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Akzeptierte Geschäftsprozesse gestalten und implementieren

Drewes, Lars,Nissen, Volker

Abstract

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Drewes, Lars; Nissen, Volker Article — Published Version Akzeptierte Geschäftsprozesse gestalten und implementieren HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik Provided in Cooperation with: Springer Nature Suggested Citation: Drewes, Lars; Nissen, Volker (2022) : Akzeptierte Geschäftsprozesse gestalten und implementieren, HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik, ISSN 2198-2775, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden, Vol. 59, Iss. 2, pp. 572-587, https://doi.org/10.1365/s40702-022-00856-x This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/309520 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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In der vorliegenden Arbeit wird der Einfluss von Selbstheilungsfähigkeiten im Prozess sowie der Einfluss eines damit verbundenen Verlustes der Kontrolle der Beteiligten über die Daten in zwei Experimenten untersucht. Dadurch, dass ein Algorithmus die Kontrolle über den Prozess übernimmt, ist hier die digitale Ethik betroffen. Die Basis für das Experiment bildet ein generischer Einkaufsprozess, der online über Amazon’s Mechanical Turk bereitgestellt wird. Die Prozessakzeptanz wird mit Hilfe eines Fragebogens aufgeteilt in die drei Dimensionen der Einstellung (kognitiv, affektiv, konativ) gemessen. Das erste Experiment zeigt, dass es einen signifikanten Unterschied in der Akzeptanz von Prozesse mit und ohne Selbstheilungsmechanismen gibt. Die Ergebnisse der Tests deuten darauf hin, dass die Selbstheilung nicht automatisch besser akzeptiert wird als wiederholte manuelle Anstrengungen. Dieses Ergebnis ist auch praktisch sehr wichtig, denn automatisierte Rekonstruktionen nehmen heute eine wichtige Rolle in der IT-gestützten Ausführung von Geschäftsprozessen ein. Eine vorläufige Erklärung ist, dass ein Verlust der Kontrolle der Teilnehmer über die Daten zu diesem scheinbar kontra-intuitiven Ergebnis führt. Im zweiten Experiment wird daher der Kontrollverlust untersucht. Es konnte dahingehend keine Signifikanz festgestellt werden, allerdings deutet die gemessene Teststärke darauf hin, dass das gewählte Lars Drewes () · Volker Nissen FG WI für Dienstleistungen, TU Ilmenau, 10 05 65, 98694 Ilmenau, Deutschland E-Mail: [email protected] Volker Nissen E-Mail: [email protected] K Akzeptierte Geschäftsprozesse gestalten und implementieren 573 Testdesign möglicherweise nicht sensibel genug war, solche Unterschiede messen zu können. Weitere Untersuchungen sind daher nötig. Schlüsselwörter GPM · Digitale Ethik · Prozessakzeptanz · Prozessexperiment · Amazon’s Mechanical Turk · Selbstheilung · Kontrollverlust Designing and Implementing Accepted Business Processes The Effects of Self-healing Capabilities of a Process and the Associated Loss of Control on Process Acceptance Abstract According to the process acceptance theory, the acceptance of processes has an influence on their correct execution. If deviations and manipulations in the process execution, which can also have negative ethical connotations, are to be prevented, it is necessary to understand which factors have an influence on the acceptance. In the present work, the influence of self-healing capabilities in the process as well as the influence of a related loss of control of the participants over the data is investigated in two experiments. By having an algorithm take control of the process, digital ethics are affected here. The basis for the experiment is a generic shopping process provided online via Amazon’s Mechanical Turk. Process acceptance is measured using a questionnaire divided into the three dimensions of attitude (cognitive, affective, conative). The first experiment shows that there is a significant difference in the acceptance of processes with and without self-healing mechanisms. The results of statistic tests indicate that self-healing is not automatically better accepted than repeated manual