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Integration der Vietnamesen in Ostdeutschland: Deutsche und Vietnamesische Sichtweisen in qualitativen Interviews.

Ngo, Bao Trang; Westsächsische Hochschule Zwickau, Fakultät Angewandte Sprachen und Interkulturelle Kommunikation

Abstract

The topic of migration and integration has not only become one of the most important but also one of the most divisive issues in Germany during recent years. However, migration and integration as such have always been important for Germany. Whether Turkish or Italian guest workers in the 1950s, Asian boat people in the 1970s or Vietnamese contract workers in the 1980s, West and East Germany have taken in numerous migrants over the years. As a matter of fact, no migrant group has been mentioned more positively in the media than the Vietnamese. The object of this paper is to show how the integration of the Vietnamese people differs or is similar from a German and Vietnamese perspective. The following research questions will be discussed: Do German people really see the Vietnamese as fully integrated? How do the Vietnamese themselves assess their integration? In order to answer these questions, four qualitative interviews were conducted with two German participants, one Vietnamese woman who had come to the former GDR as a contract worker, and a second-generation Vietnamese woman born and raised in Germany. All participants were asked to express their individual opinions regarding Vietnamese integration. In general, it can be said that despite some differences in opinion, the interviewees were almost unanimously of the opinion that Vietnamese people are well integrated into German society, although this opinion cannot always be supported by scientific definitions.

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Zwickauer Forum Interkulturelle Kommunikation und Sprache Nr. 4 Integration der Vietnamesen in Ostdeutschland Deutsche und vietnamesische Sichtweisen in qualitativen Interviews Bao Trang Ngo Zwickau Westsächsische Hochschule Zwickau, Fakultät Angewandte Sprachen und Interkulturelle Kommunikation 2021 ISBN: 978-3-946409-05-2 DOI: 10.34806/x4gd-gm78 Zwickauer Forum Interkulturelle Kommunikation und Sprache (ISSN 2700-5968) ist eine Online-Reihe der Fakultät Angewandte Sprachen und Interkulturelle Kommunikation der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Ziel dieser Reihe ist, in unregelmäßigen Abständen aktuelle Forschungsbeiträge (Arbeitspapiere, Monographien, Sammelbände) aus den Bereichen (Angewandte) Sprachwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation sowie didaktische Materialien aus den Lehrgebieten der Fakultät einem interessierten Publikum zugänglich zu machen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den an der Fakultät vertretenen Sprachen und Kulturräumen (Chinesisch, Deutsch, Deutsche Gebärdensprache, Englisch, Französisch, Italienisch, Katalanisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch und Tschechisch) Die Reihe ist dem Open-Access-Prinzip verpflichtet, das weltweit einen barrierefreien Zugang ermöglicht. Die Publikationen werden unter Creative Commons-License CC-BYnc-nd (Namensnennung, nicht kommerziell, keine Bearbeitung 4.0 Deutschland) und mit ISBN-Nummer publiziert. Die Publikationssprachen sind schwerpunktmäßig Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Portugiesisch und Spanisch. Zitationsvorschlag: Ngo, Bao Trang (2021): Integration der Vietnamesen in Ostdeutschland: Deutsche und vietnamesische Sichtweisen in qualitativen Interviews . Zwickau: Westsächsische Hochschule Zwickau, Fakultät Angewandte Sprachen und Interkulturelle Kommunikation (ZwIKSprache; 4). © Bao Trang Ngo ISBN: 978-3-946409-05-2; DOI: 10.34806/x4gd-gm78 Commons-License CC-BY-nc-nd (Namensnennung, nicht kommerziell, keine Bearbeitung 4.0 Deutschland) Herausgeberinnen und Herausgeber der Reihe Martin Bauch, Lehrkraft für besondere Aufgaben in Deutsch als Fremdsprache Ines Busch-Lauer, Professur für Englisch und Kommunikation Gabriele Berkenbusch, Professur für Romanische Sprachen mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsspanisch Juan Cao, Vertretungsprofessur für Chinesisch (2016-2019) Hui-Fang Chiao, Professur für Chinesisch Doris Fetscher, Professur für Interkulturelles Training mit dem Schwerpunkt Romanischer Kulturraum und International Business Administration Peiqi Han, Lehrkraft für besondere Aufgaben, Vertretungsprofessur für Chinesisch (2019-2020) Thomas Johnen, Professur für Romanische Sprachen mit den Schwerpunkten Wirtschaftsspanisch und Wirtschaftsportugiesisch Susann Müller, Vertretungsprofessur für Gebärdensprachdolmetschen Alejandro Oviedo Palomares, Professur für Gebärdensprachlinguistik Nadine Rentel, Professur für Romanische Sprachen mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsfranzösisch Rachel Rosenstock, Professur für Gebärdensprachdolmetschen Thomas Temming, Vertretungsprofessur für Gebärdensprachdolmetschen Doris Weidemann, Professur für Interkulturelles Training mit dem Schwerpunkt Chinesischsprachiger Kulturraum und International Business Administration http://www.fh-zwickau.de/zwiksprache Integration der Vietnamesen in Ostdeutschland Deutsche und vietnamesische Sichtweisen in qualitativen Interviews Bao Trang Ngo Zwickau Westsächsische Hochschule Zwickau, Fakultät Angewandte Sprachen und Interkulturelle Kommunikation 2021 ISBN: 978-3-946409-05-2 DOI: 10.34806/x4gd-gm78 Inhaltsverzeichnis Zusammenfassung ...................................................................... 7 Abstract ...................................................................................... 8 Trừu tượng ................................................................................ 10 Vorwort ..................................................................................... 11 1 Einleitung ............................................................................... 13 2 Zur Diskussion um den Integrationsbegriff im Migrationskontext in Politik und Wissenschaft ............................................................. 15 3 Die Situation der vietnamesischen Migranten in Deutschland ..... 18 3.1 Flucht aus Vietnam ....................................................... 18 3.2 Bootsflüchtlinge in Westdeutschland .............................. 19 3.3 Vertragsarbeiter in Ostdeutschland ................................ 23 4 Methoden der qualitativen Sozialforschung ............................... 27 4.1 Leitfadeninterview ......................................................... 28 4.2 Transkription ................................................................ 31 5 Die Interviews ......................................................................... 33 5.1 Interviews mit Deutschen .............................................. 34 5.1.1 Vorstellung der Interviewpartner ........................... 34 5.1.2 Aufnahmesituation ................................................ 35 5.1.3 Beschreibung der Interviews ................................. 36 5.1.3.1 Interview mit Eberhard ...................................... 36 5.1.3.2 Interview mit Hilde ........................................... 46 5.1.4 Analyse der Interviews ......................................... 55 5.2 Interviews mit Vietnamesen ........................................... 60 5.2.1 Vorstellung der Interviewpartner ............................ 60 5.2.2 Aufnahmesituation ................................................ 61 5.2.3 Beschreibung der Interviews .................................. 61 5.2.3.1 Interview mit Phan ........................................... 61 5.2.3.2 Interview mit Linh ............................................ 66 5.2.4 Analyse der Interviews .......................................... 68 5.3 Vergleich der deutschen und vietnamesischen Sicht ........ 70 6 Schlussbetrachtung ................................................................. 72 Literaturverzeichnis .................................................................... 77 Anhang ...................................................................................... 87 I Leitfäden ......................................................................... 87 II Transkriptauszüge ............................................................ 88 Transkript 1 - Interview mit Eberhard ………………………………88 Transkript 2 - Interview mit Hilde ….………………………………107 Transkript 3 - Interview mit Phan ………………………………….129 Transkript 4 – Interview mit Linh …………………………………..138 7 Zusammenfassung Integration und Migration werden in Deutschland nie an Bedeutung verlieren. Ob als Gastarbeiter in den 1950er Jahren, Flüchtling in den 1970er Jahren oder Vertragsarbeiter in den 80ern, Deutschland hat über Jahre hinweg zahllose Migranten aufgenommen. Doch keine Migrantengruppe wird derzeit in den Medien positiver erwähnt als die der Vietnamesen. Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, wie sich die Integration der Vietnamesen aus deutscher und vietnamesischer Sicht unterscheiden bzw. ähneln. Dazu wurden folgende Forschungsfragen gestellt: Sehen die deutschen Bürger die Vietnamesen tatsächlich als voll integriert? Und wie schätzen die Vietnamesen selbst ihre Integration ein? Um diese Fragen zu beantworten, sind vier qualitative Interviews mit zwei deutschen Staatsbürgern deutscher Herkunft, einer Vietnamesin, die in die damalige DDR als Vertragsarbeiterin kam, und einer Vietnamesin zweiter Generation, die in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, durchgeführt worden. Die Interviews wurden auf Meinungen im Hinblick auf die vietnamesische Integration untersucht. Im Großen und Ganzen kann gesagt werden, dass trotz einiger Divergenzen hinsichtlich der geäußerten Sichtweisen, die Interviewten fast einstimmig der Meinung sind, Vietnamesen seien gut in die deutsche Gesellschaft eingegliedert - auch wenn das, was sie unter Integration verstehen, teilweise stark von den wissenschaftlichen Definitionen abweicht. Schlagwörter: Integration, Migration, vietnamesische Vertragsarbeiter 8 About the Integration of Vietnamese Migrants in Eastern Germany: German and Vietnamese Perspectives in Qualitative Interviews Abstract The topic of migration and integration has not only become one of the most important but also one of the most divisive issues in Germany during recent years. However, migration and integration as such have always been important for Germany. Whether Turkish or Italian guest workers in the 1950s, Asian boat people in the 1970s or Vietnamese contract workers in the 1980s, West and East Germany have taken in numerous migrants over the years. As a matter of fact, no migrant group has been mentioned more positively in the media than the Vietnamese. The object of this paper is to show how the integration of the Vietnamese people differs or is similar from a German and Vietnamese perspective. The following research questions will be discussed: 1st) Do German people really see the Vietnamese as fully integrated? 2nd) How do the Vietnamese themselves assess their integration? In order to answer these questions, four qualitative interviews were conducted with two German participants, one Vietnamese woman who had come to the former GDR as a contract worker, and a sec- 9 ond-generation Vietnamese woman born and raised in Germany. All participants were asked to express their individual opinions regarding Vietnamese integration. In general, it can be said that despite some differences in opinion, the interviewees were almost unanimously of the opinion that Vietnamese people are well integrated into German society, although this opinion cannot always be supported by scientific definitions. Key Words: integration, migration, Vietnamese contract workers 书名: 在德东越南人的融入:定性访谈中德国人和越南人的观点 关键词: 融入, 移民,越南合同工 16 […] warum eigentlich so viele Menschen, deren Lebenslage der von Migranten gleichzusetzen ist, nicht wandern: Was bewegt die einen zu bleiben, die anderen zu gehen […]?“ (Treibel 2008: 296). Aus soziologischer Sicht wird demnach in einer globalen Perspektive das Bleiben und nicht das Gehen als normal gesehen. Viele Migrationsforscher betonen jedoch, dass Migration als Normalfall zu betrachten sei und diese Aussage an die breitere Öffentlichkeit weitergetragen werden sollte. Denn in vielen Medien und politischen Debatten rücken fast nur dramatische Begleitumstände und Folgen von Migration, wie beispielsweise sexuell misshandelte Dienstmädchen aus den Philippinen in den Arabischen Emiraten oder die an italienischen Küsten gestrandeten nordafrikanischen Migranten, in den Vordergrund. Wenn man von Migration spricht, kann man den Begriff der Integration nicht vernachlässigen, da beide Begriffe Hand in Hand gehen. Das BUNDESMINISTERIUM DES INNERN, FÜR BAU UND HEIMAT definiert Integration wie folgt: Gelungene Integration bedeutet, sich einer Gemeinschaft zugehörig zu fühlen. Sie bedeutet die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses, wie man in der Gesellschaft zusammenlebt. Zuwanderung kann deshalb nur als wechselseitiger Prozess gelingen. Sie setzt die Aufnahmebereitschaft der Mehrheitsgesellschaft voraus – wie auch die Bereitschaft der Zugewanderten, die Regeln des Aufnahmelands zu respektieren und sich um die eigene Integration zu bemühen (BUNDESMINISTERIUM DES INNEREN, FÜR BAU UND HEIMAT s.a. b). Für die Bundesausländerbeauftragte ist der Begriff Integration: 17 […] die Eingliederung in ein Ganzes, die Herstellung einer Einheit aus einzelnen Elementen oder die Fähigkeit einer Einheit, den Zusammenhalt der Teilelemente auf Grundlage gemeinsamer Werte und Normen zu erhalten“ (Bundesländerbeauftragte s.a.). Ähnlich sieht dies auch die Soziologie. So weist der USamerikanische Soziologe Robert E. Park darauf hin, dass „Integration [...] nur durch Sozialisation möglich [ist], also durch Übernahme der vorgefundenen kulturellen Muster“ (Merz-Benz/Wagner 2002: 26). Das bedeutet, dass Zugereiste durch einen ständigen Lernund Definitionsprozess die Werte und die Kultur der Ansässigen zu ihren eigenen machen können. Nach Alfred Schütz durchlebt der Fremde eine Krise, da er sein bestehendes Zivilisationsund Kulturmuster nicht mehr anwenden kann. Schütz beschreibt den Fremden als „Mensch ohne Geschichte“ (Schütz [1972] 2002: 80), da ihm die Orientierung fehlt, um sich in der Aufnahmegesellschaft zurecht zu finden, und sich das nötige Wissen dazu selbst aneignen muss. Ebenso verweist Schütz auf die Wichtigkeit der Sprache, die Voraussetzung für Integration ist. Diese sollte nicht nur passiv verstanden, sondern auch aktiv beherrscht werden, um in der neuen Umgebung an den Kommunikationsprozessen teilhaben zu können (cf. Schütz [1972] 2002: 82-84). 18 3 Die Situation der vietnamesischen Migranten in Deutschland Die Migrationsgeschichte von Vietnam nach Deutschland vor der Wiedervereinigung stellt sich sehr unterschiedlich für die Bundesrepublik Deutschland und die DDR dar. Deshalb soll im Folgenden der historische Kontext für beide Migrationsgeschichten kurz skizziert werden. 3.1 Flucht aus Vietnam Nach dem jahrelangen Krieg zwischen Nordund Südvietnam mit unzähligen Toten (Schätzungen reichen von einer Million bis zu fünf Millionen) (cf. Weidenbach 2020), kapituliert der Süden bedingungslos am 30. April 1975 mit der Übernahme der südvietnamesischen Hauptstadt Saigon durch die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams (Vietcong). Mit der Gründung der Sozialistischen Republik Vietnams im Juli 1976 steht das Land unter kommunistischer Regierung. Die neue Ideologie wird den Bürgern Südvietnams aufgezwungen, mehr als 500.000 Südvietnamesen werden in Umerziehungslager, so genannte „Neue Ökonomische Zonen“, verbracht. Unter ihnen befinden sich Studierende, Intellektuelle, Armeeangehörige oder Mitarbeiter der früheren südvietnamesischen Regierung (cf. Ministerium Rheinland-Pfalz s.a.). Viele Südvietnamesen flüchten mit Booten aus ihrer Heimat in angrenzende Staaten wie China, Kambodscha, Thailand und Laos. Allerdings bietet sich ihnen dort nur wenig Perspektive. „Malaysia, Thailand und Hongkong [hatten] bereits mehr Flüchtlinge aufgenommen, als es in ihren Kräften 19 [stand].“ (Venzky 1979). Die Flüchtlingslager waren mit mehr als 35.000 Menschen überfüllt, die verzweifelt eine neue Heimat suchten. Doch die Fluchtwelle hatte erst begonnen. Viele Menschen ertranken bei der Überfahrt auf See. Die genaue Zahl ist nicht bekannt, doch es wird von hohen fünfstelligen Zahlen gesprochen. Viele Boote wurden von Piraten überfallen, Frauen wurden vergewaltigt und Gegenwehr mit dem Tod bezahlt. Erreichten die Flüchtlinge die Lager, konnten sie nur einen begrenzten Einfluss auf ihre Weiterreise in ein bestimmtes Land nehmen, beispielsweise wenn sie enge Verwandte in den Zielländern nachweisen konnten oder wenn sie für das besagte Land gearbeitet hatten. Allerdings galt dies nur für die USA und Frankreich (cf. Beuchling 2003). 3.2 Bootsflüchtlinge in Westdeutschland Bis in die späten 1970er Jahre lebten nur wenige Vietnamesen in Westund Ostdeutschland. Die große Mehrheit der 1.600 Vietnamesen in Westdeutschland waren Studierende aus Südvietnam (cf. Bösch/Su 2018: 3). Nach der Wiedervereinigung Vietnams 1975 verlangten die USA, dass Westdeutschland 3.000 vietnamesische Flüchtlinge aufnehme. Allerdings wurden nur 1.300 aufgenommen, da Westdeutschland es ablehnte, ein Einwanderungsland zu werden (cf. Surak 2013: 101, apud: Bösch/Su 2018: 3). In den Jahren 1979 und 1980 änderte sich die Lage der Vietnamesen, sowohl in Westdeutschland als auch in Ostdeutschland, drastisch. Aufgrund des öffentlichen Drucks erklärte sich Westdeutschland widerwillig bereit, 10.000 Bootsflüchtlinge aufzunehmen (cf. 20 Bösch 2017, apud: Bösch/Su 2018: 4). Jedoch erhöhte sich die Zahl auf mehr als das Dreifache, unter anderem aus folgenden Gründen: Zunächst beteiligten sich zahlreiche Journalisten an Kampagnen, um Bootsflüchtlingen zu helfen und zu retten. Beispielsweise holte Die Zeit 275 vietnamesische Flüchtlinge nach Hamburg und konnte durch Spendenaktionen die Kosten für Reise, Unterkunft und andere Sozialleistungen übernehmen (cf. Venzky 2009). Mit Hilfe von anderen Journalisten und Politikern, hatte der Radiojournalist Rupert Neudeck genügend Spenden gesammelt, um ein Schiff zu organisieren, das zur Rettung der vietnamesischen Flüchtlinge nach Südostasien fahren sollte. Neudecks Organisation und das Schiff „Cap Anamur“ retteten mehr als 10.000 Menschen das Leben (cf. Norddeutscher Rundfunk 2019). Des Weiteren schlugen antikommunistische Politiker, wie Ernst Albrecht von der Christlich Demokratischen Union (CDU), Initiativen vor, um einzelne Flüchtlinge in die Bundesländer einfliegen zu lassen. Auch der ehemals christdemokratische Alexander Gauland, heute Ehrenvorsitzender der Partei Alternative für Deutschland (AfD), besuchte Flüchtlingsheime in Hong Kong und holte 250 Vietnamesen nach Frankfurt (cf. Anzlinger 2018: 2). Bootsflüchtlinge in Westdeutschland erhielten großzügige Unterstützung im Vergleich zu anderen Migranten. Ankommende vietnamesische Flüchtlinge wurden vorerst in Zentrallagern in Westdeutschland untergebracht und wurden dann basierend auf dem Königsteiner 21 Schlüssel4 in die verschiedenen Bundesländer verteilt. Bis heute verbleiben viele Vietnamesen im Norden und Südwesten Deutschlands. Sie erhielten sowohl finanzielle Unterstützung als auch Unterstützung bei der sozialen Integration. Ihnen wurde ebenfalls ein langfristiger Sprachkurs angeboten und im Gegensatz zu anderen Asylbewerbern durften die Bootsflüchtlinge nach sechs Monaten arbeiten. Die Bundesregierung übernahm anfänglich alle Kosten, aber die Mehrheit der Kosten mussten die Städte selbst tragen (cf. Bösch/Su 2018: 5). Trotz der vielfältigen Maßnahmen war die soziale Integration der Vietnamesen schwieriger als gedacht. Eine der größten Herausforderungen war die deutsche Sprache. Aufgrund der Kolonisation und Präsenz der US-Amerikaner im Süden Vietnams waren die Vietnamesen mit Französisch und Englisch vertraut. Dies war ausschlaggebend dafür, dass viele Flüchtlinge in französischund englischsprachige Länder flohen, wie in die USA, Frankreich, Kanada und Australien. Westdeutschland erschien dabei als eine eher weniger offensichtliche Option, allerdings flüchteten viele letztendlich deshalb nach Westdeutschland, weil sie von der Cap Anamur gerettet worden waren oder keine andere Möglichkeit hatten, den überfüllten Lagern in Südostasien zu entkommen. Da die deutsche Sprache für Vietnamesen verhältnismäßig schwer zu erlernen ist (cf. Kelz 1984, apud: Schor-Tschudnowskaja 2000: 4 Nach dem sogenannten "Königsteiner Schlüssel" wird festgelegt, wie viele Asylsuchende ein Bundesland aufnehmen muss. Dies richtet sich nach Steuereinnahmen (2/3 Anteil bei der Bewertung) und der Bevölkerungszahl (1/3 Anteil bei der Bewertung) (cf. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge s.a. b). 22 10), beherrscht fast nur die zweite Generation, die in Deutschland aufgewachsen ist, die Sprache auf einem hohen Niveau und konnte sich somit gut in den Arbeitsmarkt integrieren. Anfang der 1980er Jahre hatten mehr als die Hälfte der über 16-jährigen Vietnamesen einen Job. Bis 1989 waren fast drei Viertel der Vietnamesen im Alter von 16 bis 65 Jahren sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer (cf. Horr 1991: 53-63, apud: Bösch/ Su 2018: 5). Andere waren selbstständig oder hatten illegale Jobs. Da es allerdings keine konkreten Statistiken zum Profil der Vietnamesen in Westdeutschland gibt, wird angenommen, dass viele Vietnamesen auf mehr sozioökonomische Schwierigkeiten trafen als man angenommen hatte: There are no precise statistics on the profiles of Vietnamese in West Germany; however, some cityand state-level statistics suggest that many Vietnamese encountered more socioeconomic difficulties than expected in the 1980s (Bösch/Su 2018: 5). Beispielsweise zeigt eine Untersuchung von 122 Vietnamesen in Hamburg, dass sie nicht qualifiziert waren, in ihren früheren Berufen zu arbeiten, da es ihnen an technischen Kompetenzen fehlte (cf. Beuchling 2003: 107). Viele Vietnamesen waren in ihrem Heimatland Ladenbesitzer, aber strikte Gesetze in Deutschland machten die Selbstständigkeit bis in die 1990er Jahre schwieriger. Da die meisten vietnamesischen Flüchtlinge oft als Familie mit ihren Kindern in Westdeutschland ankamen, hatte dies eine große Auswirkung auf die Integration. Einerseits ermöglichte die Einwanderung den Kindern eine gute Bildung zu erlangen, die deutsche Sprache zu meistern und sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren, andererseits 23 verhinderte dies die Integration der vietnamesischen Frauen, die zumeist Hausfrauen waren und nur begrenzten Kontakt zu Deutschen hatten, da es in Westdeutschland an Kindertagesbetreuung mangelte. Obwohl die Ankunft und Aufnahme der Bootsflüchtlinge hohe öffentliche Aufmerksamkeit erlangten, wurden die Vietnamesen in Westdeutschland nach den 1980er Jahren in vielerlei Hinsicht unsichtbar (cf. Bösch/Su 2018: 6). 3.3 Vertragsarbeiter in Ostdeutschland Die Migrationsgeschichte der Vietnamesen im sozialistischen Ostdeutschland steht in starkem Kontrast zu den Bootsflüchtlingen in Westdeutschland. Die engen Beziehungen zwischen der DDR und dem kommunistischen Nordvietnam gingen bis in die 1950er Jahre zurück, als man den vietnamesischen Kindern eine schulische und berufliche Ausbildung im Rahmen einer Solidaritätsaktion ermöglichte. Abb. 1: DDR-Briefmarke zur Solidaritätskampagne mit Vietnam aus dem Jahr 1973 (Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/33/Stamps_of_Germany_%28DDR%29 _1973%2C_MiNr_1886.jpg/1024px-Stamps_of_Germany_%28DDR%29_1973%2C_MiNr_1886.jpg (08.08.2020). Lizenz: Public Domain) 24 Seitdem wurden vietnamesische Schüler, Lehrlinge, Studenten und Wissenschaftler in der DDR ausgebildet, um nach ihrer Ausbildung in ihr Heimatland zurückzukehren und den Sozialismus mit aufzubauen (Mitteldeutscher Rundfunk 2019). Ende der 1970er Jahre wandelte sich allerdings die wirtschaftliche Lage der DDR und das Land war von nun an dringend auf Arbeitskräfte angewiesen. Im Rahmen der „Bruderhilfe“ wurden bilaterale Abkommen vereinbart, unter anderem mit Ungarn, Polen, Bulgarien und Vietnam (cf. Schwenkel 2014: 239, apud: Bösch/Su 2018: 6). Die Vertragsarbeiter galten als loyal gegenüber der kommunistischen Regierung und wurden mit begehrten Arbeitsverträgen, die normalerweise vier bis fünf Jahre andauerten, belohnt (cf. Dennis 2005, apud: Bösch/Su 2018: 6). Während es den Bootsflüchtlingen möglich war, mit ihren Familien einzureisen, wurde den Vertragsarbeitern strikt verboten dies zu tun. Vergleichbare Integrationsund längerfristige Sprachprogramme wie in der BRD gab es nicht, da man davon ausging, die Vertragsarbeiter würden nach Beendigung ihres Vertrages in ihr Heimatland zurückkehren. Typisch waren Deutschkurse von drei Monaten. Außerdem war der Kontakt zu deutschen Bürgern strikt untersagt. Um die Integration zu vermeiden, wurden die Vertragsarbeiter strengstens überwacht (cf. Klessmann 2011: 192, apud: Bösch/Su 2018 2018: 6). Liaisons mit Ostdeutschen waren verboten und Schwangerschaften führten zur unverzüglichen Ausweisung nach Vietnam. Ein Verstoß gegen den Vertrag führte zum Ausschluss aus dem Programm. Zeitzeugen berichten allerdings, dass es geringfügigen Kontakt im alltäglichen Leben zwischen Vietnamesen und ostdeutschen Bürgern gab. Nichtsdestot- 25 rotz war die Verständigung für Vietnamesen ein größeres Problem in Ostdeutschland als in Westdeutschland. Da in der damaligen DDR Russisch als erste zu lernende Fremdsprache galt, sprachen DDRBürger kaum Französisch oder Englisch 5. Im Vergleich zu den Flüchtlingen in Westdeutschland, hatten Vertragsarbeiter weitaus schlechtere Möglichkeiten ein neues Leben in Ostdeutschland zu beginnen. Trotz der Einschränkungen im Alltag, sahen die Vietnamesen ihr Leben als paradiesisch an: Despite the strict regulations of their movement and activities, many contract workers in East Germany considered their lives in the GDR a ‚paradise‘ up until the fall of the Berlin Wall. (Kolinsky 2004: 85, apud: Bösch/Su 2018: 7). Während die Wiedervereinigung das Leben der Vietnamesen in Westdeutschland nicht erheblich beeinträchtigte, beeinflusste jene das Leben der Vertragsarbeiter umso mehr. Nach dem Mauerfall 5 Auch wenn in der DDR seit Anfang der 50er Jahre Russisch die erste Fremdsprache war, bedeutet dass jedoch nicht, dass wirklich alle fortgeschrittene Kenntnisse in dieser Sprache erworben haben. So konstatiert Best (2008: 178) in einer Auswertung des Zentralen Kaderspeichers der DDR, dass lediglich bei 29,5% der Leistungskader Russischkenntnisse vermerkt waren, bei 22% Englischkenntnisse und bei 3,7% Französischkenntnisse. Im Bereich, in dem die Vertragsarbeiter tätig waren, nämlich in der Industrie lagen die Zahlen noch niedriger, nämlich bei 22,4 % für Russisch-, 15,1% für Englischund 1,6% für Französischkenntnisse (cf. Best 2008: 179). Die Folgen sind bis heute sichtbar. So ergab eine Befragung in sächsischen Betrieben in der zweiten Hälfte der 90er Jahre, dass in den Betrieben nur 4,7% der Belegschaft über keinerlei Englischkenntnisse verfügte, 17,9% über keinerlei Russischkenntnisse und 62% über keinerlei Französischkenntnisse, jedoch lediglich 23,3% verfügten über gute und sehr gute Englischekenntnisse und lediglich 8,4% über gute und sehr gute Russischkenntnisse (cf. Schmied 1997: 11). Für einen knappen Überblick über die schulische Sprachpolitik in der DDR cf. Huschner (1997). 32 Einund Ausatmen °h / h° Einbzw. Ausatmen von ca. 0.2-0.5 Sek. Dauer °hh / hh° Einbzw. Ausatmen von ca. 0.5-0.8 Sek. Dauer °hhh / hhh° Einbzw. Ausatmen von ca. 0.8-1.0 Sek. Dauer Pausen (.) Mikropause, geschätzt, bis ca. 0.2 Sek. Dauer (-) kurze geschätzte Pause von ca. 0.2-0.5 Sek. Dauer (--) mittlere geschätzte Pause von ca. 0.5-0.8 Sek. Dauer (---) längere geschätzte Pause von ca. 0.8-1.0 Sek. Dauer (0.5) gemessene Pausen von ca. 0.5 bzw. 2.0 Sek. Dauer (2.0) (Angabe mit einer Stelle hinter dem Punkt) Sonstige segmentale Konventionen und_äh Verschleimungen innerhalb von Einheiten äh öh äh Verzögerungssignale, sog. „gefüllte Pausen“ Lachen und Weinen haha hehe hihi silbisches Lachen ((lacht)) ((weint)) Beschreibung des Lachens <<lachend> > Lachpartikeln in der Rede, mit Reichweite <<:-)> soo> „smile voice“ Rezeptionssignale hm ja nein nee einsilbige Signale hm_hm ja_a zweisilbige Signale nei_ein nee_e ʔhmʔhm mit Glottalverschlüssen, meistens verneinend Sonstige Konventionen ((hustet)) paraund außersprachliche Handlungen u. Ereignisse <<hustend> > sprachbegleitende paraund außersprachliche Handlungen und Ereignisse mit Reichweite 33 ( ) unverständliche Passage ohne weitere Angaben (xxx), (xxx xxx) ein bzw. zwei unverständliche Silben (solche) vermuteter Wortlaut (also/alo) mögliche Alternativen (solche/welche) ((unverständlich, unverständliche Passage mit Angabe der Dauer ca. 3 Sek)) ((...)) Auslassung im Transkript → Verweis auf im Text behandelte Transkriptzeile Während der Transkription gab es, bis auf ein paar Hintergrundgeräusche und Simultanreden, keine größeren Schwierigkeiten. Alle Transkripte sind im Anhang nahezu komplett angefügt. Lediglich Passagen, die die Anonymität der Interviewten nicht gewährleisten, wurden ausgespart. 5 Die Interviews Bei dem Material, das dieser Studie zu Grunde liegt, handelt es sich wie bereits in der Einleitung kurz erwähnt um zwei Interviews mit Deutschen und zwei Interviews mit Vietnamesen. Beide deutschen Interviewten sind in einer sächsischen Mittelstadt geboren und aufgewachsen und haben das Ankommen der Vertragsarbeiter, sowie den Mauerfall und damit das „Verschwinden“ der meisten Vertragsarbeiter persönlich beobachten können. Eine der beiden Vietnamesinnen, die ich interviewt habe, ist in Deutschland geboren und hat fast ihre gesamte Kindheit und Jugend in Deutschland verbracht. Bei dem Interview mit der anderen Vietnamesin, handelt es sich um ein 34 Interview mit einer ehemaligen Vertragsarbeiterin, die Ende der Achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts in die DDR gekommen ist. 5.1 Interviews mit Deutschen 5.1.1 Vorstellung der Interviewpartner Eberhard wurde Ende de 1960er Jahre geboren und lebt seit seiner Kindheit in einer sächsischen Mittelstadt. In der damaligen DDR machte er Ferienjobs im Sachsenring Automobilwerke, wo er persönlichen Kontakt zu Vertragsarbeitern hatte. Heute ist er gelernter Drucker und lebt seit 20 Jahren mit seiner Frau in der Nähe seiner Geburtsstadt. In seiner Freizeit ist er Trainer in einem Kampfkunstzentrum und trainiert dort Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit verschiedenen Migrationshintergründen. Hilde wurde ebenfalls Ende der 1960er Jahre in einer sächsischen Mittelstadt geboren. Mitte der 19080er Jahre machte sie eine Ausbildung zur Konditorin bei einem „Konsum Backwarenkombinat“ in einer sächsischen Mittelstadt. Dort arbeitete sie ein Jahr und machte einen zweimonatigen Arbeitskräfteaustausch in Polen. Kurz vor der Wende begann sie ihr Ingenieurpädagogik-Studium an einer Ingenieursschule in Sachsen. Nach dem Mauerfall arbeitete sie in Nachbarstädten ihrer Geburtsstadt als Filialleiterin in einer Bäckerei. Kurz vor der Jahrtausendwende begann sie in einem Drogeriemarkt zu arbeiten und ist seit ca. 15 Jahren Filialleiterin. 35 5.1.2 Aufnahmesituation Zu dem vereinbarten Interviewtermin wurde ich zum Frühstück bei Eberhard zu Hause eingeladen und herzlich von Eberhard und seiner Frau Katharina begrüßt. Im Vorgespräch am Frühstückstisch unterhielten wir uns bereits über die Integration der Vietnamesen in Ostdeutschland, über vietnamesische Traditionen und über mein Forschungsvorhaben im Allgemeinen. Im Anschluss an das Frühstück begannen wir mit dem Interview. Seine Frau war während des Interviews immer anwesend. Eberhard und ich saßen uns diagonal gegenüber, Katharina auf der anderen Seite des Raumes. Obwohl wir uns im Vorfeld schon über verschiedene Aspekte unterhalten hatten, ging ich nicht weiter darauf ein, da ich seine Meinung nicht beeinflussen wollte. Ich erklärte ihm lediglich, worum es sich bei meiner Forschung handelt und das ich Fragen vorbereitet habe, auf die er mir so antworten könne, wie er wolle. Das Interview dauerte insgesamt 43 Minuten und 35 Sekunden. Im Anschluss an das Interview folgte ein längeres Nachgespräch zwischen Eberhard, seiner Frau und mir, bei der wir uns über die Wohnverhältnisse und Arbeitsbedingungen der Vertragsarbeiter in der DDR unterhielten, wie ich mich selbst in die deutsche Gesellschaft eingegliedert fühle und inwiefern ich persönlich Rassismus in meiner sächsischen Mittelstadt verspürt habe. Das Interview mit Hilde fand bei ihr zu Hause statt. Dabei saßen wir uns im Wohnzimmer auf dem Sofa gegenüber. Das Interview dauerte insgesamt 48 Minuten und 6 Sekunden. Während des gesamten Interviews hat Hilde zweimal Textnachrichten auf ihr Handy bekommen, weshalb sie ihren Redefluss kurz unterbrach. Im Anschluss 36 behandelten wir im Nachgespräch, ähnlich wie bei Eberhard und seiner Frau, die Arbeitsbedingungen der Vertragsarbeiter und wie es nach dem Mauerfall für die Vietnamesen weiterging. 5.1.3 Beschreibung der Interviews 5.1.3.1 Interview mit Eberhard In der ersten Erzählpassage berichtet Eberhard von seinen Erfahrungen mit Migranten, die er im Laufe seines Lebens kennengelernt hat. Er schildert, dass er durch seinen Sport und seine Arbeit Kontakt zu Migranten hat, dieser allerdings nicht über oberflächliche Gespräche hinausgehe (Transkript 1, Z. 21-26). Genauer beschreibt er die Situation mit Vietnamesen, mit denen er über die Arbeit in Kontakt kam, aber sich keine „Art Freundschaft“ (Transkript 1, Z. 13-19) entwickelt hatte. Aktuell hat er keinen persönlichen Kontakt mit Vietnamesen (Transkript 1, Z. 32-34). Nachdem ich genauer auf die Arbeit mit den Vietnamesen eingehen wollte, erzählt Eberhard mir von seinen Ferienjobs in seiner Jugend in der damaligen DDR (Transkript 1, Z. 38-52). Er beschreibt die gemeinsame Arbeitszeit mit den Vietnamesen (Transkript 1, Z. 55-58) und erwähnt, dass es „schwer für die jungen Menschen“ war, die Sprache zu lernen (Transkript 1, Z. 59-67). Anschließend berichtet er von der damaligen Wohnsituation der Vietnamesen und vergleicht diese mit seinen Erfahrungen im Internat (Transkript 1, Z. 91-108). Dabei wiederholt er, wie schwer es für die Vietnamesen gewesen sein muss, da sie die Sprache nicht konnten (Transkript 1, Z. 101-106). Eberhard spricht davon, dass das Leben mit den Vietnamesen eher ein „fried- 37 liches Nebeneinander“ als ein „Miteinander“ war (Transkript 1. Z. 112-114). 112 E: vom (.) miteinander (.) kann mer vielleischt nich (—) 113 unbedingt reden (---) aber es war n (---) ja n friedliches 114 nebeneinander Im Anschluss erzählt er von seiner Ausbildungszeit, in der er mit zwei Arbeitern aus Laos in Kontakt kam (Transkript 1, Z. 131-196). Auf meine Frage, wie er das Leben und das Arbeiten mit den Zugereisten empfand, fügte er hinzu, dass Vietnamesen mit den Händen sehr geschickt wären, da sie in der damaligen DDR auch Jeansjacken und Jeanshosen genäht haben (Transkript 1, Z. 203-235). Als ich Eberhard fragte, wie er das Leben der Zugereisten in Deutschland einschätzen würde, sagte er, es müsse schwer sein (Transkript 1, Z. 240). Ein Grund dafür sei die Sprachbarriere, da die Zugereisten nur ein „bestimmtes Vokabular“ (Transkript 1, Z. 242) hätten, wie beispielsweise der Gemüsehändler: 243 E: beispiel jetzt beim gemüsehändler 244 I: jaa 245 E: da gehts halt (--) um sach ich mal zwanzisch obst und 246 gemüsesortn 247 I: hhh° 248 E: dann gehts n bissl um dn geldbetrag und (.) n schön guten tag 249 I: [ja ] 250 E: [und] (.) auf wiedersehn und hallo 251 I: ja 252 E: (--) mehr is das nich und das merkt mer ja auch schon wenns 253 darüber hinaus geht wirds dann schon schwer (--) für die 254 für die leude wobei wir (1.1) <<schaut seine frau 255 an> eigentlich fast gar nich mehr zum (-) zum obsthändler (-) 256 vietnamese gehn °hhh es war mal ne zeit lang da hatt mer ein 257 im haus unten drinne ((schnauft)) das warn auch ne familie 258 also auch mann und frau die hattn auch kinder drei kinder 259 glaub ich ne (---) °hh wir ham se halt ich sag jetzt mal das 38 260 wort immer die gemüsefidschis genannt Während er über den Gemüsehändler erzählt, der ebenso in seinem Haus gelebt hat, bezeichnet er diesen als „Gemüsefidschi“6 (Transkript 1, Z. 260). Im Anschluss begründet er, dass dies „nich böse gemeint“ sei (Transkript 1, Z. 262) und man „wie in andern Ländern auch“ (Transkript 1, Z. 264) vom Aussehen her zuerst eine Barriere habe (Transkript 1, Z. 265f) und mit der Andersartigkeit „schwerer“ 6 Fidschi ist ursprünglich ein Wort, welches den Staat auf den Fidschi-Inseln bezeichnet, aber in Ostdeutschland als Schimpfwort oder abfällige Bezeichnung für asiatische und asiatisch aussehende Menschen, insbesondere Vietnamesen, genutzt wurde und wird. Auch wenn es in zahlreichen Berichten über die Umgangssprache in der DDR erwähnt wird (cf. z.B. Mora s.d., Roth/Vu 2008, Klier, 2011, Kubisch 2013, Diestelmann 2015), ist es weder im sechsbändigen, in der DDR herausgegebenen Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (Klappenbach/ Steinitz (1967-1977) verzeichnet, noch in der auch DDRUmgagnssprache berücksichtigenden Sammlung von DDR-typischen Ausdrücken für Westdeutsche von Ahrens (1989). Noch im Deutschen UniversalWörterbuch (Drosdrowski 31996: 505) fehlt diese Bedeutung. Im Online-Duden von 2013 ist das maskuline Substantiv Fidschi mit der Bedeutung „jemand, der aus Indochina stammt, besonders Vietnamese“ (Duden 2013) verzeichnet, die auch in der aktuellen Ausgabe unverändert beibehalten wurde (cf. Duden 2021). Im Online-Duden von 2013 ist der Eintrag mit „salopp, abwertend“ (Duden 2013) diastratisch markiert. In der aktuellen Online-Ausgabe des Duden wird Fidschi expressis verbis als diskriminierendes Schimpfwort gekennzeichnet und mit dem normativen Gebrauchshinweis versehen: „Die Bezeichnung Fidschi gilt im öffentlichen Sprachgebrauch als stark diskriminierend und wird deshalb vermieden“ (Duden 2021; Zu diesem Eintrag cf. auch Kunkel-Razum 2019: 44). Eine diatopische Markierung für Ostdeutschland findet sich jedoch in keiner der konsultierten Ausgaben. Das Kompositum Gemüsefidschi ist hingegen nicht im Online-Duden verzeichnet (cf. Duden 2021). Es findet jedoch weiterhin Vewendung für die Bezeichnung von Obstund Gemüsehändler vietnamesischer Herkunft und zwar in alltagssprachlichen Kontexten – wie in der folgenden Äußerung aus einem Online-Forum über Fruchtweine: „Rhabarber sah ich kürzlich sogar noch beim Gemüsefidschi“ (Fruchtwein-Forum 2006) – als auch in explizit rassistischen Kontexten, wie dem von Scharloth (2016) dokumentierten Beleg aus einer Rede auf einer PEGIDA-Demonstration. 39 umgehe in Deutschland (Transkript 1, Z. 269f.). Dem Gesagten gegenüber stellt er sich selbst jedoch als Ausnahme dar. 265 E: (1.1) dass mer (--) erstma vom aussehn (--) HER (--) ne 266 barriere hat viele (-) [was] bei mir nich so is also (.) ja 267 I: hm_[hm ] 268 E: (-) ich (.) war noch nie so eingestellt (1.5) und dann kann 269 man vielleicht auch (.) mit der (.) mit der andersartigkeit 270 (.) schwerer umgehen in deutschland (.) Danach vergleicht er die Situation mit der, wenn ein „Deutscher in Vietnam“ leben würde (Transkript 1, Z. 274-278). Er ist der Meinung, dass der Deutsche es ähnlich schwer haben würde (Transkript 1, Z. 278). Weiterhin äußert er, dass die Politik nicht viel unternommen und die Zugereisten nicht unterstützt habe und es für ihn deshalb nur „logisch“ (Transkript 1, Z. 286) erscheine, dass Vietnamesen unter sich blieben. 279 E: °hh und (2.7) es wird halt och vom (-) sach ich mal von von 280 der (1.2) von der politik her (.) nich so viel unternommen (.) 281 dass mer sagt mer schafft irgendwie räume °h wo man sich näher 282 kommen könnte (--) also das wird halt (.) einfach so (-) dem 283 leben überlassen 284 I: hm_hm 285 E: der gesellschaft überlassen (---) und (---) daher isses für 286 mich eigentlich nur logisch dass dann (--) die vietnamesen 287 unter sich voreine7 gründen °h um ganz einfach (-) ja (.) 288 soziale kontakte zu pflegen und und austausch zu haben (-) ne Zusätzlich erzählt er von einem Bekanntem, der nach Schweden ausgewandert ist, und welche Herausforderungen dieser bei der Integration hatte (Transkript 1, Z. 289-308). 7 Regionale Aussprache für standarddeutsch: Vereine . 40 Als weiteres Beispiel erwähnt er einen iranischen Trainingskollegen und berichtet von Problemen, die dieser hatte, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen (Transkript 1, Z. 320-359). Danach leitet er zu den Kindern im Kampfsportzentrum über, die Migrationshintergrund haben, und meint, dass die Kinder, die gute Deutschkenntnisse haben, sich schneller integrieren könnten (Transkript 1, Z. 360-365). Meine Frage, ob er der Meinung sei, Zugereiste seien in die deutsche Gesellschaft eingegliedert, missverstand er zunächst und beantwortete die Frage zuerst so, als ob es um die Frage ginge, ob die Zugereisten in die deutsche Gesellschaft eingegliedert sein sollten. 385 I: [bist] du denn der meinung dass (.) zugereiste (.) in die 386 deutsche gesellschaft eingegliedert sind 387 E: unbedingt (---) unbedingt °h ja (.) anners (-) das is ja 388 eigentlich nur n mehrwert für die gesellschaft (-) ne °h wenn 389 mer jetzt mal die (.) wir hattn ja vorhin das thema das (.) 390 das thema religion mal weglässt 391 I: [hm]_hm 392 E: [un]d mer kann ja eigentlich nur vonnander profitiern (--) ne 393 I: ja 394 E: das (---) geht los von von erfahrung (--) die einfach aus den 398 ländern mitgebracht werden (.) jetzt nich nur wirtschaftlich 399 sondern och kulturell °h was ne bereicherung für ne 400 gesellschaft is (-) es heißt ja nich dass ich dann alles 401 machen muss aber erstma das wissen dass das transferiert wird 402 °hh ne (-) das mer och weiß (.) was is überhaupt in asien 403 los wie ticken die und was machen die da unten (---) ja (1.9) 404 ich finde ja (-) auf jeden fall Aus diesem Grund fragte ich ihn erneut, ob er denkt, dass Zugereiste eingegliedert sein sollten oder sind. Daraufhin antwortete er, es sei beides der Fall. 409 E: (--) also (.) sein sollten (.) äh (-) is ja erstma die 41 410 voraussetzung dass jeder bereit sein sollte das (.) mitzumachn 411 I: jaa 412 E: und das sies sind wäre ja dann die (verendung/vollendung) 413 dessen (--) ne 414 I: ja 415 E: also (--) das wäre ja schön das (.) wäre das was (1.4) das i 416 tüpfelchen am ende wäre ne oder °hh ja (1.2) genau Da er allerdings auf meine Ausgangsfrage nicht geantwortet hatte, formulierte ich die Frage um. 417 I: bist du der meinung dass die jetzigen die grade da sind (-) 418 dass sies (-) das sie auch eingegliedert sind Schließlich äußerte er sich dazu und sagte, dass die Zugereisten nicht eingegliedert seien. Er ist vielmehr der Meinung, dass die Menschen nur in Form von „Schattengesellschaften“ eingegliedert seien (Transkript 1, Z. 425). Dabei geht er auf die Vietnamesen ein und äußert, dass Vietnamesen eher unauffällig und „im Prinzip [als Gemüsehändler] gesellschaftlich einzuordnen“ seien (Transkript 1, Z. 435f.). 431 E: ich mal (--) fast n bissl (-) unauffällisch (--) ne es gibt ja 432 andere die sin n bissl auffälliger [aber ] die vietnamesen sin 433 I: [hm_hm] 434 E: halt (--) die ruhigeren (-) die fleißigen auf jeden fall (.) 435 ne °hh und mer weiß die auch (.) im prinzip gesellschaftlich 436 einzuordnen (--) en vietnamese (.) findeste halt (1.5) beim 437 gemüsehändler (- - -) wies bei deinen eltern is (.) am (-) 438 I: neumarkt 439 E: am neumarkt [am] stand al[so wo] halt (.) äh (-) nudeln 440 I: [ja] [hm_hm] 441 E: asiatische lebensmittel(.) sozusagen verkauft werdn oder 442 zubereitet werden (---) °hh in restaurants (.) jaa (--) Des Weiteren sagt er, es gebe Vorurteile, dass Vietnamesen „Geldwäsche“ betreiben und kriminell seien (Transkript 1, Z. 443f.). Au- 48 „Erscheinungsbild“ (Transkript 2, Z. 130) immer präsent gewesen seien, man sie aber „nie [be]merkt“ habe (Transkript 2, Z. 128). 126 H: und ihr ihr seid (.) so (1.9) so ruhisch und äh ((stottert)) 127 isch weß gar nich wie ich das wiedergebn (.) soll °h also ganz 128 anders (-) und äh du hast die ja früher oh nie gemerkt also du 129 hast nie °h mitge/ du hastes gesehn das war ja so im normalem 130 erscheinungsbild war das ja so [warn se ja] immer präsent °hh 131 I: [ja_a ] 132 H: aber du hast nie was gehört dass da irgendwas passiert is °h 133 und äh ihr habt ja oh nen wahnsinnischn (--) also wahnsinnich 134 is quatsch °h in (2.2) ne anpassungsfähichkeit Weiterhin beschreibt sie die mutmaßliche „Wandlungsfähigkeit“ (Transkript 2, Z. 154) der Vietnamesen in Bezug auf das alltägliche Geschäft (Transkript 2, Z. 135-154) und findet die Integration der Vietnamesen sei gelungen (Transkript 2, Z. 155). 155 H: (-) sowas von anpassn und rischtisch sich integriern also ich 156 finde das (--) bei denen also bei bei °hh ((räuspert)) 157 vietnamesn (.) is das für mich bezeichnend dass die wirklisch 158 (---) für sich (---) das so entdeckt ham oder so 159 wandlungsfähisch sin und so anpassungsfähisch sin (--) dass du 160 die nich merkst und die aber überall da sin (--) also so in so 161 ner (1.1) in so ner art und weise in so ner nettn und 162 freundlichen art und weise °hh und ähm (1.5) ja (2.6) isch weß 163 ich weß net wie isch das so ausdrückn soll dass des (1.5) °h Sie erwähnt einen Freund, der ein vietnamesisches Restaurant in einer sächsischen Mittelstadt eröffnet hat und meint, in Bezug auf die hier lebenden Vietnamesen, dass diese ihre Nischen gefunden und damit Erfolg hätten (Transkript 2, Z. 164-175). Anschließend vergleicht sie Marokkaner mit Vietnamesen und sagt, dass Marokkaner „sehr leicht reizbar“ (Transkript 2, Z. 182) und in Messerstechereien verwickelt seien (Transkript 2, Z. 182f.). Aller- 49 dings erzählt sie auch davon, dass es damals in der DDR „ganz exotisch“ gewesen sei, „solche Menschen“ um einen herum zu haben (Transkript 2, Z. 193) und dass sie dies „toll“ (Transkript 2, Z. 200) gefunden habe. Folgend berichtet sie über weitere Vertragsarbeiter aus Äthiopien, die einen Kooperationsvertrag mit der DDR gehabt hätten und nach dem Mauerfall wieder zurück in ihr Heimatland gehen mussten (Transkript 2, Z. 207-233). Hilde erzählt, dass nach der Wende „alle“ weg mussten (Transkript 2, Z. 238) und nur die Vietnamesen geblieben seien (Anhang 4, Z. 249). Aus diesem Grund, meint Hilde, hätten viele Menschen Angst vor „den Ausländern“ (Transkript 2, Z. 262), weil sie es nicht gewohnt seien, mit Ausländern zusammenzuleben (Transkript 2, Z. 259-264). Im Anschluss fragte ich sie, ob ihrer Meinung nach die Zugereisten, die dageblieben sind, in die deutsche Gesellschaft eingegliedert seien. Diese Frage beantwortete sie mit „jein“ (Transkript 2, Z. 275). Sie ist der Meinung, dass die, die dageblieben sind, „schon integriert sind“ (Transkript 2, Z. 279), sie, die Vietnamesen, aber trotz alledem untereinander blieben. Besonders seltsam findet Hilde, dass sie in den vielen Jahren, in denen ihr Sohn im Fußballverein war, keinen Vietnamesen getroffen habe (Transkript 2, Z. 286-304). Trotzdem sehe sie die Vietnamesen in „vielen Dingen“ (Transkript 2, Z. 344) integriert und wiederholt, dass sie sehr „geschäftstüchtig“ seien (Transkript 2, Z. 349). 344 H: (1.8) also die sin schon integriert in vieln dingn (--) die 345 sehn och was du (-) für bedürfnisse hast als deutscher (--) 346 weils ham ja viele von (.) von dein landsleudn (-) geschäfte 347 [also es] is einfach so ne °hh dass die sehr umtriebisch sin 348 I: [ja_a ] 349 H: dass sie sehr geschäftstüchtisch sin geschäftstüchtisch sisste 50 350 jetz falln mir die worte ein °hhh ähm ((schnalzt)) und äh (--) 351 aber dass du die so im normalen lebn gar nisch (---) dass sie 352 dir gar nich begegnen (---) Ebenso erwähnt Hilde, dass sie in ihrer Freizeit, im Theater oder auf Konzerten, keinen Vietnamesen oder „Ausländer“ (Transkript 2, Z. 360) treffe. Sie kritisiert, viele würden sich nicht bemühen, die deutsche Sprache zu lernen und stattdessen ihre Kinder als Dolmetscher einsetzen (Transkript 2, Z. 360-364). Sie betont, dass aus ihrer Sicht, die Sprache zu lernen, das Wichtigste sei (Transkript 2, Z. 367-369). Auch wenn es sich dabei nur um „kleinere Sachen“ handle, wie zum Beispiel die Sprachkenntnisse zu haben, um wenigstens einen Einkauf in deutscher Sprache zu erledigen (Transkript 2, Z. 380-383). Als ich wissen wollte, auf wen sie das Gesagte beziehe, sagte sie, dass sie damit ihre Kunden „die n Kopftuch“ (Transkript 2, Z. 395) tragen, gemeint habe. Diejenigen, die schon „lange da“ seien (Transkript 2, Z. 403) und „zwei oder drei“ (Transkript 2, Z. 402) Kinder hätten, sollten ihrer Meinung zumindest rudimentär Deutsch können. Sie setze es voraus, dass Zugereiste, die beispielsweise „fünf Jahre“ (Transkript 2, Z. 406f.) in Deutschland leben, die Sprache können. Und dies geschehe nur, wenn die Bereitschaft da sei (Transkript 2, Z. 413), denn sonst könne man sich nicht integrieren (Transkript 2, Z. 414). Des Weiteren würde sie gerne mit anderen Kulturveranstaltungen bereichert werden, um einen Einblick in andere Kulturen zu bekommen (Transkript 2, Z. 418-421), damit Einheimische ein anderes „Bild“ (Transkript 2, Z. 430) der verschiedenen Kulturen bekommen könnten. Sie spricht über ihre eigene Erfahrung, die sie mit einem libanesischen Freund gemacht hat, als sie in eine Shishabar gegangen und positiv überrascht gewesen war, dass 51 so viele deutsche Jugendliche drin gewesen wären (Transkript 2, Z. 431-446). Sie empfände es als traurig, wenn Zugereiste ihre Kultur nicht teilen, sondern in „ihrem eigenen Saft schmoren“ (Transkript 2, Z. 454). Auf meine Frage, ob sie Unterschiede zwischen der ersten und zweiten Generation in Bezug auf die Eingliederung sehe, vergleicht sie die Vertragsarbeiter in der DDR und die Flüchtlinge, die im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 nach Deutschland gekommen sind. Ihrer Meinung nach hatte man damals in der DDR keine Berührungsängste, da es „spannend“ (Transkript 2, Z. 471) war, andere Kulturen kennenzulernen, aufgrund dessen, dass man in der DDR nicht reisen durfte (Transkript 2, Z. 466-476) und es aufregend fand, neue Leute kennenzulernen und sich mit ihnen zu unterhalten (Transkript 2, Z.475479). Sie behauptet, dass man heutzutage durch die besseren Reisemöglichkeiten schneller Vorurteile bildet (Transkript 2, Z. 491-499). Hilde meint, dass es heute schwieriger sei sich zu integrieren, da „die Zeit viel schnelllebiger“ sei (Transkript 2, Z. 548) und damals alles „ruhiger“ (Transkript 2, Z. 561) gewesen sei. 558 H: isch glaube es is heude viel viel schwieriger sisch zu 559 integriern wie das damals war (---) also dass ma damals das 560 viel leichter hatte (--) ähm (1.9) klarzukomm (2.3) die zeit 561 war ruhischer das das (.) ka_mer mit heute überhaupt ne_mer 562 vergleichn °h also isch stell mirs wahnsinnisch (1.2) schlimm 563 vor wenn du jetze (-) aus so nem kulturkreis hier her kommst 564 und du musst (.) funktioniern Um auf mein eigentliches Thema zurückzukommen, fragte ich sie nochmals, ob sie Unterschiede zwischen der ersten und zweiten Generation sähe. Daraufhin bezog sie mich mit ein und meinte: 52 581 H: (-) na isch denke (--) die kinder die nachkomm integriern sich 582 noch besser (---) die sin viel bes/ also sonst würdn wir hier 583 glob isch hier nisch da sitzn (.) also isch globe wir hättn 584 uns nie kenngelernt °h wenn ihr nisch (-) offener (.) seid 585 [du von] kind auf (-) die deutsche sprache kennst 586 I: [hm_hm ] 587 hm_hm 588 H: und dir och ähm (.) d/ disch och intressierst für die sachn 589 die so passiern °hh und da bist_e ja nisch die entzsche das is 590 ja wirklisch (.) bei allen so (---) wie viele freunde hat der 591 tom (.) die (-) ausländer sin ab/ [hat_er] schon immer °hh und 592 I: [hm_hm ] 593 H: ähm (2.0) ja isch denke schon die integriern sisch schneller 594 weil die ganz einfach (.) äh n bessres rüstzeug mitkriegn weil 595 se von anfang an wenn se in de schule gehn °hh wenn se ne 596 lehre machn oder wenn se studiern ja n ganz annern z/ anners 597 feedback kriegn Ihrer Ansicht nach ist die zweite Generation besser eingegliedert als die erste, da sie die deutsche Sprache können, von Anfang an in die (deutsche) Schule gegangen und im Prinzip „genauso auf[ge]wachsen“ sind wie deutsche Kinder (Transkript 2, Z. 599602). Bewundernswert findet sie die „wahnsinnige“ Belastbarkeit (Transkript 2, Z. 611f.) der Vietnamesen, die sie sich „manchmal von Deutschen“ wünsche (Transkript 2, Z. 616). Religion spiele für Hilde bei der Integration keine Rolle (Transkript 2, Z. 653-657). Dennoch müssten gewisse Grenzen, wie am Arbeitsplatz, eingehalten werden (Transkript 2, Z. 658-664). Sie ist der Meinung, dass man seine Religion ausleben kann, aber so, dass sie den Arbeitsablauf nicht störe (Transkript 2, Z. 675f.) und „nicht so präsent ist“ (Transkript 2, Z. 688). Dabei bezieht sie sich auf Muslime und sagt, dass sie Großklans verurteilt, da das für sie „hier nicht her“ gehöre (Transkript 2, 726f.). Vietnamesen schließt sie davon 53 aus, da Vietnamesen „ein ganz anderer Menschenschlag“ seien (Transkript 2, Z. 742). 741 H: ne (--) und das is bei eusch halt ne_der fall also ihr seid da 742 n ganz andrer menschenschlach (--) °hh da hab isch zehnmal 743 lieber fümunachzisch tausend asiatn hier (-) als (1.3) so (-) 744 schlimm islamistische vorbohrte (1.8) anhänger ( ) (1.2) Auf meine Frage, was integriert sein für sie bedeutet, definiert sie den Begriff wie folgt: 747 H: (2.8) also integriert zu sein is dass isch hier in de schule 748 geh (--) dass isch hier zum gesellschaftlischn lebn beitrage 749 (--) dass isch (3.0) ähm (6.4) misch für deutschland 750 intressiere und misch oh mit deutschn umgeb also nisch bloß äh 751 °hhh mit meim (-) kulturkreis irgendwas mach sondern dass 751 isch wirklisch oh ähm (---) raus geh dass isch ins ((schlag)) 753 kino geh dass isch äh leudn begegne °hh misch mit den auch 754 unterhalte (--) ähm dass isch die sprache kann (--) dass ähm 755 (---) isch mein teil dazu beitrage dass deutschland wächst 756 also das_es oh alln deutschn gut geht (1.2) ähm_ja das_is für 757 misch integration (--) Sie wiederholt, dass Sprache für sie das Wichtigste sei und dass man sich mit den Einheimischen auseinandersetze und unterhalte (Transkript 2, Z. 757-772). Abschließend wollte ich von Hilde wissen, wie sie die Eingliederung der Zugereisten einschätzt. Sie ist der Meinung, dass „Nachholbedarf“ (Transkript 2, Z. 777) bestehe und diejenigen, die sich integrieren meistens Geschäfte oder Gaststätten aufmachen würden. Allerdings schränkt sie ein, dass sie „zu wenig Einblick“ (Transkript 2, Z. 786) in diese Thematik habe, da sie wenige Leute kennenlerne, die in ihrem Alter seien und Migrationshintergrund haben (Transkript 2, Z. 786f.). Obwohl sie viel unterwegs und „sehr offen“ (Transkript 54 2, Z. 791) sei, würden aus ihren Begegnungen mit Zugereisten keine Bekanntschaften beziehungsweise tiefere Freundschaften (Transkript 2, Z. 791-796) entstehen. Dies begründet sie mit dem Fehlen an Sprachkenntnissen, was aus der Nichtbereitschaft des Sichintegrieren-wollens hervorgehe (Transkript 2, Z. 797-807). Den Unterschied, wie sich die erste und die zweite Generation integriert, sieht Hilde darin, dass die Kinder der zugereisten Personen in die Schule müssen und sozusagen „vorwärtskommen“ (Transkript 2, Z. 812) und die erste Generation nicht. Die Eltern hingegen würden sich nicht richtig integrieren, da sie „keine Aufgaben“ (Transkript 2, Z. 816) hätten, nicht arbeiten gingen und das Gefühl „gebraucht zu werden“ (Transkript 2, Z. 819f.) nicht bekämen. Denn durch die Arbeit lerne man neue soziale Kontakte kennen (Transkript 2, Z. 825f.). 825 H: (--) weil irgendwas zutun gibts ja immer (---) und sobald du 826 was zutun hast haste soziale kontakte und du wirst ja ganz 827 anders (.) dadursch (1.6) und lernst (--) deutsche kenn mit 828 den de vielleischt zusamm arbeitest und wo de schon wieder 829 (---) n ganz andern (1.1) spaß hast am lebn och ne (—) Hilde kann sich vorstellen, wie in vielen Großfamilien die Eltern in ihrer Wohnung säßen, „abgeschottet und abgeschirmt“ (Transkript 2, Z. 832) seien und dadurch keine sozialen Kontakte mit Einheimischen aufbauen. Da es kein „Erfolgsrezept“ (Transkript 2, Z. 836) für Integration gebe, weiß Hilde nicht, wie man Zugereiste besser integrieren könnte (Transkript 2, Z. 835-839). Trotz alledem müssen, laut Hilde, Zugereiste die Sprache lernen, damit sie eine Ausbildung anfangen können und eventuell einen weiteren Berufsweg gehen (Transkript 2, Z. 844-855). Und dafür müsse ebenso die Bereit- 55 schaft der Zugereisten vorhanden sein (Transkript 2, Z. 863-865). Des Weiteren vergleicht Hilde die Situation der Zugereisten in der damaligen DDR mit der Situation der Flüchtlinge 2015. 873 H: (-) aber früher die ham ja gearbeitet die sin ja wegn der 874 arbeit her gekomm °h die sin ja nisch geflüschtet ausm land wo 875 krieg herrscht und isch ähm (--) oder °h oder wo isch 876 überhaupt keene zukunft für misch sehe in nem land wo du 877 nischts verdienst [wo du] dein kind 878 I: [hm ] 879 H: nisch weißt was_de zu essn gibst °h das warn ja vollkomm andre 880 vorraussetzungen (--) ne (-) die ddr hatte die ja damals 881 geholt weil se wirklisch keene leude mehr hatte 882 I: ja 883 H: und wenn mer das wirklisch gesteuert gemacht hätte so wies (.) 884 eigentlich rischtisch is isch brauch so un so viel leude 885 I: hm_hm 886 H: dann such isch die mir Gewissermaßen müssten sich Zugereiste Arbeit suchen, ihren Lebensunterhalt selbst erarbeiten und sich so in die Gesellschaft integrieren (Transkript 2, Z. 934-936). Außerdem wundert sich Hilde über den Pflegekräftemangel und fragt sich warum Zugereiste nicht in Krankenhäusern oder Altenpflegeheimen arbeiten wollen (Transkript 2, Z. 950-952). Sie ist der Meinung, Zugereiste sollten ihren Horizont erweitern und sich für Deutschland interessieren (Transkript 2, Z. 957-962). Abschließend sagt sie, dass man besser in die Gesellschaft integriert sei, wenn man eine sinnvolle Aufgabe habe und am gesellschaftlichen Leben teilnehme (Transkript 2, Z. 967-972). 