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Peer Review in der Berufsbildungsforschung: Ergebnisse einer Umfrage

Rödel, Bodo

Abstract

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Full text

Rödel, Bodo Research Report Peer Review in der Berufsbildungsforschung: Ergebnisse einer Umfrage BIBB Fachbeiträge zur beruflichen Bildung Provided in Cooperation with: Federal Institute for Vocational Education and Training (BIBB), Bonn Suggested Citation: Rödel, Bodo (2024) : Peer Review in der Berufsbildungsforschung: Ergebnisse einer Umfrage, BIBB Fachbeiträge zur beruflichen Bildung, ISBN 978-3-96208-481-3, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Bonn, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:00035-1109-0 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/300904 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. 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If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/ Peer Review in der Berufsbildungsforschung Ergebnisse einer Umfrage Bodo Rödel BIBB FACHBEITRÄGE ZUR BERUFLICHEN BILDUNG BIBB FACHBEITRÄGE ZUR BERUFLICHEN BILDUNG Bodo Rödel Peer Review in der Berufsbildungsforschung Ergebnisse einer Umfrage Impressum Zitiervorschlag: Rödel, Bodo: Peer Review in der Berufsbildungsforschung. Ergebnisse einer Umfrage. Bonn 2024. URL: https://www.bibb.de/dienst/ publikationen/de/19677 1. Auflage 2024 Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung Friedrich-Ebert-Allee 114 – 116 53113 Bonn Internet: www.bibb.de Publikationsmanagement: Stabsstelle „Publikationen und wissenschaftliche Informationsdienste“ E-Mail: [email protected] www.bibb.de/veroeffentlichungen Herstellung und Vertrieb: Verlag Barbara Budrich Stauffenbergstraße 7 51379 Leverkusen Internet: www.budrich.de E-Mail: inf[email protected] Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernimmt das BIBB keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich. Lizenzierung: Der Inhalt dieses Werkes steht unter einer Creative-Commons-Lizenz (Lizenztyp: Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen – 4.0 International). Weitere Informationen zu Creative Commons und Open Access finden Sie unter www.bibb.de/oa. ISBN 978-3-8474-2855-8 (Print) ISBN 978-3-96208-481-3 (Open Access) urn:nbn:de:00035-1109-0 Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. Gedruckt auf umweltfreundlichem Papier 1 Was ist das Besondere an höherqualifizierender Berufsbildung? 3 Vorwort Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) forscht intensiv zu sehr unterschiedlichen Aspekten der Berufsbildung. In den letzten Jahren wurden außerdem große Anstrengungen unternommen, den wissenschaftlichen Nachwuchs noch mehr zu fördern und das BIBB stärker in der Forschungslandschaft zu vernetzen. Von daher ist es für das BIBB von großem Interesse, sich auch mit den „Meta-Themen“ im Bereich Forschung auseinanderzusetzen: seien es Themen wie Open Science und Open Access oder die Strukturen des wissenschaftlichen Publikationssystems. Dazu gehören auch Fragen zur Qualitätssicherung, wie sie z. B. durch das Peer- Review-Verfahren stattfindet. Den Ablauf dieses Verfahrens zu kennen und um seine Vor- und Nachteile zu wissen, muss zum Grundwissen von Forschenden gehören. Prof. Dr. Hubert Ertl Forschungsdirektor des BIBB und ständiger Vertreter des Präsidenten ▶ Inhaltsverzeichnis 5 ▶ Inhaltsverzeichnis Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 2 Das Peer-Review-Verfahren als Forschungsgegenstand . . . . . . . . . . . . . . . . 9 3 Das Peer-Review-Verfahren in der Berufsbildungsforschung . . . . . . . . . . . . 15 4 Die Umfrage zum Thema Peer Review.............................. 18 4.1 Umfrageergebnisse aus der Perspektive von Leserinnen und Lesern ........... 22 4.2 Umfrageergebnisse aus der Perspektive von Autorinnen und Autoren . . . . . . . . . . 23 4.3 Umfrageergebnisse aus der Perspektive von Gutachterinnen und Gutachtern ..... 26 4.4 Freitextantworten.............................................. 28 5 Fazit....................................................... 30 Literaturverzeichnis ................................................ 32 Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 Informationen zum Autor ........................................... 40 Abstract ......................................................... 41 Inhaltsverzeichnis 6 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis Abbildungen Abbildung 1: Rückmeldungen im Kontext von Peer-Review-Verfahren ............. 14 Abbildung 2: Diskursive Prozesse bei eigenen Publikationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Abbildung 3: Im VET Repository des BIBB jährlich neu erfasste peer-reviewte Zeitschriften- und Sammelbandbeiträge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 Abbildung 4: Struktur der Umfrage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Abbildung 5: Geschlecht der Umfrageteilnehmenden ......................... 20 Abbildung 6: Höchster akademischer Abschluss der Teilnehmenden . . . . . . . . . . . . . . 20 Abbildung 7: Alter der Teilnehmenden ................................... 21 Abbildung 8: Bekanntheit von Peer-Review-Verfahren ....................... 21 Abbildung 9: Einschätzung des Stellenwerts peer-reviewter Artikel ............... 22 Abbildung 10: Anzahl der von den Teilnehmenden veröffentlichten Artikeln in verschiedenen Veröffentlichungsformen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Abbildung 11: Einstellungen zum Peer-Review-Verfahren als Autor/-in ............. 