Arbeits- und Lohnstückkostenentwicklung 2021: Im zweiten Jahr der Corona-Pandemie
Abstract
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Full text
Herzog-Stein, Alexander; Kotthaus, Friederike; Stein, Ulrike Research Report Arbeits- und Lohnstückkostenentwicklung 2021: Im zweiten Jahr der Corona-Pandemie IMK Report, No. 176 Provided in Cooperation with: Macroeconomic Policy Institute (IMK) at the Hans Boeckler Foundation Suggested Citation: Herzog-Stein, Alexander; Kotthaus, Friederike; Stein, Ulrike (2022) : Arbeits- und Lohnstückkostenentwicklung 2021: Im zweiten Jahr der Corona-Pandemie, IMK Report, No. 176, Hans-Böckler-Stiftung, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Düsseldorf, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:101:1-2022080210345354837669 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/270335 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
AUF EINEN BLICK REPORT AUDIOKOMMENTAR Ulrike Stein zur Arbeits- und Lohnstückkostenentwicklung 2021 https://bit.ly/imkreport-ak176 raum als Ganzes und insbesondere Deutschland nichts an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt haben. Auch während der Coronakrise drohte von Seiten der Lohnentwicklung keine Gefahr für die internationale Wettbewerbsfähigkeit. – Vor dem Hintergrund der nicht absehbaren Folgen des Ukrainekriegs, den temporär hohen Preissteigerungsraten und den Herausforderungen der sozial-ökologischen Transformation wird es zukünftig darum gehen, sicherzustellen, dass der Euroraum und seine Mitgliedstaaten mehr als in der Vergangenheit von einer nachhaltigen und dynamischen binnenwirtschaftlichen Entwicklung getragen werden. – Hierfür ist eine Lohnentwicklung unerlässlich, die sicherstellt, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch in diesen Zeiten des Wandels ausreichend partizipieren. Dies kann aber die Lohnpolitik nicht allein leisten. Hier wird die Wirtschaftspolitik als Ganzes gefragt sein. – Über den gesamten Verlauf der Covid-19-Pan- demie in den Jahren 2020 und 2021 hat sich gezeigt, dass die wirtschaftliche Entwicklung in Europa durch die erfolgreichen Beschäftigungssicherungs- und Krisenprogramme weitgehend stabilisiert werden konnte. – Die Beschäftigungssicherungsprogramme führten in einigen Ländern sogar zu einem zeitweiligen Rückgang der Lohnnebenkosten, sodass die Entwicklung der Lohnnebenkosten den Arbeitskostenanstieg im ersten Pandemiejahr deutlich dämpfte. Im zweiten Pandemiejahr kompensierte sich diese Entwicklung jedoch wieder. – Insgesamt zeigt der Verlauf der Arbeits- und Lohnstückkosten ein typisches Krisenmuster. Während sie im ersten Krisenjahr noch stark anstiegen, fielen die Veränderungsraten im zweiten Pandemiejahr umso geringer aus, sodass im Durchschnitt der beiden Jahre eine unauffällige Entwicklung zu verzeichnen war und der Euro- ARBEITS- UND LOHNSTÜCKKOSTENENTWICKLUNG 2021 Im zweiten Jahr der Corona-Pandemie Alexander Herzog-Stein, Friederike Kotthaus, Ulrike Stein IMK Report Nr. 176, Juli 2022
INHALT Europa im zweiten Jahr der Covid-19-Pandemie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Gesamtwirtschaftliche Entwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Arbeitsmarktentwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Lohnentwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Entwicklung der Arbeitskosten in der EU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Arbeitskosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Arbeitskosten und Beschäftigungssicherung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Entwicklung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit in der Corona-Pandemie . . .13 Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .18 AUTORENSCHAFT Ulrike Stein, PhD Referatsleitung Rente, Ungleichheit, Löhne [email protected] Friederike Kotthaus Praktikantin am IMK, Universität zu Köln friederike.k[email protected] Prof. Alexander Herzog-Stein, PhD Referatsleitung Arbeitsmarktökonomik [email protected]
IMK Report Nr. 176, Juli 2022 Seite 3 EUROPA IM ZWEITEN JAHR DER COVID-19-PANDEMIE Das Jahr 2021 stand wie schon das Vorjahr im Zeichen der Covid-19-Pandemie. Jedoch waren die wirtschaftlichen Folgen der nachfolgenden Infektionswellen im Euroraum und in seinen Mitgliedstaaten nicht mehr so einschneidend wie die in der ersten Infektionswelle im Frühjahr 2020, sodass das Jahr 2021 insgesamt von einer breiten wirtschaftlichen Erholung geprägt war. Aufgrund der weiteren Infektionswellen und der wiederholten Notwendigkeit, das gesellschaftliche Leben und die wirtschaftlichen Aktivitäten zum Zwecke des Infektionsschutzes zumindest teilweise für eine gewisse Zeit einzuschränken, wurde die wirtschaftliche Erholung wiederholt unterbrochen und fiel insgesamt etwas verhaltener aus. Zudem bremsten Engpässe bei wichtigen Vorleistungen, wie beispielsweise