Betriebswirtschaftliche und rechtskritische Analyse der Goodwillbilanzierung in Konzernabschlüssen von Unternehmen des SDAX
Abstract
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Full text
Thomas, Olaf Research Report Betriebswirtschaftliche und rechtskritische Analyse der Goodwillbilanzierung in Konzernabschlüssen von Unternehmen des SDAX KCAT Schriftenreihe der FOM, No. 3 Provided in Cooperation with: KCAT KompetenzCentrum für Accounting & Taxation, FOM Hochschule für Oekonomie & Management Suggested Citation: Thomas, Olaf (2024) : Betriebswirtschaftliche und rechtskritische Analyse der Goodwillbilanzierung in Konzernabschlüssen von Unternehmen des SDAX, KCAT Schriftenreihe der FOM, No. 3, ISBN 978-3-89275-343-8, MA Akademie Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH, Essen This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/289414 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Betriebswirtschaftliche und rechtskritische Analyse der Goodwillbilanzierung in Konzernabschlüssen von Unternehmen des SDAX ~ Olaf Thomas Bernd Neitz / Claudia Rademacher-Gottwald (Hrsg.) KCAT Schriftenreihe Band 3
Olaf Thomas Betriebswirtschaftliche und rechtskritische Analyse der Goodwillbilanzierung in Konzernabschlüssen von Unternehmen des SDAX KCAT Schriftenreihe der FOM, Band 3 Essen 2024 ISBN (Print) 978-3-89275-342-1 ISSN (Print) 2749-1498 ISBN (eBook) 978-3-89275-343-8 ISSN (eBook) 2749-1501 Dieses Werk wird herausgegeben vom KCAT KompetenzCentrum für Accounting & Taxation der FOM Hochschule für Oekonomie & Management gGmbH Verlag: MA Akademie Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH, Leimkugelstraße 6, 45141 Essen [email protected] Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Dieses Werk ist lizenziert unter CC BY 4.0: Creative Commons Namensnennung 4.0 International. Diese Lizenz erlaubt unter den Voraussetzungen der Lizenzbedingungen, u. A. der Namensnennung der Urheberin oder des Urhebers, der Angabe der CC-Lizenz (inkl. Link) und der ggf. vorgenommenen Änderungen die Bearbeitung, Vervielfältigung und Verbreitung des Materials in jedem Format oder Medium für beliebige Zwecke. Die Rechte und Pflichten in Zusammenhang mit der Lizenz ergeben sich ausschließlich aus dem Lizenzinhalt: CC BY 4.0 Deed | Namensnennung 4.0 International | Creative Commons | https://creativecommons.org/licenses/ by/4.0/legalcode.de. Die Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz gelten nur für Originalmaterial. Die Wiederverwendung von Material aus anderen Quellen (gekennzeichnet mit Quellenangabe) wie z. B. von Schaubildern, Abbildungen, Fotos und Textauszügen erfordert ggf. weitere Nutzungsgenehmigungen durch den jeweiligen Rechteinhaber.
Claudia Rademacher-Gottwald / Bernd Neitz (Hrsg.) Betriebswirtschaftliche und rechtskritische Analyse der Goodwillbilanzierung in Konzernabschlüssen von Unternehmen des SDAX Olaf Thomas Autorenkontakt [email protected]
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX III Vorwort Seit dem Jahr 2004 sehen die International Financial Reporting Standards (IFRS) keine planmäßigen Abschreibungen des derivativen Goodwills mehr vor. Stattdessen ist jährlich ein Werthaltigkeitstest (impairment-only-approach) durchzuführen, um zu prüfen, ob der Buchwert beibehalten werden kann oder eine außerplanmäßige Abschreibung auf einen niedrigeren Wert geboten ist. Die IFRS sind für die Rechnungslegung von Konzernen mit Kapitalmarktorientierung relevant und gelten somit auch für kapitalmarktorientierte deutsche Konzerne, die zur Konzernrechnungslegung verpflichtet sind. Der Verzicht auf die planmäßige Abschreibung des Goodwills beinhaltet einen großen Bewertungsspielraum und bilanzpolitische Gestaltungsmöglichkeiten. Sie hat in den letzten Jahren zu ständig steigenden Bilanzwerten des Goodwills in den Konzernabschlüssen geführt, weil vergleichsweise hohe Kaufpreise für Unternehmen vereinbart und keine außerplanmäßigen Abschreibungen des Goodwills vorgenommen worden sind. Daraus folgte ein Anstieg des Eigenkapitals in den Konzernabschlüssen. Im Fokus der vorliegenden Master-Thesis stehen zwei zentrale Fragen. Zuerst wird analysiert, inwieweit der Verzicht auf Abschreibungen des Goodwills – ungeachtet des obligatorischen Werthaltigkeitstests – betriebswirtschaftlich gerechtfertigt werden kann. Diese Frage wird empirisch anhand von Rentabilitätskennzahlen deutscher Konzerne des SDAX über einen Zeitraum von zehn Jahren untersucht. Ausgehend von den Ergebnissen dieser empirischen Untersuchung wird anschließend erörtert, ob bezüglich der Folgebewertung des Goodwills eine Änderung der IFRS geboten ist. Neben der empirischen Untersuchung wird somit auch eine normative Untersuchung durchgeführt. Im Rahmen einer umfangreichen Literaturanalyse wird der aktuelle Forschungsstand dargelegt und erörtert. Die empirische Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass entweder kein Zusammenhang zwischen dem Goodwill und den Erfolgskennzahlen der Konzerne besteht oder ein solcher Zusammenhang nicht nachweisbar ist. Obwohl weniger als die Hälfte der untersuchten Konzerne im Untersuchungszeitraum einen im Mittelwert positiven Wertbeitrag erwirtschaften konnten, zeigen sie durch die unveränderten Buchwerte des Goodwills ein angeblich werthaltiges Synergiepotenzial. Aus dem aufgezeigten Widerspruch zwischen dem Anspruch der Entscheidungsnützlichkeit der Berichterstattung und den bilanzpolitischen Gestaltungs-
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX IV spielräumen wird die Notwendigkeit einer regulatorischen Änderung abgeleitet. Eine normative Lösung könnte die Wiedereinführung der planmäßigen Abschreibungen oder die Pflicht zur Durchführung eines Revisionsverfahren der DCF-An- nahmen sein, die bei der Entstehung des Goodwills getroffen worden sind, wenn nach Ablauf der Detailplanungsphase weder eine positive Rendite oder noch ein positiver Wertbeitrag erzielt werden konnte. Berlin, im November 2023 Prof. Dr. Claudia Rademacher-Gottwald Wissenschaftliche Leitung des KCAT KompetenzCentrum für Accounting & Taxation der FOM Hochschule für Oekonomie & Management
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX V Inhalt Abkürzungsverzeichnis ...................................................................................... VII Formelverzeichnis ............................................................................................... X Symbolverzeichnis .............................................................................................. XI Abbildungsverzeichnis ....................................................................................... XII Tabellenverzeichnis .......................................................................................... XIII Über die Herausgebenden ............................................................................... XIV 1 Einleitung ......................................................................................................... 1 1.1 Problemstellung ....................................................................................... 1 1.2 Gliederung der Untersuchung ................................................................. 3 1.3 Angewandte Methodik ............................................................................. 3 2 Die Goodwillbilanzierung nach IFRS/IAS ........................................................ 5 2.1 Stand der Forschung ............................................................................... 5 2.2 Entstehung und Bilanzierung des Goodwills bei Mergers & Acquisitions .......................................................................... 15 2.3 Fair Value und IOA bei der Zugangs- und Folgebewertung des Goodwills ............................................................. 18 2.4 Bilanzpolitische Spielräume der Goodwillbilanzierung und die Entscheidungsnützlichkeit der Berichterstattung ...................... 19 3 Modelle bilanzanalytischer Untersuchungen zur Wertorientierung und zur Goodwillbilanzierung ........................................................................ 23 3.1 Untersuchungen zum wertorientierten Management ............................ 23 3.1.1 Bilanzanalytische Untersuchungen zur Rentabilität ................. 24 3.1.2 Modelle zur Messung von Wertsteigerung ............................... 27 3.2 Bilanzanalytische Untersuchungen zur Goodwillbilanzierung ............... 29 3.2.1 Der Goodwill als Potenzial künftiger Wertsteigerung ............... 30 3.2.2 Die Goodwill-Abschreibung als Krisensignal ............................ 31 4 Empirische Untersuchungen und rechtskritische Einordnung ...................... 34 4.1 Zusammensetzung der Stichprobe ........................................................ 34
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX VI 4.2 Jahresabschlussanalyse ausgewählter Konzerne des SDAX .............. 37 4.2.1 Mergers & Acquisitions-Aktivitäten der ausgewählten Konzerne .................................................................................. 37 4.2.2 Die Entwicklung der Bilanzposition Goodwill von 2011 bis 2021........................................................................... 39 4.2.2.1 Das Verhältnis von Goodwill zu Gesamtvermögen, immateriellen Vermögenswerten und Eigenkapital ......................... 39 4.2.2.2 Das Verhältnis von Goodwill-Abschreibung zu Brutto-Goodwill .................................................... 47 4.3 Rentabilitätsentwicklung und Wertbeitrag der ausgewählten Konzerne ....................................................................... 53 4.3.1 Die Rentabilitätsentwicklung im Untersuchungszeitraum ........ 54 4.3.2 Die Entwicklung des Wertbeitrags im Untersuchungszeitraum ........................................................... 59 4.3.3 Statistische Untersuchungen zur Rentabilität und zum Wertbeitrag ............................................................................... 63 4.4 Rechtskritische Einordnung der Goodwillbilanzierung aufgrund der Ergebnisse der empirischen Untersuchungen ...................................... 70 4.4.1 Die Fair-Value-Konzeption im Rahmen der Goodwillbilanzierung ................................................................ 71 4.4.2 Der IOA bei der Folgebewertung des Goodwills ...................... 72 4.4.3 Reformvorschlag zum IOA: das Revisionsverfahren ............... 75 4.4.4 Entscheidungsnützlichkeit der Berichterstattung zur Goodwillbilanzierung in den Geschäftsberichten der untersuchten Konzerne ............................................................ 78 5 Zusammenfassung und Ausblick.................................................................. 81 5.1 Selbstkritische Betrachtung und weiterer Forschungsbedarf ............... 81 5.2 Fazit ...................................................................................................... 82 Literatur .............................................................................................................. 85 Anhang............................................................................................................. 102
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX VII Abkürzungsverzeichnis Abs. Absatz a. F. alte Fassung AfA Absetzung für Abnutzung (Abschreibung) ASC Accounting Standard Codification BFuP Betriebswirtschaftliche Forschung und Praxis (Zeitschrift) BilMoG Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts (Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz – BilMoG) vom 25. Mai 2009 BS Bilanzsumme CAPM Capital Asset Pricing Model CF Conceptual framework for financial reporting (Rahmenkonzept) CGU Cash generating unit(s) DCF Discounted Cashflow DStR Deutsches Steuerrecht (Zeitschrift) DVFA Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management EBIT Earnings before interest and taxes EK Eigenkapital FAS Financial Accounting Standard (US-GAAP) FASB Financial Accounting Standards Board FCF Free Cashflow FK Fremdkapital GA Goodwill-Amortization oder Goodwill-Abschreibung GG Brutto-Goodwill (Goodwill-Gross) GN Netto-Goodwill (Goodwill-Net) GoF Geschäfts- oder Firmenwert GW Goodwill GW-AfA Goodwill-Abschreibung
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX XIV Über die Herausgebenden Prof. Dr. Claudia Rademacher-Gottwald – FOM Hochschule in Berlin Prof Dr. Claudia Rademacher-Gottwald (Diplom-Kauffrau und Diplom-Finanzwir- tin) ist seit 2012 Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebswirtschaftliche Steuerlehre und Finanzierung, an der FOM Hochschule und seit 2019 zudem wissenschaftliche Leiterin des KCAT Kompentenz- Centrum für Accounting & Taxation der FOM. Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen im externen Rechnungswesen, im Bilanzsteuerrecht und im internationalen Steuerrecht. Praktische Erfahrungen sammelte sie in der Finanzverwaltung und in der Steuerberatung. Prof. Dr. Bernd Neitz – FOM Hochschule in Leipzig Prof. Dr. Bernd Neitz lehrt seit September 2015 insbesondere Rechnungswesen, Finanzierung und Steuern an der FOM Hochschule am Hochschulzentrum Leipzig. Er studierte in Nitra (Slowakische Republik) Mechanisierung der Landwirtschaft und promovierte 1994 an der Martin-Luther-Universität Halle-Witten- berg. Zunächst arbeitete er im Bereich Aus- und Weiterbildung der IHK Halle- Dessau und machte sich 1995 als freier Unternehmerberater selbständig. Seit 1999 ist er Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatungsgesellschaft Bernd Stobinski mbH in Halle (Saale). Seit 2001 nimmt er Lehraufträge im Bereich Rechnungswesen und Finanzierung an verschiedenen Hochschulen und Weiterbildungsinstitutionen wahr und ist mit einer Reihe von Veröffentlichungen zum Management kleiner und mittelständischer Unternehmen in die Öffentlichkeit getreten.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX XV Über den Autor Olaf Thomas Olaf Thomas hat im Jahr 2023 den Master-Studiengang Finance & Accounting (M.Sc.) an der FOM Hochschule am Hochschulzentrum Berlin abgeschlossen. Von 2014 bis 2018 absolvierte er dort sein Bachelor-Studium im Fach Steuerrecht (B.A.). Der nationale und internationale Bilanzbuchhalter (IHK) arbeitet seit vielen Jahren als Leiter des Rechnungswesens in einem Berliner Unternehmen und ist dort für die Erstellung der Jahres- und Konzernabschlüsse verantwortlich.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 1 1 Einleitung Der bei Unternehmenszusammenschlüssen entstehende derivative Goodwill (= Geschäfts- oder Firmenwert, GoF) ist ein Konglomerat, bestehend aus unterschiedlichen Komponenten wie z. B. erwarteten Synergiepotenzialen und einem Kapitalisierungsmehrwert, der erst durch einen Unternehmenszusammenschluss erzielt werden kann und der durch das erwerbende Unternehmen vergütet wird.1 Dieser Mehrwert stellt die Erwartung auf künftige Gewinne dar; er ist als Vermögenswert zu aktivieren (IFRS 3.32 i. V. m. IFRS 3 Anhang A).2 1.1 Problemstellung Der zu den immateriellen Vermögenswerten (IAS 1.54(c)) gehörende3 derivative Goodwill entsteht, wenn die Anschaffungskosten einer Beteiligung das neu bewertete Reinvermögen des Zielobjekts übersteigen (IFRS 3.32). Durch den Erwerbsvorgang unterscheidet er sich vom selbst geschaffenen (originären) Goodwill, für den ein Aktivierungsverbot besteht (IAS 38.48).4 Bis zum Jahr 2004 galt unter den IFRS, dass der derivative Goodwill planmäßig abgeschrieben werden musste. Für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2005 begannen, ist die Abschreibungspflicht abgeschafft.5 Seitdem gilt der sog. impairment-only-approach (IOA), also ein mindestens jährlich durchzuführender Werthaltigkeitstest, der nur dann zu einer Abschreibung führt, wenn der aktuelle Buchwert des Goodwills höher ist als der erzielbare Betrag (IAS 36.10 i. V. m. IAS 36.80-99). Das führte in der Folge zu ständig wachsenden Goodwillbeträgen in den Konzernabschlüssen deutscher börsennotierter Unternehmen. Küting zeigte z. B. in einer empirischen Untersuchung aus dem Jahr 2013 von 134 deutschen börsennotierten Unternehmen aus den Indizes DAX, SDAX, MDAX 1 Vgl. Küting, K., Weber, C.-P., Konzernabschluss, 2018, S. 390–391; Senger, T., Brune, J., Unternehmenszusammenschlüsse, 2020, S. 1573, Rz. 264; Lüdenbach, N. et al., IFRS-Kommentar, 2021, S. 519, Rz. 148. 2 Vgl. Baetge, J., Kirsch, H.-J., Thiele, S., Konzernbilanzen 2017, S. 238; Zwirner, C. et al., Marktkapitalisierung, 2021, S. 529. 3 Vgl. Johnson, L. T., Petrone, K. R., Asset, 1998, S. 302; Brösel, G., Zwirner, C., Goodwill, 2009, S. 190; Kümpel, T., Pollmann, R., Bilanzposition, 2015, S. 20; Pellens, B. et al., IFRS, 2017, S. 856; Wagenhofer, A., Bilanzierung, 2019, S. 138. 4 Vgl. Küting, K., Konsolidierungspraxis, 2013, S. 1794; Küting, K., Weber, C.-P., Konzernabschluss, 2018, S. 391; Senger, T., Brune J., Unternehmenszusammenschlüsse, 2020, S. 1579, Rz. 285. 5 Vgl. Brösel, G., Müller, S., Beteiligungscontrolling, 2007, S. 34; Böcking, H.-J. et al., Fair Value, 2005, S. 87–88.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 2 und TecDAX, dass das Verhältnis von Goodwill zu Eigenkapital von 2005 (also dem Jahr der Einführung des IOA in Deutschland) bis zum Jahr 2012 von 33,5 Prozent auf 42,5 Prozent gestiegen war.6 Das seit der Einführung des IOA entstandene Schrifttum beschäftigte sich intensiv mit den Auswirkungen dieser Neuregelung auf die Bilanzposition Goodwill bei internationalen Großunternehmen. Es entstanden eine Vielzahl empirischer Untersuchungen, die in der Gesamtschau nahelegen, dass der Goodwill ein hohes Potenzial an Bilanzpolitik enthält, mit dem eine gezielte Steuerung von Ergebnisgrößen und Kennzahlen betrieben wird.7 Dies steht im Widerspruch zur Entscheidungsnützlichkeit der Rechnungslegung, die durch weltweite Vergleichbarkeit von Konzernabschlussdaten weltweit aktiven Aktionärinnen und Aktionären eine objektive Grundlage für ihre Investitionsentscheidungen geben soll (CF 2.24 – 2.29).8 Diese Arbeit untersucht empirisch die bei Großunternehmen festgestellte problematische Tendenz der anwachsenden Goodwillposten bei im SDAX gelisteten kleineren Unternehmen.9 Dabei wird anhand von Rentabilitätskennzahlen vor dem Hintergrund des wertorientierten Managements untersucht, ob verhältnismäßig und absolut ansteigende Goodwillbeträge durch steigende Rentabilität und steigenden Unternehmenswert gerechtfertigt werden können,10 bzw. in welchem Maße sie Ausdruck überhöhter Kaufpreiszahlungen, einer verfehlten Beteiligungsstrategie und von Bilanzpolitik sind.11 Problematisiert wird darüber hinaus die Frage, ob in der IFRS-Goodwillbilanzie- rung de lege lata Gründe für Verzerrungen der Entscheidungsnützlichkeit der Rechnungslegung zu suchen sind, und in welcher Weise sie de lege ferenda zu verändern sind, um diese zu verbessern.12 6 Vgl. Küting, K., Konsolidierungspraxis, 2013, S. 1795. 7 Vgl. hierzu beispielhaft: Hachmeister, D., Impairment-Test, 2014, S. 383; Cappel, W., Hartmann, P., Goodwill-Entwicklung, 2018, S. 238; Albersmann, B., Quick, T., Timeliness, 2020, S. 68; Gros, M., Koch, S., Impairment losses, 2020, S. 109; Filip, A., et al., Managerial discretion, 2021, S. 37. 8 Vgl. Beyer, B., Goodwillbilanzierung, 2015, S. 17; Ballwieser, W., Finanzberichterstattung, 2019, S. 190. 9 Vgl. Schürmann, C., DAX-Unternehmen, 2014, S. 106. 10 Vgl. Wassermann, H., Kapitalmarktorientierung, 2011, S. 320; Lachnit, L., Müller, S., Bilanzanalyse, 2017, S. 238–239. 11 Vgl. Coenenberg, A. G. et al., Jahresabschlussanalyse, 2018, S. 1058; Behringer, S., Geschichte, 2020, S. 105. 12 Vgl. Rauschenberg, F., Goodwill-Berichterstattung, 2018, S. 227; Tettenborn, M., Höltken, M., Beschaffenheit, 2018, S. 2517.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 3 Der Forschungsbeitrag dieser Arbeit besteht in der Verknüpfung der betriebswirtschaftlichen Untersuchungen zur Rentabilität mit der bilanzanalytischen Betrachtung der Goodwillbilanzierung bei den vergleichsweise kleineren, im SDAX notierten Konzernen. Aus den so gewonnenen Erkenntnissen werden Vorschläge für eine Anpassung der Bilanzierungsstandards zu Unternehmenszusammenschlüssen (IFRS 3) und zur Wertminderung von Vermögenswerten (IAS 36) abgeleitet. 1.2 Gliederung der Untersuchung Nachdem in Kapitel 2 dieser Arbeit zunächst der Stand der Forschung zur Goodwillbilanzierung und zum IOA dargelegt wird, befassen sich die nachfolgenden Abschnitte mit der Beschreibung der geltenden IFRS-Bilanzierungsvorschriften zur Entstehung, der Erst- und Folgebewertung sowie der vorhandenen bilanzpolitischen Spielräume bei der Behandlung des Goodwills. Kapitel 3 beschreibt zunächst modellhaft die bilanzanalytischen und finanzmathematischen Methoden zur Messung der Rentabilität und des wertorientierten Managements im Allgemeinen. Im zweiten Teil des Kapitels werden diese Modelle dann in ihrer Anwendung auf die Untersuchungen zur Goodwillbilanzierung und -Bewertung beschrieben. Der Hauptteil der Arbeit beinhaltet in Kapitel 4, nach einer Beschreibung der M&A-Aktivitäten der Unternehmen der Stichprobe, zunächst die empirische Untersuchung der Konzernabschlüsse im Hinblick auf die betriebswirtschaftliche und statistische Analyse der dort festgestellten Goodwillbilanzierung. Im dritten Teil des Kapitels wird daraufhin die Rentabilitätsentwicklung der Konzerne der Entwicklung des Goodwill-Ausweises in den Konzernabschlüssen gegenübergestellt. Schließlich erfolgt die sich aus den empirischen und betriebswirtschaftlichen Untersuchungen ergebende rechtskritische Einordnung der geltenden Vorschriften zur Goodwillbilanzierung. 1.3 Angewandte Methodik Für die betriebswirtschaftliche Untersuchung werden in dieser Arbeit 473 Konzernabschlüsse der 43 im gesamten Zeitraum 2011 bis 2021 im SDAX gelisteten Unternehmen analysiert, die einen Goodwill ausweisen und die keine Finanzintermediäre sind, welche aufgrund ihrer gesonderten Anforderungen an die