efforts. This result is also practically very important, because automated reconstructions now play an important role in the IT-supported execution of business processes. A tentative explanation is that a loss of participant control over the data leads to this seemingly counter-intuitive result. The second experiment therefore investigates loss of control. No significance was found in this regard; however, the measured test strength suggests that the chosen test design may not have been sensitive enough to measure such differences. Further investigations are therefore necessary. Keywords BPM · Digital ethics · Process acceptance · Process experiment · Amazon’s Mechanical Turk · Self-healing · Loss of control 1 Motivation und Zielstellung Gute Prozessgestaltung und aktives Geschäftsprozessmanagement sind wesentliche Voraussetzungen, um Prozessinnovationen, Kostensenkungen und höhere Kundenzufriedenheit zu erreichen (Becker und Kahn 2012; Hammer und Champy 2006; Müllerleile und Nissen 2014; Müllerleile et al. 2015). Damit Prozesse aber auch tatsächlich so initiiert und ausgeführt werden, wie sie vorgesehen sind, ist Prozessakzeptanz eine wichtige Voraussetzung. Hierbei schreibt der Prozessausführende (Akzeptanzsubjekt) dem Prozess (Akzeptanzobjekt) innerhalb eines bestimmten Kontextes Akzeptanz zu. Ein Beispiel im Kontext dieser Studie wäre, dass ein K 574 L. Drewes, V. Nissen Sachbearbeiter innerhalb des Kontextes seiner betrieblichen Aufgabe Bestellungen zu generieren, dem Einkaufsprozess eine bestimmte Ausprägung an Akzeptanz zuweist. Ist diese nicht vorhanden oder zu gering, kann es zu Modifikationen des Prozesses oder sogar einer Verweigerung der Ausführung kommen. Hierdurch können inoffizielle Abläufe, sogenannte Schattenprozesse, entstehen oder ähnliche, bereits existierende Ersatzprozesse erfahren eine höhere Akzeptanz und werden aus diesem Grund bevorzugt (Müllerleile und Nissen 2014; Müllerleile et al. 2015). Solche Prozessabweichungen können nicht nur zu betriebswirtschaftlichen Nachteilen, wie z.B. dem Verlust von Kundenzufriedenheit und damit Umsatzeinbußen führen, sondern stellen auch ein potenzielles Risiko für Mensch und Umwelt dar und werfen damit auch ethische Fragestellungen auf (siehe Abschn. 2). Ein aktuelles Beispiel sind Hygiene- und Desinfektionsprozesse, die aufgrund der momentan vorherrschenden Corona-Pandemie eingeführt wurden. Werden diese nicht beachtet, kann es zu steigenden Infektionszahlen kommen, was je nach Begründung der Nichtbeachtung ethisch verwerflich sein kann. Nichtakzeptanz von Prozessen kann sogar strafrechtlich relevant werden, etwa beim Umgehen von Embargoprozessen (Müllerleile und Nissen 2014; Müllerleile et al. 2015). Es ist für Unternehmen daher sehr wichtig von den Anwendern akzeptierte Geschäftsprozesse zu haben. Hierzu müssen die Einflussfaktoren auf Prozessakzeptanz untersucht und verstanden werden, damit daraus zukünftig Gestaltungshinweise in den Phasen Prozessdesign, Implementierung, Prozessausführung sowie Prozesscontrolling und -verbesserung entwickelt werden können. Dabei kann auf die Theorie der Prozessakzeptanz zurückgegriffen werden (Müllerleile und Nissen 2014; Müllerleile et al. 2015, Müllerleile 2019). Sie definiert und konkretisiert das Konzept der Prozessakzeptanz und schlägt dafür ein Messkonstrukt vor. Dieses soll innerhalb dieser Studie genutzt werden, um die Prozessakzeptanz entsprechend der Theorie zu messen. Weiterhin wurden bereits mögliche Einflussfaktoren auf die Akzeptanz anhand einer qualitativen Studie identifiziert. Hierzu gehören beispielsweise die Faktoren Prozesslänge, Prozessfeedback, Prozessfehler und Aufgabenheterogenität (Müllerleile 2019). Innerhalb dieser Studie soll zum einen der Einfluss von Selbstheilungsfähigkeiten bei Auftreten eines Prozessfehlers unter Zuhilfenahme eines künstlichen Systems auf die Prozessakzeptanz und in einer Erweiterung der Einfluss eines Verlustes der Kontrolle über den Prozess und seinen Daten untersucht werden. Gewählt wurden diese Einflussfaktoren, da heutzutage automatisierte Rekonstruktionen oft eine wichtige Rolle in der IT-gestützten Ausführung