Die Gemeindebetriebe der Stadt Halle a.S. Gemeindebetriebe – Neuere Versuche und Erfahrungen über die Ausdehnung der kommunalen Tätigkeit in Deutschland und im Ausland. Zweiter Band, achter Teil
Abstract
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Full text
Fuchs, Carl Johannes (Ed.) Book Die Gemeindebetriebe der Stadt Halle a.S. Gemeindebetriebe – Neuere Versuche und Erfahrungen über die Ausdehnung der kommunalen Tätigkeit in Deutschland und im Ausland. Zweiter Band, achter Teil Schriften des Vereins für Socialpolitik, No. 129/VIII Provided in Cooperation with: Verein für Socialpolitik / German Economic Association Suggested Citation: Fuchs, Carl Johannes (Ed.) (1910) : Die Gemeindebetriebe der Stadt Halle a.S. Gemeindebetriebe – Neuere Versuche und Erfahrungen über die Ausdehnung der kommunalen Tätigkeit in Deutschland und im Ausland. Zweiter Band, achter Teil, Schriften des Vereins für Socialpolitik, No. 129/VIII, ISBN 978-3-428-57392-9, Duncker & Humblot, Berlin, https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/285984 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode.de
Gemeindebetriebe Zweiter Band Achter Teil Die Gemeindebetriebe der Stadt Halle a.S. Im Auftrag des Vereins für Socialpolitik herausgegeben von Carl Johannes Fuchs Duncker & Humblot reprints Fuchs (Hrsg.) · Gemeindebetriebe II/8 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
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Schriften des Vereins für Sorialpolitik 129. Wand. Achter Geit. Gemeindebetriebe. Aeuere Mersuche und Erfahrungen über die Ausdehnung der kommunalen Tätigkeit in Deutschland «nd im Ausland. Zweiter Band. Achter Teil. Leipzig, Verlag von Duncker 8- Lumblot. 1910. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
Die Gemeindebetriebe der Stadt Halle a. S. Mit Beiträgen von vl. püil. Georg Goldstein Berlin Geweidereferendar Hugo Wasmuht und Gertchtsreserendar Paul Ochse Lalle a. S. Nordhausen. Der Gemeindebetriebe zweiter Band. Achter Teil. Mit zwei Tafeln. Im Auftrag des Vereins für Socialpolitik herausgegeben von Carl Iohannes Fuchs. Leipzig, Verlag von Duncker 8- Humblot. 1910. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
Alle Rechte vorbehalten. Altenburg Pierersche Hofbuchdruckerei Stephan Geibel L Co. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
Vorwort. Die Untersuchung der Betriebe der Stadt Halle a. S. wurde auf Ver anlassung des Herrn Professor Di. Heinrich Waentig von Gewerberefe rendar Hugo Wasmuht, Gerichtsreferendar Paul Ochse und von vr. M1. Georg Goldstein durchgeführt. Es stammen die Abschnitte: I. Geschicht licher Überblick, II. Die Sparkasse, III. Das städtische Leihamt, IV. Der Schlacht- und Viehhof, VIII. Das Stadttheater, XI. Das Eich- und Wage amt, XII. Die Straßenbahnen, XIII. Das Ankündigungswesen von Dr. Goldstein; V. Die Gasanstalt, VI. Das Wasserwerk von Gewerbe referendar Wasmuht; VII. Das Elektrizitätswerk, IX. Das Grund eigentum, X. Das Straßenreinigungswesen von Gerichtsreferendar Ochse. Für die bereitwillige Unterstützung, welche die Verfasser bei den städtischen Behörden, besonders auch bei dem derzeitigen Direktor des städtischen statistischen Amtes, Herrn Professor vr. H e s s e . gefunden haben, sprechen sie ihren verbindlichsten Dank aus. Die Verfasser. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
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Inhalt. 1. Geschichtlicher Überblick. Bon Dr. xbil. Georg Goldstein . . . . 1 II. Die Sparkasse. Von demselben. Mit zwei Tafeln ........................................ 5 III. Das städtische Leihamt. Von demselben ............................................................ 30 IV. Der Schlacht- und Viehhof. Von demselben ....................................................... 41 V. Die Gasanstalt. Von Gewerbereferendar HugoWasmuht . . . . 50 1. Geschichte .... - ............................................................................ 50 2. Wirtschaftliche Ergebnisse ....................................................................... 51 3. Schuldentilgung ....................................................................................... 53 VI. Das Wasserwerk. Von demselben ........................................................................ 57 1. Geschichte .................................................................................................. 57 2. Wirtschaftliche Ergebnisse ....................................................................... 59 VII. Das Eleltrizitätswerk. Von Gerichtsreferendar Paul Ochse . . . . 66 VIII. Das Stadttheater. Von Dr. pbil. Georg Goldstein ................................. 74 IX. Das Grundeigentum. Von Gerichtsreferendar PaulOchse . . . . 77 X. Das Straßenreinigungswesen. Von demselben ................................................. 79 XI. Das Eich- und Wageamt. Von Dr. pbil. Georg Goldstein . . . 82 XII. Die Straßenbahnen. Von demselben .................................................................. 84 XIII. Das Ankündigungswesen. Von demselben ....................................................... 86 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
6 G. Goldstein. vom 28. November 1857 geregelt, das den geänderten Anforderungen entsprechend in den Jahren 1874, 1882, 1887, 1891, 1898 durch Nachträge ergänzt wurde. Am 15. Dezember 1905 wurde endlich eine neue Satzung erlassen, die am 1. April 1906 in Kraft trat. Der für die juristische Stellung der Sparkasse bezeichnende Z 3 lautet: „Die Sparkasse ist eine öffentliche Gemeindeanstalt. Ihre Bestände dürfen nicht mit anderen Beständen ver mischt werden. Für ihre Verpflichtungen haftet, wenn jemals ihr eigenes Vermögen nicht ausreichen sollte, die Stadtgemeinde Halle a. S." Die Verwaltung wurde einem Direktorium — jetzt Vorstand genannt — übertragen ; derselbe bestand zuerst aus einem, dann aus zwei Magistrats mitgliedern, die Vorsitzender bezw. stellvertretender Vorsitzender sind, und aus vier stimmfähigen Bürgern, von denen drei Stadtverordnete sein müssen, als Beisitzern. Die Magistratsmilglieder werden vom Oberbürgermeister ernannt, die übrigen Mitglieder von der Stadtverordnetenversammlung auf sechs Kalenderjahre gewählt. Dieser Vorstand vertritt die Sparkasse bei allen gerichtlichen und außergerichtlichen Geschäften; alle Urkunden, mit Ausnahme der Sparbücher, müssen von einem der Vorsitzenden und einem Beisitzer vollzogen werden. Die Kassengeschäfte und die sonstige ausführende Geschäftstätigkeit werden von städtischen Beamten — gegenwärtig 20 — unter Leitung eines Rendanten besorgt. Regelmäßige Prüfungen des Ge schäftsbetriebes erfolgen außer durch den Vorstand noch durch den Verbands revisor des deutschen Sparkassenverbandes, dem die Kasse seit 1884 angehört. Vom 4. Juli 1902 bis 1. April 1906 wurden von der Sparkasse auch die Geschäfte eines aus Ladeninhabern und anderen Gewerbetreibenden be stehenden Rabattsparvereins milgeführt. Im Jahre 1882 wurde im Zentrum der Stadt ein eigenes Geschäfts gebäude errichtet, 1907 eine Zweigstelle in dem hauptsächlich von Industrie arbeitern bewohnten Süden der Stadt eingerichtet, 1908 eine zweite im Norden der Stadt. Von der dem Vorstand zustehenden Ermächtigung zur Errichtung von Sammelstellen ist bisher kein Gebrauch gemacht worden, dagegen haben 33 Kaufleute, das Kgl. Eisenbahnbetriebsamt und der Lehrer eines benachbarten Dorfes den Verkauf von Sparmarken für die 1882 ge gründete Pfennig-Sparkasse übernommen. Der Verkehr mit den Sparern hatte sich zunächst dadurch recht schwer fällig gestaltet, daß nicht nur jede Einzahlung auf dem Konto des Sparers und in seinem Sparkassenbuch vermerkt, sondern daß darüber auch ein Schein ausgestellt werden mußte, der bei Rückzahlung des deponierten Betrages wieder zurückzugeben war. Über die am 31. Dezember 1859 von der Spar kassengesellschaft übernommenen Einlagen in Höhe von 222 079 Taler be- OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
II. Die Sparkasse. 7 standen überhaupt keine Bücher und Konten, sondern nur Scheine, deren Zahl sich nur sehr allmählich verminderte. Dadurch kam es, daß der Spar kassenverkehr sich zu einem sehr erheblichen Teil nur auf Scheine stützte. Durch das Statut von 1874 wurde die Ausfertigung von Scheinen beseitigt, der Verkehr also lediglich auf die Sparbücher und die daneben zur Kontrolle geführten Konten gegründet. Eine weitere Vereinfachung des Geschäfts verkehrs ist 1908 durch die nach dem Vorbild anderer Sparkassen geschehene Einführung der „losen Konten" ermöglicht worden. Die Bestimmungen über den Beginn der Verzinsung der Einlagen und über ihre Rückzahlung haben mehrfache Veränderungen zu Gunsten der Sparer erfahren. Die Sparkassengesellschaft berechnete die Zinsen vom ersten Tage des auf die Einzahlung folgenden bis zum letzten Tage des der Rückzahlung vorhergehenden Monats. Die Auszahlung der Zinsen geschah in halbjähr lichen Terminen, am 2. Januar und 1. Juli jeden Jahres, nicht erhobene Zinsen wurden dem Kapital zugerechnet. In gleicher Weise verfuhr zunächst die städtische Sparkasse bis 1875. Von da an wurden die Zinsen vom Tage nach der Einzahlung ab bis zum Rückzahlungstage einschließlich be rechnet und in den Monaten Februar und Januar an die Sparer ausgezahlt. Nicht erhobene Zinsen wurden Ende Februar dem Kapital zugeschrieben und die auf 5 Mk. abgerundeten Beträge schon vom 1. Januar desselben Jahres an mit verzinst. Die Rückzahlung der Einlagen geschah bei der Sparkassen gesellschaft nach achttägiger Kündigung. Die städtische Sparkasse hatte für Beträge bis 300 Mk. einmonatliche, für höhere Beträge dreimonatliche Kündigung eingeführt. Nach dem Statut von 1905 erfolgt die Rückzahlung bis zu 100 Mk. ohne Kündigung, bei höheren Beträgen dagegen in der Regel nur auf Kündigung, und zwar bis zu 500 Mk. mit 14 tägiger, „ „ 1000 „ „ einmonatlicher, „ „ 5000 „ „ dreimonatlicher, darüber hinaus „ sechsmonatlicher Frist. Bei eintretender Kriegsgefahr oder wenn der Lombardzinsfuß der Reichsbank 6 o/v übersteigt, kann der Vorstand mit Genehmigung der beiden städtischen Körperschaften für alle Rückzahlungen bis 100 Mk. eine einmonatige, für dergleichen bis 500 Mk. eine sechsmonatige, für sämtliche größere Rück zahlungen eine zwölfmonatige Kündigungsfrist zeitweise vorschreiben mit der Maßgabe, daß, wer einen Betrag gekündigt hat, erst nach Verlauf von einem Monat zu neuer Kündigung berechtigt ist. Der Vorstand seinerseits ist ebenfalls berechtigt, Guthaben mit drei OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
8 G. Goldstein. monatiger Frist zu kündigen. Ist die schriftliche Benachrichtigung des Sparers unmöglich, so erfolgt die Kündigung durch dreimalige öffentliche Bekanntmachung mit mindestens vierwöchigen Zwischenräumen. Mit Beginn des Jahres 1908 wurde die Übertragbarkeit der Sparkasien guthaben ohne Zinsverlust auf auswärtige öffentliche Sparkassen eingeführt. Der Zinssatz betrug bei der Sparkassengesellschast für Einlagen von 1 bis 24 Taler 4*/e o/o, für größere Einlagen 4 o/o. Die städtische Spar kasse gewährte zunächst für Einlagen unter einem Taler keine Zinsen, für alle anderen Einlagen nur 3 Vs o/o (1 Sgr. für 1 T.). Das Statut von 1875, das als Rechnungseinheit die Mark festsetzte, setzte den Zinsfuß für alle Einlagen auf 3 o/o herab. In dieser Höhe ist er seither unverändert beibehalten worden. Die Entwicklung des Sparkassenverkehrs ist in Tabelle 1 wiedergegeben. Die Einzahlungen setzten schon in den ersten Jahren des Bestehens kräftig ein und sind seither bis zu 16,3 Millionen im Jahre 1907 angewachsen. In acht Jahren* traten Rückschläge ein, das erste Mal erst in dem Kriegs jahre 1870, dann in den Depressionsjahren 1876 und 1878, dann 1888 und 1891 und endlich in verhältnismäßig kurzen Zwischenräumen in den Jahren 1897, 1900 und 1906. In ähnlicher Weise haben sich die Rück zahlungen entwickelt. Sie übertrafen die Einzahlungen nur dreimal: in den beiden Kriegsjahren 1866 und 1870 und bemerkenswerter Weise auch in dem letzten Berichtsjahr 1907. Die absolute Höhe der Ein- und Rück zahlungen mußte jedoch naturgemäß mit dem Anwachsen der Bewohnerzahl Halles steigen, das in den letzten Jahrzehnten die Entwicklung von der Mittelstadt zur Großstadt mit lebhafter Industrie durchgemacht hat. Um ein Bild der Veränderungen in der Spartätigkeit zu gewinnen, mußten daher auch die Einwohnerzahlen in Betracht gezogen werden. Dabei zeigt sich (Tabelle 2), daß die Benutzung der Sparkasse durch die Einwohnerschaft fast ständig allgemeiner geworden ist. Während in Mitte der siebziger Jahre ein Sparkassenbuch auf durchschnittlich 6,1 Einwohner entfiel, kommt gegenwärtig ein Sparbuch schon auf 2,1 Einwohner. Die kleine Erhöhung der Benutzungsziffer im Jahre 1900 findet ihre Erklärung in der in diesem Jahre erfolgten Einverleibung einiger stark bevölkerter Vororte. Bei diesen Zahlen, wie ebenso bei den später folgenden, bei denen die Bevölkerung mit in Betracht gezogen wurde, darf allerdings nicht übersehen werden, daß der Kreis der Einleger sich nicht nur aus Halle, sondern auch aus der engeren * Abgesehen von 1860, das hier aber nicht mitzurechnen ist, weil die ungewöhn lich starke Einzahlung von 1859 das Ergebnis der Übernahme der Guthaben der Sparkassengesellschaft ist. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
II. Die Sparkasse. 9 und weiteren Umgebung rekrutiert, daß andererseits aber auch zahlreiche Hallesche Sparer ihre Einlagen nicht der städtischen Sparkasse, sondern der schon 1846 gegründeten Sparkasse des Saalkreises anvertraut haben. Die aus den beiden Fehlerquellen resultierenden Ungenauigkeiten heben sich zum Teil auf und beeinträchtigen die zeitliche Vergleichbarkeit der Benutzungs ziffern nur wenig, da sich in der wechselseitigen Benutzung der beiden Spar kassen durch die Bevölkerung Halles bezw. seiner Umgebung seit 1875 kaum erhebliche Veränderungen ergeben haben dürften. Dasselbe gilt für die geringen Abweichungen, die dadurch entstehen, daß ein Teil der Sparer mehrere Sparbücher besitzen, und daß auch Vereine und andere nichtphysische Personen als Sparer auftreten. Die Reduktion des gesamten Sparerguthabens auf den Kopf der Bevölkerung konnte bis 1857 zurückgeführt werden (Tabelle 2, Sp. 4). Im Vergleich zu 1860, dem Jahre, in welchem die Konkurrenz der Halleschen Sparkassengesellschaft durch die Überweisung ihrer Bestände an die städtische Sparkasse aufhörte, sind die Beträge in den letzten Jahren mit mehr als 260 Mk. rund elfmal so groß gewesen als in genanntem Jahre. Die wiederholt aufgetretenen Rückschläge sind zum größeren Teil auf das ruckweise, durch Zuwanderungen veranlaßte Emporschnellen der Be völkerungsziffer zurückzuführen und lassen daher keine Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung zu. Einen Einblick in die eigentliche Spartätigkeit der Bevölkerung zu geben, sind diese Zahlen überhaupt nicht ge eignet, weil der jährliche Bevölkerungszuwachs in der Regel aus Personen ohne Sparkassenguthaben besteht. Der Divisor des Bruches Guthaben: Bevölkerung wird also vergrößert, ohne daß eine entsprechende Vergrößerung des Dividendus eintritt , der Quotient wird demgemäß verkleinert. Bei gleichbleibender Spartätigkeit des konstanten Bevölkerungsteiles mußte der Sparzuwachs pro Kopf der Bevölkerung daher scheinbar abnehmen und auch eine erhöhte Spartätigkeit könnte stets nur abgeschwächt in Erscheinung tretend Um Zur weiteren Verdeutlichung des Gesagten diene folgendes Beispiel: Ein Anfangsguthaben von 100 000 Mk. wachse in zwei aufeinander folgenden Jahren von 100 000 auf 105 000 und 110 000 Mk. , die dazu gehörige Bevölkerungsmasse von 1000 auf 1050 bzw. 1100. Dann ist: das Guthaben pro Kopf des 1. Jahres die pro wirkliche Spartätigkeit Kopf der Bevölkerung Anfang 100 Mk. Ende - 105000 des I. Jahres ^50^ " 100 Mk. im 1. Jahre - 4,77 Mk. Ende . - 110000 des 2. Jahres ^oO^ 100 Mk. im 2. Jahre 4 55 Mk. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