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 4 Bilanzstruktur und das Eigenkapital nicht mit den anderen Unternehmen vergleichbar sind.13 Die Konzernabschlussdaten stammen aus der Finanzdatenbank Thomson Reuters und aus den veröffentlichten Geschäftsberichten der Konzerne. Mit den Instrumenten der Bilanz- und Jahresabschlussanalyse werden diese Daten zu zielgerichteten Informationen über die Analyseobjekte verdichtet.14 Zum Zwecke einer wertorientierten Erfolgsanalyse wird die Rentabilitätskennzahl ROCE den durchschnittlichen gewichteten Kapitalkosten (WACC) gegenübergestellt um zu analysieren, ob das Unternehmen eine Rendite erzielt, die oberhalb der risikoadjustierten Kapitalkosten liegt. Anhand sekundärstatistischer Untersuchungen mit den Mitteln der deskriptiven Statistik werden Entwicklungen und Zusammenhänge der Goodwillbilanzierung und betriebswirtschaftlicher Kennzahlen der Stichprobe über den Untersuchungszeitraum beschrieben. Mit Mitteln der induktiven Statistik15 wird erforscht, ob statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen der Entwicklung der Goodwillbilanzierung zur Entwicklung der wertorientierten Gesamtkapitalrentabilität bestehen. Die Signifikanztests werden anhand der Software MS-Excel durchgeführt. Die Ergebnisse der betriebswirtschaftlichen Analysen bilden den Ausgangspunkt für eine rechtskritische Auswertung der geltenden Vorschriften zur Goodwillbilanzierung nach IFRS. Dies geschieht insbesondere vor dem Hintergrund des Widerspruchs zwischen dem hohen Maß an möglicher Bilanzpolitik bei der Erst- und Folgebewertung des Goodwills und der Entscheidungsnützlichkeit der Finanzberichterstattung.16 Hierzu werden die quantitativen Untersuchungen im betriebswirtschaftlichen Teil dieser Arbeit durch eine qualitative Literaturrecherche zur historischen Entwicklung des Status quo der Goodwillbilanzierung ergänzt. Daraus werden Vorschläge zur Anpassung des geltenden Regelwerks zur Goodwillbilanzierung abgeleitet, mit dem Ziel, die Entscheidungsnützlichkeit der Konzernabschlüsse zu verbessern. 13 Vgl. Dreesen, H., Goodwill-Accounting, 2013, S. 469; Kümpel, T., Klopper, T., Impairment-Test, 2014, S. 177; Albersmann, B. T. et al., Earnings Management, 2020, S. 267; Ballwieser, W., IVS, 2020, S. 85; Zwirner, C. et al., Marktkapitalisierung, 2021, S. 533. 14 Vgl. Küting, P., Weber, C.-P., Bilanzanalyse, 2015, S. 7; Brösel, G., Bilanzanalyse, 2017, S. 4. 15 Vgl. Bleymüller, J. et al., Statistik, 2020, S. 2–3. 16 Vgl. z. B. Hachmeister, D., Impairment-Test, 2014, S. 383; Steckel, R. et al., Firmenwert, 2017, S. 172; Küting, K., Weber, C.-P., Konzernabschluss, 2018, S. 395; Ballwieser, W., Finanzberichterstattung, 2019, S. 192.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 5 2 Die Goodwillbilanzierung nach IFRS/IAS Die derzeit geltenden Vorschriften zur Goodwillbilanzierung nach IFRS sind in Anlehnung an die Entwicklung in den US-GAAP entstanden.17 Insbesondere seit Abschaffung der planmäßigen Abschreibung und der Einführung des IOA (USGAAP ab 2002, IFRS ab 2005) ist ein umfangreiches Schrifttum entstanden. 2.1 Stand der Forschung Für die vorliegende Untersuchung konnten 145 Publikationen aus den Jahren 1937 bis 2022 ausgewertet werden. Unterteilt man diese Publikationen in die Forschungsschwerpunkte dieser Arbeit (Betriebswirtschaft und Rechtskritik) und entwickelt hierzu thematische Unterpunkte mit einzelnen Themenbereichen ergibt sich das in Tabelle 1 gezeigte Raster der ausgewerteten Forschung. Die Themenbereiche wurden im Hinblick auf die Auswertung der Publikationen in Bezug auf die Goodwillbilanzierung entwickelt. Dabei sind inhaltliche Überschneidungen zwischen den Bereichen selbstverständlich, denn alle Untersuchungen beziehen das gesamte Themenumfeld ein. Trotzdem wurde jede Publikation nur einem Themenbereich zugeordnet. 17 Vgl. u. a. Ott, C., Intangibles, 2012, S. 14; Böcking, G.-J. et al., Goodwill-Bilanzierung, 2015, S. 319.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 6 Forschungsgebiete Beiträge in Fachzeitschriften Beiträge in Sammelwerken Monografien Gesamtanzahl Betriebswirtschaftslehre 60 19 35 114 davon Corporate Finance 18 7 21* 46 Investition/Finanzierung 3 0 4 7 Mergers & Acquisitions 2 2 1 5 Unternehmensbewertung/Marktkapitalisierung 9 2 5 16 Wertorientierte Unternehmensführung 4 3 11 18 davon Rechnungslegung 42 12 14** 68 Bilanzpolitik / Jahresabschlussanalyse 9 7 7 23 Jahresabschluss 1 5 6 Impairmenttest/Fair Value 18 5 2 25 Rechtzeitige und ausreichende Goodwill-Abschreibung 14 0 0 14 Rechtskritische Analyse 11 13 7 *** 31 Historische Entwicklung 2 0 0 2 Vergleichende Analyse HGB/IFRS/US-GAAP 2 3 1 6 Kritische Analyse der Standards / Erläuterungen / Gesetzeskommentare 7 10 6 23 Ausgewertete Publikationen gesamt: 71 32 42 145 *davon 8 Dissertationen; **davon 2 Dissertationen; ***davon 3 Dissertationen Tabelle 1: Raster des ausgewerteten Forschungsstands In Anhang 1 zu dieser Arbeit findet sich eine tabellarische Übersicht aller ausgewerteter Quellen mit Angaben zu den Autorinnen und Autoren, dem Erscheinungsjahr, zum Titel bzw. der Forschungsfrage, dem Forschungsdesign und einer Kurzbeschreibung des Forschungsergebnisses, sortiert nach den Unterpunkten BWL/Corporate Finance; BWL/Rechnungslegung sowie Rechtskritische Analyse. Im Folgenden sind hier deshalb nur die wichtigsten Publikationen kurz beschrieben.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 7 • Betriebswirtschaftslehre: Corporate Finance, Investition/Finanzierung: Da der Goodwill in der Folge einer M&A-Transaktion entsteht und seine Werthaltigkeit bei der Folgebewertung über den IOA geprüft wird, ist seine Entstehung und sein weiteres Schicksal mit den Berechnungsverfahren zur Unternehmensbewertung verknüpft.18 Drei Aufsätze beinhalten hierzu zentrale Grundlagen: Preinreich, G. stellte bereits im Jahr 1937 in seinem Aufsatz „Valuation and Amortization“ fest, dass sich die Vermögenswerte einer Bilanz entweder rückschauend durch Anschaffungskosten oder vorausschauend durch Zahlungsströme ermitteln lassen, wobei Kapitalkosten eine entscheidende Rolle spielen, was Lücke, W. im Jahr 1955 durch seinen Aufsatz „Investitionsrechnung auf der Grundlage von Ausgaben oder Kosten?“ in das deutsche Schrifttum einführte.19 In ihrem Aufsatz „The Cost of Capital, Corporation Finance and the Theory of Investment“ aus dem Jahr 1958 formulierten Modigliani, F. und Miller M. H. zwei zentrale Aussagen zum Marktwert eines Unternehmens und zu seinen Kapitalkosten: (a) Der Marktwert eines Unternehmens ist unabhängig von seiner Kapitalstruktur und ergibt sich aus der Kapitalisierung seiner erwarteten Rendite mit einem risikoadäquaten Zinssatz; sowie (b) die durchschnittlichen Kapitalkosten eines Unternehmens sind unabhängig von seiner Kapitalstruktur.20 • Betriebswirtschaftslehre: Corporate Finance, Mergers & Acquisitions: Meckl, R. und Röhrle, F. zeigten 2016 anhand der Auswertung von 55.399 weltweiten M&A-Transaktionen aus den Jahren 1950 bis 2010, dass mehr als die Hälfte aller Transaktionen nicht erfolgreich waren und Wert vernichtet haben.21 Vor diesem Hintergrund sind die trotzdem steigenden und als werthaltig erachteten Goodwillbeträge kritisch zu sehen. Detzen, D. und Zülch, H. werteten in ihrer Publikation aus dem Jahr 2012 insgesamt 113 Akquisitionen europäischer, im STOXX Europe 600 notierter Konzerne aus. Sie kommen auf der Basis der Prinzipal-Agent-Theorie zu dem Ergebnis, dass Manager den ökonomischen Wert der von ihnen veranlassten Transaktionen zu hoch veranschlagen würden und die Wahrscheinlichkeit der Überschätzung dieses ökonomischen Werts mit der Höhe des Bonusbestandteils ihrer Vergütung steigen würde.22 Die Bereitschaft 18 Vgl. z. B. Petersen, K. et al., Rechnungslegung, 2017, S. 768, Rz. 58; Zwirner, C., Vodermeier, M., Impairmentzinssätze, 2018, S. 58. 19 Vgl. Preinreich, G. A. D., Valuation, 1937, S. 224; Lücke, W., Investitionsrechnungen, 1955, S. 315. 20 Vgl. Modigliani, F., Miller, M. H., Cost of Capital, 1958, S. 268–269. 21 Vgl. Meckl, R., Röhrle, F., Value, 2016, S. 391. 22 Vgl. Detzen, D., Zülch, H., Executive Compensation, 2012, S. 124.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 8 zur Zahlung von höheren Kaufpreisen aufgrund dieser Überschätzung des ökonomischen Werts der Beteiligung beeinflusst folglich den Goodwill. • Betriebswirtschaftslehre: Corporate Finance, Unternehmensbewertung / Marktkapitalisierung: Gesamtdarstellungen der Vorgehensweise bei der Unternehmensbewertung verfassten u. a. 2016 in konzentrierter Kürze (ca. 300 Seiten) Ballwieser, W. und Hachmeister, D., die u. a. die Residualgewinnmethode als vorteilhaft zur Ermittlung von Abschreibungsbedarf beim aus einer Konsolidierung entstandenen Goodwill nach IFRS 3 und IAS 36 beschreiben,23 sowie 2013 in aller Ausführlichkeit (ca. 900 Seiten) Matschke, M. J. und Brösel, G., die scharfe Kritik am derivativen Geschäfts- oder Firmenwert üben und ihn als eine Bilanzposition beschreiben, „… die Fehldeutungen und Spekulationen geradezu heraufbeschwört“.24 Untersuchungen zu Kursreaktionen auf Ankündigungen von Goodwill-Abschreibungen führten u. a. Allen, L. P. und Baez J. (2020) durch, die anhand einer Event-Studie die Ankündigungen von Goodwill-Abschreibungen von 38 Unternehmen unter US-GAAP in den Jahren 2016 bis 2018 untersuchten und keine statistisch signifikanten Kursreaktionen nachweisen konnten, weshalb Investoren diese Ankündigungen für nicht relevant halten würden.25 Das Gegenteil belegen die beiden Untersuchungen von Bens, D. A. et al. und Knauer, T. und Wöhrmann, A., die insgesamt 952 Ankündigungen von Goodwill-Abschreibung aus den Jahren 1996 bis 2009, sowohl unter US-GAAP als auch unter IFRS, untersuchten und unabhängig voneinander signifikante Kapitalmarktreaktionen feststellen konnten. Die Studie von Bens, D. A. et al. aus dem 2011 legt darüber hinaus dar, dass die absoluten Beträge der Abschreibung nach Einführung des IOA in den US-GAAP gesunken sind.26 Die Untersuchung von Knauer, T. und Wöhrmann A. (2016) belegt zusätzlich, dass es stärkere negative Kapitalmarktreaktionen auf Goodwill-Abschreibungs-Ankündigungen in solchen Ländern gibt, in denen es schwächere gesetzliche Compliance-Regularien gibt, da dort die Möglichkeiten zur Willkür des Managements größer seien, was Investoren in ihrer Reaktion dadurch berücksichtigen, dass sie einen höheren Wertminderungsbedarf des Goodwills vermuten, als durch die Unternehmen angekündigt.27 23 Vgl. Ballwieser, W., Hachmeister, D., Unternehmensbewertung, 2016, S. 208. 24 Vgl. Matschke, M. J., Brösel, G., Unternehmensbewertung, 2013, S. 503. 25 Vgl. Allen, L. P., Baez, J., Short-Term-Effect, 2020, S. 64. 26 Vgl. Bens, D. A. et al., Information Content, 2011, S. 550–551. 27 Vgl. Knauer, T., Wöhrmann, A., Reaction, 2016, S. 445–456.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 15 und der Einführung des IOA untersuchten Li, K. und Sloan, R. G. (2017) anhand von 28.339 Firmenbeobachtungen der Jahre 1996 bis 2011 und stellten einen inflationären Anstieg des bilanzierten Goodwills nach der Einführung von SFAS 142 (IOA unter US-GAAP) fest. Die subjektive Natur des IOA mache es Wirtschaftsprüfern und Aufsichtsbehörden darüber hinaus schwer, hier kontrollierend und regulierend einzugreifen, weshalb eine planmäßige Abschreibung in Verbindung mit einem regelmäßigen Werthaltigkeitstest den ökonomischen Gehalt des Goodwills besser wiedergeben würde.64 2.2 Entstehung und Bilanzierung des Goodwills bei Mergers & Acquisitions Übersteigt beim Unternehmenskauf die hingegebene Gegenleistung das neu bewertete Reinvermögen des Zielobjekts, entsteht aus diesem positiven Unterschiedsbetrag ein derivativer Goodwill (IFRS 3.32). Er ist gem. IFRS 3, Anhang A, ein immaterieller Vermögenswert65 und als solcher zu aktivieren, indem er denjenigen CGU des erwerbenden Unternehmens zugeordnet wird, die voraussichtlich den größten Nutzen aus den erwarteten Synergieeffekten erzielen.66 Wegen der zum Erwerbsstichtag der Beteiligung durchgeführten Fair-Value-Be- wertung des Zielobjekts enthält der Goodwill bei seiner Entstehung keine stillen Reserven; es fehlt ihm aufgrund seines Charakters als Residualgröße an Identifizierbarkeit.67 Die formelhafte Ermittlung des Goodwills bei seiner Entstehung lautet: GWtd= CTFV − �∑Vi,t FVk i=1 − ∑Lj,t FVo j=1 �. (1) Formel 1: Goodwill als Residualwert Mit: GWtd = derivativer Goodwill zum Erwerbsstichtag t; CTFV = fair value der hingegebenen Gegenleistung; Vi,t FV = fair value des erworbenen Vermögens i zum 64 Vgl. Li, K., Sloan, R. G., Goodwill accounting, 2017, S. 997. 65 Vgl. Küting, K., Wirth, J., Unternehmenszusammenschlüsse, 2004, S. 174; Küting, P., Weber, C.-P., Bilanzanalyse, 2015, S. 569; Li. K., Sloan, R. G., Goodwill accounting, 2017, S. 964; Petersen, K. et al., Rechnungslegung, 2017, S. 750, Rz. 2. 66 Vgl. Pellens, B. et al., IFRS, 2017, S. 856; Küting, K., Weber, C.-P., Konzernabschluss, 2018, S. 333; Senger, T., Brune, J., Unternehmenszusammenschlüsse, 2020, S. 1572, Rz. 263. 67 Vgl. Petersen, K. et al., Rechnungslegung, 2017, S. 749–750, Rz. 2; Pellens, B. et al., IFRS, 2017, S. 856; Behringer, S., Konzerncontrolling, 2018, S. 54; Küting, K., Weber, C.-P., Konzernabschluss, 2018, S. 391.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 16 Erwerbsstichtag t; Lj,t FV = fair value der übernommenen Schulden j zum Erwerbsstichtag t. Quelle: Moser, U., Bewertung, 2017, S. 514. Bis zum Jahr 2009 wurden Minderheitenanteile bei der Ermittlung des Goodwills nicht berücksichtigt, weshalb er in der Konzernbilanz nur beteiligungsproportional ausgewiesen wurde. Für Geschäftsjahre, die ab dem 1. Juli 2009 begannen, gilt die überarbeitete Fassung des IFRS 3, der ein akquisitionsbezogenes Wahlrecht unter Beibehaltung der früheren Neubewertungsmethode (IFRS 3.19(b)) und Einführung der Full-Goodwill-Methode (IFRS 3.19(a)) ermöglicht.68 Bei Anwendung der Full-Goodwill-Methode ermittelt sich der Goodwill nicht mehr allein aus dem gezahlten Kaufpreis abzüglich des Saldos aus neu bewerteten Vermögenswerten und Schulden (s. Formel 1), sondern wird auch auf die Anteile der Minderheitsgesellschafter bezogen, die zu ihrem Fair Value im Erwerbszeitpunkt bewertet werden.69 Das führt zu einer Bilanzverlängerung der Konzernbilanz durch die erfolgsneutrale Aktivierung bei gleichzeitigem Ausweis des Minderheiten-Good- will-Anteils im Eigenkapital. Bei der Folgebewertung kommt es bei verringerter Werthaltigkeit dagegen zu einer erfolgswirksamen Abschreibung. Der Goodwillanteil der Minderheitsgesellschafter ist deshalb nicht pagatorisch abgesichert.70 Aus dem Residualwertcharakter des Goodwills und damit seiner nicht vorhandenen Einzelbewertbarkeit (IAS 36.81) erwächst die Notwendigkeit, ihn auf diejenigen vorhandenen CGU zu verteilen, die den größten Nutzen aus dem Unternehmenszusammenschluss erwarten, um ihn innerhalb dieser CGU künftigen Werthaltigkeitstests zu unterziehen.71 In den USA musste bis zum Jahr 2001 ein aus einem Unternehmenszusammenschluss entstandener Goodwill über einen Zeitraum von maximal 40 Jahren 68 Vgl. Küting, K. et al., Business Combinations, 2008, S. 142; Zwirner, C., Full Goodwill, 2010, S. 411; Zelger, H., Allocation, 2014, S. 167–168; Kuhner, C., Zielsetzungen, 2014, S. 14; Beyer, B., Goodwillbilanzierung, 2015, S. 223; Pellens, B. et al., IFRS 2017, S. 862–863; Coenenberg, A. G. et al., Jahresabschlussanalyse, 2018, S. 716. 69 Vgl. Kirsch, H., GoF, 2020, S. 305. 70 Vgl. Kuhner, C., Zielsetzungen, 2014, S. 14; Pellens, B. et al., IFRS, 2017, S. 863; Petersen, K. et al., Rechnungslegung, 2017, S. 752; Küting, K., Weber, C.-P., Konzernabschluss 2018. 71 Vgl. Dusemond, M., Theorie und Praxis, 2014, S. 422; Erb, T. et. al., Wertminderungen, 2020, S. 1291, Rz. 122; Lüdenbach, N. et. al., IFRS-Kommentar, 2021, S. 521, Rz. 153.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 17 planmäßig abgeschrieben werden.72 Für Geschäftsjahre, die nach dem 15. Dezember 2001 begannen, wurde in den US-GAAP die planmäßige Abschreibung abgeschafft (FAS 142.18 i. V. m. FAS 142.48 a., jetzt: ASC 350-20) und die mindestens jährliche Überprüfung auf Werthaltigkeit, der sog. impairment-only-ap- proach (IOA), eingeführt.73 Das IASB startete im Jahr 2001 das Projekt „Business Combinations“, welches in seiner ersten Phase mit der Verabschiedung von IFRS 3 und der Überarbeitung der IAS 38 (Immaterielle Vermögenswerte) und IAS 36 (Wertminderung von Vermögenswerten) endete und die Regelungen des FAS 141 (ASC 805) und des FAS 142 (ASC 350) in die IFRS übernahm.74 IASB und FASB waren seit dem Jahr 2002 über Konvergenzprogramme mit dem Ziel verbunden, ihre Standards kompatibel zu machen, mit der Folge, dass sich meist die IFRS den US-GAAP anpassten.75 Durch die Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Juli 2002 betreffend die Anwendung internationaler Rechnungslegungsstandards (sog. IAS-VO) und deren Übernahme in nationales Recht durch § 315e HGB gelten die IFRS für die Aufstellung von Konzernabschlüssen deutscher börsennotierter Mutterunternehmen für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2005 begannen.76 Im deutschen Handelsrecht gilt ein aus der Kapitalkonsolidierung gem. § 301 Abs. 3 HGB entstandener Geschäfts- oder Firmenwert als zeitlich begrenzt nutzbarer Vermögensgegenstand (§ 309 Abs. 1 HGB i. V. m. § 246 Abs. 1 S. 4 HGB), der über seine voraussichtliche Nutzungsdauer gem. § 253 Abs. 3 S. 1 u. 2 HGB planmäßig abzuschreiben ist. Sollte die Prognose der Nutzungsdauer nicht möglich sein, bestimmt § 253 Abs. 3 S. 3 u. 4 HGB eine fiktive Nutzungsdauer von zehn Jahren.77 Im Gesetzgebungsverfahren zum Gesetz zur Modernisierung des 72 Vgl. Lachnit, L., Müller, S., GoF, 2003, S. 542; Ding, Y. et al., Phases, 2008, S. 735; Harper, J., Sun, L., Distance, 2019, S. 551. 73 Vgl. Hitz, J.-M., Kuhner, C., Prüfstand, 2002, S. 273; Kuhner, C., Zielsetzungen, 2014, S. 2–3; Vater, H., US-GAAP, 2017, S. 788, Rz. 70; Coenenberg, A. G. et al., Jahresabschlussanalyse, 2018, S. 701; Glaum, M. et al., Public Enforcement, 2018, S. 151; Gros, M., Koch, S., Impairment losses, 2020, S. 106; Carcello, J. et al., Independence, 2020, S. 190. 74 Vgl. Kuhner, C. Zielsetzungen, 2014, S. 2; Böcking, H.-J., Gros, M., Koch, S., Goodwill-Bilanzierung, 2015, S. 319; Coenenberg, A. G. et al., Jahresabschlussanalyse, 2018, S. 701. 75 Vgl. Beyer, B., Goodwillbilanzierung, 2015, S. 27. 76 Vgl. Funk, W., Rossmanith, J., Int. Rechnungslegung, 2017, S. 496; Grottel, B., Kreher, M., Kommentar zu § 315e, 2018, S. 2093, Rz. 1. 77 Vgl. Brösel, G., Bilanzanalyse, 2017, S. 376; Petersen, K. et al., Rechnungslegung, 2017, S. 758, Rz. 30; Schubert, W. J., Andrejewski, K. C., Kommentar zu § 253, 2018, S. 554, Rz. 672.