von Geschäftsprozessen einnehmen, aber noch nicht untersucht worden ist, ob solche automatischen Eingriffe überhaupt akzeptiert werden. Im Experiment wurde dazu eine fehlerhafte Kommunikationsverbindung automatisiert repariert und anschließend der Prozesszustand vor dem Auftreten des Fehlers rekonstruiert. Die entsprechenden Forschungshypothesen lauten: 1. Implementiert ein Prozess Selbstheilungsmechanismen, die einen Prozessfehler verarbeiten, so ist die Akzeptanz des Prozesses in der kognitiven/affektiven/ konativen Dimension höher, gegenüber einem Prozess ohne eine solche Implementierung. K Akzeptierte Geschäftsprozesse gestalten und implementieren 575 2. Erfährt ein Teilnehmer in einem Prozess, der über implementierte Selbstheilungsmechanismen verfügt, einen Kontrollverlust, so ist seine Akzeptanz gegenüber diesem Prozess in der kognitiven/affektiven/konativen Dimension geringer als bei einem Prozess, in dem der Teilnehmer die Kontrolle behält. Bevor die verwendete Methodik in Abschn. 3 erläutert wird, wird in Abschn. 2 die Prozessakzeptanz kurz definiert und in Bezug zur Ethik gesetzt. In Abschn. 4 folgt entsprechend der Methodik die Operationalisierung der Variablen Prozessakzeptanz sowie Prozessfehler, Selbstheilung und Kontrollverlust. Im Anschluss werden zunächst in Abschn. 5 die Ergebnisse des ersten Experimentes zur Untersuchung des Einflusses von Selbstheilungsfähigkeiten auf die Prozessakzeptanz präsentiert, gefolgt von den Ergebnissen des zweiten Experimentes zur Untersuchung des Einflusses eines Kontrollverlustes bei Selbstheilung auf die Prozessakzeptanz in Abschn. 6. Der Artikel schließt mit dem Fazit und einem Ausblick auf weitere Experimente ab. 2 Prozessakzeptanz und Ethik Prozessakzeptanz wird von Müllerleile (2019, S. 25) unter Einbezug der allgemeinen Akzeptanzdefinition nach Lucke (1995, S. 104) wie folgt definiert: „Prozessakzeptanz ist die affirmativ positive Grundeinstellung der Prozessbeteiligten gegenüber einem Prozess. Diese Einstellung resultiert aus einer inneren, rational oder motivational-emotional geprägten Überzeugung, durch die der Prozess gebilligt und inhaltlich in seiner Gesamtheit anerkannt wird. Diese Überzeugung mündet in einem Verhalten, welches einer unveränderten Ausführung des vorgegebenen Prozesses entspricht.“ Zu diesen Überzeugungen gehören auch die eigenen Verhaltensnormen und Werturteile, die wiederum der Ethik zuzuordnen sind (Werner 2021). Da hier ein Algorithmus bzw. eine künstliche Intelligenz ohne Einfluss des Prozessausführenden in den Prozess eingreift und Handlungen durchführt, ist in diesem Fall die Unterart der digitalen Ethik betroffen. Digitale Ethik subsumiert die moralischen Grundlagen und Handlungsweisen in Bereichen einer Person, einer Gruppe bzw. einer ganzen Gesellschaft, die mit Algorithmik, künstlicher Intelligenz, maschinellem Lernen bzw. Deep Learning, Robotern sowie Maschine-Mensch-Systemen in Verbindung stehen. Wertekategorien, die da- bei die Grundlage bilden, sind unter anderem Menschenwürde, Gleichbehandlung, Gerechtigkeit, Fairness, Nichtdiskriminierung, Transparenz und Selbstbestimmung (Europäisches Parlament 2017;Wewer2020). Ethische Grundsätze für Technologien (etwa solche der künstlichen Intelligenz), wie die Vorhersagbarkeit bzw. Erklärbarkeit von Handlungen, determinieren unter anderem das Vertrauen, das in diese Systeme gesetzt wird. Und dieses Vertrauen ist ein entscheidender Faktor hinsichtlich der Bildung von Akzeptanz (Bartneck et al. 2019; Müllerleile 2019). So spielen ethische Überlegungen beim Bilden der Prozessakzeptanz eine Rolle und können damit auch helfen eine Begründung für (gezielte) Akzeptanzänderungen zu finden (Bartneck et al. 2019). Sind also zum Beispiel Handlungen für die Prozessbeteiligten nicht erklärbar, so wäre dies eine mögliche Begründung für mangelnde Akzeptanz und kann dahingehend in weiteren K 576 L. Drewes, V. Nissen Studien näher untersucht werden, damit hier Optimierungspotentiale identifiziert werden können. Aber auch die Resultate mangelnder Prozessakzeptanz, also die Abweichung und Manipulation von Prozessen, können ethisch negativ konnotiert sein. Werden im ersten Beispiel die darin enthaltenen Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen umgangen, so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer hohen Virenbelastung in der Umgebung und damit erhöhter Infektionszahlen. An diesem Punkt stellt sich die Frage, ob eine Umgehung oder Abwandlung der verordneten Corona-Maßnahmen aufgrund mangelnder Akzeptanz ethisch vertretbar ist, wenn eine mögliche Konsequenz eine Erhöhung der Infektionswahrscheinlichkeit und damit der Schaden von fremden Personen ist. Auch im Beispiel der Umgehung von Embargoprozessen ergibt sich die Frage, ob dies ethisch vertretbar ist. So können einerseits zwar Ressourcen in Form von Zeit und Kosten bei der Embargoprüfung eingespart werden. Andererseits werden solche Lieferungen im Empfängerland oft zu falschen Zwecken missbraucht. Man erkennt, dass jede Konsequenz mangelnder Akzeptanz ethisch diskutiert werden kann. 3 Untersuchungsmethodik Die Effekte auf die Prozessakzeptanz werden unter Nutzung von Online-Experi- menten untersucht. Wesentliche Vorteile dieser Untersuchungsform sind, dass ein möglichst eindeutiger Kausalschluss gezogen (Döring und Bortz 2016; Sedlmeier und Renkewitz 2018) und die Teilnehmerzahl beliebig hoch angesetzt werden kann (Huber 2019;Reips2000). Letzteres ist notwendig, um die notwendige Stichprobengröße zum Nachweis statistischer Signifikanz bilden zu können (Döring und Bortz 2016;Reips2000). Als Basis für die Untersuchung dient ein fiktives Beschaffungssystem mit dem darin implementierten Einkaufsprozess. Innerhalb des Prozesses erhält jeder Teilnehmer eine Bestellanforderung eines Mitarbeiters einer Fachabteilung über eine gewisse Menge eines bestimmten Materials. Diese wird im Cockpit des Teilnehmers angezeigt. Seine Aufgabe ist es nun diese Anforderung in eine Bestellung umzusetzen, indem ein Bestellformular ausgefüllt wird. Bevor der Teilnehmer die Bestellung senden kann, ist eine Freigabe durch den Einkaufsleiter notwendig. Dementsprechend muss diese angefordert werden. Im Anschluss kann die Bestellung an den Lieferanten gesendet werden. Der Prozess ist in der Form mit einem Standard- Einkaufsprozess in einem SAP ERP-System vergleichbar und damit in Unternehmen häufig anzutreffen. Damit sich auch Teilnehmer ohne Berufserfahrung in Einkaufsabteilungen in diesem Prozess zurechtfinden, sind die grundlegenden Aktivitäten und die Visualisierung ähnlich zu klassischen E-Commerce-Systemen (z.B. Amazon). Damit soll eine möglichst hohe Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse erreicht werden (Döring und Bortz 2016, S. 195, 206). Die Umsetzung erfolgt mit JavaS- cript und HTML und wurde online via JATOS1-Server zur Verfügung gestellt. Damit wird ermöglicht, dass die Teilnehmer des Experimentes den Prozess aktiv erleben 1Just Another Tool for Online Studies (JATOS) (Lange et al. 2015). K Akzeptierte Geschäftsprozesse gestalten und implementieren 577 und nicht nur textuell lesen. Ebenso bietet dies einfache Möglichkeiten der gezielten Variation, um den Einfluss einzelner Faktoren ceteris paribus zu untersuchen. So können die Programmbausteine leicht in weiteren Experimenten genutzt werden und müssen lediglich an den Stellen der Variation des zu untersuchenden Einflussfaktors angepasst werden. Zur Akquirierung der Teilnehmer wird Amazon’s Mechanical Turk (MTurk) genutzt. Dabei handelt es sich um eine Crowdsourcing Plattform des Unternehmens Amazon, die für die Fremdbearbeitung von Aufgaben verwendet werden kann. Begründet wird die Wahl dieses Tools mit der kosteneffizienten Durchführbarkeit einer Studie mit großer Stichprobe (Horton et al. 2011). Dass solche Untersuchungen mit konventionellen Feldstudien, die vor Ort in der Praxis durchgeführt werden, vergleichbar sind, ist bereits mehrfach in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen belegt worden (Berinsky et al. 2012; Horton et al. 2011; Paolacci et al. 2010). MTurk ermöglicht es, ein Profil für die Annahme von Teilnehmern zu definieren, so dass diese nur teilnehmen können, wenn sie bestimmten Merkmalsausprägungen entsprechen. Diese Option wurde genutzt, um Personen auszuschließen die bereits an einer unserer Prozessakzeptanzstudien teilgenommen haben. So wurden die eineindeutigen Identifikationsnummern der Teilnehmer die schon an einer Studie teilgenommen haben, entsprechend als Ausschlusskriterium definiert. Damit wird vermieden, dass Teilnehmer durch Informationen aus früheren Studien beeinflusst werden. Alle anderen Personen konnten an der Studie teilnehmen. Die Kontrolle potenzieller Störvariablen (wie z.B. Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildungsgrad, etc.), die einen beeinflussenden Effekt auf die abhängige Variable (siehe Abschn. 4.1) ausüben, wird mittels Blockrandomisierung der Teilnehmerzuordnung durchgeführt. Dazu wird die festgelegte, optimale Stichprobengröße in gleich große Blöcke geteilt. Jeder Block enthält jede Ausprägung der unabhängigen Variablen (siehe Abschn. 4.2) jeweils einmal. Dies ermöglicht eine zufällige Zuteilung der Ausprägungen und vergrößert die Chance auf Gleichverteilung der Gruppen (Sedlmeier und Renkewitz 2018; Muche et al. 2002). Die Zufälligkeit wird im Fall dieser Studie durch den Pseudozufallszahlengenerator der Klasse Random der Sprache Java®implementiert. Erwartungseffekte und weitere psychologische Störfaktoren werden durch die Anwendung einer Doppelblindstudie eliminiert. Die Teilnehmer wissen nicht in welcher Gruppe sie sich befinden bzw. wie viele und welche Gruppen existieren. Auf der anderen Seite wird der Versuchsleiter durch einen Server und damit einer künstlichen Entität dargestellt, die keine Erwartungen und Emotionen übertragen kann (Döring und Bortz 2016; Sedlmeier und Renkewitz 2018). Typische Problematiken wie der Einsatz automatischer Softbots zur persönlichen Bereicherung oder das Auftreten mangelnder Aufmerksamkeit wurden mittels der Verwendung eines CAPTCHAS und eines instructional manipulation checks (IMC) kontrolliert (Mason und Suri 2012; Oppenheimer et al. 2009). Das CAPTCHA gestaltet sich in Form einer Auswahl eines von drei möglichen EPK- Prozessmodellen, welches mit einer textuellen Beschreibung übereinstimmt. Erst das korrekte Auswählen des Prozessmodells erlaubt das weitere Voranschreiten. Der IMC besteht aus einem längeren Einführungstext sowie einer Fragestellung mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten. Die Frage selbst ist einfach gestaltet und basiert auf dem vorher durchgeführten Prozess, so dass jeder Teilnehmer diese ohne weitere K 578 L. Drewes, V. Nissen Probleme lösen kann. Der eigentliche Test und damit die Prüfung auf Aufmerksamkeit wird durch eine im Text eingebettete Anweisung realisiert. Erst das Befolgen der Anweisung, hier das Klicken auf den Titel des Tests, führt zum erfolgreichen Abschluss des IMC. Die Teilnehmer, die dieser Anweisung nicht Folge leisten und stattdessen die Frage beantworten, fallen durch den Test und können diesen wiederholen. Dies soll die Teilnehmer dazu zwingen die angeführten Informationen vollständig zu erfassen (Oppenheimer et al. 2009). 4 Operationalisierung der Variablen 4.1 Prozessakzeptanz Die Prozessakzeptanz dient innerhalb der Experimente als abhängige Variable und muss entsprechend operationalisiert werden. Zur Messung eben dieser wird ein Messinstrument verwendet, dass mit Hilfe der C-OAR-SE Methodik von Rossiter (2011) entwickelt wurde. Innerhalb dieser Methodik liegt der Fokus auf der Inhaltsvalidität des Messinstrumentes. Wesentlicher Vorteil ist, dass das Messinstrument kurzgehalten sein kann, aber dennoch in der Lage ist qualitativ hochwertige Daten zu erheben. Methoden wie MTM beispielsweise resultieren oft in sehr langen Fragebögen. Des Weiteren ist die Nachvollziehbarkeit der Entwicklung des Messinstrumentes aufgrund der deduktiven Vorgehensweise vorteilhaft (Müllerleile 2019). Unterteilt wird das Messinstrument in die drei Dimensionen Kognitiv, Affektiv und Konativ (Müller-Böling und Müller 1986). Die erste Dimension umfasst die Einstellung gegenüber einem Objekt, die auf dem verfügbaren Wissen und dem Verstand basiert. Die affektive Dimension erfasst motivational-emotionale Empfindungen und die konative bezieht sich auf die innere