Leistungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern: Art, Umfang und Bewertung – Ergebnisse einer Befragung der Mitglieder von GEWISOLA und ÖGA
Abstract
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Full text
Balmann, Alfons et al. Article — Published Version Leistungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern: Art, Umfang und Bewertung – Ergebnisse einer Befragung der Mitglieder von GEWISOLA und ÖGA Berichte über Landwirtschaft Suggested Citation: Balmann, Alfons et al. (2018) : Leistungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern: Art, Umfang und Bewertung – Ergebnisse einer Befragung der Mitglieder von GEWISOLA und ÖGA, Berichte über Landwirtschaft, ISSN 2196-5099, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Berlin, Vol. 96, Iss. 2, https://doi.org/10.12767/buel.v96i2.213 , https://buel.bmel.de/index.php/buel/article/view/213 This Version is available at: https://hdl.handle.net/10419/296266 Standard-Nutzungsbedingungen: Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen. Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte. Terms of use: Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes. You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public. If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Leistungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern: Art, Umfang und Bewertung – Ergebnisse einer Befragung der Mitglieder von GEWISOLA und ÖGA – Alfons Balmann, Tilman Becker, Ernst Berg, Vera Bitsch, Roland Herrmann, Jobst Jungehülsing, Jochen Kantelhardt, Theresia Oedl-Wieser, Peter Weingarten
Autorinnen und Autoren Prof. Dr. Alfons Balmann, Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO), Halle/Saale, bal[email protected] Prof. Dr. Tilman Becker, Universität Hohenheim, tilman.b[email protected] Prof. Dr. Ernst Berg, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, [email protected] Prof. Dr. Vera Bitsch, Technische Universität München, bitsc[email protected] Prof. Dr. Roland Herrmann, Justus-Liebig-Universität Gießen, roland.[email protected] Jobst Jungehülsing, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Berlin, jobst.jungehuelsi[email protected] Prof. Dr. Jochen Kantelhardt, Universität für Bodenkultur (BOKU), Wien, jochen.kantelha[email protected]; Dr. Theresia Oedl-Wieser, Bundesanstalt für Bergbauernfragen, Wien, [email protected] Prof. Dr. Peter Weingarten, Thünen-Institut für Ländliche Räume, Braunschweig, pete[email protected] Die Autorinnen und Autoren danken Jan Heuer (Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, Braunschweig) für die Umsetzung des Fragebogens in LimeSurvey und die technische Durchführung der Online-Befragung, Franz Friedel (Technische Universität München), Karen Heinze (Universität Hohenheim) und Helena Hirschmann (Universität Gießen) für Unterstützung bei der Auswertung der Daten, Anja Herkner und Dirk Heitmann (Thünen-Institut für Ländliche Räume) für das Layouten bzw. technische Unterstützung sowie Julia Schünzel (Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien) für abschließende Korrekturen.
Zusammenfassung i Zusammenfassung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden ebenso wie Arbeitsgruppen und wissenschaftliche Einrichtungen bei zahlreichen und sehr unterschiedlichen Anlässen bewertet. Aber wie lassen sich die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erbrachten Leistungen umfassend und angemessen bewerten? Diese Frage stellt sich nicht zuletzt deswegen, weil sich etwa deren Aufgabenstellungen in Abhängigkeit von den sie beschäftigenden Institutionen unterscheiden. Zudem unterscheiden sich die besonderen Neigungen und Fähigkeiten der einzelnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Insofern sollte jede Leistungsbewertung so angelegt werden, dass die Leistungen in den verschiedenen Aufgabenbereichen wie etwa Forschung, Lehre, Wissenstransfer und akademischer Selbstverwaltung, einschließlich wissenschaftsinterner Dienstleistungen, transparent und vergleichbar beurteilt werden können. Da bei vielen Mitgliedern der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues (GEWISOLA) und der Österreichischen Gesellschaft für Agrarökonomie (ÖGA) der Eindruck bestand, dass sich bisherige Leistungsbewertungen vor allem und einseitig auf Indikatoren der Forschungsleistung stützen, wie etwa Publikationen in anerkannten begutachteten Zeitschriften und eingeworbene Drittmittel, wurde eine gemeinsame Arbeitsgruppe beider Gesellschaften eingesetzt, die Stand und Probleme der Leistungsbewertung in der eigenen Disziplin analysieren sollte. In diesem Rahmen wurde im Jahr 2016 eine Mitgliederbefragung durchgeführt. Teilaspekte der Befragung waren der Zeitaufwand zur Erbringung der Leistungen in Lehre, Forschung, Wissenstransfer und akademischer Selbstverwaltung, einschließlich wissenschaftsinterner Dienstleistungen, sowie die eigenen subjektiven Einstellungen zur Relevanz der Leistungen in den einzelnen Aufgabenbereichen. Ferner wurde erfragt, wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Bewertung der Leistungen innerhalb des Wissenschaftssystems und durch die Gesellschaft wahrnehmen. Ergänzend wurden Fragen zur eigenen Situation und Zufriedenheit sowie zu bestehenden ethischen Positionen bei der Dokumentation von Leistungen. Die Ergebnisse zur Zeitverwendung zeigen, dass wissenschaftliche Tätigkeiten den befragten Personen sehr viel abverlangen. Dies betrifft sowohl den Arbeitsumfang als auch die Vielfalt der Arbeitsaufgaben. So zeigt sich im Vergleich mit ähnlich gelagerten internationalen Studien, dass Professorinnen und Professoren an deutschsprachigen Universitäten deutlich länger arbeiten. Allerdings finden sich neben absoluten Unterschieden bei der Zeitverwendung auch relative Unterschiede. Insbesondere der Aufwand für Transferleistungen scheint auch anderen Studien zufolge in Deutschland weit überdurchschnittlich zu sein. Ausgehend von der hohen Belastung lässt sich schlussfolgern, dass verbesserte Systeme der Leistungsbewertung vielleicht weniger darauf ausgerichtet sein sollten, weitere Anreize zu höheren Leistungen durch zusätzliche Arbeitszeit aufzubauen als darauf, dass Leistungen zielgerichteter und effektiver erbracht werden können. Hinsichtlich der gewünschten Würdigung der eigenen Leistungen in den einzelnen Aufgabenbereichen finden sich bei den befragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weitgehend analoge Gewichtungen zu der tatsächlichen Arbeitszeitallokation. Dieses Ergebnis kann dahingehend interpretiert werden, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gewürdigt haben möchten,
ii Zusammenfassung wie sie ihre Zeit verwenden. Konkret und im Durchschnitt möchten die Befragten ihre Forschungsleistungen mit etwa 38 Prozent gewichtet sehen, Lehrleistungen mit 27 Prozent, Leistungen für die Wissenschaftsgemeinschaft mit 16 Prozent, Transferleistungen mit 12 Prozent sowie die eigene Weiterqualifikation mit 6 Prozent. Auffallend ist, dass die gewünschten Leistungsgewichtungen, ebenso wie die tatsächlichen Arbeitszeitanteile, für die Bereiche Forschung, Lehre und Transfer zugleich eine Kompromisslösung hinsichtlich der subjektiven Wahrnehmung darstellen, wie Leistungen durch Wissenschaftsgemeinschaft und Gesellschaft erwartet werden. So scheinen innerhalb der Wissenschaftsgemeinschaft erhebliche Anreize und Zwänge in Richtung einer einseitigen Orientierung zugunsten von Forschungsleistungen zu bestehen, während zugleich von den Befragten empfunden wird, dass die Gesellschaft besonderen Wert auf Transferleistungen legt. Die offensichtlich erhebliche Diskrepanz zwischen der gewünschten und gefühlten Gewichtung der Leistungsbereiche innerhalb der Wissenschaftsgemeinschaft ist dabei insofern bemerkenswert, weil es ja zumeist die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selber sind, die Bewertungen anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vornehmen. Ein Grund für diese Diskrepanz mag in der leichteren und direkteren Messbarkeit von quantitativ erfassbaren Forschungsleistungen liegen. Die Einstellungen zur Rolle der Wissenschaft wie auch zu ihren Aufgaben zeigen, dass die befragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, neben Forschungsaufgaben und der Ausbildung der Studierenden, dem Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis und Aufgaben für die wissenschaftliche Gemeinschaft hohe Bedeutung beimessen. Dabei gehen die Teilnehmenden davon aus, dass sowohl wissenschaftliche Arbeit vom Austausch mit der Praxis profitiert als auch die Praxis vom Austausch mit der Wissenschaft. Will man folglich das Engagement im Wissenstransfer fördern und die Wertschätzung der erbrachten Leistungen würdigen, lässt sich schlussfolgern, dass angemessene Messkonzepte zu erarbeiten sind. Weitgehende Einigkeit herrscht unter den Befragten auch im Hinblick darauf, dass Leistungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft nicht genügend gewürdigt werden und die aktuellen Ansätze zur Leistungsbewertung die intrinsische Motivation beeinträchtigen können. Im Hinblick auf die Leistungsbeurteilung werden der Druck zu publizieren und Drittmittel einzuwerben sowie zunehmende Bürokratie und der damit verbundene Zeitaufwand von vielen Befragten kritisch eingeschätzt. Problematisiert wird zugleich die Fokussierung auf schnell vorzeigbare Ergebnisse. Wissenschaftlerinnen sehen die derzeit gebräuchlichen Formen der Leistungsbewertung diesbezüglich noch kritischer als Wissenschaftler. In der Summe kann festgehalten werden, dass die Wahrnehmung ihrer Aufgaben durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und die gefühlte Leistungsbeurteilung, insbesondere durch die Wissenschaftsgemeinschaft, derzeit nicht übereinstimmen. Es besteht folglich ein Bedarf zur Verbesserung von Verfahren der wissenschaftlichen Leistungsbewertung, um der gesellschaftlichen Rolle und Bedeutung der wissenschaftlichen Arbeit vollständig Rechnung zu tragen und ebenso, um mögliche Zielkonflikte zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation aufzulösen.
Zusammenfassung iii Insgesamt sind die teilnehmenden GEWISOLA- und ÖGA-Mitglieder sowohl mit ihrem Beruf als auch mit ihrem Leben außerordentlich zufrieden. Im Durchschnitt aller Beteiligten ist die Lebenszufriedenheit allerdings höher als die Berufszufriedenheit. Bei den Befragungsteilnehmerinnen liegt sowohl die Berufszufriedenheit als auch die Lebenszufriedenheit niedriger als bei den -teilnehmern. Eine wesentliche Erklärung für diese Diskrepanz zwischen den Geschlechtern dürfte darin zu suchen sein, dass insbesondere unter den Wissenschaftlerinnen ein sehr hoher Anteil nur befristet beschäftigt ist. Gerade die Berufszufriedenheit von befristet Tätigen ist nämlich, unabhängig vom Geschlecht, deutlich geringer als diejenige von unbefristet Beschäftigten. Die Berufszufriedenheit ist vor allem bei denjenigen auffällig gering, die sich habilitieren oder eine Postdoc- oder Senior-Researcher-Position innehaben. Daraus lässt sich für GEWISOLA und ÖGA die Empfehlung ableiten, sich stärker als bisher der Situation und den Perspektiven dieser Gruppe zu widmen. Bei den ethischen Grundpositionen zeigten sich einerseits große Gemeinsamkeiten zwischen den Befragten, andererseits aber auch Unterschiede in wichtigen Einzelfragen, die eine weiterführende Diskussion in den beiden Gesellschaften notwendig erscheinen lassen. Die Positionen der GEWISOLA- und ÖGA-Mitglieder zur Einführung eines Ethikkodexes zeigen keine klare Mehrheitsposition. Daher wird beiden Fachgesellschaften empfohlen, diese Frage in den kommenden Jahren weiter zu diskutieren und über die Einführung eines Ethikkodexes zu entscheiden, zumal die Mitglieder von GEWISOLA und ÖGA großen Konsens bei wichtigen Grundsatzpositionen zeigen. Dieser Konsens betrifft nicht nur Grundeinstellungen der Mitglieder zum Inhalt und zur Aufgabe wissenschaftlicher Arbeit, wie z. B. zur Bedeutung von Politikberatung und der Verbindung von Wissenschaft und Praxis, sondern auch ethische Grundpositionen bei der Durchführung von Forschungsarbeiten und wissenschaftlicher Politikberatung. Dieser Grundkonsens könnte den Kern eines Ethikkodexes darstellen. Ein Ethikkodex könnte einen Beitrag zur Überwindung der offensichtlich uneinheitlichen Handhabung der Autorenschaft bei Gemeinschaftspublikationen in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues bzw. der Agrarökonomik leisten. Es gibt derzeit keine feste Regel und keine Verhaltensweise, die alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als verbindlich ansehen. Dies führt zu erheblichen und zunehmenden Problemen bei der Bewertung und insbesondere beim Vergleich wissenschaftlicher Leistungen. Sehr breiten Konsens erfährt zwar das Position, dass eine Mitautorenschaft nur bei einem „wesentlichen“ Beitrag berechtigt ist und der (die) Autor(in) mit dem wesentlichsten Beitrag Erstautor(in) sein sollte. Heterogener sind allerdings die Einstellungen zur Reihenfolge der Autorenschaft. Zwar lehnen über 60 Prozent der Befragten eine Autorenschaft in alphabetischer Reihenfolge oder eine pauschale Auflistung des (der) Instituts- oder Arbeitsgruppenleiters(in) als Letztautor ab, jedoch werden solche Regelungen von 19 Prozent bzw. 21 Prozent der Befragten befürwortet. Bei wachsender Bedeutung von Gemeinschaftspublikationen sind daher Probleme vorprogrammiert. Aus Sicht der AG Leistungsbewertung erscheint es wünschenswert, die Diskussion dieser Fragen zu vertiefen. So könnte darauf hingewirkt werden, dass eine
iv Zusammenfassung einheitliche Praxis bei der Handhabung der Autorenreihenfolge (und möglicherweise der Autorenschaft) etabliert wird. Alternativ könnten für Leistungsbewertungen Transparenzvorgaben entwickelt werden. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Tätigkeit als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler im Bereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus bzw. der Agrarökonomie in Deutschland wie auch Österreich herausfordernd hinsichtlich der Aufgabenbreite wie auch der Arbeitsbelastung ist. Trotz der insgesamt hohen Berufs- und Lebenszufriedenheit sollte eine weitere Diskussion erfolgen, ob und wie einerseits die Situation von promovierten, befristet Beschäftigten und damit insbesondere vieler Wissenschaftlerinnen verbessert werden kann. Mit Blick auf die Aufgabenbreite ist hervorzuheben, dass neben Forschung und Lehre insgesamt ein erhebliches Engagement bei Leistungen für die Wissenschaftsgemeinschaft sowie auch bei Transferfunktionen für die Praxis besteht. Aus dieser Erkenntnis heraus sollten verbesserte Bewertungssysteme entwickelt werden, die die erbrachten Leistungen in den verschiedenen Leistungsbereichen transparent machen. Aufgrund der empfundenen einseitigen Fokussierung auf Forschungsleistungen sollten Auftraggeber von Leistungsbewertungen klare Vorgaben über die jeweiligen Zielsetzungen formulieren, die alle relevanten Leistungsbereiche explizit machen. Dies würde einen Bewertungsrahmen schaffen, der den Bewertenden eine den Anforderungen entsprechende Bewertung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erlauben würde. Allerdings verdeutlicht die GEWISOLA-ÖGA-Befragung auch, dass Bewertungssysteme mit unerwünschten Nebeneffekten verbunden sind. Diesbezüglich ist zum einen der erforderliche Aufwand zur Leistungserfassung und Dokumentation zu nennen. Des Weiteren ist die Handhabung unterschiedlicher ethischer Positionen zur Leistungsdokumentation nicht geklärt. Nicht zuletzt besteht das Problem unerwünschter Anreize wie etwa zu kurzfristige Orientierungen, die Fokussierung auf sichtbare Leistungen und die Untergrabung der intrinsischen Motivation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.
Inhaltsverzeichnis Zusammenfassung i Abbildungsverzeichnis III Tabellenverzeichnis IIV Abkürzungsverzeichnis VIII 1 Einleitung 2 Vorgehen und Methodik 5 2.1 Datenerhebung 5 2.1.1 Auswahl der Befragten 5 2.1.2 Auswahl der Leistungsbereiche und Fragen 5 2.1.3 Fragebogen 7 2.1.4 Ablauf der Onlinebefragung 8 2.2 Datenaufbereitung 9 3 Ergebnisse 10 3.1 Persönliche Charakteristika der Befragten 10 3.2 Zeitverwendung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 12 3.2.1 Zeitverwendung in der Woche 16 3.2.2 Vergleiche mit anderen Untersuchungen 20 3.2.3 Lehrverpflichtung 26 3.2.4 Reisetätigkeit 27 3.2.5 Vergleich C- und W-Professur in Deutschland: Zeitverwendung in der Woche 28 3.3 Erwünschte und erwartete Bewertung der eigenen Leistungen 34 3.4 Einstellungen zur Rolle der Wissenschaft, Aufgaben von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie deren Bewertung 41 3.4.1 Selbstverständnis von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern 43 3.4.2 Rolle in der Gesellschaft und Aufgaben für die wissenschaftliche Gemeinschaft 44 3.4.3 Leistungsbewertung 45 3.4.4 Unterschiede zwischen Frauen und Männern 46 3.4.5 Unterschiede zwischen leitenden und nicht leitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern 48 3.4.6 Unterschiede zwischen Altersgruppen 50 3.5 Berufs- und Lebenszufriedenheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern 52 3.5.1 Unterschiede zwischen Männern und Frauen 56 3.5.2 Einfluss von Anstellungsbefristung, Institution und beruflicher Stellung 57 3.6 Ethische Grundpositionen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 61 3.6.1 Ethikkodex 62
II Inhaltsverzeichnis 3.6.2 Statements zur Durchführung von Forschungsarbeiten und wissenschaftlicher Politikberatung 64 3.6.3 Koautorenschaft bei Gemeinschaftspublikationen 66 3.7 Zusätzliche Anmerkungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in offenen Fragen 70 3.7.1 In der Befragung vernachlässigte Aufgabenbereiche 70 3.7.2 Verbleib in der Forschung 71 3.7.3 Anregungen und Hinweise für die AG Leistungsbewertung 72 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 73 Literaturverzeichnis 85 Anhangsverzeichnis 87 Anhang 1: Mail „Einladung zur GEWISOLA-ÖGA-Mitgliederbefragung“ 89 Anhang 2: Erinnerungsmail 1 und 2 – „Erinnerung an die Teilnahme an einer Umfrage“ 91 Anhang 3: Mail „Bestätigung für die Teilnahme an unserer Umfrage“ 93 Anhang 4: Online-Fragebogen 95 Anhang 5: Ausführliche Ergebnisse der GEWISOLA-ÖGA-Befragung – Zeitverwendung 115 Anhang 6: Ausführliche Ergebnisse der GEWISOLA-ÖGA-Befragung – ethische Grundpositionen in der Wissenschaft 125 Anhang 6.1: Deskriptive Statistik zu den Statements zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft 127 Anhang 6.2: Deskriptive Statistik zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft: Differenzierung nach Positiona) 131 Anhang 6.3: Deskriptive Statistik zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft: Differenzierung nach Altersgruppen a) 134 Anhang 6.4: Deskriptive Statistik zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft: Differenzierung nach Geschlechta) 138 Anhang 6.5: Deskriptive Statistik zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft: Differenzierung nach Herkunftslanda) 142 Anhang 6.6: Deskriptive Statistik zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft: Differenzierung nach beruflichem Status der deutschen Befragtena) 145
Kapitel 1 Einleitung 1 1 Einleitung Die Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues e.V. (GEWISOLA) und die Österreichische Gesellschaft für Agrarökonomie (ÖGA) haben, nach dem GEWISOLA-ÖGA- Publikationsranking (Dabbert et al., 2009; Herrmann et al., 2011), eine zweite gemeinsame Initiative ergriffen. Im Rahmen einer Mitgliederbefragung der beiden Gesellschaften sollte die Bedeutung unterschiedlicher Leistungsbereiche in der Wissenschaft ermittelt werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten ihre Zeitnutzung dokumentieren und ihre Einschätzungen zur Wichtigkeit unterschiedlicher Leistungsbereiche aus eigener Sicht sowie auch der erfahrenen Wahrnehmung durch Dritte mitteilen. Außerdem sollten die Einstellungen der Mitglieder beider Gesellschaften zu ethischen Grundpositionen erfasst werden. Hintergrund dieses Vorhabens war, dass die Bewertung der Leistungen von Personen und von Einrichtungen in der Wissenschaft stark an Bedeutung zugenommen hat. Bislang stehen dabei aber zwei quantitative Indikatoren im Vordergrund: a) die Anzahl der Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften mit hohem Impact-Faktor und b) der Umfang der im Wettbewerb eingeworbenen Drittmittel. Andere Leistungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Lehre und Ausbildung, für die wissenschaftliche Gemeinschaft und für den Wissens- und Technologietransfer scheinen kaum erfasst und gewürdigt zu werden. Auf dieser eingeschränkten Grundlage kann sich nur ein sehr unvollkommenes Bild von den Leistungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ergeben. Die Nichterfassung wichtiger Leistungsbereiche kann für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues und deren Weiterentwicklung insofern besonders bedeutsam sein, weil eine lange Tradition von wissenschaftlicher Politikberatung besteht und zudem der Wissenstransfer durch enge Kooperationen zwischen Wissenschaft und Praxis traditionell vergleichsweise hoch ist. Die Gesellschaften haben deshalb entschieden, eine Befragung der Mitglieder von GEWISOLA und ÖGA durchzuführen, um einen umfassenden Eindruck von der Bedeutung der einzelnen Leistungsbereiche für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Agrarökonomie zu erhalten. Diese Bedeutung soll zunächst indirekt erschlossen werden, indem einerseits die tatsächliche Zeitnutzung der Befragten für die einzelnen Leistungsbereiche erhoben wird. Andererseits soll die von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zugemessene und wahrgenommene Bedeutung der Leistungsbereiche erfragt werden. Konkret werden Einschätzungen erhoben, wie die Leistungsbereiche aus gesellschaftlicher Sicht, aus der Sicht der Wissenschaftsgemeinschaft und der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst bewertet werden und wo die Befragten Unterschiede in der eigenen und wahrgenommenen Wertschätzung der Leistungsbereiche sehen. Die Zunahme von Leistungsbewertungen und eine veränderte Gewichtung einzelner Leistungsbereiche in Evaluationen beeinflussen Zeitnutzung und Engagement der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Veränderungen in den Leistungskriterien dürften auch die Wahrnehmung wissenschaftlicher Leistungsbereiche in der Öffentlichkeit, in Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen sowie durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst beeinflussen. Es kann sogar vermutet werden, dass eine stärkere Ausrichtung an kurzfristigen Publikationserfolgen wissenschaftliches Fehlverhalten (Necker, 2012) fördern könnte. Die Einstellungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft erscheinen deshalb auch von großem
2 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Interesse. Hierzu liegen bislang keine Erkenntnisse für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues1 vor. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich die Befragung vor allem auf drei Themenbereiche: Welchen Anteil der Arbeitszeit nehmen die verschiedenen Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Agrarökonomie in Anspruch? Welche Bedeutung wird diesen Leistungsbereichen beigemessen? Welche ethischen Ansprüche stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an ihre Arbeit? Mit dieser Themenstellung betreten wir weitgehend Neuland. Uns ist aus der Agrarökonomie und aus anderen Wissenschaftsdisziplinen keine Expertenbefragung mit dieser umfassenden Zielstellung bekannt. Zu Teilbereichen der Fragestellung gibt es aber durchaus Forschungsarbeiten aus anderen Disziplinen oder im Querschnitt verschiedener Disziplinen. Es werden auch einzelne Untersuchungen parallel durchgeführt, die sich in bestimmten Fragestellungen mit unserer Untersuchung überschneiden. In der großen, internationalen Vergleichsstudie „The Changing Academic Profession (CAP)“ wurden Befragungen von Hochschullehrern in 18 Ländern durchgeführt, um den Einfluss zunehmender Internationalisierung, des Hochschulmanagements und veränderter Erwartungen an das wissenschaftliche Arbeiten an Hochschulen abzuleiten. Zu den Ergebnissen dieses Vorhabens liegen detaillierte Veröffentlichungen zur Situation in einzelnen Ländern und zum internationalen Vergleich vor (vgl. Jacob und Teichler, 2011). Wie in der vorliegenden Befragung wurden im Fragebogen der CAP-Studie Zeitverwendungsmuster abgefragt, und es wurden Statements zur Zeitverwendung und zur Arbeitszufriedenheit der befragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vorgelegt. Nahezu zeitgleich zu unserer Untersuchung wurden zwei weitere Befragungsstudien bei Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern durchgeführt, die auf die Lehr- und Forschungsbedingungen abheben. In der Untersuchung ProfQuest des Bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung und Hochschulplanung (IHF) wurden knapp 2.200 Professorinnen und Professoren in Bayern über ihre aktuelle Arbeitssituation und Arbeitszufriedenheit befragt. Damit sollten die Forschungs- und Lehrbedingungen erfasst und Verbesserungsmöglichkeiten in der Gestaltung der Arbeitsbedingungen ermittelt werden (IHF, 2016). In der Professorinnen- und Professorenbefragung der ZEIT sollte deren Arbeitszeit und die Nutzung der Arbeitszeit für verschiedene Aufgabenbereiche erhoben werden (Die ZEIT, 2016). Auch aus der Volkswirtschaftslehre gibt es eine Reihe von relevanten Vorarbeiten, nicht zuletzt auf der Grundlage von Ökonomenbefragungen und anderen empirischen Erhebungen. Zum Leistungsbereich Publikation von Forschungsergebnissen liegen Arbeiten zum Journalranking im Hinblick auf Methoden und Messung vor (Ritzberger, 2008; Schneider und Ursprung, 2008). Die Rolle der Poli- 1 Um die Lesbarkeit zu verbessern, wird im Folgenden verkürzt der Begriff Agrarökonomie verwendet.