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 18 Bilanzrechts (BilMoG), mit dem das bisher bestehende Aktivierungswahlrecht (§ 255 Abs. 4 HGB a. F.) für einen Geschäfts- oder Firmenwert mit Gültigkeit ab 2010 abgeschafft und eine Aktivierungspflicht (§ 246 Abs. 1 Satz 4 HGB) eingeführt worden war, forderte der Bundesrat die Einführung des IOA, dem die endgültige Gesetzesfassung aber nicht folgte.78 2.3 Fair Value und IOA bei der Zugangs- und Folgebewertung des Goodwills Der beizulegende Zeitwert (Fair Value) ist innerhalb der IFRS ein zentraler Bewertungsmaßstab für materielles und immaterielles Vermögen, dessen Bedeutung im Vergleich zum Anschaffungskostenprinzip wächst.79 Er gilt als „Markenzeichen“ der IFRS-Bilanzierung und ist als Markt- bzw. Verkehrswert zu verstehen.80 Nach der Definition in IFRS 13 ist der Fair Value als der Preis definiert, „der in einem geordneten Geschäftsvorfall zwischen Marktteilnehmern am Bemessungsstichtag für den Verkauf eines Vermögenswertes eingenommen bzw. für die Übertragung einer Schuld gezahlt würde“ (IFRS 13.9).81 Der Goodwill entsteht erstmalig als Residualgröße aus dem für die Beteiligung gezahlten Kaufpreis (bzw. dem Fair Value der gewährten Gegenleistung) und dem Fair Value der übernommenen Vermögenswerte.82 Im Rahmen der Kaufpreisallokation muss der Fair Value für jeden einzelnen identifizierbaren Vermögenswert des Zielobjekts ermittelt werden, um einen verbleibenden positiven Restbetrag als Goodwill zu beziffern und zu aktivieren.83 Für die Folgebewertung des Goodwills gilt seit der Abschaffung der planmäßigen Abschreibung der mindestens einmal jährlich durchzuführende Impairment-Test (IAS 36.10(b)), der den Buchwert einer CGU, zu der ein Goodwill gehört, dem erzielbaren Betrag gegenüberstellt. Der erzielbare Betrag ist gem. IAS 36.6 der höhere Betrag aus dem beizulegenden Zeitwert (abzgl. Veräußerungskosten) und dem Nutzungswert. 84 Ist der Buchwert höher als der erzielbare Betrag, ist 78 Vgl. Baetge, J., Schmidt, A., BilMoG Bilanzanalyse, 2010, S. 179. 79 Vgl. Ballwieser, W., Gewinnermittlung, 2014, S. 150; Küting, K., Weber, C., Konzernabschluss, 2018, S. 380; Lübbig, M., Kühnel, S., Bewertung, 2020, S. 75, Rz. 165; Lüdenbach, N. et al., IFRS-Kommentar, 2021, s. 69, Rz. 95. 80 Vgl. Lorson, P., Fair Value, 2005, S. 5; Küting, K., Lauer, P., Krise, 2009, S. 547; Küting, K., Kaiser, T., Kapitalmarkt, 2010, S. 190; Theile, C., Pawelzik, K. U., Fair Value Messurement, 2012, S. 210. 81 Vgl. Ballwieser, W., et al., Fair value, 2004, S. 532. 82 Vgl. Buschhüter, M., IFRS 3, 2011, S. 175, Rz. 117. 83 Vgl. Beyer, S., Zwirner, C., Fair Value, 2014, S. 192; Lüdenbach, N. et al., IFRS-Kom- mentar, 2021, S. 2282, Rz. 145. 84 Vgl. Erb, T. et al., Wertminderung, 2020, S. 1260, Rz. 18.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 19 ein Wertminderungsaufwand zu erfassen, um den Buchwert der CGU auf den erzielbaren Betrag zu verringern (IAS 36.59).85 Der Wertminderungsaufwand ist innerhalb der CGU zunächst auf einen vorhandenen Goodwill anzuwenden. Erst wenn dieser abgeschrieben ist, werden auch die anderen Vermögenswerte der CGU wertberichtigt (IAS 36.104). Die Wertaufholung eines einmal abgeschriebenen Goodwills ist gem. IAS 36.124 unzulässig, weil verhindert werden soll, dass auf diesem Wege ein originärer Goodwill aktiviert wird.86 Sowohl im Rahmen der Unternehmensakquisition und der erstmaligen Bilanzierung eines Goodwills als auch bei seiner Folgebewertung sind deshalb zukunftsbezogene87 Bewertungsverfahren zur Ermittlung des Fair Value bzw. des Nutzungswerts erforderlich. Hier dominieren die kapitalwertorientierten Verfahren, da in der Praxis meist keine Marktpreise vorhanden sind.88 2.4 Bilanzpolitische Spielräume der Goodwillbilanzierung und die Entscheidungsnützlichkeit der Berichterstattung Bilanzpolitik ist die vorschriftenkonforme Gestaltung von im Konzernabschluss publizierter Unternehmensdaten mit dem Ziel, das Verhalten der Jahresabschlussadressaten im Sinne der Unternehmenspolitik zu beeinflussen.89 Die Gestaltungsmaßnahmen sollten in das Berichterstattungskonzept des Unternehmens eingebunden sein, um zielgerichtet zur Umsetzung der Unternehmensstrategie beizutragen.90 Im Rahmen der Goodwillbilanzierung bestehen sowohl bei der Erstals auch bei der Folgebewertung umfangreiche Ermessensspielräume und Wahlrechte, die bilanzpolitisch genutzt werden können, um Ergebnisse und Kennzahlen von Konzernabschlüssen in eine erwünschte Richtung zu verändern.91 Bereits zum Erwerbszeitpunkt der Beteiligung kann die Höhe des Goodwills und das potenzielle Abschreibungsvolumen durch die Ausübung des Wahlrechts in IFRS 3.19 85 Vgl. Pellens, B. et al., IFRS, 2017, S. 372. 86 Vgl. Erb, T. et al., Wertminderung, 2020, S. 1294–1295, Rz. 151; Coenenberg, A. G. et al., Jahresabschlussanalyse, 2018, S. 713. 87 Vgl. Beckert, J., Kapitalismus, 2018, S. 212. 88 Vgl. Petersen, K. et al., Rechnungslegung, 2017, S. 757, Rz. 25. 89 Vgl. Küting, K., Fair Value-Bewertung, 2005, S. 503; Küting, P., Weber, C.-P., Bilanzanalyse, 2015, S. 33; Brösel, G., Bilanzanalyse, 2017, S. 85. 90 Vgl. Coenenberg, A. G. et al., Jahresabschlussanalyse, 2018, S. 1023. 91 Vgl. Kuhner, C., Zielsetzungen, 2014, S. 36; Küting, K., Weber, C.-P., Konzernabschluss, 2018, S. 395.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 20 beeinflusst werden (s. Kapitel 2.2).92 Ermessensspielräume zum Erwerbszeitpunkt gibt es bei der Definition neuer CGU und der Allokation des verbleibenden Goodwills auf diese sowie bereits bestehende CGU.93 Die Gestaltung und Größe dieser CGU hat erheblichen Einfluss auf potenzielle Wertminderungen, da große CGU negative Entwicklungen einzelner Untereinheiten mit positiven Wertbeiträgen anderer Untereinheiten kompensieren können und so Wertminderung vermieden werden.94 Es kommt dabei zu einer als Portfolioeffekt bezeichneten Vermischung von originären Firmenwertkomponenten mit dem derivativen Goodwill, obwohl die Aktivierung von originärem Goodwill durch IAS 38.48 verboten ist.95 Da eine CGU, der ein Goodwill zugeordnet wurde, gem. IAS 36.80 nicht größer sein darf als ein Geschäftssegment gem. IFRS 8.5, kann sich die vom Management festgelegte Struktur der internen Organisation, Berichterstattung und Überwachung (sog. management approach) bilanzpolitisch auf den Wertminderungsbedarf im Rahmen des Impairment-Tests des Goodwills auswirken.96 Bei der Folgebewertung im Rahmen des IOA eröffnen sich weitere Ermessensspielräume in Bezug auf die bei der Bewertung anzusetzenden Parameter des erwarteten Cashflows, des Kapitalisierungszinssatzes und der Wachstumsrate.97 92 Vgl. Senger, T., Brune, J., Unternehmenszusammenschlüsse, 2020, S. 1561, Rz. 224; Lüdenbach, N. et al., IFRS-Kommentar, 2021, S. 2283, Rz. 148. 93 Vgl. Velte, P., Lazar, L., Bestandsaufnahme, 2017, S. 60; Lüdenbach, N. et al., IFRS- Kommentar, 2021, S. 521, Rz. 153. 94 Vgl. Hachmeister, D., Impairment-Test, 2014, S. 382; Dusemond, M., Theorie und Praxis, 2014, S. 424; Kanitz, F., Purchase Price, 2014, S. 568; Lüdenbach, N. et al., IFRS-Kommentar, 2021, S. 525, Rz. 162. 95 Vgl. Brösel, G., Müller, S., Beteiligungscontrolling, 2007, S. 38; Haaker, A., Potential, 2008, S. 372; Harr, U., Völkner, B., IAS 36, 2011, S. 934, Rz. 64; Beyer, B., Goodwillbilanzierung, 2015, S. 238; Coenenberg, A. G. et al., Jahresabschlussanalyse, 2018, S. 1061; Ballwieser, W., IVS, 2020, S. 90. 96 Vgl. Ballwieser, W., Finanzberichterstattung, 2019, S. 191; Schulz-Danso, M., Segmentberichterstattung, 2020, S. 953, Rz. 15; Lüdenbach, N. et al., IFRS-Kommentar, 2021, S. 2595, Rz. 2. 97 Vgl. Braun, R., Firmenwert, 2009, S. 134; Cappel, W., Hartmann, P., Goodwill-Ent- wicklung, 2018, S. 231; Hüfner, B. et al., Verlässlichkeit, 2022, S. 50.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 21 Abbildung 1: Bilanzpolitischer Spielraum bei der Goodwillbilanzierung Bilanzpolitische Möglichkeiten bei der Konzernabschlusserstellung erschweren die externe Bilanzanalyse, da ihr Einsatz und die beabsichtigte Wirkungsrichtung zunächst aufgedeckt werden müssen, um sie dann, z. B. im Rahmen einer vergleichenden Analyse oder einer Investitionsempfehlung, eliminieren zu können.98 Die Standardsetzenden flankieren die eingeräumten Wahlrechte und Ermessensspielräume deshalb mit verpflichtenden Anhangangaben über Art und Umfang dieser im Konzernabschluss zum Einsatz gekommenen bilanzpolitischen Mittel, wie z. B. IFRS 3B64(e) zur Entstehung des Goodwills bei einem Unternehmenszusammenschluss.99 Dadurch soll der Widerspruch des Einsatzes bilanzpolitischer Mittel zum „überragenden Rechnungslegungsprinzip“100 des IASB, der Entscheidungsnützlichkeit der Rechnungslegung, überbrückt werden. Kern der IFRS-Rechnungslegung ist gem. CF 1.2 und IAS 1.9 die Bereitstellung von entscheidungsnützlichen Informationen für „diejenigen, die dem Unternehmen Ressourcen zur Verfügung gestellt haben oder dies erwägen“ (Lüdenbach, N. et. al., 2021).101 98 Vgl. Küting, K. et al., Entwicklungstendenzen, 2010, S. 2291; Zwirner, C., Full Goodwill, 2010, S. 418; Kanitz, F., Purchase Price, 2014, S. 573. 99 Vgl. Senger, T., Brune, J., Unternehmenszusammenschlüsse, 2020, S. 1580–1581, Rz. 292–294. 100 Velte, P., Lazar, L., Bestandsaufnahme, 2017, S. 64. 101 Vgl. Lübbig, M. Kühnel, S., Bewertung, 2020, S. 38, Rz. 20; Lüdenbach, N. et al., IFRS-Kommentar, 2021, S. 25, Rz. 5. Bilanzpolitischer Spielraum bei der Goodwillbilanzierung Goodwillentstehung Wahlrecht IFRS 3.19: (a) Full-Goodwill-Methode (b) Purchased-Goodwill- Methode Ermessensspielräume: -Abgrenzung der CGU -Allokation des Goodwills auf die CGU Impairment-Test Ermessensspielräume: - free Cashflow -Wachstumsrate -Kapitalkosten
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 22 Wesentliche Bestandteile der Entscheidungsnützlichkeit sind u. a. Relevanz (CF 2.6) und Vergleichbarkeit (CF 2.24 – 2.29) veröffentlichter Finanzinformationen. Entscheidungen innerhalb einer Vielzahl von Ressourcenallokationsalternativen können nur getroffen werden, wenn relevante Informationen vorliegen, die international miteinander vergleichbar sind.102 Das Rahmenkonzept (CF) hat gem. CF SP1.1 insbesondere für die Standardsetter IASB und IFRS IC selbst große Bedeutung,103 da es bei der Formulierung und Interpretation neuer und bestehender Standards den Rahmen vorgeben soll und erst danach eine Verständnis- und Bilanzierungshilfe bei der Anwendung der Standards sein will.104 Deshalb ist es bemerkenswert, dass sich der Begriff „management approach“ im gesamten Rahmenkonzept nicht findet, obwohl seine Einführung im Rahmen der Segmentberichterstattung in IFRS 8.5(b) und seine oben beschriebenen Auswirkungen auf den IOA bei der Goodwillbilanzierung, die horizontale Vergleichbarkeit massiv einschränkt und die Möglichkeiten zur Bilanzpolitik für das Management erweitert. Dadurch wird das Gegenteil von Relevanz und Vergleichbarkeit und damit von Entscheidungsnützlichkeit befördert.105 102 Vgl. Schmidt, I. M., Rechnungslegung, 2007, S. 27; Bepari, M. K., Mollik, A. T., Audit quality, 2015, S. 212; Ballwieser, W., Finanzberichterstattung, 2019, S. 190–191. 103 Vgl. Erb, C., Pelger, C., Rahmenkonzept, 2018, S. 872. 104 Vgl. Lübbig, M. Kühnel, S., Bewertung, 2020, S. 34, Rz. 3. 105 Vgl. Ballwieser, W., Finanzberichterstattung, 2019, S. 191; Lüdenbach, N. et al., IFRS- Kommentar, 2021, S. 33, Rz. 27.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 23 3 Modelle bilanzanalytischer Untersuchungen zur Wertorientierung und zur Goodwillbilanzierung Bilanzierter Goodwill speichert die Erwartungen an den künftigen Nutzen aus den Synergieeffekten von Unternehmenszusammenschlüssen.106 Die Entwicklung des Goodwills sollte folglich in einer positiven Beziehung zur Entwicklung des Unternehmenswerts stehen. 3.1 Untersuchungen zum wertorientierten Management Aus seiner Kritik am vergangenheitsbezogenen Rechnungswesen entwickelte Rappaport, A. im Jahr 1986 den Shareholder-Value-Ansatz. Die Verwendung historischer Daten als Entscheidungsbasis sei für die Unternehmenssteuerung und Anlageentscheidungen ungeeignet, da diese auf künftigen Erwartungen basieren müsse.107 Wertorientiertes Management verfolgt deshalb das Ziel, den Wert des Unternehmens zu steigern.108 Dies geschieht durch den Einsatz der auf der Aktivseite der Bilanz ausgewiesenen kurz- und langfristigen Vermögenswerte zur Generierung einer Rendite, die oberhalb der risikoadjustierten Kapitalkosten liegt.109 Die Messung der Wertsteigerung eines Unternehmens in vergangenen Perioden erfordert deshalb den Vergleich von Rentabilitätswerten mit den gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten (WACC).110 Die für die hier durchgeführte Analyse erforderlichen Daten lassen sich beim gewählten Berechnungsverfahren der wertorientierten Gesamtkapitalrentabilität (WGKR, siehe Formel Nr. 3) aus den veröffentlichen Geschäftsberichten ableiten.111 106 Vgl. Wassermann, H., Kapitalmarktorientierung, 2011, S. 320; Erb, T. et al., Wertminderung, 2020, S. 1291, Rz. 122. 107 Vgl. Rappaport, A., Shareholder Value, 1999, S. 38; Coenenberg, A. G. et al., Unternehmensführung, 2002, S. 34; Pape, U., Wertorientierung, 2017, S. 862, Rz. 3. 108 Vgl. Guserl, R., Pernsteiner, H., Finanzmanagement, 2015, S. 113. 109 Vgl. Pape, U., Wertorientierung, 2017, S. 861, Rz. 1; Stier, C., Risikomanagement, 2017, S. 46; Heesen, B., Beteiligungsmanagement, 2019, S. 31. 110 Vgl. Lachnit, L., Müller, S., Bilanzanalyse, 2017, S. 238–239; Lohse, C. M., Residualgewinnverfahren, 2021, S. 137. 111 Vgl. Pape, U., Wertorientierung, 2010, S. 134; Franz, K.-P. et al., Vergleich, 2010, S. 801; Wassermann, H., Kapitalmarktorientierung, 2011, S. 293; Pape, U., Wertorientierung, 2017, S. 868, Rz. 26.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 24 3.1.1 Bilanzanalytische Untersuchungen zur Rentabilität Rentabilität ist der Quotient aus einer Ergebnisgröße und einer das Ergebnis bestimmenden Einflussgröße.112 Die Relativierung der jeweiligen Zähler- und Nennergrößen durch die Division ermöglicht die für Analysezwecke erforderliche Vergleichbarkeit zwischen einer Vielzahl von Untersuchungsobjekten.113 Die für die Berechnung der Rentabilität erforderlichen Ausgangswerte lassen sich zwar dem externen Rechnungswesen entnehmen. Für die interne Steuerung und die externe Bilanzanalyse sollten diese Werte aber auf den entsprechenden Analyse- bzw. Steuerungszweck angepasst werden.114 So kommt es bei der Ermittlung der Rentabilität nicht auf das Gesamt-, sondern das investierte Kapital (= capital employed) an.115 Nur dieses stellt die Basis für Eigen- und Fremdkapitalrenditen dar,116 weshalb nicht zinstragende Fremdkapitalanteile bei der operativen Rentabilitätsberechnung eliminiert werden sollten.117 Da es keine Vorschriften für die Ermittlung dieser angepassten Werte gibt, ist es wichtig, dass bei Rentabilitätsberechnungen ein zwischen Zähler und Nenner konsistentes Vorgehen in sachlicher, zeitlicher und wertmäßiger Hinsicht bei der Anpassung der Ausgangswerte beachtet wird.118 Die Rentabilität des betriebsnotwendigen Vermögens einer definierten Periode kann anhand der Kennzahl Return on Capital Employed, ROCE, berechnet werden.119 Die zur Berechnung des ROCE erforderlichen Ausgangswerte lassen sich für eine externe Analyse den veröffentlichen Jahresabschlussdaten entnehmen. Für die oben beschriebenen Anpassungsmaßnahmen in Zähler und Nenner existieren allerdings keine einheitlichen Definitionen. Die nachfolgende Tabelle zeigt eine beispielhafte Auswahl der in der Literatur verwendeten Berechnungs- und Begriffsvarianten bei den Bestandteilen des ROCE: 112 Vgl. Coenenberg, A. G. et al., Jahresabschlussanalyse, 2018, S. 1179. 113 Vgl. Küting, P., Weber, C.-P., Bilanzanalyse, 2015, S. 320; Coenenberg, A. G. et al., Jahresabschlussanalyse, 2018, S. 1180. 114 Vgl. Schmitz, S., Hommel, M., Ertragslage, S. 64. 115 Vgl. Coenenberg, A. G. et al., Jahresabschlussanalyse, 2018, S. 1075. 116 Vgl. Küting, P., Weber, C.-P., Bilanzanalyse, 2015, S. 322. 117 Vgl. Pellens, B. et al., Auswirkungen, 2016, S. 342; Wagenhofer, A., Bilanzierung, 2019, S. 220. 118 Vgl. Schmitz, S., Hommel, M., Ertragslage, S. 63. 119 Vgl. Quick, R., Wertorientierung, 2012, S. 245; Guserl, R., Pernsteiner, H., Finanzmanagement 2015, S. 144.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 31 Kennzahl / Wert Beschreibung Berechnung / Quelle Absolute Werte BS Bilanzsumme aus Konzernabschluss GG Betrag des Goodwills vor Abschreibungen (Goodwill-gross) aus Konzernabschluss GA Höhe der gesamten Goodwill- Abschreibungen aus Konzernabschluss GN Betrag des Goodwills nach Abschreibung (Goodwill-net) aus Konzernabschluss Relative Werte GA%GG Goodwill-Abschreibung in % des Goodwill-gross GA * 100 GG GN%BS Goodwill-net in % der Bilanzsumme GN * 100 BS GN%EK Goodwill-net in % des Eigenkapitals GN * 100 EK GN%IVG Goodwill-net in % der imm. Vermögenswerte GN * 100 IVG Tabelle 3: Goodwillwerte und Goodwillkennzahlen Die Analyse dieser Werte anhand der Konzernabschlüsse der Stichprobe über einen längeren Zeitraum in der Vergangenheit (elf Jahre) gibt Aufschluss über das Ausmaß der Erwartungen, die mit dem Vermögenswert Goodwill verbunden waren.141 Die Erfüllung dieser Erwartungen lässt sich an der Entwicklung dieser Kennzahlen und Werte ablesen – besonders dann, wenn man sie der Entwicklung des ROCE und der WGKR gegenüberstellt. Die zu Beginn des hier untersuchten Analysezeitraums entstandenen Goodwillbeträge sollten positive Effekte in Bezug auf Rendite und Wertorientierung aus den erwarteten Synergien in den Folgejahren zeigen. Falls diese positiven Effekte nicht eintreten, sollten Wertberichtigungen auf den Goodwill erfolgen. Dauerhaft hohe absolute oder relative Goodwillbeträge müssen deshalb mit dauerhaft hohen Renditen und einer positiven wertorientierten Gesamtkapitalrentabilität einhergehen. 3.2.2 Die Goodwill-Abschreibung als Krisensignal Vor der Einführung des IOA musste ein bilanzierter Goodwill planmäßig abgeschrieben werden. Eingriffe des Managements beschränkten sich auf die 141 Vgl. Zwirner, C. et al., Buchwert-Marktwert-Lücke, 2015, S. 607.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 32 willkürliche Festlegung einer Nutzungsdauer.142 Die darauffolgende Abschreibung erfolgte planmäßig und bot für interne und externe Analysen keine Überraschungen. Die im Rahmen des Impairment-Tests stattfindende außerplanmäßige Wertberichtigung eines Goodwills stellt dagegen eine Revision der Erwartungen des Managements an den Erfolg der mit dem Erwerb der Beteiligung verbundenen Synergieeffekte dar. Aufgrund des nicht geplanten Eintritts sind solche außerplanmäßigen Wertberichtigungen für externe Analysierende überraschend und können von erheblicher Größenordnung sein.143 Mehrere Untersuchungen zeigen, dass der Kapitalmarkt die Ankündigung oder Durchführung einer Wertberichtigung auf den Goodwill mit negativen Kursreaktionen beantwortet. In den Studien von Bens, D. A. et al., 2011, Knauer, T. und Wöhrmann, A., 2016, sowie Schatt, A. et al., 2016, wird dies sowohl für Goodwill-Impairment unter US-GAAP als auch unter IFRS nachgewiesen.144 Die Kursreaktion des Kapitalmarkts zeigt, dass die durch das Goodwill-Impairment gegebene Information für die Anlegerinnen und Anleger relevant war. Für die vor der Einführung des IOA geltende planmäßige Abschreibung des Goodwills lässt sich dagegen nur eine schwache Wertrelevanz nachweisen.145 Durch die Fair-Value-Bewertung im Rahmen des IOA besteht eine hohe Konjunktursensitivität und Ergebnisvolatilität, die zu einem prozyklischen Effekt zwischen Phasen eines Konjunkturabschwungs und der Notwendigkeit von Wertberichtigungen auf den Goodwill führt.146 Sollte das Konjunkturumfeld keine allgemeine Krisen aufweisen, können vorhandene Goodwill- Abschreibungen ein Signal für konzerninterne Krisen sein, die durch den Goodwill-Wertberichtigungsposten ihren Ausdruck finden. Insbesondere bei einem Wechsel im Management kommt es oft zu hohen Goodwill-Abschreibungen, womit einerseits eine Schlechtleistung des vorhergehenden Managements konstatiert und andererseits die (bereinigte) Basis für das erfolgreichere neue Management gelegt wird, da negative Auswirkungen aus Goodwill-Wertberichtigungen zunächst unterbleiben können (sog. „big bath accounting“).147 Ein solches 142 Vgl. Kuhner, C., Zielsetzungen, 2014, S. 20–21. 143 Vgl. Siener, F., Gröner, S., Fair Value-Bewertung, 2005, S. 349; Brösel, G., Müller, S., Beteiligungscontrolling, 2007, S. 37; Wassermann, H., Kapitalmarktorientierung, 2011, S. 320. 144 Vgl. Bens D. A. et al., Information Content, 2011, S. 550; Knauer, T., Wöhrmann, A., Reaction, 2016, S. 421; Schatt, A., et al., Goodwill-Impairments, 2016, S. 320. 145 Vgl. Beyer, B., Goodwillbilanzierung, 2015, S. 253. 146 Vgl. Küting, K., Lauer, P., Krise, 2009, S. 557; Beyer, B., Goodwillbilanzierung, 2015, S. 330; Petersen, K. et al., Rechnungslegung, 2017, S. 759, Rz. 31. 147 Vgl. Alshehabi, A., National Cultures, 2015, S. 21; André, P. et al., Patterns, 2016, S. 349; Schatt, A., et al., Goodwill-Impairments, 2016, S. 315; Velte, P., Lazar, L., Bestandsaufnahme, 2016, S. 60; Gros, M., Koch, S., Impairment losses, 2020, S. 111.