Ineffektivität der Wirtschaftspolitik bei "rationalen Erwartungen"?
Abstract
EconStor is a publication server for scholarly economic literature, provided as a non-commercial public service by the ZBW.
Full text
Ramb, Bernd-Thomas Article Ineffektivität der Wirtschaftspolitik bei "rationalen Erwartungen"? Kredit und Kapital Provided in Cooperation with: Duncker & Humblot, Berlin Suggested Citation: Ramb, Bernd-Thomas (1985) : Ineffektivität der Wirtschaftspolitik bei "rationalen Erwartungen"?, Kredit und Kapital, ISSN 0023-4591, Duncker & Humblot, Berlin, Vol. 18, Iss. 1, pp. 110-113, https://doi.org/10.3790/ccm.18.1.110 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/293015 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Ineffektivität der Wirtschaftspolitik bei „rationalen Erwartungen"? Erwiderung zu einem Kommentar Von Bernd-Thomas Ramb, Siegen Es fällt schwer, auf den Kommentar von Eckhard Wurzel1 einzugehen, ohne sich auf hervorhebende Wiederholungen dessen zu beschränken, was bereits in meinem Beitrag2 - wie ich dachte hinreichend klar - formuliert ist. Gleichwohl ist die Gelegenheit zu begrüßen, bestimmte Aspekte nochmals und etwas pointierter herauszustellen. Was die Erwiderung allerdings unbedingt erfordert, ist die Korrektur zahlreicher elementarmathematischer Fehler in der Wurzeischen Argumentation. Positiv hervorzuheben ist dagegen ein Nebeneffekt: Aus dem Kommentar wird deutlich, daß ich zumindest ein Ziel meines Beitrags erreicht habe, das Augenmerk in der Diskussion der Rationalen Erwartungs-Modelle auf die Diskussion der modelltheoretischen Fundamente zu richten. Der Kommentator kritisiert drei Bereiche: 1. Angebliche „formale Fehler", die überwiegend in seinen Fußnoten expliziert werden. 2. Meine Behauptung, daß die Logik des Lucas-Modells es zulasse, daß im Extremfall die Geldmenge abgeschafft werden könne, ohne daß die reale Güterproduktion beeinträchtigt würde. 3. Meine alternative Formulierung einer Angebotsfunktion, bei der unter Bestehen rationaler Erwartungen eine inflationsneutrale und produktionssteigende Geldpolitik möglich ist. In meiner Erwiderung werde ich auf sämtliche seiner Kritikpunkte in der Reihenfolge ihrer Äußerung eingehen und sie widerlegen bzw. ihre Fehler herausstellen. Dabei benutze ich die Gleichungsnumerierung und Variablenbezeichnung meines Beitrages. 1 E. Wurzel, Monetäre Alchemie. Ineffektivität der Wirtschaftspolitik bei „rationalen Erwartungen"? - Ein Kommentar, Kredit und Kapital, 17 (1984), 556 - 8. 2 B.-Th. Ramb, Ineffektivität der Wirtschaftspolitik bei „rationalen Erwartungen"? - Eine unkorrekte, aber auch modellspezifische Behauptung, Kredit und Kapital, 17 (1984), 165 - 79. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.18.1.110 | Generated on 2023-01-16 12:51:19
Ineffektivität der Wirtschaftspolitik bei „rationalen Erwartungen"? 