Kapitel 1 Einleitung 3 tikberatung und der Spitzenforschung sowie das Verhältnis der beiden Leistungsbereiche untereinander wurden von Haucap und Mödl (2013) untersucht. Große Ökonomenbefragungen, z. B. die aus dem Jahr 2015 (Fricke, 2015), behandeln oft schwerpunktmäßig die Frage, inwieweit bei inhaltlichen Positionen von Ökonomen zu zentralen wirtschaftspolitischen Themen ein Konsens vorliegt, aber sie enthielten auch Fragen zum wissenschaftlichen Selbstverständnis und der Bedeutung der verschiedenen Leistungsbereiche. Der Verein für Socialpolitik hat eine Umfrage unter seinen Mitgliedern durchgeführt und auf dieser Grundlage einen Ethikkodex verabschiedet (Verein für Socialpolitik, 2012). Dort werden Richtlinien für Transparenz, Objektivität, Unabhängigkeit und Fairness in der Arbeit der Mitglieder ausgegeben, die an anderer Stelle ausführlich begründet sind (Burda und Kirchgässner, 2015). Einzelne Richtlinien des Ethikkodexes beziehen sich darauf, wissenschaftliches Fehlverhalten zu vermeiden. Mitglieder des Vereins für Socialpolitik sollen nach „herrschenden Normen“ bei wissenschaftlichen Arbeiten und nach „professionellen Standards“ bei wirtschaftspolitischer Beratung vorgehen (Punkte II.2 und II.4 des Ethikkodexes). Im Herbst 2010 wurde eine weitere Onlineuntersuchung unter Mitgliedern des Vereins für Socialpolitik durchgeführt, um im Detail festzustellen, was unter wissenschaftlichem Fehlverhalten verstanden wird und inwieweit es im eigenen Forschungsumfeld beobachtet wurde (Necker, 2012 und 2014). Zusätzlich wurden im Jahr 2015 vom Verein für Socialpolitik Leitlinien zu Standards der Evaluation wirtschaftspolitischer Maßnahmen festgesetzt (Verein für Socialpolitik, 2015). In der folgenden Analyse werden an verschiedenen Stellen Ergebnisse unserer Befragung mit den genannten Studien aus anderen Disziplinen verglichen, soweit uns dies sinnvoll erschien. Auch in der Agrarökonomie wurden zu verwandten Themen Vorarbeiten geleistet, so vor allem zur Messung der Forschungsleistung im GEWISOLA-ÖGA-Publikationsranking (Dabbert et al., 2009; Herrmann et al., 2011) sowie in der internationalen Forschung (Rigby et al., 2015). Allerdings werden weitere Leistungsbereiche der Agrarökonomie immer wieder hervorgehoben, und Caswell (2013) argumentierte für eine Zertifizierung der Qualität von Forschung, Lehre, Wirtschafts- und Politikberatung. Der Bericht ist wie folgt organisiert. In Kapitel 2 werden zunächst das Vorgehen und die Methodik der Befragungsstudie beschrieben. Die Datenerhebung in der Befragung wird im Detail dargelegt, die Bereinigung der Befragungsdaten wird erörtert und die Verwendung der statistischen Konzepte bei der Datenauswertung vorgestellt. In Kapitel 3 werden die Befragungsergebnisse präsentiert. Dazu werden zunächst die Befragten hinsichtlich ihrer persönlichen Charakteristika dargestellt. Es folgen die Ergebnisse zur Zeitnutzung, zu den Einstellungen, zur Arbeits- und Lebenszufriedenheit sowie zu ethischen Grundpositionen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Offene Antworten der Befragten werden im Überblick skizziert. Die Ergebnisse werden in Kapitel 4 zusammengefasst und vor dem Hintergrund bestehender Kenntnisse aus anderen Studien und der theoretischen Erwartungen diskutiert. Implikationen für die agrarökonomische Wissenschaftsgemeinschaft und für die zukünftige Forschung werden herausgearbeitet.
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 5 2 Vorgehen und Methodik 2.1 Datenerhebung 2.1.1 Auswahl der Befragten Die Untersuchung erstreckt sich auf die Länder Deutschland und Österreich. Ausgangspunkt der Liste zu kontaktierender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler waren daher die Mitgliederverzeichnisse der GEWISOLA und der ÖGA. Zur Teilnahme an der Befragung wurden alle Mitglieder dieser beiden wissenschaftlichen Fachgesellschaften eingeladen, von denen den Geschäftsstellen von GEWISOLA und ÖGA die E-Mail-Adressen vorlagen. Dies waren 440, darunter 338 GEWISOLA- Mitglieder (von insgesamt 411 Mitgliedern) und 102 ÖGA-Mitglieder. Sechs eingeladene Personen gehören beiden Fachgesellschaften an. Nicht alle Mitglieder der Gesellschaften sind wissenschaftlich aktiv. Genaue Angaben hierüber liegen nicht vor. 2.1.2 Auswahl der Leistungsbereiche und Fragen Orientiert man sich an gängigen Definitionen von Wissenschaft, z. B. der des BROCKHAUS2, so umfasst der Begriff nicht nur die methodisch-systematische Erkenntnisarbeit in Forschung und Lehre, durch welche gesichertes Wissen über die Welt gebildet und weitergegeben wird, sondern auch den bestehenden organisatorisch-institutionellen Rahmen, innerhalb dessen sich diese Arbeit vollzieht. Da letzterer maßgeblich durch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst geprägt wird, gehört neben Forschung und Lehre auch die Übernahme von Aufgaben für die wissenschaftliche Gemeinschaft zu deren elementaren Tätigkeitsfeldern. Ferner betont die Definition, dass nicht nur die Erweiterung des Wissens über die Welt Ziel der Wissenschaft ist, sondern auch die Bereitstellung von Mitteln zur vorausschauenden Planung und gezielten Veränderung der Wirklichkeit zu ihren Aufgaben gehört. Damit erweitert sich das Aufgabenspektrum von der Schaffung neuen Wissens durch Forschung und dessen Weitergabe innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft über die Lehre auf den Transfer von Wissen und Techniken in die Gesellschaft. Davon ausgehend definieren wir als relevante Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern: 2 „Der Inbegriff des durch Forschung, Lehre und überlieferter Literatur gebildeten, geordneten und begründeten, für gesichert erachteten Wissens einer Zeit; auch die für seinen Erwerb typische methodisch-systematische Forschungs-und Erkenntnisarbeit sowie ihr organisatorisch-institutioneller Rahmen. Hauptziel der W. ist die rationale, nachvollziehbare Erkenntnis der Zusammenhänge, Abläufe, Ursachen und Gesetzmäßigkeiten der natürlichen wie der historischen und kulturell geschaffenen Wirklichkeit; neben der Erweiterung des Wissens über die Welt liefern vor allem Naturwissenschaft und Technik die Mittel zur vorausschauenden Planung und gezielter Veränderung der Wirklichkeit. …“ (BROCKHAUS, 1988, Bd. 20, S. 120).
6 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (1) Forschung, (2) Lehre und Ausbildung, (3) Leistungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft, (4) Wissens- und Technologietransfer, (5) eigene Weiterbildung. Für die Ausgestaltung des Fragebogens werden diese Leistungsbereiche weiter differenziert, um aussagekräftige Informationen insbesondere zur Zeitallokation zu erhalten. Tabelle 2.1 verdeutlicht die vorgenommene Unterteilung. Tabelle 2.1: Differenzierung der Leistungsbereiche Forschung Lehre und Ausbildung Leistungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft Wissens- und Technologietransfer - Forschungsanbahnung - inhaltliche Forschung - Schreiben wissenschaftlicher Publikationen - Vorbereiten/Halten wissenschaftlicher Vorträge - Berichterstattung (Zwischen- /Endberichte) - Lehre für Studierende - Halten von Doktorandenseminaren und -lehr- veranstaltungen - Beratung von Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - in der eigenen Einrichtung, z.B. internes Management (Institut, Lehrstuhl etc.), Ämter- und Gremienarbeit - außerhalb der eigenen Einrichtung, z.B. Beiräte anderer wiss. Einrichtungen, Gremien von Wissenschafts-or- ganisationen (DFG, Wissenschaftsrat, wiss. Gesellschaften), Editorial Boards wiss. Journale, Tätigkeit als Reviewer - Publikationen in Fachzeitschriften und Zeitungen - Vorträge, Weiterbildungs- und Lehrtätigkeit vor primär nicht wissenschaftlichem Publikum - Wirtschaftsberatung, Gutachtertätigkeit, Politikberatung - Beratungstätigkeit in Beiräten/Ausschüssen von nationalen und internationalen Organisationen und Verbänden - Organisation von Veranstaltungen zum Wissenstransfer Quelle: Eigene Zusammenstellung. Der Bereich Forschung umfasst dabei alle Aktivitäten von der Forschungsanbahnung (Ideenfindung, Konzeptentwicklung, Antragstellung) über die inhaltliche Forschung bis zur Kommunikation der Ergebnisse. Bei letzterer wird zwischen der Abfassung wissenschaftlicher Publikationen, Vorträgen auf wissenschaftlichen Veranstaltungen sowie der Berichterstattung, die von den Forschungsträgern üblicherweise gefordert wird, unterschieden.
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 7 Die Lehre umfasst die Vorbereitung und Durchführung von Lehrveranstaltungen einschließlich eventuell anfallender Prüfungen. Dabei wird unterschieden zwischen Lehrveranstaltungen (Vorlesungen, Seminare, Übungen) für Studierende und solchen, die sich an Doktoranden richten (Doktorandenseminare, Kurse in Graduiertenschulen, etc.). In der dritten Kategorie werden die außerhalb formaler Lehrveranstaltungen stattfindenden Beratungs- und Betreuungsaktivitäten erfasst. Bei den Leistungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft unterscheiden wir zwischen Aufgaben, die in der eigenen Einrichtung (Hochschule, Fakultät, Institut, Lehrstuhl, außeruniversitäre Forschungseinrichtung) übernommen werden (Administration und Management, Ämter- und Gremienarbeit etc.) und solchen außerhalb derselben. Zu letzteren rechnen z.B. Tätigkeiten in Beiräten anderer wissenschaftlicher Einrichtungen, in Gremien von Wissenschaftsorganisationen (DFG, Wissenschaftsrat, wissenschaftliche Gesellschaften) sowie als Gutachter oder als Mitglied in Herausgebergremien wissenschaftlicher Zeitschriften. Zum Bereich Wissens- und Technologietransfer zählen zunächst Publikationen in Fachzeitschriften (DLG-Mitteilungen, top agrar, Ländlicher Raum etc.) und Zeitungen. Die zweite Kategorie bezieht sich auf Vorträge sowie Weiterbildungs- und Lehrtätigkeit vor primär nichtwissenschaftlichem Publikum. An dritter Stelle kommen Beratungsaktivitäten (Wirtschaftsberatung, Politikberatung) sowie Gutachtertätigkeiten. Eine weitere Kategorie umfasst die Mitarbeit in Beiräten bzw. Ausschüssen von nationalen und internationalen Organisationen und Verbänden außerhalb der Wissenschaft. Der letzte Punkt bezieht sich auf die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen (Vortragstagungen, Seminare, Workshops, etc.) zum Wissenstransfer. Für den Fall, dass mit diesen Kategorien nicht alle Aktivitäten zum Wissens- und Technologietransfer erfasst sind, können weitere in einem freien Feld des Fragebogens vermerkt werden. 2.1.3 Fragebogen Der in der Online-Befragung benutzte Fragebogen ist in Anhang 4 wiedergegeben. Er beginnt im Teil A mit Angaben zur Person (Alter, Geschlecht, Beschäftigungsland, berufliche Stellung, Arbeitsvertragsverhältnis, Arbeitgeber, akademischer Abschluss). Für diejenigen, die in diesem Abschnitt angeben, dass sie aktiv wissenschaftlich tätig sind, folgt der Fragenblock zur Zeitverwendung für die verschiedenen Leistungsbereiche (Teil B) gemäß der in Tabelle 2.1 wiedergegebenen Differenzierung. Gefragt wird dabei nach dem in den letzten beiden Semestern im Durchschnitt pro Woche für die verschiedenen Tätigkeiten aufgewandten Stundenumfang, wobei zwischen Vorlesungszeit und vorlesungsfreier Zeit unterschieden wird. Als Ergänzung zur Zeitverwendung werden darüber hinaus Angaben zum Umfang der Lehrverpflichtung und der tatsächlich geleisteten Lehre (Teil C) und zum Zeitumfang für Dienstreisen (Teil D) erfragt. Der nachfolgende Fragenblock (Teil E) bezieht sich auf die Gewichtung der Leistungsbereiche in aggregierter Form (s. obige Aufzählung), ergänzt um den Bereich „eigene Weiterbildung“. Dabei werden drei Sichtweisen unterschieden: die eigene, die der Wissenschaftsgemeinschaft und die
8 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Zivilgesellschaft. Erstere beinhaltet die persönlich für wünschenswert gehaltene Gewichtung der Aufgabenbereiche, wobei hier zwischen der Leistung der eigenen Person und der Leistung der Arbeitsgruppe unterschieden wird. Anschließend soll die erwartete Gewichtung der Aufgabenbereiche für den Fall angegeben werden, dass die Leistungsbeurteilung durch die Wissenschaftsgemeinschaft vorgenommen wird. In der dritten Sichtweise schließlich wird nach der erwarteten Gewichtung gefragt, wenn die Beurteilung durch die Gesellschaft vorgenommen wird. Bei allen Fragen muss die Summe der vergebenen Gewichte 100 betragen. Ergänzend wird eine Einschätzung der eigenen Wirkung in den verschiedenen Leistungsbereichen erbeten (Teil F) sowie die Nennung weiterer, im Fragebogen nicht genannter Leistungsbereiche (Teil G). Ob und aus welchen Gründen die befragte Person auf Dauer in der Wissenschaft bleiben möchte oder nicht, ist Gegenstand von Teil H. Die abschließenden Teile des Fragebogens beschäftigen sich mit Aussagen über wissenschaftliche Tätigkeiten. Dies geschieht in zwei Blöcken, in denen jeweils der Grad der Zustimmung zu einer Reihe von Aussagen mittels Likert-Skalen erfragt wird. Der erste Block (Teil I) enthält Aussagen über Tätigkeitsfelder in der Wissenschaft und deren Bedeutung. Im zweiten Block (Teil K) geht es um Aussagen zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft. Ergänzend wird die Zufriedenheit der Befragten mit ihrer aktuellen Situation in beruflicher und persönlicher Hinsicht erfragt (Teil J). 2.1.4 Ablauf der Onlinebefragung Die Onlinebefragung wurde mit dem Open Source Umfragetool LimeSurvey durchgeführt. Am 26.05.2016 wurden die Befragten in einer von der Geschäftsstelle der GEWISOLA versandten Mail („Einladung zur GEWISOLA-ÖGA-Mitgliederbefragung“, s. Anhang 1) von dem Vorsitzenden der GEWISOLA, zugleich Vorsitzender der AG Leistungsbewertung, und dem Vorsitzenden der ÖGA zur Teilnahme an der Befragung eingeladen. Mit der Mail wurde ein personalisierter Link zur Onlinebefragung versandt. Durch die Personalisierung des Links wurde sichergestellt, dass jede Einladungsmail nur zu einem ausgefüllten Fragebogen führen konnte. Wenn ein Proband nach Teilnahme an der Befragung seine Einladungsmail zum Beispiel an Kolleginnen oder Kollegen weitergeleitet hätte, so hätten diese nicht an der Befragung teilnehmen können. Hierdurch sollte erreicht werden, dass die Grundgesamtheit der Befragten unverändert blieb. Die personalisierten Links ermöglichten es zudem, dass Erinnerungsmails nur an diejenigen Personen geschickt wurden, die den Fragebogen bis dahin nicht ausgefüllt hatten. Um den Datenschutz zu gewährleisten, war technisch sichergestellt worden, dass keine eingegebenen Daten einer bestimmten Person zugeordnet werden konnten. Mit der Einladungsmail wurde um Teilnahme an der Befragung bis zum 16.06.2016 (drei Wochen) gebeten. Am 09.06.2016 wurde per Mail (s. Anhang 2) erstmals an die Befragung erinnert. Am 16.06.2016 wurde erneut an die Befragung erinnert (s. Anhang 2) und die Teilnahmefrist auf den 23.06.2016 verlängert.
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 9 2.2 Datenaufbereitung Von insgesamt 440 Personen, die per E-Mail kontaktiert wurden, haben 218 an der Online-Umfrage teilgenommen. Davon haben 20 Personen den Fragebogen nur geöffnet, aber keine Fragen beantwortet. Weitere 24 Teilnehmer machten nur Angaben zur Person, womit auch diese Datensätze für die Fragestellung der Erhebung ohne Inhalt sind. Diese insgesamt 44 Datensätze wurden eliminiert, so dass für die Auswertung noch 174 ganz oder zumindest teilweise beantwortete Fragebögen verbleiben, was einer Rücklaufquote von 39,5 Prozent entspricht. In 18 Datensätzen wurden im Fragenblock A Mehrfachnennungen an Stellen abgegeben, an denen diese nicht plausibel sind. Hier wurden die überzähligen Merkmalsausprägungen aufgrund von Plausibilitätsüberlegungen von der Auswertung ausgeschlossen. Die Daten wurden so aufbereitet, dass sie mittels EXCEL©, SAS © und SPSS © ausgewertet werden können.
10 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern 3 Ergebnisse 3.1 Persönliche Charakteristika der Befragten Insgesamt umfasst die Stichprobe 174 Personen (s.o.), von denen 166 Angaben zu ihrer beruflichen Stellung gemacht haben. 18,1 Prozent der Befragungsteilnehmer sind nicht in der Wissenschaft tätig. Einen detaillierten Überblick über die beruflichen Stellungen im Einzelnen gibt Tabelle 3.1. Dabei wird ergänzend noch eine Unterteilung nach Landeszugehörigkeit vorgenommen. Knapp drei Viertel aller befragten Wissenschaftler arbeiten in Deutschland und etwa 18 Prozent in Österreich. In weiteren Ländern sind weniger als 8 Prozent der Befragten beschäftigt. Tabelle 3.1: Berufliche Stellung der Befragten Land Berufliche Stellung Häufigkeit Prozent Deutschland Professor/in C-Besoldung 25 15,1 Professor/in W-Besoldung 26 15,7 Sonstiger leitender Wissenschaftler/in 17 10,2 Außerplanmäßige/r Professor/in, Honorarprofessor/in 5 3,0 Privatdozent/in 2 1,2 Tenure-track-Professor/in, Juniorprofessor/in 1 0,6 Habilitand/in, PostDoc/Senior Researcher 15 9,0 Doktorand/in, Junior Researcher 10 6,0 Außerhalb der Wissenschaft 21 12,7 Österreich Universitätsprofessor/in 5 3,0 Ao. Universitätsprofessor/in 6 3,6 Universitätsdozent/in 2 1,2 Universitätsassistent/in 3 1,8 Assoziierte Professor/in 1 0,6 Wiss. Projektmitarbeiter/in 5 3,0 Lektor/in 1 0,6 Außerhalb der Wissenschaft 8 4,8 Sonstiges Land Professor/in (oder vergleichbar) 5 3,0 Sonstige/r leitende/r Wissenschaftler/in (oder vergleichbar) 5 3,0 Habilitand/in, PostDoc/Senior Researcher (oder vergleichbar) 2 1,2 Außerhalb der Wissenschaft 1 0,6 Gesamt 166 100,0 Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen.
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 11 Von den 174 Befragten haben 157 Personen Angaben zu Ihrem Geschlecht gemacht. Eine große Mehrheit von nahezu drei Vierteln der befragten Personen sind Männer; etwas mehr als ein Viertel sind Frauen (s. Tabelle 3.2). Tabelle 3.2: Geschlecht der Befragten Geschlecht Häufigkeit Prozent Männlich 116 73,9 Weiblich 41 26,1 Gesamt 157 100,0 Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Von den 174 Befragten haben 170 Personen Angaben zu ihrem Alter gemacht. Die meisten Teilnehmer der vorliegenden Studie liegen in der Altersgruppe zwischen 46 und 55 Jahren (s. Tabelle 3.3). Tabelle 3.3: Alter der Befragten Alter Häufigkeit Prozent bis 30 Jahre 12 7,1 31-35 Jahre 17 10,0 36-45 Jahre 39 22,9 46-55 Jahre 48 28,2 56-65 Jahre 33 19,4 über 65 Jahre 21 12,4 Gesamt 170 100,0 Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Mehr als die Hälfte der Befragten ist an einer Universität tätig, ein knappes Viertel an außeruniversitären Forschungseinrichtungen (s. Tabelle 3.4), als Professoren, leitende Wissenschaftler, wissenschaftliche Mitarbeiter oder in anderer Funktion.
18 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern anderen Bereichen tätig sind, jedoch hier prozentual deutlich weniger Zeit als die Hochschullehrerinnen und -lehrer investieren. Tabelle 3.12: Zeitverwendung in der Woche: Forschung Zeitverwendung in der Woche Hochschullehrerinnen und -lehrer Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in Forschung Mittelwert (h/Woche) Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert (h/Woche) Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Forschungsanbahnung 3,5 17,7 2,2 11,7 Inhaltliche Forschung 5,8 29,0 7,9 41,2 Schreiben wiss. Publikationen 5,3 26,9 5,2 27,1 Halten v. wiss. Vorträgen 2,5 12,7 1,8 9,2 Berichterstattung (Zwischen-, Endberichte) 2,7 13,6 2,1 10,9 Summe 19,8 100,0 19,2 100,0 Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Bei der Lehre und Ausbildung wird unterschieden zwischen „Lehre für Studierende“, dem „Halten von Doktorandenseminaren“ und der „Beratung von Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitern“. Die prozentualen Anteile, die Hochschullehrerinnen und -lehrer sowie wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dafür jeweils aufwenden, liegen auf einem ähnlichen Niveau, mit einer etwas deutlicheren Fokussierung auf die Doktorandenausbildung bei den Hochschullehrerinnen und -lehrern und auf die Studierenden bei den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (s. Tabelle 3.13). Tabelle 3.13: Zeitverwendung in der Woche: Lehre und Ausbildung Zeitverwendung in der Woche Hochschullehrerinnen und -lehrer Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in Lehre und Ausbildung Mittelwert (h/Woche) Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert (h/Woche) Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Lehre für Studierende 9,2 58,5 5,5 61,5 Halten v. Doktorandenseminaren 1,5 9,3 0,3 3,5 Zeit für Beratung von Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 5,0 32,2 3,1 35,1 Summe 15,7 100,0 9,0 100,0 Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen.
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 19 In einem annähernd gleich großen Umfang widmen sich Hochschullehrerinnen und -lehrer und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch der eigenen Weiterbildung. Hierfür werden pro Woche im Durchschnitt des Jahres 1,6 Stunden bei den Hochschullehrerinnen und -lehrern und 1,4 Stunden von den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufgewendet. Die Leistungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft beanspruchen bei den Hochschullehrerinnen und -lehrern mit 8,5 Stunden etwa einen ganzen Arbeitstag pro Woche; der Wert der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegt mit 5 Stunden deutlich darunter. Bei beiden Gruppen dominieren dabei die Leistungen für die eigene Einrichtung (s. Tabelle 3.14). Tabelle 3.14: Zeitverwendung in der Woche: Leistungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft Zeitverwendung in der Woche Hochschullehrerinnen und -lehrer Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in Leistungen für die wiss. Gemeinschaft Mittelwert (h/Woche) Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert (h/Woche) Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Innerhalb der eigenen Einrichtung 5,5 64,5 3,9 79,4 Außerhalb der eigenen Einrichtung 3,0 35,5 1,0 20,6 Summe 8,5 100,0 5,0 100,0 Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Der Wissens- und Technologietransfer beansprucht bei den Hochschullehrerinnen und -lehrern etwa 7 Stunden und damit in etwa doppelt so viel wie bei den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit einem Zeitaufwand von etwas über 3 Wochenstunden. Bei beiden Gruppen entfällt der größte Anteil auf Beratungs- und Gutachtertätigkeiten (s. Tabelle 3.15). Absolut gesehen verwenden beide Gruppen dieselbe Zeit, relativ gesehen ist diese Tätigkeit jedoch für die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutlich wichtiger. Es wäre denkbar, dass die Hochschullehrinnen und Hochschullehrer ein etwas anderes Verständnis von Beratungs- und Gutachtertätigkeit haben als die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gutachten für Projektanträge, Gutachten im Rahmen von Berufungsverhandlungen, Gutachten für Zeitschriften könnten von Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern als Leistung für die wissenschaftliche Gemeinschaft verstanden werden und nicht als Beratungs- oder Gutachtertätigkeit. Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hingegen dürften ein etwas engeres Verständnis von Leistungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft haben. Dies könnte die Unterschiede erklären. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Anteil der Arbeitszeit, der für Leistungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft und den Wissens- und Technologietransfer aufgewendet wird, mit
20 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern 28,7 Prozent bei den Hochschullehrerinnen und -lehrern und 21,7 Prozent der Arbeitszeit bei den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erheblich ist. Hier fehlt leider ein Vergleich mit anderen Fachdisziplinen. Tabelle 3.15: Zeitverwendung in der Woche: Wissens- und Technologietransfer Zeitverwendung in der Woche Hochschullehrerinnen und -lehrer Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in Wissens- u. Technologietransfer Mittelwert (h/Woche) Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert (h/Woche) Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Publikationen in Fachzeitschriften 1,1 16,8 0,7 21,1 Vorträge, Weiterbildungs- u. Lehrtätigkeit v. primär nicht wiss. Publikum 1,1 17,6 0,5 16,3 Wirtschaftsberatung, Gutachtertätigkeit, Politikberatung 1,7 25,5 1,3 41,4 Beratungstätigkeit in Beiräten/Ausschüssen 0,9 13,3 0,4 11,5 Organisation v. Veranstaltungen zum Wissenstransfer 0,9 13,9 0,3 8,3 Sonstiges 0,8 12,9 0,0 1,4 Summe 6,5 100,0 3,2 100,0 Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. 3.2.2 Vergleiche mit anderen Untersuchungen Es gibt nur einige wenige Studien, die sich mit der Zeitverwendung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern oder speziell der Zeitverwendung der Professorinnen und Professoren in Deutschland beschäftigen. In der Regel liegt der Fokus dieser Untersuchungen auch auf anderen Aspekten, auf die hier nicht eingegangen wird. Im Jahr 2016 wurde durch das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag des Deutschen Hochschullehrerverbandes (DHV) anknüpfend an eine Untersuchung aus dem Jahr 1976 eine Befragung von Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern zur Lage von Forschung und Lehre durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Forschung und Lehre Anfang 2017 veröffentlicht (Petersen 2017). Auf Anfrage wurde den Verfassern vom Deutschen Hochschulverband ein Foliensatz mit den etwas detaillierteren Ergebnissen der Befragung zur Verfügung gestellt.
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 21 Befragt wurden insgesamt 1.149 Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer in Deutschland, unter ihnen 674 Universitätsprofessorinnen und Universitätsprofessoren, die nachfolgend als Vergleichsgruppe herangezogen werden. Weiterhin umfasste die Stichprobe 289 Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren sowie Privatdozentinnen und Privatdozenten und 180 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in höheren Positionen. Die Auswahl der Professorinnen und Professoren ebenso wie die der Privatdozentinnen und Privatdozenten erfolgte zufällig aus dem Hochschullehrerverzeichnis. In Ermangelung eines solchen Verzeichnisses für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden Personen befragt, die Mitglied des Deutschen Hochschullehrerverbandes sind. Ein Aspekt, der sowohl in der vorliegenden GEWISOLA-ÖGA-Befragung als auch in der Untersuchung im Auftrag des DHV erfasst wurde, ist die Wochenarbeitszeit. In beiden Untersuchungen wird zwischen der Vorlesungszeit und der vorlesungsfreien Zeit unterschieden. In der Vorlesungszeit arbeiten die Professorinnen und Professoren der DHV-Befragung generell länger als die befragten Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer der GEWISOLA-ÖGA-Befragung (s. Abbildung 3.1). In der vorlesungsfreien Zeit kehrt sich dieses Verhältnis dann um (s. Abbildung 3.2). Abbildung 3.1: Verteilung der Wochenarbeitszeit der Hochschullehrerinnen und -lehrer (GEWISOLA-ÖGA-Befragung) und der Professorinnen und Professoren (DHV- Befragung) in der Vorlesungszeit Quelle: GEWISOLA-ÖGA: Eigene Erhebung und Berechnung. DHV: Eigene Darstellung in Anlehnung an IfD (2017, S. 7).
22 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern In der vorlesungsfreien Zeit kehrt sich dieses Verhältnis dann um (s. Abbildung 3.3). Zudem muss einschränkend gesagt werden, dass neben genauen Zahlen auch soziodemographische Daten der Studie des Hochschullehrerverbandes nicht vorliegen und so die Vergleichbarkeit begrenzt ist. Abbildung 3.2: Verteilung der Wochenarbeitszeit der Hochschullehrerinnen und -lehrer (GEWISOLA-ÖGA-Befragung) und der Professorinnen und Professoren (DHV- Befragung) in der vorlesungsfreien Zeit Quelle: GEWISOLA-ÖGA: Eigene Erhebung und Berechnung; DHV; Eigene Darstellung in Anlehnung an IfD (2017, S. 8). Die vorliegenden Ergebnisse der Befragung des IfD im Auftrag des DHV weisen nicht die absoluten Werte bei der Zeitverwendung nach Leistungsbereichen aus, jedoch die jeweiligen Anteile. In der Befragung im Auftrag des DHV wird bei den Leistungsbereichen unterschieden zwischen Forschung, Lehre (einschließlich Studienberatung), Prüfungen, akademische Selbstverwaltung und anderes (einschließlich Gutachten und Anträge), und es wurde nur nach der Zeitverwendung im Semester gefragt. Eine Vergleichbarkeit ist daher nur bedingt gegeben. In der Befragung im Auftrag des DHV lag hinsichtlich der Zeitaufteilung auf verschiedene Arbeitsgebiete der 2016 von Professorinnen und Professoren in einem Semester für Forschung aufgewendete Anteil nahezu unverändert bei 22 Prozent; 1976 waren es 23 Prozent gewesen. Auf die Lehre einschließlich Prüfungen entfielen 1976 49 Prozent, während es 2016 nur noch 37 Prozent waren (vgl. Petersen 2017, S. 974).
