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Tourismus auf dem Land: Entwicklungen und Herausforderungen. Auskünfte über die modellhafte Erprobung von Weiterbildungskonzepten im ländlichen Tourismus. Nationaler Fachkongress für ländlichen Tourismus (1, 1996, Stralsund)

Schwiderski, Hans,Noack, Michael

Abstract

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Full text

Schwiderski, Hans; Noack, Michael Research Report Tourismus auf dem Land: Entwicklungen und Herausforderungen. Auskünfte über die modellhafte Erprobung von Weiterbildungskonzepten im ländlichen Tourismus. Nationaler Fachkongress für ländlichen Tourismus (1, 1996, Stralsund) Wissenschaftliche Diskussionspapiere, No. 27 Provided in Cooperation with: Federal Institute for Vocational Education and Training (BIBB), Bonn Suggested Citation: Schwiderski, Hans; Noack, Michael (1997) : Tourismus auf dem Land: Entwicklungen und Herausforderungen. Auskünfte über die modellhafte Erprobung von Weiterbildungskonzepten im ländlichen Tourismus. Nationaler Fachkongress für ländlichen Tourismus (1, 1996, Stralsund), Wissenschaftliche Diskussionspapiere, No. 27, ISBN 978-3-88555-631-2, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0035-0071-5 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/235999 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. 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If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/ WISSENSCHAFTLICHE DISKUSSIONSPAPIERE Heft 27 Tourismus auf dem Land Entwicklungen und Herausforderungen Auskünfte über die modellhafte Erprobung von Weiterbildungskonzepten im ländlichen Tourismus Dr. Hans Schwiderski, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für Urlaub und Freizeit auf dem Lande in Mecklenburg-Vorpommern e.V., Träger des Modellvorhabens der beruflichen Bildung. „Erprobung neuer Strukturen zur Anleitung und Wissensvermittlung - Ausbildung zum / zur Fachberater/in für Landtourismus" Michael Noack, Bundesinstitut für Berufsbildung, wissenschaftliche Projektbegleitung Zusammenfassung und Redaktion: Michael Noack, Bundesinstitut für Berufsbildung , Juni 1997 Die WISSENSCHAFTLICHEN DISKUSSIONSPAPIERE DES BIBB werden durch den Generalsekretär herausgegeben. Sie erscheinen als Namensbeiträge ihrer Verfasser und geben deren Meinung und nicht unbedingt die des Herausgebers wieder. Sie sind urheberrechtlich geschützt. Ihre Veröffentlichung dient der Diskussion in der Fachöffentlichkeit. Gegenstand und Ausgangspunkt dieser Zusammenfassung und Berichterstattung sind folgende Projekte: • Modellvorhaben „Qualifizierung von Fachleuten zur Anleitung des Aufbaus touristischer Strukturen im ländlichen Raum Förderungskennzeichen: D 5211.00 - Erprobung neuer Strukturen zur Anleitung und Wissensvermittlung für die Entwicklung von touristischen Strukturen im ländlichen Raum - Qualifikation von Fachleuten für die Wissensvermittlung vor Ort (Multiplikatoren), d.h.: Ausbildung zum/zur - Fachberater/in für Landtourismus - • Erster Nationaler Fachkongreß für ländlichen Tourismus vom 9. bis 11. Mai 1996 in Stralsund Der Fachkongreß ist Plattform für den Informationsaustausch über Ländergrenzen hinweg. Schwerpunkt ist das Thema „berufliche Bildung", die Bedeutung von Bildung bei der Entwicklung des Tourismus und die Herausbildung neuer Bildungsstrukturen. Durchführung: Bundesinstitut für Berufsbildung und die Arbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof und Landtourismus in Mecklenburg Vorpommern .V. Wissenschaftliche Begleitung und Auswertung: Michael Noack, BIBB, Tel.: 030/8643-2337 Vertriebsadresse: Bundesinstitut für Berufsbildung Fachabteilung 3.2 10702 Berlin Copyright 1997 by Bundesinstitut für Berufsbildung , Berlin und Bonn Herstellung: Bundesinstitut für Berufsbildung, Berlin Umschlag: Hoch Drei; Berlin Druck: Bundesinstitut für Berufsbildung Printed in Germany ISBN 3 - 88555 - 631 - 6 Diese Netzpublikation wurde bei Der Deutschen Bibliothek angemeldet und archiviert. URN: urn:nbn:de:0035-0071-5 IL Inhaltsverzeichnis Teil I: Seite Aus- und Weiterbildung im Tourismus für den ländlichen Raum 1. Überblick: Tourismus als Wirtschaftsfaktor 5 1.1 Stand und Entwicklung im Tourismus 1.2 Strukturen der Tourismuswirtschaft 8 1.3 Arbeits- und Aufgabenbereiche der Tourismuswirtschaft 13 1.4 Die Segmente Land- und Städtetourismus - 14 vernachlässigte Größen der nationalen Tourismusindustrie 2. Die Berufsbildung im Tourismuseine kritische Bestandsaufnahme 20 3. Neue Qualifikationsprofile in der Erprobung - ein Modellversuch im 31 ländlichen Tourismus 3.1 Ausgangssituation, Ziele und Konzeption des Modellversuchs 31 3.2 Ergebnisse des Modellversuchs 35 3.2.1 Ausbildung der Multiplikatoren 35 3.2.2 Entwicklung eines landtouristischen Beratungsdienstes als institutionelle 37 Einrichtung 3.3 Der Modellversuch im Urteil von Experten anläßlich des 1. Fachkongreßes 39 für ländlichen Tourismus in Stralsund 4. Strategien und Qualifikationsprofile in der Berufsbildung für den ländlichen Tourismus 42 4.1 Anforderungen an die Berufsbildung im Tourismus 42 4.2 Berufsbildungsstrategien und Konzepte 44 4.3 Transnationale Aktivitäten zur Entwicklung beruflicher Bildung in Europa 48 Teil II: Ergebnisse und Berichte 55 1. Erster nationaler Kongreß für ländlichen Tourismus 1996 in 56 Stralsund Diskussionsbeiträge: Joachim Fiebelkorn 57 Verein zur Förderung von Urlaub und Freizeit auf dem Lande in Brandenburg Entwicklung des ländlichen Tourismus ist nur als Bestandteil der Entwicklung der ländlichen Räume möglich 60 Birgit Reidies Land - Touristischer Beratungsdienst Mecklenburg-Vorpommern i.G. Landtouristische Beratungsleistung - Für wen ? Und wie ? 64 Ralf - Dietrich Schilling Mediatour - Werbegesellschaft Kommunale Konzepte für die Entwicklung von Landtourismus - Modellvorhaben Einkommenssicherung durch Dorftourismus Claudia Smettan 68 Deutsches Wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr Tourismus in den Großschutzgebieten von Mecklenburg - Vorpommern Drs. J.W. te Kloeze 70 Zentrum für Freizeit- und Tourismusstudien, Landwirtschaftliche Universität Wageningen, Niederlande. Agrartourismus in den Niederlanden: Zusammenspiel zwischen Konsumenten und Produzenten (Attraktivität der kleinmaßstäblichen Gästebetreuung) Sonja-Andrea Bock 78 Landtouristischer Beratungsdienst Mecklenburg- Vorpommern i.G. Die Ausbildung zur Gastgeberin - Bestandteil eines variablen Bildungskonzeptes für Frauen im ländlichen Raum Hans - Joachim Walter - Lezius 82 Bundesinstitut für Berufsbildung,Berlin i Tourismus und berufliche Bildung Hans - Jochem Weikert Geschäftsführer von Kassel Service GmbH *>' Städtetourismus Dr. Kristiane Klemm 89 Freie Universität Berlin; Institut für Tourismus Umweltgerechte Tourismusplanung, -praxis und -Organisation Wolfgang Falkner Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 97 Die Bedeutung des Landurlaubs in der Bundesrepublik Deutschland; speziell in den neuen Bundesländern Wolfgang Oppel DGB Bundesvorstand " Vorschläge zur Modernisierung der beruflichen Bildung in der Bundesrepublik Deutschland 2. Entwurf: Qualifikationskatalog zur Fortbildung 1Q2 von Reiseleitern / Reiseleiterinnen 3. Entwicklungen in der Weiterbildung für Bereich: Kur- und 112 Fremdenverkehr 3.1 Neue Regelungen zum Touristikfachwirt / zur Touristikfachwirtin mit 112 dem Schwerpunkt: „Fremdenverkehr" oder„Reiseverkehr" (Fortbildungsregelung der IHK Rostock 1996) 3.2 Qualifikationskatalog für die Ausbildung zum Touristikfachwirt/ zur 112 Touristikfachwirtin mit dem Schwerpunkt - Fremdenverkehr - 3.3 Qualifikationsmodul: - Fachberater/ Fachberaterin für Landtourismus - Der Inhalt dieses Werkes steht unter einer Creative Commons Lizenz (Lizenztyp: Namensnennung – Keine kommerzielle Nutzung – Keine Bearbeitung – 3.0 Deutschland). Das Werk wird durch das Urheberrecht und/oder einschlägige Gesetze geschützt. Jede Nutzung, die durch diese Lizenz oder Urheberrecht nicht ausdrücklich gestattet ist, ist untersagt. WWeitere Informationen finden Sie im Internet auf unserer Creative Commons-Infoseite http://www.bibb.de/cc-lizenz 5 1. Tourismus als Wirtschaftsfaktor 1.1 Stand und Entwicklung Die Tourismuswirtschaft setzt weltweit ca. 3,5 Billionen DM um; diese Summe entspricht ca. 10 % des weltweiten Bruttosozialproduktes. Damit ist der Tourismus der größte Wirtschaftszweig der Erde. Denn: 11% aller Konsumausgaben der Bewohner der westlichen Industrienationen fließen in den Tourismus.1 Mit insgesamt über 200 Millionen Beschäftigten ist dieser Wirtschaftszweig auch der größte Arbeitgeber auf der Welt. Seit 1993 befindet sich Deutschland als Tourismusanbieter in der Mitte eines europäischen Binnenmarktes, auf dem die nationalen Schutzzäune gefallen sind. Auf diese Herausforderung ist die deutsche Tourismuswirtschaft schlecht vorbereitet. Lediglich der kaufmännische Bereich, die Vermarktung, ist hervorragend organisiert, Produktpflege und Produktgestaltung (Gestaltung und Schutz der touristischen Ressourcen, wie Landschaft, regionale kommunale Strukturen, soziale Lebensräume, Identität usw.) werden zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Das Prinzip: - Innenmarketing geht vor - wird von der Branche ignoriert. Solange die Tourismuswirtschaft in Deutschland nach wie vor Gewinne macht, wird sich daran wenig ändern. Trotz angespannter Arbeitsmarktlage liegt die Branche mit ca. 200 Milliarden DM Umsatz und einem Anteil von 6% am Bruttoinlandsprodukt an sechster Stelle der wichtigsten Wirtschaftsbereiche. Diese Entwicklung im Tourismus hält sich offenbar nicht an die üblichen Wirtschaftsmechanismen. Die Freizeitausgaben der Bürger auf der einen Seite und der Umsatz der Branche andererseits steigen unbeirrt. Betrachtet man solche Entwicklungen nicht nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht, werden Veränderungen jedoch sichtbar. Die Tourismusentwicklung in den neuen Bundesländern liegt trotz tatsächlicher Steigerungen hinter den Erwartungen der Länder zurück. In den alten Bundesländern mit ihren immer noch besser funktionierenden Tourismusstrukturen liegt das Tourismusaufkommen noch immer weit über dem der neuen Länder. Tatsächlich beklagen vorallem die neuen Bundesländer das „Sterben" der Klein- und Mittelbetriebe im Tourismus, die sich nach der Wende insbesondere im Berherbergungssektor etablierten. Obwohl die steigende Nachfrage nach Gästebetten dies nicht erwarten ließen, ist dieser Trend bedauerlicher Weise auch jetzt noch vorhanden. Durch Fehleinschätzungen der in der Förderpraxis der Länder sind die 1 Aus: Studien der World Tourism Organization (WTO) und des World Travel and Tourism Council (WTTC) 1992 6 Bettenkapazitäten ungeachtet der tatsächlichen Nachfragekapazität am Markt vorbei gefördert worden. Das Bettenangebot übersteigt die Nachfrage mehr denn je. Außerdem hat es gravierende Veränderungen bezüglich der Beteiligung von Bevölkerungsgruppen bei der Tourismusentwicklung gegeben. Geringer verdienenden Mitbürger, die in der Regel im Urlaub Individualreisende sind und ohne Kontakte zu Reisebüro oder Veranstalter im Urlaub mit Kind und Kegel ins Auto stiegen, um in die ihnen altbekannten Urlaubsdomiziele zu reisen, sind angesichts der wachsenden Geldknappheit immer weniger in der Lage zu verreisen. Für die Branche kein Problem, hatte diese immerhin Zweidrittelmehrheit der Erwachsenenbevölkerung in Deutschland durch die individuelle Form des Reisens ohnehin nicht zum Gewinn beigetragen. Das immer noch blühende Tourismusgeschäft geht auf das Konto des restlichen Drittels Besserverdienender, die Dienste der Tourismusindustrie schon immer in größeren Dimensionen in Anspruch genommen haben und noch immer in Anspruch nimmt. Die Rede ist von 40 % aller Beschäftigten in Deutschland, das sind etwa 12 Mio. Menschen, die in krisensicheren Berufen arbeiten. Dazu kommen die finanziell gut ausgestatteten und reiselustigen Pensionäre, die ebenfalls wenig von der Rezession bemerken und ihren Lebensstil weiterpflegen, als wäre nichts geschehen. Zusammen mit deren Angehörigen zählt diese Gruppe in Deutschland ca. 26 Mio. Menschen.2 Und diese Personengruppe gibt heute erheblich mehr für das Reisen aus. Im Jahr 2000 , so prognostizieren die Experten3, werden die Reiseausgaben aller Deutschen um 31,7% gestiegen sein. Verlierer dieser Tourismusentwicklung sind die unteren Einkommensgruppen, vorallem die Familien mit Kindern. Der Reisemarkt hat natürlich längst reagiert. Im Angebot sind heute die sehr teuren und die sehr billigen Reisen. Dazwischen, auf der mittleren Preisebene passiert z.Z. wenig. Die Ausgaben der privaten Haushalte in Deutschland für den Tourismus erreichten 1991 ein Gesamtmarktvolumen in Höhe von 149 Mrd. DM und sollen bis Jahr 2000 auf 196,1 Mrd. DM (Wachstumsrate 31,7%) ansteigen. In einzelnen Segmenten sind die Steigerungen deutlicher. In Westdeutschland liegen z.B. die Kurzurlaubsreisen mit +56 % und der Besuch von Freizeitparks mit +51 % an der Spitze, gefolgt von den Ausgaben für den eigenen Ferienwohnsitz mit +41 % und den für die Urlaubsreise mit +38 % . In Ostdeutschland steigen, bedingt durch die schwache Ausgangsposition in 1991 vor allem die Ausgaben für den Ferienwohnsitz (Gartenlaube) um 128 % , für den Besuch von Freizeitbädern um 100 % und für Kurzurlaub und Urlaubsreise um rd. 67 %.4 2 Brigitte Scherer, ro ro ro Special Tourismus 1995 3 Institut für Freizeitwirtschaft, Herausgeber Wachstumsfelder im Freizeit-und Tounsmusbereich bis 2000 4 Institut für Freizeitwirtschaft, Wachstumsfelder im Freizeit-und Tounsmusbereich, S 578 7 Die Haupturlaubsreisen macht der erwachsenen Deutsche zu 67,2 % ins Ausland und nur 32.8 % verbringen ihren Urlaub in Deutschland.5 Umgekehrt kommen durchschnittlich 12 Mio. ausländische Besucher nach Deutschland. Damit ist Deutschland nach Spanien, Italien, Frankreich und Großbritannien das an fünfter Stelle genannte Touristenziel in Europa. Hier hat sich in den letzten Jahren nicht viel bewegt. Unter diesen Prämissen sind die Chancen z.B. im Bezug auf zusätzliche Arbeitsplätze im Tourismus in Deutschland nicht so groß, wie sie die Politik häufig zweckoptimistisch darstellt. Es ist aber unbestritten, daß der Tourismus ein großer Arbeitsmarkt ist. In den alten Bundesländern sollen durch ihn gegenwärtig 2 Millionen Vollarbeitsplätze direkt und indirekt zur Verfügung stehen. Für die neuen Bundesländern gibt es hierzu bisher keine gesicherten Angaben. Schätzungen gehen jedoch von insgesamt ca. 500. 000 Arbeitsplätzen aus. Nach dem „großen Aufbruch" der Touristikwirtschaft in den neuen Bundesländern, hat sich heute realistischer Weise eine gewisse Zurückhaltung gegenüber der Gründereuphorie der Jahre 1990/91 durchgesetzt. Viele (teilweise über 50%) der in Ostdeutschland aus dem Boden geschossenen touristischen Klein- und Mittelbetriebe (insbesondere im Hotel- und Gaststättenbereich) haben nicht überlebt. Die neu geschaffenen (den alten Bundesländern nachempfundenen) Touristikstrukturen, wie Fremdenverkehrsvereine, Tourismusverbände usw., sind nicht in dem Maße wirksam wie erwartet wurde. Der Arbeitsmarkt Tourismus stagniert. Die einzuleitenden Veränderungen sind jetzt notwendig zunächst qualitativer Natur und ohne sofortige Auswirkungen auf die Anzahl der Arbeitsplätze. Ohne zusätzliche Investitionen in Ausbildung und Anleitung im incoming-Bereich wird diese Entwicklung sehr langsam sein. 5 Quelle: DRV Analyse- Urlaub und Reisen 1994 8 1.2 Strukturen der Tourismuswirtschaft Tourismusarten Entsprechend der Motivation des Reisens oder anderer touristischer Aktionen kann amn die Tourismusarten wie folgt unterteilen6: - Erholungstourismus (Naherholung, Urlaubsreisen, Kuraufenthalte usw.) - kulturorientierter Tourismus ( Bildungstourismus, Wallfahrtstourismus) - gesellschaftsorientierter Tourismus (Verwandtentourismus, Klubtourismus, z.B. die Vereinsreise) - Sporttourismus (Teilnahme an Sportveranstaltungen, Besuch von Sportveranstaltungen) - wirtschaftsorientierter Tourismus (Geschäftstourismus, Kongreßtourismus, Messe- und Ausstellungstourismus) - politikorientierter Tourismus ( Diplomaten- und Politikertourismus) Tourismusformen Die Tourismusformen orientieren sich an den äußeren Ursachen, an Zielen, Teilnehmern usw.. Sie werden entsprechend gegliedert nach: - Herkunft (Inlands/Binnentourismus, Auslandstourismus)7 - Dauer des Aufenthaltes ( Durchreise- oder Passantentourismus, Naherholung, langfristiger Tourismus mit mindestens 4 Übernachtungen auswärtswie Ferientourismus, Kurtourismus) - Jahreszeit ( Sommer- bzw. Wintertourismus) - Anzahl der Teilnehmer (Individualtourismus, Gruppen-, Gesellschafts- oder Vereinstourismus, Massentourismus, Familienurlaub) - Alter/Art der Teilnehmer (Jugendtourismus, Seniorentourismus, Behindertentourismus) - Verkehrsmittel ( Eisenbahn-, Schiffs- oder Lufttourismus) - Berherbergungsform ( Hoteltourismus, Camping- bzw. Wohnwagentourismus) - Auswirkungen auf die Zahlungsbilanz ( aktiver Fremdenverkehr/ Incoming- Tourismus, passiver Fremdenverkehr/ Outgoing-Tourismus, Fremdenverkehr der Inländer im Ausland) - soziologischen Gesichtspunkten ( Luxus-, Exklusiv-, Aktivtourismus, traditioneller Fremdenverkehr, Jugend-, Senioren-, Sozialtourismus usw.) - Reiseform ( Pauschalreise, Individualtourismus) 6 DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR Freizeit, Freizeitlexikon, S 315 7 siehe auch. „Outgoing" - oder „Incoming"-Tourismus 15 beschrieben werden. Sie sind es auch, so die Meinung aller Fachleute, die unter bestimmten Bedingungen die Dauerhaftigkeit der Ökosysteme, aus denen Sie sich entwickeln, sichern werden. Man muß aber klar sagen, daß diese Strategien nicht so gewinnbringend wie der Massentourismus sind. Es ist daher vor zu hohen Erwartungen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit solcher Konzepte zu warnen. Die Zusammenhänge Tourismus und ländlicher Raum sind komplex . Betrachtet man nur einmal die touristischen Ressourcen, zu ihnen zählen alle natürlichen Gegebenheiten einer Region, von der Natur und dem Klima bis zur materiellen Struktur des Gebietes (Landschaftsstruktur, Ansiedlungen, Gebäude usw.) - aber auch die soziokulturellen Gegebenheiten, wie Traditionen, Sprache, regionale Normen des Zusammenlebens u.s.f. und die Veränderungen die Tourismus erzeugt, werden die tiefen Zusammenhänge klar. Um deutlich zu machen, inwieweit jeder „Touristiker" an grundsätzlichen Veränderungen des ländlichen Raumes mitwirkt, sei auf nur zwei wichtige Tendenzen der Veränderungen im Zusammenhang mit der Tourismusentwicklung hingewiesen: - Veränderungen durch Anbieter landtouristischer Dienstleistungsangebote: Landwirte und deren Frauen bieten Touristen Dienstleistungen, Raum und Produkte an und verwandeln sich in diesem Moment in touristische Dienstleister. Gleichzeitig verwandeln sie das reine Agrarprodukt in ein agrartouristisches Produkt, indem sie das Produkt gleichzeitig als Argument für die Besonderheit der Dienstleistungen verwenden (Käse direkt vom Bauern, Kartoffelhotel usw.). Sie verwandeln das „Bauernland" in Flächen für Camping, Caravaning, Reit-, Fahrrad- oder Wanderwege. Sie verwandeln die Gebäude. Aus Ställen werden Unterkünfte usw.. Mit ihren Aktivitäten verändern sie sich und den Raum, indem sie leben und arbeiten. Geht es in einigen Ländern noch um einen Nebenerwerb für landwirtschaftliche Betriebe, steht die Landwirtschaft in anderen Ländern (z.B. in den Alpenländern) nahezu völlig im Dienste des Tourismus. Solange es sich um Nebenerwerb handelt, bleibt das Erlebnis „Bauernhof" authentisch. Die Feriengäste erleben den Alltag und müssen sich dem anpassen. Das touristische Angebot bleibt nur ein Teil der landwirtschaftlichen Tätigkeit. Bedenklich sind die Entwicklungen, bei denen die touristischen Dienstleistungen auf die Erwartung des Touristen zugeschnitten werden. Das Angebot ist dann reine Illusion und entwickelt sich unabhängig von den natürlichen Gegebenheiten. Eine solche Entwicklung wird nicht ohne Steuerung von außen erfolgen. Im Zweifel bleiben die Anbieter vor Ort auf der Strecke. 