Karl Diehl und die sozialrechtliche Richtung in der Nationalökonomie
Abstract
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Full text
Hesse, Albe
A icle
Ka l Diehl und die sozial ech liche Rich ung in de
Na ionalökonomie
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Hesse, Albe (1950) : Ka l Diehl und die sozial ech liche Rich ung in de
Na ionalökonomie, Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN
1619-6244, Duncke & Humblo , Be lin, Vol. 70, Iss. 6, pp. 1-20,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.70.6.1
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641] 1
Ka l Diehl
und die sozial ech liche Rich ung
in de Na ionalökonomie
Von
Albe Hesse - Speye
Inhal : I. Das Leben, S. 1. — II. Das We k: 1. Wi scha und Rech , S. 6. —
2. „Eigengese zlichkei de Wi scha ", S. 12. — 3. Au gaben und G enzen de
Wi scha s heo ie, S. 14. — 4. Wi scha swissenscha und Wi scha spoli ik, S. 18. —
5. S ellung in de En wicklung de deu schen na ionalökonomischen Wissenscha , S. 19.
In eine Reihe on Da s ellungen des Lebens und Wi kens bedeu-
ende Na ionalökonomen, die in le z e Zei on uns gegangen sind,
da Ka l Diehl nich ehlen. E is den Jünge en in einem langen Leben
als Mensch, als Leh e , als Fo sche ein Vo bild gewesen. De Ve asse
is als Schüle on ihm en scheidend beein luß wo den, dann sein Nach-
olge in Königsbe g gewesen und ihm bis in seine le z en Jah e eng e -
bunden geblieben. Wenn e nun selbs in das Al e gelang , in dem de
Mensch zu ückzublicken beginn , dann e gib sich ü ihn ein Ge-
denken an den Leh e und F eund, und aus gemeinsamem Leben und
S eben wachsen E inne ungen und Gedanken, die sich zu einem Bild
des e eh en und gelieb en Mannes zusammenschließen.
We ein Lebenswe k e s ehen will, muß zu o das Leben dessen
be ach en, de das We k schu .
I.
Ube sein Leben ha Ka l Diehl selbs im e s en Band des on Meine
1924 he ausgegebenen Sammelwe kes „Die Volkswi scha sleh e de
Gegenwa in Selbs da s ellungen" diejenigen Da en mi ge eil , die „ ü
seinen wissenscha lichen Bildungs- und En wicklungsgang on Ein luß
gewesen sind". Wi un gu , ihm zu olgen.
E is gebo en am 27. Mä z 1864 in de damaligen F eien Reichs-
s ad F ank u am Main, wo sein Va e als Rich e am S ad ge ich
ä ig wa und sein G oß a e ä e liche sei s als Sena o gewi k
ha e. Seine Mu e en s amm e eine heinischen Kau manns amilie. E
Schmollen Jah buch LXX, 6 1
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2 Albe Hesse [642
besuch e ein Realgymnasium, das sich on Obe sekunda ab in eine Real-
ab eilung und eine Handelsab eilung spal e e und in diese Un e ich
in olks- und p i a wi scha lichen F agen bo . Ka l Diehl a in die
Handelsab eilung ein und wu de dami schon du ch die Schule in die
Rich ung seines spä e en S udiums ge üh ; eine seine Leh e wa
Ka l Büche , dessen o e lichen Un e ich e besonde s he o -
heb mi de Beme kung: „Ich ü ch e alle dings, daß ich Büche als
Schüle noch wenige F eude be ei e habe als spä e , als ich sein Fach-
genosse wa ."
Nach dem Abi u ien enexamen Os e n 1882 s udie e e in Be lin
ein Semes e Na ionalökonomie. Hie begeis e en ihn die Vo lesungen
on Adolph Wagne so, daß e beschloß, sein Leben de na ional-
ökonomischen Wissenscha zu widmen und die akademische Lau bahn
zu besch ei en. Die on Schmolle e e ene Rich ung sag e ihm
wenige zu. Auße den na ionalökonomischen hö e e noch philo-
sophische Vo lesungen, genoß die glänzenden his o ischen Kollegs on
T ei schke und D oysen und gewann damals schon s a kes In-
e esse an de Ju isp udenz du ch die Vo lesungen on B u n n e
und Goldschmid . Von diesem e s en Semes e nahm e zunächs
Abschied, um seine mili ä ischen Diens p lich zu genügen, nach de en
Ableis ung e den e ns en Wunsch ha e, zum S udium de Na ional-
ökonomie zu ückzukeh en. Da e die Handelsab eilung des Realgym-
nasiums besuch ha e, muß e e , um mi de sog. g oßen Ma ikel im-
ma ikulie we den zu können, noch das Abi u ien enexamen des Real-
gymnasiums in F ank u am Main ablegen. E s udie e zunächs zwei
Semes e in Jena, wo e Mi glied des Semina s on Pie s o
wu de und namen lich die Vo lesungen de Philosophen E u c k e n und
Liebmann g oße Anziehungsk a au ihn ausüb en. Dann ging e
nach Halle, wo Con ad es e s anden ha e, in seinem Semina eine
g oße Zahl ausländische S uden en, o allem aus den Ve einig en
S aa en, um sich zu sammeln. Con ad wa ein ausgezeichne e Päd-
agoge. E a seinen Schüle n menschlich nahe, ö de e sie in au -
op e nde Weise und ließ ihnen in ih en In e essen und S udien oll-
kommene F eihei . E ha e Tausende on Schüle n und doch keine
Schule. So e einig e sich ein g oße K eis e schieden in e essie e
junge Na ionalökonomen um ihn, die in lebha en Diskussionen alle
F agen des Faches e ö e en, auch diejenigen, die sich on dem Fo -
schungsgebie des Leh e s en e n en. Die inne e Ve bundenhei de
Mi gliede des Semina s mi dessen Lei e wa die G undlage diese
einziga igen A bei sgemeinscha . Und wenn, besonde s in F agen de
Theo ie, de Leh e sich zu ückhiel , nich weil e sie un e schä z e, so i^
de n weil sie ihm nich lagen, so gab e doch auch hie aus dem eichen
Scha z seine E ah ung, indem e den We de Theo ien ü das p ak-
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643] Ka l Diehl und die sozial ech liche Rich ung in de Na ionalökonomie 3
ische Leben p ü e und de en Anwendung au die Wi klichkei e -
ö e e.