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 23 In der vorliegenden GEWISOLA-ÖGA-Befragung räumen die Hochschullehrerinnen und -lehrer der Forschungstätigkeit deutlich mehr Zeit ein; die Anteile liegen hier bei 32 Prozent während der Vorlesungszeit bzw. 50 Prozent in der vorlesungsfreien Zeit; der Vorlesungs- und vorlesungsfreie Zeit gewichtende Wert beträgt 38 Prozent. Tendenziell weniger Zeit wird für Lehre und Ausbildung aufgewendet, anteilig sind es 37 Prozent in der Vorlesungszeit und 15 Prozent in der vorlesungsfreien Zeit, gewichtet sind es 30 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus eine vergleichsweise forschungsintensive Fachdisziplin sind. Das Internationale Zentrum für Hochschulforschung Kassel hat in den Jahren 2007/2008 in einer international vergleichenden Studie unter anderem auch die wöchentliche Arbeitszeit von Professorinnen und Professoren an Universitäten erhoben. Es wurden hierfür schriftliche Befragungen in „advanced countries“ und „emerging countries“ durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Befragung von Jacob und Teichler wurden von dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (Jacob und Teichler, 2011) veröffentlicht, teils ist ein Vergleich mit der Vorgängerstudie von 1992 möglich. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Universitätsprofessorinnen und Universitätsprofessoren in Deutschland liegt demnach in der Vorlesungszeit bei 56 Stunden (1992: 53 Stunden) und während der vorlesungsfreien Zeit bei 51 Stunden (1992: 49 Stunden) (s. Tabelle 3.16). In der aktuellen Befragung der GEWISOLA-ÖGA-Mitglieder arbeiten diese 59 bzw. 56 Stunden (Vorlesungszeit bzw. vorlesungsfreie Zeit). Es wird deutlich, dass es sich bei dem Fachgebiet der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus nicht nur um eine forschungs-, sondern auch eine lehrintensive Fachdisziplin handelt. Die befragten GEWISOLA-ÖGA-Mitglieder arbeiten mehr Stunden in der Woche. Tabelle 3.16: Zeitverwendung von Professorinnen und Professoren in Deutschland (in h/Woche) GEWISOLA-ÖGA Hochschullehrerstudie Vorlesungszeit Vorlesungsfreie Zeit Vorlesungszeit Vorlesungsfreie Zeit Universitätsprofessorin- nen/-profes- soren Forschung 19,9 29,1 17,3 25,4 Lehre 22,2 9,7 18,5 7,9 Gesamt 58,9 56,3 56,1 51,3 n 29 29 147 134 Professorinnen/Professoren anderer Hochschulen Forschung 14,2 17,9 8,4 15,8 Lehre 17,3 7,2 26,9 11,5 Gesamt 49,0 44,9 45,4 39,3 n 18 18 86 77 Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Jacob und Teichler (2011: 25, 29).
24 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Einschränkend ist hier zu erwähnen, dass die in den Arbeitsbereichen wie „Forschung“ und „Lehre“ enthaltenen Teilaufgaben (vgl. Jacob und Teichler 2011, S. 25) zum einen nicht deckungsgleich mit denen der vorliegenden GEWISOLA-ÖGA-Befragung sind. Zum anderen sind die Fallzahlen der GEWISOLA-ÖGA-Befragung klein, insbesondere nachdem für eine bessere Vergleichbarkeit die Beschränkung auf in Deutschland tätige Professorinnen und Professoren getroffen wurde und diese Probandinnen und Probanden auf Beschäftigte an Universitäten und anderen Hochschulen aufgeteilt wurden. Nach der Studie von Jacob und Teichler arbeiten Professorinnen und Professoren an deutschen Universitäten deutlich länger als Kollegen in anderen Ländern (s. Tabelle 3.17 und Tabelle 3.18). Dies gilt sowohl für die Vorlesungszeit als auch für die vorlesungsfreie Zeit. Bei den Leistungsbereichen unterscheidet die Studie von Jacob und Teichler zwischen Lehre (Vorbereitung von Lehrmaterialien, Durchführung von Lehrveranstaltungen, Studienberatung, Prüfungen u. ä.), Forschung (Lesen der Forschungsliteratur, Schreiben, Durchführung von Experimenten, Feldstudien u. ä.), Dienstleistungen (klienten- oder patientenbezogene Dienste, bezahlte oder unbezahlte Beratung, öffentliche oder private Dienstleistungen u. ä.), Verwaltung (Mitarbeit in Hochschulgremien, allgemeine Berichte u. a. m.) und anderen beruflichen Tätigkeiten (wissenschaftliche Tätigkeiten, die den obigen Kategorien nicht eindeutig zurechenbar sind). Der Zeitaufwand für die Lehre ist in den betrachteten Ländern vergleichbar, nur in Australien ist der Aufwand hierfür wesentlich geringer. Bei dem Zeitbudget für Forschung gibt es zwischen den betrachteten Ländern in der Vorlesungszeit erhebliche Unterschiede. Hier liegt Japan während der Vorlesungszeit an der Spitze. Deutschland liegt hier im oberen Bereich sowohl während der Vorlesungszeit als auch während der vorlesungsfreien Zeit. Beim Zeitbudget für Dienstleistungen liegt Deutschland unangefochten an der Spitze sowohl während der Vorlesungszeit als auch während der vorlesungsfreien Zeit und setzt sich deutlich ab von den anderen Ländern. Von deutschen Universitätsprofessorinnen und Universitätsprofessoren werden deutlich mehr Dienstleistungen erbracht als von vergleichbaren Professorinnen und Professoren in den anderen Ländern. In Bezug auf den Arbeitsaufwand für die Verwaltung liegt Deutschland im oberen Bereich. Hier setzen sich Großbritannien und Australien deutlich ab. In diesen Ländern ist der Aufwand für Verwaltung am höchsten.
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 25 Tabelle 3.17: Arbeitszeit pro Woche von Universitätsprofessorinnen und -professoren (Vorlesungszeit) im internationalen Vergleich (in h) Deutschland Finnland Norwegen Italien Portugal Großbritannien Australien Japan USA Lehre 18,5 19,6 17,5 18,1 17,2 18,0 13,5 18,3 18,6 Forschung 17,3 13,5 12,8 17,3 12,9 12,9 17,8 20,2 14,6 Dienstleistungen 7,1 2,6 2,0 3,7 1,8 1,8 3,7 3,5 5,4 Verwaltung 8,5 8,1 6,8 4,7 6,3 10,6 10,8 6,9 8,8 Andere berufliche Tätigkeiten 4,7 3,3 3,0 2,4 2,7 3,6 3,9 3,5 2,8 Wochenstunden insgesamt 56,1 47,2 42,1 46,3 40,9 46,9 49,7 52,5 50,1 Anzahl (n) 147 195 337 1017 71 239 131 179 404 Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Jacob und Teichler (2011: 25). Tabelle 3.18: Arbeitszeit pro Woche von Universitätsprofessorinnen und -professoren (vorlesungsfreie Zeit) im internationalen Vergleich (in h) Deutschland Finnland Norwegen Italien Portugal Großbritannien Australien Japan USA Lehre 7,9 7,8 7,9 7,6 7,7 8,5 4,0 7,7 5,6 Forschung 25,4 23,2 23,8 26,7 20,9 21,8 25,9 25,1 23,7 Dienstleistungen 6,7 2,8 2,1 4,0 2,6 1,9 4,1 3,2 5,8 Verwaltung 5,9 7,1 7,9 4,9 6,4 9,6 11,7 4,5 7,2 Andere berufliche Tätigkeiten 5,3 3,8 4,2 2,6 3,3 4,2 4,5 3,4 3,0 Wochenstunden insgesamt 51,3 44,7 46,0 45,8 40,9 46,1 50,2 43,9 45,3 Anzahl (n) 134 167 274 972 65 233 149 169 418 Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Jacob und Teichler (2011: 25). In der Studie von Jacob und Teichler findet ein Vergleich zwischen Universitätsprofessorinnen und Universitätsprofessoren und den Professorinnen und Professoren anderer Hochschulen statt. Dieser Vergleich ist auch auf Grund der Umfrage der GEWISOLA-ÖGA möglich. Beim Vergleich der Zahlen für Forschung sowie Lehre lässt sich feststellen, dass sowohl nach der Befragung der GEWISOLA-ÖGA als auch der Befragung von Jacob und Teichler die Universitätsprofessorinnen und Universitätsprofessoren deutlich mehr Stunden in der Woche arbeiten als die Professorinnen und Professoren anderer Hochschulen. Es fällt auf, dass in der Befragung der GEWISOLA-ÖGA sogar der Arbeitsaufwand für die Lehre bei den Universitätsprofessorinnen und Universitätsprofessoren vergleichbar ist mit dem Arbeitsaufwand für Lehre bei den Professorinnen und Professoren anderer Hochschulen. In der Befragung von Jacob und Teichler liegt der Arbeitsaufwand für Lehre bei den Professorinnen und Professoren anderer Hochschulen deutlich höher
26 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als der Arbeitsaufwand der Universitätsprofessorinnen und Universitätsprofessoren. Verschiebungen zwischen Vorlesungszeit und vorlesungsfreier Zeit finden aber in ähnlichem Maß statt. In der Studie „ProfQuest“ des Bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung und Hochschulplanung (IHF) wurden 2015 neben Professorinnen und Professoren von Universitäten und Fachhochschulen auch solche von Kirchlichen Hochschulen oder Kunsthochschulen befragt. In einem demographischen Überblick findet sich auch eine Angabe zur Wochenarbeitszeit, die bei Universitätsprofessorinnen und Universitätsprofessoren während der Vorlesungszeit bei 56,4 Stunden und während der vorlesungsfreien Zeit bei 51,7 Stunden liegt. Damit liegt der Wert der Vorlesungszeit etwas unter dem in der GEWISOLA-ÖGA-Befragung für in Deutschland beschäftigte Universitätsprofessorinnen und Universitätsprofessoren ermittelten Wert von 58,9 Stunden. Auch der Wert der vorlesungsfreien Zeit der ProfQuest-Studie liegt unter dem der GEWISOLA-ÖGA-Befragung (51,7 vs. 56,3 Stunden). Auch hier zeigt sich eine überdurchschnittliche Arbeitszeit der hier befragten Hochschullehrerinnen und -lehrer. In Deutschland tätige GEWISOLA-ÖGA-Professorinnen und -Professoren anderer Hochschulen arbeiten in der Vorlesungszeit 49 Stunden. Dies ist ein Wert, der mit denen der Professorinnen und Professoren von Fachhochschulen (Hochschulen für angewandte Wissenschaft) und Kirchlichen Hochschulen auf einem Niveau ist (48,6 bzw. 49,1 Stunden). Bezogen auf die vorlesungsfreie Zeit hingegen gibt es deutliche Differenzen. Der GEWISOLA-ÖGA-Wert beträgt 44,9 Stunden. ProfQuest ermittelt für Professorinnen und Professoren von Fachhochschulen und Kirchlichen Hochschulen lediglich 33 bzw. 35,5 Stunden. Die von der GEWISOLA und der ÖGA befragten Professorinnen und Professoren an Fachhochschulen arbeiten damit deutlich länger als andere Fachhochschulprofessorinnen und -professoren. Kunsthochschulprofessorinnen und -professoren scheinen eine Sonderstellung einzunehmen; ihre wöchentliche Arbeitszeit ist viel geringer als die anderer Professorinnen und Professoren (Vorlesungszeit 40,7 Stunden, vorlesungsfreie Zeit 29,7 Stunden) (vgl. IHF 2015). Eine weitere Umfrage wurde Ende 2016 von der TU Dortmund in Zusammenarbeit mit Zeit Online durchgeführt; Ergebnisse wurden bislang noch nicht veröffentlicht (Die Zeit , 2016). 3.2.3 Lehrverpflichtung Während die Hälfte der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter laut GEWISOLAÖGA-Befragung im Durchschnitt der vergangenen beiden Semester keine Lehrverpflichtung zu erfüllen hatte, haben aber nur knapp 39 Prozent auch tatsächlich keine Lehrveranstaltungen durchgeführt. Dieses Verhältnis drückt sich auch in den Mittelwerten der beiden Fragestellungen ausdrückt: Bei 2,4 Semesterwochenstunden (SWS) liegt er bei der Lehrverpflichtung, bei 3,1 Semesterwochenstunden bei der tatsächlichen Lehre. Einige wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und - mitarbeiter lehren deutlich mehr als ihre Lehrverpflichtung.
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 27 Bei den Hochschullehrerinnen und -lehrern beträgt der Mittelwert der durchschnittlichen Lehrverpflichtung 8,4 Semesterwochenstunden; der Durchschnitt der tatsächlich geleisteten Lehrveranstaltungen liegt 0,8 Semesterwochenstunden höher. Differenzen zwischen Lehrverpflichtung und tatsächlicher Lehre bestehen insbesondere in der Kategorie zwischen 6 und 10 Semesterwochenstunden sowie zwischen 11 und 15 Semesterwochenstunden (s. Tabelle 3.19). Dies deutet darauf hin, dass Hochschullehrerinnen und -lehrer oft eine Lehrverpflichtung unter 10 Stunden haben, aber mehr als 10 Stunden lehren. Tabelle 3.19: Lehrverpflichtung in Semesterwochenstunden (SWS) Lehrverpflichtung Hochschullehrerinnen und -lehrer Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in Durchschnittliche Lehrverpflichtung der 2 letzten Semester Tatsächliche Lehre der 2 letzten Semester Durchschnittliche Lehrverpflichtung der 2 letzten Semester Tatsächliche Lehre der 2 letzten Semester SWS Häufigkeit Prozent Häufigkeit Prozent Häufigkeit Prozent Häufigkeit Prozent 0 SWS 0 0,0 0 0,0 22 50,0 17 38,6 1-5 SWS 12 19,0 11 17,5 19 43,2 18 40,9 6-10 SWS 43 68,3 33 52,4 2 4,5 8 18,2 11-15 SWS 2 3,2 14 22,2 0 0,0 0 0,0 16-20 SWS 6 9,5 3 4,8 1 2,3 0 0,0 > 20 SWS 0 0,0 2 3,2 0 0,0 1 2,3 Gesamt 63 100,0 63 100,0 44 100,0 44 100,0 Anm.: n (Prof) = 63. Mittelwert 8,4 bzw. 9,2 Semesterwochenstunden. Standardabweichung 4,2 bzw. 4,4. n (Wiss) = 44. Mittelwert 2,4 bzw. 3,1 Semesterwochenstunden. Standardabweichung 3,4 bzw. 4,3. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. 3.2.4 Reisetätigkeit Mehr als 78 Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren an bis zu 20 Tagen des letzten Jahres auf Dienstreise; der Mittelwert liegt hier bei 19 Tagen. Die Hochschullehrerinnen und -lehrer sind im Durchschnitt deutlich länger auf Dienstreisen. Etwa 67 Prozent sind mehr als 20 Tage des letzten Jahres auf Dienstreise gewesen. Unter den Hochschullehrerinnen und -lehrern ist niemand, der oder die gar keine Dienstreisen unternimmt. Durchschnittlich sind sie an fast 34 Tagen dienstlich unterwegs. Knapp ein Drittel ist an bis zu 20 Tagen auf Reisen, mehr als ein weiteres Drittel der Befragten ist zwischen 21 und 30 Tagen auf Dienstreise und die verbleibenden etwa 31 Prozent sind an 31 Tagen oder häufiger unterwegs (s. Tabelle 3.20).
34 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern 3.3 Erwünschte und erwartete Bewertung der eigenen Leistungen Für den folgenden Vergleich der Bewertung der Leistungen werden die Befragten entsprechend der Angabe zu der beruflichen Stellung gruppiert. Andere Kriterien sind hier nicht von Bedeutung. Alle Teilnehmer wurden gefragt, mit welchem Gewicht ihres Erachtens Leistungen in verschiedenen Aufgabenbereichen (Forschung, Lehre und Ausbildung, Tätigkeiten für die wissenschaftliche Gemeinschaft, Wissens- und Technologietransfer sowie die eigene Weiterbildung) sowohl hinsichtlich der eigenen persönlichen Leistung als auch der eigenen Arbeitsgruppe gewertet werden sollten. Ebenso wurden sie gefragt, wie sie selber einschätzen, wie ihre Leistungen durch die Wissenschaftsgemeinschaft und durch die Gesellschaft gewichtet werden. Die Summe der Gewichte der einzelnen Leistungsbereiche musste sich zu 100 aufaddieren, so dass die Gewichte in Prozent gewertet werden können. Hinsichtlich der Fragen zur erwünschten bzw. erwarteten Bewertung der eigenen Leistungen variiert die Anzahl der auswertbaren Datensätze zwischen 107 (zur erwünschten Bewertung der eigenen Arbeitsgruppe) und 116 (zur erwünschten Bewertung der eigenen persönlichen Leistung). (s. Tabelle 3.28). Diese Spanne ergibt sich im Wesentlichen daraus, dass einige Wissenschaftler die Frage zur erwünschten Bewertung der eigenen Arbeitsgruppe nicht beantwortet haben. Tabelle 3.28: Anzahl der Antworten zur Leistungsbewertung nach Teilnahmekategorien Teilnehmer Erwünschte Bewertung persönliche Leistung Erwünschte Bewertung Leistung Arbeitsgruppe Erwartete Bewertung durch Wissenschaftsgemeinschaft Erwartete Bewertung durch Gesellschaft Professorinnen/Professoren C 16 12 9 11 11 Professorinnen/Professoren W 26 26 26 26 25 Professorinnen/Professoren ges. 55 49 49 49 49 Leitende Wiss. 20 17 12 14 14 Apl. Prof. / PD 10 10 10 10 10 Promovierte Wiss. 20 17 16 16 16 Doktoranden 14 9 9 9 9 Nicht in Wiss. tätig 26 14 11 15 15 Gesamt 145 116 107 113 113 Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Die Teilnehmer insgesamt wünschen sich, dass die eigene Forschungsleistung mit durchschnittlich etwa 38 Prozent gewürdigt wird, die Forschung der eigenen Arbeitsgruppe dagegen etwa 6 Prozentpunkte stärker. Der höhere Wert für die Forschungsleistung der eigenen Gruppe dürfte damit zu erklären sein, dass mehr als die Hälfte der diesbezüglichen Antworten von Professoren und leitenden Wissenschaftlern stammt, die selber einen höheren eigenen Aufwand in den Bereichen der
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 35 Lehre und Ausbildung, Wissenschaftsmanagement sowie Wissenstransfer betreiben (s. Tabelle 3.11 in Kapitel 3.2.1). Umgekehrt möchte lediglich die Gruppe der sich überwiegend in der Qualifikationsphase befindlichen promovierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die eigenen Forschungsleistungen höher gewichtet sehen als die der Arbeitsgruppe. Diese möchten ihre eigene Forschung mit 42 Prozent bewertet haben, die der eigenen Arbeitsgruppe dagegen mit lediglich 38 Prozent. Tabelle 3.29: Von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erwünschte und erwartete Bewertung der eigenen Leistung nach Aufgabenbereichen (in Prozent) Anteil an der Arbeitszeit Erwünschte Bewertung persönliche Leistung Erwünschte Bewertung Leistung Arbeitsgruppe Erwartete Bewertung durch Wissenschafts-ge- meinschaft Erwartete Bewertung durch Gesellschaft Forschung 43 38 44 61 34 Lehre / Ausbildung 27 27 24 14 34 Wiss. Gemeinschaft 15 16 13 13 8 Transfer 12 12 11 8 22 Eigene Weiterbildung 4 6 8 3 3 Anm.: Abweichungen von 100 Prozent sind Rundungsfehler; Gewichtung Vorlesungszeit mit zwei Drittel. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Deutlich weniger stark als die Forschung wird mit 27 Prozent die erwünschte Bewertung der Leistung der eigenen Lehre gewichtet, wobei der Wert für die Lehrleistung der Arbeitsgruppe mit 24 Prozent nochmals etwas niedriger liegt. Der leicht geringere Wert für die eigene Arbeitsgruppe dürfte wiederum aus dem relativ hohen Anteil an Professoren und leitenden Wissenschaftlern resultieren, sofern man davon ausgeht, dass jüngere Wissenschaftler geringer mit Aufgaben in der Lehre, im Wissenschaftsmanagement und Transfer belastet sind. Nochmals deutlich geringer als die erwünschte Gewichtung der Leistungen in der Lehre sind die von Wissenschaftlern erwünschten Gewichte hinsichtlich der Leistungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft und im Transfer mit 16 und 12 Prozent. Bei nur 6 Prozent rangiert die erwünschte Würdigung der eigenen Weiterbildung. Interessant ist ein Quervergleich zur tatsächlichen Zeitverwendung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Unterstellt man eine zeitliche Gewichtung der Vorlesungszeiten gegenüber der vorlesungsfreien Zeit von 2:1, findet sich eine Zeitverwendung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von 43 Prozent für Forschung, 27 Prozent für Lehre und Ausbildung, 15 Prozent für Leistungen für die Wissenschaft, 12 Prozent für Transferaktivitäten sowie 4 Prozent für die eigene
36 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Weiterbildung. Diese Zahlen entsprechen weitgehend der erwünschten Würdigung der eigenen Leistungen abgesehen davon, dass für die eigene Forschung ein etwas höherer Zeitanteil aufgewendet wird. Insbesondere für die Gruppe der Professorinnen und Professoren zeigt sich, dass die tatsächliche Arbeitsallokation ziemlich exakt der gewünschten Gewichtung entspricht. Insofern kann davon ausgegangen werden, dass die erwünschte Würdigung der eigenen Leistungen in den verschiedenen Aufgabenbereichen sich an der eigenen Zeitallokation orientiert. Erhebliche Abweichungen finden sich beim Vergleich der gewünschten Bewertung mit der gefühlten Bewertung durch die wissenschaftliche Gemeinschaft und die Gesellschaft. Die befragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erwarten, dass sich Bewertungen durch die Wissenschaftsgemeinschaft zu einem überwiegenden Teil (61 %) auf Forschungsleistungen konzentrieren, während Leistungen in der Lehre nur mit 14 Prozent, im Wissenschaftsmanagement nur mit 13 Prozent und Transferaktivitäten nur mit 8 Prozent einfließen. Die eigene Weiterbildung würde demnach sogar nur mit 3 Prozent einbezogen werden. Der Eindruck, dass die eigene Leistung seitens der Wissenschaftsgemeinschaft primär anhand der Forschungsleistungen bewertet wird, ist nochmals stärker ausgeprägt, betrachtet man ausschließlich die Gruppen der W-Professorinnen und -Professoren (Deutschland) sowie der Privatdozentinnen und -dozenten, der Habilitandinnen und Habilitanden und der jüngeren Promovierten, die die Forschung sogar mit jeweils etwa 64 Prozent gewichtet sehen (s. Tabelle 3.30). Abweichend davon sehen C-Professorinnen und -Professoren ihre Forschungsleistungen in der Wissenschaftsgemeinschaft mit lediglich 56 Prozent gewichtet. Dieser Abschlag ergibt sich wohl aus ihrer Erwartung, dass Leistungen für die Wissenschaftsgemeinschaft gewürdigt werden. Ähnliches gilt für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Leitungsfunktionen, die vielfach an außeruniversitären Einrichtungen angesiedelt sind. Auch sie sehen sich eher mit der Erwartung konfrontiert, mehr Leistungen für die Wissenschaftsgemeinschaft sowie im Bereich des Wissenstransfers zu erbringen.
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 37 Tabelle 3.30: Von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erwünschte und erwartete Bewertung der Forschungsleistung (in Prozent) Erwünschte Bewertung persönliche Leistung Erwünschte Bewertung Leistung Arbeitsgruppe Erwartete Bewertung durch Wissenschaftsgemeinschaft Erwartete Bewertung durch Gesellschaft Professorinnen und Professoren gesamt 37 46 61 33 dar. C 34 52 56 31 dar. W 38 45 64 32 dar. Österreich 38 45 64 32 dar. sonst. Länder 55 63 60 40 Leitende Wiss. 36 45 56 36 apl. & assoz. Prof./PD/JP 43 48 67 35 Promovierte Wiss. 42 38 65 30 Doktorandinnen und Doktoranden 37 39 59 40 Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Beim Ländervergleich fällt auf, dass sich Professorinnen und Professoren in Österreich ebenfalls mit einer starken Fokussierung der Wissenschaftsgemeinschaft auf die Bewertung von Forschungsleistungen konfrontiert sehen, während sie selber diese weniger stark gewichtet sehen möchten. Aus dem Rahmen fallen lediglich diejenigen Professorinnen und Professoren, die weder in Deutschland noch in Österreich aktiv sind. Sie nennen vergleichsweise ähnliche Gewichtungen für die gewünschten und durch die Wissenschaftsgemeinschaft erfahrenen Gewichtungen. Sie wünschen sich eine Gewichtung der Forschungsleistungen mit 55 Prozent und empfinden, dass diese Leistungen durch die Wissenschaftsgemeinschaft mit 60 Prozent gewichtet werden. Allerdings ist diese Stichprobengröße sehr gering. Die als enorm hoch empfundene Gewichtung der Forschungsleistungen durch die Wissenschaftsgemeinschaft impliziert, dass andere Leistungen, insbesondere Lehrleistungen, deutlich weniger gewürdigt werden (s. Tabelle 3.31). Eine Ausnahme bilden Professorinnen und Professoren, die nach C besoldet werden und solche aus Österreich, die eine deutliche Fokussierung der Gesellschaft auf Lehrleistungen wahrnehmen. Eine mögliche Erklärung könnte darin bestehen, dass Lehrleistungen im Rahmen von Leistungsbewertungen zumeist nur inputorientiert über die Anzahl der gehaltenen Semesterwochenstunden erfasst werden, die zudem durch das Lehrdeputat rechtlich
38 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vorgegeben sind. Für qualitative Bewertungen eignen sich ansonsten höchstens indirekte studentische Lehrevaluationen, die zumeist hochschulspezifisch gehandhabt werden. Analog könnte auch mit Blick auf die Bewertung von Leistungen für die Wissenschaftsgemeinschaft sowie in den Bereichen Transfer und eigene Weiterbildung argumentiert werden, dass eine stärkere Gewichtung gegenüber der Forschungsleistung letztlich entsprechende Messkonzepte erfordern würde. Tabelle 3.31: Von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erwünschte und erwartete Bewertung der Lehrleistung (in Prozent) Erwünschte Bewertung persönliche Leistung Erwünschte Bewertung Leistung Arbeitsgruppe Erwartete Bewertung durch Wissenschaftsgemeinschaft Erwartete Bewertung durch Gesellschaft Professorinnen und Professoren gesamt 31 25 17 38 dar. C 36 17 18 45 dar. W 30 27 16 35 dar. Österreich 30 25 20 53 dar. sonst. Länder 25 20 20 33 Leitende Wiss. 21 15 11 22 apl. & assoz. Prof./PD/JP 20 19 7 29 Promovierte Wiss. 26 28 12 35 Doktorandinnen und Doktoranden 29 27 14 30 Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Mit Blick auf Transferleistungen ist auffällig, dass diese mit Ausnahme der Gruppe der Professorinnen und Professoren außerhalb Deutschlands seitens der Wissenschaftlergruppen relativ einhellig hinsichtlich der erwünschten Bewertung auf einem Gewichtungsniveau von etwa 10 bis knapp 20 Prozent angesiedelt werden und hinsichtlich der eigenen Arbeitsgruppe eher noch etwas niedriger (s. Tabelle 3.32). Bemerkenswert ist hierbei einerseits, dass es zwischen älteren und jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kaum Unterschiede gibt, was dafür spricht, dass Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern ebenfalls ein grundsätzliches Interesse an Transferaktivitäten haben und sie offensichtlich auch Zeit dafür verwenden. Zum anderen ist an Tabelle 3.32 bemerkenswert, dass alle Gruppen die Auffassung vertreten, die Wissenschaftsgemeinschaft würde Transferaktivitäten kaum würdigen. Hinsichtlich der Bewertung durch die Gesellschaft fällt auf, dass es eine wesentlich größere Heterogenität gibt. Insbesondere die Gruppe der noch aktiven C-Professorinnen und -Professoren sowie derjenigen aus Österreich sowie die Doktorandinnen und Doktoranden scheinen den Eindruck zu vertreten, dass die Gesellschaft Transferaktivitäten mit lediglich 12 Prozent bis 17 Prozent würdigt.