10 G. Goldstein. Tabelle 1. Geschäftsverkehr der Sparkasse. Einzahlungen Gutge- Rückzahlungen Guthaben Ausge- Sparkassenbücher Durchschn. Jah r I Betrag schn-bene Betrag zahlte im ^ p'w S pa" ^Gesamt'"durchschn. "Gesanü^du^chschn" 6 « '^ gegeben gegeben Umlauf kassenbuch Mk. Mk. Mk._______________ Mk. Mk. Mk. Mk. Stück Stück Stück Mk. I 2 ! _____ 3 _________ 4 ________ 5 ________ 6 ________ 7 _________ 8 _________ 9 ________ 10 11 12 13 14 1857 79 280 — ! 16 982 62 298 296 289 215,6 1858 183 018 255 107 321 138 250 824 624 221,6 1859 210 522 1 128 157 037 192 863 1 898 ! 853 226,9 1860 1 158443 1 558 403417 949 446 19 461 2 648 358,6 1861 572 451 3 912 410 910, 1 114 900 21483 ! ! 2 927 380,9 1862 6 550 660 624 100,9 6 759 5186 518 374 100,0 1 263 908 28 363 3 378 374,2 1863 7 066 681852 96,5 10 003 6 251 635 894 101,7 1 319 870 29345 3 719 354,9 1864 6 958 728 574 104,7 12 596 5 767 616 593 106,9 1 444447 30 340 4130 349,7 1865 7 841 871881 111,2 14 496 6 718 723 645 107,7 1 607 178 34182 4 463 360,1 1866 6 722 881298 131,1 16 290 8 212 , 933 977 113,7 1570 789 31425 4 261 368,6 1867 7 418 889 380 119,9 17 604 7 084 859 264 121,3 1 618 509 34976 4 510 358,9 1868 8 659 969 675 111,9 17 591 7 091 798 595 112,6 1807180 35 680 ! 5 313 340,1 1869 9 199 975 369 106,0 21 132 6 975 787 982 113,0 2 015 699 38 217 6197 325,3 1870 8 955 886137 99 0 24 869 8 082 892493 110,4 2 034212 38947 7 010 290,2 1871 11279 1 059 213 93,9 27 273 8 501 869 628 102,3 2 251070 40 583 7 449 302,2 1872 14441 1394151 96,5 30 322 10 396 1 153 606 111,0 2 521937 46 028 8 327 302,9 1873 17 820! 1721076 96,6 33 719 11927 1 216 168 102,0 3 060 564 46 867 9 991 306,3 1874 18 691! 1950 016 104,3 43 410 14394 1 520 656 105,6 3 533 334 59 699 10 674 331,0 1875 76 886 . 3561 667 83 556 9 349 380,9 1876 ! 1890 728 22 491 ! 1515 350 3 959 536 92 090 2 614 1 753 10 210 387,8 1877 ! 1902 801 16 625 1 682 926 4196 036 107 663 2 203 1 894 10 519 398,9 1878 1841 184 9 713 1 683 212 4 363 722 120594 2160 1 519 11 160 391,0 1879 2 282 936 32 758 1 832 595 4 846 821 110994 2 509 1 725 11944 405,8 1880 2 411469 28 967 2 109 071 5178186 127 383 2 612 1 839 12 717 407,2 1881 20359 ! 2 755 274 135,3 46 776 12 838 2 287 529 178,2 5 692706 120 921 3002 1 929 13 790 412,8 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
II. Die Sparkasse. 11 Einzahlungen ________ Gutge- Rückzahlungen _______ Guthaben Ausge- Sparkassenbücher Durchschn. Betrag schrieben- Betrag der zahlte ! zurück^ im ^ pro'Spar- Postcn tzjbsamt durchschn. Kosten Durchschn. ^ ° ^ r Zinsen g^ben^gegeben Umlauf kassenbuch Mk. Mk. Mk. Mk. ! Mk. Mk. Mk. S tü ck ! Stück Stück Mk. 1 2 ________ 3 4 5 « _________7 8 9 10 11 12 ! 13 14 1882 23410 3 062 760 130,8 57 428 13149 ! 2 454 209! 186.7 6 358685 133 389 3 413 1 923! 15 280 416,1 1883 27 920! 3 511916 125.8 64 541 14 667 ! 2 893 598 ! 197,3 7 041 545 144088 4 409 2 302 17 387 405,0 1884 32025 3 745 614 117,0 69 427 16 426 ! 3123 378! 190,1 7 733 208 154 625 4 410 2 462! 19 335 400,0 1885 34 520 4 303 599 124,7 239 562 18186 2 333 597 183,3 8 942 772 12 320 4 691 2 599! 21427 417,4 1886 38 966 ! 6 0^6 868 156,3 275 965 22 978! 4 640 597 202,0 10 665 007 17 915 5 646 3 247! 23 826 447,7 1887 42 421! 6 242 239 147,1 319 723 23 900! 5 440 803 227,6 11786166 20 337 5 860 3 312! 26 374 446,9 1888 44 263 6 207 941 140,2 353 370 26 309 5 220 646 198,4 13 126 831 20 446 n 047 3 487! 28 934 453,7 1889 47 787! 7 018 922 158,6 395 627 29 494 5 831 129 197,7 14 710 252 20 713 6 387 3 842 31479 467,3 1890 52 436 7 161322 136,6 424 068 32 742 6 811 193! 208,1 15 484449 27 871 6 935 4 275 34 139 453,6 1891 50 564 6 737 967 133,3 446 516 36 270 6 576 206! 181,3 16 092 726 26 250 6 773 4767 36 145 445,3 1892 50 512 6 987 316 138,3 472 868 34523. 6 486 761 ! 187,9 17 066150 25 355 6 531 4 817 37 859 450,8 1893 52 402 7 177 947 137,0 501890 38195 ! 6 626136! 173,5 18119 851 23 369 6 989 ! 4 782 40 066 452,2 1894 57 921 8 514 613 147,0 533 220 38916 ! 7 747 675! 199,1 19 420 008 34 934 7 517? 4 794 42 789 453,9 1895 63 666 9 002 866 141,4 592 772 41812 7 081647! 169,4 21933 999 26 878 8 291! z ygz 4tz015 476,7 1896 71317 9 780 815 137,1 660 017 43 379! 8 495 976. 195,9 23 878855 30 689 8 777! 5 151 49 641 481,0 1897 72 887! 9 325 053 127,9 717 927 47 081! 8126 056! 172,6 25 795 780 27 081 8 916! 5 547 53 010 486,6 1898 78 418! 10 307 258 131,4 776 64^ 51022 8 873 896! 173,9 28 005 790 29 098 9 058! 5 642 56 426 496,3 1899 86 146 11070 875 127,8 836 333 52 721! 9 787 368 185,6 30 125 631 33 210 9 407i 5 892 59 941 502,6 1900 88 231! 10 821663 122,7 881693 57 734 ! 10 448 541 181,0 31380 446 33133 9 223! 6 302 62 862 499,2 1901 90346! 12 166 811 134,7 929322 62 996 10 627 213 168,7 33 849 365 35303 9 330 6 284 65908 513,6 1902 92 100! 13175 613 143,1 1011863 69 227-11530 677 166,5 36 506 164 35 659 9 601 6 547 68 962 529,3 1903 101631 ! 14 856 033 146,2 1 097 519 70 196 12 803 111 182,4 39 656 605 38 667 10 663! 6 956 72 669 545,7 1904 1v8 005! 14 993 082 138,9 1 181 164 7 2 323 13 599 759 188,0 42 231093 39 968 10336 ! 6 823 76 182 554,3 1905 110 811 16 304 607 147,1 1 258 505 78 944 ! 14 948138 ! 189,3 448 6 066 39 865 10 396 7 056 79 522 563,9 1906 115 995 16107 681 138,9 1317 898 79 576 ! 15 563 082 ! 195,6 46 708 563 45 993 10 528 7 502 82 548 565,8 1907 122446! 16 326 687 133,3 1324886 87 621 ! 17 534 319 200,1 46825 817 13246 10582 85 212 549,5 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
12 G. Goldstein. Tabelle 2. Geschäftsverkehr bezogen auf die Einwohnerzahlen. Jahr Ein wohner 1 Sparbuch entfiel auf . . . Ein wohner Guthaben Einzahlungen^Nückzal-lungen Differenz zwischen Sp. 5 u. 6 Mk. pro Mk. Kopf der Bevölkerung I Mk. Mk. 1 23 4 ! 5 6 7 1857 37 862 1,6 2,1 0,5 1,6 1858 38 289 3,6 4,8 2,8 2,0 1859 39 294 4,9 5,4 > 4'0 1,4 1860 40 300 23,5 (28,7 ! 10,0 18,7) 1861 41 507 26,8 13,8 j 9,9 3,9 1862 42 912 29,4 15,4 12,1 3,3 1863 44 317 29,7 15,4 14,4 1,0 1864 45 729 31,6 16,0 13,5 2,5 1865 47 443 33,9 18,4 15,3 3,1 1866 48 157 32,7 18,3 19,4 — 1,1 1867 50 871 31,8 17,5 16,9 0,6 1868 51 313 35,2 18,9 15,6 3,3 1869 51 755 38,9 18,8 ! 15,2 3,6 1870 52 197 39,0 17,0 ! 17,1 — 0,1 1871 52 639 42,7 20,2 ! 16,5 3,7 1872 54 755 46,2 25,5 ! 21,1 4,4 1878 56 872 53,8 30,3 ! 21,4 8,9 1874 58 988 59,8 33,1 ! 25,8 7,3 1875 61105 58,3 — — — 1876 62 450 6,1 63,4 30,3 24,3 6,0 1877 63 795 6,1 65,7 29,8 26,4 3,4 1878 65 140 5,8 66,3 28,3 25,9 2,4 1879 66 140 5,5 73,2 34,6 27,7 6,9 1880 71679 5,6 72,2 33,6 29,4 4,2 1881 73 622 5,3 77,3 37,4 31,1 6,3 1882 75 330 4,9 84,4 40,7 32,6 8,1 1883 77 247 4,4 91,2 45,5 37,5 8,0 1884 80 255 4,1 96,4 46,7 38,9 7,8 1885 82 159 3,8 108,8 52,4 40,6 11,8 1886 84166 3,5 126,7 72,3 55,1 17,2 1887 86 967 3,3 135,6 71,8 62,8 9,0 1888 90 160 3,1 145,6 68,8 57,9 10,9 1889 93 694 3,0 157,0 74,9 62,2 12,7 1890 101 605 3,0 152,4 70,5 67,0 3,5 1891 109 370 3,0 147,1 61,6 60,1 1,5 1892 112 087 3,0 152,3 62,3 57,9 4,4 1893 113 275 2,3 159,9 ! 63,4 58,5 4,9 1894 112 840 2,6 172,1 75,4 68,7 6,7 1895 116 283 2,5 188,6 ! 77,4 60,9 16,5 1896 120 013 2,4 198,9 ! 81,5 70,8 10,7 1897 123 573 2,3 208,8 ! 75,5 65,8 9,7 1898 126 530 2,2 221,4 81,5 70,1 11,4 1899 129 866 2,2 232,0 85,2 75,4 9,8 1900 156 636 2,5 200,3 69,1 66,7 2,4 1901 158 209 2,4 .213,9 76,9 67,2 9,7 1902 159 192 2,3 229,3 82,8 72,4 10,4 1903 161466 2,2 245,6 92,0 79,3 12,7 1904 166 260 2,2 254,0 90,2 81,8 8,4 1905 170112 2,1 263,6 95,8 87,9 7,9 1906 174 123 2,1 268,3 92,5 89,4 3,1 1907 177 971 2,1 263,1 91,7 98,5 — 6,8 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
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II. Die Sparkasse. 13 daher einen Anhalt für die Beurteilung der Spartätigkeit zu gewinnen, wurden in Tabelle 2 die jährlichen Ein- und Auszahlungen auf den Kopf der Bevölkerung bezogen und von beiden Resultaten die Differenz gezogen, die demnach angibt, welche Summen jährlich im Durchschnitt von jedem Ein wohner bei der städtischen Sparkaffe deponiert wurden Die Schwankungen sind außerordentlich heftig und in Tabelle 3 auch graphisch veranschaulicht. Negative Resultate, d. h. Abhebungen müssen sich in den bereits angeführten Jahren ergeben, in denen die Rückzahlungen die Einzahlungen übertrafen. Die Kurve erreichte ihr größtes Maximum mit 17,2 Mk. im Jahre 1886, ihr größtes Minimum mit — 6,8 Mk. im Jahre 1907. Bei der Be rechnung für größere Perioden ergibt sich: Jahr: 1857-67 1868 — 77 1878 — 87 1888-97 1898-1907 Rücklage pro Kopf der Bevölkerung . . . 1,83 4,5 8,17 8,15 6,90 Das Ergebnis der ersten Periode wird noch durch die Konkurrenz der Sparkaffengesellschaft beeinträchtigt, in die zweite Periode fällt die schwere, langanhaltende Depression der siebziger Jahre. Um so beachtenswerter ist das verhältnismäßig ungünstige Ergebnis der letzten Periode, welche die glänzenden Hochkonjunkturjahre 1898 — 1900 mit umfaßt und trotzdem eine durchschnittlich geringere Spartätigkeit aufzuweisen hat, als die beiden Perioden 1878 — 1887 und 1888 — 1897. Der Grund für diese Erscheinung darf weniger in der wirtschaftlichen Lage der Bevölkerung gesucht werden, die auch in den Jahren mit besonders geringen Rücklagen (1900, 1906, 1907) im allgemeinen als günstiger als in der Periode 1877 — 1897 an gesehen werden kann, als vielmehr darin, daß Bevölkerungskreise, die früher ständige Kundm der Sparkasse waren, sich mehr und mehr daran gewöhnt haben, ihre Ersparnisse oder zeitweilig überschüssigen Gelder gänzlich oder doch wenigstens zeitweise auf andere Weise zu verwerten, und die Spar kasse nur noch in Anspruch nehmen, wenn die anderweitige Anlage ihnen keine erheblichen Vorteile bietet. Man wird also hohe Rücklagen in Zeiten niedrigen Bankdiskonts, niedrige Rücklagen umgekehrt in solchen hohen Bankdiskonts zu erwarten haben. Diese Annahme wird durch Tabelle 3 im allgemeinen bestätigt. In den Jahren 1890, 1900, 1906 und 1907, in denen der Diskont auf 4,52, 5,33, 5,15 und 6,03 o/o gestiegen war, betrugen die Rücklagen nur 3,5 bzw. 2,4 bzw. 3,1 bzw. — 6,1 Mk., in den Jahren 1886, 1889, 1895 und 1902, in denen der Diskont auf 3,28, * Eine Division der Differenzen zwischen den Jahresguthaben würde ein falsches Bild geben, da in diesen Summen auch die gut geschriebenen Zinsen ent halten sind. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
14 G. Goldstein. 3,68, 3,14 und 3,32 o/o herabgegangen war, hoben sich die Rücklagen auf 17,2 bezw. 12,7 bzw. 16,5 bzw. 10,4 Mk. Der Zusammenhang zwischen Diskont und der Inanspruchnahme der Sparkasse wird auch durch eine Berechnung der durchschnittlichen Höhe der Spareinlagen bestätigt, deren Ergebnisse gleichfalls in den Tabellen 1 (Spalte 4) und 3 wiedergegeben sind. Es zeigt sich — und zwar be sonders deutlich seit 1900 — , daß die Bewegungen des Diskonts in der Regel von in umgekehrter Richtung verlaufenden Bewegungen der Durch schnittshöhe der Spareinlagen begleitet sind, weil jede wesentliche Erhöhung des Diskonts die größeren und mittleren Einleger veranlaßt, ihr Geld bei Banken anzulegen, die ihnen eine bessere Verzinsung gewähren. Tabelle 1 enthält ferner die auf ein Sparkassenbuch durchschnittlich entfallende Sparsumme, die gegenwärtig rund 550 Mk. beträgt, gegen 358 Mk. nach Einverleibung der Sparkassengesellschaft. In diesen Zahlen sind — was nicht übersehen werden darf — auch die zugeschriebenen Zinsen enthalten. Zum Vergleich seien die entsprechenden Zahlen der Sparkasse des Saalkreises angeführt. Bei dieser betrugen die durchschnittlichen Spar guthaben : im Jahre 1895 1896 1897 1898 1899 1900 1901 1902 1903 1904 1905 Mk. 782 784 774 761 750 732 735 743 756 770 784 Die Konten sind demnach um rund 15 o/o größer als bei der städtischen Sparkasse. Aus den jeweiligen Verschiedenheiten in der Höhe der Sparguthaben pro Sparkassenbuch darf aus denselben Gründen nicht auf die Spartätigkeit der Sparer geschlossen werden, die oben bei Besprechung der auf den Kopf der Bevölkerung durchschnittlich entfallenden Sparsumme angegeben wurden. In -diese gewährt nachstehende Übersicht einen Einblick. Es betrugen im Durchschnitt: in den Jahren die auf ein Sparbuch jährlich entfallenden Einzahlungen Rückzahlungen die Differenz zwischen ihnen jährl. Rücklagen pro Sparbuch) 1876 — 1885 192,7 159,4 33,3 1886 — 1895 204,6 179,7 24,9 1896 — 1907 190,9 175,1 15,8 Das Anwachsen der Rückzahlungen, während die Einzahlungen in der Periode 1896 — 1907 gegen 1876 — 1885 nahezu gleich geblieben sind, be stätigt die Annahme, daß die Sparkasse jetzt mehr als früher zu vorüber gehenden bankmäßigen Deponierungen von zeitweilig entbehrlichen Geldern benutzt wird, bei denen ein eigentliches Sparen nicht beabsichtigt ist. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
20 G. Goldstein. Tabelle 5. Bestand an Inhaberpapieren im Jahre 1906. Zinsfuß Nennwert In 0/0 »/o Mk. Deutsche Reichsanleihe ............................................ 31/2 2 732 000 12,2 3 300 000 Preußische Staatsanleihe ........................................ 3'/2 6 023 850 3 537 000 29,3 Preußische Schatzanweisungen ........................... 3'/2 800 000 Anlagen anderer deutscher Staaten .................. 4 65 000 3'/2 581 900 3,0 3 114 400 Provinzialanleihen und Rentenbriefe .................. 4 60 000 3V2 773000 4,5 303 300 000 Ländliche Pfandbriefe u. dgl .................................. 4 16 500 302 4 431 600 18,9 3 301 900 Berliner Stadt-Synodal-Anleihe ...................... 302 594 300 Deutsch-Ostafrikanische Schuldverschreibungen . 302 98 000 2,8 Hallesche Stadtanleihen ........................................ 302 2 447 100 9,8 Andere städtische Anleihen .................................... 302 3 951 300 l 16,2 3 109 000 Eisenbahnpapiere ...................................................... 302 783 700 3,3 „ ...................................................... 3 39 000 In Tabelle 6, Spalte 2 sind die aus sämtlichen Anlagen fließenden Zinseinnahmen wiedergegeben, aus ihnen ist dann die Verzinsung für sämtliche Aktiva, also einschließlich der geringen nicht zinstragenden Kassenbestände usw. berechnet worden (Spalte 8). Zur Erzielung größt möglicher Genauigkeit wurde als Aktiva dabei das arithmetische Mittel zwischen den Aktiven am Jahresbeginn und Jahresschluß angenommen. Bis 1885 hielt sich die Verzinsung ständig mit Ausnahme des Jahres 1881 über 4 o/o, seit 1886 konnte diese Grenze aber nie wieder erreicht werden. Das Minimum der Durchschnittsverzinsung fällt mit 3,64 o/o auf 1898, obwohl der Diskont in diesem Jahre auf 4,27 o/o gestiegen war. Bei Aufstellung der Verwaltungskosten sind die Einnahmen auf Verwaltungskonto wie Mieten und bis 1885 auch Beiträge der mitverwalteten Jnstitutskassen in Berechnung gebracht worden, so daß die in Tabelle 6, Spalte 3 aufgeführten Summen die wirkliche Belastung durch die Ver waltung darstellt. Schon zu Beginn der sechziger Jahre betrugen sie unter 0,2 o/o der gesamten Aktivmasse, seit 1886 sind sie auf 0,08 — 0,10 o/o von ihr gesunken. Nur das letzte Geschäftsjahr 1907, in dem die Verwaltung OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
