Qualifikationsmismatch - alles eine Frage der Messmethode? Ausmaß und Determinanten von über- und unterqualifizierter Erwerbstätigkeit im Vergleich
Abstract
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Full text
Hall, Anja Research Report Qualifikationsmismatch - alles eine Frage der Messmethode? Ausmaß und Determinanten von über- und unterqualifizierter Erwerbstätigkeit im Vergleich Wissenschaftliche Diskussionspapiere, No. 229 Provided in Cooperation with: Federal Institute for Vocational Education and Training (BIBB), Bonn Suggested Citation: Hall, Anja (2021) : Qualifikationsmismatch - alles eine Frage der Messmethode? Ausmaß und Determinanten von über- und unterqualifizierter Erwerbstätigkeit im Vergleich, Wissenschaftliche Diskussionspapiere, No. 229, ISBN 978-3-96208-283-3, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0035-0932-1 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/242113 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/
Qualifikationsmismatch – alles eine Frage der Messmethode? Ausmaß und Determinanten von über- und unterqualifizierter Erwerbstätigkeit im Vergleich Anja Hall WISSENSCHAFTLICHE DISKUSSIONSPAPIERE
WISSENSCHAFTLICHE DISKUSSIONSPAPIERE Heft 229 Anja Hall Qualifikationsmismatch – alles eine Frage der Messmethode? Ausmaß und Determinanten von über- und unterqualifizierter Erwerbstätigkeit im Vergleich
Die WISSENSCHAFTLICHEN DISKUSSIONSPAPIERE des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) werden durch den Präsidenten herausgegeben. Sie erscheinen als Namensbeiträge ihrer Verfasser und geben deren Meinung und nicht unbedingt die des Herausgebers wieder. Sie sind urheberrechtlich geschützt. Ihre Veröffentlichung dient der Diskussion mit der Fachöffentlichkeit. Impressum 1. Auflage 2021 Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung Robert-Schuman-Platz 3 53175 Bonn Internet: www.bibb.de Publikationsmanagement: Stabsstelle „Publikationen und wissenschaftliche Informationsdienste“ E-Mail: [email protected] www.bibb.de/veroeffentlichungen Herstellung und Vertrieb: Verlag Barbara Budrich Stauffenbergstraße 7 51379 Leverkusen Internet: www.budrich.de E-Mail: [email protected] Lizenzierung: Der Inhalt dieses Werkes steht unter einer Creative-Commons-Lizenz (Lizenztyp: Namensnennung – Keine kommerzielle Nutzung – Keine Bearbeitung – 4.0 International). Weitere Informationen zu Creative Commons und Open Access finden Sie unter www.bibb.de/oa. ISBN 978-3-8474-2928-9 (Print) ISBN 978-3-96208-283-3 (Open Access) urn:nbn:de:0035-0932-1 Alle Abbildungen und Tabellen sind eigene Darstellungen. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. Gedruckt auf PEFC-zertifiziertem Papier Zitiervorschlag: Hall, Anja: Qualifikationsmismatch – alles eine Frage der Messmethode? Ausmaß und Determinanten von über- und unterqualifizierter Erwerbstätigkeit im Vergleich. Bonn 2021
Inhaltsverzeichnis WDP 229 3 Inhaltsverzeichnis Abkürzungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 2 Überblick zu Qualifikationsmismatch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 2.1 Definitionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 2.2 Relevanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 2.3 Ursachen .................................................... 13 3 Messkonzepte zu Qualifikationsmismatch........................... 15 3.1 Objektive und subjektive Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 3.2 Empirische und weitere Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 4 Daten und Operationalisierungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 4.1 Daten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 4.2 Operationalisierungen........................................... 18 5 Empirische Befunde ........................................... 25 5.1 Ausmaß von Über- und Unterqualifizierung ........................... 25 5.2 Zusammenhang zu horizontalem Mismatch und Skill Mismatch . . . . . . . . . . . . . . 27 5.3 Determinanten von Über- und Unterqualifizierung....................... 29 5.4 Multivariate Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 6 Fazit....................................................... 40 Literaturverzeichnis ................................................ 42 Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49 Über die Autorin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53 Abstract ......................................................... 54
4WDP 229 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis Abbildungs- und Tabellenverzeichnis Abbildungen Abbildung 1: Über- und Unterqualifizierung in Abhängigkeit von der Messung (in %) ... 25 Abbildung 2: Entwicklung von Über- und Unterqualifizierung im Zeitverlauf (in %) ..... 27 Abbildung 3: Tatsächliche Über- und Unterqualifizierung in Abhängigkeit von der Messung (in %)..................................... 29 Abbildung 4: Über- und Unterqualifizierung nach Bildungsabschluss in Abhängigkeit von der Messung (in %) ........................... 31 Abbildung 5: Über- und Unterqualifizierung bei Akademikern und Akademikerinnen in Abhängigkeit von der Messung (in %) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Abbildung 6: Effekte soziodemografischer Merkmale auf die Wahrscheinlichkeit der Über- und Unterqualifizierung (durchschnittliche Marginaleffekte, AME) ... 36 Abbildung 7: Effekte des Bildungsabschlusses auf die Wahrscheinlichkeit der Über- und Unterqualifizierung (durchschnittliche Marginaleffekte, AME) ... 37 Abbildung 8: Effekte des Berufssektors der ausgeübten Tätigkeit auf die Wahrscheinlichkeit der Über- und Unterqualifizierung (durchschnittliche Marginaleffekte, AME) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 Abbildung 9: Effekte des Berufssektors des erlernten Berufs auf die Wahrscheinlichkeit der Über- und Unterqualifizierung – Erwerbstätige mit Berufsausbildung (durchschnittliche Marginaleffekte, AME).......... 39 Tabellen Tabelle 1: Konzepte zur Messung von Mismatch ............................. 11 Tabelle 2: Fünf Qualifikationsniveaus nach ISCED 2011 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Tabelle 3: Die vier Anforderungsniveaus der KldB 2010 ........................ 20 Tabelle 4: Verteilung der beruflichen Anforderungsniveaus in der Erwerbstätigkeit (in %) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Tabelle 5: Gemeinsame Verteilung von subjektivem und objektivem Anforderungsniveau (in %) .................................... 22 Tabelle 6: Qualifikationsmismatch nach der subjektiven Messung................. 23 Tabelle 7: Qualifikationsmismatch nach der objektiven Messung . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 Tabelle 8: Zusammenhang zwischen objektivem und subjektivem Qualifikationsmismatch (in %) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 Tabelle 9: Zusammenhang zwischen Qualifikationsmismatch und horizontalem Mismatch (in %) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 Tabelle 10: Zusammenhang zwischen Qualifikations- und Skill Mismatch (in %) ....... 29 Tabelle 11: Über- und Unterqualifizierung nach persönlichen und regionalen Merkmalen (in %) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis WDP 229 5 Tabelle 12: Über- und Unterqualifizierung nach dem Berufssektor des ausgeübten Berufs (in %) ..................................... 33 Tabelle 13: Über- und Unterqualifizierung bei Personen mit Berufsausbildung und Hochschulabschluss nach dem Berufssektor des erlernten Berufs (in %) ..... 34 Tabelle A1: Berufshauptgruppen nach erweiterten Berufssektoren (KldB 2010) . . . . . . . . 49 Tabelle A2: Anforderungsniveau nach Berufshauptgruppe und Messkonzept (in %) . . . . . 50 Tabelle A3: Ausmaß von Über- und Unterqualifizierung nach der Berufshauptgruppe des ausgeübten Berufs (KldB 2010) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 Tabelle A4: Ausmaß von Über- und Unterqualifizierung nach dem erlernten Beruf (Berufshauptgruppe KldB 2010) – Erwerbstätige mit Berufsausbildung...... 52
6WDP 229 Abkürzungsverzeichnis Abkürzungsverzeichnis AME Average Marginal Effect BAuA Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin BHG Berufshauptgruppe BIBB Bundesinstitut für Berufsbildung DQR Deutscher Qualifikationsrahmen ETB Erwerbstätigenbefragung ISCED Internationale Standardklassifikation für Bildung ISCO International Standard Classification of Occupations KldB Klassifizierung der Berufe MZ Mikrozensus OECD Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung PIAAC Programme for the International Assessment of Adult Competencies QM/QMM Qualifikationsmismatch SE Selbsteinschätzung SOEP Sozio-oekonomisches Panel
1 Einleitung WDP 229 7 1 Einleitung Individuelle Qualifikationen und berufliche Tätigkeiten passen hinsichtlich des Niveaus nicht immer zusammen. Nach Berechnungen der OECD liegt Deutschland mit einer Überqualifizierungsquote von 23 Prozent und einer Unterqualifizierungsquote von elf Prozent sehr nahe an dem OECD-Durchschnitt (22 % bzw. 13 %) (OECD 2016, S. 133). Überqualifizierung liegt vor, wenn das individuelle Qualifikationsniveau höher ist als das Anforderungsniveau der Tätigkeit. Der taxifahrende Akademiker ist ein oft herangezogenes Beispiel für eine überqualifizierte Erwerbstätigkeit. Unterqualifizierte Erwerbstätigkeit tritt hingegen auf, wenn das Anforderungsniveau der Tätigkeit höher ist als das eingebrachte Qualifikationsniveau. Der bisherige Fokus der Mismatchforschung lag auf Überqualifizierung (vgl. Allen/van der Velden 2001; Hartog 2000; McGuinness 2006; McGuinness/Pouliakas/Redmond 2017; Verhaest/van der Velden 2013), wohingegen Unterqualifizierung erst in jüngster Zeit in den Blick der Wissenschaft gerückt ist (vgl. Bertelsmann Stiftung 2018; Hall/Santiago Vela 2019a; Gericke/Schmid 2019).1 Seit Beginn der Überqualifikationsforschung wurde auch die Frage diskutiert, wie dieses Konstrukt zu messen ist (vgl. Verhaest/Omey 2010). In der Literatur gibt es hierzu kein einheitliches Vorgehen, und innerhalb der einzelnen Konzepte gibt es zudem verschiedene Operationalisierungen. Zu unterscheiden sind insbesondere objektive, subjektive und empirische Verfahren (vgl. Hartog 1999, 2000; Groot/Maassen van den Brink 2000; McGuinness 2006; Verhaest/Omey 2006, 2010).2 Für Deutschland steht mit Einführung der Klassifizierung der Berufe (KldB) 2010 erstmals eine Berufsklassifikation zur Verfügung, die auf der Ebene einzelner Berufe objektive Informationen zum Anforderungsniveau bereitstellt. Die Überqualifizierungsforschung in Deutschland stützte sich davor meist auf subjektive Verfahren und damit auf die Selbsteinschätzungen der Befragten. Ein systematischer Vergleich der beiden Messkonzepte hinsichtlich der Inzidenz und der Determinanten von Über- und Unterqualifizierung liegt bisher für Deutschland nicht vor. Diese Lücke möchte dieser Beitrag schließen. Bisherige Studien haben gezeigt, dass das Ausmaß von Überqualifizierung von dem verwendeten Messkonzept und der konkreten Operationalisierung abhängt und objektive Messungen im Schnitt zu geringeren Inzidenzen führen als subjektive Messungen (vgl. Capsada-Munsech 2019; Groot/Maassen van den Brink 2000; Hartog 1999; McGuinness 2006; McGuinness/ Pouliakas/Redmond 2017; Verhaest/Omey 2006, 2010). Die unterschiedlichen Operationalisierungen werden auch als Erklärung herangezogen, warum es zu unterschiedlichen Ergebnissen hinsichtlich einzelner Determinanten von Überqualifizierung (vgl. Verhaest/Omey 2010, S. 609) bzw. Wirkungseffekte (vgl. Bock-Schappelwein/Egger-Subotitsch 2015) kommen kann. Eine deutsche Studie zu Unterqualifizierung verweist darauf, dass die objekti- ve Messung auf Basis der KldB 2010 zu höheren Inzidenzen führt als eine subjektive Messung; für nicht formal Qualifizierte variiert die Quote zwischen 40 Prozent (subjektive Messmethode) und 70 Prozent (objektive Messmethode) (vgl. Bertelsmann-Stiftung 2018, S. 17, 19; 1 Die Forschung zu Überqualifizierung wurde in den USA begründet (vgl. Freeman 1976), wird aber auch in Deutschland seit vielen Jahren betrieben (vgl. Büchel 1998; Büchel/Weisshuhn 1998). Unterqualifizierung wurde in der deutschsprachigen Arbeitsmarktforschung lange Zeit gemeinsam mit ausbildungsadäquaten Tätigkeiten betrachtet (Büchel 1998; Pollmann-Schult 2006a). 2 Vom qualifikationsbezogenen Mismatch ist Skill Mismatch zu unterscheiden, der sich nicht auf das formale Qualifikationsniveau der Erwerbstätigen bezieht, sondern auf deren Fähigkeiten und Kompetenzen (Skills). In einigen Studien werden die Konzepte Qualifikationsmismatch und Skill Mismatch auch kombiniert betrachtet (vgl. Green/McIntosh 2007; Green/Zhu 2010; Quintini 2011a; Sloane 2014), um „tatsächliche“ Über- und Unterqualifizierung abzubilden.