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 33 Vorgehen steht im Widerspruch zur Entscheidungsnützlichkeit der Rechnungslegung, da der Einblick in die Lage des Unternehmens und dessen Vergleichbarkeit mit anderen Unternehmen erschwert wird und einer der wichtigsten Gründe für die Abschaffung der planmäßigen Abschreibung und die Einführung des IOA, nämlich die Entscheidungsnützlichkeit der Rechnungslegung für die Investoren, negiert wird.148 Vor diesem Hintergrund verstärkt sich der Eindruck, dass eine vorgenommene Goodwill-Abschreibung immer ein Krisensignal ist. Entweder sie signalisiert aufgrund eines sehr hohen Betrags eine zuvor unterbliebene Abschreibung (wie im Falle eines „big bath accountings“) bzw., aufgrund fehlender Abschreibung, den Einsatz von Bilanzpolitik zur Ergebnisbeeinflussung und damit eine Krise der Rechnungslegung. Beides steht im Widerspruch zum eigentlich beabsichtigten Objektivierungsbeitrag, den der IOA zur Entscheidungsnützlichkeit der Rechnungslegung beitragen sollte.149 148 Vgl. Kümpel, T., Klopper, T., Impairment-Test, 2014, S. 184; Beyer, B., Goodwillbilanzierung, 2015, S. 248. 149 Vgl. Lüdenbach, N. et al., IFRS-Kommentar, 2021, S. 561, Rz. 226.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 34 4 Empirische Untersuchungen und rechtskritische Einordnung Bilanzanalytisch untersucht werden die Konzernabschlüsse von 43 im SDAX notierten Konzernen, die zwischen 2011 und 2021 (entweder im gesamten Zeitraum oder in einzelnen Jahren des Zeitraums) einen derivativen Goodwill in ihren Bilanzen auswiesen und in ihren Geschäftsberichten ausreichende Angaben zu dessen externer Analyse veröffentlichten. 4.1 Zusammensetzung der Stichprobe Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Zusammensetzung des SDAX am 12.03.2021, in welchem 70 Konzerne notiert waren. Eine Gesamtübersicht dieser Unternehmen findet sich in Anhang 2. Aufgrund ihres spezifischen Geschäftsmodells und der daraus resultierenden besonderen Bilanzstruktur, welche die Vergleichbarkeit mit den anderen Unternehmen beeinträchtigt, wurden die Finanzdienstleister Deutsche Pfandbriefbank AG und Talanx AG (Versicherung) aus der Stichprobe entfernt.150 Weitere fünf Konzerne hatten im gesamten Untersuchungszeitraum keinen Goodwill bilanziert und bleiben deshalb bei der Untersuchung unberücksichtigt: Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA, Deutsche Beteiligungs AG, Hamborner REIT AG, Salzgitter AG und Zooplus AG. Keine Angaben im Geschäftsbericht zu dem beim IOA angewandten Diskontierungszinssatz machten die drei Unternehmen LPKF Laser & Electronics AG, SMA Solartechnology AG und Verbio Vereinigte Bioernergie AG, weshalb auch sie unberücksichtigt bleiben.151 Von den verbleibenden 60 Unternehmen wurden die in der folgenden Tabelle aufgeführten 16 Unternehmen ausgeschieden, weil sie nicht während des gesamten Untersuchungszeitraums an einer Wertpapierbörse gehandelt wurden. Deshalb waren für diese Unternehmen nicht für alle Untersuchungsjahre Geschäftsberichte mit ausreichender Informationstiefe vorhanden. 150 Vgl. Haaker, A., Potential, 2008, S. 298; Küting, K., Buchwert-Marktwert-Lücke, 2012, S. 1938; Dreesen, H., Goodwill-Accounting, 2013, S. 469; Darrough, M., et al., Compensation, 2014, S. 444; Kümpel, T., Klopper, T., Impairment-Test, 2014, S. 177; Glaum, M. et al., 2018, Public Enforcement, 2018, S. 157. 151 Vgl. Carvalho, C. et al., Mandatory Disclosure, 2016, S. 385; Gros, M., Koch, S., Disclosures, 2018, S. 163.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 35 Unternehmen 1. Börsenhandelstag Adler Group SA 23.07.2015 Befesa SA 03.11.2017 Ceconomy AG 13.07.2017 Corestate Capital Holding SA 02.11.2017 Dermapharm Holding SE 09.02.2018 DWS Group GmbH & Co KgaA 23.03.2018 Global Fashion Group SA 02.07.2019 Hensoldt AG 25.09.2020 home24 SE 15.06.2018 Instone Real Estate Group AG 15.02.2018 JOST Werke AG 20.07.2017 Medios AG 22.11.2016 Schaeffler AG 09.10.2015 Stabilus SA 23.05.2014 Traton SE 23.06.2019 Westwing Group AG 09.10.2018 Tabelle 4: Unternehmen des SDAX am 12.03.2021, deren erster Börsenhandelstag nach 2011 war Schließlich musste die 1&1 Drillisch AG (seit 2021: 1&1 AG) bei der Untersuchung unberücksichtigt bleiben, weil es in dem Konzern im Jahr 2017 zu dem seltenen Fall152 eines umgekehrten Unternehmenserwerbs gem. IFRS 3.6 i. V. m. IFRS 3.B19 gekommen ist. Dabei wird der rechtliche Erwerber (das Mutterunternehmen) wirtschaftlich und bilanziell als erworbenes Unternehmen angesehen (IFRS 3.B19), weil das rechtlich erworbene Tochterunternehmen die aus dem Zusammenschluss entstandene wirtschaftliche Einheit beherrscht.153 Die 1&1 Drillisch AG erwarb im Jahr 2017 100 Prozent der Anteile an der 1&1 Telecommunication SE durch Ausgabe eigener neuer Eigenkapitalanteile und wurde dadurch rechtlicher Eigentümer. Aus bilanzieller Sicht wurde jedoch gem. IFRS 3.B19 das erworbene Tochterunternehmen als wirtschaftlicher Erwerber qualifiziert, so dass in der konsolidierten Konzernbilanz die Aufdeckung stiller Reserven und die Ermittlung eines Goodwills für die Muttergesellschaft, also die 1&1 152 Vgl. Senger, T., Brune, J., Unternehmenszusammenschlüsse, 2020, S. 1513, Rz. 62. 153 Vgl. Senger, T., Brune, J., Unternehmenszusammenschlüsse, 2020, S. 1511, Rz. 59; Lüdenbach, N. et al., IFRS-Kommentar, 2021, S. 2334, Rz. 219.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 36 Drillisch AG, zu erfolgen hatte. Den Anschaffungskosten der Beteiligung an der größeren 1&1 Telecommunication SE i. H. v. 3.450 Mio. € stand ein Nettovermögen der 1&1 Drillisch AG von 625 Mio. € gegenüber, so dass ein Goodwill i. H. v. 2.825 Mio. € entstanden war. Da dieser Wert im Vorjahresabschluss lediglich 98 Mio. € betrug, weist das Unternehmen im Geschäftsbericht 2017 zu Recht auf die Nichtvergleichbarkeit der Konzernabschlüsse der Jahre 2016 und 2017 hin.154 Aus der Stichprobe muss die 1&1 AG entfernt werden, weil dieser immense Anstieg beim Goodwill nur aufgrund der Sonderregelungen des umgekehrten Unternehmenserwerbs entstanden war und alleine ca. 25 Prozent des gesamten in der Stichprobe bilanzierten Goodwills ausmacht. Mit den anderen Unternehmen der Stichprobe ist die 1&1 AG deshalb nicht vergleichbar.In der Stichprobe verbleiben die in der nachfolgenden Tabelle aufgeführten 43 Unternehmen: 1. ADVA Optical Networking SE 16. Grenke AG 31. Patrizia AG 2. Amadeus Fire AG 17. Hamburger Hafen und Logistik AG 32. Pfeiffer Vacuum Technology AG 3. BayWa AG 18. Hornbach Baumarkt AG 33. RTL Group SA 4. Bilfinger SE 19. Hornbach Holding AG & Co KGaA 34. S&T AG 5. Cewe Stiftung & Co KGaA 20. Hypoport SE 35. SAF Holland SE 6. CropEnergies AG 21. Indus Holding AG 36. Sixt SE 7. Deutsche Euroshop AG 22. Jenoptik AG 37. SNP Schneider- Neureither & Partner SE 8. DEUTZ AG 23. Jungheinrich AG 38. Stratec SE 9. DIC Asset AG 24. Kloeckner & Co. SE 39. Suedzucker AG 10. Draegerwerk AG & Co KGaA 25. Koenig & Bauer AG 40. Takkt AG 11. Eckert & Ziegler Strahlen und Medizintechnik AG 26. Krones AG 41. Vossloh AG 12. Elringklinger AG 27. KWS Saat SE & Co. KGaA 42. Wacker Neuson SE 13. Encavis AG 28. New Work SE 43. ZEAL Network SE 14. Fielmann AG 29. Nordex SE 15. flatexDEGIRO AG 30. Norma Group SE 154 Vgl. die Ausführungen auf den Seiten 84–85 und 106–17 im Geschäftsbericht 2017 der 1&1 Drillisch AG, online abrufbar unter: https://imagepool.1und1.ag/v2/download/berichte/2018-03-22_Drillisch_GB_2017_DEUTSCH.pdf, (letzter Abruf: 17.09.2022); Senger, T., Brune, J., Unternehmenszusammenschlüsse, 2020, S. 1511, Rz. 59.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 37 Tabelle 5: Für die empirische Untersuchung ausgewählte Unternehmen Daraus ergibt sich die Anzahl ausgewerteter Konzernabschlüsse wie folgt: Anzahl Konzernabschlüsse der 70 im SDAX am 12.03.2021 notierten Konzerne im Zeitraum 2011 bis 2021 770 Abzüglich Konzernabschlüsse von Konzernen mit folgenden Kriterien: Finanzintermediäre (2 Konzerne) 22 Kein Goodwill im Untersuchungszeitraum (5 Konzerne) 55 Keine Angaben zum Diskontierungszinssatz beim IOA (3 Konzerne) 33 Keine ausreichende Informationstiefe der Geschäftsberichte aufgrund nicht durchgehender Börsennotierung (16 Konzerne) 176 Umgekehrter Unternehmenserwerb (1 Konzern) 11 Verbleibende Konzernabschlüsse (43 Konzerne) 473 Tabelle 6: Anzahl der ausgewerteten Konzernabschlüsse Konzerne, die ein vom Kalenderjahr abweichendes Geschäftsjahr haben, werden so behandelt, als wäre der Abschlussstichtag der 31.12. desjenigen Kalenderjahres, in welchem das Geschäftsjahr endet, und als sei das Ergebnis in dem Kalenderjahr erzielt worden, in welchem das Geschäftsjahr endet.155 4.2 Jahresabschlussanalyse ausgewählter Konzerne des SDAX Im Rahmen der Analyse wird der Goodwill verschiedenen anderen, absoluten Werten und Kennzahlen aus den Konzernbilanzen gegenübergestellt und statistisch untersucht. 4.2.1 Mergers & Acquisitions-Aktivitäten der ausgewählten Konzerne Beherrscht ein Unternehmen ein anderes oder mehrere andere Unternehmen, spricht man von einem Konzern. Gem. IFRS 10.7 liegt eine Beherrschung vor, wenn das Mutterunternehmen über die Entscheidungsmacht im Tochterunternehmen verfügt, es variablen positiven und negativen Rückflüssen des Tochterunternehmens ausgesetzt ist und die Höhe dieser Rückflüsse beeinflussen 155 Vgl. Cappel, W., Hartmann, P., Goodwill-Entwicklung, 2018, S. 231.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 38 kann.156 Das Mutterunternehmen ist gem. IFRS 10.2(a) verpflichtet, einen Konzernabschluss aufzustellen, in welchem im Rahmen der Vollkonsolidierung konzerninterne Liefer- und Leistungsverflechtungen zu eliminieren sind und so die wirtschaftliche Einheit des Konzerns dargestellt wird.157 Über den Kreis der im Konzernabschluss konsolidierten Unternehmen ist gem. IFRS 12.10(a) im Anhang zu berichten, so dass ein Überblick über die Zusammensetzung des Konzerns erlangt werden kann.158 Diese Angaben ermöglichen eine vereinfachte externe Analyse der Beteiligungsentwicklung und damit der Mergers & Acquisitions-Aktivitäten der hier untersuchten 43 Konzerne des SDAX. Im Jahr 2011 umfasste der gesamte Konsolidierungskreis 2.633 Unternehmen, im Jahr 2021 waren es 4.035; eine Steigerung um 53,2 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist der summierte bilanzierte Brutto-Goodwill um 44,7 Prozent, nämlich von 11.043 Mio. € im Jahr 2011 auf 15.978 Mio. € im Jahr 2021 gestiegen, wie Abbildung 2 zeigt: Abbildung 2: Brutto-Goodwill und Anzahl vollkonsolidierter TU (2011–2021) 156 Vgl. Senger, T., Diersch, U., Vollkonsolidierung, 2020, S. 1592, Rz. 3; Lüdenbach, N. et al., IFRS-Kommentar, 2021, S. 2366, Rz. 6. 157 Vgl. Senger, T., Diersch, U., Vollkonsolidierung, 2020, S. 1591, Rz. 2. 158 Vgl. Brune, J., Konsolidierungskreis, 2020, S. 1450, Rz. 57; Wysocki, K. v. et al., Konzernrechnungslegung, 2014, S. 82. 11.043 11.698 11.900 12.486 12.993 13.031 13.194 14.145 15.215 15.391 15.978 2.633 2.745 3.204 3.317 3.439 3.517 3.620 3.692 3.811 3.939 4.035 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000 16.000 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Brutto-Goodwill in Mio. € und Anzahl vollkonsolidierter Tochterunternehmen Brutto-Goodwill in Mio. € Anzahl vollkonsolidierter TU
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 39 Der prozentual geringere Anstieg des Brutto-Goodwills zeigt, dass der durchschnittliche Goodwill, der pro Tochterunternehmen entstanden ist, im Verlauf des Untersuchungszeitraums gesunken ist. Während dieser Wert in den Jahren 2011 (2012) noch 4,19 Mio. € (4,26 Mio. €) betrug, waren es in den Jahren 2020 (2021) nur noch 3,91 Mio. € (3,96 Mio. €). In der Gesamttendenz und im Durchschnitt wurden zu Beginn des Untersuchungszeitraum pro Akquisition höhere Kaufpreise gezahlt bzw. weniger stille Reserven bei den erworbenen Vermögensgegenständen aufgedeckt als in späteren Jahren. 4.2.2 Die Entwicklung der Bilanzposition Goodwill von 2011 bis 2021 Die Bedeutung der Bilanzposition Goodwill für die untersuchten Konzerne misst sich an dessen Verhältnis zu anderen Konzernabschlusswerten.159 4.2.2.1 Das Verhältnis von Goodwill zu Gesamtvermögen, immateriellen Vermögenswerten und Eigenkapital Gemessen am Gesamtvermögen stellt sich die Entwicklung des Goodwills über den Untersuchungszeitraum wie folgt dar: Abbildung 3: Verhältnis von Goodwill zur Bilanzsumme (2011–2021) 159 Vgl. Küting, K., Konsolidierungspraxis, 2013, S. 1794; Cappel, W., Hartmann, P., Goodwill-Entwicklung, 2018, S. 231. 6% 8% 10% 12% 14% 0 50.000 100.000 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Bilanzsumme und Netto-Goodwill in Mio. € Summe der Bilanzsummen Mio. € davon GW Mio. € GW % BS gew. Durchschnitt GW % BS Mittelwert
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 40 Abbildung 3 zeigt in dem Balkendiagramm den kontinuierlichen Anstieg der absoluten Werte der summierten Bilanzsumme, die zwischen 2011 und 2021 von 70 Mrd. € auf 118,3 Mrd. € anstieg, und der Summe der Goodwill-Restbuchwerte, also des Netto-Goodwills, der im gleichen Zeitraum von 7,8 Mrd. € auf 10,9 Mrd. € stieg.160 Die in den beiden Kurven dargestellten Verhältnisse dieser beiden Werte zueinander zeigen einerseits den gewichteten Durchschnitt, also das Verhältnis der Summe der Bilanzsummen zur Summe des wertberichtigten Goodwills pro Jahr aller 43 Unternehmen zueinander (als würde es sich um ein Unternehmen handeln). Die andere Kurve zeigt andererseits die Entwicklung des GW/BS-Verhältnisses, indem sie den arithmetischen Mittelwert aus den Werten dieses Quotienten jedes einzelnen Konzerns darstellt. Während der gewichtete Durchschnitt zu Beginn des Untersuchungszeitraums zunächst anstieg, war er seit 2012 rückläufig, mit einer Stabilitätsphase zwischen 2016 und 2018. Dass der Anteil des Goodwills an der Bilanzsumme bei den einzelnen Konzernen stark schwankt, verdeutlicht der Verlauf des Mittelwerts, der bis zum Jahr 2015 zunächst nur leicht, von 2016 bis 2019 dann stark stieg und nur in den Jahren 2020 und 2021 leicht rückläufig war. Die Spannweite des Goodwillanteils am Gesamtvermögen reicht im gesamten Untersuchungszeitraum von 0 Prozent bis 56,55 Prozent. In zwölf Konzernabschlüssen finden sich Goodwillanteile von mindestens 50 Prozent des Gesamtvermögens,161 in 60 Konzernabschlüssen sind es mindestens 25 Prozent. Diese hohen Anteile am Gesamtvermögen führen zu dem Mittelwert-Spitzenwert von 13,39 Prozent Anteil des Goodwills am Gesamtvermögen im Jahr 2019. Einen Überblick über die Verteilung der Werte aus dem GW/BS-Verhältnis gibt die Tabelle mit deskriptiven Statistikdaten: 160 Vgl. Rauschenberg, F., Goodwill-Berichterstattung, 2018, S. 136; Ballwieser, W., IVS, 2020, S. 85. 161 Vgl. Hütten, C., Mojadadr, M., Unternehmenspraxis, 2014, S. 452.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 47 4.2.2.2 Das Verhältnis von Goodwill-Abschreibung zu Brutto-Goodwill In den Konzernabschlüssen wird sowohl der kumulierte Brutto-Goodwill (Goodwill-Gross, GG), der kumulierte Betrag der Goodwill-Abschreibung (Goodwill- Amortization, GA) als auch der sich daraus ergebende kumulierte Netto-Goodwill (Goodwill-Net, GN) ausgewiesen. Dies ermöglicht externe Analysen über das Verhältnis dieser Werte zueinander und das Maß an bisher durchgeführten Abschreibungen. Aufgrund der vielfältigen bilanzpolitischen Möglichkeiten im Rahmen des IOA, wie z. B. Schätzungen des erzielbaren Betrags und Berechnung des Diskontierungszinssatzes, ist eine empirische Analyse des Abschreibungsverhaltens über einen längeren Zeitraum aufschlussreich und kann Rückschlüsse darauf ermöglichen, ob der Werteverzehr des Goodwills in ausreichendem Maße erfasst wurde.169 Den Verlauf des Brutto-Goodwills (GG) und der Goodwill-Abschreibung (GA) sowie das Verhältnis dieser Werte zueinander über den Untersuchungszeitraum zeigt die folgende Abbildung: Abbildung 6: Brutto-GW und GW-Abschreibung im Untersuchungszeitraum (2011–2021) Während in der gewichteten (summierten) Betrachtung das Verhältnis der Goodwill-Abschreibung zum Brutto-Goodwill relativ konstant um die 30 Prozent betrug 169 Vgl. Han, H., Tang, Q., Harms, 2020, S. 288. 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% 35% 40% 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000 16.000 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Brutto-Goodwill (GG), Goodwill-Amortization (GA) Summe GG Mio. € Summe GA Mio. € GA%GG gew. Durchschnitt GA%GG Mittelwert
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 48 (obere Kurve), lag dieser Wert bei der ungewichteten Betrachtung (Mittelwert dieses Verhältnisses aus allen Einzelkonzernen) deutlich niedriger und schwankte zwischen ca. 16 Prozent im Jahr 2011 und ca. 17 Prozent im Jahr 2021 (untere Kurve). Das bedeutet, dass es einzelne Konzerne mit sehr niedrigen Abschreibungsquoten gibt, die aber aufgrund ihrer relativ geringen Summen beim Brutto- Goodwill und bei der Goodwill-Abschreibung den gewichteten Durchschnitt nicht stark beein-flussen, was eine starke Streuung der Einzelwerte bedeutet. In der nachfolgen-den Tabelle werden die Konzerne mit den fünf höchsten und fünf niedrigsten GA-Quoten der Jahre 2021 und 2011 gegenübergestellt, um die Streuung der Einzelwerte zu zeigen: Höchste Quoten im 2021 GA%GG Niedrigste Quoten 2021 GA%GG Kloeckner & Co. SE 90,03% Draegerwerk AG & Co KGaA 1,53% Südzucker AG 63,62% flatexDEGIRO AG 1,24% RTL Group SA 45,07% Jenoptik AG 0,86% Encavis AG 42,00% Nordex SE 0,82% ADVA Optical Networking SE 40,07% Wacker Neuson SE 0,33% Höchste Quoten 2011 GA%GG Niedrigste Quoten 2011 GA%GG Cewe Stiftung & Co KGaA 79,93% Kloeckner & Co. SE 2,86% New Work SE 75,22% Draegerwerk AG & Co KGaA 1,92% ADVA Optical Networking SE 73,12% Koenig & Bauer AG 0,92% Jungheinrich AG 69,55% Sixt SE 0,25% Fielmann AG 67,14% Vossloh AG 0,11% Tabelle 11: Höchste und niedrigste GA-Quoten 2021 und 2011 Auffällig ist, dass die Kloeckner & Co. SE im Jahr 2011 zu den fünf Konzernen mit den niedrigsten GA-Quoten gehörte, während der Konzern im Jahr 2021 die höchste Quote des Jahres aufwies. Das liegt an der vom Konzern vorgenommenen kompletten Wertberichtigung des Goodwills der CGU Nordamerika im Jahr 2015 mit einem Umfang von 267 Mio. €, zu der sich der Stahlkonzern aufgrund des Vordringens billigen chinesischen Stahls auf den nordamerikanischen Markt gezwungen sah.170 170 Vgl. Geschäftsbericht 2015 der Kloeckner & Co. SE, S. 7 u. S. 135–136, abrufbar unter: https://www.kloeckner.com/dam/kco/files/de/publications/2016/annual-report- ing/Kloeckner_Co_Geschaeftsbericht_FY2015.pdf, letzter Abruf: 02.10.2022.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 49 Der Grund für den vergleichsweise niedrigen Mittelwert bei der GA-Quote wird aus einer nach 25 Prozent-Schritten gestaffelten Verteilung dieser Quote in den Konzernabschlüssen des Untersuchungszeitraums erkennbar: Jahr Anzahl Konzerne mit einem GA-Quote von: =0 >0 bis <0,25 0,25 bis <0,5 0,5 bis <0,75 0,75 bis 1,0 2011 18 14 6 3 2 2012 16 16 5 6 0 2013 17 15 5 6 0 2014 13 18 5 6 1 2015 14 17 6 5 1 2016 15 17 5 5 1 2017 15 18 6 3 1 2018 15 17 8 2 1 2019 14 19 7 2 1 2020 12 17 12 1 1 2021 10 18 13 1 1 ∑ 159 186 78 40 10 Tabelle 12: Verteilung der Konzernabschlüsse nach GA-Quote (2011–2021) In 345 der 473 Konzernabschlüssen beträgt die GA-Quote weniger als 25 Prozent. Darin enthalten sind auch die 35 Konzernabschlüsse zwischen 2011 und 2018, in denen kein Goodwill ausgewiesen wurde. In lediglich 50 Konzernabschlüssen war die GA-Quote 50 Prozent oder größer. Im Jahr 2021 war das die bereits erwähnte Kloeckner & Co. SE mit einer GA-Quote von 90 Prozent sowie die Südzucker AG mit einer Quote von 64 Prozent. Da diese beiden Konzerne im Durchschnitt des Untersuchungszeitraums über sehr hohe Buchwerte beim Brutto- Goodwill (Kloeckner: 301 Mio. €, Südzucker: 1.829 Mio. €) und bei der Goodwill- Abschreibung (Kloeckner: 198 Mio. €, Südzucker: 772 Mio. €) verfügen, liegt der gewichtete Mittelwert bei der GA-Quote fast doppelt so hoch wie der ungewichtete Mittelwert. Betrachtet man die saldierten Veränderungen beim Bilanzposten Goodwill-Amor- tization zum jeweiligen Vorjahr und ermittelt auf diese Weise die von allen Konzernen getätigte Summe der Goodwill-Wertberichtigungen eines Geschäftsjahres, stellt diese dann in ein Verhältnis zum Restbuchwert des Netto-Goodwills vor Abschreibung, so ergibt sich eine jährliche Abschreibungsquote auf den Goodwill. Aus dieser Quote lässt sich eine theoretische Restnutzungsdauer (RND)