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 39 Tabelle 3.32: Von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erwünschte und erwartete Bewertung der Transferleistung (in Prozent) Erwünschte Bewertung persönliche Leistung Erwünschte Bewertung Leistung Arbeitsgruppe Erwartete Bewertung durch Wissenschaftsgemeinschaft Erwartete Bewertung durch Gesellschaft Professorinnen und Professoren gesamt 12 10 7 23 dar. C 13 9 7 17 dar. W 13 10 7 27 dar. Österreich 8 8 6 12 dar. sonst. Länder 8 8 7 20 Leitende Wiss. 14 11 11 20 apl. & assoz. Prof./PD/JP 16 17 10 25 Promovierte Wiss. 11 11 9 24 Doktorandinnen und Doktoranden 11 10 9 15 Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Insgesamt ist der Widerspruch zwischen dem Wunsch nach angemessener Gewichtung der eigenen Forschungsleistung, die zugleich weitgehend der Zeitallokation entspricht, und der gefühlten externen Fokussierung der wissenschaftlichen Gemeinschaft in Deutschland wie Österreich auf Forschungsleistungen eklatant. Dieser empfundene Druck der Fokussierung auf Forschungsleistungen bei zugleich vorgegebenem Lehrdeputat spiegelt sich möglicherweise in der in Tabelle 3.21 in Abschnitt 3.2 dargestellten Zeitallokation von C- und W-Professorinnen und -Professoren wieder, wonach insbesondere W-Professorinnen und -Professoren mit etwa 55 Arbeitsstunden je Woche im internationalen Vergleich enorm belastet erscheinen. Deutlich abweichend von der gefühlten Gewichtung durch die Wissenschaftsgemeinschaft verhält sich die erwartete Gewichtung der Leistungsbereiche durch die Gesellschaft. Demzufolge erwarten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass Forschungs- und Lehrleistungen durch die Gesellschaft mit jeweils einem Drittel gewichtet werden. Auch Transferleistungen würden demzufolge von der Gesellschaft mit durchschnittlich 22 Prozent gewichtet. Kaum gewichtet würden dagegen Leistungen für die Wissenschaftsgemeinschaft und Engagement in der eigenen Weiterbildung, was wohl insofern nicht überrascht, da diese Leistungen vermutlich außerhalb der Wissenschaft kaum wahrgenommen werden. Aus der erwarteten Gewichtung durch die Wissenschaftsgemeinschaft und die Gesellschaft lassen sich mehrere Implikationen ableiten. Zum einen sehen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler offensichtlich in einem Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Bewertungsmaßstäben. Beiden Erwartungen vollends gerecht zu werden erscheint kaum möglich. Vieles deutet darauf hin, dass die eigene Gewichtung ebenso wie die eigene Zeitaufteilung als ein Kompromiss der gestellten Anforderungen zu verstehen sind. Zwar passt dies nicht für alle
40 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Leistungsbereiche, wie die Leistungen für die Wissenschaftsgemeinschaft, bei der die erwünschte Bewertung sowie die eigene Zeitallokation höher liegen als die gefühlte Gewichtung durch Wissenschaftsgemeinschaft und Gesellschaft. Allerdings mögen innerhalb der Institutionen ebenso wie auch in der Wissenschaftsgemeinschaft weitere Anreize und Zwänge bestehen, die den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mehr Leistungen abverlangen, als selbst durch die Wissenschaftsgemeinschaft gewürdigt werden, wie sie etwa aus Mitsprachemöglichkeiten resultieren können. Daneben muss davon ausgegangen werden, dass Gewichtungen zwischen Leistungsbereichen sich in den Karrierephasen unterscheiden. Unterstellt man, dass die Bewertung der eigenen Leistung durch Institutionen der Wissenschaftsgemeinschaft besonders relevant ist mit Blick auf Karriereentscheidungen und -perspektiven, dann lässt sich daraus ableiten, dass für jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die auf den wissenschaftlichen Arbeitsmarkt und auf Drittmittel zur Forschungsförderung angewiesen sind, eine primäre Forschungsorientierung besonders relevant ist. Diese Sichtweise dürfte insbesondere die Positionierung von promovierten und habilitierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Qualifikationsphase sowie möglicherweise auch jüngeren Professorinnen und Professoren erklären. Unterstellt man dagegen, dass gesellschaftliche Erwartungen besonders bedeutsam sind für Fragen der finanziellen Ausstattung von wissenschaftlichen Einrichtungen, dann ergeben sich daraus umgekehrt Anreize der Einrichtungen für eine Orientierung in Richtung von Lehre und Transferaktivitäten. Hieraus würde sich erklären, dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entgegen der gespürten Forschungsfokussierung durch die Wissenschaftsgemeinschaft doch Lehr- und Transferaktivitäten widmen. Drittens ergibt sich aus dem Spannungsfeld zwischen erwarteter Bewertung durch die Wissenschaftsgemeinschaft und Gesellschaft die Frage, nach welchen Maßstäben denn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selber die Leistungen anderer bewerten. Naheliegend ist, dass sie sich an dem orientieren, was sie selber erwarten und was (vergleichsweise einfach) messbar ist, wie die Anzahl der Publikationen. Geht man jedoch davon aus, dass Leistungsbewertungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auch aus Sicht von wissenschaftlichen Auftraggebern anderen Maßstäben dienen sollen, dann erscheinen entsprechende Klarstellungen durch die Auftraggeber entsprechender Begutachtungen unbedingt erforderlich, wie sie etwa vom Senat der Leibniz-Ge- meinschaft (2014) für Evaluierungen der Mitgliedsinstitute für Verfahrensbeteiligte formuliert werden. Deutlich andere Gewichtungen als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen die nicht in der Wissenschaft tätigen Mitglieder der Gesellschaften. Diese möchten ihre Leistungen in der Forschung mit lediglich etwa 19 Prozent gewichtet wissen, die in der Lehre mit 25 Prozent, deutlich überdurchschnittlich dagegen ihre Transferleistungen mit 29 Prozent (s. Tabelle 3.33). Diese vergleichsweise hohe Gewichtung der Transferfunktionen erwarten sie auch für die Gewichtung der Transferaktivitäten durch Gesellschaft und Wissenschaftsgemeinschaft. Auffällig ist bei dieser Gruppe, dass sie unter allen befragten Mitgliedergruppen die eigenen Weiterbildungsaktivitäten mit 12 Prozent am stärksten gewichtet sehen möchten. Das mag allerdings daran liegen, dass sie
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 41 neben den genannten Auswahlmöglichkeiten weitere Aufgaben haben, die außerhalb der Wissenschaft liegen. Tabelle 3.33: Von nicht in der Wissenschaft tätigen Mitgliedern erwünschte und erwartete Bewertung der eigenen Leistung nach Aufgabenbereichen (in Prozent) Erwünschte Bewertung persönliche Leistung Erwünschte Bewertung Leistung Arbeitsgruppe Erwartete Bewertung durch Wissenschafts - gemeinschaft Erwartete Bewertung durch Gesellschaft Forschung 19 24 27 17 Lehre und Ausbildung 25 22 20 30 Wiss. Gemeinschaft 15 14 16 14 Transfer 29 30 28 35 Eigene Weiterbildung 12 11 9 4 Anzahl Antworten 14 11 15 15 Anm.: n=26. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. 3.4 Einstellungen zur Rolle der Wissenschaft, Aufgaben von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie deren Bewertung Die Auswertungen zu Einstellungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von GEWISOLA und ÖGA (s. Kapitel 3.4) sowie zur deren Berufs- und Lebenszufriedenheit (s. Kapitel 3.5) beruhen ausschließlich auf der Auswertung der Teilnehmenden aus Deutschland und Österreich (n=161). Die Teilnehmenden aus anderen Ländern wurden aus Gründen der Vergleichbarkeit mit vorhandenen Untersuchungen und aufgrund der Heterogenität dieser Gruppe nicht einbezogen. Im Folgenden findet sich die Zusammenfassung der Analyse der Ergebnisse der Einstellungsbefragung im Hinblick auf Selbstverständnis von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und deren Aufgaben sowie zur Leistungsbewertung (s. Tabelle 3.34). Alle Einstellungsfragen in diesem Themenbereich wurden mit Hilfe von 7er-Likert-Skalen abgefragt (1 = stimme überhaupt nicht zu, 4 = teils, teils, 7 = stimme voll und ganz zu). Die Statements sind zunächst anhand der Thematik Selbstverständnis, Rolle in der Gesellschaft und Aufgaben für die wissenschaftliche Gemeinschaft, Leistungsbewertung differenziert dargestellt. Die Differenzierung beruht auf inhaltlichen Überlegungen sowie einer Faktorenanalyse der Statements (Hauptkompentenanalyse, 3-Faktorenlösung, Varimax mit Kaiser-Normierung). Innerhalb jeder Gruppe sind die Statements anhand der Stärke der durchschnittlichen Überzeugung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sortiert. Dafür ist ausschließlich die Stärke der Befürwortung oder Ablehnung von Statements relevant, nicht aber deren Richtung. Positiv und negativ formulierte Statements werden gleich behandelt.
42 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Tabelle 3.34: Liste der Statements Abkürzung Statement I_01 Forschung ist die wichtigste Aufgabe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. I_02 Die Leistungsbewertung, wie sie heute betrieben wird, untergräbt die intrinsische Motivation. I_03 Die Ausweitung projektorientierter Forschungsförderung zu Lasten der Grundfinanzierung erhöht die Qualität der Forschung. I_04 Forschung sollte sich vorrangig an den aktuellen gesellschaftlichen Problemen orientieren. I_05 Projektorientierte Forschungsförderung steht einer langfristigen Forschungsausrichtung entgegen. I_06 Der Druck zur Einwerbung von Drittmitteln untergräbt die wissenschaftliche Freiheit. I_07 Wissenschaftliches Arbeiten basiert vor allem auf Kreativität und der Entwicklung von Forschungsfragen und Lösungsansätzen. I_08 Die Bewertung der Forschungsleistung anhand der Anzahl hochrangiger Journalpublikationen ist sinnvoll. I_09 Die Bewertung der Forschungsleistung anhand kompetitiv eingeworbener Drittmittel ist sinnvoll. I_10 Der Druck zu publizieren lenkt die Forschung in Richtung von Fragestellungen, die kurzfristige Ergebnisse erwarten lassen. I_11 Das Anreizsystem zur Steigerung der Forschungsleistung ist unzureichend. I_12 Die Ausbildung der Studierenden ist die zentrale Aufgabe der Hochschule. I_13 Akademische Lehre sollte in der Hauptsache theorieorientiert sein. I_14 Ich würde gerne mehr Zeit für die Weiterentwicklung der Lehre verwenden. I_15 Die gängige Lehrevaluation ist eine studentische Veranstaltungskritik, die wenig über die Qualität der Lehre aussagt. I_16 Anspruchsvolle Lehre überfordert die Studierenden in zunehmendem Maße. I_17 Meine Regellehrverpflichtung ist deutlich zu hoch. I_18 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten nicht versuchen, auf die Gesellschaft Einfluss zu nehmen. I_19 Wissenschaft besteht aus Forschung und Lehre; andere Tätigkeiten sind irrelevant. I_20 Ich hätte gerne mehr Zeit für den Wissenstransfer. I_21 Der Austausch der Wissenschaft mit der Praxis ist für die Wissenschaft wichtig. I_22 Der Austausch der Wissenschaft mit der Praxis ist für die Praxis wichtig. I_23 Politikberatung ist eine zentrale Aufgabe der Wissenschaft. I_24 Die Beratung von Akteuren und Akteurinnen in der Wirtschaft ist eine wichtige Aufgabe der Wissenschaft. I_25 Zur Bewertung von Transferleistungen benötigt man Indikatoren, die mit denen zur Bewertung von Forschungsleistungen vergleichbar sind. I_26 Die Ausübung eines Amtes der Selbstverwaltung (Dekan, Studiendekan, Senat etc.) gehört zur akademischen Tätigkeit. I_27 Für eine forschungsstarke Wissenschaftlerin oder einen forschungsstarken Wissenschaftler ist es Zeitverschwendung, Aufgaben in der Selbstverwaltung zu übernehmen. I_28 Forschung, Lehre, akademische Selbstverwaltung, Wissens- und Technologietransfer sollten stärker arbeitsteilig organisiert sein (Lehrprofessuren, Outreachprofessuren, professionelle Dekane etc.). I_29 Die Erfüllung von Aufgaben für die wissenschaftliche Gemeinschaft wird aufgrund zunehmender Bürokratie zeitaufwendiger.
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 43 Abkürzung Statement I_30 Die ehrenamtliche Übernahme von Aufgaben für die wissenschaftliche Gemeinschaft (Konferenzveranstaltung, Schriftleitung, Gutachtenerstellung etc.) sollte für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen eine Selbstverständlichkeit sein. I_31 Leistungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft werden nicht genügend gewürdigt. I_32 Für die Zukunft der Wissenschaft tragen das Mentoring und die Betreuung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern am meisten bei. Quelle: Fragebogen der GEWISOLA-ÖGA-Befragung (s. Anhang 4). Insgesamt zeigt die Auswertung, dass die Teilnehmenden ein umfassendes Bild von der Tätigkeit einer Wissenschaftlerin bzw. eines Wissenschaftlers haben. Vielfältige Aufgabenbereiche gehören wesentlich zur wissenschaftlichen Tätigkeit. Im Durchschnitt werden Austausch mit der Praxis (I_21 und I_22), Aufgaben für die wissenschaftliche Gemeinschaft (I_30), die Ausbildung der Studierenden (I_12) sowie Aufgaben in der Selbstverwaltung (I_26) sogar höher eingeschätzt als die Forschung selbst (I_01) und die Betreuung von Nachwuchswissenschaftlern und -wissenschaftlerinnen (I_32). 3.4.1 Selbstverständnis von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Mit wenigen Ausnahmen ist das Selbstverständnis der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehr einheitlich (SD<1,5; s. Tabelle 3.35). Die Teilnehmenden sind sich darin einig, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf die Gesellschaft Einfluss nehmen sollten (I_18) und dass die Ausbildung der Studierenden die zentrale Aufgabe der Hochschule ist (I_12). Weiterhin wird das Selbstverständnis der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in hohem Ausmaß von Forschungsaufgaben und der Betreuung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern geprägt (I_07, I_01 und I_32). Weniger klar fällt die Zustimmung zur Bedeutung aktueller gesellschaftlicher Probleme für die Forschungsausrichtung (I_04) und für die Zeitverwendung zur Weiterentwicklung der Lehre (I_14) aus. Am uneinheitlichsten wird der Umfang der Regellehrverpflichtung beurteilt (I_17, SD>2). Letzteres kann teilweise daraus resultieren, dass der Umfang der Regellehrverpflichtung der Teilnehmenden sehr heterogen ist.
50 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Tabelle 3.41: Einstellungsunterschiede zwischen leitenden und nicht leitenden Personen Statement Leitende Personen Nicht leitende Personen Differenz Mittelwert n Mittelwert n I_17 3,93 68 2,57 28 1,36 *L I_06 4,15 74 5,50 30 -1,35 * I_03 3,14 74 2,00 29 1,14 *L I_30 5,88 73 4,80 30 1,08 *L I_05 4,35 74 5,40 30 -1,05 * I_09 4,19 74 3,20 30 0,99 * I_02 4,58 74 5,50 30 -0,92 * I_24 4,46 74 3,63 30 0,83 * I_23 4,80 74 4,03 30 0,77 a I_19 2,45 74 3,14 29 -0,69 a Anm.: * p<0,05 statistisch signifikant (T-Test), a p<0,10 (T-Test), L Levene-Test (heterogene Varianzen). Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. 3.4.6 Unterschiede zwischen Altersgruppen Im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen Einstellungen und dem Alter der Befragten erscheinen zwei Gruppen von Ergebnissen bemerkenswert: (1) Ergebnisse, bei denen die bis 30-jährigen deutlich anders antworten als die anderen Gruppen, Ergebnisse, bei denen die über 65-jährigen deutlich anders antworten als die anderen Gruppen sowie Ergebnisse bei denen die jüngste und die älteste Altersgruppe jeweils ähnlich antworten, die anderen Gruppen jedoch abweichen (s. Abbildung 3.3) und (2) Ergebnisse, die eine gerichtete altersabhängige Veränderung andeuten (s. Abbildung 3.4). Da Alter und berufliche Stellung miteinander korreliert sind, ist es fraglich, ob es sich bei der zweiten Gruppe von Ergebnissen tatsächlich um einen Alterseffekt handelt. Teilnehmende bis 30 Jahre messen der Theorieorientierung der akademischen Lehre (I_13) mehr Bedeutung bei als alle anderen Altersgruppen. Vor allem aber teilt die jüngste Altersgruppe nicht die Meinung der anderen Altersgruppen, dass die gängige Lehrevaluation als studentische Veranstaltungskritik wenig über die Qualität der Lehre aussagt (I_15). Die Gruppe der über 65-jährigen unterscheidet sich von den anderen Altersgruppen in ihrer Meinung zur Bedeutung von Beratungsleistungen für Wirtschaft (I_24) und Politik (I_23). Beides schätzt die älteste Teilnehmergruppe als deutlich wichtiger ein als die anderen Altersgruppen. Die Gruppe der über 65-jähri- gen und die Gruppe der unter 30-jährigen betonen gemeinsam die Bedeutung von Mentoring und Betreuung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern für die Zukunft der Wissenschaft (I_32).
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 51 Abbildung 3.3: Einstellungen mit Besonderheiten bei einzelnen Altersgruppen Anm.: 7er-Skala (1 = stimme überhaupt nicht zu, 4 = teils, teils, 7 = stimme voll und ganz zu); Stichprobenumfang der Altersgruppen: bis 30, n = 7; 31-35, n = 11 bzw. 12; 36-45, n = 25 bzw. 26; 46-55, n = 41 – 43; 56-65, n = 26 bzw. 27; über 65 Jahre, n = 12 bzw. 13. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Mit dem Alter nimmt die Ablehnung der Statements ab, dass die Ausweitung der projektorientierten Finanzierung die Qualität der Forschung erhöht (I_03) und dass die Bewertung der Forschungsleistung anhand kompetitiv eingeworbener Drittmittel sinnvoll ist (I_09). Weiterhin sinkt mit dem Alter die Zustimmung dazu, dass Leistungsbewertung, wie sie heute betrieben wird, die intrinsische Motivation untergräbt (I_02), dass die projektorientierte Forschungsförderung einer langfristigen Forschungsausrichtung entgegen steht (I_05) und dass der Druck zur Einwerbung von Drittmitteln die wissenschaftliche Freiheit untergräbt (I_06). Mit dem Alter steigt die Zustimmung zu den Statements, dass wissenschaftliches Arbeiten vor allem auf Kreativität und der Entwicklung von Forschungsfragen und Lösungsansätzen basiert (I_07), dass die ehrenamtliche Übernahme von Aufgaben für die wissenschaftliche Gemeinschaft eine Selbstverständlichkeit sein sollte (I_30) und dass die Ausübung eines Amtes der Selbstverwaltung zur akademischen Tätigkeit gehört (I_26). Gleichzeitig steigt die Ablehnung der Statements, dass es für forschungsstarke Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Zeitverschwendung sei, Aufgaben in der Selbstverwaltung zu übernehmen (I_27). Außer dem letztgenannten Statement sind diese Zusammenhänge statistisch signifikant (Spearman Rho, zweiseitig). 1 2 3 4 5 6 7 I_13 I_15 I_23 I_24 I_32 Zustimmung ausgewählte Statements bis 30 31-35 36-45 46-55 56-65 über 65 Jahre
52 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Abbildung 3.4: Einstellungen mit gerichteten altersabhängigen Tendenzen Anm.: 7er-Skala (1 = stimme überhaupt nicht zu, 4 = teils, teils, 7 = stimme voll und ganz zu); Stichprobenumfang der Altersgruppen: bis 30, n = 7;31-35, n = 11 bzw. 12; 36-45, n = 24 – 26; 46-55, n = 41 – 43; 56-65, n = 26 – 28; über 65 Jahre, n = 12 bzw. 13. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Aus den genannten, mit dem Alter verbundenen Tendenzen lässt sich schließen, dass über die Zeit die wissenschaftliche Karriere wieder vermehrt als ein Beruf wahrgenommen wird, der trotz verschiedener Ansätze zur Leistungsmessung und -steuerung noch immer erhebliche Freiräume bietet. Auch scheint die langjährige Erfahrung der älteren Teilnehmenden darauf hin zu deuten, dass die starke intrinsische Motivation, die generell als Voraussetzung für eine akademische Karriere angesehen wird, trotz kritisch gesehener Leistungsanreize nicht verloren geht. Mit dem Alter steigt die Einschätzung der Bedeutung von Forschungsfragen und Kreativität für wissenschaftliches Arbeiten. Ferner entwickeln Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen mit dem Alter ein höheres Verständnis für die Bedeutung ihres Engagements für die wissenschaftliche Gemeinschaft und in der akademischen Selbstverwaltung. 3.5 Berufs- und Lebenszufriedenheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Die Berufs- und die Lebenszufriedenheit wurden mit Hilfe von 11er-Skalen abgefragt (0 = überhaupt nicht zufrieden, 10 = völlig zufrieden). Die verwendete Skala basiert auf der von Beierlein et al. (2015) für GESIS entwickelten Kurzskala für Lebenszufriedenheit. Davon abweichend verwenden 1 2 3 4 5 6 7 I_02 I_03 I_05 I_06 I_07 I_09 I_26 I_27 I_30 Zustimmung ausgewählte Statements bis 30 31-35 36-45 46-55 56-65 über 65 Jahre
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 53 zahlreiche Zufriedenheitsstudien 7er- oder 5er-Skalen, was bei Vergleichen der vorliegenden Ergebnisse mit anderen Zufriedenheitsstudien beachtet werden muss. Für die Kennzahl „Prozent Zufriedene“, in die hier die Stufen 6-10 einbezogen werden, ist jedoch ein direkter Vergleich möglich. Insgesamt sind die teilnehmenden GEWISOLA- und ÖGA-Mitglieder aus Deutschland und Österreich sowohl mit ihrem Beruf (s. Tabelle 3.42) als auch mit ihrem Leben sehr zufrieden (s. Tabelle 3.43). Dabei liegt die Lebenszufriedenheit im Durchschnitt aller Beteiligten noch deutlich über der Berufszufriedenheit. Die Korrelation zwischen Berufszufriedenheit und Lebenszufriedenheit ist hoch (Pearson Korrelationskoeffizient 0,569; p<0,01; zweiseitig; n=125). Im Einzelfall stellt sich die Situation allerdings stellenweise anders dar. Eine höhere Berufszufriedenheit als Lebenszufriedenheit berichten 13,6 Prozent, und 38,4 Prozent berichten eine identische Berufs- und Lebenszufriedenheit. Tabelle 3.42: Berufszufriedenheit nach Gruppen Mittelwert Standardabwei- chung n Prozent Zufriedene Gesamtgruppe 7,37 2,20 126 87,3 Frauen 6,48 2,85 27 70,4 Männer 7,58 1,84 90 94,5 unbefristet Tätige 7,73 1,84 86 91,9 befristet Tätige 6,11 2,46 28 75,0 nicht (mehr) im Arbeitsverhältnis stehend 7,45 3,05 11 81,8 Professoren an Universitäten 7,96 1,52 45 93,3 Professoren an (Fach-)Hochschulen 6,78 2,33 9 77,8 Wiss. Mitarbeiter an Universitäten 6,91 2,29 22 81,8 Wiss. Mitarbeiter an (Fach-)Hochschulen - - 1 - Anm.: Für n<5 keine Auswertung. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Es wurde erwartet, dass Berufs- und Lebenszufriedenheit der Mitglieder von GEWISOLA und ÖGA höher sind als diejenige durchschnittlicher Bürger und Bürgerinnen von Deutschland und Österreich. Diese Annahme liegt darin begründet, dass Personen mit höherer Bildung im Mittel über eine höhere Lebenszufriedenheit berichten als Personen mit geringerer Bildung (Beierlein et al., 2015). Weiterhin liegen Hochschullehrer und -lehrerinnen sowie Forscherinnen und Forscher die Liste der Berufe des „Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung“ im Hinblick auf die Zufriedenheit mit der Arbeit regelmäßig auf den vorderen Plätzen (Bernau, 2016 und 2017). Für Deutschland liegen sowohl Berufszufriedenheitsstudien von in der Wissenschaft Tätigen (Jacob und Teichler, 2011) als auch Lebenszufriedenheitsstudien der Bevölkerung (Beierlein et al., 2015) vor, die im Folgenden mit den vorliegenden Umfrageergebnissen verglichen werden. Es ist davon auszugehen,
54 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern dass Deutschland und Österreich ähnlich genug sind und die Ergebnisse zusammen betrachtet werden können. Allerdings ist die durchschnittliche Berufszufriedenheit bei Teilnehmenden aus Österreich etwas geringer als bei Teilnehmenden aus Deutschland. Die Befragungsteilnehmer aus anderen Ländern wurden aus Gründen der Vergleichbarkeit und wegen ihrer Heterogenität nicht in die Auswertung einbezogen (vgl. auch Kapitel 3.4). Tabelle 3.43: Lebenszufriedenheit nach Gruppen Mittelwert Standardabwei- chung n Prozent Zufriedene Gesamtgruppe 8,28 1,45 127 94,5 Frauen 7,85 1,96 27 85,2 Männer 8,34 1,24 91 96,7 unbefristet Tätige 8,34 1,33 86 95,3 befristet Tätige 7,86 1,80 28 89,3 nicht (mehr) im Arbeitsverhältnis stehend 8,75 1,29 12 100 Professoren an Universitäten 8,47 1,47 45 93,3 Professoren an (Fach-)Hochschulen 8,33 1,00 9 100 Wiss. Mitarbeiter an Universitäten 8,33 0,97 21 100 Wiss. Mitarbeiter an (Fach-)Hochschulen - - 1 - Anm.: Für n<5 keine Auswertung. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Eine von Jacob und Teichler (2011) im Jahr 2007/8 durchgeführte Studie des BMBF betrachtet die Situation der Hochschullehrerinnen und -lehrer sowie von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Deutschland. Die Fragestellung lautete „Wie würden Sie insgesamt Ihre berufliche Zufriedenheit mit Ihrer derzeitigen Tätigkeit als Wissenschaftler einschätzen?“ (5er-Skala, 1 = ausgezeichnet, 5 = sehr schlecht). In dieser Studie waren Personen mit C4/W3-Besoldung deutlich zufriedener als Personen mit C3/W2-Besoldung (78 % versus 62 %); Männer waren zufriedener als Frauen (73 % versus 61 %); Personen mit Professur in den Natur- und Ingenieurwissenschaften waren zufriedener als Personen mit Professur in den Geistes- und Sozialwissenschaften (76 % versus 68 %). Allerdings vertreten Jacob und Teichler (2011) die Ansicht, dass die „erkennbaren Unterschiede nach Fachrichtungsgruppen und Geschlecht […] zu einem beachtlichen Teil auf deren unterschiedliche Verteilung auf diese beiden Besoldungsstufen zurückzuführen“ (S. 144) sind. Dieser Zusammenhang lässt sich jedoch auf Basis der GEWISOLA-ÖGA-Befragung nicht prüfen. Der Vergleich zwischen der Studie des BMBF und der GEWISOLA-ÖGA-Befragung zeigt eine außerordentlich hohe Berufszufriedenheit der teilnehmenden GEWISOLA-ÖGA-Mitglieder (s. Abbildung 3.5). Diese Ergebnisse zeigen sich über Universitäten und Fachhochschulen hinweg und sowohl bei
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 55 Professorinnen und Professoren als auch bei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern5. Daher ist nicht davon auszugehen, dass es sich um den Effekt eines anderen Einflussfaktors, wie Anteil Befristete, Alter oder Geschlecht (siehe unten) handelt. Es liegt folglich nahe, dass die Berufsgruppe der wissenschaftlich Tätigen in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus eine noch größere Berufszufriedenheit erreicht als viele andere in Wissenschaft und Forschung Tätige. Auffällig ist jedoch die im Vergleich zu den Professorinnen und Professoren an Universitäten deutlich geringere Berufszufriedenheit an den (Fach-)Hochschulen in der GEWISOLAÖGA-Befragung. Diese ist sogar geringer ist als bei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an Universitäten. Es kann sich hier allerdings um eine Folge der geringen Zahl der Teilnehmenden aus (Fach-)Hochschulen handeln. Abbildung 3.5: Vergleich der Umfrageergebnisse zur Berufszufriedenheit an Universitäten und (Fach-)Hochschulen mit Ergebnissen der BMBF-Studie Anm.: 11er-Skalen abgefragt (0 = überhaupt nicht zufrieden, 10 = völlig zufrieden); Stichprobenumfang GEWISOLA-ÖGA zu BMBF: Professoren an Universitäten, n = 45 zu 149; Professoren an (Fach-)Hochschulen, n = 9 zu 86; Wiss. Mitarbeiter an Universitäten, n = 22 zu 828; Wiss. Mitarbeiter an (Fach-)Hochschulen n = 1 zu 41; n<5 nicht ausgewertet. Quelle: GEWISOLA-ÖGA: eigene Erhebung und Berechnungen, BMBF: Jacob und Teichler (2011). 5 Aufgrund der unterschiedlichen Terminologie beider Studien wurden hier die Begrifflichkeiten der BMBF-Studie beibehalten. Bei der GEWISOLA-ÖGA Befragung sind jedoch für beide Institutionen jeweils bei den Professorinnen und Professoren alle als „Leitende Personen“ Bezeichneten und bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern alle als „Nicht leitende Personen“ Bezeichnete zugeordnet (s. Tabelle 3.40). 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Professoren an Universitäten Professoren an (Fach-) Hochschulen Wis. Mitarbeiter an Universitäten Wis. Mitarbeiter an (Fach-) Hochschulen Zufriedenheit (%) Gewisola/ ÖGA BMBF