II. Die Sparkasse. 21 Tabelle 6. Vetriebsergebnisse der Sparkasse. Jahr ! Zins einnahmen Der- ! waltungskosten Verwal tungskosten in o/o der Aktiven Überschüsse davon der Kämmerei überwiesen Rein vermögen (Kurswert) Rein vermögen in o/o der Spar einlagen Spezial reserve fonds Durchschn. Verzinsung d.ausgelieh. Kapitalien 1 23 3a 4 ! 5 ! 6 ! 6a ! 7 8 1857 882 213 0,35 375 ! __ (4,18 1858 4 740 701 0,53 2 967 ! — 4,94 1859 7 041 670 0,35 3 333 1264 0,7 4,30 1860 40 005 2 668 0,28 15 951 23 871 2,5 6,82 1861 46 008 1971 0,17 18 714 27 823 2,5 4,36 1862 54 331 2 503 0,19 16 984 42 300 3,4 4,39 1863 58 859 2116 0,15 12 899 51 904 3,9 4,37 1864 62 138 2 578 0,17 16 364 68 838 4,8 4,27 1865 70580 2 776 0,16 18 632 83178 5,2 4,37 1866 72 209 2 430 0,15 21374 84 466 5,4 4,27 1867 77 060 2 099 0,12 21989 102 554 6,3 4,52 1868 82 458 2 480 0,13 25 542 120 006 6,6 4,46 1869 92 615 2 773 0,13 30152 143 004 7,1 4,48 1870 96 897 2 656 0,12 30 432 162 379 8,0 4,38 1871 102 958 3199 0,12 31174 292 223 13,0 4,28 1872 112 654 3 328 0,12 32 338 335 049 13,3 4,13 1873 129 760 4 988 0,14 42 934 378 901 12,4 4,07 1874 157 761 5 055 0,13 ! 45 838 401463 11,4 4,22 1875 199 825 5 934 0,15 ! 65 938 412 109 11,5 4,90 1876 182 520 5181 0,12 ! 62 295 513 451 13,0 4,31 1877 200 889 4 577 0,10 70 996 585 636 14,0 4,32 1878 211 724 6 569 0,13 73 077 ! ! 714 772 16,4 4,28 1879 229 930 6 672 0,12 78 189 870 410 18,0 4,26 1880 240 987 6 639 0,11 77 308 1 028 386 19,8 4,03 1881 252 035 7 093! 0,10 75 207 70 000 1 158 304 20,3 3,86 1882 316 775 8 416, 0,11 117 625 70 000 1 264 756 19,9 4,38 1883 332 500 8 482! 0,10 117 472 70 000 1 285 146 18,2 4,17 1884 359 699 8 778^ 0,10 122 758 70 000 1 365 850 17,6 4,12 1885 396 664 15 962 0,15 132 700 70 000 1430 714 16,0 4,08 1886 448 127 10 903 0,09 139 694 100 000 1 527 648 14,3 3,98 1887 490 205 12 341 0,09 135 927 100 000 1 537 562 13,1 3,85 1888 534 003 15 103 0,10 144 586 100 000 1 723 501 13,1 ! 3,79 1889 585 543 14 726 0,09 154 442 50 000 1 668 116 11,3 ! 3,74 1890 610 648 16 286 0,10 141 222 j — 1 388 294 9,0 3,65 1891 645 514 16 890 0,10 158 046 j 79 022 1 345 796 8,4 3,72 1892 684 546 18 085 0,10 170005! 85 000 1 573 790 9,2 3,78 1893 723 230 17 880 0,09 182 397! 91000 1 696 438 9,4 3,75 1894 780 961 17 085 0,08 197 131 j 98 595 1983 118 10,2 3,78 1895 854 154 18 956 0,08 199 876 99 000 2 079 221 9,5 3,74 1896 934 089 22 384 0,09 209 839 99 000 2126 619 8,9 3,70 1897 995 612 22 314 0,08 217 610 100 000 2 232 940 8,7 i 3,65 1898 1 067 041 25 725 0,08 224 779 112 390 2 137 667 7,6 3,64 1899 1 155 960 29 590 0,09 249 144 110 000 I 688 457 5,6 3,69 1900 1 253 351 30 576 0,08 294 659! 147 330 1 677 482 5,4 3,82 1901 1 331 012 31639 0,09 323 941 161 970 2 431 662 7,2 3,80 1902 1 426 626 35 525 0,09 333 833! 166 917 2 797 635 7,7 496 056 3,74 1903 1 538 426 38 053 0,09 354 454 177 227 2 979 805> 7,5 495 570 3,72 1904 1 651 742 41 250 0,09 370 592 185 296 3 096 105! 7,3 426 574 3,72 1905 1 756 248 39 682 0,08 405 816 202 908 3 219 699! 7,2 347 260 3,72 1906 1 848 360 46 843! 0,09 422 3^9 211165 2 853 E 6,1 — 3,73 1907 1 897 472 61690! 0,12 432 054! -- ! 2 250 573 4,8 — 3,80 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
22 G- Goldstein. durch die einen erheblichen Kostenaufwand verursachende Eröffnung der Zweigstelle Nord belastet wurde, stellt mit 0,12 o/o eine Ausnahme dar. Bezieht man die Verwaltungskosten auf den mit den Sparern getätigten Umsatz (Einzahlungen und Rückzahlungen), so erhält man für 1905: 0,13 o/o, für 1906: 0,15 o/o, für 1907: 0,18 o/o. Die finanziellen Ergebnisse der Kassentätigkeit für die Spar kasse selbst sind in Tabelle 6, Spalte 4 angegeben. Jahr für Jahr ist, nachdem die ersten Einrichtungsjahre überstanden waren, mit erheblichen Überschüssen gewirtschaftet worden. 1882 wurde das erste Hunderttausend bereits erheblich überschritten, 1896 wurde das zweite Hunderttausend er reicht, 1901 das dritte, 1905 das vierte. In diesen Summen steckt aber, was nicht übersehen werden darf, auch die Verzinsung für das eigene Ver mögen der Sparkasse. Bringt man für diese 3^/2 o/o in Abzug, so bleiben als eigentlicher Nettoverdienst der Kasse an den Spareinlagen: Im Jahre Mk. in 0/0 der Aktiva in o/y des Vermögens 1870 25 000 1,135 16,4 1880 41 000 0,687 4,3 1890 92 750 0,554 6,1 1895 127 000 0,556 6,3 1900 236 000 0,716 14,0 1901 239 000 0,682 11,6 1902 236 000 0,618 9,0 1903 250 000 0,605 8,7 1904 263 000 0,592 8,7 1905 293 000 0,620 9,3 1906 322 500 0,653 10,6 1907 352 000 0,705 13,8 Wenngleich also der absolute Gewinn aus dem Sparverkehr infolge des gesteigerten Umsatzes ganz erheblich zugenommen hat, ist doch die Ge winnquote, der Verdienst an je 100 Mk. Spareinlage, in dem Jahrzehnt zwischen 1870 und 1880 um fast ^2 o/«., d. h. 40 o/v der Quote, zurück gegangen und hat sich bisher zwischen */2 und 2/3 0/0 bewegt. Die kleine, in den letzten Jahren eingetretene Zunahme erklärt sich dadurch, daß bei Berechnung der Vermögenszinsen nicht der Anschaffungswert, sondern nur der erheblich niedrigere Kurswert der Effekten in Betracht gezogen werden konnte, so daß die Nestsumme zu groß ausfällt. Bei Berücksichtigung dieses Fehlers sinkt die Gewinnquote der letzten Jahre auf rund 0,6 0/0. — Auch aus der Entwicklung der Durchschnittsverzinsung der ausgeliehenen Kapitalien (Tabelle 6, Spalte 8) lassen sich die gleichen Ergebnisse ableiten. Faßt man das Vermögen der Sparkasse zugleich als ihr Geschäftskapital auf, so stellen die in Spalte 2 der vorstehenden Aufstellung angeführten OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
II. Die Sparkasse. 23 Summen die mit diesem Kapital erzielten, über die bloße Verzinsung hinaus gehenden Gewinne dar, d. h. den eigentlichen Unternehmergewinn. In Spalte 4 derselben Aufstellung ist dieser auf das jeweilige Kapital bezogen worden. Die nicht unerhebliche Zunahme in den letzten Jahren ist wieder die Folge davon, daß die Vermögenszinsen von dem Kurswert statt von dem Ankaufs- oder von dem Nennwert berechnet werden mußten, und daß weiterhin gerade in den letzten Jahren der Kurswert der den Ver mögensstand bildenden Papiere stark zurückgegangen ist, so daß der Unter nehmergewinn auf ein, wenn auch nicht nominell, so doch seinem Buchwert nach erheblich kleineres Kapital als in den Vorjahren bezogen werden mußte, wodurch wieder die Quote des Unternehmergewinnes entsprechend in die Höhe getrieben wurde. Die durch den Geschäftsverkehr erzielten Überschüsse wurden im Anfang zur Rückzahlung des geliehenen Betriebskapitals und zur Beschaffung des Mobiliars usw. verwendet, späterhin flossen sie dem Vermögen (Reservefonds) der Kasse zu, seit 1882/83 wurden sie teilweise auch der Kämmerei zur weiteren Verwendung überwiesen. Der Reservefonds sollte nach dem ersten Statut von 1857 25 o^o der Passiva betragen, er hat aber diesen Prozentsatz niemals erreicht. So lange aber dies nicht der Fall war, konnten die Überschüsse, die seit Mitte der siebziger Jahre anfingen recht bedeutend zu werden, nicht an die Stadt gemeinde abgeführt werden. Die städtischen Körperschaften beschlossen daher 1882, nachdem im Jahre 1881 der Reservefonds auf über 20 o/o gestiegen war, daß seine statutenmäßige Höhe nur noch 15 o/o betragen sollte. Schon 1887 wurde eine weitere Herabsetzung dieser Quote auf 10 o/o verfügt. Bei der Statutenänderung von 1891 wurde endlich festgesetzt, daß die am Jahresschluß nach Abzug der Verwaltungskosten sich ergebenden Zinsen überschüsse dem Reservefonds vollständig überwiesen werden sollen, so lange dieser nicht 5 o o beträgt. Ist dieser Betrag erreicht, so müssen ihm noch die Hälfte der Überschüsse überwiesen werden, bis er auf 10 o/o der Spar einlage angewachsen ist. Dieser letztgenannte Prozentsatz ist seit 1891 nur einmal im Jahre 1894 überschritten worden. In dem letzten Berichtsjahr 1907 wurde sogar nicht der Satz von 5 o/o erreicht, so daß auch die ge samten Überschüsse dem Reservefonds zugeführt werden mußten. Dieser Rückgang ist die Folge der großen Kursverluste, welche die Sparkasse in den beiden letzten Jahren erlitten hat, und die sich noch deutlicher bei Be trachtung der absoluten Zahlen zeigen (Tabelle 6, Spalte 6). Wir sehen, wie der Reservefonds der Sparkasse, der zugleich ihr Vermögen bildet, da ihm ja bis 1881 alle Überschüsse zuflossen, zunächst schnell anstieg und sich schon 1880 auf über eine Million Mark, 1895 auf über zwei Millionen OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
24 G. Goldstein. Mark belief. In den Jahren 1899 und 1900 erlitt aber der große Effektenbestand der Sparkasse eine starke Entwertung, die auf den Reserve fonds abgewälzt werden mußte, so daß dieser erheblich zusammenschmolz. Nachdem er in den folgenden Jahren infolge der Kursaufbesserungen der Effekten und der neuen Dotationen die frühere Höhe wieder erreicht, 1904 und 1905 sie mit 3,1 bzw. 3,2 Millionen Mark sogar noch überschritten hatte, haben die über eine Million betragenden Kursverluste der beiden letzten Jahre eine abermalige Herabminderung des Reservefonds auf 2^4 Millionen Mark 4,8 o/o der Spareinlagen gebracht, so daß die Stadt, wie schon erwähnt wurde, trotz der effektiv erzielten hohen Überschüsse, auf jeden Ge winnanteil verzichten mußte. Die Sparkassenverwaltung bemerkt in ihrem letzten Verwaltungsbericht hierzu, daß diese Verluste nur buchmäßige seien, und daß ihre Ausgleichung durch Kursaufbesserungen bei Wiederkehr normaler Geldverhältnisse zu erwarten sei. Das ist ohne weiteres zuzugeben. Nichts destoweniger läßt sich aber auch nicht leugnen, daß bei der Bilanzierung des städtischen Etats der Ausfall einer so erheblichen Summe, wie der Gewinnanteil der Stadt an den Sparkassenüberschüssen in den letzten Jahren darstellte, recht störend empfunden werden muß, und daß ferner gerade in Krisenzeiten die starke Einbuße des Reservefonds leicht verwirrend auf die Menge der kleinen Sparer wirken kann. Wachsen dann in solchen Zeiten die Rückzahlungen in abnormer Weise und werden zur Herbeischaffung der für sie erforderlichen Mittel größere Effektenverkäufe nötig, so ist die Gefahr, daß sich die buchmäßigen Verluste in wirkliche verwandeln, fast unvermeidlich. Es wäre zu erwägen, ob der mit der Anlegung der Gelder in Effekten an gestrebte Zweck, die Bereithaltung eines schnell realisierbaren Fonds, nicht auch — teilweise wenigstens — durch An- und Verkauf von Bankwechseln erreicht werden könnte, die unzweifelhaft ebenfalls eine fast unbedingte Sicherheit bieten, bei denen aber größere Kursverluste nicht zu erwarten sind. Zum Vergleich folgt eine Zusammenstellung der für den Betrieb der Sparkasse des Saalkreises charakteristischen Daten: Jahr Spareinlage am Jahresschluß Aktiva am Jahresschluß Mk. Hypotheken Davon an- Wertpapieren (Kurswert) Depots und Darlehen an öffentliche Körperschaften Mk. ! o/o Gesamt Mk. Geschäfts stelle Halle Mk. Mk. o/o Mk. o/o 1906 27189543 21785286 29094727 8 094 248 27,8 9 423 688 32,4 10650558 36,6 1907 27267 796 21618660 28878 851 8 650 225 30,0 9 238 995 32,0 10 067 241 >34,8 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
II. Die Sparkasse. 25 Der Unterschied in der Anlegung der Aktiven ist sehr auffallend. Die Darlehen an öffentliche Körperschaften, die bei der städtischen Sparkasse nur wenige Prozent ausmachten, stehen hier mit rund 35 o/o an erster Stelle, während in Hypotheken, ganz besonders aber in Jnhaberpapieren, ein weit geringerer Teil der Aktiven angelegt ist als bei der städtischen Sparkasse. Als Folge davon ergibt sich zwar mit 3,62 (1906) und 3,69 o/o (1907) eine etwas niedrigere Verzinsung als bei dieser (3,73 und 3,80 o/o), dafür sind aber auch die buchmäßigen Kursverluste erheblich geringer. Sie betrugen im Jahre 1907 bei der in o/o des in o/o des Bestandes in o/o der Reservefonds vom an Jnhaberpapieren Aktiven vom 31. Dez. 1906 vom 31. Dez. 1906 31. Dez. 1906 Sparkasse des Saalkreises 18,2 3.3 1,07 städtischen Sparkasse . . 36,3 4,3 2,06 Die Zahlen zeigen sehr deutlich, welche Wirkung eine höhere oder geringere Anlage der Aktiven in Krisenzeilen haben muß. Die Verwaltungskosten machen, wie wegen des geringeren Umsatzes und der verhältnismäßig teuren Verwaltung der ländlichen Zweigstellen zu erwarten ist, einen höheren Prozentsatz der Aktiven aus, als bei der städtischen Sparkasse. Sie betrugen 1906: 0,15 o/o, 1907: 0,13 o/o gegen 0,09 und 0,12 o/o bei der letzteren. Auf den Gesamtumsatz bezogen, stellten sie sich 1906 auf 0,28 o/o, 1907 auf 0,23 o/o. Charakterisierten die mitgeteilten finanziellen Ergebnisse die Sparkasse als einen Einnahmebetrieb von hervorragender Bedeutung für die Sradtfinanzen, so ist von der 1883 ins Leben getretenen, der Sparkasse an gegliederten Pfennigsparkasse das Gegenteil zu sagen. Die Hoffnung, durch diese Einrichtung die kleinsten Sparer heranzuziehen, hat sich, wie Tabelle 7 zeigt, in keiner Weise erfüllt, die Kasse hat vielmehr stets nur ein kümmerliches Dasein gefristet und soll im Laufe des Jahres 1908 ganz eingehen. Da die Bestände von der städtischen Sparkasse mit verwaltet gelegt in Kassen bestand Sonstigem Ein nahmen Mk. Aus gaben Mk. davon für Ver wal tung Mk. Buch mäßiger Kurs verlust Mk. Rein gewinn Mk. Reservefonds Kurswert Mk. in o/o der Einlagen Mk. o/o Mk. o/o 539 455 1,9 386 778 1,3 1036997 831133 43 294 184 226 200 199 1 705 162 6,27 508 915 1,8 413 475 1,4 1069557 843 390 37 700 311016 210 475 1 776 170 6,51 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
26 G. Goldstein. werden, können Angaben über die Rentabilität der Einrichtung nicht gemacht werden, sie hat aber keinesfalls Überschüsse erbracht. Anhangsweise ist in Tabelle 8 noch die Verwendung der an die Kämmerei abgeführten Sparkassenüberschüsse dargestellt. Nach Z 36 des Statuts können diese von den städtischen Körperschaften mit Genehmigung der staatlichen Aufsichtsbehörde für öffentliche Zwecke verwendet werden. Eine Begrenzung dieser Verwendungszwecke ist also nicht erfolgt, es ist insbesondere auch nicht gefordert, daß die Überschüsse den Volksschichten, Tabelle 7. Jahr Einnahmebetrag Mk. Ausgabebetrag Mk. Bestand Mk. 1883 3620 2527 1093 1884 4100 4005 1188 1885 3260 3212 1236 1886 3750 3453 1533 1887 3390 3463 1460 1888 2810 2940 1330 1889 1800 1940 1190 1890 1990 1839 1341 1891 2610 2417 1534 1892 2370 2360 1544 1893 2480 2331 1693 1894 2850 2786 1757 1895 2120 2134 1743 1896 2790 2687 1846 1897 2690 2480 2056 1898 6670 5692 3034 1899 5150 5351 2833 1900 3610 3771 2672 1901 2530 2675 2527 1902 3090 2819 2798 1903 3910 3580 i 3128 1904 3000 3622 ! 2506 1905 2850 2773 2583 1906 2640 3283 ! 1940 1907 2820 2748 ! aus denen die große Masse der Sparer stammt, wieder zu gute kommen sollen. Diese Forderung könnte aber mit Recht erhoben werden. Sie ist im allgemeinen in dem letzten Jahrzehnt auch erfüllt worden, da in ihm die Aufwendungen für Schulen aller Art, für bedürftige Schüler, für Park anlagen, Freibäder, Eisbahnen, für das Armenwesen und für verschämte Arme, endlich für Kinderhorte, Ferienkolonien und gemeinnützige Vereine sehr in den Vordergrund getreten sind. Im Jahre 1906 wurden für die OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
II. Die Sparkasse. 27 genannten Zwecke 53,9 o/o der Gesamtsumme verausgabt. Die Ausgaben für Straßen- und Kanalbau, die in den achtziger und im Anfang der neunziger Jahre einen sehr erheblichen Teil der Gesamtsumme beanspruchten, haben dagegen fast vollständig aufgehört. Das Interesse der Sparer an diesen Bauten ist zweifelsohne bei weitem nicht so lebhaft und unmittelbar wie für die vorher genannten Einrichtungen. Die unter Spalte 3 (städtische Betriebe) genannten Summen, sind im wesentlichen der städtischen Des infektionsanstalt zugeflossen, die bei ansteckenden Krankheiten auf Antrag die Desinfektion kostenfrei auszuführen hat und daher vorzugsweise den minder bemittelten Volksschichten dient. Für Theater, Museen und dergl. sind in den letzten Jahren 20 — .35 o/o der Überschüsse, 1895 sogar die ganze Summe verwendet worden. Es ist durchaus anzuerkennen, daß die Stadt das nobile ofüeium hat, auch für Kunstzwecke öffentliche Gelder bereitzustellen. Andererseits ist aber nicht zu verkennen, daß die Theaterbesucher, und zwar ganz besonders diejenigen, welche die besseren Plätze in Anspruch nehmen, nur zu einem geringen Teil mit den Einlegern der Sparkasse identisch sein dürften. Eine vollständige Befriedigung der oben aufgestellten Forderung ist daher bis jetzt nicht erfolgt. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