14 WDP 229 2 Überblick zu Qualifikationsmismatch exakt ihren Fähigkeiten entsprechen“ (Boll/Leppin 2013, S. 16).9 Ob die Heterogenitätsthese insgesamt zutrifft, ist umstritten; für den österreichischen und den niederländischen Arbeitsmarkt wird die These zumindest verworfen (vgl. De Grip u.a. 2008, S. 244; Mayerl 2017, S. 325ff.). Überqualifizierte können auch nicht durch einen Mangel an Fähigkeiten und Fertigkeiten charakterisiert werden (vgl. Hartog 1999, S. 57; Bertelsmann-Stiftung 2018). Erklärungsursachen für die Unterqualifizierung sind in der Literatur seltener zu finden. Sie kann beispielsweise daraus resultieren, dass die Kompetenzen der Beschäftigten höher bewertet werden als ihre formale Qualifikation. Unterqualifizierte Beschäftigung kann auch das Resultat von Fachkräfteengpässen und Rekrutierungsschwierigkeiten seitens der Arbeitgeber sein. 9 Analysen zu den monetären Konsequenzen von Überqualifizierung sind daher mit dem Problem konfrontiert, dass die Ergebnisse aufgrund unbeobachtbarer Merkmale verzerrt sein könnten. In der Literatur finden sich statistische Verfahren, um das Problem der Heterogenität zu modellieren, deren Ergebnisse allerdings nicht einheitlich sind (vgl. Bauer 2002; Kleibrink 2013; McGuinness 2006). Kleibrink (2013) kommt auf Basis eines IV-Schätzers zu dem Schluss, dass unbeobachtete Heterogenität die Einkommensunterschiede zwischen adäquat und nicht adäquat Beschäftigten nicht erklären kann.
3 Messkonzepte zu Qualifikationsmismatch WDP 229 15 3 Messkonzepte zu Qualifikationsmismatch Die Messkonzepte zum Qualifikationsmismatch basieren auf einem Abgleich zwischen dem Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes und der formalen Qualifikation des/der Arbeitsplatzinhabers/-inhaberin. Das Qualifikationsniveau kann als Personenmerkmal direkt und relativ einfach erfragt werden. Das Tätigkeitsniveau, d. h. die qualifikatorischen Anforderungen der Tätigkeit, ist hingegen weniger leicht zugänglich. In der Literatur werden zur Messung der erforderlichen Qualifikation meist drei Ansätze aufgeführt: objektive Verfahren (Arbeitsplatzanalysen, auch normativer Ansatz), subjektive Verfahren (Selbsteinschätzung) und empirische Verfahren (vgl. faktische Zuordnungen) (Hartog 1999, 2000; Groot/Maassen van den Brink 2000; McGuinness 2006; Verhaest/Omey 2006, 2010). Nach Blazquez und Budria (2012) gibt es allerdings nicht die eine Methode, die nur Vorteile mit sich bringt: „None of the above methods outperforms the others […].“ (ebd., S. 265). 3.1 Objektive und subjektive Verfahren Objektive Verfahren (auch: „normative“ Methode) beziehen die notwendigen Informationen aus Berufsklassifikationen (vgl. Quintini 2011a, S. 51). Die Verfahren werden als objektiv bezeichnet, da diese nicht über das befragte Individuum (subjektiv) erfasst werden, sondern auf Experteneinschätzungen basieren (Arbeitsplatzanalysen – job analysis approach). Studien für die Vereinigten Staaten greifen hierzu auf die Arbeitsplatzbeschreibungen eines „Dictionary of Occupational Titles“ zurück, in dem jedem Beruf durch Experten und Expertinnen ein Anforderungsniveau zugewiesen wurde (vgl. Hartog 2000; Leuven/Oosterbeek 2011). In Deutschland wurde dieses Verfahren bis zur Einführung der Klassifizierung der Berufe 2010 (KldB 2010) kaum verwendet. Zwar unterscheidet die International Standard Classification of Occupations (ISCO) auf der ersten Ebene zehn Berufshauptgruppen (BHG) anhand des Anforderungsniveaus, jedoch können berufsqualifizierende Abschlüsse mit diesem Ansatz nicht adäquat berücksichtigt werden, wie Brenke und Neubecker (2013, S. 14) zu Recht problematisieren. In OECD-Analysen (zuletzt für 2007) wurden daher auch nur Erwerbstätige mit tertiärem Bildungsabschluss betrachtet (vgl. OECD 2010). Seit der Einführung der KldB 2010 steht in Deutschland eine Berufsklassifikation zur Verfügung, die auf der Ebene einzelner Berufe objektive Informationen zum Anforderungsniveau bereitstellt. Die KldB 2010 typisiert berufliche Tätigkeiten nicht nur nach der Fachlichkeit (wie die KldB 1988 und 1992), sondern liefert auch auf der Ebene einzelner Berufe Informationen zur erforderlichen Ausbildung (zur Anwendung des Verfahren mit den Daten der Beschäftigtenstatistik vgl. Reichelt/Vicari 2014). Das Anforderungsniveau basiert auf der „berufskundlichen Gruppe“ der Datenbank für Berufe der Bundesagentur für Arbeit, in der Berufe anhand ihrer Zugangsvoraussetzungen (erforderliche Qualifikation) „objektiv“ typisiert werden (vgl. Wiemer/Schweitzer/Paulus 2011). Nachteile des objektiven (normativen) Ansatzes bestehen darin, dass allen Berufen auf einer bestimmten Klassifikationsebene ein einheitliches Anforderungsniveau zugewiesen wird, so dass Unterschiede in den konkreten Arbeitsplatzanforderungen innerhalb von Berufen (intraberufliche Heterogenität) keine Berücksichtigung finden (vgl. Halaby 1994; Capsada-Munsech 2019). Zudem finden Veränderungen der Arbeitsplatzanforderungen in den Berufen nur mit großer zeitlicher Verzögerung in die Arbeitsplatzbeschreibungen Eingang (vgl. Büchel 1998). Werden nationale Berufsklassifikationen verwendet, können zudem keine Ländervergleiche gemacht werden. Subjektive Verfahren basieren auf der direkten Befragung der Erwerbstätigen, d. h., diese beurteilen selbst, welche Qualifikation zur Ausübung ihrer Tätigkeit in der Regel erforderlich
16 WDP 229 3 Messkonzepte zu Qualifikationsmismatch ist (Selbsteinschätzung – self-assessment approach).10 Der subjektive Ansatz hat in Deutschland eine lange Tradition und gilt in der Qualifikationsforschung als sehr robust (vgl. Büchel 1998, S. 68f.; Leuven/Oosterbeek 2011, S. 10f.). Der Vorteil dieser Methode liegt in der Berücksichtigung der konkreten Anforderungen der Arbeitsplätze: „This has the advantage of obtaining information from the source closest to the actual job situation, taking account of all specific circumstances“ (Hartog/Oosterbeek 1988, S. 186). Ein weiteres Argument für die subjektive Methode ist, dass aufgrund der arbeitsplatzbezogenen und betrieblichen Varianz auch betriebliche Entstandardisierungs- und Flexibilisierungsprozesse besser abgebildet werden können als mit der objektiven Methode, die qualifikatorischen Mismatch auf der überbetrieblichen Berufsebene misst (vgl. Mayerl 2017). Nachteile der subjektiven Messungen sind, dass diese durch Fehleinschätzungen der Befragten, durch unterschiedliche Referenzrahmen oder aus Gründen sozialer Erwünschtheit mit Messfehlern behaftet sein können (vgl. Capsada‑ Munsech 2019; Hartog 2000, Leuven/Oosterbeek 2011). Befragte könnten die Höhe der Arbeitsplatzanforderungen beispielsweise überschätzen, um ihre Position aufzuwerten, oder sie könnten lediglich aktuelle Einstellungsstandards reproduzieren (vgl. Hartog 2000; Capsada‑Munsech 2019). Aufgrund des Zugangs über Befragungsdaten variiert die konkrete Operationalisierung der Selbsteinschätzung zwischen verschiedenen Datensätzen. Im SOEP wird z.B. gefragt: „Welche Art von Ausbildung ist für diese Tätigkeit in der Regel erforderlich? Kein beruflicher Ausbildungsabschluss, eine abgeschlossene Berufsausbildung, ein abgeschlossenes Fachhochschulstudium oder ein abgeschlossenes Universitäts- oder Hochschulstudium“. In den Arbeiten von Büchel (1998) wird zudem eine weitere Angabe zur Einarbeitungszeit aus dem SOEP herangezogen, sodass die unterste Kategorie (kein beruflicher Ausbildungsabschluss) weiter differenziert werden kann, und zwar in: „Nur eine kurze Einweisung am Arbeitsplatz, eine längere Einarbeitung im Betrieb oder der Besuch von besonderen Lehrgängen/Kursen.“ Zudem wird zur Beseitigung von Inkonsistenzen und unplausiblen Angaben die berufliche Stellung herangezogen. Dabei werden zwei Typen unterwertiger Erwerbstätigkeit unterschieden: Typ A mit leichten bis mittleren Qualifikationsverlusten und Typ B mit hohen Qualifikationsverlusten (vgl. ebd., S. 189). Auf einer solchen Operationalisierung basieren einige empirische Arbeiten zum Thema (vgl. z.B. Rukwid 2012; Schiener 2006; Szydlik 1996; Witte/Kalleberg 1995). Eine an das SOEP angelehnte, aber um das „Fortbildungsniveau“ erweiterte Frageformulierung zur Erfassung des Anforderungsniveaus wurde in der BIBB/BAuA-Erwerbstätigen- befragung 2006 erstmals angewendet. In früheren Erwerbstätigenbefragungen (BIBB/IAB-Er- hebung 1998/99) wurde eine direktere Frage zur Überqualifizierung gestellt (vgl. Alex 2002; Büchel/Neubäumer 2002).11 In der PIAAC-Studie (Programme for the International Assessment of Adult Competencies) lautet die entsprechende Frage zur Erfassung der erforderlichen Qualifikation: „Immer noch in Bezug auf Ihre aktuelle Arbeitsstelle: Wenn sich jemand heute bewerben würde, was wären dann die üblichen Qualifikationen, sofern es solche gibt, die jemand vorweisen müsste, um diese Arbeitsstelle zu bekommen?“ (vgl. OECD 2018, S. 96ff.). 10 In der Literatur wird teilweise danach differenziert, ob die Qualifikation für die Ausübung der Tätigkeit benötigt wird oder ob sie nur verlangt wird, um Zugang zu dieser Tätigkeit zu bekommen. Hartog (2000, S. 132) zweifelt allerdings an, dass diese unterschiedliche Intention von den Befragten so wahrgenommen werden kann. 11 Gefragt wurde dort: „Könnte Ihre berufliche Tätigkeit auch von jemandem ausgeübt werden, der eine geringere Ausbildung hat als Sie?“ Allerdings äußerten auch Befragte ohne beruflichen Abschluss, dass deren Tätigkeit von jemandem mit einer geringeren Ausbildung ausgeführt werden könne. Aufgrund dieser Inkonsistenzen wurde die Frageformulierung in der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2006 verändert.
3.2 Empirische und weitere Verfahren WDP 229 17 3.2 Empirische und weitere Verfahren Empirische Verfahren („realized matches“) generieren die Informationen zum Anforderungsniveau eines Berufs aus den vorliegenden Qualifikationen der Beschäftigten, indem das durchschnittliche bzw. häufigste Bildungsniveau der Personen in der jeweiligen Berufsgruppe bestimmt wird (faktische Zuordnungen). Quintini (2011a, S. 15) verwendet beispielsweise den Modalwert: „The modal qualification in each occupational group at the two-digit level is used to measure qualification requirements.“ Einige Autoren beschränken ihre Analyse zudem auf Berufe, bei denen der Modalwert von mindestens 60 Prozent der Beschäftigten erreicht wird (vgl. Brenke/Neubecker 2013, S. 14), oder beschränken das Vorgehen auf bestimmte Hauptgruppen der ISCO88-Klassifikation (vgl. Ortiz/Kucel 2008, S. 311f.). Boll und Leppin (2013, S. 15ff.) verwendeten den Mittelwert der Bildungsjahre plus/minus einer Standardabweichung in der beruflichen Vergleichsgruppe; sie verwendeten zudem eine Kombination verschiedener Methoden, in dem die subjektive Selbsteinschätzung mit der faktischen Zuordnung verbunden wurde.12 Empirische Verfahren haben, wie objektive Verfahren, den Nachteil, dass ein homogenes Anforderungsniveau innerhalb von Berufen angenommen wird. Zudem wird die Information aus dem aktuellen Bildungsstand der Arbeitsplatzinhaber/-innen abgeleitet, der nicht notwendigerweise mit der eigentlich erforderlichen Qualifikation – um die es ja eigentlich geht – übereinstimmen muss (vgl. Hartog 2000, S. 133). Insofern wird nur gemessen, wie hoch der Bildungsabschluss der in einem Beruf aktuell Tätigen ist. Aufgrund von Beschränkungen der Stichprobengröße werden meist breite Berufsgruppen gewählt, die weit entfernt sind von konkreten beruflichen Tätigkeiten (vgl. McGuinness/Pouliakas/Redmond 2017); zudem ist die Definition des Grenzwertes von einer gewissen Willkür bestimmt (vgl. Rukwid 2012). Das empirische Verfahren wird in dieser Arbeit nicht weiterverfolgt (für mögliche Fragestellungen mit diesem Ansatz vgl. Verhaest/Omey 2010). In früheren Untersuchungen wurde auch die Stellung im Betrieb als Näherungswert für das Anforderungsniveau der Tätigkeit verwendet (vgl. Konietzka 1999; Plicht/Schober/ Schreyer 1994; Solga/Konietzka 2000; Trappe 2006). Die Vorgehensweise auf Basis der beruflichen Stellung war allerdings mit erheblichen Validitätsproblemen verbunden und führte oftmals zu einer erheblichen Überschätzung der niveauinadäquaten Erwerbstätigkeit, insbesondere bei Akademikern und Akademikerinnen.13 Unschärfen entstanden bei dieser Messung auch dadurch, dass z.B. Arbeiter/-innen entsprechend ihrer Ausbildung in die Gruppen Un-/ Angelernte bzw. Facharbeiter/-innen aufgeteilt wurden (vgl. Schiener 2006, S. 51ff.). Bei der Verwendung der beruflichen Stellung als Proxy für das Anforderungsniveau sind daher die Begriffe „Statuskongruenz“ (Konietzka 1999) oder „Positionsadäquanz“ (Fehse/Kerst 2007) geeigneter. So verwendet auch Menze (2017) die berufliche Stellung nicht als Proxy für das Anforderungsniveau, sondern explizit als Messung der Statusposition. 12 Als überqualifiziert gilt, wessen erworbene Zahl von Bildungsjahren um mehr als eine Standardabweichung über dem Bildungsjahre-Mittelwert in der betreffenden Vergleichsgruppe liegt. Für vier Zeitperioden wurde die häufigste Qualifikation für verschiedene Kombinationen aus Beruf und beruflicher Stellung ermittelt. Die Zeiträume wurden wie folgt aufgeteilt: 1984-1989, 1990-1996, 1997-2003 und 2004-2010. Der ausgeübte Beruf wurde in zehn Berufshauptgruppen und die berufliche Stellung in elf Kategorien unterteilt. 13 Nach Konietzka (1999, S. 387) konnten (Fach-)Hochschulabsolventen und (Fach-)Hochschulabsolventinnen auf Basis der Westdeutschen Lebensverlaufsstudie einen Berufseinstieg mehrheitlich nur über eine unterwertige Beschäftigung realisieren. Bei einer näheren Betrachtung dieser Gruppe zeigte sich, dass nahezu alle in die berufliche Stellung „mittlere Angestellte“ fielen. Diese Kategorie ist bekannt als diejenige mit der größten Bandbreite an beruflichen Anforderungen (zum Problem der Messung der Niveauadäquanz von Hochschulabsolventen und Hochschulabsolventinnen vgl. Plicht/ Schober/Schreyer 1994).