5.1.4 Analyse der Interviews Zusammenfassend betrachtet haben beide Interviewten unterschiedliche Ansichten bezüglich der Integration der Vietnamesen in 56 Ostdeutschland. Während Hilde der Meinung ist, dass Vietnamesen sich in der deutschen Gesellschaft gut eingelebt und angepasst haben (Transkript 2, Z. 126-134), ist Eberhard davon überzeugt, dass die Vietnamesen, die als Vertragsarbeiter in die damalige DDR gekommen sind, sich nicht gut in die deutsche Gesellschaft integriert haben (Transkript 1, Z. 417-421). Seiner Meinung nach haben sich Vietnamesen nur in Form einer „Schattengesellschaft“ (Transkript 1, Z. 425) eingegliedert und sind gesellschaftlich als Gemüseund Obsthändler oder Restaurantbetreiber einzuordnen (Transkript 1, Z. 435-442). Weiterhin merkt er an, dass Vietnamesen nur ein bestimmtes Vokabular hätten (Transkript 1, Z. 242) und dies ein weiterer Grund/ein weiteres (An-)Zeichen für die schlechte Integration sei. Aus seiner Sicht arbeiten viele Vietnamesen im Handel, da sie aus/durch Fehlen eines höheren Bildungsstandes keine andere Wahl hätten (Transkript 1, Z. 483-486). Dabei ist interessant, dass seine Wahrnehmung durchaus offensichtliche Fakten wiedergibt, aber seine Interpretation gerade bei Vietnamesen auf Widerwillen stoßen würde, wie die Autorin selbst bei der Transkription bemerkte. Während des Interviews äußert Eberhard mehrmals Unsicherheiten, die darauf schließen lassen, dass er sich mit dem Lebensweg der Vietnamesen und deren Hindernissen in der damaligen DDR und nach dem Mauerfall wenig auseinandergesetzt hat. Als die damaligen Vertragsarbeiter in die DDR kamen, wurde ihnen ein dreimonatiger Sprachkurs angeboten. Innerhalb dieser drei Monate sollten die Vietnamesen die deutsche Sprache lernen. Durch ihren durchgetakteten Arbeitsalltag blieb den Vietnamesen kaum Zeit sich mit anderen Dingen, wie zum Beispiel Sprachkursen, zu beschäftigen. Mit dem 57 Fall der Mauer 1989 änderte sich das Leben der Vietnamesen in Ostdeutschland rasant und führte oftmals zu existentiellen Krisen unter den ehemaligen Vertragsarbeitern. Die Mehrheit der Vertragsarbeiter wurde zurück in ihr Heimatland geschickt, der Rest versuchte sich über Wasser zu halten und eröffnete Gemüseund Obstläden oder Imbisse (cf. Kesselhut 2016). Allerdings änderte sich der durchgetaktete Arbeitsalltag für die Vietnamesen kaum. Aus existenzieller Angst, aber vermutlich auch aus vietnamesischer Arbeitsethik heraus, arbeiteten die meisten Vietnamesen tagtäglich in ihren Geschäften und hatten dadurch kaum Zeit, ihre Deutschkenntnisse weiter auszubauen. Folglich ergaben sich für die damaligen DDRVertragsarbeiter durch die Umstände kaum Chancen, ein Studium oder eine Ausbildung anzufangen. Diejenigen, die bereits ein Studium in Vietnam absolviert hatten, konnten ihrem ursprünglichen beruflichen Werdegang nicht weiter nachgehen, da das Studium in Deutschland nicht anerkannt wurde. Dennoch hatte das Leben der Vietnamesen in Deutschland bessere Zukunftsaussichten als in Vietnam, daher haben sie alles versucht, um im Land zu Leben und schlussendlich in vielen Fällen die Selbstständigkeit gewählt. Was sich aus existenzieller Angst und Einfallsreichtum zu einem Nischenmarkt entwickelte, ist heutzutage nicht mehr aus Ostdeutschland wegzudenken. Das Bild von Vietnamesen, die von Montag bis Samstag mindestens acht Stunden am Tag arbeiten, zieht sich durch viele Straßen Ostdeutschlands. Weiter erwähnten beide Interviewten die Unauffälligkeit der Vietnamesen im Straßenbild (Transkript 1, Z. 431f. und Transkript 2, Z. 128f.), die jedoch jeweils unterschiedlich interpretiert wird. Während 64 182 I: ja_a 183 P: (1.7) also (-) die zweite generation (--) beherrscht die 184 sprache (1.1) perfekt (--) 185 I: hm_hm 186 P: und die erste hat wirklich immer noch immer noch nach vielen 187 jahren große schwierigkeiten damit (---) 188 I: hm_hm 189 P: (--) und ähm (---) ich glaub (1.4) ja das is der wesentliche 190 unterschied warum die zweite generation °hh besser 191 eingegliedert is als die erste (---) [ähm ] (--) ä/ die_e (.) 192 I: [hm_hm] 193 P: also die (.) unsere eltern legen (2.0) also die erste 194 generation legt immer darauf wert dass ihre nachkommen ihre 195 die zweite generation (.) ne gute schulbildung haben (-) äh 196 I: ja 197 P: um darum kanns (.) kann die zweite generation auch bessere 198 jobs anstreben (.) zum beispiel 199 I: hm_hm (-) [hm ] 200 P: [also] ich mein (-) wir gehn zur schule wir könn 201 studiern °h wir könn eigentlich ausbildung machen wir könn 202 alles machen (1.4) ähm (---) und (.) ( ) ersten generation 203 siehst du hauptsächlich n (-) berufsbild wie °h was weiß ich 204 (-) äh in nem imbiss im restaurant (-) äh irgendein laden 205 (---) [ähm] (1.4) ja (--) und ich glaub 206 I: [hm ] 207 P: das is der wesentliche unterschied (---) Ein großer Unterschied ist für sie die Sprache, die die zweite Generation „perfekt“ (Transkript 3, Z. 184) beherrscht und mit der die erste Generation immer noch „große Schwierigkeiten“ (Transkript 3, Z. 187) hat. Außerdem hat die zweite Generation im Gegensatz zur ersten Generation bessere Ausbildungsund Berufsmöglichkeiten, die sie anstreben können (Transkript 3, Z. 197-207). Aus diesem Grund ist für Phan die zweite Generation „besser eingegliedert“ (Transkript 3, Z. 190f.). Als ich genauer wissen wollte, ob sie auch denkt, dass die erste Generation eingegliedert ist, bestätigt sie mir dies wie folgt: 65 217 P: ähm (1.6) mh_ja (-) weil (---) ((schnalzt)) (--) ähm (---) 218 weil sie auch unter den deutschen (--) schon (-) fest im 219 alltag integriert sind (---) [was] (-) zum beispiel das essen 220 I: [hm ] 221 P: betrifft (-) 222 I: ja (--) 223 P: so (.) du kannst dir eigentlich keine stadt mehr wegdenken 224 oder n dorf (-) der keinen (-) asiaimbiss hat (---) 225 I: hm (1.6) 226 P: und die laufen alle gut auch wenn sie schlecht sind 227 ((lacht 3.6 Sek)) 228 I: ((lacht 3.6 Sek)) 229 P: <<lachend>wasn > (--) ((lacht 4.0 Sek.)) 230 I: ja ((lacht 4.0 Sek)) 231 P: äh ja (---) ja die sin trotzdem eingegliedert genau deswegen 232 (—) wei/ weil wenn man sich die er/ weil die mit (-) mit zum 233 straßenbild gehörn also (3.0) man weiß dass dass (.) das n (.) 234 bestimmter anteil hier lebt und (---) man fällt nicht mehr auf 235 (-) das is für mich eingegliedert sein (1.1) und d/ daher denk 236 ich auch dass die erste generation schon eingegliedert ist 237 (1.2) [man kann] sich die gar nich mehr wegdenken 238 I: [okay ] 239 P: aus der gesellschaft Sie ist der Meinung, dass die zweite Generation „besser“ (Transkript 3, Z. 283) eingegliedert ist, da sie „bessere Zukunftsperspektiven“ (Transkript 3, Z. 284f.) hat, aufgrund der „besseren Bildung“ (Transkript 3, Z. 286). Trotzdem sei die erste Generation „hoch angesehen“ (Transkript 3, Z. 294) und habe einen „sehr guten Ruf“ (Transkript 3, Z. 289). Phan ist der Ansicht, dass Vietnamesen in Deutschland „angesehen“ (Transkript 3, Z. 319) sind, da sie „nett sind“ (Transkript 3, Z. 320), als „fleißige arbeitende Menschen“ (Transkript 3, Z. 320f.) empfunden werden, ihre Kinder in die „Schule schicken und sie fördern“ (Transkript 3, Z. 322f.). Zudem haben sie den „Ruf“ (Transkript 3, Z. 324) eines „eher gewaltfreien Volks“ (Transkript 3, Z. 324f.). 66 Abschließend war es Phan wichtig hinzuzufügen, dass sich „Deutsche mit vietnamesischem Migrationshintergrund“ (Transkript 3, Z. 333f.) trotz der guten Eingliederung gern in ihren eigenen Kreisen aufhalten, sowohl in der ersten, als auch in der zweiten Generation (Transkript 3, Z. 332-341). Sie vermutet, dass dies daran liegt, dass man unter Seinesgleichen „besser verstanden wird“ (Transkript 3, Z. 363f.) und man sich „die Sprüche anderer nicht geben will“ (Transkript 3, Z. 360f.). Auch wenn die zweite Generation in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, nimmt die zweite Generation sowohl deutsche als auch vietnamesische Werte an und „trägt beides in sich“ (Transkript 3, Z. 382). 5.2.3.2 Interview mit Linh Anfangs erzählte Linh etwas zu ihrer Person, welche Charaktereigenschaften und Werte sie hat. Sie beschreibt sich selber als eine ehrliche, vertrauenswürdige Person, die gerne arbeitet und strukturiert ist. Meine Frage, ob sie Kontakt zu Menschen aus anderen Ländern hat, bejaht sie und erläutert, dass sie durch ihre Arbeit viel Kontakt zu Menschen aus verschiedenen Kulturen und Schichten hat. Auch in der damaligen DDR hat sie mit Kubanern und Deutschen gearbeitet und sie fügte hinzu, dass Menschen, die nach Deutschland kommen, fleißig arbeiten. Daraufhin wollte ich von Linh wissen, wie es für sie ist in Deutschland zu leben. Zunächst ging sie auf die unterschiedliche Gesetzgebung zwischen Deutschland und Vietnam ein. Sie erwähnt die Wichtigkeit der Meinungsfreiheit und Demokratie in Deutschland und 67 vergleicht diese mit Vietnam. Auch wenn sie kein gutes Deutsch spricht und ihre Meinung nicht gut artikulieren kann, weiß sie, dass sie in Deutschland ihre Meinung frei äußern darf. Weiterhin vergleicht sie die deutschen Werte mit den vietnamesischen und geht auf die unterschiedliche Herkunft beider Sprachen ein. Für sie ist es sehr schwer gewesen Deutsch zu lernen, da die deutsche und die vietnamesische Sprache keinerlei Ähnlichkeiten haben. Sie wiederholt ihre Aussage, wie schwer es ist Deutsch zu lernen. Weiterhin geht sie auf den Generationenvertrag zwischen vietnamesischen Kindern und ihren Eltern ein. Sie sagt, dass die Kinder enger an ihre Eltern gebunden sind. Solche Werte will Linh nicht ablegen. Auch wenn sie der Meinung ist, man solle sich integrieren, darf man trotz alledem seine eigenen Wertvorstellungen nicht aufgeben. Daraufhin fragte ich Linh, was Integration für sie bedeutet. Sie beschreibt Integration so, dass Zugereiste die deutschen Werte verstehen müssen und auch gewisse Sachen machen müssen, die jeder andere Deutsche auch macht. Doch der wichtigste Punkt, um gut integriert zu werden, ist die Sprache. Als ich dann von ihr wissen wollte, ob sie sich in die deutsche Gesellschaft eingegliedert fühlt, bejahte sie meine Frage kurz und knapp. Auch in Bezug auf andere Vietnamesen, die in Deutschland leben, sieht sie diese in die deutsche Gesellschaft eingegliedert. Abschließend sollte Linh erklären, welche Werte ihr am wichtigsten sind. Für sie ist Freiheit an oberster Stelle. Sie erwähnt auch, warum Bildung eine große Rolle bei den Vietnamesen spielt. Dadurch, dass Vietnamesen der ersten Generation im Vietnamkrieg viel gelitten haben und nicht regelmäßig in die Schule gehen konnten, legen sie 68 großen Wert darauf, ihren Kindern eine bessere Bildung zu ermöglichen. Sie geht sogar so weit und sagt, dass sich Vietnamesen vergleichen und sich die Blöße nicht geben wollen, wenn das Kind „nur“ auf der Realschule ist. 5.2.4 Analyse der Interviews Aus Sicht der beiden interviewten Vietnamesinnen, lässt sich feststellen, dass die Vietnamesen sich in die deutsche Gesellschaft eingegliedert fühlen. Auch wenn die Mehrheit der ehemaligen Vertragsarbeiter nur gebrochenes Deutsch spricht, entschieden sie sich zu bleiben und sich ihr Leben in Deutschland aufzubauen. Die zumeist schlechten Deutschkenntnisse der ersten Generation werden unter anderem damit begründet, dass beide Sprachen - Vietnamesisch und Deutsch - eine unterschiedliche Sprachherkunft haben und somit keine Ähnlichkeiten im Vokabular und in der Grammatik vorhanden sind (cf. Ngo 2018: 13). Aus diesem Grund ist nicht nur der kompakte Arbeitsalltag der Vietnamesen, somit das Fehlen der zeitlichen Kapazitäten, sondern auch die Unterschiedlichkeit zum Vietnamesischen, eine Barriere, um gutes Deutsch zu sprechen und zu lernen. Sehr gute Sprachkenntnisse werden jedoch auch von dieser Generation als Schlüssel zur Integration angesehen. Trotz der Sprachbarriere ist Phan der Meinung, dass Vietnamesen der ersten Generation eingegliedert sind, da sie nicht mehr aus dem Straßenbild wegzudenken sind (Transkript 3, Z. 231-237). Auch die zweite Generation ist laut Phan gut eingegliedert. Dadurch, dass sie die deutsche Sprache beherrschen, in die Schule gehen und gefördert werden, steht ihnen jede Möglichkeit offen und sie sind deshalb 69 besser integriert als die erste Generation. Zusätzlich erwähnt Phan, wie wichtig es der ersten Generation ist, der zweiten Generation eine bessere Schulbildung und somit ein besseres Leben bieten zu können. Gleichermaßen äußert die Interviewte Linh, dass sie in Deutschland geblieben ist, da sie ihrem Kind in Deutschland ein besseres Leben bieten kann. Viele Vietnamesen arbeiten sehr hart, um ihren Kindern Möglichkeiten zu öffnen, die sie selbst nie hatten. Aus diesem Grund erziehen sie ihre Kinder so, dass sie in der Schule die besten Noten erzielen, ihr Abitur absolvieren und ein Studium meistern, um einen erfolgreichen Job zu finden. Die Erwartungen an die Kinder sind sehr hoch, wobei neuere Studien zeigen, dass sich das Niveau der vietnamesischen Kinder an das der deutschen langsam angleicht – d.h., die Schulleistungen zurückgehen (cf. Kesselhut 2016). Doch nicht nur Werte wie Ehrgeiz, Wille und Bildung werden den vietnamesischen Kindern beigebracht, sondern auch Familie. Zwischen den Eltern und Kindern herrscht ein sogenannter „Generationenvertrag“, den Linh erwähnt. Dies bedeutet, dass vietnamesische Kinder auch nach ihrer Volljährigkeit an ihre Eltern gebunden sind. Selbstverständlich können die Kinder ihre Entscheidungen eigenständig treffen, allerdings sind die Entscheidungen immer von dem Hintergedanken, wie man die Eltern später versorgen/(finanziell) unterstützen kann, geprägt. Das heißt so viel, dass die Eltern ihren Kindern alle Möglichkeiten geben wollen, die sie in Deutschland haben können, um ihnen eine finanziell gesicherte Zukunft zu ermöglichen. Diese finanzielle Sicherheit garantiert die spätere Versorgung der eigenen Eltern im Alter und die Fürsorge durch die erwachsenen Kinder. Genau solche Werte will die Interviewte 70 der ersten Generation nicht ablegen. Für sie ist es wichtig Werte der deutschen Kultur anzunehmen, aber auch die „schönen Werte“ der vietnamesischen Kultur zu behalten. Denn obwohl sie seit über 30 Jahren in Deutschland lebt, bleibt Vietnam ihre Heimat (cf. Ngo 2018: 14f.). Und dies wird den Kindern der ersten Generation vermittelt. Auch wenn sie in Deutschland aufwachsen, sollen die Kinder nie ihre Wurzeln und ihre Herkunft vergessen. Durch das Aufwachsen in Deutschland und die vietnamesisch geprägte Erziehung der Eltern, werden der zweiten Generation jeweils die deutschen und die vietnamesischen Werte vermittelt. Phan bezeichnet dies im Interview als „Mischform“ (Transkript 3, Z. 379). Es gibt einige aus der zweiten Generation, die die vietnamesischen Werte mehr verinnerlicht haben als die deutschen, und die es bevorzugen, unter Vietnamesen zu bleiben, da sie untereinander besser verstanden werden (Transkript 3, Z. 346-364). Nichtsdestotrotz sind diese gut in die deutsche Gesellschaft eingegliedert. 5.3 Vergleich der deutschen und vietnamesischen Sicht Zusammenfassend kann man sagen, dass Unterschiede bezüglich der Integration der Vietnamesen zwischen den deutschen und vietnamesischen Ansichten zu erkennen sind. Aber auch die Meinungen der deutschen Interviewten sind sehr different. Während Eberhard einen Integrationsbegriff vertritt, der eine weitgehende Assimilierung an die mehrheitsgesellschaftliche Kultur als Ziel angibt und nach dem Vietnamesen somit als letztlich nicht gut in die deutsche Gesellschaft integriert erachtet, sieht Hilde die Integration der Viet- 71 namesen als gelungen an. Beide sind der Ansicht, dass Vietnamesen der ersten Generation gesellschaftlich eingeordnet und als Gemüseund Obsthändler, Restaurantoder Imbissbetreiber tätig sind. Allerdings nehmen beide die Tatsachen unterschiedlich auf. Während Hilde davon begeistert ist, wie sich Vietnamesen an die deutsche Gesellschaft angepasst und Nischen gefunden haben, sieht Eberhard die Integration der Vietnamesen kritisch und behauptet, sie hätten es versäumt, eine höhere Bildung anzustreben. Beide betonen, dass eine gelungene Integration durch das Erlernen der Sprache erreicht wird. Obwohl sich aus Sicht von Hilde Vietnamesen besser integriert haben als die Flüchtlinge der Flüchtlingskrise 2015, erwähnt sie nicht einmal die Sprachkenntnisse der Vietnamesen. Anders betrachtet dies Eberhard, der das brüchige Deutsch und das eingeschränkte Vokabular der Vietnamesen festhält. Auch in den Interviews mit den Vietnamesen wird die deutsche Sprache erwähnt. Für die Vietnamesinnen steht ebenso fest, dass Sprache ein wichtiger Punkt ist, um integriert zu werden. Dennoch sind beide der Meinung, Vietnamesen der ersten Generation seien in die deutsche Gesellschaft integriert. Die ehemalige Vertragsarbeiterin fügt hinzu, sie würde die deutsche Sprache sehr gerne besser beherrschen, allerdings fehlten ihr in der damaligen DDR die zeitlichen Kapazitäten und auch heute hat sich ihre Lage nicht geändert, da sie von früh bis spät in ihrem Imbiss arbeitet. Alle Interviewten halten fest, dass Vietnamesen im Straßenbild sehr unauffällig sind, sich gerne in ihren eigenen Kreisen aufhalten und eine Parallelgesellschaft bilden. Jedoch erwähnt keiner den Zusam- 72 menhang zwischen dem Fehlen der Sprachkenntnisse und die daraus folgende Bildung einer Parallelgesellschaft. Anders sieht dies in der zweiten Generation aus. Sowohl die deutschen Interviewten als auch die Vietnamesin der zweiten Generation sind der Meinung, die zweite Generation habe sich besser in die Gesellschaft integriert als die erste Generation, da sie die deutsche Sprache beherrsche. Für Eberhard und Hilde hat die zweite Generation die gleichen Möglichkeiten und wächst genauso auf wie deutsche Kinder. Auch Phan erwähnt, dass die zweite Generation besser integriert in Deutschland aufwächst und die deutsche Sprache perfekt beherrscht. In ihrer Betrachtung geht sie auf die Erziehung der vietnamesischen Kinder näher ein und erklärt, wie die Kinder sowohl deutsche als auch vietnamesische Werte annehmen. Und obwohl die zweite Generation die vietnamesischen Werte nicht ablegt, aber dennoch die deutsche Kultur komplett verinnerlicht hat, sind alle Interviewten der Meinung, sie seien in die deutsche Gesellschaft eingegliedert. 6 Schlussbetrachtung Alle Interviewten definierten den Begriff der Integration aus ihrer eigenen Sicht. Die vier Definitionen unterscheiden sich vergleichsweise stark voneinander. Eberhard beschreibt Integration so, dass sich die Zugereisten komplett akzeptiert fühlen und ihnen bezüglich ihrer Herkunft keine Fragen mehr gestellt werden. Zugereiste sollten Freunde und Bekannte im Einwanderungsland haben und von der Gesellschaft akzeptiert werden. Eberhard geht weiter und sagt, dass 73 Zugereiste sich komplett anpassen müssen, damit ihnen bezüglich ihrer Herkunft und Sprache keine Fragen gestellt werden. Es sollte an dieser Stelle angemerkt werden, dass Integration allerdings nicht nur stattfindet, wenn kulturelle Werte und Traditionen der Zugereisten komplett aufgegeben werden (siehe Definition von Integration zu Beginn der Arbeit). Eberhard denkt so, wie viele im öffentlichen Diskurs, als sei Integration eine einseitige Anpassung seitens derer die „fremd“ im Land sind. Dass Integration aber auch das gemeinsame Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen, die sich unter Umständen noch gegenseitig bereichern, heißen kann, liegt von der Auffassung weit entfernt, dass geglückte Integration stets Assimilation bedeute. Integration und Assimilation sind m.E. jedoch keine Gegensätze, Assimilation stellt eine mögliche Unterform der Integration dar. Aber eben auch nicht mehr! Für die Debatte im öffentlichen Diskurs gilt jedoch oftmals: Integration ist nur dann geglückt, wenn das Ergebnis vollkommene Integration (im Sinne von Assimilation) bedeute. Nach dieser Auffassung von Integration müsste diese immer mit dem Ablegen aller ursprünglichen Werte, Rituale, Gewohnheiten etc. und der Inkorporation aller in diesem Fall „deutschen“ Werte und Lebensweisen verbunden sein (wobei vorausgesetzt wird, dass es „die“ vietnamesischen und „die“ deutschen Werte gibt). Ein Beispiel zeigt die Wichtigkeit dieser Unterscheidung: die Behauptung der ehemalige FDP-Politiker Philipp Rösler sei ein Musterbeispiel vietnamesischer Integration (cf. Brauer 2009). Dass Philipp Rösler aber von Vornherein gar nichts „hatte“ das integriert werden musste, da er von klein auf in einer deutschen Adoptivfamilie großgezogen wur- 80 Universität Berlin; out of focus medienprojekte, unter: http:///www.bruderland.de (12.08.2020). 