Die Jah e 1886 bis 1888, die Ka l Diehl als S uden in Halle zu-
b ach e, ielen in die Blü ezei de Hallense Uni e si ä . Die Ju is en
S ammle Loening und L i s z , die Philosophen H a y m und
E d m a n n , de His o ike Edua d Meye bo en auch dem Na-
ionalökonomen eiche An egung. Diese kam nich nu in den Hö sälen
zu Gel ung. Mi einigen Kommili onen g ünde e Ka l Diehl den Aka-
demisch-s aa swissenscha lichen Ve ein, an dessen Abenden Vo äge
de Dozen en und äl e en Kommili onen, abe auch ein gesellige
F euden Leh e und Schüle zusammen üh en.
„Ähnlich wie in Be lin die Bekann scha mi Adolph Wagne ü
mein Leben bedeu ungs oll wu de, soll e in Halle Rudol S amm-
le ü mich ich unggebend wi ken". Ha e in den F agen de Theo ie
Adol Wagne das Denken des jungen Na ionalökonomen ge o m , so
e hiel dieses je z seine Zielse zung du ch die Rech sphilosophie
S ammle s. Dessen Ansich en übe die engen Beziehungen zwischen Wi -
scha und Rech mach en au Ka l Diehl den g öß en Eind uck. Auch
S ammle , de an Jah en Ka l Diehl nähe s and als Con ad, wi k e
nich nu du ch seine Vo lesungen, sonde n du ch den pe sönlichen Um-
gang s a k au seine S udie enden ein, wenngleich de en K eis nich so
g oß wa wie de des Con adschen Semina s. Du ch enge pe sönliche
Beziehungen, die zu as äglichen Aussp achen üh en, du ch die ge-
meinsame Lek ü e philosophische We ke wu den me hodische und
philosophischen G undlagen gescha en, die wede das Audi o ium noch
das Semina noch da3 P i a s udium zu bie en e moch en.
Den Abschluß de S udien bilde e die Disse a ion, die den e s en
Band eines We kes übe P oudhon da s ell e. Im Mä z 1888 wu de Ka l
Diehl zum D . phil p omo ie . Die Absich , sich nunmeh an de Uni-
e si ä Halle zu habili ie en, s ieß au ein une wa e es Hinde nis,
inso e n zu Habili a ion das Abi u ien enexamen eines humanis ischen
Gymnasiums e o de lich wa . So muß e Ka l Diehl dieses nach äglich
ablegen und sich ein ganzes Jah lang du ch la einischen und g iechi-
schen Un e ich o be ei en. E ha dies bi e emp unden und be-
zwei el , ob au diese Weise humanis ische Geis gewonnen we den
könne. Jeden alls abe ha e ü seinen akademischen Be u auch in-
so e n meh geleis e als ande e, als e d eimal das Abi u ien en-
examen abgeleg ha .
Nach den gel enden Habili a ionsbes immungen muß en mindes ens
zwei Jah e sei de Dok o p omo ion e s ichen sein. So blieb nu noch
ein Jah ü die Habili a ionssch i üb ig, wenn diese Mindes is ein-
gehal en we den soll e. Dieses Jah e b ach e Ka l Diehl in Wien,
um den zwei en Band seines We kes übe P oudhon zu e assen. In
1*
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4 Albe Hesse [644
Wien wi k en An on Menge , de die g öß e sozialis ische Biblio-
hek de Wel besaß, und Ka l Menge , eine de üh enden
Männe de G enznu zenschule. Mi beiden e banden den jungen
Dok o enge pe sönliche Beziehungen, die ihm ie e Einblicke e -
scha en, abe doch seine be ei s gewonnenen Anschauungen nich be-
ein luß en. Zu Beginn des Somme semes e s 1890 e olg e dann die
Habili a ion in Halle. Nach d ei Jah en dozen ische Tä igkei
wu de Ka l Diehl 1893 zum auße o den lichen P o esso e nann . So
gewann die Zusammena bei mi dem ühe en Leh e S ammle wie
au eine höhe en Ebene eine noch g öße e In imi ä . Das Jah 1893
wa wei e hin inso e n bedeu ungs oll ü Ka l Diehl, als e sich in
diesem Jah e e lob e und An ang 1894 die Ga in heim üh e, die ihn
sein ganzes Leben hindu ch beglei e ha .