18 WDP 229 4 Daten und Operationalisierungen 4 Daten und Operationalisierungen 4.1 Daten Die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 ist eine gemeinsam vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) durchgeführte repräsentative Telefonbefragung unter 20.012 Erwerbstätigen in Deutschland zu den Themen „Arbeit und Beruf im Wandel“ und „Erwerb und Verwertung beruflicher Qualifikationen“ (Hall/Hünefeld/Rohrbach-Schmidt 2020; doi:10.7803/501.18.1.1.10). Zur Grundgesamtheit zählen Erwerbstätige ab 15 Jahren (ohne Auszubildende), die einer bezahlten Tätigkeit von regelmäßig mindestens zehn Stunden pro Woche nachgehen. Die Daten wurden über computergestützte telefonische Interviews (CATI) im Zeitraum Oktober 2017 bis April 2018 erhoben. Neben Festnetztelefonanschlüssen wurde dabei auch ein Mobilfunkanteil von 30 Prozent einbezogen (sogenannter Dual-Frame-Ansatz). Die Auswahl der Telefonnummern basierte auf einem mathematisch-statistischen Zufallsverfahren (Gabler-Häder-Verfah- ren), das sicherstellt, dass die Stichprobe repräsentativ angelegt ist. Die Gewichtung der Daten basiert auf den Referenzstrukturen des Mikrozensus 2017.14 In die Analysen werden alle jene Erwerbstätige einbezogen, die auf allen verwendeten Qualifikationsmismatch-Operationalisierungen eine gültige Angabe haben (n=19.560). Die im Bericht dargestellten Befunde basieren auf gewichteten Daten. 4.2 Operationalisierungen 4.2.1 Qualifikations- und Anforderungsniveau Für die Analysen wurden fünf unterschiedliche Qualifikationsniveaus differenziert (siehe Tabelle 2).15 In Anlehnung an die internationale Standardklassifikation für Bildung (ISCED) 2011 wurden zwei verschiedene akademische Qualifikationsniveaus unterschieden: „Master- bzw. gleichwertige Bildungsprogramme“ (Masterstudiengänge, Diplom-Universitätsstudien- gänge etc., ISCED 7) und „Bachelor- bzw. gleichwertige Bildungsprogramme“ (ISCED 6).16 Innerhalb des ISCED-Niveaus 6 werden akademische Abschlüsse (Bachelorabschlüsse, Diplom FH-Studiengänge etc., ISCED 64) und berufsorientierte Abschlüsse (Meister, Techniker, Fachschulabschlüsse etc., ISCED 65) gesondert betrachtet.17 Die höhere berufliche Bildung (Kate- 14 Ausführliche Informationen: www.bibb.de/arbeit-im-wandel sowie www.bibb-fdz.de (Stand: 22.07.2021) 15 In der ETB 2018 wurden alle absolvierten Ausbildungsabschlüsse erfasst (bei mehr als fünf Ausbildungen wurde nur noch die letzte Ausbildung erfasst). Im Falle von Mehrfachausbildungen auf der gleichen Ebene wurde der letzte Abschluss herangezogen. Die Operationalisierung des höchsten Bildungsabschlusses basiert auf den bereinigten Angaben zum Ausbildungsabschluss (vgl. Rohrbach-Schmidt/ Hall 2020). 16 Laut Beschluss der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland entspricht der Bachelorgrad in der Wertigkeit einem (traditionellen) Fachhochschulabschluss (KMK 2010, S. 8). Bachelorabschlüsse verleihen grundsätzlich dieselben Berechtigungen wie Diplomabschlüsse an Fachhochschulen. Masterabschlüsse verleihen dieselben Berechtigungen wie Diplom- und Magisterabschlüsse an Universitäten und gleichgestellten Hochschulen. 17 Die Kategorisierung ist durch die Trennung in ISCED 64 und 65 auch kompatibel zur ISCED 97. In diese Klassifikation wurden berufliche Abschlüsse auf Tertiärniveau (ISCED 5B) von akademischen Tertiärabschlüssen (ISCED 5A) unterschieden, unabhängig davon, ob diese an Fachhochschulen oder Universitäten erworben wurden.
4.2 Operationalisierungen WDP 229 19 gorie 3 „Fortbildungsabschluss“) umfasst hier nur die geregelte Aufstiegsfortbildung. Gelernte Erzieher/-innen (ISCED 655) werden trotz der Ausbildung an speziellen Fachschulen (die in der Regel der Weiterbildung dienen) nicht hier eingeordnet, sondern werden zur Kategorie 2 „Berufsausbildung“ gerechnet, die alle vollqualifizierenden Berufsausbildungen auf der mittleren Ebene zusammenfasst. Die Zuordnung von Erziehern und Erzieherinnen auf dem Anforderungsniveau 2 erfolgt in gleicher Weise in der KldB 2010 (Berufsgattung 83112) und im nationalen Bildungsbericht (Abbe 2016, S. 146). Zur objektiven Operationalisierung des Anforderungsniveaus wird auf die fünfte Stelle der KldB 2010 zurückgegriffen, die den üblicherweise erforderlichen beruflichen Bildungsabschluss abbildet. Die KldB 2010 ist eine hierarchisch aufgebaute Klassifikation, die Berufe anhand zweier Dimensionen typisiert.18 Zum einen ist dies die Berufsfachlichkeit (Ebene 1 bis 4) und zum anderen der Komplexitätsgrad (Anforderungsniveau) der Berufe auf der fünften Ebene (vgl. Wiemer/Schweitzer/Paulus 2011).19 Das Anforderungsniveau basiert auf der „berufskundlichen Gruppe“ der Datenbank für Berufe der Bundesagentur für Arbeit, in der Berufe anhand ihrer Zugangsvoraussetzungen (erforderliche Qualifikation) typisiert werden (Wiemer/Schweitzer/Paulus 2011).20 In der KldB 2010 werden vier Komplexitätsgrade un- 18 Auch wenn das Anforderungsniveau einer Tätigkeit in der KldB 2010 objektiv ermittelt wurde, so ist auch dieses Verfahren nicht immer frei von Subjektivität. Im Rahmen der prozessproduzierten Daten der Bundesagentur für Arbeit (Meldungen zur Sozialversicherung) treffen die Arbeitgeber/-innen eine Auswahl aus einer Liste von Berufsbenennungen. Im Rahmen von Befragungsdaten weisen Vercoder/ -innen einer Berufsangabe eine entsprechende Berufsgattung zu. 19 Die erste Ebene der KldB 2010 beinhaltet zehn Berufsbereiche, die zweite Ebene 37 Berufshauptgruppen, die dritte Ebene 144 Berufsgruppen, die vierte Ebene 700 Berufsuntergruppen und die fünfte Ebene 1.286 Berufsgattungen. 20 Bei den zwei berufskundlichen Gruppen „Funktionen und Spezialisierungsformen“ sowie „Sonstige Tätigkeiten“ („Programmierer/in“), die keine Rückschlüsse auf das Anforderungsniveau zuließen, wur- Tabelle 2: Fünf Qualifikationsniveaus nach ISCED 2011 Qualifikationsniveau Bildungsabschlüsse (ETB 2018) ISCED 2011 1Ohne Ausbildungsabschluss Kein vollqualifizierender beruflicher Abschluss 1,2 34 2Beruflicher Ausbildungsabschluss Betriebliche Berufsausbildung (Lehre), schulische Berufsausbildung, Beamtenausbildungen bis zum mittleren Dienst 35 45 655 3 Fortbildungsabschluss (Höhere Berufsbildung) Meister/-innen, Techniker/-innen, Fach-, Betriebswirte und -wirtinnen, Fachkaufleute, andere Fortbildungsabschlüsse; Fachschule der ehemaligen DDR 65 ohne 655 4a Bachelorabschluss, Diplom (FH) u. a. Bachelorabschluss, Fachhochschulabschluss (Dipl.-FH), auch Ingenieurschulabschluss, Abschluss einer Berufsakademie, Abschluss einer Verwaltungsfachhochschule; Beamtenausbildung zum gehobenen Dienst 64 4b Masterabschluss, Diplom (Universität) u. a. Masterabschluss, Hochschulabschluss (Diplom Universität, Magister, Staatsexamen, Lehramtsprüfung etc.); Beamtenausbildung zum höheren Dienst, Promotion 74 84 Anm.: Zur Zuordnung nationaler Bildungsabschlüsse zur ISCED 2011 (vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2019, S. 122f.).
20 WDP 229 4 Daten und Operationalisierungen terschieden (Tabelle 3): 1: Helfer-, Anlerntätigkeiten, 2: fachlich ausgerichtete Tätigkeiten, 3: komplexe Spezialistentätigkeiten und 4: hoch komplexe Tätigkeiten, für die in der Regel eine mindestens vierjährige Hochschulausbildung erforderlich ist. Bachelorabschlüsse werden in der KldB 2010 auf Niveau 3 zugeordnet, vergleichbar zum Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR, vgl. www.dqr.de), in dem Fortbildungsabschlüsse und Bachelorabschlüsse auf der Niveaustufe 6 gleichgestellt sind.21 Zur subjektiven Messung des Anforderungsniveaus (SE) wird in der ETB 2018 auf folgende Frage zurückgegriffen: „Welche Art von Ausbildung ist für die Ausübung Ihrer Tätigkeit als <Tätigkeit einblenden> in der Regel erforderlich? Eine abgeschlossene Berufsausbildung, ein Fachhochschul- oder Universitätsabschluss, ein Fortbildungsabschluss, z.B. zum Meister- oder Techniker, oder ist kein beruflicher Ausbildungsabschluss erforderlich?“ Um die subjektive Ande auf die im BERUFENET genannten Beschäftigungsalternativen bzw. auf die ISCO-08 zurückgegriffen (Wiemer/Schweitzer/Paulus 2011, S. 282). 21 Die Mehrzahl der Bachelorstudiengänge weist eine Regelstudienzeit von sechs Semestern auf (HRK 2014, S. 15). Die Regelstudienzeit für traditionelle Fachhochschulstudiengänge lag laut der Rahmenordnung der KMK in der Regel bei acht Semestern. Bachelorstudiengänge und traditionelle Studiengänge an Fachhochschulen unterscheiden sich daher im Hinblick auf die Studiendauer. Tabelle 3: Die vier Anforderungsniveaus der KldB 2010 Anforderungsniveau Ausgeübte Tätigkeiten Typischerweise erforderlicher beruflicher Bildungsabschluss 1 Helfer- bzw. Anlerntätigkeiten Einfache, wenig komplexe (Routine-) Tätigkeiten, für deren Ausübung in der Regel keine oder nur geringe spezifische Fachkenntnisse erforderlich sind. keine berufliche Ausbildung erforderlich bzw. nur geregelte einjährige Berufsausbildung 2 fachlich ausgerichtete Tätigkeiten Gegenüber 1) Berufe deutlich komplexer bzw. stärker fachlich ausgerichtet. Für die sachgerechte Ausübung dieser Tätigkeiten werden fundierte Fachkenntnisse und Fertigkeiten vorausgesetzt. mindestens zweijährige Berufsausbildung, auch berufsqualifizierender Abschluss einer Berufsfach- oder Kollegschule 3 komplexe Spezialistentätigkeiten Gegenüber 2) Berufe deutlich komplexer und mit Spezialkenntnissen und -fertigkeiten verbunden. Die beruflichen Tätigkeiten sind in der Regel mit gehobenen Fach- und Führungsaufgaben verbunden (z.B. Planungs- und Kontrolltätigkeiten). Meister- oder Technikerausbildung bzw. ein gleichwertiger Fachschul- oder Hochschulabschluss, auch der Abschluss einer Fach- oder Berufsakademie oder ein Bachelorabschluss 4 hoch komplexe Tätigkeiten Berufe, deren Tätigkeitsbündel einen sehr hohen Komplexitätsgrad aufweisen bzw. ein entsprechend hohes Kenntnis- und Fertigkeitsniveau erfordern (z. B. Entwicklungs-, Forschungstätigkeiten, Leitungs- und Führungsaufgaben). mindestens vierjähriges abgeschlossenes Hochschulstudium (z.B. Masterabschluss, Diplom, Staatsexamen) Quelle: Darstellung angelehnt an Paulus/Matthes (2013); Wiemer/Schweitzer/Paulus (2011)
4.2 Operationalisierungen WDP 229 21 gabe zu plausibilisieren und eine genauere Kategorisierung mit möglichst wenig Inkonsistenzen zu erreichen, werden in Anlehnung an Büchel (1998) weitere Merkmale zur Generierung des Anforderungsniveaus herangezogen: Die Einarbeitungszeit (kurz vs. länger), der Besuch von besonderen Lehrgängen oder Kursen (Ja/Nein) sowie die Stellung im Betrieb (SE-Plus). Folgende Anpassungen wurden diesbezüglich vorgenommen: ▶ Tätigkeiten, für die nach Einschätzung der Befragten kein Ausbildungsabschluss notwendig ist, für die jedoch eine lange Einarbeitungszeit oder besondere Lehrgänge/Kurse notwendig und die als qualifizierte Tätigkeit kategorisiert sind, werden dem Anforderungsniveau 2 zugerechnet.22 ▶ Tätigkeiten, für die nach Einschätzung der Befragten ein beruflicher Ausbildungsabschluss notwendig ist, die von den Befragten aber hinsichtlich der Stellung als hoch qualifizierte Tätigkeit (bei Angestellten) oder Meisterposition (bei Arbeitern und Arbeiterinnen) angegeben werden, werden bei dieser Operationalisierung dem Anforderungsniveau 3 zugerechnet. ▶ Tätigkeiten, für die nach Einschätzung der Befragten ein Fortbildungsabschluss notwendig ist, die von den Befragten aber hinsichtlich der Stellung als hoch qualifizierte Tätigkeit in Verbindung mit einer Führungsposition für mindestens zehn Mitarbeiter/-innen angegeben wird, werden bei dieser Operationalisierung dem Anforderungsniveau 4 zugerechnet. Am Beispiel des Verkaufsberufs soll die unterschiedliche Logik objektiver und subjektiver Messkonzepte nochmals verdeutlicht werden. In der ETB 2018 wurde allen Verkaufsberufen mit der Berufsgattung der KldB 2010 objektiv das gleiche Anforderungsniveau zugewiesen (62102 Verkauf-Fachkraft). Unterschiede in den konkreten Arbeitsplatzanforderungen (intraberufliche Heterogenität) finden hier keine Berücksichtigung. Rund jede vierte Person, die in einem Verkaufsberuf tätig ist, gibt bei der Frage nach der erforderlichen Ausbildung jedoch an, dass in der Regel „kein beruflicher Ausbildungsabschluss“ für die Ausübung der Tätigkeit notwendig ist (subjektive Einschätzung). Die Verteilungen der Anforderungsniveaus nach der Selbsteinschätzung sowie auf Basis der KldB 2010 sind in Tabelle 4 dargestellt. Ein Vergleich mit amtlichen Daten (Mikrozensus) verweist auf eine ähnliche Verteilung unter Erwerbstätigen und belegt damit die Validität der in der ETB 2018 erfassten Berufscodierung. Der Vergleich mit der Selbsteinschätzung der Befragten auf Basis der ETB 2018 zeigt entscheidende Unterschiede zwischen der objektiven und subjektiven Messung auf Niveau 1 und 3: Erstens schätzen mehr Befragte (17,4 %) ihre Tätigkeit als einfache Tätigkeit ein (kein Ausbildungsabschluss erforderlich), als durch die Expertentypisierung Helfer- bzw. Anlerntätigkeiten (7,9 %) ausgewiesen werden. Zweitens werden objektiv mehr Tätigkeiten als „komplexe Spezialistentätigkeiten“ klassifiziert (17,0 %), als es die Befragten subjektiv einschätzen (6,6 %). Dieses Anforderungsniveau, das zwischen dem einer Berufsausbildung und einem Hochschulabschluss liegt, ist nur schwer einzuschätzen, da die Zugangsvoraussetzungen hier nicht eindeutig sind. Dies gilt für die objektive Messung (vgl. auch Wiemer/Schweitzer/Paulus 2011, S. 282), aber insbesondere auch für die subjektive Messung, die diese schwierige Angabe von den Befragten abverlangt. 22 Zu qualifizierten Tätigkeiten zählen hier: Fach-/Vorarbeiter/-in, Angestellte/-r mit (hoch-)qualifizierter Tätigkeit, Beamter/Beamtin ab dem mittleren Dienst, Meister/-in. Für Selbstständige wird hier auf die TASK-Dimension „analytische Nicht-Routine“ zurückgegriffen (zum „TASK-Ansatz“ („Task-Based- Approach“) vgl. Autor/Levy/Murnane 2003, zur empirischen Umsetzung vgl. Alda 2013, S.30ff.).
