schwächer die Kapitalbewegungen auf Zinsänderungen reag;ieren. Weliden die Staats ausgaben dagegen bei einer Zinserhöhung (-sen- kung) 'vermindert (vermehrt), dann läßt sich - unabhängig von der Pammeterkonstellation - durch entsprechende Dosi'erung von dy und dß erreichen, daß die Bedingung (42) ,erfüllt wild und damit eine Zunahme (Abnahme) der Investitionen eintritt. Aus (42) in Verbindung mit (41) und (26) erhalten wir dann also folgendes Ergebnis: Eine Erhöhung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und der Investitionstätigkeit sowie eine gleichzeitige Verbesserun.g der Zahlungsbilan.z kann - unabhängig von der Größe der relevanten Parameter - nur realisiert werden, wenn neben der Erhöhung des Zinsniveaus .die Sta:atsausgaben (entsprechend (42» reduziert und 29 die Steuersätze (entsprechend (26» herabgesetzt werden. Umgekehrt ist ,eine Dämpfung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und der Investitionstätigkeit bei gleichzeitigem Abbau von Zahlungsbilanzüberschüssen - unabhängig von der Größe der Parameter - nur möglich, wenn das Zinsniveau gesenkt, die Staatsausgaben vermehrt und die Steuersätze (entsprechend (26» erhöht werden. über IX und y, grundsätzlich erreicht werden kann, äußert sich auch darin, daß Y", Yr -<- I", Ir Da y zu einem größeren Wirkungsquotienten von Y und I führt als IX (vgl. Appendix, {A 23)-(A 26», liegt es nahe, daß der Einsatz von y an der gewünschten Änderung von Y und der Einsatz von IX an der gewünschten Änderung von I orientiert wird. 29 Sollen die Zielgrößen unabhängig von der Größe der relevanten Parameter realisiert werden, dann ist es (abweichend von den Ergebnissen im Grundmodell) jetzt erforderlich, daß alle drei wirtschaftspolitischen Mittel eingesetzt werden. 4' OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
52 Hans-Joachim Jarchow Aus G1eichung (41) geht weiter hervor, daß die Investitionstätigkeit bei vorgegebenen Werten für dß und Cl {und damit festgelegter Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage dY und des Saldos der (Zahlungsbilanz 30 ) um so stärker sein wird, je mehr die Sta'atsausgaben und damit nach Gleichung (26) auch die Steuersätze in Relation zur Zinserhöhung gesenkt wenden. Außerdem wird auch hier deutlich, daß die "Dosierung" der Aktionsparameter eindeutig festgelegt ist, wenn eine bestimmte Änderung der Zielvariablen realisiert werden soll. Bei vorgegebenen Werten von dY, dZ und dI können aus Gleichung (41) in Verbindung mit (26), (34) und (35) die zur Realisierung der Zielgrößen erforderlichen Änderungen von Zinssatz, Steuersatz und Staatsausgaben ermittelt werden. v. 1. Bevor wir jetzt die Ergebnisse unser,er Betrachtungen abschließend zusammenfassen, sollten wir noch auf gewisse Einschränkungen hinweisen, denen unsere UntersuchJungen und damit auch der Aussagewert unseres Modells unterliiegen. Abgesehen von der Begrenzung, die unsere Darstellung durch die Form der Analyse (komparative Statik 31 im Rahmen einer "kurzen Periode"32) unddd.e im 11. Abschnitt näher erläuterten Annahmen erfahren könnte, dürfte auch die Formulierung der ZielvadabJ.en dazu führen, daß gewisse Konsequenzen der Mittelkombination, die von Bedeutung sind, nicht deutlich werden. Der Grund liegt in dem hohen Aggregationsgr,ad ,der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, der Investitionen und des Saldos der Zahlungsbilanz, der mögliche "Strukturveränderungen" innerhalb dieser Größen verdecken könnte. So ist im Rahmen unseres Modells wohl gezeigt worden, daß das Venhältnis der Investitionszunahme und der Erhöhung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage reguliert werden kann; nicht diskutiert wurde ,aber z. B., wie der gleichzeitige Einsatz zins- und budgetpolitischer Maßnahmen den Anteil des Außenbeitrags oder der Nachfrage des Staates ,an der gesamtwirtschaftLichen Nachfrage verändert. Nicht untersucht wurde ferner, inwieweit der hohe Aggregationsgrad der Zielv,ardablen dI Strukturverschiebungen, die sich durch den kombinierten Einsatz WJirtschaftspolitischer Mittel ergeben könnten, innerhalb der Investitionen verdeckt. Solche Struktur änderungen sind zu erwarten, da die Wirksamkeit der von uns betrachteten Bestimmungs- 30 Siehe die Gleichungen (34) und (35). 31 Damit bleiben zwangsläufig alle Aspekte unberücksichtigt, die nur bei einer dynamischen Analyse sichtbar werden. 32 Unsere Analyse stellt insofern eine kurzfristige Betrachtung dar, als die durch die Kapitalbewegungen induzierten Zinszahlungen und die Wirkungen der Investitionen auf die Produktionskapazität unberücksichtigt bleiben. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Einsatz budget- und zinspolitischer Maßnahmen 53 :Baktoren der gesamtwirtschaftlichen Investitionsfunktion sicherlich von WTrtschaftszweig zu Wirtschaftszweig unterschiedld.ch ist. Schließlich werden auch hinsichtlich der Zahlungsbilanz durch den hohen Aggregationsgrad von dZ wichtige VOl"gänge zwischen den verschiedenen Teilbilanzen der Zahlungsbilanz verdeckt, die eng mit der Wirksamkeit der von uns dargestellten Mittelkombination in Verbindung stehen 33• So werden Zielkonflikte ja gerade dadurch vermieden, daß die bei einer Expansion der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage eintretende Verschlechterung der Leistungsbilanz durch zinsinduzierte Kapitalbewegungen kompensiert (oder überkompensiert) wird. Ob aber dieses Verfahren, das an den möglicherweise in der Leistungsbilanz zu suchenden Ursachen von Zahlung,sbilianzschwD.erigkeiten vorbeigehen würde, auch auf längere Sicht angewendet werden sollte, muß bezweifelt werden. 