16 - Veränderungen durch die Abnehmer der landtouristischen Angebote: Auch die Konsumenten verändern die materielle Struktur eines Gebietes und zwar durch ihre Vorstellungen von Landleben und vom Urlaub auf dem Land. Letztlich aber durch die Bereitschaft der Anbieter, sich im Sinne einer Einnahmensicherung auf diese Vorstellungen einzulassen, sich diesen Vorstellungen anzupassen. Sie verändern aber auch, in dem sie ihre eigenen Lebensgewohnheiten, ihre Kultur usw. einbringen. Nicht nur auf den Agrarbetrieb, sondern auf das Landleben als Ganzes wirkt sich die Anwesenheit von Urlaubern aus. Die Veränderungen sind physischer und soziokultureller Natur. Daraus folgt: - Jede Veränderung, die auf die Einwirkung durch Tourismus zurückzuführen ist, verändert immer auch den gesamten Lebensbereich. - Diskrepanzen zwischen der Erwartungshaltung von Urlaubern und der Realität ländlichen Lebens führen bei auf ausschließlichen Erwerb gerichteten Touristikangeboten mit Sicherheit zu nicht natürlichen Angebotsformen, die Gefahr laufen, sehr schnell moralisch zu verschleißen. Verlierer sind die ländlichen Anbieter, die sich mit nicht vertretbarem Aufwand jeder modischen Vorstellung anpassen müssen, um „im Geschäft" zu bleiben. - Landtourismus legitimiert sich auf Dauer nur aus dem natürlichen Rahmen, aus dem die Angebote ihre Authentizität beziehen. Das touristische Produkt muß in die natürliche Umgebung des Lebensraumes, aus dem es stammt, eingebettet sein. Die Konflikte sind vorprogrammiert. Es ergeben sich: - Interessenskonflikte zwischen dem Gemeinnutz der Gemeinschaft und dem Eigennutz des privaten Unternehmers, - Konflikte zwischen der Erhaltung eines ländlichen Erscheinungsbildes im Sinne der Urlauber und der natürlichen Weiterentwicklung des landwirtschaftlichen Raumes, - Konflikte, die sich aus der Attraktivität eines unberührten ländlichen Gebietes und der mit der Entwicklung und Umsetzung eines ländlichen Tourismusangebotes verbundenen Effekte ergeben ( Belastungen von Umwelt und Lebensraum) usw. Der Städtetourismus11 In den Städten liegen die touristischen Belange in den Händen von Verkehrsvereinen und Fremdenverkehrsämtern. Ein Verkehrsverein ist eine Zusammensetzung von 11 Jochem Weikert, Geschäftsführer von Kassel Service GmbH und der Organisation Deutsche Marchenstraße, Auszug aus eine Rede anläßlich des 1 nationalen Fachkongresses Landlicher Tourismus, Mai 1996 in Stralsund 17 Vereinigungen, Firmen und Privatpersonen, die das Ziel verfolgen, die Stadt in der touristischen Entwicklung, in der Pflege des Brauchtums und in der Stadtbildpflege zu unterstützen. Fremdenverkehrsämter stellen demgegenüber die behördliche Struktur dar. Oft gliedern die Städte ihre Ämter aus, um die Institutionen flexibler handhaben zu können und es entstehen GmbH's die zu 100 % in städtischen Besitz sind. Des weiteren gibt es natürlich die touristische Leistungsträger, die Hotels, die Gastronomiebetriebe, die Campingplätze, die Jugendherbergen, die Verkehrsträger und die Freizeiteinrichtungen. Während das Einkaufen für den Städtetouristen einer der attraktivsten Punkte ist, sieht sich der Handel nicht als touristischer Leistungsträger. Der privat motivierte Tourismus hängt in hohem Maße von der Aufgeschlossenheit, der Mobilität der Bewohner der Stadt ab, die Ziel touristischer Unternehmungen sein soll. Diese Tatsache verdeutlicht die Bedeutung von Innenmarketing für den Tourismus. Ein wichtiger Marketinggrundsatz im Tourismus ist: Marketing fängt zu Hause an, d.h. Innenmarketing ist wichtiger als Außenmarketing. Wenn ich außerhalb meiner Region mit Versprechungen werbe, die ich nicht halten kann, wird der Tourist nicht wiederkehren. Ganz entscheidend ist es, die touristischen Leistungsträger mit einzubeziehen, nicht nur in die Diskussion sondern auch bei der Aufbringung der Kosten. Die Leistungsträger sollten zum Beispiel einen Eintrag in das entsprechende Unterkunftsverzeichnis bezahlen. Die Grundlage für ein gelungenes Stadtmarketing ist die Erstellung eines Service - Guides, indem alle Leistungsträger verzeichnet sind. Dazu kommt die methodisch - didaktische Arbeit, die Gäste an die entsprechenden Leistungen heranzuführen. Bei der Überflutung an touristischen Angeboten, muß man mit großer Kreativität bei der Vermarktung einer Stadt arbeiten, denn es sind die außergewöhnlichen Dinge, die Medieninteresse und damit das Interesse der Gäste wecken. Wichtig ist es, nach einer Marktanalyse, sein USP - Unit Selling Preposition - zu schaffen, also ein Produkt das sich von anderen unterscheidet. Den höchsten Stellenwert innerhalb des Städtetourismus hat das Segment - Beherbergung -. Die tatsächliche Wertschöpfung und Wirtschaftskraft bringt allerdings der Besuch bei Freunden und Verwandten. Laut einer Studie des Deutschen wirtschaftswissenschaftlichen Institutes für Fremdenverkehr hat der Tagesausflugs- und Geschäftsreisetourismus inzwischen den gleichen Stellenwert im Städtetourismus angenommen. Quantitativ werden 800 Millionen Tagesausflüge und 100 Millionen Tagesgeschäftsreisen in der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt. 18 Die hohe Attraktivität der Städte basiert nicht nur auf deren Einkaufsmöglichkeiten, denn auch in den Städten entfallen mehr als 60% der Ausflüge auf Wochenenden und Feiertage. Sowohl in bezug auf die Verkehrsmittelnutzung als auch auf die Motivationsstruktur für die tatsächlich ausgeübten Aktivitäten zeigen Großstädte kaum Abweichungen vom bundesdeutschen Durchschnitt. Nicht die Metropolen sind es, die relativ am stärksten am Ausflugsziel partizipieren, sondern die Großstädte mit hoher Zentralität und Attraktivität. Städte in Ballungsräumen werden demgegenüber schwächer von Ausflüglern frequentiert. Vom Tagesgeschäftsreiseverkehr werden absolut gesehen die Metropolen am meisten tangiert. Städtereisen sind gemeinhin Kurzreisen. Die durchschnittliche Verweildauer in deutschen Großstädten liegt bei 2,5 Tagen, unabhängig davon ob es sich um privat motivierten Reiseverkehr oder Geschäftsreiseverkehr handelt. Tourismuskritik: Die Vernachlässigung des touristischen Produkts12 ist ein schwerwiegender Mangel (Sie säen nicht und ernten doch) der Deutschen Tourismuswirtschaft. Der Deutschlandtourismus (nicht zu verwechseln mit der Deutschen Tourismusindustrie) steht im internationalen Vergleich zunehmend schlechter da. Bei allgemein steigenden Einnahmen auf dem internationalen Markt stagnieren die Deviseneinnahmen im Lande seit Jahren auf einem Niveau von 17 bis 18 Milliarden Mark. Die Reiseverkehrsbilanz weist ein Rekorddefizit von über 50 Milliarden Mark aus. Die Kritikpunkte sind: • Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt nicht. Besonders bemängelt wird die schlechte Qualität der Leistungen. • Deutschland ist eine „Serviswüste" mangelnder Gastlichkeit. • Den Tourismusangeboten mangelt es an Originalität. Es gibt kaum Zielgruppenorientierung, wenig Abgrenzungen zu anderen Produkten. • Die Tourismusbranche arbeitet nicht zusammen. Es fehlen z.B. sich ergänzende Kooperationen. • Den touristischen Infrastrukturen wird zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Man kann nicht nur „ein Bett" verkaufendas touristische Produkt ist mehr! • Die Marketingstrategien und Instrumente sind veraltet und wenig intelligent. • Die derzeitigen Vertriebssysteme sind zu schwerfällig, neue Strategien lassen sich nur schwer durchsetzen 12Michael Noack.Auszug aus einer Rede anlaßlich des 1 nationalen Fachkongresses für Landtourismus 19 Natürlich hat kein anderer Wirtschaftstweig ein solches universales Angebot zu realisieren wie die Tourismusbranche und die Intensität des Wettbewerbes auf diesem Markt nimmt europaweit zu. Aber es zählt eben nicht nur die Quantität. Wird der Wettbewerb nur über den Preis geführt, wirkt sich eine solche Einseitigkeit schnell negativ auf die Qualität der Leistungen aus. Aus diesem Kreislauf führt nur die verstärkte Konzentration auf die Optimierung der Qualität13, der Originalität (Tradition, Kultur, Besonderheiten) und der Kundenorientierung bei den Produkten und Dienstleistungen sowie auf deren adäquate Vermarktung. Voraussetzung hierfür ist natürlich die Bereitschaft, sich diese Anforderungen einzulassen. Es ist klar, daß ohne die Überzeugung aller Beteiligten tatsächlich nichts passiert. Bereitschaft allein treibt die Dinge jedoch auch nicht an. Es besteht die dringende Notwendigkeit der konzeptionellen Planung. Für solche Ziele müssen Strategien entwickelt werden, in denen natürlich auch die Berufsbildung zur Verbesserung der Handlungskompetenz (mit Schwerpunkten, wie: Qualitätsbewußtsein für touristische Leistungen, Kundenorientierung, Innen- und Außenmarketing usw.) eine große Rolle spielt. Kein Land kann seinen Incominganteil am Reisetourismus sichern, wenn das touristische Angebot nicht durch gezielte Arbeit aufgebaut und absichert wird. Die Produktentwicklung (Aufbau der touristischen Infrastruktur) hat ihren Preis, das ist das Problem. Jedoch sind Schwierigkeiten, die sich aus der Tourismusentwicklung für eine Region oder eine Stadt ergeben, normal und erfordern immer zusätzliche Aufwendungen, will man nicht die Basis zerstören von der man partizipiert. Das allgemeine Bewußtsein der Wichtigkeit des Wirtschaftsbereiches Tourismus muß in den meisten Regionen Deutschlands noch entwickelt und gefestigt werden. Erst wenn der Tourismus als vollwertiger Bestandteil der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes, einer Region etc. und nicht als etwas, was sich irgendwie selbst entwickelt, betrachtet wird, kann man auch politisch deren Förderung begründen und durchsetzen. 1 *3Beispiel Das Reinheitsgebot bei der Bierherstellung in Deutschland. 20 2. Die Berufsbildung im Tourismuseine kritische Bestandsaufnahme „Betrachtet man das für viele Tourismusbereiche notwendige Know - How , sieht es auf den ersten Blick so aus als handele es sich hier um ein Wissen, das prinzipiell jeder hat. Entsprechend geht man davon aus, daß es sich bei den notwendigen subjektiven Voraussetzungen um die berühmten „Jedermann - Qualifikationen" handelt, die durch normale Lebenserfahrung abgedeckt sind. Oft unterliegt man daher dem Trugschluß, der Tourismus verlange keinerlei zusätzliche Qualifikation von Gastgebern und Personal. So sieht dann auch die Praxis im touristischen Alltag häufig genug trist aus. Das Niveau der Leistungen in Sachen Tourismus wird durch den Erfahrungshorizont der Anbieter geprägt. Insbesondere in sich neu entwickelnden Tourismusgebieten auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ist dieser auf dem Niveau staatlich geregelter Ferienorganisation stehen geblieben. Aber auch in den Tourismusgebieten der alten Länder der Bundesrepublik reagiert man wenig auf neue Bedürfnisstrukturen von Erholungssuchenden. Nicht nur unzufriedene Gäste, sondern auch enttäuschte Gastgeber, die bessere Geschäfte im Tourismus erwartet haben, sind die Folge. Die vielen Gaststätten die öffnen und wieder schließen sind der Beleg für die Falschheit dieser Ansicht. Erfolgreich sind in der Regel nur Diejenigen, die von der Sache etwas verstehen, ein klares Produkt-, Service- und betriebswirtschaftliches Konzept haben, das sie laufend überprüfen und den sich verändernden Gegebenheiten anpassen. Erfolgreich sind in der Regel tatsächlich nur Diejenigen, die „von der Sache" mehr als nur etwas verstehen, die ein klares Produkt-, Service- und betriebswirtschaftliches Konzept haben, das sie laufend überprüfen und den sich verändernden Gegebenheiten anpassen".14 Diese Qualifikationen wiederum darf man nicht zu eng definieren. Es gibt zwar touristische Spezialqualifikationen, aber schon der Charakter des Tourismus, der viele Wirtschaftssektoren umfaßt, macht deutlich, daß es kaum fest umrissenen touristische Berufsfelder gibt. Deshalb ist es auch nicht förderlich, Qualifizierungsmaßnahmen so speziell anzulegen, daß sie nur in touristischen Arbeitsfeldern anwendbar wären. Die Gefahr besteht darin, Leute in der Wahrnehmung einer Qualifikation so sehr einzuengen, daß sie glauben, daß sie das was sie hier lernen nur im Tourismus anwenden können. Diese Fragen sollte man bei der Konzipierung von Bildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen berücksichtigen. Dienstleistungen spielen in unserer Gesellschaft eine immer größere Rolle und auch da wo es um traditioneller Güterproduktion und Absatz geht. Die Dienstleistungskomponente von materiellen Gütern spielt für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens eine immer bedeutendere Rolle. Deshalb sind die Qualifikationen die man im Tourismus 14 Prof Dr Jörn W Mundt, Auszug aus einer Rede anläßlich des 1 nationalen Fachkongresses Mai 1996 in Stralsund 21 erwerben kann durchaus übertragbar auf andere Bereiche. Die Herstellung und Unterstützung einer gast- bzw. kundenbezogenen Dienstleistungsmentalität ist von entscheidender Bedeutung für die Stützung wirtschaftlicher Entwicklung und die Beförderung subjektiver Arbeitsmarktchancen im Sinne des Transfers. Deshalb ist das richtige Know - How für den Tourismus das Know - How, das man auch in anderen Bereichen verwerten kann15. Obwohl die Tourismuswirtschaft während der vergangenen Jahre einen stetigen Aufschwung erfahren konnte, gibt es nur wenige anerkannte Berufe, die in einem unmittelbaren Kontext zu den hier zu erledigenden Aufgaben stehen (vornehmlich Hotel- und Gaststättenberufe und der Ausbildungsberuf Reiseverkehrskaufmann / Reiseverkehrskauffrau). Die Branche hat bislang ihre z.T. sehr unterschiedlichen Qualifizierungsvorstellungen über die eigenen Verbände abgesichert und sich gegen alle nicht aus den eigenen Reihen kommenden Veränderungsbemühungen abgegrenzt. Man darf aber auch davon ausgehen, daß die Branche sich hinsichtlich der Weiterentwicklung beruflicher Strukturen eher abwartend verhält, weil sie tarifpolitische Auseinandersetzungen bei der Entwicklung zusätzlicher Berufe befürchtet. Von anderen Berufsbereichen unterscheidet sich der „Tourismus" auch durch ein verbreitetes Alltagsverständnis, das die Urlaubsgestaltung als eine bewußt offene Situation versteht und dies auch auf die für diesen Bereich tätigen Fachleute bezieht. Es gibt heute im Tätigkeitsbereich Tourismus Berufe mit recht langer beruflicher Tradition und Akzeptanz wie z.B. im Hotel- und Gaststättenwesen und im Reisebürobereich. Andere, wie der Bereich des Kur- und Fremdenverkehrs (Incoming), haben diese Berufliche Entwicklung nicht erlebt. Manche dieser Strukturen, die auf Grund der professionellen Aufgabenerledigung Berufe erforderlich machen, sind tatsächlich erst in den sechziger Jahren entstanden bzw. hängen mit anderen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte zusammen, z.B. mit der gesellschaftlichen Erhöhung des Freizeitvolumens, der "Erfindung" von Pauschalreiseangeboten, dem gesellschaftlichen Einstellungswandel zu Sport und Fitneß, dem gestiegenen Bildungsniveau und dem damit einhergehenden, breiteren Kulturinteresse u.s.w. 15 Hervorhebung der Bedeutung von berufs- und fachübergreifenden Fähigkeiten (Schlüsselqualifikationen) bei Tourismusqualifikationen 22 Regelungen der beruflichen Aus- und Weiterbildung im Tourismus Während sich das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie das Verkehrsgewerbe übersichtlich und hinsichtlich der beruflichen Strukturen am weitesten entwickelt darstellt, lassen sich in der übrigen Fremdenverkehrswirtschaft keine deutlichen Berufsstrukturen erkennen. Insofern wundert es kaum, daß es lediglich einen Ausbildungsberuf für die Arbeits- bzw. Berufsfelder: - Kur-und Fremdenverkehr (der Fremdenverkehrsort, das Reiseziel) -Reiseveranstaltung (die Reisedurchführung und -begleitung) -Reisevermittlung (Reisebüro) gibt: Der Ausbildungsberuf - Reiseverkehrskaufmann/ Reiseverkehrskauffrau -ist der einzige anerkannte Ausbildungsberuf der Branche für die o.a. Tätigkeitsbereiche. Mit dieser einen staatlich anerkannten Ausbildung muß der Qualifikationsbedarf erheblich unterschiedlicher Aufgabenbereiche (Reisebüro einerseits / andererseits der Kur- und Fremdenverkehr) abgedeckt werden. Während z.B. in einem Reisebüro eine professionelle Vermittlungsleistung auf der Basis wirtschaftlichen Erfolgs zu erbringen ist, sind die Aufgaben in einem Kur- oder Fremdenverkehrsort wesentlich vielgestaltiger und nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene zu suchen ( Umweltschutz, Schutz der Lebensräume, Entwicklung touristischer Angebote usw.). a) Anerkannte Ausbildungsberufe16 Die nachfolgende Aufzählung zeigt alle im Tourismusbereich existierenden Berufe auf, auch die, die nicht nur unmittelbar für den Tourismus verwertbare Qualifikationen aufweisen. • Reiseverkehrskaufmann/ Reiseverkehrskauffrau • Speditionskaufmann / Speditionskauffrau • Schiffahrtskaufmann / Schiffahrtskauffrau • Luftverkehrskaufmann/ Luftverkehrskauffrau • Reiseverkehrskaufmann / Reiseverkehrskauffrau • Kaufmann / Kauffrau im Eisenbahn- und Straßenverkehr • Binnenschiffer / Binnenschifferin • Ewerführer / Ewerführerin • Hafenschiffer / Hafenschifferin • Fachangestellte / Fachangestellter für Bäderbetriebe17 • Kaufmannsgehilfe / Kaufmannsgehilfin im Hotel- und Gaststättengewerbe 16"Anerkannte Ausbildungsberufe"; siehe hierzu das jährlich vom Bundesinstitut für Berufsbildung herausgegebene Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe, W Bertelsmann Verlag 17 vormals (vor 1997). „Schwimmeistergehlife" 23 • Hotelfachmann / Hotelfachfrau • Restaurantfachmann/ Restaurantfachfrau • Fachgehilfe / Fachgehilfin im Gastgewerbe Ein zusätzlicher Bedarf an Qualifikationen nicht nur für den Tourismus, sondern für die gesamte Freizeitwirtschaft, wurde bereits im Abschlußbericht zu einem Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Berufsbildung ("Analyse von Freizeitbereichen, -formen und - angeboten im Hinblick auf berufliche Qualifikationen", Dezember 1989), festgestellt. b) geregelte Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen Für die Fort- und Weiterbildung von Erwachsenen kennen wir folgende Regelungen: rechtliche Grundlage IHK -Regelung gemäß § 46.1 BBiG berufsbezogene Weiterbildung an Fachschulen usw. Berufsqualifizierender Studienabschluß an Fachhochschulen, Hochschulen und Universitäten Berufsbezeichnung Touristikfachwirt / Touristikfachwirtin staatl. gepr. Betriebswirt/ in (Fachrichtungen: Reiseverkehr/ Tourismus) Dipl. Betriebswirt/ in (BA); (FH), (Schwerpunkt: Tourismuswirtschaft) Wirtschaftsassistent/ in postgraduierte Studiengänge an Hoch- und Fachhochschulen18 Berufliche Weiterbildungsmaßnahmen im Rahmen des Berufsbildungsgesetzes und der Handwerksordnung spielen bei Bildungsstrategien für den Freizeitbereich zukünftig eine große Rolle. Der Fortbildungsberuf: Touristikfachwirt / Touristikfachwirtin ist eine solche Regelung der zuständigen Stellen nach § 46.1 BBiG und z.Z. die einzige für die Tourismusbranche mit diesem Modus. Für ihn liegen z.Z. 36 erlassene Regelungen von Industrie- und Handelskammern vor. Die älteste Regelung stammt aus dem Jahr 1987 und die jüngsten Entwicklungen sind 1996 durch die IHK Rostock erlassen worden19. Die Anzahl der Prüfungsteilnehmer ist gemessen an anderen Fortbildungsregelungen gering. Nach einem Rückgang Ende der 8oer Jahre gewann der Beruf nach der Wende erneut an Bedeutung. Die Anzahl stieg von 366 Prüfungsteilnehmern im Jahr 1994 auf 386 Teilnehmer im Jahr 1995. Die für die Branche bestehende Bedeutung dieser Qualifikation beschränkt sich auf die z.B „European Tourism Management", an der Fachhochschule Heilbronn 19 siehe auch: - Pkt.:3.2: Ergebnisse eines Modellversuchs der beruflichen Bildung in Mecklenburg- Vorpommern - und -Teil II, Nr.3.2 : Qualifikationskatalog für die Ausbildung zum Touristkfachwirt/ zur Touristikfachwirtin mit dem Schwerpunkt: Fremdenverkehr 24 Aufgabenbereiche: ^ - Vermittlung von Reisen und anderen Dienstleistungen und - Entwicklung und Angebot von Reisen . Für den Kur- und Fremdenverkehrsbereich, die Betreuung der Urlauber durch Fremdenverkehrsämter und Kurverwaltungen sowie die Gästebetreuung auf der Reise und am Urlaubsort (z.B. Stadtführungen ) bieten diese, im Wesentlichen mit wenigen Abweichungen auf die Empfehlungen des DIHT aus dem Jahr 1987 zurückgehenden Regelungen, nur wenige Bildungsinhalte. Diesem Umstand tragen die zwei bereits erwähnten, neuen Regelungen der IHK Rostock aus dem Jahr 1996 Rechnung20, die auf die Schwerpunkte : -Fremdenverkehr („Kur-und Fremdenverkehr") -Reiseverkehr (Reiseverkehrsmanagement verstärkt ausgerichtet sind. Im Zusammenhang mit der Entwicklung solcher für den Tourismus angemessenenen Bildungsstrategien von besonderer Bedeutung ist die Vereinbarung zur beruflichen Fortbildung gemäß § 46 Berufsbildungsgesetz und § 42 Handwerksordnung, die zwischen dem DGB, der DAG und den Spitzenorganisationen der Wirtschaft 1996 unterzeichnet wurde21. Durch diese Vereinbarung soll auf der Grundlage der vereinbarten Voraussetzungen die Handlungsfreiheit der Industrie- und Handelskammern sowie der Handwerkskammern mit ihren Berufsbildungsausschüssen in bezug auf den Erlaß von § 46 (1) BBiG und § 42 (1) HwO gestärkt und • ein eindeutiger Rahmen für die Entwicklung und den Erlaß von § 46 (2) BBiG und § 42 (2) HwO- Verordnungen geschaffen werden. Für den Erlaß von Regelungen der zuständigen Stellen nach § 46 (1) BBiG oder § 42 (1) HwO sind danach folgende Voraussetzungen erforderlich: • Es liegt eine Beschreibung des Prüfungsziels vor. Dabei handelt es sich um eine Aufstiegsfortbildung und nicht um berufliche Ausbildung, kurzfristige Vorbereitung, Einarbeitung oder Anlernung für einen bestimmten Arbeitsplatz oder Anpassungsfortbildung. • Es besteht Bedarf an entsprechenden Qualifikationen. • Es ist eine erkennbare Abgrenzung im Hinblick auf Anforderungen anderer Fortbildungsregelungen gegeben. • Ein organisierter Lernprozeß, der zur Vorbereitung der Prüfung führt, umfaßt mehr als 200 Stunden. 20 21 BWP spezial 3, März/April 1997 Dieser Fortbildungsberuf ist in bisher 36 Industrie und Handelskammern geregelt 31 Wenn diese Kompetenz nicht vorhanden ist, das ist z.Z. leider sehr häufig der Fall, lassen sich die mit solchen Systemen zu erreichenden Verbesserungen und Veränderungen nicht realisieren. Fachberatung und Begleitung zur Entwicklung touristischer Strukturen auf dem Land und landtouristischer Produkte Jeder der auf dem Land ein touristisches Angebot entwickeln soll, benötigt dafür in mehrerer Hinsicht Anleitung und das entsprechende Handlungswissen. Wenn man also den ländlichen Tourismus entwickeln will, muß man mit der Qualifizierung der Leistungsanbieter beginnen. Der Umfang notwendiger Bildungsvermittlung wird durch den Tatbestand bestimmt, daß ländlicher Tourismus immer nur ein Teil einer intakten ländlichen Struktur sein kann (Siehe auch Pkt.: 2.1). Tourismus sollte nur eine von mehreren Erwerbsmöglichkeiten sein. Der ländliche Tourismus kann nicht an die Stelle anderer Erwerbsmöglichkeiten treten, sondern muß den Rahmen in dem erwirkt weiterentwickeln und stützen. Das für solche Handlungskomplexe notwendige Handlungswissen läßt sich nur am durch die jeweilige Situation festzustellen Bedarf ermitteln. Und es bedarf anderer Bildungsstrukturen als die, die zur Zeit für solche Aufgaben zur Verfügung stehen. Frankreich hat seit über 15 Jahren - dieser Erkenntnis folgend - in den ländlichen Gebieten Multiplikatoren projektorientiert eingesetzt und den Bäuerinnen und Bauern so Bildung und Anleitung für die wichtigen Probleme der Entwicklung und Lebenssicherung auf dem Land angeboten. Es hat damit viel für die Entwicklung des ländlichen Raumes erreicht. 3. Neue Qualifikationsprofile in der Erprobung - ein Modellversuch der beruflichen Bildung im ländlichen Raum31 3.1 Ausgangssituation, Ziele und Konzeption des Modellversuchs In Mecklenburg-Vorpommern herrscht die besondere Situation, daß sowohl historisch als auch vor und nach der deutschen Wiedervereinigung großräumige Agrarstrukturen im Haupterwerb überwiegen und der ländliche Tourismus im Haupt- oder Nebenerwerb von Landbewohnern getragen wird, die über keine oder nur unbedeutende gewerbliche Einnahmen aus landwirtschaftlicher Erzeugung verfügen. 31 Erprobung neuer Organisationsformen der Wissensvermittlung und fachlichen Beratung von Landfrauen zur Unterstützung des Aufbaus touristischer Strukturen im ländlichen Raum Der Modellversuch fand von 1994 bis 1996 in Mecklenburg-Vorpommern statt 32 Für die Entwicklung dieses Erwerbszweiges gibt es infolge der Verringerung der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft in Mecklenburg - Vorpommern von 120.000 (1989) auf unter 30.000 (1995) einen zwingenden Handlungsbedarf. Vom Humankapital her hat diese Region her sehr gute Voraussetzungen für den ländlichen Tourismus. Aber es fehlen Erfahrungen in der Gästebetreuung, allgemeines touristisches Wissen und deshalb herrscht häufig unzureichende Handlungsbereitschaft für die Entwicklung von touristischen Angeboten. Dadurch wird die touristische Entwicklung dieses Raumes gebremst und es kann nicht erwartet werden, daß sich diese Defizite in vertretbaren Zeiträumen im Selbstlauf abbauen. Der Modellversuch hatte das Ziel, für den Bereich: -ländlicher Tourismusneue, praxisorientierte Bildungswege aufzuzeigen und zu erproben. Der Schwerpunkt dieses Modellversuches wurde durch die Aufgabe definiert, Handlungen erzeugendes Wissen für die "Tourismusentwicklung in einer ländlichen Gemeinde" in notwendigem Maße zu vermitteln. Bäuerinnen, Handwerker, kommunale Vertreter usw., die in einer ländlichen Gemeinde mit ihren touristischen Teilleistungen (Zimmer vermieten, Kutschfahrten durchführen, traditionelle regionale Aktionen durchführen, Wanderwege anlegen, Angebote entwickeln usw.) die Attraktivität eines Urlaubsortes durch ihre ganz persönliche Leistung bestimmen, müssen angeleitet werden, solche Aufgaben zu übernehmen. Das zusätzliche Problem ist, daß ihnen Mut gemacht werden muß, solche Dinge überhaupt in die Hand zu nehmen. Das Konzept des Modellversuchs und die regionalen Bedingungen Mecklenburg- Vorpommerns, in denen er umgesetzt wurde, hatte zwei Schwerpunkte: • die Entwicklung einer Strategie der Wissensvermittlung vor Ort für das ländliche Gebiet, die von der Zielgruppe (potentielle Vermieter, Veranstalter, Kommune usw.) angenommen werden kann. D.h. es wurde ein Bildungskonzept (Angebot von Beratungsleistungen im ländlichen Raum durch Fachberater oder Multiplikatoren) entwickelt, das an dem tatsächlichen Bedarf der handelnden Personen (ländliche. Bevölkerung) orientiert ist. Dabei war die Initiierung und Erprobung der für die Aufgabe notwendigen Bildungs- bzw. Beratungsstrukturen tatsächlich der eigentliche Ansatz des Projekts und damit die Frage, wie man solche Beratungsleistungen langfristig institutionalisiert. Das Vorhaben, vorhandenes Wissen so zu organisieren, daß ohne unnützen Aufwand eine Handlungskompetenz "vor Ort" erzeugt wird, war von größter Bedeutung. 