Als junge Dozen ha Ka l Diehl auße o den lich an egend ge-
wi k . Gegenübe den on den äl e en Kollegen Con ad und F iedbe g
be on en Fäche n de Volkswi scha spoli ik und Finanzwissenscha
wa e de Ve e e de Theo ie. Gegenübe de his o ischen Rich-
ung und ih em ßemühen, die geschich liche Beding hei in ih em
ollen Um ang und in allen Einzelhei en zu e assen, e wies e au
die g oßen Klassike , besonde s Rica do, und leh e seine Schüle olks-
wi scha lich denken. Und wie e du ch die pe sönlichen Beziehungen
zu seinen Leh e n selbs so iel gewonnen ha e, so such e e im Um-
gang mi de akademischen Jugend das wei e zugeben, was e emp-
angen ha e. Was wa en das ü schöne S unden in seinem Haus und
ü an egende Abende im S aa swissenscha lichen Ve ein! E s ell e
sich menschlich au den gleichen Boden mi jedem einzelnen, e b auch e
nich au Dis anz zu hal en, die e s and sich on selbs . Sein eund-
liche Zusp uch lös e manche So ge, sein gu e Ra behob iele
Zwei el. Seine inne e F öhlichkei und sein he liche Humo ges al-
e en o mals die Zusammenkün e zu Fes en, die wohl keine e -
gessen ha , de an ihnen eilnehmen du e. So wa es ü alle eine
T aue bo scha , als es 1898 hieß: Ka l Diehl geh nach Ros ock.
Hie ha e nu ein Jah hindu ch als einzige Ve e e des Faches
gewi k und das enge Zusammenleben de e schiedenen Fakul ä en,
o allem wiede den Ve keh mi den Mi gliede n de ju is ischen
Fakul ä besonde s geschä z . Dann wu de e nach Königsbe g
be u en. Audi hie p leg e e enge Beziehungen zu ju is ischen Fakul-
ä .. Mi de P axis e band ihn seine Tä igkei als Mi glied des Be-
zi ksausschusses, die ihm die Wich igkei des na ionalökonomischen
S udiums ü den Ve wal ungsdiens zeig e. Besonde e Ve diens e e -
wa b e sich du ch die Ein ich ung on Handelshochschulku sen, aus
denen sich spä e eine Handelshochschule en wickel e. Neuneinhalb
Jah e blieb e in Königsbe g. 1908 e hiel e einen Ru nach F ei-
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645] Ka l Diehl und die sozial ech liche Rich ung in de Na ionalökonomie 5
bü g, an die Uni e si ä , die ihm on jehe am bes en ge allen ha e.
E e üll e den os p eußischen Sp uch nich , daß die „Leu e aus dem
Reich mi T änen nach Königsbe g kämen, abe auch weinend wiede
o gingen", und hiel es mi de F eibu ge Meinung, daß de jenige
nich e dien habe, nach F eibu g zu kommen, de es wiede e lasse.
In F eibu g ha Ka l Diehl 35 Jah e als Mi glied, zule z als Senio
de Rech s- und S aa swissenscha lichen Fakul ä gewi k . Be ei s in
seine An i s ede en wickel e e die G undgedanken, die ihn lei e en;
in den ie Bänden seines g oßen heo e ischen Leh buches üh e
e sie aus. In F eibu g en s anden die um ang eichen sozialwissen-
scha lichen E läu e ungen zu Da id Rica dos G undgese zen de
Volkswi scha und Bes eue ung, du ch die e seine S ellung gegen-
übe de klassischen Na ionalökonomie es leg e. Au de ande en
Sei e p äzisie e e seine Hal ung gegenübe dem Sozialismus du ch den
Abschluß seine S udien übe P oudhon und du ch seine A bei en übe
Ma x, übe die Dik a u des P ole a ia s und das Rä esys em und
du ch sein We k übe Sozialismus, Kommunismus und Ana chismus.
In F eibu g en s anden wei e seine Un e suchungen übe F agen des
Geldwesens und de Valu a wäh end des K ieges und nach dem K iege
und übe die ech lichen G undlagen des Kapi alismus sowie sein We k
„De Einzelne und die Gemeinscha ". In zahl eichen Au sä zen ü die
g oßen Zei sch i en und in Bei ägen zu Sammelwe ken ha e wi -
scha s- und sozialpoli ische F agen sowie P obleme de Finanzwissen-
scha e ö e . In une müdliche Scha ensk a mi eine sel enen
Uni e sali ä ha e alle Gebie e de Volkswi scha sleh e in den Be-
eich seine A bei gezogen und ein ungewöhnlich um assendes Lebens-
we k gescha en.
In F eibu g ha Ka l Diehl zahl eiche Schüle um sich e sammel ;
hie ha e in seinem Semina einen engen K eis on Schüle n und
Kollegen, on F eunden um sich e ein , die in seinem Haus zu ach-
liche A bei und an egende Aussp ache zusammenkamen und die
Gedenk age eie n hal en, an denen mi zunehmendem Al e imme
meh auch die ielgelieb en Scha en de Ve gangenhei sich zu uns
an den Tisch se zen. Es wa en Jah e eines sel enen Reich ums im Geben
und Nehmen. Den Un e g und bilde e die Liebe zu dem Am , das ihm
an e au wa , das Bewuß sein de Ve an wo ung im Diens de
wissenscha lichen Wah hei , dann die inne e Gü e und die imme
gleichbleibende F eundlichkei zu den Menschen seine Umgebung. E
wa o en, denn e ha e nich s zu e be gen. E b auch e sich nich
zu Gel ung zu b ingen und konn e ande e gel en lassen. E beneide e
niemanden, denn e besaß das, was ihm we wa . E ha e manchen
Gegne , denn e e a seine Ansich en mi alle En schiedenhei ,
abe e ha e keinen Feind.
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6 Albe Hesse [646
Seine wissenscha liche und menschliche Au o i ä kam auch übe
den Be eich seine Uni e si ä hinaus in den akademischen Ve eini-
gungen zu Auswi kung. Au den Kong essen bilde e e einen Mi el-
punk ; in diesem wei e en Rahmen a seine G oßzügigkei besonde s
he o , ließ ihn mi wohlabgewogene Tole anz zwischen Gegensä zen
e mi eln und se z e ihn ins and, mi übe legene Ruhe Ang i e zu-
ückzuweisen ode zu igno ie en.