Halbleitern, die Produktion, sodass die wieder zunehmende Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen nicht vollständig erfüllt werden konnte. Gesamtwirtschaftliche Entwicklung Im Euroraum nahm das reale Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2021 im Zuge der wirtschaftlichen Erholung um 5,4 % zu, nachdem es im Jahr 2020 um 6,4 % geschrumpft war (Abbildung 1a). Obwohl bei der jahresdurchschnittlichen Betrachtung das reale Bruttoinlandsprodukt 2021 noch nicht wieder sein Vorkrisenniveau erreicht hatte, zeigt sich bei der Entwicklung auf Quartalsbasis, dass im letzten Quartal 2021 das reale Bruttoinlandsprodukt im Euroraum insgesamt – im Unterschied zu Deutschland – erstmals wieder das Vorkrisenniveau überschritten hat (Abbildung1b). Wie die Betrachtung des Verlaufs der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts in den sieben größten Volkswirtschaften des Euroraums – Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien, Niederlande und Österreich – zeigt, war deren gesamtwirtschaftliche Entwicklung 2021 erneut heterogen. Die stärkste Erholung auf Jahresbasis verzeichnete Frankreich (7,0 %), gefolgt von Italien (6,6 %) und Belgien (6,2 %). Der Wirtschaftseinbruch im Krisenjahr 2020 fiel in Deutschland mit einem Rückgang von 4,6 % im Euroraum-Vergleich unterdurchschnittlich aus. Dagegen wies die Erholung 2021 in Deutschland im Vergleich zum Euroraum und zu den sechs anderen Volkswirtschaften die mit Abstand schwächste Dynamik auf; das reale Bruttoinlandsprodukt 2021 nahm jahresdurchschnittlich lediglich um 2,9 % zu. Von den sieben größten Volkswirtschaften des Euroraums hat das reale Bruttoinlandsprodukt lediglich in Frankreich, den Niederlanden und Belgien bereits Ende 2021 wieder das Vorkrisenniveau überschritten; Anfang 2022 war dies auch in Öster reich wieder der Fall. Besonders auffällig ist Abbildung 1 Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts im Euroraum a) Jahresbasis, 2000=100 b) Quartalsbasis, 2019 Q4=100 – Deutschland – Frankreich – Österreich – Spanien – Belgien Euroraum – Italien – Niederlande Quellen: Macrobond (Eurostat); Berechnungen des IMK (Datenstand 23.05.2022). 1-spaltig 75,5 mm 1-spaltig + Marginalspalte 102 mm 2-spaltig 155 mm 2-spaltig + Marginalspalte 181,5 mm HANDLING: a) Jahresbasis, 2000=100 b) Quartalsbasis, 2019 Q4=100 Deutschland Österreich Belgien Niederlande Frankreich Spanien Euroraum Italien 1. Schrift auf Arial Narrow 8 anpassen, 2. Farbschema: IMK Diagramm einstellen (Basis HBS Farben, aber andere Reihenfolge) , 3. da sich excelspezifisch die Spaltenbreite etwas verschieben kann: an die roten Balken anpassen, diese haben das korrekte Maß!, 4. Diagramm auf gewünschte Spaltenbreite aufziehen (Höhe variabel), 5. bei den benutzten Legenden prüfen, ob Farben mit Abb. identisch, Rest ggf. rauslöschen Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts im Euroraum Raum für Zusatztext/ Fußnoten Quellen: Macrobond (Eurostat); Berechnungen des IMK (Datenstand 23.05.2022). 80 90 100 110 120 130 140 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 70 80 90 100 110 2020 2021 2022 1-spaltig 75,5 mm 1-spaltig + Marginalspalte 102 mm 2-spaltig 155 mm 2-spaltig + Marginalspalte 181,5 mm HANDLING: a) Jahresbasis, 2000=100 b) Quartalsbasis, 2019 Q4=100 Deutschland Österreich Belgien Niederlande Frankreich Spanien Euroraum Italien 1. Schrift auf Arial Narrow 8 anpassen, 2. Farbschema: IMK Diagramm einstellen (Basis HBS Farben, aber andere Reihenfolge) , 3. da sich excelspezifisch die Spaltenbreite etwas verschieben kann: an die roten Balken anpassen, diese haben das korrekte Maß!, 4. Diagramm auf gewünschte Spaltenbreite aufziehen (Höhe variabel), 5. bei den benutzten Legenden prüfen, ob Farben mit Abb. identisch, Rest ggf. rauslöschen Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts im Euroraum Raum für Zusatztext/ Fußnoten Quellen: Macrobond (Eurostat); Berechnungen des IMK (Datenstand 23.05.2022). 80 90 100 110 120 130 140 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 70 80 90 100 110 2020 2021 2022
IMK Report Nr. 176, Juli 2022 Seite 4 seit Jahren die schwache wirtschaftliche Entwicklung in Italien. Das reale Bruttoinlandsprodukt in Italien hatte Ende 2021 auch noch nicht wieder das Vorkrisenniveau erreicht, zudem lag es noch mehr als 5 % unter dem Niveau vor Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise (2008Q1). Arbeitsmarktentwicklung Die europäischen Arbeitsmärkte waren von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pan- demie massiv betroffen. Von März bis August 2020 stieg die Arbeitslosenquote im Euroraum infolge der Krise saisonbereinigt um 1,4 Prozentpunkte auf 8,6 %. Seit Oktober 2020 ist sie bis auf einen kurzen Wiederanstieg im Januar 2021 rückläufig und liegt inzwischen deutlich unter dem Niveau vor Ausbruch der Covid-19-Pandemie (Abbildung 