33 • Entwicklung und Erprobung einer entsprechenden Fachbildung für die Multiplikatoren und Sicherung einer beruflichen Anerkennung für diese Ausbildung. Im Rahmen dieses Modellversuches wurden zwei Formen der Organisation der Wissensvermittlung angewandt. Die Ausbildung zum / zur Fachberater / in für Landtourismus erfolgte in der klassischen Form als Fortbildungsmaßnahme mit der Zielstellung eine neue Qualifikation mit einer staatlichen Anerkennung zu erzeugen. Die Durchführung von Fachberatung durch die so ausgebildeten „Multiplikatoren" dagegen sollte zeigen, daß die Erzeugung von „Handlungswissen" vor Ort andere, neue Organisationsformen des begleiteten Lernens erforderlich macht. Die Aufgabe wurde in der ersten Phase von den meisten Beteiligten eher als eine Wirtschaftsfördermaßnahme denn als ein Weiterbildungsangebot für die Landbevölkerung angesehen. Es zeigte sich auch, daß an dieser insbesondere für die Behörden völlig ungewohnte Organisationsform der Wissensvermittlung, keine Schule als Institution, keine Schüler im üblichen Sinne, die Vermittlungsform nach dem Prinzip „learning by doing", keine Prüfungen, kein anerkannter Abschluß, keine Übernahme in eine nichtselbstständige Tätigkeit nach Beendigung der Maßnahme, jede erkennbare Fördermöglichkeit scheiterte. 34 Der Modellversuch wurde von Beginn an durch einen Beirat begleitet, dem Vertreter des Sozialministeriums, des Landwirtschaftsministeriums und des Wirtschaftsministeriums des Landes Mecklenburg-Vorpommern, des Bauernverbandes, des Landesfremdenverkehrsverbandes, der IHK Rostock, des Bundesinstituts für Berufsbildung und weitere angehörten. Inhalt und Ablauf der Ausbildungsphase, der Einsatz der Fachberater im Land, die Zielstellung des Modellversuchs, Beratungsleistungen über dieses Projekt für das Land zu organisieren, Inhalt und Durchführung des anschließenden Kongresses und die Weiterführung der Maßnahme mit Hilfe europäischer Projektfinanzierung wurden in diesem Gremium besprochen. Der Beirat war für die Maßnahme sehr wichtig, weil er durch seine Zustimmung zu den Maßnahmen auch die notwendigen politischen Entscheidung hinsichtlich der Förderung dieses Projekt durch das Land erleichterte. Projektablauf Das MV-Projekt hatte eine Laufzeit von 28 Monaten. Die Ausbildungsphase teilte sich auf in : - den Theorieblock , Dauer: 1970 Stunden - den Praxisblock, Dauer: 1280 Stunden Die Ausbildung und die Durchführung der Praxisanleitung (Bereitstellung von Beratungsleistung durch die „Fachberater") in den Dörfern gingen ineinander über32. - Einführung (Vollzeitunterricht) 6 Monate - Projektlemen (Praxisanteile ergänzen den Unterricht)33 9 Monate - Auslandspraktikum (Niederlande) 3 Monate - Einzelprojektarbeit im ländlichen Raum 6 Monate 32 Lehrplanerarbeitung, Teilnehmergewinnung und Organisation der Maßnahme waren Aufgabe einer Regiegruppe des Vereins für Urlaub und Freizeit auf dem Bauernhof (AGUFL) e.V. in Mecklenburg-Vorpommern 33 Form und Inhalt der Ausbildung waren für Projektträger und Bildungsträger (aus Mecklenburg- Vorpommern) etwas völlig Neues. Eine Reihe von anerkannten Fachleuten von Gastdozenten brachten jedoch durch ihre Vorträge innovative Ansätze in die Ausbildung, so daß bei allen Schwierigkeiten die Ausbildung ein voller Erfolg wurde. Lerndefizite wurden relativiert durch die Notwendigkeit für die Praxis reale Lösungen zu erarbeiten. Wertvoll war insbesondere auch das Auslandspraktikum an der Universität Wageningen (Niederlande). Die auf den Auslandsaufenthalt folgende Praxisphase von 6 Monaten war erfolgreich. Die Teilnehmer haben, das wurde schnell deutlich, in ihren Praxiseinsätzen für ihre Arbeit Akzeptanz erzeugt und die Nachfrage nach ihrem Einsatz überstieg schnell die vorhandenen Beratungskapazitäten. Selbst die Schwierigkeiten waren innovativ. Die Auseinandersetzungen, die von uns immer wieder geforderten Diskussionen im Klassenverband, die kleinen Siege über die Bürokratie und natürlich die Praxisnähe der Ausbildung, haben die Teilnehmer nicht nur klüger, sondern auch selbstbewußter gemacht. 35 3.2 Ergebnisse des Modellvorhabens 3.2.1 Die Ausbildung der Multiplikatoren Für die Ausbildung zur Fachkraft für Landtourismus wurde für diesen Modellversuch ein Lehrplan34 entwickelt. Er entspricht im Umfang und in der Form diesem besonderen Bildungsansatz. Er gibt Auskunft über welche Fertigkeiten und Kenntnisse eine entsprechende Fachkraft generell verfügen muß, wenn er touristische Aufgaben im ländlichen Raum erfüllen will. Diese grundsätzliche Aussage wurde durch die Praxis bestätigt und wird auch von anderen Bildungsträgern (in Brandenburg, Thüringen und Sachsen- Anhalt) bereits nachvollzogen. Dieser „Rahmenplan" für die Fortbildung wurde mit der IHK Rostock abgestimmt und ist heute die Grundlage für zwei neue Überprüfungsregelungen im Fortbildungsbereich (Kammerregelung nach § 46.1 BBiG) für den Tätigkeitsbereich Kur-und Fremdenverkehr und Reiseverkehr, für den es bisher keine geregelte Fortbildung gab. Die Industrie- und Handelskammer Rostock hat durch dem Modellversuch angeregt und auf Grund eines Beschlusses des Berufsbildungsausschusses vom 07.12.1995 als zuständige Stelle nach § 46 in Verbindung mit § 41 Satz 2 bis 4 und § 58 Berufsbildungsgesetz die Rechtsvorschriften für die Fortbildung zum Touristikfachwirt / zur Touristikfachwirtin mit den Spezialisierungsrichtungen „Reiseverkehr" und „Fremdenverkehr" erlassen.35 Die Überprüfungsregelung mit dem Schwerpunkt Fremdenverkehr ist am Qualifikationsbedarf im Kur- und Fremdenverkehr orientiert und bietet genügend Flexibilität, um einem Absolventen dieser Ausbildung den problemlosen Einstieg in Verwaltung und/oder Organisation eines Fremdenverkehrsortes zu ermöglichen. Die Überprüfungsregelung mit dem Schwerpunkt Reiseverkehr betrifft den Managementbereich der Reiseorganisation und -durchführung. Diese Qualifikation bietet die Grundlage für Aufgabenerledigungen auf der mittleren Managementebene und sichert u.a. das für die Reisedurchführung und Reisebegleitung notwendige Basiswissen auf einer hohen Qualifikationsebene. Der im Modellversuch entwickelte Lehrplan für die Ausbildung zum/zur Touristikfachwirt/in mit der Spezialisierung: Fremdenverkehr, war auch die Grundlage für die Ausbildung für 34 siehe Teil II, Nr.3 : Qualifikationskatalog der Ausbildung zum Touristikfachwirt/zur Touristikfachwirtin mit dem Schwerpunkt: Fremdenverkehr; inclusve des Qualifikationsmoduls: Fachberater/in für ländlichen Tourismus 35 Diese Regelungen sind neu, auch wenn die Berufsbezeichnung „Touristikfachwirt / in" lautet, von der es bis heute 33 Kammeregelungen gibt. Wichtig ist der jeweilige Schwerpunkt der Ausbildung und Überprüfung : Reiseverkehr oder Fremdenverkehr, der gleichzeitig als Bestandteil der Berufsbezeichnung aufgenommen wurde. Beide Regelungen sind von großer Bedeutung, denn für diese Tätigkeitsbereiche gab es bisher überhaupt keine geregelte Ausbildung im Erwachsenenbildungsbereich. 36 die Multiplikatoren / innen. Er definiert die als Basiswissen notwendigen Fertigkeiten und Kenntnisse für die angestrebte Tätigkeit der Fachberatung für den ländlichen Bereich. Er wurde auf der Grundlage der Ergebnisse der vorangegangenen Qualifikationsforschung zusammen mit dem Träger der Maßnahme und den für die Ausbildung verantwortlichen Lehrern entwickelt. Während des Modellversuchs wurde der Lehrplan den Anforderungen angepaßt. Durch die ständige Abstimmung mit der IHK Rostock konnte gesichert werden, daß die neue Fortbildungsregelung „Touristikfachwirt/in" eine geeignete Basisqualifikation für unterschiedliche Aufgabenstellungen im Tourismus (Beratung und Anleitung im ländlichen Raum, Beratung und Anleitung {Innenmarketing} für den Stadttourismus, Freizeitberater, Gästeführer, Reiseleiter usw.) ist. Sie deckt den für die unterschiedlichen Aufgaben gleichermaßen vorhandenen Qualifikationsbedarf ab. Durch die Kombination: Basisqualifikation (Ausbildungsinhalte für die Ausbildung zum/zur Touristikfachwirt/in mit dem Schwerpunkt: Fremdenverkehr) plus zusätzliches Fachwissen (z.B. Lernbaustein: Fachberater Landtourismus in Mecklenburg-Vorpommern) können mit geringem (staatlichen) Aufwand für eine Vielzahl von Aufgabenstellungen die notwendige Fachqualifikation erzeugt und gesichert werden. Für andere Kombinationen, als der Ausbildung zum/ zur Fachberater / in Landtourismus auf dieser Grundlage müssen entsprechende Lernbausteine allerdings noch entwickelt werden. Die Teilnehmer des Modellversuches wurden im März 1996 an der IHK Rostock überprüft. Grundlage für die Überprüfung war die neue Überprüfungsregelung. Alle Teilnehmer haben die Prüfung bestanden.36 36 Die Abschlußarbeiten haben folgende Themen: BOCK, Sonja-Andrea: „Konzept zum Erwerb von Handlungswissen und Kompetenz auf dem Gebiet des ländlichen Tourismus für Landfrauen" DUNST;Monika:" Vervollständigung de Fremdenverkehrsentwicklungskonzeption für den Bereich Tessin / Land, insbesondere zur weiteren Verbesserung der Infrastruktur für den durch das Recknitztal führenden Europaweg" HADEL, Marita:" Chancen für und Anforderungen an landtouristische Angebote im küstennahen Bereich, dargestellt am Beispiel der Region Schwaan im Wamow-Winkel" HAUPTVOGEL, Renate" Vorschläge zur Verbesserung der touristischen Infrastruktur im Amtsbereich der Rostocker Heide unter Berücksichtigung der regionalen Entwicklung seit 1990" HENNING.Siegrid:" Angebotserstellung und Anlaufmodell, Kostenkalkulation und Ertragsvorschau für Naturcamps für Schulkinder im Raum Crivitz/ Brühl" KLATT, Petra." Vorschläge zur Verbesserung des touristischen Angebotes in der Region Goldberg- Mildenitztal" MÄRTEN, Kerstin:" Konfliktbereiche zwischen Wassersport und Gewässerschutz" MEYER, Sylvia:" Aufgaben und Gestaltung eines Periodikums an unseren schöne Seen als Teil des Marketings zur Weiterentwicklung des Tourismus in der Region Krakow am See" MUREK, Uwe:" Umweltfreundlicher Tourismus in der Nationalparkregion Boddenküste im Landkreis Vorpommern" NOWITZKI,Jörn: Konzept zurEntwicklung des Fremdenverkehrs im Aktionsgebiet des Heimatvereins - Wisentparadies Mecklenburger Landim Amtsbereich Moltzow" PAHL, Erika:" Anwendung derTIN-Norm bezüglich der Klassifizierung und Kategorisierung der Beherbergungskapazitäten in der Region Marlow - Bad Sülze - Tribsee" PETERS, Detlef." Erarbeitung von Pauschalangeboten -Wandern/ Radwandern im Landkreis Uecker- Randow unter Einbeziehung angrenzender Regionen" REIDIES, Birgit" Analyse planerischer Konzepte zur Entwicklung des Landtourismus in einigen Landkreisen Mecklenburg-Vorpommerns" 37 3.2.2 Die Entwicklung eines landtouristischen Beratungsdienstes als institutionelle Einrichtung Bei der Umsetzung der Vorstellungen über die Bereitstellung von Beratungsleistungen im ländlichen Raum war man sich darüber einig, daß hierfür auch eine den Aufgaben entsprechende äußeren Form entwickelt werden müsse. Dem Fachberater mit seinem Leistungsangebot sollte die Möglichkeit gegeben werden, seine Leistungsbereitschaft in einem für die Zielgruppe erkennbaren, vertrauenswürdigen Rahmen anzubieten. Aus diesem Grunde gründete die Gruppe unter dem Dach des für das Projekt verantwortlichen Vereins für Arbeit und Freizeit auf dem Lande e. V. als Übungsfirma einen landtuhstischen Beratungsdienst. Damit übernahm der Projektträger die Verantwortung für Form und Organisation des Beratungsdienstes. Da er durch die Vermittlung solcher Beratungsleistungen, zu denen er im Rahmen seiner Dienstleistungsaufgabe den Mitgliedern des Verbandes gegenüber gewissermaßen verpflichtet war, war das durchaus in seinem Interesse. Gleichzeitig stellte er den Rahmen für diese im Lande neue Unternehmung. Der „Beratungsdienst" wurde ein Instrument des Verbandes. Dadurch waren bei der Kontaktaufnahme der Fachberater keine mühsamen Erklärungen nötig. Die Fachberater wurden von den Hilfesuchenden als seriöse Mitarbeiter des Verbandes ohne Probleme angenommen. Der landtouristische Beratungsdienst hatte das folgende Leistungsangebot: Vermittlung von Handlungskompetenz an Landfrauen als Träger der Aktivitäten in zu entwickelnden Projekten, Entwicklung und Mitarbeit bei der Realisierung von Konzepten zum Ausbau der regionalen touristischen Infrastruktur, Schulung und Beratung zur Unterstützung der Selbstständigkeit von Landfrauen im Rahmen der Entwicklung des Tourismus als Wirtschaftszweig. Die Aufgaben Auftragsarbeit für Gemeinden bzw. Gemeindeämter in Zusammenarbeit mit den entsprechenden touristischen Zweckverbänden (Entwicklung von Projekten und Handlungskonzepten für Aktivitätsträger in der Region) RÖSSLER, Jutta:" Einschätzung des Entwicklungsstandes der Tourismuswirtschaft im Amt Gnoien; Schlußfolgerunge und Vorschläge für die weitere Entwicklung" THUROW, Edith:" Vorschläge zur weiteren Entwicklung des Tourismus im Trebeltal" VOIGT, Ines " Erarbeitung eines Handlungskonzeptes für die Ausbildung von Stadtführern in den Schwerpunktregionen Ueckermünde und Strasburg" Voß, Peter:" Erstellung eines Vermarktungskonzeptes des Reittouristikangebotes des Landkreises Mecklenburg-Strelitz" WINKLER, Christa:" Vermittlung von Kenntnissen und Erfahrungen an touristischeAnbieter und ihre Mitarbeiter ( Schulungskonzept für die Region Demmin)" WINKLER, Hartmut:" Handlungsvorschläge für die Entwicklung des touristischen Raumes Kummerower See unter Einbeziehung der Hanse- und Kreisstadt Demmin" WINKLER, Angelika:" Die Marktsituation auf den Campingplätzen Mecklenburg- Vorpommerns nach 1990" 38 Auftragsarbeit und fachliche Beratung für Anbieter und Einrichter touristischer Dienstleistungen Einrichterberatung von der Vorplanung und Ertragsvorschau über Finanzierung, Förderung und Projektierung bis zur Schulung für Gästebetreuung, Wirtschaftsführung und Vermarktung des Angebotes Anbieterberatung: Vermittlung des Gastgebergrundwissens u.a. auch durch Organisation und Durchführung entsprechender Lehrgänge; Beratung der Anbieter in grundsätzlichen Rechtsfragen sowie in Sachen Wirtschaftsführung; Qualitätsverbesserung und Preisgestaltung; Beratung und Unterstützung bei der Vermarktung der Angebote Übernahme von Dienstleistungsaufgaben für Verbände (z.B. Landesfremdenverkehrsverband, DLG) zur Durchsetzung von Maßnahmen der Qualitätsklassifizierung; Abnahme bzw. Verleihung von Qualitätszertifikaten; Übernahme von Schulungsaufgaben z.B. zur Einführung neuer Buchungsverfahren u.a.m. Weiterbildungsangebote zum Fachgebiet Landtourismus u.a.: - Anbieterseminare zu aktuellen Entwicklungstrends in der Branche - Schulungen im Zusammenhang mit der Projektentwicklung und -begleitung - Weiterbildung von Interessenten aus Verbänden und Verwaltungen zum / zur Fachberater/in für Landtourismus / Touristikfachwirte mit IHK-Abschluß Sonstige Weiterbildungsangebote, wie z.B.: Gewinnung, Aufbereitung und Vermarktung von ländlichen Produkten Finanzierung der Leistungen: Die Leistungen des Beratungsdienstes sollten im Rahmen von mit den jeweiligen Partnern (potentielle Anbieter touristischer Dienstleistungen) entwickelten Projekten38. abgegeben und über diese teilweise auch finanziert werden. Die Akquisition von Projektaufträgen erfolgte durch die Fachberater vor Ort37. Als Auftraggeber kamen neben Privatpersonen vor allem Zweckverbände und Kommunen sowie Fremdenverkehrsvereine des ländlichen Raumes infrage. Da nach Beendigung des Modellvorhabens weder eine Anschubfinanzierung für das Unternehmen durch das Land noch andere Voraussetzungen realisiert werden 36 Die Beratungskosten sollten in Absprache mit den Klienten im Rahmen der Projektgesamtkosten mitgeplant werden und bei Absicherung der Projektfinanzierung dem Beratungsdienst zufließen. Das setzte voraus, daß entsprechende Vereinbarungen bereits bei den Vorgesprächen vorbereitet wurden. 37 Einer der wichtigsten Grundpfeiler der Tätigkeit des Beratungsdienstes waren die im Modellversuch geschaffenen landtouristischen Beratungsstellen in Bergen, Ducherow, Kirch-Baggendorf, Viechein, Bad Sülze, Wieck, Ueckermünde, Demmin, Röbel, Dobbertin, Wendorf und Neukloster. 39 konnten, mußte das Vorhaben nach Beendigung des Modellversuches zunächst aufgegeben werden.39 Doch bereits Mitte 1996 konnte die Maßnahme mit Mitteln der Europäische Initiative ADAPT und der Kofinanzierung durch die Arbeitsverwaltung wieder aufgenommen werden40. 11 Teilnehmer41 konnten durch dieses ADAPT-Projekt mit dem Titel: „Bereitstellung von Beratungsleistungen im ländlichen Raum" aufgefangen werden und ihre Arbeit weiterführen.42 3.3 Der Modellversuch im Urteil von Experten anläßlich des Ersten nationalen Fachkongreßes für ländlichen Tourismus in Stralsund Zum Abschluß des Modellvorhabens wurde vom 9. -11. Mai 1996 in Stralsund ein nationaler Kongreß Ländlicher Tourismus durchgeführt, auf dem in einem größerem Rahmen die Ergebnisse des Modellversuches und seine Bedeutung für die Entwicklung 39 Im Anschluß an das Modellvorhaben wurde in Abstimmung mit der Landesregierung nach einer finanzierbaren Form gesucht aus der Beratungs- und Wissensvermittlungsleistungen durch die Teilnehmer im ländlichen Raum professionell organisiert werden konnte. Zielstellung war es, die bereits im letzten Halbjahr (Projektarbeit, siehe oben) erlangte Selbständigkeit und Leistungsfähigkeit der "Fachberater" zu „vermarkten" und die ersten Schritte in dieser selbständigen Tätigkeit zu verfolgen.Die Arumentation für die Etablierung eines Beratungsdienstes in M-V lautete: „Nach Einschätzung des Wirtschaftsministers anläßlich des Landesfremdenverkehrstages 1994 bietet der gesamte Tourismus in Brandenburg 25.000 Menschen feste Arbeitsplätze. Dazu kommen weitere 57.000, die in nachgeordneten Dienstleistungsbereichen vom Tourismus partizipieren. Nach von den Wachstumstendenzen ausgehenden Vorausberechnungen kann die Anzahl der im Tourismus Beschäftigten noch bis auf 100.000 ansteigen. Da sich gegenwärtig im Hotellerie-Bereich, besonders in den oberen Preisklassen bereits Sättigungstendenzen und damit Auslastungsprobleme erkennen lassen, wird sich der Hauptanteil des künftigen Zuwachses auf den ländlichen Raum konzentrieren, was mit der gleichbleibend guten Nachfrage in diesem Bereich unterstrichen werden kann. Neben den bereits angelaufenen Zuwächsen aus Eigenerwirtschaftung wird mit dem Ziel des Abbaus der hohen Arbeitslosenraten auch weiterhin eine beachtliche staatliche Förderung landtouristischer Anbieter und entsprechender kommunaler Projekte zur Infrastrukturverbesserung erforderlich sein. Der Beratungsdienst wird dazu beitragen, eine hohe Effektivität der dafür eingesetzten Mittel zu garantieren. Allerdings darf, wie u.a. die Erfahrungen zur Beratung der ländlichen Kommunen zur Abwasser- und Entsorgungsproblematik zeigen, nicht erwartet werden, daß von Anbeginn eine volle Eigenfinanzierung des Beratungsdienstes aus bezahlten Aufträgen gewährleistet werden kann. Um die Existenz des „Beratungsdienstes"zu sichern, bedarf es auch des politischen Willens für solche Aktivitäten. Seitens der Landesregierung sollten folgende die Arbeit des „Beratungsdienst" unterstützende Maßnahmen in Aussicht gestellt werden: Ausrichtung der Förderrichtlinien ab 1998 auf die Existenz des landtouristischen Beratungsdienstes Berücksichtigung bei der Vergabe landtouristisch orientierter Projekte Übernahme einer Ausfallbürgschaft in einer jährlich zu planenden Größenordnung 40 Folgeprojekt zu dem Modellvorhaben. In der Fortführung geht es um die Erprobung sich auf dieser Grundlage neu entwickelnder Bildungs- und Beratungsstrukturen und in diesem Zusammenhang um die Bereitstellung eines Orientierungs- und Beratungssystems für die Tourismusentwicklung in Mecklenburg- Vorpommern. Es wird vom Landesfremdenverkehrsverband, vom Bauernverband , vom Landfrauenverband sowie vom Landwirtschaftsministerium, vom Wirtschafts- und Sozialministerium in Mecklenburg - Vorpommern unterstützt. 41 Die übrigen Teilnehmer des Modellversuches haben Arbeit auf dem 1. Arbeitsmarkt gefunden. Sie sind als Dozenten, Leiterin eines Fremdenverkehrsvereins, Vertreterin eines Buchungssystems und in kommunalen Aufgaben tätig. 42 Auf Initiative des BIBB wurde ein ähnliches Projekt zur Sicherung von Beratungsleistungen im ländlichen Raum im Land Brandenburg (mit Mitteln der Europäischen Initiative NOW und des Arbeitsamtes Neuruppin ) realisiert. 40 von ländlichen Strukturen im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns und für den ländlichem Tourismus generell erörtert werden. Dabei wurde die generelle Bedeutung von Bildung als Entwicklungsfaktor für den Tourismus als zentrales Thema für diese Veranstaltung bestimmt. Der Kongreß sollte zusätzlich als Plattform für andere erfolgreiche Projekte und Initiativen im Bereich: -ländlicher Tourismusdienen und Interessenten ein breites Spektrum unterschiedlichster Handlungsansätze und Problemlösungen für diesen Bereich anbieten. Zentrales Thema für das Plenum war: Die Bedeutung von Bildung als Entwicklungsfaktor für den Tourismus/ Darstellung und Evaluation des Modellvorhabens: Qualifizierung von Fachleuten zur Anleitung des Aufbaus touristischer Strukturen im ländlichen Raum Aus der breiten Palette der Wortbeiträge zu den einzelnen Schwerpunkten werden im Teil II als Anhang zu dieser Veröffentlichung einige Beiträge vorgestellt. Auf dem Abschlußplenum des o.a. Kongresses wurden durch die Kongreßteilnehmer folgende Forderungen aufgemacht: • Berufliche Bildung im Tourismus ist den besonderen Bedingungen dieses Wirtschaftszweiges anzupassen. Neben den bekannten Bildungsstrukturen und Organisationsformen der Bildung sind neue Wege der Erzeugung von Handlungswissen zu beschreiten. Es muß eine Strategie der Wissensvermittlung vor Ort für das ländliche Gebiet entwickelt werden, die von der Zielgruppe (potentielle Vermieter, Veranstalter, Kommune usw.) angenommen wird. Hierbei kommt es bereits im Vorfeld auf das Zusammenwirken aller an der Tourismusentwicklung interessierten gesellschaftlichen Kräfte an. Der Weg, im Rahmen des vorgestellten Modellversuches in Mecklenburg-Vorpommern, durch Fachberatung im ländlichen Raum entsprechendes Fachwissen bei Leistungsanbietern im Tourismus herauszubilden, ist erfolgsversprechend und sollte weiterentwickelt und erprobt werden. • Kommunale Konzepte für die Entwicklung von Landtourismus sind in Vielzahl und mit ganz unterschiedlichen, regionaltypischen Inhalten vorhanden. Es ist bedauerlich, daß es bisher keine Plattform gibt, auf der sich potentielle Projektträger und / oder die für die Umsetzung dieser Konzepte Verantwortlichen austauschen können. Es wird daher angeregt in regelmäßigen Abständen solche Fachveranstaltungen auf nationaler Ebene zu wiederholen und damit Ideenbörse, Handlungsanleitung (z.B.: Wie komplex muß geplant werden? Wie realisiere ich Projekte? Wie sichere ich die 47 Bildungsmodule wie oben dargestellt müssen ergänzend entwickelt werden und können mit den „Basisqualifikationen" (siehe Abb.) flexible Bildungskonzepte für die Freizeitwirtschaft bilden. Der Inhalt der nachstehend exemplarisch beschriebenen Wissensbausteine (siehe auch Abb.) (Bildungsmodule) bildet Komplexe von Kenntnisse und Fertigkeiten für bestimmte, jeweils abgegrenzt abgebildete Aufgabenstellungen der Tourismuswirtschaft. Als einzelnes Modul (Lernbaustein) oder in Kombination mit anderen Modulen auf vorhandenes Basiswissen „aufgesetzt", können sie ohne überflüssige Aufwand Fachausbildung für bestimmte Aufgaben im Tourismus zu sichern. Diese Module ergänzen eine berufliche Erstausbildung als zertifizierte Zusatzausbildung (z.B.: Hauswirtschafter/in, Reiseverkehrskaufmann /-frau) ebenso wie Fortbildungsregelungen der Erwachsenenbildung (z.B.: Tourismusfachwirt/in47) und führen durch das so erzeugte ergänzende Wissen zu einer erweiterten, speziellen Handlungskompetenz, ohne das für jede Aufgabe, die eine professionelle Aufgabenerledigung erfordert, jeweils ein eigener Beruf geschaffen werden muß. Durch die Flexibilität dieses Bildungskonzeptes wird die arbeitsmarktrelevante Verwertbarkeit von Berufen und bei erwachsenen Menschen vorhandenen Kompetenzen durch einen relativ geringen Aufwand zusätzlicher Bildung erhöht. 