Alle Liebe und Dankba kei kam in den Reden bei de T aue -
eie am 14. Mai 1943 und de Gedäch nis eie de F eibu ge Reeh s-
und S aa swissenscha lichen Fakul ä am 30. Juni 1943 zum Ausd uck.
Die Gedäch niswo e on W. E u c k e n b ach en eine eingehende Wü -
digung des wissenscha lichen We kes, au das nunmeh einzugehen is ,
sowei die lei ende G undidee in F age komm .
IL
Be ei s im Jah e 1897 ha Ka l Diehl in eine Besp echung on
Rudol S ammle s „Wi scha und Rech " den G und iß seines wissen-
scha lichen We kes en wo en und in seinem g oßen ie bändigen
We k übe heo e ische Na ionalökonomie das Leh gebäude e ich e .
Den Abschluß bilde die 1941 e schienene Sch i on Diehl „Die sozial-
ech liche Rich ung in de Na ionalökonomie", sein wissenscha liches
Tes amen , in dem e eine sys ema ische und li e a his o ische Zu-
sammen assung seine Ansich en gib . Es kann auch hie de Ve -
asse die eigenen Aus üh ungen on Ka l Diehl zug unde legen, um
so ehe , als diese die wich igs en G undgedanken in Lei sä zen zu-
sammen aß . E sch eib dazu — bezeichnend ü seine menschliche
G undhal ung — „Ich kann nich ho en und e wa en, daß die on mi
au ges ell en Lei sä ze in ih em posi i en Inhal die allgemeine Zu-
s immung de Fachgenossen inden we den. Ich möch e diese Lei sä ze
auch meh als Diskussionsbasis be ach en und könn e mich nu euen,
wenn on Sei en e ns ha e K i ike Vo schläge und Modi ika ionen,
Abände ungen ode E gänzungen gemach wü den."
1.
Die e s en beiden Lei sä ze haben olgenden Inhal : „Die Wi -
scha is ein Teil des menschlichen Kul u lebens, und zwa de Teil,
de sich mi de Scha ung und Ve eilung de Gü e beschä ig , die
zu Be iedigung de menschlichen Bedü nisse dienen. Wie alles Kul-
u leben ollzieh sich auch die Wi scha sges al ung im Zusammen-
leben menschliche Gemeinscha en. Da aus olg , daß bei de E -
o schung de Vo gänge des wi scha lichen Lebens nich eine isolie e
Wi scha , eine Robinsonwi scha , den Ausgangspunk bilden kann,
sonde n nu das Wi scha sleben in Gemeinscha s o m."
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617] Ka l Diehl und die sozial ech liche Rich ung in de Na ionalökonomie 7
Gegen den e s en diese Sä ze we den kaum Einwendungen zu e -
heben sein. Sowei auch die Au assungen om Wesen de Wi scha
auseinande gehen, da in s immen sie übe ein, daß den Ausgang die Be-
dü nisse bilden, welche de Mensch be iedigen muß, um leben und
a bei en zu können. Aus de besonde en A de geüb en Bedü nis-
be iedigung e geben sich Gewohnhei en, die sich mi den p imä en An-
ieben e binden, zumeis gleich in ensi wi ken wie jene und nu in
No zei en als minde wich ig zu ück e en. Audi de zwei e Lei sa z
wi d ane kann we den müssen. De isolie ü sich wi scha ende
Mensch is eine Ges al de Dich ung, abe nich de Wi klichkei . Schon
die U kul u en lassen ein Zusammenwi ken de Familienmi gliede z i
Bescha ung de Lebensmi el e kennen. Die wei e e En wicklung zeig
eine zunehmende Ausdehnung diese Gemeinscha en, eine o -
daue nde In eg a ion und Di e enzie ung de Einzelnen. Die Ausbil-
dung des Tausch e keh s und die A bei s eilung haben die Leis ungs-
ähigkei de Einzelwi scha en e höh und eine ielsei ige e und ei-
che e Deckung des Beda s e möglich . Nich nu äumlich, sonde n auch
zei lich sind die einzelnen Wi scha en e bunden, inso e n sie An eil
an den Leis ungen ühe e Gene a ionen haben, abe auch ü die Zu-
kun a bei en. Aus diese Bes immung des Gegens andes e gib sich als
Au gabe de Na ionalökonomie die E o schung de Zu-
sammenhänge de mi einande e bundenen und au einande ange-
wiesenen Einzelwi scha en. Das In e esse an de Da s ellung de En -
wicklung eich so wei , als ühe e Gemeinscha s o men o liegen. Das
P oblem de Fo schung is nich die Wi scha sgemeinscha als solche
im Gegensa z zu einem isolie wi scha enden Menschen, sonde n
die besonde e Fo m diese Gemeinscha en und die S ellung de Ein-
zelnen in ihnen. Das wi scha liche und soziale Ke np oblem is das
Ve häl nis des Einzelnen zum Ganzen. Alles menschliche Leben is
Eigen- und Gemeinscha sleben. De Einzelne e häl sich nu , wenn e
sein Leben und seine Eigena behaup e , abe auch nu , wenn e sich
in die Gemeinscha ein üg , ohne die e nich bes ehen kann. Da aus
e gib sich, daß die Eino dnung des Einzelnen in die Ge-
meinscha den Gegens and de Fo schung zu bilden ha . Diese P o-
blema ik i Ka l Diehl mi den beiden olgenden Lei sä zen: „Die
Na ionalökonomie gehö zu den Sozialwissenscha en, die s eng on
den na u wissenscha lichen Disziplinen ge enn we den müssen. Das
Wi scha sleben e o de , nachdem es aus de animalisch- iebha en
S u e in das S adium des Kul u lebens ge e en is , eine äuße e O d-
nung und Regelung. Diese O dnung is die Wi scha s e assung. Die
G undlage jede Wi scha s e assung is die jeweilige wi scha liche
Rech so dnung."