25 Abbildung 12: Häufigkeit der Tätigkeit als Gutachter/-in........................ 26 Abbildung 13: Einstellungen zum Peer-Review-Verfahren als Gutachter/-in .......... 27 Tabellen Tabelle 1: Varianten des Peer-Review-Verfahrens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Tabelle 2: Zeitschriften der Berufsbildungsforschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Tabelle 3: Zeitschriften aus den Bezugsdisziplinen der Berufsbildungsforschung ....... 16 Tabelle 4: Anzahl der von den Teilnehmenden veröffentlichten Artikel in verschiedenen Veröffentlichungsformen ............................ 23 ▶ 1 Was ist das Besondere an höherqualifizierender Berufsbildung? 7 1 Einleitung Der Begriff Peer Review wird im Allgemeinen definiert als ein Verfahren zur Begutachtung wissenschaftlicher Manuskripte durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Laufe des Veröffentlichungsprozesses. Das Peer-Review-Verfahren ist ein in der Wissenschaft anerkanntes, wenn auch nicht unumstrittenes Qualitätssicherungsverfahren.1 Bereits an dieser Stelle kann festgehalten werden, dass es kein einheitliches Peer-Review-Verfahren gibt. Die Standards des Verfahrens unterscheiden sich je nach Zeitschrift, Verlag und begutachtenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Die Idee des Peer-Review-Verfahrens gab es schon vor der Entstehung wissenschaftlicher Zeitschriften. Sie wurde von Ishāq bin Ali al-Rohawi, einem Arzt aus Syrien, der von 854 bis 931 n. Chr. lebte, festgehalten. Er beschrieb, dass Ärzte den Gesundheitszustand ihrer Patienten dokumentieren sollten. Die Notizen wurden dann wiederum von anderen Ärzten geprüft (vgl. Spier 2002). Die Entwicklung des Peer-Review-Verfahrens, so wie wir es heute kennen, war eng mit der Entstehung wissenschaftlicher Zeitschriften verknüpft, diese wiederum hatte ihren Ursprung in der Entstehung des wissenschaftlichen Forschungs- und Kommunikationssystems. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollten sich schnell über neue Erkenntnisse austauschen, was mit aufwendig und langwierig zu schreibenden Büchern kaum möglich war. So erschienen 1665 das „Journal des Sçavans“ und die „Philosophical Transactions“ als erste wissenschaftliche Zeitschriften. Als Qualitätssicherungsverfahren wurde hier schon das Peer-Review-Verfahren eingesetzt: Nicht jeder konnte in der „Philosophical Transactions“ publizieren, sondern es wurde zunächst eine Begutachtung durch die Herausgebenden durchgeführt (zur Entwicklung des Peer-Review-Verfahrens vgl. ausführlich: Rödel 2020, S. 6ff.). Allerdings war das Peer-Review-Verfahren zu dieser Zeit nicht nur ein Qualitätssicherungsverfahren, sondern auch ein Mittel der Zensur, um unliebsame Autorinnen und Autoren zu disziplinieren. Veröffentlichungen durften zu dieser Zeit weder dem König, der Kirche oder den moralischen Wertvorstellungen gefährlich werden. Erst im Laufe der Zeit wurde dann aus dem Peer-Review-Verfahren ein Vorgang zur Qualitätssicherung, welches das Einhalten bestimmter Standards im Sinne der Wissenschaft fokussierte (vgl. Fyfe u.a. 2022). Der Aspekt der Disziplinierung spielt aber auch heute noch eine Rolle, da das Peer-Review-Verfahren z. B. dazu führt, dass eher Arbeiten veröffentlicht werden, die dem „Mainstream“ der Forschung folgen (vgl. Kapitel 2). Im 19. Jahrhundert wurde dann das Peer-Review-Verfahren endgültig ein Symbol der von monarchischer und kirchlicher Macht unabhängigen Wissenschaft, die sich selbst kontrolliert. Allerdings gibt es bereits seit den 1970er-Jahren wissenschaftliche Forschung, welche sich mit dem Peer-Review-Verfahren beschäftigt und hier zum Teil zu einer sehr kritischen Bewertung kommt. Diese Forschung bezieht sich dabei auf sehr unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen, hauptsächlich allerdings auf die Medizin und die Psychologie. Auch im Gegenstandsbereich der Berufsbildungsforschung ist das Peer-Review-Verfahren ein anerkanntes Qualitätssicherungsverfahren bei vielen Journals (vgl. Kapitel 3). Im Rahmen des BIBB-Forschungsprojekts „Open Access in der Berufsbildungsforschung“ wurde das The- 1 Die Bezeichnung „Peer-Review-Verfahren“ wird auch für die Begutachtung von Drittmittelanträgen verwendet; dies ist in dieser Veröffentlichung jedoch nicht gemeint. ▶ 14 2 Das Peer-Review-Verfahren als Forschungsgegenstand Abbildung 1: Rückmeldungen im Kontext von Peer-Review-Verfahren Quelle: Weiland 2022, S. 81 Schließlich sei das Interesse an öffentlich geführten Diskursen hoch (vgl. Abb. 2): So ist eine wissenschaftliche Auseinandersetzung vonseiten der Fachkolleginnen und Fachkollegen mit einer selbst verfassten Publikation etwas mehr als zwei Dritteln der befragten Autorinnen und Autoren eher wichtig oder sehr wichtig (70 %, n=1.341). Weniger als einem Drittel (30 %) sei diese Form des Diskurses eher nicht wichtig oder überhaupt nicht wichtig, so Weiland in ihrer Analyse der Onlinebefragung. Abbildung 2: Diskursive Prozesse bei eigenen Publikationen Quelle: Weiland 2022, S. 80 Das hohe Interesse an diskursiven Prozessen zeige sich nicht nur bei den eigenen Manuskripten und Publikationen, sondern schließe auch Publikationen Dritter ein. So sei es 75 Prozent der Befragten wichtig, dass sich eine Publikation Dritter, die sie selbst für eine eigene Veröffentlichung lesen und verwenden, einer wissenschaftlichen Debatte bzw. einem wissenschaftlichen Diskurs zuordnen lasse (n=1.113). Eine Ermunterung der Fachcommunity zu einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung bei einer solchen Publikation Dritter ist immerhin noch 64 Prozent der Autorinnen und Autoren eher wichtig oder sehr wichtig (n=1.103). Eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse findet sich in Weiland 2022. 