2. Dieser Vorbehalte muß man sich bewußt sein, wenn man jetzt die wichttgsten Ergebnisse der vorgenommenen Analyse in Form einer Zusammenfassung betrachtet: Wie im ersten Teil unsel"es Modells (IH. Abschnitt) gezeigt wird, kann eine gleichzeitige Erhöhung bzw. Verminderung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und des Saldos der Zahlungsbilanz durch einen kombinierten Einsatz zins- und budgetpolitischer Maßnahmen erreicht werden, wenn die Veränderung des Zinsniveaus :an den Erfordernissen der Zahlungsbilanz und die Veränderung der Staatsausgaben und (oder) Besteuerung an den Erfordernissen der konjunkturellen Entwicklung ausgerichtet werden. Dieses Ergebnis ist otffenbardarauf zurückzuführen, daß die budgetpolitischen Mittel relativ stärker auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und der Zinssatz r,ela1ri.v stärker auf die Zahlungsbilanz wirken 34• Wie :aus unseren Ableitungen weiter hervorgeht (vgl. Gleichung (25) und (26», reicht 'es jedoch ,für die Realisierung der angestrebten Ziele nicht ,aus, daß man die wirtschaftspolitischen Instrumente nur in einer ganz bestimmten Richtung einsetzt. Darüber hinaus müssen zins- und budgetpolitische Mittel in einer innerhalb gewisser Grenzen genau festg.elegten Kombination verwendet werden, wenn gleichzeitig die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und der Saldo der Zahlungsbilanz erhöht (vermindert) werden sollen. Für die relative Wirkung auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und die Zahlungsbilanz ist es dabei von wesentlicher Bedeutung, für welche der möglichen Kombinationen man sich innerhalb des wirtschaftspolitischen Spielraums entscheidet. 33 Vgl. hierzu auch: Krueger, a.a.O., S. 201. -Johnson, a.a.O., S. 1404. - Smith, a.a.O., S. 214 f. 34 Dieser Unterschied in der Wirksamkeit der Aktionsparameter kommt auch darin zum Ausdruck, daß die Wirkungsquotienten von <X und r in Bezug auf Y und Z größer sind als der Wirkungsquotient von ß in Bezug auf Y und Z (vgl. S. 45, fußnote 20, und Appendix, (A ll)-(A 16». OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
54 Hans-Joachim Jarchow Im zweiten Teil unseres Modells (IV. Abschnitt) erweitern wir die Fr,agestellung und berücksichtigen neben außenwlirtschaftl~chen und konjunktur'ellen Aspekten auch noch Erfordernisse, die sich aus dem Wachstumsziel ergeben. Dementsprechend fragen wir nach einer Kombination wirtschaftspolitischer Mittel, .die neben einer Vergrößerung (Verminderung) der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und des Saldos der Zahlungsbilanz gleichzeitig auch noch eine Zunahme (Abnahme) der Investitionstätigkeit herbeiführen kann. Die für die Realisierung dieses "Zielbündels" geeignete Kombination rzins- und budgetpolitischer Maßnahmen wi'l'd durch d~e Beziehung (41) in Verbindung mit Gleichung (26) im einzelnen beschrieben. Es zeigt sich, daß eine Zunahme (Abnahme) der gesamtwirtschaftlä.chen Nachfrage, des SaLdos der Zahlungsbilanz und der Investitionstätigkeit - unabhängig von der Parameterkonstellation - nur erreicht werden kann, wenn neben einer Zinserhöhung (-senkung) gleichzeitig Staatsausgaben und Steuern so vermindert (v'ermehrt) werden, daß die unter (42) und (26) genannten Bedingungen erfüllt sind. Die Veränderung dieser drei Aktlionsparameter bestimmt dann auch das absolute Niveau der Veränderung der drei Zielvariablen. Appendix 1. zu Seite 44, Fußnote 19 Wiil1d das Niveau des ~durchschnittlichen) Steuersatzes ceteris paribus (d. h. u. a. bei dß, dy = 0) geändert, dann ergeben sich nach (19) und (21) folgende WiDkungen auf Y und Z: (A 1) (A2) B Y =-- " A -LyB Z,,= A Wird (Al) durch (A2) dividiert, erhält man: (A3) Y", 1 Wird das Niveau der Staatsausg,aben ceteris paribus (d. h. u. a. bei dex, dß =0) geändert, dann 'ergleben sich nach (19) und (21) folgende Wirkungen auf Y und Z: (A4) OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Einsatz budget- und zinspolitischer Maßnahmen (A5) Nach Division von (A4) durch (A5) ergibt sich (A6) Offensichtlich gilt: (A 7) bzw. (A 8) bzw. (A 9) Aus (A9) ergibt sich (A 10) Y", d<x Z",dIX YrdY = Zr dY 55 Unter der Annahme Yr> 0, Zr< 0 zeigt sich also, daß eine gleichzeitige Elihöhung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage (d. h. dY> 0) und Verbesserung der Zahlungsbilanz (dZ> 0) durch alleinigen Einsatz von Steuersatz und Staatsausgaben nicht erreicht werden kann, solange diese Aktionsparameter zu einem gleichen Wirkungsquotienten von Y und Z führen. 2. 'zu Seite 45, Fußnote 20 Es ist zunächst nachzuweisen, ·daß der Zinssatz relativ stärker auf die Zahlungsbilanz und der Steuer.satz (bzw. die Staatsausgaben) relativ stäl'ker auf dte gesamtwirtschaftliche Nachfrag,e einwirken. Wird das Zinsniveau cetens paribusgeändert, dann ergeben sich nach (19) und (21) folgende Wirkungen auf Y und Z: (A 11) OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
62 Ernst Helmstädter Abzulesen am Transaktor: (1) Q - Y-Y n ~ (2) Sn -Yn- C- Tn ® (3) Su - Q- Tu @ (4) SST == Tn + Tu -F @ (5) Z X+K-M @ (6) Y - C+I+F+X-M ® Die Gleichungen (1) -(6) gleichen die betreffenden Transaktoren definitol1isch aus. Nach dem Walms-Gesetz ist damit auch die Budgetgleichung am ~ -Transaktor I + Z = Sn + Su + SST + K erfüllt, da sie linear von den übrigen Budgetgleichungen abhängt. Wir nehmen die folgenden 7 linearen Bestimmungsfunktionen an: (7) C C+c(Yn-T n) I Konsumfunktion (8) I f + a (Q -Tu) - bz I Investitionsfunktion; '2: Zinssatz (exogen) (9) M qY I Importfunktion; q: Importquote (10) K K+ hz I Kapitalimportfunktion (11) Tn tnY n I Steuerfunktio~.en; (12) Tu tuQ tn, tu: Steuersatze (13) Yn L+gY I Haushaltseinkommensfunktion7 Die Funktionen enthalten die bei Jarchow angegebenen Argumente und sind linear 8 ang,esetzt, damit wir eine Multiplikator-Lösung erhalten. Das System der 13 Gleichungen läßt sich durch sukzessive Substitution lösen, da es dependent ist. Es !ist außerdem zerlegbar. Um diese Eigenschaften zu 'erkennen, schreiben wir das System in Form einer Relationen-Matrix {Fig. 2, S. 63) an. In der KopfzeiLe führen wir 7 Diese Bestimmungsgleichung wurde neu in das Modell aufgenommen. Ohne sie (oder eine andere Funktion) hätte das Gleichungssystem einen Freiheitsgrad. 8 Das ist mit Jarchows Darstellung, in der nur die Vorzeichen bestimmter Ableitungen berücksichtigt werden, verträglich. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Exogene In- Endogene Transaktionen I strumeritvariable F X z I > K Y H TH Q TU C I M Y SH Su SST Z ::l ~ ro ::l (10) 0 0. s:: ::l (13) I)q 0. (11) m I>i' ..... (1) ro 1;;. Q;' (12) s:: . ..... .... ~ ::T (7) ro 0 t:II ..... I': (8 ) 0 ~ ::l ..c: '" 0 g. >M (9) Q) ro .-I ::l t!J (6) ..... ::l '" .... ( 2) 0 0 0 ~ (3) 0 0 ro ::l .... ( 4) 0 0 0 ~ ::l. s:: (5) 0 0 0 S '" Fig.2. Relationen-Matrix zu Jarchows Modell Cl) w OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