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8 Albe Hesse [648
Daß das Rech die Ges al ung des wi scha lichen Zusammenlebens
beein luß , is nich bes i en und dem Rech eine meh ode minde
wich ige Rolle neben de E hik, de Na u , de Technik zue kann
wo den. Diehl s ell die sozial ech lichen Ideen in äl e en s aa swissen-
scha lichen und na ionalökonomischen Sch i en eingehend da un e
besonde e Be ücksich igung on Rodbe us und Adolph Wagne . Die
en scheidende F age is abe , welche Bedeu ung dem Rech zukomm ,
Bes immend ü das Wesen de sozial ech lichen Rich ung is die
Leh e on S ammle (Wi scha und Rech nach de ma e ialis i-
schen Geschich sau assung. 1. Au l. Leipzig 1896, 5. Au lage 1928),
de en G undgedanken Diehl sich zu eigen mach .
S ammle such das K i e ium, du ch welches das soziale Leben
als eigene Gegens and unse e E kenn nis so kons i uie wi d, daß es
dem bloß physischen Nebeneinande bes ehen e schiedene Menschen
in bleibende o male Eigena gegenübe i , und e blick das en -
scheidende Me kmal in de äuße en Regelung: „Sozial is äuße lich ge-
egel ". Dami is übe Fo m und Inhal de äuße en Regelung noch
nich s ausgesag . Es kann gegen S ammle eingewand we den, daß diese
E klä ung le z lich o mal is , daß ü das Wesen des Sozialen maß-
gebend is de Inhal diese Regelung, nämlich die Eino dnung des
Einzelnen in die Gesam hei . En scheidend bleib die E kenn nis, daß
jedes wi scha liche Zusammenwi ken eine ech liche O dnung o aus-
se z . Die ech liche O dnung is , wie S ammle sag , die „Fo m", das
Tun und Wi ken des au Bedü nisbe iedigung ge ich e en Zu-
sammenlebens de Menschen die „Ma e ie" des sozialen Lebens. Das
Rech is nich eine un e ande en Fak o en, sonde n die kons i-
uie ende Bedingung, ohne die ein menschliches Zusammen-
wi ken nich nu als eigene Gegens and unse e E kenn nis, sonde n
auch als Ta sache de Wi klichkei nich möglich is ; es bilde den Rah-
men, inne halb dessen die wi scha enden Menschen ih e Ziele e -
olgen und mi einande in Beziehung e en.
Ka l Diehl ha diesen G undgedanken on S ammle übe nommen,
abe auch be ei s in de e s en K i ik des We kes on S ammle e -
schiedene Einwendungen gel end gemach . S ammle ha in seinen Aus-
üh ungen das Rech in den Vo de g und ges ell ; ü ihn is Na ional-
ökonomie die Un e suchung bes imm e einzelne Rech so dnungen
nach de Sei e ih e konk e en Du ch üh ung. Diese Beg i sbes im-
mung lehn Diehl mi Rech ab. Es handel sich nich da um, bes imm e
Rech so dnungen zu un e suchen und zu in e p e ie en. Es kann auch
nich zugegeben we den, daß jede einzelne Rech so dnung eine beson-
de e Ges al de Volkswi scha he o u , um so meh , als die ü
das Wi scha sleben wich igs en G undno men e schiedenen Rech s-
o dnungen gemein sind.
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655] Ka l Diehl und die sozial ech licbe Rich ung in de Na ionalökonomie 15
nimm eine on de jeweils gel enden Rech so dnung unabhängige
Eigengese zlichkei de Wi scha an, die au die na ü lichen
T iebe de Menschen zu ückgeh . De Mensch ha nach de
Meinung on Wagne eine im Wesen gleiche und un e ände liche
psychische und physische Na u ; die Ve schiedenhei en de En wick-
lungss u en de Völke und Klassen sind ge ing. Diese gleichen na ü -
lichen T iebe de Menschen wi ken sich in Ube eins immungen de
wi scha lichen E scheinungen, in wi scha lichen Gese zmäßigkei en
aus. Demgegenübe wende Diehl ein, daß die Mo i e de Menschen
selbs wiede wesen lich on den sozialen Ins i u ionen beding sind.
De Wille de Einzelnen wi d nich nu du ch das Rech , sonde n
wei gehend du ch die Kon en ion beein luß , die un e Ums änden
s ä ke wi k als die ech lichen Vo sch i en. Au de ande en Sei e
is abe die Be ücksich igung de na ü lichen T iebe de Menschen die
Vo ausse zung ü die Wi ksamkei de sozialen O dnung.
Ebenso wie Diehl on de Rech so dnung unabhängige wi scha -
liche Gese ze nich ane kenn , lehn e auch eine zei lose Theo ie
ab. Nach seine Meinung sind die gesellscha lichen Bedingungen de
Wi scha so dnung en scheidend und dahe alle allgemeinen Aus-
sagen au den Be eich eine Wi scha sepoche besch änk . Auch hie
kann, wie be ei s bei de Be ach ung de na ü lichen Bedingungen
ausge üh , da au e wiesen we den, daß nich nu de „gewillkü e"
Fak o de Wi scha s e assung sich wandel , sonde n auch die du ch
die Na u beding en äuße en Ve häl nisse äumlich e schieden sind
und du ch die Technik e ände we den. Es können allgemeine Aus-
sagen also keines alls on einem gegebenen gleichbleibenden Zus and
de Wi scha ausgehen. Die Un e schiede de konk e en E scheinun-
gen sind au sozialem Gebie nich nu g öße , sonde n auch on
höhe em In e esse.