3 2 26 21 46 46 25 32 025 50 75 100 Möglichkeiten zum Austausch mit den Gutachterinnen und Gutachtern ausführliche Gutachten Wenn Ihr Manuskript ein Peer-Review-Verfahren durchläuft, wie wichtig sind Ihnen dann …? Überhaupt nicht wichtig Eher nicht wichtig Eher wichtig Sehr wichtig n = 1.299 bis 1.306 Anteile in Prozent 4 2 26 15 48 48 22 35 025 50 75 100 eine Rückmeldung von Fachkolleginnen/-kollegen zu Ihrem Manuskript jenseits eines möglichen Peer-Review-Verfahrens eine wissenschaftliche Auseinandersetzung (Debatte, Diskurs) vonseiten der Fachkolleginnen/ -kollegen mit Ihrer Publikation (z. B. in Form einer Rezension, Replik, Kommentierung) Wenn Sie selbst publizieren, wie wichtig ist Ihnen dabei …? Überhaupt nicht wichtig Eher nicht wichtig Eher wichtig Sehr wichtig n = 1.341 bis 1.346 Anteile in 2 Das Peer-Review-Verfahren als Forschungsgegenstand 15 3 Das Peer-Review-Verfahren in der Berufsbildungsforschung Zeitschriften in der Berufsbildungsforschung Das Thema Peer Review ist auch im Gegenstandsbereich der Berufsbildungsforschung zentral. Wichtige Journals in der Berufsbildungsforschung nutzen das Peer-Review-Verfahren und verwenden dabei alle das Double-Blind-Verfahren (siehe Tabellen 2 und 3). Tabelle 2: Zeitschriften der Berufsbildungsforschung Name der Zeitschrift Internetlink Verwendetes Peer-Review- Verfahren Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online (bwp@) https://www.bwpat.de double blind Empirical Research in Vocational Education and Training https://ervet-journal.springeropen.com double blind International Journal for Research in Vocational Education and Training (IJRVET) http://www.ijrvet.net double blind International Journal of Training and Development (IJTD) https://onlinelibrary.wiley.com/ journal/14682419 double blind Journal of Technical Education (JOTED) http://www.journal-of-techni- cal-education.de double blind (Frühjahrsausgabe) Herausgeber Review (Herbstausgabe) Journal of Vocational Education & Training (JVET) https://www.tandfonline.com/toc/ rjve20/current double blind Pädagogik der Gesundheitsberufe: die Zeitschrift für den interprofessionellen Dialog https://www.zeitschrift-gesund- heit.info/ double blind Sprache im Beruf: Kommunikation in der Aus- und Weiterbildung – Forschung und Praxis (SpriB) https://www.steiner-verlag.de/ brand/Sprache-im-Beruf double blind Vocations and Learning: Studies in Vocational and Professional Education https://www.springer.com/journal/12186 double blind Weiterbildung: Zeitschrift für Grundlagen, Praxis und Trends https://weiterbildung-zeitschrift. de double blind Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik (ZBW) https://biblioscout.net/journal/ zbw double blind Zeitschrift für Weiterbildungsforschung https://www.springer.com/journal/40955 double blind 16 3 Das Peer-Review-Verfahren in der Berufsbildungsforschung Tabelle 3: Zeitschriften aus den Bezugsdisziplinen der Berufsbildungsforschung Name der Zeitschrift Internetlink Verwendetes Peer-Review- Verfahren Arbeit: Zeitschrift für Arbeitsforschung, Arbeitsgestaltung und Arbeitspolitik https://www.degruyter.com/ view/j/arbeit double blind Bildung und Erziehung https://www.vandenhoeck-ru- precht-verlage.com/bildung-und- erziehung double blind Formation Emploi: Revue Française de Sciences Sociales https://journals.openedition.org/ formationemploi double blind Hessische Blätter für Volksbildung: Zeitschrift für Erwachsenenbildung in Deutschland https://www.hessische-blaetter. de/ double blind Journal for Labour Market Research https://labourmarketresearch. springeropen.com/ single blind Journal of Education and Work http://www.tandfonline.com/loi/ cjew20 double blind Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (KZfSS) https://kzfss.uni-koeln.de/de/ double blind Pflegewissenschaft https://www.zeitschrift-pflege- wissenschaft.de double blind Recht der Jugend und des Bildungswesens (RdJB): Zeitschrift für Schule, Berufsbildung und Jugenderziehung www.rdjb.nomos.de double blind Research in Comparative and International Education http://journals.sagepub.com/ home/rci double blind Sozialer Fortschritt: unabhängige Zeitschrift für Sozialpolitik https://www.sozialerfortschritt. de/zeitschrift double blind Unterrichtswissenschaft: Zeitschrift für Lernforschung https://www.springer.com/journal/42010 double blind Zeitschrift für Erziehungswissenschaft (ZfE) https://www.springer.com/journal/11618 double blind Zeitschrift für Soziologie (ZfS) https://www.degruyter.com/ view/j/zfsoz double blind Zeitschrift für Pädagogik (ZfPäd) https://www.beltz.de/fachmedien/erziehungswissenschaft/ zeitschriften/zeitschrift_fuer_pae- dagogik.html double blind Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation (ZSE) http://www.beltz.de/fachmedien/ erziehungs_und_sozialwissen- schaften/zeitschriften/zeitschrift_ fuer_soziologie_der_erziehung_ und_sozialisation.html double blind Schweizerische Zeitschrift für Soziologie https://www.sgs-sss.ch/de/ double blind 3 Das Peer-Review-Verfahren in der Berufsbildungsforschung 