2). Diese Arbeitsmarkterholung ging vonstatten, obwohl weitere Infektionswellen in den einzelnen Mitgliedstaaten und dadurch notwendig gewordene wiederholte zeitweilige Beschränkungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und damit auch die Arbeitsmarkterholung erschwerten. Nach einem anfänglichen schnellen und merklichen Anstieg der Arbeitslosigkeit in den sieben hier genauer betrachteten Volkswirtschaften des Euroraums, der in den einzelnen Ländern unterschiedlich stark ausfiel, aber im Vergleich zur Größenordnung des Wirtschaftseinbruchs infolge der ersten Infektionswelle durchweg moderat war, ist die Arbeitslosenquote inzwischen überall wieder deutlich gesunken. Das Jahr 2021 war in allen sieben Ländern durch rückläufige Arbeitslosenquoten und eine Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt geprägt. In fünf der sieben Mitgliedstaaten lag Ende 2021 die Arbeitslosigkeit bereits wieder unter dem Niveau von Ende 2019. Lediglich Belgien und Österreich hatten zu diesem Zeitpunkt noch eine leicht höhere Arbeitslosenquote; im März 2022 hatte die Arbeitslosenquote in Österreich aber auch wieder das Vorkrisenniveau von Ende 2019 deutlich unterschritten. Im Vergleich zum Verlauf in den Vereinigten Staaten war die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Euroraum infolge der Coronakrise wesentlich verhaltener. Im internationalen Vergleich fiel der Beschäftigungsverlust im Euroraum eher verhalten aus. In den USA stieg die Arbeitslosenquote infolge der Covid-19-Pandemie von Februar bis April 2020 rasant um 11,2 Prozentpunkte auf 14,7 % an. Zwar verlief der Rückgang der Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten im weiteren Verlauf sehr dynamisch, aber erst im März 2022 war sie wieder auf das Niveau von Ende 2019 gesunken und lag nur noch 0,1 Prozentpunkte über dem Wert von Februar 2020. Die deutlichen Unterschiede in der Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Europa und in den Vereinigten Staaten während der Coronakrise sind zu einem erheblichen Anteil auf die gegensätzlichen arbeitsmarktpolitischen Ansätze zur Bewältigung der Folgen der Covid-19-Pandemie zurückzuführen. Während in den Vereinigten Staaten vor al- Abbildung 2 Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Europa und den Vereinigten Staaten Arbeitslosigkeit (alle Altersgruppen) als Prozent der aktiven Erwerbsbevölkerung, Monatsdurchschnitte, saisonbereinigt Quellen: Macrobond (Eurostat); LFS Main Indicators; Berechnungen des IMK (Datenstand 12.05.2022, letzter Datenpunkt März 2022). 1-spaltig 75,5 mm 1-spaltig + Marginalspalte 102 mm 2-spaltig 155 mm 2-spaltig + Marginalspalte 181,5 mm HANDLING: Deutschland Österreich Frankreich Spain Italien 1. Schrift auf Arial Narrow 8 anpassen, 2. Farbschema: IMK Diagramm einstellen (Basis HBS Farben, aber andere Reihenfolge) , 3. da sich excelspezifisch die Spaltenbreite etwas verschieben kann: an die roten Balken anpassen, diese haben das korrekte Maß!, 4. Diagramm auf gewünschte Spaltenbreite aufziehen (Höhe variabel), 5. bei den benutzten Legenden prüfen, ob Farben mit Abb. identisch, Rest ggf. rauslöschen Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Europa und den Vereinigten Staaten Arbeitslosigkeit für alle Altersgruppen, Monatsdurchschnitte, saisonbereinigt Raum für Zusatztext/ Fußnoten Quelle: Macrobond (Eurostat); Berechnungen des IMK (Datenstand 12.05.2022) Belgien Niederlande USA Euroraum 0 5 10 15 20 25 30 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 Spanien Italien Frankreich Euroraum Belgien Österreich USA Niederlande Deutschland %
IMK Report Nr. 176, Juli 2022 Seite 5 lem auf externe Flexibilität durch den massiven Einsatz von „temporary layoffs“ in Verbindung mit weitreichenden staatlichen Programmen zur Sicherung von Einkommen gesetzt wurde, vertrauten die Mitgliedstaaten der Europäischen Union auf Beschäftigungssicherung im großen Stil durch den Einsatz von Instrumenten der internen Flexibilität (siehe Giupponi et al. 2022 sowie Herzog- Stein et al. 2022). Anders als in der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/9 setzten diesmal alle Länder der Europäischen Union Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung ein. Drahokoupil und Müller (2021) unterteilen die Maßnahmen in drei Kategorien: Kurzarbeit, subventionierte Beurlaubung („Furlough“) und Lohnsubventionen (Abbildung 3). Das Ziel der Kurzarbeit besteht darin, die Unternehmen und die Beschäftigten finanziell zu unterstützen, die Arbeitszeit der kurzarbeitenden Beschäftigten zu reduzieren und so während einer Krise Entlassungen zu verhindern. Für die nicht geleisteten Arbeitsstunden, das heißt, die Differenz zwischen der regulären und reduzierten Arbeitszeit und dem damit verbundenen Lohnausfall, erhalten die Beschäftigten eine teilweise Kompensation. Bei der subventionierten Beurlaubung sparen