1. Tourismuskunde 1.1. Tourismussoziologie 1.2. Reiseland Deutschland 1.3. Organisationsstrukturen und Leistungsträger im Fremdenverkehrswesen 1.4. Rechtsgrundlagen im Tourismus 2. Tourismus und Umwelt 2.1 Schutz und Bewahrung natürlicher Ressourcen 2.2 Strategien des Umweltschutzes im Rahmen touristischer Aufgaben 2.3 Entwicklung regionaler Konzepte für den sanften Tourismus 3. Regionalkunde 3.1 Übersicht über natürliche, touristisch nutzbare Gegebenheiten 3.2 Darstellung der geschichtlichen Entwicklung, des Brauchtums und regionaler Traditionen 3.3 Übersicht über regionale Kunst- und Kultur 3.4 Darstellung der Verkehrs-und Wirtschaftsstruktur 3.5 Über Finanzierungen unterschiedlicher Projekte Auskunft geben; regionale Fördermöglichkeiten und -wege der öffentlichen Hand aufzeigen 47 Fortbildungsregelung der IHK Rostock: Tourimusfachwirt/in mit dem Schwerpunkt: Fremdenverkehr oder dem Schwerpunkt Reiseverkehr Dieser Bildungsabschluß (die Bildungsmaßnahme enthält neben weiteren bereits die Lerninhalte der Module 1, 2, 4 und 5) kann durch das Modul 1 ergänzt werden und so z.B. für eine regionale Beratungstätigkeit zur Entwicklung von Tourismus im ländlichen Raum vorbereiten. 48 4. Marktforschung und Marketing 4.1 Erfassen von Marktinformationen 4.2 Entwickelung und Festlegung von Marketingstrategien 4.3 Umsetzen von Marketingkonzepten 5. Wirtschaftskunde 5.1 Rechtliche Rahmenbedingungen des Wirtschaftens 5.3 Büroorganisation Weitere Themen könnten sein: - Informationstransfer/ techn. Kommunikationssysteme im Tourismus; - Sprache; - Reiseorganisation und Reisedurchführung; - Soziale Kompetenz; - pädagogische und psychologische Instrumentarien der Gästebetreuung; - Didaktik und Methodik der Informationsvermittlung und Kommunikation; - Präsentation und Gesprächsführung; usw. Für Aufgabenstellungen wie: Reiseleitung, Gästebetreuung (Stadt/ Land), Freizeitberatung, Veranstaltungs-, Messe- und Kongreßorganisation sowie für neue Kommunikationsaufgaben sind die Qualifikationen im nationalem und transnationalen Rahmen zu entwickeln. Im Rahmen der für den Tourismus notwendigen, flexiblen Gestaltung von Berufsbildungssystemen muß jeweils entschieden werden, ob der für solche Aufgabenstellungen notwendige Qualifikationsbedarf einen eigenen Beruf rechtfertigt oder ob der Bedarf über Zusatzqualifikationen (siehe oben) abgedeckt werden kann. 4.3 Transnationale Aktivitäten Entwicklung beruflicher Bildung im Tourismus in Europa Durch die Initiative des Bundesinstitut für Berufsbildung, mit der Qualifikationsforschung im Rahmen eines Forschungsprojektes (FP.: 3.2003 „Grundlagen für die berufliche Qualifizierung in der Freizeitwirtschaft") auch europäische Dimensionen zu erfassen und die Ergebnisse des Modellvorhabens der beruflichen Bildung in Mecklenburg-Vorpommern zur Nutzung und weiteren Erprobung weiterzureichen, sind einige transnationale Projekte entstanden. Das ADAPT - Projekt in Mecklenburg-Vorpommern und das NOW - Projekt in Brandenburg sind direkte Weiterführungen bzw. Übernahmen des o.g. Modellvorhabens. 49 Weitere transnationale Projektinitiativen im Tourismus sind: a) EUROTOURISM ist eine ADAPT Initiative, an der Partner aus 12 europäischen Ländern mit 9 Projekten aus dem Bereich „Tourismus" beteiligt sind. Die deutschen Partner sind die FDB-Schulen (zur Zeit ohne Projekt) und die Arbeitsgemeinschaft für Urlaub und Freizeit auf dem Lande (AGUFL) e.V. aus Mecklenburg- Vorpommern. b) ADAPT: Titel: „Bereitstellung von Beratungsleistung für die Entwicklung des ländlichen Raumes (Tourismus) und Qualifizierung von Fachberatern für diese Aufgabe" Träger der Maßnahme: AGUFL e.V. Mecklenburg-Vorpommern c) NOW: Titel: „Qualifizierung von Frauen auf dem Lande/ Bereitstellung von Beratungsleistung für die Entwicklung des ländlichen Raumes (Tourismus)/ Entwicklung eines professionellen Beratungsdienstes". Das Projekt wurde aus dem Modellversuch in Mecklenburg-Vorpommern entwickelt. Träger der Maßnahme: Verein zur Förderung von Urlaub und Freizeit auf dem Lande in Brandenburg e.V. d) LEONARDO: Titel: „Entwicklung transnationaler Bildungsbausteine für das Management im Tourismus auf der Grundlage vereinbarter Aufgabenebenen".48 Träger der Maßnahme : Bildungszentrum der IHK Rostock - Haus der Wirtschaft Stralsund Zielvorstellung des Pilotprojektes: 1. Abgeleitet von der Unmöglichkeit, die Berufsausbildungsysteme der Partnerstaaten der EU in ihren unterschiedlichen Strukturen, Organisationsformen, inhaltlichen Festlegungen, Abschlüssen und Anforderungsprofilen miteinander zu vergleichen bzw. bruchlos für die Menschen transnational nutzbar zu machen, sollen mit diesem Projekt auf der Grundlage der staatlichen Autonomien gemeinsame Wege der beruflichen Weiterbildung herausgearbeitet werden. 2. International zeichnet sich die Tourismus- und Fremdenverkehrswirtschaft dadurch aus, daß sie nicht durch bestimmte, festgefügte Berufsbilder geprägt ist. In dieser Wirtschaftsbranche sind auf den verschiedenen Ebenen der Entscheidungs- und Handlungskompetenzen - auch international - eher „Seiteneinsteiger" mit unterschiedlichen Qualifikationsprofilen tätig. 3. Diese spezifischen strukturellen Voraussetzungen bieten die Möglichkeit, zunächst unabhängig von Berufsbildern und Abschlüssen - im ersten Schritt - hierarchische Qualifikationsebenen zu definieren und die entsprechenden Anforderungen (Sozial- und Handlungskompetenzen) zu benennen. 4. In einem zweiten Schritt sollen die unterschiedlichsten fachlichen Anforderungen (Fachkompetenzen) definiert werden, die für bestimmte Tätigkeiten erforderlich sind. 5. So entstehen Anforderungsprofile für verschiedene Tätigkeiten, auf deren Grundlage Qualifikationsmodule entwickelt werden können, die dann transnational umgesetzt werden. 6. Durch die Vereinbarung von Mindestanforderungen und zusätzlichen Anforderungen spezifischer Tätigkeitsfelder werden so „Berufsbilder" entstehen, die regional angepaßt sind, flexibel erweitert werden können und durch die Wahl weiterer Module zusätzliche Einsatzmöglichkeiten für Arbeitnehmer/innen möglich machen. 7. In der Erarbeitung eines solchen innovativen Modells werden ständig die nationalen Gemeinsamkeiten herausgearbeitet, dokumentiert und Vorschläge der Umsetzung erstellt. 50 e) Projektvorhaben, die zur Zeit noch im Beantragungsstadium sind: Titel: „Entwicklung von Bildungsbausteinen für das Beherrschen der technischen Kommunikation in unterschiedlichen Zusammenhängen (Tourismus)" (LEONARDO) Träger: FDB-Schulen Ludwigsburg (im Rahmen der Initiative von EUROTOURISM ) Titel: „Qualitätsmanagement für Dienstleistungsanbieter im Incoming Tourismus/ Entwicklung von interaktiven Multimediasystemen zur Anleitung und Wissensvermittlung für Klein- und Mittelbetriebe in Zusammenarbeit mit bestehenden Online-Dienstleistern" (Zusammenarbeit mit Bayern-Line) (ADAPT) Träger: FDB-Schulen Ludwigsburg (im Rahmen der Initiative von EUROTOURISM ) Titel: Qualifikationen für das mittlere Management im Incoming-Bereich Entwicklung von Lernmitteln und Handreichungen (Kalkulation, Marketing, Sprachen usw.) (Leonardo) Träger: Arbeitsgemeinschaft für Urlaub und Freizeit auf dem Lande in Mecklenburg- Vorpommern e.V. Titel: Evaluieren, Erfassen und Darstellen intern. Projekte für den Tourismus (LEONARDO) Träger der Maßnahme: Universität Upsala / Schweden Titel: Erstellung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte als Nebenerwerb bäuerlicher Betriebe Träger: Verein für Arbeit und Bildung e.V. Adressen von Trägern touristischer Förderprojekte a) deutsche Projektträger Arbeitsgemeinschaft für Urlaub und Freizeit auf dem Lande Mecklenburg-Vorpommern e-V. Griebnitzer Weg 2 18196 Dummerstorf Geschäftsführer: Dr. Schwiderski, Tel.: 038208-60672 (ADAPT) Partner im Rahmen von EUROTOURISM Verein für Arbeit und Bildung Griebnitzer Weg 1 18196 Dummerstorf Bildungszentrum der IHK Rostock Haus der Wirtschaft Stralsund Lübecker Allee 2-4 18437 Stralsund Projektleiter: Herr Reibstein (LEONARDO) Verein zur Förderung von Urlaub und Freizeit auf dem Lande in Brandenburg e.V. Am Raubfang 6 14469 Potsdam Geschäftsführer: Herr Fiebelkorn, Tel.: 0331-500037 (NOW) 51 Bayern Tourismus Line Dr. Schindler Str. 7 94107 Untergriesbach Projektleiter: HerrA. Mair, Direktor der Volkshochschule Passau, Tel: 08593-90060 FDB-Schulen Marstal Center MIO -12 71634 Ludwigsburg Direktor: Herr Menzel Tel: 07161-14929 Projektleiterin: Frau Lore Schröter Tel: 07161-14929 Partnerin! Rahmen von EUROTOURISM b) transnationale Projektträger („Eurotourism"- ADAPT PROMOTER Associazione Innova - Centro Euromediterraneo per lo Svifuppo Sostenibile Via Giuseppe Puglisi Bertolino, 4 90139 PALERMO-I Projectmanger.: dott. Salvatore Messina, general director Tel.: 091 - 582342 / Fax: 091 - 581413 Associate Partner OpenStudio di Jesse Marsh & C Via Libertä 135 90143 PALERMO-I Projectmanager: Jesse B.T. Marsh, Partner and legal repräsentative Tel.: 091 -6253378 Fax: 091 - 6253478 Lollands Handelsskole International Afdeling Jernbanegade 14 DK - 4930 Maribo Projectmanager: Birte Aagaard Tel.: +45 54755022 / Fax: +45 54755410 Promoter COT Campania P.zza Caritä, 32 I-80134 Napoli Project manager: Lorenzo Fiorito Provincie West-Vlaanderen Koning Leopold Ill-Iaan 41 B - 8200 Sint-Adries Project manager: Ms. R. Vantiegem, Ms. Kristien Vandamme Tel.: +32 50403428 Fax: +32 50403100 Internationaler Bund - Offenbach Berliner Str. 170-172 D - 63067 Offenbach Project manager: John Toal Tel.:+39 817144351 / Fax:+39 817142781 Tel.: +49 61985730 / Fax: +49 6198573444 Oves 34 Veranzerou Str. 104 32 Athens Project manager: Aristidis Hatzisavidis Tel.: +30 15228191 / Fax: +30 15228191 ALA/Sveriges landbruksuniversitet Box 7013 S - 75007 Uppsala Project manager: Ulf Brangenfedt University of Joensuu Continuing Education Centre P.O. Box 111 SF-80101 Joensuu Project manager: Hilkka Kuisma Helena Miettinen Tel.: +358 731513230 / Fax: +358 731514538 Provincie Zeeland PNO Breda B.V. Catharinastraat 16 NL-4811XH Breda Project manager: Diedrik Jansen Tel.: +46 18671912 / Fax: +46 18671980 Tel.: +31 765212122 / Fax: + 31 765210777 52 University of Naples KET-MIT Associazione Europea ROMA 34A Averof str. 1957 N. lonia Greece Via Laviano, 64 Project manager: Mr. Panagiotis I - 80100 Caserta Michalopoulo, Mr. Dimitris Papayiannis Project manager: Mrs. Emilia BelfioreTel.:+30 12184561 upto69 Tel.: +39 823354834 Fax: +30 12184560 Fax: +39 823354834 Welsh Joint Education Committee European development Offi. 245 Western Avenue Llandaf UK-Cardiff Project manager: Michael German Tel.: +44 1222265035 Fax .+44 1222576201 Die im Rahmen dieser Aktivitäten erzielten Ergebnisse werden durch a) diverse Veröffentlichungen und b) durch Fachkonferenzen Form der Öffentlichkeit vorgestellt. Das NOW-Projekt: „Qualifizierung von Frauen auf dem Lande/ Bereitstellung von Beratungsleistung für die Entwicklung des ländlichen Raumes (Tourismus)/ Entwicklung eines professionellen Beratungsdienstes" wird Ende 1997 beendet. Im November 1997 wird daher in Netzeband (Prignitz, Land Brandenburg) eine Fachkonferenz zusammen mit den Partnern aus Portugal und Frankreich ausgerichtet, die Ergebnisse des Projekts erörtern wird. Veranstalter ist der Träger des Projekts, der Verein zur Förderung von Urlaub und Freizeit auf dem Lande in Brandenburg e.V., Am Raubfang 6 14469 Potsdam Geschäftsführer: Herr Fiebelkorn, Tel.: 0331-500037 Die Projekte EUROTOURISM 49 und ADAPT („Bereitstellung von Beratungsieistung für die Entwicklung des ländlichen Raumes (Tourismus) und Qualifizierung von Fachberatern für diese Aufgabe") werden Ende des Jahres 1998 auslaufen. Die Partner haben vereinbart im Herbst 1998 in Rostock eine internationale Tourismuskonferenz auszurichten und hier die Ergebnisse sowohl der EUROTOURISM - Aktivitäten als auch des ADAPT Projekts in Mecklenburg-Vorpommern vorzustellen und mit einer transnationalen Fachöffentlichkeit zu diskutieren. Veranstalter ist die Arbeitsgemeinschaft für Urlaub und Freizeit auf dem Lande e.V. Griebnitzer Weg 2 18196 Dummerstorf Geschäftsführer: Dr. Schwiderski, Tel.: 038208-60673 49 ADAPT Initiative, an der Partner aus 12 europäischen Ländern mit 9 Projekten aus dem Bereich „Tourismus" beteiligt sind Teil II Teil II Ergebnisse und Berichte der modellhaften Erprobung von Weiterbildungskonzepten im ländlichen Tourismus 1994-1996 Teil II: Ergebnisse und Berichte Inhaltsverzeichnis 1. Erster nationaler Kongreß für ländlichen Tourismus 1996 in Stralsund 2. Entwurf: Qualifikationskatalog zur Fortbildung von Reiseleitern / Reiseleiterinnen 3. Entwicklungen in der Weiterbildung für Bereich: Kur- und Fremdenverkehr 3.1 Neue Regelungen zum Touristikfachwirt / zur Touristikfachwirtin mit dem Schwerpunkt: „Fremdenverkehr" oder„Reiseverkehr" (Fortbildungsregelung der IHK Rostock 1996) 3.2 Qualifikationskatalog für die Ausbildung zum Touristikfachwirt/ zur Touristikfachwirtin mit dem Schwerpunkt - Fremdenverkehr - 3.3 Qualifikationsmodul: - Fachberater / Fachberaterin für Landtourismus - 56 Ergebnisse und Berichte 1. Erster nationalen Kongreß für ländlichen Tourismus 1996 in Stralsund Im Anschluß zum Modellvorhaben: Qualifizierung von Fachleuten zur Anleitung des Aufbaus touristischer Strukturen im ländlichen Raum , wurde ein nationaler Kongreß für ländlichen Tourismus durchgeführt. Der Kongreß fand vom 9. Mai bis 11.Mai 1996 im IHK Bildungszentrum / Haus der Wirtschaft in Stralsund statt. Der Kongreßrahmen wurde durch die Aufgabenstellung: „ Entwicklung von Tourismus im ländlichen Raum" bestimmt. Das Anliegen war, die Bedeutung von Bildung als Entwicklungsfaktor für den Tourismus herauszustellen und die Ergebnisse des Modellvorhabens vorzustellen und zu diskutieren. Veranstalter war die Arbeitsgemeinschaft für Urlaub und Freizeit auf dem Lande M-V e.V. in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Neben einem Plenum zum Hauptthema wurden Workshops und Ausstellungen für die Diskussion über Bildungsstrategien und zur Darstellung von Projekten und Initiativen, für Bildungsanbieter und private Unternehmer im Freizeitsektor durchgeführt. Die Themen der Workshops lauteten: • Kommunale Konzepte für die Entwicklung des Landtourismus • Das richtige „Know how" für touristische Dienstleistungen • Umweltschutz, Tourismus und berufliche Bildung • Land-, Bäder- und Städtetourismus In Vorbereitung des Kongresses wurde ein Programmkomitee begründet, dem die Maßnahmen für die Ausführung und die Inhalte vorgelegt wurden und mit dem die einzelnen Schritte diskutiert wurden. Durch seine Entscheidungen sicherte es die Akzeptanz und förderte die Bedeutung dieses Kongresses. Das Programmkomitee bestand aus Vertretern der folgenden Institutionen und Verbände: - Ministerium für Wirtschaft und EU-Angelegenheiten Mecklenburg-Vorpommern - Ministerium für Landwirtschaft und Forsten Mecklenburg-Vorpommern - Landesfremdenverkehrsverband Mecklenburg-Vorpommern - Bundesarbeitsgemeinschaft für Urlaub und Freizeit auf dem Lande - Verband der Kur- und Fremdenverkehrsfachleute (VdKF) - IHK Rostock - Bundesinstitut für Berufsbildung - Landwirtschaftliche Universität Wageningen - Einzelpersonen - Marketing / Teilnehmeraquisition Für fachliche Begleitung und Hilfe bei der Ablauforganisation sorgten im übrigen die Teilnehmer des Modellvorhabens und in Kooperation mit ihnen ein Ausbildungsgang: „Kongreßfachwirt" der Fachschule „SSI am Alex", die im Rahmen ihrer Ausbildung unter Leitung ihres Mentors, Herrn Dietmar Hennig von der Congress Consult Gesellschaft, damit wichtige Praxiserfahrungen machen konnten. 57 Diskussionsbeiträge Joachim Fiebelkorn Verein zur Förderung von Urlaub und Freizeit auf dem Lande in Brandenburg e.V. Entwicklung des ländlichen Tourismus ist nur als Bestandteil der Entwicklung der ländlichen Räume möglich Tourismus im ländlichen Raum wird als ein Bestandteil von Erwerbstätigkeit im Rahmen dörflich geprägter Infrastruktur aufgefaßt. Angesichts der bekannt niedrigen Erwerbsquote insbesondere in den ländlichen Räumen - übrigens nicht nur in den jungen Bundesländern, sondern auch zunehmend in den alten Bundesländern - und der damit einhergehenden individuellen und gesellschaftlichen Folgen kommt daher gerade dem Entwicklungsaspekt eine wichtige ökonomische wie gesellschaftliche Funktion zu. Was heißt aber Entwicklung? Greift eine nur auf den Tourismus bezogene Entwicklung nicht zu kurz, weil sie sich nur auf einen Teilbereich bezieht? Weiter gefragt: wenn die Entwicklung übergreifender, d.h. komplex geplant wird, wie verhält es sich dann mit dem Aspekt der Entwicklung gerade des Tourismus? Entwicklung wird in diesem Zusammenhang gerne mit dem Attribut „integriert" versehen, bspw. in Brandenburg. Hier gibt es, wie auch in den anderen Bundesländern, ein Programm zur „Integrierten Ländlichen Entwicklung", kurz ILE genannt. Was bedeutet aber „Integration", was ist zu „integrieren"? Im herkömmlichen (politischen wie im Verwaltungszusammenhang) Diskurs wird Integration als Zusammenführung oder Bündelung von politischen Maßnahmen und (Förder-) Programmen verstanden, d.h. die Bündelung von finanziellen Mitteln aus unterschiedlichen (zumeist EU - finanzierten) Fonds und Haushaltsplänen. Angesichts der dringenden Notwendigkeit der Entwicklung der ländlichen Räume ist es aber erforderlich, Entwicklung als dauerhaften Prozeß zu gestalten, d.h. Integration muß über ein abgestimmtes Ineinandergreifen von einschlägigen Politikbereichen hinausgehen, wenn der Prozeß „nachhaltig" wirkend gestaltet werden soll. Integration sollte daher über eine Verkettung aller bestimmenden Faktoren zu einer Vernetzung der Region führen. Es ist daher zu fragen, welche Ziele im Rahmen einer Entwicklung erreicht werden sollen, um die Entwicklung tatsächlich als „integriert" zu bezeichnen? Aus meiner Sicht sind Projekte dann als „integriert" zu bezeichnen, wenn sie (zumindest theoretisch, d.h. vom Anspruch her) folgende Zielsetzung haben: Stabilisierung, Erhöhung oder Verbesserung der regionalen - Produktion und Dienstleistung - Verkäufe - Beschäftigung - Einkommen - ökologische Bedingungen - soziale Bedingungen - soziokulturelle Bedingungen - Qualifizierung - Kommunikation und Information. Dabei nimmt nach meiner Meinung der Grad der Integration dann zu, wenn die o.g. Projektaktivitäten nicht nur miteinander verflochten werden, d.h. unterschiedliche Ziele „integriert" verfolgen, sondern insbesondere dann, wenn die einzelnen Bereiche durch „wertschöpfende Ketten" miteinander verbunden und verflochten werden. 64 Ralf - Dietrich Schilling Mediatour - Werbegesellschaft Kommunale Konzepte für die Entwicklung von Landtourismus Modellvorhaben Einkommenssicherung durch Dorftourismus Über Sinn und Unsinn von Konzepten sollte man sich vor einer Auftragsvergabe intensivere Gedanken machen. Im Laufe der letzten Jahre zeigte es sich, daß die Fremdenverkehrskonzepte, die in Mecklenburg-Vorpommern erstellt wurden, bei den Auftraggebern die Aktenschränke und bei den beauftragten Beratungsbüros die Kassen füllten. Ich behaupte, daß über 95% aller erstellten Konzepte bis heute nicht praxisorientiert umgesetzt wurden. Dann steht in der Überschrift noch der Begriff "Landtourismus". Die Fachleute in den neuen und alten Bundesländern erklären den Begriff sehr unterschiedlich. In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen- Anhalt und in Thüringen versteht man darunter "Urlaub im ländlichen Raum" und in den alten Bundesländern "Urlaub auf dem Bauernhof. Wir sollten uns einmal fragen, was der durchschnittliche Gast beim Begriff "Landtourismus" erwartet. Einkommenssicherung durch Dorftourismus, so wurden die Modellvorhaben nicht nur im mecklenburgischen Dorf Glaisin, sondern auch in den vier anderen neuen Bundesländern, in der ersten Euphorie genannt. Einkommen sichern bedeutet zuerst eine längere Investitionssphase, in der Kredite getilgt und die Auslastung gesteigert werden muß. Heute, nach Abschluß der zweieinhalbjährlichen Projektzeit nennen wir die vom Landkreis Ludwigslust unterstützte Folgemaßnahme "Initiative zur Entwicklung der Region SW-Mecklenburgs". Im Herbst 1992, als die ersten Gespräche über ein mögliches Modellvorhaben Einkommenssicherung durch Dorftourismus zwischen den beteiligten Bundes- und Landesministerien stattfanden, war die wirtschaftliche Lage und die Stimmung der Bevölkerung in den ländlichen Regionen M/V sehr negativ. Die zukünftige Entwicklung der Landwirtschaft war noch nicht absehbar. Ungeklärte Eigentumsverhältnisse und täglich steigende Arbeitslosenzahlen bestimmten die damalige Situation. Dem gegenüber stand ein breitgefächertes Förderinstrumentarium besonders für ländliche Regionen in den neuen Bundesländern - Maßnahmen zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur, zur Verbesserung der Agrarstruktur, EG-Mittel, Förderung der kommunalen und privaten Dorfemeuerung und spezifische Maßnahmen des Landes. Für potentielle Investoren von landtouristischen Aktivitäten war das damalige vielseitige Förderangebot kaum mehr überschaubar. Selbst Experten hatten Schwierigkeiten, die Möglichkeiten der Verknüpfung unterschiedlicher Fördermaßnahmen zu erkennen und umzusetzen. Beratungskräfte für den landtouristischen Bereich standen in M/V zum damaligen Zeitpunkt nicht zur Verfügung. Basierend auf dieser schwierigen Ausgangssituation handelten die Verantwortlichen schnell und unbürokratisch und legten die folgenden Vorgaben für die Modellvorhaben in den fünf neuen Bundesländern fest Förderung qualitativ hochwertiger Gästebeherbergungsmöglichkeiten Ergänzung durch regions- und ortstypische Freizeitangebote 65 Stimulierung der Produktion regional- und ortstypischer Produkte und Dienstleistungen Entwicklung "von unten nach oben" Finanzierung der notwendigen Investitionsmaßnahmen nicht durch zusätzliche Mittel, sondern durch volle Ausschöpfung aller bereits vorhandenen Fördermöglichkeiten im Bereich der Wirtschafts- und Landwirtschaftsförderung einschließlich der Dorferneuerung und spezifischer Landesprogramme. (z.B. zur Erhaltung historischer Bausubstanz) Durch die Vorgabe, Investitionen nur mit Hilfe bereits vorhandener Fördermöglichkeiten, und nicht etwa im Wege besonderer Fördermittel für die Modelldörfer zu unterstützen, sollte erreicht werden, daß auch andere "Nichtmodelldörfer" unter Normalbedingungen ähnliche Vorhaben durchführen können. Im Herbst und Winter 1992 haben die Ministerien für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bonn und Schwerin - und natürlich auch in den anderen neuen Bundesländern - gemeinsam ausgewählt. Hierbei kam es nicht darauf an, besonders für den Tourismus geeignete Orte zu finden, sondern Gemeinden mit unterschiedlicher, aber nicht besonders herausragender Eignung als Urlaubsort. Auf diese Weise sollten die Chancen des Landtourismus in "Allerweltsdörfem" erprobt und für andere Interessierte als Pilotvorhaben präsentiert werden. Vertreter des Bundeslandwirtschaftsministeriums und des Landwirtschaftsministeriums in Schwerin haben im Herbst 1992 die Gemeinde Glaisin ausgesucht, als Modelldorf in M/V für das Projekt:Einkommenssicherung durch Dorftourismus Glaisin, werden die fragen, die das Modellvorhaben noch nicht kennen - wo liegt das? Glaisin liegt etwa 11 km südwestlich von Ludwigslust, vor der Kreisreform im Altkreis und im neuen Kreis Ludwigslust. Im November 1992 und im Januar 1993 wurde den Glaisinern während zweier Bürgerversammlungen das Modellvorhaben vorgestellt und fand Zustimmung. Trotzdem haben sie die Projektaktivitäten anfänglich kritisch beobachtet. Da aber der Bürgermeister voll hinter dem Projekt stand und sich nach 1 bis 11/2 Jahren die ersten sichtbaren Erfolge zeigten, hat sich die Einstellung der Bevölkerung sehr positiv entwickelt. Glaisin hat eine Fläche von 1.456 ha, davon sind nur 3.57 ha bebaut. Die reine Wohnbebauung beträgt sogar nur 1.43 ha. Die übrigen Flächen sind Ackerland, Grünland und Wald. Dieses Naturpotential bietet eine ideale Grundlage für eine positive touristische Entwicklung. Zu Beginn des Modellvorhabens wohnten in Glaisin 398 Einwohner, davon 112 Kinder und Jugendliche. Tätig waren in der Landwirtschaft ca. 30 Mitbürger, im produzierenden Gewerbe ca. 47 und im Handel und Verkehr ca. 72 Personen. 