17 Die Listen basieren auf einer Zusammenstellung der Stabsstelle „Publikationen und wissenschaftliche Informationsdienste“, Team „Bibliothek und Dokumentation“, im BIBB. Eine ausführliche Beschreibung der Zeitschriften mit weiteren Angaben findet sich in Linten u.a. 2023. Peer-reviewte Artikel in der Berufsbildungsforschung Um die Anzahl peer-reviewter Artikel zu ermitteln, wurde der Artikelbestand im VET Repository des BIBB4 auf Basis der in den Tabellen 2 und 3 aufgeführten Zeitschriften sowie der im VET Repository erfassten Sammelbandbeiträge ausgewertet. Die Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum 2016 bis 2022 (siehe Abb. 3).5 Abbildung 3: Im VET Repository des BIBB jährlich neu erfasste peer-reviewte Zeitschriften- und Sammelbandbeiträge Quelle: eigene Darstellung Grundsätzlich ist es aufgrund der Heterogenität des Gegenstandsbereich Berufsbildungsforschung nicht möglich, die Zahlen mit anderen Wissenschaftsdisziplinen zu vergleichen. Die Anzahl der peer-reviewten Zeitschriftenartikel und die Anzahl der peer-reviewten Sammelbandbeiträge legen aber die Vermutung nahe, dass das Thema Peer-Review-Verfahren in der Berufsbildungsforschung wichtig ist. Dies zeigen auch die Ergebnisse aus dem Open-Access- Forschungsprojekt des BIBB (siehe Kapitel 2). 4 www.vet-repository.info 5 Der Autor dankt Karin Langenkamp (BIBB) für die Hinweise zur Auswertung. Die Zahlen können als Tendenz angesehen werden, da sich bedingt durch technische Umstellungen und Änderungen im Auswertungsscope über die Jahre Veränderungen ergeben haben. Aus Kapazitätsgründen wurden eventuell nicht alle Artikel erfasst, insbesondere aus den Bezugszeitschriften wurden nur die Artikel erfasst, die dem Auswertungsscope entsprechen. 159 145 133 104 153 135 103 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 18 4 Die Umfrage zum Thema Peer Review 4 Die Umfrage zum Thema Peer Review Die vom BIBB entworfene Umfrage zum Thema Peer Review wurde im Zeitraum 12. September 2023 bis 16. Oktober 2023 mithilfe der Software Lime Survey durchgeführt.6 Sie entstand im Kontext von Diskussionen rund um den wissenschaftlichen Publikationsprozess, beispielsweise bezüglich Open Access, Open Science, der Messung des Publikationsoutputs sowie der Rezeption wissenschaftlicher Publikationen. Die Umfrage wurde bekanntgemacht ▶über die X- (ehemals Twitter) Kanäle des BIBB @VET_Repository und @BIBB_de, ▶per Intranetmeldung, ▶ per E-Mail an BIBB-Führungskräfte, verbunden mit der Bitte, die Umfrage in ihren Netzwerken zu streuen, ▶im Netzwerk der Arbeitsgemeinschaft Berufsbildungsforschungsnetz sowie ▶im BIBB-Newsletter „BIBB aktuell“. Aufgrund dieser Verbreitungswege ist der genaue Grad der Streuung nicht bekannt, ebenso ist die Grundgesamtheit nicht bekannt. Die Ergebnisse sind daher nicht repräsentativ. Die Umfrage begann mit der Abfrage, ob sich die Teilnehmenden selbst dem Gegenstandsbereich der Berufsbildungsforschung zuordnen. Wurde diese Eingangsfrage mit „nein“ beantwortet, endete die Umfrage an dieser Stelle. Anschließend wurde nach der Bekanntheit der Peer-Review-Verfahren gefragt und um eine Einschätzung zum Peer-Review-Verfahren aus der Perspektive der Lesenden gebeten. Im zweiten Teil der Umfrage wurde zunächst ermittelt, ob die Teilnehmenden bereits als Autorinnen und Autoren tätig waren oder ob eine Publikationstätigkeit zeitnah geplant sei. Wurde diese Eingangsfrage mit „nein“ beantwortet, sprang die Umfrage zum dritten Teil. Wurde die Frage mit „ja“ beantwortet, sollten die Teilnehmenden aus der Perspektive von Autorinnen und Autoren Einschätzungen zum Peer-Review-Verfahren abgeben. Im dritten Teil wurde zunächst nach einer Erfahrung als Gutachter/-in in einem Peer-Re- view-Verfahren gefragt. Wurde diese Frage mit „nein“ beantwortet, sprang die Umfrage zum soziografischen Teil. Wurde die Frage mit „ja“ beantwortet, sollten die Teilnehmenden aus der Perspektive von Gutachtenden Einschätzungen zum Peer-Review-Verfahren vornehmen. Abschließend wurden soziodemografische Daten abgefragt, und es gab die Möglichkeit, Anmerkungen über eine Freitexteingabe zu ergänzen. Abbildung 4 gibt die Struktur der Umfrage wieder. Die genauen Fragen können dem Anhang entnommen werden. 6 Der Autor dankt Philipp Zeuner (BIBB) für die Programmierung der Umfrage und Unterstützung bei der Auswertung. 4 Die Umfrage zum Thema Peer Review 19 Abbildung 4: Struktur der Umfrage Quelle: eigene Darstellung 128 Personen haben die Umfrage aufgerufen. Davon haben 81 Personen die Eingangsfrage, ob sie sich bzw. ihr Arbeitsfeld dem Gegenstandsbereich der Berufsbildungsforschung zuordnen, mit „ja“ beantwortet und konnten damit an der Umfrage weiter teilnehmen. Soziografische Daten 42 Teilnehmende waren weiblich, 32 männlich und sieben Personen haben die Frage nach ihrem Geschlecht nicht beantwortet. Teilnehmende aus dem Bereich der Berufsbildungsforschung wenn „nein“, dann Ende der Umfrage Bekanntheit der Peer-Review-Verfahren 1. Perspektive als Leser/-in von Fachpublikationen (n = 81) 2. Perspektive als (zukünftige/-r) Autor/-in von Fachpublikationen (n = 78) Wenn keine (geplante) Publikationstätigkeit, dann weiter mit 3. 