Die Au gabe de Theo ie is die eindeu ige beg i liche Be-
s immung und die Zusammen assung de E scheinungen.
Übe all do , wo nich die his o ische Indi iduali ä das P oblem is ,
suchen wi Allgemeinbeg i e zu bilden. Wi heben aus de
Fülle de E scheinungen diejenigen he aus, die gleiche Me kmale au -
weisen ode die wi als gleich be ach en, weil sie hinsich lich diese
Me kmale nu inne halb bes imm e G enzen a iie en. Au dem
Gebie e de Volkswi scha sind die E scheinungen nich nu e -
schiedene als in de äuße en Na u , sie sind wei e abhängig on Be-
dingungen, welche de Mensch scha und die sich s ändig e ände n.
Dahe sind in de Volkswi scha sleh e auch die Allgemeinbeg i e
ande e A als in de Na u wissenscha ; sie hängen on jenen Vo -
ausse zungen ab, welche die Eigena de beg i lich zu e assenden
E scheinungen bedingen. Auch de Zusammen assung des E -
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16 Albe Hesse [656
ah ungss o es s ehen au dem Gebie e de Volkswi scha sleh e be-
sonde e Schwie igkei en en gegen. Die Beobach ung de Wiede keh
de E scheinungen gelang allein zu Fes s ellung on Regelmäßig-
kei en, welche Ausnahmen e leiden und nich exak e Kausal e häl -
nisse ausd ücken, sonde n sich ihnen nu meh ode wenige annähe n.
Es is also auch hie Ka l Diehl zuzus immen, wenn e als Au gabe des
Theo e ike s die E mi lung on Tendenzen und Wah scheinlichkei en
ansieh . Wi können nu du ch imme genaue es E assen de Einzel-
e scheinungen und ie e es Eind ingen in die Zusammenhänge dem Ziel
einhei liche Zusammen assung nähe kommen, abe es nich oll e -
eichen.
Die Fes s ellung, daß wede allgemeingül ige Beg i e noch Gese ze,
sonde n imme nu ela i e Aussagen gewonnen we den
können, bedeu e nich , daß dami de Theo ie de Boden en zogen
wi d und die Na ionalökonomie sich in eine ein empi ische Fo schung
mi Hil e de Geschich e und S a is ik au lös . Auch wenn die Sä ze
ela i sind, so gewinnen sie doch Allgemeingül igkei , wenn die Be-
dingungen kla ges ell we den, on denen ih e Gel ung abhäng . Ka l
Diehl ha hie mi seinem g oßen We k die Au gabe angeg i en, welche
die his o ische Schule e nachlässig ha e. Diese begnüg e sich mi de
E o schung de geschich lichen Ve häl nisse und e kann e nich , daß
auch ü einen jeweils his o isch beding en Beobach ungss o heo e i-
sche Aussagen gewonnen we den können, die zwa nich allgemein sind,
weil de S o beding is , abe gül ig sind un e de Vo ausse zung de
gegebenen Ve häl nisse. Ka l Diehl is on de jeweiligen ech lichen
Fo m de O dnung ausgegangen und ha au de en G undlage die
Theo ie au gebau . Eine solche Theo ie is zum Teil als „ ealis ische"
Theo ie de „ einen" Theo ie gegenübe ges ell , jene wissenscha -
lichen Me hode, die, wie Ka l Diehl sag , „aus de Ra io de Wi scha
ode aus dem ökonomischen P inzip ode ähnlichen P ämissen den
Ve such un e nimm , zu daue nden allgemeingül igen Wi scha sge-
se zen zu gelangen". Diese Gegenübe s ellung is abzulehnen. Jede
Theo ie is in dem Sinne „ ein", als sie nich Wi klichkei szusammen-
hänge, sonde n Gedankenzusammenhänge da s ell . Auch die An-
wendung de Theo ie is imme die Anwendung eine Theo ie, denn
sie bedeu e Ve we ung gedankliche Zusammenhänge zu E kenn -
nis empi ische Zus ände. Eine solche Anwendung e anlaß uns, die
Elemen e, on denen die Theo ie abgesehen ha , in die Be ach ung
einzuse zen. Dies is um so schwie ige , je wei e die Abs ak ion o -
gesch i en is , je meh sich die Vo ausse zungen de Theo ie on de
Wi klichkei en e nen.
Gegen eine solche zu wei gehende En e nung on
de Wi klichkei wende sich Diehl mi besonde e Schä e, Im
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657] Ka l Diehl und die sozial ech liche Rich ung in de Na ionalökonomie 17
Vo wo zum d i en Band seine heo e ischen Na ionalökonomie
üh e aus, daß die eine Ökonomie iele ü den Ve lau des Wi -
scha slebens ele an e Fak o en nich be ücksich ig habe, daß ih e
kühnen und s olzen Gedankengebäude de E kenn nis de Wi klichkei
wenig gedien haben und dadu ch die na ionalökonomische Wissen-
scha an äuße e Gel ung e lo en habe. Audi hie is ihm zuzus im-
men. Die Theo ie muß sich on de konk e en Wi klichkei abs a-
hie end en e nen, sons kann sie keine übe das konk e e De ail hin-
ausgehenden Aussagen gewinnen; sie b auch sich abe nu so wei übe
die Wi klichkei zu e heben, als nö ig is , um diese Übe sich zu e -
langen. Je höhe wi s eigen, um so meh wei e sich de Blick, um so
meh e schwimmen abe auch die Um isse de einzelnen Gegens ände.