22 WDP 229 4 Daten und Operationalisierungen Bezogen auf die Gesamtsumme der Erwerbstätigen (siehe Tabelle 5) sind es 9,6 Prozent, die gemäß der KldB 2010 eine fachlich ausgerichtete Tätigkeit (Niveau 2) ausüben, selbst aber sagen, dass für die Ausübung der konkreten Tätigkeit kein Ausbildungsabschluss erforderlich ist. Weitere 7,7 Prozent der Erwerbstätigen sagen, dass zur Ausübung der Tätigkeit eine Berufsausbildung notwendig ist, obwohl diese Tätigkeit nach der KldB 2010 auf dem Niveau 3 einer komplexen Spezialistentätigkeit verortet ist. 4.2.2 Über- und unterqualifizierte Erwerbstätigkeit Personen sind überqualifiziert (unterqualifiziert), wenn das Anforderungsniveau der ausgeübten Tätigkeit unterhalb (oberhalb) des eigenen Qualifikationsniveaus liegt. Personen ohne Ausbildungsabschluss können daher per Definition nicht überqualifiziert sein und Personen mit einem Masterabschluss bzw. einem traditionellen Universitätsabschluss können per Definition nicht unterqualifiziert sein. Tabelle 6 zeigt, wann die Bildungsgruppen auf Basis der Selbsteinschätzung als überqualifiziert (orange) bzw. unterqualifiziert (grün) definiert werden. Tabelle 4: Verteilung der beruflichen Anforderungsniveaus in der Erwerbstätigkeit (in %) ETB 2018 Mikrozensus 2016 Niveau SE SE-Plus KldB2010 KldB2010 1 kein Ausbildungsabschluss erforderlich bzw. Helfer- bzw. Anlerntätigkeiten 17,4 13,9 7,9 8,2 2 Ausbildungsabschluss erforderlich bzw. fachlich ausgerichtete Tätigkeiten 51,5 52,0 52,7 54,9 3 Fortbildungsabschluss erforderlich bzw. komplexe Spezialistentätigkeiten 6,6 9,4 17,0 15,9 4 akademischer Abschluss erforderlich bzw. hoch komplexe Tätigkeiten 24,5 24,9 22,4 21,0 100,0 100,0 100,0 100,0 Anm.: KldB2010 (5. Stelle der KldB 2010), SE (Selbsteinschätzung), SE-Plus (Selbsteinschätzung plus Stellung im Betrieb/Einarbeitungszeit). Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018; Mikrozensus 2016 (Scientific Use File, nur Kernerwerbstätige) Tabelle 5: Gemeinsame Verteilung von subjektivem und objektivem Anforderungsniveau (in %) Erforderliche Ausbildung (KldB 2010) Subjektive Angabe Niveau 1 Niveau 2 Niveau 3 Niveau 4 Gesamt 1 kein Ausbildungsabschluss erforderlich 5,3 9,6 1,1 1,3 17,4 2 Ausbildungsabschluss erforderlich 2,2 38,5 7,7 3,1 51,5 3 Fortbildungsabschluss erforderlich 0,3 2,1 3,0 1,1 6,6 4 Hochschulabschluss erforderlich 0,1 2,5 5,1 16,8 24,5 7,9 52,7 17,0 22,4 100,0 Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018
4.2 Operationalisierungen WDP 229 23 Tabelle 7 zeigt die Zuordnung auf Basis der objektiven Messung (KldB 2010). Die Ermittlung von Mismatch für die Gruppe der traditionellen FH-Absolventinnen und -Absolventen ist mit der KldB2010 ebenfalls eindeutig, da diese auf Niveau 3 überqualifiziert tätig sind. Für FH- Abschlüsse von mindestens vierjähriger Dauer wäre nur eine Tätigkeit auf Niveau 4 (hoch komplexe Tätigkeiten) adäquat. Bachelorabschlüsse werden nach der Logik der KldB 2010 allerdings zusammen mit Fortbildungsabschlüssen auf dem Anforderungsniveau 3 (komplexe Spezialistentätigkeiten) eingeordnet (vgl. Paulus/Matthes 2013), weshalb auch eine Tätigkeit auf Niveau 3 als adäquat einzustufen ist und Niveau 4 mit einer unterqualifizierten Tätigkeit verbunden ist. Tabelle 6: Qualifikationsmismatch nach der subjektiven Messung Anforderungsniveau – Selbsteinschätzung Qualifikationsniveau 1 Kein Abschluss 2 Berufsausbildung 3 Fortbildungsabschluss 4 Hochschulabschluss 1ohne Ausbildungsabschluss passend unterqualifiziert unterqualifiziert unterqualifiziert 2beruflicher Ausbildungsabschluss überqualifiziert passend unterqualifiziert unterqualifiziert 3 Fortbildungsabschluss (Höhere Berufsbildung) überqualifiziert überqualifiziert passend unterqualifiziert 4a 4b Bachelorabschluss, Diplom (FH) u. a. überqualifiziert überqualifiziert überqualifiziert passend Masterabschluss, Diplom (Universität) u. a. Tabelle 7: Qualifikationsmismatch nach der objektiven Messung Anforderungsniveau – KldB 2010 (erforderliche Ausbildung) Qualifikationsniveau 1 Kein Abschluss 2 Berufsausbildung 3 Fortbildung/ Bachelor 4 Hochschulabschluss (4J.+) 1ohne Ausbildungsabschluss passend unterqualifiziert unterqualifiziert unterqualifiziert 2beruflicher Ausbildungsabschluss überqualifiziert passend unterqualifiziert unterqualifiziert 3 Fortbildungsabschluss (Höhere Berufsbildung) überqualifiziert überqualifiziert passend unterqualifiziert 4a 4b Bachelorabschluss überqualifiziert überqualifiziert passend passend Diplom (FH) u. a. überqualifiziert Masterabschluss, Diplom (Universität) u. a. überqualifiziert überqualifiziert überqualifiziert passend Anm.: Anforderungsniveau 1: Helfer- bzw. Anlerntätigkeiten, 2: Fachlich ausgerichtete Tätigkeiten, 3: Komplexe Spezialistentätigkeiten, 4: Hochkomplexe Tätigkeiten; da Bachelorabschlüsse in der KldB 2010 auf Niveau 3 zugeordnet werden, können Personen mit Bachelorabschluss (4a) auch unterqualifiziert sein.