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 50 ermitteln, die sich bei einer planmäßigen Abschreibung des Restbuchwerts des Goodwills ergäbe.171 Für die Konzerne der Stichprobe ergibt sich für den Zeitraum von 2012 (dem Jahr, für das sich bei einem Datenbestand ab 2011 erstmalig eine Veränderung des Bilanzpostens GA im Vergleich zum Vorjahr feststellen lässt) bis 2021 folgendes Bild: 171 Vgl. Küting, K., Konsolidierungspraxis, 2013, S. 1800–1801.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 51 Jahr GN vor GA Mio. € Veränderung GA Mio. € Abschreibungs- Quote theoretische RND bei planmäßiger AfA in Jahren 2012 8.410 33 0,39% 254 2013 8.579 17 0,20% 506 2014 9.148 299 3,27% 31 2015 9.357 608 6,50% 15 2016 8.787 -67 -0,76% -131 2017 9.018 -72 -0,80% -126 2018 10.041 120 1,19% 84 2019 10.991 732 6,66% 15 2020 10.435 53 0,51% 196 2021 10.968 87 0,79% 126 MW 9.573 181 1,89% 53 Quelle: in Anlehnung an Küting, K., Konsolidierungspraxis, 2013, S. 1801. Tabelle 13: Abschreibungsquoten und Restnutzungsdauern (2011–2021) In der durchschnittlichen Betrachtung über alle Unternehmen der Stichprobe hätten die Goodwill-Bestände bei einer planmäßigen Abschreibung eine Restnutzungsdauer (RND) von 53 Jahren. Der Wert schwankt stark in den einzelnen Jahren. Für den 31.12.2020 errechnet sich eine theoretische RND von 196 Jahren. In den Jahren 2016 und 2017 ist der Wert der zusätzlichen Goodwill-Ab- schreibung sogar negativ, was bedeutet, dass einzelne Konzerne ihre Konzernstruktur geglättet und sich von Beteiligungen, denen ein wertberichtigter Goodwill zugeordnet war, getrennt haben und dieser Effekt größer war als die Zuführungen zur GA der anderen Konzerne des Jahres. An den jährlichen Veränderungsbeträgen wird deutlich, dass die Werte stark durch einzelne Wertberichtigungen beeinflusst sind. So entsteht der Betrag für 2015 (608 Mio. €) zu 98 Prozent aus den Wertberichtigungen der Bilfinger SE (330 Mio. €) und der Kloeckner & Co. SE (265 Mio. €). Der Betrag für 2019 (732 Mio. €) beinhaltet mit 673 Mio. € (92 Prozent) die Goodwill-Abschreibung der Südzucker AG. Bei Eliminierung dieser Einzeleffekte in den beiden Jahren ergäbe sich über den Gesamtzeitraum eine Abschreibungsquote von 0,57 Prozent und damit eine theoretische Restnutzungsdauer von 177 Jahren für den Goodwill. Die von Küting, K., 2013, aufgestellten Kernthesen zur Goodwill-Abschreibungspolitik deutscher Konzerne der Indizes DAX, MDAX, SDAX und TecDAX im Jahr 2012 lassen sich ohne
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 52 Veränderung auf das Abschreibungsverhalten der hier untersuchten 43 SDAX- Konzerne im Zeitraum 2012 bis 2021 übertragen. Küting stellt folgende Thesen auf: „(1) Nur eine geringe Minderheit der Konzerne nimmt überhaupt eine Abschreibung auf den Geschäfts- oder Firmenwert vor. (2) Die auf den Geschäfts- oder Firmenwert vorgenommenen Abschreibungen müssen im Verhältnis zu den bilanzierten Restbuchwerten als außerordentlich gering bezeichnet werden. (3) Einzelne „Großabschreibungen“ dominieren das Gesamtbild der in den letzten Jahren erfassten Abschreibungen.“172 Wie stark die Abschreibung auf den Goodwill durch einzelne große Wertberichtigungen beeinflusst ist, zeigt die folgende Tabelle: Jahr Anzahl Konzerne Summe GW-AfA Saldo GW- AfA mit Zuführung GW-AfA ohne GW- AfA mit Verringerung GW-AfW ohne GW Zuführung Mio € Verringerung Mio € Veränderung Mio € 2012 12 19 6 6 42,7 –9,6 33,1 2013 3 24 10 6 21,7 –4,8 16,9 2014 17 19 3 4 303,4 –4,8 298,5 2015 15 19 5 4 613,6 –5,9 607,7 2016 13 18 8 4 13,2 –80,6 –67,5 2017 2 25 13 3 0,3 –72,1 –71,8 2018 10 26 5 2 153,0 –33,4 119,5 2019 12 28 3 0 732,7 –0,5 732,1 2020 12 21 10 0 109,8 –56,6 53,1 2021 24 18 1 0 91,6 –4,9 86,7 ∑ 120 217 64 29 2.081,8 –273,4 1.808,4 Tabelle 14: Verteilung der Konzerne mit und ohne GW-AfA (2011–2021) Von den 401 Konzernabschlüssen der Jahre 2012 bis 2021, in denen ein Goodwill aktiviert war, wurde nur in 120 Fällen eine Zuführung zur Abschreibung auf den Goodwill erfasst. In 281 Abschlüssen wurde entweder keine Zuführung oder sogar eine Verringerung der Goodwill-Abschreibung gezeigt. Im Jahr 2017 wurde 172 Vgl. Küting, K., Konsolidierungspraxis, 2013, S. 1800.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 53 von lediglich zwei Konzernen eine Goodwill-Abschreibung von 0,3 Mio. € ermittelt, obwohl zu Beginn des Jahres ein Netto-Goodwill von 9.018 Mio. € aktiviert war, der zwar im Verlauf des Jahres durch Entkonsolidierung um 72 Mio. € verringert wurde. Aber selbst gemessen am Wert von 8.946 Mio. € ergäbe sich eine Abschreibungsquote für 2017 von 0,00335 Prozent bzw. eine theoretische Restnutzungsdauer von ca. 29.820 Jahren. Der Grund für diese immensen rechnerischen Restnutzungsdauern ist die Konzeption des Werthaltigkeitstests nach IAS 36.104.173 Auf Werthaltigkeit untersucht wird die CGU, der ein Goodwill zugeordnet ist. Und nur dann, wenn der erzielbare Betrag der CGU kleiner ist als ihr Buchwert, wird gem. IAS 36.104(a) ein Wertminderungsaufwand erfasst, der zunächst dem in der CGU enthaltenen Buchwert des Goodwills angelastet wird. Hierdurch kommt es zu einer Substitution des durch den Beteiligungserwerb entstandenen derivativen Goodwills mit dem der CGU innewohnenden originären Goodwill, obwohl ein Bilanzansatz des originären Goodwills durch IAS 38.48 verboten ist.174 Die langen rechnerischen Restnutzungsdauern zeigen deshalb nicht die Restnutzungsdauer eines aktivierten Goodwills, sondern spiegeln vielmehr das aus der ewigen Rentenphase und damit das aus dem originären Goodwill resultierende Wertpotenzial der gesamten CGU und deren rechnerische, nahezu „ewige“ Lebensdauer wider.175 4.3 Rentabilitätsentwicklung und Wertbeitrag der ausgewählten Konzerne In der Bilanzposition Goodwill bündeln sich die Erwartungen an den zukünftigen Nutzen, die der Konzern insbesondere aus den Synergievorteilen zieht, die durch den Beteiligungserwerb entstanden sind und die erst durch die Integration des Tochterunternehmens in den Mutterkonzern realisiert werden können.176 Diese Erwartungen sollten sich idealerweise in Rendite- und Wertsteigerungen umsetzen.177 173 Vgl. Küting, K., Weber, C.-P., Konzernabschluss, 2018, S. 401. 174 Vgl. Küting, K., Konsolidierungspraxis, 2013, S. 1802; Ballwieser, W, Gewinnermittlung, 2014, S. 145; Haaker, A., Impairment-only-Ansatz, 2015, S. 1918. 175 Vgl. Braun, R., Firmenwert, 2009, S. 143; Ballwieser, W., IVS, 2020, S. 84. 176 Vgl. Coenenberg, A. G. et al., Jahresabschlussanalyse, 2018, S. 711. 177 Vgl. Meckl, R., Röhrle, F., Value, 2016, S. 386.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 54 4.3.1 Die Rentabilitätsentwicklung im Untersuchungszeitraum Die Rentabilitätsberechnungen erfolgen nach den in Kapitel 3.1.1 beschriebenen Prämissen anhand der dort wiedergegebenen Formel für den ROCE. Stellt man die Entwicklung des summierten Goodwills und die Entwicklung des ROCE aller Konzerne der Stichprobe gegenüber, ergibt sich folgendes Bild: Abbildung 7: Goodwill und ROCE (2011–2021) Der gewichtete Durchschnitt-ROCE ermittelt sich aus der Summe aller EBIT dividiert durch die Summe des capital employed aus sämtlichen Konzernen der Stichprobe. Der Mittelwert-ROCE stellt den Mittelwert aus allen ROCE-Werten der einzelnen Konzerne der Stichprobe dar. Diese beiden ROCE-Kurven nahmen im Untersuchungszeitraum zwar tendenziell einen ähnlichen Verlauf, beide Werte waren am Ende jedoch niedriger als zu Beginn (ungewichtet: 2011: 11,17 Prozent, 2021: 8,24 Prozent; gewichtet: 2011: 8,14 Prozent, 2021: 7,32 Prozent). Allerdings war der Mittelwert-ROCE in allen Jahren höher als der gewichtete Durchschnitt-ROCE. Grund dafür waren einzelne renditestarke Unternehmen, die den Mittelwert zwar stark beeinflussten, aber aufgrund ihres geringen Anteils am Gesamtumfang der Stichprobe nur wenig Einfluss auf die gewichtete Kennzahl hatten. Auffällig ist der starke Einbruch des ROCE ab 2019 mit dem Tiefpunkt im Corona-Krisenjahr 2020. Der Goodwill dagegen scheint krisenresistent, er wuchs auch zwischen 2019 und 2020, so wie in fast allen anderen Jahren. Auch für die hier untersuchten Konzerne des SDAX gilt, was Hüfner, B. et al. in Bezug auf Konzerne des DAX30 für das Jahr 2020 feststellten: Der 2% 3% 4% 5% 6% 7% 8% 9% 10% 11% 12% 2.000 3.000 4.000 5.000 6.000 7.000 8.000 9.000 10.000 11.000 12.000 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Summe Goodwill in Mio. €, ROCE % gewichtet, ungewichtet, median Summe GN Mio. € ROCE % gew. Durchschnitt ROCE % Mittelwert ROCE % median
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 55 Goodwill ist „…immun gegen die Auswirkungen einer globalen Wirtschaftskrise“.178 Immerhin stiegen die ROCE-Werte bereits im Jahr 2021 wieder auf das Niveau des Jahres 2018, verblieben aber insgesamt unterhalb der Werte aus dem Jahr 2011. Zum Verständnis der ROCE-Werte ist auch hier ein Blick auf die Quantils-Vertei- lung aufschlussreich: Jahr MW SD min p25 med p75 max 2011 0,1117 0,0911 -0,0385 0,0548 0,0899 0,1401 0,3781 2012 0,0992 0,0784 -0,0907 0,0586 0,0874 0,1330 0,3528 2013 0,0874 0,0888 -0,1534 0,0480 0,0809 0,1244 0,4042 2014 0,0887 0,0832 -0,1408 0,0341 0,0828 0,1081 0,4180 2015 0,0939 0,1076 -0,1489 0,0321 0,0805 0,1295 0,4282 2016 0,1057 0,0982 -0,0665 0,0434 0,0802 0,1255 0,4467 2017 0,0990 0,0866 -0,0408 0,0416 0,0847 0,1382 0,4487 2018 0,0930 0,0896 -0,0289 0,0367 0,0820 0,1084 0,4882 2019 0,0596 0,0590 -0,1028 0,0241 0,0455 0,0873 0,2407 2020 0,0446 0,0579 -0,1037 0,0154 0,0395 0,0720 0,1691 2021 0,0824 0,0610 -0,0511 0,0357 0,0699 0,1176 0,2489 (in allen Jahren n = 43) Tabelle 15: Deskriptive Statistik zur ROCE-Verteilung Während im Jahr 2011 75 Prozent aller Konzerne einen ROCE von mindestens 14 Prozent aufwiesen, lag dieser Wert im Jahr 2021 nur noch bei 12 Prozent. Die Standardabweichung sank von ca. 9 Prozent im Jahr 2011 auf ca. 6 Prozent im Jahr 2021, was eine stärkere Konzentration der Einzelwerte um den Mittelwert zeigt. Die insgesamt zwischen 2019 und 2020 stark gesunkenen Werte des ROCE konnten sich im Jahr 2021 wieder verbessern, was eine Erholung der Ertragslage nach dem ersten Corona-Jahr signalisiert. Über die gesamte Stichprobe betrachtet, haben die Entwicklung der Summe des aktivierten Goodwills und des ROCE scheinbar keinen positiven Zusammenhang. Die ROCE-Werte sanken insbesondere in den Jahren 2017 bis 2020 stark, während der aktivierte Goodwill auch in diesen Jahren weiter stieg, man könnte in diesem Zeitraum eher einen negativen Zusammenhang erkennen. Um den 178 Vgl. Hüfner, B. et. al., Verlässlichkeit, 2022, S. 54.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 56 Zusammenhang zwischen ROCE und Goodwill genauer zu analysieren, werden die drei Konzerne mit den im Mittelwert über den Untersuchungszeitraum höchsten aktivierten Goodwillbeträgen mit den drei Konzernen mit den im Mittelwert höchsten ROCE-Werten verglichen. Die Konzerne mit den im Mittelwert höchsten aktivierten Goodwillbeträgen sind die RTL Group SA (2.898 Mio. €), die Bilfinger SE (1.205 Mio. €) und die Südzucker AG (1.057 Mio. €); die Konzerne mit den im Mittelwert höchsten ROCE-Werten sind die Amadeus Fire AG (34,3 Prozent), die Fielmann AG (24,3 Prozent) und die New Work SE (20,3 Prozent). Betrachtet man zunächst die drei Konzerne mit den höchsten aktivierten Goodwillbeträgen, ergibt sich folgendes Bild: Abbildung 8: GN und ROCE der drei Konzerne mit Höchstwerten beim GN (2011–2021) Bei der RTL Group SA sind die Spitzenwerte beim aktivierten Goodwill von stabil verlaufenden und auch im Stichprobenvergleich hohen ROCE-Werten begleitet (hier nimmt der Konzern im Mittelwert der ROCE-Werte den vierten Rang ein), die um die 20 Prozent-Marke schwanken. Die Bilfinger SE verzeichnete zwischen 2014 und 2015 einen Einbruch des ROCE von ca. 5 Prozent auf ca. -12 Prozent und reagierte mit einer Straffung der Konzernstruktur, indem sie den Kreis ihrer vollkonsolidierten Unternehmen von 326 im Jahr 2015 auf 152 im Jahr 2016 um -15% -10% -5% 0% 5% 10% 15% 20% 25% 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 3500 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Goodwill in Mio. € und ROCE bei RTL, Bilfinger und Südzucker RTL Group SA GN Bilfinger SE GN Suedzucker AG GN RTL Group SA ROCE Bilfinger SE ROCE Suedzucker AG ROCE
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 63 Wacker Neuson SE 7,86% 12,10% -4,24% 236 S&T AG 7,19% 11,69% -4,50% 101 DIC Asset AG 3,64% 8,47% -4,83% 50 flatexDEGIRO AG 4,72% 10,07% -5,35% 48 Kloeckner & Co. SE 2,19% 9,14% -6,95% 103 Koenig & Bauer AG 1,77% 8,95% -7,19% 30 Vossloh AG 3,04% 10,27% -7,23% 280 Grenke AG 2,63% 9,95% -7,32% 62 ADVA Optical Networking SE 4,96% 12,66% -7,70% 45 Nordex SE 1,29% 9,15% -7,85% 304 DEUTZ AG 4,46% 12,49% -8,03% 20 Bilfinger SE 0,23% 10,26% -10,03% 1.205 Tabelle 17: Mittelwerte 2011-2021 aus ROCE, WACC, WGKR und GN Die nach Rangfolge der WGKR sortierte Tabelle zeigt, dass lediglich 16 Konzerne einen positiven WGKR im Mittelwert über den Untersuchungszeitraum ausgewiesen haben und damit in der Lage waren, einen positiven Wertbeitrag zu erwirtschaften. Außerdem zeigt die Tabelle, dass die Konzerne auf den ersten beiden Rängen nur vergleichsweise geringe Mittelwerte beim aktivierten Goodwill auswiesen. Lediglich die auf Rang 3 der WGKR befindliche RTL Group SA rangierte beim Goodwill auf dem Spitzenplatz, was sich auch schon in obenstehender Grafik zum Verhältnis des ROCE zu den aktivierten Goodwillbeträgen zeigte und sich hier, konfrontiert mit den Kapitalkosten, bestätigt: Die RTL Group SA war als einziger Konzern in der Lage, neben sehr hohen Goodwillbeträgen, auch Spitzenwerte bei der Rendite und dem Wertbeitrag zu erzielen. Auch im Verhältnis des Goodwills zum Gesamtvermögen befand sich die RTL Group SA mit einem Mittelwert des Untersuchungszeitraums von 34,63 Prozent auf dem zweiten Platz hinter der Takkt AG, deren Goodwillanteil am Gesamtvermögen im Mittelwert bei 53,53 Prozent lag, die aber ebenfalls in der Lage war, einen positiven Wertbeitrag zu erzielen. Schlusslicht der Tabelle war die Bilfinger SE mit einer WGKR von -10,03 Prozent. Gleichzeitig wies die Bilfinger SE mit 1.205 Mio. € den zweithöchsten aktivierten Goodwill der Stichprobe aus. 4.3.3 Statistische Untersuchungen zur Rentabilität und zum Wertbeitrag Zentrale Bestandteile des bei einem Beteiligungserwerb entstehenden Goodwills sind der Kapitalisierungsmehrwert und die erwarteten Synergien. Der Kapitalisierungsmehrwert umfasst das „going concern“-Element des Akquisitionsobjekts,
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 64 also des ihm innewohnenden originären Goodwills. Mit der Bereitschaft des Erwerbers einen Kaufpreis zu zahlen, der oberhalb des Werts der neubewerteten Vermögenswerte und Schulden des Akquisitionsobjekts liegt, gibt dieser zum Ausdruck, dass er das Akquisitionsobjekt für geeignet hält, seine vorhandenen Wertschöpfungsstrategien zu befördern.191 Der Goodwill ist also ein Konglomerat aus werttreibenden Faktoren.192 Allerdings kann er auch aus einer Überbewertung dieser Komponenten durch den Erwerber oder gar einer fehlerhaften Ermittlung der Anschaffungskosten beruhen.193 Ob sich der derivative Goodwill zu einem Werttreiber entwickelt oder sich als Fehlkalkulation und damit als eine überhöhte Kaufpreiszahlung herausstellt, sollte sich deshalb im Zeitverlauf anhand der Entwicklung von Rentabilität und Wertbeitrag ablesen lassen. Die Korrelation zwischen Goodwill und Rentabilität und/oder Wertbeitrag sollte positiv sein, um von einer erfolgreichen Akquisition sprechen zu können. Die in Tabelle 17 wiedergegebenen arithmetischen Mittelwerte werden deshalb einer Korrelationsanalyse unterzogen. Da bei Finanzkennzahlen auch bei einem Stichprobenumfang von > 30 nicht automatisch von einer Normalverteilung ausgegangen werden kann,194 wird zunächst ein Kolmogorov-Smirnov-Anpassungstest der verwendeten Kennzahlen mit den Mittelwerten (MW) aus ROCE, WACC, WGKR und GN Mio. € durchgeführt, dessen Prüfgröße sich anhand der Formel: D = max x|Fe(x)− F0(x)| (4) Formel 4: Beobachtete maximale absolute Abweichung (Kolmogorov-Smirnov) Quelle: Bleymüller, J. et al., Statistik, 2020, S. 168. Mit: D = Prüfgröße; max x = maximaler Wert; Fe(x) = angenommene theoretische Verteilung der Grundgesamtheit; F0(x) = empirische Verteilungsfunktion der Stichprobe. ermittelt. Ist die ermittelte Prüfgröße größer als der in tabellarischer Form vorliegende kritische Wert,195 muss die Nullhypothese abgelehnt werden. Die Nullhypothese lautet: 191 Vgl. Johnson, L. T., Petrone, K. R., Asset, 1998, S. 296; Wassermann, H., Kapitalmarktorientierung, 2011, S. 323; Küting, K., Weber, C.-P., Konzernabschluss, 2018, S. 390–391. 192 Vgl. Küting, K., Weber, C.-P., Konzernabschluss, 2018, S. 390. 193 Vgl. Beyer, B., Goodwillbilanzierung, 2015, S. 81. 194 Vgl. Barnes, P., Analysis, 1987, S. 452. 195 Vgl. z. B. http://oak.ucc.nau.edu/rh83/Statistics/ks1/ (letzter Abruf: 04.11.2022).
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 65 H0: Die Werte der Kennzahlen MW ROCE, MW WACC, MW WGKR und MW GN Mio. € sind in der Grundgesamtheit normalverteilt. Die Alternativhypothese lautet: HA: Die Werte der Kennzahlen MW ROCE, MW WACC, MW WGKR und MW GN Mio. € sind in der Grundgesamtheit nicht normalverteilt. Getestet wird auf einem Signifikanzniveau von 𝛼𝛼 = 0,05, woraus sich ein kritischer Wert bei n = 43 von 1,3581 √43 = 0,2071 errechnet, der von der Prüfgröße unterschritten werden muss, damit die Nullhypothese nicht abgelehnt werden kann. Die Prüfergebnisse lauten:
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 66 Kennzahl MW SD Prüfgröße Prüfgröße < kritischer Wert? Normalverteilung? MW GN Mio. € 214,9730 486,4726 0,3317 nein nein MW ROCE 0,0877 0,0659 0,1493 ja ja MW WACC 0,0920 0,0194 0,0489 ja ja MW WGKR -0,0042 0,0661 0,1504 ja ja Tabelle 18: Testergebnisse des Kolmogorov-Smirnov-Anpassungstests Zwar sind ROCE, WACC und WGKR normalverteilt. Da diese Kennzahlen in ihrer Korrelation zum GN Mio. € untersucht werden sollen, der nicht der Normalverteilung unterliegt, kann nicht von einer linearen Korrelation ausgegangen werden. Da die Erwartung besteht, dass tendenziell größere Werte beim Goodwill tendenziell größere Werte bei den anderen Kennzahlen bedeuten, kann stattdessen von einem positiven monotonen Zusammenhang ausgegangen werden.196 Deshalb wird der Spearman-Rangkorrelationskoeffizient verwendet, der anstatt auf den tatsächlich ermittelten Einzelwerten auf deren Rängen basiert und anhand der Formel: rs=n∑rg(xi)rg(yi)− ∑rg(xi)∑rg(yi) n i=1 n i=1 n i=1 ��n∑rg(xi)2−�∑rg(xi) n i=1 �2 n i=1 � ��n∑rg(yi)2−�∑rg(yi) n i=1 �2 n i=1 � (5) Formel 5: Rangkorrelationskoeffizient rs nach Spearman Quelle: Sibbertsen, P., Lehne, H., Statistik, 2017, S. 134. Mit: n = Anzahl Beobachtungen; rg(xi) = Rang von 𝑥𝑥𝑖𝑖; rg(𝑦𝑦𝑖𝑖) = Rang von 𝑦𝑦𝑖𝑖. ermittelt wird. Zur Ermittlung des Rangkorrelationskoeffizienten nach Spearman werden die Werte aus Tabelle 17 durch deren Ränge ersetzt: 196 Vgl. Bleymüller, J. et al., Statistik, 2020, S. 32.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 67 Konzern Ränge absteigend ROCE WACC WGKR GN Mio. € Amadeus Fire AG 1 2 1 23 Fielmann AG 2 40 2 18 RTL Group SA 4 35 3 1 New Work SE 3 10 4 33 Hypoport SE 9 41 5 16 Cewe Stiftung & Co KGaA 6 31 6 30 Stratec SE 7 30 7 35 ZEAL Network SE 5 3 8 29 Takkt AG 10 26 9 4 KWS Saat SE & Co. KGaA 14 37 10 25 CropEnergies AG 12 33 11 41 Pfeiffer Vacuum Technology AG 8 9 12 19 Eckert & Ziegler Strahlen und Medizintechnik AG 11 18 13 31 Sixt SE 22 39 14 38 Indus Holding AG 17 32 15 5 Hamburger Hafen und Logistik AG 15 23 16 28 Draegerwerk AG & Co KGaA 18 19 17 8 Norma Group SE 13 8 18 6 Krones AG 23 25 19 22 Hornbach Holding AG & Co KGaA 25 27,5 20 42 Deutsche Euroshop AG 32 42 21 36 Jenoptik AG 19 16 22 11 Hornbach Baumarkt AG 26 27,5 23 43 Encavis AG 36 43 24 40 Elringklinger AG 21 13 25 12 Südzucker AG 34 36 26 3 Patrizia AG 30 34 27 17 SAF Holland SE 16 7 28 21 Jungheinrich AG 27 17 29 37 BayWa AG 38 38 30 13 SNP Schneider Neureither & Partner SE 28 20 31 34 Wacker Neuson SE 20 5 32 10 S&T AG 24 6 33 15 DIC Asset AG 35 29 34 24
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 68 flatexDEGIRO AG 31 14 35 26 Kloeckner & Co. SE 40 22 36 14 Koenig & Bauer AG 41 24 37 32 Vossloh AG 37 11 38 9 Grenke AG 39 15 39 20 ADVA Optical Networking SE 29 1 40 27 Nordex SE 42 21 41 7 DEUTZ AG 33 4 42 39 Bilfinger SE 43 12 43 2 Tabelle 19: Ränge aus Mittelwerten von ROCE, WACC, WGKR und GN Die zu prüfenden Nullhypothesen lauten: H0: GN und WGKR (ROCE; WACC) sind monoton unabhängig. Weshalb die Alternativhypothesen folgende sind: HA: GN und WGKR (ROCE; WACC) sind monoton abhängig. Getestet wird auf einem Signifikanzniveau von 𝛼𝛼 = 0,05, d. h., mit einer Fehlerwahrscheinlichkeit von 5 Prozent wird die Nullhypothese abgelehnt, obwohl sie richtig ist.197 Der kritische Wert für statistische Signifikanz liegt im Falle von n = 43 und 𝛼𝛼 = 0,05 bei 0,301,198 was bedeutet, dass |rs| ≥ 0,301 sein muss, damit die errechnete Korrelation statistisch signifikant ist. Die Ergebnistabelle zeigt den Rangkorrelationskoeffizient der konzernbezogenen Mittelwerte der Jahre 2011 bis 2021 des GN in Korrelation zu den Kennzahlen WGKR und ROCE. Außerdem wird noch die Korrelation des GN zum WACC gezeigt. GN in Korrelation zu: r s P-Wert R 2 WGKR -0,0944 0,5472 0,0089 ROCE -0,0358 0,8198 0,0013 WACC 0,1141 0,4663 0,0130 Tabelle 20: Ergebnistabelle 𝑟𝑟𝑠𝑠 für Mittelwerte pro Konzern 197 Vgl. Bleymüller, J. et al., Statistik, 2020, S. 131. 198 Vgl. z. B. https://www.zoology.ubc.ca/~bio300/StatTables.pdf (letzter Abruf: 05.11.2022).