die Unternehmen die Lohnkosten ihrer beurlaubten Beschäftigten. Diese erhalten eine staatliche Ersatzleistung und können während der Beurlaubungsphase anderweitig arbeiten. Im Falle von Lohnsubventionen erhalten Unternehmen in Krisensituationen einen finanziellen Zuschuss zu ihrer Lohnsumme, um sie damit von einem Teil ihrer Arbeitskosten zu entlasten. Der Übergang zwischen Kurzarbeitsprogrammen und Programmen zur subventionierten Beurlaubung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kann je nach Ausgestaltung fließend sein. Allen drei Beschäftigungssicherungsmaßnahmen ist laut Drahokoupil und Müller (2021) jedoch letzlich gemeinsam, dass möglichst krisenbedingte Entlassungen verhindert, die Einkommen der Betroffenen gesichert und den Unternehmen geholfen werden soll, wirtschaftliche Krisen ohne Stellenabbau zu bewältigen. Wie bereits in der letzten Arbeitskostenberichterstattung für das Jahr 2020 (Herzog-Stein et al. 2021) beschrieben, haben 13 Länder entweder bestehende Kurzarbeitsprogramme ausgeweitet, indem sie den Zugang zu ihnen erleichterten, den Kreis der Anspruchsberechtigten ausweiteten, die Höhe des Kurzarbeitergeldes anhoben oder neue Kurzarbeitsprogramme ins Leben riefen. Andere Mitgliedstaaten wie die Niederlande, Polen und Malta setzten auf Lohnkostenzuschüsse und eine dritte Gruppe von Ländern (Spanien, Belgien, Finnland und Zypern) auf subventionierte Beurlaubungen. In sieben Ländern der Europäischen Union (Dänemark, Griechenland, Irland, Ungarn, Kroatien, Tschechien und Bulgarien) kamen zwei verschiedene Beschäftigungssicherungsmaßnahmen zum Einsatz. 1 Neben dem starken Fokus auf Beschäftigungssicherungsmaßnahmen haben die jeweiligen Staaten häufig auch weitere Hilfsprogramme zur Stützung der Unternehmen aufgelegt. So haben beispielsweise in Deutschland laut Bischof et al. (2020) in einer Coronabefragung des German Business Panels zwei Drittel der Unternehmen angegeben, während der ersten Infektionswelle der Pandemie staatliche Hilfeleistungen beansprucht zu haben. Nach Selbsteinschätzung der betroffenen Unternehmen hätte knapp die Hälfte von ihnen diese erste Infektionswelle ohne diese Unterstützungsleistungen nicht überstanden. Am häufigsten wurden dabei von den Unternehmen laut eigenen Angaben die Corona-Soforthilfe, das Kurzarbeitergeld sowie die Stundung von Steuerzahlungen in Anspruch genommen (Bischof et al. 2020). Die Entwicklung der Erwerbstätigkeit in der Coronakrise verlief erwartungsgemäß spiegelbildlich zu der der Arbeitslosigkeit. Infolge der großen Auswirkungen der ersten Infektionswelle ging die Erwerbstätigkeit im Euroraum im ersten Halbjahr 2020 gegenüber dem letzten Quartal 2019 saisonbereinigt um 3,1 % zurück. Auch die sieben größ- 1 Für die Ländereinteilung und weitere Details zu den länderspezifischen Beschäftigungssicherungsmaßnahmen siehe Drahokoupil und Müller (2021). Abbildung 3 Beschäftigungsmaßnahmen im europäischen Vergleich Quellen: Drahokoupil und Müller (2021); Darstellung des IMK. Kurzarbeit Subventionierte Beurlaubung Lohnsubventionen Slowakei Slowenien Schweden Rumänien Portugal Polen Niederlande Malta Lettland Luxemburg Litauen Italien Irland Kroatien Ungarn Frankreich Finnland Spanien Griechenland Estland Dänemark Deutschland Tschechien Zypern Bulgarien Belgien Österreich
IMK Report Nr. 176, Juli 2022 Seite 6 ten Volkswirtschaften des Euroraums verzeichneten mehr oder weniger starke Beschäftigungsrückgänge. In fünf der sieben Länder nahm die Erwerbstätigkeit weniger stark ab als im Durchschnitt des Euroraums. Die geringsten Rückgänge hatten Belgien (-1,0 %) und Deutschland (-1,3 %). In Österreich (-4,3 %) und insbesondere in Spanien mit einem Rückgang von 8,4 % war der Beschäftigungseinbruch stärker als im Euroraum insgesamt und auch als im Euroraum ohne Deutschland mit 3,8 % (Abbildung 4b). Im zweiten Halbjahr 2020 und im Jahr 2021 erholte sich trotz fortdauernder Covid-19-Pandemie die Erwerbstätigkeit im Euroraum. Ende 2021 lag die Zahl der Erwerbstätigen im Euroraum mit und ohne Deutschland wieder über dem Vorkrisenniveau (2019Q4). In vier der sieben größten Volkswirtschaften war dies ebenfalls der Fall. Lediglich in Deutschland, Italien und Spanien war noch nicht wieder das Beschäftigungsniveau von Ende 2019 erreicht worden – Deutschland und Spanien überschritten diese Schwelle aber im ersten Quartal 2022, für Italien liegen noch keine Informationen vor. Von diesen sieben Volkswirtschaften wies die Beschäftigungserholung in Deutschland die schwächste Dynamik auf. Im Zeitraum nach dem zweiten Quartal 2020 bis Ende 2021 nahm die Erwerbstätigkeit in Deutschland lediglich um 0,9 % zu; in den anderen sechs Volkswirtschaften lag der Beschäftigungszuwachs im selben Zeitraum zwischen 2,4 % in Italien und 7,9 % in Spanien. Im Euroraum ohne Deutschland betrug er 4,6 %. Der flächendeckende Einsatz von