30 WDP 229 5 Empirische Befunde rung unabhängig von der Messmethode ab 30 Jahren deutlich an. Die höchsten Überqualifizierungsquoten sind jeweils bei den über 50-Jährigen zu beobachten. Im Hinblick auf Unterqualifizierung unterscheiden sich die Messkonzepte: Bei der subjektiven Messung (QMM_SE und QMM_SE-Plus) nimmt unterqualifizierte Erwerbstätigkeit mit dem Alter leicht zu, wohingegen Unterqualifizierung auf Basis der objektiven Messung (QMM_ KldB2010) in der Altersgruppe der bis 30-Jährigen am häufigsten auftritt. Erwerbstätige mit Migrationshintergrund29 sind unabhängig von der Messmethode nicht nur häufiger überqualifiziert, auch Unterqualifizierung kommt bei ihnen häufiger vor als bei Erwerbstätigen ohne Migrationshintergrund. Ost-West-Unterschiede zeigen sich bei allen Messkonzepten: In Westdeutschland kommen überqualifizierte Erwerbstätigkeit seltener und unterqualifizierte Erwerbstätigkeit häufiger vor als in Ostdeutschland. 5.3.2 Qualifikationsniveau Differenziert nach dem Qualifikationsniveau zeigen sich zwischen den Messkonzepten deutliche Unterschiede (siehe Abbildung 4). Für Personen mit dualem oder schulischem Ausbildungsabschluss liegt die Überqualifizierungsquote auf Basis der subjektiven Messung (QMM_SE) bei 17,7 Prozent und unter Hinzuziehung von Zusatzinformationen bei 13,5 Prozent (QMM_SE- Plus). Auf Basis der objektiven Messung (QMM_KldB2010) liegt die Überqualifizierungsquote 29 Ein Migrationshintergrund liegt hier vor, wenn der oder die Befragte nicht über Deutsch als Muttersprache verfügt bzw. nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Tabelle 11: Über- und Unterqualifizierung nach persönlichen und regionalen Merkmalen (in %) Überqualifizierung Unterqualifizierung QMM_ KldB2010 QMM_ SE QMM_ SE-Plus QMM_ KldB2010 QMM_ SE QMM_ SE-Plus Geschlecht Männer 15,5 20,5 16,6 21,8 10,2 13,4 Frauen 21,0 22,2 20,3 17,3 8,2 10,2 Alter 15-30 Jahre 13,9 17,1 14,4 26,9 8,5 11,3 31-40 Jahre 18,9 21,1 18,7 17,6 8,2 11,0 41-50 Jahre 17,7 21,2 17,8 19,0 9,0 11,9 51+ Jahre 19,6 23,5 20,2 18,1 10,7 12,8 Migrationshintergrund (MH) ohne MH 17,7 20,8 17,7 11,5 8,8 11,5 mit MH 20,9 23,3 20,9 13,9 11,4 13,9 Wohnregion Westdeutschland 17,2 20,9 17,9 20,9 9,5 12,3 Ostdeutschland 21,0 22,7 19,8 14,8 8,5 10,3 Gesamt 18,0 21,3 18,3 19,7 9,3 11,9 Anm.: Qualifikationsmismatch (QMM): QMM_KldB2010 lt. 5.Stelle der KldB2010; QMM_SE lt. Selbsteinschätzung; QMM_SE-Plus lt. Selbsteinschätzung plus Stellung im Betrieb/Einarbeitungszeit. Quelle: BIBB/BAUA-Erwerbstätigenbefragung 2018
5.3 Determinanten von Über- und Unterqualifizierung WDP 229 31 mit 8,8 Prozent deutlich niedriger. Gleiches gilt für Personen mit Fortbildungsabschluss, für die die objektive Messung ebenfalls zu geringeren Überqualifizierungsquoten kommt (QMM_ KldB2010: 42,9 %, QMM_SE: 56,6 %, QMM_SE-Plus: 48,5 %). Für Personen mit Hochschulabschluss werden hingegen mit der objektiven Messung (QMM_KldB2010) deutlich höhere Überqualifizierungsquoten berechnet (35,1 %) als unter Verwendung der Selbsteinschätzung (QMM_SE: 25,4 %, QMM_SE-Plus: 25,2 %). Auch das Ausmaß von Unterqualifizierung variiert in hohem Maße in Abhängigkeit von der Messmethode: 72,0 Prozent der Erwerbstätigen ohne Ausbildungsabschluss sind nach der objektiven Methode (QMM_KldB2010) unterqualifiziert, wohingegen es nach der subjektiven Selbsteinschätzung nur 40,9 Prozent (QMM_SE) bzw. 48,1 Prozent (QMM_SE-Plus) sind.30 Für Personen mit einer Berufsausbildung ist die Unterqualifizierungsquote insgesamt geringer, wobei die objektive Messung wieder zu höheren Werten (19,1%) kommt als die subjektiven Messkonzepte (9,1 % bzw. 12,2 %). Abbildung 4: Über- und Unterqualifizierung nach Bildungsabschluss in Abhängigkeit von der Messung (in %) Anm.: Qualifikationsmismatch (QMM): QMM_KldB2010 lt. 5.Stelle der KldB2010; QMM_SE lt. Selbsteinschätzung; QMM_ SE-Plus lt. Selbsteinschätzung plus Stellung im Betrieb/Einarbeitungszeit; bei QMM_KldB2010 tritt Unterqualifizierung auf, wenn Personen mit Bachelorabschluss auf dem Anforderungsniveau 4 (hoch komplexe Tätigkeiten) arbeiten. Quelle: BIBB/BAUA-Erwerbstätigenbefragung 2018 Eine Differenzierung der Hochschulabschlüsse (siehe Abbildung 5) zeigt für alle Messungen zunächst deutliche Unterschiede zwischen dem ISCED-Level 6 (Bachelor- bzw. gleichwertiges Bildungsprogramm) und 7 (Master- bzw. gleichwertige Bildungsprogramme). Die Überqualifizierungsquote liegt für die Gruppe „Bachelorabschluss, Dipl. FH-Abschluss u. a.“ mit 45,6 Prozent (QMM_KldB2010) bzw. 38,3 Prozent (QMM_SE) deutlich höher als jene für „Masterabschluss, Dipl. Uni-Abschluss u. a.“ mit 28,9 Prozent (QMM_KldB2010) bzw. 17,7 30 Auf Basis des SOEP liegen die Anteile für abhängig Beschäftigte bei 70 Prozent (Bertelsmann Stiftung 2018, S. 17). Auf Basis der Beschäftigtenstatistik betrifft dies 61,4 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Reichelt/Vicari 2014, S. 3). 72,0 40,9 48,1 19,1 9,1 12,2 15,2 8,711,8 5,9 8,8 17,7 13,5 42,9 56,6 48,5 35,1 25,425,2 0,0 10,0 20,0 30,0 40,0 50,0 60,0 70,0 80,0 QMM_KldB2010 QMM_SE QMM_SE-Plus QMM_KldB2010 QMM_SE QMM_SE-Plus QMM_KldB2010 QMM_SE QMM_SE-Plus QMM_KldB2010 QMM_SE QMM_SE-Plus Ohne Ausbildungsabschluss Ausbildungsabschluss (dual, schulisch u.a.) Fortbildungsabschluss (Meister/-in, Techniker/-in u.a.) Hochschulabschluss (BA, MA, Dipl.) Unterqualifizierung Überqualifizierung
32 WDP 229 5 Empirische Befunde Prozent (QMM_SE). Auf Basis der subjektiven Messung (QMM_SE) unterscheiden sich Erwerbstätige mit beruflichem Ausbildungsabschluss (17,7 %) und akademischem Abschluss auf ISCED-7-Niveau (17,7 %) somit nicht in ihrer Überqualifizierungsquote. Auf Basis der objektiven Messung (QMM_KldB2010) wäre die Interpretation eine Andere: Der Anteil der überqualifiziert Erwerbstätigen liegt bei Akademikern und Akademikerinnen auf ISCED-7-Niveau (28,9 %) um rund 20 Prozentpunkte höher als bei Erwerbstätigen mit Berufsausbildungsabschluss (8,8 %). Abbildung 5: Über- und Unterqualifizierung bei Akademikern und Akademikerinnen in Abhängigkeit von der Messung (in %) Anm.: Qualifikationsmismatch (QMM): QMM_KldB2010 lt. 5.Stelle der KldB2010; QMM_SE lt. Selbsteinschätzung; QMM_ SE-Plus lt. Selbsteinschätzung plus Stellung im Betrieb/Einarbeitungszeit; bei QMM_KldB2010 tritt Unterqualifizierung auf, wenn Personen mit Bachelorabschluss auf dem Anforderungsniveau 4 (hoch komplexe Tätigkeiten) arbeiten. Quelle: BIBB/BAUA-Erwerbstätigenbefragung 2018 5.3.3 Ausgeübte und erlernte Berufe Berufe werden im Folgenden auf Basis der KldB 2010 gruppiert. Dabei wird auf die fünf Berufssektoren zurückgegriffen, die basierend auf den 37 Berufshauptgruppen der KldB 2010 und entsprechend ihrer berufsfachlichen Homogenität gebildet worden sind (vgl. Matthes/Meinken/Neuhauser 2015). Allerdings erscheint insbesondere mit Blick auf Unterqualifizierung eine weitere Differenzierung des Sektors „Produktionsberufe“ sinnvoll, weshalb das Berufssegment „Fertigungstechnische Berufe“ (innerhalb des Sektors „Produktionsberufe“) gesondert abgegrenzt wird. Hier sind Berufe der Maschinenbau- und Betriebstechnik, der Fahrzeugtechnik, der Mechatronik und Automatisierungstechnik, der Energie- und Elektrotechnik und der Technischen Forschung, Entwicklung und Konstruktion zusammengefasst (siehe Tabelle A1 im Anhang). Bei einer beruflichen Analyse von Über- und Unterqualifizierung kann sowohl nach dem ausgeübten Beruf (tätigkeitsbezogene Perspektive) als auch nach dem erlernten Beruf (qualifikationsbezogene Perspektive) unterschieden werden. Bei einer Differenzierung nach dem ausgeübten Beruf ist das Ausmaß an Mismatch nicht unabhängig von der Verteilung der Anforderungsniveaus in den Berufen zu betrachten (vgl. auch Gericke/Schmid 2019). So ist die Überqualifizierungsrate in den Reinigungsberufen (BHG 54) mit allen Messkonzepten am 15,9 45,6 38,3 38,0 28,9 17,7 17,6 0,0 5,0 10,0 15,0 20,0 25,0 30,0 35,0 40,0 45,0 50,0 QMM_KldB2010 QMM_SE QMM_SE-Plus QMM_KldB2010 QMM_SE QMM_SE-Plus Bachelorabschluss, Dipl. FH-Abschluss u.a. Masterabschluss, Dipl. Uni-Abschluss u.a. Unterqualifizierung Überqualifizierung
5.3 Determinanten von Über- und Unterqualifizierung WDP 229 33 höchsten, da diese Berufshauptgruppe einen hohen Anteil an Einfacharbeitsplätzen aufweist und so für die große Gruppe der Personen mit Berufsausbildung überhaupt erst eine Gelegenheitsstruktur für Überqualifizierung schafft (siehe Tabelle A2 im Anhang). Tabelle 12 weist die Passungsquoten differenziert nach dem erweiterten Berufssektor des ausgeübten Berufs aus (siehe auch Tabelle A3 für eine Differenzierung nach der Berufshauptgruppe). Es zeigt sich, dass die Überqualifizierungsquoten für den Berufssektor „Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungsberufe“ bei allen Messkonzepten am höchsten ist, wobei das Ausmaß mit der subjektiven Messung (QMM_SE) mit 35,9 Prozent nochmals deutlich höher ausfällt als mit der objektiven Messung (QMM_KldB2010: 22,7 %). Berufshauptgruppen, bei denen die Überqualifizierungsquote nach der subjektiven Messmethode deutlich höher ausfällt als nach der objektiven Methode, sind beispielsweise „Verkaufsberufe“ (BHG 62) und „Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe“ (BHG 63). Die Befragten schätzen das Anforderungsniveau in diesen Berufen geringer ein, als es durch die KldB 2010 beschrieben wird (siehe auch Tabelle A2). Die Chance auf eine unterqualifizierte Erwerbstätigkeit steigt wiederum mit dem Angebot an höherwertigen Tätigkeiten. In anspruchsvollen Berufen tritt Unterqualifizierung daher häufiger auf. Die höchsten Unterqualifizierungsquoten werden im Berufssektor „IT- und naturwissenschaftliche Berufe“ erreicht, wobei die Quote bei einer objektiven Messung (QMM_KldB2010) wieder deutlich höher ausfällt (30,4 %) als mit den subjektiven Messungen (QMM_SE: 11,2 %, Messung (QMM_SE-Plus: 15,0 %). Ein Blick auf das Anforderungsniveau in diesen Berufen (siehe Tabelle A2) zeigt, dass 38,1 Prozent der Erwerbstätigen in „Informatik- und anderen IKT-Berufen“ (BHG 43) komplexe Spezialistentätigkeiten (Anforderungsniveau 3) ausüben, wohingegen nur 3,2 Prozent der Erwerbstätigen sagen, dass zur Ausübung der Tätigkeit ein Fortbildungsabschluss notwendig sei (siehe hierzu auch Kapitel 4.2.1). Der ausgeübte Beruf stimmt häufig nicht mit dem erlernten Beruf überein. Nur jeder dritte Erwerbstätige (31 %) arbeitet in Deutschland im erlernten Beruf, rund 30 Prozent haben ihren erlernten Beruf vollständig gewechselt und weitere 39 Prozent sind in einem Beruf tätig, der mit dem erlernten Beruf verwandt ist – so die Ergebnisse der ETB 2018.31 Stehen die berufli- 31 Siehe https://www.demowanda.de/DE/Bildung/Passung/passung_node.html (Stand: 14.06.2021). Tabelle 12: Über- und Unterqualifizierung nach dem Berufssektor des ausgeübten Berufs (in %) Ausgeübter Beruf (KldB 2010) Überqualifizierung Unterqualifizierung QMM_ KldB2010 QMM_ SE QMM_ SE-Plus QMM_ KldB2010 QMM_ SE QMM_ SE-Plus Produktionsberufe 14,5 19,0 15,1 14,7 7,3 9,9 Fertigungstechnische Berufe 13,8 18,1 15,5 18,8 10,1 13,4 Personenbezogene DL-Berufe 14,9 16,6 15,0 19,9 9,9 12,2 Kaufm., unternehmensbez. DL-Berufe 22,6 22,2 19,5 22,3 9,2 11,8 IT- und naturwissenschaftliche Berufe 15,9 17,3 15,8 30,4 11,2 15,0 Sonstige wirtschaftliche DL-Berufe 22,7 35,9 29,4 16,1 9,1 11,7 Gesamt 18,0 21,3 18,3 19,7 9,3 11,9 Anm.: Qualifikationsmismatch (QMM): QMM_KldB2010 lt. 5.Stelle der KldB2010; QMM_SE lt. Selbsteinschätzung; QMM_SE-Plus lt. Selbsteinschätzung plus Stellung im Betrieb/Einarbeitungszeit; DL-Berufe =Dienstleistungsberuf. Quelle: BIBB/BAUA-Erwerbstätigenbefragung 2018