3. Perspektive als Gutachter/-in (n = 45) Wenn keine (geplante) Tätigkeit als Gutachter/-in, dann weiter mit soziografischen Daten. Soziografische Daten Anmerkungen als Freitext Ende der Umfrage 20 4 Die Umfrage zum Thema Peer Review Abbildung 5: Geschlecht der Umfrageteilnehmenden n = 81 Quelle: eigene Darstellung Rund ein Drittel der Teilnehmenden (26 Personen) ist promoviert, ein weiteres Drittel hat einen Master-/Magisterabschluss (siehe Abb. 6). Abbildung 6: Höchster akademischer Abschluss der Teilnehmenden n = 81 Quelle: eigene Darstellung Gut ein Drittel (29 Personen) der Befragten war zwischen 30 und 39 Jahre alt, ein Viertel (20 Personen) war zehn Jahre älter. Lediglich drei Personen waren jünger als 30 Jahre. weiblich 52% männlich 40% keine Antwort 8% 2. Staatsexamen 3% Bachelorabschluss 2% Diplom 9% Master-/ Magisterabschluss 40% Promotion 32% Habilitation 11% anderer Abschluss 1% keine Antwort 2% 4 Die Umfrage zum Thema Peer Review 21 Abbildung 7: Alter der Teilnehmenden n = 81 Quelle: eigene Darstellung Eine Zuordnung der weiteren Antworten zu den Fragen nach Geschlecht, Alter oder Abschluss ist nicht möglich. Bekanntheit des Peer-Review-Verfahrens Zu Beginn der Umfrage wurden alle Teilnehmenden gefragt, welche Peer-Review-Verfahren ihnen bekannt seien. Wie zu erwarten war, ist das auch in der Berufsbildungsforschung gängige double blind Peer-Review-Verfahren fast allen Teilnehmenden (78 Personen) bekannt. Am wenigsten bekannt ist triple blind (38 Personen). Abbildung 8: Bekanntheit von Peer-Review-Verfahren n = 81 Quelle: eigene Darstellung unter 30 Jahre 4% 30–39 Jahre 36% 40–49 Jahre 25% 50–59 Jahre 22% 60 Jahre und älter 5% keine Antwort 8% 81% 96% 47% 58% 11% 4% 42% 33% 7% 11% 9% 0% 10% 20%30% 40% 60%70% 80% 90% 100% single blind double blind triple blind Open-Peer-Review Ist mir bekannt Ist mir nicht bekannt 50% Weiß nicht 22 4 Die Umfrage zum Thema Peer Review 4.1 Umfrageergebnisse aus der Perspektive von Leserinnen und Lesern Im ersten Teil der Umfrage sollten die Teilnehmenden Einschätzungen aus der Perspektive der Lesenden abgeben. Alle Fragen mussten dabei beantwortet werden. Zur Eingangsfrage nach der Bekanntheit der Peer-Review-Verfahren passt, dass nur acht Personen angeben, sich mit den Peer-Review-Verfahren nicht gut auszukennen. Der weit überwiegende Teil scheint das Peer-Review-Verfahren auch für sehr sinnvoll zu halten und stimmt der Aussage „Das Peer Review ist als Qualitätssicherungsprozess für Fachpublikationen unbedingt notwendig“ voll und ganz oder zumindest eher zu (75 Personen). Allerdings scheinen auch nicht peer-reviewte Journals als lesenswert eingeschätzt zu werden. So lehnt mehr als die Hälfte (48 Personen) die Aussage „Nur peer-reviewte Journals sind in meinem Fachgebiet wirklich lesenswert“ ab und stimmt dieser Aussage nicht bzw. eher nicht zu. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten interessiert sich auch für die Gutachten zu den Artikeln, und etwas mehr als die Hälfte würde es begrüßen, wenn mehr peer-reviewte Artikel in der Berufsbildungsforschung veröffentlicht würden. Große Einigkeit herrscht bezüglich des Stellenwerts von peer-reviewten Artikeln für die wissenschaftliche Karriere. Der Aussage „In peer-reviewten Journals zu veröffentlichen, ist besonders wichtig für die wissenschaftliche Karriere“ stimmen 75 Personen eher bzw. voll und ganz zu. Dies deckt sich mit den Ergebnissen aus dem OABBF-Forschungsprojekt (vgl. Getz u.a. 2020; 2022) und zeigt die große Bedeutung des Peer-Review-Verfahrens auch in der Berufsbildungsforschung. Abbildung 9: Einschätzung des Stellenwerts peer-reviewter Artikel n = 81 Quelle: eigene Darstellung 20% 11% 10% 6% 40% 28% 20% 63% 46% 23% 28% 32% 22% 27% 47% 15% 28% 30% 70% 2% 4% 15% 4% 0% 10%20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% „Ich kenne mich mit Peer Review als Verfahren sehr gut aus.“ „Das Peer Review ist als Qualitätssicherungsprozess für Fachpublikationen unbedingt notwendig.“ „Nur peer-reviewte Journals sind in meinem Fachgebiet wirklich lesenswert.“ „Ich würde gerne auch die Gutachten zu einem Artikel lesen.“ „In der Berufsbildungsforschung sollte es mehr peerreviewte Veröffentlichungen geben.“ „In peer-reviewten Journals zu veröffentlichen ist besonders wichtig für die wissenschaftliche Karriere.“ Inwieweit stimmen Sie folgenden Aussagen als Leser/-in von Fachpublikationen zu? Stimme überhaupt nicht zu Stimme eher nicht zu Stimme eher zu Stimme voll und ganz zu Weiß nicht 4.2 Umfrageergebnisse aus der Perspektive von Autorinnen und Autoren 23 4.2 Umfrageergebnisse aus der Perspektive von Autorinnen und Autoren Von den 81 Teilnehmenden beantworteten 78 Personen die Frage „Ich habe im Rahmen meiner wissenschaftlichen Tätigkeit bereits veröffentlicht oder werde in absehbarer Zeit etwas veröffentlichen (gemeint sind alle Arten von Veröffentlichungen, die als wissenschaftliche Publikationen bezeichnet werden könnten)“ mit „ja“. Drei Personen antworteten mit „nein“. Für diesen Teil ist n=78. Im Anschluss wurden diese 78 Personen befragt, wie viel sie in welcher Veröffentlichungsform publiziert haben: Die meisten Personen, nämlich 39, hatten fünf und mehr Veröffentlichungen in einer „anderen nicht referierten Veröffentlichungsform“ vorzuweisen, gefolgt von 36 Personen, die fünf und mehr Veröffentlichungen in einem nicht referierten Journal angaben. In einem referierten Journal oder einem referierten Sammelband veröffentlichten die meisten Personen (30 bzw. 24) zwei bis vier Artikel. Tabelle 4: Anzahl der von den Teilnehmenden veröffentlichten Artikel in verschiedenen Veröffentlichungsformen Keine Eine Zwei bis vier Fünf und mehr Weiß nicht Beitrag in einem referierten Journal 6 14 30 28 0 Beitrag