Bereitschaft eine Handlung durchzuführen, auch wenn diese letztendlich nicht durchgeführt werden muss (Müllerleile 2019). Für jede der drei Dimensionen wird eine Menge von Frage-Antwort-Paaren, die mit dem DLF IIST (double level-free, individual inferred satisfaction threshold) Binary Ansatz (Rossiter 2011) operationalisiert werden, gebildet. Der Teilnehmer kann hier lediglich zwischen den Antwortoptionen „Yes“ und „No“ wählen. Er wird also gezwungen eine Antwort abzugeben. Die Antworten werden entsprechend ihrer Ladung effektkodiert (Bortz und Schuster 2016). Dabei gibt die Ladung an, ob die Frage dem Prozess gegenüber positiv gerichtet ist oder nicht. Bei einer positiven Tab. 1 Kognitive Dimension des angepassten Messkonstruktes nach Müllerleile (2019) Frage Skala Ladung I think this way of managing purchases is useful Yes/No + I think this way of managing purchases is important Yes/No + I think this way of managing purchases is complicated Yes/No – I think this way of managing purchases is laborious Yes/No – I think this way of managing purchases takes a long time Yes/No – I think I’m happy with the result Yes/No + I think this way of managing purchases is decent Yes/No + K Akzeptierte Geschäftsprozesse gestalten und implementieren 579 Tab. 2 Affektive Dimension des angepassten Messkonstruktes nach Müllerleile (2019) Frage Skala Ladung I would feel comfortable during the process Yes/No + I would feel included Yes/No + I would feel informed Yes/No + This purchasing process is troublesome Yes/No – This purchasing process is stressful Yes/No – I consider the purchasing process unpleasant Yes/No – I consider the purchasing process inconvenient Yes/No – I would feel insecure working the purchasing process Yes/No – I would feel annoyed working the purchasing process Yes/No – Tab. 3 Konative Dimension des angepassten Messkonstruktes nach Müllerleile (2019) Frage Skala Ladung I would stand up for the maintaining of this purchasing process Yes/No + I would purchase materials exactly like this again Yes/No + I would have a proposal for modification Yes/No – I would like to delegate the process to another co-worker Yes/No – I would complain about this way of purchasing materials Yes/No – I would prefer another way of purchasing materials Yes/No – I would stand up for this purchasing process Yes/No + Ladung wird „Yes“ mit 1 und „No“ mit –1 kodiert. Bei einer negativen Ladung entsprechend umgekehrt. Tab. 1,2und 3zeigen das verwendete Messkonstrukt. Zusätzlich zu den dichotomen Frage-Antwort-Paaren wird für jede Dimension, zur allgemeinen Evaluation des Prozesses pro Dimension (Müllerleile 2019), eine fünfstufige bipolare Likert-Skala, die im Intervall [–2; 2] kodiert wird, angegeben. Diese lauten entsprechend: Kognitiv:[OverallIrejectthiswayofpurchasingmaterial]–2–1012[OverallI approve this way of purchasing material] Affektiv: [Overall I had a bad feeling] –2 –1 0 1 2 [Overall I had a good feeling] Konativ: Overall I would like to purchase materials like suggested in this scenario [unlikely] –2 –1 0 1 2 [likely] Zur Bildung der drei Akzeptanzkennzahlen werden die kodierten Antworten pro Dimension aggregiert. Diese fließen in die statistischen Auswertungen ein. 4.2 Prozessfehler, Selbstheilung und Kontrollverlust Innerhalb dieses Abschnittes sollen die in den Experimenten verwendeten unabhängigen Variablen Selbstheilung und Kontrollverlust definiert und operationalisiert werden. Da Prozessfehler allerdings die Voraussetzung für beide Variablen sind, wird dieser Begriff zuerst definiert. Der Begriff Prozessfehler wird in der Literatur häufig mit Prozessqualität in Verbindung gebracht. Begründet wird dies mit der Messung von Qualität unter K 586 L. Drewes, V. Nissen Döring N, Bortz J (2016) Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften. Springer, Berlin, Heidelberg Drewes L, Nissen V (2022) The effect of self-healing on process acceptance. In: Marrella A, Weber B (Hrsg) Business process management workshops. Springer, Cham, S 299–311 Europäisches Parlament (2017) Zivilrechtliche Regelungen im Bereich Robotik. 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