34 WDP 229 5 Empirische Befunde chen Verwertungschancen einer Ausbildung im Fokus, dann ist die Differenzierung nach dem erlernten Beruf die geeignetere Perspektive. Hierzu ist es sinnvoll zwischen den verschiedenen Bildungsabschlüssen zu unterscheiden. Denn akademische Abschlüsse sind im Vergleich zu beruflichen Abschlüssen stärker theoretisch und weniger berufsspezifisch ausgerichtet. Tabelle 13 zeigt die Überqualifizierungsquoten für Akademiker/-innen sowie die Über- und Unterqualifizierungsquoten für beruflich Qualifizierte (siehe auch Tabelle A4 für eine Differenzierung nach der Berufshauptgruppe). Auch unter diesem Blickwinkel zeigen sich wieder Unterschiede zwischen den Messkonzepten. Für Akademiker/-innen variieren die Überqualifizierungsquoten bei der objektiven Messung stärker zwischen den Berufen als mit den subjektiven Messungen. Über dem Durchschnitt (QMM_KldB2010: 35,6%) liegen Erwerbstätige mit einem akademischen Abschluss in „sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungsberufen“ (QMM_KldB2010: 59,1 %) und „kaufmännisch, unternehmensbezogenen Dienstleistungsberufen“ (QMM_KldB2010: 49,4 %). Unter Erwerbstätigen mit Berufsausbildung sind es die „IT- und naturwissenschaftlichen Berufe“, die unterdurchschnittliche Überqualifizierungsquoten aufweisen, was bei allen Messkonzepten zu beobachten ist (QMM_KldB2010: 2,9 %, QMM_SE: 8,4 %, QMM_SE-Plus: 7,8 %). Gleichzeitig ist mit diesen Berufen überdurchschnittlich häufig unterqualifizierte Erwerbstätigkeit verbunden, die im Sinne eines beruflichen Aufstiegs zu interpretieren ist. Tabelle 13: Über- und Unterqualifizierung bei Personen mit Berufsausbildung und Hochschulabschluss nach dem Berufssektor des erlernten Berufs (in %) Berufssektor (KldB 2010) Überqualifizierung Unterqualifizierung QMM_ KldB2010 QMM_ SE QMM_ SE-Plus QMM_ KldB2010 QMM_ SE QMM_ SE-Plus Berufsausbildung Produktionsberufe 10,4 20,1 16,0 12,9 6,7 8,5 Fertigungstechnische Berufe 6,0 14,9 10,2 22,1 10,2 14,5 Personenbezogene DL-Berufe 10,7 17,5 13,7 18,3 9,5 12,5 Kaufm., unternehmensbez. DL-Berufe 8,6 17,3 14,1 21,8 8,8 12,0 IT- und naturwissenschaftliche Berufe 2,9 8,4 7,8 38,2 15,6 25,7 Sonstige wirtschaftliche DL-Berufe 6,9 24,7 13,1 16,1 8,9 10,9 Gesamt 8,9 17,8 13,6 19,1 9,0 12,1 Hochschulstudium Produktionsberufe 43,5 32,7 32,1 Fertigungstechnische Berufe 31,4 25,6 25,3 Personenbezogene DL-Berufe 28,3 22,4 22,2 Kaufm., unternehmensbez. DL-Berufe 49,4 28,8 28,8 IT- und naturwissenschaftliche Berufe 30,8 23,5 23,5 Sonstige wirtschaftliche DL-Berufe 59,1 26,9 26,9 Gesamt 35,6 25,4 25,2 Anm.: Qualifikationsmismatch (QMM): QMM_KldB2010 lt. 5.Stelle der KldB2010; QMM_SE lt. Selbsteinschätzung; QMM_SE-Plus lt. Selbsteinschätzung plus Stellung im Betrieb/Einarbeitungszeit; DL-Berufe=Dienstleistungsberuf. Quelle: BIBB/BAUA-Erwerbstätigenbefragung 2018
5.4 Multivariate Ergebnisse WDP 229 35 5.4 Multivariate Ergebnisse Im Folgenden werden die Effekte der berichteten Merkmale auf Über- und Unterqualifizierung unter gegenseitiger Kontrolle geschätzt. Hierzu werden logistische Regressionsanalysen (vgl. Best/Wolf 2010) verwendet, wobei zwei Dummy-Variablen Überqualifikation (1=Überqualifikation, 0=passend qualifiziert) und Unterqualifikation (1=Unterqualifikation, 0=passend qualifiziert) gebildet werden. Ausgewiesen werden jeweils die Mittelwerte der marginalen Effekte über alle Beobachtungen (average marginal effect (AME), vgl. Mood 2010, S. 78). Der AME gibt konkret an, um wie viele Prozentpunkte sich die vorhergesagte Wahrscheinlichkeit für Über- bzw. Unterqualifizierung im Mittel aller Beobachtungen verändert, wenn sich die betreffende erklärende Variable um eine Einheit erhöht (im Falle einer Dummy-Variablen entspricht dies dem Vergleich zu einer ausgewählten Referenzgruppe). Über die in Abbildung 6 gezeigten Merkmale hinweg ergeben sich gegenüber den in Abschnitt 5.3.1 ausgewiesenen deskriptiven Befunden eher geringe Unterschiede. Unabhängig vom Messkonzept zeigt sich im Modell, dass Frauen nicht nur eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit haben, überqualifiziert erwerbstätig zu sein, sondern auch die Wahrscheinlichkeit für unterqualifizierte Erwerbstätigkeit ist signifikant geringer als bei Männern. Die objekti- ve Messmethode führt allerdings zu einem stärkeren Geschlechtereffekt als die rein subjektive Messmethode. Überqualifizierung nimmt mit dem Alter signifikant zu (hier dargestellt in Zehnjahresschritten), und in Ostdeutschland ist die Wahrscheinlichkeit für Überqualifizierung signifikant höher als in Westdeutschland. Erwerbstätige mit Migrationshintergrund haben im Schnitt eine höhere Wahrscheinlichkeit der Überqualifizierung.32 Auch die Wahrscheinlichkeit für Unterqualifizierung ist unabhängig vom Messkonzept für Frauen und Erwerbstätige aus Ostdeutschland geringer und für Erwerbstätige mit Migrationshintergrund höher.33 Gegenläufige Effekte zeigen sich hinsichtlich des Alters: Mit zunehmendem Alter sinkt die Wahrscheinlichkeit für Unterqualifizierung auf Basis der objektiven Messung, wohingegen sie mit den subjektiven Messungen steigt. 32 Der positive Effekt auf Überqualifizierung für Erwerbstätige mit Migrationshintergrund reduziert sich unter Berücksichtigung des Merkmals „Bildungsabschluss im Ausland erworben“ auf ein nicht signifikantes Niveau (hier nicht dargestellt). Das heißt, das Personenmerkmal wirkt über die Art des Bildungsabschlusses auf Überqualifizierung. 33 Die höheren Unterqualifizierungsquoten bei Erwerbstätigen mit Migrationshintergrund erklären sich mit dem höheren Anteil nicht formal Qualifizierter in dieser Gruppe, die die höchsten Chancen auf Unterqualifizierung haben. Unter Berücksichtigung des Bildungsabschlusses ist der Migrationseffekt auf Unterqualifizierung nicht mehr signifikant (hier nicht dargestellt).
36 WDP 229 5 Empirische Befunde Abbildung 6: Effekte soziodemografischer Merkmale auf die Wahrscheinlichkeit der Über- und Unterqualifizierung (durchschnittliche Marginaleffekte, AME) Anm.: Logistische Regressionsmodelle, gewichtete Schätzungen mit robusten Standardfehlern unter Kontrolle der Merkmale Geschlecht, Alter, Migrationshintergrund, Wohnregion; Qualifikationsmismatch (QM): QM_KldB2010 lt. 5.Stelle der KldB2010; QM_SE lt. Selbsteinschätzung; QM_SE-Plus lt. Selbsteinschätzung plus Stellung im Betrieb/ Einarbeitungszeit. Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 In Abbildung 7 sind die Bildungseffekte auf Über- und Unterqualifizierung unter Kontrolle der in Abbildung 6 aufgeführten soziodemografischen und regionalen Merkmale dargestellt.34 Referenzgruppe sind Erwerbstätige mit Berufsausbildung. Im Vergleich zu dieser Gruppe haben beruflich Höherqualifizierte und Akademiker/-innen auf ISCED-6-Niveau (Bachelor, Dipl.-FH) auf Basis aller drei Messkonzepte eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit der Überqualifizierung. Die objektive Messung (QM_KldB2010) führt bei Akademikern und Akademikerinnen auf ISCED-6-Niveau allerdings zu größeren Effekten (0.43) als die subjektiven Messungen (0.19 bzw. 0.23). Während also für akademisch Qualifizierte auf ISCED-6-Niveau (Bachelor, FH-Diplom) mit der objektiven Messung ein zu beruflich Höherqualifizierten vergleichbares Überqualifizierungsrisiko ermittelt wird, ist der Effekt auf die Wahrscheinlichkeit der Überqualifizierung auf Basis der subjektiven Messungen nur halb so groß. Für akademisch Qualifizierte auf ISCED-7-Niveau (Master, Dipl.-Universität) zeigen sich hingegen bedeutendere Unterschiede zwischen der objektiven und der subjektiven Messung: Auf Basis der subjektiven 34 Referenzgruppe sind Erwerbstätige mit einem Abschluss einer Berufsausbildung. Bei der Analyse von Überqualifikation sind Personen ohne Berufsabschluss aus der Analyse ausgeschlossen, da diese per Definition nicht überqualifiziert sein können. Bei der Analyse der Unterqualifikation wiederum sind Akademiker/-innen ausgeschlossen, die per Definition nicht unterqualifiziert beschäftigt sein können (bei QM_KldB2010 nur ISCED-7-Abschlüsse). 0.06 0.01 0.06 0.03 0.02 0.02 0.05 0.02 0.04 0.02 0.06 0.02 −0.04 −0.02 0.05 −0.06 −0.02 0.01 0.04 −0.01 −0.03 0.01 0.03 −0.02 Frauen Alter (Zehnjahresschritte) Migrationshintergrund Ostdeutschland −0,10 −0,0 5 0,0 0 0,05 0,10 −0,10 −0,05 0,00 0,05 0,10 Überqualifizierung Unterqualifizierung QM_KldB2010 QM_SE QM_SE−Plus
5.4 Multivariate Ergebnisse WDP 229 37 Messungen zeigen sich keine signifikanten Unterschiede zu Erwerbstätigen mit Berufsausbildung, wohingegen die Wahrscheinlichkeit für Überqualifizierung mit der objektiven Messung (QM_KldB2010) im Durchschnitt um rund 20 Prozentpunkte höher ist als für Erwerbstätige mit Berufsausbildung (0.17; p<0.01). Im Hinblick auf Unterqualifizierung kommen alle Messkonzepte zu der Aussage, dass die Wahrscheinlichkeit für Unterqualifizierung sowohl für beruflich Höherqualifizierte als auch für formal nicht Qualifizierte signifikant höher ist als für Erwerbstätige mit Berufsausbildung. Für Erwerbstätige mit beruflicher Höherqualifizierung weisen die Effekte auf Unterqualifizierung nicht nur in die gleiche Richtung, sie sind auch von vergleichbarer Größe. Für nicht formal Qualifizierte sind die Effekte wie in Kapitel 5.3.2 bereits deskriptiv gezeigt, auf Basis der objektiven Messung deutlich größer als auf Basis der subjektiven Messungen. Abbildung 7: Effekte des Bildungsabschlusses auf die Wahrscheinlichkeit der Über- und Unterqualifizierung (durchschnittliche Marginaleffekte, AME) Anm.: Logistische Regressionsmodelle, gewichtete Schätzungen mit robusten Standardfehlern unter Kontrolle der Merkmale Geschlecht, Alter, Migrationshintergrund, Wohnregion; Modelle zur Überqualifizierung ohne nicht formal Qualifizierte (Referenzgruppe: passend qualifiziert); Modelle zur Unterqualifizierung ohne Personen mit akademischem ISCED-(6)-7-Abschluss (Referenzgruppe: passend qualifiziert); Referenzgruppe sind Erwerbstätige mit Berufsausbildung; Qualifikationsmismatch (QM): QM_KldB2010 lt. 5.Stelle der KldB2010; QM_SE lt. Selbsteinschätzung; QM_SE-Plus lt. Selbsteinschätzung plus Stellung im Betrieb/Einarbeitungszeit. Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 In Kapitel 5.3.3 wurde gezeigt, wie Über- und Unterqualifizierung mit dem ausgeübten Beruf variiert. Nachfolgend wird untersucht, ob dies auch dann zutrifft, wenn die sozialstrukturelle Zusammensetzung und die Qualifikationsstruktur in den Berufen kontrolliert werden. Abbildung 8 zeigt unter Kontrolle der in Abbildung 6 und 7 aufgezeigten Merkmale wieder 0.42 0.43 0.17 0.44 0.19 −0.0 2 0.42 0.23 0.0 2 0.50 0.05 0.08 0.32 0.08 0.36 0.07 Ref.: Berufsausbildung Ohne Abschluss Höhere Berufsbildung Bachelor− Dipl.−FH Master− Dipl.−Univ. −0,20 0,00 0,20 0,40 0,60 −0,20 0,00 0,20 0,40 0,60 Überqualifizierung Unterqualifizierung QM_KldB2010 QM_SE QM_SE−Plus