28 G. Goldstein. Tabelle 8. Verwendung der der Stadt zur Verfügung gestellten Sparkassenüberschüsse. Städtische B°- B r a k e n - und Kirchenbauten Schulbauten und Schreibmaterial, Summe triebe, kleinere S " ' und -ausbesse- und andere usw. « - u .„ — ° - -ch m ,» .-- Mk. § °/» Mk. j »/« Mk. °/» Mk. «/« Mk. «/» Mk. »/» Mk. > °/o 2 3 4 5 j 6 7 8 i ! ! 1883 140 000 100 ! 140 000 100 1884 70 000 „ j 70 000 100 ! 1885 70 000 „ ! 70 000 100 1886 70000 „ I 70 000 100 1887 100000 „ ! 96 000 96 1888 100000 „ i 93200 93,2 1889 100 000 „ 91700 91,7 1890 50 000 „ ! 39 650 79,3 1891 — — 1892 79 022 „ 65 672 83,1 1893 85 000 „ 18 750 22 60 000 70,6 1894 91000 „ 8 718 9,6 34 532 38 40000 44 1895 98 595 1896 99 000 „ 9 310 9,4 28 600 28,9 40000 40,4 , 1897 99 000 „ 12 900 13 2 000 2 60 000 60,6 ! 1898 100 000 ! „ 14 000 14 2 500 2,5 43 920 43,9 ! 1899 112 389,6 „ 16 034 14,3 4 889,6 4,4 ! 800 0,7 ! 1900 110 000 ! „ 13143 11,9 2 500 2,3 800 0,7 3 555 . 3,2 1901 147 329,6 ! „ 18551 12,6 11900 8,1 800 5,4 5 203 i 3,5 1902 161970,3 ! „ 20 740 12,8 2 500 1,5 7 000 4,3 12 640 7,8 1500 0,9 5 578 3,4 1903 166 9l6,5 > „ 19 726 11,8 1 000 0,6 — 12 640 7,6 — 10 373 ! 6,2 1904 177 227 „ 19 376 10,9 1000 0,5 3 500 1,9 12 640 j 7,1 2700 1,5 11 124 6,3 1905 185 295,9 „ 20 926 11,3 1 000 0,5 3 645,9 1,9 12 640 6,8 2700 1,5 13 645 7,4 1906 202 908 „ 19 730 ! 9,7 1 000 0,5 6 454 3,2 16 640 8,2 5100 2,5 13 957 6,9 1907 211 164,6 „ ! OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
II. Die Sparkasse. 29 Museen Unterstützung Parkanlagen, vonverschämten Kinderhorte Gemein- Fahr Kistoriicke Ke- Theater Armenlasten Armen, städt. und-asyle, nützige Sonstiges " bahn u. ähnl. " < » Beamten und Ferienkolonien Vereine Arbeitern Mk. °/° Mk. »/» Nik. °/» Mk. «/o Mk. °/° Mk. ! °/o Mk. «/, Mk. »/» 9 10 11 12 13 14 15 16 1883 1884 1885 1886 1887 4 yoo 4 1888 1 500 1,5 5 300 5,3 1889 2 300 2,3 6 000 6 1890 8 650 7,3 6 700 13,4 1891 1892 5 650 7,2 7 700 9,7 1893 6 250 7,4 1894 7 750 8,5 1895 98 595 100 1896 3340 3,4 7 750 7,8 7 000 7,1 3000 3 1897 2860 2,9 9 250 9,3 8 990 9,1 3000 3 1898 6180 6,2 8 850 8,85 13 000 13 8 550 8,85 3000 3 1899 7430 6,6 8 200 7,3 30 995 27,6 18571 16,5 15 000 13,3 7 510 6,7 3000 2,7 1900 6360 5,8 2 700 > 2,5 34 291 31 18 791 17,1 15 000 13,6 9 360 8,5 3500 3,2 1901 6700 ! 4,5 5 300 ' 3,6 25 908 17,6 20 592 14 15 000 10,2 12 946 8,8 4429,6 3 20 000 13 6 1902 9060 5,6 6 970,3 j 4,3 34 033 21 21 979 13,6 15 000 9,3 13070 8,1 7900 4,9 3 500 2 2 1903 8979 5,4 11429,6 6,8 37 200 22,3 23622 14,2 17 000 10,2 14 060 8,4 7386,7 4,4 3 500 21 1904 7910,5 4,4 14 727 ! 8,3 39 297,5 22,2 23 622 13,3 17 000 9,6 13 530 7,6 8300 4,7 3 500 1 9 1905 9953,3 5,4 13650 > 7,4 40 433,7 21,8 22 922 12,4 17 000 9,2 13 780 7,4 7500 4 5 500 3 1906 9985 4,9 20454 10,1 41439 20,4 23 900 11,8 17 000 8,4 14 249 7,0 8500 4,2 5 500 2,7 i OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
36 G. Goldstein. Die finanziellen Ergebnisse waren in den Jahren nach der Gründung nicht ungünstig. Das Defizit des ersten Jahres von 6413 Mk. wurde schon im dritten Jahre vollständig gedeckt und allmählich konnte ein Reservefonds gebildet werden, der sich 1871 auf 27 303 Mk. belief. Von diesem Jahre an war es aber zunächst nicht mehr möglich, Reingewinne zu erzielen, da die Verwaltungskosten, besonders infolge höherer Mietsausgaben, beträchtlich gestiegen waren und sich z. B. 1875 auf 17 510 Mk. beliefen, zu denen noch 6129 Mk. Verzinsung des geliehenen Betriebskapitals traten, während an Pfandkapitalzinsen nur 20 826 Mk. eingingen. Erst das neue Statut von 1883 brachte einen Umschwung, da es an Stelle des bisherigen Zinsfußes von 12^2 o/o den durch das Gesetz vom 17. März 1881, betreffend das Pfandleihgewerbe, erlaubten höheren einführte. § 17 des Statuts besagt: „Für die ... . gezahlten Darlehen erhebt die Anstalt nach Maß gabe der Z8 1, 2 und 7 des Gesetzes vom 17. März 1881 an Zinsen: u) zwei Pfennig für jeden Monat und jede Mark vom Darlehnsbetrage bis zu 30 Mk., b) einen Pfennig für jeden Monat und jede den Betrag von 30 Mk. übersteigende Mark, und zwar wird als Minimum derselben für jedes Pfand ein zweimonat licher Betrag ausbedungen." Der Zinssatz stellt sich hiernach für Darlehen bis 30 Mk. auf 24 o/o, um für höhere Darlehen allmählich fallend sich asymptotisch 12 o/o anzu nähern. Es sind beispielsweise bei 40 Mk. 21 o/o, bei 50 Mk. 19,2 o/o und bei 100 Mk. 15,6 o/o zu zahlen. Die Jahre 1884 — 1889 brachten daher erhebliche Reingewinne von 13 000 — 14000 Mk., bis die Erbauung des eigenen Gebäudes mit einem Kostenaufwand von 200 000 Mk. und die Notwendigkeit, diese Summe zu verzinsen und zu amortisieren, die Verwaltungskosten von rund 20 000 Mk. im Jahre 1888 auf über 30 000 Mk. im Jahre 1890 und 35 400 Mk. im Jahre 1891 heraufsetzte. Seither sind diese Ausgaben annähernd stabil geblieben. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre erforderte der Verwaltungsapparat rund 33 000 Mk. jährlich, zu denen noch rund 5900 Mk. Zinsen hinzutreten. Dieser Ausgabe von zusammen rund 38 900 Mk. jährlich standen als Einnahmen rund 38 690 Mark Pfandkapitalzinsen und 1050 Mk. verfallener Auktionserlös, zusammen rund 39 740 Mk. gegenüber, so daß die letzten Jahre nur noch einen sehr geringen Reinertrag gebracht haben. Die Verwendung der Überschüsse wird durch 8 4 des Statuts geregelt; er lautet: OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
III. Das städtische Leihamt. 87 „Die bei der Anstalt sich ergebenden Überschüsse werden in Gemäß heit der Beschlüsse der städtischen Behörden vom 27. September 1864 und 26. März 1866 fernerweit zunächst zur Bildung eines Reservefonds bis zur Höhe von 36 000 Mk. verwendet. Derselbe ist dazu bestimmt, unverzinslich im Geschäft mitzuarbeiten und etwaige Verluste der Anstalt zu decken. Die nach Berechnung dieses Reservefonds bezw. nach eventueller Ergänzung desselben auf die angegebene Höhe, also über denselben hinaus sich ergebenden Überschüsse werden der Ortsarmenkasse überwiesen." Die für den Reservefonds vorgesehene Höhe von 36 000 Mk. wurde im Jahre 1885 erreicht; im Jahre 1891 und in den folgenden Jahren mußte der Fonds zur Deckung der durch die bereits erwähnten Betrügereien entstandenen Verluste benutzt werden, so daß er 1894 nur noch mit 4821 Mk. nachgewiesen wurde. Erst im Jahre 1900/01 war er wieder in vollem Umfange vorhanden, so daß im Jahre 1902/03 wieder die Überweisungen an die Armenkasse ausgenommen werden konnten. Sie betrugen in den Jahren : 1902/03 1903/04 1904/05 1905/06 1906/07 1907/08 1908/09 2653 1490 1013 2135 3974 3265 2827 Mk. Der Wert des Grundstücks ist in der Bilanz von 1906/07 mit 200 000 Mk., die des Mobiliars mit 12 000 Mk. angesetzt, die auf dem Gebäude lastende Schuld belief sich auf 159 624 Mk. Das Betriebskapital wurde bei der Begründung der Anstalt von der Sparkassengesellschaft der städtischen Sparkasse und der Stadtkasse geliehen. Nach einigen Jahren wurde die städtische Sparkasse zum alleinigen Geldgeber des Leihamtes und ist dies seitdem auch geblieben, so daß ein ständiger reger Geldverkehr zwischen beiden Instituten bestanden hat. Das geliehene Betriebskapital stellte sich in den letzten 10 Jahren auf durchschnittlich 149 110 Mk. jährlich, für die im Durchschnitt 5796 Mk. jährlich 3,88 o/o Zinsen bezahlt wurden. Als Betriebskapital ist auch der Reservefonds tätig, für den statutengemäß keine Zinsen in Anschlag gebracht werden dürfen. In den geringen Überschüssen der letzten Jahre ist also noch die Verzinsung des Reservefonds mitenthalten. Die im Durchschnitt der Jahre 1902/03 bis 1908/09 an die Armenkasse überwiesenen 2480 Mk. stellen eine Ver zinsung desselben mit 6,7 o/o dar, die auf 3,8 o/o zurückgeht, wenn man die verfallenen Auktionsüberschüsse außer Betracht läßt, d. h. nur die aus dem regulären Geschäft erzielten Gewinne berücksichtigt. Die auf dem Umweg über die Armenkasse erfolgende Entlastung der Stadtkasse reiht das Leihamt ebenfalls in die Klasse der Einnahmebetriebe OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
38 G. Goldstein. Tabelle 2: Finanzielle Ergebnisse. Von den Verwaltungs- Vermal- Zinsens. ! davon an a r n b - S o n s t i g e s einnahmen flossen aus tungskosten geliehenes Reindie O rtsdes Jahres betrugen geliehenes Ja h r — DfLM- , Ank, ions- u. ähnl. Betriebs- . ' a r m e n - ------------------------------------------------ Betriebs kapital- Überschüssen exkl. Zinsen kapital gewinn kaffe > die das derReservekapital Unsen u dal Aktiva Palstva Vermögen fonds _____________ M i. , M k ' Mk. Mk. 1 Mk. Mk. Mk. ________ Mk. ________ M d Mk. 1856 ____ 2 478 241 4 231 2091 675 ! — 74886 81300 — 6413 _______ 241 81 600 1857 - — - - — — — — - 1858 9 627 389 957 3891 — 267- 115 767 111 178 4590 578 29100 1859 14 254 398 742 4400 5318' ! 436- 114 040 105 015 9 024 750 104 500 I860 14318 380 2337 4062 3700' ' 243- 103 794 92262 11532 — 91200 1861 12 424 ! 491 2 789 4042 3335 264- 102 315 96 276 14867 — 94800 1862 15 192 143 6166 2748 4071 335 - 99 936 92 852 16103 - 89 400 1863 12 576 345 2 296 4958 2857 ! — 93 751 84 262 9 486 2 663 18 300 1864 10 434 — 7 429 3378 ( — 1986) 453 - 82 200 74 700 7 502 0 74 700 (neugebildet) 1865 11817 237 7 701 3564 3101 627- 108104 97 737 10 366- 237 97 500 1866 14435 141 13173 5494 836 ! 183- 167135 155975 11 160- 280 154500 1867 24287 — 18 276 7696 920 292- 189882 177801 12081» 201 177600 1868 26 805 267 14 346 7383 4676 i — 174158 158 084 16 074» 884 157 200 1869 24 341 — 15 279 7030 2945 ! — 176 973 157 953 19 019- 1654 156300 1870 24 287 — 15 050 7257 3596 ! — 187 769 165112 22 656» 1612 163500 1871 25 757 212 14 901 6769 3033 — 172 878 145 575 27 303 ^Reserves. 145 500 1872. 23160 — (i5 8 g g 5802 — — 142197 114600 27597 „ 114 600 1873 20174 391 (14 909 4625 — ! — 135044 107700 27344 „ 107 700 1874 19 005 252 200 5049 — — 153160 126 600 ! 26 560 „ 126600 1875 20826 — (17210 6129 — — 173853 148 200 25653 „ 148200 1876 23033 > — >17 378 6682 — — 170266 145100 25166 „ 145100 1877 23 878 s - (18 888 7257 — — 207 917 182 700 25 217 „ 182 700 1878 28 233 ! — >19036 8897 — — 236295 208 920 27 375 „ 208 200 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
III. Das städtische Leihamt. 39 1879 28 380 — 19 315 9677 — — 236 538 208 600»! 27 938 , 27 938 208 600 1880 26 975 — 17 981 8678 — — 208 839 184 600 j 24 239 i 24 239 184 600 IK I 25 741 — 19 259 7231 — — 191 981 169 000 » 22 981 22 981 169 000 1882 25 959 23 21462 6649 — — 178 672 158 500 » 20172 20172 158 500 1883 25 513 308 20 599 6584 1 063 — 186 835 165 600 21235 21 235 165 600 1884 31180 ? 21272 6529 13594 — 192929 158100 34829 34829 158100 1885 40103 ? (17957 6024 14 764 - 176 693 127 101 49592 36 000 125 800 1886 37 831 1062 >17 840 4420 ? 13 592« 154 756 104863 49 894 36 000° 103100 1887 35 058 1639 19 556 4159 — 13 894« 157 537 107 861 49 676 36 000 106 100 1888 34189 1544 19 967 4431 — 13 676« 167 397 118 569 48 827 36 000 117 400 1889 36156 985 24 356 4711 — 12827« 160 225 115884 44 340 36 000 114500 1890 34770 1144 30186 4884 — 8 340« 172494 133616 38878 36000 131900 1891 37 143 1377 30053 6254 - 1 9 766 2 878« 186 240 167128 19112 19112 162 700 1892 36 872 2098 35 407 7050 — 800 — 178 996 160 684 18 313 18 313 159800 1893 33594 659 32 507 6002 — 9 505 — 154893 146086 8 807 8 807 144600 1894 32 858 1135 32850 6133 — 3 986 — 170 211 165 390 4 821 4 821 164 000 1895 36 663 1165 32 398 6811 1876 — 184 392 177 695 6 697 6 697 176100 1896 39 817 1481 32 983 6212 2 828 — 184 330 174 805 9 525 9 525 172 900 1897/98» 50 591 1963 37 615 7636 8 635 - 194019 175 859 18160 18 160 174400 1898/99 42113 1249 31066 5860 ( 3 9 7 486 ' 338 551' 58 935 24 780 159 300 1899/00 41814 1293 31519 5723 5117 — 382 309 315482 66 827 29896 138800 1900/01 38 611 1314 32198 5660 3 924 — 394136 320512 73 623 33 821 147 000 1901/02 40168 1174 30993 5582 ! (7 806) _ (l390 877) (<309449, ! M 000 139 000 1902/03 39 283 1020 34230 5668 ( ^ 6 ) 2653 N U 6 6 ^ » 143 175^ zgogg 142 000 1903/04 39 034 1080 33115 5436 1490« AU, N Z 2 W Zgogg 133000 1904/05 36397 1051 31444 5214 (4 200) 1013« ((W g g A ((805 289 84 027 36 000 138 000 1905/06 38 322 1043 32102 6069 (5 012) 2135« W N S ( ^ 5 077) 89039 36 000 161000 1906/07 39585 995 33 351 6349 (2589) 3 974« ((3 ^ 853) 91641 36 000 156000 1907/08 40125 1074 35 007 6397 — 3 265« ( ^ 9 218) (334 602 94 616 36000 177 000 ___________________ - ! ! ' Jn k l. 747 Mk. Amortisation. - 2 Überschüsse von verfallenen Pfändern. — ' Exkl. Reservefonds — < Aus dem Vorjahre stammend. - s Im Ver mögen enthalten. - " Zeitraum von 5/4 Jahren. - Einschließlich Grundstück und M o b ilia r bzw. der Grundstückschuld. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
40 III. G. Goldstein, Das städtische Leihamt. ein, wenn auch seine Bedeutung für die städtischen Finanzen nur gering ist. Es liegt in der Natur des Institutes begründet, daß an eine Erzielung von höheren Überschüssen auf Kosten der Pfandschuldner nicht gedacht werden kann, im Gegenteil wäre eine Ermäßigung des hohen Zinsfußes sehr zu wünschen. Würde eine solche vorgenommen, so würde sich vermutlich der Umsatz auf Kosten der privaten Leihhäuser steigern, so daß der Einnahme ausfall, da die Generalkosten sich nur unwesentlich erhöhen würden, wieder ausgeglichen werden könnte. Für die privaten Leihhäuser, von denen gegen wärtig zwei bestehen, soll der gesetzlich zulässige Zinssatz einen guten Ver dienst ermöglichen; sie haben naturgemäß mit einem kleineren und weniger kostspieligen Spesenapparat zu rechnen als das städtische Institut und können wohl auch in geschmeidigerer Anpassung an die individuellen Verhältnisse die Beleihungsgrenze in einzelnen Fällen höher an den Schätzungswert rücken, so daß die Zinseinnahmen auch entsprechend höher ausfallen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
IV. Der Schlacht- und Viehhof. Halle war — nach statistischer Einteilung wenigstens — schon in die Reihe der Großstädte eingetreten, als es sich zur Errichtung eines Schlacht hofes entschloß, mit dem ein Viehhof verbunden wurde. Als beide Anstalten am 9. Januar 1893 eröffnet wurden, zählte die Stadt bereits rund 110000 Einwohner. Die in der Nähe des Güterbahnhofs liegenden und mit Eisen bahnanschluß versehenen Anstalten erforderten zu ihrer Errichtung einen Kostenaufwand von 2 399 250 Mk., wovon 1 743 607 Mk. aus den Schlachthof und 6^-5 643 Mk. auf den Viehhof entfielen. Von den mannigfachen Erweiterungen und Verbesserungen der Folgezeit erwähnen wir die Errichtung einer elektrischen Beleuchtungsanlage im Jahre 1904, die Erweiterung der Sanitätsanstalt zum Schlachten von krankem Vieh im Jahre 1905 und die neuerdings erfolgte Errichtung einer Lymphanstalt, die an den preußischen Fiskus weiterverpachtet worden ist. Die Verwaltung wurde einer gemischten siebenköpfigen Deputation (Kuratorium) unter dem Vorsitze eines Stadtrates unterstellt. Die eigentliche Geschäftsführung wurde einem Tierarzt als Direktor übertragen. Das weitere Personal bestand 1893 aus 2 Tierärzten, 20 Trichinenschauern, 2 Probenehmern, 2 Beamten zur Buch- und Kassen führung, 1 Pförtner, 4 Aufsehern, 4 Maschinisten und Dampfkesielwärtern und einer größeren Anzahl von Arbeitern. Es hat sich seither auf 4 Tier ärzte, 30 Trichinenschauer, 2 Probenehmer, 3 Verwaltungsbeamte, 4 Auf seher, 5 Maschinisten usw. und 31 Arbeiter gehoben. Auffällig ist der fast alljährlich mitunter sogar zwei- und dreimal eintretende Wechsel in der Besetzung der Tierarztstellen , der dem Anscheine nach auf die geringe Dotierung dieser Posten zurückzuführen ist. „Am 1. 4. 1903," heißt es in dem Verwaltungsbericht für 1903/04, „gaben die beiden Assistenztierärzte .... ihre Stellungen auf, um einträglichere Stellungen .... zu über nehmen. Sie wurden durch die beiden Tierärzte .... ersetzt. Beide schieden aber schon nach kurzer Zeit wieder aus, um sich ebenfalls zu ver bessern. Die städtischen Körperschaften sahen sich infolgedessen veranlaßt, OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