64 Ernst Helmstädter -die endogenen V.ariablen und die exogenen Instrumentvariablen 9 an, in der Kopfspalte dde Gleichungen in einer bestimmten Reihenfolge. Ein Punkt (0) !bedeutet, daß die betreffende Transaktion bzw. Variable in der betreffenden Gleichung vorkommt. Der Gleichgewichtswert von K ist aus (10) direkt zu bestimmen, da die Gleichung (10) von den übci.gen Gleichungen unabhängig ist Das Gleichungssystem zerfällt in zwei independente Teilsysteme: Gleichung (10) und die übrigen Gleichungen ,auf der anderen Seite. Das letztere Teilsystem zerlegen wir zweckmäßig noch einmal in die durch das eingezeichnete Quadrat ziUsammengefaßten Gleichungen (Kern) und die Budgetg1eichungen (2) -(5). Die GLeichungen des Kerns lassen sich durch sukzessive Substitution lösen, da ,dieses unabhängig,e System triangulär ist. Wir schreiben zunächst Gleichung (6) ,an und substituieren alle endogenen Variablen so lange, bis in der Gleichung nur Y als endogene Vaciable übrigbleilbt. Dann lösen wir die Gleichung nach Y. Danach sind alle weiteren Variablen des Kerns und anschließend die der Budgetgleichungen (2) bis (5) zu bestimmen. Für jede endogene Variable erhalten wir als Lösung das Produkt aus einem Multipltkator und aus einer oder mehreren exogenen Variablen. Wiir geben hier nur den Multiplikatorausdruck für den Gleichgewichtswert des Volkseinkommens an: 1 (14) y* = ----,:--------:::------:---:----;::---c-:---:-::------:---:-- 1 - c (1 - tu) g -a (1 - tu) (1 -g) + q {C + c (1 -tn) -a (1 - tu) E + f - b-Z + F + X} 3. Die Berechnung der .Änderung von exogenen Instrumentvariablen Die Änderung des Gleichgewichtseinkommens läßt sich bei Änderung der exogenen Instrumentvaciablen F, X und z in drei Komponenten zerlegen: (15) Die einzelnen Komponenten berechnen sich aus (14) wie folgt: (16) * - . 1 LI Y F = mll L1 F mit mll = ---,-------,-----,-------,--------:---:-:-----,---- 1 - c (1 - tu) g -a (1 -tu) (1 -g) + q 9 Die weiteren exogenen Variablen, die in Jarchows Modell nicht als wirtschaftspolitische Instrumente gelten, lassen wir unberücksichtigt. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Anwendung des kreislauf theoretischen Instrumentariums 65 Entsprechend lassen sich für die Änderungen der Gleichgewichtswertez. B . .der ~ielvariablen Z und Q Zerlegungen vornehmen: (19) LI z* = ~l LI F + m22 LI X + m23 LI Z Jetzt können wir eine gewünschte Änderung der herausgegriffenen Zielv.al'i.ablen Y, Z und Q vorgeben und mit Hilfe von (15) - (20) das folgende Gleichungssystem anschreiben: -lm u ml2 ml31 fLl ~] [LI Y] (21) ~l m22 ~3 X LI X LI Z m3l m32 m33 LI z LI Q -- oder kurz (22) Bx=y Darin ist der x-Vektor ,gesucht, der y-Vektor vorgegeben. Existiert die Inverse von B, so <ergibt sich für die erforderliche Änderung der exogenen Variablen (23) X=B-ly. Man kann auch von den übl'ligen endogenen Varuablen jeweils drei als Zielvariable auffassen, ihre gewünschte Änderung vorgeben und die erforderliche Änderung der exogenen Instrumentvariablen berechnen. Prinzipiell ist es .den~bar, daß die Änderung der jeweils herausgegIliffenen drei Zie1variablen in jeder gewünschten Richtung möglich ist. Das bedeutet, daß von vornherein kein Zie1konflikt besteht, etwa zwischen einer gleichzeitigen Anhebung des Volkseinkommens, einer Verminderung eines bestehenden Aktivsaldos der Zahlungsbilanz und einer Senkung des rucht ausgeschütteten Gewinns, wenn man nur die Änderung der drei Instrumentvariablen richtig dosiert. Es könnte freilich sein, daß die Elemente der B-l-Matrix Zahlenwerte enthalten, die übemnäßige Änderung·en der exogenen Größen erfordern würden. Davauf ist hier nicht einzugehen. 5 S('.hriften d. Vereins f. Socialpolitik 56 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
66 Ernst Helmstädter Eine Bemerkung zur Gestalt des Gleichungssystems (vgl. die Relationenmatrux 'in Fig. 2) erscheint noch erforderlich. Die Berechnung der Multiplikatoren ist deswegen einfach, weil das System dependent ist. Für ein interdependentes System wäre ein Matrixmultiplikator zu berechnen. Sachlich ändert sich hierdurch nichts. In die KoeffizientenmatrJx B (Gleichung(21) und (22» wären dann die ibetreffenden partiellen Multiplikatoren aus dem Matrixmultiplikator einzusetzen. Die Berechnung der erforderlichen Änderung der exogenen Variablen, die eine gewünschte Änderung der endogenen Variablen herbeiführt, geschieht im übrigen in der gleichen, oben beschriebenen Weise. 4. Zusammenfassung Wir haben Jarchows Modell mit Hilfe rein linearer Bestimmungsfunktionen formuliert und somit eine Multiplikator-Lösung für die endogenen Ströme erhalten. Aus dieser Lösung läßt sich ein neues lineares Gleichungssystem '(v.gI. (21) ibzw. (22» für die Änderungen eines Teils der Instrument- und Zielvariablen gewinnen, dessen Multiplikator-Lösung die erforderlichen Änderungen der Instrument- Vlariablen als Produkt aus dem Matrixmultiplikator B -1 und den gewünschten Änderungen der Zielvariablen ergibt. Neben der Formulierung des Modells als Multiplikator~Modell bestand der Zweck unserer Ausführungen darin, das dem Modell zugrundeltegende Kreislaufsystem herauszuarbeiten und generell auch den Einsatz des kreislauf theoretischen Instrumentariums zu erläutern. Zum Schluß seien einige "Empfehlungen"ausgesprochen, deren Beachtung heLm Umgang mit Kreislaufmodellen größeren Umfangs ganz allgemein nützlich erscheint: 1. Definiere stets di'e n Transaktoren des Kreislaufsystems. 2. Erfasse die höchstens n2 Transaktionen des Kreislaufsystems vollständig. 3. Schreibe die nach dem Walras-Gesetz verfügbaren (n - 1) Budgetgleichungen an. 4. Formuliere für die Berechnung der k Unbekannten weitere {k -n + 1) Bestimmungsfunktionen. 5. Prüfe das Gleichungssystem auf Zerlegbarkeit anhand einer Relationenmatrix. 6. Verwende nach Möglichkeit zerlegbare Systeme. 7. Verwende zunächst lineare Funktionen, um einfache Multiplikator- Lösungen zu erhalten. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Zur Prohlematik von Zielkonflikten - Bemerkungen zu einem Beitl'Tag von E. Helmstädter 1 - Von Hans-Joachim Jarchow, Göttingen Den Hintergrund meiner von Helmstädter angesprochenen Betrachtungen 2 bilden die Schwierigkeiten, die entstehen, wenn gleichzeitig ZahlungsbiLanz.defizite ,ahgebaut und die g,esamtwirtschaftliche Nachfrage angeregt oder ZahlungsbiLanzüberschüsse reduziert und die gesamtWJirtschaftliche Nachfrage vermindert werden sollen. Die bei der Untersuchung dieser Probleme gewählte Methode, nicht ihre El'\gebnisse3 stellen den Bezugspunkt von Helmstädters Beitrag dar. Da das von mir verwandte Vertahren weitgehend aus der spezifischen Fl1agestel1ung entstanden ist, erscheint es zweckmäßig, die zur Diskussion anstehenden Punkte in ,aller Kür,ze voranzustellen. Behandelt werden 'in meiner Untersuchung vor allem: (1) die verschiedentlich erörterten Vorschläge, die oben angedeuteten Zielkonflikte durch einen kombinierten Einsatz mns- und budgetpolitisch er Mittel zu vermindern, (2) die von MundeU4 aufgestellte These, hierbei den Einsatz eines Alktionsparameters an der Zielvariablen auszurichten, auf die der relativ stärkste Einfluß ausgeÜlbt wird und schließlich (3) die von manchen Autoren geäußerten Bedenken, daß mit der Realisierung der empfohlenen Mittelkombination u. U. die InvestitJionstätigkeitS und damit das Wachstumsmel beeinträchtigt wel1den könne. 1 E. Helmstädter, Über die Anwendung des kreislauftheoretischen Instrumentariums -Bemerkungen zu einem Kreislaufmodell von H.-J. Jarchowvorgelegt zur Sitzung des Theoretischen Ausschusses des Vereins für Socialpolitik am 20. und 21. April 1968 in Mainz. 2 H.-J. Jarchow, Der kombinierte Einsatz zins- und budgetpolitischer Maßnahmen zur gleichzeitigen Erreichung binnen- und außenwirtschaftlicher Ziele, in diesem Band, S. 35 ff. 3 Helmstädter geht es auch nicht um die "materielle Seite" meines Modells; die Absicht seiner Arbeit liegt vielmehr darin, "einen methodisch anders gearteten Zugang" zu den von mir angesprochenen Problemen zu beschreiben (Helmstädter, a.a.O., S. 59). 4 R. A. Mundell, The Appropriate Use of Monetary and Fiscal Policy for Internal and External Stability. "Staff Papers", IX (1962), S. 70 f. 5 Im Fall einer aus Gründen der Zahlungsbilanz erforderlichen Zinserhöhung. 5· OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
68 Hans-Joachim Jarchow Die theoretische Durchleuchtung von Punkt (1) führt im Rahmen meines Modells zu dem Ergebnis, daß eine "Verbesserung" der Zahlungsbilanz und eine gleichzeitige Erhöhung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage nur durch eine Erhöhung des Zinsni'veaus, kombiniert mit 'einer Vergrößerung der Staatsausgaben oder Senkung der Steuersätze, nicht aber durch ,eine Senkung des Zinsniveaus und eine Verminderung der StJaatsausgaben bzw. Erhöhung der Steuersätze erreicht werden kann. Und umgekehrt: Ein Abbau von Zahlungsbilanzüber,schüssen und eine Einschränkung der gesamtwirtschaftLichen Nachfrage kann nur dur,ch eine Zinssenkung, kombiniert mit einer Verminderungder Staatsausgaben bzw. Erhöhung der Steuersätze, erreicht werden 6• Außerdem wird noch gezeigt, welchen Bedingungen die "Dosierung" der Aktionsparameter genügen muß, wenn Zielkonflikte vermieden werden sollen 7• Da ferner festgestellt wird, daß Staatsausg,aben bzw. Steuersatz die gesamtwirtsch,aftliche Nachfrage - im Vergleich zu den Wlirkungen auf ,die Zahlungsbilanz - stärker beeinflussen als der Zinssatz S, erfährt die unter Punkt (2) genannte These Mundells mit den o. g. Ergebnissen eine Bestätigung. Die Behandlung von Punkt (3) im Rahmen meines Modells zeigt schließlich, daß eine Beeinträchtigung der Investitionstätigkeit auch bei einer aus Zahlungsbilanzgründen erforderlichen Zinserhöhung nicht einzutr,eten br,aucht, wenn neben dem Zinssatz Steuers atz und Staatsausgaben eingesetzt und in einer bestimmten Kombination verändert werdenD. Die Ableitung dieser Ergebnisse ist im wesentlichen das Anliegen meiner Betrachtungen. Dabei liegt das Schwergewicht -abwe,ichend von Helmstädters Darstellung - mehr auf "qualit'ativen" Aussagen, mit denen Hinweise über die Richtung der einzuschlagenden Politik gegeben werden wollen (z. B. Erhöhung des Zinsniveaus und Senkung der Steuersätze). Solche Aussagen sind im Rahmen des behandelten Modells auch ohne spezielle Annahmen über die Größe der versclüedenen Parameter 10 möglich. Sie gelten unabhängig davon, ob Importe kaum oder in hohem Maße einkommensabhängig sind, ob Investitlionen und Nettokiapitalimporte in bezug auf den Zinse1astisch oder un- 6 Außerdem geht aus den Ableitungen hervor, daß ein Abbau von Zahlungsbilanzdefiziten und eine Erhöhung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage bzw. eine Verminderung von Zahlungsbilanzüberschüssen und eine Einschränkung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage über eine Manipulation von staatsausgaben und Steuersätzen allein nicht möglich ist (Jarchow, a.a.O., S. 44, FN 19). 7 Ebenda, S. 42 ff. S Ebenda, S. 55 f. D Ebenda, S. 51. 10 Siehe hierzu im einzelnen: Jarchow, a.a.O., S. 39 und 41 ff. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Zur Problematik von Zielkonflikten 69 elastisch reagieren oder schließlich, ob die marginale Absorptionsquote (marginale Konsumquote plus "marginale Investitionsquote") z. B. einen Wert von 0,1 oder 1 besitzt 11• Die Begründung der qualitativen Aussagen erfolgt mit Hilfe von Kombinationskoeffizienten 12, die sich unmittelbar aus den Ausgangsgleichungen 13 ergeben. Erst danach werden ~gleichsam als Nebenprodukt) Beziehungen abgeleitet14, aus denen hervorgeht, um welchen Betrag man die Aktionsparameter verändern muß, wenn eine vorgegebene (größenmäßige) Änderung der Zielvariablen durchgesetzt werden soll. Auf diese Frage konzentriert sich Helmstädter aber von vornherein. Unter Verwendung eines linearen Ansatzes und mit Hilfe einer Relationenmatrix gelangt Helmstädter zu den Gle-ichgewichtswerten der Zielvariablen und liefert hiermit den Ausgangspunkt für seine weiteren Untersuchungen, der - ebenso wie in meinem Mode1l 15 - in ,den Bestimmungsgleichungen für die vorgegebene Änderung der Zielvariablen zu sehen ist. Die entsprechenden Relationen werden bei Helmstädter in eine Matri~darstellung überführt, die bei, Auflösung die für eine Änderung der Zielvariablen erforderliche Änderung der Aktionsparameter liefert. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse würde man dann in Helmstädters Darstellung -auf methodisch 'andere W,eise - zu den von mir zu Punkt (1) und {3) gemachten Aussagen gelangen. Über die in meiner Arbeit angesprochenen konkreten Fragen hinausgehend, liefert Helmstädter mit seinem Beitrag aber auch einen formalen Apparat, der generell geeignet erscheint, die zur Lösung von Zielkonflikten erforderlichen wirtschaftspolitischen Maßnahmen aufzuzeigen. 11 Qualitative Aussagen, die Hinweise über die Richtung der einzuschlagenden Politik geben und damit eine sukzessive Annäherung an bestimmte Ziele erleichtern, gewinnen offenbar immer dann an Wert, wenn hinsichtlich der Größe der Parameter nur ungenaue Vorstellungen bestehen. 12 Damit wird ein methodisch anderer Weg als bei Helmstädter eingeschlagen. 13 Jarchow, a.a.O., S. 42 f., Gleichungen (19) und (21). 14 Jarchow, a.a.O., S. 48 f. und 52. 15 Den Ausgangsgleichungen (15) und (19) in den "Bemerkungen ... " von Helmstädter entsprechen z. B. die Ausgangsgleichungen (19) und (21) in meiner Darstellung. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