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Venzky, Gabriele (2009): „Rettung aus der Hölle von Palau Bidong“, in: DIE ZEIT 34 (13. August 2009), unter: https://www.zeit.de/2009/34/D-Boat-People (07.02.2020, 13.48 Uhr). 86 Weidenbach, Bernhard (2020): „Gefallene US-Soldaten in Vietnam 1961-75“, unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/264176/umfrage /gefallene-us-soldaten-in-vietnam/ (30.05.2020). 87 Anhang I Leitfäden Interview mit Vietnamesin 1. Wie kam es, dass deine Familie nach Deutschland gekommen ist? 2. Wie war deine Kindheit? Wie war es für dich in Deutschland aufzuwachsen? 3. Was bedeutet für dich integriert zu sein? 4. Fühlst du dich in die deutsche Gesellschaft eingegliedert? 5. Siehst du Unterschiede zwischen der 1. und 2. Generation in Bezug auf die Eingliederung in der Gesellschaft? 6. Wie schätzt du den Stand der Eingliederung zugewanderter Personen ein? 7. Gibt es von deiner Seite noch Dinge, die wir im Interview nicht angesprochen haben, die du gerne aber noch hinzufügen möchtest? Interview mit Deutschen 1. Kennst du persönlich Leute, die nach Deutschland Zugereiste sind? 2. Wie war es für dich mit Zugereisten zu leben bzw. zu arbeiten? 3. Was denkst du, wie ist es für Zugereiste in Deutschland zu leben? 4. Bist du der Meinung, dass Zugereiste in die deutsche Gesellschaft eingegliedert sind? 5. Siehst du Unterschiede zwischen der 1. und 2. Generation in Bezug auf die Eingliederung in der Gesellschaft? 6. Was bedeutet für dich eingegliedert zu sein? 88 7. Wie schätzt du den Stand der Eingliederung zugewanderter Personen ein? 8. Gibt es von deiner Seite noch Dinge, die wir im Interview nicht angesprochen haben, die du gerne aber noch hinzufügen möchtest? II Transkriptauszüge Aus Gründen der Gewährleistung der Anonymität wurden nur Transkriptauzüge wiedergegeben. Transkript 1 - Interview mit Eberhard 01 I: also es is ok wenn ich (.) das jetzt aufnehme 02 E: es is ok [auf] jeden fall 03 I: [ok ] das muss ich nochmal fragen (--) 04 also erstmal danke (-) dass du mit mir das interview machst 05 (--) und ja (-) 06 kennst du persönlich leute die nach deutschland zugereist 07 sind 08 E: (---) ((schnalzt))°hhh ääh 09 (1.7) persönlich (3.3) h° lässt sich das schwer sagen °h äh 10 ich kenne durch mein sport(1.3) äh leude die (1.6) nach 11 deutschland zugereist sind was aber keine vietnamesen sind 12 I: hm_hm 13 E: °h ääh mit (-) vietnamesen hab ich persönlich (---) keinen 14 kontakt (---) gehabt 15 also (.) über längere zeit als n/ als ne art freundschaft 16 I: hm_hm 17 E: einfach nur äh sach ich mal gesellschaftlich (.) wie man mit 18 den menschen in berührung kommt mit °hh mit der arbeit oder 19 teilweise auch n bisschen privat (-) 20 I: ja[_a] 21 E: [ja] so (1.6) und (--) äh mit (1.4) äh zugereistn personen 22 hab ich jetzt nur in der form kontakt über die arbeit °h 23 wir ham halt viele (--) migranten die (.) für uns für 24 aushilfsjobs °hhh äh in die firma kommen (1.1) und da gehts 25 aber mehr oder weniger über (---) eher oberflächliche 89 26 gespräche nich hinaus 27 I: hm_hm 28 E: ne (.) also (-) aber sie gehn freundlich mitnander um es is 29 (---) ne schöne sache eigentlich dass die (--) auch hier in 30 der gesellschaft teil finden (--) ne 31 I: [okay] 32 E: und [sich] hier integriern können °hhh aber die hauptsache is 33 ja (---) äh die die vietnamesen in deutschland ja °h und da 34 hab ich jetzt aktuell gar keinen (-) kontakt dazu [hm ] 35 I: [und] du 36 sagtest ja dass du (---) jetzt auch vietnamesen (1.2) mit 37 denen schonmal kontakt hattest auf der arbeit 38 E: °hhh genau ääh das war so ich hab ja (-) als jugendlicher auch 39 in den ferien (---) äh ferienjobs [gemACHT] (--) und einer 40 I: [hm_hm ] […] 44 E: °h und da hab ich mit vietnamesen zusamm gearbeitet das warn 45 (--) fraun und männer 46 I: hm_hm 47 E: °h und mit einem da hab ich halt am (-) am montageband zusamm 48 gearbeitet der hat mir immer °h die vorarbeit geleistet und 49 ich hab dann (--) äh das was er gemacht hatte in den trabant 50 eingebaut [also] es ging darum um den tank [der] hat da diesen 51 I: [okay] [ja ] 52 E: benzinhahn angeschraubt 53 I: hm_hm 54 E: und ich konnte dann (.) den tank komplett dann in das auto 55 einbaun °h und ja (.) es war halt so ne (.) alltägliche sache 56 kann ma sagen °hhh man (-) hat zusamm gearbeitet hat (.) n 57 bisschen frühstück zusammen gemacht oder mittag und °h hat so 58 über die alltagsgeschichten gesprochen oder probleme (---) 59 ((schnalzt)) was halt auch schwer für die (1.2) äh jungen 60 menschen damals auch war die sprache schnell zu lernen das 61 fällt den jungen menschen ja leichter 62 I: hm_hm 63 E: aber wenn ma grad angekommen is dann is das halt °h och 64 schwierig (--) äh (.) die sprachbarriere zu überwinden man hat 65 dann halt nur n begrenzten (--) wortschatz n begrenztes 66 vokabular °h und darin bewegt man sich eigentlich immer (-) es 67 sind halt immer dieselben sachen die ma vielleicht och sagt 68 ne (---) und (.) die zweite sache war (--) kann ich das schon 69 weiter erzählen oder willst du erstma [noch] ne frage (--) 70 I: [nene] 71 einfach 72 E: stellen 96 351 sein weil da fälltm die decke aufn kopf (---) und das sin halt 352 och geschichten die sich da abspielen das willer gar nich 353 alles wissen ((schluckt)) also er hats schwer gehabt ja s/ (-) 354 mega schwer °h obwohler hier auch schon familie in (-) in 355 deutschland hatte 356 I: [ja ] ok[ay] 357 E: [und] jetzt lebt er in berlin °h [al]so er is nach berlin 358 gegang jetzt (--) schon seit (1.3) vier jahrn (.) fünf jahrn 359 bestimmt is das schon her (-) ja (---) und aktuell isses halt 360 so das wer viele kinder haben von (.) migranten (--) äh syrien 361 afgahnistan (1.5) und die trainiern ganz normal im verein mit 362 also unter kindern isses denke ich viel viel einfacher (---) 363 äh (--) da verbindungen zu schaffen °hh und die sprechen auch 364 gut deutsch (-) also ham sich sehr schnell von der sprache her 365 integriern könn (--) verstehns auch gut (1.7) obwohl manchmal 366 wolln ses nich verstehn dann ((lacht)) <<:-)> machen se 367 irgendwelche komischen sachn ja> °hh aber (---) ja das sin so 368 (.) die erfahrung (1.5) hhh° vietnamesen ham mer eigentlich 369 (---) wenn dann (.) im m taekwondo jugendliche 370 I: ja 371 E: so aber kinder jetzt (--) nich das wäre dann (-) eventuell 372 wenn du mal (.) kinder bekommen würdest die nächste 373 genera[tion] oder die übernächste 374 I: [ja ] 375 E: generation das wäre dann der fall (-) 376 I: hm_hm 377 E: ne wobei da is auch fraglich (.) ja obs dann (--) äh (1.2) 378 vietnamesen (.) im a (.) ja (.) von muddi und vati sind oder 379 ob (.) der vati oder de muddi vielleicht schon °h deutsch is 380 (-) ne [wos] dann (.) wie sagt mer mischlinge [halt sin ] dann 381 I: [ja ] [michlinge] 382 hm_hm 383 E: ne ja das wäre dann die frage 384 [hm ] 385 I: [bist] du denn der meinung dass (.) zugereiste (.) in die 386 deutsche gesellschaft eingegliedert sind 387 E: unbedingt (---) unbedingt °h ja (.) anners (-) das is ja 388 eigentlich nur n mehrwert für die gesellschaft (-) ne °h wenn 389 mer jetzt mal die (.) wir hattn ja vorhin das thema das (.) 390 das thema religion mal weglässt 391 I: [hm]_hm 392 E: [un]d mer kann ja eigentlich nur vonnander profitiern (--) ne 393 I: ja 394 E: das (---) geht los von von erfahrung (--) die einfach aus den 398 ländern mitgebracht werden (.) jetzt nich nur wirtschaftlich 97 399 sondern och kulturell °h was ne bereicherung für ne 400 gesellschaft is (-) es heißt ja nich dass ich dann alles 401 machen muss aber erstma das wissen dass das transferiert wird 402 °hh ne (-) das mer och weiß (.) was is überhaupt in asien 403 los wie ticken die und was machen die da unten (---) ja (1.9) 404 ich finde ja (-) auf jeden fall 405 I: also du findest dass (-) sie das (-) sein sollten (.) oder das 406 sies auch sind 407 E: °hh beides 408 I: ok 409 E: (--) also (.) sein sollten (.) äh (-) is ja erstma die 410 voraussetzung dass jeder bereit sein sollte das (.) mitzumachn 411 I: jaa 412 E: und das sies sind wäre ja dann die (verendung/vollendung) 413 dessen (--) ne 414 I: ja 415 E: also (--) das wäre ja schön das (.) wäre das was (1.4) das i 416 tüpfelchen am ende wäre ne oder °hh ja (1.2) genau 417 I: bist du der meinung dass die jetzigen die grade da sind (-) 418 dass sies (-) das sie auch eingegliedert sind 419 E: °hh eben nich 420 I: ok[ay ] 421 E: [was] schade ist 422 I: jaa 423 E: ((räuspert)) die sind eingegliedert in der form °h dass die 424 (1.7) °h is vielleischt n schlechtes wort aber ich sags mal 425 als schatten (.) gesellschaft (-) nebenher (.) in unsrer 426 gesellschaft existiern 427 I: ja 428 E: leben 429 I: hm_hm 430 E: och n gutes auskommen ham °hhh in der form auch (--) hmm sag 431 ich mal (--) fast n bissl (-) unauffällisch (--) ne es gibt ja 432 andere die sin n bissl auffälliger [aber ] die vietnamesen sin 433 I: [hm_hm] 434 E: halt (--) die ruhigeren (-) die fleißigen auf jeden fall (.) 435 ne °hh und mer weiß die auch (.) im prinzip gesellschaftlich 436 einzuordnen (--) en vietnamese (.) findeste halt (1.5) beim 437 gemüsehändler (- - -) wies bei deinen eltern is (.) am (-) 441 E: asiatische lebensmittel(.) sozusagen verkauft werdn oder 442 zubereitet werden (---) °hh in restaurants (.) jaa (--) gibt 443 natürlich auch vorurteile dass äh (.) da viel (.) wird gesagt 444 halt geldwäsche betrieben wird oder kriminalität (-) kann mer 98 445 alles nich beweisen und kann mer och alles nich sagen (-) ich 446 denke mal (--) wie in jeder gesellschaft gibts da (-) gute 447 und n kleinen prozentsatz (--) von den bösen 448 I: hm_hm 449 E: ne die das alles in verruf bring (1.1) und (.) was halt 450 türlich auch (.) traurisch is grad in den grenzgebietn was mir 451 so mitbekomm (-) diese ganzen (-) kleinen händler die sich 452 dann auch versuchen mit °h zigrettenverkauf und und solchen 453 sachen über wasser zu halten 454 I: ja 455 E: (.) is ja einfach nur (--) ja (---) menschliche not vielleicht 456 oder (-) andere beweggründe die die dazu führn (.) oder dazu 457 treiben sowas zu machen (--) ne (-) an sich (--) unfug (--) hm 458 I: siehst du da aber auch unterschiede (.) zwischen der ersten 459 und zweiten generation (2.5) also in bezug auf die 460 einglieder[ung hier in deutschland] 461 E: [äh ] die frage is erstma was 462 die erste und zwote generation für dich is 463 I: ähm für mich is jetzt die erste generation (--) die die (--) 464 zur ddr (.) als vertragsarbeiter her [gekomm] sind und (-) ich 465 E: [hmm ] 466 I: schätz mich jetzt mal als zweite generation ein 467 E: hm (1.2) °hhh die erste generation denk ich (-) äh (---) hat 468 noch so n bisschen (--) das leben in der ddr mitbekomm 469 I: hm_hm 470 E: (---) gesellschaftsform (--) oder politische gesellschaftsform 471 sozialismus damals (1.1) äh (--) die hams (---) schwer gehabt 472 sehr schwer gehabt (.) sich dann (-) mit dem ende der ddr (-) 473 hier (.) weiter zu organisieren vieles is weggefallen °h ich 474 kann auch nich sagen wie die sozial aufgefangen wurden über 475 das (.) neue system 476 I: hm_hm 477 E: ob die auch (--) genauso wie in deutscher arbeitslosenHILFE 478 bekomm ham oder unterstützung vom arbeitsamt für 479 fortbildungsmaßnahmen und so °h also die hams mega schwer 480 gehabt und mussten sich prinzipiell (1.1) selber organisiern 481 (.) und das ham se gemacht über handel (.) [viel] über handel 482 I: [ja ] 483 E: (---) °hhh und (-) die wenigsten sind (1.5) wie sach ich mal 484 über über (.) ne (.) gute bildung (-) in die wirtschaft 485 reingekomm und da vielleicht dann auch noch in (—) sach ich 486 mal in in (.) ne höhere oder gebildetere (---) position oder 487 arbeit ich kenn einen (-) beruflich der (--) is damals über 488 die (--) cap anamur das war son 489 I: [hm_hm das war n boot ja ] 99 490 E: [ganz berühmtes flüchlingsschiff] °hh und (---) der is aber 491 (--) gleich in de bundesrepublik gekomm (.) 492 I: hm_hm 493 E: damals °hh und der hat es wirklich geschafft über (.) unsagbar 494 viel fleiß und und eigenenergie °h n studium zu bewältigen 495 neben der arbeit noch (--) und der hat wirklich das geschafft 496 dass_er (--) gut von seiner (--) arbeit alleine leben konnte 497 (.) [ne ] °h aber alle andern (--) da hat eigentlich denk 498 I: [hm_hm] 499 E: ich mal für die erste generation nur die gemeinschaft geholfen 500 dass die unternander °h sich (-) geholfen ham und och 501 ausgetauscht ham °hh und das geschafft ham (.) mit viel fleiß 502 und viel arbeit (-) äh (-) ja das leben sich so aufzubaun wies 503 (.) jetzt auch lebn (---) °hh die zweite generation baut 504 eigentlich darauf auf (.) dass die (--) ja (1.1) erstmal die 505 (--) die lebensgrundlage hier haben durch ihre eltern [die] 506 I: [ja ] 507 E: schaffen die lebensgrundlage dass die (---) schule haben 508 bildung haben und so weiter und sofort und du bist eigentlich 509 es beste beispiel dass du eigentlich (.) dich genauso frei 510 entwickeln kannst °h wie jeder andere hier in der (---) 511 bundesrepublik (-) ne also du hast (.) dir stehn alle 512 möglichkeiten offen und °hhh du weißt es auch zu nutzen (—) 513 ne (.) es liegt also jetzt och wie (.) bei uns in deutschland 514 an jedem selber was er draus macht (.) in der zweiten 515 generation (-) 516 I: hm_hm 517 E: ich glaube (--) nich ((atmet 2 Sek. ein)) dass das (1.4) noch 518 ne rolle spielt (.) ob ihr (---) ja noch (-) n vietnamesisches 519 aussehen habt oder oder so (---) für mich sowieso nich 520 persönlich aber och nich °h jetzt in der schule (2.1) also 521 lukas (-) zum beispiel bei er hatte ja auch 522 <<spricht zu seiner ehefrau> wie viel hatte der lukas (--) 523 vietnamesen (1.2) ein (.) mädchen war ja (--) mit der war er 524 doch ziemlich nah befreundet °hh wie hieß die (1.9) 525 I: [du kannst ruhig jaja ] 526 E: [kannst ruhig reden ja] 527 K: [darf ich jetzt ] ich weß es nich mehr wie die hieß 528 (---) 529 [aber er hatte mehrere vietnamesische vietnamesische 530 E: [und (.) ja das war eigentlich auch (.) das bild hier 531 K: schüler ] 532 E: die andere ] 533 hälfte von dem bild (--) der andere kopf is das 534 vietnamesische mäd[chen das hammer einfach nur (.) [nur] 100 535 K: [ja ich kann nich mehr sagen [wie] 536 I: [ja ] 537 E: geteilt in dem (-) halt °h und (.) ] 538 K: die hieß ich weß nich mehr ja ] 539 E: aber für ihn hat das (-) nie ne rolle gespielt dass die_e (-) 540 ne vietnamesin [war (.) also klar] 541 K: [nö gar nich ] 542 E: mer muss ja (--) sagen (-) mer sagt ja halt die is (--) aus 543 vietnam oder is ne vietnamesin (1.7) aufgrund des namens oder 544 so (.) aber alles andere hat eigentlich keine [rolle] gespielt 545 K: [ne ] 546 E: da (.) ne da die war halt in der klasse mit da °hhh ah die 547 hatten vier ich glaub vier (-) [vietnamesen ] (.) und (.) das 548 H: [hm das stimmt] 549 E: is halt die zweite generation schon also noch 550 I: hm_hm 551 E: (--) ja eigentlich so alt wie du jetzt auch so zwoundzwanzig 552 denk ich mal (.) so ne wärn se ja jetzt auch sein alle (1.3) 553 und (---) ja die ham och viel spaß mitnander gehabt da (.) ha 554 (.) gut gabs nie (-) irgendwelche (.) berührungsängste oder 555 (.) sowas und och °hh och kene abgrenzung im privaten 556 I: hm_hm 557 E: (-) und sie ham sich dann schon immer (---) privat 558 ausgetauscht und und warn och so zusamm ((atmet 1.9Sek. ein )) 559 also wie mers och so heude hat so (.) sach ich ma mädchen für 560 mädchen unternander °hh jungs eigentlich weniger (-) also gut 561 es war halt beim lukas so (.) 562 K: hm_hm [((unverständlich))] 563 E: [in der klasse ] (1.5) also (.) für jungs kann ich 564 da überhaupt(-) gar nix sagen (--) weiß nich ob ihr mehr 565 mädchen auf (-) auf die welt (-)[die] eltern da auf die 566 I: [nee] 567 ((lacht)) 568 E: welt gebracht ham <<lachend> oder ob das gleich ist °h ne ja> 569 (---) ja_a so is das 570 I: okay (1.4) ähm was bedeutet denn für dich (.) eingegliedert zu 571 sein 572 E: °hhh eingegliedert zu sein be (.) deutet für mich (.) dass 573 ich mich (2.8) in der gesellschaft eigentlich (1.2) vollkommen 574 akzeptiert fühle und (-) mir (.) keine fragen bezüglich meiner 575 herkunft (--) meiner sprache (1.2) gestellt werden wenn ich 576 jetzt irgendwas (1.4) machen möchte sei es (.) ne arbeit 577 annehm sei es (--) irgend n (.) n sportverein beitretn sei es 578 °hhh auch (.) ja im im im öffentlichen leben dass mer (---) 579 dass mer einfach och (.) ganz normal akzeptiert wird und nich 101 580 erstma schräg angeguckt wird oder ne ma merkt ja wenn man (.) 581 plötzlich ne distanz erfährt ((atmet 1.3 Sek. ein)) ja der is 582 jetzt anders 583 I: hm_hm 584 E: äh (--) erstma gucken oder so ne (2.1) und eingegliedert (--) 585 in dem sinne auch das merkt man auch selber ((schluckt)) ich 586 kann mich ja jetzt mit dir ganz normal deutsch unterhalten 587 weil ich das weiß 588 I: ja 589 E: °h aber viele deutschn probiern dann (.) äh in ner bestimmten 590 sprache zu sprechen wenn die n ausländer sehn (--) [egal] ob 591 I: [jaa ] 593 E: das n vietnamese is oder (--) was weiß ich n amerikaner n 594 engländer afrikaner oder so °h dann sprechn die n deutsch was 595 die nie redn würden °h [nur] um irgendwie verständlicher zu 596 I: [ja ] 597 E: wirkn völliger unfug 598 I: hm_hm 599 E: weil (-) dann lern die die sprache nie_e 600 I: hhh° 601 E: ne °hh und (.) aber um d auf deine frage zurück zu komm 602 eingegliedert zu sein heißt (---) eigentlich °h dass ich auch 603 dann (-) bekannte oder freunde habe in (.) dieser gesellschaft 604 °hh wo ich auch (--) ja mich gut (-) integriert hab und mit 605 denen (--) geburtstag feiern kann feste feiern kann aber auch 606 (.) privat um umgang habe (1.1) sowas ja (1.9) genau (--) und 607 eingegliedert auch weil ich seh das ja im im umfeld auch im 608 größeren umfeld °hh dass alle andern das auch so akzeptiern 609 (.) weil das is immer schwierig (--) wenn man jetzt sagt oke 610 ich hab jetzt umgang (.) mit dem aber die andern wolln das 611 nich akzeptiern das nich °hh und sehn dich dann schon wieder 612 als 613 I: hm_hm 614 E: (--) störfaktor oder (---) wie soll mern sagn 615 ((atmet 1.1 Sek. ein)) äh einer der (1.3) der das system so 616 wies is nich akzeptiern will ne dass das halt ausländer sin 617 und die halt (--) 618 I: hm_hm 619 E: nich so dazu gehörn zur gesellschaft (.) also ich seh (---) 620 mich da einfach immer (-) offen (---) andern gegenüber °hh hat 621 vielleicht och damit was zu tun dass ich gern im (-) auch im 622 ausland unterwegs bin und °hh da eigentlich (--) °h nie 623 schlechte erfahrungen gemacht hab (--) man is ja eigentlich 624 immer mehr als tourist unterwegs [ne] ((schluckt)) aber dann 625 I: [hm] 102 626 E: kriegt man halt auch mit das °h in andern ländern (.) die 627 menschen (1.5) der sache auch sehr offen und (---) ja ohne 628 vorurteile gegenüber stehn ich hab eigentlich (--) immer nur 629 positive erfahrungen gemacht jetzt (-) ne (---) außer einmal 630 in italien (-) da ham se mir die autoscheiben reingeschmissen 631 (.) und ham n rucksack raus geklaut °hh aber gut das (--) 632 gehört halt och mit dazu mit zum leben ne (--) 633 <<:-)> is halt so> (-) [hm] 634 I: ((lacht)) [ja] du hast es ja vorhin schon kurz 635 angesprochen (-) ähm aber wie schätzt du denn den stand (.) 