42 G. Goldstein. auf Vorschlag des Kuratoriums die Gehälter der Assistenztierärzte von 1800 auf 2400 Mk. zu erhöhen." Die Kassenführung und Rechnungslegung geschieht für beide Anstalten getrennt, wobei die Verrechnung für die gemein samen sachlichen und persönlichen Kosten derart geschieht, daß von dem Schlachthof 7/g und von dem Viehhof ^8 dieser Kosten getragen werden. Die Benutzung des Schlachthofes war, da die Fleischer durch Ortsstatut zu seiner Inanspruchnahme angehalten wurden, von Anfang an eine zufriedenstellende. Kleine Rückschläge, veranlaßt durch den wieder auf die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Viehpreise zurückzuführenden schwankenden Fleischkonsum, blieben nicht aus, im großen ganzen zeigt sich aber eine stetige Zunahme in der Gesamtzahl der Schlachtungen, die sich allerdings nicht gleichmäßig auf die einzelnen Vieharten verteilt. Die nach stehende Tabelle enthält die spezialisierten Angaben. Schlachtungen. Jahr Rindvieh Kälber Schafe, Ziegen Schweine Span ferkel, Zicklein Pferde, Esel Hunde Zusammen 1893 1681 3 628 ! 3 376 z 5 313 __ 163 ! 14161 1893/94 7 539 15 262 14 623 ! 32 319 16 860 3 70622 1894/95 7 348 13450 15162 i 31698 73 742 3 68476 1895/96 7 463 14105 14 690 ! 30 993 98 876 1 68 226 1896/97 8 211 15 182 15 399 ! 35 861 127 1646 1 76 427 1897/98 8 626 15 689 ' 15 635 34 660 169 2195 1 76 975 1898/99 9 212 16 714 16112 ! 34 546 129 2650 — 79 363 1899/1900 9 430 16 649 16 576 37 743 194 2570 1 83163 1900/01 10 289 17 889 ! 17 049 ! 41418 217 ! 2660 2 89 524 1901/02 10 505 18 222 ! 17 207 i 37 211 116 2987 3 86 251 1902/03 10 268 16 532 ! 17 373 ! 38 622 87 2633 2 85 517 1903/04 10 152 16 578 ' 16 596 ! 45 627 678 2125 ! 2 91 758 1904/05 10 791 16 327 15 530 ! 47 652 500 2201 ! — 93 001 1905/06 11107 15 328 ; 17 318 ! 43 106 261 3123 1 90 244 1906/07 10 925 15 335 ! 16 277 ! 45 341 ! 168 3124 91470 1907/08 10 798 15 825 ! 15 491 53179 235 2718 ! — 98 246 Setzt man in dieser Tabelle die Anfangszahlen (1893/94) gleich 100 und bezieht hierauf die Endzahlen (1907/08), so ergeben sich: für Rinder 144, für Kälber 104, für Schafe 106, für Schweine 165, für Pferde 315 und für die Gesamtschlachtungen 140. Die Gesamtzahl der Einwohner der Stadt hat in demselben Zeitraum im Verhältnis 100 : 160 zugenommen, also etwa in demselben Verhältnis wie die Zahl der Schweineschlachtungen. Wenn die Zahl der Gesamtschlachtungen hinter diesem Verhältnis zurück geblieben ist, so mag dies einmal darauf zurückzuführen sein, daß die Ein gemeindung von engbenachbarten Vororten, die ihren Fleischbedarf zum Teil schon vor der Eingemeindung aus dem städtischen Schlachthause deckten, keine OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
IV. Der Schlacht- und Viehhof. 43 ebenso starke Zunahme der Schlachtungen wie der Bevölkerung bringen konnte und dann auch darauf, daß diese Vororte vorwiegend Arbeiter bevölkerung enthielten, deren Fleischkonsum an sich verhältnismäßig gering ist. Eine besondere Erhöhung der Frequenz des Schlachthofes wird dadurch herbeigeführt, daß die jüdischen Schlächter aus dem benachbarten Leipzig ihre Schlachtungen auf dem Halleschen Schlachthofe vornehmen, da Schlachtungen nach jüdischem Ritus in Leipzig verboten sind. Die Mehreinnahme der Stadt hieraus ist nicht unbedeutend, da z. B. im Jahre 1907/08 bei den Rindern 995 — 9,2 o/o, bei den Kälbern 1380 8,7 o/o der Gesamtzahl auf diese Schlachtungen entfiel. Weit ungünstiger waren die Resultate bei dem Vieh Hof, der seit seiner Gründung das Sorgenkind unter den städtischen Betrieben gewesen ist. Ein Zwang zu seiner Benutzung wie bei dem Schlachthofe konnte nicht ausgeübt werden. Die Viehhändler wollten naturgemäß von der Benutzung ihrer Handelsställe nicht abgehen, und die Fleischer blieben ihrer alten Gewohnheit treu, das Vieh selbst auf dem Lande einzuhandeln. Dazu kam, daß sich auf der Tränkstation des Güterbahnhofes seit altersher ein Viehhandel ein gebürgert hatte, der dem Viehhofe empfindliche Konkurrenz bereitete und über den alljährlich in den Verwaltungsberichten lebhaft geklagt wird. Vor stellungen bei der Eisenbahnbehörde, die ihn unterdrücken sollte, hatten keinen Erfolg. Auch ein Markt mit Magervieh und Ferkeln, der eingerichtet wurde, konnte sich nicht recht einbürgern, weil ihm die Märkte auf dem Roßplatz und dann auch der Hausierhandel mit Ferkeln scharfe Konkurrenz bereitete. Die Marktgebühren, die sich als zu hoch erwiesen hatten, wurden deshalb schon im Eröffnungsjahre erheblich herabgesetzt, ohne daß damit zunächst irgend ein Erfolg erzielt worden wäre. Es trat im Gegenteil 1895/96 und in den folgenden Jahren noch ein starker Rückschlag in der Frequenz ein, und erst von 1901 ab ist eine stärkere Zunahme in der Benutzung des Viehhofes zu verzeichnen, die besonders stark im letzten Berichtsjahr 1907/08 gewesen ist. Genauere Angaben über den Auftrieb und seine Verteilung auf die einzelnen Viehsorten enthält die nachstehende Tabelle. (Siehe die Tabelle S. 44.) Wie sehr aber die Inanspruchnahme des Viehhofes gegenüber der des Schlachthofes zurückgeblieben ist, zeigt die nachstehende Zusammenstellung. Von je 100 im Schlachthof geschlachteten Tieren passierten nämlich den Viehhof im Jahre Rinder Kälber Schafe Schweine Gesamtzahl der Schlachtungen 1893/94 15 9 27 57 35 1900/01 43 18 16 39 30 1907/08 48 29 33 64 50 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
44 G. Goldstein. Auftrieb auf den Biehhof. Jahr Rinder Kälber Schafe Schweine Zusammen 1893 445 447 1551 2116 4 559 1893/94 1144 1380 3909 18 564 24 997 1894'95 4037 1125 1550 20 999 27 711 1895/96 1109 1348 465 11484 14406 1896/97 2143 1178 1846 12 571 17 738 1897/98 2731 1569 2962 12 207 19 469 1898/99 3396 2104 3110 14 927 23 537 1899/1900 3696 2439 3156 17 148 26 439 1900/01 4404 3299 2656 16 177 26 536 1901/02 5322 3766 3756 17 432 30 276 1902/03 5321 3437 2684 19 069 30 511 1903/04 4488 3648 3213 22 480 33 829 1904/05 5149 3468 3500 25 609 37 776 1905/06 4812 3834 4614 24 281 37 541 1906/07 4939 4015 5011 26 093 40 058 1907/08 5230 4575 5184 34107 49 096 Die Tabelle zeigt deutlich, daß der Viehhof auch heute noch weit davon entfernt ist, dem Schlachthof sein gesamtes Material zu liefern. Sie läßt auch erkennen, wie verschieden die Handelsgebräuche bei den einzelnm Schlachtvieharten sind, wie besonders bei den Kälbern und Schafen offenbar das Aufkäufen auf dem Lande seitens der Fleischer noch überwiegt, während bei den Schweinen das Handelsgeschäft sich heute schon überwiegend und bei den Rindern fast zur Hälfte im Viehhofe abspielt. Sie lehrt endlich, wie schwierig es ist, alteingewurzelte Handelsgebräuche durch Verwaltungs maßnahmen auszurotten. Zu diesen Maßnahmen ist auch zu rechnen, daß 1896/97 bestimmt wurde, daß auf dem Schlachthofe von der Straße erst nach 8 Uhr Vieh eingebracht werden dürfe, wodurch sich immerhin mancher Fleischer veranlaßt gesehen haben mag, sein Vieh schon vorher auf dem Viehhofe einzustellen. Der Wunsch nach einer Ausnutzung der großen Räumlichkeiten führte im Jahre 1899/1900 dazu, die Großviehmarkthalle an die Garnisonverwaltung und vom 1. September 1900 ab an die Ge nossenschaft für Viehverwertung zu vermieten. Bei der Festsetzung der Gebühren sind die Städte bekanntlich durch das Kommunalabgabengesetz von 1895 beschränkt, wonach Gebühren nur bis zu einer solchen Höhe erhoben werden dürfen, „daß durch ihr jährliches Aufkommen die Kosten der Unterhaltung der Anlage und des Betriebes, sowie ein Betrag von 8 o/v des Anlagekapitals und der etwa gezahlten Entschädigungssumme gedeckt werden." Es wird sich zeigen, daß man OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
IV. Der Schlacht- und Viehhof. 45 auch in Halle bis hart an diese obere Grenze herangegangen ist. Es be trugen die Schlachtgebühren: ab 1893 1895/96 1901/02 sür Ochsen und Bullen . 4, — „ Kühe ......................... 3,50 „ Kälber .................... 1, — „ Schafe und Ziegen . 0,75 „ Schweine (einschließlich 0,75 Mk. Trichinen schaugebühr) . . . 3, — „ Pferde ......................... 4, — „ Hunde ......................... 0,50 Die Untersuchungsgebühren für das 5, — 4,50 Mk. pro Stück, 4,50 4, — „ „ 1,10 I,- „ „ 0,90 0,80 , „ 3,25 3, „ „ „ 4, — 3,60 „ „ 0,50 0,50 „ „ dem Schlachthof direkt zugeführte Vieh betrugen: für Rinder ...................... „ Kälber ...................... „ Schafe und Ziegen „ Schweine .... ab 1893 1895/96 1,50 1, - Mk. pro Stück, 0,40 0,40 „ „ 0,30 0,30 „ „ 0,75 0,50 „ „ „ Für den Viehhof besteht eine gesetzliche Höchstgrenze der Gebühren nicht, eine solche wird aber von selbst dadurch gezogen, daß zu hohe Gebühren von der Benutzung des Viehhofes noch mehr abschrecken würden. Die Marklgebühren betrugen : ab 9. Jan. 1893 ab 1. Dez. 1893 für Rinder 1,50 1, — Mk. pro Stück, „ Kalber 0,40 „ „ Schweine 0,75 0,50 „ „ „ „ Schafe 0,30 „ „ Die finanziellen Ergebnisse des Schlachthofes sind in nach stehender Tabelle zusammengestellt. (Siehe die Tabelle S. 46.) Bei den in Spalte 2 wiedergegebenen Gesamteinnahmen sind, soweit sich dies ermöglichen ließ, alle durchlaufenden und rein rechnerischen Posten, ebenso die aus den Vorjahren übernommenen Bestände ausgeschieden worden da es darauf ankam, lediglich die Betriebseinnahmen der laufenden Jahre zu erhalten. Spalte 3 gibt an, wieviel von diesen Einnahmen auf Ge bühren entfallen. Der Nest der Einnahme stammt aus Mieten, Einnahmen aus dem Verkauf von Eis, Dünger, Blut usw. Sein Anteil an den Ge- * Eine ganz genaue Ausschaltung war nicht immer möglich, weil bei den Einnahme- und Ausgabeübersichten des Schlachthofes manche Posten nicht detailliert, sondern mit anderen zusammen erscheinen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
52 Hugo Wasmuht. vorgesehen worden , daß sich das Bau- und Betriebskapital mit 5 o/o ver zinsen und nach 30 Jahren amortisiert werden sollte. Es war außerdem angenommen worden, daß die Gasanstalt einen solchen Ertrag abwerfen würde, daß sie von den zur öffentlichen Beleuchtung erforderlichen 8202 Taler 5202 Taler würde tragen können, so daß die Stadt trotz dieser besseren Beleuchtung nicht mehr als bisher für die schlechte Ölbeleuchtung, nämlich 3000 Taler beizusteuern haben würde. Die Betriebsergebnisse der ersten drei Jahre blieben jedoch hinter diesen Erwartungen bedeutend zurück; die Herstellungskosten des Gases überstiegen sogar den Verkaufspreis desselben, obgleich der Preis der Kohlen mit 16,73 Mk. pro 1000 anormal gering war. Dieses schlechte Ergebnis ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß der Gasverlust in dem Rohrnetz bis zum Jahre 1858 bis 30 o/o der gesamten Gasproduktion betrug. Erst nachdem das ganze Rohrnetz einer gründlichen Reparatur unter zogen worden war und die Leitung der Gasanstalt in die Hand eines er fahrenen Gastechnikers überging, begann dieselbe allmählich geringe Über schüsse abzuwerfen, die nun fortgesetzt wuchsen. Es wurde jedoch, um erst eine feste, finanzielle Grundlage für den Weiterbelrieb der Gasanstalt zu schaffen, zunächst davon abgesehen, die Überschüsse der Stadtkasse zuzuführen; infolgedessen konnte bereits im achten Jahre des Bestehens der Gasanstalt der Preis des Gases von 2^8 Talerauf 2^6 Taler für 1000 edk ermäßigt werden. Im Jahre 1867, dem elften Betriebsjahre, wurde der erste Überschuß in Höhe von 24 600 Mk. der Stadtkämmereikasse zugeführt. Von jetzt ab arbeitet die Gasanstalt mit so hohen Überschüssen, daß in jedem Jahre hohe Beträge der Stadtkasse überwiesen werden können. Die der Kasse zu gewiesenen Beträge wachsen mit wenigen Ausnahmen von Jahr zu Jahr, so daß im Rechnungsjahr 1906/07 437 670 Mk. abgeliefert werden konnten. Die ganze Summe, die seit dem Bestehen der Gasanstalt bis zu dem Jahre 1906/07 der Kämmereikasse überwiesen wurde, beträgt 8109 989,56 Mk. Außerdem sind von dem Anlagekapital von 5 506 933 Mk. , das zur Er richtung der Gasanstalt und für die späteren Erweiterungen derselben bis zum Schluß des Rechnungsjahres 1906/07 erforderlich gewesen ist, seither 3 250 833,28 Mk. abgeschrieben worden, so daß nur noch ein Buchwert der Städtischen Gaswerke von 2 256 099,72 Mk. verbleibt. Wie eben dargelegt wurde, wurde ein Teil der Betriebsüberschüsse der Gaswerke in jedem Jahre der Stadtkasse zugewiesen und zu Abschreibungen für die Abnutzung der Betriebseinrichtungen verwandt. Ein Teil der Über OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
V. Die Gasanstalt. 53 schüsse wurde dazu verwandt, zu ermöglichen, den Verkaufspreis des Gases dauernd herabzusetzen. Der Verkaufspreis des Gases betrug bei Eröffnung der Gasanstalt 2^/s Taler pro 1000 edk, nach Eingang der ersten Überschüsse wurde er im Jahre 1864 auf 2*/s Taler pro 1000 edk ermäßigt. Im Jahre 1871 wurde der Preis, obgleich die Herstellungskosten des Gases gegen die beiden vorhergehenden Jahre um eine Mark pro 100 edm infolge eines Steigens der Kohlenpreise von 19,53 bezw. 20,35 Mk. auf 23,73 Mk. pro 1000 gestiegen waren, auf 20 Pfg. für das edm herabgesetzt. Weitere Preisermäßigungen auf 18 Pfg. für das edm erfolgten im Jahre 1879 und auf 16 Pfg. im Jahre 1898. Letzterer Preis ist bis heute für Gas, das zu Leuchtzwecken Verwendung finden soll, beibehalten worden. Der immer zunehmenden Verwendung des Gases zu Krafts Heiz- und Kochzwecken trug der Magistrat dadurch Rechnung, daß er den Preis des für diese Zwecke verwandten Gases im Jahre 1887 auf 13,5 Pfg. pro edm und im Jahre 1894 auf 10 Pfg. pro edm ermäßigte. Durch diese bedeutenden Preisermäßigungen sank der Erlös für 1 ebm Nutzgas von 23 Pfg. auf 13 Pfg. herab, trotzdem wuchsen die Überschüsse der Gaswerke ständig, da der Gaskonsum infolge des billigen Preises des Gases bedeutend zunahm. Die beigefügte Tabelle gibt eine klare Übersicht dieser Verhältnisse und ihrer gegenseitigen Einwirkung. Die immer fühlbarer werdende Konkurrenz der elektrischen Beleuchtung zwang den Magistrat zu energischen Maßnahmen, um gegen diese Konkurrenz erfolgreich ankämpfen zu können; so wurden in der Straßenbeleuchtung überall die Schnittbrenner durch Auerbrenner ersetzt und außerdem wurde im Jahre 1898 der Beschluß gefaßt, daß die Privatanschlüsse bis zu den Gasmessern, die innerhalb der Wohnungen aufgestellt werden, auf Kosten der Stadt ausgeführt werden. Dieser Beschluß ist, nachdem er sieben Jahre in Kraft war, allerdings wieder aufgehoben worden, jedoch ist durch ihn die Einführung der Gasbeleuchtung in Privatwohnungen zweifellos sehr ge fördert worden. Durch die Einführung des Auerlichtes ist die Gasbeleuchtung so beliebt geworden, daß selbst nach der im Jahre 1901 erfolgten Er öffnung des städtischen Elektrizitätswerkes der Gaskonsum noch ständig wuchs. Die Zahl der Verbrauchsstellen ist von 71 bei Eröffnung des Werkes auf über 14 000 gestiegen. 3. Schuldentilgung. Von den zum Bau der Gaswerke aufgenommenen Anleihen in Höhe von 2 205 618,88 Mk. sind bereits 1 574490,22 Mk. aus den Betriebs- OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