in einem nicht referierten Journal 11 12 19 36 0 Beitrag in einem referierten Sammelband 20 18 24 15 1 Beitrag in einem nicht referierten Sammelband 23 15 18 22 0 Andere nicht referierte Veröffentlichungsform 11 5 17 39 6 Die „weiß nicht“-Kategorie wurde in Abbildung 10 ausgeblendet (Beitrag in einem referierten Sammelband 1,28 %, andere nicht referierte Veröffentlichungsform 7,69%). Etwas mehr als die Hälfte der Befragten veröffentlicht gezielt in peer-reviewten Journals (46 Personen), und der weit überwiegende Teil der befragten Personen stimmt der Aussage, durch die Gutachten wichtige Anregungen für ihre Veröffentlichung zu erhalten, zu oder eher zu (29 bzw. 34 Personen) (siehe Abb. 11). Der Aussage, dass peer-reviewte Veröffentlichungen reputationssteigernd wirken, stimmt der weit überwiegende Teil voll und ganz (49 Personen) oder zumindest eher zu (22 Personen). Dementsprechend ist auch mehr als die Hälfte der Befragten der Meinung, dass peer-reviewte Veröffentlichungen für ihre Laufbahn besonders wichtig sind (52 Personen). Wenn ein peer-reviewtes Journal die eigene Veröffentlichung ablehnt, versucht mehr als die Hälfte der Befragten die Publikation in einem anderen Journal zu platzieren (44 Personen). Zu den obigen Aussagen passt, dass Autorinnen und Autoren der Aussage, dass man zufrieden sei, wenn der Text überhaupt veröffentlicht wird, überhaupt nicht oder eher nicht zustimmen (44 Personen). Zum Verfahren selbst wünscht sich nur knapp die Hälfte der Befragten einen direkten Kontakt zu den Gutachtenden (41 Personen). In der Befragung des OABBF-Forschungsprojekts waren dies 71Prozent (vgl. Weiland 2022, S. 81). Dementsprechend wird es auch als wenig hilfreich empfunden, die Gutachtenden namentlich zu kennen. Zur Frage, ob die Gutachten zu einer Publikation veröffentlicht werden sollten, gibt es kein eindeutiges Meinungsbild. Auch 30 5 Fazit 5 Fazit Im Forschungsprojekt OABBF wurde bereits auf wissenschaftssoziologische und medientheoretische Überlegungen hingewiesen (vgl. Getz u.a. 2020, S. 12ff.; Getz u.a. 2022), die auch für die Interpretation der Ergebnisse dieser Untersuchung hilfreich sind. So beschrieb Luhmann schon 1972, dass die Qualitätssicherung von wissenschaftlichen Publikationen ihrer Rezeption vorgeschaltet sein muss, da diese durch die Leserinnen und Leser selbst nicht mehr erfolgen kann. Ursächlich dafür ist, dass der stetigen insgesamten Zunahme an wissenschaftlichen Publikationen eine nur begrenzte Wahrnehmung seitens der Forschenden gegenüberstehe. Zur Bewältigung der Komplexität von wissenschaftlichen Publikationen, für die thematische Relevanzeinschätzung und für die Prüfung der Richtigkeit von Forschungsergebnissen brauche es Mechanismen, um Einzelpersonen zu entlasten. Luhmann formuliert dies folgendermaßen: „[D]ie kursorische Orientierung an Symptomen tritt an die Stelle der Sache selbst, die gemeint ist. Reputation wird aus Symptomen gezogen und dient selbst als Symptom für Wahrheit“ (Luhmann 1972, S. 237). Hier spielt das Peer-Review-Verfahren eine entscheidende Rolle, wie auch die Antworten in Kapitel 4 zeigen. Hinzu kommt eine starke Ökonomisierung der Wissenschaft. In „hochrangigen“ Journals publiziertes Wissen wird, getrieben durch die Preisgestaltung der großen Wissenschaftsverlage, seit dem letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts zunehmend zur Ware. Die in ihrer Entstehungsgeschichte nicht kommerzielle Wissenschaft wurde durch die immensen Preissteigerungen für Journals durch die Wissenschaftsverlage ein Milliardenmarkt. Neben dieser Ökonomisierung des Wissens bewirkt auch die Digitalisierung einen Wandel der formalen Wissenschaftskommunikation. „Although clearly the greatest communications medium of our time, the Internet is also the world’s largest copy machine“ (Malcolm 2002). Forschungsergebnisse lassen sich schnell teilen. Fakten von Fake News zu unterscheiden, wird damit auch in der Wissenschaft zur Herausforderung. Hier wird die Prüfung des Wahrheitsanspruchs von Forschungsergebnissen durch das Peer-Review-Verfahren besonders wichtig. Schließlich ist das Thema Reputation für Forschende entscheidend. Diese wird Forschenden zugeschrieben, dabei spielt das wissenschaftliche Publikationssystem oder – in Luhmanns Worten – die „Anwesenheit an renommierten Plätzen“ (Luhmann 1972, S. 237) eine zentrale Rolle. Die Umfrage zeigt, dass sich die Teilnehmenden gut mit den in der Berufsbildungsforschung gängigen Peer-Review-Verfahren auskennen und diese als Qualitätssicherungsprozesse für unverzichtbar halten. Dementsprechend wünscht sich nur die Minderheit mehr Informationen zum Peer-Review-Verfahren. Dennoch werden auch Publikationen für relevant erachtet, die nicht peer-reviewt sind. Insgesamt wünschen sich die Umfrageteilnehmer/-innen mehr peer-reviewte Veröffentlichungen. Große Einigkeit herrscht in der Annahme, dass diese Veröffentlichungsform für die wissenschaftliche Karriere wichtig ist. Es wird angenommen, dass diese Veröffentlichungen reputationssteigernd wirken. Auch für die berufliche Laufbahn werden peer-reviewte Veröffentlichungen als wichtig eingeschätzt. Daher wird versucht, gezielt in peer-reviewten Journals zu veröffentlichen. Die Gutachten selbst werden aber als weniger relevant erachtet. Auch stößt insgesamt die Idee, das Peer-Review-Verfahren zu öffnen, eher auf Skepsis. Dies betrifft auch die Idee des gegenseitigen Austauschs von Autorinnen und Autoren sowie