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 69 Der Goodwill zeigt in Bezug auf die Kennzahlen WGKR und ROCE eine sehr schwache negative Korrelation. Allerdings sind die Werte weit unterhalb des Signifikanzniveaus von |rs| ≥ 0,301, was sich auch an dem hohen P-Wert ablesen lässt, der weit oberhalb von 𝛼𝛼 = 0,05 liegt und damit ebenfalls die fehlende Signifikanz anzeigt. Das gleiche gilt für den quadrierten Wert von rs, der das Bestimmtheitsmaß 𝑅𝑅2 angibt und dessen Werte so gering sind, dass sie keinerlei monotone Anpassung der korrelierten Werte anzeigen.199 Lediglich der WACC steht in einer leicht positiven Korrelation zum Goodwill, woraus man die Annahme ableiten könnte, dass Unternehmen mit höheren Goodwillbeträgen auch einen höheren WACC hätten. Allerdings ist auch bei dieser Kennzahl der Korrelationskoeffizient weit unterhalb des kritischen Werts und der P-Wert weit oberhalb des 𝛼𝛼-Niveaus, weshalb sich auch hier kein statistisch signifikanter Zusammenhang zeigt. Deshalb muss festgestellt werden: Die H0 kann bei keinem der geprüften Werte abgelehnt werden. Der Goodwill war im Hinblick auf die konzernbezogenen arithmetischen Mittelwerte der Jahre 2011 bis 2021 monoton unabhängig von deren Rendite und Wertbeitrag sowie den Kapitalkosten. Betrachtet man dagegen die arithmetischen Mittelwerte der Kennzahlen pro Untersuchungsjahr, also über alle Konzerne hinweg, so ergibt sich ein anderes Bild. Jahr arithmetische Mittelwerte aller Konzerne pro Jahr Ränge absteigend ROCE WACC WGKR GN Mio. € ROCE WACC WGKR GN Mio. € 2011 11,17% 9,66% 1,51% 180 1 4 2 11 2012 9,92% 9,69% 0,22% 195 3 3 5 10 2013 8,74% 10,11% -1,37% 199 8 1 9 9 2014 8,87% 9,75% -0,88% 206 7 2 8 7 2015 9,39% 9,07% 0,31% 203 5 6 4 8 2016 10,57% 8,48% 2,09% 206 2 11 1 6 2017 9,90% 8,92% 0,98% 211 4 8 3 5 2018 9,30% 9,34% -0,04% 231 6 5 6 4 2019 5,96% 8,54% -2,58% 239 10 10 10 3 2020 4,46% 8,63% -4,17% 241 11 9 11 2 2021 8,24% 8,97% -0,74% 253 9 7 7 1 Tabelle 21: Mittelwerte der Kennzahlen aller Konzerne pro Jahr mit Rängen (2011–2021) 199 Vgl. Sibbertsen, P., Lehne, H., Statistik, 2015, S. 153.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 70 Es gelten H0 und HA unverändert. Allerdings gilt bei einem unveränderten Signifikanzniveau von 𝛼𝛼 = 0,05 bei n = 11 Jahren ein kritischer Wert von 0,618, der von |rs| erreicht oder überschritten werden muss, damit die Korrelation statistisch signifikant ist. GN in Korrelation zu: rs P-Wert 𝑹𝑹𝟐𝟐 WGKR -0,4636 0,1509 0,2150 ROCE -0,7* 0,0165 0,4900 WACC -0,6364* 0,0353 0,4050 *Signifikant bei 𝛼𝛼 = 0,05, |rs| ≥ 0,618 Tabelle 22: Ergebnistabelle 𝑟𝑟𝑠𝑠 für Mittelwerte pro Jahr Es bestätigt sich der negative Zusammenhang zwischen Goodwill und ROCE, der bei der konzernübergreifenden Mittelwertbetrachtung mit |rs| = 0,7 auf einem 𝛼𝛼-Niveau von 5 Prozent zur Ablehnung der H0 und Annahme der HA führt: Goodwill und ROCE sind monoton abhängig, allerdings mit negativem Vorzeichen, so dass eine Steigerung des Goodwills zu einer Verringerung des ROCE führt. Dieser negative Zusammenhang kann auch für den WACC festgestellt werden, der mit |rs| = 0,6364 ebenfalls statistisch signifikant zeigt, dass höhere Goodwillbeträge mit einem niedrigeren WACC einhergehen, was in der Untersuchung auf Konzernebene nicht festgestellt werden konnte.200 Die Korrelation zwischen Goodwill und WGKR ist ebenfalls negativ. Allerdings liegt der Wert hier unterhalb des Signifikanzniveaus. Die Ergebnisse der statistischen Untersuchungen des Zusammenhangs von Goodwill und Rendite bzw. Goodwill und Wertschöpfung zeigen, dass dieser entweder nicht nachweisbar ist (wie im Falle der konzernbezogenen Mittelwertuntersuchung) oder dass er negativ ist (wie im Falle der jahresbezogenen Mittelwertuntersuchung). 4.4 Rechtskritische Einordnung der Goodwillbilanzierung aufgrund der Ergebnisse der empirischen Untersuchungen Weniger als die Hälfte der untersuchten Konzerne (16 von 43) waren in der Lage, über den Untersuchungszeitraum einen im Mittelwert positiven Wertbeitrag zu 200 Vgl. Zwirner, C., Mugler, J., Kapitalisierungszinssätze, 2011, S. 163; Zwirner, C., Zimney, G., Kapitalisierungszinssätze, 2021a, S. 18; Zwirner, C., Zimney, G., Kapitalisierungszinssätze, 2021b, S. 256.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 71 erwirtschaften, obwohl sie durch aktivierten Goodwill zeigten, dass sie über angeblich werthaltiges Synergiepotenzial aus früheren Akquisitionen verfügen. Offenbar ist die Verwertung dieses Potenzials in eine Zukunft verschoben, die sich zwar in DCF-basierten, zukunftsorientierten Bewertungsverfahren im Rahmen des IOA abbilden, sich aber im Zahlenwerk der externen Rechnungslegung, auch über einen Zeitraum von elf Jahren, nicht wiederfinden lässt. 4.4.1 Die Fair-Value-Konzeption im Rahmen der Goodwillbilanzierung Bereits bei der Entstehung eines Goodwills gilt, dass der Fair Value, der für den Beteiligungserwerb hingegebenen Vermögenswerte größer sein muss, als die zum Fair Value bewerteten erworbenen Vermögenswerte und Schulden (IFRS 3.32), damit ein Goodwill entsteht, der als Vermögenswert zu aktivieren ist.201 Innerhalb des Rahmens, den die IFRS für die Fair-Value-Bewertung setzt, handelt es sich deshalb bereits um einen „drittklassigen“ Posten.202 Denn innerhalb dieses Rahmens gilt eine Ermittlungshierarchie,203 die zunächst von einem auf einem aktiven Markt für das zu bewertende Gut ablesbaren Preis ausgeht, was im Falle eines Unternehmenserwerbs, bei dem sich Käufer und Verkäufer im Rahmen ihres jeweiligen Entscheidungswertes einigen,204 ausgeschlossen ist. Auf einer zweiten Stufe soll sodann auf Preise für vergleichbare Aktiva oder Schulden abgestellt werden, die an aktiven Märkten gehandelt werden, was wegen der Besonderheit jedes einzelnen Beteiligungserwerbs ebenfalls ausgeschlossen ist. Auch der Einsatz von Multiplikatoren zur schnellen und einfachen Unternehmensbewertung helfen hier nicht weiter – es sei denn, sie ergäben zufällig den Wert, auf den sich Käufer und Verkäufer einigen könnten.205 Auf der dritten Stufe werden dann anerkannte Bewertungsverfahren, wie das DCF-Ver- fahren, herangezogen, um einen Kaufpreis zu ermitteln, stille Reserven in erworbenen Vermögenswerten und Schulden aufzudecken und zur Saldogröße des derivativen Goodwills zu gelangen.206 Der so entstandene immaterielle Vermögenswert besitzt dann Eigenschaften, die seine Folgebewertung ebenfalls von einer „erstklassigen“ Bewertung im Rahmen der Fair-Value-Hierarchie ausschließen, denn er ist weder einzeln veräußerbar noch einzeln verwertbar, was seine 201 Vgl. Moser, U., Bewertung, 2017, S. 510. 202 Vgl. Ballwieser, W. et al., Fair Value, 2004, S. 534. 203 Vgl. Küting, K., Kaiser, T., Kapitalmarkt, 2010, S. 194. 204 Vgl. Brösel, G., Zwirner, C., Goodwill, 2009, S. 192. 205 Vgl. Ballwieser, W., Kaufpreisgestaltung, 2014, S. 102. 206 Vgl. Ballwieser, W. et al., Fair Value, 2004, S. 537; Behringer, S., Geschichte, 2020, S. 104.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 72 Bewertung anhand von Preisen aus aktiven Märkten oder anhand vergleichbarer Aktiva unmöglich macht.207 Damit scheidet die in IAS 36.6 genannte erste Variante des „erzielbaren Betrags“ als dem höheren Wert der beiden Beträge aus einem Nettoveräußerungspreis (Fair Value) und dem Nutzungswert aus und es verbleibt zur Folgebewertung nur der Nutzungswert mit seinen DCF-basierten Berechnungen des Barwerts der künftigen Cashflows.208 Allerdings erzielt ein Goodwill keine Cashflows, weshalb er nur im Zusammenhang mit der CGU, der er zugeordnet wurde, auf Werthaltigkeit überprüft werden kann. Sowohl bei seiner Entstehung als auch bei seiner Folgebewertung stehen dem Goodwill die objektivsten Fair-Value-Ermittlungsvarianten für seine Wertfindung nicht zur Verfügung. Zusammen mit der Möglichkeit der Abgrenzung der CGU und der Zuordnung des Goodwills zu diesen CGU entsteht bereits hier ein erhebliches bilanzpolitisches Potenzial,209 das dem Wortsinn von „fair“ (als Gegenteil von „unfair“) widerspricht. Der Begriff „Fair Value“ suggeriert, hier könne ein Wert wiedergegeben werden, der gegenüber anderen Wertermittlungsvorschriften den Vorteil hätte „fairer“ zu sein.210 Das dies nicht der Fall ist, zeigt die Tatsache, dass das bilanzpolitisch motivierte Legen und Auflösen von stillen Reserven und damit die managementorientierte Beeinflussung des Ergebnisses durch eine Fair-Value- Bewertung nicht verhindert werden kann.211 Die Standardsetzenden scheinen durch die Konzeption der Fair-Value-Bewertung Unzulänglichkeiten bei den Bilanzierungsvorschriften auffangen zu wollen,212 allerdings führt die Ausweitung der Fair-Value-Bewertung nach Ansicht von Küting, K. und Kaiser, T. zu einer „Rechnungslegung nach Art von Konkursverwaltern, die nur noch den Liquidationswert im Auge haben.“213 4.4.2 Der IOA bei der Folgebewertung des Goodwills Die Abschaffung der planmäßigen Abschreibung auf den Goodwill wurde durch den FASB für die US-GAAP für Geschäftsjahre initiiert, die am oder nach dem 15.12.2001 begannen.214 Ausgelöst wurde das durch eine missbräuchliche 207 Vgl. Ballwieser, W., Gewinnermittlung, 2014, S. 145. 208 Vgl. Theile, C., Pawelzik, K. U., Fair Value Measurement, 2012, S. 211. 209 Vgl. Küting, K., Lauer, P., Krise, 2009, S. 551; Hachmeister, D., Impairment-Test, 2014, S. 382. 210 Vgl. Küting, K., Kaiser, T., Kapitalmarkt, 2010, S. 211; Behringer, S., Geschichte, 2020, S. 104. 211 Vgl. Küting, K., Fair Value-Bewertung, 2005, S. 505. 212 Vgl. Lorson, P., Fair Value, 2005, S. 30. 213 Vgl. Küting, K., Kaiser, T., Kapitalmarkt, 2010, S. 206. 214 Vgl. Allen, L. P., Baez, J., Short-Term-Effect, 2020, S. 60.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 79 Untersuchungszeitraum einen positiven Wertbeitrag zu erwirtschaften (Bilfinger: -10,03 Prozent; Südzucker: -2,64 Prozent). Aussagen darüber, warum die Konzerne ihren Goodwill dennoch für werthaltig erachten, beziehen sich, IFRS-kon- form, lediglich auf die positiven Zukunfts-Prämissen, die sie dem IOA zu Grunde gelegen haben. In Anbetracht der Entwicklung der vergangenen Jahre lässt sich extern nicht validieren, ob den hier verwendeten Planungsrechnungen realistische Annahmen oder nur das „Prinzip Hoffnung“ zu Grunde lag, wie es über die elf vergangenen Jahre hinweg wohl gegolten hat.240 Wertberichtigungen auf den Goodwill sind für Außenstehende eine „Black Box“, ihr Zustandekommen oder ihre Vermeidung lassen sich aufgrund der vielen bilanzpolitischen Spielräume nicht nachvollziehen.241 Die Bilfinger SE konnte im Untersuchungszeitraums durchschnittlich einen jährlichen EBIT von ca. 39 Mio. € erzielen, bei der Südzucker AG waren es ca. 317 Mio. €. Das Verhältnis des Goodwills zum Eigenkapital betrug am 31.12.2021 bei der Bilfinger SE ca. 75 Prozent, bei der Südzucker AG ca. 30 Prozent. Diese Werte zeigen, warum die Wertberichtigung des Goodwills tatsächlich unterblieb. Insbesondere die Bilfinger SE wäre über die elf untersuchten Jahre hinweg nicht in der Lage gewesen, den Wertminderungsaufwand auf einen eigentlich nicht werthaltigen Goodwill durch einen positiven EBIT zu verdienen. Zwirner, C. et al. warnen seit 2015 vor der Entwicklung einer Goodwill- Blase bei deutschen kapitalmarktorientieren Unternehmen.242 Die hier durchgeführte Untersuchung der SDAX-Konzerne kann diese Warnung übernehmen. Eine Entscheidungsnützlichkeit der Berichterstattung in Bezug auf den Goodwill ist für die hier untersuchten Konzerne nicht gegeben. Bei den 16 Konzernen, die in der Lage waren, über den Untersuchungszeitraum positive Wertbeiträge zu erwirtschaften, ist das nicht weiter beklagenswert – offenbar stimmen deren positiven Planungsrechnungen in Bezug auf den IOA mit der positiven Entwicklung des Gesamtkonzerns überein. Es verbleibt allerdings die Mehrzahl von 27 Konzernen mit negativen Wertbeiträgen, die ebenfalls im Rahmen des IOA positive Zukunftsszenarien entwerfen können, von denen man gerne erfahren würde, wie sie zu den immer wieder angewandten, IFRS-konformen, positiven Planungsannahmen beim IOA kommen. Die Berichterstattung ist dabei in den allermeisten Fällen ebenfalls IFRS-konform und beinhaltet die erforderlichen Angaben. Daraus ergibt sich, dass die IFRS-Regularien zur Goodwillbilanzierung und zum IOA nicht entscheidungsnützlich sind. Die zu Beginn der Einführung des IOA 240 Vgl. Küting, P., Weber, C.-P., Bilanzanalyse, 2015, S. 576. 241 Vgl. Zwirner, C. et al., Marktkapitalisierung, 2021, S. 534. 242 Vgl. Zwirner, C. et al., Buchwert-Marktwert-Lücke, 2015, S. 611; Zwirner, C. et al., Marktkapitalisierung, 2021, S. 535.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 80 geäußerte Befürchtung, dass die aus dem IOA entstehende höhere Ergebnisvolatilität die Mergers & Acquisitions-Aktivitäten der Konzerne verringern könnte, hat sich nicht bestätigt.243 Im Gegenteil, die Konzerne scheinen die bilanzpolitischen und bewertungstechnischen Spielräume, die der IOA bietet, virtuos bespielen zu können. Aber welchen (Entscheidungs-)Nutzen haben daraus die Investorinnen und Investoren?244 243 Vgl. Siener, F., Gröner, S., Fair Value-Bewertung, 2005, S. 350. 244 Vgl. Schatt, A. et al., Goodwill-Impairments, 2016, S. 308.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 81 5 Zusammenfassung und Ausblick Die betriebswirtschaftliche Untersuchung von 43 im SDAX notierten Konzernen zu deren Goodwillbilanzierung in den Jahren 2011 bis 2021 ergab keine (bei konzernbezogener Betrachtung) bzw. eine teilweise negative (bei geschäftsjahresbezogener Betrachtung) statistisch signifikante Korrelation zwischen der Entwicklung des Vermögenswerts Goodwill und der Entwicklung von Rendite und Unternehmenswert. 5.1 Selbstkritische Betrachtung und weiterer Forschungsbedarf Bei der ausgewählten Stichprobe handelt es sich in dieser Untersuchung ausschließlich um Konzerne im Börsensegment SDAX. Es liegt in der Natur dieser kleineren Unternehmen, dass sie sich eher in einer auch durch Akquisitionen vorangetriebenen Wachstums- und Investitionsphase befinden als die größeren MDAX- und DAX-Unternehmen. Das vielfach festgestellte Zusammentreffen von hohen Goodwillbeträgen und schlechten Renditekennzahlen bzw. Unternehmenswertentwicklungen kann also auch damit zusammenhängen, dass sich, trotz des relativ langen Untersuchungszeitraums von elf Jahren, ein Beteiligungserwerb mit hohem Goodwillanteil erst nach dem Untersuchungszeitraum rentiert. Allerdings ist gerade in Wachstumsphasen eine ausreichende Verzinsung des eingesetzten Kapitals wichtig, um neue Fremd- und Eigenkapitalgeber zu gewinnen.245 Deshalb müssten einzelne Konzerne mit hohen Goodwillbeträgen und schlechten Renditekennzahlen weiter unter Beobachtung bleiben, auch wenn sie das Börsensegment des SDAX verlassen und in den MDAX oder DAX aufgestiegen sind. Zwar wurde die Korrelation zwischen Goodwill- und Renditeentwicklung in der hier durchgeführten Variante für die DAX-Unternehmen noch nicht ermittelt. Es gibt aber ein reiches Schrifttum zur Entwicklung des Goodwills bei den DAX-Unternehmen, das vermuten lässt, das eine solche Untersuchung nicht zu günstigeren Ergebnissen käme – was die tatsächliche Erforschung dieses Zusammenhangs erforderlich macht.246 Weiteren Aufschluss über den Zusammenhang von Goodwill und Werthaltigkeit kann eine branchenbezogene Untersuchung erbringen, die allerdings eine größere Stichprobe aus allen deutschen Börsenindizes beinhalten oder auch 245 Vgl. Guserl, R., Pernsteiner, H., Finanzmanagement, 2015, S. 114–115. 246 Vgl. beispielhaft hierfür: Cappel, W., Hartmann, P., Goodwill-Entwicklung, 2018, S. 241.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 82 international aufgestellt sein müsste,247 damit eine genügend große Unternehmensanzahl pro Branche vorhanden ist, um zu statistisch signifikanten Ergebnissen zu gelangen.248 Die Branchenuntersuchung könnte Aufschluss darüber geben, ob es bestimmte Branchen mit besonders problematischen Verhältnissen zwischen Goodwill und Rendite gibt, um daraus spezielle Anforderungen an die Ausgestaltung des IOA abzuleiten.249 5.2 Fazit Es wurde die Goodwillbilanzierung in den Jahren 2011 bis 2021 von 43 im SDAX notierten Konzernen untersucht. Dies geschah vor dem Hintergrund, dass es zwar ein umfangreiches Schrifttum zu diesem Sachverhalt seit der Einführung des IOA in den IFRS im Jahr 2005 gibt – insbesondere für größere Konzerne –, die kleineren SDAX-Konzerne bisher jedoch nur in einer Studie aus dem Jahr 2013 für den Zeitraum 2007 bis 2011 untersucht worden sind. Deren Ergebnis bestätigt die im sonstigen Schrifttum vorherrschende Kritik am IOA für die SDAX- Konzerne.250 Das bisherige Schrifttum zum Goodwill beschäftigt sich insbesondere mit der Fair-Value-Bewertung bei seiner Entstehung und mit dem IOA im Rahmen der Folgebewertung. Dabei kommt die bisherige Forschung zu einer fast einhelligen Meinung: Sowohl bei der Entstehung eines Goodwills (z. B. Zuschnitt der CGU, Nutzung von Spielräumen bei der DCF-Bewertung, Kaufpreisallokation) als auch im Rahmen des IOA in der Folgebewertung (z. B. Nutzung von Spielräumen bei der DCF-Bewertung) gibt es breiten Raum für ein opportunistisches Verhalten des Managements zur Umsetzung von Bilanzpolitik und zur Beförderung eigener Interessen, die den Informationsinteressen des Unternehmens und dessen Kapitalgebern zuwiderlaufen. Die geltenden Regelungen zur Goodwillbilanzierung werden deshalb größtenteils als nicht entscheidungsnützlich eingestuft, da sie den „true and fair view“ auf die VFE-Lage nicht befördern.251 Den vielfach erhobenen Forderungen nach einer Wiedereinführung der planmäßigen Abschreibung des Goodwills wird seitens des IASB entgegengehalten, dass die Festlegung von Nutzungsdauern ihrerseits nicht entscheidungsnützlich ist, da sie vollkommen willkürlich sei.252 Neben den Forderungen nach dem 247 Vgl. Wulf, I., Udun, Ö., Immaterielle Vermögenswerte, 2018, S. 174. 248 Vgl. Ballwieser, W., IVS, 2020, S. 82. 249 Vgl. Han, H., Tang, Q., Harms, 2020, S. 277. 250 Vgl. Dreesen, H., Goodwill-Accounting, 2013, S. 478. 251 Zu einer anderen Ansicht gelangen zu Beginn der Gültigkeit des IOA innerhalb der IFRS Siener, F., Gröner S., Fair Value-Bewertung, 2005, S. 350. 252 Vgl. Velte, P., Lazar, L., Bestandsaufnahme, 2017, S. 58.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 83 Wiedereinführen der planmäßigen Abschreibung des Goodwills gibt es andere Vorschläge zur Abmilderung der Informationsverzerrung, die in der Tatsache der ständig anwachsenden Goodwillpositionen in den Bilanzen internationaler Konzerne stecken. Hervorzuheben ist hier der Vorschlag von Beyer, B., die eine erlösabhängige Abschreibung des Goodwills auf der Basis einer dynamischen Amortisationsrechnung beobachtbarer Gewinne ins Spiel bringt. Diese habe den Vorteil, dass die Abschreibung in Höhe der bereits realisierten Synergien einer Periode erfolge und der Goodwill dann nur noch die künftigen Synergien zeige.253 Um der schleichenden Aktivierung eines unbestimmten Teils des originären Goodwills durch den IOA zu entgehen, plädiert Haaker, A. dafür, den gesamten Goodwill, also sowohl den derivativen als auch den originären, zu aktivieren, weil nur so anhand von Bilanzen tatsächlich informiert werden könne.254 Die hier durchgeführte Untersuchung bestätigt für die Unternehmen des SDAX sämtliche in früheren Untersuchungen erhobenen Bedenken gegen die geltenden Regelungen zur Goodwillbilanzierung und ihres informationsverzerrenden Potenzials. Ein besonderer Fokus wurde auf die Untersuchung der Korrelation zwischen bilanziertem Goodwill und Rentabilität bzw. Wertorientierung gelegt. Dazu wurde aus den veröffentlichen Geschäftsberichten der Jahre 2011 bis 2021 die Kennzahl ROCE ermittelt und anhand des veröffentlichten gewichteten Kapitalkostensatzes, der im Rahmen des IOA zur Anwendung kam, zur Kennzahl der wertorientierten Gesamtkapitalrentabilität (WGKR) erweitert. Es zeigt sich, dass nur ein kleiner Teil der goodwillbilanzierenden Unternehmen in der Lage ist, über den Zeitraum von elf Jahren einen positiven Wertbeitrag zu erzielen. Der Goodwill zur Rendite oder zum Wertbeitrag steht entweder in keiner statistisch signifikanten oder in einer negativen Korrelation, je nachdem, ob die Betrachtung konzernbezogen oder auf Basis der Mittelwerte aller Konzerne pro Geschäftsjahr erfolgt. Damit bestätigt diese Untersuchung u. a. die Ergebnisse der Studie von Meckl, R. und Röhrle, F., die anhand der Analyse von 55.399 M&A-Transaktio- nen der Jahre 1950 bis 2010 feststellten, dass davon nur 47,6 Prozent erfolgreich waren, indem sie sich wertschaffend ausgewirkt haben.255 Daraus ergibt sich die Frage, worin denn die behauptete und im Rahmen der gültigen Regelungen zum IOA immer wieder festgestellte Werthaltigkeit des bilanzierten Goodwills besteht, wenn Konzerne über einen langen Zeitraum nicht in der Lage sind, positive Renditen oder Wertbeiträge zu erwirtschaften? In 253 Vgl. Beyer, B., Goodwillbilanzierung, 2015, S. 328–329. 254 Vgl. Haaker, A., Potential, 2008, S. 535; Haaker, A., Impairment-only-Ansatz, 2015, S. 1918. 255 Vgl. Meckl, R., Röhrle, F., Value, 2016, S. 391.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 84 seinem Charakter erinnert der angebliche werthaltige IFRS-Goodwill in Unternehmen mit negativen Renditen und Wertbeiträgen an eine im früheren deutschen Handelsrecht bis 2009 (vor BilMoG) nach § 269 S. 1 HGB a. F. mögliche Aktivierung von „Aufwendungen für die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebs“ als sog. „Bilanzierungshilfe“, die dazu genutzt wurde, bilanzielle Überschuldungen zu kaschieren. Sie ist deshalb im Rahmen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) mit Wirkung ab 1. Januar 2010 ersatzlos gestrichen worden.256 Deshalb wurde im Rahmen einer rechtskritischen Analyse ein Vorschlag zur Ergänzung von IAS 36 formuliert, der ein Revisionsverfahren der bei der Goodwillentstehung im Rahmen des Beteiligungserwerbs gemachten DCF-Annahmen vorsieht, wenn nach Ablauf der zum Zeitpunkt des Beteiligungserwerbs veranschlagten Detailplanungsphase keine positive Rendite oder kein positiver Wertbeitrag erzielt werden konnte. Aus dem Ergebnis dieses Revisionsverfahrens wird ggfs. ein Wertberichtigungsaufwand erforderlich, der die ausgewiesenen Goodwillpositionen in den Konzernbilanzen mit deren Ertragskraft korrelieren hilft. Zudem sorgt er dafür, dass der Entstehung von Goodwill-Blasen257 vorgebeugt wird, deren Volatilität zur Beeinträchtigung der Finanzmarktstabilität führen können.258 256 Vgl. Lachnit, L., Müller, S., GoF, 2003, S. 540; Küting, K., Schlüsselgröße, 2005, S. 2763; Matschke, M. J., Brösel, G., Unternehmensbewertung, 2013, S. 503. 257 Vgl. Zwirner, C. et al., Marktkapitalisierung, 2021, S. 535. 258 Vgl. Beyer, B., Goodwillbilanzierung, 2015, S. 283.
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KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 100 Zwirner, Christian, Mugler, Jörg (Kapitalisierungszinssätze, 2011): Kapitalisierungszinssätze in der IFRS-Rechnungslegung – Eine empirische Analyse der Unternehmensbewertungspraxis, in: Corporate Finance biz, 2011, Nr. 3, S. 157–164. Zwirner, Christian, Vodermeier, Michael (Impairmentzinssätze, 2018): Impairmentzinssätze nach IFRS – Empirische Befunde und Hinweise zum 31.12.2017, in: IRZ, 2018, Nr. 2, S. 58–61. Zwirner, Christian, Zimny, Gregor (Kapitalisierungszinssätze, 2021a): Kapitalisierungszinssätze in der Unternehmensbewertung – Eine empirische Analyse inländischer IFRS-Konzernabschlüsse 2019, in: Schwetzler, Bernhard, Aders, Christian (Hrsg.), Jahrbuch der Unternehmensbewertung 2021, 2021, S. 9–24. − (Kapitalisierungszinssätze, 2021b): Kapitalisierungszinssätze in der Unternehmensbewertung – Eine empirische Analyse inländischer IFRS-Konzern- abschlüsse 2020, in: Corporate Finance, 2021, Nr. 7–8, S. 253–259.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 101 Internetquellen Anmerkung: Die Geschäftsberichte der hier untersuchten 43 Konzerne der Jahre 2011 bis 2021 (473 Berichte) finden sich auf den Websites dieser Konzerne im Bereich Investor Relations. Wenn im Text auf eine bestimmte Aussage in einem Geschäftsbericht Bezug genommen wird, ist die URL dieses Geschäftsberichts in der Fußnote zu diesem Zitat mit der entsprechenden Seitenangabe angegeben, so dass er dort gefunden, heruntergeladen und eingesehen werden kann. Grathwohl, Dirk (IFRS, 2022): EU-IFRS 2022 – Konsolidierte Textfassung der EU-Verordnungen zu den ab dem 01.01.2022 in der EU anzuwendende IFRS, abrufbar unter: http://eu-ifrs.de/eu-ifrs-texte/eu-ifrs-2022/ (letzter Abruf: 18.06.2023). IASB (Conceptual Framework, 2018): Conceptual Framework for Financial Reporting, Revised 2018, abrufbar unter: https://www.google.com/url?sa=t&rc t=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwjYpOy2suf6AhXXRPED HVfzCgUQFnoECBUQAQ&url=https%3A%2F%2Fwww.ifrs.org%2Fcon- tent %2Fdam%2Fifrs%2Fpublications%2Fpdf-standards%2Fenglish%2F20 21%2Fissued%2Fpart-a%2Fconceptual-framework-for-financial-reporting. pdf&usg=AOvVaw10B0t0G9Pn5rHrbqVvyfe7 (letzter Abruf: 18.06.2023). IFRS Foundation (Hrsg.) (Discussion Paper, 2020): Business Combinations – Disclosures, Goodwill and Impairment – Discussion Paper DP/2020/1, abrufbar unter: https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web &cd=&ved=2ahUKEwjEvqHLqfP6AhU2XvEDHer5CAkQFnoECBkQAQ&url =https%3A%2F%2Fwww.ifrs.org%2Fcontent%2Fdam%2Fifrs%2Fpublica- tions%2Fdiscussion-papers%2Fenglish%2F2020%2F-updated-dp-busi- ness-combinations-disclosures-goodwill-and-impairment.pdf&usg=AOv- Vaw08Ki0YjtaEe8CY7w4-k7Jr (letzter Abruf: 18.06.2023). IVSC (Hrsg.) (Valuation, 2020): International Valuation Standards – Effective 31 January 2020, London: International Valuation Standards Council, 2019, abrufbar unter: https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source =web&cd=&ved=2ahUKEwiu3ZWSp_P6AhXyRvEDHW8mAd8QFnoECAo QAQ&url=https%3A%2F%2Fwww.rics.org%2Fglobalassets%2Frics-web- site%2Fmedia%2Fupholding-professional-standards%2Fsector-stand- ards %2Fvaluation%2Finternational-valuation-standards-rics2.pdf&usg= AOvVaw1VJHYDoTprV8oMVYnT1GXE (letzter Abruf: 22.10.2022).