54 Hugo Wasmuht. 1186 SOS 640^ S 521 337,61 >3 250 421,83 — 2 205 618,88 Nr. Betriebsjahr Gas erzeugung Ausgaben für Anlage und Erweiterungen der Werke Abj schreibungen Buchwert der Gasanstalten Auf genommene Anleihe schulden 1 2 34 5 ! 6 1 14. Dez. 1856 bis Mk. Mk. ' Mk. Mk. 30. Juni 1857 680 614 681 696,59 23155,36 658 541,23 673 050, — 2 1. Juli 1857/58 ! 3 1. „ 1858/59 541 720 6 855,97 5 653,57 j 659 743,63 16 950, — 4 1. „ 1859/60 493 796 5 930, — 6 317,25 659 356,38 21 000,- 5 1. „ 1^60/61 542 018 32 451,27 13 330,91 ! 678 476,74 — 6 1. „ 1861/62 612 426 5 826,43 13125,60 ! 671 177,57 — 7 1. „ 1862 63 697 818 3 625,57 12 851,40 661 951,74 — 81. „ 1863/64 807 708 6 830,12 12 595,43 ! 656 186,43 — 9 1. „ 1864/65 902 011 2 854,24 12 333,02 646 707,65 — 10 1. „ 1865'66 1015 011 70 689,45 13 474,95 703 922,15 — 11 1. „ 1866/67 1 108 024 2 383,09 13150,45 693 154,79 _ 12 1. „ 1867/68 1137 083 2 083,41 12 844,66 j 682 393,54 — 13 1. „ 1868/69 1 198 710 9 754,15 12 800,19 ! 679 347,50 — 14 1. „ 1869/70 1 305 696 6 482,90 12 686,05 673 144,35 — 15 1. „ 1870/7 l 1 308 664 4 724,87 ! 12 449,19 ! 665 420,03 — 16 1. „ 1871/72 1473 621 4 930,08 12 284,38 658 065,73 — 17 1. „ 1872/73 1 758 860 107 182,70 13 856,88 > 751 391,54 — 18 1. „ 1873/74 I 919 490 25 519,98 14 060,84 , 762 850,69 57 000, — 19 1. „ 1874/75 2 080 160 114 314,02 15 977,40 I 861 187,31 234 000, — 20 1. „ 1875/76 2 188 000 27 304,16 16 535,99 ! 872 355.48 9 000, — 21 1. „ 1876/77 2 196 050 7 816,96 16 108,93 864 063.51 ! — 22 1. „ 1877/78 2 307 646 27 965,29 16 326,38 ! 875 702,42 — 23 1. „ 1878/79 2 345 790 545 820,49 25 464,11 1 396 058,80 — 24 1. „ 1879/80 2 381 830 10 727,77 25 005,25 1381781,82 — 25 1. „ 1880/81 2 480 200 9 477,61 24 62l,39 1 366 637,54 — 26 1. „ 1881/82 2 696 270 15 892,13 24 827.55 1 357 702,12 — 27 1. „ 1882/83 2 903 880 15 532,01 24 402,39 1 348 831,74 — 28 1. „ 1883/84 3 328 490 20 688,13 24 268,51 1345 251,36 — 29 1. „ 1884 bis 31. März 1885 2 156 480 8 829,39 18 099,45 1335 081.30 — 30 1. April 1885/86 3 721 410 4 338,75 24 013,63 1316 306,42 150 000, — 31 1. „ 1886/87 3 886 420 171 629,80 46 327,43 1 441 608,79 — 32 1. „ 1887/88 4 149 090 19 410,42 56 305,91 1404 713,30 — 33 1. „ 1888/89 4 5^0 820 61 066,25 381473,96* 1 084 305,59 — 34 1. „ 1889/90 5 103 640 23 312,89 49 001,25 1 058 617,23 — 35 1. „ 1890/91 5 224 330 25 470,72 47 809 94 1 036 278,01 258 000, — 36 1. „ 1891/92 5 103 420 1 014 256,09 66 164,01 1 984 370,09 ! 100378,88 37 1. „ 1892/93 5 027 570 38 222,20 81 855.81 1 940 736,48 ! — 38 1. „ 1893/94 5 034 910 30 302,88 79 782,89 1 891 256,47 i — 39 1. „ 1894/95 5 168 280 48 557,22 78 498,18 1 861 315,51 I — 40 1. „ 1895/96 5 513140 77 880,63 76 918.86 j 1 862 277,28 ! — 41 1. „ 1896/97 5 891 120 176 113,54 110 158,85 1 928 231,97 - — 42 1. „ 1897/98 6 223 250 439 187,72 M 749.36 2 230 670,33 266 250, — 43 1. „ 1898/99 6 956 720 137 661,70 148 090,95 2 220 241,08 — 44 1. „ 1899/00 7 843 280 175 869,35 l56 484,64 2 239 625,79 — 45 1. 1900/01 8 228 850 , 341 735,- 169 688,98 2 411 671,81 55 990, — 46 1. „ 1901/02 8 326 400 116 131,61 169 660,19 2 358 143,23 — 47 1. „ 1902/03 8 474 130 92 796,51 198 058,41 2 252 881,33 — 48 1. „ 1903D4 8 579 690 190 793,03 225 019,23 2 218 655,13 150 000, — 49 1. ,, 1904/05 8 866 290! 127 083,54 204 137,44 2141601,23 66 000, — 50 1. „ 1905/06 9 405 540! 330 833.52 149 574,24 2 322 860,51 148 000, — 51 1. „ 1906/07 9 783 380 ! 94 295,46 146 240,19 2 256 099,72 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
V. Die Gasanstalt. 55 Schulden tilgung Schuld bestand am Schluß des Jahres An die Kämmereikasse abgelieferter Gewinnanteil Durchschn. Preis für 1000 kx Kohlen Herstellungs für 100 «km Nutzgas Durchschn. Erlös für 1 «km Nutzgas Bemerkungen 7 8 ! 9 10 11 12 13 Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. — 673 050, —— 16,73 29,16 23,55 — 690 000,- — 22,57 23,75 23,60 — 711000 — — 24,43 20,27 23,47 37 515 — 673 485, — — ! 22,12 18,54 23,12 45 015 — 628 470, —— 21,54 13,73 23,01 66 360,- 562 110, — — 21,13 13,17 22,36 50 992,50 511 117,50 — ! 21,19 14,26 22,23 30 907,50 480 210, — __ ! 20,22 13,37 19,75' * Gaspreisermäßi 31 005, — 449 205^ — — ! 21,67 12,85 19,28 gung von 22/, Tlr. auf 2'/s Tlr. für 46 905, — 402 300, — — 22,61 12,56 19,19 l000 «kk. 15 800 — 387 000, — 24 615,75 21,04 11,55 18,27 14 415, — 372 585, — 50494,23 19,15 10,27 18,10 17 700,- 354 885, — 51 756,95 19,53 9,99 18,18 12 630, — 342 255 — 63 045,48 20,35 10.02 17,95 17 040, —325 215, — 68 900,54 23,73 11,39 17,742 2 Gaspreisermäßi- 14 107,50 311 107,50 77 195,45 24,87 12,39 17,55 gung auf 20 Pf. für das Kubikmeter. 13 830, — 354 277,50 80 024,55 25,52 11,15 17,49 17 437,50 570 840, — 76 496 60 26,87 12,55 17,45 25 140, — 554 700,- 72 636,40 23,51 10,70 17,43 19 800, — 534 900, — 72 598,45 20,86 9,43 17,58 21 300, — 513 600 — 127 135.26 19,04 8,89 17,60 22 800,- 490 800, — 107 544,21 17,90 8,70 16,99 s Gaspreisermäßi 28 200,- 462 600,- 129 370,17 18,24 8,66 16,14» 149 625, — 312 975 — 125 393,88 18,35 8,39 16,00 gung auf 18 ^.f. für das Kubikmeter. 26 100, — 286 875 — 146 316,10 18,26 7,41 15,81 57 000, — 229 875, — 134 149.71 18,88 7,20 15,66 58 500,- 171 375,- 140 161,38 18,19 7,64 15,56 59 700 — 111675 — 111 114,01 18,29 6,72 15,61 60 900, — 200 775, — 153 098,67 18,04 7,35 15,54 45 000 — 155 775, —160 044,83 17,91 7,21 15,434 4 Preis für Koch-, 155 775, — __ 173 098,54 237 739,35 17,75 17,88 7,26 6,83 15,38 15,29» Heiz-u.Krafsgas auf 13,^ Pf. ermäßigt. 2 Spalte 4: — --- I 268 378,89 19,01 6,88 15,25 332480,13 Mk. außer — 258 000, — 239 368,89 25,27 9,24 15,23 ordentliche Abschrei bung. 18 750 — 339'628,88 279 761,10 23,37 9,10 15,21 18 750 — 320 878,88 280 452,34 20,23 8,59 15,12 17 918,94 302 959,94 2^1 528,30 19,90 8,54 15,01 17 918,94 285 041 — 272 618,61 19,72 8,17 14.806 e Preis für Koch-, Heiz- und Kraftgas auf 10 Pf. ermäßigt. 17 918,94 267 122,06 287 523,88 19.69 7,54 14,69 17 918,94 249 203,12 302 063,35 19,39 7,77 14,69 17 918,94 497 534,18 318 364,60 19,11 8,05 14,69 81 231,44 466 302,74 287 652,09 19,11 8,57 13,20? ? PreisfürL eu ch t- 31231,44 435 071,30 304 000, — 19,74 8,18 12,97 gas auf 16 Pf. er mäßigt. 31 231,44 459 829,86 332 520, — 22,78 8,19 13,06 34 030,94 425 798,92 347 069, — 22,52 9,12 12,99 34 030,94 391 767,98 358 858, — 20,77 8.41 13,01 41 546,44 500 221,54 320 200, — 20,'8 8,38 13,10 41 546 44 524 675,10 375 800, — 19,82 8,08 13,10 41 546,44 631 128,66 433 230 — 19,11 7,75 13,05 59 032,02 572 096,64 437 670, — 19,32 12,98 1633 522,24 - ! 8 109 989,56 — — - I OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
56 V. Hugo Wasmuht, Die Gasanstalt. Überschüssen zurückgezahlt worden, so daß nur noch eine Schuld von 631128,66 Mk. verbleibt, die jedoch durch die vorhandenen Geldwerte und Kohlenrestbestände vollauf gedeckt wird. Die Preise der Gaskohlen sind im allgemeinen großen Schwankungen nicht unterworfen gewesen, vereinzelte Preissteigerungen zeigen sich im Jahre 1870/71 und 1901/02; in dem erstgenannten Jahre war die Preiserhöhung auf den großen wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Kriege 1870/71 und in dem letztgenannten durch den Bergarbeiterausstand in Westfalen zu erklären. Ebenso sind sich auch die Herstellungskosten des Gases annähernd gleich geblieben. Wenn auch einerseits die Herstellungskosten durch verbesserte Betriebseinrichtungen herabgesetzt wurden, so wurde dieser Gewinn durch das starke Steigen der Arbeiterlöhne wieder ausgeglichen. Die Löhne der Tagelöhner stiegen von 1 — 1,30 Mk. im Jahre 1856 auf 3,20 — 3,80 Mk. im letzten Berichtsjahr; die Löhne der Netortenhausarbeiter stiegen in dieser Zeit von 1,40 — 1,60 Mk. auf 4,20 — 4,40 Mk. für die zwölfstündige Schicht. An Nebenprodukten wurden nutzbringend verwandt: Koks, Teer, Ammoniakwasser, Graphit und ausgenutzte Reinigungsmasse. Die Preise dieser Nebenprodukte richteten sich immer nach den jeweiligen Marktpreisen. Die bei dem Verkaufe derselben erzielten Einnahmen waren im Berichtsjahr 1906/07 so hoch, daß 69,36 o/o der verarbeiteten Kohlen durch dieselben Deckung fanden. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
VI. Das Wasserwerk. 1. Geschichte. Das Städtische Wasserwerk zu Halle a. S. besteht seit dem Jahre 1869. Schon seit dem Jahre 1858 war öfters die Frage der Beschaffung einer Wasserleitung bei den städtischen Behörden angeregt worden, jedoch mußte die Erledigung dieser Frage mit Rücksicht auf die ungünstige Finanz lage der Stadt bis auf weiteres vertagt werden. Das Bedürfnis nach einer Wasserleitung machte sich jedoch immer mehr fühlbar, und so wurden denn im Jahre 1863 von Magistrat und Stadt verordnetenversammlung die Bildung einer Kommission beschlossen, die mit der Vornahme der zur Errichtung der Wasserleitung erforderlichen Vor arbeiten betraut wurde. Die Angelegenheit wurde besonders seit dem Jahre 1866 sehr dringend, da in diesem Jahre Halle von einer schweren Cholera epidemie heimgesucht wurde, die sehr viele Opfer forderte. Am 22. Juni 1867 beschloß die Stadtverordnetenversammlung: 1) Die Ausführung eines umfassenden Wasserwerkes imstande 200 — 250 000 Kubikfuß Wasser täglich aus dem Kiesboden an der Elster bei Beesen in die Stadt zu liefern, nach dem durch die Kommission modi fizierten Anschläge mittelst Vergebung der einzelnen Arbeiten in Teil-Entre prisen im Wege beschränkter Submission, sobald das Allerhöchste Privilegium wegen Emission einer Anleihe von 600 000 Taler eingegangen und die Beschaffung des Geldes gesichert sei. 2) Die Anlagekosten für das Wasserwerk werden auf die Summe von 362 076 Taler 24 Sgr. festgestellt und der Wasserwerksverwaltung zur Beschaffung von Wassermessern und vorschußweisen Anlage von Privat leitungen im Inneren der Häuser 15 000 Taler zur Verfügung gestellt." Der Bau des Werkes wurde im Juli 1867 begonnen. Die Grund züge des Entwurfes waren: ein Wasserquantum bis zu 250 000 Kubikfuß aus dem zwischen Elster und Saale gelegenen Kiesboden durch Drainage OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
58 Hugo Wasmuht. derartig zu gewinnen, daß es zu jeder Jahreszeit vollständig gereinigt, mittelst einer Dampfmaschine von 70 auf die 184 Fuß über der Elster liegenden Vorratsreservoirs von zusammen 115 000 Kubikfuß Inhalt zu fördern und von da durch die verschiedenen Leitungen aus gußeisernen Rohren nach allen Teilen der Stadt und bis in jedes Stockwerk, selbst der höchstgebauten Häuser, zu führen sei. Anfang April 1868 wurde das Werk eröffnet und bis September desselben Jahres war die ganze Stadt mit Wasser versorgt. Der Wasser verbrauch im ersten Betriebsjahre vom 1. April 1868 bis 1. Januar 1869 betrug 12 000 000 edk. Die Länge der Rohrleitung betrug 11500 Nuten. Das Wasserwerk war einschließlich der Kosten für sämtliche Hausanschlüsse auf 415 600 Taler veranschlagt worden. Nach Schluß der Rechnung stellten sich die wirklich aufgewandten Kosten auf 414 440 Taler 19 Sgr. 6 Pfg., die des Grunderwerbes auf 4256 Taler 28 Sgr. 9 Pfg., die Gesamt anlagekosten mithin auf 418 697 Taler 18 Sgr. 3 Pfg. Gegen alles Erwarten stieg der Wasserverbrauch, den man auf 3 edt pro Kopf und Tag veranschlagt hatte, schon in den ersten Jahren des Be stehens des Wasserwerkes so stark, daß schon 1870 ca. 4 edf pro Kopf und Tag verbraucht wurden. Es wurde deshalb erforderlich, besonders da man sich über die in dem seitherigen Pumpgebiet zur Verfügung stehenden Wasser menge, wie sich nachträglich herausstellte, getäuscht hatte, neue Quellen zu erschließen und das Wasserwerk dementsprechend zu vergrößern. Man ent schloß sich deshalb, auch auf dem rechten Elsterufer, auf dem ebenfalls um fangreiche Kieslager festgestellt worden waren, Saugleitungen anzulegen, so daß das Wasserwerk nun in der Lage war, das erforderliche Wasser quantum abwechselnd aus der einen oder der anderen Saugleitung oder aus beiden zugleich heben zu können. Die Erweiterung der Saugleitung kostete 3180 Taler. Durch diese Vergrößerung der Saugleitung, die ca. 900 Fuß in 20 zölligen Tonrohren betrug, schien der Wasserbedarf vorläufig ausreichend gedeckt; jedoch trat bereits im Jahre 1872 durch starkes Sinken des Wasser spiegels in der wasserführenden Kiesschicht wieder Wassermangel ein, so daß man sich zu neuen umfassenden Erweiterungsbauten genötigt sah. Die Ge samtkosten dieser Erweiterungen betrugen 101085 Mk. 1877 wurde der Druckrohrstrang in das Dorf Beesen verlängert, in dem sich neun Hausbesitzer anschließen ließen. Die nächsten Betriebsjahre bringen alle mehr oder weniger weitgehende Erweiterungen der Wasserleitungsanlage, von denen im Folgenden nur die bedeutendsten hervorgehoben werden sollen. Leider sind die für Bearbeitung der Geschichte des Wasserwerkes zur Verfügung stehenden Angaben nicht ausreichend, um die Entwicklung der ganzen An OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
VI. Das Wasserwerk. 59 läge von Jahr zu Jahr genau verfolgen zu können; von der Aufstellung einer diese Fragen betreffenden Tabelle wurde deshalb abgesehen. Im Jahre 1876 wurde mit einem Kostenaufwand von 59 401 Mk. ein neuer Druckrohrstrang bis zum Leipziger Platz gelegt. Erweiterungen der Sammelrohrleitung erforderten im Jahre 1878 einen Kostenaufwand von 24 813 Mk. Zur Sicherung und Erweiterung der Wassergewinnungsanlage wurden im Jahre 1886 größere Landankäufe im Preise von 262 537,58 Mk. gemacht; der bereits im Jahre 1881 be gonnene Wasserturm in der Magdeburgerstraße kostete bis zu seiner Fertig stellung 122 633,51 Mk. Für Neubauten (besonders einer Enteisenungsanlage) und Neu anschaffungen bewilligten die städtischen Behörden im Jahre 1895/96 750 000 Mk. In dem folgenden Jahre wurden für den Neubau eines Wasserturmes auf dem Roßplatz 172 650 Mk. bewilligt. Das Jahr 1899 brachte Ausgaben in Höhe von 550 000 Mk. für Terrainankäufe und Erweiterungsbauten. Das Berichtsjahr 1900/01 ist in sofern von Bedeutung für die Wasserversorgung von Halle, als in diesem Jahre durch die Eingemeindung der Vororte Giebichenstein , Trotha und Cröllwitz die Übernahme des Giebichensteiner Wasserwerkes (Pumpwerk II) erfolgte. Das Wasserwerk Giebichenstein besteht seit 1893; es entnimmt sein Wasser aus einer Kiesschicht, die zwischen Saale und Götschebach liegt. Die Baukosten betrugen insgesamt 575 142,10 Mk. Im Jahre 1901/02 übernahm das städtische Wasserwerk die Wasser versorgung der Landgemeinde Ammendorf. Das gesamte Wasserrohrnetz der Stadt Halle betrug 1907 190 927 m. Das Gesamtanlagekapital beträgt 6 265 153,64 Mk. 2. Wirtschaftliche Ergebnisse. Das zur Errichtung der Wasserleitung erforderliche Kapital wurde durch eine Anleihe beschafft, die in Höhe von 600 000 Mk. ausgenommen wurde. Die Deckung der Zinsen für die Anleihe wurde durch eine Erhöhung der Gebäudesteuer erreicht. Der Magistrat erließ am 17. Januar 1868 eine Verordnung, wonach ein Zuschlag zu der mittelst Gesetz vom 21. Mai 1861 eingeführten allgemeinen Gebäudesteuer entrichtet werden soll. Die Ver ordnung bestimmt, daß von allen im Stadtbezirk Halle belegenen, zu der Staats-Gebäudesteuer für Wohnhäuser mit 4 o/o des Nutzungswerles ver anlagten Gebäuden ein Kommunalzuschlag von 100 o/o der Staatssteuer zu entrichten sei. Gleichzeitig wird bestimmt, daß bei allen zur Kommunal- Gebäudesteuer heranzuziehenden Häusern die Wasserzuleitungsrohre vom OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
60 Hugo Wasmuht. Straßenstrange an bis zu dem unweit der Hausschwelle resp. Grundstücks grenze anzubringenden Anschlußhahn auf städtische Kosten angelegt und für das zu Haus- und Wirtschaftszwecken erforderliche, aus dem städtischen Wasserwerk zu entnehmende Wasser eine besondere Vergütung nicht zu ent richten ist. Das übrige zu gewerblichen usw. Zwecken wird je nach der Höhe des Verbrauches entweder nach einem von der Wasserwerksverwaltung festzusetzenden Pauschalsatze oder nach Wassermessern abgegeben, die den Be nutzern gegen Miete zur Verfügung gestellt wurden. Die vorliegenden Angaben über die wirtschaftlichen Ergebnisse sind leider so unzureichend, daß eine Zusammenstellung derselben für die ersten Jahr Einnahmen Mk. Ausgaben Mk. Jahr Einnahmen Mk. Ausgaben Mk. 1869 29 679,45 32004,71 1889 371 292,02 353007,70 1870 48 252,07 41 933,71 1890 367 435,46 340047,19 1871 52 473,98 48477,10 1891 387 312,15 348 577,81 1872 56 925,08 46 545,93 1892 406 068,63 369 055,38 1873 77 729, — 63465 54 1893 388 031,23 351 428,52 1874 100 010,51 80 919,23 1894 364 551 — 328 354,20 1875 179 876,43 161119,94 1895 499 686,84 499 132,18 1876 180 911,78 167 173,45 1896 497 599,01 491054,26 1877 226 286,50 199 559,11 1897 528 316,68 492 405,93 1878 201 168,23 182 317,33 1898 552 023,92 494 999,99 1879 232 985,89 192 953,06 1899 568 032,95 528554,10 1880 223 568,83 ! 265 204,75 1900 684 465,38 519 011,27 1881 223 016,32 355 738,93 1901 703 953,03 680 573,67 1882 250 102,07 244 774,40 1902 638 690.38 622 670,55 1883 270 894,18 347 827,36 1903 691559,76 656 269,66 1884 304 267.24 ! 358 249,50 1904 723 255,90 ! 672 045,27 1885 331123,16 ! 492 554,16 1905 770 594,60 ! 716 261,60 1886 394 366,65 i 354 971,07 1906 807 659,23 734 571,47 1887 363 685,58 ; 319 000,82 1907 833 168,89 779 004,28 1888 329120,58 321098,75 Betriebsjahre nicht möglich ist. Wie jedoch aus dem Geschäftsbericht der Kämmereikasse folgt, sind Beträge von der Wasserwerksverwaltung an diese zunächst nicht abgeführt worden; für die späteren Jahre finden sich seitdem Jahre 1889 regelmäßige Angaben über den Reingewinn aus der Wasser versorgungsanstalt in den Verwaltungsberichten der Stadt Halle, ohne daß jedoch angegeben wird, in welcher Weise diese Reingewinne verwandt werden- Erst von dem Jahre 1900 an finden sich Angaben über die aus dem Reingewinn an die Kämmereikasse abgeführten Beträge. Der Reingewinn wurde jedoch auch jetzt nicht ganz der Kämmereikasse überwiesen, sondern es wurde immer ein bestimmter Betrag auf das folgende Geschäftsjahr über- OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