Gutachterinnen und Gutachtern. Diese Ergebnisse stehen im Widerspruch zu den Ergebnissen aus dem 5 Fazit 31 OABBF-Forschungsprojekt, in dem offene und diskursive Verfahren besser bewertet wurden (vgl. Weiland 2022). Die Tätigkeit als Gutachter/-in wird als fester Bestandteil des Wissenschaftsbetriebs wahrgenommen. Im Allgemeinen erfüllen die Umfrageteilnehmenden diese Aufgabe gerne. So findet auch weniger als die Hälfte der Befragten, dass sie als Gutachtende bezahlt werden sollten. Die Gutachtenden selbst betrachten sich als bemüht, den Autorinnen und Autoren konkrete Verbesserungsvorschläge zu machen. Das Peer-Review-Verfahren hat, wie in anderen Wissenschaftsdisziplinen auch, im Gegenstandsbereich der Berufsbildung einen wichtigen Stellenwert. Es sichert Qualität und – ganz im Sinne Luhmanns – Exklusivität und damit Reputation. Ob im Bereich der Berufsbildung mehr oder weniger reviewt publiziert wird als in anderen Disziplinen, kann mangels Vergleichszahlen nicht beurteilt werden. Zumindest gibt es eine relativ hohe Zahl an Journals, die das Peer-Review-Verfahren anwenden. In den Freitextantworten der Umfrage wurden auch kritische Aspekte genannt. Offenen Peer-Review-Verfahren scheint man eher mit einer gewissen Zurückhaltung zu begegnen, am meisten verbreitet und akzeptiert ist das Double-blind-Verfahren, auch wenn die Forschung zum Thema Peer Review viele grundsätzliche Probleme des Verfahrens aufgezeigt hat und insbesondere die vermeintlichen Vorteile des Double-blind-Verfahrens fraglich sind. Die Rolle der Verlage war in der Umfrage am Rande Thema, sollte aber hinterfragt werden, da die Gutachtenden als unbezahlte redaktionelle Mitarbeitende der Verlage angesehen werden könnten, die (zumindest die großen Wissenschaftsverlage) hohe Gewinne erwirtschaften. Diese Situation scheint zurzeit als dem Wissenschaftssystem immanent akzeptiert zu sein. 32 Literaturverzeichnis Literaturverzeichnis Bohannon, John: Who’s Afraid of Peer Review? In: Science 342 (2013), S. 60–65. 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URL: https://www.bibb.de/dienst/ publikationen/de/18249 (Stand: 26.01.2024) 34 Anhang Anhang Umfrage und Informationsschreiben Einleitender Text: Peer Review Peer Review ist ein in der Wissenschaft anerkanntes, wenn auch nicht unumstrittenes Verfahren zur Qualitätssicherung von Fachpublikationen. Im wissenschaftlichen Publikationsprozess ist es von besonderer Wichtigkeit. Ziel der Umfrage ist es daher, eine erste Einschätzung zum Stellenwert des Peer Review von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu erhalten, die in einer Disziplin der Berufsbildungsforschung tätig sind. Dabei werden drei Perspektiven in den Blick genommen: Leserinnen und Leser von Fachpublikationen, Autorinnen und Autoren von Fachpublikationen und Gutachterinnen und Gutachter im Peer Review. Ihre Teilnahme an der Umfrage ist selbstverständlich freiwillig. Die Befragung wird anonym durchgeführt. Personenbezogene Daten werden nicht erhoben; eine Identifizierbarkeit Ihrer Person ist nicht möglich. Informationen zum Ablauf der Umfrage und zur Verarbeitung Ihrer Angaben finden Siehier: https://umfrage.bibb.de/lime/upload/surveys/424647/files/Informationsschreiben_Umfrage.pdf Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie unter https://www.bibb.de/de/datenschutz.php. Durch das Betätigen des „Weiter“-Buttonsgelangen Sie zur Umfrage. Die Bearbeitungszeit beträgt ca. zehn Minuten. Vielen Dank, dass Sie sich an der Umfrage beteiligen! Für Rückfragen wenden Sie sich bitte per Mail an Dr. Bodo Rödel, Stabsstelle Publikationen und wissenschaftliche Informationsdienste, Bundesinstitut für Berufsbildung: r[email protected] In dieser Umfrage sind 13 Fragen enthalten. Als Download wurde folgendes Informationsschreiben zur Verfügung gestellt: Informationsschreiben zur Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zum Thema „Peer Review“ Was ist das Ziel der Umfrage? Peer Review ist ein in der Wissenschaft anerkanntes, wenn auch nicht unumstrittenes Verfahren zur Qualitätssicherung von Fachpublikationen. Im wissenschaftlichen Publikationsprozess ist es von besonderer Wichtigkeit. Es gibt Untersuchungen, die sich mit Peer Review selbst beschäftigen, allerdings sind uns keine Arbeiten bekannt, die auf Peer Review im Gegenstandsbereich der Berufsbildungsforschung abzielen. Ziel der Umfrage ist es daher, eine erste Einschätzung zum Stellenwert des Peer Review von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu erhalten, die in einer Disziplin Anhang 35 der Berufsbildungsforschung tätig sind. Dabei werden drei Perspektiven in den Blick genommen: Leserinnen und Leser von Fachpublikationen, Autorinnen und Autoren von Fachpublikationen und Gutachterinnen und Gutachter im Peer Review. Was passiert mit Ihren Daten? Ihre Angaben dienen ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken. Die Ergebnisse der Umfrage werden zusammengefasst und in geeigneter Form veröffentlicht. Ist die Vertraulichkeit gewährleistet? Wir versichern, dass Ihre Angaben anonym erhoben und streng vertraulich behandelt werden. Die datenschutzrechtlichen Bestimmungen werden zu jedem Zeitpunkt eingehalten. Angaben, die eine nachträgliche Zuordnung Ihrer Antworten zu Ihrer Person erlauben (z. B. Ihr Name, Ihre Adresse), werden nicht erfragt. Müssen Sie an der Umfrage teilnehmen? Nein, die Teilnahme an der Umfrage ist freiwillig. An wen wende ich mich für Rückfragen? Dr. Bodo