Instrumenten der internen Flexibilität zur Beschäftigungssicherung verkürzte erwartungsgemäß die durchschnittliche Arbeitszeit temporär erheblich. Im ersten Halbjahr 2020 ging im Euroraum insgesamt die durchschnittliche Arbeitszeit je Erwerbstätigen saisonbereinigt um 15,0 % gegenüber dem letzten Quartal 2019 zurück (Abbildung 6), und auch in den sieben oben genannten Volkswirtschaften waren erhebliche Arbeitszeitreduktionen zu beobachten. Die Größenordnung der temporären Arbeitszeitverkürzungen schwankte dabei zwischen -4,3 % in den Niederlanden und -20,0 % in Frankreich. In Deutschland ging die durchschnittliche Arbeitszeit je Erwerbstätigen um 8,8 % zurück; für Belgien liegen leider keine Arbeitszeitinformationen vor. Wie Herzog-Stein et al. (2021) bereits zeigten, sind dabei zwei Muster bei der Beschäftigungssicherung während der Covid-19-Pandemie auszumachen. In Deutschland und den Niederlanden trugen in der Coronakrise sowohl temporäre Arbeitszeitverkürzungen durch den Einsatz von Beschäftigungssicherungsmaßnahmen als auch das klassische Halten von Arbeit – erkennbar am prozyklischen Rückgang beziehungsweise an der Verringerung der Veränderungsrate der Arbeitsproduktivität auf Stundenbasis – zur Beschäftigungssicherung bei (Abbildung 5). Im Euroraum ohne Deutschland und in Frankreich, Italien, Spanien und Österreich war der durchschnittliche Arbeitszeitrückgang besonders stark, und die Stundenproduktivität stieg antizyklisch an. In diesen Ländern fand eine Beschäftigungssicherung also Abbildung 4 Entwicklung der Erwerbstätigkeit im Euroraum a) Jahresbasis, 2000=100 b) Quartalsbasis, 2019 Q4=100 – Deutschland – Frankreich – Österreich – Spanien – Belgien Euroraum – Italien – Niederlande Euroraum ohne Deutschland Quellen: Macrobond (Eurostat); Berechnungen des IMK (Datenstand 23.05.2022). 1-spaltig 75,5 mm 1-spaltig + Marginalspalte 102 mm 2-spaltig 155 mm 2-spaltig + Marginalspalte 181,5 mm HANDLING: a) Jahresbasis; 2000=100 b) Quartalsbasis; 2019 Q4=100 Deutschland Österreich Belgien Niederlande Frankreich Spanien Euroraum Italien Euroraum ohne Deutschland Raum für Zusatztext/ Fußnoten Quellen: Macrobond (Eurostat); Berechnungen des IMK (Datenstand 23.05.2022). 1. Schrift auf Arial Narrow 8 anpassen, 2. Farbschema: IMK Diagramm einstellen (Basis HBS Farben, aber andere Reihenfolge) , 3. da sich excelspezifisch die Spaltenbreite etwas verschieben kann: an die roten Balken anpassen, diese haben das korrekte Maß!, 4. Diagramm auf gewünschte Spaltenbreite aufziehen (Höhe variabel), 5. bei den benutzten Legenden prüfen, ob Farben mit Abb. identisch, Rest ggf. rauslöschen Entwicklung der Erwerbstätigkeit im Euroraum 90 100 110 120 130 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 90 95 100 105 2020 2021 2022 1-spaltig 75,5 mm 1-spaltig + Marginalspalte 102 mm 2-spaltig 155 mm 2-spaltig + Marginalspalte 181,5 mm HANDLING: a) Jahresbasis; 2000=100 b) Quartalsbasis; 2019 Q4=100 Deutschland Österreich Belgien Niederlande Frankreich Spanien Euroraum Italien Euroraum ohne Deutschland Raum für Zusatztext/ Fußnoten Quellen: Macrobond (Eurostat); Berechnungen des IMK (Datenstand 23.05.2022). 1. Schrift auf Arial Narrow 8 anpassen, 2. Farbschema: IMK Diagramm einstellen (Basis HBS Farben, aber andere Reihenfolge) , 3. da sich excelspezifisch die Spaltenbreite etwas verschieben kann: an die roten Balken anpassen, diese haben das korrekte Maß!, 4. Diagramm auf gewünschte Spaltenbreite aufziehen (Höhe variabel), 5. bei den benutzten Legenden prüfen, ob Farben mit Abb. identisch, Rest ggf. rauslöschen Entwicklung der Erwerbstätigkeit im Euroraum 90 100 110 120 130 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 90 95 100 105 2020 2021 2022
IMK Report Nr. 176, Juli 2022 Seite 7 Abbildung 5 Entwicklung der Arbeitsproduktivität auf Stundenbasis im Euroraum a) Jahresbasis, 2000=100 b) Quartalsbasis*, 2019 Q4=100 * Für Belgien liegen keine Quartalswerte vor. – Deutschland – Frankreich – Österreich – Spanien – Belgien Euroraum – Italien – Niederlande Euroraum ohne Deutschland Quellen: Macrobond (Eurostat); Berechnungen des IMK (Datenstand 23.05.2022). 1-spaltig 75,5 mm 1-spaltig + Marginalspalte 102 mm 2-spaltig 155 mm 2-spaltig + Marginalspalte 181,5 mm HANDLING: a) Jahresbasis; 2000=100 b) Quartalsbasis*; 2019 Q4=100 Deutschland Österreich Belgien Niederlande Frankreich Spanien Euroraum Italien Euroraum ohne Deutschland * Für Belgien keine Quartalsdaten vorhanden. Quellen: Macrobond (Eurostat); Berechnungen des IMK (Datenstand 23.05.2022). 