VI. Das Wasserwerk. 61 schrieben. Der Gewinn der früheren Jahre war ebenfalls der Kämmereikasse überwiesen worden, jedoch fehlen die Angaben über die Höhe der jedes maligen Überweisungen. Der Wasserverbrauch und hiermit auch die Ein nahmen für abgegebenes Wasser bewegen sich im allgemeinen von Jahr zu Jahr in ansteigender Linie. Eine Ausnahme macht hierbei nur das Betriebsjahr 1893, bei dem ein Rückgang der Gesamteinnahme um 17 437,40 Mk. zu verzeichnen ist. Dieser auffallende Rückgang der Einnahmen hat seinen Grund darin, daß die Kgl. Eisenbahn-Verwaltung seit März 1892 das Wasser zur Versorgung des Bahnhofes aus einer eigenen Wasserleitung entnimmt. Das Jahr 1895 bringt infolge der Anschließung der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Nietleben und des Städtischen Schlacht- und Viehhofes eine bedeutende Zunahme des Wasserverbrauches, durch die der vorerwähnte Ausfall wieder gedeckt wird. Die auffallende Erhöhung der Einnahmen für abgegebenes Wasser in dem Berichtsjahre 1895 ist auf die Einführung eines neuen Tarifes zurück zuführen. Die Entwicklung des Wassertarifes soll an dieser Stelle kurz behandelt werden. Wie schon eingangs dieses Abschnittes erwähnt wurde, wurde bei Gründung des Werkes bestimmt, daß für das Wasser, das zu Haus- und Wirtschastszwecken verwandt werden sollte, keine besondere Gebühr erhoben werden sollte, da die Hausbesitzer seit Gründung des Wasserwerkes mit einer bedeutenden Erhöhung der Gebäudesteuer belastet worden waren. Wasser für besondere Zwecke wurde nach Pauschalsätzen und Wassermessern bezahlt. Leider finden sich in dem zur Verfügung stehenden Material keine Angaben über die Höhe dieser Abgaben. Der erste vorliegende Tarif ist am 25. Juni 1878 veröffentlicht. Die Grundzüge desselben sind folgende: 1) Wasser zu Haus- und Wirtschaftszwecken wird den Bewohnern der zur Kommunalbesteuerung herangezogenen Häuser bis zu V40 ebm pro Tag und Kopf unentgeltlich zugesührt. 2) Jeder Verbrauch von Wasser zu gewerblichen Zwecken ist besonders zu bezahlen. Die Bezahlung erfolgt entweder in Pauschalsätzen oder bei einem Wasserverbrauch von mindestens 1^/2 edm täglich nach Verlangen des Abnehmers oder der Verwaltung nach Wassermessern. Bei Festsetzung der Pauschalsätze wird ein Preis von 15 Pfg. pro edm zu Grunde gelegt und es ist als Regel ein Minimalsatz im Betrage von 3 Mk. jährlich zu ent richten. 3) Bei Bezahlung des Wassers nach Wassermessern ist ein Minimalsatz von 52 Mk. pro Jahr zu zahlen. Im einzelnen berechnete sich der Preis des Wassers nach einem spezialisierten Tarif, der von einer Grundtaxe von OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
68 Paul Ochse. eines weiteren Darlehens im Betrage von 968 000 Mk. mit 3,6 o/y ver zinslich und mit 3 o/o zu tilgen nötig, sowie eines solchen von 80 000 Mk. zur Erweiterung des Kabelnetzes, mit 4 o/o zu verzinsen, mit 5 o/o zu tilgen. Schließlich ist im Jahre 1906 für den 1. April 1908 ein Darlehen von 500 000 Mk. zur Vermehrung der Hauptspeisekabel bewilligt worden, welches mit 3,6 o/o zu verzinsen und mit 2,4 o/o zu tilgen ist. Die bisher für das Werk aufgewendeten Beträge machen die Summe von 4 732218,05 Mk. aus, die sich auf die einzelnen Konten und Jahre folgendermaßen verteilt: Gestehungswert Stand Bezeichnung der Konten Grund und Boden Mk. ! Hochbauten, einschl. Pflaster, ! Einirieoigung, ^Außenbeleuchtung Mk. ! Maschinelle Ein richtung, einschl. Werkzeuge und Laboratorium Mk. Kabelnetz. einschl. Trans formatoren und Berteilungsstation Mk. vom 31. März 1902 31. „ 1903 „ 31. „ 1904 „ 31. „ 1905 „ 31. „ 1906 „ 31. „ 1907 126 195 126 195 126 195 126 195 126 195 126 195 802 158,08 1 802 158,08 - 829 640,49 853 691,08 ! 853 691,08 854 829,61 1233 424,62 1242 919,41 1 445 763,57 1833 729,51 1 839 773,23 1878 284,91 891 476,17 914 756,44 1028 250,08 1 194 690,56 1 231 822,69 1535 012,91 Gestehungswert Bezeichnung der Konten Gesamtsumme Mk. Stand Zähler Mk. Amtszimmer- ! einrichtung Mk. Straßen beleuchtung Mk. vom 31. März 1902 „ 31. „ 1903 „ 31. „ 1904 „ 31. „ 1905 „ 31. „ 1906 „ 31. „ 1907 62035,05 99 323,05 121819,30 146121,18 164191,85 188 179,15 8351,75 8351,75 ! 8351,75 ! 8351,75 ! 8351,75 8351,75 47 893,70 113 238,60 141 364,72 141364,72 141 364,72 3 123 640,67 3 241627,43 3 673 259,59 4 304143,80 4 365 390.32 4 732 218,05 Das System des Werkes ermöglicht es, die Betriebsmaschinen nur dann laufen zu lassen, wenn dieselben möglichst voll belastet werden können; im übrigen übernehmen die Akkumulatoren den Betrieb. Auf diese Weise wird einerseits der wirtschaftlichste Effekt der Anlage erzielt, andererseits kann man mit einem äußerst geringen Personal auskommen. Es sei an dieser Stelle erwähnt, daß das zum Betriebe des Werkes nötige Personal im Jahre 1901 38 Personen, im Jahre 1906 jedoch 71 Personen betrug. Wie bereits oben erwähnt, hatte das Werk bei seiner Betriebseröffnung 140 Abnehmer mit insgesamt 736 angeschlossenen Kilowatt. Die weitere Entwicklung der Zahl der Abnehmer ergibt sich aus folgender Tabelle: OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
VII. Das Elektrizitätswerk. 69 Das Bersorgungsgebiet des Werkes. Stand am Anzahl Angeschlossene Kilowatt Abnehmer Zähler Motoren Licht Kraft Insgesamt 28. August 1901 140 190 93 510 226 736 31. März 1902 287 387 150 867,6 388,6 1256,6 31. „ 1903 462 602 225 1346,4 696,8 2043,2 31. „ 1904 621 723 305 1775,9 1050,2 2826,1 31. „ 1905 879 1030 434 2202,79 1694,87 3v97,66 31. „ 1906 1073 1248 567 2480,86 2221,52 4702,38 31. „ 1907 1269 1473 714 2911,57 2822,35 5733,92 L/190I 147 197 57 357,6 162,6 520,2 L L 1902 175 215 75 478,8 308,2 787 GZ 1903 159 121 80 429,5 353,4 782,9 T LNtW04 258 307 129 426,89 644,67 1071,56 -AKk 1905 194 218 133 278,07 526,65 804,72 Z 1906 196 225 147 430,71 600,83 1031,54 Im besonderen waren am 31. März 1907 an das Werk angeschlossen: 37 968 Glühlampen zu 16 Kerzen, 2201 Bogenlampen, 237,86 Kilowatt für Lichtbäder und sonstige technische und medi zinische Zwecke, 253 Elektromotoren bis zu 1 Pferdekraft, 314 „ von 1 bis 5 Pferdekräften, 96 „ „ 5 „ 10 51 „ mehr als 10 Pferdekräften. Das gesamte zum Betriebe dieser Anlagen nötige Kabelnetz hatte am 31. März 1907 eine Betriebsstreckenlänge von 98,18 km gegen 49,1 km am 28. August 1901. Die 1007 Hausanschlüsse stellen eine Betriebsstrecke von 8,23 km Länge dar. Die Entwicklung des Strombedarfes in den einzelnen Betriebsjahren ergibt sich aus folgender Übersicht: (Siehe die Tabelle S. 70.) Dazu sei bemerkt, daß im Betriebsjahre 1906/07 insgesamt 4 612 000 Kilowattstunden erzeugt, 3 869 664 „ an die Netze abgegeben, 3 403 000 „ bei den Abnehmern verbraucht wurden, so daß sich für die total im Werke erzeugten und insgesamt an die Netze abgegebenen Kilowattstunden ein mittlerer Jahreswirkungsgrad von OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
70 Paul Ochse. Betriebsjahr Anzahl der verbrauchten Kilowattstunden Licht Kraft Insgesamt 1901 1902 1903 1904 1905 1906 214062,66 545 301,82 933 312,46 1 190 088 1 509 854 1 798 726 ! 125 922,95 411 161,10 601111,98 869 361 1 261 201 1 604 274 ! 339 985 61 956 462,92 1534 424,44 2 059 449 2 771055 3403 000 Zunahme gegenüber dem Vorjahre s1902 1903 1904 1905 1906 331 239,16 388 010,64 256 775,54 319 766 288 872 285 238,15 189 950,88 268 249,02 391840 343 073 616 477,31 577 961,52 525 024,56 711606 631 945 4 612 000 84 ergibt, d. h. es gingen durch Umformung in Gleich- und Drehstrom und umgekehrt und durch Laden der Akkumulatorenbatterie 16 o/o der total erzeugten Energie verloren. Für die total an die Netze abgegebenen Kilowattstunden und die von den Abnehmern insgesamt verbrauchten stellt sich der mittlere Jahreswirkungs grad im Betriebsjahre 1906/07 auf — 88 o/o, d. h. es gingen in den Netzen 12 o/o der an dieselben gelieferten Energie verloren. Der mittlere Jahreswirkungsgrad endlich der im Werk total erzeugten und ins gesamt von den Abnehmern verbrauchten Kilowattstunden stellt sich für 1906/07 auf rund 74 o/o, d. h. es gmgen m den Netzen und durch Umformen und Aufspeichern der total erzeugten Energie bis zur Verbrauchsstelle 26 o/o verloren. Die oben mitgeteilten Zahlen über die Entwicklung des Versorgungs gebietes und der Stromabnahme lassen erkennen, daß das Werk sich in den ersten fünf Jahren seiner Entwicklung einer ständig steigenden Abnehmer zahl zu erfreuen gehabt hat. Die rasche Entwicklung des Werkes ist in erster Linie mit durch den für die Stromabnahme geltenden Tarif günstig beeinflußt worden, der sowohl den Bedürfnissen der Großwie der Klein abnehmer Rechnung trägt. Die Preisberechnung für die innerhalb eines Rechnungsjahres (1. April bis 31. März) bezogene elektrische Energie er folgt nach dem Stromverbrauch, welcher durch den aus Kilowattstunden- und Zeit-Zähler bestehenden Elektrizitätsmesser angezeigt wird. Der erstere OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
VII. Das Elektrizitätswerk. 71 Zähler vermerkt die verbrauchten Kilowattstunden, der letztere die Zeitstunden, während welcher mindestens die Hälfte der im täglichen Gebrauch regelmäßig benutzten Höchstanzahl von Glühlampen bzw. Pferdestärken in Wirkung tritt. Diese Höchstanzahl von Glühlampen bzw. Pferdestärken stellt die Verwaltung des Werkes für Neuanlagen bei Anschluß derselben, für angeschlossene An lagen jeweils im letzten Vierteljahr des laufenden Rechnungsjahres als maßgebend für das folgende Rechnungsjahr fest. Der Preis für die Kilo wattstunde beträgt bei Verwendung der Energie zu: I. Lichtzwecken: während der ersten 300 durch den Zeitzähler vermerkten Zeitstunden .............................................................................................. 60 Pfg. von da ab ................................................................................................... 20 „ II. Kraft und sonstigen technischen Zwecken, Heizung: während der ersten 300 durch den Zeitzähler vermerkten Zeit stunden ......................................................... 20 Pfg. von da ab ................................................................................................... 10 „ In Anwendung dieses Tarifes wurden in den einzelnen Betriebsjahren von den Abnehmern folgende Stromgeldbeträge vereinnahmt: Betriebs jahr Vereinnahmte Stromgeldbeträge in Mark Licht Kraft Insgesamt 1901 92 748,65 16 737,12 109 485,77 1902 205 863,32 64 303,17 270 166,49 1903 319 636,63 84435,98 404072,61 1904 383274,76 105 666,89 488 941,65 1905 456 266,57 145830,92 602 097,49 1906 526 123,55 186 875,00 712 998,55 Der Durchschnittspreis der in den einzelnen Betriebsjahren an die Abnehmer ausschließlich Treppen- und Straßenbeleuchtung abgegebenen Kilo wattstunden stellt sich wie folgt: Betriebs jahr Durchschnittspreis der abgegebenen Kilowatt stunde in Pfennigen Licht Kraft Licht und Kraft 1901 43,3 13,3 32,3 1902 37,8 15,6 28,3 1903 34,3 14 26,4 1904 32,2 12,2 23,7 1905 31,6 11,9 22,6 1906 29,9 11,9 20,7 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
72 Paul Ochse. Betriebsjahr Nähere B e z e i c h n u n g 1901 1902 1903 1904 1905 1906 E in n a h m e : Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. V e rw a ltu n g .......................................................... — — 857,60 1 216,12 1 085,00 1 247,33 B e trie b sa n la g e n ................................................. 7 777,21 11488,25 9 871,11 3608,67 6 352,13 8 183,19 B e tr ie b ................................................................... 3069,45 92,60 2 213,80 1157,75 1 596,65 2 568,60 Stromgeld und Z äh lerm iete ........................... 126 649,99 264495,63 361997,86 430 370,07 547 253,43 663148,51 Öffentliche Straßenbeleuchtung ...................... — 16003,60 56 019,68 76146,27 79 261,20 78 886,15 H ausanschlüffe ..................................................... — — — ; 15 434,20 22 645,05 24 831,77 K apital-und Schuldenverwaltung .................. — — 451,39; 21811,09 1198,14 1299,97 In sg em e in .............................................................. 775,50 3 238,90 36,08 199,58 i 36,84 11198,70 Sum m a 138 272,15 295 318,98 431447,52 549 943,75 659 428,44 791364,22 A u s g a b e : Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. Mk. V e rw a ltu n g .......................................................... 18 691,07 29158,83 32 355,94 34325,69 37 831,77 37 644,44 Betriebsanlagen ..................................................... 4 292,12 10206,85 13 910,87 14072,50 26 947,07 45194, — Betrieb . . ' .......................................................... 56829,31 88411,61 95776,48 111 176,93 143 310,87 178 890,09 Strom geld und Zählermiete (Erstattungen) . 215,71 41,25 101,22 186,72 223,17 220,47 Öffentliche Straßenbeleuchtung ...................... — 3 904,19 15 553,77 22948,14 25 869,64 26 615,75 Lausanschlüsse ...................................................... — — — 13050,94 20121,13 18 331,39 Zinsen ........................................................................ 69 084,17 110934,40 122 108,55 143588,52 152 523.99 158 319,80 T ilg u n g ................................................................... — 31 261,95 36435,80 68153,23 51 164,35 55 214,52 Erneuerungsfonds ................................................. 47127,00 85 800, — 90 000,00 90 000, — 119 040, — 119 040, — In sg em e in .............................................................. — 1500, — 1 103,17 2 218,82 4109,87 5 215,48 Sum m a 196 239,38 361 219,08 407 345,80 ; 499721,49 581 141,86 . 639 685,94 B ila n z : Zuschüsse .................................... 57 967,23 65 900,10 Überschüsse ............................... 24101,72 50 222,26 78 286,58 151 678,28 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
VH. Das Elektrizitätswerk. 73 Von den einzelnen Abnehmerarten, gleichgültig ob Groß- oder Klein abnehmer, wurden im Jahre 1906 folgende Durchschnittspreise für die ver brauchte Kilowattstunde erzielt: i Bureaus 35,5 Pfg. . ! Läden 30,7 „ j Wohnungen 30,8 „ Hotels und Wirtschaften 25,0 „ Kraft 11,9 „ Ferner ist von den Abnehmern eine Mietsgebühr für die im Eigentum der Stadtgemeinde stehenden Elektrizitätsmesser zu entrichten, die je nach der Größe des Apparates bzw. der Anlage zwischen 10 und 80 Mk. pro Jahr beträgt. Die bei Herstellung eines Hausanschlusses entstehenden Kosten fallen teils der Stadt teils dem Abnehmer zur Last. Die Tabelle S. 72 gibt eine Übersicht über die in den ersten sechs Betriebsjahren erzielten Rechnungsabschlüsse. Zur Erläuterung dieser Abschlüsse mögen noch folgende Angaben dienen: Seit 1903 ist das Werk selbständig in der Lage gewesen, nicht nur sämtliche Ausgaben, einschließlich Verzinsung, Tilgung und Erneuerung zu decken, sondern auch nicht unbedeutende Überschüsse zu erzielen. Aus den Überschüssen sind teils dauernd rentierliche Neuanlagen be schafft worden, so sind z. B. im Jahre 1904 39 065,86 Mk. „ „ 1905 30 000,00 „ „ „ 1906 68 617,13 „ zu laufenden Kabelnetzerweiterungen, Beschaffung von Zählern und sonstigen Ergänzungen im Werke aufgewendet worden. Teils ist der Überschuß an die Kämmereikasse abgeführt worden, so z. B. im Jahre 1905 16 000 Mk. „ „ 1906 34 000 „ Ferner sieht der Etat für 1907 solche Abführungen in Höhe von 110 000 Mk., der Etat für 1908 solche von 170 000 Mk. vor. Der Erneuerungsfonds des Werkes wird jährlich mit rund 3 o/o des Anlagewertes dotiert. Die bis zum Jahre 1906 einschl. dafür aufgewendeten Beträge zuzüglich Zinsen belaufen sich auf 540 373,42 Mk. Getilgt sind bis zum gleichen Zeitpunkte 242 229,85 Mk. Zum Schluß sei erwähnt, daß für das Jahr 1906 der Bruttoüberschuß, d. h. die erzielten Einnahmen minu8 der Ausgabe ohne Verzinsung, Tilgung und Erneuerung 12,18 o/o des Buchwertes des Anlagekapitals ausmacht. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