97 Personen waren Anfang Mai 1993 Vorruheständler und Rentner, keine Arbeit hatten ca. 40 Einwohner. Bevor ich den Ablauf der Modellaktivitäten darstelle, möchte ich die abschließende Einschätzung des Glaisiner Bürgermeisters vorlesen: "Glaisin - unser Dorf ist attraktiver geworden. Entgegen der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung in anderen Regionen M/V, ist die Einwohnerzahl in Glaisin leicht steigend. 66 In den vierzig Jahren vor Beginn des Modellvorhabens sind insgesamt nur vier Neubauten errichtet worden. Während der 2-jährigen Projektdauer wurden fünf Neubauvorhaben abgeschlossen und für weitere drei Maßnahmen lagen Ende Mai 1995 Bauanträge vor. Gegen den Trend in anderen vergleichbaren Gemeinden konnte in Glaisin der Kindergarten und die örtliche Gemischtwarenverkaufsstelie erhalten werden. Die medizinische Massagepraxis, die kurz vor Beginn des Modellvorhabens eröffnet wurde, hat sich überdurchschnittlich positiv entwickelt. Innerhalb kürzester Zeit konnten hier zwei neue qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Einwohner Glaisins leben gern in ihrer Gemeinde und die Motivation, sich aktiv am vielseitigen Vereinsleben zu beteiligen, hat deutlich zugenommen." Ich denke, daß diese positive Einschätzung des Bürgermeisters sehr realistisch ist. Vielleicht war die Erwartungshaltung der beteiligten Ministerien und auch meine am Anfang höher als tatsächlich realisiert werden konnte. Aber es ist in den 2 1/2 Projektjahren schon viel Positives erreicht worden und was mich als Berater sehr freut, nach Ende des Modellvorhabens geht es Schritt für Schritt weiter. Neben der Erstellung eines Fremdenverkehrsentwicklungskonzeptes für die Region rund um Glaisin war die Beratung der Kleininvestoren, der zukünftigen Gastgeber, die wichtigste Aufgabe. Vier Aufgaben, darüber waren sich der Zuwendungsempfänger und Verantwortliche für das Modellvorhaben, der Fremdenverkehrsverband Schweriner Land - Westmecklenburg und das Planungsbüro Mediatour einig, müssen im Mittelpunkt der Arbeit des zukünftigen Landtourismusberaters stehen: Information - Motivation - Beratung und Unterstützung Es war nicht leicht einen geeigneten Berater zu finden, denn wir haben damals sehr schnell erkannt, daß der ideale Landtourismusberater eigentlich mehrere Berufe haben müßte. Eigentlich die wichtigste Aufgabe ist die psychologische Betreuung der zukünftigen Investoren und Gastgeberhier wäre ein Psychologe gefordert. Bei der Existenzgründung geht es auch um den ökonomischen Bereich - er müßte Betriebswirt sein. Eine Frage war bei den Beratungen auch immer wieder, wie man das Gebäude verändern kann, um eine gastfreundliche Ferienwohnung zu bekommen. Hier wäre ein bißchen Architekt gefordert gewesen. Rechtliche Fragen, die in jedem zweiten Beratungsgespräch gestellt wurden, hätte am besten ein Jurist beantwortet. Steuerliche Aspekte spielten bei fast allen Investitionsentscheidungen eine wichtige Rolle - also auch die Position eines Steuerberaters wäre notwendig gewesen. Eingestellt wurde eine Ökonomin, die nach einer gründlichen Ausbildung und einer regelmäßigen Weiterbildung während der gesamten Projektlaufzeit, die Beratung der Investoren im Bereich "nichtgewerbliche Gastgeber" übernommen hat. Fragen hatten sowohl die zukünftigen Gastgeber, als auch der Bürgermeister und die Gemeinderäte in großem Umfang: Warum sollen zu uns Urlauber kommen? Lohnt es sich überhaupt? Was erwartet der zukünftige Gast bei uns? Sehr wichtig war ihnen die Frage, welche Vor- und möglicherweise auch Nachteile die Mitbürger durch ein touristisches Angebot hätten? 67 Vor Beantwortung solcher Fragen, sollte sich jeder Landtourismusberater über seine Verantwortung klar sein. Eine falsche Investitionsempfehlung z.B. kann den Ratsuchenden in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen. Um die Frage nach Rentabilität zu beantworten, mußten wir für jede Maßnahme eine, auch für den späteren Kreditantrag erforderliche, Wirtschaftlichkeitsberechnung durchführen. Als erster Schritt wurden alle Angebote für mögliche Baumaßnahmen gesammelt und die Gesamtkosten ermittelt. Dann wurde das vorhandene Eigenkapital und zu erwartende Fördermittel erfaßt. Abschließend wurde das erforderliche Fremdkapital, einschließlich aller Finanzierungsnebenkosten errechnet. Danach haben wir eine sehr vorsichtige Schätzung der Belegungstage durchgeführt. Meist sind wir bei der Berechnung von 90 bis max. 100 Tagen ausgegangen. Aus den Gastgeberverzeichnissen der Nachbarregionen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben wir die Preise gleichwertiger Angebote entnommen. Großen Wert haben wir auch auf die möglichst genaue Ermittlung der zukünftigen fixen und variablen Kosten gelegt, da diese im landtouristischen Bereich in ganz Deutschland häufig unterschätzt werden. Nun konnten wir für die möglichen Gastgeber auch nachvollziehbar sagen, in welchem Zeitraum die Kredite zurückgezahlt sind. Was erwartet den zukünftigen Gastgeber? Es gibt zwei Arten von Gastgebern, bzw. Gastgeberfamilien. Die einen, die geborenen Gastgeber können das einfach. Sie freuen sich über jeden Gast, auch wenn es der Berater ist, der ihnen bei der Verbesserung ihres Angebotes und ihrer Gastgeberrolle weiterhilft. Andere werden wahrscheinlich auch nach 100 Schulungsmaßnahmen keine perfekten Gastgeber sein. Wichtig ist es für den Berater die ganze Familiensituation zu durchleuchten. Meine Erfahrung ist, daß meist die Frauen die Initiative ergreifen. Während des Beratungsgespräches sitzen die Männer unbeteiligt, Zeitung lesend oder fernsehend herum und interessieren sich offenbar überhaupt nicht für die Fragen, die ihre Frauen besprechen wollen. Ein Problem hat sich bei allen 5 Modellvorhaben in den neuen Bundesländern ergeben. Die Berater kamen aus dem gleichen Dorf und sollten jetzt plötzlich ihren Nachbarn erklären, warum sie als Gastgeber nicht geeignet waren. Die Berater haben in solchen Fällen meistens versucht, über die möglichen Schwierigkeiten die bei der Finanzierung auftreten können, ein wenig den Mut zu einer Investition zu nehmen. Leider fehlt mir in der heutigen Veranstaltung die Zeit, mit ihnen noch über die oft entscheidenden Fragen der Vermarktung landtouristischer Angebote zu diskutieren. Die meisten Gastgeber haben gar kein Verhältnis zur Öffentlichkeit und mitunter wirklich hervorragende Angebote werden nicht nachgefragt, weil sie der potentielle Kunde nicht wahrgenommen hat. 68 Claudia Smettan Deutsches Wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr Tourismus in den Großschutzgebieten von Mecklenburg - Vorpommern Mit der Verabschiedung des Nationalparkprogrammes durch die letzte DDR - Regierung wurden in Mecklenburg - Vorpommern zehn Großschutzgebiete gesetzlich gesichert bzw. vorläufig festgesetzt. Dies sind die drei Nationalparke Vorpommersche Boddenlandschaft, Jasmund und der Müritz - Nationalpark, das Biosphärenreservat Südost - Rügen sowie die Naturparke Schaalsee, Mecklenburgisches Elbetal, Nossentiner / Schwintzer Heide, Feldberger Seeniandschaft, Usedom und Rügen. Diese herausragenden Natur- und Kulturlandschaften galt es, seit der Wende verwaltungstechnisch und organisatorisch aufzubauen und - ihrem Schutzziel entsprechend - auszugestalten und zu entwickeln, neben dieser Aufbauarbeit in den Schutzgebieten waren die neuen Verwaltungen der Schutzgebiete vielfachem Druck von außen ausgesetzt, handelte es sich doch in den meisten Fällen gleichzeitig um attraktive Fremdenverkehrsräume und Ausflugsziele. Auch die Gemeinden im Umfeld der Schutzgebiete förderten eine rasche wirtschaftliche Entwicklung. Unter dem Titel „Sozioökonomie unter besonderer Berücksichtigung des Tourismus in den Großschutzgebieten Mecklenburg - Vorpommerns und ihren Randbereichen" (kurz Sozioökonomie - Projekt) fand ein dreijähriges Forschungsvorhaben (12/92 -12/95) statt, das sich mit der wirtschaftlichen - in vielen Fällen touristische - Entwicklung in und um die Großschutzgebiete beschäftigte. Auftraggeber waren Bund und Land, vertreten durch das Umweltbundesamt sowie das Wirtschafts- und das damalige Umweltministerium Mecklenburg - Vorpommerns. Ziel war es, neben grundlegenden Forschungsarbeiten, zum Ausgleich zwischen den Interessen des Naturschutzes und der Wirtschaft beizutragen. Ein Koordinierungsbüro in räumlicher Nähe zum Nationalparkamt sorgte für schnelle Präsenz vor Ort und direkten Informationsfluß zwischen den Schutzgebieten und den Projektbearbeitern, neben kurzfristigen Hilfestellungen zu aktuellen Problemen wurden eine Reihe praxisorientierter wie auch eher wissenschaftlicher Themen bearbeitet. Im Vordergrund stand jeweils die Unterstützung der Großschutzgebietsverwaltungen in ihrer Arbeit, aber auch die Suche nach wirtschaftlichen Perspektiven für die Anliegergemeinden. Im Kontext dieses Projektes konnten mannigfache Erfahrungen und Erkenntnisse über die Schutzgebiete gesammelt sowie Vorstellungen entwickelt werden, wie die Schutzgebiete ihrem gesetzlichen Auftrag, Angebote für die Erholung in landschaft und Natur wie auch zur Umweltbildung zu schaffen, erfolgversprechend nachkommen können. Die Diskussion um die zukünftige Entwicklung und Ausgestaltung des Landtourismus wirft nunmehr die Frage auf, ob es eine spezifische Ausprägung in den Schutzgebieten geben kann. Anhand der drei Hauptaufgaben der Schutzgebiete soll dies näher betrachtet werden: * Besucherlenkung * Umweltbildung und Information * Natur- und umweltverträgliche touristische Angebote Das gezielte Lenken von Besucherströmen zum und besonders im Schutzgebiet ist ein geeignetes Mittel, diese besonders sensiblen Gebiete vor zu großen Belastungen zu schützen. Konzepte zur Besucherlenkung müssen in praxisorientiertem Handeln münden, das ein Miteinander von Naturschutz und Tourismus erlaubt. Hierunter sind nicht starre Systeme von Ge- und Verboten zu verstehen, sondern ein Bündel von Maßnahmen, das die jeweilige Entwicklung in den Schutzgebieten - und dort besonders an den hoch fequentierten Standorten - entsprechend flexibel einbezieht. 69 Die Aufgabe der Schutzgebiete, einen Beitrag zur Umweltbildung und -Information zu leisten, bietet sowohl neue berufliche Perspektiven als auch Entwicklungsmöglichkeiten von attraktiven originellen Angebotsformen, die den Schutzgebieten - auch im Rahmen des Landtourismus - ein eigenes touristisches Profil geben. Kristallisationspunkte können hier Besucherinformationszentren sein, die nach modernen pädagogischen Konzepten auf unkonventionelle Weise - weg vom herkömmlichen Image der Naturschützerdas Interesse an natürlichen Prozessen der Umwelt wecken und gleichzeitig einen Bezug zu den eigenen Lebensumständen herzustellen vermögen. Umweltbildung ist aber nur so gut, so gut sie vermittelt wird. Neue Berufsbilder wie nationalparkführer oder Ranger bieten hier Möglichkeiten, anspruchsvolle Angebote fachgerecht zu präsentieren. Die einheitliche Außendarstellung der Schutzgebiete und die Gestaltung der einzelnen Informationsmedien (Informationsblätter, Videos, Beschilderung, Infotafeln etc.) trägt dazu bei, ein Produkt „Schutzgebietstourismus" zu etablieren. Die Schaffung von Nationalpark bzw. Naturpark gerechten touristischen Angeboten ist eine Gradwanderung der Großschutzgebiete und kann nur gemeinsam mit den touristischen Anbietern der Region sowie den Anliegergemeinden gelöst werden. Hier ist es wichtig, durch einen kontinuierlichen Austausch gegenseitiges Verständnis für die Probleme der Naturschutzseite wie auch der Touristiker zu entwickeln und gemeinsam Lösungen zu suchen, das besondere eines Nationalparks oder Naturparks muß für die Besucher erkennbar und fühlbar bleiben, was wiederum bedeutet, daß sich dieses Angebot von dem des landläufigen „Landtourismus" abheben und abgrenzen muß. Umwelt- und Naturverträglichkeit des touristische Angebots sowie Möglichkeiten des Naturerlebnisses müssen die neuen Markenzeichen werden. Dies bedeutet aber auch ein sich freiwilliges Beschränken in der üblichen Mannigfaltigkeit der Angebote oderanders betrachtetein bewußtes Positionieren des Großschutzgebietes auf dem Tourismusmarkt mit einem eigenständigen Profil im Bereich des Naturtourismus. 70 Drs. J.W. te Kloeze Zentrum für Freizeit- und Tourismusstudien, Landwirtschaftliche Universität Wageningen, Niederlande. Agrartourismus in den Niederfanden: Zusammenspiel zwischen Konsumenten und Produzenten (Attraktivität der kleinmaßstäblichen Gästebetreuung) Einleitung Gegen Ende dieses Jahrhunderts wird die Freizeitindustrie den stärksten Wirtschaftszweig der Welt bilden, an dem der Tourismus den weitaus größten Anteil haben wird (Gannon, 1991). Dabei fällt die wachsende Anzahl spezifischer Tourismusformen auf. Jede Konsumentengruppe hat ihren eigenen charakteristischen Stil. Art und Motive touristischen Verhaltens weisen eine stets größere Verschiedenheit auf. Für den verstädterten Touristen eröffnet sich eine immer breitere Skala von Möglichkeiten. Parallel dazu vollzieht sich in den letzten Jahrzehnten eine kontinuierliche Transformation der ländlichen Gebiete in Europa. In bestimmten Gegenden ist die Agrarwirtschaft tiefgreifenden Intensivierungs- und Rationalisierungsprozessen unterworfen. Andere Gebiete wieder werden in agrarischer Hinsicht in eine Randposition gedrängt. In diesen Gebieten suchen die Bauern nach neuen Möglichkeiten für ihren Betrieb. In diesem Kontext rückte der Tourismus in den ländlichen Gebieten während der letzten Jahre immer mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Dies gilt sowohl für die Staaten der Europäischen Union wie auch innerhalb Osteuropa. Es wird ein weiteres Wachstum erwartet (Dernoi, 1983). Sanfter Tourismus, grüner Tourismus, Agrartourismus, Ferien auf dem Bauernhof und Ökotourismus - sie alle gehören zum Tourismus in ländlichen Gebieten. Dieser Ruraltourismus gehört zur Familie des alternativen Tourismus oder "small scale tourism". Diese Arten des Tourismus werden vielfach dem Massentourismus gegenübergestellt. Gleichzeitig wird jedoch auch die Frage aufgeworfen, ob der Agrartourismus angesichts des Massentourismus überhaupt eine Chance hat (z.B. Bodenstedt, 1992). Ruraltourismus kann in das breitere Feld der Gebietsentwicklung gestellt werden. Vom ökologischen Standpunkt aus muß die Dauerhaftigkeit der Ökosysteme berücksichtigt werden, die jedoch auch eine soziale und wirtschaftliche Dimension hat. Es ist jedoch noch die Frage, ob die oft sehr hohen Erwartungen an die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Erholung und des Tourismus erfüllt werden können. In meinem Vortrag will ich die folgenden Punkte behandeln: * Agrartourismus in den Niederlanden * Agrartourismus in den Niederlanden als Nebenerwerb * Typologien im Bereich des Agrartourismus in den Niederlanden: Produzenten und Konsumenten * Die Rolle der Frauen (Bäuerinnen) * Organisationen im Bereich des Agrartourismus in den Niederlanden * Die Zukunft des Agrartourismus in den Niederlanden * Schlußbemerkungen Agrartourismus in den Niederlanden Die wichtigste Form des Agrartourismus in den Niederlanden ist das Kampieren auf dem Bauernhof. Dabei stellen Grundeigentümer im ländlichen Raum ihre Grundstücke einigen Touristen zum Kampieren in der Umgebung des Bauernhauses oder Wirtschaftsgebäudes zur Verfügung. Diese Form des Mini-Campings hat in den letzten 25 Jahren dem Widerstand von Behörden, Naturschützern und regulären Campingplätzen zum Trotz einen großen Aufschwung genommen. Ein günstiger Effekt des Agrartourismus ist, daß er Gebieten, die wirtschaftlich benachteiligt sind oder die sich außerhalb wirtschaftlich gut entwickelter Zentren befinden, direkt finanzielle Vorteile bietet. Diese Vorteile sind: 1. Verbesserung der Einkommens- und Beschäftigungssituation der ansässigen Bevölkerung; 2. günstige Auswirkungen der Ausgaben der Touristen auf die verschiedenen Sektoren des örtlichen Wirtschaftslebens; 3. Aufwertung der Landschaft und Natur, die ohne wirtschaftlichen Wert ist; 4. Schaffung des Bedarfs an Handwerk und arbeitsintensiven Produkten und Dienstleistungen, wie sie in ländlichen Gebieten angetroffen werden können; 5. der vervielfältigende Effekt der Ausgaben der Touristen und ihr günstiger Einfluß auf die Entwicklungsmöglichkeiten des Gebietes (Keane und Quinn, 1990: 41). Agrartourismus in den Niederlanden als Nebenerwerb Auf den ersten Blick scheint Camping auf dem Bauernhof in den Niederlanden eine mögliche Nebenerwerbsquelle. Es ist, berechnet man das Einkommen pro Arbeitsstunde, ein lukratives Geschäft (durchschnittlich NLG 7.400 für 275 Arbeitsstunden). Dazu kommt, daß sich die Arbeit auf dem Bauernhof gut mit den auf dem Mini-Camping anfallenden Arbeiten kombinieren läßt. Außerdem ergeben sich bei dem gegenwärtigen Stand noch keine negativen Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Camping als Nebenerwerb ist andererseits jedoch nicht so vielversprechend, wie es scheint. Im allgemeinen ist der Umfang der Arbeiten und damit der Netto-Gewinn gering. In Untersuchungen werden Beträge zwischen NLG 2.000 bis NLG 10.000 pro Jahr genannt. Außer den Einnahmen aus dem Camping haben Landwirte noch andere Einkommensquellen wie die Zimmervermietung (Zimmer und Gruppen), Abstellplätze für Wohnwagen, Verkauf landwirtschaftlicher Produkte usw. Die agrartouristischen Tätigkeiten der Bauernfamilien tragen zu einem A/eöeneinkommen bei. Auch eine Untersuchung in Süd-Deutschland hat das gezeigt. Obwohl Tourismus den Bauern oft als ein Wundermittel vorgestellt wird, hat auch diese Untersuchung gezeigt, daß Tourismus am Bauernhof nur ein kleines Nebeneinkommen verschafft, teilweise aufgrund strenger gesetzlicher Beschränkungen (Oppermann, 1996). Ich möchte betonen, daß in anderen Gebieten, z.B. in den osteuropäischen Ländern, der gleiche oder sogar ein aufgrund der Währungsunterschiede noch geringerer Betrag, der von westeuropäischen Touristen bezahlt wird, das /-/ai/pfeinkommen darstellt. Außerdem besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Höhe des Einkommens aus dem Fremdenverkehr und dem touristischen Wert des betreffenden Gebietes sowie den Möglichkeiten zur Saisonverlängerung bzw. einer Winter- und Sommersaison. Im allgemeinen sind die Aktivitäten leider stark saisongebunden. De Haas u.a. (1993) schließen daraus für die niederländische Situation, die sich von der in Mecklenburg-Vorpommern nicht wesentlich unterscheiden wird, daß die meisten Nebentätigkeiten, obwohl jede für sich zufriedenstellende Erträge abwirft, keinen wesentlichen Beitrag zum gesamten Betriebseinkommen darstellen. Der Umfang der Aktivitäten ist im 72 allgemeinen zu gering. Werden die Nebentätigkeiten in etwas größerem Rahmen durchgeführt, droht dies auf Kosten der Landwirtschaft zu gehen. Dagegen wäre an sich nichts einzuwenden, aber von Agrartourismus im engeren Sinne ist dann ebensowenig noch die Rede wie von der Verflechtung von landwirtschaftlichem Betrieb und Agrartourismus. Damit können die folgenden Schlußfolgerungen gezogen werden: 1. Agrartourismus ist ökonomisch gesehen nicht bedeutungslos, aber andererseits auch kein Allheilmittel für die Probleme landwirtschaftlicher Betriebe. 2. Aus der Sicht des regionalen Ruraltourismus bestehen wenigstens für Gebiete mit Fremdenverkehrsattraktionen günstige Voraussetzungen für einen Nebenverdienst. 3. Agrartourismus sollte man integriert im Rahmen Ruraltourismus entwickeln. Typologien im Bereich des Agrartourismus in den Niederlanden: Produzenten und Konsumenten Eine Untersuchung über den Agrartourismus und Mini-Camping, die vor einigen Jahren an der Landwirtschaftlichen Universität Wageningen durchgeführt wurde, bietet die Möglichkeit, mit Hilfe einer Typologie über die Motive von Anbietern und Konsumenten genauere Erkenntnisse zu gewinnen. Landwirte, die kleine Campingplätze anbieten, können je nach Kommerzialisierung und Professionalisierung sowie ihren idealistischen Motiven in vier Typen eingeteilt werden. Die "professionellen" Landwirte sind im Unterschied zu den "idealistischen" ziemlich stark einkommens- und berufsorientiert. Sie legen weniger Wert auf die sozialen Aspekte des Campings auf dem Bauernhof. Für gewöhnlich verwalten sie größere und gut besuchte Flächen, die erst vor kurzem eröffnet wurden. Für die "idealistischen" Landwirte stehen soziale (Geselligkeit, soziale Kontakte) und idealistische Aspekte (Public Relations für die Landwirtschaft) an erster Stelle. Diese Landwirte betreiben oft schon seit den sechziger oder siebziger Jahren ein Mini-Camping. Landwirte, die an beiden Aspekten orientiert sind und ihr Unternehmen professionell betreiben, befinden sich hauptsächlich in der touristisch sehr attraktiven Provinz Zeeland. Die letzte Gruppe (der pragmatische Typ) betreibt in erster Linie Campingplätze unabhängig von einem landwirtschaftlichen Betrieb. Im Rahmen des Modellvorhabens "Fachberater für Landtourismus" haben 20 Studenten aus Mecklenburg-Vorpommern 1995 den Landtourismus in zwei Regionen der Niederlande (Südwest-Friesland und Walcheren) untersucht. Von ihren umfangreichen Ergebnissen möchte ich Ihnen zunächst die durchschnittlichen Wochenpreise (in der Hochsaison) der verschiedenen Unterkünfte in beiden Regionen zeigen (Van Betuw, Te KSoeze und Van der Voet, 1996). Die Untersuchung hat ergeben, daß die Preise bei den Bungalowparks und Ferienwohnung/Ferienzimmer in beiden Regionen annähernd gleich hoch sind. Bei den Campings und Mini-Campings treten aber erhebliche Unterschiede zwischen Südwest- Friesland und Walcheren auf. Wie aus der Tabelle ersichtlich, sind die Wochenpreise für Dauerplätze auf den Minicampings von Walcheren um bis zu NLG 117.