Insonde hei wende sich Ka l Diehl gegen die „m a hema ische
M e h o d e" in de Na ionalökonomie. Sie ha in le z e Zei in
Deu schland un e dem Ein luß englische und ame ikanische Li e-
a u an Boden und ih e K i ik an Schä e gewonnen. Eine solche
„ma hema isch-quan i a i e" Volkswi scha sleh e is abe als G und-
konzep ion abzulehnen, weil sie im le z en einen mechanischen
Ve lau o ausse z , dem das Wi scha sleben nich un e wo en is .
Dabei soll de We a ionale Quan i izie ung und ma hema ische
Ausd ucks o men ü diejenigen Teilgebie e de Wi scha s-
wissenscha nich bes i en we den, au denen die na u alen Fak o en
en scheidend sind und die G ößen e häl nisse den Gegens and des In-
e esses bilden. Die E scheinungen, welche die Volkswi scha sleh e
zu e kennen such , gehen nich nu au na ü liche Bedingungen zu ück,
sie we den ge o m du ch die Tä igkei de wi scha enden Menschen
und in wachsende Ausdehnung du ch den Ges al ungswillen de S aa s-
üh ung, die au E zeugung, Umsa z und Ve eilung de Gü e ein-
wi k . Im Mi elpunk des Wi scha slebens s eh de Mensch mi
seinem Eigensinn und seinem Wide sp uch; sein Handeln weis nu
Regelmäßigkei en au , de en Annähe ung an die Kons anz du ch Be-
echnungen wohl o mulie , abe nich e höh wi d. Dabei is imme
die F age, ob ma hema ische Ausd ücke ü annähe nde Ube eins im-
mungen die E kenn nis meh ö de n als die Da legung de Beding -
hei , de Ve schiedenhei und des Wechsels de sozialen Phänomene.
Selbs wenn die Angehö igen eines Volkes on junge Kul u , das du ch
ausgedehn e und andaue nde Einwande ung e schiedena ige na io-
nale Eigen ümlichkei en au genommen und e schmolzen ha , als aus
demselben menschlichen S o gescha en be ach e we den können, so
is diese Au assung doch nich ü Völke zu e end, de en ausge-
p äg e na ionale Eigen ümlichkei en und al e T adi ion zu eine wei -
gehenden Di e enzie ung ge üh haben.
Sch aolle s Jah buch LXX, 6 2
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18 Albe Hesse [658
4.
„Wenn die sozial ech liche Rich ung au das his o isch Beding e und
Ve ände liche de wi scha lichen E scheinungen hinweis und dabei
Ideale und We u eile au zeig , aus denen he aus bes imm e Ins i-
u ionen gescha en we den, weis sie auch au das subjek i e Momen
de Meinungen, Wünsche und Bes ebungen hin, de en le z es Resul a
sich in diesen Ins i u ionen zeig ." In diesem le z en seine Lei säUc-
b ing Diehl zum Ausd uck, daß e als Bes immungsg ünde auch die
Ideale und We u eile ane kenn , aus denen he aus be-
s imm e Ins i u ionen gescha en wu den; e läß da übe keinen Zwei-
el, daß dami subjek i en Meinungen und Wünschen ein Ein luß au
die konk e e En wicklung zuges anden wi d. Diese Au assung be-
deu e , daß die wi scha liche Analyse die We u eile als Elemen e
de die En wicklung bes immenden Komplexe zu be ücksich igen ha .
Dami we den abe diese We u eile selbs nich als objek i e
wissenscha liche E gebnisse ane kann . Da aus olg , daß
We u eile und wi scha spoli ische Fo de ungen on de sozial-
wissenscha lichen E kenn nis zu ennen sind. Die wissenscha liche
Be ach ung ha ih e Auswi kungen au den Gang de En wicklung zu
un e suchen, ha abe nich selbs We u eile abzugeben und wi -
scha spoli ische Fo de ungen zu s ellen. Auch au diese ielums i e-
nen F agen wi d dami eine kla e An wo gegeben.
Das Ve häl nis de Wi scha swissenscha zu Wi -
scha spoli ik ha in de Na ionalökonomie eine g oße Rolle ge-
spiel . Die Klassike , welche die „na ü lichen" Gese ze de Wi scha
such en, woll en zugleich de Wi scha spoli ik Rich linien geben, zu-
mindes wa en sie sich übe die nu logische Bedeu ung ih e allge-
meinen Aussagen nich genügend kla , um empi ische Mißb äuche zu
e hinde n. Die deu sche his o ische Rich ung such e die Gese zmäßig-
kei en de En wicklung zu e mi eln. Indem sie da leg e, wie die gegen-
wä igen Ve häl nisse sich aus de Ve gangenhei he ausgebilde
ha en, woll e sie zugleich die No wendigkei au zeigen, mi de die
wi scha liche En wicklung sich wei e ollziehe. Gegenübe diesen
Meinungen is die kla e Un e scheidung, die Ka l Diehl o genommen
ha , on besonde e Bedeu ung. Weil e da on ausgeh , daß die so-
zialen Ins i u ionen on Menschen ges al e und diese En scheidungen
on We u eilen und Idealen bes imm we den, muß e die sozialpoli i-
schen Aussagen on de sozialwissenscha lichen E kenn nis ennen.