111 1. Der Kommentator sagt in Fußnote 1, ich würde behaupten, daß das Gleichgewichtspreisniveau „bei Zugrundelegung rationaler Erwartungen und vorausschaubarer Geldpolitik" eine deterministische Größe sei. Das ist falsch. Auf S. 170 meines Beitrags sage ich, daß unter den genannten Annahmen der zufällige Term des Preisniveaus [(8) bzw. (12)] einen Erwartungswert von Null hat. 2. Der Kommentator sagt im Abschnitt 1, daß die „Abschaffung der Geldmenge" ... a priori unzulässig sei ... für jedes Makromodell, das eine Geldwirtschaft modelliert. Der Ausdruck „a priori unzulässig" kann wissenschaftlich nur verwundern. Jedes monetäre Makromodell muß auch in der Hinsicht überprüfbar sein, was passiert, wenn die Geldmenge auf Null reduziert wird. Üblicherweise passieren dann die frappierendsten Dinge. Im LucasModell passiert jedoch unter den gesetzten Annahmen überhaupt nichts. Die Logik seines Modells läßt es zweifelsfrei zu, daß die Geldmenge mit deflatorischen Effekten reduziert wird, ohne daß eine Beeinträchtigung der realen Güterproduktion erfolgt - auch bei Reduktion der Geldmenge auf Null. 3. Der Kommentator sagt in Fußnote 2, daß eine Abschaffung des Geldes schon deshalb unsinnig sei, da dann weder die Angebots-, noch die Nachfragekurve des Referenzmodells definiert sind. Diese Aussage widerspricht elementarmathematischen Kenntnissen über Exponentialfunktion. Mit den Annahmen, die meiner Argumentation zugrunde liegen, gilt: Pt = Mt -Vund Pf = Pt so daß die Exponential-Quotienten exp (Mt) = exp (Mt) = y exp (Pt) exp (Mt -y/ß) exp ^ exp (PO exp (Pt) = = exp (0) = 1 exp (Pf) exp (Pt) keine „unbestimmten Formen" sind. Bezogen auf die Angebotsbzw. Nachfragekurve folgen mit yd t = ß(Mt - Pt) = ß(Mt - Mt + |) = y ys t = y + a(Pt - Pf) = y + a(Pt - Pt) = y OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.18.1.110 | Generated on 2023-01-16 12:51:19
112 Bernd-Thomas Ramb durchaus „definierbare" Kurven des Referenzmodells - auch bei einer Geldmenge von Null. 4. Der Kommentator behauptet am Anfang des 2. Abschnitts, ich schlage meine Angebotsfunktion (2) vor, um die angebliche Absurdität des Referenzmodells (Lucas-Modell) zu beseitigen. Das ist falsch. Es war und ist nicht meine Intention, die Absurdität des Lucas-Modells zu beseitigen, sondern sie hervorzuheben. Nachdem ich die total einschränkende Konsequenz des Lucas-Modells in Gleichung (22) gezeigt hatte, war es meine Absicht, durch die Entwicklug eines „durchaus vorstellbaren" Alternativ-Modells nochmals aus anderer Richtung zu verdeutlichen, daß nicht die rationalen Erwartungen allein, sondern das Lucas-Modell und die rationalen Erwartungen die Ineffektivität der Wirtschaftspolitik implizieren. Ob das von mir alternativ entwickelte Modell zutreffend oder unzutreffend ist, bleibt der Empirie überlassen und ist von sekundärer Bedeutung für die theoretische Kritik der Logik des Lucas-Modells. Ich gehe nicht soweit zu sagen, daß mein Modell das einzig wahre und richtige ist. Ich stelle lediglich damit die wahren Ursachen der Ineffektivitätshypothese heraus. 5. Der Kommentator behauptet in Fußnote 4, meine Aussage „die Geldpolitik wirkt [in Gleichung (23), B.T.R.] weiterhin proportional auf das Preisniveau ein", sei falsch, das Preisniveau variiere nun unterproportional, bzw. sogar invers mit der Geldmenge. Hier wird offensichtlich terminologischen Konventionen widersprochen. Eine Beziehung zwischen zwei variablen Größen x und y heißt proportional, wenn gilt x = c • y mit konstantem c. Dies ist sowohl in (8) wie in (23) der Fall, sieht man jeweils von der Additionskomponente y/ß ab. Ob dieser Proportionalfaktor | c | = 1 (strengproportional), | c | > 1 (überproportional) oder 1 > | c | > 0 (unterproportional), positiv (positivproportional) oder negativ (negativproportional) ist, ist eine nachstehende Frage. Eine inverse oder umgekehrte Proportionalbeziehung ist dagegen der Art x = also in keinster Weise hier zutreffend. Was den speziellen Proportionalfaktor (ß — y)/ß anbelangt, so ist er positiv unterproportional oder negativ. 