1. Schrift auf Arial Narrow 8 anpassen, 2. Farbschema: IMK Diagramm einstellen (Basis HBS Farben, aber andere Reihenfolge) , 3. da sich excelspezifisch die Spaltenbreite etwas verschieben kann: an die roten Balken anpassen, diese haben das korrekte Maß!, 4. Diagramm auf gewünschte Spaltenbreite aufziehen (Höhe variabel), 5. bei den benutzten Legenden prüfen, ob Farben mit Abb. identisch, Rest ggf. rauslöschen Entwicklung der Arbeitsproduktivität auf Stundenbasis im Euroraum 90 100 110 120 130 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 70 80 90 100 110 2020 2021 2022 1-spaltig 75,5 mm 1-spaltig + Marginalspalte 102 mm 2-spaltig 155 mm 2-spaltig + Marginalspalte 181,5 mm HANDLING: a) Jahresbasis; 2000=100 b) Quartalsbasis*; 2019 Q4=100 Deutschland Österreich Belgien Niederlande Frankreich Spanien Euroraum Italien Euroraum ohne Deutschland * Für Belgien keine Quartalsdaten vorhanden. Quellen: Macrobond (Eurostat); Berechnungen des IMK (Datenstand 23.05.2022). 1. Schrift auf Arial Narrow 8 anpassen, 2. Farbschema: IMK Diagramm einstellen (Basis HBS Farben, aber andere Reihenfolge) , 3. da sich excelspezifisch die Spaltenbreite etwas verschieben kann: an die roten Balken anpassen, diese haben das korrekte Maß!, 4. Diagramm auf gewünschte Spaltenbreite aufziehen (Höhe variabel), 5. bei den benutzten Legenden prüfen, ob Farben mit Abb. identisch, Rest ggf. rauslöschen Entwicklung der Arbeitsproduktivität auf Stundenbasis im Euroraum 90 100 110 120 130 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 70 80 90 100 110 2020 2021 2022 Abbildung 6 Entwicklung der Erwerbstätigenstunden im Euroraum a) Jahresbasis, 2000=100 b) Quartalsbasis*, 2019 Q4=100 * Für Belgien liegen keine Quartalswerte vor. – Deutschland – Frankreich – Österreich – Spanien – Belgien Euroraum – Italien – Niederlande Quellen: Macrobond (Eurostat); Berechnungen des IMK (Datenstand 23.05.2022). 1-spaltig 75,5 mm 1-spaltig + Marginalspalte 102 mm 2-spaltig 155 mm 2-spaltig + Marginalspalte 181,5 mm HANDLING: a) Jahresbasis; 2000=100 b) Quartalsbasis*; 2019 Q4=100 Deutschland Österreich Belgien Niederlande Frankreich Spanien Euroraum Italien * Für Belgien keine Quartalswerte vorhanden. Quellen: Macrobond (Eurostat); Berechnungen des IMK (Datenstand 23.05.2022). 1. Schrift auf Arial Narrow 8 anpassen, 2. Farbschema: IMK Diagramm einstellen (Basis HBS Farben, aber andere Reihenfolge) , 3. da sich excelspezifisch die Spaltenbreite etwas verschieben kann: an die roten Balken anpassen, diese haben das korrekte Maß!, 4. Diagramm auf gewünschte Spaltenbreite aufziehen (Höhe variabel), 5. bei den benutzten Legenden prüfen, ob Farben mit Abb. identisch, Rest ggf. rauslöschen Entwicklung der Arbeitsstunden je Erwerbstätigen im Euroraum 80 85 90 95 100 105 110 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 75 80 85 90 95 100 105 2020 2021 2022 1-spaltig 75,5 mm 1-spaltig + Marginalspalte 102 mm 2-spaltig 155 mm 2-spaltig + Marginalspalte 181,5 mm HANDLING: a) Jahresbasis; 2000=100 b) Quartalsbasis*; 2019 Q4=100 Deutschland Österreich Belgien Niederlande Frankreich Spanien Euroraum Italien * Für Belgien keine Quartalswerte vorhanden. Quellen: Macrobond (Eurostat); Berechnungen des IMK (Datenstand 23.05.2022). 1. Schrift auf Arial Narrow 8 anpassen, 2. Farbschema: IMK Diagramm einstellen (Basis HBS Farben, aber andere Reihenfolge) , 3. da sich excelspezifisch die Spaltenbreite etwas verschieben kann: an die roten Balken anpassen, diese haben das korrekte Maß!, 4. Diagramm auf gewünschte Spaltenbreite aufziehen (Höhe variabel), 5. bei den benutzten Legenden prüfen, ob Farben mit Abb. identisch, Rest ggf. rauslöschen Entwicklung der Arbeitsstunden je Erwerbstätigen im Euroraum 80 85 90 95 100 105 110 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 75 80 85 90 95 100 105 2020 2021 2022
IMK Report Nr. 176, Juli 2022 Seite 8 nur über die Verkürzung der Arbeitszeit statt. Ein vergleichbares Muster eines antizyklischen Verlaufs der Arbeitsproduktivität auf Stundenbasis in der Coronakrise war auch in den Vereinigten Staaten festzustellen (Herzog-Stein et al. 2022). Die quartalsmäßige Betrachtung der durchschnittlichen Arbeitszeit je Erwerbstätigen im weiteren Verlauf der Pandemie zeigt, dass die Arbeitszeit pro Kopf eine erhebliche Volatilität aufweist, was noch einmal veranschaulicht, dass die wirtschaftliche Erholungsphase wiederholt von weiteren Infektionswellen gebremst und teilweise sogar zeitweilig unterbrochen wurde (Abbildung6b). Lohnentwicklung Die Arbeitnehmerentgelte je Arbeitnehmerstunde stiegen im Jahr 2021 in Deutschland um 2,0 % (Abbildung 7). Das ist der geringste Anstieg seit der Finanz- und Wirtschaftskrise. Im Vorjahr stiegen sie als Folge der Coronakrise mit 3,8 % noch fast doppelt so stark. Im Euroraum (0,4 %) und vielen anderen Mitgliedstaaten fiel der Anstieg der Arbeitnehmerentgelte 2021 deutlich geringer aus. Allerdings stiegen dort im ersten Pandemiejahr die Arbeitnehmerentgelte je Arbeitnehmerstunde auch deutlich stärker an. Über den gesamten Pandemiezeitraum verzeichnete Deutschland einen jahresdurchschnittlichen Anstieg der Arbeitnehmerentgelte auf Stundenbasis von 2,9 %, der ähnlich hoch ausfiel