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Die Außenhandelsverkettung in einem linearen Zwei-Länder input-output Expansionsmodelli Von Bruno Fritsch, Zürkh In ,einer Verallgemeinerung des Keynesschen und Johnsonschen Exportrnultiplikators [1] hat Minabe [2] anhandeines dynamischen Leontiej-Modells gezeigt, wie sich die Einbeziehung der Zwischenprodukte auf den Außensektor einer Volkswirtschaft auswirkt. Im folgenden wird über diesen Ansatz hinausgegangen und für den Zwei-Länder-F,allg,e:ze1gt, welche Abhängigkeit zwischen Ausbringungsniveau, WachstumsI\ate und Exporten ibesteht (linkage problem). I. Die wichtigsten Elemente des M i n a b e - Modells Die gesamte Produktion jedes Landes wird verwendet für Konsum-, Investitions- und Exportgüter sowie für Zwischenprodukte: (1) (2) Xl = au Xl + al2 X2 + Cl + JI + EI X2 = ~IXI + Clj!2X2 + C2 + J2 + E2 Die ,gesamten Importe bestehen aus Zwischenprodukten (miXi) , Konsumgütern (e m) und Investitionsgütern (Jm) (3) Es wird Vollbeschäftigung angenommen, das heißt, die verfügbare Menge des Faktors Arbeit ist in den einzelnen Sektoren voll eingesetzt. Das Volkseinkommen ist deshalb: (4) Es verteilt sich auf Konsumgüter, inländische Investitionen und Exporte abzüglich des Imports von Zwischenprodukten: 1 Ich bin Herrn dip!. Math. F. J. Oertly für die Überprüfung des Manuskriptes dankbar. Irrtümer und Fehler gehen indessen ausschließlich zu meinen Lasten. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
78 Bruno Fritsch Literatur [1] H. G. Johnson, Equilibrium Growth in an International Economy. "The Canadian Journal of Economics", XIX, No. 4 (1953), wiederabgedruckt in: International Trade and Economic Growth, London 1958. [2] N. Minabe, Economic Growth and International Trade in a Simple Dynamic Leontief Model. "The Canadian Journal of Economics", XXXII, No. 1 (1966). [3] B. Fritsch, Methoden der makroökonomischen Planung in den Entwicklungsländern. "Schweizerische Zeitschrift für Volkswirtschaft und Statistik", 101. Jg., H.2 (1965). OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Ein Zollparadoxon: Importliberalisierung als Mittel zur Konjunkturbelebung Von Egon Sohmen, Heidelberg Das hier behandelte Phänomen ist in mehrfacher Hinsicht von Interesse für Natkmalökonomen. Es handelt sich um eine Auswirkung wirtschaftspolitischer Maßnahmen, die den ,gewohnten Ergebnissen diametral ,entgegengesetzt ist und trotZ/dem kein Kuriosum von nur theoretischem Interesse in dem Sinne darstellt, daß es nur unter ganz entlegenen und -in der realen Welt kaum jemals g-egebenen Bedingungen auftreten könnte. Protektionistische Handelspolitik als Mittel zur Belebung der Konjunktur war unter der überwiegenden Mehrheit der Nationalökonomen nie populär. Keynes' wohlwollende Bemerkungen ü1>er den MerkantiliJsmus in der General Theory (insbesondere Kap. 23) passen nicht so recht dn die gewohnte Landschaft. Aber auch er teilte ohne Zmeif.el die V10rherrschende Ansicht, daß genügend andere wirtschaftspolitische Instl'umente zur Sicherung der Vollbeschäftigung zur Verfügung stehen, so daß man ohne weiteres auf restr,iJktive Handelspolitik verzichten kann. In der Praxis ze~gt sich allerdings, daß zumindest die Geldpolitik bei fixierten Wechselkursen und vol1er Währungskonvertibilität weitgehend unwirksam bleibt. Aus diesem Grunde haben manche Regierungen auch in neuester Zeit gelegentlich wieder zu Zöllen und Kontingenten ,ihre Zuflucht genommen, um in Zeiten von Zahlungsbilanzschwierigkeiten der Geldpolitik mehr Spielraum für das Ziel der binnenwd:rtschaftlichen Stabilisierung zu ver:schaffen. Sie konnten dabei j·edoch ,selten mit dem Beifall der Nationalökonomen rechnen. Abgesehen von der Frage, ob man ·auf sie nicht besser wegen ihrer unerwünschten Auswirkungen auf die Allokation der Ressourcen in der Weltwirtschaft verzichten sollte, ,ist doch im allg,emeinen unbestritten geblieben, daß Kontingente und Zölle auf Importe immer eine belebende Wirkung auf die Konjunktur haben und daß umgekehrt ImportHberalisierung konjunkturdämpfend wirkt. Das von Metzler aufg;e1le~gte Paradoxon, wonach Importzölle bei sehr unelastischer reziproker Nachfrage der übdgen Welt und geringer marginaler Importneigung des Inlands zu einer Verringerung statt einer El1höhung des relativen inländischen Pr-eises der Importe und Import- OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
80 EgonSohmen substitute führen können (und damit zu einer Schädigung derjenigen Gruppen, aus denen sich Isonst die Befürworter einer protektionistischen Handelspolitik rekrutieren), ist in dLesem Zusammenhang nicht direkt r,elevant1. Metzlers Analyse be?Jieht sich auf den nur theoretisch denkba~en Grenzfall völHger Preisflexibilität, in dem ständtge Vollbeschäftigung ohnehin gesichert wäre und für den daher von vornherein :kein Bedarf an staatlicher KonjunkturpoLitik bestände. Die Auswirkungen einer Zollsenkung auf das reale Austauschverhältnis im klassischen Modell sollten unsal1erdings auch in bezug auf ihre Konjunkturwil'kungen zur Vorsicht machnen. Bei unverändertem Wert des Leistungsbilanzsaldos würde jede VeI"schlechterung der terms of trade, wie ,sie sich tendenziell im Gefolge einer Importliberalisierung el'g,tbt, eine Verminderung des Mengenverhältnisses von Importen zu Exporten bedeuten. Für sich allein würde diese Zunahme des realen .A!ußenbeitrags konjullikturhelebend wirken. Bei fixierten Wechselkursen ist dieser Faktor jedoch in der Regel kaum von Bedeutung. Ausschla'ggebend ,tst dann die Tendenz zur Passivierung des Lei,stungsbilanzsaldos, die sich aus einer v,erminderten Diskriminierung von Auslandsgütern ergibt. Ande~s Li,egen die Dinge, wenn di,e Zentralbank nicht auf den Devisenmärkten interveniert. In diesem Falle ist die Höhe des Lei,stungsbilanzuberschusses (bzw . ..Idefuzits) immer gleich der Höhe der Netto- Kapitalexporte (bzw. ~mporte). Der KO'lljunktureffekt, der Verände- ,rungen des Leistungsbilan7ßaldos innewohnt, wird dann in erster Linie durch das Verhalten der Kapitalströme bestimmt. Die konjunkturbelebende Wirkung einer Verschlechterung der terms of trade als Folge liberal,erer HandelspoLitik müßte also durch einen zusätzlichen Kapitalimport überkompensiert w.erden, damit sich auch bei flexiblen Wechselkursen das gewohnte Ergebnis einer Dämpfung der Konjunktur einstellt. Dies erscheint bereits viel weniger gesichert und erweist sich in der Tat bei ,g,enauerer Untersuchung unter den üblichen Annahmen als ausg,eschlossen. Mundell wies bereits 1961 darauf hin, daß die Handelspolitik bei Flexibilität .der Wechselkurse eine den g,ewohnten Ergebnissen genau entgegengesetzte Wi~kungauf die Beschäfti!gung ausübt 2• Dieser Hinweis ist jedoch nach meiner Kenntnis der Literatur völliJg unbeachtet 1 L. A. Metzler, Tariffs, the Terms of Trade, and the Distribution of National Income. "Journal of Political Economy", Bd.57 (1949), S.1-29, wieder abgedruckt in: R. E. Caves und H. G. Johnson (Hrsg.), Readings in International Economics, Homewood, 111., 1968, S.24-57. 2 R. A. Mundell, Flexible Exchange Rates and Employment Policy. "Canadian Journal of Economics and Political Science", Bd.27 (1961), S.509-517, wieder abgedruckt als Kap. 17 der Aufsatzsammlung International Economics des gleichen Autors (New York, 1968). OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Importliberalisierung als Mittel zur Konjunkturbelebung 81 geblieben. Dies mag u. a. daran liegen, daß MundeUs Darstellung allzu kurz und seine geometrische Analyse etwas schwer durchschaubar ist. Das von Mundell aufgezeigte Phänomen verdient jedoch zweifellos viel stärkere Beachtung. So wurde zur Zeit flexibler Wechselkurse in Kanada während der fünfziger Jahre nicht nur von vielen Interessenten, sondern auch von dem damaligen Leiter der Notenbank eine Zollerhöhung als Mittel zur Konjunkturbelebung propagiert, ohne daß die in diesem Vorschlag enthaltene Auffassung über die konjunkturelle Wirkung ·einer solchen Politik auf Widerspruch gestoßen wäre. Dies zeigt deutlich, wie wenig einleuchtend die Tatsach·e ist, daß man damit das genaue Gegenteil des beabsichtigten Beschäftigungseffekts erzielt hätte. Die folgende Untersuchung stützt sich auf ein Modell, das ich vor einiger Zeit im "Quarterly Journal of Economics" dangestellt habe!. Es :geht von den üblichen vereinfachenden Annahmen makroökonomischer Modelle aus, insbesondere der Annahme völl:iger Starrheit der Preise unterhalb der Vollbeschäftigungsgrenze. Es sei unteI1stellt, daß die betrachtete Volkswirtschaft zu Beginn unterbeschäftigt ,ist. Ebenso sei angenommen, daß die Preise der lmportgüter in Auslandswährung konstant bleiben. Die terms of trade ändern sich in diesem Falle immer genau proportional zur Änderung des Wechselkurses. Diese Annahmen über extreme Preisstarnheit sind selbstverständlich in der realen Welt nicht erfüllt, doch dürfte ,ihre Lockerung kaum zu einer Umkehrung unserer wichtigsten Schlußfolgerung führen. Die Zinssätze im Ausland seien als konstant angenommen, so daß die 'internationalen Kapitalbewegungen als Funktion nur des heimischen Zinssatzes bet~achtet weI1den können. Dasselbe würde auch bei Variabilität der ausländischen Zinssätze folgen, solange sie eine unveränderte Art der Reaktion auf Veränderung.en des Inlandszinses zeigen. Die ,getroffenen Annahmen lassen sich durch das folgende System von drei Gleichungen in den dr·ei Variablen Y (reales Sozialprodukt), i (Zinssatz) und T (W,echselkurs, definiert' als der Preis einer Einheit ausländischer Währung in Inlandswährung) ausdrücken: (1) Y - A (y, i, T) -X (T) + M (Y, T) = 0 X (T) - TM (y, T) + K (i) = 0 L{y, i) = ft 3 Fiscal and Monetary Policies under Alternative Exchange-Rate Systems. "Quarterly Journal of Economics", Bd.81 (1967), S.515-23, mit Ergänzungen wiedergegeben in Kap. V meines Buches Flexible Exchange Rates, 2. Auf!. (Chicago, 1969). 6 Schriften d. Vereins f. SocialpoIitik 56 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
82 EgonSohmen Hierbei bezeichnen die übrigen Symbole die folgenden Variablen: A ... heimische Absorption in Realeinheiten (Summe von Konsum, Investitionen und Staatsausgaben) X ... Exportmenge M ... Importmenge K ... Netto-Kapitalimporte, gemessen in heimischer Währung L ... Nachfrage nach Geld fl ... Geldmenge Eine LtberaHsiel'lUng der Handelspolitik kann als eine Verschiebung der Nachfrag,efunktion für Importe nach oben um dM ausgedrückt werden. In Matrizenschreibweise ist das Differentialsystem der Gleichungen (1) für diesen Fall, wenn wir die Währungseinheiten zur Vereinfachung der Schreibweise so definieren, daß die Preise des Importwie des Exportgutesebenso wie der Wechselkurs zu Beginn gleich 1 sind (Subskripte beZJeichnen die entsprechenden partiellen Differen1li,alquotienten der einzelnen Funktionen): (2) - Ai (M r -Xr - Ar) 1 Kj (X r -Mr - M) Li 0 Das Symbol s bezeichnet den Ausdruck (1 -Ay ). Bei der Interpretation ,dieses Ausdrucks <ist zu >berücksichtigen, daß die Absorptionsfunktion A aUe Komponenten der wir~samen Nachfrage umfaßt, Ay also im allgemeinen nicht einfach ,gleich der marginalen Konsumneigung, daher auch s nicht gleich der marginalen Sparneigung der Haushalte ist. Der Wert von Ar kann aufgrund foLgender überlegung approximiert wenden. Wir wollen unterstellen, daß der reine Einkommenseffekt einer marginalen Verbesserung der terms of trade di,eselbe Wirkung auf die wirksame Nachfrage .hat wie eine Änderung des Realeinkommens als Folge einer Erhöhung des realen Sozialprodukts bei konstanten Preisen. M. a. W., die Änderung der wirksamen Nachfrage sei AydE, wenn dE den Einkommenseffekt bezeichnet. Bei Konstanz aller übrigen Bedingungen läßt sich anderel'seits der mal'lginale Einkommenseffekteiner V:erbesserung der terms of trade (nach den hier getroffenen Annahmen gleich der Aufwertungsrate, -dr) approximieren als dE = - Mdr 4. Wir erhalten somit Ar = - AyM oder Ar = (s - 1) M. 4 Es handelt sich hier um den reinen Einkommenseffekt einer Preisänderung nach Slutsky und Hicks. Die hier getroffene Annahme über den Einkommenseffekt gilt streng genommen nur bei anfänglich ausgeglichener Leistungsbilanz. Vgl. die