38 WDP 229 5 Empirische Befunde die geschätzte Wahrscheinlichkeit, über- bzw. unterqualifiziert erwerbstätig zu sein; Referenzgruppe sind Erwerbstätige in sonstigen gewerblich-technischen Berufen. Es zeigt sich, wie auch bereits in den deskriptiven Analysen erkennbar war, dass Erwerbstätige in sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungsberufen eine signifikant höhere durchschnittliche Wahrscheinlichkeit für Überqualifizierung haben. Je nach Messmethode variiert diese Wahrscheinlichkeit zwischen 16 (QM_KldB2010) und 27 Prozentpunkten (QM_SE). Die anderen Berufsgruppen unterscheiden sich in weit geringerem Maße von der Referenzgruppe der sonstigen gewerblich-technischen Berufe. Im Hinblick auf Unterqualifizierung sind es fertigungstechnische Berufe, personenbezogene Dienstleistungsberufsberufe, kaufmännisch-unternehmensbezogene Dienstleistungsberufsberufe und IT- und naturwissenschaftliche Berufe, mit denen eine höhere Wahrscheinlichkeit für Unterqualifizierung verbunden sind. Abbildung 8: Effekte des Berufssektors der ausgeübten Tätigkeit auf die Wahrscheinlichkeit der Über- und Unterqualifizierung (durchschnittliche Marginaleffekte, AME) Anm.: Logistische Regressionsmodelle, gewichtete Schätzungen mit robusten Standardfehlern unter Kontrolle der Merkmale Geschlecht, Alter, Migrationshintergrund, Wohnregion, Bildungsabschluss; Modelle zur Überqualifizierung ohne nicht formal Qualifizierte (Referenzgruppe: passend qualifiziert); Modelle zur Unterqualifizierung ohne Personen mit akademischem ISCED-7-Abschluss (Referenzgruppe: passend qualifiziert); Qualifikationsmismatch (QM): QM_ KldB2010 lt. 5.Stelle der KldB2010; QM_SE lt. Selbsteinschätzung; QM_SE-Plus lt. Selbsteinschätzung plus Stellung im Betrieb/Einarbeitungszeit. Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 Um abschließend zeigen zu können, welchen Effekt der erlernte Beruf auf Über- und Unterqualifizierung ausübt, müssen heterogene Effekte der erlernten Berufe je nach Bildungsabschluss vermieden werden. Um das Bildungslevel konstant zu halten, werden daher in den folgenden Analysen nur Erwerbstätige mit Berufsausbildung betrachtet. Diese Personen können zudem sowohl überals auch unterqualifiziert tätig sein, sodass die Wahrscheinlichkeiten −0.05 −0.0 8 −0.00 −0.07 0.16 −0.04 −0.05 −0.01 −0.04 0.27 −0.02 −0.0 4 −0.01 −0.03 0.24 0.07 0.20 0.22 0.32 −0.01 0.05 0.12 0.11 0.19 0.01 0.07 0.14 0.12 0.23 0.01 Ref.: Sonstige gewerblich−technische Berufe Fertigungstechnische Berufe Personenbezogene Dienstleistungsberufe Kaufmännische und unternehmensbezogene DL−Berufe IT− und naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungsberufe −0,2 0 0,0 0 0,20 0,40 −0,20 0,00 0,20 0,40 Überqualifizierung Unterqualifizierung QM_KldB2010 QM_SEQM_SE-Plus
5.4 Multivariate Ergebnisse WDP 229 39 für diese beiden Optionen in einem multinomialen Logitmodell simultan berechnet werden können (vgl. Kühnel/Krebs 2010). Abbildung 9 zeigt die durchschnittlichen Marginaleffekte des Berufssektors des erlernten Berufs auf die Wahrscheinlichkeit der Über- und Unterqualifizierung bei Erwerbstätigen mit Berufsausbildung; Referenzgruppe sind Erwerbstätige, die in einem sonstigen gewerblich-technischen Beruf ausgebildet wurden. Aus der Perspektive des erlernten Berufs hat eine Ausbildung im Berufssektor „sonstige wirtschaftliche Dienstleistungsberufe“ keinen stark positiven und über die Messkonzepte hinweg signifikanten Effekt auf Überqualifizierung; lediglich die subjektive Messung kommt zu einer moderaten Erhöhung der Wahrscheinlichkeit für Überqualifizierung (plus 7 Prozentpunkte). Im Hinblick auf Unterqualifizierung zeigen sich Unterschiede zwischen den Messkonzepten für die Berufssektoren fertigungstechnische Berufe, personenbezogene Dienstleistungsberufe und kaufmännischunternehmensbezogene Dienstleistungsberufe. Die subjektive Messung (QM_SE) zeigt für diese Berufssektoren keine signifikanten Unterschiede zu den sonstigen gewerblich-techni- schen Berufen. Abbildung 9: Effekte des Berufssektors des erlernten Berufs auf die Wahrscheinlichkeit der Über- und Unterqualifizierung – Erwerbstätige mit Berufsausbildung (durchschnittliche Marginaleffekte, AME) Anm.: Multinomiale Logitmodelle, gewichtete Schätzung mit robusten Standardfehlern unter Kontrolle der Merkmale Geschlecht, Alter, Migrationshintergrund, Wohnregion, Bildungstyp (dual/schulisch), allgemeinbildender Schulabschluss; Qualifikationsmismatch (QM): QM_KldB2010 lt. 5.Stelle der KldB2010; QM_SE lt. Selbsteinschätzung; QM_SE-Plus lt. Selbsteinschätzung plus Stellung im Betrieb/Einarbeitungszeit. Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 −0.03 −0.02 −0.04 −0.06 −0.03 −0.03 0.00 −0.02 −0.07 0.07 −0.04 −0.02 −0.03 −0.04 −0.01 0.06 0.05 0.08 0.18 0.01 0.02 0.02 0.02 0.05 0.00 0.04 0.03 0.03 0.12 0.00 Ref.: Sonstige gewerblich−technische Berufe Fertigungstechnische Berufe Personenbezogene Dienstleistungsberufe Kaufmännische und unternehmensbezogene DL−Berufe IT− und naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungsberufe −0,10 0,00 0,10 0,20 0,30 −0,10 0,00 0,10 0,20 0,30 Überqualifizierung Unterqualifizierung QM_KldB2010 QM_SEQM_SE−Plus
46 WDP 229 Literaturverzeichnis Mayerl, Martin: Skills-Mismatch und PIAAC – am eigenen Anspruch gescheitert? Über den Versuch, das Missverhältnis zwischen den Arbeitsplatzanforderungen und den Skills der Arbeitenden messen zu wollen. In: Magazin Erwachsenenbildung.at 23 (2014), S. 5–8 Mayerl, Martin: Über das Missverhältnis von Qualifikationen und Anforderungen am Arbeitsplatz: eine theoretische Reflexion und empirische Untersuchung zu Qualifikations-und Skills-Mismatch am österreichischen Arbeitsmarkt. Dissertation. Wien 2017 McGuinness, Seamus: Overeducation in the labour market. In: Journal of economic surveys 20 (2006) 3, S. 387–418 McGuinness, Seamus; Pouliakas, Kostas; Redmond, Paul: How Useful Is the Concept of Skills-Mismatch? IZA Discussion Paper Nr. 10786, 2017. – URL: https://www.iza.org/publications/dp/10786 (Stand:14.06.2021) McGuinness, Seamus; Sloane, Peter J.: Labour market mismatch among UK graduates: An analysis using REFLEX data. In: Economics of Education Review 30 (2011) 1, S. 130–145 Menze, Laura: Horizontale und vertikale Adäquanz im Anschluss an die betriebliche Ausbildung in Deutschland. In: KZfSS Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 69 (2017) 1, S. 79–107 Meroni, Elena Claudia; Vera-Toscano, Esperanza: The persistence of overeducation among recent graduates. In: Labour Economics 48 (2017), S. 120-143. Mood, Carina: Logistic Regression: Why We Cannot Do What We Think We Can Do, and What We Can Do About It. In: European Sociological Review 26 (2010) 1, S. 67–82 OECD (Hrsg.): Education at a glance. OECD 2010. – URL: https://www.oecd-ilibrary.org/education/education-at-a-glance-2010_eag-2010-en (Stand: 14.06.2021) OECD (Hrsg.): OECD Skills Outlook 2013. First results from the Survey of adult skills. OECD 2013. – URL: https://www.oecd-ilibrary.org/education/oecd-skills-out- look-2013_9789264204256-en (Stand: 14.06.2021) OECD (Hrsg.): Skills Matter: Further results from the survey od adult skills. OECD 2016. – URL: https://www.oecd.org/skills/skills-matter-9789264258051-en.htm (Stand: 14.06.2021) OECD (Hrsg.): Education at a glance. OECD 2018. – URL: https://www.oecd-ilibrary.org/education/education-at-a-glance-2010_eag-2010-en (Stand: 14.06.2021) Ortiz, Luis; Kucel, Aleksander: Do fields of study matter for over-education? The cases of Spain and Germany. In: International Journal of Comparative Sociology 49 (2008) 4-5, S. 305–327 Paulus, Wiebke; Matthes, Britta: Klassifikation der Berufe: Struktur, Codierung und Umsteigeschlüssel. FDZ-Methodenbericht 08 (2013). URL – http://doku.iab.de/fdz/reporte/2013/MR_08-13.pdf (Stand: 09.12.2019) Pellizzari, Michele; Fichen, Ann: A New Measure of Skills Mismatch: Theory and evidence from the survey of adult skills (PIAAC). In: OECD Social, Employment, and Migration Working Papers 153 (2013) Perry, Anja; Wiederhold, Simon; Ackermann-Piek, Daniela: How Can Skill Mismatch be Measured? New Approaches with PIAAC. In: Methods, Data, Analyses 8 (2014) 2, S. 137– 174 Plicht, Hannelore; Schober, Karen; Schreyer, Franziska: Zur Ausbildungsadäquanz der Beschäftigung von Hochschulabsolventinnen und -absolventen. Versuch einer Quantifizie-
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Anhang WDP 229 49 Anhang Tabelle A1: Berufshauptgruppen nach erweiterten Berufssektoren (KldB 2010) Berufshauptgruppen Erweiterte Berufssektoren Produktionsberufe 11 Land-, Tier- und Forstwirtschaftsberufe 12 Gartenbauberufe und Floristik 21 Rohstoffgewinnung und -aufbereitung, Glas- und Keramikherstellung und -verarbeitung 22 Kunststoffherstellung und -verarbeitung, Holzbe- und -verarbeitung 23 Papier- und Druckberufe, technische Mediengestaltung 24 Metallerzeugung und -bearbeitung, Metallbauberufe 28 Textil- und Lederberufe 31 Bauplanungs-, Architektur- und Vermessungsberufe 32 Hoch- und Tiefbauberufe 33 (Innen-)Ausbauberufe 34 Gebäude- und versorgungstechnische Berufe 93 Produktdesign und kunsthandwerkliche Berufe, bildende Kunst, Musikinstrumentenbau Fertigungstechnische Berufe 25 Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe 26 Mechatronik-, Energie- und Elektroberufe 27 Technische Forschungs-, Entwicklungs-, Konstruktions- und Produktionssteuerungsberufe Personenbezogene Dienstleistungsberufe 29 Lebensmittelherstellung und -verarbeitung 63 Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe 81 Medizinische Gesundheitsberufe 82 Nichtmedizinische Gesundheits-, Körperpflege- und Wellnessberufe, Medizintechnik 83 Erziehung, soziale und hauswirtschaftliche Berufe, Theologie 84 Lehrende und ausbildende Berufe 94 Darstellende und unterhaltende Berufe Kaufmännische und unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe 61 Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufe 62 Verkaufsberufe 71 Berufe in Unternehmensführung und -organisation 72 Berufe in Finanzdienstleistungen, Rechnungswesen und Steuerberatung 73 Berufe in Recht und Verwaltung 92 Werbung, Marketing, kaufmännische und redaktionelle Medienberufe IT- und naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe 41 Mathematik-, Biologie-, Chemie- und Physikberufe 42 Geologie-, Geografie- und Umweltschutzberufe 43 Informatik-, Informations- und Kommunikationstechnologieberufe Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungsberufe 1 Angehörige der regulären Streitkräfte 51 Verkehrs- und Logistikberufe (außer Fahrzeugführung) 52 Führer/-innen von Fahrzeug- und Transportgeräten 53 Schutz-, Sicherheits- und Überwachungsberufe 54 Reinigungsberufe Anm.: Berufssektoren in Anlehnung an Matthes, Meinken und Neuhauser (2015).