- und auf den Campingplätzen sogar um bis zu NLG 253,- teurer als in Südwest-Friesland. Das ist nicht erstaunlich: die Provinz Zeeland ist eines der attraktivsten Urlaubsgebiete in den Niederlanden. Das wirkt sich auch auf die Preise aus. Für unsere Betrachtung ist die Feststellung wichtig, daß sich die Wochenpreise für Wohnwagen und Zelte auf regulären Campingplätzen bzw. auf Campings am Bauernhof wenig unterscheiden, auf Walcheren jedoch die Wochenpreise am Bauernhof eben höher liegen als auf den regulären 73 Campings. Dieses Ergebnis ist sehr interessant: Urlaub auf dem Bauernhof hat das Image billig zu sein; es scheint, daß dies für touristisch sehr attraktive Gebiete wie Walcheren nicht gilt. Wie wir später sehen werden, hat das Konsequenzen für den Urlaubertyp, der diese Campings am Bauernhof besucht. Dieses Ergebnis stimmt auch mit unserer eigenen Untersuchung, über die ich soeben gesprochen habe, überein. Innerhalb der Gruppe der Camper auf dem Bauernhof können dem Verhalten und der Motivation nach (im besonderen dem "Wunsch nach Komfort" und der Frage, inwieweit für sie Kampieren auf dem Bauernhof eine "Entscheidung oder ein Prinzip" ist) vier Gruppen unterschieden werden (vgl. Tabelle 8). Camper aus "Prinzip" können auf eine jahrelange Campingerfahrung zurückblicken. Ihre Entscheidung beruht auf dem Wunsch nach Ruhe, Freiraum, der Kleinräumigkeit der sie umgebenden Natur und der persönlichen Behandlung. "Komfortorientierte Camper", insbesondere Familien mit kleinen Kindern, ziehen etwas größere Gelände mit relativ guter Ausstattung vor. Einfachheit und Naturnähe bedeuten ihnen etwas weniger. Ihre Motive können unter "die 4 S" zusammengefaßt werden: Strand, Sand, Sonne, Sex". Diese Camper verbleiben in touristisch attraktiven Gebieten wie der Provinz Zeeland. Die dritte Gruppe, der "komplexe" Typ, hat sich bewußt für ein Camping am Bauernhof entschieden, weiß gleichzeitig aber einen gewissen Standard an Komfort zu schätzen. Schließlich gibt es noch die "pragmatischen" Camper, für die relative Preisgünstigkeit des Kampierens am Bauernhof ausschlaggebend ist. Zu dieser Kategorie gehören vor allem ältere, kinderlose Ehepaare. Die Untersuchung führte unter anderem zu der Schlußfolgerung, daß es sich bei den Campern um spezifische Gruppen handelt, die sich von der charakteristischen Atmosphäre des Kampierens auf dem Bauernhof angezogen fühlen, die sie auf groß angelegten, oft mit viel Luxus ausgestatteten Campingplätzen nicht finden können. Ich habe Ihnen schon einige Ergebnisse aus der Untersuchung der Mecklenburger Studenten gezeigt. In dieser Studie wurde auch die Frage untersucht, inwiefern die Urlauber am Bauernhof an hofeigenen Produkten wie Lebensmittel, Kosmetika und Handarbeiten (Folklore) interessiert sind. Der Konsumentenfragebogen gab 5 Wertungskategorien vor: 1 = gar nicht, 2= hin und wieder, 3= oft, 4= meistens, 5= immer, wobei wir den Durchschnitt der abgegeben Wertung ermittelten. In der Analyse wurde dabei pro Region unterschieden, ob es sich um Urlauber auf dem Bauernhof handelte oder um Urlauber, die eine andere Unterbringungsform bevorzugten. Für jedes hofeigene Produkt wurde pro Region und bevorzugte Unterbringungsform der Durchschnittswert errechnet. Dabei wurde mit Hilfe des Mann-Whitney Tests ermittelt, inwiefern sich das Interesse an hofeigenen Produkten von Urlaubern am Bauernhof von Urlaubern, die eine andere Unterbringungsform bevorzugten, unterschied. Tabelle 9 zeigt die Ergebnisse (Van Betuw, Te Kloeze und Van der Voet, 1996). In Südwest-Friesland bevorzugten die "Urlauberam Bauernhof" die hofeigene Milch am meisten, gefolgt von Käse, Brot und Gemüse. Die "sonstigen Urlauber" sind am meisten an Käse, Gemüse, Milch, Brot und Eiern interessiert. Naturkosmetik und Handarbeit/Folklore waren für beide Gruppen kaum interessant. Auffällig ist, daß in dieser Region keine signifikanten Unterschiede zwischen den Vorlieben der Urlauber auf dem Bauernhof und den anderen Urlaubern auftreten. Auf Walcheren bevorzugten die Urlauber am Bauernhof hofeigenes Obst und Säfte am meisten, gefolgt von Eiern, Milch, Käse und Brot. Die Urlauber aus anderen Unterbringungsformen waren vor allem an hofeigenem Gemüse und Käse interessiert, gefolgt von Eiern, Brot, Obst, Säften und Milch. Beide Gruppen zeigten auch in dieser Region nur geringes Interesse an Naturkosmetik und Handarbeit/Folklore. 80 Arbeitsmarkt (Siehe Pkt. 3.3.). Dabei soll nicht nur fachlich ausgebildet werden. Die unter den gegenwärtigen Umständen wichtigste Komponente jeder Bildungsmaßnahme ist m.E. die, die den Frauen Mut macht und ihre soziale Kompetenz verbessert. : Wir wollen, daß solche Bildungsmodule sollten zertifiziert werden, denn es besteht ein großes Bedürfnis seine erworbenen Qualifikationen auch vorweisen zu können. Ein staatliches Regelungsbedürfnis für Zusatzqualifikationen besteht solange nicht, solange diese Angebote auf vorhandenem Wissen und anerkannten Qualifikationen aufbauen. Bildungsinhalte Wie eingangs bereits ausgeführt, gehen wir davon aus, daß Aus- und Fortbildungsmaßnahmen sich nach unseren Bedingungen richten müssen. Eine Bildungsmaßnahme soll so gestaltet sein, daß sie von unseren Frauen angenommen werden und daß sie auch auf unserem speziellen Arbeitsmarkt verwertet werden kann. Wie wir festgestellt haben, gibt es gerade im Tourismus eine Vielzahl von Aufgaben, für die man besondere Kenntnisse haben muß, für die es aber bei den Standartbildungsangeboten keine Entsprechungen gibt. Unser Konzept war es daher, vorhandene Bildungsstrukturen zwar zu benutzen, sie aber entweder so zu modifizieren oder ergänzen, daß am Ende genau das Wissen erzeugt wurde, was wir für den speziellen Zweck benötigten. Dabei half uns die Erkenntnis, daß Erwachsene ja in ihrem Leben Kompetenzen und Wissen erworben haben, welches man weiter verwenden kann. Unsere Frauen haben ihren Haushalt „geschmissen", haben ihre Kinder großgezogen, haben auf dem Feld, im Stall oder in der Werstatt gearbeitet. Die können doch was. Das hat doch einen Wert. Denen muß man jetzt beibringen, wie sie ihr bisher erworbenes Wissen für bestimmte Zwecke anwenden können. Und sie müssen natürlich zusätzliche Dinge lernen. Aber sie müssen nicht beim „Urschleim" beginnen. Aber auch die, die jetzt erst etwas lernen, müssen ihr in der Ausbildung erworbenes Wissen in bestimmten Aufgabenbereichen modifizieren oder ergänzen, um fachlich gute Arbeit abzuliefern.Im Bezug auf die Entwicklung touristischer Infrastrukturen im betrachteten Bereich war die Ausbildung zum/zur Hauswirtschafter/in eine aus unserer Sicht geeignete Basisqualifikation. Aufbauend darauf bzw. auf den damit auch definierbaren Bildungsanspruch, haben wir ergänzende Bildungsinhalte ihren Zielstellungen entsprechend zusammengefaßt. Der Inhalt der nachstehend beschriebenen Wissensbausteine (Bildungsmodule) wird durch die komplexen, von Kenntnisse und Fertigkeiten für bestimmte, jeweils abgegrenzt abgebildete Aufgabenstellungen der Tourismuswirtschaft definiert. Als einzelnes Modul oder in Kombination mit anderen auf vorhandenes Basiswissen aufgesetzt", können sie ohne überflüssige Aufwand Fachausbildung für bestimmte Aufgaben im ländlichen Tourismus sichern. Diese Module ergänzen eine berufliche Erstausbildung (z.B.: Hauswirtschafter/-in) ebenso wie Regelungen der Erwachsenenbildung (z.B.: Tourismusfachwirt/-in) und führen durch das so erzeugte, ergänzende Wissen zu einer erweiterten, speziellen Handlungskompetenz. Durch die Flexibilität dieses Bildungskonzeptes wird die arbeitsmarktrelevante Verwendbarkeit von Berufen und die bei erwachsenen Menschen vorhandenen Kompetenzen durch einen relativ geringen Aufwand zusätzlicher Bildung erhöht. Die nachfolgenden Bausteine ergänzen die definierte Berufsausbildung (in diesem Fall die Hauswirtschaftsausbildung). Je nach Aufgabenstellung und entsprechend des durch die Teilnehmer bereits erworbenen Wissens werden die Bildungsmodule ergänzend vermittelt: Baustein 1. Regionalkunde Übersicht über natürliche, touristisch nutzbare Gegebenheiten Darstellung der geschichtlichen Entwicklung, des Brauchtums und reg. Traditionen Übersicht über regionale Kunst-und Kultur Darstellung der Verkehrs-und Wirtschaftsstruktur Über Finanzierungen unterschiedlicher Projekte Auskunft geben; regionale Fördermöglichkeiten und -wege der öffentlichen Hand aufzeigen 81 Baustein 2. Marktforschung und Marketing Erfassen von Marktinformationen Leistungen und Produkte beschreiben Entwicklung und Festlegung von Marketingstrategien Umsetzen von Marketingkonzepten Baustein 3. Wirtschaftskunde Rechtliche Rahmenbedingungen des Wirtschaftens Büroorganisation Baustein 4. Kommunikation und Animation Gesprächsführung Motivation von Personen und Gruppen rechtliche Grundlagen beim Umgang mit Personen und Gruppen Baustein 5. Tourismuskunde Tourismussoziologie Reiseland Deutschland Organisationsstrukturen und Leistungsträger im Fremdenverkehrswesen Rechtsgrundlagen im Tourismus Baustein 6. Tourismus und Umwelt Schutz und Bewahrung natürlicher Ressourcen Strategien des Umweltschutzes im Rahmen touristischer Aufgaben Entwicklung regionaler Konzepte für den sanften Tourismus Unser Bildungskonzept wendet sich vornehmlich an Frauen im ländlichen Raum. Die unterschiedlichen Wege führen zu einer für den aktuellen Arbeitsmarkt werwertbaren beruflichen Kompetenz auf Facharbeiterebene und damit zu einer Verbesserung der Arbeitsmarktchancen der Frauen. Unser Ziel ist es, das die Frauen nach der Teilnahme so qualifiziert werden, daß sie qualitativ hochwertige Aufgaben in den unterschiedlichsten Aufgabenbereichen; auf Campingplätzen, in Pensionen, Ferieneinrichtungen, Senioren- und Behindertenheimen, ausführen können und daher auch entsprechende Arbeit finden können. 82 Hans-Joachim WALTER-LEZIUS Bundesinstitut für Berufsbildung, Berlin Umwelt, Tourismus und berufliche Bildung 1. Umwelt und Tourismus Umwelt hat für den Tourismus eine besondere Bedeutung. Steht in anderen Erwerbszweigen vor allem die Frage im Vordergrund, wie Eingriffe in die natürliche Umwelt vermieden oder reduziert, der Verbrauch natürlicher Ressourcen eingeschränkt werden kann, so ist Umwelt für den Tourismus zugleich ein wirtschaftliches, wenngleich nur bedingt berechenbares Gut. Umwelt ist in diesem Zusammenhang vor allem als Entwicklungsfaktor zu sehen, der dazu beiträgt, Regionen besser zu erschließen, Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen und vielfach auch Lebensbedingungen zu verbessern. Für Jahrzehnte schien dies nahezu eine Selbstverständlichkeit zu sein. Aber mit der zunehmenden Erschließung wurde deutlich, daß insbesondere Massentourismus auch Umweltbeeinträchtigungen bewirken kann. Zu nennen sind: - Flächenverbrauch - Einflüsse auf Landschaft, Wirtschafts- und Sozialstruktur - Verkehrsprobleme - Entsorgungsprobleme - Landschaftsveränderungen - Entstehen einer Monostruktur Fremdenverkehrsregionen beginnen mittlerweile zu erkennen, daß zunehmende Eingriffe in die Natur nicht nur Landschaft zerstören können, sondern mittel- und langfristig auch die Erwerbsbasis beeinträchtigen. Aus diesem Grunde wird in besonders belasteten Ferien- und Urlaubsgebieten versucht, diese Belastungen zurückzuführen. Allerdings verläuft dieser Prozeß in den wenigsten Fällen friktionsfrei. Häufig ist hoher Kapitalaufwand vonnöten, um Landschaft zurückzubauen, Verkehrsprobleme oder Entsorgungsprobleme zu lösen. Darüber hinaus besteht die Befürchtung, daß Arbeitsplatzverluste entstehen, weil die Attraktivität eines Feriengebietes leide. Etwa dann, wenn bestimmte Einrichtungen, wie z. B. zusätzliche Skilifte, nicht mehr gestattet oder ältere abgebaut werden. Andererseits bietet Umwelt nach wie vor die Chance zur Entwicklung (neuer) touristischer Strukturen und dem Schaffen neuer Erwerbsmöglichkeiten. Umwelt als positiv zu nutzender Faktor kommt jedoch nur so lange zum tragen, wie Tourismus nicht die schon beschriebenen Folgen mit sich bringt. Regionen, die eine intakte Umweit zur wirtschaftlichen Entwicklung nutzen wollen, werden deshalb von vornherein den Erhalt von Landschaft und Natur in ihre Überlegungen mit einbeziehen müssen. Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur - mithin also auch das touristische Angebot - müssen oder sollten dem angepaßt sein. Gezwungenermaßen müssen dabei konkurrierende Interessen in Einklang miteinander gebracht werden. 83 Umweltbeeinträchtigungen durch Tourismus wie auch das Nutzen der Umwelt als Entwicklungsfaktor haben spätestens seit den 7oer Jahren zu der Diskussion geführt, wie sich eine solche Entwicklung vollziehen solle und welches die Kriterien dafür seien. Zunehmend wird auf sanften oder umweltgerechten Tourismus gesetzt, wobei unterschiedliche Erklärungen dafür existieren, was dieses denn sei oder sein solle. Kern aller Ansätze ist es, Formen des Tourismus oder der Fremdenverkehrswirtschaft zu beschreiben, die Belastungen reduzieren und den Erhalt der Umwelt sichern helfen sollen. 2. Die Situation in den neuen Bundesländern Diese hier eher stichwortartig beschriebene Situation gilt auch für die neuen Bundesländer. Im Gegensatz zu den alten Bundesländern stellt sie sich jedoch schärfer dar. Neben den traditionellen Feriengebieten versuchen auch andere Regionen, den Tourismus verstärkt zu erschließen und für die Wirtschaftsentwicklung zu nutzen. Insbesondere wird dies in ländlichen Regionen versucht, deren traditionelle Erwerbszweige in den letzten Jahren geschrumpft oder "weggebrochen" sind. Diese Gebiete sind durchweg mit hohen Arbeitslosenzahlen behaftet. Es ist daher verständlich, wenn eine (mehr oder weniger) intakte Umwelt dazu genutzt werden soll, neue Erwerbsquellen zu erschließen. Daß dies ein mühseliger Prozeß ist und ein langwieriger sein wird, ist im Laufe der letzten Jahre zunehmend deutlicher geworden. Im Rahmen des vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt durchgeführten Projektes "Umweltgerechte Berufsausbildung in den neuen Bundesländern - Maßnahmen zur Förderung der Qualität beruflicher Umweltbildung" wird im Teilbereich "Tourismus/Fremdenverkehrswirtschaft" deshalb u. a. untersucht, wie sich die Situation in ausgewählten Regionen der neuen Bundesländer gestaltet und mit welchen qualifikatorischen Maßnahmen eine umweltgerechte Aus- und Weiterbildung in der Fremdenverkehrswirtschaft unter Einbeziehung der Einrichtungen des Naturschutzes gefördert werden kann. Der Auf- und Ausbau einer regionalen oder örtlichen Fremdenverkehrswirtschaft bei gleichzeitiger Erhaltung der natürlichen Umwelt erfordert Maßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen. Mit Planungen und Schlagworten allein ist es nicht getan. Im Projekt wird deshalb von der Hypothese ausgegangen, daß das Ziel eines Umweltbelange berücksichtigenden Tourismus nur im Zusammenwirken unterschiedlicher Ebenen erreicht werden kann. Dies sind die folgenden: - Regionalentwicklung, Landschaftsplanung, Wirtschaftsförderung - Naturschutz - Fremdenverkehrsverwaltungen - Betriebe In empirischen Erhebungen wird gegenwärtig geklärt, welche Bedeutung dem Faktor Umwelt im Hinblick auf die Entwicklung des touristischen Angebots zukommt, wie Entwicklungsmaßnahmen konzipiert sind und in welcher Weise Zusammenarbeit zwischen und auf den unterschiedlichen Ebenen stattfindet. Gleichzeitig werden die Arbeitsanforderungen an Beschäftigte unterschiedlicher Funktionsebenen und Tätigkeitsfelder untersucht und Notwendigkeiten der Qualifizierung ermittelt. Die 84 Erhebungen finden in Form von Fallstudien in vier unterschiedlich strukturierten Regionen der neuen Bundesländer statt. Es handelt sich um folgende Regionen: - Rügen/Hiddensee - Altmark - Harz (West/Ost) - Thüringer Wald Die Ergebnisse der Studien sollen als Grundlage für die Entwicklung gezielter Bildungskonzepte dienen. Es ist geplant, in Zusammenarbeit mit diesen Regionen auch die Entwicklung und Erprobung der Bildungskonzepte zu betreiben. Die Ergebnisse der Fallstudien sollen darüber hinaus auf einem Workshop diskutiert und bewertet werden, der für den Herbst 1996 geplant ist. 3. Qualifizierung als Beitrag zu einer umweltgerechten Entwicklung Umweltschutz ist mehr als ein technischer Vorgang. Zwar lassen sich durch Sicherungsmaßnahmen und geregelte Entsorgungssysteme Umweltbeeinträchtigungen vermindern oder vermeiden, jedoch setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, daß präventiver Umweltschutz und Vermeidungsstrategien der geeignetere Weg zur Problemlösung sind. Ein solcher Weg verlangt allerdings auch die Änderung von Produktions- und Arbeitsprozessen und damit veränderte Qualifizierungsmuster. Präventiver Umweltschutz setzt sowohl die Schaffung von Spezialqualifikationen - beispielsweise in Form neuer Berufe - wie auch die Berücksichtigung von Umweltbelangen in "normalen" Berufen oder beruflichen Tätigkeiten voraus. Berufliche Umweltbildung muß von daher als selbstverständlicher Bestandteil der beruflichen Qualifizierung angesehen werden, wenn die Berücksichtigung von Umweltbelangen Bestandteil beruflicher Handlungskompetenz sein soll. Das Bundesinstitut für Berufsbildung verfolgt deshalb schon seit langem die Strategie, berufliche Umweltbildung als integralen Bestandteil beruflicher Bildung zu verankern. Dabei gehen wir von einem "weiten" Begriff beruflicher Handlungsfähigkeit aus. Ziel ist es, eine berufliche Handlungskompetenz zu erreichen, die nicht im schematischen Abarbeiten weitgehend vorgegebener Arbeitsschritte steckenbleibt. Denn Handeln artikuliert sich in bewerteten Situationen - man handelt auf Grund von (eigenen) Entscheidungen. Es kann regel- oder normenorientiert sein, unterliegt eindeutigen oder uneindeutigen technischen Erfordernissen, geschieht innerhalb eines sozialen Rahmens, verlangt die Fähigkeit zur Analyse oder Erfassung mehr oder minder komplexer Situationen, der Verarbeitung von Informationen, das Festlegen geeigneter Mittel zum Erreichen angestrebter Ziele, den Aufbau von Handlungsstrategien. Handeln ohne gedankliches Durchdringen der Materie, ohne Berücksichtigung der sozialen und natürlichen Umwelt, ohne Reflexion der eigenen Handlungen wäre besinnungsloses Tun. Und es bedarf eigener Erfahrungen, denn ohne reflektierte Erfahrungen kann in der Regel nicht adäquat und situationsbezogen gehandelt werden. Ähnlich wie die Umweltgüterindustrie wird die Fremdenverkehrswirtschaft eine erhaltenswerte Umwelt als Mittel zum Gestalten neuer Märkte ansehen müssen. Dem kann man sicherlich entgegenhalten, daß der Erhalt der Umwelt ein Ziel an sich sei; 85 jedoch wird man auch zur Kenntnis zu nehmen haben, daß das Erreichen dieses Ziels für bestimmte Zweige der Volkswirtschaft profitabel sein kann oder zu werden beginnt. Qualifizierungsmaßnahmen für den Bereich der Fremdenverkehrswirtschaft werden zu berücksichtigen haben, daß eine umweltgerechte Berufsbildung zwei Aspekte aufgreifen muß: zum einen die Sicherung vor Umweltschäden oder Umweltbeeinträchtigungen, zum anderen Umwelt als Marketinginstrument. In der Realität verlaufen die damit verbundenen Entwicklungsprozesse allerdings nicht reibungslos. So kann es selbst dann z. B. zu Differenzen und Auseinandersetzungen zwischen Naturschutz und Fremdenverkehrswirtschaft kommen, wenn beide Seiten sich den Erhalt von Umwelt zum Ziel gesetzt haben. Umweltgerechte Bildungskonzepte für die Fremdenverkehrswirtschaft, aber auch für den Naturschutz, müssen solche Probleme mit aufgreifen. Ziel des Projektes ist es, Bildungskonzepte zu entwickeln, die in Aus- und Weiterbildung für unterschiedliche Berufe, in unterschiedlichen Tätigkeiten und auf unterschiedlichen Ebenen die jeweils entstandenen Probleme aufgreifen und zur Lösung beitragen. Im Gegensatz zu anderen Berufsbereichen sind in der Fremdenverkehrswirtschaft Berufsstrukturen nur in einem geringeren Maße entwickelt. In diesem Sektor sind vielfach "Seiteneinsteiger" tätig. Das gilt auch für den Naturschutz. Zwar wird seit geraumer Zeit darüber diskutiert, ob und inwieweit über die bisherigen Aus- und Fortbildungsgänge hinaus nicht zusätzliche Berufe erschlossen werden können, jedoch sind die Bemühungen dazu bisher nicht wesentlich weitergekommen. Es wird bei der Gestaltung der Bildungskonzepte also auch zu überlegen sein, welches Gewicht geeigneten Formen der Anpassungsfortbildung zukommt und wie diese gestaltet sein könnte. Regionale Aspekte können dabei durchaus eine Rolle spielen. 4. Möglichkeiten der Qualifizierung Qualifizierung vollzieht sich im deutschen Berufsbildungssystem in dem dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) unterliegenden Bereich üblicherweise auf drei Ebenen: A. Der Ebene der Ausbildung in geregelten Ausbildungsgängen (anerkannte Ausbildungsberufe) nach § 25 BBiG in Verbindung mit §28 BBiG, B. der Ebene der beruflichen Fortbildung nach a) § 46 Abs. 1 (Fortbildungsregelungen der zuständigen Stellen, i. d. R. der Kammern) oder b) § 46 Abs. 2 BBiG (Fortbildungsregelungen auf Grund einer Rechtsverordnung des Bundes). Beides wird als berufliche Aufstiegsfortbildung bezeichnet. C. Der Ebene der Anpassungsfortbildung, die betrieblich oder außerbetrieblich organisiert wird und nicht mit einem anerkannten Abschluß endet, häufig jedoch mit einem Zertifikat. 86 Damit sind unterschiedliche und unterschiedlich flexible Instrumente gegeben, um Mitarbeiter zu qualifizieren bzw. Angebote bereitzustellen, die zur Qualifizierung beitragen. Wir gehen davon aus, daß Fortbildungsbedarf zu einem umweltgerechten Tourismus im Bereich der Fremdenverkehrsorganisationen und der Naturschutzeinrichtungen besteht, wenn auch mit unterschiedlichen Akzenten, die der differenten Aufgabenstellung entsprechen. Im Rahmen des Projektes wird vorrangig zu prüfen sein, welches geeignete Angebote für die Beschäftigten in beiden Bereichen sein können. Es werden Vorschläge zur Anpassungsfortbildung entwickelt und auf ihre Realisierbarkeit hin überprüft. Anknüpfend an die Berufssituation werden Seminare und Materialien entwickelt und erprobt, die die Beschäftigten dahingehend befähigen sollen, Belange eines umweltgerechten Tourismus in ihrer Tätigkeit zu berücksichtigen. Dies soll integrativ geschehen. 