56 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Erwartungsgemäß ist die Lebenszufriedenheit der teilnehmenden GEWISOLA- und ÖGA-Mitglieder hoch, verglichen mit der Gesamtbevölkerung (s. Abbildung 3.6). Die Lebenszufriedenheit der Teilnehmenden liegt auch noch deutlich über derjenigen der Bevölkerung in Deutschland mit hoher Bildung. Allerdings fällt auf, dass die Lebenszufriedenheit der weiblichen Mitglieder von GEWISOLA und ÖGA nicht dem Muster der Bevölkerung folgt, wonach Frauen über höhere Zufriedenheit berichten, sondern das Gegenteil der Fall ist. Mit dieser Fragestellung setzt sich der nächste Abschnitt (3.5.1) auseinander. Abbildung 3.6: Vergleich der Umfrageergebnisse zur Lebenszufriedenheit mit Referenzwerten der bevölkerungsrepräsentativen Stichprobe Anm.: 11er-Skala (0 = überhaupt nicht zufrieden, 10 = völlig zufrieden); Stichprobenumfang: GEWISOLA-ÖGA n = 127; Beierlein et al. (2015) n = 1.134. Quelle: GEWISOlA-ÖGA: eigene Erhebung und Berechnungen, Beierlein et al. (2015; hB = hohe Bildung/Schuldauer über 11 Jahre). 3.5.1 Unterschiede zwischen Männern und Frauen Die Werte der Männer liegen sowohl bei der Berufszufriedenheit als auch bei der Lebenszufriedenheit über denjenigen der Frauen (s. Abbildung 3.7). Die teilnehmenden Männer sind nicht nur im Mittel zufriedener, sondern zeigen auch eine geringere Streuung als die teilnehmenden Frauen. Einschränkend ist anzumerken, dass die Anzahl teilnehmender Frauen deutlich geringer war als die Anzahl teilnehmender Männer. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen bei der Berufszufriedenheit beträgt 1,1 (p=0,068, T-Test). Diese geringere Berufszufriedenheit der Frauen dürfte primär damit zusammenhängen, dass 44 Prozent der Frauen, die diese Frage beantwortet haben, befristet beschäftigt waren, gegenüber nur 18 Prozent der Männer. Bei beiden Geschlechtsgruppen finden sich bei Berufszufriedenheitswerten erhebliche Abschläge bei den befristet Beschäftig- 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Gewisola/ ÖGA BEIERLEIN BEIERLEIN (hB) Lebenszufriedenheit Frauen Männer
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 57 ten. Bei den befristet beschäftigten Frauen findet sich ein durchschnittlicher Berufszufriedenheitswert von 6,3 gegenüber 7,4 bei den unbefristet Beschäftigten. Bei den Männern ist der Abstand mit Werten von 5,9 gegenüber 7,9 sogar noch ausgeprägter. Abbildung 3.7: Berufs- und Lebenszufriedenheit nach Geschlecht Anm.: 11er-Skala (0 = überhaupt nicht zufrieden, 10 = völlig zufrieden); Stichprobenumfang: Frauen n = 27, Männer n = 90 bzw. 91. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. 3.5.2 Einfluss von Anstellungsbefristung, Institution und beruflicher Stellung Die Auswertung zeigt, dass die Berufszufriedenheit von befristet Tätigen deutlich geringer ist als diejenige von unbefristet Tätigen. Die Lebenszufriedenheit ist gleichfalls geringer, jedoch ist der Unterschied hier nicht groß (s. Abbildung 3.8). Der Unterschied bei der Berufszufriedenheit ist statistisch hoch signifikant (T-Test). Generell ist das Zufriedenheitsniveau bei an Universitäten unbefristet Tätigen höher als bei den beiden anderen Gruppen mit Forschungstätigkeit (Fachhochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen). Die BMBF-Studie unterscheidet nicht nach Befristung der Tätigkeit und bietet somit keine Vergleichsmöglichkeit. Bei den außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist die Berufszufriedenheit der befristet Tätigen ähnlich wie bei den Universitäten. 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Berufszufriedenheit Lebenszufriedenheit Zufriedenheit Frauen Männer
58 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Abbildung 3.8: Berufs- und Lebenszufriedenheit nach Befristung des Arbeitsverhältnisses Anm.: 11er- Skala (0 = überhaupt nicht zufrieden, 10 = völlig zufrieden); Stichprobenumfang: unbefristet Tätige, n = 86; befristet Tätige, n = 28. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Der Unterschied zwischen der Berufszufriedenheit bei an Universitäten und an (Fach-)Hochschulen Tätigen entspricht tendenziell den Ergebnissen der BMBF-Studie (Jacob und Teichler, 2011). Die Berufszufriedenheit bei den außeruniversitären Forschungseinrichtungen liegt auf ähnlichem Niveau wie bei den (Fach-)Hochschulen (s. Tabelle 3.44). Die Lebenszufriedenheit der Teilnehmenden aus allen Gruppen ist außerordentlich hoch. Am geringsten ist sie mit immer noch 80 Prozent Zufriedenen bei denjenigen, die an außeruniversitären Forschungseinrichtungen befristet tätig sind (s. Tabelle 3.45). Alle anderen Gruppen zeigen Werte zwischen 90 und 100 Prozent Zufriedenen, wenngleich die Mittelwerte eine größere Variation deutlich machen (6,20 bei an außeruniversitären Forschungseinrichtungen befristet Tätigen bis 9,00 bei in der Wirtschaft Tätigen). Gegenüber den bei außeruniversitären Forschungseinrichtungen befristet Tätigen ist der Mittelwert der Lebenszufriedenheit bei an Universitäten befristet Tätigen mit 8,10 hoch. Die größten Unterschiede zwischen Berufs- und Lebenszufriedenheit finden sich bei den in (Fach-)Hochschulen Tätigen und bei den in der Verwaltung Tätigen. Am zufriedensten beruflich und mit ihrem Leben sind die Teilnehmenden aus der Wirtschaft. Deren Anzahl ist jedoch sehr gering (n = 6), so dass dieses Ergebnis mit Vorsicht zu interpretieren ist. Da der Anteil von GEWISOLA-ÖGA-Mitgliedern, die in der Wirtschaft tätig sind, gering ist, handelt es sich hier um eine spezielle Gruppe. Die Ergebnisse sind daher keinesfalls auf die in der Wirtschaft Tätigen im Allgemeinen gegenüber den nicht in der Wirtschaft Tätigen zu übertragen. 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Berufszufriedenheit Lebenszufriedenheit Zufriedenheit unbefristet Tätige befristet Tätige
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 59 Tabelle 3.44: Berufszufriedenheit nach Institutionen und Befristungsverhältnis n Mittelwert Standardabwei- chung Prozent Zufriedene an Universitäten Tätige 70 7,53 2,06 88,6 unbefristet 42 8,12 1,47 95,2 befristet 21 6,19 2,48 76,2 an (Fach-)Hochschulen Tätige 10 7,00 2,31 80,0 unbefristet 8 7,25 1,98 87,5 befristet 2 - - - an außeruniversitäre Forschungseinrichtungen Tätige 29 6,72 2,67 82,8 unbefristet 20 6,85 2,32 85,0 befristet 5 5,80 2,28 80,0 in der Verwaltung Tätige 8 6,88 1,73 87,5 in der Wirtschaft Tätige 6 9,00 0,63 100 Anmerkung: Für n<5 keine Auswertung. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Tabelle 3.45: Lebenszufriedenheit nach Institutionen und Befristungsverhältnis n Mittelwert Standardabwei- chung Prozent Zufriedene an Universitäten Tätige 69 8,41 1,38 94,2 unbefristet 41 8,51 1,33 95,1 befristet 21 8,10 1,45 90,5 an (Fach-)Hochschulen Tätige 10 8,50 1,08 100 unbefristet 8 8,25 1,04 100 befristet 2 - - - an außeruniversitäre Forschungseinrichtungen Tätige 30 7,73 1,76 90,0 unbefristet 21 7,90 1,48 90,5 befristet 5 6,20 2,49 80,0 in der Verwaltung Tätige 9 8,22 1,48 100 in der Wirtschaft Tätige 6 9,00 0,63 100 Anmerkung: Für n<5 keine Auswertung. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Im Hinblick auf die berufliche Stellung ist die äußerst geringe Berufszufriedenheit der Gruppe derjenigen auffällig, die habilitieren oder eine PostDoc- bzw. Senior-Researcher-Position innehaben (s. Abbildung 3.9). Dies spiegelt sich auch in der eher geringen Berufszufriedenheit derjenigen mit
66 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern 3.6.3 Koautorenschaft bei Gemeinschaftspublikationen Im Themenkomplex „Ethische Grundpositionen in der Wissenschaft“ ist die Frage der Koautorenschaft bei Gemeinschaftspublikationen wichtig und ein offenbar nicht ausdiskutiertes Thema. Es gibt keine einheitliche Regel, nach der in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues vorgegangen wird. Die Verhaltensweisen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind sehr unterschiedlich: Bei Gemeinschaftspublikationen wird die Autorenschaft teils alphabetisch, teils nach der Bedeutung der individuellen Beiträge vergeben, wobei ganz offensichtlich die Rolle der Instituts- oder Arbeitsgruppenleitung nicht eindeutig definiert ist. Dies verursacht zunehmend Probleme, z. B. bei vergleichenden Gutachten und allgemein in Bewerbungs- und Berufungsverfahren, wenn Personen mit unterschiedlicher „Praxis“ im Hinblick auf die Autorenschaft verglichen werden müssen. Vor diesem Hintergrund hatte das Thema Koautorenschaft vergleichsweise großes Gewicht im Fragebogen (Fragen K3_1 bis K3_13). Es fällt auf, dass bei einer ganzen Reihe von Fragen zur Koautorenschaft klare Mehrheitsmeinungen vertreten werden. Gleichzeitig verbleibt bei wichtigen Punkten eine merkliche Zahl abweichender Meinungen. Es besteht offenbar weiterer Klärungsbedarf; die Interpretation einiger Ergebnisse ist nicht eindeutig möglich. Zwei wichtige Statements zur Koautorenschaft bei Gemeinschaftspublikationen werden mehrheitlich eindeutig abgelehnt. Die Mitglieder unserer Gesellschaften wollen keine grundsätzliche Regel der Autorenschaft in alphabetischer Reihenfolge (Frage K3_2) (s. Tabelle 3.48). Sie wollen auch keine grundsätzlich „naturwissenschaftliche“ Position der Autorenschaft, wonach der (die) Leiter(in) des Instituts oder der Arbeitsgruppe immer als Letztautor(in) auf Gemeinschaftspublikationen stehen sollte, da er (sie) durch Bereitstellung der Ressourcen und Forschungsmanagement die Grundlage für Arbeiten des Teams legt (Frage K3_3). Die Ablehnung der Statements erfolgt mit einer sehr deutlichen Mehrheit: Der Modus der Antworten liegt jeweils bei 1 auf der Likert-Skala. Tabelle 3.48: Aussagen zur Koautorenschaft mit mehrheitlicher Ablehnung Statements Ablehnung (%) Mittelwert Standardabweichung K3_2: Autorenschaft sollte in alphabetischer Reihenfolge erscheinen. 66,9 2,68 2,02 K3_3: Instituts-/Arbeitsgruppenleiter(in) sollte prinzipiell Letztautor sein. 61,4 2,91 2,01 Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Allerdings gehen diese klaren Mehrheitspositionen nicht mit einem Konsens einher. Immerhin 18,8 Prozent der Befragten votieren für die alphabetische Autorenreihenfolge und sogar 21,2 Prozent für die naturwissenschaftliche Reihenfolge der Koautorenschaft mit dem (der) Instituts- oder Arbeitsgruppenleiter(in) an letzter Stelle.
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 67 Eine klare Mehrheit der Befragten stimmt auch wichtigen weiteren Statements zur Koautorenschaft zu. Diese Statements sind in Tabelle 3.49 zusammengefasst. Tabelle 3.49: Aussagen zur Koautorenschaft mit mehrheitlicher Zustimmung Statements Zustimmung (%) Mittelwert Standardabweichung Mitautor(in) nur bei „wesentlichem Beitrag“ (K3_5) 86,5 6,05 1,41 Erstautor(in), der (die) wesentlichsten Beitrag leistet (K3_11) 93,9 6,44 1,27 Wesentlicher Beitrag eines (einer) Koautors (Koautorin) bei: Erarbeitung der Konzeption (K3_6) Durchführung der theoretischen Analyse (K3_7) Erarbeitung und Interpretation der empirischen Analyse (K3_8) Verfassen der Arbeit (K3_9) 84,1 91,7 92,4 89,5 5,81 6,11 6,32 6,19 1,56 1,27 1,17 1,43 Unethisch, bei keinem oder geringem Beitrag Koautorenschaft zu beanspruchen (K3_1) 81,2 5,85 1,73 Gemeinsame Erklärung zum Eigenbeitrag bei kumulativen Qualifikationsarbeiten (K3_13) 68,9 5,16 1,95 Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. So ist die große Mehrheit der Mitglieder dafür, dass nur diejenigen Koautorenschaft beanspruchen können, die einen wesentlichen Beitrag zur Publikation geleistet haben (K3_5). In fast identischem Antwortmuster wird dieses Statement auch für betreuende Personen bewertet (K3_4). Offenbar besteht die klare Mehrheitsmeinung, dass Betreuer(innen) dann Koautoren sein sollten, wenn sie zur Einzelpublikation einen wesentlichen Beitrag geleistet haben. Natürlich entsteht dann die Frage, wie ein „wesentlicher Beitrag“ definiert werden sollte. Die Statements K3_6 bis K3_9 decken mögliche Leistungen ab, die ggf. einen „wesentlichen Beitrag“ darstellen können. All diese möglichen Leistungen erfahren Zustimmung: Die GEWISOLA/ÖGA- Mitglieder sehen in der Erarbeitung der Konzeption oder Methodik der Studie (K3_6), der theoretischen Analyse (K3_7), der Analyse und Interpretation von Daten und empirischen Ergebnissen (K3_8) und dem eigentlichen Schreiben der Arbeit (K3_9) jeweils mit großer Mehrheit einen wesentlichen Beitrag zu einer Publikation. Bei all diesen Fragen liegt der Modus der Antworten bei 7 auf der Likert-Skala. Interessant ist dann die Frage, ob einer dieser Teilbeiträge als ausreichend für eine Koautorenschaft angesehen wird oder ob die Mitglieder mehr als nur einen dieser Teilbeiträge dafür erwarten. Die Antworten auf Statement K3_10 beantworten diese Frage. Die Aussage, dass mehr als eine Teilleistung erbracht werden muss für die Berechtigung zur Ko-Autorenschaft, wird überwiegend abgelehnt (56,1 % Ablehnung; x = 2,00). Der Modus der Antworten liegt bei 1 auf der Likert-Skala.
68 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Allerdings gibt es eine große Streuung bei den Antworten zu Statement K3_10. Es liegt eine Zustimmungsquote von immerhin 34,8 Prozent vor, und 22,0 Prozent der Befragten stimmt voll und ganz zu, dass mehr als eine der Leistungen für eine Koautorenschaft notwendig ist. Offenbar gibt es im Hinblick auf die notwendige Zahl von Leistungen für eine Koautorenschaft keinen Konsens unter den GEWISOLA/ÖGA-Mitgliedern. Eine weiterführende Diskussion erscheint notwendig. Es lässt sich festhalten, dass nach eindeutiger Mehrheit der Befragten eine der vier genannten Teilleistungen (Statements K3_6 bis K3_9) eingefordert wird, um Koautorenschaft zu beanspruchen, aber nicht mehr als eine dieser Teilleistungen. Interessant sind zusätzlich die Antworten zum Statement K3_1. Hier zeigt sich große Zustimmung zur Aussage, es sei unethisch, die (Ko-)Autorenschaft zu beanspruchen oder anzunehmen, wenn kein oder nur ein geringer Beitrag zu einer Veröffentlichung vorliegt (81,2 % Zustimmung; x = 5,85). Überraschend ist allerdings die Ablehnung des Statements bei immerhin 13,5 % der Befragten. Die disaggregierte Statistik weist hier darauf hin, dass wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Statement K3_1 weniger zustimmen. Tendenziell ist auch bei Frauen im Vergleich zu Männern, bei deutschen im Vergleich zu österreichischen Agrarökonominnen und -ökonomen und bei Professorinnen und Professoren mit W- gegenüber C-Besoldung die Zustimmung zu Statement K3_1 etwas geringer und die Ablehnungsquote etwas höher. Hier besteht weiterer Klärungs- und Analysebedarf, um die Gründe für die Gegenposition zu Statement K3_1 herauszuarbeiten. Überwiegend Zustimmung ist auch für das Statement K3_13 festzustellen, wonach für kumulative Qualifikationsarbeiten die gemeinsame Erklärung zum Eigenbeitrag aller Koautorinnen und -auto- ren abgegeben werden sollte (Zustimmung 68,9 %). Da diese Maßnahme die Transparenz zum Eigenbeitrag erhöhen würde, erscheint die Ablehnung durch immerhin 21,2 Prozent der Befragten nicht nachvollziehbar. Hier bleiben bei Betrachtung der aggregierten Ergebnisse Fragen offen. Zusätzliche Erkenntnisse lassen sich aus den disaggregierten Ergebnissen von Anhang 6.2 bis 6.6 ableiten. Zwischen Professorinnen und Professoren einerseits und wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern andererseits besteht sehr weitgehender Konsens bei den Grundpositionen zur Koautorenschaft (vgl. Anhang 5.2). Bei einigen Statements wird allerdings deutlich, dass Professorinnen und Professoren diesen noch ausgeprägter zustimmen. So unterstützen sie die Aussage, betreuende Personen sollten nur bei einem wesentlichen Beitrag zu einer Publikation als Koautoren aufgenommen werden, noch mehr als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ( x = 6,30 gegenüber 5,48 bei Statement K3_4). Dieser Mittelwertunterschied ist bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von weniger als 1 Prozent statistisch signifikant. Professorinnen und Professoren sind auch noch bestimmter als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ansicht, dass der (die) Koautor(in) mit dem wesentlichsten Beitrag Erstautor(in) sein sollte ( x =6,58 gegenüber 5,83 bei Statement K3_11). Auch hier unterscheiden sich die mittleren Positionen signifikant bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 Prozent. Professorinnen und Professoren halten auch – wie zu erwarten war – die Abgabe einer gemeinsamen Erklärung bei Gemeinschaftspublikationen für noch wichtiger, worin der Beitrag jedes Koautors (jeder Koautorin) besteht ( x = 5,43 gegenüber
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 69 4,66 bei Statement K3_13). Auch hier weist der t-Test auf einen statistisch signifikanten Mittelwertunterschied, bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 10 Prozent, hin. Weitere Statements, bei denen die Zustimmung der Professorinnen und Professoren ausgeprägter ist, liegen vor (z.B. bei K3_1, K3_3 und K3_10). Bei den Statements zur Autorenschaft lassen sich auch in Abhängigkeit vom Geschlecht einige Besonderheiten feststellen (vgl. Anhang 6.4). Zu Statements K3_1 (unethisch, bei keinem oder geringem Beitrag Koautorenschaft zu beanspruchen oder anzunehmen) äußern männliche Befragte im Mittel ( x = 6,02) klarere Zustimmung als weibliche Befragte ( x = 5,55), ebenfalls bei Statement K3_4 (Koautorenschaft betreuender Personen nur bei wesentlichem Beitrag zur Einzelpublikation) und Statement K3_11 (Erstautor, wer den wesentlichsten Beitrag leistet). Umgekehrt lehnen weibliche Befragte besonders deutlich die alphabetische Autorenreihenfolge ab, mit x = 2,17, gegenüber x = 2,78 bei männlichen Befragten. Sie sind im Mittel auch kritischer gegenüber der „naturwissenschaftlichen“ Position in Statement K3_3, wonach Instituts- oder Arbeitsgruppenleiter(innen) Letztautoren aller Publikationen der Arbeitsgruppe sein sollten. Die mittlere Einstellung liegt bei x = 2,57 gegenüber x = 2,91 bei Männern. Im Hinblick auf das Herkunftsland sind überwiegend Gemeinsamkeiten festzustellen, wie z.B. die bei GEWISOLA- und ÖGA-Mitgliedern dominierende Einstellung, es solle die Erstautorenschaft erhalten, wer den wesentlichsten Beitrag geleistet hat. Jeweils über 90 Prozent Zustimmung liegt bei Statement K3_11 vor. Trotzdem gibt es einige Unterschiede zwischen ÖGA- und GEWISOLA- Mitgliedern. Auffällig ist, dass ÖGA-Mitglieder ( x = 2,13) im Mittel deutlicher als GEWISOLA- Mitglieder ( x = 2,91) die alphabetische Autorenreihenfolge ablehnen. Der Unterschied ist bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 10 Prozent statistisch signifikant; nur 12,5 Prozent der ÖGA- Mitglieder stimmen der alphabetischen Autorenreihenfolge zu, aber 22,2 Prozent der GEWISOLA- Mitglieder. Außerdem sehen ÖGA-Mitglieder – wie GEWISOLA-Mitglieder – zwar die definierten Teilleistungen in den Statements K3_6 bis K3_9 als wesentliche Beiträge an, aber durchgängig mit etwas weniger Zustimmung. Die Mittelwertunterschiede sind mehrfach statistisch signifikant bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 10 Prozent oder weniger. Möglicherweise sehen ÖGA- Mitglieder (eine oder mehrere) weitere Teilleistungen als wesentlich an, die nicht im Fragebogen aufgelistet waren. Bei der Betrachtung des beruflichen Status bei den GEWISOLA-Mitgliedern ist eine wichtige Frage, ob sich die Einstellungen von Professorinnen und Professoren der C- und der W-Besoldung unterscheiden, da verschiedene Anreize in den beiden Gruppen wirksam sind. Hier zeigen sich aber zunächst große Gemeinsamkeiten bei wichtigen Fragen. So stimmen beide Gruppen sehr eindeutig und im Mittel ähnlich den Statements K3_4, K3_5 und K3_11 zu: Betreuende Personen können und sollten nur dann als Autoren aufgenommen werden, wenn sie einen wesentlichen Beitrag zum Einzelbeitrag geleistet haben ( x = 6,26 bzw. 6,08), und generell setzt Koautorenschaft einen wesentlichen Beitrag zur Publikation voraus ( x = 6,21 bzw. 6,24). Erstautorenschaft sollte erhalten, wer den wesentlichsten Beitrag geleistet hat ( x = 6,89 bzw. 6,60). Allerdings lehnen die Professorinnen und Professoren mit C-Besoldung im Mittel deutlich weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen mit
70 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern W-Besoldung Statement K3_3 ab, wonach Instituts- oder Arbeitsgruppenleiterinnen und -leiter als Letztautor/in auf allen Publikationen aus der Arbeitsgruppe erscheinen sollten ( x = 3,47 gegenüber 2,72). Die Mittelwerte zeigen die in beiden Gruppen ablehnenden Mehrheitsmeinungen. Trotzdem lässt die Konstellation von Antworten darauf schließen, dass dann, wenn die eher „naturwissenschaftliche“ Sichtweise der Koautorenschaft vertreten wird, dies eher für Professorinnen und Professoren mit C- als mit W-Besoldung gilt. Offenbar sieht eine Minderheit der Professorinnen und Professoren im Forschungsmanagement und in der Bereitstellung von Ressourcen die Grundlage für wissenschaftliche Arbeiten des Teams und damit auch für jeden Einzelbeitrag. Dies kommt eher bei Befragten mit C- als mit W-Besoldung vor. Wieder sind einige bemerkenswerte Besonderheiten im Antwortmuster der Promovierenden vorhanden. Diese stimmen der Aussage K3_1 (unethisch, bei keinem oder geringem Beitrag Koautorenschaft zu beanspruchen oder anzunehmen) deutlich weniger zu als Professorinnen und Professoren ( x = 4,86 gegenüber 6,42 bei C- und 6,12 bei W-Besoldung). Auch Statement K3_4 (Koautorenschaft betreuender Personen nur bei wesentlichem Beitrag zur Einzelpublikation) stimmen sie weniger zu ( x = 5,29) als Professorinnen und Professoren mit C- ( x = 6,26) oder W-Besoldung ( x = 6,08). Promovierende äußern sich bei Statement K3_10 (wesentlicher Beitrag zur Publikation nur bei mehr als einer Teilleistung) im Mittel ablehnender ( x = 2,71) als alle anderen Gruppen, ebenso bei den Statements K3_12 und K3_13, die genaue Angaben zum Einzelbeitrag des Autors bzw. Erklärungen der Koautoren einfordern. 3.7 Zusätzliche Anmerkungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in offenen Fragen 3.7.1 In der Befragung vernachlässigte Aufgabenbereiche Die Befragten wurden gebeten, Aufgabenbereiche zu nennen, die aus ihrer Sicht bei den Fragen zur Leistungsbewertung vernachlässigt wurden (G1). Sieben der 60 Personen, die hierzu antworteten, gaben explizit an, dass keine Aufgabenbereiche fehlten. Einige der Antworten zeigen, dass die betreffenden Personen die im Fragebogen aufgeführten Aufgabenbereiche nur flüchtig gelesen oder anders interpretiert haben. Ansonsten ist nicht zu erklären, warum z.B. Politikberatung von drei Personen aufgeführt wurde, obwohl diese unter „Wissens- und Technologietransfer insgesamt“ explizit genannt war (B5_3). Einige der Antworten, die sich auf Verwaltung/administrative Aufgaben beziehen, sind unter dem im Fragebogen enthaltenen Aufgabenbereich „Leistungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft“ (B4) zu subsumieren, der weiter unterteilt wird in Leistungen „in der eigenen Einrichtung, z.B. internes Management (Institut, Lehrtstuhl etc.), Ämter- und Gremienarbeit“ (B4_1) und „außerhalb der eigenen Einrichtung, z.B. Beiräte anderer wissenschaftlicher Einrichtungen, Gremien von Wissenschaftsorganisationen (DFG, Wissenschaftsrat, wissenschaftliche Gesellschaften), Editorial Boards wissenschaftliche Journale, Tätigkeit als Reviewer“ (B4_2). Die Nennung z.B. von „Verwaltungsaufgaben“, „Verwaltungstätigkeiten“, „Vertretung in
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 71 Gremien“, „universitäre Selbstverwaltung“ oder „alltägliche Bürokratie der EU-Projekte“ sind vielleicht auch ein Ausdruck dessen, dass diese Bereiche nach Ansicht der Befragten (zu) viel Zeit beanspruchen. Dies gilt vermutlich auch für Nennungen wie „Rechnerkonfiguration“, „Vertragsgestaltung“ oder „viele Anfragen zu allem Möglichen“. Der Bereich Mitarbeiterführung/Personalführung wurde vier Mal als Ergänzung vorgeschlagen. Die Betreuung von Master-/Diplomarbeiten wurde sechs Mal genannt. Die meisten der Befragten haben letztere vermutlich im Aufgabenbereich „Lehre und Ausbildung insgesamt“ (B2) unter „Beratung von Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen“ (B2_3) verortet. Die Nennung „Kinder bekommen und erziehen“ will vermutlich dafür sensibilisieren, dass die (Aus- )Zeiten, die hiermit verbunden sind und die damit nicht für die eigentlichen Arbeiten einer Wissenschaftlerin oder eines Wissenschaftlers zur Verfügung stehen, bei der Leistungsbewertung in Abzug zu bringen sind. Die Nennung „Der Gewinn von Erkenntnissen“ dürfte als Kritik an der herrschenden Leistungsbewertung zu verstehen sein. 3.7.2 Verbleib in der Forschung Die Frage „Wollen Sie auf Dauer in der Forschung bleiben?“ (H1) wurde von 93 Personen bejaht und von 17 verneint. 29 antworteten „weiß nicht“. Die Befragten wurden gebeten, Gründe dafür (H2) bzw. dagegen (H3) anzugeben. 73 Personen, die in der Forschung bleiben wollen, gaben Gründe hierfür an. Mehrere ganz knappe Antworten lassen auf ein sehr hohes Maß an Zufriedenheit schließen („mein Traumberuf“, „Berufung“, „Wunschberuf“, „Passion“, „erfüllende Tätigkeit“). Andere Antworten sind differenzierter und weisen auf Freiheit, Unabhängigkeit oder ein hohes Maß an Selbstbestimmtheit und Gestaltungsmöglichkeiten hin, z.B. „Freiheit, das zu forschen und zu lehren, was man selbst als wichtig, spannend und innovativ erachtet“ oder „großer Wert der freien Themenwahl und selbstbestimmtes Handeln“. Wiederum andere benennen „wissenschaftliche Neugierde“, „intellektuelle Herausforderung“, „Erkenntnisgewinn“ oder „Beiträge zur Lösung gesellschaftlicher Probleme“. Zehn Personen führen als Gründe die Lehre und Betreuung von Nachwuchswissenschaftlern und -wissen- schaftlerinnen an („Freude an Forschung und Lehre“, „Austausch und Kontakt mit engagierten Studierenden“, „die fachliche Kompetenz von Nachwuchswissenschaftlern zu fördern und wachsen zu sehen“). Die umfangreichste Antwort kann bis auf das Fehlen des Aspektes Lehre und Nachwuchsförderung fast als eine Zusammenfassung der übrigen Antworten gesehen werden: „Wissenschaftlich zu arbeiten ist abwechslungsreich, herausfordernd und eine persönliche Bereicherung, Am Puls der Zeit zu sein und Entwicklungen mitzugestalten, sich in einem Netzwerk von Experten auszutauschen, zu publizieren, Institutionen zu beraten, in Arbeitsgruppen und Komitees mitzuwirken und in internationalen Projekten zusammenzuarbeiten und trotzdem frei und unabhängig agieren zu können, bietet nur ein wissenschaftliches Arbeitsumfeld“.