50 WDP 229 Anhang Tabelle A2: Anforderungsniveau nach Berufshauptgruppe und Messkonzept (in %) Objektiv (KldB 2010) Subjektiv (SE) Anforderungsniveau 1 2 3 4 1 2 3 4 Berufshauptgruppe (KldB2010) 11 Land-, Tier-, Forstwirtschaftsberufe 6,7 79,2 7,5 6,7 13,8 66,5 11,7 7,9 12 Gartenbauberufe, Floristik 7,3 78,6 10,4 3,6 18,8 66,7 8,9 5,7 21 Rohstoffgewinn, Glas-, Keramikverarbeitung 4,2 58,3 33,3 4,2 29,8 63,8 2,1 4,3 22 Kunststoff- u. Holzherst., -verarbeitung 14,1 69,8 13,4 2,7 23,4 65,2 8,0 3,3 23 Papier-, Druckberufe, tech. Mediengestalt. 14,9 41,6 24,3 19,3 33,8 42,8 3,0 20,4 24 Metallerzeugung, -bearbeitung, Metallbau 9,4 80,6 9,1 0,9 15,4 78,9 4,0 1,7 25 Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe 9,5 66,4 11,7 12,4 18,1 59,2 10,2 12,6 26 Mechatronik-, Energie- u. Elektroberufe 4,6 54,1 27,5 13,8 7,7 60,8 14,5 17,0 27 Techn. Entwickl., Konstr., Produktionssteuer. 0,0 26,2 36,8 37,0 5,3 37,6 19,2 38,0 28 Textil- und Lederberufe 2,6 71,1 23,7 2,6 10,4 63,6 19,5 6,5 29 Lebensmittelherstellung u. -verarbeitung 21,6 61,2 5,8 11,3 24,7 67,7 5,1 2,5 31 Bauplanung, Architektur, Vermessungsberufe 0,0 6,9 11,6 81,5 1,1 18,4 10,0 70,5 32 Hoch- und Tiefbauberufe 16,1 65,7 16,9 1,2 20,0 64,7 12,5 2,7 33 (Innen-)Ausbauberufe 1,5 88,3 10,3 0,0 12,5 82,4 5,1 0,0 34 Gebäude- u. versorgungstechnische Berufe 9,8 76,1 11,2 2,9 20,4 70,0 5,1 4,5 41 Mathematik-, Biologie-. Chemie-, Physikberufe 8,4 53,9 10,8 26,9 10,4 55,9 6,1 27,6 42 Geologie-, Geografie-, Umweltschutzberufe 0,0 25,7 40,0 34,3 5,7 34,3 8,6 51,4 43 Informatik- und andere IKT-Berufe 0,0 8,4 38,1 53,5 7,4 32,5 3,2 56,8 51 Verkehr, Logistik (außer Fahrzeugführ.) 23,5 60,0 7,8 8,7 41,2 48,2 5,6 5,0 52 Führung von Fahrzeug- u. Transportgeräten 9,2 88,3 2,4 0,1 45,4 46,9 6,0 1,7 53 Schutz-, Sicherheits-, Überwachungsberufe 3,0 60,1 27,7 9,1 21,9 46,8 10,8 20,5 54 Reinigungsberufe 69,6 23,5 7,0 0,0 76,3 20,6 2,8 0,3 61 Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufe 0,0 40,4 38,6 21,0 12,2 54,3 8,6 24,9 62 Verkaufsberufe 3,2 88,1 0,6 8,0 27,7 68,1 1,6 2,5 63 Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe 13,0 59,3 10,1 17,6 49,1 45,1 0,8 5,1 71 Berufe Unternehmensführung, -organisation 2,9 49,3 13,6 34,1 9,4 51,0 5,7 33,9 72 Finanzdienstl., Rechnungsw., Steuerberatung 0,0 42,0 36,2 21,8 2,7 63,1 8,7 25,6 73 Berufe in Recht und Verwaltung 3,9 54,5 22,0 19,7 4,8 48,1 2,9 44,3 81 Medizinische Gesundheitsberufe 5,6 53,4 18,8 22,2 5,5 63,5 6,2 24,8 82 Nichtmed. Gesundheit, Körperpfl., Medizint. 12,5 71,0 11,5 5,1 10,9 75,4 8,2 5,5 83 Erziehung, soz., hauswirt. Berufe, Theologie 12,4 53,0 13,0 21,6 14,2 49,7 6,9 29,1 84 Lehrende und ausbildende Berufe 0,0 0,4 10,4 89,2 4,5 5,8 4,0 85,7 91 Geistes-, Gesellschafts-, Wirtschaftswissen. 10,4 4,0 0,8 84,8 12,7 19,8 9,5 57,9 92 Werbung, Marketing, kaufm., red. Medienberufe 0,0 23,5 55,5 21,0 23,3 23,1 1,8 51,7 93 Produktdesign, Kunsthandwerk 0,0 43,3 25,4 31,3 20,9 31,3 14,9 32,8 94 Darstellende, unterhaltende Berufe 0,0 19,6 43,5 37,0 26,8 28,3 6,5 38,4 Gesamt 7,9 52,7 17,0 22,4 17,4 51,6 6,6 24,5 Anm.: Darstellung ohne Angehörige der regulären Streitkräfte (1); Anforderungsniveau: 1: kein Ausbildungsabschluss erforderlich bzw. Helfer- bzw. Anlerntätigkeiten; 2: Ausbildungsabschluss erforderlich bzw. fachlich ausgerichtete Tätigkeiten; 3: Fortbildungsabschluss erforderlich bzw. komplexe Spezialistentätigkeiten; 4: Akademischer Abschluss erforderlich bzw. hoch komplexe Tätigkeiten. Zu den vollen Berufelabels siehe Tabelle A1. Quelle: BIBB/BAUA-Erwerbstätigenbefragung 2018
Anhang WDP 229 51 Tabelle A3: Ausmaß von Über- und Unterqualifizierung nach der Berufshauptgruppe des ausgeübten Berufs (KldB 2010) Überqualifizierung Unterqualifizierung Berufshauptgruppe (KldB2010) QMM_ KldB 2010 QMM_ SE QMM_ SE-Plus QMM_ KldB 2010 QMM_ SE QMM_ SE-Plus 11 Land-, Tier-, Forstwirtschaftsberufe 26,3 22,6 20,4 15,0 10,0 10,8 12 Gartenbauberufe, Floristik 13,6 18,3 14,1 15,7 7,8 12,0 21 Rohstoffgewinn, Glas-, Keramikverarbeitung 8,3 39,6 19,1 27,1 4,3 4,3 22 Kunststoff- u. Holzherst., -verarbeitung 14,0 20,1 11,4 14,8 7,7 8,4 23 Papier-, Druckberufe, tech. Mediengestalt. 27,4 35,8 27,9 18,4 8,5 12,4 24 Metallerzeugung, -bearbeitung, Metallbau 10,2 13,1 11,8 12,1 5,7 9,2 25 Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe 16,1 20,8 17,0 11,5 6,7 9,0 26 Mechatronik-, Energie- u. Elektroberufe 11,8 16,2 14,4 20,4 13,2 16,5 27 Techn. Entwickl., Konstr., Produktionssteuer. 11,6 15,0 13,9 31,5 13,3 18,4 28 Textil- und Lederberufe 17,1 13,2 10,4 10,5 3,9 3,9 29 Lebensmittelherstellung u. -verarbeitung 17,5 22,0 19,0 16,0 8,0 10,9 31 Bauplanung, Architektur, Vermessungsberufe 2,7 4,2 3,7 29,1 10,1 13,2 32 Hoch- und Tiefbauberufe 15,7 18,4 14,1 12,2 11,0 15,7 33 (Innen-)Ausbauberufe 6,6 17,9 11,7 9,1 4,0 4,7 34 Gebäude- u. versorgungstechnische Berufe 17,4 22,8 21,4 12,8 5,4 8,3 41 Mathematik-, Biologie-, Chemie-, Physikberufe 18,1 16,8 15,5 9,8 5,7 10,7 42 Geologie-, Geografie-, Umweltschutzberufe 20,0 17,6 11,8 11,4 5,9 5,9 43 Informatik- und andere IKT-Berufe 14,7 17,6 16,1 40,4 13,7 17,2 51 Verkehr, Logistik (außer Fahrzeugführ.) 21,2 34,5 27,9 18,8 9,4 11,2 52 Führung von Fahrzeug- u. Transportgeräten 13,8 36,8 29,1 12,7 9,7 13,0 53 Schutz-, Sicherheits-, Überwachungsberufe 19,6 24,6 18,0 22,4 13,8 16,9 54 Reinigungsberufe 46,2 50,4 48,7 8,1 4,2 5,0 61 Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufe 21,0 26,1 23,6 36,6 13,5 17,4 62 Verkaufsberufe 12,7 26,1 22,9 21,3 7,6 10,6 63 Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe 23,7 40,2 36,2 36,7 7,2 10,9 71 Berufe Unternehmensführung, -organisation 21,2 20,6 17,9 22,0 9,0 11,5 72 Finanzdienstl., Rechnungsw., Steuerberatung 22,3 26,0 23,3 27,8 9,2 12,2 73 Berufe in Recht und Verwaltung 31,5 13,1 11,0 8,1 7,4 8,7 81 Medizinische Gesundheitsberufe 13,8 13,4 11,9 18,8 9,0 12,6 82 Nichtmed. Gesundheit, Körperpfl., Medizint. 18,8 18,2 15,9 15,8 14,6 17,4 83 Erziehung, soz., hauswirt. Berufe, Theologie 22,6 18,9 17,5 18,4 14,5 15,7 84 Lehrende und ausbildende Berufe 3,4 5,1 4,7 17,3 6,0 6,7 91 Geistes-, Gesellschafts-, Wirtschaftswissen. 11,2 26,2 25,6 28,6 7,1 7,9 92 Werbung, Marketing, kaufm,red. Medienberufe 36,3 24,9 22,6 25,8 11,6 14,2 93 Produktdesign, Kunsthandwerk 22,7 26,9 23,9 23,9 14,9 16,4 94 Darstellende, unterhaltende Berufe 13,0 24,6 22,5 38,4 13,8 15,9 Gesamt 18,0 21,3 18,3 19,7 9,3 11,9 Anm.: Darstellung ohne Angehörige der regulären Streitkräfte (1). Zu den vollen Berufelabels siehe Tabelle A1. Quelle: BIBB/BAUA-Erwerbstätigenbefragung 2018
52 WDP 229 Anhang Tabelle A4: Ausmaß von Über- und Unterqualifizierung nach dem erlernten Beruf (Berufshauptgruppe KldB 2010) – Erwerbstätige mit Berufsausbildung Überqualifizierung Unterqualifizierung Berufshauptgruppe (KldB2010) QMM_ KldB 2010 QMM_ SE QMM_ SE-Plus QMM_ KldB 2010 QMM_ SE QMM_ SE-Plus 11 Land-, Tier-, Forstwirtschaftsberufe 9,3 17,9 13,6 13,6 7,9 12,1 12 Gartenbauberufe, Floristik 15,2 24,6 20,3 10,1 6,5 8,7 22 Kunststoff- u. Holzherst., -verarbeitung 12,6 16,4 12,6 21,4 8,2 11,3 23 Papier-, Druckberufe, tech. Mediengestalt. 8,2 26,5 21,4 35,7 13,3 15,3 24 Metallerzeugung, -bearbeitung, Metallbau 7,5 15,2 11,6 16,4 8,7 11,0 25 Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe 5,8 15,4 10,3 20,1 9,0 12,4 26 Mechatronik-, Energie- u. Elektroberufe 4,0 10,6 7,5 33,7 16,6 23,7 27 Techn. Entwickl., Konstr., Produktionssteuer. 5,6 15,7 11,2 31,5 18,0 22,5 28 Textil- und Lederberufe 24,8 42,6 39,5 8,5 2,3 3,1 29 Lebensmittelherstellung u. -verarbeitung 12,7 28,4 22,1 17,4 4,3 8,0 32 Hoch- und Tiefbauberufe 9,4 22,4 15,1 16,7 10,9 13,5 33 (Innen-)Ausbauberufe 9,5 19,0 15,9 7,9 4,8 6,3 34 Gebäude- u. versorgungstechnische Berufe 1,8 11,2 9,5 17,2 5,3 7,7 41 Mathematik-, Biologie-. Chemie-, Physikberufe 2,6 5,9 5,2 17,6 11,8 21,6 43 Informatik- und andere IKT-Berufe 2,0 9,5 7,0 67,7 25,4 37,3 51 Verkehr, Logistik (außer Fahrzeugführ.) 7,9 22,3 13,7 20,9 9,4 13,3 52 Führung von Fahrzeug- u. Transportgeräten 2,3 24,2 12,5 9,4 7,0 7,8 53 Schutz-, Sicherheits-, Überwachungsberufe 0,0 15,2 3,8 31,4 19,0 21,0 61 Einkaufs-, Vertriebs- und Handelsberufe 3,0 14,2 10,3 37,1 10,8 15,5 62 Verkaufsberufe 14,5 27,0 23,0 17,4 5,9 10,2 63 Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe 8,1 19,9 14,5 28,5 8,6 11,8 71 Berufe Unternehmensführung, -organisation 7,0 12,8 10,0 25,3 10,2 13,4 72 Finanzdienstl., Rechnungsw., Steuerberatung 4,7 9,7 8,2 31,1 12,3 18,1 73 Berufe in Recht und Verwaltung 4,0 7,3 3,8 18,4 12,6 16,4 81 Medizinische Gesundheitsberufe 3,8 8,5 5,9 26,5 11,2 17,3 82 Nichtmed. Gesundheit, Körperpfl., Medizint. 13,6 18,9 16,1 12,1 8,8 12,1 83 Erziehung, soz., hauswirt. Berufe, Theologie 9,2 12,5 10,6 19,2 20,1 22,9 92 Werbung, Marketing, kaufm., red. Medienberufe 3,5 10,5 8,8 59,6 35,1 35,1 93 Produktdesign, Kunsthandwerk 16,4 20,0 18,2 30,9 14,5 16,4 Sonstige Berufe (BHG, jew. n<50) 12,7 15,9 12,1 39,5 19,1 23,6 Gesamt 7,4 15,4 11,7 23,8 11,3 15,5 Anm.: Darstellung ohne Angehörige der regulären Streitkräfte (1). Quelle: BIBB/BAUA-Erwerbstätigenbefragung 2018
Über die Autorin WDP 229 53 Über die Autorin Dr. Anja Hall Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich „Qualifikation, berufliche Integration und Erwerbstätigkeit“ in der Abteilung „Berufsbildungsforschung und Berufsbildungsmonitoring“ im BIBB E-Mail: [email protected]
54 WDP 229 Abstract Abstract Qualifikationsmismatches liegen vor, wenn Personen Tätigkeiten ausüben, die vom Anforderungsniveau her nicht zu ihrem Qualifikationsniveau passen. Der taxifahrende Akademiker ist ein oft zitiertes Beispiel für überqualifizierte Erwerbstätigkeit, wohingegen Unterqualifizierung auftritt, wenn höherwertige Tätigkeiten ausgeübt werden. In der Mismatchforschung gibt es verschiedene Verfahren zur Messung von Über- und Unterqualifizierung. Zu unterscheiden sind insbesondere subjektive Verfahren anhand der Selbsteinschätzung durch die Befragten und objektive bzw. normative Verfahren auf Basis von Experteneinschätzungen. Seit der Einführung der Klassifizierung der Berufe 2010 steht in Deutschland erstmals eine Berufsklassifikation zur Verfügung, die auf der Ebene einzelner Berufe objektive Informationen zum Anforderungsniveau bereitstellt. Im vorliegenden WDP wird auf Basis der repräsentativen BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 untersucht, ob die Inzidenz und die Determinanten von Über- und Unterqualifizierung robust gegenüber den beiden Messkonzepten sind. Die Ergebnisse zeigen, dass die Inzidenz von Unterqualifizierung mit der objektiven Messung im Durchschnitt rund doppelt so hoch liegt wie mit der subjektiven Messung, wohingegen sich Überqualifizierung im Ausmaß kaum zwischen den Messkonzepten unterscheidet. Allerdings zeigen sich heterogene Effekte des Bildungsabschlusses je nach Messmethode: Für beruflich Qualifizierte werden mit der objektiven Messung geringere und für akademisch Qualifizierte höhere Überqualifizierungsquoten erzielt als mit der subjektiven Messung.
Qualifikationsmismatches liegen vor, wenn Personen Tätigkeiten ausüben, die vom Anforderungsniveau her nicht zu ihrem Qualifikationsniveau passen. Der taxifahrende Akademiker ist ein oft zitiertes Beispiel für überqualifizierte Erwerbstätigkeit, wohingegen Unterqualifizierung auftritt, wenn höherwertige Tätigkeiten ausgeübt werden. In der Mismatchforschung gibt es verschiedene Verfahren zur Messung von Über- und Unterqualifizierung. Zu unterscheiden sind insbesondere subjektive Verfahren anhand der Selbsteinschätzung durch die Befragten und objektive bzw. normative Verfahren auf Basis von Experteneinschätzungen. Seit der Einführung der Klassifizierung der Berufe 2010 steht in Deutschland erstmals eine Berufsklassifikation zur Verfügung, die auf der Ebene einzelner Berufe objektive Informationen zum Anforderungsniveau bereitstellt. Im vorliegenden WDP wird auf Basis der repräsentativen BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 untersucht, ob die Inzidenz und die Determinanten von Über- und Unterqualifizierung robust gegenüber den beiden Messkonzepten sind. Die Ergebnisse zeigen, dass die Inzidenz von Unterqualifizierung mit der objektiven Messung im Durchschnitt rund doppelt so hoch liegt wie mit der subjektiven Messung, wohingegen sich Überqualifizierung im Ausmaß kaum zwischen den Messkonzepten unterscheidet. Allerdings zeigen sich heterogene Effekte des Bildungsabschlusses je nach Messmethode: Für beruflich Qualifizierte werden mit der objektiven Messung geringere und für akademisch Qualifizierte höhere Überqualifizierungsquoten erzielt als mit der subjektiven Messung. Bundesinstitut für Berufsbildung Robert-Schuman-Platz 3 53175 Bonn Telefon (02 28) 1 07-0 Internet: www.bibb.de E-Mail: [email protected] ISBN 978-3-8474-2928-9