ausführliche Darstellung bei S. C. Tsiang, The Role of Money in Trade-Balance Stability: Synthesis of the Elasticity and Absorption Approaches. "American Economic Review", Bd. 51 (1961), insbes. S. 916-920, mit zusätzlichen Literaturhinweisen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Importliberalisierung als Mittel zur Konjunkturbelebung 83 Aus den letzten beiden Ausdrücken ist unmittelbar ersichtlich, daß Ar immer negatives Vorzeichen hat, nach unten aber den Wert (- M) nicht übel'Schr,eiten kann, Isolange die "ma!1ginale gesamtwirtschaitliche Sparneigung" s zwrl.schen 0 und 1 liegt ,(zur Interpretation von s vgl. das oben Gesagte). Die Wirkung einer Wechselkursänderung auf die Leistungsbilanz in Inlandswährung sei als Br bezeichnet. Der Ausdruck für Br ergibt sich durch DiUerenzierung des Ausdrucks für die Leistungsbilanz, B = X(r) - rM(r) (unter Beachtung unserer Annahme, daß der Anfang.swert des Wechselkurses infolge entsprechender Definition der Einheiten gleich 1 ist), als Br = Xr -Mr - M. Durch Substitution dieses Ausdrucks und des vorher abgeleiteten Ausdrucks für Ar vereinfacht sich die dritte Spalte der Koeffizientenmatrix in (2) ~u Die Auswirkung einer Liberalisierung der Handelspolitik und der da!1aus folgenden Verschiebung der Importnachf.rage auf die effektive Nachfrage nach dem Inlandsprodukt erg,ibt sich als (3) dY Lj(M + Ar> dM= ---Ll-- wobei die Determinante des Systems gegeben ist als (4) LI = Br (Ly Kj -Ly Ai -s Li) + (Ar + M) (Li My + Ly Ki) . Durch Einsetzen des oben gefundenen Ausdrucks für Ar vereinfacht sich (3) zu (3') dY sML i dM= - -,1- Der Zähler des Ausdrucks (3') ist eindeutig negativ 5• Der Abbau von Importbeschränkungen wird daher bei flexiblen Wechselkursen eine Belebung der Konjunktur bewirken, wenn die Determinante des Systems, LI, positiv ist. Untersuchen wir die einzelnen Komponenten der Determinante, so zeigt sich, daß der erste Summand eindeutig positiv ,ist, sof.ern Br positiv ist, solange also eine Abwertung die Leistungs- 5 Wir unterstellen hier und im folgenden die normalen Vorzeichen der einzelnen partiellen Differentialquotienten: s,My,Ki,Ly,Br;;;;:O, Ai' Li;;;; 0 . 6· OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
84 EgonSohmen bilanz verbessert. Dies ist bei Flexibi1i:tät der Wechselkurse immer zu erwarten, da der Wechselkurs in diesem Falle nicht in einem unstabilen Bereich zur Ruhe kommen kann. Hingegen ist das Vorzeichen des zweiten Summanden der Determinante (4) noch unbestimmt. Z;w,ar läßt sich durch Substitution des oben gefundenen Ausdrucks für Ar zeigen, daß der Klammerausdruck (Ar + M) immer positiv ist, denn er Deduziert sich zu sM. Dagegen kann der Ausdruck (5) sowohl positive wie negative Werte ,annehmen. Damit ist das Vorzeichen des g,anzen Ausdrucks (3) bzw. (3') durch die Vorzeichen der einzelnen partiellen iDifferentialquotienten (vgl. Fn. 5) nicht eindeutig bestimmbar. Er5t aus einer dynamischen Stabilitätsbetrachtung ergibt sich, daß das Vorzeichen von dYldM immer positiv sein muß. Bevor wir uns der genaueren Untersuchung dieser Frage zuwenden, sei jedoch noch einiges über den Ausdruck (5) gesagt, der auch in anderer Hinsicht von einigem Interesse ist. Die Rolle des Vorzeichens dieses Ausdrucks wird deutlich, wenn man die Auswirkung einer Erhöhung der inländischen Nachfrage auf den Wechselkurs untersucht. Formal findet man die Antwort durch di'e Untersuchung der Ableitung von r nach einer Verschiebung der Absorptionsfunktion A nach oben. Totale Ableitung des Gleichungssystems (1) liefert (6) Wenn wir das erst später zu beweisende Ergebnis vorwegnehmen, daß das Vorzeichen der Determinante Li positiv sein muß, ergäbe sich bei Positivität des Klammerausdrucks (5), der sich im Zähler des Ausdrucks drldA wiederfindet, daß eine Erhöhung der inländischen Nachfrage zu einer Aufwertungstendenz für die heimische Währung führt. Hat (5) dagegen negatives Vor~eichen, so würoe sich eine VeI1billLgung der he1mischen Währung an den Devisenmärkten ergeben. Wie man dem Ausdruck (6) entnehmen kann, wird eine Au~ertungstendenz um so mehr begünstigt, je höher cet. par. die ~inselastizität der internationalen Kapitalbewegungen list (je höher also der Differentialquotient Ki ,ist). Eine solche Möglichkeit erscheint auf den ersten Blick wenig einleuchtend. Intuitiv würde man vermutlich immer eine Tendenz zur Verschlechterung der Zahlungsbilanz und damit bei flexiblen Kursen eine Abwertung der eigenen Währung erwarten, wenn die Nachfrage im Inland -expandiert (etwa als Folge expansiver Finanzpolitik). Es OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Importliberalisierung als Mittel zur Konjunkturbelebung 85 darf jedoch nicht übersehen werden, daß der Verschlechterung der Leistungsbilanz, die Jn diesem Falle notwendigerweise eintritt, bei konstantem Geldvolumen immer eine Verbesserung der Kapitalbilanz gegenübeI\Steht. Die Nachfrageexp.ansionführt :ml einem erhöhten Transaktionsvolumen und damit bei ,gegebener Geldmenge zu einer Zinssteigerung, wodurch >die Geldanlage im Inland lohnender wird. Bei genügend hoher Zinselast1zität der Kapitalströme wird diese Zinserhöhung Kapital aus dem Ausland in so starkem Maße anziehen, daß die Verschlechterung der Leistungsbilanz überkompensiert wird. Eine solche Parameterkonstellation liegt keineswegs außerhalb der realen Möglichkeiten. Wie etwa Rudolf R. Rhomberg im Falle Kanadas gezeigt hat, dürften für dieses Land entsprechende Werte gegeben seins. Es ist anzunehmen, daß dasselbe im Falle voller Konvertibilität auch für fast alle anderen hoch entwickelten Länder gilt. Positivität von (5) ist hinreichend, jedoch nicht notwendig für die Positivität der Determinante (4) und damit für die auf den ersten Blick paradoxe Erscheinung expansiv,er Wirkung einer liberaleren Handelspolitik. Anderer,seits sind nach unseren bisherigen Überlegungen aber auch P,arameterkonstellationen nicht auszuschließen, durch die der Ausdruck (5) so hohe negative Werte annimmt, daß dadurch auch das Vorzeichen der Determinante .ins Negative giewendet wird. Die notw,endige Positivität der Determinante läßt sich jedoch aus einer dynamischen Stabilitätsbetr,achtung folgern. Diese Analyse folgt dem zuerst von Samuelson .im Zusammenhang mit seinem "Korrespondenzprinzip" ~wischen komparativer Statik und dynamischer Stabilität beschriebenen Gang 7• Es wird unterstellt, daß die Änderungsrate jeder Variablen des Systems ungefähr proportional zum jeweiligen Ungleichgewicht auf den sie besHmmenden Märkten ist und daß für kleine Abweichungen vom GLeichgewicht eine lineare Approximation der Marktgleichungen nach den sie bestimmenden Variablen zulässi:g ist. Diese Annahmen führen zu dem System von drei linearen Differentialgleichungen. d Y I d t = -k 1 ( (s + My) (Y - Y) - Ai (i - T) + (s M + Br) (r - T) ) (7) d i I d t = k. 2 (L y (Y -Y) + Li (i - T) ) d r I d t = ka (My (Y - Y) -Kj Ci - T) -Br (r - T) ) D~e Symbole ki bezeichnen die (nach der W,ahl der Vorzeichen positiven) Reaktionsgeschwindigkeiten auf den einzelnen Märkten, Y, T und f die Gleichgewichtswerte der Variablen. 