Rödel, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Leiter der Stabsstelle „Publikationen und wissenschaftliche Informationsdienste“, Tel: +49 228 107 2411, Mail: roe[email protected] Einleitung Meine (wissenschaftliche) Tätigkeit bzw. die Fachdisziplin, in der ich unterwegs bin, wird im Allgemeinen dem Bereich der Berufsbildungsforschung zugeordnet. Bitte wählen Sie eine der folgenden Antworten: □ ja □ nein Folgende Peer-Review-Verfahren sind mir bekannt: Ist mir bekannt Ist mir nicht bekannt Weiß nicht Single blind Double blind Triple blind Open-Peer-Review 36 Anhang 1. Perspektive als Leser/-in von Fachpublikationen Inwieweit stimmen Sie folgenden Aussagen als Leser/-in von Fachpublikationen zu? Stimme überhaupt nicht zu Stimme eher nicht zu Stimme eher zu Stimme voll und ganz zu Weiß nicht „Ich kenne mich mit Peer Review als Verfahren sehr gut aus.“ „Das Peer Review ist als Qualitätssicherungsprozess für Fachpublikationen unbedingt notwendig.“ „Nur peer-reviewte Journals sind in meinem Fachgebiet wirklich lesenswert.“ „Ich würde gerne auch die Gutachten zu einem Artikel lesen.“ „In der Berufsbildungsforschung sollte es mehr peerreviewte Veröffentlichungen geben.“ „In peer-reviewten Journals zu veröffentlichen, ist besonders wichtig für die wissenschaftliche Karriere.“ 2. Perspektive als (zukünftige/-r) Autor/-in von Fachpublikationen Ich habe im Rahmen meiner wissenschaftlichen Tätigkeit bereits veröffentlicht oder werde in absehbarer Zeit etwas veröffentlichen (gemeint sind alle Arten von Veröffentlichungen, die als wissenschaftliche Publikationen bezeichnet werden könnten).Bitte wählen Sie eine der folgenden Antworten: □ ja □ nein Wie viele Publikationen haben Sie bereits veröffentlicht? Keine Eine Zwei bis vier Fünf und mehr Weiß nicht Beitrag in einem referierten Journal Beitrag in einem nicht referierten Journal Beitrag in einem referierten Sammelband Beitrag in einem nicht referierten Sammelband Andere nicht referierte Veröffentlichungsform Anhang 37 Inwieweit stimmen Sie folgenden Aussagen als (zukünftige/-r) Autor/-in zu? Stimme überhaupt nicht zu Stimme eher nicht zu Stimme eher zu Stimme voll und ganz zu Weiß nicht „Ich veröffentliche als Autor/-in gezielt in peer-reviewten Journals.“ „Ich bekomme durch die Gutachten wichtige Anregungen für meine Veröffentlichung.“ „Peer-reviewte Veröffentlichungen steigern meine Reputation in der Wissenschaft.“ „Wenn mein Text von einem peerreviewten Journal abgelehnt wird, versuche ich ihn woanders, ggf. auch nicht peer-reviewt, zu veröffentlichen.“ „Peer-reviewte Veröffentlichungen sind für meine berufliche Laufbahn besonders wichtig.“ „Ich bin zufrieden, wenn mein Text überhaupt veröffentlicht wird, auch ohne Peer Review.“ „Ich würde mir einen direkten Austausch mit den Gutachtenden wünschen.“ „Ich würde mir grundsätzlich mehr Informationen zu Peer Review als Verfahren wünschen.“ „Ich fände es hilfreich, die Gutachter/-innen namentlich zu kennen.“ „Ich hätte nichts dagegen, wenn die Gutachten zu meiner Publikation veröffentlicht würden.“ „Ein offenes Review-Verfahren, z. B. auf einer Onlineplattform mithilfe von Kommentarfunktionen, fände ich sinnvoll.“ „Auch nach der Veröffentlichung sollten Artikel von mir überarbeitet werden können, wenn die Überarbeitung kenntlich gemacht wird.“ 38 Anhang 3. Perspektive als Gutachter/-in Ich war schon mindestens einmal als Gutachter/-in im Peer Review für eine wissenschaftliche Publikation tätig oder werde in absehbarer Zeit als Gutachter/-in tätig werden. Bitte wählen Sie eine der folgenden Antworten: □ ja □ nein Wie häufig waren Sie bisher als Gutachter/-in im Peer Review für wissenschaftliche Publikationen tätig? Bitte wählen Sie eine der folgenden Antworten: □ 0–1-mal □ 2–5-mal □ 6–10-mal □ mehr als 10-mal Inwieweit stimmen Sie folgenden Aussagen als (zukünftige/-r) Gutachter/-in im Peer Review für Fachpublikationen zu? Stimme überhaupt nicht zu Stimme eher nicht zu Stimme eher zu Stimme voll und ganz zu Weiß nicht „Als Gutachter/-in tätig zu werden, gehört für mich zum Wissenschaftsbetrieb.“ „Ich bin gerne als Gutachter/-in tätig.“ „Ich finde, dass Gutachter/-innen von den Verlagen bezahlt werden sollten.“ „Manchmal fühle ich mich als Gutachter/ -in eigentlich nicht kompetent – schreibe aber trotzdem das Gutachten.“ „Ich versuche, in meinen Gutachten konkrete Anregungen zu geben, die den Autorinnen und Autoren weiterhelfen.“ „Ich würde mir einen direkten Austausch mit den Autorinnen/Autoren wünschen.“ „Ich finde es hilfreich, die Autorinnen/Autoren namentlich zu kennen.“ „Ich bevorzuge es, die Autorinnen/Autoren nicht namentlich zu kennen.“ „Ich finde die Idee eines offenen Peer Review sinnvoll.“ „Ich hätte nichts dagegen, wenn meine Gutachten zu Publikationen veröffentlicht würden – inkl. Namensnennung.“ Anhang 39 Statistikdaten Bitte nennen Sie Ihr Geschlecht. Bitte wählen Sie eine der folgenden Antworten: □ weiblich □ männlich □ divers □ keine Antwort Welches ist Ihr höchster akademischer Abschluss? Bitte wählen Sie eine der folgenden Antworten: □ 1. Staatsexamen □ 2. Staatsexamen □ Bachelorabschluss □ Diplom □ Master-/Magisterabschluss □ Promotion □ Habilitation □ anderer Abschluss □ keine Antwort Bitte geben Sie Ihr Alter an. Bitte wählen Sie eine der folgenden Antworten: □ unter 30 Jahre □ 30–39 Jahre □ 40–49 Jahre □ 50–59 Jahre □ 60 Jahre und älter □ keine Antwort Haben Sie Anmerkungen zum Peer Review oder zur Umfrage?