636 der eingl äh der eingliederung zugewandter personen ein 637 E: (--) °hh jetzt nur auf vietnamesen (--) [bezogen ] 638 I: [hauptsächlich] du 639 kannst natürlich auch über andere (.) nationalitäten redn 640 E: ähh (4.7) ((schnalzt)) (2.9) schwer (2.6) ich schätz das so 641 ein dass eigentlich noch (1.4) da noch ganz viel (---) gemacht 642 werden sollte (1.2) und (--) dass das gesellschaftlich immer 643 noch nich angekomm is dass die leude einmal hier sind und auch 644 hier bleiben 645 I: hm_hm 646 E: (---) die andern sachen regelt eh die politik ob die n 647 bleiberecht habn [hier] 648 I: [jaa ] 649 E: aber die die ein bleiberecht habn 650 I: hmm 651 E: (--) die gehn auch nich freiwillich wieder zurück (---) die 652 bleiben erstma hier °h und da isses (-) ganz ganz wichtig dass 653 die (---) ja (.) sehr (.) tief in die gesellschaft integriert 654 werden (.) was natürlich schwer is erstens ma die bereitschaft 655 von denen die hier angekomm sind ob die das auch wollen 656 I: hmm 657 E: (--) weil das is vielleicht auch nich unbedingt immer da (--) 658 ne die wolln dann vielleicht doch lieber unter (-) 659 ihresgleichen bleiben also unter ihrer nationalität oder (1.3) 660 ja (-) vielleicht auch (--) asiaten nur unter asiaten [und ] 661 I: [hm_hm] 662 E: (.) afrikaner nur unter afrikanern °hh so vielleicht (1.2) und 663 (.) diese (.) das sind wirklich (1.2) (krusten) vorurteile die 665 die muss mer einfach aufbrechen °hh und das schafft mer nur 665 °hh ja (--) die kirche machts uns eigentlich gut vor (-) dass 666 die sagen wir machen immer (--) äh für die kinder (.) die da 667 da sind oder für die (.) jungen leude ne art hausaufgabenhilfe 668 machen (--) zusätzlich biedn bietn da °hhh vom kochkurs bis 669 zum sprachkurs etwas an wenns auch angenommen wird °h man kann 670 nich direkt auf die leude zugehen und sagen du kommst jetzt 103 671 mit (.) also die müssen bereit sein (-) 672 I: ja 673 E: die müssen och die angebote kennen das ist vielleicht och ganz 674 wichtig dass mer den das n bissl näher bringt dass es da och 675 was gibt (1.3) und dass man das (--) wirklich stück für stück 676 versucht (-) die leude dann mitzunehmen in die gesellschaft 677 rein (-) ne (---) natürlich auch (---) jaa das (.) deutsche 678 system müssn se halt akzeptiern (-) und (--) da (---) da kann 679 nich alles möglich sein also die müssn auch für sich selber °h 680 sachen (---) jaa (.) zurück nehmen (.) ne wo die sagn in ihrer 681 gesellschaft °h isses halt völlisch normal (-) mittags n 682 gebetsteppich auf der straße auszubreiten und das gebet zu 683 sprechn (--) 684 I: hm_hm 685 E: geht halt nich (.) hier in deutschland oder is so (.) in der 686 form nich möglich ne (-) ich selber hab das schon erlebt also 687 da warn °h bei uns araber (-) die ham in der gadrobe (--) wie 688 auch immer ihrn teppich da ausgebreitet und da musste 689 wahrscheinlich genau (.) gen osten (.) [da aus]gerichtet °hh 690 I: [hm_hm ] 691 E: und ham ihr gebet heimlich gesprochn hinten in der letzten 692 reihe hab ich selber schon gesehn 693 I: ja 694 E: (---) °hhh geh ich halt vorbei und stör die nich dabei °h ne 695 aber (1.4) das geht halt nich überall (--) ne (.) also 696 integration (---) ganz ganz wichtig und der stand (---) nja 697 (.) es gibt immer was besseres zu machen oder besser zu machen 698 °hh auf jeden fall °h für deine generation isses kein thema 699 denk ich mal (--) ich weiß nich wie die erfahrung bei dir sind 700 °h aber für die älteren (--) isses auch ne gewisse form der 701 bereritschaft selber sich integriern (.) zu integriern °hh ne 702 (--) wenn einer das unbedingt (.) möchte und will (-) der 703 schafft das auch denk ich (--) 704 I: [hm_hm] 705 E: [und ] der findet durchaus anknüpfungspunkte und och (—) 705 sach ich mal n freundeskreis den er sich aufbaun kann wo_er 706 mit dabei is (--) und wo das dann (.) gar kein thema wär is 707 (.) ne (1.2) hm (1.9) weiß nich ob ich die frage jetzt 708 beantworten konnte 709 I: (1.7) <<:-)>es gibt kein richtig oder fal[sch]> 710 E: [ja ] ((räuspert)) 711 I: gibts denn von deiner seite (-) auch noch dinge die wir im 712 interview jetzt nich angesprochen ham die du gerne (--) 713 hinzufügen (.) möchtest 714 E: (6.0) °hhh äh (3.7) in der form (-) erstmal nich weil ich hab 104 715 ja och nur begrenzte erfahrungen mit den (-) mit den 716 vietnamesen der ersten generation °hh aber (1.2) is (.) gehört 717 nich ganz dazu aber die frage von mir wäre eigentlich wie 718 fühlen sich denn jetzt die (.) vietnamesen der ersten 719 generation selber °hh in deutschland angekomm und integriert 720 (--) wie gehts denen (1.1) äh ich seh eigentlich immer nur 721 (--) ja die fassade und da seh ich eigentlich immer nur (--) 722 menschen die (--) ja (.) fleißig sind (.) und °hh viel arbeitn 723 (--) ja im handel (--) mit obst und gemüse also das was ich 724 vorhin schon angesprochen hatte °hhh und (--) mer trifft aber 725 (--) höchst selten leude (-) oder oder (.) vietnamesen 726 menschen °hh die tiefer jetzt in die gesellschaft integriert 727 sind (---) zum beispiel jetzt bei mir auf arbeit (---) hab ich 728 nie ein getroffen der so n beruf gemacht hat dann im °hh also 729 der der bildungsweg für die (-) vietnamesen hat eigentlich 730 (--) auch aufgehört die_a (.) sin hierher gekomm mussten diese 731 arbeiten machen (--) im textilbetrieben (--) 732 I: [hm_hm ] [ja ] 733 E: [das is] ja fast komplett weggebrochn [oder] im 734 automobilbereich °hhh und die hattn eigentlich kaum ne chance 735 dann (.) zu sagn ich mach jetzt mal noch mal was anderes (---) 736 ne (1.5) geschweige denn davon dass sie gesagt ham ok wir wir 737 gehn jetzt zum studium 738 I: hm_hm 739 E: °hh ich denk da war vielleicht sogar die sprachbarriere is (.) 740 die größte hürde (.) dass die das (.) gar nich bewerkstelligen 741 konnten (--) ne °hh ja aber auch grad (-) äh wenn ich an (---) 742 an katharina ihre arbeit denk da wäre (--) so viel bedarf da (-) 743 an an pflegefachkräften (---) äh (.) ja da fahrn se lieber 744 nach (--) china (--) kuba oder sonst wohin und versuchen dort 745 °hh äh oder mexiko pflegefachkräfte (--) ins land zu holn °hh 746 wo ich denke (--) manch (-) einer oder eine (-) aus (-) 747 vietnam die hier (-) vielleicht sagn ja ich hätt gern ma noch 748 was gemacht °h hätte da och durchaus (.) große chancen (1.1) 749 äh (--) dort noch was gutes zu tun oder sich noch mehr zu 750 integriern und mer hat da (-) grade in dem bereich viel 751 soziale kontakte (---) und da kann man (--) sprache und (-) 752 natürlich och vieles anderes noch (-) mit dazu gewinnen (.) 753 [und ] 754 I: [hm_hm] 755 E: lernen (-) hm (1.3) äh das hätt mich schon mal intressiert 756 wies (-) eigentlich deinen eltern geht (—) 757 I: ich kann jetzt natürlich nur aus (.) deren sicht (-) 758 E: ja_a 759 I: sprechen (--) ich bin der meinung (--) sie fühlen sich (.) 105 760 eingegliedert (1.2) weil (-) sie ( ) arbeit haben sie leben 761 hier schon seit (-) über dreißig jahrn 762 E: hm_hm 763 I: (---) sie haben jetzt auch nich wirklich das bedürfnis wieder 764 zurück zu gehn (---) weil einfach so viel zeit vergangen is so 765 viel (.) passiert is auch (1.1) natürlich gibs (--) 766 sprachbarrieren (-) auch (--) von deren seite aus (1.1) ich 767 glaube aber das problem war auch einfach dass sie (.) erstens 768 keine zeit dafür hattn (1.3) um sch die sprache zu lernen (.) 769 wie gesagt sie arbeiten (-) jeden tag dadurch dass sie ja 770 selbstständig sind dass sie so viel arbeiten (--) natürlich 771 (.) nach der arbeit auch keine lust haben die sprache jetzt 772 noch zu lernen oder (--) beziehungsweise keinen kopf dafür 773 haben 774 E: hm_hm 775 I: (---) und ja (.) natürlich (2.0) lebt man da noch eher in (-) 776 seinen eigenen kreisen in seim (.) eignen umfeld (-) mit denen 777 mit (-) wo man sich auch mitnander versteht (---) aber (.) 778 jetzt im allgemeinen (.) glaub ich schon dass (1.2) denen das 779 hier sehr gefällt (-) dass sie natürlich auch nich sofort 780 wieder weggehn (.) wollen (--) klar vietnam is ihre heimat 781 (--) aber sie sehn natürlich auch deutschland als ihre heimat 782 an (2.1) 783 E: hm_hm °h und ham die denn auch (1.4) deutsche freunde oder 784 oder 785 I: nee 786 E: leider nich ne 787 I: nee leider nich (1.3) 788 E: äh is da (--) das thema dass (---) von denen aus das (2.6) 789 nich möglich is oder nich gewollt is oder dass es eher von von 790 den deutschen aus nich gewollt is oder möglich is 791 I: ähm (--) [es is ] 792 E: [oder gemischt] also interaktiv dann hhh° 793 I: das war ja die sind ja hh° siebnundachzig hergekomm 794 E: hm 795 I: (--) und in der ddr wars einfach nich geduldet (---) also (-) 796 es war ja es is ja schon n unterschied ob man (-) als 797 bootsflüchtling nach westdeutschland gekomm is °h oder als 798 vertragsarbeiter (.) in die ddr (1.1) und (---) dass was (.) 799 ich jetzt erfahrn hab war einfach dass (-) die (.) ddr das 800 auch nich wollte (-) also man wollte die integration vermeiden 801 E: hm_hm 802 I: (-) und deswegen gabs auch keine (--) ähm (--) wie heißt das 803 sprach (--) [stunden] 804 E: [kurs ] 112 196 H: mit den franzosn nach frankreich (-) wenns wirklich franzosn 197 warn ne (--) es gab natürlisch oh welche die sin mit den 198 marokkanern los (1.1) ((schnalzt)) tunesier warn da oh dabei 199 (--) aber mehr marokkaner (---) und (-) hm (1.2) aber das war 200 exotisch (.) und was exotisch is is ja sowieso (--) toll (-) 201 ne also erstma für ne (-) frau die immer bloß n (.) deutschn 202 mann [vor der nase] gehabt hat es is ja so gewesn 203 I: [ ((lacht)) ] 204 ja 205 H: mass mer ja <<:-)>mal so sagn > 206 I: ((lacht)) 207 H: da war das schon ganz exotisch und dann hat mer ja noch ähm 208 warte (.) aus äthiopien (--) kam die aus äthiopien (--) warn 209 ja oh noch rischtisch schwarze da (1.5) was ham die denn 210 gemacht weswegen warn die denn da (.) aus eritrea da gab mal 211 so n programm °hh von der ddr der die ham die leude raus 212 geholt ham die hier qualifiziert und dann sin die wieder in 213 ihr land zurück °h so wies heute [eigentlich sein] müsste °h 214 I: [hm_hm ] 215 H: dass du hier die leude ausbildest und die bring ja ihrm land 216 viel mehr wenn die gut ausgebildet sin n ihr land zurück z/ 217 I: [ja ] 218 H: [gehn] ne (.) und da gabs so ne (--) warte mal das war nich 219 äthiopien (--) es war schon was mit a (1.6) also n 220 afrikanisches land und da hattn da hatte die ddr die hatten da 221 in (-) äh kooperationsvertrag mit denen (.) und deswegen (-) 222 warn da och n paar da 223 I: hm_hm 224 H: und die wurden dann aber blitzblatz wo die wende kam musstn 225 die alle ausreisen °hh das war das schlimme [eigentlich] ne 226 I: [hm ] 227 H: (--) weil die viele noch nich fertisch warn (---) und äh die 228 dann in ihr land zurück musstn (--) weils halt (--) 229 bundesrepublikanisch gar nich zu vereinbaren war ((telefon 230 klingelt)) da wurde ja dann wirklich alles °h gekänzelt (1.8) 231 hm (--) und wurde alles gekänzelt und äh dann musstn die weg 232 und dann wurde das programm aufgehoben und (.) ha (--) also 233 das fand ich oh schlimm (--) 234 I: also hast du das jetz nur von den (--) äh äthopier/ äh 235 äthiopiern (.) mitbekomm 236 H: hm_hm 237 I: dass die dann alle wieder [zurück musstn] 238 H: [dass die alle] weg musstn das war 239 so [n ] staatlisches programm 240 I: [oke] 113 241 hm_hm 242 H: was die mitnander hattn und die marokkaner und die franzosn 243 [warn ] och weg (.) 244 I: ((hustet)) ja 245 H: wo das werk dann stande 246 I: oke 247 H: also das war dann fertisch und [dann sin] die wieder fort (--) 248 I: [hm_hm ] 249 H: ne (---) und wer gebliebn is sin die vietnamesn [die sin] da 250 I: [hm_hm ] 251 H: gebliebn (---) äh (2.0) un_die (-) polen das hat sich dann och 252 alles weil das alles partnerschaftsprogramme warn °hh die dann 253 wirklich äh so austauschprogramme die (.) dann och wieder in 254 ihre heimat zurück sin 255 I: hm_hm 256 H: also die sin nich (-) äh für die ganze zeit angesiedelt 257 gewesn 258 I: ok 259 H: ne (1.7) nee also die hat/ deswegen gabs das ja bei uns oh nich 260 in der ddr deswegen is ham ja so viele angst 261 I: hm_hm 262 H: vor den ausländern weil die das einfach ja die ganzn jahre °h 263 grade die älteren leude (.) die ganzen jahre ja gar nich 264 kanntn 265 I: ja […] 267 ja net aber °hh ähm die bundesrepubilk die hattn ja och schon 268 immer die hattn ihre türken (-) die türkischen gastarbei[ter] 269 I: [ja ] 270 H: und hier wars eben halt (--) äh warns andere 271 I: hm_hm 272 H: völkerstämme (-) die da kam (1.2) hm (--) 273 I: bist du der meinung das die die da geblieben sind (-) ähm (--) 274 in die deutsche (.) deutsche gesellschaft eingegliedert sind 275 H: (1.1) ((schnalzt)) (1.4) äh jein (-) also isch find ganz viele 276 die komm (1.4) äh isch weß nich warum aus was für gründen 277 (---) die die da geblieben sin von früher 278 I: hm_hm 279 H: ja ich denke schon dass die integriert sind (---) die ham zwar 280 och so ihre eignen dinge also ich krieg das immer mit das ähm 281 (-) die vietnamesen sich unternander sehr viel treffn und sehr 282 viel dinge zusamm machen 283 I: hm_hm 284 H: ähm aber (--) ähm (1.8) schweß vielleicht net ob die sich so 285 richtisch integriern wollen (--) oder ob die lieber so mit 114 286 sich zusamm (--) irgendwas machen weil du siehst se kaum (--) […] 288 beispiel im fußball war nie (--) en vietnamese 289 I: oke 290 H: im fußball 291 I: oke 292 H: im ganzen verein nich (.) [also] die warn da einfach nich °hh 293 I: [hm ] 294 H: entweder ham se ähm ken intresse am fußball es kann ja oh sein 295 dass das ne sportart is die bei euch ja gar nich ausgeprägt is 296 ne °hh aber da war nie jemand (-) die hattn dann eher immer 297 (--) ((schnalzt)) äh der khalid was is denn der khalid der khalid 298 is glob ich (1.2) afgahne (-) kurde (-) kurde glaub ich (1.1) 299 solche (-) leut hattn die dann die dann später rüber gekomm 300 sind und da warn oh kinder dabei 301 I: hm_hm 302 H: die fußball gespielt ham aber vietnamesen (-) kannt ich früher 303 schon nich also zu ddr zeitn dass die irgendwo im sportverein 304 mitgemacht ham °h will ich damit sagen dass die lieber unter 305 sich bleibn wahrscheinlich und mit (.) mit ihrn leuden 306 freizeit verbring [oder] dinge tun °h isch kann mir jetz och 307 I: [hm ] 308 H: ken vetnamese im schützenverein oder so vorstelln weßte 309 I: <<lachend> ja > 310 H: <<:-)> des das sind so sachn (-) äh das is vielleicht oh nicht 311 für die (--) weils einfach nich äh ((stottert)) ihre kultur 312 (.) entspricht weil se vielleischt (1.1) ((schnalzt)) (---) 313 durch den krieg och und durch viele dinge das vielleischt oh 314 nich d/ die sin ja nu nich die kämpfer vom herrn 315 I: hm_hm 316 H: äh die jetze hier bei uns oder in bayern zum schützenverein 317 gehn oder jacht(.) gesellschaft oder so ne (-) also diese 318 ganzn freizeitsachen dies so gibt (-) da find ich sin ganz 319 wenische (1.6) vietnamesn vertretn (-) also find isch also ich 320 hab da mi/ °h mir is da noch keener begegnet 321 I: oke 322 H: in der schule schon (--) ne dass die da och viel gemacht ham 324 oh so wenn de so rumgehört hast also °hhh eher so ((schlag)) 325 so ihr ding machn 326 I: hm_hm 327 H: und die annern ((schniefen)) die_e (2.0) die jetz mittlerweile 328 da sin (--) da gehn schon viele (.) jungs (--) in dn 329 sportverein und machn da mit (-) ne (--) handball volleyball 115 330 kene ahnung was fußball ah wie gesagt fußball (---) hab isch 331 beim tom gabs sowas nie und der hat ja oh lange gespielt ne 332 der war siebn und hat aufgehört mit (--) neunzn 333 I: hm_hm 334 H: (-) war ja wirklisch elf zwölf jahre (-) und da is mir nich 335 eener (.) begegnet 336 I: oke 337 H: weder bei mir hattn ja immer auswärtsspiele und kene ahnung 338 was ne also da war nie ener dabei 339 I: hm_hm 340 H: (1.5) also dass das dann vielleischt einfach w/ dass die das 341 nich machn also dass die ihre kinder da nich hinschickn (-) 342 aus was für gründn och immer des kann isch nich wissn °hh weil 343 da hab ich mich mit noch (.) kenem unterhaltn warum das so is 344 (1.8) also die sin schon integriert in vieln dingn (--) die 345 sehn och was du (-) für bedürfnisse hast als deutscher (--) 346 weils ham ja viele von (.) von dein landsleudn (-) geschäfte 347 [also es] is einfach so ne °hh dass die sehr umtriebisch sin 348 I: [ja_a ] 349 H: dass sie sehr gschäftstüchtisch sin geschäftstüchtisch sisste 350 jetz falln mir die worte ein °hhh ähm ((schnalzt)) und äh (--) 351 aber dass du die so im normalen lebn gar nisch (---) dass sie 352 dir gar nich begegnen (---) wenn ich jetz irgendwo hingeh oder 353 so begegnet mir (-) keiner (1.8) wennsch jetz zum 354 domkonzert gehe oder [wenn ich] °h irgendwo anders ähm ins 355 I: [hm_hm ] 356 H: theater geh oder so da siehst du (-) also hab/ is mir noch 357 kener begegnet oder wenn isch n konzert 358 so anguck weßte °hh das sin alles so sachn wo isch denk (-) hm 359 (--) kene ahnung (--) begegnen dir nisch (--) auch 360 sehr viele ausländer nisch °hh und was isch eben ganz schlimm 361 finde is das_se (-) sich einfach nisch bemühn die deutsche 362 sprache zu lern (--) das kommt mir be/ as s/ is jetz wieder so 363 (.) da hatt ich heute wieder ne begegnung dass die kinder die 364 in de schule gehn (-) mit ihrn eltern komm und die dolmetschn 365 I: ja 366 H: und das find isch schlimm °hh dass die eltern wenn die jetz in 367 en land komm (-) also für misch wärs das erste (.) sprache zu 368 lern (.) damit ich misch ausdrückn kann und damit isch och 369 verstehe was die von mir wolln °h [weil] die könn dir ja 370 I: [hm ] 371 H: sonste was (.) erzähln (--) und äh (.) du weßt überhaupt nisch 372 (.) was de antowrtn sollst oder wei wei wenn du hi/ die 373 erzähln (-) du bist ne ((schlag)) blöde kuh und lachn dich an 374 und du verstehst die aber nisch und [denkst dann] (--) äh ja 116 375 I: [ja ] 376 H: die mens eigentlich nur gut mit dir der lösch/ der lacht dich 377 hier an oder so ne und dann erzähln se dir irgendwelchen mist 378 (---) und äh ja die sin so (1.7) mh (---) isch mein die ham ja 379 deutschland jetz als heimatland oder als (.) aufenthaltsort 380 gewählt (-) und dann muss_isch och (2.1) das so machn (1.2) 381 dass isch misch ausdrückn kann (.) im kleinsten (.) also 382 selbst also äh h/ ((stottert) so kleene sachn wenstn wenn isch 383 einkaufn geh oder wenn isch bei behördn bin oder so ne dass 384 isch da wirklisch °hhh das kann (-) und da gibts eben auf der 385 welt w/ wahnsinnisch (-) oder viel bessere einwanderungs (.) 386 dinge (--) wo du wirklisch was vorweisn musst und wo du 387 wirklisch dursch (-) ich hab och gehört wenn du jetze (.) 388 kommst °h dass der test oh nisch ganz (--) ohne is den du (.) 