8 R. R. Rhomberg, "Journal of Political Economy", Bd.72 (1964), S. 1-31. 7 P. A. SamueZson, Foundations of Economic Analysis, Cambridge, Mass., 1947, insbes. Kap. IX. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
86 EgonSohmen Die Lösung dieses Systems nach den übHch'en Verfahren führt zu einer charakteristischen Gleichung in Form eines Polynoms dritter Ordnung, del'en konstantes Glied ,gleich der Determinante LI, multipliZliert mit dem Produkt der Reaktionsgeschwindigkeiten, -klk2ka ist. Stabilität des Systems im Sinne einer automatischen Tendenz zur asymptotischen Rückk!ehr zu den Gleichigewichtswerten erfordert, daß alle drei Wurzeln Ai der charakteristischen Gleichung (die Exponenten der Lösungselemente, alle von der Form Y(t) -Y = aie).i l usw.) negativ sind, wobei Y wieder den stationären Gleichgewichtswert des Sozialprodukts bezeichnet e d~e Basis der natürlichen Logarithmen. Notwend1,g und ihinreichend für die Negativitätaller Wurzeln sind die für Stabilitätsprobleme dieser Art in den Naturwissenschaften seit langem bekannten Routh-Hurwitz-Bedingung,en, deren eine für unseren Fall besagt, daß die Determinante des Systems, LI, positiv sein muß8. Die Frage ist durchaus legitim, ob man für ökonomische Gleichgewichtsmodelle wie dieses unbedingt immer dynamische Stabilität voraussetzen darf. Keine Volkswütschaft befindet sich jeweils im stationären GleichgieWicht. Falls ein Wirtschaftssystem genügend träge l'eagiert, könnte es sich ,rein theorettsch in einem ständigen Zustand dynamischer Instabilität befinden, ohne daß sich dies besonders störend bemerkbar machte. Ein Ungleichgewicht in bezug auf einen bestimmten unstabilen Gleichgewichtszustand könnte unter der Einwirkung einer Vielzahl von Störungsfaktoren laufend !in andere Ungleichgewichte in bezug auf threrseits wechselnde unstabile Gleichigewichtszustände übergehen. Gerade für den Fall flexibler Wechselkurse ist jedoch die für diese Hypothese notwendige Annahme :großer Trägheit des Systems höchst unplausibel. Bei Freizügigkeit des internationalen Zahlungsverkehrs reagieren die Devisenmäl1kte zumindest für die Währungen der hochentwickelten Industrieländer mit ~ast unendlicher Anpassungsg,eschwind~gkeit auf jede Änderung der Mal'ktkonstellation. Die Möglichkeit, daß sich Instabilität des Gleichgewichts nicht sofort äußert (bzw. das System nicht unverzüglich einem staJbilen Gleichgewicht zustrebt) ist daher so gut wie ausgeschlossen. Die Notwendigkeit eines positiven Vorzeichens der Determinante LI wird noch aus anderen Überlegungen deut1ich. Wie man ohne Mühe feststellt, wÜl1de ein negatives Vorzeichen 'bedeuten, daß sowohl die Geldwie die Finanzpolitik pervers wirkt. Eine Erhöhung der Staatsausgaben etwa würde in diesem Fall zu einer Konjunkturabschwächung 8 Eine eingehendere Darstellung der Routh-Hurwitz-Bedingungen gibt Samuelson in Foundations of Economic Analysis, Mathematical Appendix, insbes. S. 429 ff. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40
Importliberalisierung als Mittel zur Konjunkturbelebung 87 führen. Dies zeigt sich durch totale Differenzierung des Systems (1) nach A und Auflösung nach (8) (wieder unter der Voraussetzung, ihrerseits auf Stabilitätsüberlegungen begründet, daß Br> 0). Analog verfährt man zur Verifizierung des Vorzeichens von dY/d/-l. Die unkonventionelLe Wirkung der Handelspolitik auf die effektive Nachfrage beruht, wie bereits zu Beginn 'angedeutet, in erster Linie auf der Änderung der tel1InS of trade, die bei freier Beweglichkeit des Wechselkurses auf jede Änderung der Handelspolitik folgt und die bei fixierten Wechselkursen und starren Preisen nicht eintreten könnte. Die durch Liberalisierung der Importe bewirkte Verschlechterung des realen Austauschverhältnisses führt bei unverändertem Wert des Leistungsbilanzsaldos zu einer relativen Zunahme eines vorher bestehenden realen ExportÜiberschusses (bzw. einer Verminderung eines vorher bestehenden realen Importüberschusses). Gleichzeitig impHziert allerdings eine Verschlechterung der Terms of trade bei gegebenem physischen Produktionsvolumen auch eine Minderung des Realeinkommens einer Volkswirtschaft, die ihrerseits wieder eine Abnahme der inländischen Nachfr,age aus einem gegebenen realen Produktionsvolumen zur Folge hat. Wie die formale Analyse jedoch zeigte, reicht dieser Effekt nicht ,aus, um die Wirkung der Verschlechterung der realen Leistungsbilanz zu kompensieren. Die expansive Wirkung des Terrns-of-trade-Effekts auf die Beschäftigung wird außerdem noch durch die induzierten Kapitalbewegungen abgeschwächt. Infolge der Zinserhöhung, die bei konstantem Geldvolumen durch die Konjunkturbelebung eintritt, werden Kapitalimporte begünstigt (bzw. ein vorher bestehender Netto-Kapitalexport abgeschwächt). Bei Nichtintervention der Zentr,albank auf den Devisenmärkten setzt sich jede Änderung des Kapitalbilanzsaldos sofort in eine Änderung des Leistungsbilanzsaldos um. In unserem Fall bedeutet dies eine Minderung eines ohne diesen Faktor bestehenden Exportüberschusses ~bzw. eine Steigerung eines Defizits der Leistungsbilanz) und damit eine Konjunkturdämpfung. Auch dieser Teileffekt kann selbstverständlich die konjunkturbelebende Wirkung einer Importliberalisierung niemals ins Gegenteil verkehren, denn er beruht auf einer Zinssteigerung !im Inland, die ihrerseits wieder eine Konjunkturbelebung voraussetzt. An dieser Stelle sei auch noch die Möglichkeit vermerkt, daß eine Zollsenkung nicht nur das Importvolumen erhöht, sondern auch die OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-41791-9 | Generated on 2023-01-16 13:00:40