6. Der Kommentator behauptet im zweiten Absatz des 2. Abschnitts: „Würde y nur genügend groß gewählt - es unterliegt bei Ramb keinen Restriktionen -, so würde man mit einer geringen Erhöhung der Geldmenge jede beliebige Vervielfachung des realen Output erreichen." Dies ist falsch. Der Kommentator zitiert kurz zuvor noch richtig, daß der Term y • M einen Teil der Geldmenge darstellt. Logischerweise muß daher OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.18.1.110 | Generated on 2023-01-16 12:51:19
Ineffektivität der Wirtschaftspolitik bei „rationalen Erwartungen"? 113 0 < y < 1 gelten. Für eine nichtinflationäre Politik gilt sogar die Einschränkung ß< y < 1. Es besteht somit ein Zusammenhang zwischen dem Politikfaktor y und der Geldmengenerhöhung A M. Wird bei einer Ausgangssituation M0 die Einschleusung zusätzlichen Geldes A M beschlossen, besteht als Zusammenhang: AM 7 ~ M0 + AM 7. Der Kommentator behauptet im nächsten Abschnitt, daß meine alternative Angebotsfunktion nicht haltbar sei, da nicht der Bestand, sondern der Zuwachs an Geld für den Strom des realen Outputs verantwortlich sei und ich offenbar Bestandsund Stromgrößen verwechseln würde. Diese Unterstellung trifft ins Leere und ist durch nichts begründet. Im Gegenteil hätte er logisch schließen müssen, daß der Term y • M eine Zuwachsgröße darstellt: y • M = AM (vgl. auch Punkt 6). 8. Bezüglich der restlichen Einwände des Kommentators genügt ein Verweis auf die Ausführungen in meinem Beitrag (S. 172), deren nochmalige Durchlesung und Verarbeitung ich ihm empfehlen möchte, um eine Wiederholung an dieser Stelle zu vermeiden. Grundsätzlich ist zu betonen, daß der ausschlaggebende Punkt in der Modellbildung die Rolle der nominellen Geldmenge ist. Ausgedrückt in den Termen der Fischer-Verkehrsgleichung ist entscheidend, ob bei konstanter Umlaufgeschwindigkeit Geldmengenveränderungen allein in Preisniveauveränderungen sich niederschlagen können - wie das im Lucas-Modell zwangsläufig der Fall ist - oder ob auch Veränderungen der realen Produktion zumindest vom Modell her möglich sind. Was bleibt nun von Wurzeis Kritik übrig? 1. die „formalen Fehler" sind nicht in meinem Beitrag, sondern in seiner Kritik enthalten. 2. Die Logik des Lucas-Modells läßt es unwiderlegbar zu, daß unter den gesetzten Annahmen die Geldmenge ohne negative reale Effekte reduziert werden kann, daß im Extremfall sogar die Geldmenge abgeschafft werden kann. 3. Mein Alternativmodell verdeutlicht den entscheidenden Punkt der rationalen Erwartungs-Hypothesen auf der Grundlage der Lucas-Angebotsfunktion: die Nullhomogenität von Geldmenge und Preisniveau als Modellannahme. Das Lucas-Modell ist ein Diktum, das sich nicht zum Diktat ausweiten sollte, außerhalb dessen alles konkurrierende ökonomische Denken „a priori unzulässig" ist. 8 Kredit und Kapital 1/1985 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/ccm.18.1.110 | Generated on 2023-01-16 12:51:19