389 absolviern musst aber isch finde (---) es is immer noch 390 wahrscheinlisch zu wenisch (.) weil (.) du musst schon (-) 391 wenigstens der sprache mäschtisch sein 392 I: auf wen beziehst du das jetz (---) genau 393 H: ähm 394 I: oder 395 H: auf meine kundn die isch tagtäglisch habe die [n kopf]tuch 396 I: [hm_hm ] 397 H: aufm kopf ham ((geschirr klimpert)) isch weß net a/ was für ne 398 nationalität das is aber isch denke schon es sin viele iraner 399 oder °hh äh aus (.) aus aus der ecke müssn die kommn 400 I: hm_hm 401 H: syrer (--) ne die dann irgendwo (1.2) damals hier rüber gekomm 402 sin ja schon zwe do/ zwe oder drei kinder hier gekriegt ham °h 403 isch weß ja dass die oh schon lange da sin weil isch kenn die 404 ja vom °h täglischn umgang 405 I: ja 406 H: und die könn ebn halt ken deutsch (--) und wenn sich jetze 407 fümf jahre in nem land bin dann geh isch davon aus oder da 408 muss isch das voraussetzn °h dass die das könn (---) weils ja 409 och (-) fürn fürn fürn deutschn ken spaß macht wenn die dich 410 ankuckn und (.) eigentlisch nisch wissn was du willst (---) 411 und du weßt aber ganz genau die sin schon ((schnieft)) fünf 412 sechs jahre in deutschland und machns halt einfach nich ne 413 (--) weil die bereitschaft muss halt da sein und du kannst 414 dich ja nisch integriern wenn du °h nisch verstehst was jemand 415 von dir will das geht ja eigentlisch gar net (--) nja kannst 416 du oh (-) ((schnalzt)) glob isch machn was de willst (--) das 417 ds ds (-) passt net (1.1) logischerweise grade 418 kulturveranstaltungn und solche sachn hat och wieder was mitm 419 kulturkreis zutun ne °hh was misch aber bereichern würde wo 117 420 ich sagn würde is wär ganz toll isch würde mal zu nem 421 libanesischn abend gehn wo die musik machn 422 I: ja 423 H: aber das machn die alles net das machn die och wieder nur 424 unter sisch (-)also es wär ja viel toller wir würdn das SO 425 erlebn 426 I: hm_hm 427 H: (.) ne oder wenn in libanesische gaststätte hier aufmachn 428 würde wenn e syrer ne gaststätte aufmachn [würde] °h würde das 429 I: [ja ] 430 H: °h (--) das bild och ganz anders rüber bring (-) also w/ […] 432 dachte hm (-) war für misch och immer so (-) so anrüchisch ne 433 also da denkste immer naja da sitzn bloß männer drinne die 434 hier qualmn °hh aber dass da ganz viele äh deutsche 435 jugendlische da drinne sin und sehr wenisch ausländer da 436 drinne warn also das hat [misch sehr] gewundert °hh weil das 437 I: [ja_a ] 438 H: ähm die freizeitgestaltung halt heutzutage is und die übernehm 439 das ja och komplett °h 440 I: ja 441 H: wir deutschn (.) und sagn ja shisha rochn is cool 442 I: hm 443 H: weil wir kanntn das ja nie aber das is ja was wo mer wo mer oh 444 davon (1.2) ((scnnalzt)) profitiert (.) das jemand (--) r/ 445 herkommt zu uns und äh das machts doch alles viel bunter und 446 viel schöner 447 I: ja 448 H: (-) und die traun sich aber wahrscheinlich nisch (--) ähm (-) 449 ((schnalzt)) isch mein in so n imbiss oder so geh isch oh 450 nisch rein aber wenn das alles toll gemacht is und °h das och 451 ansprechend is dann würde doch das och laufn [ne] und (--) 452 I: [hm] 453 H: ja_a (1.1) das find isch eigentlisch n bissl schade (-) dass 454 die so (-) in ihrm eignen saft schmorn °hh ne (---) 455 I: siehst du da unterschiede zwischen der ersten und zweiten 456 generation bezüglich der eingliederung 457 H: (3.5) naja schon (2.6) die die in der ddr (.) [die ja] 458 I: [hm_hm ] 459 H: natürlich (--) isch glaube (.) äh für uns (.) früher wars so 460 dass das vollkomm exotisch war und [das] die °h die da da warn 461 I: [hm ] 462 H: (1.3) äh (1.7) isch glaube das hat was mitm 463 gesellschaftssystem zutun °h also wir ham (-) in der ddr war 464 für uns (2.0) jeder gleisch (-) [d/ ] das war einfach so °h 118 465 I: [oke] 466 H: wo der herkam war uns vollkomm egal das d/ also °h das war so 467 (1.1) ähm (--) da hatteste oh kene berührungsängste °h u du 468 wusstest noch nisch so viel wir hattn ja nachrichtenteschnisch 469 is ja nisch viel passiert 470 I: hm_hm 471 H: früher und für uns war das (2.2) spannend (1.9) ne andre 472 kultur z/ kennzulern wir konntn nisch reisn wir durftn ja 473 nisch raus also wir [konntn uns] ja oh nischts anguckn °h 474 I: [ja ] 475 H: deswegn war das für uns oh total aufsaugend leude kennzulern 476 die von woanders auf der welt komm °h 477 I: hm_hm 478 H: und sisch mit denen och (---) ((schnalzt)) zu unterhaltn und 479 äh (-) mit den zu kommuniziern und äh zu arbeitn wie viele ham 480 denn gearbeitet hier °h arbeitskollegn ham isch hatte halt 481 wenisch (-) kontakt bis auf die austauschdinge °h wo m/ in der 482 arbeitswelt du disch ja oh noch ganz anders kennlernst wie 483 wenn du dann d/ wars vielleicht oh so dass mer sich ma 484 eingeladn hat gegenseidisch und °h ähm (.) di/ die vietnamesen 485 ham ja noch nebnbei ge (.) näht und gemacht für de leud [ne] 486 I: [hm] 487 H: °h und äh dass mer da (.) hammers wieder geschäftstüschtisch 488 (-) dass mer da ganz andere berührungen hatte wie (-) ähm (.) 489 oder ne ganz andere auffassung hatte wie das heute is 490 I: hm_hm 491 H: ne also heude kannst du überall auf de welt auf der welt 492 kannst du reisn du kannst dir die länder anguckn wo die 493 herkomm °hh und ähm (2.2) ((schnalzt)) ja dann sagt mer oh man 494 schnell die dreckschn tunesier 495 I: hm 496 H: weil_di weßt wies in den ihrn ländern aussieht [aber] die 497 I: [hm ] 498 H: länder sind also die sin ja so wie se sin °h du kannst das ja 499 net auf deutschland umstülpn weil wir sin nu ma anders° [und] 500 I: [ja ] 501 H: bei uns gibts oh drecksche eckn das is nu mal so das is nisch 502 alles gold was glänzt aber mir ham ja n ganz andern (-) 503 anspruch an irgendwelsche dinge [°h] ob das mitm arbeitn 504 I: [ja] 505 H: zutun hat oder ob das mitm lebn zu hause zutun hat °h wir 506 sitzn halt net aufn teppisch untn aufm fußbodn mir ham halt 507 möbel °h 508 I: hm 509 H: und ähm das kannst du das (.) aber das is ja grad das 119 510 exOTISCHe an dem ganzn °h dass du dir immer (-) ähm (.) von 511 dem anderen menschn (-) och ma zeign lassn kannst wie (.) die 512 lebn und (.) was_es ausmacht [was was] eben °h äh so die_m (-) 513 I: [hm_hm ] 514 H: ((schnalzt))(-) der unterschied is (--) was die so für für ähm 515 (.) gedanken oh ham die wern se dir nie (.) ganz erzähln aber 516 (--) ähm (-) das ja viele oh schrecklische dinge erlebt ham 517 und das °hhh da muss mer nich alles damit entschuldign aber 518 (1.1) ich bin ja froh das_es so wies (-) is is dass die 519 trotzdem noch herkomm könn [also ] dass die oh n sischeres 520 I: [hm_hm] 521 H: lebn ham isch (.) isch möcht nisch wissn was da einige kinder 522 so gesehn ham °h und was da so passiert is ne und die erste 523 generation also (.) wo zu ddr zeitn die rüber gekomm sin denk 524 isch °hh warn ja viel viel weniger da kam ja nets in ganzer 525 schwung mit eenmal sonder °hh da kam ja oh wirklich bloß leude 526 die (.) gebraucht worden sin weil wir einfach keene leude mehr 527 zum arbeitn hattn weils alle war und wir wirklich ((schnieft)) 528 leude gebraucht ham die (-) für uns halt (--) fürn westn mit 529 produziern 530 I: hm_hm 531 H: es war ja so ne [im] aktivist ham se ja nu wirklisch bloß fürn 532 I: [ja] 533 H: westn produziert °hh ((schnalzt)) und ähm (1.3) ((schnalzt)) 534 und die ham sich glaub ich anders integriert weil das (.) inne 535 andere gesellschaftsordnung war also das °hhh nisch (-) dieses 536 bei uns gab ja oh nich dieses leistungsprinzip 537 I: hm_hm 538 H: das gabs oh also die musstn och nach °h leistung arbeitn wenn 539 die genäht ham ne °h aber du hast trotzdem immer dein selbes 540 geld gekriegt [und du] bist ja oh nisch (---) und du hattest 541 I: [ja_a ] 542 H: nie angst dein arbeitsplatz verliern [zum] also du hast ja nie 543 I: [hm ] 544 H: dein arbeitsplatz vorlorn du bist ja °h das gabs bei uns nisch 545 zu ddr zeitn gabs keene arbeitslosn (.) [also] 546 I: [hm ] (.) ja 547 H: isch kenn jedenfalls keen °hh ne (.) und (1.2) ja und heude is 548 das so dass die (--) zeit ja viel schnelllebiger is °hh die 549 medien viel präsenter sin (---) und ähm (1.8) na die menschn 550 och anders sin also heude sin die menschn och also die jugend 551 grade die sin ja anders wie damals °hh ähm und isch bin ganz 552 anders aufgewachsen wie heut jemand aufwächst und deswegn is 553 das glob ich oh n vollkommner unterschied °h wie_e (.) die 554 sich damals integriert ham und wie das heute is °h weil heute 120 555 schon äh die mit dem ganz annern (-) anspruch hier herkomm 556 (--) und denkn hier is alles ganz toll und alles ganz fetzisch 557 und (.) m/ wern aber geerdet irgendwo °hh und (--) für die as/ 558 isch glaube es is heude viel viel schwieriger sisch zu 559 integriern wie das damals war (---) also dass ma damals das 560 viel leichter hatte (--) ähm (1.9) klarzukomm (2.3) die zeit 561 war ruhischer das das (.) ka_mer mit heute überhaupt ne_mer 562 vergleichn °h also isch stell mirs wahnsinnisch (1.2) schlimm 563 vor wenn du jetze (-) aus so nem kulturkreis hier her kommst 564 und du musst (.) funktioniern 565 I: hm_hm 566 H: und das geht ja einfach net also es geh/ (.) es geht einfach 567 net (-) also (-) ne (-) wir machn ja schon viel vom staat her 568 dass die °h ((schnieft)) in unterrischt komm und was weß isch 569 nisch aber (-) muss immer noch (--) ähm (-) wenn die nisch 570 wolln und wenn die nisch mitmachn (---) und zu machn da gibts 571 ja schon_e poar (-) dann (1.4) passiert ja oh nischts also 572 dann hört ja integration och auf (--) ne (1.8) 573 I: aber jetzt ma bezogen auf die (---) beispielsweise die (-) 574 damaligen ddr [vertrags]arbeiter °hh und die die dann da 575 H: [hm_hm ] 576 I: gebliebn sind und die zweite generation quasi (-) deren kinder 577 H: hm_hm 578 I: (--) siehst du da unterschiede also (1.8) [oder] sind alle 579 H: [hm ] 580 I: für dich (-) gleich integriert (3.3) zwischen den generationen 581 H: (-) na isch denke (--) die kinder die nachkomm integriern sich 582 noch besser (---) die sin viel bes/ also sonst würdn wir hier 583 glob isch hier nisch da sitzn (.) also isch globe wir hättn 584 uns nie kenngelernt °h wenn ihr nisch (-) offener (.) seid 585 [du von] kind auf (-) die deutsche sprache kennst 586 I: [hm_hm ] 587 hm_hm 588 H: und dir och ähm (.) d/ disch och intressierst für die sachn 589 die so passiern °hh und da bist_e ja nisch die entzsche das is 590 ja wirklisch (.) bei allen so (---) wie viele freunde hat der 591 tom (.) die (-) ausländer sin ab/ [hat_er] schon immer °hh und 592 I: [hm_hm ] 593 H: ähm (2.0) ja isch denke schon die integriern sisch schneller 594 weil die ganz einfach (.) äh n bessres rüstzeug mitkriegn weil 595 se von anfang an wenn se in de schule gehn °hh wenn se ne 596 lehre machn oder wenn se studiern ja n ganz annern z/ anners 597 feedback kriegn wie jemand der kommt ((handy klingelt)) und äh 598 denkt jetzt ach du scheiße jetz bin isch in dem land was mach 599 isch denn jetz °h die sin ja re/ hinein geborn und die sin ja 121 600 genau so aufgewachsn 603 bei euch zu hause eben keen weihnachten gefeiert wordn is oder 604 viele dinge eben halt nisch gemacht wern weils n andrer 605 kulturkreis is °h aber ansonstn du konntest tanzen gehn (.) ne 606 es is ja so ihr konntet ja alles das machn bis auf fußball 607 also wo isch keen gesehn hab ((rascheln)) ihr konntet ja alles 608 das machn was oh n deutsches kind konnte 609 I: ja 610 H: und ihr seid ja och (-) immer noch also was isch immer so (-) 611 ((schnalzt)) verrückt finde dass ihr (3.2) so wahnsinnisch 612 belastbar seid (2.0) also grade vietnamesen ne also [was] die 613 I: [hm ] 614 H: machn °h was och ihre eltern dann och glaub isch viel von 615 ihnen verlang das_se_äh sehr gute leistungen bringen müssen 616 [und] °hh äh das wünsch isch mir manchmal von deutschn 617 I: [hm ] 618 H: <<lachend> eltern > die ihre kinner mal so bissl rannehm und 619 sagn hier ähm nisch de masse zählt sondern du musst dich 620 abhebn du [musst] (.) gut sein °hh oder wenn du jetz 621 I: [ja ] 622 H: irgendwas vorhast in deim lebn dann musst du halt mehr dafür 623 machen 624 I: hm_hm 625 H: ne das wünsch isch mir n/ manchmal schon °h weil da weß isch 626 bei euch is da schon ganz schöner druck dahinter was mir 627 manchmal oh zu viel wäre aber °hh das is halt so wies is ne da 628 is (.) das is (-) ((schnalzt)) die wolln das eben halt (---) 629 es is och net verkehrt also isch finds jetz nisch verkehrt 630 aber mer muss das ebn äh (1.3) schon (2.0) nisch ganz so 631 schlimm (-) 632 I: hm_hm 633 H: halt machn ne das_es schläge gibt oder was weß isch nisch aber 634 °h so von dn leistungen her (.) find isch warn die schon immer 635 top (--) gibts ja oh nischts also das is ja wirklisch 636 bezeichnend °h und deswegn seid (-) du bist jetz n ((schlag)) 637 vollwerdischer deutscher [mitter/ mit mit (.) mitbürger] 637 I: [((lacht)) ] 638 H: na is so 639 I: ja 640 H: (--) also isch finde schon och wenn du (.) vielleischt keen 641 christ bist was für misch aber überhaupt nisch (-) zu ner 642 integration gehört mer muss sisch nisch °hh äh mer muss nisch 643 hier in deutschland christ wern [also ] isch bin ja oh keener 644 I: [hm_hm] 128 931 und solang die nisch (--) fundiert sisch (.) wissn aneignen 932 und ähm (2.0) für sich oh selber weider komm wolln (--) seh 933 isch das zum scheitern verurteilt weil das einfach so is (.) 934 also die könn ja dann hier nisch und solang du nisch dein 935 lebensunterhalt °h dir selber erarbeidest (--) integrierst du 936 disch net (-) ob das bei unsern hartz viern is die (-) das is 937 wieder ne annere geschischte glaub isch °h obwohl die DEUTSCHE 938 sin (--) ähm (1.3) gibts immer als/ solche leude wirds immer 939 gebn aber wenn isch jetze flüschte ausm land dann will isch 940 doch dass es mir dort besser geht und nisch bloß (2.6) dass 941 isch alles (--) gegebn krieg (.) [in irgend] ner art und weise 942 I: [hm_hm ] 943 H: is befriedischt dursch/ also befriedig (-) würde misch jetz 944 nich befriedign 945 I: ja 946 H: (1.3) fürn staat is_es alles schön un gut aber dann muss isch 947 selber sehn wie isch klar komm und es gibt ja oh beispiele 948 dafür das_es geht (---) ne 949 I: hm_hm 950 H: die jetz in krankenhäusern sin die altenpflege (--) machn wo/ 951 mir ham so viel flüschtlinge da warum schrein_dn die im 952 altenpflegeheim immer noch nach °hh leudn und kriegn niemandn 953 I: hm_hm 954 H: (---) weil ses vielleischt in ihrm kulturkreis nisch vor(.) 955 einbarn könn menschn zu pflegn (1.1) ne also es gibt so 956 verschiedne sachn (1.4) es is halt so wies is °h und es könnte 957 viel besser sein wenn se einfach mal bissl übern tellerrand 958 hinausguckn würdn und ma guckn würdn was isn hier in 959 deutschland eigentlich los (--) aber den kopf machn die sich 960 gar net (1.8) ne die denkn sie sin erstma raus und naja alles 961 andere wird sich schon irchendwie (--) aber es machts ja net 962 (.) von alleene (1.8) kann ( ) jedenfalls nisch vorstelln 963 I: (4.1) also bist du der meinung quasi (2.3) dass man sich (2.0) 964 besser integriert wenn man hier (1.2) arbeit hat 965 H: hm (1.1) hm 966 I: ja 967 H: ja (--) wemmer arbeit hat wenn_mer ne aufgabe hat und wenn_mer 968 n sinn darin sieht hier zu sein 969 I: (--) okay 970 H: und nich bloß (.) da is weil mer da is 971 I: (--) oke 972 H: am lebn teilnimmt an der gesellschaft teilnimmt (1.1) das ja 973 I: (1.2) oke 974 H: hm 975 I: gibts denn von deiner seite noch (-) dinge die du ansprechen 129 976 möchtest (-) die wir im interview jetz noch nich angesprochen 977 ham 978 H: (3.0) hm (1.3) wüsst isch jetz nisch was was m/ (--) auf 979 integration bezogen 980 I: hm 981 H: °hh ((atmet 1.4 Sek. aus)) ɁhmɁhm (2.0) eigentlisch nisch 982 (3.8) ha (1.9) ɁhmɁhm 983 I: oke 984 H: ɁhmɁhm 985 I: gut ((lacht)) 986 H: wüsst jetz nisch (.) was isch dir jetz noch erzähln könnte 987 oder was isch disch noch fragn könnte (--) wüsst isch jetz net 988 (.) ɁhmɁhm 989 I: oke 990 H: hm 991 I: dann vielen dank für das interview 992 ((rascheln)) 993 H: bitteschön sehr gerne (-) wenn isch dir helfn konnte 994 ((schnieft)) 995 I: <<raschelnd> konntest du auf jeden fall> 996 H: hm 997 I: danke 998 H: das is schön Transkript 3 - Interview mit Phan 01 I: jetz (---) äh is es für dich in ordnung wenn ich (.) das 02 interview jetz aufnehme für dich 03 H: ja 04 I: (--) ok (-) dann (.) fang wir an °h ähm wie kams dass deine 05 familie nach deutschland gekomm is 06 H: (1.4) ähm °h (1.1) puh (.) °h ich glaub nach dem nach dem 07 vietnamkrieg also meine eltern sind ziemlich also alt (-) 08 mutter zweiundsechzig vater (-) ähm (--) ne (.) mutter 09 neunundfünfzig und vater zweiundsechzig geborn °h und ähm (.) 10 da warn die ja eigentlich (-) noch relativ (-) relativ klein 11 und jung (-) als sie den vietnamkrieg miterlebt haben (-) und 12 ähm °h (1.2) armut (-) war halt bei denen (3.2) ja (.) war bei 13 den halt normal und dann wolltn die einfach bissien mehr geld 14 verdien und sind nach deutschland gezogen (-) und sich einfach 15 [n neues] leben aufbaun und °h und nicht in in so nem (-) 16 I: [okay ] 130 17 P: armen land enden (.) glaub ich (--) also °h ma/ man redet 18 eigentlich nicht so offen mit seinen eltern darüber (—) 19 I: hm_hm 20 P: oder (--) also h° (1.4) so (--) das sin so fragen die_e (.) oh 21 (-) die so (.) ziemlich tief gehn und (.) eher gehemmt ist die 22 eltern zu fragen aber °h hauptsächlich war das äh n 23 finanzieller aspekt (.) warum meine eltern nach deutschland 24 gezogen sind ((klicken)) 25 I: oke (.) und wann war das 26 P: (1.7) äh ( ) neunzig 27 I: (1.3) wa/ was kannst dus nochmal wiederholen 28 P: (-) zweiundneunzig 29 I: (-) ah (.) okay [also nach der] [hm] 30 P: [erst nach dem] mauerfall [ja] 31 I: ok (.) °h (.) und wie war deine kindheit (.) wie wars für dich 32 in deutschland aufzuwachsen 33 P: (2.4) puh (1.9) ((schnalzt)) (2.9) ähm (-) äh kannst du das 34 einschränken kindheit von welchem alter 35 I: (---) °hh (-) ähm (1.1) phhhh ja dein (-) von (.) weiß ich 36 nich (1.2) wann du dich erinnern kannst und jetzt zum beispiel 37 in deiner jugend (-) beispielsweise 38 P: (---) oke (-) also (--) g/ wenn man von also (.) wenn du 39 kindheit fragst dann würd ich meinen dass ich (-) mit meiner 40 kindheit ziemlich zufrieden bin (--) 41 I: hm_hm 42 P: (---) ähm (-) kannst du die frage nochmal stellen 43 I: <<:-)>ja > äh wies für dich (-) is (.) oder war in deutschland 44 aufzuwachsen 45 P: (--) ok °h also ich bin ja nich (-) die ganze zeit in 46 deutschland aufgewachsen sondern (.) habe auch ne zeitlang in 47 tschechien gelebt (-) also in deutschland (-) die ersten vier 48 jahre in berlin (--) 49 I: hm_hm 50 P: war eigentlich (-) fin/ fand ich als kind wa/ weil man als 51 kind noch naiv ist °h ziemlich (-) ziemlich entspannt (—) 52 I: [hm_hm] 53 P: [ähm ] (1.7) die_e (-) h° die eltern warn viel arbeiten und 54 °h als meine schwester und ich wir wurden immer (-) zu 55 bekannten gegeben die auf uns dann aufpassten während die 56 eltern arbeiten sind (--) 57 I: hm_hm 58 P: (1.1) und ähm (2.9) ja also man lebt ja trotzdem in armen 59 verhältnissen auf (1.2) ähm (--) zum beispiel wir hattn nur 60 (.) ein großes zimmer für die ganze familie (-) also [mein] 61 I: [ja ] 131 62 P: vater meine mutter meine schwester und ich °h haben zusammen 63 in einem raum gelebt (-) also als kind stört dich [das nicht] 64 I: [hm_hm ] 65 P: (-) also d/ [du nimmst das nich so] (.) wahr nimmst das nich 66 I: [hm_hm ] 67 P: so auf als ob das was was schlimmes wäre (---) 68 I: hm_hm 69 P: ä/ ne selbstverständlichkeit und äh dann gabs halt 70 gemeinschaftsduschen und gemeinschaftsküchen (.) die du dich 71 mit (.) die du dir mit anderen leuten auf der etage geteilt 72 hast 73 I: (--) ja_a 74 P: (-) war halt n (-) war halt n (---) äh ((stottert)) sowas wie 75 n wohnheim für asylbewerbende und äh gastarbeiter 76 I: (---) okay 77 P: (--) ja (--) und ja (---) kindheit in tschechien dann schule 78 (2.0) war entspannt (--) und jugendzeit (-) in deutschland 79 wieder (---) ähm (1.4) pah (-) klar man man man kämpft (.) so 80 n bissien mit alltagsrassismus (--) [aber ] ansonsten ähm 81 I: [hm_hm] 82 P: (2.0) kann ich mich nicht beklagen (1.3) also es is jetz nich 83 (3.7) oah es is echt schwierig darüber nachzudenken und es 84 auszusprechen (6.0) puh (2.0) °h ja man (--) ((schnalzt)) man 85 man man merkt schon man is anders aber (--) h° weil die 86 vietnamesen schon (.) seit den neunzigern (.) oder achtzigern 87 in deutschland sind °h war das dann trotzdem (---) alltäglich 88 es war nichts m/ man hat sich nich irgendwie wie n (.) wie wie 89 n (--) wie n tier im zirkus gefühlt aber °h man wusste schon 90 dass man anders behandelt wird (1.9) [also jetz] in der jugend 91 I: [okay ] 92 P: (.) ja (.) [also man wurde schon] (.) f/ frühn alter mit mit 93 I: [okay ja ] 94 P: mit alltagsrassismus konfrontiert (--) 95 I: kannst du da noch n bisschen mehr drauf eingehen (.) also 96 inwiefern du persönlich das (---) erlebt hast 97 P: (-) ah oke °h ähm (-) ((räuspert)) naja wenn man zum beispiel 98 °h auf der straße ist äh die leute gaffen einen ganz komisch 99 an (--) [drehn sich um] (-) ähm oder (.) ähm in (.) 