87 Hans - Jochem Weikert Kassel Service GmbH Städtetourismus 1. Spitzenorganisationen des deutschen Tourismus Den deutschen Tourismus prägen zwei wichtige Institutionen. Zum einen ist es der Deutsche Fremdenverkehrsverband - die Interessenvertretung des deutschen Tourismus und Dachinstitution aller Organisationseinheiten des Tourismus in Deutschland auf der Anbieterseite. Originäre Mitglieder des deutschen Fremdenverkehrsverbandes sind die Landes- bzw. regionalen Fremdenverkehrsverbände. Die beteiligten Mitglieder des Deutschen Fremdenverkehrsverbandes - die Spitzenorganisationen des deutschen Tourismus - sind: - DRV (Deutscher Reisebüroverband) - VDKF (Verband deutscher Kur- und Fremdenverkehrsfachleute) - Deutscher Bäderverband - Hotel- und Gaststättenverband - DSF ( Deutsches Seminar für Fremdenverkehr) - Deutscher Städte- und Gemeindebund - Deutscher Landkreistag - Deutscher Städtetag Einige Landestourismusverbände haben als Untergliederungen die sogenannten Regionalverbände, in Bayern gibt es zum Beispiel 4 Regionalverbände. In Hessen gibt es 14 auf Kreisebene organisierte Verbände, die dem Landesfremdenverkehrsverband angehören, während die Regionalverbände Institutionen sind, die mehrere Kreise umfassen. Diese Aufteilung kann, muß aber nicht immer günstig sein, denn je mehr Kirchturmpolitik gemacht wird in einem vergrößerten Europa, desto geringer ist die Chance der Wahrnehmbarkeit. Sehr oft sind es künstliche Begriffe, die den Gast verwirren. Unter diesen Verbänden, die ordentliche Mitglieder des deutschen Fremdenverkehrsverbandes sind, existieren Kreisverbände und Städte- und Gemeindeverbände. Städte die eine große touristische Bedeutung haben, können auch direkt Mitglied des Deutschen Fremdenverkehrsverbandes sein. Zum anderen gibt es die Deutsche Zentrale für Tourismus ( DZT). Sie ist die Organisation, die Deutschland nach außen, im Ausland repräsentiert. Die DZT wird vom Bundeswirtschaftsministerium finanziert. Schwerpunkt der Arbeit der DZT sind die Reiseveranstalter, nicht die Einzelreisenden. Mitglieder sind : - der DFVV - der Deutsche Bäderverband - der DRV - die DEHOGA - die Deutsche Bahn AG - die Lufthansa wobei sich immer mehr Verbände und Konzerne beteiligen. Die DZT hat eine Vielzahl von Marketingmaßnahmen in der Auslandwerbung. Dazu gehören die verschiedenen Sales - Guides in der entsprechenden Landessprache. In einer Vielzahl von Ländern werden im Rahmen der Auslandswerbung Workshops angeboten und darüber hinaus werden eine Reihe von ausländischen Messen wahrgenommen. 88 2. Städtetourismus In Städten liegen die touristischen Belange in den Händen von Verkehrsvereinen und Fremdenverkehrsämtern. Ein Verkehrsverein ist eine Zusammensetzung von Vereinigungen, Firmen und Privatpersonen, die das Ziel verfolgen, die Stadt in der touristischen Entwicklung, in der Pflege des Brauchtums und in der Stadtbildpflege zu unterstützen. Fremdenverkehrsämter stellen demgegenüber die behördliche Struktur dar. Oft gliedern die Städte ihre Ämter aus, um die Institutionen flexibler handhaben zu können und es entstehen GmbH's die zu 100 % in städtischem Besitz sind. Des weiteren gibt es natürlich die touristische Leistungsträger, die Hotels, die Gastronomiebetriebe, die Campingplätze, die Jugendherbergen, die Verkehrsträger und die Freizeiteinrichtungen. Während das Einkaufen für den Städtetouristen einer der attraktivsten Punkte ist, sieht sich der Handel nicht als touristischer Leistungsträger. Der privat motivierte Tourismus hängt in hohem Maße von der Aufgeschlossenheit, der Mobilität der Bewohner einer Stadt ab. Diese Tatsache verdeutlicht die Bedeutung von Innenmarketing für den Tourismus. Ein wichtiger Marketinggrundsatz im Tourismus ist: Marketing fängt zu Hause an, d.h. Innenmarketing ist wichtiger als Außenmarketing. Wenn ich außerhalb meiner Region mit Versprechungen werbe, die ich nicht halten kann, wird der Tourist nicht wiederkehren. Ganz entscheidend ist es, die touristischen Leistungsträger mit einzubeziehen, nicht nur in die Diskussion sondern auch bei der Aufbringung der Kosten. Die Leistungsträger sollten zum Beispiel einen Eintrag in das entsprechende Unterkunftsverzeichnis bezahlen. Die Grundlage für ein gelungenes Stadtmarketing ist die Erstellung eines Service - Guides, indem alle Leistungsträger verzeichnet sind. Dazu kommt die methodisch - didaktische Arbeit, die Gäste an die entsprechenden Leistungen heranzuführen. Bei der Überflutung an touristischen Angeboten, muß man mit großer Kreativität bei der Vermarktung einer Stadt arbeiten, denn es sind die außergewöhnlichen Dinge, die Medieninteresse und damit das Interesse der Gäste wecken. Wichtig ist es, nach einer Marktanalyse, sein USP - Unit Selling Preposition - zu schaffen, also ein Produkt, das sich von anderen unterscheidet. In unserem Bewußtsein hat der Übemachtungstourismus den höchsten Stellenwert innerhalb des Städtetourismus , aber nicht in seiner tatsächlichen Wertschöpfung und Wirtschaftskraft. In diesem Bereich hat der Besuch bei Freunden und Verwandten den höchsten Stellenwertca. 60 %. Laut einer Studie des Deutschen wirtschaftswissenschaftlichen Institutes für Fremdenverkehr hat der Tagesausflugs- und Geschäftsreisetourismus inzwischen den gleichen Stellenwert im Städtetourismus angenommen. Quantitativ werden 800 Millionen Tagesausflüge und 100 Millionen Tagesgeschäftsreisen in der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt. Die hohe Attraktivität der Städte basiert nicht nur auf deren Einkaufsmöglichkeiten, denn auch in den Städten entfallen mehr als 60% der Ausflüge auf Wochenenden und Feiertage. Sowohl in bezug auf die Verkehrsmittelnutzung als auch auf die Motivationsstruktur für die tatsächlich ausgeübten Aktivitäten zeigen Großstädte kaum Abweichungen vom bundesdeutschen Durchschnitt. Nicht die Metropolen sind es, die relativ am stärksten am Ausflugsziel partizipieren, sondern die Großstädte mit hoher Zentralität und Attraktivität. Städte in Ballungsräumen werden demgegenüber schwächer von Ausflüglern frequentiert. Vom Tagesgeschäftsreiseverkehr werden absolut gesehen die Metropolen am meißten tangiert. Städtereisen sind Kurzreisen. Die durchschnittliche Verweildauer in deutschen Großstädten liegt bei 2,5 Tagen, unabhängig davon ob es sich um privat motivierten Reiseverkehr oder Geschäftsreiseverkehr handelt. 89 Dr. Kristiane Klemm Freie Universität Berlin Institut für Tourismus Umweltgerechte Tourismusplanung, -praxis und -Organisation 1. Einleitung Im Rahmen eines Forschungsauftrages, den wir im Auftrag des Bundesinstitutes für Berufsbildung durchführen, diskutieren wir mit Praktikern, wie ein umweltgerechter Tourismus organisiert und realisiert werden kann, und welche Weiterbildungsmaßnahmen notwendig sind. Dabei unterscheiden wir drei Handlungsebenen, auf denen die touristischen Akteure tätig sind: 1. die Ebene der übergeordneten Verwaltung (Wirtschaftsförderung, Landschaftsplanung, Regionalplanung - Landratsämter), 2. die Ebene der Fremdenverkehrsorganisationen, -verbände, (Fremdenverkehrsvereine, - verband, Tourist Information, Hotel- und Gaststättenverband), 3. die betriebliche Ebene (Hotels und Gaststätten). Wir führen diese Untersuchungen in vier verschiedenen Modellregionen (Rügen, Altmark, Harz, Thüringer Wald) durch, die alle eine sehr unterschiedliche touristische Struktur aufweisen. Ich möchte Ihnen heute nicht die inzwischen erzielten Ergebnisse unserer Untersuchung vorstellen, sondern vielmehr die Ziele und die Maßnahmenbereiche, die zu einer umweltgerechten Tourismusplanung führen, modellhaft vorstellen. Dabei steht heute inzwischen außer Frage, daß bei der Entwicklung von Tourismus umweltgerecht vorgegangen werden muß. Die Frage ist nur, wann sprechen wir von einem umweltgerechten Tourismus und was ist das überhaupt? 2. Ziele einer umweltgerechten Tourismusplanung Oberziel: Schaffen von befriedigenden Erholungsmöglichkeiten durch Entwicklung und Ausbau des Fremdenverkehrs zur Verbesserung der Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung. Bei der Schaffung von Erholungsmöglichkeiten auf dem Lande - und darüber sprechen wir heute auf diesem Kongreß hier - müssen die Interessen der Landbevölkerung beachtet werden. Es sollten sich aus der Tourismusentwicklung Vorteile ökonomischer und vielleicht auch sozialer Art für die Einwohner der jeweiligen Tourismusregion ergeben. Dies kann zum einen die Verbesserung der Einkommensmöglichkeiten bedeuten oder aber auch die qualitative und quantitative Entwicklung der Infrastruktur vor Ort. Schon bei dieser Zielformulierung muß mit großer Vorsicht vorgegangen werden, denn häufig können auch aus der Tourismusentwicklung Nachteile für die ländliche Bevölkerung entstehen, so z.B. wenn zu intensiv in die öffentliche Infrastruktur investiert wird und dadurch der kommunale Haushalt so stark belastet wird, daß Gelder für die sozialen Aufgaben der Kommune fehlen. Es gibt Beispiele, in denen zu Gunsten der Tourismusentwicklung die Schaffung von Kindergartenplätzen oder die Betreuung von Senioren aufgegeben werden muß. Bevor man sich also in den Ministerien oder in den Wirtschaftsfördereinrichtungen Gedanken machen kann, welchen Tourismus man entwickelt, muß man sich auch im Klaren sein, wo 96 Umweltgerechte Tourismusstrategien: Strategie der dezentralen Konzentration (Bündelung und Konzentration privater und öffentlicher Infrastruktur, Synergieeffekte nutzen) Strategie der räumlichen Aufgabenteilung Räume für Freizeit und Erholung, Taburäume, etc. Strategie der ausgeglichenen Funktionsräume Arbeitsmarkträume und einkommensschwache Teilräume mit speziellen. Funktionen z. B. Erholung, Landwirtschaft, etc. Wenn man, wie heute hier, von Tourismus auf dem Lande spricht, dann könnte man irrtümlich meinen, daß sich Tourismus überall und flächendeckend in den ländlichen Bereichen entwickeln kann. Diesem widerspricht die raumordnerische bzw. regionalplanerische Zielsetzung. Bei den Strategien der dezentralen Konzentration, der räumlichen Aufgabenteilung und der Strategie der ausgeglichenen Funktionsräume geht man davon aus, daß eine gewisse Form von Konzentration notwendig ist. Dies gilt auch für die Tourismusentwicklung. Die geforderte Vielfalt von touristischen Angeboten kann sich nur in Form einer Bündelung erfolgreich entwickeln. Dies muß nicht eine massentouristische Konzentration sein wie wir sie z.B. bei den Center Parcs haben. Eine solche Bündelung heißt u.a., daß es den touristischen Anbietern gelingt, wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten und damit auch Synergieeffekte für andere Dienstleistungsbereiche verbunden sind. Es erfordert jedoch auch eine gewisse Mindestzahl von Touristen. Zudem gibt es die Strategie der räumlichen Aufgabenteilung, die ganz klare Funktionszuweisungen für sog. Taburäume und für Räume, die sich für die Erholung eignen, definiert. Bei der Strategie der ausgeglichenen Funktionsräume geht es um Arbeitsmarkträume, die sich speziell für die Funktion „Erholung, Landwirtschaft, etc." eignen. Neben den touristischen Arbeitsplätzen müssen auch in erreichbarer Entfernung andere nicht touristische Arbeitsplätze geboten werden. Tourismus kann nicht das Allheilmittel für alle Strukturschwächen des ländlichen Raumes sein. 97 Wolfgang Falkner Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Die Bedeutung des Landurlaubs in der Bundesrepublik Deutschland; speziell in den neuen Ländern Die wirtschaftliche Entwicklung in den neuen Ländern läßt annehmen, daß die Lebensverhältnisse nicht so schnell an die des Westens angeglichen werden können, wie viele Menschen es ursprünglich erwartet hatte. Besonders gilt dies für viele Menschen im ländlichen Raum, die große Probleme bei der Einkommenssicherung haben. Leider gibt es zur Zeit auch nur wenig Perspektiven bei der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen. Deshalb ist es wichtig, sich umzusehen und nach neuen Möglichkeiten der Einkommenssicherung bzw. Einkommenskombination zu suchen. Dies vor allem vor dem Hintergrund, daß wir versuchen müssen, die Menschen im ländlichen Raum zu halten. Denn was wird aus dem ländlichen Raum, wenn dort niemand mehr leben möchte. Die dort lebenden Menschen sind es, die Kulturlandschaft „ländlicher Raum" in der Vergangenheit erhalten haben und auch in Zukunft erhalten werden. Sie betreuen und pflegen diesen Raum. Im übrigen behaupte ich: Der Tourismus wird ohne Landwirtschaft und ohne einen gepflegten ländlichen Raum nicht überleben können. Wir wissen aus Untersuchungsergebnissen, daß es im Bereich Tourismus allgemein und hier speziell im Bereich Landurlaub zur Zeit aber auch für die Zukunft große Chancen gibt. Der Fremdenverkehr in Form der Vermietung von Zimmern bzw. Ferienwohnungen kann für viele Menschen eine gute Einkommenssicherung bedeuten. Aber, er ist kein Allheilmittel. Wir lösen damit nicht die eigentlichen Probleme der Landwirtschaft sowie des ländlichen Raumes. Wir können nicht hingehen und Überkapazitäten schaffen. Aus Butterberge und Weinseen werden Bettenburgen und Bettenberge. Das kann es nicht sein. Aber dort, wo bestimmte Voraussetzungen vorhanden sind, wo sich Menschen engagieren und dienstleistungsbereit sind und so dann auch noch die Qualität stimmt, ist für viele der Landurlaub sicher eine gut Möglichkeit. Auf der Nachfrageseite wird der Landurlaub immer interessanter. Immer mehr Urlauber würden gerne einen Urlaub auf dem Lande machen. Es scheint aber hier speziell große Probleme auf der Informationsschiene zu geben. Nach einer Umfrage in der Reiseanalyse im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wissen wir, daß das Interesse vorhanden ist. 16% der Befragten äußerten den Wunsch, einen Urlaub auf dem Lande oder auf dem Bauernhof machen zu wollen, aber leider nur 3% nehmen das Angebot in Anspruch. Hier muß man kritisch die Frage stellen, woran liegt es. Warum diese Diskrepanz. Eindeutig sind dies Probleme der Vertriebs- bzw. Vermarktungsebene. Aber auch im Bereich der Werbung gibt es große Defizite. Wenn aber hier von der Werbung gesprochen wird, muß auch gesagt werden dürfen, daß zunächst immer noch die Leistung vor der 98 Werbung kommt. Denn die Leistung ist das wichtigste Marketinginstrument und verdient daher eine hohe Aufmerksamkeit. Die Leistung ist Teil der Qualität Was ist Qualität? (Erläuterung der Folie) Um mehr Qualität im Landurlaub zu erreichen bzw. diese zu verbessern, wurden neue Kriterien zur touristischen Informationsnorm eingebracht und es ist vorgesehen, den Landurlaub in nächster Zeit zu klassifizieren. Eine weitere günstige Voraussetzung für den Landurlaub in Mecklenburg-Vorpommern ist, daß Mecklenburg-Vorpommern als Reiseziel immer mehr angenommen wird. Nach der letzten Reiseanalyse 1995 haben fast alle Länder Einbrüche bei der Haupturlaubsreise hinnehmen müssen, bis auf Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Dies deutet darauf hin, daß es auch hier eine Trendwende im Verhalten der Urlauber gibt (Daten zur Reiseanalyse 1995/96). Nach den letzten Erkenntnissen gehen wir davon aus, daß im letzten Jahr über 20 Mio. Übernachtungen auf Bauernhöfen und im Bereich des Landurlaubs zu verzeichnen sind. Dies bedeutet für den ländlichen Raum: - für die Vermieter einen Umsatz von ca. 600 Mio. DM - für die Region einen Umsatz von ca. 800 Mio. DM. Wenn wir diese Umsätze halten oder sogar noch steigern wollen, müssen wir deshalb große Anstrengungen unternehmen. Wir müssen die Qualität und den Service noch mehr steigern. Wir müssen vor allem die Beratungskräfte auf zukünftige Aufgaben vorbereiten und sie schulen. Die Fachberatungskräfte für den Landurlaub müssen noch mehr auf die Betriebsinhaber (Vermieter) zugehen. Wenn erforderlich, auch neue Vermieter finden und sie bei vielen Maßnahmen betreuen: - Ausstattung - Fördermittel - Zuschüsse - Preisgestaltung - Werbung. Das dies dringend notwendig ist, hat das BML schon vor ca. 4 Jahren erkannt und ein Modellvorhaben „Einkommenssicherung durch Dorftourismus" in den neuen Ländern, u.a. auch in Mecklenburg-Vorpommern, durchgeführt. Bei der Ausbildung von Beratungskräften für den Landurlaub sehe ich eine große und gute Chance. Allerdings, auch hier gilt das gleiche wie bei der Schaffung von neuen Vermietungsbetrieben. Wir dürfen nicht zu viele Überkapazitäten bei den Beratungskräften schaffen, denn zu grjoß ist der Markt zur Zeit auch nicht. Jeder, der sich als Landtourismusberater ausbilden läßt, hat die Hoffnung, nach getaner Arbeit bzw. Prüfung eine Anstellung zu finden. Das ist es, was wir alle wollen. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Eine Hoffnung für den ländlichen Raum. Ich habe den Wunsch, daß dieser Kongreß dazu beitragen kann, daß diese Hoffnungen auch erfüllt werden. Der Tagung und dem Kongreß wünsche ich viel Erfolg! 99 Wolfgang Oppel DGB Bundesvorstand Vorschläge zur Modernisierung der beruflichen Bildung in der Bundesrepublik Deutschland Im globalisierten Standortwettbewerb nehmen Wissen und Bildung immer mehr den Rang eines Schlüsselfaktors ein, wonach Bildung vom Konzept eines lebenslangen Lernens ausgeht, indem allgemeine und berufliche Bildung einander ergänzen. Dabei wird die berufliche Qualifikation der Menschen in einer sich verändernden Arbeitswelt immer wichtiger. Das System der beruflichen Bildung muß den neuen Herausforderungen angepaßt werden. Geregelte Strukturen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung, die für die notwendigen Veränderungen flexibel sind, werden für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Standort Deutschland immer unverzichtbarer. Die Modernisierung des dualen Systems der Berufsausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz und der Einführung eines Bundesrahmengesetzes für Weiterbildung kommt deshalb besondere Bedeutung zu. Um in Zukunft allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern das notwendige hohe Qualifikationsniveau zu ermöglichen, sind nachfolgende Maßnahmen erforderlich: • Ein auswahlfähiges und qualifiziertes Angebot an Ausbildungsplätzen muß allen jungen Menschen nach ihrer Entlassung aus dem allgemeinen Schulsystem zur Verfügung stehen und somit das Grundrecht der Berufswahlfreiheit verwirklicht werden. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 10. Dezember 1980 liegt die Verantwortung für die Bereitstellung dieses Ausbildungsangebotes bei den privaten und öffentlichen Arbeitgebern; daran ist auch zukünftig festzuhalten. • Die Gewerkschaften haben mit Tarifverträgen, Kampagnen und Gesprächen sowie die Betriebs- und Personalräte mit Vereinbarungen auf Betriebsebene dazu beigetragen, den wieder seit vielen Jahren feststellbaren massiven Rückgang von Ausbildungsstellen zu verringern. In Erwartung der absehbaren Bürgerentwicklung der demographischen Kurve von Schulabgängerzahlen in den kommenden Jahren muß ein erheblich ausgeweitetes Angebot der Arbeitgeber an Ausbildungsplätzen zur Verfügung stehen. Allerdings steht dem nicht zuletzt die ungleiche Verteilung der Ausbildungskosten der Wirtschaft im Wege. Deshalb ist es dringend erforderlich einen finanziellen Lastenausgleich zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben einzuführen, damit zugleich die regionalen und strukturalen Angebotsverzerrungen abgebaut werden. • In den neuen Bundesländern muß selbst im 7. Jahr nach der politischen Wende die Verantwortlichkeit der Wirtschaft für die Bereitstellung qualifizierter Ausbildungsplätze in vielen Bereichen überhaupt erst hergestellt werden. Dort ist eine Verstetigung der aus der anfänglichen Notsituation entstandenen Praxis der öffentlichen Finanzierung unbedingt entgegen zu wirken. In diesem Kontext muß auch das überproportionale Außmaß außerbetrieblicher Ausbildung abgebaut werden. In einer nochmals einzuräumenden Übergangszeit kann die Förderung mit öffentlichen Geldern vor allem zur Stärkung betrieblicher Ausbildungsbereitschaft eingesetzt werden, z.B. die Finanzierung des 1. Ausbildungsjahres in einer überbetrieblichen Einrichtung oder bei neu gegründeten Kleinbetrieben unter der Voraussetzung, daß die Ausbildungsverträge i.S. des BBiG mit sogenannten "unversorgten" jugendlichen Ausbildungsplatzbewerbern und / oder ausbildungsstellenmarktbenachteiligten Jugendlichen abgeschlossen werden. • betriebliche Verbundausbildung und überbetriebliche Ausbildung sind nicht nur in den neuen Bundesländern, sondern auch in "Westdeutschland" intensiver mit öffentlichen Geldern zu fördern, wie z.B. durch Übernahme von Overhead - Kosten. 100 • Zur Bereitstellung eines größeren Angebotes an Ausbildungsstellen müssen die berufsqualifizierenden Ausbildungsangebote durch Fachschulen und Berufsfachschulen, vor allem in den neuen Ländern, ausgebaut werden. Duale Berufsausbildung unter Einbeziehung von Hoch- und Fachschulen ist zu fördern, wenn die breite Verwertbarkeit der Berufsabschlüsse sichergestellt ist. Darüber hinaus sind in der beruflichen Ordnungspolitik vermehrt Alternativen zu vollzeitschulischen Ausbildungsgängen zu entwickeln, damit auch in diesen Berufsfeldern die Jugendlichen und Unternehmen von den Vorzügen einer dualen Berufsausbildung profitieren können. Vor allem im Pflegebereich sind nunmehr Berufsausbildungsgänge nach dem Berufsbildungsgesetz zu realisieren. • Bund, Länder und Kommunen sollen öffentliche Fördermaßnahmen und Auftragsvergaben mit der nachgewiesenen Ausbildungsbereitschaft betroffenen Unternehmen als Auftragnehmer verknüpfen. • Die Anerkennung des einjährigen schulischen Berufsbildungsjahres (BGJ) muß auch für die neuen Bundesländer verpflichtend gemacht werden. • Die Bundesländer sind weiter aufgefordert, die Qualität der Berufsschule als Lernort im dualen System der Berufsausbildung zu verbessern. Dazu ist eine pädagogisch sinnvolle Vorsorge für die künftige Ausstattung mit Berufsschullehrern zu treffen. • Berufsschulunterricht, mit dem der erreicht hohe Standard des Fachkräftenachwuchses auch angesichts der künftigen Qualifikationsherausforderung erhalten werden soll, erfordert: - eine Reform des Berufsschulunterrichtes, die den Lernbedürfnissen junger Erwachsenen Rechnung trägt; - eine Differenzierung der Unterrichtsangebote durch zusätzlichen Unterricht für Leistungsschwächere und ergänzende Angebote für Leistungsstärkere - den Ausbau des Fremdsprachenunterrichtes, soweit die Ausbildungsbetriebe nicht selbst entsprechende Angebote vorhalten; - eine engere Kooperation zwischen Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen vor Ort. • Die neue Organisation des Berufsschulunterrichtes muß den Bedingungen der betrieblichen Qualifikation und der Berufspädagogik Rechnung tragen. Die Qualität des Unterrichtes darf dadurch nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, sondern neben dem traditionellem Teilzeitunterricht sind verstärkt andere Gestaltungsmöglichkeiten anzubieten, die den betrieblichen und pädagogischen Ausbildungsnotwendigkeiten entsprechen, bei denen das Jahresvolumen von 480 Berufsschulstunden aber nicht unterschritten und der tägliche Berufsschulunterricht nicht über 8 Stunden hinaus gehen darf. • Benachteiligte Jugendliche brauchen nicht weniger Qualifikation als andere, keine Schmalspur- und keine verkürzte Stufenausbildung; ihnen müssen zusätzliche Hilfen angeboten werden, um qualifizierte Ausbildungsabschlüsse zu erreichen. Die Ausbildungszeit für diesen Personenkreis darf nicht verkürzt werden, sie benötigen ggf. sogar mehr Zeit für die Ausbildung. Sozialbildungs- und marktbenachteiligte Jugendliche dürfen nicht in "Nischen" des Ausbildungsmarktes abgeschoben werden, sondern betriebliche Ausbildungsplätze sind für diese Zielgruppen noch wichtiger als für die übrigen Jugendlichen. Die Berufsberatung der BA muß sicherstellen, daß alle Jugendlichen sich dem breiten Spektrum von Ausbildungsberufen des dualen Systems der Berufsausbildung auf die ihren theoretischen wie praktischen Begabungen, Neigungen und Interessen entsprechenden Ausbildungsgängen hin orientieren können. 