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 102 Anhang Anhang 1: Übersicht der ausgewerteten Quellen zum Stand der Forschung Ausgewertete Publikationen zum Unterthema BWL / Corporate Finance Autorinnen / Autoren (Erscheinungs- jahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbe- reich Sample / ausgewertete Zeiträume Forschungsergebnis Allen, Lucy P.; Baez, Jorge (2020) The Short-Term Effect of Goodwill Impairment announcements on Companies’ Stock Prices Unternehmensbewertung / Marktkapitalisierung 38 Goodwill-AfA Ankündigungen von 38 Unternehmen unter USGAAP / 2016-2018 Kursreaktionen auf Goodwill -Impairment- Ankündigungen sind statistisch nicht signifikant nachweisbar. Ballwieser, Wolfgang (2000) Wertorientierte Unternehmensführung: Grundlagen Wertorientierte Unternehmensführung Kritik an Rappaport. Buchrenditen (z. B. RONA) mit Marktrenditen zu vergleichen ist problematisch. Ballwieser, Wolfgang (2014) Bewertung von Unternehmen und Kaufpreisgestaltung Mergers & Acquisitions Kritische Diskussion der Verfahren der Grenzpreisberechnung bei Unternehmenskäufen sowie Vergleich -barkeit der Bewertungsverfahren. Ballwieser, Wolfgang; Hachmeister, Dirk (2016) Unternehmensbewertung Unternehmensbewertung / Marktkapitalisierung Darstellung und Erläuterung der Verfahren zu Unternehmensbewertung. Behringer, Stefan (2020) Eine kurze Geschichte der Unternehmensbewertung Unternehmensbewertung / Marktkapitalisierung Sehr kritische Sicht auf den Goodwill als Vermögenswert, der aufgrund seiner Zukunftsbezogenheit unsicher ist und sich einer objektiven Bilanzanalyse entzieht. Gefahr einer prozyklischen Wirkung: Geht es den Unternehmen schlecht, kommt die Notwendigkeit der Goodwill -Abschreibung erschwerend hinzu. Bens, Daniel A.; Heltzer, Wendy; Segal, Benjamin (2011) The Information Content of Goodwill Impairments and SFAS 142 Unternehmensbewertung / Marktkapitalisierung 116 Beobachtungen vor der Einführung von SFAS 142; 272 Beobachtungen danach = 388 Beobachtungen gesamt / 1996-2006 Goodwill -Impairment verursachen im Durchschnitt eine negative Marktreaktion. Seit der Einführung von SFAS 142 und der Abschaffung der planmäßigen Abschreibung sind die Beträge der Abschreibung gesunken.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 103 Ausgewertete Publikationen zum Unterthema BWL / Corporate Finance Autorinnen / Autoren (Erscheinungs- jahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbe- reich Sample / ausgewertete Zeiträume Forschungsergebnis Coenenberg, Adolf Gerhard; Mattner, Gerhard; Schultze, Wolfgang (2002) Kostenmanagement im Rahmen der wertorientierten Unternehmensführung Wertorientierte Unternehmensführung Wertmanagementkonzepte, wertorientierte Steuerungskonzepte. Coenenberg, Adolf Gerhard; Salfeld, Rainer; Schultze, Wolfgang (2015) Wertorientierte Unternehmensführung Wertorientierte Unternehmensführung Wertorientierte Führung als Basis nachhaltigen Wirtschaftens. Als Instrumente der Performancemessung werden heute typischerweise einperiodenbezogene Kennzahlen genutzt. Detzen, Dominic; Zülch, Henning (2012) Executive compensation and goodwill recognition under IFRS: Evidence from European mergers Mergers & Acquisitions 113 Akquisitionen europäischer Unternehmen aus dem EURO STOXX600 / 2005- 2008 Basierend auf der Principal -Agent-Theorie wurde ermittelt, dass Manager den ökonomischen Wert der von ihnen veranlassten Akquisitionen zu hoch veranschlagen. Je höher der Bonusbestandteil des Managergehalts, desto höher die Wahrscheinlichkeit der Überschätzung des ökonomischen Werts der Akquisition. Eikelmann, Nils (2018) Value based performance measures Wertorientierte Unternehmensführung 2.384 Konzernabschlüsse aus STOXX EUROPE 600 / 2012-2015 Die Mehrzahl der Unternehmen veröffentlicht keine relevanten Informationen zur Beurteilung der Wertorientierung ihrer Unternehmensführung. Ist der value added > 0, dann steigt auch der Shareholder -Value eines Unternehmens. Franz, Klaus -Pe- ter; Kaiser, Klaus; Arbeitskreis Internes Rechnungswesen der Schmalenbach -Gesell- schaft (u. a.) (2010) Vergleich von Praxiskonzepten zur wertorientierten Unternehmenssteue- rung Wertorientierte Unternehmensführung BASF, RWE, Thyssen-Krupp, Volkswagen und Bosch Konzepte wertorientierter Steuerung sind fester Bestandteil des Reportings vieler Unternehmen. Es dominieren einperiodige Kennzahlen wie ROCE, EVA und CVA.Uneinheitlichkeit bei der Einbeziehung von Ertragsteuern.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 104 Ausgewertete Publikationen zum Unterthema BWL / Corporate Finance Autorinnen / Autoren (Erscheinungs- jahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbe- reich Sample / ausgewertete Zeiträume Forschungsergebnis Giloth, Tobias; Rammert, Stefan (2006) Fall 5: Marktkennzahlen Unternehmens - bewertung /Marktkapitalisierung Kurs -Buchwert-Verhält- nis über 100%: Indiz, dass sich im Unternehmen stille Reserven einschließlich eines originären Goodwill s befinden. Das KGV weist erhebliche logische Schwächen auf. Liegt die Kennzahl über 100 %, kann dies ein Hinweis auf eine Überbewertung der Aktie oder auf eine Unterbewertung des buchmäßigen Eigenk apitals bzw. der stillen Reserven sein. Günther, Thomas; Schiemann, Frank (2017) C 7. Cashflow-Vari- anten und deren Ermittlung Wertorientierte Unternehmensführung Herleitung des Economic Value Added (EVA) als EVA = NOPAT - WACC * I (I=Investiertes Kapital) Guserl, Richard; Pernsteiner, Helmut (2015) Finanzmanagement Wertorientierte Unternehmensführung Shareholder -Value/Herleitung von Kennzahlen zur wertorientierten Unternehmensführung. Haaker, Andreas (2008) Potential der Goodwill-Bilanzierung nach IFRS für eine Konvergenz im wertorientierten Rechnungswesen Wertorientierte Unternehmensführung Eine unternehmenswertorientierte Ausgestaltung des Rechnungswesens erfor dert eine umfassende Berücksichtigung des Goodwill s, denn nur dann kann mit Bilanzen tatsächlich informiert und ein konvergentes Rechnungswesen hergestellt werden. Entscheidungsrelevante Informationen können Investoren nur dann gegeben werden, wenn der ges amte Goodwill, originär oder derivativ, aktiviert wird. Heesen, Bernd (2019) Beteiligungsmanagement und Bewertung für Praktiker Wertorientierte Unternehmensführung Umfassende Darstellung der Fachgebiete M&A,
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 111 Ausgewertete Publikationen zum Unterthema BWL / Corporate Finance Autorinnen / Autoren (Erscheinungs- jahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbe- reich Sample / ausgewertete Zeiträume Forschungsergebnis empirische Analyse inländischer IFRS- Konzernabschlüsse 2020 MDAX, SDAX, TecDAX / 2020 Vorjahr entsprechen. Die Analysen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass im Wesentlichen vergleichbare Kapitalisierungszinssätze um die 10,00% im arithmetischen Mittel bzw. Median zur Anwendung gelangten. Zwirner, Christian; Zimny, G regor (2021) Kapitalisierungszinssätze in der Unternehmensbewer- tung - Eine empirische Analyse inländischer IFRS-Kon- zernabschlüsse 2019 Unternehmensbewertung / Marktkapitalisierung 134 Konzernabschlüsse deutscher Unternehmen aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX / 2019 Zinssätze haben sich im Mittel spürbar rückläufig entwickelt.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 112 Ausgewertete Publikationen zum Unterthema BWL / Rechnungslegung Autoren / Autorinnen (Erscheinungs- jahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample / ausgewertete Zeiträume Forschungsergebnis Albersmann, Benjamin Tobias; Friedrich, Christian; Hohenfels, Daniela; Quick, Reiner (2020) Goodwill impairment tests as a device for earnings management: Evidence from Germany Impairment - Test / Fair Value 2.127 Firmenbeobachtungen von an der Börse Frankfurt notierter Unternehmen / 2006 - 2013 Wahrscheinlichkeit von Goodwill - Impairment hängt von bilanzpolitischen Zielen ab. Albersmann, Benjamin Tobias; Quick, Reiner (2020) The Impact of Audit Quality Indicators on the Timeliness of Goodwill Impairments: Evidence from the German Setting Rechtzeitige und ausreichende GW - AfA 2.119 Firmenbeobachtungen von an der Börse Frankfurt notierter Unternehmen / 2006 - 2013 Unternehmen tendieren zu um ein - bis zwei Jahre verspätete Goodwillabschreibung. Werden die Unternehmen von den Big -4 geprüft, ist diese Verspätung nicht ganz so groß. Alshehabi, Ahmad (2015) The Impact of National Culture and Institutions on Goodwill-Impairment Practices across IFRS- adopting Nations Bilanzpolitik / JA -Analyse 2.466 Unternehmen aus 17 Staaten, die IFRS anwenden, insgesamt 14.898 Jahresabschlüsse / 2007-2013 Goodwill -Impairment ist nicht nur ökonomisch oder von Manager -Entscheidun- gen beeinflusst, sondern beruht auch auf länderspezifischen, kulturellen und institutionellen Einflüssen. André, Paul; Filip, Andrei; Paugam, Luc (2016) Examining the Patterns of Goodwill Impairments in Europe and the US Rechtzeitige und ausreichende GW - AfA 18.538 europäische (IFRS) und 16.525 US - amerikanische (US-GAAP) Jahresabschlüsse / 2006-2015 US -amerikanische Unternehmen sind rechtzeitiger und umfangreicher beim Goodwill -Impairment und der Goodwillabschreibung als europäische Unternehmen. Baetge, Jörg; Kirsch, Hans- Jürgen; Thiele, Stefan (2017) Konzernbilanzen Jahresabschluss Beschreibung der Kapitalkonsolidierung Baetge, Jörg; Schmidt, Andreas (2010) Das BilMoG - Erleichterung oder Erschwernis für die Bilanzanalyse? Bilanzpolitik / JA -Analyse Auch unter BilMoG großes Potenzial für Bilanzpolitik. Für Bilanzanalyse sollte deshalb der GoF mit dem EK verrechnet werden. Ballwieser, Wolfgang (2014) Warum es (noch immer) lohnt, über Gewinnermittlung nachzudenken Bilanzpolitik / JA -Analyse Kritik am Goodwill als Asset sowie seinen Komponenten und seinen „tückischen “ Eigenschaften der fehlenden Einzelveräußerbarkeit, der fehlenden Einzelverwertbarkeit (da aus einer Sald ogröße entstanden).
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 113 Ausgewertete Publikationen zum Unterthema BWL / Rechnungslegung Autoren / Autorinnen (Erscheinungs- jahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample / ausgewertete Zeiträume Forschungsergebnis Ballwieser, Wolfgang (2019) Überlegungen zu Theorie und Praxis der Finanzbericht -er- stattung: Herausforderungen, Erkenntnisse und Lücken Bilanzpolitik / JA -Analyse Großes Konfliktpotenzial zwischen Vergleichbarkeit der Finanz - berichterstattung und dem „management approach “, insbesondere bei der Allokation des Goodwills auf die CGU. Fehlende Entscheidungsnützlichkeit und fehlende Vergleichbarkeit. Ballwieser, Wolfgang (2020) International Valuation Standards (IVS) – Bedarf, Reichweite, Würdigung, diskutiert anhand der Bewertung von Unternehmen und Goodwill Impairment - Test / Fair Value Es besteht kein Bedarf an den IVS. Impairment Only Approach ist kostenträchtig und manipulationsanfällig. Uneinigkeit der Big -4: Abschaffen, beibehalten oder reformieren. Ein Wechsel vom IOA zu planmäßiger Abschreibung des Goodwill s hätte hohe wertmäßige Konsequenzen für Bilanz und GuV. Ballwieser, Wolfgang; Küting, Karlheinz; Schildbach, Thomas (2004) Fair value – erstrebenswerter Wertansatz im Rahmen einer Reform der handelsrechtlichen Rechnungslegung? Impairment - Test / Fair Value Fair value ist kein Punktwert, auf dessen Basis der Unternehmenswert einfach zu ermitteln wäre. Dem fair value sind in der Vermittlung entscheidungsnützlicher Informationen enge Grenzen gesetzt. Nur wenn diese Grenzen auch den Bilanzadressaten transparent werden, kö nnen die vermittelten Informationen überhaupt von Nutzen sein. Ballwieser, Wolfgang (2014) Warum es (noch immer) lohnt, über Gewinnermittlung nachzudenken Bilanzpolitik / JA -Analyse Kritik am Goodwill als Asset sowie seinen Komponenten und seinen „tückischen “ Eigenschaften der fehlenden Einzelveräußerbarkeit, der fehlenden Einzelverwertbarkeit (da aus einer Saldogröße entstanden). Ballwieser, Wolfgang (2019) Überlegungen zu Theorie und Praxis der Finanzbericht -er- stattung: Herausforderungen, Erkenntnisse und Lücken Bilanzpolitik / JA -Analyse Großes Konfliktpotenzial zwischen Vergleichbarkeit der Finanzberichterstattung und dem „management approach “, insbesondere bei der Allokation des Goodwills auf die CGU. Fehlende
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 114 Ausgewertete Publikationen zum Unterthema BWL / Rechnungslegung Autoren / Autorinnen (Erscheinungs- jahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample / ausgewertete Zeiträume Forschungsergebnis Entscheidungsnützlichkeit und fehlende Vergleichbarkeit. Ballwieser, Wolfgang (2020) International Valuation Standards (IVS) – Bedarf, Reichweite, Würdigung, diskutiert anhand der Bewertung von Unternehmen und Goodwill Impairment - Test / Fair Value Es besteht kein Bedarf an den IVS. Impairment Only Approach ist kostenträchtig und manipulationsanfällig. Uneinigk eit der Big-4: Abschaffen, beibehalten oder reformieren. Ein Wechsel vom IOA zu planmäßiger Abschreibung des Goodwill s hätte hohe wertmäßige Konsequenzen für Bilanz und GuV. Ballwieser, Wolfgang; Küting, Karlheinz; Schildbach, Thomas (2004) Fair value – erstrebenswerter Wertansatz im Rahmen einer Reform der handelsrechtlichen Rechnungslegung? Impairment - Test / Fair Value Fair value ist kein Punktwert, auf dessen Basis der Unternehmenswert einfach zu ermitteln wäre. Dem fair value sind in der Ver mittlung entscheidungsnützlicher Informationen enge Grenzen gesetzt. Nur wenn diese Grenzen auch den Bilanzadressaten transparent werden, können die vermittelten Informationen überhaupt von Nutzen sein. Behringer, Stefan (2018) Konzerncontrolling Bilanzpolitik / JA -Analyse Die Werthaltigkeit des Goodwill s kann als unsicher angesehen werden. Es handelt sich um einen zweitklassigen Abschlussposten. Für die Bilanzanalyse ist der Goodwill als kritische Größe zu beurteilen. Für das Controlling gilt, dass dieser Posten so gering wie möglich anzusetzen ist. Benkel, Muriel; Hommel, Michael (2006) Fall 1: Common- Size-Analyse und Trend-Analyse Bilanzpolitik / JA -Analyse Beschreibung der Common -Size- und Trend-Ana- lyse als Instrumente der Jahresabschlussanalyse
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 115 Ausgewertete Publikationen zum Unterthema BWL / Rechnungslegung Autoren / Autorinnen (Erscheinungs- jahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample / ausgewertete Zeiträume Forschungsergebnis Bepari, Md Khokan; Mollik, Abu Taher (2015) Effect of audit quality and accounting and finance backgrounds of audit committee members on firms’ compliance with IFRS for goodwill impairment testing Rechtzeitige und ausreichende GW - AfA 911 Beobachtungen australischer Unternehmen Unternehmen, die von einer Big -4-Gesellschaft geprüft werden, weisen höhere GW -AfA aus als solche, die von anderen WP geprüft werden. Das gleiche gilt für den Grand der Kenntn isse über Acc ounting im Aufsi chtsrat: ist dieser höher, weisen die Unternehmen höhere Goodwill -Impairment-Be- träge aus. Dadurch ist die Vergleichbarkeit der Abschlüsse von Big -4-geprüf- ten mit anderen Unternehmen nicht mehr gegeben. Beyer, Sven; Zwirner, Christian (2014) Fair Value -Bewer- tung von Vermögenswerten und Schulden Impairment - Test / Fair Value Komplexe Herausforderungen beim Erwerber und beim erworbenen Unternehmen bei der bilanziellen Abbildung von M&A Transaktionen. Insbesondere bei Vorhandensein immaterieller Werte ist eine permanente, standardisierte Bewertung durchzuführen. Böcking, Hans - Joachim; Gros, Marius; Koch, Sebastian (2015) Goodwill -Bilanzie- rung in der Diskussion Impairment - Test / Fair Value In der Gesamtschau scheinen die wissenschaftlichen Befunde von Wertrelevanz - bzw. Event -Studien, die konzeptionelle Überlegenheit des Impairment -Only- Ansatzes gegenüber der planmäßigen Abschreibung zu belegen. Böcking, Hans - Joachim; Lopatta, Kerstin; Rausch, Benjamin (2005) Fair Value -Bewer- tung versus Anschaffungskostenprinzip – ein Paradigmenwechsel in der Rechnungslegung? Impairment - Test / Fair Value Es findet ein Prioritätenwandel weg von der im deutschen Bilanzrecht vorherrschenden Ermittlung eines vorsichtig bemessenen Gewinns hin zu für den Kapitalmarkt nützlichen Informationen. Der Fair Value Bewertung kommt eine besondere Bedeutung im Hinblick auf die Zukunftsbezogenheit von nützlichen Inform ationen zu.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 116 Ausgewertete Publikationen zum Unterthema BWL / Rechnungslegung Autoren / Autorinnen (Erscheinungs- jahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample / ausgewertete Zeiträume Forschungsergebnis Braun, Robert (2009) Die Neuregelung des Firmenwerts nach International Financial Reporting Standards Impairment - Test / Fair Value Der Einzug von Zeitwerten im Rahmen der Bilanzierung nicht finanzieller Werte geht einher mit einer gestiegenen Zukunftsbezogenheit. Fair Value Bewertung erweitert die Möglichkeiten zur Bilanzpolitik. Brösel, Gerrit (2017) Bilanzanalyse Bilanzpolitik / JA -Analyse Ein auf der Aktivseite zu findender derivativer Goodwill sollte nach HGB und IFRS nicht dem Vermögen der Strukturbilanz zugerechnet werden. Er sollte mit dem EK verrechnet werden. Brösel, Gerrit; Müller, Sven (2007) Goodwillbilanzierung aus Sicht des Beteiligungscontrollings Bilanzpolitik / JA -Analyse Goodwill ist ein Konglomerat schwer identifizier - und konkretisierbarer Sachverhalte. Es findet eine Vermischung von originärem und derivativem Goodwill statt. Die umfangreichen Ermessensspielräume führen zu fehlender Vergleichbarkeit. Vor der Übernahme der Impairmenttests in die Performancemessung ist eindringlich zu warnen. Brösel, Gerrit; Zwirner, Christian (2009) Zum Goodwill nach IFRS aus Sicht des Abschlußprüfers Rechtzeitige und ausreichende GW - AfA Wegen der Unmöglichkeit der Schätzung der Nutzungsdauer des Goodwills sollten dafür getätigte Aufwendungen in der Periode ihrer Entstehung erfolgswirksam erfasst werden. Die Ausübung von Ermessensspielräumen bei der Bewertung des Goodwills stellt Bilanzierende und Wirtschaftsprüfer vor höchste Anf orderungen. Cappel, Wolfhard; Hartmann, Philipp (2018) Die Goodwill-Ent- wicklung 2008-2016 der DAX30-Unter- nehmen Rechtzeitige und ausreichende GW - AfA DAX-Unterneh- men / 2008- 2016 Analyse der bilanzpolitischen Spielräume bei der Goodwill -Bilanzierung. Goodwill stellt eine wesentliche Vermögensposition in den Bilanzen der DAX -Un- ternehmen dar. Wertminderungen werden häufig nur
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 117 Ausgewertete Publikationen zum Unterthema BWL / Rechnungslegung Autoren / Autorinnen (Erscheinungs- jahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample / ausgewertete Zeiträume Forschungsergebnis bei einem Vorstandswechsel oder Aufgabe von Geschäftsfeldern getätigt. Vieles deutet auf eine verzerrte Dar stellung der Vermögenslage hin. Carcello, Joseph V.; Neal, Terry L.; Reid, Lauren C.; Shipman, Jonathan E. (2020) Auditor Independence and Fair Value Accounting: An Examination of Nonaudit Fees and Goodwill Impairments Impairment - Test / Fair Value 2.126 Konzernabschlüsse börsennotierter US-Unterneh- men / 2005- 2015 Negative Relation zwischen dem Betrag, den Unternehmen für nicht -ab- schlussprüfungsrelevante Beratungsleistungen an Abschlussprüfer zahlen und dem Betrag an Goodwill -Impairment. Die Ergebnis se weisen auf einen Mangel an Unabhängigkeit der Prüfungsinstitute gegenüber ihren Auftraggebern hin. Carvalho, Carla; Rodrigues, Ana Maria; Ferreira, Carlos (2016) Goodwill and Mandatory Disclosure Compliance: A Critical Review of the Literature Rechtzeitige und ausreichende GW - AfA Literaturanalyse internationaler Studien der Jahre 2002-2015 Nur geringer Grad der Einhaltung von Vor -schriften zur Veröffentlichung von Angaben zum Goodwill -Im- pairment. Zwar leichte Verbesserung in den letzt en Jahren, aber immer noch halten sich nur besonders sichtbare und gut geprüfte Unternehmen streng an die Vorgaben. Chung, Byung Hun; Hribar, Paul (2021) CEO Overconfidence and the Timeliness of Goodwill Impairments Rechtzeitige und ausreichende GW - AfA 23.295 Quartalsberichte von 1.360 US-Un- ternehmen / 2003-2012 Vorstände neigen dazu, den wirtschaftlichen Erfolg der von ihnen getätigten M&A -Transaktionen zu überschätzen, weshalb sie erforderlichen Goodwill -Im- pairment zu spät und zu ge ring ansetzen. Coenenberg, Adolf Gerhard; Fischer, Thomas M.; Günther, Thomas (2016) Kostenrechnung und Kostenanalyse Bilanzpolitik / JA -Analyse Herleitung von RONA und ROCE Coenenberg, Adolf Gerhard; Haller, Axel; Schultze, Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse Bilanzpolitik / JA -Analyse Für die bilanzanalytische Behandlung des Goodwill s plädieren die Autoren für eine differenzierte Untersuchung des Postens und
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 118 Ausgewertete Publikationen zum Unterthema BWL / Rechnungslegung Autoren / Autorinnen (Erscheinungs- jahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample / ausgewertete Zeiträume Forschungsergebnis Wolfgang; Assel, Maria (2018) Eliminierung solcher Bestandteile, die auf unberechtigten Akquisitionsprämien beruhen. Crasselt, Nils; Pellens, Bernhard; Rowoldt, Maximilian (2014) Integration von in- und externem Rechnungswesen im Rahmen des Goodwill- Impairment-Test nach IAS 36 Impairment - Test / Fair Value 58 beantwortete Fragebogen von deutschen börsennotierten Unternehmen, Stichtag November 2013 Goodwill - Impairmenttest ist eng mit dem internen Planungspr ozess verbunden. Controlling - Abteilung liefert die Daten an die Accounting -Abteilung. Geringe Akzeptanz der Wertermittlungen. Darrough, Masako N.; Guler, Lale; Wang, Ping (2014) Goodwill Impairment Losses and CEO Compensation Impairment - Test / Fair Value 2.681 Jahresabschlüsse US - amerikanischer börsennotierter Unternehmen / 2002-2009 Wenn Goodwill - Impairment erforderlich wird, dann sinken die Vergütungen der Vorstände. Gremien, die über die Vergütung der Vorstände entscheiden, lassen diese einen Prei s für nicht wertsteigernde Akquisitionen zahlen. Dreesen, Heinz (2013) Beurteilung des Goodwill-Accounting nach IFRS unter quantitativen und qualitativen Aspekten Rechtzeitige und ausreichende GW - AfA 37 deutsche Unternehmen mit 185 Jahresabschlüssen aus dem SDAX / 2007-2011 SDAX -Unternehmen tendieren dazu, ihre Goodwill - Positionen nicht rechtzeitig und in ausreichendem Umfang vorzunehmen. Das gilt auch für Krisenjahre. Abschreibungen werden bevorzugt bei einem Managementwechsel vorgenommen. Dusemond, Michael (2014) Goodwill-Impairment- Test in Theorie und Praxis Impairment - Test / Fair Value Die praktische Umsetzung des Impairmenttest s führt zu erheblichen Datenbeschaffungsproblemen. Es bestehen dabei bewertungsrelevante Ermessensspielräume. Zur Bewältigung des Impairmenttest s ist die Harmonisierung des internen Controllings mit dem externen Rechnungswesen erforderlich.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 119 Ausgewertete Publikationen zum Unterthema BWL / Rechnungslegung Autoren / Autorinnen (Erscheinungs- jahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample / ausgewertete Zeiträume Forschungsergebnis Filip, Andrei; Lobo, Gerald J.; Paugam, Luc (2021) Managerial discretion to delay the recognition of goodwill impairment: The role of enforcement Rechtzeitige und ausreichende GW - AfA 3.916 Jahresabschlüsse aus 36 Ländern / 2007-2014 Studie vergleicht den f air value in Bezug auf Goodwill in Ländern mit geringer Kontrolldichte mit solchen in Ländern mit hoher Kontrolldichte bei Sicherheits -, Beteiligungs -, Minderheitsrechten und Rechtstaatlichkeit. Unternehmen in Ländern mit hoher Kontrolldichte verwenden hö here Diskontierungssätze und geringere Cash -Flow-Er- wartungen als solche in Ländern mit geringer Kontrolldichte. Glaum, Martin; Landsman, Wayne R.; Wyrwa, Sven (2018) Goodwill Impairment: The Effects of Public Enforcement and Monitoring by Institutional Investors Rechtzeitige und ausreichende GW - AfA 9.468 Beobachtungen aus 21 Ländern, in denen IFRS angewandt wird / 2005-2011 Häufigkeit von Goodwill - Impairment ist negativ assoziiert mit dem wirtschaftlichen Erfolg. In Ländern mit hoher Kontrolldichte gibt es eine negative Relation zwischen der Häufigkeit von Goodwill -Impairment und der Aktienrendite. Vorstände von Unternehmen in Ländern mit geringer Kontrolldic hte üben einen höheren Ermessensspielraum beim Goodwill -Im- pairment aus als solche in Ländern mit hoher Kontrolldichte. Gros, Marius; Koch, Sebastian (2018) Goodwill impairment test disclosures under IAS 36: Compliance and disclosure quality, disclosure de terminants, and the role of enforcement Impairment - Test / Fair Value 864 Jahresabschlüsse von Unternehmen des EUROSTOXX 600 / 2011-2012 Qualität der Veröffentlichungen im Jahresabschluss zum Goodwill -Im- pairment ist gering, nur 31.59 % aller Berichte beinha lten alle verpflichtenden Anforderungen des IAS 36. Das lässt sich u. a. aus dem Management approach in Bezug auf Wachstumsraten und Diskontierungssätzen erklären. Gros, Marius; Koch, Sebastian (2020) Discretionary goodwill impairment losses in Europe Bilanzpolitik / JA -Analyse 2.485 Jahresabschlüsse von Unternehmen des Autoren teilen die goodwill impairment losses in ökonomisch begründete und willkürliche Anteile auf. Der IOA eröffnet willkürliche