VIII. Das Stadttheater. Im Jahre 1879 erwarb die Stadt von der „Theatergesellschaft" ein 1836 errichtetes Theatergebäude, beschloß aber wenige Jahre darauf, ver anlaßt durch die Wiener Ringtheaterkatastrophe, dieses nicht genügend feuer sichere Gebäude durch einen Neubau zu ersetzen, der am 9. Oktober 1886 eröffnet wurde. Der gesamte Kostenaufwand für das neue, mit besonderer Rücksicht auf Feuersicherheit erbaute Theater betrug 1282 871 Mk., von denen 35 528 Mk. durch Zuwendungen Privater gedeckt wurden, während der Rest aus zwei städtischen Anleihen bestritten wurde. Der Betrieb des Theaters wurde gegen eine Jahresmiete von 26 000 Mk. verpachtet, die seit dem 1. September 1907 auf 31 000 Mk. erhöht ist. Vom 1. Oktober 1908 tritt dazu noch 5 o/o des Anlagewertes eines im Bau begriffenen Magazin gebäudes. Die Stadt hat dagegen dem Pächter die Heizung, Beleuchtung und Betriebskraft zu liefern, während der Vorstellung eine Feuerwache zu stellen und die Besoldung des Maschinenpersonals zu tragen. Als weitere Einnahmequelle ist die Verpachtung der Restaurationsräume für anfänglich 8000 Mk., jetzt 4200 Mk. zu nennen. Beide Pachtsummen genügen jedoch nicht, um die Ausgaben, die der Stadt infolge der eben erwähnten Verpflichtungen, dann durch die Erhaltung und Erneuerung des Gebäudes und des Inventars, endlich durch die Ver zinsung und Tilgung des Anlagekapitals entstehen, zu decken, so daß das Theater ständig, teilweise sogar recht erhebliche Zuschüsse erfordert hat. Dabei ist allerdings nicht zu übersehen, daß die Tilgungsquote der beiden Anleihen von ursprünglich 1 bzw. 1^/4 o/o ständig gewachsen ist, da ihr auch die durch die Tilgung ersparten Zinsen zugeflossen sind. In den Etat 1908 sind beispielsweise für Verzinsung 29155 Mk. — 3^/2 o/o des gegenwärtigen Buchkapitals, für Amortisation 28 465 rund 3,5 o/o des Buchkapitals oder rund 2,2 o/o des ursprünglichen Anlagekapitals eingestellt. Die wirkliche Wertminderung und damit der als wirkliche Amortisation anzusprechende Teil der Tilgungsquote dürste aber nicht unwesentlich ge ringer sein. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
VIII. G. Goldstein, Das Stadttheater. 75 Betriebsrechnung für daS Stadttheater. Jahr Einnahme Mk. Ausgabe Mk. Zuschuß Mk. Bemerkungen 1886/87 36 411 - 18*7 88 37 212 50 312 13100 1888/89 44162 57 752 13 589 1889/90 40267 60 063 19 796 1890 91 39 738 61 409 21 671 1891/92 39 132 65 902 26 770 1892/93 37 508 69 066 31558 1893/94 37 577 57 993 20416 1894/95 37 936 63 876 25 940 1895/96 33 994 55 754 19 760 1896/97 36 810 59 036 22 226 1897/98 39 501 51880 12 379 1898/99 43 343 54 758 11415 1899/1900 40 095 51123 11028 1900/01 43 249 51 360 8111 1901/02 41 620 51488 9 868 1902/03 40 620 111 962 71342' * Umänderung der 1903/04 39 897 61 269 21 372 maschinellen Ein 1904/05 41 021 71 938 30 917 richtung. u 1905/06 39 592 75 301 35 7092 2 Erneuerung der 1906/07 39 421 70 393 30 972 Restaurations 1907/08 36 942 70491 33 549 räume. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
IX. Das Grundeigentum. Das Grundeigentum der Stadt Halle a. S. setzt sich zusammen aus geschlossenen Gütern, Acker- und Wiesengrundstücken, Gärten, Plätzen, Bau stellen, Hausgrundstücken, Türmen und sonstigen Baulichkeiten. Das gesamte Grundeigentum hatte nach dem Verwaltungsbericht der Stadt Halle a. S. für 1906 Ende März 1907 einen Gesamtwert von 24 437 859,23 Mk. und einen Jahresnutzungswert von 871 707 Mk. Gegenwärtig stehen im Eigentum der Stadt drei geschlossene Güter, nämlich das Rittergut Beesen und Ammendorf, das Landgut Gimritz und das Stadtgut Halle a. S. Das erstgenannte Rittergut gehört der Stadt bereits seit einer Reihe von Jahrzehnten. Der Flächengehalt des Gutes beläuft sich auf rund 350 Im mit einem Werte von 674 000 Mk. Das Landgut Gimritz ist seitens der Stadt durch Vertrag vom 26. Juni 1888 käuflich erworben; es hat eine Größe von 372 Im und einen Wert von 1029 700 Mk. Das Stadtgut endlich ist anfangs der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts aus einer Reihe der Kämmerei-, der Armen- und Gottesackerkasse und dem Hospital gehörigen Ländereien gebildet worden. Der der Kämmerei gehörige Anteil weist eine Größe von rund 38 Im auf mit einem Werte von 506 800 Mk. Die zu den drei genannten Gütern gehörigen Ländereien bestehen aus Acker- und Wiesenflächen, sowie aus Holzung und sind teilweise in unmittelbarer Nähe der Stadt gelegen. Ein Teil der Ländereien wird später mit Vorteil zu Bauland Verwendung finden. Gegenwärtig sind alle drei Güter verpachtet und bringen an Jahrespacht der Stadt 79 077 Mk. ein. Ein viertes früher geschlossenes Gut, das Rittergut Freiimfelde, östlich der Stadt gelegen, ist im Laufe der Jahre in seinem Bestände so verringert, daß es eine geschlossene wirtschaftliche Einheit nicht mehr darstellt. Die zu dem früheren Rittergute gehörigen Parzellen in ungefährer Größe von 30 Im sind zum Teil einzeln verpachtet. Sie OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
IX. Das Grundeigentum. 77 haben einen Wert von 1216 840 Mk. und bringen eine Jahresnutzung von 5390 Mk. Der verhältnismäßig hohe Wert dieses Teiles des städtischen Grundbesitzes erklärt sich daraus, daß die Ländereien zum größten Teil un mittelbar vor den Toren der Stadt gelegen sind, in einer Gegend, wo die Bautätigkeit der letzten 15 Jahre einen ganzen Stadtteil neu hat erstehen lassen. Die Stadt besitzt in diesem Teile ihres Grundbesitzes wertvolle, der späteren Bebauung harrende Ländereien. Außer diesen früher zum Rittergut Freiimfelde gehörigen Parzellen weist der Grundbesitz der Stadt noch weitere 10 einzelne Ackergrundstücke in ungefährer Größe von 63 Ka und einem Werte von 982 640 Mk. auf, die eine Jahresnutzung von 3774 Mk. bringen. Hierzu treten acht Wiesengrundstücke. Die Grasnutzung derselben ist verpachtet, auch sind die Wiesen teilweise in Promenadenanlagen verwandelt. Sie haben zusammen einen Wert von 198 030 Mk. bei einer Jahresnutzung von 3701 Mk. Für Bebauungszwecke kommen sie, weil größtenteils im Überschwemmungsgebiete der Saale gelegen, weniger in Betracht. Außer den bisher aufgeführten Acker- und Wiesengrundstücken besitzt die Stadt noch 39 weitere Landparzellen: Gärten, Plätze, Baustellen und sonstige nutzbare Grundstücke im Werte von 2 781016 Mk. mit einer Jahresnutzung von 48 768 Mk. Dieselben sind teils als Gärten oder ihrer sonstigen wirtschaftlichen Eigenart entsprechend verpachtet, teils sind sie als -Promenaden oder Parkanlagen dem öffentlichen Verkehr übergeben. Andere wiederum dienen als Lagerplätze für Baumaterialien den Zwecken der Stadt, schließlich wird hierzu auch die Obstnutzung auf den der Stadt gehörigen Chausseen, Straßen und Plätzen gerechnet. Den letzten Teil des städtischen Grundeigentumes bilden die der Stadt gehörigen Hausgrundstücke, Türme und sonstigen Baulichkeiten, die mit einem Werte von 17 048 233,23 Mk. und einer Jahresnutzung von 730 997 Mk. verzeichnet sind. Hierzu ist jedoch zu bemerken, daß der auf geführte Wert bei einzelnen Baulichkeiten, z. B. den städtischen Türmen, offenbar zu hoch angenommen ist. Man ist deshalb jetzt am Werke, den Wert dieser Baulichkeiten von neuem den Verhältnissen entsprechend abzu schätzen. Von den gesamten Baulichkeiten haben die städtischen Verwaltungs und Schulgebäude, sowie eine Reihe anderer öffentlichen Zwecken dienender Baulichkeiten einen Wert von 12 655 883,92 Mk. und eine Jahresnutzung von 730 997 Mk. Hierzu treten 25 vermietete Gebäude, deren Wert sich auf 4 392 349,31 Mk. beläuft bei einer Jahresnutzung von 233 262 Mk. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
XII. Die Straßenbahnen. Das Wachstum der Stadt, deren Ausdehnung durch ihre Lage zwischen der Saale einerseits, dem Gelände der Staatsbahn andererseits vorwiegend in einer Richtung, der Nordrichtung, vor sich gehen mußte und die dadurch bewirkten verhältnismäßig großen Entfernungen, veranlaßten schon Ende der siebziger Jahre die Stadtverwaltung, sich mit dem Plan einer Straßenbahn zu beschäftigen. Im Jahre 1880 wurde ein Projekt ausgearbeitet, man entschloß sich aber, den Bau und Betrieb einer Privatgesellschaft, der Halleschen Straßenbahngesellschaft, zu übertragen, die am 15. Oktober 1882 den Betrieb eröffnete. Die notwendigen Straßenverbreiterungen hat die Stadt ausgeführt, wozu die Unternehmerin einen einmaligen Betrag von 20 000 Mk. geleistet hatte- Die seitens der Stadt erteilte Konzession erstreckte sich auf 38 Jahre, nach deren Ablauf das sämtliche in den Straßen liegende und stehende Material an Schwellen, Schienen und dergl. mit Ausnahme des rollenden Materials und der außerhalb des Bahnkörpers liegenden Grund stücke unentgeltlich in den Besitz der Stadt übergeht. Die Gesellschaft übernahm ferner die Verpflichtung, aus ihren aus dem Fährbetrieb resul tierenden Einnahmen der Stadt nachstehende Sätze zu zahlen: Bei einer Bruttoeinnahme von 200 000 Mk. jährlich 2 o/o „ „ „ bis 210 000 „ „ 2^0/0 „ „ „ „ 220 000 „ „ 22/5 0/0 „ „ „ „ 300 000 „ und darüber 4 0/0. Der Betrieb wurde mit 20 Wagen und 68 Pferden eröffnet; 1899 wurde elektrischer Betrieb eingeführt, wozu 34 Motor- und 18 Anhänge wagen beschafft wurden. Die Betriebslänge ist von 5,91 Km im Eröffnungs jahr auf 8,63 Km (1908) gestiegen. Als Beamte werden von der Gesellschaft gegenwärtig 150 Personen beschäftigt. Als Ende der achtziger Jahre eine Erweiterung des Straßenbahnnetzes notwendig wurde, sah die Stadt ebenfalls von der Übernahme der neuen Linien in eigene Verwaltung ab. Sie baute jedoch mit einem Kostenaufwande von 310 638 Mk. die erforderlichen Geleise und Depots, während eine neue Gesellschaft, die „Hallesche Stadtbahn", das gesamte übrige Material, ins OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
XII. *G. Goldstein, Die Straßenbahnen. 85 besondere auch die Wagen und Pferde stellte und den Betrieb übernahm, den sie am 30. August 1889 eröffnete. Schon 1890 wurde von der All gemeinen Elektrizitätsgesellschaft in Berlin, die in diesem Jahre in die Rechte des ersten Pächters eingetreten war, der elektrische Betrieb eingerichtet und zu diesem Zweck ein eigenes Kraftwerk gebaut. Der Pachtvertrag und die Konzession der Stadtbahn lief ursprünglich bis 1918, er wurde aber bei Einführung des elektrischen Betriebes bis 1928 verlängert. Für die Benutzung der von der Stadt erbauten Betriebs einrichtungen wurden während des Pferdebetriebes 8000 Mk. p. a. und nachdem 11000 Mk. x. a. Miete gezahlt. Außerdem fließen der Stadt 15 o/o des Reingewinnes zu, bei dessen Berechnung jedoch stets als Mindest betriebskosten pro einen Wagenkilometer 25 Pf. anzusetzen sind, eine Be stimmung, die sich für die Stadt als entschieden nachteilig erwiesen hat, da die wirklichen Betriebskosten weit geringer sind. Die Stadt hat weiter die Unterhaltung des Bahnkörpers gegen einen jährlichen Pauschalsatz von 30 Pf. pro Meter übernommen. Bei Eröffnung ihres Betriebes verfügte die Stadtbahn über 21 Wagen, 104 Pferde und 65 Beamte; gegenwärtig (1908) zählt ihr Wagenpark 58 Motor- und 23 Anhängewagen und es stehen 255 Beamte in ihren Diensten. Die Länge der von ihr befahrenen Strecken betrug 1889 6,7 km, 1908 16,9 km. Die der Stadt von den Straßenbahngesellschaften zufließenden Ein nahmen sind aus nachstehender Tabelle ersichtlich, in der jedoch die feste, von der Stadtbahngesellschaft zu zahlende Miete von 8000 bzw. 11 000 Mk. nicht mit enthalten ist, da diese nur eben die Verzinsung des aufgewendeten Kapitals darstellt, also keinen Reingewinn der Stadt bedeutet. Zahr Gewinnanteil, der Stadt -ei Dividenden der F Straßenbahn gesellschaft Jahr Gewinnanteil der Stadt bei Dividenden der F Straßenbahn gesellschaft derStraßen- Z bahngesell- ________ ! S der Stadtbahn beiden Ge- A sellschaften zusammen derStraßen- S der Stadtbahn beiden Ge- H selllchaften zusammen 1890/91 __ __ __ 1899/00 4 685 2 473 7 158 0 1891/92 4 292 — 4 292 1900/01 10853 3 035 13 888 0 1892/93 3 814 — 3 814 1901/02 12 642 5 667 18 309 0 1893/94 2 884 — 2 884 1902/03 12 437 — 12 437 0 1894/95 2 901 — 2 901 1903/04 13 697 675 14 372 1 1895/96 2 845 —2 845 1904/05 15 128 4 645 19 773 4^2 1896'97 2 859 — 2 859 1905/06 16 379 8 747 25 126 61/2 1897/98 2 840 ! 2 515 5 355 1 1906/07 17 764 15 475 33 239 81/4 1898'99 2 845 ! 2 733 5 578 1^/5 1907/08 19 287 8 677 27 964 OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33
XIII. Das Ankündigungswesen. Das Ankündigungswesen erfuhr seine erste Regelung im Jahre 1880, in welchem einem Unternehmer das Recht erteilt wurde, 86 Plakatsäulen auf den Straßen aufzustellen, welche sofort in das Eigentum der Stadt übergingen. Dem Unternehmer wurde das Nutznießungsrecht auf fünf Jahre unentgeltlich zugebilligt. Vom sechsten Jahre an hatte er der Stadt 5 o/o der Bruttoeinnahme, mindestens aber im 6. bis 10. Jahre 3 Mk., im 11. bis 15. Jahre 4 Mk., im 16. bis 20. Jahre 5 Mk. pro Säule und Jahr zu zahlen. Nach Ablauf dieses Vertrages wurden die der Stadt gehörenden Plakatsäulen vom 1. Oktober 1901 bis 30. September 1911 gegen eine Jahresmiete von 3925 Mk. neu verpachtet. Dem Pächter wurde außerdem die Verpflichtung auferlegt, die Ankündigungen des Magistrats und der Polizei unentgeltlich anzuschlagen. In diesem Zusammenhänge mag erwähnt werden, daß die Stadt eine Zeitlang auch im Besitze einer Tageszeitung, des 1799 gegründeten Halleschen Tageblattes gewesen ist, das ihr als Stiftung mit der Bestimmung zugefallen war, daß der Reinertrag in die Armenkasse fließen solle. Dieses Verlagsunlernehmen der Stadt stand aber unter keinem günstigen Stern. Offenbar fehlte es auch an der richtigen Leitung. In dem städtischen Verwaltungsbericht von 1882/83 heißt es: „ . . . Die Konkurrenz mehrerer anderer durch die private Stellung ihrer Verleger zu spekulativem Vertriebe geeigneter Lokalzeitungen hat sich in fühlbarer Weise geltend gemacht." Und weiter im Anschluß an die Mitteilung, daß die früher liberale Hallesche Zeitung jetzt die Interessen der konservativen Partei vertrete: „Das Kgl. Landratsomt des Saalkreises, welches seither das Hallesche Tage blatt als offizielles Publikalionsorgan benutzte, hat demselben die fraglichen Funktionen entzogen und nach stattgehabtem Wechsel des politischen Stand punktes der Halleschen Zeitung übertragen." Die finanziellen Ergebnisse waren unter diesen Umständen nicht günstig. Während 1879 noch 5625 Mk. in die Armenkasse geflossen waren, konnten dieser im Jahre 1881 nur noch 3084 Mk. zugeführt werden; für 1882/83 wird überhaupt kein Gewinn mehr angegeben und 1885/86 war sogar ein Zuschuß von 7 500 Mk. erforder lich; da alle Bemühungen, dem Tageblatt wieder größere Verbreitung zu verschaffen, ergebnislos blieben, entschloß sich der Magistrat, das Unternehmen eingehen zu lassen. OPEN ACCESS | Licensed under CC BY 4.0 | https://creativecommons.org/about/cclicenses/ DOI https://doi.org/10.3790/978-3-428-57392-9 | Generated on 2023-01-16 13:24:33