wie im Durchschnitt des Euroraums (2,8 % pro Jahr) und wie die durchschnittliche Entwicklung in Deutschland der 2010er Jahre (2,7 % pro Jahr). Im Euroraum ohne Deutschland lag die durchschnittliche Entwicklung in den beiden Pandemiejahren über der durchschnittlichen Entwicklung der 2010er Jahre, die aber für den Euroraum ohne Deutschland ein Jahrzehnt einer ausgesprochen verhaltenen Entwicklung der Arbeitnehmerentgelte auf Stundenbasis (durchschnittlich 1,4 % pro Jahr) war. Diese Entwicklung der Arbeitnehmerentgelte auf Stundenbasis während der Covid-19-Pandemie war so vorherzusehen gewesen, da es eine ähnliche Entwicklung bereits während der Wirtschafts- und Finanzkrise gab, als im Jahr 2009 die Arbeitnehmerentgelte auch zunächst stärker stiegen und dann im darauffolgenden Jahr schwächere Zuwächse aufwiesen. So reduzierte beispielsweise die Nutzung von Kurzarbeit in Deutschland die Arbeitskosten insgesamt, aber erhöhte temporär die Arbeitskosten je geleisteter Arbeitsstunde, da aufgrund von Remanenzkosten 2 die Arbeitskosten weniger stark zurückgingen als die geleisteten Arbeitsstunden. 2 Remanenzkosten der Kurzarbeit bezeichnen Arbeitskosten, die nicht proportional zur Reduktion der Arbeitsstunden infolge der Kurzarbeit zurückgehen. Ihre Größenordnung ist abhängig von den geltenden Regelungen bezüglich der Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge, der Höhe anderer verbleibender Lohnnebenkosten, wie beispielsweise bezahlte Freistellungen, und davon, ob der Arbeitgeber das gesetzliche Kurzarbeitergeld aufstockt oder nicht (Bach und Spitznagel 2009). Abbildung 7 Entwicklung der nominalen Arbeitnehmerentgelte je Stunde im Euroraum a) Jahresbasis, 2000=100 b) Quartalsbasis, 2019 Q4=100 – Deutschland – Frankreich – Österreich – Spanien – Belgien Euroraum – Italien – Niederlande Euroraum ohne Deutschland Quellen: Macrobond (Eurostat); Berechnungen des IMK (Datenstand 23.05.2022). 1-spaltig 75,5 mm 1-spaltig + Marginalspalte 102 mm 2-spaltig 155 mm 2-spaltig + Marginalspalte 181,5 mm HANDLING: a) Jahresbasis; 2000=100 b) Quartalsbasis; 2019 Q4=100 Deutschland Österreich Belgien Niederlande Frankreich Spanien Euroraum Italien Euroraum ohne Deutschland Quellen: Macrobond (Eurostat); Berechnungen des IMK (Datenstand 23.05.2022). 1. Schrift auf Arial Narrow 8 anpassen, 2. Farbschema: IMK Diagramm einstellen (Basis HBS Farben, aber andere Reihenfolge) , 3. da sich excelspezifisch die Spaltenbreite etwas verschieben kann: an die roten Balken anpassen, diese haben das korrekte Maß!, 4. Diagramm auf gewünschte Spaltenbreite aufziehen (Höhe variabel), 5. bei den benutzten Legenden prüfen, ob Farben mit Abb. identisch, Rest ggf. rauslöschen Entwicklung der Arbeitnehmerentgelte je Stunde im Euroraum 90 100 110 120 130 140 150 160 170 180 190 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 95 100 105 110 115 120 2020 2021 2022 1-spaltig 75,5 mm 1-spaltig + Marginalspalte 102 mm 2-spaltig 155 mm 2-spaltig + Marginalspalte 181,5 mm HANDLING: a) Jahresbasis; 2000=100 b) Quartalsbasis; 2019 Q4=100 Deutschland Österreich Belgien Niederlande Frankreich Spanien Euroraum Italien Euroraum ohne Deutschland Quellen: Macrobond (Eurostat); Berechnungen des IMK (Datenstand 23.05.2022). 1. Schrift auf Arial Narrow 8 anpassen, 2. Farbschema: IMK Diagramm einstellen (Basis HBS Farben, aber andere Reihenfolge) , 3. da sich excelspezifisch die Spaltenbreite etwas verschieben kann: an die roten Balken anpassen, diese haben das korrekte Maß!, 4. Diagramm auf gewünschte Spaltenbreite aufziehen (Höhe variabel), 5. bei den benutzten Legenden prüfen, ob Farben mit Abb. identisch, Rest ggf. rauslöschen Entwicklung der Arbeitnehmerentgelte je Stunde im Euroraum 90 100 110 120 130 140 150 160 170 180 190 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 95 100 105 110 115 120 2020 2021 2022
IMK Report Nr. 176, Juli 2022 Seite 15 von 0,3 % faktisch. Infolgedessen belief sich die durchschnittliche jährliche Zuwachsrate der Lohnstückkosten im Euroraum insgesamt in den beiden Jahren 2020 und 2021 der Corona-Pandemie auf lediglich 2,0 % pro Jahr und war damit im Einklang mit der Zielinflationsrate der EZB. Für die beiden größten Volkswirtschaften des Euroraums, Deutschland und Frankreich, verlief die Lohnstückkostenentwicklung in der Pandemie ähnlich. Nachdem im ersten Pandemiejahr die Lohnstückkosten stärker gewachsen waren (3,4 % beziehungsweise 4,3 %), stiegen sie im zweiten Pandemiejahr in Deutschland nur leicht (0,8 %) und in Frankreich waren sie sogar rückläufig (-0,2 %). Die durchschnittliche jährliche Zuwachsrate der Lohnstückkosten in Deutschland und Frankreich in den beiden Jahren 2020 und 2021 beliefen sich entsprechend auf 2,1 % beziehungsweise 2,0 % pro Jahr. In Spanien (3,0 %), den Niederlanden (2,9 %) und in Österreich (3,9 %) sind in den beiden Pandemiejahren die Lohnstückkosten durchschnittlich pro Jahr stärker als im Euroraum gestiegen. Ursächlich hierfür ist in allen drei Ländern vor allem der überdurchschnittlich starke Anstieg der Lohnstückkosten im ersten Jahr der Pandemie. Auffällig ist die Lohnstückkostenentwicklung in Italien. In beiden Jahren der Coronapandemie nahmen die Lohnstückkosten nur moderat um 1,2 % zu. Für Belgien liegen noch keine Informationen für das Jahr 2021 vor; im Vorjahr verzeichnete Belgien mit einer Zuwachsrate von 1,9 % nach Italien den geringsten Lohnstückkostenanstieg unter den sieben größten Volkswirtschaften des Euroraums. Im Jahr 2021 hatte der Euroraum einen Leistungsbilanzüberschuss von 380 Mrd. Euro oder 3,1 % des gemeinsamen Bruttoinlandsprodukts. Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds infolge der globalen Covid-19-Pandemie ist er faktisch gleich groß wie im Jahr 2019 (371 Mrd. oder 3,1 % des BIP). In Deutschland belief sich der Leistungsbilanzüberschuss im Jahr 2021 auf 238 Mrd. Euro oder 6,7 % des Bruttoinlandsprodukts und war damit ein Prozentpunkt niedriger als vor Ausbruch der Pandemie. Der Rückgang war eine direkte Folge der Coronakrise und dürfte unter anderem in engem Zusammenhang mit während der Pandemie aufgetretenen Unterbrechungen von Lieferketten und den fortbestehenden Engpässen bei wichtigen Vorleistungen gestanden haben. Die Entwicklung der Lohnstückkosten in der Corona-Pandemie hat erneut vor Augen geführt, dass der Euroraum als Ganzes und insbesondere Deutschland nichts an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt haben und auch während der Coronakrise von Seiten der Lohnentwicklung keine Gefahr für die internationale Wettbewerbsfähigkeit drohten. In dem vor uns liegenden drastisch veränderten Umfeld einer langsam ausklingenden globalen Pandemie und des schrecklichen Ukrainekriegs direkt vor der Haustüre der Eurozone mit temporär hohen Preissteigerungsraten wird es zukünftig aber darum gehen, sicherzustellen, dass der Euroraum und seine Mitgliedstaaten mehr als in der Vergangenheit von einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung getragen werden, die ihre Stärke wesentlich aus einer dynamischen Binnenentwicklung erhält und so die Herausforderungen der sozial-ökologischen Transformation, die in diesem veränderten Umfeld noch an Dringlichkeit gewonnen hat, erfolgreich meistern können. Eine Lohnentwicklung, die sicherstellt, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am gesellschaftlichen Wohlstandsfortschritt auch in diesen Zeiten des Wandels ausreichend partizipieren, ist hierfür unerlässlich. Dies sicherzustellen kann aber nicht allein die Lohnpolitik leisten. Hier wird die Wirtschaftspolitik als Ganzes gefragt sein.
IMK Report Nr. 176, Juli 2022 Seite 16 LITERATUR Albu, N. (2017): Arbeitskosteneffekte des Vorleistungsverbundes der deutschen Industrie unter Berücksichtigung der Arbeitszeiten. Eine Untersuchung mit der Input-Output-Methode. IMK Study Nr. 56. Bach, H. U. / Spitznagel, E. (2009): Kurzarbeit: Betriebe zahlen mit – und haben was davon. IAB-Kurzbericht Nr. 17. Bischof, J. / Simons, D. / Vogel, J. / Dörrenberg, P. / Rostam-Afschar, D. / Buhlmann, F. / Akari, P. / Arnemann, L. / Eble, F. / Gharbi, S. / Karlsson, C. (2020): German Business Panel: Wirkung und Zielgenauigkeit der staatlichen Hilfen für Unternehmen in der Krise. Executive Summary. Accounting for transparency. Drahokoupil, J. / Müller, T. (2021): Job retention schemes in Europe. A lifeline during the Covid-19 pandemic. ETUI Working Paper Nr. 2021.07. Giupponi, G. / Landais, C. / Lapeyre, A. (2022): Should We Insure Workers or Jobs During Recessions? In: Journal of Economic Perspectives, Jg. 36, H. 2, S. 29–54. Herzog-Stein, A. / Nüß, P. / Peede, L. / Stein, U. (2021): Germany’s labour market in Coronavirus distress. New challenges to safeguarding employment. IMK Working Paper Nr. 209. Herzog-Stein, A. / Nüß, P. / Peede, L. / Stein, U. (2022): Germany and the United States in Coronavirus Distress – Internal versus External Labour Market Flexibility, Unveröffentlicht. Herzog-Stein, A. / Nüß, P. / Stein, U. / Albu, N. (2020): Arbeits- und Lohnstückkostenentwicklung. Ein gespaltenes Jahrzehnt geht zu Ende – enorme Herausforderungen warten. IMK Report Nr. 158. Statistisches Bundesamt (2018): Qualitätsbericht – Arbeitskostenerhebung – Erhebung der Struktur der Arbeitskosten nach § 5 Verdienststatistikgesetz – 2016. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden. Alle Links wurden zuletzt am 01. 06. 2022 geprüft
IMK Report Nr. 176, Juli 2022 Seite 17 ALLE IMK PUBLIKATIONEN Reports, Working Paper, Studies und Policy Briefs. https://www.imk-boeckler.de/de/veroeffentlichungen-15375.htm SOCIAL MEDIA Folgen Sie uns auf Twitter : https://twitter.com/IMKFlash IMK auf Facebook : www.facebook.com/IMKInstitut
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