72 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Einige wenige Antworten lassen allerdings auch auf fehlende berufliche Alternativen schließen („zu alt, um zu wechseln“, „Ich kann nichts anderes als Forschung & Lehre“). Von den 17 Personen, die nicht in der Forschung bleiben wollen, geben zehn dafür Gründe an. Fünf weisen darauf hin, dass sie außerhalb der Wissenschaft tätig bzw. pensioniert sind. Die übrigen weisen auf die „zu unsichere Perspektive“ („befristete Arbeitsverträge“, „keine Möglichkeit sehe, zeitnah einen unbefristeten Vertrag zu erhalten“), im Vergleich zur Wirtschaft geringe Verdienstmöglichkeiten und die „subjektive Leistungsbewertung durch formale akademische Gremien“ hin. 3.7.3 Anregungen und Hinweise für die AG Leistungsbewertung Von der Möglichkeit, zum Abschluss der Befragung „Anregungen und Hinweise für die AG Leistungsbewertung“ (L) zu geben, machten 26 Befragte Gebrauch. Zwei Personen wiesen auf die Grenzen der Bewertbarkeit hin: „Man kann nicht alle Leistungen eines Menschen kennzahlengestützt erfassen“ und „Wissenschaftliche Leistungen werden nie völlig objektiv anhand von Kriterienkatalogen bewertbar sein[.]. Letztlich kann man immer nur vom Gesamtbild des Lebenslaufes und des Publikationsverzeichnisses einer Person auf deren Qualifikationen und Leistungen schließen[.].. und selbst dann bleiben Aspekte wie soziale und emotionale Intelligenz außer Acht[.].. Kriterienbasierte Leistungsbewertungen können dennoch sinnvoll sein, man darf sie aber nicht zum ‚heiligen Gral‘ der Wissenschaft erheben“. Die erstzitierte Person führte weiter aus, dass jede Leistungsmessung intendierte und nicht intendierte Verhaltenswirkungen habe, was bei der Konzipierung von Leistungsbewertungen oft übersehen werde. Wichtig sei es, dass Organisationen ihre Kriterien für die Leistungsbewertung publizierten. Eine andere Person merkte an, dass es wichtig ist, „im Rahmen welcher Prozeduren und mit welchen Konsequenzen eine Bewertung von Wissenschaftlern durchgeführt wird und werden soll“. Eine weitere Person mahnte an: „Die Individualität eines jeden einzelnen Forschers darf nicht verloren gehen, das heißt, jeder sollte seine Stärken ausleben dürfen“. Gewünscht wurde für die Leistungsbewertung von einer Person eine stärkere Berücksichtigung des Transfers von Forschungsergebnissen in die Praxis, von einer anderen die Berücksichtigung von Konferenzbeiträgen (Paper, Poster, Vorträge) neben Veröffentlichungen in referierten Zeitschriften und von einer weiteren Person, dass auch Monographien gewürdigt würden. Hilfreich wäre es nach einer anderen Person, „wenn die AG Vorschläge für Indikatoren der Wirkung in der Praxis, Gesellschaft erarbeiten würde“. Plädiert wurde von einem/einer Befragten für „mehr Klasse und weniger Masse[.].. Es wird so viel (zu viel?) publiziert und immer weniger gelesen“. Eine Person wies darauf hin, dass „eine wesentliche Aufgabe einer Hochschule .. nicht die Ausbildung von Studierenden, sondern deren Bildung“ sei.
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 73 Angemerkt wurde von vier Befragten, dass der Fragebogen nicht auf ihre Situation zugeschnitten sei (außeruniversitäre Beschäftigung, Ruhestand, Doktorand). Zwei Personen wiesen darauf hin, dass der Begriff „wesentlich“ bei den Fragen zur Autorenschaft nicht klar zu definieren sei und die Aussagen zur Autorenschaft Interpretationsspielraum ließen. Gewünscht wurde von einer Person, dass bei Drittmitteln zwischen Drittmittelgebern differenziert werde. An der Zusammensetzung der für die Befragung und deren Auswertung verantwortlichen GEWISOLA-ÖGA-AG „Leistungsbewertung“ wurde von einer Person bemängelt, dass ihr keine Nachwuchswissenschaftler/innen angehören. Eine Person beklagte die Arbeitssituation in der Wissenschaft: “Ohne unbefristete Stellen für Post- Docs und eine bessere Bezahlung werden die besten Leute mehr und mehr … abwandern. Die Ausbeutung von hochqualifiziertem Personal in der Wissenschaft ist beispiellos“. In einer Antwort wurde die Ausrichtung der Agrarforschung thematisiert und gefordert: „Die praktische Relevanz bei der inhaltlichen Ausrichtung der Agrarforschung muss (wieder) verstärkt in den Mittelpunkt rücken, ansonsten verliert die Agrarforschung ihre Sonderstellung neben der allgemeinen VWL, BWL, Soziologie, Biologie etc.!“ Drei Personen lobten die Befragung („Schön gemacht!“) bzw. dankten für die Untersuchung. 4 Zentrale Ergebnisse und Empfehlungen Die vorliegende Studie widmet sich den Leistungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Bereich der Agrarökonomie und hat dazu die Mitglieder der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues (GEWISOLA) und der Österreichischen Gesellschaft für Agrarökonomie (ÖGA) befragt. Perspektivisch sollte der Frage nachgegangen werden, inwieweit die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erbrachten Leistungen umfassend bewertet werden bzw. bewertet werden können. Für diese Zielsetzung wurden Teilziele formuliert, wie die Einordnung der Arten von Leistungen, die Quantifizierung der betriebenen Zeitaufwände zur Erbringung der Leistungen, die Erfassung der subjektiven Einstellungen zur Relevanz der Leistungen sowie die Einordnung der Leistungen dahingehend, wie deren Bewertung innerhalb des Wissenschaftssystems als auch durch die Gesellschaft wahrgenommen wird. Eingebettet wurde dies in Analysen zur Bewertung der eigenen Situation als auch der bestehenden ethischen Positionen zur Dokumentation von Leistungen, wie etwa in Publikationen. Als Methodik wurde eine Online-Befragung zu Tätigkeit und Einstellungen der Mitglieder der Gesellschaften GEWISOLA und ÖGA gewählt. Von 440 kontaktierten Personen haben 218 an der Online-Umfrage teilgenommen. Letztlich konnten 174 Fragebögen ganz oder teilweise ausgewertet werden, was einer Rücklaufquote von 39,5 Prozent entspricht. Diese Fragebögen wurden mit Blick auf die obigen Ergebniskapitel in einem ersten Schritt vorwiegend deskriptiv ausgewertet. Im Folgenden werden diese Ergebnisse nochmals zusammengefasst und eingeordnet.
74 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Zeitverwendung Die Befragungen zur Zeitverwendung zeigen, dass wissenschaftliche Tätigkeiten, insbesondere die Tätigkeit einer Professorin oder eines Professors im Bereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus bzw. der Agrarökonomie den Personen einiges abverlangt. Dies betrifft sowohl den Arbeitsumfang, die Aufgabenvielfalt als auch teilweise die Belastung mit Dienstreisen. Die befragten wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Durchschnitt 19 Tage im Jahr dienstlich unterwegs, die befragten Hochschullehrerinnen und -lehrer sogar durchschnittlich an fast 34 Tagen im Jahr. Die Wochenarbeitszeit der befragten Hochschullehrerinnen und -lehrer liegt durchschnittlich bei 52 Stunden, davon entfallen knapp 20 Stunden auf Forschung, gefolgt von Lehre und Ausbildung mit knapp 16 Stunden. In mehr als 8 Stunden werden Leistungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft erbracht, und knapp 6,5 Stunden werden dem Wissens- und Technologietransfer gewidmet. Die befragten wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten knapp 38 Stunden pro Woche. Auch bei diesen Befragten ist die Forschung mit 19 Stunden am wichtigsten. Lehre und Ausbildung mit neun Stunden, Leistungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft mit fünf Stunden und der Wissens- und Technologietransfer mit drei Stunden haben bei den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erwartungsgemäß eine deutlich geringere Bedeutung als bei den Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern. Im Bereich der Forschung liegt bei den Befragten der zeitliche Schwerpunkt generell auf der inhaltlichen Forschung und weniger auf dem Forschungsmanagement. Den reinen Lehrveranstaltungen für Studierende widmen die befragten Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer im Durchschnitt (einschließlich der vorlesungsfreien Zeit) etwas mehr als neun Stunden pro Woche und die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwas mehr als fünf Stunden pro Woche. Bei den befragten Hochschullehrerinnen und -lehrern beträgt der Mittelwert der durchschnittlichen Lehrverpflichtung 8,4 Semesterwochenstunden; der Durchschnitt der tatsächlich geleisteten Lehrveranstaltungen liegt um 0,8 Semesterwochenstunden höher. Die Leistungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft und der Wissens- und Technologietransfer sind erwartungsgemäß für die befragten Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer deutlich wichtiger als für die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Letztere widmen diesen beiden Tätigkeiten jedoch auch etwa insgesamt einen Tag pro Woche. Bei einem Vergleich mit anderen Studien zeichnet sich ab, dass die von uns befragten Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer der Forschung mehr Zeit widmen, als Ergebnisse vergleichbarer internationaler Studien zeigen. Dieses Ergebnis resultiert wohl vor allem daraus, dass den Studien zufolge Professorinnen und Professoren an deutschsprachigen Universitäten deutlich länger arbeiten. Der Zeitaufwand für die Lehre ist in den betrachteten Ländern vergleichbar, nur in Australien ist der Aufwand hierfür wesentlich geringer. Bei dem Zeitbudget für Forschung gibt es zwischen den betrachteten Ländern in der Vorlesungszeit erhebliche Unterschiede. Deutschland liegt hier im oberen Bereich sowohl während der Vorlesungszeit als auch während der vorlesungsfreien Zeit.
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 75 Bei dem Zeitbudget für transferorientierte Dienstleistungen liegt Deutschland unangefochten an der Spitze, sowohl während der Vorlesungszeit als auch während der vorlesungsfreien Zeit. In Bezug auf den Arbeitsaufwand für administrative Aufgaben liegt Deutschland im oberen Bereich. Das durch die Einführung der W-Besoldung in Deutschland geänderte Anreizsystem scheint zu einer geänderten Gewichtung der einzelnen Leistungsbereiche durch die befragten C- und W-Pro- fessoren geführt zu haben. Es ist hierbei allerdings zu berücksichtigen, dass die Stichproben jeweils sehr klein sind und zugleich Altersunterschiede vorliegen. Die Änderungen entsprechen in der Richtung den theoretischen Erwartungen. Erstaunlich ist jedoch, dass die eigene Weiterbildung für die vergleichsweise jungen W-Professorinnen und W-Professoren eine deutlich geringere Bedeutung hat als für die älteren C-Professorinnen und C-Professoren. Eine mögliche Erklärung könnte darin liegen, dass der Druck, kurzfristig hohe Leistungen zu erbringen, weniger Zeit für Investitionen in eine höhere Qualifikation lässt. Ausgehend von den Zeitangaben der Mitglieder ist die Arbeitsbelastung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und insbesondere den Professorinnen und Professoren im Bereich der Agrarökonomie bereits heute hoch, wenn nicht zu hoch. Verbesserte Systeme der Leistungsbewertung sollten daher weniger darauf ausgerichtet sein, weitere Anreize in Richtung zusätzlicher Arbeitszeit aufzubauen als darauf, dass Leistungen zielgerichteter und effektiver erbracht werden können. Erwünschte und erfahrene Leistungsgewichtungen Hinsichtlich der gewünschten Würdigung der eigenen Leistungen in den Aufgabenbereichen finden sich bei den befragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weitgehend analoge Gewichtungen zu der tatsächlichen Arbeitszeitallokation. Konkret beinhalten die Ergebnisse, dass die Befragten ihre Forschungsleistungen mit etwa 38 Prozent gewichtet sehen möchten, Lehrleistungen mit 27 Prozent, Leistungen für die Wissenschaftsgemeinschaft mit 16 Prozent, Transferleistungen mit 12 Prozent sowie die eigene Weiterqualifikation mit 6 Prozent. Für die unterschiedlichen Statusgruppen variieren diese Werte dahingehend, dass Professorinnen und Professoren ihre eigenen Forschungsleistungen geringer (und andere Aufgaben stärker) gewichtet sehen möchten als jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Qualifikationsphase. Dieses Ergebnis kann dahingehend interpretiert werden, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gewürdigt haben möchten, wie sie ihre Zeit verwenden. Ähnliche Ergebnisse finden sich hinsichtlich der gewünschten Würdigung der Leistungen der jeweiligen eigenen Arbeitsgruppen. Auffallend ist zudem, dass die gewünschten Leistungsgewichtungen ebenso wie die tatsächlichen Arbeitszeitanteile für die Bereiche Forschung, Lehre und Transfer als eine Kompromisslösung hinsichtlich der durch Wissenschaftsgemeinschaft und Gesellschaft erwarteten Gewichtungen darstellen. Diese Kompromisslösung findet sich allerdings nicht hinsichtlich der Leistungen für die Wissenschaftsgemeinschaft. Möglicherweise bestehen hier weitere Anreize und Zwänge, sich über die Gewichtungen bei den Bewertungen hinaus für die Wissenschaftsgemeinschaft zu engagieren.
82 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Die Befragungsergebnisse belegen darüber hinaus, dass für viele forschungsethische Fragen ein sehr großer Grundkonsens innerhalb von GEWISOLA und ÖGA herrscht, dass es in Teilfragen jedoch unterschiedliche Positionen und Konventionen gibt. Dies deutet einerseits darauf hin, dass die Diskussion etwa hinsichtlich der Einführung eines Ethikkodexes durch die Fachgesellschaften nicht als abgeschlossen betrachtet werden kann. Zudem sei den an Gemeinschaftspublikationen beteiligten Personen empfohlen, sich damit auseinanderzusetzen, wie die Autorenreihenfolge gestaltet wird, was eine Mitautorenschaft rechtfertigt und wie dies transparent dokumentiert werden kann. Ebenfalls sollten auftraggebende Einrichtungen und ebenso Gutachterinnen und Gutachter bei Leistungsbewertungen eine entsprechende Transparenz einfordern bzw. mögliche Unsicherheiten benennen. Zusammenfassung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erbringen vielfältige Leistungen in Forschung, Lehre, Transfer sowie Dienstleistungen für die Wissenschaftsgemeinschaft. Zur Beantwortung der Frage, wie diese verschiedenen Leistungen bewertet werden, wurde 2016 eine Mitgliederbefragung der agrarökonomisch ausgerichteten Fachgesellschaften GEWISOLA und ÖGA in Deutschland und Österreich durchgeführt. Die Ergebnisse der Befragung: Die Berufs- und Lebenszufriedenheit sind hoch – trotz vergleichsweise langer Arbeitszeiten. Davon ausgenommen sind allerdings promovierte befristet Beschäftigte. Wie die zur Verfügung stehende Zeit für die einzelnen Leistungsbereiche und die eigenen Wünsche der Befragten genutzt wird, entspricht einer Abwägung zwischen den Erwartungen der Wissenschaftsgemeinschaft und den der Gesellschaft. Transferleistungen werden dabei nicht als Belastung, sondern als Bereicherung wahrgenommen. Beklagt wird dagegen bei Leistungsbewertungen durch die Wissenschaftsgemeinschaft der Eindruck, dass Forschungsleistungen überproportional gewichtet werden. Dies entspricht weder den Erwartungen der Gesellschaft noch den Wünschen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Bei den ethischen Grundpositionen zeigen sich große Gemeinsamkeiten zwischen den Befragten, aber auch Unterschiede in wichtigen Einzelfragen. Unterschiede gibt es bezüglich der Einführung eines Ethikkodexes und des Umgangs mit einer offensichtlich uneinheitlichen Handhabung von Autorenschaften bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Darüber hinaus wird das Problem unerwünschter Anreize gesehen. Beispiele sind etwa die zu kurzfristige Orientierung der Forschung auf schnelle Ergebnisse, die Fokussierung auf sichtbare Leistungen und das Untergraben der intrinsischen Motivation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Abstract Scientists produce a variety of outputs in research, teaching, knowledge transfer, and for the academic community. The evaluation of these diverse outputs has been the subject of a member survey organized by the German and Austrian agricultural economic societies GEWISOLA and ÖGA in
Kapitel 4 Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassung, Diskussion und Implikationen 83 2016. The survey shows generally high work and life satisfaction (with the exception of post-docs and senior scientists with fixed-term contracts) despite a high number of working hours. The scientists' allocation of time to the different output areas as well as their own wishes seem to reflect a compromise between the expectations of the scientific community and of society. Thereby, knowledge transfer is perceived as enriching rather than as a burden. However, the evaluation of research outputs has been a cause for concerns. The respondents perceived the evaluation of research outputs by the scientific community as diverging from the expectations of society as well as from the wishes of the scientists themselves. Generally, members share many ethical positions. However, they disagree on a number of specific issues, such as the necessity of an ethics codex and the need for standards regarding the handling of authorship. Further concerns were raised with respect to biased incentives resulting in short-term orientation of research, the focus on visible results, as well as the undermining of intrinsic motivation.
Literaturverzeichnis 85 Literaturverzeichnis Bayerisches Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung (IHF) (2015): ProfQuest: Professorenbefragung zur Erfassung der Forschungs- und Lehrbedingungen an den Hochschulen Bayerns. Ausgewählte Zwischenergebnisse, Teil I (Stand: April 2015). Online verfügbar unter http://www.ihf.bayern.de/profquest/, zuletzt geprüft am 24.02.2017. Beierlein, C., Kovaleva, A., László, Z., Kemper, C. J., Rammstedt, B. (2015): Kurzskala zur Erfassung der Allgemeinen Lebenszufriedenheit (L-1). Zusammenstellung sozialwissenschaftlicher Items und Skalen. doi:10.6102/zis229. Bernau, P. (2016): Berufe-Check - Glücklich werden – mit dem richtigen Beruf. FAZ.net, aktualisiert am Aktualisiert am 22.06.2016-12:46, http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/berufe-check/berufecheck-diese-berufe-machen-gluecklich-14300466.html, zuletzt geprüft am 20.06.2018. Bernau, P. (2017): Berufe-Check - Glücklich werden – mit dem richtigen Beruf. FAZ.net, aktualisiert am Aktualisiert am 02.05.2017-09:46, http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/berufe-check/berufscheck-welche-berufe-gluecklich-machen-14995601.html, zuletzt geprüft am 20.06.2018. Brockhaus (1988): dtv-Brockhaus Lexikon in 20 Bänden, dtv: München. Burda, M.C. und G. Kirchgässner (2015): Wissenschaftliches Fehlverhalten und der Ethikkodex des Vereins für Socialpolitik. „Perspektiven der Wirtschaftspolitik“ 16(1): 88-105. Caswell, J. (2013), Certifying the Quality of Agricultural and Applied Economics. “American Journal of Agricultural Economists” 96(2): 367-384. Dabbert, S., Berg, E., Herrmann, R., Pöchtrager, S. und K. Salhofer (2009), Das GEWISOLA-ÖGA- Publikationsranking. Arbeitspapier, Universität Hohenheim. Deutsche Forschungsgemeinschaft (2016), Verfahrensleitfaden zur guten wissenschaftlichen Praxis. Bonn. Online verfügbar unter: DFG (2013): Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis / Safeguarding Good Scientific Practice. Denkschrift/Memorandum. Überarbeitete Auflage. Bonn, Wiley-VCH. Zuletzt geprüft am 22.08.2017. Die ZEIT (2016), Professorinnen- und Professorenbefragung. (http://interactive.zeit.de/2016/professorenumfrage/index.html) (Zugriff am 14.12.2016) Fricke, T. (2015), Wie deutsche Ökonomen wirklich denken. „Süddeutsche Zeitung“, 20. Juni. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/oekonomenumfrage-amerika-im-sinn-1.2528792 (Zugriff am 19.12.2016) Haucap, J. und M. Mödl (2013), Zum Verhältnis von Spitzenforschung und Politikberatung: Eine empirische Analyse vor dem Hintergrund des Ökonomenstreits. „Perspektiven der Wirtschaftspolitik“ 14(3-4): 346-378. Herrmann, R., Berg, E., Dabbert, S., Pöchtrager, S. und K. Salhofer (2011), Going Beyond Impact Factors: A Survey-based Journal Ranking by Agricultural Economists. “Journal of Agricultural Economics” 62(3): 710-732. IHF (Bayerisches Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung) (2016), ProfQuest: Professorenbefragung zur Erfassung der Forschungs- und Lehrbedingungen an den Hochschulen Bayerns. (http:://www.ihf.bayern.de/Profquest/) (Zugriff am 14.12.2016) Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) (2017), Die Lage von Forschung und Lehre an deutschen Universitäten 2016. Ausgewählte Ergebnisse einer Online-Befragung von Hochschullehrern.