Weil e den Ein luß de Mach e häl nisse au die Ges al ung de
sozialen Ins i u ionen ane kenn , kann e nich eine no male, na ü -
liche, ich ige Wi scha o ausse zen und da au hin wi scha s- und
sozialpoli ische Fo de ungen s ellen. Diese T ennung de E kenn nis
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659] Ka l Diehl und die sozial ech liche Rich ung in de Na ionalökonomie 19
on de Poli ik is um so nö ige , je meh die Ve häl nisse de Wi -
scha sich komplizie en und die konk e e Lage Fo de ungen und Wün-
sche he o u . Die Na ionalökonomie is eine poli ische Wissenscha ,
weil die Gegens ände, die sie be ach e , du ch die Poli ik ge o m sind
und o daue nd neu ge o m we den. Sie is abe keine poli isie ende
Wissenscha . Sie bie e de Poli ik Un e lagen ü ih e Schlüsse und
En schlüsse, ha abe selbs keine Poli ik zu eiben. Dami is das Ve -
häl nis de Wi scha swissenscha zu Wi scha spoli ik kla be-
s imm .
5.
W. E u c k e n ha in seine Rede anläßlich de Gedäch nis eie de
Rech s- und S aa swissenscha lichen Fakul ä de Uni e si ä F eibu g
die wissenscha lichen Leis ungen on Ka l Diehl oll gewü dig und den
Ve such gemach , die S ellung Diehls in de En wicklung de deu schen
na ionalökonomischen Wissenscha zu bes immen. E ha ausge üh ,
daß Diehl gegenübe den S ömungen, die ihn umgaben, de neue en
his o ischen, wie de mode nen heo e ischen Schule einen eigenen
S andpunk sich bewah . Dies is ich ig. Sein S eben nach Reali-
ä üh ihn abe im le z en au die Sei e de his o ischen Na io-
nalökonomie, de en Leh en seinen Bildungsgang beein luß haben.
E ha jedoch das Gedankengu de his o ischen Schule nach zwei Rich-
ungen hin en scheidend e meh . Einmal ha e de These, daß die
Wi scha du ch die his o ischen Ve häl nisse beding is , eine p ä-
zise e Fassung und eindeu ige Fundie ung dadu ch ge-
geben, daß e die ech liche Regelung als den en scheidenden Fak o
nachgewiesen ha , als die kons i uie ende Bedingung, de gegenübe die
ande en äuße en Ein lüsse sekundä e scheinen. Zwei ens ha e au
de G undlage diese his o isch
-
ech lichen Eins ellung eine na ional-
ökonomische Theo ie au gebau und gezeig , daß nich nu un e
de Vo ausse zung eine übe Raum und Zei e habenen Wi scha all-
gemeingül ige heo e ische Aussagen gewonnen we den können, daß die
his o ische Be ach ung, die zu eine Theo ie nich ge üh ha e, doch
zu eine Theo ie üh en kann. Audi wenn die Aussagen de Theo ie
Diehls ela i sind, inso e n sie eine bes imm e Wi scha s e assung
o ausse zen, sind sie doch inne halb diese G enzen gül ige Aussagen,
die übe das empi ische De ail hinausgehen.
De ausgep äg e Sinn ü die Reali ä ha Diehl dazu ge üh , die
Bedeu ung de Theo ie ande s einzuschä zen als die klassische
und die mode ne heo e ische Rich ung. Seine empi ische Denkweise
ha ihn e anlaß , sich on den hypo he ischen Gese zen de mo-
de nen Na ionalökonomie, die on bes imm en Vo ausse zungen aus
logische Folge ungen zu gewinnen such , zu dis anzie en, weil e
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20 Albe Heese [660
mein e, daß diese Vo ausse zungen in de Wi klichkei nich o lägen.
Diese Einwand kann gegen zahl eiche Theo ien e hoben we den, i
abe nich allgemein zu. Die Folge is , daß Diehl den „ins umen alen
We " de Theo ie, wie Eucken sag , nich ane kann e. E ha e kein
In e esse an o malen P äzisionen, wenn Augenmaß und Ge ühl ihm
aus eichend e schienen, um die Bedeu ung de einzelnen Elemen e ab-
zuschä zen, am wenigs en dann, wenn diese P äzisie ung nu in eine
quan i a i en Bes immung de Annähe ung an die Kons anz, also des
Maßes de Ungena-uigkei bes ehen konn e.
Abe auch übe die ein ins umen ale Bedeu ung de Theo ie hin-
aus kann ih empi ische We , au den es Diehl ankam, um so meh
e höh we den, je wenige die Vo ausse zungen de Theo ie, die le z -
lich in eine gedanklichen Ve ein achung de Wi klichkei bes ehen,
sich on diese en e nen. S a eines a ional kons uie en homo oeco-
nomicus kann auch ein Wi scha smensch be ach e we den, de als
P oduzen und Konsumen bes imm e Wi klichkei szüge äg , die z.B.
in de Beha ungs endenz gewohn e P oduk ionsweise und Beda s-
deckung, in dem S eben nach dem üblichen Gewinn und de s andes-
gemäßen Lebens üh ung zu age e en. Dies heiß abe , daß die
Theo ie on Ka l Diehl kein Ende bedeu e , sonde n
o ge üh we den kann. E ha in de heo e isch un uch -
ba en Zei de his o ischen Schule ein Leh gebäude e ich e , das mi
Hil e de mode nen Theo ie auszubauen is . E ha das E be de Ve -
gangenhei wohlübe leg e hal en, es e meh und de Zukun zu
wei e en Ausges al ung hin e lassen. Hie du ch we den im le z en
S ellung und Rang bes imm , die ihm in de En wicklung de deu schen
na ionalökonomischen Wissenscha zukommen.
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