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 120 Ausgewertete Publikationen zum Unterthema BWL / Rechnungslegung Autoren / Autorinnen (Erscheinungs- jahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample / ausgewertete Zeiträume Forschungsergebnis EUROSTOXX 600 / 2007- 2013 Bewertungs-möglichkeiten für Manager und führt zu Manipulationen beim Goodwill impairment. Goodwill impairment -Ver- luste treten eher opportunistisch auf. Manager nutzen ihre Willkür zur Beeinflussung von Analysten -Fo- recasts. Das opportunistische Verhalten ist durch corporate gov ernance Mechanismen beschränkt. Die Untersuchung bietet Einblicke, wie Manager ihre Willkür beim goodwill ausloten. Haaker, Andreas (2015) Zum Mythos der konzeptionellen Überlegenheit des Impairment-Only-Ansatzes Impairment - Test / Fair Value Plädoyer für die Wiedereinführung der plan -mäßigen Abschreibung auf den Goodwill. Der IOA ist eine Quelle für Bilanzierungsfehler. Vorschlag der Einführung eines Wahlrechts zwischen IOA und planmäßiger Abschreibung. Dann könne der IFRS - Bilanzierer durch di e freiwillige Wahl des IOA dem Kapitalmarkt signalisieren, dass er die planmäßige Goodwill -ab- schreibung nicht decken und die die Überinvestitionen in den Unternehmenserwerb nicht verdienen kann. Haaker, Andreas (2018) Anmerkungen zur Herleitung von Diskontierungssätzen nach IAS 36 mittels WACC-Ansatz und CAPM Impairment - Test / Fair Value Kritik am WACC und CAPM -Ansatz bei der Ermittlung von Kapitalisierungszinssätzen für den IOA nach IAS 36. IAS 36 sollte stattdessen explizit von den fiktiven (Eigen -) Kapitalkosten des unverschuldeten Unternehmens ausgehen oder – im Einklang mit dem WACC -An- satz – Finanzierungs- und Steueraspekte nicht ausklammern.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 127 Ausgewertete Publikationen zum Unterthema BWL / Rechnungslegung Autoren / Autorinnen (Erscheinungs- jahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample / ausgewertete Zeiträume Forschungsergebnis Schmitz, Stefanie; Hommel, Michael (2006) Fall 3: Analyse der Ertragslage Bilanzpolitik / JA -Analyse Kritische Analyse diverser Rentabilitäts - und Renditekennzahlen. Es erschiene sinnvoller, Rentabilitätskennziffern am Zeitwert des Eigen -kapitals auszurichten , um Investoren bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen. Bei Verwendung der Buchwerte des Eigenkapitals lassen sich kaum aussagekräftige Renditekennzif - fern ermitteln. Schürmann, Christof (2014) Völlig lösgelöst: Wie DAX -Unternehmen ihre Bilanzen aufpumpen Rechtzeitige und ausreichende GW - AfA Ausführliche journalistische Aufarbeitung des Themas Goodwillbewertung und fehlende Abschreibung am Beispiel der DAX Unternehmen. Allgemeine Erläuterung der Bilanzierungsstandards für Nicht -Spezia- listen. Einstieg in das Thema. Siener, Friedrich; Gröner, Susanne (2005) Bedeutung der Fair Value -Bewertung bei der Goodwill -Bilan- zierung Impairment - Test / Fair Value Trotz Nachteilen bei der fair -value-Bewertung des Goodwill s sehen die Autoren insgesamt eine verbesserte Darstellung der VFE - Lage durch die Abschaffung der planmäßigen Abschreibun g gegeben. Steckel, Rudolf; Baldauf, Julia; Baldauf, Thomas (2017) Firmenwert -bilanzie- rung nach IFRS Bilanzpolitik / JA -Analyse Autoren beschreiben die Firmen wertbilanzierung als Mittel der Bilanzpolitik und beschreiben, wie Manager die Bilanzierungsvorschriften zur Gestaltung von Rentabilitäts - und Kapitalstrukturkennzahlen verwenden können. Wagenhofer, Alfred (2019) Bilanzierung und Bilanzanalyse Jahresabschluss U. a. Herleitung der Rentabilitätskennzahl des ROCE und Ausführungen zum wirtschaftlichen Gehalt des Goodwills. Wysocki, Klaus von; Wohlgemuth, Michael; Konzernrechnungslegung Jahresabschluss Vergleichende Beschreibung der
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 128 Ausgewertete Publikationen zum Unterthema BWL / Rechnungslegung Autoren / Autorinnen (Erscheinungs- jahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample / ausgewertete Zeiträume Forschungsergebnis Brösel, Gerrit (2014) Konzernrechnungslegung nach HGB und IFRS Zwirner, Christian (2010) Full Goodwill nach IFRS 3: Keine verbesserte Vergleichbarkeit von Unternehmens-akquisitionen Bilanzpolitik / JA -Analyse Ein Full -Goodwill-Ansatz sollte nur in Fällen zur Anwendung kommen, bei denen sich der Erwerber sicher ist, dass der aktivierte Goodwill ausreichend werthaltig ist und bleiben wird. Bilanzanalyse und Controlling sind durch den Full - Goodwill - Ansatz erschwert, da fehlende Vergleichbarkeit. Es eröffnen sich enorme bilanzpolitische Möglichkeiten. Zwirner, Christian; Froschhammer, Matthias (2013) Die Bedeutung der Buchwert-Marktwert- Lücke für die Durchführung des Wertminderungstests nach IAS 36 Impairment - Test / Fair Value Das Vorliegen einer Buchwert -Marktwert- Lücke stellt ein Anzeichen für einen potenzie llen Wertminderungsbedarf des GoF dar Zwirner, Christian; Mugler, Jörg (2011) Kapitalisierungszinssätze in der IFRS-Rechnungsle- gung Impairment - Test / Fair Value 133 Konzernabschlüsse deutscher Unternehmen aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX / 2009 Untersuchung der Zinssätze, die für die Wert -hal- tigkeitstest deutscher Unternehmen heran -gezogen wurden. Durch den Impairment -Test dringt die Thematik der Unternehmensbewertung in die vom Einzelbewertungsprinzip geprägte Bilanz ein. In Zukunft ist von rückgängigen Kapitalkosten auszugehen, was den Abschreibungsbedarf auf Goodwil ls dämpft. Zwirner, Christian; Vodermeier, Michael (2018) Impairmentzinssätze nach IFRS Impairment - Test / Fair Value 138 Konzernabschlüsse deutscher Unternehmen aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX / 2016 Zinssätze sind einerseits in den letzten Jahren abgesunken, anderers eits wächst die Spannweite. Bei dem aktuell weiterhin niedrigen Zinsniveau darf nicht übersehen werden, dass die allgemein niedrigen Zinssätze der letzten Jahre ggf. verschlechterte Cashflows verdeckt haben.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 129 Ausgewertete Publikationen zum Forschungsgebiet Rechtskritische Analyse Autoren / Autorinnen (Erscheinungsjahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample Forschungsergebnis Beckert, Jens (2018) Imaginierte Zukunft Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Kritische Diskussion der Zukunftsorientiertheit kapitalistischer Bewertungstheorien und deren Unsicherheit. Beyer, Bettina (2015) Die Bilanzierung des Goodwills nach IFRS Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Der Goodwill ist nach dem Rahmenkonzept (1989) nicht als Vermögenswert zu qualifizieren. Das allgemeine Ansatzkriterium für imm. VW, die Identifizierbarkeit, ist nicht erfüllt. Weil der Goodwill kein VW ist, müsste er eigentlich sofort erfolgswirksam abgeschrieben werden. Nach der Argumentation des IASB sprechen mehr Gründe gegen den IOA als für ihn. Der IOA beeinträchtigt die Vergleichbarkeit zu intern wachsenden Unternehmen. Statt des IOA sollte eine erlösabhängige Abschreibung für den Goodwill eingeführt werden. Für den Ansatz des Goodwills als VW kann nur die Rechenschaftsfunktion gefunden werden. Sofern sich die aktuelle Goodwillbianzierung nicht ändert, wird der IOA in künftigen Krisensituationen vermutlich zu einer verstärkten Volatilität der Gewinne nach IFRS führen. Buschhüter, Michael (2011) IFRS 3 - Business Combinations Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Kommentierende Erläuterung zu IFRS 3 Ding, Yuan; Richard, Jacques; Stolowy, Hervé (2008) Towards an understanding of the phases of goodwill accounting in four Western capitalist countries: From stakeholder model to shareholder model Historische Entwicklung Historischer Vergleich der Entwicklung der Goodwill- Bilanzierung in den vier Ländern Deutschland, Großbritannien, Frankreich und USA von 1880 bis zur Gegenwart. Die Entwicklung der Goodwillbilanzierung spiegelt die
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 130 Ausgewertete Publikationen zum Forschungsgebiet Rechtskritische Analyse Autoren / Autorinnen (Erscheinungsjahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample Forschungsergebnis Entwicklung der Bilanztheorie von einem reinen Stakeholder-Ansatz zum Shareholder-Ansatz wider. Erb, Thoralf; Eyck, Karen; Jonas, Martin; Thomas, Ingo (2020) § 27. Wertminderung und Wertaufholung Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Erläuterung von IAS 36 und IFRS 13 Große-Frericks, Christina (2015) Die Angemessenheit des Entgelts für die Übertragung von Eigentumsrechten als Problem rechtsgeprägter Unternehmensbewertung Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Die Beurteilung der Angemessenheit von Entgelten für die Übertragung von Eigentumsrechten kann in den jeweils betrachteten Rechtsgebieten aus theoretischer Sicht nicht auf den Fundamentalwert verzichten, um dem rechtlichen Bewertungsziel entsprechen zu können. Ein alleiniger Rekurs auf Börsenkurse, welcher zunächst nur die Desinvestitionsmöglichkeit am Kapitalmarkt berücksichtigt, ist nicht unproblematisch. Der Fundamentalwert als Ergebnis einer objektivierten Unternehmensbewertung de lege lata ist nicht ohne Mängel, die seine Akzeptanz in der rechtlichen Praxis schmälern. Grottel, Bernd; Kreher, Markus (2018) Kommentar zu § 315e HGB Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Rechtsvorschrift, die deutsche börsennotierte Konzerne verpflichtet, ihren Konzernabschluss nach IFRS aufzustellen. Nationale Umsetzung der IASVO: EG Nr. 1606/2002 Hachmeister, Dirk (2014) Goodwill -Impair- ment -Test nach IFRS und HGB Vergleichende Analyse HGB / IFRS / US -GAAP Werthaltigkeit von GoF kann nur auf Ebene der CGU ermittelt werden. Der fair value ist grundsätzlich als marktorientierte Größe zur ermitteln. Für die Bewertung von
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 131 Ausgewertete Publikationen zum Forschungsgebiet Rechtskritische Analyse Autoren / Autorinnen (Erscheinungsjahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample Forschungsergebnis Unternehmensteilen wird man auf die DCF-Modelle zurückgreifen. Harr, Uwe; Völkner, Burkhard (2011) IAS 36 - Impairment of Assets Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Kommentierende Erläuterung von IAS 36 Hütten, Christoph; Mojadadr. Mana (2014) Goodwillbilanzierung nach IFRS in der Unternehmenspraxis - das Beispiel SAP Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Am Beispiel SAP werden die Mängel der Vorschriften zur Goodwillbilanzierung und des IOA verdeutlicht: Ignorieren der originär geschaffenen imm. Werte; Vermischung von originärem und derivatiem Goodwill. Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland IDW (2017) IDW-Standard: Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Leitfaden für Wirtschaftsprüfer bei der Unternehmensbewertung Johnson, L. Todd; Petrone, Kimberly R. (1998) Is Goodwill an Asset? Historische Entwicklung Die Studie zeigt die Goodwill-Definition unter USGAAP vor Einführung des SFAS 141 und 142, also vor dem IOA und bietet eine sehr gute, theoretisch fundierte Definition des Begriffs Goodwill und seine Klassifikation eines Asset durch den FASB. Kanitz, Friedrich Graf von (2014) Purchase Price Allocation und Impairment-Test in der Abschlussprüfung Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Kaufpreisverteilungen und Werthaltigkeitstest lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Beides beinhaltet ein hohes Maß an subjektiver Einschätzung der Geschäftsleitung über künftige Chancen und Risiken, die nicht objektiv verifizierbar sind. Kirsch, Hanno (2020) Der Geschäfts- oder Firmenwert in Handels- und Steuerrecht sowie IFRS Vergleichende Analyse HGB / IFRS / US-GAAP Summarischer Überblick über die Regelungen zum GoF nach HR, StR und IFRS
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 132 Ausgewertete Publikationen zum Forschungsgebiet Rechtskritische Analyse Autoren / Autorinnen (Erscheinungsjahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample Forschungsergebnis Kuhner, Christoph (2014) Die Zielsetzungen von IFRS, US - GAAP und HGB und deren Konsequenzen für die Abbildung von Unternehmenskäufen Vergleichende Analyse HGB / IFRS / US -GAAP Goodwill ist abnutzbar, allerdings lässt sich die Lebensdauer nicht bestimmen. Trotzdem stellt der HGB-Zwang zur Vorname von Abschreibungen sicher, dass die zu erwartende Wertminderung irgendwann ihren Niederschlag findet. Die vorhandenen IFRS-Ermessens- spielräume sind dazu geeignet, den Informationsgehalt von bilanzierten Werten zu korrumpieren. Empirische Untersuchungen deuten auf eine gesunkene Verlässlichkeit der Goodwillposition nach der Abschaffung der planmäßigen Abschreibung hin. Alle empirischen Studien belegen ein bilanzpolitisches Abschreibungsverhalten. Kümpel, Thomas; Pollmann, René (2015) Bedeutung des Goodwill als Bilanzposition Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Überblick über die mit der Goodwillbilanzierung und dem IOA verbundenen Probleme. Impairmenttest analysiert Investitionsrisiken im Anlagevermögen. Vermischung negativer und positiver Entwicklungen in unterschiedlichen CGUs. Verwässerung des derivatien, heimliche Aktivierung des originären Goodwill. Zu hoher Goodwillanteil am Eigenkapital - Goodwillblase. Wertminderungen werden bei Wechseln im Management durchgeführt. Konflikt zum true and fair view und bei der Vergleichbar keit der Abschlüsse.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 133 Ausgewertete Publikationen zum Forschungsgebiet Rechtskritische Analyse Autoren / Autorinnen (Erscheinungsjahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample Forschungsergebnis Küting, Karlheinz (2013) Der Geschäfts- oder Firmenwert in der deutschen Konsolidierungspraxis 2012 Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Der Goodwill ist ein Vermögenswert mit viel Subjektivität, durch die Konzeption der Werthaltigkeitstests nach IAS 36 kommen weitere umfangreiche subjektive Momente hinzu, was ein enormes bilanzpolitisches Potenzial ergibt. Würde eine theoretische rechnerische Nutzungsdauer des Goodwill ermittelt, würde diese anhand der bisher tatsächlich durchgeführten Wertminderungen 204 Jahre betragen. Vorgeschlagen wird eine Nutzungsdauer des GoF von 10-20 Jahren. Küting, Karlheinz; Weber, Claus - Peter; Wirth, Johannes (2008) Die Goodwillbilanzierung im finalisierten Business Combinations Project Phase II Vergleichende Analyse HGB / IFRS / US-GAAP Business Combination Project = Zusammenarbeit zwischen FASB und IASB mit dem Ziel, die Konzernrechnungslegung auf ein geschlossenes theoretisches Fundament zu stellen. Halbherzige Umsetzung des langjährigen gemeinschaftlichen Reformprojekts. Die Stadardsetter konnten sich nicht zu einem gemeinsamen Weg durchringen. Aus bilanzanalytischer Sicht is das vorgesehene Wahlr echt bei der Goodwillbilanzierung ein Handikap. Lachnit, Laurenz; Müller, Stefan (2017) Bilanzanalyse Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Zur Beurteilung der Erfolgslage aus anschaffungskostenbasierter Sicht unter Einbezug von Goodwill- Auswirkungen und zur Abschätzung der stillen Lasten oder Reserven in der Position GoF wird eine Normalnutzungsdauer von 10 Jahren für diese Position empfohlen.
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 134 Ausgewertete Publikationen zum Forschungsgebiet Rechtskritische Analyse Autoren / Autorinnen (Erscheinungsjahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample Forschungsergebnis Li, Kevin K.; Sloan, Richard G. (2017) Has goodwill accounting gone bad? Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare 28.339 Unternehmens - beobachtungen unter US -GAAP / 1996 -2011 Inflationärer Anstieg beim bilanzierten Goodwil nach der Implementierung des IOA durch SFAS 142. Verspätete Impairment-Erfas- sungen. Manche Manager haben willkürlich den Goodwill-Impairment verhindert, um kurzfristig das Ergebnis und die Aktienpreise zu beeinflussen. Der Aktienmarkt antizipiert die nicht zeitgerechten und fehlenden Impairments nicht. Die subjektive Natur von Goodwill-Im- pairments macht es für Wirtschaftsprüfer und Regulierer schwierig, dieses Impairment zu forcieren. Lüdenbach, Norbert; Hoffmann, Wolf-Die- ter; Freiberg, Jens (2021) Haufe IFRS -Kom- mentar Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Großer IFRS-Kommentar Schmidt, Ingo (2007) Ansätze für eine umfassende Rechnungslegung zur Zahlungsbemessung und Informationsvermittlung Vergleichende Analyse HGB / IFRS / US -GAAP Vergleichende Analyse der bestehenden Rechnungslegungsnormen nach deutschem (vor BilMoG), britischem, und IFRS-Recht in Bezug auf den Goodwill und Veränderungsvorschläge. Vorschläge für eine Zweiteilung der Rechnungslegung in Deutschland in eine Zahlungsbemessungs- und eine Bewertungsfunktion. Schubert, Wolfgang J.; Andrejewski, Kai C. (2018) Zugangs - und Folgebewertung; Kommentar zu § 253 Abs. 1 -5 HGB Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Enthalten sind hier u. a. Erläuterungen zur Behandlung eines Goodwill und des Impairments nach deutschen Recht. Senger, Thomas; Brune, Jens (2020) § 34. Unternehmens -zusammen- schlüsse Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Anmerkungen zur Entstehung und bilanziellen Behandlung des derivativen Goodwill. Trotz seines Charakters als Residualwert ein imm. VW. Qualitative Beschreibung der Gründe die
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 135 Ausgewertete Publikationen zum Forschungsgebiet Rechtskritische Analyse Autoren / Autorinnen (Erscheinungsjahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample Forschungsergebnis zu einem Goodwill führen im Anhang. Senger, Thomas; Diersch, Ulrich (2020) § 35. Vollkonsolidierung Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Anmerkungen zu Erst- und Folgekonsolidierung nach IFRS. Beschreibung der Anhang-Pflichtangaben. Tettenborn, Martin; Höltken, Matthias (2018) Zur Beschaffenheit des Goodwill Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Die dominierende Komponente des Goodwills ist die Going-concern-Kompo- nente. Der Goodwill signalisiert die Vorteilhaftigkeit eines Unternehmenserwerbs. Der Nutzungszeitraum des GW ist zwar per Definitionem unbestimmt, allerdings weisen die verschiedenen Bestandteile des GW unterschiedliche Nutzungsdauern auf. Theile, Carsten; Pawelzik, Kai Udo (2012) Auswirkungen von IFRS 13 auf den Impairment-Test nach IAS 36 Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Nach der Neuregelung des IFRS 13 im Jahr 2011 ergeben sich Änderungen bei der Anwendung von IAS 36. Die Anwendung von Cashflowbasierten Bewertungsverfahren wird erleichtert. Dabei wäre eine bessere Abstimmung zwischen den Standards durch den Standardsetter wünschenswert gewesen. Vater, Hendrik (2017) E. 6. Rechnungslegung und Unternehmensbewertung - Bilanzierung von Unternehmenszusammenschlüssen nach US-GAAP Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Kritische Darstellung der Bilanzierung von Unternehmenszusammenschlüssen nach US-GAAP. Trotz Annäherung der IFRS an die US-GAAP bestehen weiterhin Unterschiede. Velte, Patrick; Lazar, Laurent (2017) Bestandsaufnahme und Würdigung der empirischen Rechnungslegungsfor- schung zum Goodwill Impairment Only Approach nach IFRS Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare 65 Studien / 2004 -2016 Strukturierte Literaturanalyse der empirischen Forschung zum IOA beim Goodwill. Schwerwiegendster Kritikpunkt ist die mögliche Nachaktivierung originärer Firmenwertbestandteile im Zeitablauf, die
KCAT Schriftenreihe, Bd. 3, Thomas Goodwillbilanzierung im SDAX 136 Ausgewertete Publikationen zum Forschungsgebiet Rechtskritische Analyse Autoren / Autorinnen (Erscheinungsjahr) Titel / Forschungsfrage Zuordnung der Quelle zum Unterthemenbereich Sample Forschungsergebnis bilanztechnisch verboten, aber bewertungstechnisch unvermeidbar ist. Außerdem große Mängel bei der Beacht ung der Vorschriften zu den Anhangangaben. Senger, Thomas; Diersch, Ulrich (2020) § 35. Vollkonsolidierung Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Anmerkungen zu Erst- und Folgekonsolidierung nach IFRS. Beschreibung der Anhang-Pflichtangaben. Tettenborn, Martin; Höltken, Matthias (2018) Zur Beschaffenheit des Goodwill Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Die dominierende Komponente des Goodwills ist die Going-concern-Kompo- nente. Der Goodwill signalisiert die Vorteilhaftigkeit eines Unternehmenserwerbs. Der Nutzungszeitraum des GW ist zwar per Definitionem unbestimmt, allerdings weisen die verschiedenen Bes tandteile des GW unterschiedliche Nutzungsdauern auf. Theile, Carsten; Pawelzik, Kai Udo (2012) Auswirkungen von IFRS 13 auf den Impairment -Test nach IAS 36 Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Nach der Neuregelung des IFRS 13 im Jahr 2011 ergeben sich Änderungen bei der Anwendung von IAS 36. Die Anwendung von Cashflowbasierten Bewertungsverfahren wird erleichtert. Dabei wäre eine bessere Abstimmung zwischen den Standards durch den Standardsetter wünschenswert gewesen. Vater, Hendrik (2017) E. 6. Rechnungslegung und Unternehmensbewertung - Bilanzierung von Unternehmenszusammenschlüssen nach US -GAAP Kritische Analyse der Standards / Erläuterung / Gesetzeskommentare Kritische Darstellung der Bilanzierung von Unternehmenszusammenschlüssen nach US-GAAP. Trotz Annäherung der IFRS an die US-GAAP bestehen weiterhin Unterschiede.