86 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Jacob, A.K. und U. Teichler (2011), Der Wandel des Hochschullehrerberufs im internationalen Vergleich. Ergebnisse einer Befragung in den Jahren 2007/08. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Bonn, Berlin. Online verfügbar unter https://www.uni-kassel.de/einrichtungen/fileadmin/datas/einrichtungen/incher/T_12__BMBF_Hochschullehrerstudie_2011.pdf, zuletzt geprüft am 29.09.2016. Leibniz-Gemeinschaft (2014), Grundsätze des Evaluierungsverfahrens des Senats der Leibniz-Gemeinschaft in der Fassung vom 17. Juli 2014, Berlin. URL: https://www.leibniz-gemeinschaft.de/fileadmin/user_upload/downloads/Evaluierung/Grunds%C3%A4tze/Anlage_3_-_Krite- rien_f%C3%BCr_die_Evaluierung_von_Einrichtungen_der_WGL.pdf, Download: 17.08.2017. Necker, S. (2012), Wissenschaftliches Fehlverhalten – ein Problem in der deutschen Volkswirtschaftslehre? „Perspektiven der Wirtschaftspolitik“ 13(4): 267-285. Necker, S. (2014), Scientific Misbehavior in Economics. “Research Policy” 43: 1747-1759. Petersen, T. (2017): Bürokratie an den Universitäten schadet der Lehre. “ Forschung & Lehre”, Heft 1, S. 974-976. Rigby, D., M. Burton und J.L. Lusk (2015), Journals, Preferences, and Publishing in Agricultural and Environmental Economics. “American Journal of Agricultural Economics”, 97 (2): 490-509. Ritzberger, K. (2008), A Ranking of Journals in Economics and Related Fields. “German Economic Review”, 9 (4): 402-430. Schneider, F. und H.W. Ursprung (2008), The 2008 GEA Journal Ranking for the Economic Profession. “German Economic Review”, 9 (4): 532-538. Verein Für Socialpolitik (2012), Ethikkodex des Vereins für Socialpolitik. Fassung vom 21. Juli 2012. https://www.socialpolitik.de/De/search/node/Ethikkodex (Zugriff am 19.12.2016) Verein Für Socialpolitik (2015), Leitlinien zu Standards von Evaluationen wirtschaftspolitischer Maßnahmen. Fassung vom 06.09.2015. https://www.socialpolitik.de/docs/VfS-Leitlinien_Ex_post-Wirkungs- analysen.pdf (Zugriff am 19.12.2016)
Anhangsverzeichnis 87 Anhangsverzeichnis Anhang 1: Mail „Einladung zur GEWISOLA-ÖGA-Mitgliederbefragung“ 89 Anhang 2: Erinnerungsmail 1 und 2 – „Erinnerung an die Teilnahme an einer Umfrage“ 91 Anhang 3: Mail „Bestätigung für die Teilnahme an unserer Umfrage“ 93 Anhang 4: Online-Fragebogen 95 Anhang 5: Ausführliche Ergebnisse der GEWISOLA-ÖGA-Befragung – Zeitverwendung 115 Anhang 6: Ausführliche Ergebnisse der GEWISOLA-ÖGA-Befragung – ethische Grundpositionen in der Wissenschaft 125
Anhang 1 – Mail „Einladung zur GEWISOLA-ÖGA-Mitgliederbefragung“ 89 Anhang 1: Mail „Einladung zur GEWISOLA-ÖGA-Mitgliederbefragung“ (versandt am 26.05.2016 von [email protected]) Leistungsbewertung Agrarökonomie Sehr geehrte [r Frau/Herr Vorname Nachname], die AG Leistungsbewertung der GEWISOLA (Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissen-schaf- ten des Landbaues e. V.) und der ÖGA (Österreichische Gesellschaft für Agrarökonomie) bittet Sie um Unterstützung bei der Erarbeitung von Erkenntnissen über die Bewertung von unterschiedlichen Leistungsbereichen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Agrarökonomie sowie zu ethischen Fragen wissenschaftlichen Arbeitens. Diese Erkenntnisse fehlen bisher sehr weitgehend, werden aber für viele Zwecke der wissenschaftlichen Qualitätssicherung (Begutachtung der wissenschaftlichen Leistung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, von ganzen Arbeitsgruppen, von Instituten und Forschungseinrichtungen) dringend benötigt. Wir führen eine Befragung von Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Agrarökonomie durch, um die Einstellungen unserer Mitglieder zur Bedeutung der einzelnen Leistungsbereiche für die Bewertung der Leistungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu erfassen und um daraus Schlussfolgerungen für ein aussagekräftige und umfassende Leistungsbewertung in der Agrarökonomie zu ziehen. Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie dieses Anliegen unterstützen könnten und bis zum 16. Juni 2016 an unserer Befragung teilnehmen. Bitte klicken Sie dazu auf folgenden Link: https://umfrage.agecon-ti.de/index.php/665979?token=zaR49LAoSfhGN16&lang=de Wir schätzen, dass die Beantwortung dieses Fragebogens etwa eine halbe Stunde Ihrer Zeit in Anspruch nehmen wird. Wir möchten Sie im Namen der beiden wissenschaftlichen Gesellschaften sehr herzlich um die Unterstützung unseres Vorhabens bitten. Nur bei einer breiten Beteiligung können wir zu einem validen Urteil über die Bedeutung der einzelnen Leistungsbereiche und über Grundpositionen unserer Mitglieder zur Ethik wissenschaftlichen Arbeitens kommen. Selbstverständlich werden wir Sie über die Ergebnisse der Befragung informieren, im Rahmen der kommenden Jahrestagungen unserer Gesellschaften und auch über die Veröffentlichung der Ergebnisse. Für Rückfragen stehen wir Ihnen über die Geschäftsstellen von GEWISOLA und ÖGA gerne zur Verfügung.
90 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung! Mit freundlichen Grüßen Roland Herrmann (Vorsitzender der GEWISOLA und der AG Leistungsbewertung) Jochen Kantelhardt (Vorsitzender der ÖGA) Mitglieder der AG Leistungsbewertung: Alfons Balmann, Tilman Becker, Ernst Berg, Vera Bitsch, Roland Herrmann, Jobst Jungehülsing, Jochen Kantelhardt, Theresia Oedl-Wieser, Peter Weingarten Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues e.V. (GEWISOLA) c/o Thünen-Institut für Ländliche Räume Bundesallee 50 38116 Braunschweig E-Mail: [email protected] Tel.: +49-531-596 5501 Österreichische Gesellschaft für Agrarökonomie (ÖGA) Feistmantelstr. 4 A-1180 Wien E-Mail: oeg[email protected] Tel.: +43-1-47654-73311
Anhang 2 – Erinnerungsmail 1 und 2 – „Erinnerung an die Teilnahme an einer Umfrage“ 91 Anhang 2: Erinnerungsmail 1 und 2 – „Erinnerung an die Teilnahme an einer Umfrage“ 1. Erinnerungsmail „Erinnerung an die Teilnahme an einer Umfrage“ (versandt am 09.06.2016 von [email protected]) Sehr geehrte [r Frau/Herr Vorname Nachname], am 26. Mai 2016 haben wir Sie zur Teilnahme an der GEWISOLA – ÖGA-Mitgliederbefragung eingeladen. Bisher haben Sie an der Befragung noch nicht teilgenommen. Wir möchten Ihnen mitteilen, dass die Befragung noch aktiv ist und würden uns freuen, wenn Sie bis zum 16. Juni 2016 teilnehmen könnten. Um teilnehmen zu können, klicken Sie bitte auf den unten stehenden Link. Mit freundlichen Grüßen Roland Herrmann (Vorsitzender der GEWISOLA und AG Leistungsbewertung) Jochen Kantelhardt (Vorsitzender der ÖGA) Kontakt: [email protected] Tel.: +49-531-596 5501 ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Klicken Sie hier um die Befragung zu starten: https://umfrage.agecon-ti.de/index.php/665979?token=zaR49LAoSfhGN16&lang=de Wenn Sie an dieser Befragung nicht teilnehmen und keine weiteren Erinnerungen erhalten möchten, klicken Sie bitte auf den folgenden Link: https://umfrage.agecon-ti.de/index.php/optout/tokens/665979?langcode=de&token=zaR49LAoSfhGN16
92 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern 2. Erinnerungsmail „Erinnerung an die Teilnahme an einer Umfrage“ {FIRSTNAME} {LASTNAME}, am 26. Mai 2016 haben wir Sie zur Teilnahme an der {SURVEYNAME} eingeladen. Bisher haben Sie an der Befragung noch nicht teilgenommen oder Ihren Fragebogen noch nicht abgeschlossen. Wir haben die Befragung nun bis zum 23. Juni 2016 verlängert und würden uns freuen, wenn Sie teilnehmen würden. Ihre Antworten zur Zeitverwendung und zur Bewertung von Leistungsbereichen sowie zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft sind uns sehr wichtig. Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Teilnahme, einen hohen Rücklauf zu erreichen und zu möglichst fundierten Ergebnissen über die Sichtweise der Mitglieder unserer Gesellschaften zu diesen wichtigen Themen zu kommen. Klicken Sie bitte auf den unten stehenden Link, um die Befragung zu starten bzw. nutzen Sie den Ihnen vom System per Mail zugesandten Link, um die Beantwortung fortzuführen. Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen Roland Herrmann (Vorsitzender der GEWISOLA und AG Leistungsbewertung) Jochen Kantelhardt (Präsident der ÖGA) Kontakt: {ADMINEMAIL}
Anhang 3 – Mail „Bestätigung für die Teilnahme an unserer Umfrage“ 93 Anhang 3: Mail „Bestätigung für die Teilnahme an unserer Umfrage“ (versandt am XX.XX.2016 von [email protected]) Sehr geehrte [r Frau/Herr Vorname Nachname], vielen Dank für Ihre Teilnahme an unserer GEWISOLA – ÖGA-Mitgliederbefragung. Ihre Antworten wurden bei uns gespeichert. Wenn Sie Fragen hierzu haben, kontaktieren Sie bitte die AG Leistungsbewertung der GEWISOLA und ÖGA unter [email protected]. Mit freundlichen Grüßen Roland Herrmann (Vorsitzender der GEWISOLA und AG Leistungsbewertung) Jochen Kantelhardt (Präsident der ÖGA)
Anhang 4 – Online-Fragebogen 101 [B6] Sonstiges Bitte geben Sie Ihre Antwort hier ein: Gesamt [Summe] [Summe] [C] Frage zur Lehrverpflichtung [C1] Wie hoch war Ihre Lehrverpflichtung im Durchschnitt der letzten beiden Semester? Wie viele Semesterwochenstunden haben Sie im Durchschnitt der letzten beiden Semestern tatsächlich gelehrt? In dieses Feld dürfen nur Zahlen eingegeben werden. Bitte geben Sie Ihre Antwort hier ein: Lehrverpflichtung: _____Semesterwochenstunden (SWS) tatsächliche Lehre: _____Semesterwochenstunden (SWS) [D] Fragen zur Zeitverwendung im Jahr [D1] Was schätzen Sie, wie viele Tage waren Sie in den letzten 12 Monaten unterwegs auf Dienstreise? In dieses Feld dürfen nur Zahlen eingegeben werden. Bitte geben Sie Ihre Antwort hier ein: _____ Tage
102 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern [E] Fragen zur Gewichtung der Leistungsbereiche Wir unterscheiden drei Sichtweisen: Ihre eigene, die der Wissenschaftsgemeinschaft und die der Zivilgesellschaft. Uns interessiert hier Ihre Einschätzung. 1) Welches Gewicht sollte Ihres Erachtens den folgenden Aufgabenbereichen zur Bewertung Ihrer Leistungen beigemessen werden? 2) Welches Gewicht, glauben Sie, wird den folgenden Aufgabenbereichen beigemessen, wenn Ihre Leistungen von der Wissenschaftsgemeinschaft bewertet werden? 3) Welches Gewicht, glauben Sie, wird den folgenden Aufgabenbereichen beigemessen, wenn Ihre Leistungen von der Gesellschaft bewertet werden? 1.a) Von mir gewünschte Gewichtung für meine persönliche Leistung [_1] 1.b) Von mir gewünschte Gewichtung für die Leistung meiner Arbeitsgruppe [_2] 2) Gewichtung durch die Wissenschafts-ge- meinschaft [_3] 3) Gewichtung durch die Gesellschaft[_4] [E1_1] Forschung [E1_2] Lehre und Ausbildung [E1_3] Leistung für die wissenschaftliche Gemeinschaft (inner- und außerhalb der eigenen Einrichtung) [E1_4] Wissens- und Technologietransfer [E1_5] Eigene Weiterbildung Alle Spaltensummen müssen entweder 0 oder 100 sein. Ist dies nicht der Fall wechselt die Farbe der Spaltensumme von grün zu rot und ein Warnhinweis erscheint. Sie können erst zur nächsten Frage wechseln, wenn alle Spaltensummen gültig sind. [F] Wie schätzen Sie Ihre eigene Wirkung in verschiedenen Leistungsbereichen ein? Bitte geben Sie Ihre Antwort(en) hier ein: Forschung Lehre und Ausbildung Wissen- und Technologietransfer Leistungen für die wiss. Gemeinschaft (innerhalb und außerhalb der eigenen Einrichtung) Bitte verteilen Sie insgesamt 100 Leistungspunkte.
Anhang 4 – Online-Fragebogen 103 [G] Weitere Leistungsbereiche [G1] Bitte nennen Sie uns Aufgabenbereiche, die wir aus Ihrer Sicht bei den bisherigen Fragen zur Leistungsbewertung vernachlässigt haben? Bitte geben Sie Ihre Antwort hier ein: [H] Fragen zur Motivation [H1] Wollen Sie auf Dauer in der Wissenschaft bleiben? Bitte wählen Sie nur eine der folgenden Antworten aus: o Ja o Nein o weiß nicht [H2] Falls ja: Aus welchen Gründen wollen Sie auf Dauer in der Wissenschaft bleiben? Bitte geben Sie Ihre Antwort hier ein: [H3] Falls nein: Warum wollen Sie nicht auf Dauer in der Wissenschaft bleiben? Bitte geben Sie Ihre Antwort hier ein:
104 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern [I] Aussagen über die Tätigkeit in der Wissenschaft und die Bedeutung unterschiedlicher Bereiche [I1] Im Folgenden erfragen wir Ihre Meinung zu Aussagen über die Tätigkeit in der Wissenschaft und die Bedeutung unterschiedlicher Bereiche. Bitte klicken Sie an, inwiefern Sie den Aussagen jeweils zustimmen. Bitte äußern Sie sich zu jeder Aussage. Bitte wählen Sie die zutreffende Antwort für jeden Punkt aus: Stimme überhaupt nicht zu 1 2 3 4 5 6 Stimme voll und ganz zu 7 [I1_1] Forschung ist die wichtigste Aufgabe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. [I1_2] Die Leistungsbewertung, wie sie heute betrieben wird, untergräbt die intrinsische Motivation. [I1_3] Die Ausweitung projektorientierter Forschungsförderung zu Lasten der Grundfinanzierung erhöht die Qualität der Forschung. [I1_4] Forschung sollte sich vorrangig an den aktuellen gesellschaftlichen Problemen orientieren. [I1_5] Projektorientierte Forschungsförderung steht einer langfristigen Forschungsausrichtung entgegen. [I1_6] Der Druck zur Einwerbung von Drittmitteln untergräbt die wissenschaftliche Freiheit. [I1_7] Wissenschaftliches Arbeiten basiert vor allem auf Kreativität und der Entwicklung von Forschungsfragen und Lösungsansätzen. [I1_8] Die Bewertung der Forschungsleistung anhand der Anzahl hochrangiger Journalpublikationen ist sinnvoll.
Anhang 4 – Online - Fragebogen 105 Stimme überhaupt nicht zu 1 2 3 4 5 6 Stimme voll und ganz zu 7 [I1_9] Die Bewertung der Forschungsleistung anhand kompetitiv eingeworbener Drittmittel ist sinnvoll. [I1_10] Der Druck zu publizieren lenkt die Forschung in Richtung von Fragestellungen, die kurzfristige Ergebnisse erwarten lassen. [I1_11] Das Anreizsystem zur Steigerung der Forschungsleistung ist unzureichend. [I1_12] Die Ausbildung der Studierenden ist die zentrale Aufgabe der Hochschule. [I1_13] Akademische Lehre sollte in der Hauptsache theorieorientiert sein. [I1_14] Ich würde gerne mehr Zeit für die Weiterentwicklung der Lehre verwenden. [I1_15] Die gängige Lehrevaluation ist eine studentische Veranstaltungskritik, die wenig über die Qualität der Lehre aussagt. [I1_16] Anspruchsvolle Lehre überfordert die Studierenden in zunehmendem Maße. [I1_17] Meine Regellehrverpflichtung ist deutlich zu hoch. [I1_18] Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten nicht versuchen, auf die Gesellschaft Einfluss zu nehmen. [I1_19] Wissenschaft besteht aus Forschung und Lehre; andere Tätigkeiten sind irrelevant. [I1_20] Ich hätte gerne mehr Zeit für den Wissenstransfer. [I1_21] Der Austausch der Wissenschaft mit der Praxis ist für die Wissenschaft wichtig. [I1_22] Der Austausch der Wissenschaft mit der Praxis ist für die Praxis wichtig. [I1_23] Politikberatung ist eine zentrale Aufgabe der Wissenschaft. [I1_24] Die Beratung von Akteuren und Akteurinnen in der Wirtschaft ist eine wichtige Aufgabe der Wissenschaft.
106 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Stimme überhaupt nicht zu 1 2 3 4 5 6 Stimme voll und ganz zu 7 [I1_25] Zur Bewertung von Transferleistungen benötigt man Indikatoren, die mit denen zur Bewertung von Forschungsleistungen vergleichbar sind. [I1_26] Die Ausübung eines Amtes der Selbstverwaltung (Dekan, Studiendekan, Senat etc.) gehört zur akademischen Tätigkeit. [I1_27] Für eine forschungsstarke Wissenschaftlerin oder einen forschungsstarken Wissenschaftler ist es Zeitverschwendung, Aufgaben in der Selbstverwaltung zu übernehmen. [I1_28] Forschung, Lehre, akademische Selbstverwaltung, Wissens- und Technologietransfer sollten stärker arbeitsteilig organisiert sein (Lehrprofessuren, Outreachprofessuren, professionelle Dekane etc.) [I1_29] Die Erfüllung von Aufgaben für die wissenschaftliche Gemeinschaft wird aufgrund zunehmender Bürokratie zeitaufwendiger. [I1_30] Die ehrenamtliche Übernahme von Aufgaben für die wissenschaftliche Gemeinschaft (Konferenzveranstaltung, Schriftleitung, Gutachtenerstellung etc.) sollte für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen eine Selbstverständlichkeit sein. [I1_31] Leistungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft werden nicht genügend gewürdigt. [I1_32] Für die Zukunft der Wissenschaft tragen das Mentoring und die Betreuung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern am meisten bei.
Anhang 4 – Online - Fragebogen 107 [J] Im Folgenden erfragen wir Ihre Zufriedenheit mit der aktuellen Situation Bitte wählen Sie die zutreffende Antwort für jeden Punkt aus: Überhaupt nicht zufrieden 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 völlig zufrieden 10 [J1] Alles in allem, wie zufrieden sind Sie mit Ihrer aktuellen beruflichen Situation? [J2] Alles in allem, wie zufrieden sind Sie gegenwärtig mit Ihrem Leben?
108 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern [K] Statements zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft Die folgenden Fragen zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft sollen dazu dienen, das Meinungsspektrum in der GEWISOLA und der ÖGA zu wichtigen Ethikfragen zu erheben. Bitte klicken Sie an, inwiefern Sie den Aussagen jeweils zustimmen. Bitte äußern Sie sich zu jeder Aussage. Bitte wählen Sie die zutreffende Antwort für jeden Punkt aus: [K1] Ethikkodex Stimme überhaupt nicht zu 1 2 3 4 5 6 Stimme voll und ganz zu 7 [K1_1] Es sollte ein Kodex ethischen Verhaltens in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues ausgearbeitet werden. [K1_2] GEWISOLA und ÖGA sollten einen Ethikkodex zum wissenschaftlichen Arbeiten erstellen. [K1_3] Die Regeln der DFG zur guten wissenschaftlichen Praxis reichen aus.
Anhang 4 – Online - Fragebogen 109 [K2] Statements zur Durchführung von Forschungsarbeiten und wissenschaftlicher Politikberatung Bitte wählen Sie die zutreffende Antwort für jeden Punkt aus: Stimme überhaupt nicht zu 1 2 3 4 5 6 Stimme voll und ganz zu 7 [K2_1] Annahmen und Methodik wissenschaftlicher Arbeiten sollen deutlich werden und nachvollziehbar sein. [K2_2] Datensätze zu wissenschaftlichen Arbeiten müssen, soweit rechtlich möglich, von dem/der Autor/in (den Autoren/innen) auf Anfrage anderen Wissenschaftlern/innen zur Überprüfung der Forschungsergebnisse verfügbar gemacht werden. [K2_3] Programme/Modelle zu wissenschaftlichen Arbeiten müssen, soweit rechtlich möglich, von dem/der Autor/in (den Autoren/innen) auf Anfrage anderen Wissenschaftlern/innen zur Überprüfung der Forschungsergebnisse verfügbar gemacht werden. [K2_4] In wissenschaftlichen Arbeiten ist jede Unterstützung durch Dritte (z. B. Finanzierung) anzugeben. [K2_5] Bedarf die Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Arbeit, eines Berichts oder Gutachtens der vorherigen Einwilligung einer dritten Partei, so ist dieser Sachverhalt in der Veröffentlichung kenntlich zu machen. [K2_6] Wissenschaftliche Arbeiten sind unvoreingenommen, ergebnisoffen und objektiv zu erstellen. [K2_7] Wissenschaftliche Politikberatung soll auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft beruhen. [K2_8] Bei der Darstellung von Ergebnissen in der Politikberatung ist Verständlichkeit wichtiger als wissenschaftliche Exaktheit.
110 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Stimme überhaupt nicht zu 1 2 3 4 5 6 Stimme voll und ganz zu 7 [K2_9] Bei der Darstellung von Ergebnissen soll in der wissenschaftlichen Politikberatung dargelegt werden, wie belastbar diese sind und wo die Grenzen der Interpretierbarkeit liegen. [K2_10] Die Grundlagen von Bewertungen in der wissenschaftlichen Politikberatung sollen transparent dargelegt und normative Aussagen als solche kenntlich gemacht werden. [K2_11] Um Transparenz über mögliche Interessenkonflikte zu ermöglichen, muss bei jeder wissenschaftlichen Publikation angegeben werden, von wem der Autor/die Autorin in den letzten fünf Jahren Fördermittel erhalten hat. [K2_12] Um Interessenkonflikte bei Begutachtungen zu vermeiden, sollen angefragte Gutachter/innen vorab informieren, wenn ein möglicher Interessenkonflikt vorliegt.
Tabelle A5.7: Zeitverwendung der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Stunden pro Woche mit Unterscheidung Vorlesungszeit und vorlesungsfreie Zeit: Gesamtbetrachtung Zeitverwendung in der Woche Während der Vorlesungszeit Während der vorlesungsfreien Zeit Gesamt Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Forschung 16,4 45,2 24,6 60,7 Lehre und Ausbildung 11,0 30,2 5,0 12,3 Eigene Weiterbildung 1,3 3,7 1,6 4,0 Leistungen für die wiss. Gemeinschaft 4,8 13,1 5,4 13,3 Wissens- u. Technologietransfer 2,9 7,9 3,9 9,6 Summe 36,4 100,0 40,5 100,0 Anm.: n = 44. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Tabelle A5.8: Zeitverwendung der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Stunden pro Woche mit Unterscheidung Vorlesungszeit und vorlesungsfreie Zeit: Forschung Zeitverwendung in der Woche Während der Vorlesungszeit Während der vorlesungsfreien Zeit Forschung Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Forschungsanbahnung 1,7 10,4 3,3 13,4 Inhaltliche Forschung 7,0 42,6 9,7 39,4 Schreiben wiss. Publikationen 4,4 26,5 6,8 27,7 Halten v. wiss. Vorträgen 1,6 9,8 2,1 8,4 Berichterstattung (Zwischen-, Endberichte) 1,8 10,7 2,7 11,1 Summe 16,4 100,0 24,6 100,0 Anm.: n = 44. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Tabelle A5.9: Zeitverwendung der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Stunden pro Woche mit Unterscheidung Vorlesungszeit und vorlesungsfreie Zeit: Lehre und Ausbildung
Anhang 5 – Statistiken zu den Statements 119 Zeitverwendung in der Woche Während der Vorlesungszeit Während der vorlesungsfreien Zeit Lehre und Ausbildung Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Lehre für Studierende 7,3 66,9 1,9 37,5 Halten v. Doktorandenseminaren 0,4 3,9 0,1 1,4 Zeit für Beratung v. Studierenden u. wiss. MA 3,2 29,1 3,1 61,1 Summe 11,0 100,0 5,0 100,0 Anm.: n = 44. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Tabelle A5.10: Zeitverwendung der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Stunden pro Woche mit Unterscheidung Vorlesungszeit und vorlesungsfreie Zeit: Eigene Weiterbildung Zeitverwendung in der Woche Während der Vorlesungszeit Während der vorlesungsfreien Zeit Eigene Weiterbildung Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Eigene Weiterbildung 1,3 100,0 1,6 100,0 Summe 1,3 100,0 1,6 100,0 Anm.: n = 44. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen.
Tabelle A5.11: Zeitverwendung der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Stunden pro Woche mit Unterscheidung Vorlesungszeit und vorlesungsfreie Zeit: Leistungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft Zeitverwendung in der Woche Während der Vorlesungszeit Während der vorlesungsfreien Zeit Leistungen für die wiss. Gemeinschaft Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Innerhalb der eigenen Einrichtung 3,9 81,3 4,1 76,0 Außerhalb der eigenen Einrichtung 0,9 18,7 1,3 24,0 Summe 4,8 100,0 5,4 100,0 Anm.: n = 44. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Tabelle A5.12: Zeitverwendung der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Stunden pro Woche mit Unterscheidung Vorlesungszeit und vorlesungsfreie Zeit: Wissens- und Technologietransfer Zeitverwendung in der Woche Während der Vorlesungszeit Während der vorlesungsfreien Zeit Wissens- u. Technologietransfer Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Publikationen in Fachzeitschriften 0,6 20,3 0,9 22,2 Vorträge, Weiterbildungs- u. Lehrtätigkeit v. primär nicht wiss. Publikum 0,5 16,1 0,6 16,6 Wirtschaftsberatung, Gutachtertätigkeit, Politikberatung 1,2 42,1 1,6 40,4 Beratungstätigkeit in Beiräten/Ausschüssen 0,3 11,5 0,4 11,4 Organisation v. Veranstaltungen zum Wissenstransfer 0,2 8,3 0,3 8,2 Sonstiges 0,0 1,6 0,0 1,2 Summe 2,9 100,0 3,9 100,0 Anm.: n = 44. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen.
Anhang 5 – Statistiken zu den Statements 121 Tabelle A6.13: Zeitverwendung in der Woche: Gesamtbetrachtung Vorlesungs- und vorlesungsfreie Zeit (C- vs. W-Professur) Zeitverwendung in der Woche Während der Vorlesungszeit Während der vorlesungsfreien Zeit C-Professur W-Professur C-Professur W-Professur Gesamt Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Forschung 16,8 30,3 17,4 31,0 23,8 47,3 25,6 47,3 Lehre und Ausbildung 22,3 40,2 22,1 39,3 8,9 17,7 9,8 18,1 Eigene Weiterbildung 2,1 3,7 1,1 2,0 3,0 6,0 2,3 4,3 Leistungen für die wiss. Gemeinschaft 8,8 15,7 10,0 17,8 8,7 17,2 9,1 16,9 Wissens- u. Technologietransfer 5,6 10,0 5,6 10,0 6,0 11,9 7,2 13,3 Summe 55,6 100,0 56,2 100,0 50,4 100,0 54,1 100,0 Anm.: n (C-Professur) = 12. n (W-Professur) = 26. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Tabelle A5.14: Zeitverwendung in der Woche: Forschung Vorlesungs- und vorlesungsfreie Zeit (C- vs. W-Professur) Zeitverwendung in der Woche Während der Vorlesungszeit Während der vorlesungsfreien Zeit C-Professur W-Professur C-Professur W-Professur Forschung Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Forschungsanbahnung 2,4 14,4 3,0 17,3 4,3 17,8 4,1 16,0 Inhaltliche Forschung 4,9 29,2 4,4 25,4 6,2 25,9 7,6 29,8 Schreiben wiss. Publikationen 3,6 21,3 5,1 29,1 6,2 25,9 7,7 30,0 Halten v. wiss. Vorträgen 2,7 15,8 2,4 13,8 2,8 11,5 3,1 11,9 Berichterstattung (Zwischen-, Endberichte) 3,3 19,3 2,5 14,4 4,5 18,9 3,2 12,3 Summe 16,8 100,0 17,4 100,0 23,8 100,0 25,6 100,0 Anm.: n (C-Professur) = 12. n (W-Professur) = 26. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen.