100 I: [hm_hm ] 101 P: straßenbahnen (1.5) äh (---) äh (.) auch beschimpfungen (1.1) 102 I: [hm_hm] [hm_hm] 103 P: [äh ] (.) klassisch (.) fidschi (-) [äh ] (1.9) oder (-) 104 oder auch (-) fragen die (-) die eigentlich ganz normal wirken 105 aber (-) doch (-) irgendwie zeigen dass dass du anders bist 106 (-) zum beispiel [( )] (--) äh woher kommen sie denn 132 107 I: [ja ] 108 P: (1.5) od[er] 109 I: [hm]_hm 110 P: (-) äh (-) sie könn ja sehr gut deutsch (-) °hh 111 I: <<lachend> ja_a > 112 P: oder (-) vor allem dann (.) naja kindheit ne wir sind noch bei 113 kindheit (1.5) ähm [ja oder in der schule dann] (-) ja in der 114 I: [ja kindheit ] 115 P: schule wi/ wurde man so bissien aufgezogen mit schlitzaugen 116 und °h und hundefresser und katzenfresser aber das is halt das 117 sind a/ die (-) die gängigen °h die gängigen asiatenwitze die 118 °h die noch (3.1) die (---) spaßig gemeint sind (.) aber 119 trotzdem rassistisch sind (-) 120 I: hm_hm 121 P: aber jetz nich so (-) das man (.) dass man sich sorgen machen 122 muss (--) dass man jetz irgendwie (---) geschlagen wird aber 123 ich glaub das is auch (-) der vorteil (-) weiblich zu sein 124 I: ((lacht)) ja (--) 125 P: ja 126 I: oke (-) ähm (.) was bedeutet es denn für dich integriert zu 127 sein 128 P: (2.2) ((geräusch)) (--) °h (1.1) ähm (-) integriert zu sein 129 (5.7) mh vielleicht (1.6) gewisse (1.8) also die 130 gesellschaftswerte (1.4) des jeweiligen (-) umfelds anzunehm 131 (---) 132 I: hm 133 P: (-) also man muss ja nich (.) integriert sein bedeutet nich 134 für mich (.) dass man (-) ein ausländer is und in (-) nem 135 bestimmten land integriert ist also nicht nur sondern auch (-) 136 wenn du zum beispiel irgendwo neu bist deine neue 137 arbeitsstelle (--) 138 I: hm_hm 139 P: (-) und du integrierst dich da (--) wenn du die_e (-) ähm (.) 140 was weiß ich (.) die firmenwerte dir aneignest (--) 141 I: hm_hm 142 P: oder wenn du zum beispiel ähm (.) ((schnalzt)) (-) in eine (.) 143 neue soziale gruppe kommst (---) 144 I: hm 145 P: (und) du integrierst dich (-) dann kommst du ja mit den leuten 146 klar (.) tauschst gemeinsamkeiten aus (1.5) und man man man 147 (-) dass man (2.3) miteinander lebt (--) konflikt (.) 148 konfliktfrei (-) ja (--) das is für mich integriert sein (1.2) 149 I: oke (--) fühlst du dich denn in die gesellschaft eingegliedert 150 P: (--) ja (4.0) 151 I: kannst du [((lacht))] 133 152 P: [((lacht))] 153 I: <<lachend> noch was dazu sagen > ((lacht)) 154 P: ((lacht)) äh (---) äh (--) ob ich mich (.) in der gesellschaft 155 (.) eingegliedert fühle 156 I: (-) ja 157 P: (---) ja (-) ähm (-) ja also ich (---) man wächst hier auf man 158 hat (1.8) deutsche freunde (1.6) auch (.) deutsche werte (-) 159 angenommen (1.7) und ähm (2.7) es gibt keine konflikte (2.3) 160 ja (--) also ich wei/ weiß nich was (.) phh (1.4) 161 gesellschaftlich fall ich nich mehr auf (-) 162 I: h° h° (--) 163 P: ja is/ (---) ich fühl mich schon in der gesellschaft 164 eingegliedert ja (2.3) 165 I: okay 166 P: mehr kann ich es nich umschreiben irgendwie fällt mir dazu 167 nichts ein (4.3) 168 I: okay (---) ähm (1.5) siehst du denn aber unterschiede zwischen 169 der ersten und zweiten generation (-) in bezug auf die 170 eingliederung warum siehst du dich eingegliedert (---) und 171 (---) ((geräusch)) (1.4) würdest du das auch auf die erste 172 generation beziehn (---) 173 P: ja (-) okay also (1.1) unterschied zwischen (-) erster 174 generation und zweiter generation also wie (-) ich bin die 175 zweite generation (--) 176 I: ja 177 P: (--) ja (-) ähm (---) meine eltern (.) sind die erste 178 generation (--) 179 I: hm_hm 180 P: (-) unterschied (-) also riesiger unterschied is auf jeden 181 fall (.) äh die sprache (--) 182 I: ja_a 183 P: (1.7) also (-) die zweite generation (--) beherrscht die 184 sprache (1.1) perfekt (--) 185 I: hm_hm 186 P: und die erste hat wirklich immer noch immer noch nach vielen 187 jahren große schwierigkeiten damit (---) 188 I: hm_hm 189 P: (--) und ähm (---) ich glaub (1.4) ja das is der wesentliche 190 unterschied warum die zweite generation °hh besser 191 eingegliedert is als die erste (---) [ähm ] (--) ä/ die_e (.) 192 I: [hm_hm] 193 P: also die (.) unsere eltern legen (2.0) also die erste 194 generation legt immer darauf wert dass ihre nachkommen ihre 195 die zweite generation (.) ne gute schulbildung haben (-) äh 196 I: ja 134 197 P: um darum kanns (.) kann die zweite generation auch bessere 198 jobs anstreben (.) zum beispiel 199 I: hm_hm (-) [hm ] 200 P: [also] ich mein (-) wir gehn zur schule wir könn 201 studiern °h wir könn eigentlich ausbildung machen wir könn 202 alles machen (1.4) ähm (---) und (.) ( ) ersten generation 203 siehst du hauptsächlich n (-) berufsbild wie °h was weiß ich 204 (-) äh in nem imbiss im restaurant (-) äh irgendein laden 205 (---) [ähm] (1.4) ja (--) und ich glaub 206 I: [hm ] 207 P: das is der wesentliche unterschied (---) 208 I: also die sprache (1.1) [meinst du jetz] 209 P: [ja die sprache] (-) ja (--) sprache 210 I: [ja ] 211 P: [und] (--) bildung und perspektiven (2.1) 212 I: bis du denn der meinung dass die erste generation dann 213 trotzdem (-) eingegliedert is (-) oder (1.3) 214 P: ja (1.3) ich <<lachend> sorry wollt wei/ ich wollt weiter 215 erzähln> wies neu 216 I: nenene ja (---) 217 P: ähm (1.6) mh_ja (-) weil (---) ((schnalzt)) (--) ähm (---) 218 weil sie auch unter den deutschen (--) schon (-) fest im 219 alltag integriert sind (---) [was] (-) zum beispiel das essen 220 I: [hm ] 221 P: betrifft (-) 222 I: ja (--) 223 P: so (.) du kannst dir eigentlich keine stadt mehr wegdenken 224 oder n dorf (-) der keinen (-) asiaimbiss hat (---) 225 I: hm (1.6) 226 P: und die laufen alle gut auch wenn sie schlecht sind 227 ((lacht 3.6 Sek)) 228 I: ((lacht 3.6 Sek)) 229 P: <<lachend> wasn > (--) ((lacht 4.0 Sek.)) 230 I: ja ((lacht 4.0 Sek)) 231 P: äh ja (---) ja die sin trotzdem eingegliedert genau deswegen 232 (—) wei/ weil wenn man sich die er/ weil die mit (-) mit zum 233 straßenbild gehörn also (3.0) man weiß dass dass (.) das n (.) 234 bestimmter anteil hier lebt und (---) man fällt nicht mehr auf 235 (-) das is für mich eingegliedert sein (1.1) und d/ daher denk 236 ich auch dass die erste generation schon eingegliedert ist 237 (1.2) [man kann] sich die gar nich mehr wegdenken 238 I: [okay ] 239 P: aus der gesellschaft 240 I: (1.9) okay (-) also würdest du den stand (-) zwischen der 241 ersten und zweiter (-) und der zweiten generation (-) 135 242 gleichsetzen (2.8) o[der ] (-) oke 243 P: [nein] 244 achso entschuldigung (-) äh kannst du weiter die frage 255 ausformulieren (-) oder 266 I: (---) ((lacht)) ja oder siehst du da hingehend unterschiede 267 (--) und wie (-) würdest du denn den stand der 268 unterschiedlichen generationen einstufen (7.2) 269 P: kannst du mir die frage nochmal stellen 270 I: (2.6) äh (--) ja (.) ob der (-) ob du jetzt (-) findest dass 271 die erste und die zweite generation (--) den selben stand 272 haben oder wie du (.) generell den stand zwischen (.) den 273 beiden generationen einstufen würdest (1.9) 274 [also den stand der] eingliederung 275 P: [meinst du ] (--) den stand der eingliederung ja (-) 276 I: ja (1.2) 277 P: ähm (--) ((schnalzt)) (--) die zweite (---) generation ist (-) 278 besser (--) also der stand is höher als (---) also der 279 gesellschaftliche stand (--) 280 I: hm_hm 281 P: oder (--) 282 I: ja 283 P: (--) ist äh doch schon (.) besser als (---) die der ersten 284 generation (2.3) weil (3.8) phh ma/ man hat viel bessere 285 zukunfts (-) zukunftsperspektiven weil man (.) eben (.) durch 286 (--) durch die bessere bildung äh (-) äh n vorteil hat (---) 287 I: hm (9.0) 288 P: is die is die frage beantwortet (--) ((lacht 3.3 Sek.)) 289 I: ((lacht 3.3 Sek)) und (--) die erste generation (.) du hast ja 290 jetzt eigentlich von der zweiten generation den stand (--) 291 P: ja ja (1.2) ah oke die von der ersten generation (---) ich 292 würde sagen (2.3) so mittlerweile (---) hat die erste generat/ 293 is auch (-) die erste generation äh gesellschaftlich (-) hoch 294 angesehen (1.8) also nich hoch ange/ hoch hoch angesehn aber 295 auch nicht schlecht angesehn (-) also 296 I: hm 297 P: ich finde (-) ähm (-) die_e (.) die vietnamesen haben in 298 deutschland (-) äh einen sehr guten ruf (2.4) und (---) daher 299 auch n guten (-) guten stand (---) 300 I: hm 301 P: also die erste und die zweite generation (1.8) al[so] (.) 301 I: [ja] 303 P: die erste jetzt (.) inzwischen besser (-) durch die (--) durch 304 die bessere sprache und durch die bessere bildung °hh ähm 305 I: die zweite meinst du oder 306 P: ham die natürlich n l/ (-) wie bitte (--) 136 307 I: die zweite meinst du oder (--) 308 P: ja die zweite ja (--) 309 I: [ja ] 310 P: [hat] die zweite auf jeden fall n vorteil und is natürlich 311 dann gesellschaftlich bissien he/ höher angesehn aber (-) auch 312 die erste generation ist ähm (4.3) hat auch n guten stand 313 (3.0) 314 I: okay (--) 315 P: also willst du soll ich jetzt gründe noch dazu oh sorry gründe 316 dazu nennen (---) 317 I: w/ ja wenn du willst (.) gerne 318 P: (1.4) ähm (2.1) ja weil (.) weil (-) vietnamesen sind in 319 deutschland mittlerweile angesehn weil sie (.) wei/ weil sie 320 nett sind (1.5) weil sie ja weil sie als als fleißige (-) 321 arbeitende menschen empfunden werden (--) und ähm (---) weil 322 sie ihre (.) kinder (1.5) in schuln schicken und sie (--) 323 fördern und (-) bilden (2.4) weil weil vietnamesen eigentlich 324 n relativ (.) also das den ruf eines (---) gewalt also eher 325 (-) gewaltfreien (-) volk haben also (.) [die die] nich 326 wirklich 327 I: [hm_hm ] 328 P: °h viel aufmucken stress machen (--) ähm (--) ja (2.3) 329 I: okay (1.4) gibts denn von deiner seite jetzt noch dinge die 330 wir nicht angesprochen haben (-) die du aber gerne noch 331 hinzufügen willst 332 P: (3.3) i/ ja_a (1.1) ich glaub trotzdem auch wenn (-) 333 vietnamesen (---) also (-) auch wenn (1.5) deutsche mit (-) 334 vietnamesischen migrationshintergrund (--) ähm (--) gut 335 eingegliedert sind in der gesellschaft °h find ich trotzdem 336 dass sie dass das noch (.) gruppen gibt vor allem (-) also 337 hauptsächlich in (.) die der ersten generation (-) aber auch 338 (.) die in der zweiten generation (-) gibts das dass es ähm 339 (--) innerhalb immer noch (.) grüppchenbildung gibt dass man 340 trotzdem noch unter sich bleibt auch wenn man gut 341 eingegliedert ist (1.7) 342 I: ja_a 343 P: (-) auch wenn man n gutes ansehn (-) hegt (.) also weißt du 344 als vietnamese (--) 345 I: hm_hm 346 P: (1.1) äh find ich trotzdem (-) ähm (---) dass dass es noch 347 einige gibt die lieber unter sich bleiben (.) unter anderen 348 vietnamesen (---) 349 I: ja (---) 350 P: ja (1.5) 351 I: hm (--) was glaubst du woran das liegt (8.0) 137 352 P: weil die meisten kein bock haben (3.3) also du du du (-) 353 änderst du das noch um oder zitierst du mich wortwörtlich 354 (---) 355 I: ((lacht)) ich transkribier das komplette interview (1.2) 356 P: oh scheiße oke also (--) 357 I: ((lacht 1.7 Sek.)) nein (-) sag einfach red einfach (--) 358 P: ähm (1.5) ja weil weil ich glaube dass die ähm (1.6) also 359 warum das so ist warum man noch (--) unter äh seinesgleichen 360 bleibt ist ähm (-) wenn man sich vielleicht die die sprüche 361 anderer nicht geben will (---) 362 I: hm_hm (--) 363 P: so und dass man (-) ähm (1.5) dass man besser verstanden wird 364 (-) inner[halb einer] homogenen gruppe (-) so 365 I: [hm_hm ] 366 hm_hm (-) 367 P: statt einer gruppe aus (-) die aus (--) mehreren kulturen 368 besteht 369 I: (--) hm_Hm (--) 370 P: weil auch trotz alldem dass (.) dass wir hier vielleicht 371 aufgewachsen sind äh (-) geborn und aufgewachsen sind (--) und 373 ähm (.) deutsche werte haben haben wir (-) durch unsere eltern 374 auch (.) noch viele vietnamesischen werte (1.4) 375 I: ja (--) 376 P: weil (.) unsere eltern noch (-) äh vietnamesisch groß geworden 377 sind (--) 378 I: hm_hm (2.2) 379 P: ja (-) und wir haben dann eben °h (1.1) so ne mischform (-) so 380 einige sind trotzdem noch mehr der vietnamesischen kultur 381 näher und die anderen sind eher (.) mehr der deutschen kultur 382 näher aber °h man trägt noch beides so in sich (--) 383 I: ja (--) 384 P: ja (---) und die die sich der vietnamesischen kultur näher 385 fühlen °h die ham (-) glaub ich auch n (-) n soziales umfeld 386 (--) unter (-) derengleichen (1.8) 387 I: hm (7.0) 388 P: ((lacht)) 389 I: gibts gibts noch irgendwas anderes was du (--) sagen möchtest 390 (1.9) 391 P: puh (2.0) nö 392 [((lautloses lachen 3.4 Sek.))] 393 I: [((lautloses lachen 3.4 Sek.))] <<:-)> oke (--) °h (-) gut dann 394 erstmal danke für das interview auf jeden fall> (---) 395 ((schnalzt)) und (.) ja (---) <<:-)> vielen dank > 144 [43] L: đấy (---) đấy cho len là hm_hm hai cái văn hai cái nên văn hóa của nó khác nhau= t: siehst du (---) siehst du deswegen hm_hm unterscheiden sich die zwei Werte= [44] L: nhưng cái gì hay của mình, mình vẫn phải giữ, con hiểu không? đấy. t: alles was von uns schön ist, müssen wir behalten, verstehst du? siehst du. [45] L: cho lên là mh mà mh mà mh mà mà bó mẹ thì thực (.) thực ra thì (---) t: deswegen mh also mh also mh also also wenn wir (.) also (---) [46] I: hm L: s_s đẻ ở Việt nam sống ở Việt nam nhiều hơn mà. đấy t: s_s wir wurden in Vietnam geboren und lebten dort auch viel länger [47] L: khi GIÀ rồi thì ah khi lớn lên rồi mà đi sang bên này thì tất nhiên tức là có những t: wir sind hier her gekommen als wir schon älter waren das bedeutet [48] I: hm L: cái gì cần giữ, thì vấn phải giữ= t: das was wir behalten können, behalten wir= [49] L: tại vì mình mình tức là mh người Việt nam chu kh/ không thé mh hoàn toàn t: weil wir wir also mh wir sind Vietnamesen des/ deswegen integrieren [50] L: với hội nhập vào t: wir uns nicht ganz 145 [51] I: ja ja L: tức là ((schnalzt)) Heimat ist Heimat. con hiểu không? đấy. nó là như thé t: also ((schnalzt)) Heimat ist Heimat. verstehst du? also. es ist so [52] I: ja L: <<lachend > đấy > QUÊ HƯƠNG vẫn là quê hương. Mình lá người Việt nam, t: <<lachend> siehst du> die Heimat ist immer noch unsere Heimat. wir sind Vietnamesen, [53] I: ja L: mình không thể bỏ cái bản sắc của mình Việt nam được t: wir können nicht einfach unsere vietnamesische Identität wegwerfen [54] L: đấy (-) thé, (--) cho lên là là cái gì tất nhiên là cái gì dở, , t: siehst du (-) also (--) deshalb also wenn uns etwas nicht gefällt, [55] I: m L: mình cũng thé bỏ nhưng mà cái gì hay, mình vẫn phải ru. t: können wir es durchaus weglegen, aber das was schön ist, müssen wir behalten. [56] L: đấy. con hiểu không? đấy (---) con tất nhiên là cuộc sống ở bên Đức này thì (-) t: siehst du. verstehst du? also (---) hier zu Leben (-) [57] I: hm L: người Đức người ta cũng cũng cũng cũng mh cũng tốt. cũng có người tốt, t: die Deutschen sind auch auch auch auch mh auch gute Menschen. es gibt auch gute, [58] L: cũng có người xấu= t: aber auch schlechte Menschen= 146 [59] L: thé mh::: người ta hiểu những người người ta hiểu được (.) cái cái người mh mình t: nicht wahr mh::: die Leute können auch verstehen (.) dass mh wir [60] L: sống ở bên này như nào, thì là người ta rất tốt với mình t: hier leben und wie wir hier leben, also sind sie auch gut zu uns [61] L: mẹ đứng bán hàng mẹ ấy mẹ quoay như: bán hàng với khác hàng là mẹ biet má. t: ich stehe am Imbiss ich sehe wie: ich weiß wie sie mit uns umgehen. [62] L: những người người ta bảo t: die Leute sagen [63] L: (1.5) người Việt nam ah tức là người Ausländer những người người ta cái kem nó t: die Vietnamesen ah also die Ausländer also sie Leute die uns hassen [64] L: ghét nó cho mình là sang bảo là= t: die sagen [65] L: cướp việc làm của chúng nó này, roi thé nó thé kia rồi: sống xã hội nó, t: wir stehlen ihnen die Arbeit dies und das: wir leben auf ihren Kosten, [66] I: ja L: thực ra mình có bám gì xã hội của nó đâu= t: die Sache ist wir leben doch gar nicht auf ihren Kosten= 147 [67] I: ja L: mình làm mh:: mình phải làm việc mình phải ấy chư mình lo cho cuộc sống của t: wir arbeiten mh:: wir müssen arbeiten um unsere Familie zu versorgen [68] L: mình đâu có ăn bám xã hội= t: wir leben nicht auf Kosten anderer= [69] L: thé con những cái người: Đức người người người mh:: người người Đức những các t: aber die Leute: die Leute mh:: die [70] L: cũ má các cũ hiểu = t: die älteren Leute die verstehen= [71] L: những ngoui ta ấy. người ta (-) rất tốt với mình người ta rất hiểu người ta bảo chúng t: die Leute (-) sind gut zu uns sie verstehen und sagen [72] I: ja L: mày làm việc quá nhiều t: wir arbeiten sehr hart [73] L: má uh. đấy chúng ta làm việc cái này chúng ta đó/ cũng đóng góp (-) thuế má, t: also uh. siehst du wir arbeiten wir schließen Verträge ab (-) wir bezahlen steuern, [74] I: ja L: đóng ấy cho xa hoi, không thệ an bam xa hoi duc t: und so weiter, wir leben nicht auf Kosten der Deutschen Gesellschaft 148 [75] L: đấy. TẤT nhiên là cũng có cái trường hợp (.) người ta ăn bám (-) người ta bám t: ALSO natürlich gibt es auch Leute (.) die so leben (-) die auf Kosten anderer leben [76] L: cũng ấy (-) thé nhưng má thường là (-) là là là người nước ngoài mình sang bên này t: auch dings (-) aber normalerweise (-) ist es es es so dass wir hier rüber gekommen sind [77] I: hm ja L: phải làm việc nhiều con hiểu không? đấy t: und arbeiten müssen verstehst du? siehst du [78] I: ja L: con nhin các mh mối người ở đây đấy (-) AI cũng phải đi làm. ấy cung phải ấy t: schau dir die ganzen Leute hier an (-) JEDER muss arbeiten. jeder muss [79] L: đấy thé mả mh_mh (-) hưởng thụ thì lại ấy t: siehst du aber mh_mh (-) [80] L: đấy. tức là Urlaub Urliec thì không như như như người Đức giả sử=một năm thì t: also Urlaub und so ist nicht wie wie wie bei Deutschen zum Beispiel= im Jahr [81] I: hm L: người ta đi mấy lần Urlaub t: machen die Deutschen öfter Urlaub [82] I: hmja L: nhưng má người Việt mình co khi đấy thấy bó mẹ làm mối khi đi Urlaub đâu? đấy t: aber wir Vietnamesen sieh uns seit wann deine Eltern keinen Urlaub mehr gemacht haben? 149 [83] L: cũng phải lăn giả làm chủ (---) t: es muss auch Leute geben die arbeiten (---) [84] L: thé. cho lên là mh (--) má là là (---) tức là còn sức thì vẫn phải còn làm việc (3.0) t: deshalb (--) also (---) wenn man noch Kraft hat muss man auch arbeiten (3.0) [85] I: hm L: ( ) đến hết sức rồi thì thôi ((lacht)) t: ( ) bis man keine Kraft irgendwann mehr hat dann nicht ((lacht)) Zwickauer Forum Interkulturelle Kommunikation und Sprache (ISSN 2700-5968) http://www.fh-zwickau.de/zwiksprache Nr. 1: Sabine Dieng-Weiß (2019): Spanische Fachkräfte in der Krankenpflege in Deutschland: Erfahrungen und Erwartungen. ISBN: 978-3-946409-03-8; DOI: 10.34806/q7yr-7c44 https://d-nb.info/1210446189/34 Resumen en español. Nr. 2: Julia Gelinski (2019): Interkulturelle Erfahrungen deutscher Studierender in spanischen Unternehmen . ISBN: 978-3-946409-01-4; DOI: 10.34806/rfv9-b177 http://d-nb.info/1216496854/34 Resumen en español. Nr. 3: Thomas Johnen (2019): Nominale Anredeformen in Fernsehwahlduellen: ein multilingualer Vergleich . ISBN: 978-3-946409-02-1; DOI: 10.34806/19wq-t276 https://d-nb.info/1210449269/34 Resumo em português. Nr. 4 Bao Trang Ngo (2021): Integration der Vietnamesen in Ostdeutschland: Deutsche und vietnamesische Sichtweisen in qualitativen Interviews. ISBN: 978-3-946409-05-02; DOI: 10.34806/x4gd-gm78 Trừu tượng trong tiếng việt.