101 Die Gleichwertigkeit allgemeiner beruflicher Bildung muß endlich verwirklicht werden. Dazu ist in allen Bundesländern Absolventinnen und Absolventen des dualen Berufsausbildungssystems mit Berufserfahrung der Zugang zum Hochschulstudium zu ermöglichen. Transparente bundesweite Übergangswege von Weiterbildungsabschlüssen bis zu akademischen Berufen sollen die Berufschancen verbessern und eine qualifizierte berufliche Flexibilität und Mobilität für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ermöglichen. Ein Bundesrahmengesetz für Weiterbildung muß endlich geregelte Strukturen auch im Weiterbildungsbereich schaffen und soll: - die 4. Säule des Bildungssystems aufbauen - öffentliche Verantwortung durchsetzen - integrative Weiterbildung ermöglichen - die Finanzierung der Weiterbildung sichern - Benachteiligungen abbauen - individuelles Recht auf Weiterbildung verwirklichen - Qualität sichern - Qualifikationsstandort weiterentwickeln - lebensbegleitendes Lernen ermöglichen - vergleichbare Freistellungsregelungen in allen Bundesländern schaffen. 102 2. Qualifikationskatalog - Reiseleiter/ Reiseleiterin Entsprechend den Ausführungen in Teil I, S. 25 ff., zur Reiseleiter und Gästeführertätigkeit wird der aus diesem Kontext heraus entwickelte Vorschlag für einen Qualifikationskatalog zur Fortbildung zum Reiseleiter / zur Reiseleiterin nachfolgend dargestellt. A. Das Ausbildungsberufsbild Die Ausbildung zum Reiseleiter/zur Reiseleiterin ist eine Erwachsenenqualifizierung. Sie soll den spezifischen Erfordernissen beruflicher Erwachsenenbildung entsprechen. Aus diesem Grund ist der Katalog der Kenntnisse und Fertigkeiten als Mindestrahmen für diese Ausbildung zu verstehen. Er ist, um die Flexibilität der Ausbildung zu erhöhen und inhaltlich auf die unterschiedlichen Zugangssituationen von erwachsenen Menschen reagieren zu können, bausteinartig strukturiert. Baustein 1: - Tourismuskunde Baustein 2: - Reiseorganisation und Reisedurchführung Baustein 3: - Soziale Kompetenz Baustein 4:.- Didaktik und Methodik Der Inhalt der nachstehend beschriebenen Bausteine (Groblernzielebene) bildet den Mindestrahmen der Kenntnisse und Fertigkeiten, die für eine Überprüfung bzw. eine Anerkennung dieses Berufes im Rahmen des § 46 Berufsbildungsgesetz (Berufliche Fortbildung) durch die entsprechende Zuständige Stelle Voraussetzung sind. 1. Tourismuskunde 1.1. Tourismussoziologie 1.2. Europakunde 1.3. Reiseland Deutschland 1.4. Organisationsstrukturen und Leistungsträger im Fremdenverkehrswesen 1.5. Tourismus und Umwelt 2. Reiseorganisation und Reisedurchführung 2.1. Grundlagen der Reiseleitung 2.2. Der rechtliche Rahmen einer organisierten Reise 2.3. Arbeits- und sozialrechtliche Vorschriften 2.4. Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz 3. Soziale Kompetenz; pädagogische und psychologische Instrumentarien der Reisebetreuung 3.1. Reiseleitung/ Gästeführung 3.2- Grundlagen der Anleitung und Problembewältigung in Reise- bzw. Besuchergruppen 4. Didaktik und Methodik 4.1. Reiseablauf planung 4.2. Präsentation und Gesprächsführung 4.3. Allgemeine pädagogische Prinzipien 103 B. Qualifikationskatalog für die Ausbildung zum /zur Reiseleiter/in; Gästeführer/-in lfd. Nr. 1 1.1 1.2 zu vermittelnde Fertigkeiten und Kenntnisse Tourism uskunde Tourismussoziologie a) Über die Geschichte des Reisens und die Entwicklung der Freizeit Auskunft geben b) Aktuelle Reise- und Freizeitangebote bewerten und nutzen Europakunde a)über die geographische, politische und historische Charakteristik der wichtigsten Staaten in Europa Auskunft geben b)über Zusammenhänge und Aufgaben der EU und ihrer Gremien Auskunft geben c)Prinzipien der Völkerpsychologie und des interkulturellen Lebens erklären und beachten Lerninhalte - Geschichte des Reisens - Reiseverhalten im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen - Entwicklung und Traditionen im Freizeitverhalten - Reiseformen -Reise- und Freizeitangebote -Trends im Reiseverhalten und der tourist. Angebotsentwicklung -Anspruchsverhalten unterschiedlicher Zielgruppen - Organisation - Arbeitsweise - Zielstellungen -Beachtung der kulturellen und religiösen Herkunft des Reisenden -Achtung und Toleranz der Lebensgewohnheiten der kulturellen und religiösen Besonderheiten der Menschen des Gastgeberlandes Hinweise Der Teil des Ausbildungsberufsbildes dient der Bildung eines allgemeinen Verständnisses über Tourismus und der Fähigkeit, Trends und Entwicklungen von Freizeitbewältigung und Freizeitverhalten unter der besonderen Berücksichtigung des Reisens für die eigene Arbeit richtig auszuwerten. Begriffsdefinitionen vornehmen, Kenntnisse für die Ausgestaltung der eigenen Tätigkeit nutzen; während der Reisedurchführung anwenden. Grundkenntnisse und wesentliche Zusammenhänge im Europa der Gegenwart Grundkenntnisse Grundkenntnisse und Zusammenhangswissen Problembewußtsein für fremde Kulturen und andersartige Lebensräume u.a. zum Schütze derselben herstellen 104 1. 1.3 1.4 2.I Reiseland Deutschland a)Deutschland als Reiseland beschreiben Organisationsstrukturen und Leistungsträger im Fremdenverkehrswesen a) Organisationsstrukturen im Fremdenverkehrswesen beschreiben D)Über Leistungsträger und Leistungsangebote im Beherbergungs- und Verkehrswesen Auskunft geben 3. - Geographie, Geschichte, Kunst, Politik, Bevölkerung -Typische Fremdenverkehrsgebiete und touristisch interessante Städte Branchenbereiche generell darstellen A. Reisevermittler B. Reiseveranstalter C. Einrichtungen im Kur- und Fremdenverkehr -Beherberqunqswesen Einrichtungen: - Hotel/ Hotel garni/ Pension/ Gasthof/ Ferienwohnung/ Ferienhäuser/ Jugendherbergen/ Privatunterkünfte/ Kurheim usw. nationale und internationale Beherbergungsklassifizierungen Verträge: Gastaufnahmevertrag, Hotelreservierung 4 I geographische Kenntnisse, touristische Begriffe und Kategorien (z.B. Kurtaxe oder Fremdenverkehrsabgabe) - Das Reisebüro als Vermittler von Reisedienstleistungen - Die Art und der Umfang der Dienstleistungen kennzeichnen die Aufgabenstellung und das Profil dieser Betriebe beschreiben. - Organisation von Pauschal-und Individuaireisen - Zusammenarbeit mit verschiedenen Leistungsträgerr u. Zusammenfassung der Einzelleistungen -Vertrieb -Verkaufsförderung -Reiseabwicklung usw. Aufgabenstellungen und Leistungsmerkmale von: - Kurverwaltungen, - Fremdenverkehrsstellen/-ämtern, - Verbänden und Vereinen Zielkonflikte zwischen Ökonomie und Ökologie erkennen und Lösungsansätze entwickeln Merkmalseinteilung, Kategorien sowie Preisklassen im Beherbergungswesen Einrichtungen und Konditionen im nationalen und internationalen Verkehr 105 1. 1.5 2.I Tourismus und Umwelt a)Die Notwendigkeit der Bewahrung natürlicher Ressourcen für die touristische Nutzung begründen b)Möglichkeiten und aktuelle Strategien des Umweltschutzes im Kontext touristischer Maßnahmen aufzeigen 3. Verkehrsträger Flug- -Charter-/Linienflug -Kategorien bzw. Preisklassen Bahn: -Regelverkehr -Sonderzüge/ Spezialbahnen Schiff: -Linienverkehr -Bedarfsverkehr -Kreuzfahrten -Schiffsrouten Bus: -Linienverkehr -Bustourismus Miet-bzw. Charterverträge: - Konditionen - Stornobedingungen - Reklamationen - Ressourcenschutz als Standortsicherung und Basis für die Qualitätssteigerung des touristischen Angebotes erläutern - Kopplung tourist. Angebote an ökolog. Notwendigkeiten - Umsetzung von Konzepten des "sanften Tourismus" - Zusammenarbeit mit örtlichen und überregionalen Naturschutzorganisationen - Folgen von Wander,-Fahr-und Reittourismus sowie natumaher Sportarten einschätzen - Entsorgungsprobleme lösen - Verzicht auf Reisen in sensible Menschen- und Naturreservate 4. -Erhaltung des tourist. Produktes -Image-Gewinn -Qualitätsgewinn usw. Zielstellung: Durchsetzung eines verstärkten Umweltbewußtseins im Denken und Handeln aller tour. Leistungsträger, aller Beschäftigten sowie der Reisenden. 112 3. Weiterbildung im Bereich Kur- und Fremdenverkehr 3.1 Neue Rechtsvorschriften für die Fortbildungsprüfung zum / zur Touristikfachwirt / Touristikfachwirtin mit den Schwerpunkten (Spezialisierungsrichtungen): „Reiseverkehr" und „Fremdenverkehr" Die Zusammenarbeit im Rahmen des Modellvorhabens: Qualifizierung von Fachleuten zur Anleitung des Aufbaus touristischer Strukturen im ländlichen Raum....", insbesondere bei der Erarbeitung der Ausbildungsanforderungen für die Qualifikation: - Fachberater / in für Landtourismus - zwischen dem Träger der Maßnahme, der Arbeitsgemeinschaft für Urlaub und Freizeit auf dem Lande, dem Bundesinstitut für Berufsbildung und der IHK Rostock, machte es möglich, daß im Frühjahr 1996 die neue Rechtsvorschrift für die Fortbildung zum / zur: „Touristikfachwirt / Touristikfachwirtin" mit den Spezialisierungsrichtungen : „Reiseverkehr" und „ Fremdenverkehr" von der IHK Rostock gemäß § 46.1 BBiG erlassen werden konnte. Neu an diesen Fortbildungsregelungen ist, daß es sich hierbei um den Abschluß branchenbereichsorientierter Fortbildung handelt, d.h. daß für die Fachgebiete - Fremdenverkehr (Kur-und Fremdenverkehr) oder - Reiseverkehr (Reiseverkehrsmanagement) entsprechendes Fachwissen überprüft wird. Die Prüfung erfolgt entweder für das Fachgebiet Fremdenverkehr oder das Fachgebiet Reiseverkehr. Beide Regelungen sind die ersten Fortbildungsregelungen, die speziell für diese Bereiche eingerichtet wurden. 3.2 Qualifikationskatalog: Touristikfachwirt/in mit der Spezialisierung: Fremdenverkehr Übersicht über die Lerngebiete: Die Ausbildung zum/zur Touristikfachwirt/in mit der Spezialisierung: Fremdenverkehr ist eine Erwachsenenqualifizierung. Sie ist den spezifischen Erfordernissen beruflicher Erwachsenenbildung entsprechend entwickelt worden. Der Rahmenlehrplan ist, um die Flexibilität der Ausbildung zu erhöhen und inhaltlich auf die unterschiedlichen Zugangssituationen reagieren zu können, bausteinartig strukturiert. Baustein 1: - Tourismuskunde Baustein 2: - Tourismus und Umwelt Baustein 3: - Regionalkunde Baustein 4: - Marktforschung und Marketing Baustein 5: - Wirtschaftskunde Baustein 6: - Didaktik und Methodik Der Inhalt der nachstehend beschriebenen Bausteine (Groblernzielebene) bildet den Mindestrahmen der Kenntnisse und Fertigkeiten, die für eine Überprüfung bzw. eine Anerkennung dieses Berufes im Rahmen des § 46 Berufsbildungsgesetz (Berufliche Fortbildung) durch die entsprechende Zuständige Stelle Voraussetzung sind. 113 1. Tourismuskunde 1.1. Tourismussoziologie 1.2. Reiseland Deutschland 1.3. Organisationsstrukturen und Leistungsträger im Fremdenverkehrswesen 1.4. Rechtsgrundlagen im Tourismus 2. Tourismus und Umwelt 2.1 Schutz und Bewahrung natürlicher Ressourcen 2.2 Strategien des Umweltschutzes im Rahmen touristischer Aufgaben 2.3 Entwicklung regionaler Konzepte für den sanften Tourismus 3. Regionalkunde 3.1 Übersicht über natürliche, touristisch nutzbare Gegebenheiten 3.2 Darstellung der geschichtlichen Entwicklung, des Brauchtums und regionaler Traditionen 3.3 Übersicht über regionale Kunst- und Kultur 3.4 Darstellung der Verkehrs- und Wirtschaftsstruktur 4. Marktforschung und Marketing 4.1 Erfassen von Marktinformationen 4.2 Entwicklung und Festlegung von Marketingstrategien 4.3 Umsetzen von Marketingkonzepten 5. Wirtschaftskunde 5.1 Rechtliche Rahmenbedingungen des Wirtschaftens 5.2 Projektfinanzierunskonzepte und regionale Förderbedingungen 5.3 Büroorganisation 6. Didaktik und Methodik 6.1 Erwachsenengerechte Unterrichtsmethoden und didaktische Grundprinzipien 6.2 Struktur und Funktion pädagogischer Prozesse 7. Pädagogische und psychologische Instrumentarien 7.1 Tourismusberatung im ländlichen Raum 7.2 Präsentation und Gesprächsführung 7.3 Allgemeine pädagogische Prinzipien Der auf dieser Grundlage entwickelte Qualifikationskatalog ist umseitig dargestellt. 114 2. Qualifikationskatalog: Touristikfachwirt/ in, Schwerpunkt: Fremdenverkehr 1. 1. 1.1 1.2 Lerngebiete 2. Tourismuskunde Tourismussoziologie a)Über die Geschichte des Reisens und die Entwicklung der Freizeit Auskunft geben b)Aktuelle Reise- und Freizeitangebote bewerten und nutzen c) Prinzipien der Völkerpsychologie und des interkulturellen Lebens erklären und beachten Reiseland Deutschland Deutschland als Reiseland beschreiben Lernziele 3. - Geschichte des Reisens -Reiseverhalten im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen -Entwicklung und Traditionen im Freizeitverhalten -Reiseformen - Reise- und Freizeitangebote -Trends im Reiseverhalten und der touristischen Angebotsentwicklung -Anspruchsverhalten unterschiedlicher Zielgruppen - Beachtung der kulturellen und religiösen Herkunft des Reisenden -Achtung und Toleranz der Lebensgewohnheiten der kulturellen und religiösen Besonderheiten der Menschen des Gastgeberlandes -Geographie, Geschichte, Kunst, Politik, Bevölkerung - Typische Fremdenverkehrsgebiete u. touristisch interessante Städte Lerninhalte 4. Der Teil der Ausbildung dient der Bildung eines allgemeinen Verständnisses über Tourismus und der Fähigkeit, Trends und Entwicklungen im Freizeitverhalten für die eigene Arbeit richtig auszuwertf Begriffsdefinitionen vornehmen, Kenntnisse für die Ausgestaltung der eigenen Tätigkeit nutzen; während der Reisedurchführunj anwenden. Problembewußtsein für fremde Kulturen und andersartige Lebensräume u.a. zum Schütze derselben herstellen insbesondere geographische Kenntnisse touristische Begriffe und Kategorien (z B. Kurtaxe oder Fremdenverkehrsabgabe) 115 1. 1.3 2. Organisationsstrukturen und Leistungsträger im Fremdenverkehrswesen a) Organisationsstrukturen im Fremdenverkehrswesen beschreiben b)über Leistungsträger und Leistungsangebote im Beherbergungs- und Verkehrswesen Auskunft geben 3. Branchenbereiche darstellen: Reisevermittler Reiseveranstalter Einrichtungen im Kur-und Fremdenverkehr Beherberg u ngswesen Einrichtungen: - Hotel/ Hotel garni / Pension/ Gasthof / Ferienwohnung/- häuser/ Jugendherbergen/ Privatunterkünfte/ Kurheime 4. Das Reisebüro als Vermittler von Reisedienstleistungen Die Art und der Umfang der Dienstleistungen kennzeichnen Aufgabenstellung und das Profil der Betriebe: -Organisation von Pauschal- und Individuaireisen -Zusammenarbeit mit verschiedenen Leistungsträgerr u. Zusammenfassung der Einzelleistungen: -Vertrieb -Verkaufsförderung -Reiseabwicklung usw. Aufgabenstellungen und Leistungsmerkmale von: - Kurverwaltungen, - Fremdenverkehrsstellen, - Verbänden und Vereinen Zielkonflikte zwischen Ökonomie und Ökologie erkennen Lösungsansätze entwickeln Merkmalseinteilung, Kategorien sowie Preisklassen im Beherbergungswesen - nationale und internationale Beherbergungsklassifizierung Verträge: Gastaufnahmevertrag Hotelreservierung Einrichtungen und Konditionen im nationalen und internation. Verkehr 116 1. 1.4 2. Wesentliche Rechtsgrundlagen der Tourism uswirtschaft a)Rechtsformen und Gliederungen tourist Einrichtungen und ihre Haftungs-und Abgabepflichten beschreiben 3. Verkehrsträger Flug: -Charter-/ Linienflug -Kategorien bzw. Preisklassen Bahn: -Regelverkehr -Sonderzüge/Spezialbahnen Schiff: -Linienverkehr -Bedarfsverkehr -Kreutzfahrten -Schiffsrouten Bus: -Linienverkehr -Bustourismus Miet-bzw. Charterverträge: -Konditionen -Stornobedingungen -Reklamationen Kenntnisse über Aufgabenstellungen und rechtliche Beziehungen -Reisebüro, Reiseveranstalter, Kurverwaltung, Fremdenverkehrsamt, Verkehrsverein GbR, KG, GmbH, AG, Kommunalverwaltung, Eigenbetrieb, Verein -Beziehungen zur IHK und zu Verbänden der Tuorismusbranche Haftung, Wettbewerb, Reklamation, Verträge Bestimmungen über Abgaben im Kur-und Fremdenverkehr 4. Privatrechtliche Einrichtungen Einrichtungen der öffentlichen Hand Deutscher Reisebüro-Verband (DRV), Bundesverband mittelständischer Reiseunternehmen (asr), Deutscher Bäderverband(DBV), Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT), Deutscher Fremden verkehrsverband(DFV Grundlagen der für kaufmännisches Handeln wichtigen Vorschriften des bürgerlichen Rechts, Vorschriften des öffentlichen Dienstes, des Haushaltsrechts.des Verwaltungsrechts, Agenturverträge, Einzelverträge irr 117 1 2. 2.1 2.2 2. 3)Arbeits- und sozialrechtliche Vorschriften und Bestimmungen erläutern Tourismus und Umwelt Die Notwendigkeit der Bewahrung natürlicher Ressourcen für die touristische Nutzung begründen Möglichkeiten und aktuelle Strategien des Umweltschutzes im Kontext touristischer Maßnahmen aufzeigen 3. -Tarifverträge -Betriebsverfassungsgesetz -für den Arbeitnehmer geltende Bestimmungen wie: Jugendarbeitsschutz, Mutterschutz und Kündigungsschutz Ressourcenschutz als Standortsicherung und Basis für die Qualitätssteigerung des touristischen Angebotes erläutern Kopplung tourist. Angebote an ökologische Notwendigkeiten Umsetzung von Konzepten des „sanften Tourismus" Zusammenarbeit mit örtlichen und überregionalen Naturschutzorganisationen Folgen von Wander- Fahr-und Reittourismus sowie naturnaher Sportarten einschätzen Entsorgungsprobleme Verzicht auf Reisen in sensible Menschen-und Naturreservate 4. - Gehaltstarifvertrag - Manteltenfvertrag, Tarifvertrag über die Gewährung vermögenswirksamer Leistungen usw. 3etriebsvereinbarungen, freiwillige Sozialleistungen, Mitwirkung und Mitbestimmung - Jugendarbeitsschutzgesetz, - Mutterschutzgesetz, - Kundigungsschutzgesetz usw. - Krankenversicherung - Rentenversicherung, - Arbeitslosenversicherung, - betriebliche Sozialleistungen, - betriebliche Unfallfallversicherung usw. Erhaltung der Voraussetzung für das tour. Produkt Sicherung von Image und Qualität Zielstellung: Durchsetzung eines verstärkten Umweltbewußtseins im Denken und Handeln aller tour. Leistungsträger, aller Beschäftigten sowie der Reisenden 118 1. 2.3 3. 3.1 3.2 3.3 3.4 2. Entwicklung regionaler Konzepte für den sanften Tourismus Regionalkunde Natürliche, touristisch nutzbare Gegebenheiten einer Region kennen Geschichtliche Entwicklung, Brauchtum und Tradition einer Region Regionale Kunst und Kultur Verkehrs-und Wirtschaftsstruktur 3. regional verträgliche Tourismusbereiche entwickeln Probleme erkennen und beachten Presse- und Öffentlichkeitsarbeit -Naturräumliche Gliederung -Landschaftsformen -Klima und Wetter -Typische Tier-und Pflanzenwelt -Historische Entwicklung -Sagen und Legenden -Traditionelle Gewerke und Industrieansiedlungen -Sitten, Gebräuche, Mundart -Traditionelle Volkskunst, -Kunsthandwerk, -regionale, zeitgenössische Kulturangebote -Verkehr -Kommunikation -Strukturprobleme und Entwicklungstendenzen in der Region 4. Sanfter Tourismus als Grundkonzept für Erlebnistourismus, Wander, -Fahr, -Reittourismus usw. Zusammenarbeit mit Umwelt- und Naturschutzorgansationen und den Verantwortlichen zur Lösung von Entsorgungsproblemen, im Raumordnungsverfahren usw. Über die Bedeutung von Öffentlichkeitsarbeit für die Erreichung von Zielstellungen Auskunft geben Strategien und Argumentationsstränge entwickeln und anwenden Natürlich gegeben touristische Potentiale einer Region beschreiben Nationalpark, Landschaftsschutzgebiete, Naturdenkmäler usw. Traditionen, Sitten und Gebräuche einer Region sind wichtige Argumente für die Besonderheit eines touristischen Angebotes Herausstellen der regionalen Besonderheiten Theater, Musik, Sprache, Malerei Verkehrsnetze, Verkehrsanbindungen Kommunikationsnetze Informationsnetze, regionale Sender für TV, Radio, Hörfunk, Presse Kenntnisse darüber ermöglichen Mitsprache und Einflußnahme bei der Entwicklung und Durchsetzung tour. Konzepte 119 1. 4. 4 1 4.2 2. Marktforschung und Marketing Erfassen von Marktinformationen Entwicklung und Festlegung einer Marketingstrategie 3. Daten sammeln und aufbereiten Methoden der Marktanalyse anwenden Interpretation der Daten realistisch durchführen Zielfestsetzung Festlegung der Marketingstrategie Konkretisierung der Marketingmaßnahmen 4. -Umweltanalyse: Erfassung aller lokalen Gegebenheiten(siehe. Regionalkunde) -Marktanalyse: Erforschung aller Faktoren, die den Besuch von Reisezielen und den Absatz tourist Sach-u. Dienstleistungen beeinflussen -Betriebsanalyse Abgrenzung des Marktes nach räumlichen, zeitlichen, sachlichen und personellen Aspekten - Nachfrage/Konsumentenanalyse - Konkurrenzanalyse - Strategische Diagnose: Chancen/Risiken-, Ressourcen-, Lebenszyklusanalyse usw. -Identität, Beibehaltung der Grundsätze -Marketingziele -Marketingstrategie -Marketing-Mix -Produktpolitik Qualität/Quantität Produktpalette -Preispolitik Preise/Rabatte/ Provisionen -Absatzpolitik Vertriebssystem -Kommunikation Werbung/Public Relations 120 1. 5. 5.1 5.2 1. 2. Wirtschaftskunde Rechtliche Rahmenbedingungen des Wirtschaftens nennen Grundlagen im Rechnungswesen erläutern und anwenden 2. 3. Rechtsbeziehungen und Vertragsarten nennen Über Vertragsabschluß und Erfüllung Auskunft geben wirtschaftliche und rechtliche Kriterien der Bewertung von Unternehmen Zahlungsverkehr Buchführung <osten-und Leistungsrechnung 3 4. Werkvertrag, Dienstvertrag, Geschäftsbesorgungsvertrag, Beherbergungsvertrag, Kaufvertrag, Mietvertrag, Werbevertrag, rechtliche Grundlagen im Nationalen und intemat. Reiseverkehr Rechtlicher Rahmen: Vertragsabschluß, Rücktritt, Umbuchung Kündigung, Aufhebung Haftung, Schadensersatz, Reklamationen bei Leistungsstörungen, Mahnverfahren, Allgem. Geschäftsbeziehungen U nternehmensformen, Rechts-und Geschäftsfähigkeit, Wettbewerbsordnung usw. branchenübliche Zahlungsbedingungen kennen Grundsätze der Kassenführung und Abrechnung beherrschen Zahlungsvorgänge unter den Bedingungen des Zahlungsverkehrs auslösen Mahnverfahren einleiten Zweck und Aufbau der Buchhaltung Kontenrahmen und Kontenplan erläutern Buchungsunterlagen/ Belege anfertigen Leistungen vorschriftsmäßig abrechnen Grundbegriffe: -Kostenarten, -Kostenstellen, -Kostenträger, -Kostenrechnung als Grundlage für kostenbewußtes Handeln 4 121 1. 5.4 6. 6.1 2. Grundlagen der Arbeitsorganisation Didaktik und Methode Erwachsenengerechte Unterrichtsmethoden und didaktische Grundprinzipien 3. Organisieren von Handlungs- und insbesondere Verwaltungsablaufen Umgehen mit technischen Arbeitsgeräten, mit Kommunikationsmitteln und sonstigen Organisationshilfen Datenverarbeitung mit Hilfe des PC Nutzung moderner I nformationstech nologien Beachten der Grundsatze des Datenschutz didaktische Prinzipien nenner Anwenden von: Einstiegsmethoden und darbietenden, aneignungsorientierten, kommuniativ akzentuierten Methoden, Methoden zur Ergebnissicherung und zur Entwicklung des Gruppenzusammenhaltes / der Auswertung 4 Gestaltung des Arbeitsplatzes, Terminplanung und Kontrolle, Organisation von Konferenzen, Besprechungen und Unterweisungen, Durchfuhren von Dienstreisen, Anwendung herkömmlicher Registratur-und Ordnungssysteme usw. Schreibtechnik, Vervielfältigung, Anwendung moderner Kommunikationstechnologien- und Methoden, Einsatz technischer Unterrichtshilfen , Begriffsbestimmung/ Grundbegriffe das Betriebssystem MS-DOS, die Benutzeroberfläche Windows Gestalten und Verändern von Texten, Serienbriefe, Tabellenkalkulation Datenbanken usw. Kommunikationssysteme im Tourismus (START, IATA), spezielle Informationsnetze- und Systeme (z B. Mailbox), Kommunikationstechnologien, wie Fax, BTX, Nutzungsanleitungen Konferenzschaltungen usw. Verwendung von Ausbildungsmedien: -textlich visuell -bildlich visuell -auditiv -audiovisuell Strukturierung und Gliederung des Unterrichts zur Erreichung einer optimalen Vermittlungsleistung