Tabelle A5.15: Zeitverwendung in der Woche: Lehre und Ausbildung Vorlesungs- und vorlesungsfreie Zeit (C- vs. W-Professur) Zeitverwendung in der Woche Während der Vorlesungszeit Während der vorlesungsfreien Zeit C-Professur W-Professur C-Professur W-Professur Lehre und Ausbildung Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Lehre für Studierende 15,9 71,3 13,5 61,1 2,7 29,9 2,6 26,1 Halten v. Doktorandenseminaren 1,3 5,6 2,3 10,4 1,8 20,6 1,3 12,7 Zeit für Beratung v. Studierenden u. wiss. MA 5,2 23,1 6,3 28,6 4,4 49,5 6,0 61,2 Summe 22,3 100,0 22,1 100,0 8,9 100,0 9,8 100,0 Anm.: n (C-Professur) = 12. n (W-Professur) = 26. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen. Tabelle A5.16: Zeitverwendung in der Woche: Eigene Weiterbildung Vorlesungs- und vorlesungsfreie Zeit (C- vs. W-Professur) Zeitverwendung in der Woche Während der Vorlesungszeit Während der vorlesungsfreien Zeit C-Professur W-Professur C-Professur W-Professur Eigene Weiterbildung Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Eigene Weiterbildung 2,1 100,0 1,1 100,0 3,0 100,0 2,3 100,0 Summe 2,1 100,0 1,1 100,0 3,0 100,0 2,3 100,0 Anm.: n (C-Professur) = 12. n (W-Professur) = 26. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen.
Anhang 5 – Statistiken zu den Statements 123 Tabelle A5.17: Zeitverwendung in der Woche: Leistungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft Vorlesungs- und vorlesungsfreie Zeit (C- vs. W-Professur) Zeitverwendung in der Woche Während der Vorlesungszeit Während der vorlesungsfreien Zeit C-Professur W-Professur C-Professur W-Professur Leistungen für die wiss. Gemeinschaft Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Innerhalb der eigenen Einrichtung 5,8 66,7 6,3 63,3 4,2 48,1 4,8 53,1 Außerhalb der eigenen Einrichtung 2,9 33,3 3,7 36,7 4,5 51,9 4,3 46,9 Summe 8,8 100,0 10,0 100,0 8,7 100,0 9,1 100,0 Anm.: n (C-Professur) = 12. n (W-Professur) = 26. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen.
Tabelle A5.18: Zeitverwendung in der Woche: Wissens- und Technologietransfer Vorlesungs- und vorlesungsfreie Zeit (C- vs. W-Professur) Zeitverwendung in der Woche Während der Vorlesungszeit Während der vorlesungsfreien Zeit C-Professur W-Professur C-Professur W-Professur Wissens- u. Technologietransfer Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Mittelwert Prozentuale Verteilung der Stundenmittel Publikationen in Fachzeitschriften 1,1 20,1 0,9 15,8 1,3 21,5 1,2 17,2 Vorträge, Weiterbildungs- u. Lehrtätigkeit v. primär nicht wiss. Publikum 1,2 21,6 1,1 19,5 1,3 21,5 1,5 20,3 Wirtschaftsberatung, Gutachtertätigkeit, Politikberatung 1,1 20,1 1,6 28,1 1,3 22,2 2,0 28,3 Beratungstätigkeit in Beiräten/Ausschüssen 0,8 13,4 1,0 17,5 0,8 13,2 1,2 16,1 Organisation v. Veranstaltungen zum Wissenstransfer 1,4 24,6 1,0 17,1 1,3 21,5 1,2 16,5 Sonstiges 0,0 0,0 0,1 2,1 0,0 0,0 0,1 1,6 Summe 5,6 100,0 5,6 100,0 6,0 100,0 7,2 100,0 Anm.: n (C-Professur) = 12. n (W-Professur) = 26. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen.
Anhang 6 – Statistiken zu den Statements 125 Anhang 6: Ausführliche Ergebnisse der GEWISOLA-ÖGA-Befragung – ethische Grundpositionen in der Wissenschaft Anhangsverzeichnis Anhang 6.1: Deskriptive Statistik zu den Statements zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft 127 Anhang 6.2: Deskriptive Statistik zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft: Differenzierung nach beruflichem Status 145 Anhang 6.3: Deskriptive Statistik zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft: Differenzierung nach Altersgruppen 134 Anhang 6.4: Deskriptive Statistik zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft: Differenzierung nach Geschlecht 138 Anhang 6.5: Deskriptive Statistik zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft: Differenzierung nach Herkunftsland 140 Anhang 6.6: Deskriptive Statistik zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft: Differenzierung nach beruflichem Status der deutschen Befragten 143
Anhang 6 – Statistiken zu den Statements 127 Anhang 6.1: Deskriptive Statistik zu den Statements zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft Statement N x Median Modus s Zustimmung (%) Ethikkodex K1_1 Es sollte ein Kodex ethischen Verhaltens in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues ausgearbeitet werden. 129 4,26 4,00 7 2,06 48,8 K1_2 GEWISOLA und ÖGA sollten einen Ethikkodex zum wissenschaftlichen Arbeiten erstellen. 129 4,16 4,00 4 1,96 44,2 K1_3 Die Regeln der DFG zur guten wissenschaftlichen Praxis reichen aus. 126 4,78 5,00 6 1,75 53,2 Statements zur Durchführung von Forschungsarbeiten und wissenschaftlicher Politikberatung K2_1 Annahmen und Methodik wissenschaftlicher Arbeiten sollen deutlich werden und nachvollziehbar sein. 133 6,49 7,00 7 0,82 95,5 K2_2 Datensätze zu wissenschaftlichen Arbeiten müssen, soweit rechtlich möglich, von dem/der Autor/in (den Autoren/innen) auf Anfrage anderen Wissenschaftlern/innen zur Überprüfung der Forschungsergebnisse verfügbar gemacht werden. 133 5,93 6,00 7 1,33 87,2 K2_3 Programme/Modelle zu wissenschaftlichen Arbeiten müssen, soweit rechtlich möglich, von dem/der Autor/in (den Autoren/innen) auf Anfrage anderen Wissenschaftlern/innen zur Überprüfung der Forschungsergebnisse verfügbar gemacht werden. 133 5,78 6,00 7 1,37 84,2 K2_4 In wissenschaftlichen Arbeiten ist jede Unterstützung durch Dritte (z. B. Finanzierung) anzugeben. 133 6,47 7,00 7 1,00 95,5 K2_5 Bedarf die Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Arbeit, eines Berichts oder Gutachtens der vorherigen Einwilligung einer dritten Partei, so ist dieser Sachverhalt in der Veröffentlichung kenntlich zu machen. 132 6,08 7,00 7 1,30 86,4
128 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Statement N x Median Modus s Zustimmung (%) K2_6 Wissenschaftliche Arbeiten sind unvoreingenommen, ergebnisoffen und objektiv zu erstellen. 133 6,76 7,00 7 0,59 98,5 K2_7 Wissenschaftliche Politikberatung soll auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft beruhen. 133 6,54 7,00 7 0,75 97,7 K2_8 Bei der Darstellung von Ergebnissen in der Politikberatung ist Verständlichkeit wichtiger als wissenschaftliche Exaktheit. 132 4,11 4,00 6 1,88 46,2 K2_9 Bei der Darstellung von Ergebnissen soll in der wissenschaftlichen Politikberatung dargelegt werden, wie belastbar diese sind und wo die Grenzen der Interpretierbarkeit liegen. 132 6,42 7,00 7 0,74 97,7 K2_10 Die Grundlagen von Bewertungen in der wissenschaftlichen Politikberatung sollen transparent dargelegt und normative Aussagen als solche kenntlich gemacht werden. 131 6,48 7,00 7 0,78 97,0 K2_11 Um Transparenz über mögliche Interessenkonflikte zu ermöglichen, muss bei jeder wissenschaftlichen Publikation angegeben werden, von wem der Autor/die Autorin in den letzten fünf Jahren Fördermittel erhalten hat. 132 3,88 4,00 4 2,06 37,1 K2_12 Um Interessenkonflikte bei Begutachtungen zu vermeiden, sollen angefragte Gutachter/innen vorab informieren, wenn ein möglicher Interessenkonflikt vorliegt. 132 6,33 7,00 7 1,13 89,4
Anhang 6 – Statistiken zu den Statements 135 x Zustimmung (%) Statement 35 36-46 46-55 56 35 36-46 46-55 56 K2_5 Bedarf die Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Arbeit, eines Berichts oder Gutachtens der vorherigen Einwilligung einer dritten Partei, so ist dieser Sachverhalt in der Veröffentlichung kenntlich zu machen. 5,56 6,33 6,28 6,15 73,7 90,0 86,4 89,7 K2_6 Wissenschaftliche Arbeiten sind unvoreingenommen, ergebnisoffen und objektiv zu erstellen. 6,38 6,78 6,88 6,82 94,7 100,0 97,8 100,0 K2_7 Wissenschaftliche Politikberatung soll auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft beruhen. 6,50 6,50 6,63 6,45 100,0 96,7 97,8 97,4 K2_8 Bei der Darstellung von Ergebnissen in der Politikberatung ist Verständlichkeit wichtiger als wissenschaftliche Exaktheit. 4,06 4,41 3,97 4,30 47,4 44,8 40,0 53,8 K2_9 Bei der Darstellung von Ergebnissen soll in der wissenschaftlichen Politikberatung dargelegt werden, wie belastbar diese sind und wo die Grenzen der Interpretierbarkeit liegen 6,13 6,47 6,59 6,42 94,7 96,6 97,8 100,0 K2_10 Die Grundlagen von Bewertungen in der wissenschaftlichen Politikberatung sollen transparent dargelegt und normative Aussagen als solche kenntlich gemacht werden 6,06 6,47 6,52 6,76 89,5 100,0 95,5 100,0 K2_11 Um Transparenz über mögliche Interessenkonflikte zu ermög-li- chen, muss bei jeder wissenschaftlichen Publikation angegeben werden, von wem der Autor/ die Autorin in den letzten fünf Jahren Fördermittel erhalten hat. 3,69 4,53 3,84 4,06 31,6 34,5 35,6 43,6 K2_12 Um Interessenkonflikte bei Begutachtungen zu vermeiden, sollen angefragte Gutachter/innen vorab informieren, wenn ein möglicher Interessenskonflikt vorliegt. 5,75 6,50 6,53 6,33 84,2 96,7 88,6 87,2 K3_1 Es ist unethisch, die (Ko-)Autorenschaft zu beanspruchen oder anzunehmen, wenn kein oder nur ein geringer Beitrag zu der Veröffentlichung vorliegt. 5,56 6,06 6,09 5,79 78,9 76,7 86,5 79,5
136 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern x Zustimmung (%) Statement 35 36-46 46-55 56 35 36-46 46-55 56 K3_2 Die Autorenschaft sollte bei Gemeinschaftsarbeiten in alphabetischer Reihenfolge erfolgen. 3,00 3,06 2,34 3,33 21,1 20,0 6,7 30,8 K3_3 Wer z. B. als Instituts- oder Arbeitsgruppenleiter/in durch Bereitstellung von Ressourcen und Forschungsmanagement die Grundlage für wissenschaftliche Arbeiten des Teams schafft, sollte als Letztautor auf allen Publikationen aus der Gruppe erscheinen. 2,40 3,28 2,44 3,30 11,1 26,7 17,8 25,6 K3_4 Betreuende Personen sollten nur dann als Autoren einer Publikation aufgenommen werden, wenn sie einen wesentlichen Beitrag bei der Erstellung des Einzelbeitrags geleistet haben. 5,69 5,78 6,00 6,36 84,2 86,7 84,4 92,3 K3_5 Nur wer einen wesentlichen Beitrag zu einer Publikation geleistet hat, kann als (Mit)Autor aufgenommen werden. 5,69 6,17 5,97 6,39 89,5 83,3 82,2 92,3 K3_6 Ein wesentlicher Beitrag eines (einer) Koautors (Koautorin) einer Gemeinschaftspublikation liegt dann vor, wenn er/sie a) die Konzeption der Studie oder der Untersuchungsmethode erarbeitet hat. 5,81 6,28 5,75 6,06 84,2 86,7 82,2 84,2 K3_7 Ein wesentlicher Beitrag eines (einer) Koautors (Koautorin) einer Gemeinschaftspublikation liegt dann vor, wenn er/sie b) die theoretische Analyse der Studie durchgeführt hat. 6,38 6,67 6,22 6,18 100,0 90,0 91,1 89,7 K3_8 Ein wesentlicher Beitrag eines (einer) Koautors (Koautorin) einer Gemeinschaftspublikation liegt dann vor, wenn er/sie c) Daten und Ergebnisse der empirischen Analyse erarbeitet, analysiert und interpretiert hat. 6,56 6,78 6,41 6,24 100,0 93,3 91,1 89,7 K3_9 Ein wesentlicher Beitrag eines (einer) Koautors (Koautorin) einer Gemeinschaftspublikation liegt dann vor, wenn er/sie d) die Publikation erfasst hat. 6,44 6,83 6,41 6,15 100,0 93,3 88,9 82,1 K3_10 Ein wesentlicher Beitrag eines (einer) Koautors (Koautorin) einer Gemeinschaftspublikation liegt nur dann vor, wenn er/sie mehr 3,63 3,78 2,84 3,85 31,6 34,5 31,1 41,0
Anhang 6 – Statistiken zu den Statements 137 x Zustimmung (%) Statement 35 36-46 46-55 56 35 36-46 46-55 56 als eine der Leistungen a - d in den vorhergehenden Fragen erbracht hat. K3_11 Bei Gemeinschaftspublikationen sollte der (die) Autor(in) Erst-Au- torenschaft erhalten, der (die) den wesentlichsten Beitrag geleistet hat. 5,69 6,28 6,66 6,63 89,5 90,0 97,8 94,7 K3_12 Bei Gemeinschaftspublikationen sollte grundsätzlich angegeben werden, worin der Beitrag eines jeden Einzelnen besteht. 2,88 3,78 3,88 3,36 31,6 46,7 43,2 35,9 K3_13 Für kumulative Qualifikationsarbeiten sollte bei Gemeinschaftspublikationen grundsätzlich eine gemeinsame Erklärung abgegeben werden, worin der Beitrag jedes (r) Koautors (Koautorin) besteht. 4,81 5,56 5,72 5,18 63,2 69,0 66,7 74,4 Anm.: a) Altersgruppen: 35 Jahre; 36-46 Jahre; 46-55 Jahre; 56 Jahre. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen.
138 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Anhang 6.4: Deskriptive Statistik zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft: Differenzierung nach Geschlechta) x Zustimmung (%) Statement W M W M Ethikkodex K1_1 Es sollte ein Kodex ethischen Verhaltens in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues ausgearbeitet werden. 4,68 4,23 53,6 49,5 K1_2 GEWISOLA und ÖGA sollten einen Ethikkodex zum wissenschaftlichen Arbeiten erstellen. 4,54 4,14 50,0 44,1 K1_3 Die Regeln der DFG zur guten wissenschaftlichen Praxis reichen aus. 4,39 4,82 35,7 55,6 Statements zur Durchführung von Forschungsarbeiten und wissenschaftlicher Politikberatung K2_1 Annahmen und Methodik wissenschaftlicher Arbeiten sollen deutlich werden und nachvollziehbar sein. 6,38 6,52 96,6 94,8 K2_2 Datensätze zu wissenschaftlichen Arbeiten müssen, soweit rechtlich möglich, von dem/der Autor/in (den Autoren/innen) au Anfrage anderen Wissenschaftlern/innen zur Überprüfung der Forschungsergebnisse verfügbar gemacht werden. 5,62 6,08 82,8 89,6 K2_3 Programme/Modelle zu wissenschaftlichen Arbeiten müssen, soweit rechtlich möglich, von dem/der Autor/in (den Autoren/innen) auf Anfrage anderen Wissenschaftlern/ innen zur Überprüfung der Forschungsergebnisse verfügbar gemacht werden. 5,59 5,89 89,7 83,3 K2_4 In wissenschaftlichen Arbeiten ist jede Unterstützung durch Dritte (z. B. Finanzierung) anzugeben. 6,66 6,44 100,0 94,8
Anhang 6 – Statistiken zu den Statements 139 x Zustimmung (%) Statement W M W M K2_5 Bedarf die Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Arbeit, eines Berichts oder Gutachtens der vorherigen Einwilligung einer dritten Partei, so ist dieser Sachverhalt in der Veröffentlichung kenntlich zu machen. 6,03 6,17 82,8 88,4 K2_6 Wissenschaftliche Arbeiten sind unvoreingenommen, ergebnisoffen und objektiv zu erstellen. 6,79 6,75 100,0 97,9 K2_7 Wissenschaftliche Politikberatung soll auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft beruhen. 6,55 6,53 100,0 96,9 K2_8 Bei der Darstellung von Ergebnissen in der Politikberatung ist Verständlichkeit wichtiger als wissenschaftliche Exaktheit. 4,46 4,02 53,6 44,8 K2_9 Bei der Darstellung von Ergebnissen soll in der wissenschaftlichen Politikberatung dargelegt werden, wie belastbar diese sind und wo die Grenzen der Interpretierbarkeit liegen 6,64 6,35 100,0 96,9 K2_10 Die Grundlagen von Bewertungen in der wissenschaftlichen Politik-bera- tung sollen transparent dargelegt und normative Aussagen als solche kenntlich gemacht werden 6,54 6,44 96,4 96,8 K2_11 Um Transparenz über mögliche Interessenkonflikte zu ermöglichen, muss bei jeder wissenschaftlichen Publikation angegeben werden, von wem der Autor/ die Autorin in den letzten fünf Jahren Fördermittel erhalten hat. 4,00 3,84 35,7 38,5 K2_12 Um Interessenkonflikte bei Begutachtungen zu vermeiden, sollen angefragte Gutachter/innen vorab informieren, wenn ein möglicher Interessenskonflikt vorliegt. 6,21 6,36 86,2 89,5 Statements zur Autorenschaft bei Gemeinschafts-publikati- onen K3_1 Es ist unethisch, die (Ko-)Autorenschaft zu beanspruchen oder anzu-neh- men, wenn kein oder nur ein geringer Beitrag zu der Veröffentlichung vorliegt. 5,55 6,02 72,4 85,7
140 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern x Zustimmung (%) Statement W M W M K3_2 Die Autorenschaft sollte bei Gemeinschaftsarbeiten in alphabetischer Reihenfolge erfolgen. 2,17 2,78 13,8 19,8 K3_3 Wer z.B. als Instituts- oder Arbeitsgruppenleiter/in durch Bereitstellung von Ressourcen und Forschungsmanagement die Grundlage für wissenschaftliche Arbeiten des Teams schafft, sollte als Letztautor auf allen Publikationen aus der Gruppe erscheinen. 2,57 2,91 21,4 20,8 K3_4 Betreuende Personen sollten nur dann als Autoren einer Publikation aufgenommen werden, wenn sie einen wesentlichen Beitrag bei der Erstellung des Einzelbeitrags geleistet haben. 5,79 6,17 86,2 87,5 K3_5 Nur wer einen wesentlichen Beitrag zu einer Publikation geleistet hat, kann als (Mit)Autor aufgenommen werden. 5,79 6,16 82,8 88,5 K3_6 Ein wesentlicher Beitrag eines (einer) Koautors (Koautorin) einer Gemeinschaftspublikation liegt dann vor, wenn er/sie a) die Konzeption der Studie oder der Untersuchungsmethode erarbeitet hat. 5,83 5,76 79,3 84,2 K3_7 Ein wesentlicher Beitrag eines (einer) Koautors (Koautorin) einer Gemeinschaftspublikation liegt dann vor, wenn er/sie b) die theoretische Analyse der Studie durchgeführt hat. 6,24 6,03 93,1 90,6 K3_8 Ein wesentlicher Beitrag eines (einer) Koautors (Koautorin) einer Gemeinschaftspublikation liegt dann vor, wenn er/sie c) Daten und Ergebnisse der empirischen Analyse erarbeitet, analysiert und interpretiert hat. 6,59 6,20 96,6 90,5 K3_9 Ein wesentlicher Beitrag eines (einer) Koautors (Koautorin) einer Gemeinschaftspublikation liegt dann vor, wenn er/sie d) die Publikation erfasst hat. 6,34 6,09 93,1 87,5 K3_10 Ein wesentlicher Beitrag eines (einer) Koautors (Koautorin) einer Gemeinschaftspublikation liegt nur dann vor, wenn er/sie mehr als eine der Leistungen a - d in den vorhergehenden Fragen erbracht hat. 3,69 3,44 41,4 32,6
Anhang 6 – Statistiken zu den Statements 141 x Zustimmung (%) Statement W M W M K3_11 Bei Gemeinschaftspublikationen sollte der (die) Autor(in) Erst-Autoren- schaft erhalten, der (die) den wesentlichsten Beitrag geleistet hat. 6,17 6,52 89,7 94,7 K3_12 Bei Gemeinschaftspublikationen sollte grundsätzlich angegeben werden, worin der Beitrag eines jeden Einzelnen besteht. 3,48 3,73 37,9 42,1 K3_13 Für kumulative Qualifikationsarbeiten sollte bei Gemeinschafts-publikati- onen grundsätzlich eine gemeinsame Erklärung abgegeben werden, worin der Beitrag jedes (r) Koautors (Koautorin) besteht. 5,21 5,06 72,4 66,3 Anm.: a) W = weiblich; M = männlich. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen.
142 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Anhang 6.5: Deskriptive Statistik zu ethischen Grundpositionen in der Wissenschaft: Differenzierung nach Herkunftslanda) x Zustimmung (%) Statement D Ö D Ö Ethikkodex K1_1 Es sollte ein Kodex ethischen Verhaltens in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaues ausgearbeitet werden. 4,18 4,48 46,9 52,4 K1_2 GEWISOLA und ÖGA sollten einen Ethikkodex zum wissenschaftlichen Arbeiten erstellen. 4,12 4,19 41,8 47,6 K1_3 Die Regeln der DFG zur guten wissenschaftlichen Praxis reichen aus. 4,87 4,30 57,1 35,0 Statements zur Durchführung von Forschungsarbeiten und wissenschaftlicher Politikberatung K2_1 Annahmen und Methodik wissenschaftlicher Arbeiten sollen deutlich werden und nachvollziehbar sein. 6,47 6,58 95,0 95,8 K2_2 Datensätze zu wissenschaftlichen Arbeiten müssen, soweit rechtlich möglich, von dem/der Autor/in (den Autoren/innen) au Anfrage anderen Wissenschaftlern/innen zur Über-prü- fung der Forschungsergebnisse verfügbar gemacht werden 5,94 5,75 85,9 87,5 K2_3 Programme/Modelle zu wissenschaftlichen Arbeiten müssen, soweit rechtlich möglich, von dem/der Autor/in (den Autoren/innen) auf Anfrage anderen Wissenschaftlern/ innen zur Überprüfung der Forschungsergebnisse verfügbar gemacht werden 5,75 5,75 81,8 87,5 K2_4 In wissenschaftlichen Arbeiten ist jede Unterstützung durch Dritte (z. B. Finanzierung) anzugeben. 6,43 6,63 95,0 95,8 K2_5 Bedarf die Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Arbeit, eines Berichts oder Gutachtens der vorherigen Einwilligung einer dritten Partei, so ist dieser Sachverhalt in der Veröffentlichung kenntlich zu machen. 6,13 6,13 87,9 87,0 K2_6 Wissenschaftliche Arbeiten sind unvoreingenommen, ergebnisoffen und objektiv zu erstellen. 6,76 6,83 98,0 100,0
Anhang 6 – Statistiken zu den Statements 143 x Zustimmung (%) Statement D Ö D Ö K2_7 Wissenschaftliche Politikberatung soll auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft beruhen. 6,53 6,63 99,0 95,8 K2_8 Bei der Darstellung von Ergebnissen in der Politikberatung ist Verständlichkeit wichtiger als wissenschaftliche Exaktheit. 4,17 4,21 50,0 45,8 K2_9 Bei der Darstellung von Ergebnissen soll in der wissenschaftlichen Politikberatung dargelegt werden, wie belastbar diese sind und wo die Grenzen der Interpretierbarkeit liegen 6,44 6,38 99,0 91,7 K2_10 Die Grundlagen von Bewertungen in der wissenschaftlichen Politikberatung sollen transparent dargelegt und normative Aussagen als solche kenntlich gemacht werden 6,52 6,46 96,9 95,8 K2_11 Um Transparenz über mögliche Interessenkonflikte zu ermöglichen, muss bei jeder wissenschaftlichen Publikation angegeben werden, von wem der Autor/ die Autorin in den letzten fünf Jahren Fördermittel erhalten hat. 4,01 3,88 38,8 41,7 K2_12 Um Interessenkonflikte bei Begutachtungen zu vermeiden, sollen angefragte Gutachter/innen vorab informieren, wenn ein möglicher Interessenskonflikt vorliegt 6,33 6,48 88,9 91,3 Statements zur Autorenschaft bei Gemeinschaftspublikationen K3_1 Es ist unethisch, die (Ko-)Autorenschaft zu beanspruchen oder anzunehmen, wenn kein oder nur ein geringer Beitrag zu der Veröffentlichung vorliegt. 5,90 6,13 82,8 87,5 K3_2 Die Autorenschaft sollte bei Gemeinschaftsarbeiten in alphabetischer Reihenfolge erfolgen. 2,91 2,13 22,2 12,5 K3-3 Wer z.B. als Instituts- oder Arbeitsgruppenleiter/in durch Bereitstellung von Ressourcen und Forschungsmanagement die Grundlage für wissenschaftliche Arbeiten des Teams schafft, sollte als Letztautor auf allen Publikationen aus der Gruppe erscheinen. 2,88 2,96 18,4 25,0 K3_4 Betreuende Personen sollten nur dann als Autoren einer Publikation aufgenommen werden, wenn sie einen wesentlichen Beitrag bei der Erstellung des Einzelbeitrags geleistet haben. 6,03 6,13 86,9 87,5 K3_5 Nur wer einen wesentlichen Beitrag zu einer Publikation geleistet hat, kann als (Mit-)Autor aufgenommen werden. 6,10 6,04 87,9 87,5
144 Bedeutung und Umfang unterschiedlicher Leistungsbereiche von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern x Zustimmung (%) Statement D Ö D Ö K3_6 Ein wesentlicher Beitrag eines (einer) Koautors (Koautorin) einer Gemeinschafts-publika- tion liegt dann vor, wenn er/sie a) die Konzeption der Studie oder der Unter-suchungsme- thode erarbeitet hat. 5,96 5,21 85,7 75,0 K3_7 Ein wesentlicher Beitrag eines (einer) Koautors (Koautorin) einer Gemeinschafts-publika- tion liegt dann vor, wenn er/sie b) die theoretische Analyse der Studie durch-geführt hat. 6,31 5,50 96,0 75,0 K3_8 Ein wesentlicher Beitrag eines (einer) Koautors (Koautorin) einer Gemeinschafts-publika- tion liegt dann vor, wenn er/sie c) Daten und Ergebnisse der empirischen Analyse erarbeitet, analysiert und interpretiert hat. 6,44 5,70 95,0 78,3 K3_9 Ein wesentlicher Beitrag eines (einer) Koautors (Koautorin) einer Gemeinschafts-publika- tion liegt dann vor, wenn er/sie d) die Publikation erfasst hat. 6,40 5,46 91,9 79,2 K3_10 Ein wesentlicher Beitrag eines (einer) Koautors (Koautorin) einer Gemeinschafts-publika- tion liegt nur dann vor, wenn er/sie mehr als eine der Leistungen a - d in den vorhergehenden Fragen erbracht hat. 3,47 3,67 34,3 37,5 K3_11 Bei Gemeinschaftspublikationen sollte der (die) Autor(in) Erst-Autorenschaft erhalten, der (die) den wesentlichsten Beitrag geleistet hat. 6,42 6,33 93,9 91,7 K3_12 Bei Gemeinschaftspublikationen sollte grundsätzlich angegeben werden, worin der Beitrag eines jeden Einzelnen besteht. 3,53 4,30 35,4 60,9 K3_13 Für kumulative Qualifikationsarbeiten sollte bei Gemeinschaftspublikationen grundsätzlich eine gemeinsame Erklärung abgegeben werden, worin der Beitrag jedes (r) Koautors (Koautorin) besteht. 5,36 4,67 72,7 62,5 Anm.: a) D = Deutschland; Ö = Österreich. Quelle: Eigene Erhebung und Berechnungen.